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April, am Feste der heiligen Katharina, in der altehrwürdigen St. Stephanskirche um den Altar des Herrn sich geschaart, den Leib deS Herrn empfangen, im Vereine mit den Gläubigen den Beistand dcS heiligen Geistes herabgefleht und als Zeugniß ihrer kirchlichen Gesinnung so wie alö Leitstern ihrer Berathungen das katholische Glau- benSbekenntniß einmüthig und feierlich vor Gott und der Welt abgelegt haben. Sie haben sich dann an den apostolischen Stuhl gewandt, um dem heiligen Vater, Christi geistlichem Stellvertreter, ihren Gehorsam, ihre innige Ehrerbietung unv treue Ergebenheit zu bezeugen und seinen Segen für ihr Werk zu erbitten, und auch dem Kaiser haben sie den Zoll ihrer Ehrerbietung und den Dank für ihre Zusammenberufung dargebracht, in dieser ein Zeugniß seiner redlichen Absicht, der Kirche gerecht zu werden, erblickend. Bei ihren Berathungen gingen sie nicht davon auS, nach der thörichten Anmaaßung unserer Tage eine neue Kirche zu gründen, sondern was sie wollten war, die von Christo gestiftete, durch sein Blut erworbene, vom heiligen Geist durchwehet« und bis anS Ende der Tage geleitete Kirche von den Hindernissen ihrer freien Entwicklung zu befreien. Daö Ergebniß der Berathungen wird, sobald eS zur Reife gediehen, in den einzelnen Diöcesen anf dem kirchlich vorgezeichncten Wege inS Leben eingeführt werden, aber vorläufig ergeht an die Gläubigen und an die Priester ein Wort der Ermahnung, der Belehrung und des Trostes. Der Hirtenbrief zählt die Gräuel unserer Zeit auf. Nicht bloße stnnenberauschte Gottvergefsenheit und stumpfe Gottlosigkeit, die zu allen Zeiten in der Welt geherrscht, sondern die sich selbstbewußte Feindschaft gegen Gott und Krieg gegen ihn und seine Gesalbten, ist jetzt die Losung. Der Grund deS Uebels ist aber auch jetzt die alte Fünfsinnen- Weisheit, die sich ein Paradies auf Erden träumt, ohne auf Krankheit, Elend, Noth, den Tod und das Gericht, die Allmacht und die Gerechtigkeit GotteS zu denken. ES gibt aber auch feinere Verlockungen, unter diesen steht die Nationalität oben an. Man vergißt, daß nur die Gliederung der Mensch heit in Nationen das Werk GotteS ist; ihre Zerfallen heil und Trennung und die Verschiedenheit ihrer Sprachen sind nur in Folge deS AbfalleS von Gott, deS Heiventhums entstanden. Das Christenthum hat die Einheit wieder hergestellt. Nach ihm sind wir Eines göttlichen Geschlechtes, geeinigt durch Liebe. Die Liebe aber kennt keine Gränzen, ihre Beschränkung auf einige wenige Stammverwandte wäre heidnische Selbstsucht. Auch von Trennung der Schule von der Kirche wird gesprochen. Das wäre aber ein Auseinanderreißen deS LeibeS und der Seele, der Erde und deS Himmels, deS ErlöserS und der Kleinen, die er zu sich kommen hieß. Man glaube dem Geschrei nicht, daß die Kirche die Wissenschaft nicht ehre. Nein, sie achtet LaS wahre, daS ächte Wissen, denn sie weiß, es gebe nur Einen Urquell der Wahrheit; der Gott der Offenbarung ist auch der Schöpfer der Geister- und Körperwelt. Sie kann getrost zur Wissenschaft sprechen: „Du forschest in der Natur, im Geist und in der Geschichte, weil du glaubst, die Räthsel deS Lebens darin zu finden; forsche recht und forsche tief, und du wirst seine ewige Kraft und Gottheit darin erkennen, den Einklang zwischen dem geoffenbarten Worte unv dem geschaffenen Werke. Ich aber darf daS mir anvertraute heilige Pfand nicht modeln lassen nach deinen noch täglich wechselnden Funden; schreite du rüstig und besonnen fort, ich erwarte dich freudig am Ziele, so du eS erreichst." ' Die mächtigste Lvckstimme der Verführung ist aber der Ruf nach Freiheit. Ein edleS Gut in ächtem Sinne und der Kirche GotteS von jeher theuer, denn wer hat schmerzlicher als sie im Verlaufe ihres 1800- jährigcn Bestandes den Druck ungerechter Tyrannei empfunden. Man denke aber gerade an die 300jährigen Christenversolgungen, und wie die Kirche sich während derselben benommen. Sie hat gesiegt, weil sie, GotteS heiliger Weltregierung vertrauend, nicht sich selbst mit Gewalt Recht verschafft, sondern Art und Stunde der Befreiung Gott überlassen hat. In diesem Glauben, daß Gott die Welt regiere, wurzelt die Grundlehre der katholischen Kirche vom Gehorsam deS Christen gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit. Die Kirche bat unter ihren Heiligen Märtyrer und nicht Empörer. Sie beginnt das BesreiungSwerk von innen, denn sie weiß, daß ein Knecht