Drei« in Aug-burg für sich allein (ohne A. Pofizeitung)jLhrlich L fl. I S kr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Für sich allein, ohne die Augsburger Post« zeitung, find diese Blät« ter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jähr« lich nur L fl. Sv kr. oder I Thlr Neunter Jahrgang. I V. Juni L84S. Aufruf an die deutschen Katholiken. Von Dr. Büß') Katholiken des deutschen Reichs! Unser Elend stammt schon lang her. Jenes hohe Reich, wie eS Kirche und Staat an Weihnachten des Jahres 800 im freien Bund Papst Leo IH. und Karl der Große gestiftet, das unter die Einheit der Nation die freien Stämme in frischer Eigenthümlichkeit geeint, und die von beiden getragene Herrschaft der Welt gebracht, das der Nation nach innen den Frieden, nach außen die leitende Geltung in der Menschheit gegeben — eS leuchtete stets nur kurze Zeit in unserer Geschichte. — Nach kurzem Glan, trat immer eS in längere Nacht zurück — der Nation nur eine stolze Erinnerung, eine kühne Hoffnung. Und immer schwächlicher ist eS geworden, bis in den Wechselstreit der Kaisermacht und der Landeshoheit und andere daran sich hängende Zerwürfnisse deö Glaubens Spaltung zerrüttend eingefahren und daS Reich inS Grab gelegt. Was das deutsche Volk noch an Kraft gerettet, der 30jährige Krieg hatte eS aufgezehrt; in dem westfälischen Frieden hatte die Nation durch die Hingabe ihrer Weltgeltung und ihres Stolzes eine falsche Ruhe, nur einen Scheinfrieden erschachert, und von dieser Zeit an hin und her geschleudert zwischen feindlicher Verwüstung und heimischem Selbstverderb in jener seuchenarligen Atome yingeiränkelt, welche alle Kraft der Selbstentwicklung, alles Mannhafte bis zum Grunde ausgezehrt. Von da an hatte sie jene Schwäche^ beschlagen, welche schon vor dem Kampf am Siege gezweifelt, und jene Schaam, welche stets daS Bewußtseyn der Schuld ist. Das Vaterland lebte und zuckte nur noch in Stücken fort, und verwüstend wirthschaftete jene Kleinstaaterei, welche alles nationale Große nicht einmal begreift,'viel weniger thut. AUeS Gemeinsame zerbröckelte in jene philisterhafte Pedan- terei, welche »ach der einen Seite Hoffart, nach der andern KnechlSsinn zeigt. Wahrhaft wie ein Rcttuiigöfieber ist die französische Revolution in dieses deutsche Elend Herabgefahren und hat die in Winkeln herumliegenden Kräfte der Nation zum Widerstand herausgefordert. Aber Verrath und Hoheitsgelüste der Reichsfürsten senkten im Jahr 1806 daS deutsche Reich inS Grab, und erst die Mißhandlung durch den fremden Eroberer rief die Nation zur Schaam und zur Erinnerung. Da zuckle wieder deutsche Kraft und deutsches Leben; kaum waren aber die Schlachtenhekatomben am Altar deS Vaterlandes gefallen und daS Kreuz des Friedens auf den Schlachtfeldern wieder aufgerichtet, da hat das alte Elend von vorn wieder angefangen. Dem Feind, den die Deutschen kaum bezwungen; haben sie eS nachgemacht. Die absolutistische Wirthschaft deS französischen JmpcrialiSmuS, vo^ dem sie feig hingeknieet, haben die Einen in ihrer Verwaltung zwerghaft^ fortgeführt, die andern holten über'm Rhein den modischen Constitutiona-> liSmuS, um ohne Blick auf nationale Noth und Sitte ihn dem Volk als; Mummenschanz aufzuhängen. ! Niemand hat die Freiheit auS deS Volkes herrlichem Eigenwesen ausgeschöpft; so sind wir über ein Vierteljahrhundert im Joch der fremdländischen Formelrepräscntatiou fortgegangen; verworrener ist es immer in dem Staat geworden, und theurer und leerer auch und wüster in den Köpfen: das öffentliche Leben war voll Mißtrauens, WirrsalS und Künst- lichkeit; die Parteien vertobten sich in den Formen, spaltungSsüchtig, lügenhaft und elend. So ist der Kernguß deS alten nationalen Reichs in bröcklichte Geschiebe zergangen. DaS nationale Gewissen war verstummt: große Ge- sammtüberzeugungen fehlten, wie sie früher als Standarten ganze Stände ') Aus seinem in Frankfurt erscheinenden: Katholischen Vereinsboten. durch Jahrhunderte hin geleitet. Mit dem Genie,'»glauben erstarb auch der Gemeinsinn und die dadurch allein zu befeuernde Hingebung an daS Gemeinwesen. So elendiglich war aber der kernige Felsenflötz, der sich über deS Reichs weite Lande hingegossen, zertrümmert, weil die Kirche, die ihm Kilt und Bindung vorweg gewesen, entzwei gegangen, und diese Spaltung sich in endlos vielen, weiten Trennungen wicdcrgcbärend durch daS ganze vielfache Leben der Nation sich soit- und durchgesetzt. Alle die spaltigen Meinungen und Interessen hatten früher sich in einem der Nation angeeigneten höheren Positiven ausgeglichen. Jetzt war aber Alles frei geworden, der Staat war von. Reich, der Glaube, die