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ES wird auf die Strafgerichte un alten Testamente, auf den Verfall des römischen Weltreiches und den Untergang der Kirche in Asien als eben so viele Beweise deS LooseS hingewiesen, welches der Völker harrt, die als ungetreue Verwalter des Schatzes der göttlichen Offenbarung sich erweisen. Auch in unseren Zeiten hatte dieselbe Ursache denselben Erfolg. Man hatte Eisenbahnen und Dampfmaschinen, man wußte den Laus der Gestirne zu berechnen und die Pflanzen in ihre Bestandtheile aufzulösen, und man glaubte darum in unverständigem Stolze des Herrn nicht mehr nöthig zu haben; da brach das Jahr 1Ü48 herein und zeigte das Ungenügende der Grundlagen, auf denen die neuere Bildung und der neuere Staat sich aufgebaut hatte. Nun erkannten „die weisen Staatsmänner", welche der Kaiser an die Spitze der Geschäfte gestellt hat, daß eS nicht genüge, den AuSbruch deö Sturmes gewaltsam gebändigt zu haben, sondern daß man die Mächte des Geistes aufrufen müsse, die Ursachen, die ihnhervorgelockt, zu bannen, darum — „erschienen die Gesetze vom 4. März dieses JahreS." Die Bischöfe haben in den Tagen der Umwälzung, als Hohn und Drohung wider das Heiligthum anstürmte, nicht geschwiegen, und sie haben an die damaligen Letter des Staates ihre Mahnungen, Bitten und Vorstellungen gerichtet und für die Braut Christi die Freiheil verlangt, ihre göttliche Sendung ohne Hinderniß zu erfüllen, endlich hat das Gesetz vom 4. März der katholischen Kirche die Freiheit gewährt, ihre Angelegenheiten selbstständig zu verwalten, und dadurch die vielfachen Hemmnisse beseitigt, „welche in Oesterreich seit 70 Jahren die Entfaltung ihrer heilbringenden Wirksamkeit beirrten." Um diese Bestimmung der Grundrechte inS Leben einzuführen und aufS Einzelne anzuwenden, hatten „mehrere auS ihnen" bereits Vorbereitungen zu einer Versammlung der Bischöfe getroffen gehabt, als die dießfällige Einladung der Regierung erfolgte, der sie dankbar Folge leisteten. Bei ihren Verhandlungen ist ihnen stets die Wichtigkeit derselben, „die in die Geschicke der katholischen Kirche in Oesterreich lies eingreifen und über die heiligsten Interessen weit verbreiteter Länder das LooS der Entscheidung werfen" können, vorgeschwebt. Sie haben ihre Erklärungen, Wünsche und Vorstellungen der Regierung bereits übergeben, und erwarten von deren „Weisheit und Gerechtigkeit," das freudige Ergebniß der Berathungen bald verkünden zu können; inzwischen theilen sie den Priestern die Grundsätze mit, von denen sie sich leiten ließen: Man spricht viel von Fortschritt; es ist auch die Pflicht des Einzelnen, wie der gesammren Kirche, in Erkennung und Befolgung des Willens GolteS immer vorzuschreiten. Die Kirche insbesondere benützt „jedes probehältige Ergebniß der Erfahrung, jeden wirklichen Gewinn der Wissenschaft um die Lehre deS Heiles den Herzen tiefer einzuprägen, die Geheimnisse GolteS in immer weiteren Kreisen fruchtbringend zu machen, dem Irrthume zu steuern, die Lüge zu entlarven, der Leidenschaft zu gebieten und die AuSerwählten, welche sich ihrem besonderen Dienste gewidmet haben," für ihren hohen Beruf würdig auszubilden. Darum suchten die Bischöfe zuerst die Hindernisse deS ForlschrittS in der Kirche zu beseitigen. „In den Zeiten, welche den Tagen des Umsturzes vorangingen, haue die katholische Kirche in Oesterreich manchen Grund zu gerechter Beschwerde. Jede Regung ihres Lebens war von den Fäden zahlloser Verordnungen umschnürt; dem Verkehre mit dem heiligen Stuhle stellten sich fast unübc» steigliche Hindernisse entgegen; der Bischof durfte an seine Gemeinden ohne Einwilligung der Behörden kein Wort der Ermahnung richten; die mächtige Hilfe der Presse zur Belebung und Läuterung der Gesinnung anzurufen, wurde den Vertretern der Kirche beinahe unmöglich gemacht, denn über die einflußreichsten Fragen war jede Erörterung, in welchem Sinne sie immer mochte geführt werden, schlechthin verboten; die weltliche Gesetzgebung streckte über alles, waö in die äußere Erscheinung trat, ihre gebieterische Hand auS, sie unternahm cS sogar, den Gottesdienst bis inS Kleinste herab zu bestimmen, und stellte in Ehesachen sich zu dem Kirchen- gesetze in schneidenden Gegensatz." Manche dieser Bestimmungen wurden allerdings seit langem nicht befolgt, andere sehr milde gehandhabt; allein die Gesetze waren in Kraft und wurden manchmal ganz unerwartet in vollster Strenge wieder angewendet. Hier den ursprünglichen RechtSzu- stand