Preis in Augsburg für sich allein (ohne A. Postzeitung)jährlich Ist. ILkr Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags-Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Für sich allein, ohne die Augsburger Post» zeitung, find diese BlSt« ter nur Im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten ia ganz Deutschland, de, Schweiz u. s. w. jährlich nur L ft. SO k,. oder I Lhlr. Neunter Jahrgang. M 23 Juni 184S. Bischof Marilley vor dem heiligen Vater. DaS „SonntagSblatt von Münster" enthält über die Reise deö Bischofs von Lausanne nach Gaöta und seinen dortigen Empfang beim heiligen Vater folgende interessante Nachrichten: Der Bischof Marilley hatte aus seiner Wanderung zum heil. Vater am 23. April den Hafen von Civitavecchia verlassen, um sich von dort nach Neapel und weiter nach dem 18 LieueS entfernten Gaöta, dem Ziele seiner Reise zu begeben. Weil in Gaöta Niemand' Ausnahme findet, der nicht gewisse Beglaubigungsschreiben vorzeigen kann, mußte er den 24. zu Neapel wegen Beisckaffung derselben zubringen, und eilte dann am folgenden Tage auf der Eisenbahn bis Capua und von da mit einem Privat- gefähr nach dem Städtchen Mola, das nur anderthalb LieueS von Gaöta selbst entfernt ist. Er suchte sich hier ein Unterkommen, weil es wegen der Menge von Fremden äußerst schwer hält zu Gaöta ein solches zu finden. Sp nahe seinem Ziele — er konnte Gaöta und den königl. Palast, der die Zufluchtsstätte deS verbannten Statthalters Christi ist, deutlich sehen — vergaß er alle seine frühern Leiden, und wurde nach der Aussage seines Begleiters in eine heitere, freudige Stimmung versetzt. Am nächsten Morgen setzte er mittelst eines Fahrzeuges über die äußerste Spitze deö Meerbusens, der Mola von Gaöta trennt, begab sich sogleich nach der Landung zu dem königlichen, nunmehr päpstlichen Palast, und ließ durch den französischen Gesandten Herrn Harcourt um Audienz bei «einer Heiligkeit bitten, die ihm auch sofort gewährt wurde. Nach der üblichen Sitte geht in solchen Fällen dem Fußkuß ein dreimaliger Kniefall vorher. Dem Bischof Marilley blieb keine Zeit dieser Sitte nachzukommen; denn als er kaum eingetreten und niedergekniet war, eilte der heilige Vater von der Estrade, wo er die Fremden empfängt, ihm entgegen, hob ihn freundlich auf, und verlangte, daß er neben ihm Platz nehme. Die Unterhaltung drehte sich natürlich zunächst um die Ereignisse, welche den Papst und Bischof von ihren Sitzen verbannt haben. Bei der Erwähnung der Bedrängnisse, die der heilige Vater ausgestanden, und der mannigfachen Leiden, die ihn auch jetzt noch umgeben, zeigte derselbe eine wahrhaft himmlische Ruhe und Heiterkeit. Verläugnung, Selbstaufopferung und Gottvertrauen ist in allen seinen Zügen ausgeprägt. Als die Maaßregeln zur Sprache kamen, welche gegenwärtig die katholischen Mächte zu seiner Wiedereinsetzung auf den Stuhl Petri ergriffen haben, konnte er seine Befürchtung nicht unterdrücken, daß Rom ehestens der Schauplatz gräßlicher Ereignisse seyn werde, und sprach bei dieser Gelegenheit ein Wort aus, welches so ganz die edle Gesinnung seines großen Herzens kund gibt. „O könnte ich doch," so sprach er, „nach Rom hinüberfliegen, um wenigstens Blutvergießen zu verhindern." Der Papst, in. gewisser Hinsicht unempfindlich gegen seine eigenen Bedrängnisse, fühlt um so lebhafter die Leiben aller Katholiken, seiner Kinder. Das zeigte sich auch in der großen Theilnahme, die er dem Bischof von Lausanne bewies. Als dieser ihm nach Erzählung seiner Kämpfe und Verfolgungen die Gründe seines Verfahrens darlegen wollte, unterbrach er ihn mit den Worten: „Nein, mein Lieber (mio csro), Sie bedürfen keiner Rechtfertigung; denn ich habe an der Reinheit Ihrer Absichten und der Gerechtigkeit Ihrer Maaßregeln niemals gezweifelt." Der Papst hatte später die Gewogenheit selbst dem Bischof eine zweite Audienz auf den folgenden Tag anzubieten, damit er alSdann, so lange er wollte, fich mit ihm unterhalten könnte. Diese Audienz, bei welcher der Papst sich gleichfalls voll Güte und Theilnahme gegen den Bischof bewies, fand am 27. April Statt, und war für den Letzten, eine neue Quelle der Tröstung und Ermuthigung. Auf den Bischof, so wie auf seinen Begleiter machte die äußere Erscheinung deö Papstes den tiefen Eindruck, von dem Alle reden, die je in seine Nähe kommen. Alle Porträrö des Papstes, schreibt ! dieser