Sitte, die Schule von der Kirche abgelöst: Alles ging auS einander, die Nation am weitesten. Der Staat hat seine Ablösung von. Reiche und den Kitzel seiner Landeshoheit zuerst und schwer gebüßt. — Nachdem er den Menschen von der Autorität der Kirche losgebunden, um ihn allein in Beschlag zu nehmen, hat dieser ihm angethan, was selbst der Staat früher an der Kirche verschuldet; der Einzelne als Einzelner wollte herrschen, nur der aus dem Willen der Einzelnen zusammengeblasene Gesammtwille sollte gelten; und weil er durch die zerstörten Stände nicht mehr zu einem Ge- sammtauSspruch sich einigen konnte, so setzte ,er sich in die repräsentativen Kammern nieder, und regierte selbst, statt des Volkes Rechte und Interessen gegen die Regierungen zu wahren. So waren die Regierungen zur levren Lewiamkeit herabgesunkcu: sie waren in dem Karren der wechselnden Kammermehrheiten scheinbar duldend fortgegangen, die sie aber oft genug überlistet. Start zu herrschen, hatten sie gedient. DaS hätte sich noch Dulten lassen, hätten nur die Mehrheiten die Freiheiten, Rechte, Anliegen deS Volkes selbst vertreten. Allein die Repräsentation war gefälscht: nicht Die Stände waren waren vertreten, sondern die Meinungen und diese nicht alle: Advocaten, Professoren unv derlei Leute besetzten die Kammern, aber nicht das Volk. DaS Ganze war eitles Parteigetrieb. Die eine Partei trieb die andere von, Ruder und regierte dann wie die andere fort: daS Beamtenunwesen rieb niederdrückend jede nationale Regung auf. Und wie jetzt Standschaft und Regierung einander überlisteten, beide von der stets dichter wuchernden Bureaukratie betrogen, so logen Bundestag und Landesregierungen einander unv beide die Nation wetteifernd an. DaS AuSland halte seine Freude unv seinen Hohn an uns. Dieser Zustand war unerträglich, aber zum Glück bis zur Wurzel faul. Jeder Verständige sah nahen daS Gericht. — Da schlug im Hornung vorigen Jahres der Blitz der richtenden Revolution in die organisirte Korruption Frankreichs, nicht plötzlich: — eine Verschwörung hatte den großem Theil deS Erdtheilö unterwühlt, auch Deutschland. — Die Regierungen waren gewarnt worden; sie waren blind geblieben. Kaum war die Republik über dem überraschten Frankreich errichtet, so schlug die Lohe über den Rhein. — Die alten Liberalen stellten bereit sich zusammen; Heppenheim, Heidelberg, daS Vorparlament sahen Revolutionäre in Glanzhandschuhen. Da offenbarte sich die Erbärmlichkeit der Regierungen; faul !hiS inS Herz zeigte sich dieser ganze gouvernementale Quark; faul bis inS ^Herz zeigte sich der Wust politischer Parteien, feig, schwächlich feig zeigte !sich das Büraerthum und im Volk eine Grundsatzlosigkeit, eine Verwahrlosung, eine Verwilderung, welche schlimm für die Bildung und Sittlichkeit zeugte, die ganz Europa uns willig zuerkannt. — Da trat an daS Licht >daö namenlose Elend, welches Alle verschuldet; die Knechtschaft und die !Muthlosigkeit der Kirche, die VolkSentfremdetheit des StaatS, die Selbstsucht der Parteien, die Entwurzeltheit der Sitte, der UeberzeugungSverrath der Schule, allum die Entmannung des öffentlichen Lebens. — Und alle i Schuldigen haben schon ihre Strafe. Alle die politischen Windmacher, ! welche der März 1848 auf die Höhe gewühlt, sie sind zurückgesunken ,n den Staub; der März 1849 hat sie gerichtet. — WaS die Verschwörung zur Bewegung deS vorigen JahreS gethan, das hat ihre reine Fluth getrübt und ist untergesunken; nur das Volk hat die Märzerhebung rein und gewissenhaft aufgenommen. Groß war der Jammer im Anfang und groß ist der Jammer in der Gegenwart und doch ist größer der Gewinn der Umwälzung. Die Wiedereroberung der Selbstbewegung des Volks und Jedermanns im Volk ist ein Gut, daS zehn Revolutionen werth ist. Wir haben eS, und keine Gewalt soll eS uns wieder rauben. Die Nation hat sich fühlen gelernt, und sie wird alle Jene niederwerfen, die sie verkleinern. — WaS gesund ist in dem Volk, daS darf jetzt frei sich regen, Jedes zeigen seine Macht und seinen Werth. Jede Kraft hat Raum und Recht. DaS ist viel, daS ist unendlich viel. Jetzt steigen aus der Brust der Nation, nicht mehr beklemmt durch den Alp der Bureaukratie, die eigenen Wünsche, nicht die angelogenen, die eigenen Anliegen und die eige. neu Kräfte. Am hurtigsten wollten jene Strebungen in daS Feld der Freiheit stürzen, welche die Unnatur des bisherigen StaatS am engsten niedcrgefes- sclt hatte, und welche am heißesten in der Brust deS Volks geruht. — Für diesen Glauben stellte daS katholische Volk zuerst die junge Freiheit in daS Feld. — In allen Gauen Deutschlands sammelte sich daS katholische Volk