wieder herzustellen und daS Kirchengesetz in Oesterreich zur vollen lebendigen Geltung zu bringen, war eine der wesentlichsten Bemühungen der Bischöfe. In so fern einige der Anordnungen der Staatsgewalt an und für sich zweckmäßig sind, sollen sie auf das kirchliche Gebiet verpflanzt und ihnen die kirchliche Weihe verschafft werden, auch sind die Bischöfe weit entfernt, die Rechte anzutasten, welche der katholische Monarch, als ein ausgezeichneter Sohn der Kirche, in der Kirche erworben hat. — (Daß hier auf den PfarrcvncurS und die Ernennung der Bischöfe von Seile des Kaisers angespielt sey, durfte Niemanden entgehen.) Die eigenthümlichen Zustände unserer Gesittung und vorherrschenden GcisteSrichtung verlangen besondere Vorkehrungen; auch diese wurden von den Bischöfen in Erwägung gezogen. Ueber die besonderen Bedürfnisse einzelner Kirchcnprovinzen wirb auf Prvvincialconcilien berathen werben, und auch Diöcesansynoden scheinen in der Absicht vieler Bischöfe zu liegen; denn es wird mit einem gewissen Nachdrucke hervorgehoben, daß die Bischöfe sich auch an die Priester wenden werden, um ihre Wünsche zu hören und die Ergebnisse ihrer Erfahrung und Hirtenklugheit zu benutzen. — „Sollten in der Anwendung und Näherbestimmung mancher Kirchengesetze sich Abänderungen als nothwendig darstellen, so werben die Bischöfe ihre Bitten und Anträge an dem Stuhle deS heiligen Petrus voll Ehrfurcht niederlegen, und dort, wo die Einheit deö PriefterlhumS wurzelt, die Genehmigung und Bekräftigung ihrer Beschlüsse suchen." Was die Bischöfe weder wollten noch konnten, war eine Abänderung der ewigen unwandelbaren und heilkräftigen Wahrheiten unseres hl. Glaubens oder der von Gott eingesetzten und umschriebenen Kirchengewalt. Darum konnten sie auch jener Forderung nicht genügen, daß sie, „wenn nicht geradezu ihrer Amtsgewalt entsagen, doch die Ausübung derselben an Bedingungen knüpfen sollen, unter welchen eine Kirchenregierung unmöglich ist!" ES ist hier offenbar jene unverständige Ansicht gemeint, j welche die konstitutionelle NegierungSform mit einer „gesetzgebenden" Ver- jsammlung und dieser „verantwortlichen" Ministern in die Verwaltung der ! einzelnen Diöcesen einführen will. ! ES wird nun auf die Besprechung der verschiedenen kirchenfeindlicheir j Gesinnungen übergegangen, auf jene deS unbedingten Fortschrittes, der seinen Haß gegen Kirche und Staat offen bekennt, und auf jene deS gedankenlosen, halben, der jenem in die Hände arbeitet, „der mit der Hyäne ikoSt, welche schon den Rachen aufthul, ihn zu verschlingen, und der daS ^Holz herbeiträgt, um das eigene HauS in Brand zu stecken, und daS alle» ),n Namen der Aufklärung und deS Abscheues vor aller Verdammung." >Es wird der falschen politischen Freiheit, der Zuchtlosigkeit der Jugend, und der falschen Nationalität erwähnt, und mit Hiiiweisung auf die rastlose ^ Thätigkeit der Apostel deS UmsturzeS ein ernstes Wort der Ermahnung an die Priester gerichtet, Laß sie, „welchen der Sohn GolteS daS Seelenheil seiner Erlösten anvertraut, die er in das Innerste seines HeiligthumS ein- 11V geführt und mit der Macht des PriesterthumS begabt hat, gleiche Thätigkeit, gleiche Entschlossenheit entwickeln, um der Wahrheit vie Pfade zu ebnen, den Irrthum zu verscheuchen, die Seele zu retten." Hier ist vor allein die Reinigkeit eines christlichen Wandels und die Kraft jenes Eifers erforderlich, welcher „seinen LebenShauch aus dem Wehen heiligen Geistes schöpft." DaS Schreiben endet mit dem Gebete, daß der Herr der Heer- schaaren einen Blick der Erbarmung aus diese Lande sende, welchen er in Namen sie verherrlichen, dessen Willen sie vollziehen wollten; die Größe des deutschen Reiches suchten sie in Gott und durch Gott. DaS war der Grundgedanke, der daS deutsche Kaiserreich belebte und heiligte, erhielt und erhöhte; ohne diese tiefreligiöse Grundlage wäre eS niemals zu jener hohen Stellung gelangt, die es beinahe durch ein Jahrtausend in der Völkergeschichte behauptete, die es dann erst verlor, als der lebendige, religiöse Geist nicht mehr in diesem Reiche herrschte. Diesen Werth der Religion erkannten wohl die deutschen Kaiser, und in der Hebung derselben sahen Christo, seinem eingebornen Sohn, Licht und Gnade geschenkt hat, daß er sie die Hauptaufgabe ihres kaiserlichen Wirkens. Besonders ausgezeichnet sie nicht vor seine», Angesichts verwerfe, daß er den Verirrten die Engel Lurch dieses erhabene Streben ist jedoch jener Kaiser Deutschlands, den der Liebe