der Sünd'e kein wahrhaft freier Mann seyn kann. Darum gilt in diesem, wie in so vielem anderen der Spruch: Suchet zuerst dar Reich GotteS und seine Gerechtigkeit, und eS wird euch dieses alles hinzugegeben werden. Darum weg mit der Gleich giltigkeit in religiösen Dingen! Wer bürgt dafür, daß der Herr nicht den undankbaren Acker, auf dem sein Wort kaum mehr eine fruchtbare Stelle findet und der Distel und Dornen trägt, brach liegen lasse und sein Reich vckn unS nehme, um eS einem fernen Volke zu geben, das die Früchte desselben hervorbringt; steht doch daS fürchterliche Strafgericht warnend vor unö, daS der Herr über daS christliche Asien verhängt hat. DaS Himmelreich leidet Gewalt, nur die Starken und Entschiedenen ziehen eS an sich und lassen eS sich nicht entreißen. Und was man im Einzelnen nicht vermag, daö erstrebe man im heiligen Bunde mit Gleichgesinnten, damit, wenn die Bösen sich schaaren zum Angriff und Umsturz, auch die Guten zur Abwehr, zur Vertheidigung der Wahrheit, deS Rechts und der Ordnung zusammenstehen. Nun wendet sich die Rede an die einzelnen Stände und Volksclassen, an die Höchstgestellten, die Gewalthaber und Volksvertreter, an die Eltern, HauSväter, Lehrer und Vorsteher, an die Angesehenern und Reichen, an die Landbewohner, daß sie daS allkatholische Brodkorn, welches ihre Väter in guten und bösen Tagen gespeiset hat zum ewigen Leben, nickt für den Windhafer einer ungläubigen Lehre hingeben, an die Armen, daß sie Gott vertrauen und ihm die Strafe für die Härte oder Unbilde, die sie etwa erleiden, anheimstellen, an die Krieger deS Heeres, die in einer wildauf- gährenden Zeit daS eiserne Richtscheit LeS GesetzeS und der Ordnung mit ^ starker Faust handhaben, Laß sie ihr Gewissen blank wie ihre Waffen erhalten, an die christlichen Mütter, auf deren Schooß die Hoffnung der Zukunft ruht, daß sie daS junge Geschlecht mit der Milch deS Christenthums auS frommem gläubigem Herzen tränken. Für jeden Stand haben hie frommen Hirten ein besonderes, freundliches, tiefergreifendes Wort der ! Lehre und Ermahnung. Den Priestern ist eine eigene Ansprache verheißen. ^ Endlich verkünden die Bischöfe, daß sie unter sich ein Bündniß katholischer Liebe, Eintracht, Treue ausgerichtet haben, um vereint für Gott und lein Reich und die ihnen anvertrauten Völker zu wirken, zu beten, zu leben >und zu sterben, wie Gott eS will, zur Erfüllung dieses Vorsatzes werde ihnen das Gebet und daS Vertrauen der Gläubigen, um daS sie bitten, behilflich seyn. DaS Schreiben schließt mit den Worten: Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sey mit euch allen. Amen! 11)6 Der Dorort deS katholischen VereineS Deutschlands a n die sämmtlichen Einzelvereine. Seine Fürstbischöflicken Gnaden, der Hvchwürdigste Fürst-Bischof v. Lavant haben höchst ihre Billigung deS katholischen VereineS Deutschlands in folgendem Schreiben ausgesprochen, welches wir zur Kenntniß bringen. Breslau, den 25. Mai 18-19. Der Vorsitzende: Lic. Wick. Der Schriftführer: Dr. Dinier. * Hochgeehrter Borstand deS lobwürdigen katholischen VereineS! Mit vielen Freuden ergreife ich die Gelegenheit meiner Anwesenheit am altehrwürdigcn Sitze deS heiligen RnpcrluS zu Salzburg, um dem zur Ehre Gottes und zum Glänze der heiligen katholischen Küche erwachten katholischen PiuSvcreine meinen aufrichtigen Gruß zu senden und meine Freude auszudrücken über den frischen edlen Zweig, der aus dem kraft- vollen Baume unserer heiligen Kirche eben zu einer Zeit entsprossen, in welcher der gewaltige Sturm so viele dürrgewordene Zweige hinwcggeweht hat. Wir haben Ursache Gott dafür zu preisen und sind verpflichtet für den Verein den Segen von Oben zu erflehen, nachdem ja alles Gute vom Vater deS Lichtes kommt, und von seinem Sohne, der auch dem katholischen Vereine die trostreiche Verheißung gab: „Sind zwei oder drei in meinem Namen versammelt, so bin ich mitten unter ihnen." Ich habe die Satzungen deS VereineS geprüft, und die in sehr werther Zuschrift vom 6. Oktober 1848 dargelegte Gesinnung erprobt, und kann nur den Geist der Erleuchtung, der Stärke und deS guten Rathes bitten, daß er mit seiner Gnade den Verein beseele und leite, damit dieser katholische Verein immer eine feste Schutzmauer gegen die Stürme einer unö feindlichen Zeit — nie aber ein Stein deS Anstoßes für die Kirche GotteS werde. Obgleich nur ein kleiner Theil meiner Heerde deutsche Zunge spricht, so darf ich es doch nicht unterlassen, meinen