in Vereine für Freiheit der Kirche und des Unterrichts; in den wechselndsten Formen, reich, wie deutsches Leben, zogen diese Einungen ihr Band über die deutsche Erde, bald mit engerem, bald mit weiterem Ziele. Aber wie die Nation auS ihren neuer Freiheit sich erfreuenden Stämmen zur Einheit sich sehnte, die ihr zur Stunde noch nicht geworden, so sehnten sich die katholischen Vereine zu ihrer Einheit. Der Verein von Mainz, der älteste, erwarb dieß Verdienst. (Folgt nun eine Aufzählung der Ver- einSsatzungen.) _ Freiheit ein trauriges Beispiel. Wohl kenne ich eine Aufgabe für die PiuSvereine, die ihrer wahrhaft würdig und ihr Andenken im Segen erhalten müßte, und ich will sie hier auch aussprechen, selbst auf die Gefahr hin, mich einer scharfen Kritik auszusetzen: die PiuSvereine, als ! getreue Kinder der katholischen Kirche, müssen, wie diese, über den politi- ! schen Parteien stehen. Ist das einmal den PiuSvereinen möglich geworden, so sollen sie weiter gehen, sie sollen Hand anlegen, um die sich alle Tage ! zwischen den Parteien immer mehr kundgebende Spaltung so viel als möglich aufzuheben, die immer gähnender und weiter werdende Kluft auszufüllen, die immer weiter gehenden Ertreme zu versöhnen. Könnten die PiuSvereine das bewerkstelligen, so retteten sie Deutschland vom Bürgerkriege, vielleicht vom Untergänge. Aber welch' riesenmäßige Anstrengung, ! welch' ungeheure Arbeit, welche Opfermuthigkeit, welche Leidenschaftslosigkeit dazu gehört, um solches auch nur im Geringsten verwirklichen zu können, kann und darf ich mir nicht verhehlen. Aber, wenn wir bedenken, wie daS Christenthum die ganze Welt unterworfen, wie zwölf schlichte Fischer den Grundstein zur Cultivirung der ganzen Menschheit gelegt, wie namentlich bettelnde Mönche aus dem deutschen Urwald einen blühenden Garten gemacht haben, wie sollten wir da noch zweifeln, daß, wenn der Herr mit u»S seyn wird, nicht auch wir dieses Vorhaben zu erreichen im Stande wären. Unmöglich ist eS nicht — die Annahme der Unmöglichkeit dieses Projektes straft die christliche Geschichte Lügen — aber zuvörderst gehört der Muth dazu, an'S Werk zu gehen und wenn wir Muth haben, ist kein Hinderniß unübersteiglich. (Neue Sion.) Die PiuSvereine. München, 10. Juni. Die PiuSvereine sind namentlich deßhalb inS Daseyn getreten, um die Freiheit der Kirche durchzusetzen. Genau betrachtet, ist jetzt schon der Zweck ihrer Existenz ein halb, vielleicht ein ganz politischer. Es mag seyn, daß man diese Politik unter der Rubrik Kirchenpolitik begreift, gewiß aber ist, daß von anderer Seite, als von kirchlicher» die Freigebung der Kirche auch als eine ganz in das Gebiet staatlicher Politik eingreifende Sache betrachtet wurde. Wenn aber schon der Zweck ihrer Existenz ein politischer Zweck ist, so wird man die PiuSvereine nicht mit einem Streich vom politischen Gebiete rein weg in daS kirchliche versetzen können. Sollte aber nur Kirchenpolitik im Bereiche der Aufgabe der PiuSvereine liegen, so befürchte ich, es möchte die Theilnahme von Seite der Laien an diesen Vereinen sehr gering werden. Abgesehen davon, daß die meisten Laien vom kirchlich-politischen Interesse wenig verstehen, würden sie auch gegen dasselbe als eine ihnen und ihrer Sphäre größtentheilS fremde Sache ganz gleichgiltig bleiben. Will aber der PiuS- verein zu einer bloß kirchlichen Bruderschaft zusammenschwinden, so müßte ich seine Existenz als eine überflüssige bezeichnen, denn Bruderschaften gibt «S ohnehin genug. Ober soll der PiuSvercin nur für so eine Art Con- ferenz unter den Klerikern und vielleicht einigen verständigen Laien gelten, um sich über die neuesten kirchlichen Tagesfragen gegenseitig aufzuklären? Dann scheint er aber wieder überflüssig, denn solche Konferenzen finden ohnehin statt und wer nicht Gelegenheit hat, solche zu besuchen, der halte sich an eine kirchliche Zeitschrift, wo er alle diese TageSfragen besprochen und nach allen Seiten hin beleuchtet finden wirb. Es bleibt demnach nur eine Aufgabe mehr den PiuSvereinen übrig und diese ist die Bekämpfung der geistlichen Bureaukratie. Aber wie will der Piusverein hier je zu einem erfreulichen Ziele kommen, wenn die Stützen und Träger, die Begünstiger und Protektoren, die Urheber und Erhalter dieser geistlichen Bureaukratie, die doch die höchsten Aemter im Kirchenregimente bekleiden, sich nicht an daS Streben dieser PiuSvereine kehren wollen? Wir sehen also Wohl, die Politik aus dem Kreise der PiuSvereine ganz verbannen zu wollen, ist eine todtgeborne Anstrengung und heißt die PiuSvereine vernichten. Sie können nie ganz von Politik abstrahiren, weil, wie wir gesehen