und Demuth sende, damit sie die Last der Begierden, welche sie die Christenheit jetzt unter den seligen Himmelsfürstcn verehrt, der heilige zur Erde beugt, von sich werfen und zum Himmel aufblicken, für den sie Heinrich. Was er für die Beförderung der Religion gewirkt, daS bezeu- geschaffen sind. „Dann wird auch ein Hauch Deines FriedenS zu uns gen nicht bloß die Bücher der Geschichte, daS hat Gott aufgezeichnet in nieverwehen, und vereint um Deinen heiligen Altar werden wir Dich prei-seinem Buche ewiger Vergeltung. sen, i» Glauben und Hoffnung, bis wir eingehen in daS selige Reich deöi Heinrich war selbst, was einem würdigen Fürsten vor Allem Noth SchauenS. Amen." tthut, in seiner heiligen Religion festgegründet, ihre heilsamen Grundsätze - ^ hatte er schon von Jugend auf in sein Herz aufgenommen, und dadurch war schon eine spatere segenvolle Regierung verbürgt. Als ihn nach dem Ueber die Nothwendigkeit der Religion zum Gedeihen Tode des Kaisers Otto III. die Wahl der deutschen Fürsten auf den Kai- eineS Staate-. *) ! serlhron erhob, ging ihm schon der Ruf der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit, I. Wollen wir erkennen, wie nothwendig die Religion sey einem Staate zum glücklichen Bestände, Religion auf dem Throne wie beim Volke, so brauchen wir uns nur deutlich zu machen, waö denn eigentlich Religion sey. Diese ist nichts Anderes, als das Band, welches die Geschöpfe an den Schöpfer knüpft; eS ist jene Unterordnung der Geschöpfe unter ihren Schöpfer, mögen sie dieselbe auch nicht anerkennen, oder gar sich dagegen sträuben. „Gott hat unS erschaffen, sagt darum David, und er hat uns für sich erschaffen" (Ps. 99, 3.). Während nun die übrigen Geschöpfe unbewußt und unfreiwillig ihrem Schöpfer untergeordnet bleiben, soll der Mensch, mit Vernunft und Willensfreiheit begabt, seine Abhängigkeit von Gott erkennen und auS freiem Willen stets der Bestimmung treu bleiben, die ihm von seinem Schöpfer geworben ist. Er soll Gott als seinen Herrn!chem Ende Gott ihn so hoch erhoben; die Kenntniß des ganzen Umfanges erkennen, Ihn anbeten, Ihm dienen, in Allem gehorsam seinen Willen seiner Pflichten ließ er sich stets angelegen seyn, und im Gefühl der Un- der Sanftmuth und Mäßigung voraus; groß war deßhalb das Vertrauen, welches Deutschland auf seinen neuen, weisen und frommen Beherrscher setzte, und er entsprach vollkommen dem hohen Begriffe, den man sich von ihm gemacht hatte, durch die weise Verwaltung seiner Staaten wie auch durch jenen Glanz aller christlichen, königlichen und kriegerischen Tugenden, die man so selten vereinigt findet. Heinrich besaß die erste Tugend deS Christen, die auch den Fürsten auf dem Throne ziert: er war von Herzen demüthig; er wußte wohl, daß nur Gott eö ist, der dem Fürsten Ansehen und Würde, Macht und Gewalt verleihet, daß vor Ihm, dem Unendlichen und Allmächtigen, jede irdische Größe verschwindet; im Glänze kaiserlicher Herrlichkeit vergaß es Heinrich nicht, daß er einst wieder vom Thron herab inS Grab steigen und dem Weltenherrscher genaue Rechnung von seiner Regierung werbe ablegen müssen. Nie verlor er auö dem Auge, zu wel- zulänglichkeit menschlicher Kräfte zur Erfüllung so hoher Anforderungen wendete er sich im Gebete zu Gott, und bat Ihn um Weisheit, durch welche allein vie Fürsten mit Glück und Segen ihre Völker leiten können. erfüllen und dadurch ewiges Heil und ewige Seligkeit finden. Dieses ist der ganze Inbegriff der Religion. Allein nicht jede Religion ist die wahre, nicht in jeder erkennt und beobachtet der Mensch wahrhaft seine Abhängigkeit von Gott. Wie eS nur! Unablässig betrachtete er daS göttliche Gesetz, um durch daS eigene Beispiel Einen Gott gibt, so gibt eS auch nur Eine wahre Religion, es ist die eines demüthigen Gehorsams gegen GotteS Gebote seinen Völkern zur Tu- Religion Jesu Christi. Er hat uns erst recht Gott, seinen unv unsern gend voranzuleuchten. Vater, kennen gelehrt, Er hat unS den Willen unsers GotteS vollkommen! Diese aufrichtige Demuth vor Gott bewahrte unsern heiligen Kaiser und klar verkündigt, hat unS die Beobachtung desselben eindringlich anS vor jenem Fehler, dessen sich der Mensch nicht leicht erwehren kann, wenn Herz gelegl und unS gezeigt, wie die gehorsame Erfüllung deS göttlichen Macht und Gewalt in seine Hände gelegt sind, nämlich vor der Willkür. Willens unsere einzige und wahre Lebenöbestimmung jey, wie wir nur da durch wahrhaft glücklich und selig werben können. JesuS hat uns durch sein