theuern Schäflein ohne Unterschied der Nation eine katholische Association anzuempfehlen, die sich deS Beifalls unseres allgemeinen heiligen VaterS PiuS IX. erfreuet, und nicht nur dessen hochgeehrten Namen trägt, sondern, wie zu hoffen, auch immer in seinem apostolischen Geiste wirken wird. Lasset uns also, Hochverehrte, desto enger an einander schließen, je häufiger die Lücken werden, die ein feindlicher Zeitgeist in unsern Reihen macht; lasset unS aber auch nie vergessen, daß dieser Verein nur an der Mutterbrust unserer heiligen katholischen Kirche gedeihen und sich deS Segens von Oben erfreuen kann. Genehmigen auch, Hochgeehrter VercinS Vorstand, meinen Dank für die freundliche Begrüßung, mit der Versicherung, daß die Förderung dieses VereineS, in so lange sich derselbe auf kirchlichem Boden bewegt, im Geiste der heiligen katholischen Lehre handelt, ein besonderer Gegenstand meiner oberhirtlichen Sorge seyn werde, der ich mit Achtung und Liebe bin Salzburg am 17. April 1849. deS lobwürdigen katholischen VereineS treuer Diener in Christo Anton Martin, Fürst-Bischof von Lavant. I. B. Hirscher über die Freiheit. In dem badischcn Lande, wo jüngst im Namen der Freiheit und der Volkösouveränctät ein Haufen wilder Abenteurer die Herrschaft führte und Gut und Blut deS Volkes in einem ziel- und hoffnungslosen Kampfe vergeudete, ist im Anfange dieses Jahres eine kleine Schrift von dem bekannten und vielfach verkannten Professor Hirscher „über die socialen Zustände der Gegenwart und die Kirche" erschienen, aus der wir folgende beherzigenswerte Stellen auSheben zu sollen glauben. Die Masse denkt sich unter Freiheit die Entledigung von Allem, was hemmt und drückt; also Emancipation von Gott, von Gewissen, von Kirche, von Polizei, von oncrosen Verpflichtungen. Aber ist das Freiheit? Wenn Jeder thun mag, waö ihn gelüstet, waS schützt dann den Schwächeren vor dem Gelüsten deS Stärkeren? Ist dann nicht das Belieben deS Mäch- tigeren für den Geringeren Gesetz? Mag der gewaltige nicht jeden Mitmenschen seiner Raubsucht, seinem Hasse, seiner Fleischeslust, seiner Herrsch» sucht rc. opfern? ES ist also die Freiheit, wie sie in den Köpfen der Massen spuckt, in ihrer Verwirklichung nichts anderes, als die schrecklichste Tyrannei und wildeste Willkürherrschaft. Gott! wie müßte eS in der Welt aussehen, wenn alle Leidenschaften des Menschen Freiheit hätten. Den richtigen Begriff von der Freiheit gibt das Christenthum. Es versteht unter derselben die Herrschaft deS Geistes über Fleisch und Welt. Ihm zu Folge ist nur der Sünder ein Unfreier, weil geknechtet von seinen Leidenschaften. Wer frei ist in dem Sinne, daß er außer dem Bereich der bürgerlichen Gesetze steht, dabei aber von seinen Leidenschaften beherrscht wird, der ist frei, aber frei zur vollsten Unfreiheit, d. h. zur ungebundenen, von keinem äußeren Gesetze gezügelten Hingegebenheit in die Sklaverei seiner Gelüste. Dasselbe Christenthum, welches unS den wahren Begriff der Freiheit gibt, lehrt uns auch den wahren und einzigen Weg zur äußern oder bürgerlichen Freiheit. Die wahre und gesunde äußere Freiheit ist, nach seiner Anschauungsweise, die Frucht der inneren. In dem Maaße, in welchem der ! Mensch innerlich frei, d. h. seiner Selbstsucht Herr wird, kann und soll !ihn LaS äußere Gesetz frei geben, denn in dem Maaße ist er sich selbst Gesetz, und bedarf der äußeren Bindung nicht. DaS bürgerliche ZwangS- !gesetz ist lediglich für die sittlich Unfreien, für die Thiere, die den recht- ilichen Bestand der Gesellschaft in ihrer Selbstsucht zerfleischen würden, !wenn sie nicht durch daS äußere Gesetz gezügelt wären. Je wilder daS Thier nach Freiheit schreit, d. h. sich entfesselt sehen will, desto weniger ist eS der Freiheit fähig. Ja, gelänge eS ihm, die Schranken des zügeln- !den GesetzeS auf kurze Zeit zu brechen, so würde eine solche Herrschaft der Brutalität entstehen, daß Alles nach einem Tyrannen schrie, welcher !daS Thier wieder in Bande lege. Würde daher begriffen, wie alle bürgerliche Freiheit die sittliche Freiheit voraussetzt, und ohne innere, d. i. sittliche Freiheit die äußere nichts seyn könne, als Entfesselung der brutalen Willkür, so würde man sich von dem derzeitigen FreiheilSgeschrei mit Entsetzen abwenden, und alle Gutgesinnten würden zusammenhalten, daß daS Menschen-Thier nicht entfesselt werde. ES liegt darum Alles daran, die christliche Ansicht von der Freiheit und dem Wege zu ihr wieder