haben, schon der Zweck ihrer Existenz ein mehr oder minder politischer ist. Aus der „Unabhängigkeit der Kirche vom Staate" allein müssen sich eine Unzahl neuer politischer Fragen ableiten, die, will der PiuSvercin konsequent seyn und nicht den Zweck seiner Existenz vergessen, von ihm^ nicht Übergängen werden können. Zwar ist eS ganz klar, daß der PiuS- ^ den Todesstoß zu geben, nicht, wenn er wirklich sich auch aufs politische Gebiet hinaus verirrt, eine einseitige und ausschließliche Politik einschlagen dürfe; die da z. B. zum blinden Verfechter der Monarchie und zum ungerechten Lästerer der Demokratie sich hergäbe. Wohin das fuhrt, davon haben wir in München an unserm halb religiösen, halb politischen Verein für konstitutionelle Monarchie und religiöse Die AuSwanberungsfrage, eine Angelegenheit der katholischen Vereine Deutschlands. Bei dem jüngsthin zu Köln abgehaltenen Congresse der katholischen Vereine Rheinlands und Westfalens wurde von Herrn Maler Fr. Baudri der Antrag gestellt: „Der katholische Verein Deutschlands möge die Uebersiedelung auS den bedrängten Theilen deS Vaterlandes nach den untern Donauländern (zunächst nach Ungarn) mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln auszuführen suchen." — Dieser Antrag wurde mit ungetheiltem Beifalle aufgenommen, aber die Beschlußfassung darüber der allgemeinen Versammlung des katholischen Vereinö Deutschlands in Breslau überwiesen. Der Herr Antragsteller hatte die Güte, zu diesem Zwecke seine Motion in nachfolgenden Zeilen näher zu begründen. „Die Satzungen deS katholischen Vereines Deutschlands enthalten u. A. folgende Bestimmungen: II. 8- 7: „Der Verein stellt sich die Aufgabe: ci. zur Hebung der herrschenden socialen Mißverhältnisse und Uebelstände nach Kräften beizutragen." Und 8 8.: „Zur Erreichung seiner Zwecke wird der Verein sich aller gesetzlichen Mittel bedienen, namentlich deS freien Ver- sammlungs- und Vereins-RechleS, deS PetitionS-Rechtes und des Rechtes der freien Rede und der freien Presse; wie er auch durch Verbreitung gu- ! ter Schriften und Bücher der geistigen und durch Ausbildung und Förderung aller Werke der christlichen Nächstenliebe der leiblichen Noth deö Volkes zn steuern sich bemühen wird." In diesen beiden Paragraphen ist jene Thätigkeit deS VereineS unzweideutig bezeichnet, in deren Bericht der obige Antrag Rheinlands und West- phalenö fällt, und bedarf eS wegen dieser klaren Bestimmung keines weigern Beweises, daß der Antrag zur Berathung und Beschlußnahme deö ^katholischen VereinS Deutschlands geeignet ist. Sein Umfang könnte allerdings von manchen Seiten Bedenken erregen, die aber vor der Betrachtung schwinden müssen, daß der Umfang der Thätigkeit eines, durch so viele Vereine ganz Deutschland umfassenden Vereines nothwendig ein sehr weiter und mächtiger seyn muß, wenn er den Anforderungen entsprechen soll, welche aus allen Theilen des Vaterlandes, auS allen Schichten der Bevölkerung an ihn gestellt werden. WaS dem einzelnen Menschen und selbst dem engern Vereine nicht möglich ist, das darf immerhin die gesammte Kraft aller Vereine des Volkes versuchen, und keine Aufgabe darf ihr zu schwer erscheinen, wenn in ihrer Lösung daS wahre Wohl deS Ganzen gefördert und dem Einzelnen Besserung oder Erleichterung verschafft wird. Wenn außerdem in der Lösung solcher Aufgaben der Verein an Kraft und Ausdehnung gewinnt und seine Thätigkeit dadurch auch nach anderen Richtungen hin wesentlich unterstützt wird, dann ist eS Pflicht desselben, sich eines StrebenS zu bemächtigen, daS von den segensreichsten Folgen werden kann. Zur richtigen und vollen Würdigung der AuswanderungSfrage sind vornämlich drei Beziehungen in'S Auge zu fassen: s; 1) die Politische, 2) die Sociale und 3) die Kirchliche (Religiöse). Wenn gleich der katholische Verein Deutschlands kein politischer Verein im gewöhnlichen Sinne des Wortes genannt werden kann, so darf ihm doch vor Allem die politische Gestaltung Deutschlands nicht gleichgül- die Länder im Osten, welche die Donau durchströmt, öde und unbewohnt und der fruchtbarste Boden, der viele Millionen reichlich ernähren könnte, liegt dort fast unbenutzt. Alles, waS die menschliche Gesellschaft an Naturprodukten bedarf, liefert dort die Erde in reicher Fülle, allein eS fehlt an Händen, um diesen Schatz zu heben. Leider gestatteten bis jetzt die politischen Zustände cS nicht, eine Ausgleichung jener Mißverhältnisse der ,jg seun, da dieselbe auf seine Wirksamkeit, ja auf seine Eristenz vom un- Bevölkerung durchzuführen; jetzt aber, da das ganze deutsche Volk zur mittelbarsten Einfluß ist. Deßhalb wird er bei all seinen