eigenes Beispiel gelehrt, wie unser ganzes Leben Gott geweiht seyn, Ihm gehören solle, wie wir in Allem nur unsers Schöpfers Ehre in Obacht nehmen, stets seine Gebote vor Augen haben unv nach ihnen unser chon von Jugend auf halte Heinrich angefangen, in der schwersten Tugend der christlichen Religion, in der Selbstverläugnung sich zu üben, ohne welche es dem Menschen unmöglich ist, mit steter Treue seinem Gott zu dienen. Er hatte sein Fleisch dem Geiste, seinen Geist aber Gott untergeordnet, so daß er niemals seinen Eigenwillen, sondern stets den Willen Leben regeln sollen. Nur der Mensch, der, wie es die Religion Jesu Gottes zu erfüllen trachtete; niemals gebrauchte er seine Macht dazu, um lehrt, stets an seinen Gott sich hält, der wird seine Bestimmung hieniedcn seine Leidenschaften zu befriedigen, und wie sehr er diese zu beherrschen erreichen und sein Ziel nicht verfehlen; wer hingegen Gott auS den Augen verstand, bezeugt unS folgende Begebenheit. Er belagerte einst im süd- verliert, wer all sein Thun und Lassen nicht auf Ihn bezieht, nicht nach lichen Italien eine aufrührerische Stadt; da dieselbe einen ungemein hart- Eeinem Willen ordnet, der fällt dem Irrthum und der Thorheit, der näckigen und erbitterten Widerstand leistete, so schwur der Kaiser in der Sünde und dem Verderben anheim. Gersten Aufwallung seines Zornes, nach Einnahme der Stadt ihre Untreue So wenig nun der einzelne Mensch ohne solche religiöse Weihe seines blutig zu rächen. Bald darnach mußten die Belagerten sich dem Kaiser Lebens sein Heil und Glück finden kann, eben so wenig mag ein Staatt ergeben, zitternd erwarteten sie die strengste Strafe für ihre Empörung; gedeihen, wenn nicht Haupt und Glieder desselben von wahrer Religion als sich aber die Thore öffneten und eine Schaar Kinder, das Bild deS durchdrungen sind. Der Staat besteht ja nur auS einer größern Anzahl Gekreuzigten an der Spitze, flehend dem Kaiser entgcgenzog, da überwand von Menschen, die sich verbunden haben, um gemeinschaftlich nach wahrem der christliche Herrscher seinen Unmuth und ließ die Empörer in keiner Glück zu ringen. Wie aber der Mensch nur dadurch glücklich werden kann, daß er gehorsam und eifrig seinem Gott anhängt, so kann auch ein Staat nur glücklich bestehen, wenn der Regent desselben, wie der Unterthan, ihre wechselseitigen Pflichten aus Gehorsam gegen Gott erfüllen — wenn Beide wahre Religion haben. Wir blicken jetzt so gerne auf daS Weise seine Rache fühlen. So verstand eS der mächtigste Herrscher der Welt, sich selbst zu beherrschen — die Religion vom Kreuze hatte ihn dieß gelehrt. Einen Thron aber, dessen Herrscher wahre Gottesfurcht im Herzen trägt, wird auch zu jeder Zeit unversehrte Gerechtigkeit umgeben. Bei ehemalige deutsche Kaiserreich zurück, und weiden uns mit Lust an der jeder Entscheidung hatte Heinrich, der Richter eines großen Volkes, daS Größe und dem Ruhm desselben. Aber haben wir denn auch schon erkannt,! Gesetz, die Wahrheit und daS Gericht deS Herrn vor Augen; nicht die was seine Größe und seinen Ruhm begründet hat? DaS war die Religion,! Person sah er an, sondern die Gerechtigkeit der Sache, dieser suchte er von welcher Beide, der Kaiser wie daS Volk, auf daS Lebendigste beseelt stets den Sieg zu erleichtern, und nichts schmerzte ihn so tief, als irgend waren; Beide strebten darnach, daS Reich GotteS auf Erden zu verbreiten Jemanden, wenn auch ohne sein Wissen, Unrecht gethan zu haben. Er und zu erhöhen, Beide erkannten Gott als ihren höchsten Herrn, dessen *) Kanzclrcdc auf das Fest des h. Kaisers Heinrich H. (15. Juli), aus der Phi- lothea, mit Weglaffung der Einleitung. hatte sich gegen den heiligen Heribert, Erzbischof von Köln, aus Mangel an gehöriger Kunde einnehmen lassen, allein er hatte nicht sobald die Ursache desselben erfahren, als er selbst zu ihm ging, ihn um Verzeihung bat, unv nicht eher sich beruhigte, als bis ihn der Oberhirte versicherte, 111 er habe ihm aufrichtig vergeben. AIS wahrer Anbeter Jesu, als treuer Diener seiner heiligen Religion wollte sich aber Heinrich nicht bloß gerecht gegen seine Unterthanen bezeigen, er lieble sie auch als Christ mit christlicher Nächstenliebe. StetS war er darauf bedacht, sein Volk nicht mit großer» Abgaben, als nöthig war, zu belasten; Kriege mit andern Völkern suchte er, ein stets sieggekrönter Held, so viel als möglich zu vermeiden, denn er wollte daS Blut der Menschen, seiner Bruder, schonen; besonders aber unterstützte er in hoher