allgemein zur Geltung zu bringen und damit die Prediger der Afterfreiheit in der öffentlichen Meinung zu vernichten. WaS verheißen die Männer deS Umsturzes dem Volke? WaS erwartet dieses von ihnen? Bekanntlich: Freiheit für Alle; Wohlstand für Alle; Bildung für Alle. Laßt unS diese Verheißungen und Erwartungen näher inS Auge fassen! ! „Freiheit für Alle." — ES ist hiermit die äußere oder bürgerliche Freiheit gemeint. — Wer ist bürgerlich frei? Der, welcher Herr ist seines ! Thuns und LassenS, mit der einzigen Beschränkung, die StaatSgesellschaft, !die Gemeinde, die Familie und den Einzelnen nicht widerrechtlich zu verletzen. Man kann auch sagen: frei ist Der, welcher in Entwicklung, Thätigkeit, Besitz und Genuß keiner andern, als der rechtlichen d. h. aus der ! Gleichberechtigung aller Anderen fließenden Beschränkung unterworfen ist. ^Nun, waren wir bisher nicht frei, v. h. waren wir in der Entwickelung und dem Gebrauch unserer Kräfte, im Erwerb und Genusse willkürlichen oder widerrechtlichen d. i. solchen Beschränkungen unterworfen, welche weder durch die Rechtsansprüche der Gesammtheit oder der Einzelnen geboten, noch durch die Rücksicht auf die Wohlfahrt der einen und andern gerechtfertigt sind? ES ist nicht zu läugnen, daß der sogenannte Polizeistaat seine Präventivmaaßregeln vielfach über Gebühr, wohl selbst willkürlich ausgedehnt, überhaupt daS öffentliche Leben und seine Bewegung in einer Weise bevermundet hat, welche jedem Volke, welches zu einer gewissen Stufe !der Entwickelung gelangt ist, gerade so unerträglich wird, als dem zum Jüngling oder Mann herangewachsenen Sohne die Behandlung deS VaterS, welcher ihn noch immer wie einen Knaben gängelt. Im Ganzen aber hat eS doch keineswegs an Freiheit gemangelt. Der junge Mann z. B., nachdem er die allgemeine Schulbildung erhalten, wandte sich dem Berufe, z. B. !dcm Handwerke zu, zu welchem er eben Lust hatte; er wählte sich jenen Meister, der ihm gefiel; er ging in der Folge auf die Wanderschaft, »vorhin er wollte; er nahm Arbeit und zog wieder weiter, wo und wann eS ihm gut dünkte; er kehrte in seine Heimath zurück und gründete ein eigene- ^ Hauswesen, wie eS ihm an der Zeit schien; er handthierte und gewerbte, und Niemand durste ihn verletzen. So jeder Andere. Aber auch aus dem Gebiete der geistigen Thätigkeit fehlte eS nicht an Freiheit. Wie wenig der Polizeistaat die Bewegung dcr Geister, ob er auch theilweise Versuche machte, zu bannen vermochte, beweisen deutlich genug die Ideen, welche trotz aller ernstlichen oder scheinbaren Hemmnisse ein Gemeinbekenntniß unserer Nation geworden sind. Ja die Hemmnisse sind, wenigstens hier und dort, offenbar Reizmittel dcr Bewegung unter den Geistern geworden: wie denn überhaupt Hemmnisse sehr oft nicht sowohl Beeinträchtigungen, als vielmehr Anregungen der Selbständigkeit find. Da nun aber zur Zeit der Polizeistaat und seine Bevormundung aufgehört hat, sonach nicht bloß die 107 frühere, sondern die ganze, die unverkümmerte Freiheit gewährt ist, was muß stell jetzt daS Volk unter der Freiheit, welche erst noch kommen und der Antheil Aller werden soll, denken? Offenbar nichts anderes, als die Entfernung aller Schranken, durch die sich der Egoismus und die Leidenschaft noch gehemmt sieht. Freiheit wird so viel heißen, als thun dürfen, was man will. Der Arbeiter wird sich frei denken, wenn er eine Stellung einnehmen kann neben dem Arbeitgebendcn: der Schuldner wird sich frei fühlen, wenn er nicht mehr gerichtlich zur Zahlung angehalten werden darf; der sünvenlüsterne Mensch wird unter Freiheit die Antiquirung der alten Sittengesetze, und die Aushebung der häuslichen Ordnung und Zucht verstehen; der Rohe wird damit daS Recht meinen, an Jedem, welcher ihm in den Weg tritt, die Faust zu versuchen. Allein nun haben wir nicht die Freiheit, sondern die Widersetzlichkeit, die Zügellosigkeit, die Willkür, die brutale Gewalt, die Unterdrückung und Knechtung deS Schwächeren durch den Stärkeren. Ja, die Freiheit, welche sich nicht unter daS Gesetz und seine Ordnung beugt, ist ungezügelte, maaßlose Willkür; und^ weh' Dem, welcher in ihre Hände fällt. Diese Freiheit ist wesentlich Despotie: sie spannt Alles, was sie erreichen kann, an ihren Wagen, und wenn es nicht ziehen will, treibt sie eS mit Peitschenhieben vor sich her. Sehen wir auf Die hin, die da vor Kurzem Freiheit ausriefen für Alle. Ihr Auftreten war Gewaltthat. Sie fragten nicht, Wer ihre Ueberzeugung