Fragen die po>! Einheit sich erhebt und die Schranken gefallen sind, welche Oesterreich von Mische Seite nicht unberücksichtigt lassen und bei der vorliegenden eS nicht uns trennte, müssen wir die günstige Zeit nicht vorübereilen lassen, ohne verkennen, daß ihre glückliche Lösung für Deutschlands politische Macht ^unsere Zukunft auf der weitesten und kräftigsten Unterlage zu gestalten, und Größe von bedeutendem Einflüsse ist. Eine Kräftigung des deutschen ^ Lohnen einerseits die Niederlassungen alle Opfer, welche sie kosten, durch Elementes im Osten und seine innigere und kräftigere Verbindung mit den ^ die Kräftigung und Vergrößerung Deutschlands, so lohnen sie andererseits übrigen Theilen kann erst Deutschland wieder zu jener Höhe erheben, auf dieselben durch die neuen Märkte, welche sie dem deutschen Gewerbcfleiße welcher eS ehedem gestanden und zu welcher eS im Herzen Europa'S beru- schaffen. Nicht nur ihr Bedarf, sondern auch der Bedarf der östlichen fen ist. — ! Nachbarstämme wird von Deutschland aus am Leichtesten befriedigt werden Näher als die politische Seite steht dem Vereine die sociale, die können; die Naturproducte dieser Landstriche dagegen, besonders die Früchte, auch bei Weitem die überwiegende in der Frage ist. > würden in Zukunft den wirklichen Mangel im Westen stets ausgleichen Die Uebel, welche an dem Marke deS Volkes zehren und die Noth ! und dadurch ein Schwanken der Preise verhüten können, wie cS von Zeit und das Elend mit jedem Tage steigern, sind bereits zu solcher Größen zu Zeit gerade die arbeitende Classe so furchtbar heimsucht. Aus diese angewachsen, daß sie nicht mehr verkannt werden können. Sie alle mit-! Weise nur wirken die Auswanderungen fortgesetzt wohlthätig auf'S Miteinander erzeugen ein neues Uebel, die Auswanderung, und treten an den tcrland zurück und bieten diesem reichen Ersatz für die Verluste, welche Tag, gleichwie ein KrankheitSstoff im Körper Lurch mancherlei Entleerungen! dasselbe durch den Abgang von Geld- und Arbeitskräfte erleidet. auf der Oberfläche sich zeigt. Je nachdem diese sind, können sie dem Kör per zur Entkräftung oder zur Genesung dienen, und Aufgabe des ArzteS ist es, dieses Letztere möglichst herbeizuführen. So wie die Auswanderungen in Deutschland bis jetzt stattgefunden, können sie nur verderblich auf all unsere Verhältnisse einwirken. Anfangs sahen wir meistens Solche auswandern, die in übervölkerten, unfruchtbaren Gegenden dem Mangel Preis gegeben waren; jetzt aber ergreift die AuS- wanderungSlust meistens kräftige, arbeitsfähige Männer, die noch Mittel besitzen, um sich ein Eigenthum zu erwerben, oder deren Fähigkeiten sie zu sehr brauchbaren Gliedern der Gesellschaft machen. Die Unzahl der Ar- beits- und Mittellosen in den Städten und auf dem Lande bleibt dort, wo die Gemeinden sie unterstützen müssen, und vermehrt nicht nur die öffentli, chen Lasten, sondern liefert fort und fort allen revolutionären Bewegungen dienstbare Streiter. So wird einerseits die Zahl der zu öffentlichen Lasten BeitragSfähigen sehr vermindert und der Mittelstand fast ganz vernichtet, andererseits durch Vermehrung des Proletariates der sichere Bestand der Gesellschaft immer mehr gefährdet, ohne daß die Ausgewanderten mit dem Mutterlande in eine, auf dasselbe wohlthätig zurückwirkende Verbindung treten. Soll aber die Auswanderung dem Vaterlande zum Heile gereichen und selbst daS LooS der Auswanderer ein minder zufälliges, ein ihren Erwartungen entsprechendes seyn, so muß durch dieselbe 1) den Gemeinden eine Erleichterung werden; 2) das Vaterland an Kraft im Innern und nach Außen gewinnen; und 3) der Auswanderer nicht mehr einem blinden Geschicke oder gar der Habsucht Anderer Preis gegeben werden. Alles dieses läßt sich vereint erreichen, wenn durch Ansiedelungen in den untern Donaugegenden allen AuSwanderungSlustigcn eine sichere Zufluchtsstätte geöffnet wird. (Schluß folgt.) Ueber die zeitliche Herrschaft de- Papste-. m. Thiers sagt in seiner Geschichte deS ConsulateS und des Kaiserrei- cheS: „Die Einsetzung deS Papstes, der die Einheit deS Glaubens aufrecht erhält, kann man nur eine bewunderungswürdige nennen. Man wirft ihm vor, daß er ein auswärtiger Herrscher sey. Danken wir Gott dafür, daß er ein solcher ist. Der Papst ist fern von Paris, und das ist gut; er ist auch weder in Madrid, noch in Wien, und darum lassen wir uns seine geistige Autorität gefallen; dasselbe wird man mit Grund zu Wien und Madrid sagen. Glaubt man etwa, daß die Spanier, oder die zu Wien seine Entscheioungen annehmen würden, wenn er zu Paris wäre? Wir können unS daher nur glücklich preisen, daß