Begleiter, sind mehr oder weniger ungetreu, und geben nur den deinen oder andern seiner Züge wieder. Seine Gestalt ist, abgesehen von ihrer natürlichen Anmuth und Schönheit, der lebendige AuSdruck der Gottesfurcht, Milde, Güte und Würde, und seine Physiognomie läßt unwillkürlich auf den hohen Adel einer noch schönern Seele schließen. Am Mittag »ach der zweiten Audienz besuchte der Bischof einige Cardinälc, die in Gaöta und Umgegend einen Zufluchtsort gesucht haben. AIS er in Begleitung eines dieser Cardinäle nach Mola zu seinem Gasi- hause heimkehrte, fand er die Straßen des Städtchens, welche wie die von Gaöta sehr eng sind, mit neapolitanischen Truppe» angefüllt, die nach Rom zogen, um an der Intervention zu Gunsten deS Papstes Theil zu nehmen. Ohne daß er sich dessen versah, stand er mit einem Mal, nur um zwei Schritte entfernt, beim König und der Königin von Neapel, die von zahlreichen Soldaten umgeben waren. Der Cardinal stellte ohne Umstände den Bischof dem KönigSpaar vor; der König richtete an den Bischof einige wohlwollende Worte, und dieser wünschte dem König im Namen der Schweizer Katholiken Glück zu seinem Unternehmen für den gemeinschaftlichen Vater der Gläubigen. In diesem Augenblicke ging ein Priester mit dem heiligen Sakrament vorüber, der einem Kranke» die hl. Wegzehrung gebracht hatte. Eine fromme zu Rom herrschende Sitte verlangt, daß i,r einem solchen Falle die Cardinäle selbst den Baldachin tragen und da- heilige Sakrament bis zu der Kirche begleiten. Der Cardinal kam sofort diesem frommen Gebrauche nach. Der Priester gab dem König und der Königin beim Vorübergehen den Segen mit dem hochwürd. Gute; Beide empfingen ihn auf den Knien liegend mit einer Ehrfurcht, die nur ein lebendiger Glaube einflößen kann, begleiteten den Priester bis zur Kirche, und empfingen dort, demüihig auf dem Pflaster sich niederkniend, eine zweite Bcdiction. Das Volk aus den Straßen erbauete bei dieser Gelegenheit den deutschen Bischof durch die Beweise seines lebendigen Glaubens und seiner »«geheuchelten Frömmigkeit. Ueber die zeitliche Herrschaft deS Papste-. II. Ist unser Glaube an die Versprechungen, die Gott seiner Kirche gemacht hat, ein aufrichtiger und lebendiger, so wird er auch durch keine irdischen Ereignisse wankend gemacht werden können. Unser Vertiauen auf das Schifflein Petri wird nicht beirrt werden durch die Fluchen, die eS hin- und Herwerfen. Und wenn auch der unsichtbare Steuermann bisweilen während deö Sturmes zu schlafen scheint, fest steht der Glaube der demüthigen Waller in dem geheimnißvvllen Schiffe. Der Hinblick auf die heilige römische Kirche, diese theure und verehrungSwürdige, Jahrhunderte hindurch mit den schrecklichsten Stürmen kämpfende Mutter lehrt unS mit lauter Stimme die Macht preisen, von der sie allein ihre wahre Kraft erhält. Augenblickliche Drangsale dienen nur dazu, die göttliche Stütze, auf welche die Kirche ihre ewige Dauer gründet, um so deutlicher vor unsere Blicke hinzustellen. — Wir sagten früher, daß die Gewissensfreiheit und die Unabhängigkeit der katholischen Wahrheit in der dargelegten Absicht GotteS vorsorglich mit der Freiheit und zeitlichen Unabhängigkeit deS päpstlichen Stuhles vereinigt seyen. Sowohl die Sicherheit der Kirche, als unsere eigene fordert, daß der Papst frei und unabhängig sey. — Diese Unabhängigkeit muß eine ober herrliche seyn; der Papst muß frei seyn, und auch als solcher erscheinen, der Papst muß frei und unabhängig seyn von Innen wie nach Außen. Dieses edle Haupt, gekrönt mit der geheiligten Tiara, darf nie und nimmer sich beugen unter das Joch einer fremden Herrschaft. Der Papst ist unser Vater und König durch den Glauben und unser Gewissen; seine Freiheit ist also auch die unsere, und nie kann irgend ein Theil der großen katholischen Familie, dieser durch das Opfer am Kreuze erkauften unb durch daö Blut Christi zur glorreichen Freiheit der Kinder Gottes wieder gewonnenen Kirche zugeben, daß der erhabenste Träger des göttlichen Gesetzes, der oberste Leiter der Gewissen, der Beherrscher der Seelen unwürdig gefesselt und gefangen gehalten werde. Jedes Gewissen, jede Seele müßte darunter leiden, der Glaube, das Sittcngesetz, unsere heiligsten Interessen würden zugleich mit ihm in Bande gelegt. — Trefflich sagt Monialembert: „Die Freiheit deS Papstes ist Bedingung sine g>ia noir der katholischen