theile, und mit ihnen ziehen wolle; sie befahlen den Zuzug unter Bedrohung mit Gefängniß und Tod. Kirchliche Reisebilber. (Fortsetzung.) Man lernt eS begreifen, wie das kirchliche Leben in Bayern sich mehr und mehr heben konnte, wenn man die Bischöfe kennt, welche die einzelnen Diöcesen leiten. Ich hatte nur die Ehre zwei bayerischen Bischöfen mich vorstellen zu können, zu Bamberg und Würzburg, und ich mußte ein Land glücklich preisen, daS solch würdige Oberhirten zieren.? Diese apostolische Einfachheit, diese schlichte und vertrauenerweckende Freund-! llichkeit, diese zarte, unwillkürlich aus allen Worten hervorleuchtende Fröm-! migkeit muß aller Herzen gewinnen, und die Schäflein heranziehen mift dem sanften Zuge gläubiger Liebe. BayernS Episkopat, so wie ich ihn aus öffentlichen Blättern und mündlichen Urtheilen, die ich entgegen nahm, kenne, steht jehrenvoll da im deutschen Baterlande, und die Würzburger- Synode war an ihrem entsprechenden Platze. ES sind meistentheilS jüngere Kräfte, welche den Hirtcnstab mit starker Hand zu führen vermögen, mitunter Schüler deS unsterblichen Bischofs Sailer, dem überhaupt Bayern Vielen Dank schuldet, was kirchliches Leben und religiöse Wissenschaft anbelangt. Dafür hängt auch das Volk, ich möchte sagen, mit Andacht und Verehrung an seinen Oberhirten, und ich war tief ergriffen, als ich in RegenSburg vor dem Grabmale deS frommen Bischofs Wittmann mehrere Personen knieen, weinen, und die kalten Hände des Monumentes küssen sah. Das Volk hat ein gut Gedächtniß für wahrhaft Gutes, und es fehlt oft nur daran, daß der schlummernde Sinn für das Gute in selbem geweckt und gepflegt wird. Eine solch kindliche Verehrung eines Bischofes ist in Oesterreich selten, denn wir haben manche unserer Bischöfe mehr fürchten, als lieben gelernt. — Würdig stehen den Bischöfen die Domcapitel an der Seite, welche wahre Muster der Gelehrsamkeit und Frömmigkeit bergen! Man braucht nur an die Namen: Benkert, Allioli, Windischmann, Mätzler, Zarbl, Schmid und den noch vor wenigen Jahren die alte RatiSbona zierenden Dicpenbrock zu erinnern. So ist eS recht, der Veirath deS Bischofes soll eine coroua surea seyn, und durch Würde und inneren Gehalt daS Ansehen desselben erhöhen und der guten Sache durch Wort und That Vorschub leisten, äcl regis exsmplsr totus componitur orbw — gilt auch hier. Der jüngere und mindere Klerus? klammert sich an die erprobte Stütze, und hegt Vertrauen zur kirchlichen ^ Behörde. Mir ist ein so tolles und volles Schimpfen über geistliche Behörden, wie eS bei uns in Oesterreich manchmal getroffen wird, in Bayern nicht vorgekommen. Wer trägt die Schuld daran? UebrigenS muß man, ^ was daS äußere geistliche Leben anbelangt, daS östliche Bayern von dem! westlichen unterscheiden. Der rheinpfälzische Geistliche bewegt sich in der^ Regel leichter, die öffentliche Kritik hat ihm keine so engen Gränzen gezogen, wie allenfalls seinem Mitbruder im Frankenlande, so wie meines Wissens die Jgnatianischen Erercitien häufiger an dem Lech und der Jsar sich vorfinden, als an den blauen Fluchen keö Rheines. Dort herrscht so zu sagen, mehr klösterlicher Geist, hier mehr weitläufiger und geselliger. BieleS mag dazu die Nähe Frankreichs und daS Zusammcnwohnen mit einer überwiegenden Anzahl von Protestanten beitragen. DaS wissenschaftliche Element findet wohl seine gebührende Stellung in den Seminarien, natürlich in verschiedenen Diöcesen verschieden, allein die Mehrzahl der in Bayern erscheinenden Bücher beweiset, daß die asketische Bildung die mehr gepflogene ist. DaS ist gut und billig, und ich wünschte vom Herzen, vaß jene Zeit sich wiederholen möge, in der die Bernarde großen Einfluß übten auf Generationen hinaus, und zwar durch die Tiefe deS Gcfühle- und die überwältigende Macht ihres sutenreinen Charakters. Aber ich halte dafür, daß unsere Zeit noch höhere Ansprüche macht an den jungen Streiter der Kirche. Mag sey», daß wir durch die Macht eines guten Beispieles die bereits katholischen Gläubigen uns erhalten, aber das ist nicht genug, wir jollen auch andere, die nicht zu nnS schwöre», anziehen und hereinführen in den wahren Schafstall Christi. Dazu gehört aber die Klugheit der Schlange eben so gut, als die Einfalt der Taube. In so ferne hat eS mir sehr wohl gethan in Würzbnrg einen Priester zu treffen, der über speculative Theologie tiefsinnige Studien gemacht hatte, obwohl sein Beruf ihn zunächst nicht auf den Katheder führte. Um