Freigebigkeit die Armen, unterdrückte sorgfältig die Mißbräuche und Unordnungen, beugte den Ungerechtigkeiten vor, sicherte das Volk gegen Bedrückungen und steuerte jeder Noth, so viel nur immer in seinen Kräften lag. Man hätte meinen sollen, baß er auf Erden keine andere Erben hinterlassen wollte, alö die Nolhleiden- den; wo er hinkam, schüttete er reiche Almosen in ihren Schooß und verbreitete allenthalben den Ruhm seiner Milde und Liebe. Wie groß, wie verehrungswürdig steht dieser Kaiser vor unS da, geschmückt mit Regententugenden, wie wir solche nur an dem Muster eines christlichen Fürsten suchen dürfen: mit Gottesfurcht und Selbstbeherrschung, mit Gerechtigkeit und Weisheit, mit Kraft und Liebe! Und welchem Stamme sahen wir diese herrlichen Blüthen fürstlicher Tugenden entwachsen? Dem heiligen, fruchtbaren Stamme wahrer, lebendiger Religiösität. In christlicher Treue und Liebe seinem Gott ganz ergeben, verlor Heinrich Ihn als sein höchstes Gut auch auf der obersten Spitze irdischer Macht nicht aus den Augen, und dafür schenkte ihm Gott Gnade, daß er sein Volk mit Weisheit und mit Glück regierte. Doch zum wahren Heile eines SlaateS genügt es nicht, daß die Religion bloß auf dem Throne herrsche; auch inS Volk muß sie tief und lebendig eingedrungen seyn, damit ein gotteSfürchtigeS Volk vereint mit seinem frommen Fürsten dahin strebe, daß der Name des Herrn geheiligt werde, daß Gottes Reich zu ihnen komme, daß der Wille deS Herrn geschehe wie im Himmel, so auch auf Erben. Der Weisheit des hl. Kaisers Heinrich war^dieß nicht verborger geblieben, daher sein Bemühen, wahre Religiosität bei seinem Volke zu verbreiten und zu beleben. Ein Brief von BaldegamaS. Die socialen und politischen Bewegungen der Neuzeit haben zu verschiedenen historischen, philosophischen und religiösen Forschungen Anlaß gegeben. Ueber daö zur modernen Frage geworbene Verhältniß der Religion zur Civilisation hat sich unlängst der spanische Gelehrte Marquis Don» so Valdegamas, gegenwärtig Gesandter zu Berlin, in einem Briefe an den französischen Pair Montalemdert ausgesprochen. Wie wahr und treffend vom katholischen Standpuncte auS in diesem Briefe „über die große Erinnerung und große Hoffnung," zwischen welchen beiden der Mensch steht, geurlheili wird, hierüber mögen die Leser entscheiden, denen wir einige Stellen im AuSzuge mittheilen. „Die Bestimmung der Menschheit ist ein tiefes Geheimniß. Ueber dieses Geheimniß erhallen wir einen zweifachen Aufschluß. Katholicismus und Philosophie sind bamir einverstanden, die Menschheit müsse dahin streben : vollkommene Civilisation zu erreichen. Aber die Civilisation, welche der Katholicismus im Sinne hat, ist himmelweit verschieden von dem, was die Philosophie '*) unter Civilisation versteht. Vereinigen lasten sich beide Ansichten nicht. Man muß entweder zu der einen ober zu der andern sich entschließen. Eklektisch zu Werke gehen, das heißt mit den Grundsätzen der einen und u»it den Folgerungen der andern einverstanden seyn, solch ein Verfahren wäre rnit den Dcnkgesetzen nicht vereinbar. Es gründet sich aber die katholische Civilisation auf die Ansicht, baß die menschliche Vernunft die Wahrheit weder finden noch erkennen kann rein auS sich selbst, doch kann sie dieselbe sehen und erkennen, wenn sie ihr gezeigt wird. Der menschliche Wille kann ferner das Gute nicht wollen und nicht vollbringen auS sich selbst, doch kann er eö wollen und vollbringen, wenn ihm dabei geholfen wird, diese Hilfe erlangt er aber nur, wenn er sich einem höhern Willen unterwirft. Es kann also die menschliche Vernunft die Wahrheit nur sehen, wenn eine untrügliche Auctoriläl sie ihr zeigt. ES kann der menschliche Wille das Gute nur wollen, wenn er eingeschränkt ist durch die Furcht vor Gott. Sobald die Vernunft sich von der Kirche, der Wille sich von Gott emancipirl, dann regiert der Irrthum und die Schlechtigkeit ohne Damm in der Welt und zwar um so mehr, als Vernunft und Wille durch die Sünde geschwächt sind. — Die moderne philosophische Civilisation hingegen geht von der Ansicht aus, daß daS Wesen des Menschen vollkommen sey. ES könne die Vernunft des Menschen die Wahr- *) Laldcgamas meint hier natürlich nur die falsche, die vom Christenthum ganz absehende, die eben herrschende pantheistische Philosophie. D. R. heit erkennen rein aus sich selbst. Es könne der Wille zum Guten sich entschließen und es vollbringen, wie cS ihm gefällt. ES komme die sich selbst überlassene Vernunft zur Wahrheit, der