Religionsfreiheit, denn wenn der Papst, unser oberster Richter, das Tribunal letzter Instanz, das lebendige Organ des katholischen GesetzeS und Glaubens nicht frei ist, wie können Wir eS seyn? Wir haben somit daS Recht von der öffentlichen Gewalt zu verlangen, daß sie unsere persönliche Freiheit in Bezug auf die Religion, zugleich mit der Freiheit dessen, der für unS die lebendige Religion ist, gewährleiste." Von diesen, Gesichtspuncte aus ist die zeitliche Oberherrlichkeit deS Papstes eine nicht bloß italische Stiftung, sondern sie ist eine europäische, «ine allgemeine, mit einem Worte eine katholische. Rom ist daö gemeinschaftliche Vaterland aller Christen; alle sind Bürger NomS, jeder Katholik ist Römer. Nnd nur dieser einzigen Ursache ist eS zuzuschreiben, daß gegenwärtig die ganze Welt über die dem Papste angethane Gewalt schmerzlich bewegt ist, und daß alle katholischen Nationen in der Tiefe ihres Herzens Verletzt sind. Damit aber die Freiheit deS Papstes eine wahre und gesicherte sey, muß sie eine ob er herrliche seyn. Der Papst kann nicht wuerthan irgend eines Monarchen seyn, er bedarf einer unabhängigen Oberherrlichkeit. Diese Wahrheit erkennen selbst jene an, welche die zeitliche Herrschaft des päpstlichen Stuhles von jeher ungünstig ansahen, und bei denen bedauernS- werthe Vorurthcile die ursprüngliche Reinheit deS Glaubens verdunkelt haben. Wie viele Geständnisse von Protestanten könnten wir hier anführen! hören wir nur Einen: „Die Stellung deS Papstes muß der Stellung jener ebenbürtig seyn, welche auf der Erde herrschen; konsequent kann also keiner das Recht haben, über ihn zn gebieten." Gewichtige Stimmen sagten, und wir können es nur wiederholen: „Die Patriarchen von Constantinopel, niedrige Spielzeuge arianischer, mono- theletischer und bilderstürmender Kaiser geben uns ein abstoßendes Bild von dem, was in Folge der Jahrhunderte auS den Päpsten, diesen unwandelbaren Säulen der Wabrheit, hätte werden können, wenn Gott nicht durch ein fortwährendes Wunder sie bewahrt, oder vielmehr aus dem Schatze seiner Weisheit und Macht nicht daS einfache und kräftige Mittel genommen hätte, die Sicherheit der Kirche durch eine unabhängige Oberherrlichkeit zu befestigen." Und wenn auch gefangen, die Wahrheit bleibt immer Wahrheit. Der heilige Johannes ChrysostomuS, der goldene Mund deS Orientö, sagt: „DaS Wort GotteS ist wie ein Sonnenstrahl, nichts kann ihn binden." Die Wahrheit wird Gebieterin bleiben im Vaiican, wie in den Mamer- tinischen Gefängnissen. Petrus ist frei auch in Fesseln, König auch in der Verbannung. Wenn ein Wunder der Kirche Noth thut, so wird Gott eS wirken; bis jetzt aber wollte er noch nicht, daß es das einzige Unterpfand deS der Kirche und den Gläubigen verheißenen FriedenS sey. Aber eS genügt nicht, daß der Papst vor seinem innern Forum frei sey; seine Freiheit muß in die Augen fallen; er muß auch als frei erscheinen, man muß wissen und glauben, daß er eS ist, es darf hierüber weder ein Zweifel, noch ein Verdacht aufkommen. Wenn er in seinem Innern! vollkommen frei wäre, und dabei doch äußerlich irgend einem Herrscher,! z. B. dem Kaiser von Oesterreich oder Rußland untergeben wäre, so könn-! tcn wir unS darüber nur betrüben, denn er würde uns nicht hinlänglich! frei erscheinen. Ein natürliches Mißtrauen würde bei Vielen, vielleicht ohne ihr Wissen, den schuldigen Gehorsam und die Achtung gegen ihn ver--! minder». Seine Handlungen, sein Wille, seine Verordnungen, fein Wort,! seine geheiligte Person müssen immer über jeden Einfluß erhaben seyn, über allen Eigennutz, über alle Leidenschaften. Diese übernatürliche, im Oberhaupte der Kirche pcrsonificirle Gewalt ist zum Wohle Aller eingesetzt/ sie darf somit nie erbärmlichen Privatintercssen oder verderblichen Leidenschaften schmeicheln, sie ist der unbeugsame Feind aller selbstsüchtigen Re/ Zungen. Ehre und Pflicht verlangen sonach von dem kirchlichen Oberhaupte, daß er weder verdächtig sey, noch eS scheine; denn Niemand auf her ganzen Erde soll jemals daS Ansehen, die Aufrichtigkeit und vollkommene Unabhängigkeit deS Papstes in Zweifel ziehen. Einem solchen Zweifel aber wären wir leicht zugänglich, wenn er unter irgend ein Joch, unter was immer für einen Druck sich beugen müßte, und wir dürften dann keine Anstrengung, kein Opfer scheuen, sein Ansehen dieser Gefahr zu entreißen; zur Bestätigung deS