das kirchliche Bild Bayerns, so weit eS mit so wenigen Pinsel, strichen möglich ist, zu vervollständigen, kann ich über die religiöse Kunst, die in diesem Lande neu erwacht ist, nicht schweigen. Durch die freigebige Huld König Ludwigs ist München zum deutschen Athen gewor- den, und eine Unzahl von Fremden, die jäbrlich seine Schätze besuchen, verlassen befriedigt diese der Kunst geheiligten Mauern. Die wunderherr- liche gothische Ankirche, daS colossale Prachtdenkmal der Bonifaciuskirche, die Ludwigs- und Hofkirche allein sind werth, daß man nach München reiset. Schon oben habe ich die kunstvolle Restauration des alten Domes zu RegenSburg erwähnt; ich habe hier nur noch den B am berge rdom, diesen seltsamen Mischling von byzantinischer und gothischer Baukunst nachzutragen, und auf den Dom nach Speyer hinzuweisen, der in Schmuck und Ehre, in Gold und Farbenzier neu zu prangen beginnt, — eine kaiserliche Pracht, wie sie den Todten gebührt, die daselbst ruhen. DaS „steinerne Räthsel" scheint sich zu lösen, und das „riesige Gedicht" verstanden zu werden, denn wie eS in MolitorS Domliedern heißt: „Wa- frech zerstört der Wälsche Mit Schwert und FciirrSgluth, Auf« Neue will e« bauen De« Deutschen frommer Muth." (Fortsetzung folgt.) Prag. Prag, im Mai. ES gibt Momente, wo daS Innere deS Menschen offener vor dem Auge des Beobachters daliegt; es gibt solche Momente auch bei Völkern. DaS Fest Leg heiligen Johannes von Nepomuk war ein solcher Moment. Deutlich war eS da zu schauen, welche Mächte im Reiche der Gemüther walten; jede derselben kämpft nach ihrer Art, jede ringet nach der Oberhand. Wie wird sich die Religion bewähren? Man sah mit Spannung dem Feste entgegen. Viel wurde gethan, um das religiöse Leben herab zu stimmen; viel wirkte daS Aergerniß zum Verderben, welches von Thoren und von Schwachen kommt; daS öffentliche Bekenntniß deS Glaubens schien von einer Partei verpönt; dazu kam noch der Umstand, daß auf daS Fest die Stadt Prag und ein bedeutender Umkreis in Belagerungszustand erklärt werden muhte, und daß sich in Folge dessen weithin die schauerlichsten Gerüchte verbreiteten: und dennoch sah man von allen Seiten die Fähnlein einher flattern, und dennoch vernahm man die weichen slawischen Weisen auf allen Wegen, unterbrochen von kräftigem deutschen Gesang. ES ist nicht zu läugnen, die Pilgerschaar war nicht so zahlreich wie wir sie in ruhigern Tagen sahen; eS fehlte jene Heiterkeit und Frische, welche diese Andacht sonst auszuzeichnen pflegte; aber wie daS Fest war, gab eS einen überzeugenden Beweis, daß viel religiöser Sinn in dem Volke wohne, der sich nach Weckung sehnt, und der gehörig geweckt und geleitet kräftig genug ist, um allem Uebel zu begegnen. Wir sehen darum mit großen Erwartungen hin auf die Versammlung unserer Väter in Wien, und harren mit Sehnsucht deS Augenblickes, wo unS ein Führer gegeben seyn wird. Jetzt ist der Drache mit dem rothen Kamm wiever mit fester Faust niedergeworfen; aber wie er sich ringelt und windet, ist zu ersehen, daß er nicht verenden wird; — ihn muß die Macht deS Kreuzes bannen. Zur Erhöhung deS Festes trug unsere gütigste Kaiserin Anna ein Großes bei, indem sie der heil. Märterin und Landespatronin Lud» milla einen Altar bauen ließ, welcher zum Feste enthüllt wurde. Die todt dahin gesunkene HI. Blutzeugin ist ein Meisterstück der Skulptur; der vaterländische Künstler Mar hat eS auS kararischem Marmor geschaffen. Ein sinnreicheres Denkmal hätte die hohe Frau im Dome nicht hinterlassen können; denn eS drückt Ihre eigene Hingebung für die Religion eben so . > i -, c W 108 aus, wie eS zeigt, was Sie dem Volke ist, eine wahre Ludmilla, d> h. eine Geliebte des Volkes. Der KriegSzustand wirkte auch auf den Katholikenverein hemmend ein; daher unterblieb die Versammlung am JohanniSfest, bei welcher man auch Mitglieder fremder Vereine erwartete. (Kath. Bl. a. T.) PiuSvereine. Mainz, 21. Juni. Die auf den 20. d. M. in AuSstcht genommene, in Wiesbaden abzuhaltende Versammlung der katholischen (PiuS-) Vereine aus der oberrheinischen Kirchenprvvinz konnte der Zeitverhältnisse wegen, namentlich da Baden und Württemberg Abgeordnete zu senden außer Stand waren, nicht in der Weise stallfinden, wie die BreSlauer allgemeine Versammlung über die allenthalben zu veranstalteten Provinziell-Versammlungen Beschluß gefaßt har. Da aber doch wegen der am 19. d. M. vollzogenen feierlichen Einweihung der neuen Kirche in Wiesbaden