sich selbst überlassene Wille komme zur Ausübung deS Guten. Würde die Vernunft nie gehindert in ihrem Streben nach Erkenntniß und würbe der Wille nie gehindert in seiner Thätigkeit, so gäbe eS nichts „BöscS" auf der Erde. Je freier daher die Vernunft wäre von den Banden und je freier der Wille, desto vollkommener wäre der Mensch. Daher wäre cvnsequent die Menschheit am vollkommensten, wenn sie Gott nicht anerkennt, sondern dieses göttliche Band verwirft, ferner wenn sie die Regierung nicht anerkennt, sondern dieses bürgerliche Band zerreißt, dann wenn sie daö Eigenthum nicht anerkennt, sondern dieses sociale Band zerstört, endlich wenn sie die Familie nicht anerkennt, sondern gegen diese häuslichen Bande sich sträubt. Wer mit diesen Folgerungen nicht einverstanden ist, der kennt die moderne philosophische Civilisation nicht an. Wer aber die philosophische Civilisation nicht anerkennt, und eö auch nicht mit dem Katholicismus hält, der geht in eine Wüste von Irrthum. — Gehen wir nun von der theoretischen Frage zur praktischen über, nämlich zu der Frage: Welche von beiden Civilisationen wird im Laufe der Zeit den Sieg davon tragen? Ganz gewiß die philosophische. Damals, als der Gerechte seinen Leiden entgegen ging, kamen dre Engel-Legionen nicht vom Himmel, um sich seiner anzunehmen. Warum sollten sie heut zu Tage, da nicht ein Gotlmeusch an das Kreuz geschlagen wird, sondern da ein Mensch den andern kreuzigt, sich bewogen finden, hinabzusteigen? Warum seilten sie heut zu Tage Herabkommen, da unser Gewissen uns zuruft, daß in dem großen Trauerspiele Niemand ihre Dazwischenkunsl verdient; nicht diejenigen verdienen sie, welche daS Opfer seyn werden, und nicht jene, welche die Henker sind. Hienieden siegt gewöhnlich endlich das Schlechte über daS Gute. Den Sieg über daS Schlechte hat sich, so zu sagen, Gott selbst vorbehalten. Was zeigt die Sündflulh an? Den natürlichen Sieg deS Schlechten, und den übernatürlichen Sieg GolteS. Was ist ersichtlich beim Tode deS Heilandes? Der natürliche Sieg des Schlechten, und der übernatürliche Sieg GotteS. Am Ende der Welt, sagt die Schrift, wird der Antichrist herrschen und dann folgt das Gericht. Was wird sich bestätigen bei dieser Katastrophe? Der natürliche Triumph deS Schlechten über daS Gute und der übernatürliche Triumph Gottes über daS Schlechte. — Freilich könnte man mir entgegnen: „Wenn dem so ist, so hören wir aus zu streiten für daö Gute." Nein! Der Streit ist für uns Katholiken eine Pflicht und nickt eine Spcculation. Danken wir Gott, daß er unS zum Kampfe angewiesen hat. Die Weise betreffend, in welcher dieser Kampf geführt werden soll, meine ich, es sey zumal die Presse zu benützen. Zeitschriften müssen dazu dienen die Wahrheit zu verbreiten und zu vertheidige». Eben in bewegter Zeit sind die Menschen geneigt zur Belehrung, daher eben jetzt auch der gewöhnliche Mann zum Lesen seine Zuflucht nimmt. So verderblich Revolutionen auch seyn mögen, daS Eule haben sie doch, daß sie im Glauben befestigen und den Glauben in ein schönes Helles Licht setzen. — Dieser Brief, aus welchem die voranstehenden Citate genommen sind, wurde vor einigen Wochen zu Berlin geschrieben. Durch die Uebersctzung verliert die Diction an Schönheit und Kraft. Wünschenswert!) aber wäre es, wenn auch in unserm Vaterlande intelligente, überzeugte, katholische Männer, Juristen zumal und Aerzte, sich entschließen möchten, die Journale zu benützen, um ihre Ansichten über die TageSfragen öffentlich kund zu geben. Kirchliche Neisebilder. (Fortsetzung.) Wenn man daS Herz Deutschlands durchzieht, so muß eS ein kirch, lich gesinntes Gemüth unangenehm berühren, daß man bald bei Protestanten, bald bei Katholiken Nachtherberge nehmen muß, und eS wird einem bei Erwägung dieses MißstandeS leichter begreiflich, wie Deutschland vergebens nach Frieden und Einigkeit hascht. So lange die Divergenzen sich um Dinge drehen, die in daS innerste Heiligthum deS Menschen eingreifen, um Glauben und religiöse Ueberzeugung, so lange wird weder ein Natio- nalconvent, noch eine octroyirte preußische Verfassung Deutschland einig machen, und eS wird sich das kaustische Wort eines Dichters bewähren, der da fingt: O Deutschland, Deutschland, Du bist bei Gott, Von Innen zerrissen, nach Außen ein Spott. 