er im eigenen Lande wohnt, und nicht in dem eines Nebenbuhlers u. s. w." Obwohl wir den bald darauf folgenden Aeußerungen keineswegs beistimmen können, so verrathen obige Worte doch gewiß einen hervorragenden Geist, welcher sich mit Leichtigkeit, wenn er nur will, über die Vorurtheile seiner Zeit erheben kann. Frei und unabhängig muß der Papst seyn, aber nicht bloß nach Außen, wie wir gezeigt haben, und wie auch Thiers behauptet; sondern er muß auch frei seyn von Innen. Als den Vater aller Gläubigen und den König der großen Familie der Kinder GotteS, setzte ihn die Vorsehung auch zum Vater und König eines erwählten Volkes, einer bevorrechteten Stadt ein. Ohne Zweifel muß ihm das Wohl ihrer Bewohner am Herzen liegen; er wird ihnen daher auch im rechten Maaße die Wohlthaten einer weisen Freiheit, und einer geordneten und väterlichen Regierung schenken; und fürwahr, der Die Übersiedelungen aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands unsterbliche PiuS IX. konnte, als er seinen Fuß aus ein fremdes Ufer in die untern Donaugegenden, zunächst nach Ungarn, können nicht zu den setzte, feierlich seine drei Millionen Unterthanen, ja die ganze Welt zu eigentlichen Auswanderungen gezählt werden, da die Donauländer deS! Zeugen anrufe», daß er freiwillig für das wahre Glück und die Frci- Lsterreichischcn Kaiserstaates Deutschland angehören und von vielen Deut-iheit seines Volkes mehr gethan habe, als irgend ein Regent von Europa, scheu bereits bewohnt sind; außerdem aber durch zahlreiche Ansiedelungen Wenn aber mit der Freiheit Ordnung herrschen muß, wenn ein Normal- für Deutschland ganz und so bleibend gewonnen werden, daß sie endlich zustand und die freie Ausübung der rechtmäßigen Gewalt überall erfor- innerhalb der deutschen Gränzen fallen. Der mächtige Donaustrom bildet derlich sind zum Glücke und zur Sicherheit der Völker, wenn die Achtung daS unauflösliche Band und den lebendigsten Verbindungsweg zwischen der bestehenden Autorität daS Gesetz deS öffentlichen FriedenS und der Anker jenem neuern und dem ältern Theile des Vaterlandes, und bald würden!deS bürgerlichen Rechtes ist: dann kann man auch in Wahrheit sagen, Schienenwege und Straßen den Verkehr so beleben, daß jede Spur einer daß die heiligsten Interessen der ganzen christlichen Welt, die Aufrechter- Trennung sich verwischte, die uns seither von der untern Donau abge- Haltung deS europäischen Gleichgewichtes verlange, daß die zeitliche Herr- schnitten. Wird auf diesem Wege die deutsche Gränze den Donaumündun- schaft des Oberhauptes der ganzen katholischen Welt unabhängig und frei gen näher gerückt, so kann es nicht fehlen, daß wir bald unS deS ganzen vom Ische innerer Factionen, wie vom Einflüsse fremder Mächte seyn müsse. Stromes bis ins Meer be.mächtigen und es verhüten, daß der nordische Offenbar würde die Sicherheit der Kirche auf daS Tiefste erschüttert Nachbar eine unserer Hauptadern unterbinde und dadurch unsere ganze werden, wenn der Papst sich im eigenen Lande müßte Gewalt anthun Leben-thätigkeit lähme. Gerade von den Fortschritten, die Deutschland im lassen, wenn er unter den Willen der rohen Masse, und die tollkühnen Osten macht, hängt seine Zukunft ab, und diese Zukunft auf eine fried- Anmaßungen einer wühlerischen und tyrannischen Partei sich beugen müßte, liche Weise groß und mächtig gestalten zu helfen, ist eine der schönsten Alle christlichen Staaten müßten zugleich mit Ihm verletzt seyn, da sie Ausgaben, die der Verein sich auf politischem Gebiete stellen kann. nicht zugeben können, daß der Papst unter einer andern Autorität stehe, Deutschland trägt besonders in seinen Fabrikcistricten und in man- als seiner eigenen. In dem Augenblicke, wo eine siegende Emeute,.den chen Gebirgsgegenden eine so große Bevölkerung, daß sie in keinem Ver-,Dolch in der blutigen Faust, den Erben des geheiligten Pontificateö und hältnisse zu seinem Boden und dem Ertrage desselben steht; dagegen sindlder Herrschaft, welche die Vorsehung seit 14 Jahrhunderten an jene geknüpft hatte, in seiner Wohnung belagerte, nachdem sie seinen Minister ermordet, sein HauS dem Brande preiszugeben, und seine treuesten Diener niederzumetzeln gedroht, und ihm sein Leben nur um den Preis einer erzwungenen Abbication und der Verschleuderung der unveräußerlichsten Rechte schenken zu wollen, beschlossen hatte: in demselben Augenblicke handelte eS sich nicht bloß um die Regierung der päpstlichen Staaten, sondern um die Sicherheit, die Würde und die Freiheit der gestimmten Kirche. Mehr als irgendwo, muß gerade zu Rom, wie PiuS IX. eS wollte, eine wahre oberherrliche Unabhängigkeil