eine so ansehnliche Zahl von Mitgliedern katholischer Vereine aus der Diöcese Mainz und Limburg versammelt waren, daß man mit Nutzen von Dingen reden konnte, die für die katholische Vereine im Allgemeinen von Wichtigkeit sind, so wurde, nach einigen einleitenden Worten der Vorsitzenden des Wiesbadener BonifaciuS- und des Mainzer PiuS-VereinS, der Geheime LegationS-Rath Lieber, bekannter noch inner dem Namen: „der praklische Jurist" durch Acclamation auf den Präsidentenstuhl berufen, und sprach derselbe, nachdem er für die Ehre und Auszeichnung, die er, wie er bemerkte, gerne einem Andern, einem Würdigern, zugewendet hätte, unter Anderm: „ES ist ein überwältigendes Gefühl, in dem wir Alle hier versammelt sind. Versammelt hat uns daö Fest der Einweihung der katho- liichen Kirche Wiesbadens. Fragen wir unö: Wer baut katholische Kirchen? Wer hat die katholische Kirche WieöbadenS, ein in allen Beziehungen gelungenes Werk, gebaut? so ist die Antwort hierauf: Es ist der Geist der Kirche. Um unS her sehen wir die Gebäude der Menschen zerfallen, und in uns Allen lebt wohl die Ueberzeugung, daß die der europäischen Menschheit nöthige Restauration, die wiederaufbauende, nur von der Kirche ausgehen kann. Soll die Gesellschaft regenerirt werden, ich weiß, in jeder Brust von Ihnen lebt die Ueberzeugung: eg kann nur geschehen durch den schöpferischen LebenSquell, den unsere Kirche auch zu andern Zeiten schon über die Welt ausgeströmt hat. Dieß ist die Aufgabe der Kirche; sie hat ibr zu allen Zeiten entsprochen, sie wird ihr auch jetzt noch entsprechen. Alle anderen Arzneien, nehme man sie, woher man wolle, und wären sie die bestgemeinten, meine treuen lieben Genossen, sie würden nicktS helfen, — daS haben wir erfahren; sie könnten nur unzureichende Palliative seyn. Die Königreiche, die sich noch einer Macht bewußt sind, sie können die Revolutionäre züchtigen, und besitzen sie neben der Macht auch etwas Großmuth, so können sie ihnen großmüthig verzeihen; aber sie läutern, verklären, versöhnen, daS ist der irdischen Macht nicht gegeben. (Bravo!) Diese Aufgabe, eS ist die Aufgabe der Kircke^ Aber auch wohlverstanden, wenn die Kirche in dieser Zeit die Hand bieten möchte auch nur zu einem Schatten von Concessionen weiter, sie würde hingeworfen werden zu den bereits zerriebenen Institutionen, die früher dem Liberalismus und der Revolution Concessionen in Beziehung auf das Princip gemacht haben. Deßhalb ertönt jetzt von allen Seiten, vom Aufgang bis zum Niedergang, der gewaltige Ruf nach Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit der Kirche. Dieser Ruf, meine treuen Genossen, dieser Ruf ist es ja, der so viele wackere Männer in allen Gauen Deutschlands in den katholischen Vereinen zusammen geführt hat. Ich könnte und möchte mich gerne eine Weile darüber verbreiten, wie wir die Freiheit der Kirche zu verstehen haben, und wie wir sie verwirklicht zu sehen wünschen mögen, aber heute langt unsere Zeit nicht dazu. Ich möchte nur an Eins erinnern, daß wenn, wie ich in BreSlau mich deS Ausdrucks bediente, die katholischen Vereine die von dem Herrn berufenen Heeressäulen des Glaubens im Laienstande in dieser Zeit sind, daß wir dann Alle von der Ueberzeugung durchdrungen setzn müssen, daß, so wie ein Heer nichts taugt, so lange nicht jeder einzelne Recrut ein Lurcherer- cirter ist, so auch wir es im Verein, ehe wir mit andern Dingen uns mehr beschäftigen, erst zur allgemeinen Ueberzeugung in jedem einzelnen VercinS- gliede zu bringen haben, daß jeder an sich anfange vorerst daS Ebenbild GottcS in sich herzustellen, wenigstens zu erstreben und so durch Fortbildung auf diesem Fundamente sorge, daß er ein tüchtiger Soldat in diesem Heere werde. Wir baben auch deßhalb in BreSlau vorzugsweise uns damit beschäftigt, was in den Vereinen zu geschehen habe, welche Wirksamkeit die Vereine zu ergreifen haben, um eben die Wirkung des katholischen Bewußtseyns im Volke zu Pflegen und zu hegen. Diese Aufgabe ist und bleibt die nächste der katholischen Vereine." Gerne möchte ich den Lesern Ihres Blattes Näheres mittheilen über den ausführlichen Bericht, welchen Dr. Heinrich aus Mainz von dem abgestattet, waS in BreSlau verhandelt und beschlossen wurde, über den Vertrag des Herrn Dr. Colombel aus Hadamar, der besonders auseinandersetzte, wie die katholischen Vereine die wahren Bedürfnisse des Volkes ins Auge zu fassen haben, über die herzliche Ansprache des Herrn HosrathS