112 Am meisten überwältigten mich derlei trübe Gedanken zu Frankfurt; — doch die werven den umflorten Hintergrund meines ReisebildeS abgeben. Für jetzt soll eS noch ziemlich heiter bleiben und freundlich, so freundlich und heiler die Rheinufer sind. ES ist ein ergreifender Anblick — das alte Moguntinum, bespült von den bläulichen Fluchen des Allvater Rheines. Ernst und kosende Romantik reichen sich hier die Hände. Die Charakteristik deS Rheinländers ist bald beisammen; der Grundzug seines Lebens ist Religion, alles andere reihl sich um diese Grundanschauung, wie die einzelnen Atome um den krystallnen Körper. Seine Ueberzeugung ist warm und innig, eS glicht Las Auge und schlägt höher das Herz, wenn der Mund sich öffnet zum Lobe des Herrn. Die Kirchen sind noch mehr besucht, als in Bayern, und das Verhältniß zu den Seelsorgern, hier Pastoren genannl, ist ein kindlich vertrauendes. Die Geistlichen haben in ihrem Aeußeren etwas sehr Ehrwürdiges. Die Svutanelle, die sie in der Regel tragen, kleidet gut und priesterlich. Gegen Fremde ist man am Rhein besonders artig und zuvorkommend, eö sind mehr poiirle Sitten, die einen ästhetisch guten Eindruck und die romanlische Rhcinfahrt doppelt unvergeßlich machen. Ich will keine Rainen nennen, sonst würbe ich von Mainz angefangen über Koblenz und Bonn bis Eöln hinab einen Calalvg verfertigen müssen. Vielleicht kommen einigen der so gefälligen Herren diese Zeilen zur Hand, sie mögen ihnen ein schwacher Dolmetsch meiner dankbaren Gesinnung seyn. Zwei Erscheinungen, die ich am Rhein traf, find zu wichtig, als daß ich sie übergehen könnte. Ich meine das Kölner- dombaufcst unv die PiuSvereine. DaS Kölnerdvm Laufest war eine großartige Demonstration der katholischen Gläubigen, eS war ein Triumph- fest für die Kunst und Leren heilige Pflegerin, die Kirche. Der alte Dom prangte in jugendlicher Frische, und so unbefriedigend der erste Eindruck war, als ich ihn eine Woche früher mit Gerüsten umklammert, und von, Schütte entstellt fand, so herrlich und majestätisch stand er jetzt vor meinem stalincnden Auge. Welche Kühnheit des Gewölbes, welch colossale Dimensionen, welch herrlicher Schmelz der allen und neuern Glasmalerei! Wahrlich dieß Denkmal allein wird ewig Kunde geben von der einstigen Größe deS deutschen Volkes, eö ist ein würdiges Symbol der erst zu vollendenden deutschen Einheit. Die pompösen Fackelzüge, Processionen u. s. w. übergehe ich, und will nur erwähnen, Laß ich mit eigener Lebensgefahr den Erzbischof Getssel am Altare sah, umrungen von den anderen erzbischöflichcn Gästen, und im weiten Chöre den Erzherzog-NeichS- verweser und den lorgnetlirenden König von Preußen, unv all die Depu. tirten der deutschen Nationalversammlung. ES war ein hartes Opfer, das ich dem Dombauseste brachte; denn eö gab nur Schaugcnüffe, keine geistigen, man war zu bewegt und zerstreut, und Schaugepränge sättigen bald. Darum verließ ich schon am dritten Tage des Festes die „heilige" Lolviiis, froh einer doppelten Lebensgefahr, ceS Erdrückens im Dome, und der zufälligen Steinigung bei der Ankunft veö preußischen KönigS in Düsseldorf glücklich einkommen zu seyn. Roch ein schöneres Monument hat sich der neuaufblühende Katholicismus in den PinS vereinen gesetzt. Die großartige Idee, welche diesen Vereinen zu Grunde liegt, besteht darin, daß die Laien für die Rechte der katholischen Kirche einstehen, und mir Wort und Schrift für die Freiheit derselben kämpfen. Wenn ganz Deutschland einmal von diesen Vereinen durchzogen ist, dann wird man Las Gute, LaS sie stiften, erst erfassen können; denn die Macht der Association ist die mächtigste Macht der Gegenwart. Zur soliden Association gehört aber eine solide Basis, und in dieser Hinsicht stehen die PiuSvereine auf der solidesten, und tragen daher in sich selber die Bürgschaft der inneren Kraft und bleibenden Wirksamkeit. Der Anstoß dazu wurde meines Wissens ui Mainz gegeben, und das feierlich ausgesprochene Wort fand freudigen Nachklang in den übrigen Provinzen. Ich besuchte zwei solche Vereine, zu Mainz und zu Burl- scheib bei Aachen, und die Stunden, die ich daselbst verlebte, gehören zu den genußvollsten meiner Reise. Wo noch so kräftiger Sinn für Recht unv Gesetz, so viel Liebe zur Kirche im Volke lebr, da ist noch nicht zu verzweifeln, und wenn man an verschiedenen Orten meint, daS deutsche Volk habe sich überlebt, so möge man die heilige Willenskraft, die noch im Kern LeS katholischen Volkes liegt, nicht übersehen. Ein Baum kann kranke Auswüchse haben, wenn man aber diese vom Stamme schneidet, so wird der Baum noch viel schöner blühen. So stelle ich mir daS künftige Geschick Deutschlands vor. Entweder