stattfinden, vereinigt mit einer edlen und weisen Verwaltung zum Wohle und zu einer vernünftigen Freiheit des Volkes, sie muß stattfinden nicht bloß um der erhabensten und allgemeinsten Interessen wegen, die dort vertreten werden, sondern auch um der göttlichen Beziehungen willen, die nur von Gottlosigkeit und Unvernunft verkannt werden können; sie muß stattfinden, weil die katholische Welt in ihrem Vater und Oberhaupte geachtet werden soll. Hurter sagt in seiner Geschichte Jnnocenz III. *): „Sicherheit des Landes und der Stadt, von welcher auö daS Oberhaupt der Kirche diese in allen Ländern ordnen, leiten, erhalten soll, bleibt immer das erste Er- forderniß, um die vielartigen Obliegenheiten so hoher Stellung wahrnehmen zu können. Wie könnte er über den mannigfach verschlungenen Verhältnissen schweben, den zahllosen Angelegenheiten aller Kirchen und kirchlichen Personen Rath, Beistanv, Entscheidung gewähren, für die Erweiterung deS GlaubcnSreicheS sorgen, unv jede wider dasselbe sich crhebmde Arglist zu Nichte machen, frei zu Königen und Völkern sprechen, und schlichten, schirmen, warnen, strafen, wenn er in dem eigenen Hause nicht Ruhe fände, und Ränke der Böswilligen, Gewalt der Frechen ihn nöthigten, den sonst die Welt umfassenden Blick auf jenes zu beschränken, unv Erhaltung und Freiheit zu erkämpfen, oder flüchtig Schutz bei andern zu suche,,?« — Und der unerschrockene, unglückliche Rosfi sagte kurz vor seinem Tode: „Die Unabhängigkeit des Papstes als Oberherr steht unter der gemeinschaftlichen Garantie aller Katholiken. Rom mit seinen, Lurch die Schätze der ganzen Welt erbauten Denkmälern, Rom, der Miitelpunct unv das Haupt deS Katholicismus gehört vielmehr den Christen an, als den Römern. Seht euch wohl vor; wir werden die Christenheit nicht ihres HanpteS berauben lassen, noch auch den Papst, wenn er je Rom verließe, wieder zurückführe», daß er euch um ein Asyl bitte, welches ihr euch mit seiner Freiheit gern theuer möchtet bezahlen lassen!" Alles dieß führt uns zu einer Bemerkung, die wir bisher nicht berührt haben, die wir aber nicht übergehen können. Der Papst muß frei und unabhängig seyn nach Außen, wie von Innen, aber von Innen, um eS auch nach Außen seyn zu können; er muß, um in immerwährender Eintracht mit allen christlichen Nationen zu leben, mitten in ihren Streitigkeiten eine versöhnende Neutralität bewahren, und unter allen Umständen der wahre Friedcnöfürst seyn, wie dieß dem göttlichen Charakter, den er repräscnlirt, zukommt; er muß immer im Stande seyn, die reinen und friedlichen Hände zu erheben, um den Geist der Eintracht und deS Friedens für die christlichen Fürsten und Völker von Oben zu erflehen. „Die Erde," sagt der heilige AugustinuS, „ist oft bewegt durch Kriege, wie daS Meer durch den Sturm. Auch das Menschengeschlecht hat seine Stürme; der Himmel trübt sich, und alles scheint bisweilen im Wirbel eines allgemeinen KriegeS dahingerissen; wenigstens eS doch wenigstens nur Ein Volk gibt, daS sich diesem Wirbel zu entziehen weiß, nur Eine Stadt, auS welcher der Friede zu kommen vermöchte." Römer, hört diese Worte, beklagt euch nicht über daS große und rühmliche Vorrecht, daS euch der Sitz des Pontifer gibt, weil eS euch von der traurigen Nothwendigkeit des KriegeS befreit, und eS euch eine friedliche, ehrenvolle und immer unabhängige Neutralität sichert in Mitte aller christlichen Nationen. *) Band II Buch 13. **! „Es liegt im Jnicrcffc des Menschengeschlechtes, sagt Voltaire in seinem: Versuch einer allgemeinen Geschul te, daß es einen Zaum gebe, den die Fürsten scheuen, und der das Lebe» der Böller sichert; dieser Zügel, wir meinen die Religion, hätte durch allgemeine Uebcecinkunft i» die Hände der Päpste gelegt werden können, und diese, welche sich in wclllichc Slreiligkeilen nicht zu mischen hätten, als um den Friede» herzustellen, die Könige,i und Völkern ihre Pflichten doihaltc», ihnen Gesetzübertretungen verweisen, und für die ärgsten Verbrechen die Ercommunication in Anwendung hätten bringe» können, diese'hätte man immerhin als Stellvertreter Gottes auf Erden ansehen mögen." Leibnitz schreibt i» einem seiner Briefe: „Ich wäre der Ansicht, daß man in Rom ein Tribunal errichten solle, um die Zwistigkeitcn der Fürsten beizulegen, und daß man den Papst zu dessen Präsidenten einsetze, so wie er wirklich zu Zeiten die Stelle eines Richters unter den christlichen Fürsten einnahm. Es ist ja erlaubt, Luftschlösser zu bauen, warum sollten wir einen Einfall verwerfen, der nnS daS goldene Zeitalter zurückführen könnte?" Erinnern wir uns schließlich noch eines Gespräches zwischen Napoleon und dem Obern