Gesagten berufen wir uns auf daS Beispiel und das Wort des gegenwärtigen römischen Oberhirten, auf dem die bangen Blicke der ganzen Welt ruhen, und der feierlichst gegen die ihm in Nom angethane Gewalt protestirte mit den Worten: „Einer der Hauptbeweggründe, die Uns zur Entfernung von Rom bewogen haben, ist die Nothwendigkeit der vollen Freiheit, deren Wir in der Ausübung der höchsten Gewalt deS heiligen Stuhles bedürfen, und von welcher Freiheit die katholische Welt mit Grund voraussetzen könnte, !daß sie zu Rom unter den gegenwärtigen Umständen nicht in Unsern Händen sey." Wie sich die Kirche über alle Sonderinteressen erhebt, so auch über alle nationale Eifersucht. Nach der Auflösung des römischen Reiches zerfiel die Christenheit in eine große Anzahl von einander unabhängiger Staaten; die einen waren klein und schwach, die andern groß und stark. Aber die kleinen und schwachen müssen eben so wie die großen und starken ver vollkommensten Unparteilichkeit des gemeinschaftlichen VaterS sicher seyn, unb daS Vertrauen haben, daß er nicht die einen auf Unkosten der andern begünstige. Man weiß, welches traurige Ungemach und welche schmerzliche ^ Folgen die allzugroße Abhängigkeit der Päpste zu Avignon von den fran- ^ zösischen Königen nach' sich zog. — Wir werden in einem der folgenden Blätter sehen, daß der Papst frei und unabhängig seyn muß nach Außen und von Junen, womit wir unsern Gegenstand schließen wollen. Vorher aber dürften einige Bemerkungen hier ihren Platz finden. Wir beobachten mit nicht geringem Schmerz die traurige Leichtigkeit, mit der man den Feinden deS Katholicismus, in der eiteln Hoffnung, sie zum Schweigen zu bringen, die nützlichsten und rühmlichsten Vorrechte der Kirche als Beute überläßt. Glaube man ja nicht, daß sie die Kirche mehr ach- ! ten werden, wenn wir diese vor die Welt hinstellen als ein nacktes Symbol, beraubt aller ihrer uralten Rechte. Aber diese sind ja kein Dogma, sagt man. — Freilich ist die zeitliche Oberherrlichkeit deS Papstes kein Dogma, aber ist sie nicht eine zeitliche Folge seiner geistigen Herrschaft? und wenn sie auch nicht identifieirt werden kann mit der Wahrheit des Katholicismus, ist sie deßwegen weniger innig verbunden mit der Sicherheit, der Freiheit und der Größe deS Katholicismus? Ist die Wahrheit allein Alles, und Sicherheit, Freiheit und Größe der Wahrheit, sind diese Nichts? Die Tempel, Kathedralen und Heiligthümer sind auch nicht die Religion selbst, werden wir aber darum abermals dieselben den Jconoclasten, Revolutionären und Progression preisgeben, unter dem Vorwande, daß man das heilige Opfer immerhin im Schatten der Wälder und in Felsenklüften darbringen könne? Katholiken! ist daS die Glut und der Eifer für unsern Glauben? Wir glauben, daß ^ eS nur zwei Auswege gibt, die den Papst zur allein würdigen Unabhängigkeit führen können, die Geschichte nennt sie den Vatican und die Ma- mertinischen Gefängnisse, die Glorie deS MarterthumS, oder die freie, unabhängige und oderherrliche Herrscherwürde! Eine merkwürdige Prophezeiung. Im Jahre 1838 ist bei Gelegenheit der Cölnergeschichte ein Buch erschienen unter dem Titel: „Stimme aus Berlin an die Rheinländer und Westfalen von Joöl Jacoby." Wer jetzt die Schrift durchlieSt, wird staunen über den prophetischen Geist, mit dem sie geschrieben wurde. Jacoby war damals noch Jude, im Herzen aber gewiß schon gläubiger Katholik — er ließ sich in der Folge, wie sich auS seinen Schriften deutlich ersehen läßt, in der innigsten katholischen Ueberzeugung taufen. Wenn wir den Schluß dieser „Stimme" lesen, so dünkt eS unS, als hörten wir einen der alten heiligen Seher jenes Volkes sprechen, auö dem der Verfasser abstammt. Wir lassen denselben, weil er uns beachtenswerth genug dünkt, hier wörtlich folgen: „Ein DämmrungSbild, ein ahnungsvoller Geistertraum taucht dort auf. Was webet schicksalschwer über die Nationen, was droht und naht so ungeheuer? — Europäisch Blut, wie wirst du tränken daS Gcfild, wie wirst du fließen bis an daS Meer. — Du Heller Rhein — du hörst noch dunkle Sagen, du grüner Rhein — du treibst noch rothe Wellen! Ihr Mächtigen, wie werdet Ihr gebeugt, Ihr Völker, wie werdet Ihr gemäht! — DaS ist nicht eine Wetterwolke, die dort dräut an dem Horizont; daS ist schon eine Ahnung von dem Weltgericht. Aufgeregt sind die Tiefen, aufgewühlt sind die Gräber, und auch die