Leyendecker, welche die christliche Erziehung und Bildung der Kinder vom zartesten Alter an zum Gegenstände hatte, so wie überhaupt über alle Reben und Vortrüge, welche in dieser Versammlung gehalten und mit allgemeinem Beifalle aufgenommen worden sind, wohl daS sicherste Zeichen, daß sie auch ihre Wirkung nicht verfehlen werden; aber ich beschränke mich, mit Rücksicht auf den Raum ihres Blattes, auf diese kurze Mittheilung, der ich nur noch beifüge, daß auch der Hochwürdigste Bischof von Limburg vor seiner Abreise nach Eltville der Versammlung über eine Stunde beigewohnt und sie bei seinem Weggehen dringend ermähnt hat, treu und eifrig auf der seither verfolgten Bahn fortzuwandeln. (Kath.) « Vom RHeine, 29. Juni. ES möchte in der That fast den An- schein gewinnen, als wollte der Katholik für die Unwandelbarkeit und Stetigkeit im Glauben sich gleichsam in nichtkirchlichen Dingen durch desto größere Wandelbarkeit unv Entzweiung entschädigen. Wenigstens suchen wir unter uns Katholiken in Letzterem vergebens jene Einigkeit und Festigkeit, welche in dem Festhalten an unserer Religion und Kirche unS auszeichnet. ES ist allerdings der alte Wahlspruch: Einigkeit im Nothwendigen, Freiheit im Unwesentlichen und Zweifelhaften, aber Liebe in Allem. Dieses freie AuSeinandergehen in zweifelhaften oder nicht kirchlich festgesetzten Meinungen zeigte sich lebhaft auf der in Mitte deS MonatS April in Köln zusammengetretenen Provincial - Versammlung der' PiuSvereine, wo besonders die Frage: „ob und wie weit diese Vereine an politischen Fragen sich betheiligen sollten" erörtert wurde unv die ausgezeichnetsten Persönlichkeiten katholischer Gesinnung verschiedene Behauptungen vertraten. Wer die betreffenden Verhandlungen gelesen, wird sich überzeugt haben, daß dabei im Nothwendigen Einheit, im Unwesentlichen^ volle Freiheit, in Allem aber Liede vorgewaltet. Das Ergebniß war auch ein Resultat voller Freiheit: daß es den. einzelnen Vereinen freistehe, auch mit rein politischen Fragen sich zu beschäftigen. Die historisch-politi- sehen Blätter haben sich in gewohnter einsichtiger Art über diese Verhandlungen ausgesprochen und den ausgezeichneten Vortrügen der verschiedenen Parteien volle Gerechtigkeit wieverfahren lassen. Angesichts dieser Sachlage macht nun einen höchst unangenehmen Eindruck daS Verfahren des jetzigen VorortS BreSlau dem Kölner oder Rheinischen PiuSvereine gegenüber. Der Kölner Piusverein (und mit ihm mehrere der bedeutendsten im Rheinland und Westfalen) hatten dem edlen Reichsverweser eine Dankadresse votirt für sein festes Auftreten und Ausharren in der Sache Deutschlands. Daß der NeichSverweser diesen Dank von leiten aller Vaterlandsfreunde verdient, wird keiner bezweifeln; ob eS aber zeitgemäß, ob es im Ganzen förderlich für die Sache der Kirche gewesen, daß katholische Vereine einen solchen Dank votirten, ist eine Frage, die wenigstens noch für und gegen besprochen werden kann. Und obschon wir eS unsererseits gewünscht hätten, daß in dieser ohnehin aufgeregten, durch Brudcrkümpfe so unglücklichen Zeit diese Adresse unterblieben wäre, so hatten doch die PiuSvereine daS Recht, darüber zu verhandeln und diesen Beschluß zu fassen, und, wie sich nicht läugnen läßt, dafür eben so gute Gründe, wie früher für den belobten DankeSauSspruch an unsern König, daß er die papierne Kaiserkrone nicht angenommen. Daß der katholische Vorort eine andere Ansicht hat, dazu hat derselbe ebenfalls daS Recht. Ader anstatt diese abweichende Ansicht dem Rheinischen Piusverein in brüderlicher Liebe mitzutheilen, gibt derselbe eine öffentliche mißbilligende Erklärung ab, welche sich auf eine Eiklärung teö heiligen Vaterö stützt, der übrigens nur vor politischen Umtrieben (motus civiles) warnt, legt also offen vor aller Welt in schonungsloser Weise einen unerquicklichen Zwiespalt bloß! Und waS in der ganzen Sache das Schlimmste war, was der Mißbilligung deS Vororts, wohl ohne dessen Absicht, den Stachel feindseliger Opposition verlieh, war der Umstand, daß diese Erklärung durch die „Kölner Zeitung," durch daS Blatt also dem Publicum bekannt gemacht wurde, welches im ganzen Rheinland und Westfalen als kirchenfeindlich und katholischer Gesinnung und Gesittung höchst gefährlich bekannt ist, während die „Rheinische Volkshalle" als Organ der Katholiken auf dem PiuStage in Köln und in BreSlau selbst warm empfohlen wurde. (Katholik.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.