von Saint-Sulpice, dem greisen Emery, in Gegenwart der in den Tuilerien versammelten Bischöfe. „Ich bestreike nicht die geistliche Macht des Papstes," sagte Napoleon, „da er sie von Christus erhalten hat; aber Christus hat ihm nicht auch die zeitliche gegeben; diese hat er von Karl dem Großen, und ich, Nachfolger Karl deS Großen bin eS, der sie ihm wieder nehmen wird, weil er sie nicht zu gebrauchen weiß, und sie ihn verhindert, seinen geistlichen Verrichtungen nachzukommen. Was denken Sie davon, M. Emery?" „ES gefällt Ihnen oft, Sire, auS Bossuct zu citiren," sagte der unerschrockene Priester, „ich will dasselbe thun. Er sagt: „Wir wissen, daß die römischen Päpste eben so rechtmäßig als irgend Jemand auf der Erde Güter, Rechte, und eine Oberherrlichkeit besitzen. Wir wissen ferner, daß diese Besitzungen, in so fern sie Gott geweiht sind, auch geheiligt sind, und daß man, ohne ruchloS zu seyn, nicht Hand an sie legen kann. Der apostolische Stuhl besitzt die Oberherrlichkeit über die Stavt und den Staat von Rom, damit er frei und sicher und in Frieden seine geistige Macht ausüben könne. Und dieß ist nicht bloß ein Glück für den römischen Stuhl, sondern für die ganze Kirche, und wir wollen unsere heißesten Wünsche vereinigen, daß dieser geheiligte Prinzipal in jeder Hinsicht unangetastet und gesichert bleibe." Die Fronleichnamsfeier in Wien. Wien, 7. Juni. Daß Oesterreich seinen Charakter als katholische Macht bewahre, zeigte die prachtvolle so eben abgehaltene FronleichnamS- Procession, welche in ihrem altherkömmlichen Pompe einen eben so erfreulichen als erbaulichen Anblick gewährte. ES war eine Huldigung, dem Herrn deS Himmels und der Erde dargebracht von den Fürsten der Erde, verherrlicht durch Alles, was die Erde an Schätzen bietet znm Dienste deS Allerhöchsten. Außer allem dem, waS man anderwärts bei dieser Gelegenheit auch sieht, erschien dabei der ganze Hofstaat in seinen verschiedenen Abstufungen. Nach den Rittern deS golvenen Vließes und dem Domcapitel von St. Stephan folgten sodann unmittelbar vor dem höchsten Gute die hier anwesenden Herren Erzbischöfe und Bischöfe im kirchlichen Ornate (Plnviale), zu beiden Seiten begleitet von ihren Jnfelträgern. ES war ein erhebender Anblick, etwa 30 Bischöfe (einige waren durch Unpäßlichkeit verhindert) vor dem hochwürdigsten Gute cinherwandcln zu sehen. Die Reihe der Bischöfe schloß der Cardinal Fürsterzbischof von Salzburg, begleitet vom päpstlichen Nuntius. Der Fürsterzbnchof von Wien trug daS hochwürdigstc Gut unter dem Baldachin. Ihm folgte zunächst Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph, in frischer Jugendblüte alle Herzen gewinnend; sodann die Prinzen deS kaiserlichen Hauses. Diese waren: der Erzherzog Franz Karl, Vater deS regierenden Kaisers, die beiden Brüder Seiner Majestät, und der Erzherzog Joseph, Sohn deS verstorbenen Palatins. Es war ein erbaulicher Anblick, wenn beim Segen so viele Bischöfe den Platz an der rechten Seite deS Kaisers knieend füllten, der Kaiser selbst in tiefer Ehrfurcht vor dem Altrr kniete, und mit allen Zeichen wahrer Andacht den Herrn der Heerschaaren anbetete. Gewiß, wo so viele fromme Wünsche vereint zum Himmel aufsteigen, wird der Segen des Allmächtigen zu dem großen Werk der Wiederherstellung unserer vielfach zerrütteten Zustände nicht fehlen, und wir dürfen mit Vertrauen der Zukunft Oesterreichs cntgegenblicken, wenn auch zur Stunde noch dunkle Wolken den Horizont bedecken. — Als der Kaiser nach beendigter Procession auS der Kirche von St. Stephan heraus trat, wurde er von dem überaus zahlreich versammelten Volke mit ungeheurem Jubel und fast endlosem Vivatrufcn begrüßt. Die Berathungen der hier versammelten Bischöfe werden, wie verlautet, noch etwa 10, höchstens 14 Tage dauern. Der Bischof von Trieft wird wegen anhaltender Uupäßlichkeit auf Andringen dcS Arztes morgen nach Hause abreisen. Gestern ist der hochwürdigste Bischof von Agram, Haulik, hier angekommen; man sagt, er werbe auch an den Berathungen der Bischöfe Theil nehmen, wie der hochwürdigste Bischof von Fünfkirchen, der schon seit dem Anfang derselben den Sitzungen beiwohnt. Der letztgenannte Bischof hat durch die gegen Oesterreich kämpfenden Magyaren sehr große Verluste an zeitlichem Gute erlitten, die er mit bewunderns- werthem Gieichmuthe trägt. Sein Begleirer sagte mir gestern mit Bezug darauf in lateinischer Sprache die schönen Worte: „Der Herr hat eS gegeben, der Herr hat es genommen: der Herr kann eS wieder geben, und will er daS nicht, so wird es zu unserm Heile besser seyn." (K. Bl. a. T.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.