überwuchert daS Unkraut den gesunden Baum, oder man entfernt von ihm daS erstere. Die PiuSvereine haben nach meiner Ansicht als Hauptaufgabe, die gesunde Kraft im Stamme deS deutschen Volkes zu erhalten; wenn auch sie Deutschland keinen höheren Impuls verleihen, dann verzweifle ich, denn dann hat Deutschland aufgehört katholisch zu seyn, und in sporadischer Zerrissenheit werden sich Völker und Fürsten, Städte und Länder trennen, und ArndtS Geist wird, ein verhexter Genius, die Lüfte durchziehen und ächzen: Wo ist deS Deutschen Vaterland? Die Art und Weise, wie die Versammlungen gepflogen werden, beweist, daß man am Rhein viel mehr parlamentarischen Takt kennt, als bei unS im neuerwachten Oesterreich. Der Präsident, wo möglich ein Laie, handhabt mit Geschick die Glocke, und die einfachsten Bürger hielten freie Vortrüge über religiöS-sociale Tagesfragen. WaS mir alö Fremden besonders wohl that, war die herzliche Freundlichkeit mit der man mich und meine Neisecollegen aufnahm, ich fühlte mich so heimisch in diesen Vereinen, waren eS ja nicht bloß deutsche, sondern waS noch mehr verwandt macht, katholische Brüder, die mir traulich die Hand reichten. ES drängte mich zum Worte, das man mir gerne zugestand, und waS mir die überwältigende Macht deö Augenblicks eingab, erhielt den freundlichsten Beifall. Anfangs nahm ich etwas Anstoß, daß (in Burtscheid) die Veisammlungen beim vollen Glase stattfanden, — allein der Rheinländer vergißt auch beim Glase nicht, waS dem Katholiken zieme, und die nüchterne Heiterkeit steht ihm sehr wohl an. In Oesterreich dürfte diese Praxis nicht räthlich seyn. An den PiuSverein schließt sich der con- stitutionell-mvnarchische Verein in München an, den wir gleichfalls besuchten. Als Curiosum davon erwähne ich nur, daß man, als wir von einem Mitgliede eingeführt um das Wort baten, dasselbe wohl zugesagt erhielten, aber nicht an Mann bringen konnten, weil die Sitzung früher geschlossen ward. Man schien den jungen Gästen aus Wien nicht völlig zu trauen, weil erst vor einigen Tagen verkappte Jünger der Wiener-Aula für eine fälschlich den Münchnern von letzterer verehrte Fahne sich hatten fetiren lassen, bis der vorsichtige Bürgermeister ihnen daS Handwerk legte. Ich kann diese bescheiden ausholende Höflichkeit dem Münchnervereine, obwohl sie mir anfangs wehe that, nicht übel nehmen; denn in einer wirren Zeit ist Vorsicht und Klugheit absolute Nothwendigkeit. Wir nahmen Abschied und schwiegen; jetzt aber kann ich mir'S nicht versagen, dieses Erlebniß wie einen satyrischen FaunuS in mein Reisebild hineinzumalen. (Schluß folgt.) A» Georg Herwegh. Wohin bist du, blitzschlcudcrndcr Poct, Mit deiner L eder blul'gem Zorn geflüchtet, Willst du dem „hcil'gcn" Kampfe dich entzich'n, Da Feindes Schwert die Neih'n-dev „Brüder" lichtet? Sangst du nicht einst in blutgetränktem Haffe: „Zum letzten Kampf der Frci.hcit eine Gasse;" Und da.die „FrcÜjeil" quillt aus. tausend Wunden, Bist spurlos du. wie ein Atoni^fferschwunden! Sich deines Fluches blut'gcs.Äöort erfüllt: „Reißt sie heraus die Kreuze aus der Erden, „Der Deutschen Zukunft klirrt in blankem Erz, ,Ja alle sollen blanke Schwerter werden!" Hast du nicht Jene nur als „Frei" gepriesen, Die sich die Freiheit in der Schlacht erkiesen; Und jetzt willst du als Sklave dich verkriechen, Nicht mit den Deinen fallen oder siegen? Wer peitschte je so frech und wuthentbrannt Die „Brüder" zu der „Freiheit letztem Kampfe." „Gebt mir ein Schwert" erscholl dein rasend Lied, „Daß ich die Freiheit aus der Erde stumpfe!" Und nun da tausend heiße Schwerter blinken Seh'n wir den Jüngling still von bannen hinken! Hervor aus deinem tbest, du rother Sänger, Zerschmett're deines „Volkes" stolze Dränger! Hast du doch einst mit lästerlichem Mund Selbst mit dem ew'gen Herrn des Alls gerechtet, Der „Ring um Ringe an die Kette füLt, „Die schonungslos die Völker drückt und knechtet:" Und jetzt, da in des Kampf's unset'gem Wirren Die längst gefluchtet, Kelten rollend klirren, Läßt du die Deinen in so bittern Tagen Allein die Wucht der schweren Kette tragen! O Schmach und Hohn dem feigen Lügenwort, Das mit dem Blut und Schwerte kokettirte, Und in erheuchelter Begeisterung Die stolz Bethörten kalt zur Schlachtbank führte: Wie willst du vor dem Richter einst bestehen, Wenn Tausende gen dich um Rache flehen, Die du mit deiner Lieder grauscm Schalle Gestürzet in des Orkus finstre Halle?! Tafrathshofer. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.