Todten senden ihre Boten zu diesem Kampf. Seht — wie sie kommen, wie sie schleichen, die Gespenster und die Schatten, die alten Heiden und die alten Juden, die bleichen Götter und Dämonen, und mischen ihren Ruf und mischen ihren Reigen in Europas Nothgeschrei, in Europas Geisterschlacht. Sie, die von der Kirche Bezwungenen, sie, die bei dem Kreuze Begrabenen, S1 sie schweben auf, sie schweben nieder, zu rächen ihre Schmach, zu brechen das Kreuz, zu beugen die Kirche. ES hat der Abgrund geöffnet sein Revier, und waS vermodert, was bewältigt war nach langen Kämpfen, — hervor auS der schauerlichen Tiefe schleppt eS körperlos den Schatten und ruft und grinset: Nieder mit dem Kreuz! Nieder mit der Kirche! — Und die Todten hüllen sich in neue, bunte Kleiver, setzen die rothe Mütze anf das verweste Heidenhaupt, singen in jungen, frechen Liedern den alten Judengrimm, schwingen mit der Knochenhand die scharfe Lanze, und über den Markt und über die geschäftige Gasse, heulend, höhnend, fratzenamg. wälzt sich nach dem Heiligthum der Gespensterspuck. Sinnverwirrend kosen seine Lieder, und eS locken seine Fahnen, locken geistbethörend unsre Jugend. Da erfaßt die Lebenden der Taumel, und toll, mit bacchantisch-wüstem Schauder, stürzen sie sich in den Todtenreigen, und eS tönt der Chor: Nieder mit dem Kreuz! — Nieder mit der Kirche! — Eine weite, weite Wüste von Gräbern allüberall. Blut, Blut und Wieder Blut. Zerbrochen, zertreten wird jegliches Werk und jegliche Gewalt.— Auch du, Weltsacrament der Kirche, du unwandelbares, du von Anfang an znadenvoll vorbereitetes? — Kraft deS geoffenbarten Wortes überragst, überwältigst, verklärest du die nahende Zerstörung, und mit Mutterarmen umfängst, erhebst du wieder das gesühnte, das reuevolle, daS im geläuterten Glauben gereinigte Geschlecht. — Ihr aber, edle Geister, edle Fürsten, schützet, schirmet das Kleinod; mit todeömuthigem Eifer bewahret, bewachet daS einzige Pfand einer glorreichen Zukunft. Und wer da rüttelt den Kirchenbau, ver hat verfehmt die frevelhafte Hand. Der Bau soll bleiben trotzig und unwandelbar, da alles Irdische versinkt und stürzt. Und ist des Baumes Krone auch entblättert und verwelkt: — die Wurzel sollen Frevler nicht betasten mit dem mörderischen Arm. Den Wipfel magst du peitschen, wüthiger Sturm: und beugst du ihn, — der neue Frühling bringt uns neues Laubgewind. Denn eS welkt und stirbt und verjünget sich wieder das zeitliche, wechselnde, wandelnde Grün. Jedoch — hat des GifteS leisester Hauch die Wurzel erst erfaßt, da bricht, da siecht, da stürzt der ganze Stamm. Bei der Wurzel haltet ernste GeisteSwacht, die Wurzel schirme treu der GlaubenSernst. O großer Kampf — zu streiten für des Lebens Kern und Stern; o süßer Tod, zu sterben für deS Lebens Herrlichkeit! Du Schlange dieser Welt, du schändlich Jakobinerhaupt — glaubst du, weil du benaget hast manch morschen Knabenbau. manch zeitlich Regiment — so sey der Kirche ewiger Dom, so sey der Kirche felsenstarke Säule auch preisgegeben deinem giftigen Zahn und dem verfluchten Wesen? Komm' an, du Ungethüm! — Die Völker stehen da mit nackter Brust, zu schirmen ihres HeiligthumS Asyl, zu wahren ihrer Kirche Sacrament. TodeSmuthig soll ein Wald von Schwertern dich empfangen. — Die Stein chen hast du leicht zermalmt: — beim Felsen wirst du bersten!" — Beschlüsse der zweiten Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands. -j- BreSlau, 30. Mai. Unter dem Vorsitz deS LegationS-Rathes Dr. Lieber wurden von der zweiten in BreSlau zusammengetretenen Ge neralversammlung deS katholischen Vereins Deutschlands folgende Beschlüsse gefaßt: I. Commission (Formales) unter dem Vorsitz v. Secr. Nadbyl, nebst 6 Mitgliedern. Zwischen §. 3 und 4 der Geschäftsordnung (s. die amtlich herausgegebenen Verhandlungen der ersten Generalversammlung) wird eingeschaltet: die Generalversammlung wird durch eine Vorversammlung der schon anwesenden Deputirten eingeleitet. In 8- 7 der Geschäftsordnung wird anstatt „die Legitimationen leitet der Vorsitzende rc." heißen: „der Vorstand des Versammlungsortes prüft die Legitimationen der Abgeordneten." Ferner: der Vorstand und AuSschuß deS Versammlungsortes wählt aus sich höchstens 25 Abgeordnete dieses Vereins. Jeder Abgeordnete hat volles Stimmrecht. In materiellen Fragen sind ?/z der abstimmenden Abgeordneten nöthig, bei formalen Fragen entscheidet die absolute Majorität. Die Veränderungen in der Geschäftsordnung sind nur provisorisch. ES wird von nun an nur Eine Generalversammlung deS Jahres gehalten, und zwar im September, welche auch in diesem Jahre noch stattfinden soll. Dagegen soll jede Provinz gehalten seyn, wenigstens eine Provinzialversammlung jährlich zu halten, und davon vier Wochen vorher dem Vororte Kenntniß geben. Ferner: die Besorgung der geistlichen Bedürfnisse der nach Amerika auswandernden Katholiken wird dem Ludwigs- und Leopold-Vereine dringend empfohlen. Gründung eines Vereinsorgans bleibt offene Frage. Ferner: die Provinzialvereüie restiluiren dem Vororte die gehabten AuSlagen, jedoch so, daß von einer Cnilralcass.' keine Rede. Ein Memorandum an alle Kaiholiken Deutschlands über die wahre Freiheit und die Stellung der Katholiken zu ihr wird entworfen. Alle Einzelnvereine mit genauester Zahl der Mitglieder werden zusammengestellt, und dann als Anhang den Verhandlungen beigefügt. Frauen werden als hörende Mitglieder in den Verein ausgenommen. Die heilige Mutter GolleS wird als Schutzpalronin des Vereinö erwählt. Nur über Hauptfragen wird Discussion gestattet, über die übrigen wird stillschweigend hinweggegangen. II. Commission (Inneres.) Vorsitzender Härtung. Rcf. Pell- dram (Ps. u. Erzpr. in Warmbronn). Corref. Pf. Hin,ioben. Der katholische Verein Deutschlands, in Anerkennung des Grundsatzes der Unterrichts- und ErziehungS - Freiheit, erklärt, sich anschließend an den Ausspruch der hochwürdigsten Episkopalversamnilung in Würzburg: die katholische Familie hat die Pflicht, ihre Kinder katholisch zu erziehen. Die Erfüllung dieser Pflicht nicht zu verkümmern ist der Staat vermöge der Unterrichts- und Religionsfreiheit verbunden. Hierauf sich stützend spricht der katholische Verein Deutschlands auü: mit allen rechtlichen Mitteln, durch häufige Besprechungen der UnterrichtSsrage in den Versammlungen und durch Verbreitung zweckmäßiger Schriften dahin wirken zu wollen, daß daS Recht der Familie auf die Erziehung ihrer Kinder zur Anerkennung gebracht werde, so wie durch alle rechtlichen Mittel dahin zu streben, daß die katholischen Schulen in ihrer Reinheit erhalten, da, wo eS nöthig, neue gegründet, und daß die katholischen Schulstiftungcn ihrem Zweck nicht entzogen und die vielleicht ihrem Stiftungszwccke entfremdeten wieder zurückgegeben werden müssen. Ferner fordern die Katholiken vom Staat und den bürgerlichen Gemeinden, daß aus den Steuern, welche sie zahlen helfen, resp. aus dem StaatS- und Gemeinde-Vermögen nicht bloß «katholische, sondern auch katholische Schulen für sie nach Verhältniß und Bedürfniß dotirt und errichtet werden. Der Präsident wird eine Adresse an daS hochw. Episkopat fertigen, die die Anerkennung für die Auösprüche der Schulangelcgcnheit u. s. w. enthalten soll. ES wird eine Preisfrage gestellt: die möglichst beste Broschüre über Unterrichtsfreiheit, deren Beurtheilung eine Commission in nächster Generalversammlung vornehmen wird. Der Preis ist der Preis der Ehre. Die Versammlung wird daS Episkopat Deutschlands in den von ihm zu treffenden Maaßregeln zur Herstellung einer katholischen Universität kräftigst unterstützen. Von Schriften, welche Lebensfragen der katholische» Sache in entschieden zweckmäßiger Weise behandeln, wird eine entsprechende Quantität aeguirirt und verbreitet, zugleich wird der Vorort die Ccntralvereine auffordern, Flugschriften u. s. w. möglichst zahlreich im Sinne der Kirche und deS Vereins zu verfassen und möglichst wohlfeil zu verbreiten. Durch Verzeichnisse guter katholischer Bücher werde allmälig ein vollständiger Catalog der populären katholischen Literatur zu Stande gebracht, deren strenge Prüfung der Vorort übernimmt. III. Commission (sociale Frage). Vorsitzender Lor. v. Ketteler. Zur Wiederherstellung und Förderung einer christlichen Armenpflege hat das Wirken des VincenzvereinS in neuester Zeit sich als daS verdienstlichste Mittel bewährt. Daher wird den katholischen Vereinen die Errichtung von Vincenz v. Paul Vereinen dringend empfohlen. Auf Grund und Anweisung der Statuten deS genannten Vereinö soll zunächst die Linderung der leiblichen und geistigen Noth der Armen erzielt werken. Außerdem sollen nach Bedürfniß und Möglichkeit errichtet werden: ») Kleinkindcr- bewahranstalten, b) geeignete Unterrichtsanstalten für Lehrlinge und Gesellen, o) Lehr- und Sprechlocale für Lehrlinge, Gesellen und Meister an Sonntagen und Feierabenden, cl) Volksbibliotheken, e) Frauenvereine zur Pflege der Kranken Armen. Der Anschluß an den Pariser Verein unmittelbar wird den Einzelnvereinen frei gegeben. Der Verein solle sich bei der Errichtung eines Denkmals für Joseph v. GörreS bctheiligen. Die Vereinsmitglieder mögen sich nach Kräften bei den Missionö- vereinen bctheiligen. Ort der nächsten Generalversammlung im September ist Wien, im Behinderungsfalle eventuell RegenSburg. IV. Commission. (AeußereS.) Vorsitzender Domcapit. Baltzer. Die korporative Betheiligung in rein politischen Fragen und Ten- denzen bleibt von den Vereinen ganz ausgeschlossen, und es muß jevem VereinSmitgliede überlassen bleiben, welche polnische Änsicht er zu der seinen macht. Die Veriammlung warnt daher die Cinzelnoereme, auf unstatthafte Weise die politischen Fragen in den Kreis ihrer Wirksamkeit zu ziehen, und in Bezug hierauf verweist sie auf 8 7 u. 10 der Statuten. ' CS bleibt dem Vororte überlassen, die Verbindung des katholischen Vereinö Deutschlands um außerdeut>chen Brudern ii» geeigneter Weise fort- zusetzen und zu erweitern. Es werde eine populäre Schrift über daS katholische VereinSwesen in Deutschland bald möglichst verfaßt. Diese Schuft wirb in zwei Abheilungen zerfallen, deren erste Belehrung der Mitglieder, deren zweite eln Sporn für außerhalb dcö Vereins Stehende seyn soll. Diese Schuft i>l eine Preisfrage, die dem Vororte zur Prüfung eingesendet wird. Preis ist der Preis der Ehre. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß die katholischen Vereine zur Wiedererweckung dcö religiösen Sinnes, der die Verherrlichung der Kirche besonders im Cult zum Zwecke hat, mitwirken sollen. BrcSlau wirb znm zeitigen Vororie envühlt; Präsiceiu dic. Wirk, und zur Erweiterung des Vororlövvlstauces werden die Herren: Canon. Pros. Dr. Baltzer, Curat. Lic. Welz, Gymnasiallehrer Dr. Baucke uud Semmar- director Licent. Baucke ernannt. Die Versammlung entsendet eine Deputation zum Danke an die Oberbchö-den, daß sie r», ^'laaeulngSznstanve die Abhaltung der Generalversammlung gestaltet haben. , ^ Präsident Dr. Lieder wird das von ihm zu verfassende Schreiben Lll S Episkopat auch selbst anöfertigeu. AIS Commission zu Herausgabe der Verhandlungen werden ernannt: Can. Baltzer, Lic. Wick, Secrei. Nacbyl unv die nreslauer Mitglieder deö Secretariatö: llr. Baucke, Sem. Dir. Baucke, Curat. Gomille. Die Beiträge an cen Vorort werden brovi nmnu bei der Generalversammlung von den Repräsentanten der Vereine mitgebracht. 6 Thlr. auf jeden Centralverein bestimmt. Der Termin zur Abgabe der PreiSschriftcn wird in den katholischen Blättern inserirt. Anträge zur nächsten Generalversammlung müssen einige Tage früher an den Vorort eingesendet werden. Liese Aiuräge muffen classisicirr und bereits gedruckt den ankommenden Abgeordneten überreicht werden. Doch dürfen die eingeh nten Anträge nur von den Ceiilralyereinen, schon wohl- geprüft, eingesandt werden. Anträge, die nur Provincial- und Local-Interessen berühren, werden von der Debatte ausgeschlossen, und nur dann vorgebracht, wenn sie sich zur speciellen Verwendung deö katholischen Vereins Deriischlandö eignen. In Ermanglung eines Gesammiorganö sollen die Cenlralvere>ne den einzelnen Filialvereineu alle in den Zweck deö LereinS einschlagenden Schriften und Schreiben des Vorortes treulich mittheilen. PiuSvereive. Schwabm ü ncken, 30. Mai. Gestern hielt der hiesige PiuSvcrein eine öffentliche Generalversammlung, zu welcher sich auf ergangene Einladung auch circa 24 Miiglicbcr deS Augöburger, und 12 Mnglieber deö LandSbergcr PiuSvcreineS eingesundeu hallen. Der eigeiullchen Versammlung voran ging ein feierlicher Gottesdienst, um den Segen deS Himmels für die VereinSbcstrebungen zu erflehen. In einer trefflich ausgearbeiteten Kanzelredc (die auf in der Versammlung gestelltes Ansuchen dem Drucke übergeben werden wird) begründete Hr. Pfarrer Helmer sein Thema: „Die Katholiken sollen und können den Bestrebungen der Feinde deS christlichen Glaubens mi Nachdruck und Eifolg entgegenwirken." Hierauf celebrirte Hr. Pfarrer Strichele das heilige Meßopfer, unter weichem ein vollstimmigrr kräftiger VolkSgesang Ohr und Herz erfreute. In der unmittelbar darnach abgehaltenen sehr zahlreich besuchten Versammlung referirtcn zuerst Hr. v. Brentano, dann Hr. llr. ZinSler Einiges über die allgemeine Versammlung des katholischen LereineS in Breslau bei welcher sie alS Abgeordnete deö AugSdurger PuiSvereins zugegen waren; dann richtete Hr. llr. P. Wittmann einige herzliche Worie an die Versammelten, worauf der Vorsitzende deö Lancsberger PiuSvereineS das Wert ergriff, in ausführlicher Rede die Nothwendigkeit der Bildung von PiuS- vcreincn und ih.cS kräftigen Zusammenwirkens darlegte, und der Schwie» Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. rigkeiten und Intriguen erinnerte, gegen welche man bei Gründung deS PiuSvereineS in Landsberg zu kämpfen gehabt habe. Deßungeachtet sey derselbe erstarkt und zähle sammt seinen Zweigvereinen in den benachbarten Ortschaften bereits 1140 Mitglieder. Der Redner sprach auch den Gedanken aus, daß die katholische Kirche keine Stammesunterschiede kenne, und daß sich Altbayern und Schwaben treuherzig die Bruderhand reichen, um mit allen rechtlichen Mitteln die Freiheit der katholischen Kirche zu erringen, welchen Gedanken besonders der Vorstand des Schwabmünchener PiuSvereineS zum Schlüsse nochmal kräftig hervorhob, nachdem zuvor noch Hr. Director Birker und Hr. Lehrer Lorenz aus Augsburg einige passende Bemerkungen gemacht hatten. Alles ging in größter Ruhe und schönster Ordnung ohne die mindeste Störung vor sich, und dauerte beinahe 6 Stunden; denn unmittelbar nach dem Gottesdienste, der um 8 Uhr begann, begab man sich in das VersammlungSlocale, welches man erst um ^2 Uhr wieder verließ. (Lechbote.) » » « Elsendorf, 29. Mai. Gestern war auf der ehemaligen Eremitage St. Anton große Versammlung deS PiuSvereineS. Auf den Kirchthürmen »er umliegenden Orte flatterten weißblaue Fahnen und an der Gränze deS FestplatzeS waren drei große Flaggen aufgerichtet: eine deutsche, eine bayerische und eine Friedenssahne (weiß mit einem rothen Kreuze). Ein Altar, die Rednerbühne und der ganze Platz prangten von Blumen und frischem Grün. Schaaren von Andächtigen kamen in Processionen mit Fahnen heran. Herr Pfarrer Eberhard predigte über den Glauben. Dann war Hochamt. Nach einer Pause wurde die Versammlung von dem Vorstands deS PiuövereinS eröffnet. Es traten vier Redner auf, die über die ReichS- verfassung, Grundrechte und andere politische Tagesfragen sprachen. Der letzte war Pfarrer Eberhard, dessen Rede der Glanzpunct der Versammlung war. Er verbreitete sich über die wahre Demokratie vorn edlen, christlichen Standpuncte aus. Vielen standen Thränen in den Augen, viele jubelten und riefen Beifall zu. Die Zahl der Anwesenden wurde auf 6000 geschätzt. (Bayer. VolkSbl.) Nn die treuen Bayern im Gebirg. *) Hinauf in Eure Berge, wo Gottes Odem weht. Wo fest, wie seine Felsen, des Volkes Treue steht, Dringt jetzt in Sturmes Nöthen zu Euch des Königs Wort, Zu Euch, Ihr wackern Männer, Ihr Baycrn'S Schutz und Hort! Die eidvergcß'nen Buben, dort unten an dem Rhein, Die wollen jetzt die Herrscher von uns Altbayern seyn. Was sagt Ihr dazu, GcbirgSleut'? Faßt Euch nicht Zornes Gluth? Erwacht in Eueren Herzen jetzt nicht der Vater Muth? Ihr Schützen von den Bergen, den Stutzen von der Wand! DaS Aug' dem Feind entgegen, die Waffe nehmt zur Hand! Ihr Männer aus den Thälern, jetzt heißt es Aufgeschaut! Denn Eurer alten Treue ist Bayern'S Heil vertraut! Ihr seyd die ächten Söhne von jener heil'gcn Schaa», Die einst auf ScndlingS Höhen treu bis zum Tode war. Balv heißt's, wie Jene zu kämpfen wohl einen wackern Streit! Für Vaterland und König! — Ihr Männer seyd bereit! Der Teufel fand wackre Gesellen wohl an der Pfälzer Brüt, Sie schwingen die rothe Fahne und lechzen nach Mord und Blut. Blau weiß ist unser Banner, dem sind wir treu bis zum Tod! Mit uns sind Gott und die Heil'gcn! — da hat es keine Noth! Wir kämpfen für die Treue, für Könlg und Vaterland! Drum Männer, nicht gesäumct, den Stutzen nehmt zur Hand! Und sollten wir auch fallen im heil'gcn Ehrenstrcit, Die Heil'gcn uns zu empfangen, sind droben dann bereit. Schon länger als ein Jahrhundert ruhn SendlingS Helden im Grab, Und rollen auch noch Jahrtausend inS Meer der Zeiten hinab, Ihr Name wird niemals sterben, gepriesen in Ewigkeit! — Drum zeigt, daß Ihr wie die Väter, altbaycr'sche Helden seyd! *) Bei einer der jüngsten Volksversammlungen im bayerischen Gebirg vertheilt. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.