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Majestät gerade heute, am Jahrestage der Einweihung dieses erhabenen DomeS, hier erscheinen, sondern eS ist unS eine göttliche Fügung, daß Ew. Majestät an diesem Tage in diesem von Ew. Majestät königlichem Baker restaurirten GolleShause den christlichen Pflichten Genüge leisten. Viel wurde schon in diesem Dome für WittelSbach, für das liebe Vaterland, für Ew- Majestät, für Deutschland gebetet; aber heute werden alle Anwesenden in ihrem Dankgebete für die Wohlthaten des EhristenlhumS auch dessen gedenken, waö Ew. Majestät und Allerhöchst Ihre Ahnen dem Baterlande, der Kirche gethan. Unser Hohepriester wird dort am Altare mit dem Festgebele die Orstio pro rege et psce verbinden und ich selbst werde das heilige Meßopfer nach dem Wunsche Ew. königl. Majestät für das Heil BayernS und Deutschlands darbringen." Bei seinem Scheiden aus dem GolleShause entließ der hochwürdige Domdechant Se. Majestät mit den Worten: „Ew. kgl. Majestät haben den hier so zahlreich versammelten Bewohnern jedes Standes und Glaubens ein schönes Beispiel gegeben, eine große Freude gemacht. Schon viele Kirchweihsonntage sind in diesen heiligen Hallen seil ihrer Erbauung durch Bischof Leo gefeiert worden, aber kaum noch'.'einer, wie der heutige in Gegenwart eines KönigS aus dein Hifpse der WiltelSbacher, des burg- gräflichen Geschlechtes der alten Reichsstadt, da seil dem Falle Arnulf des Schyren am Ostenlhor bis zum Jahre 1809 RegenHurg nicht mehr dem engern Baterlande Bayern angehörte. Ew. MajeställHaben heute in diesem Dome mit Ihrem gläubigen Volke gewiß nicht umsonst gebetet — für Bayern, für Deutschlands Heil, für die Eintracht der deutschen Völker. Alle, die hier gebetet, freuen sich, Ew. Majestät als Ihrem angestammten LandeSvater anzugehören; aber alle wissen, daß nur in Gott und seinem Sohne Jesus Christus Einheit und Freiheit für Bayern, für Deutschland kommen könne." Hierauf erwiderte Se. Majestät: „Ich wünsche von gan zem Herzen, daß all das so seyn und werden möchte, aber )ch fürchte für das Vaterland." „Fürchten Ew. Majestät Nichts, entgegnete darauf der Herr Dvmdechant, Sie demüthigen sich vor Gott und beten zu Gott und mit Ew. Majestät betet ein gläubiges Volk. Es muß an Ew. Majestät, an einem Mar daS gesegnet werden, was Mar der Gute für Gott und Vaterland gethan, und sollten noch schwerere Prüfungen über das Vaterland kommen, die Bayern werden mit ihrem Gebete den Himmel stürmen um Heil und Segen für Ew. Majestät, für daS treue Bayern, für das annoch zerrissene deutsche Vaterland." (N. Sion) Ueber die Nothwendigkeit der Religion zum Gedeihen eines Staate-. II. Alles ist eitel, dessen Grund und Ziel nicht Gott ist, sagt der fromme Stolberg. Nichts hat dauernden Werth, nichts gereicht dem Menschen zum wahren Heil und Nutzen, waS nicht geschieht aus Liebe zu Gott, in Gottesfurcht. Gott der Schöpfer hat es einmal so eingerichtet, daß sich in seiner Schöpfung Alles auf Ihn, als sein letztes Ziel beziehen soll; wenn diese Beziehung auf Gott außer Acht gelassen wird, wo immer etwas in seinem letzten Grunde nicht wegen Gott geschieht, da ist kein ! Bestand, kein Glück, kein Segen. WaS ich so im Allgemeinen gesagt jhabe, daS gilt auch im Einzelnen, daS gilt im Besondern von, Staate. Wenn nicht Gott als höchster Herr im Staate betrachtet wird, dem sich der Fürst wie daS Volk unterordnen, wo nicht sein heiliger Wille als höchstes Gesetz gilt, welches Beide als einzig entscheidende Norm stets vor Augen haben, wo nicht Religion, Gottesfurcht und Gctteöliebe gleichsam die Seele jeder Thätigkeit im Staate ist, — ein solcher Staat ohne Religion, beim Fürsten wie beim Volke, kann nicht wahrhaft gedeihen, nicht glücklich bestehen. Er mag vielleicht eine Zeit lang durch eine» gewissen äußern Wohlstand glänzen, allein innerlich ist er faul und morsch, und wird über kurz oder lang zusammenstürzen, „denn sein Ruhm und seine Stärke war nicht die Gottesfurcht» (Eccli. 10, 25.). Die Erlebnisse der jüngsten Zeit überheben mich weiterer Bemerkungen. Religion allein vermag es, den Gesetzen eines StaateS Geltung zu verschaffen. Wie sollten wobl Menschen, die der Stimme der Natur zum Hohn Gott unv sein Gesetz verachten, wie sollten diese durch die Gesetze der Völker und einzelner Staaten in Schranken gehalten werden? Daß bloße Furcht vor äußerer Gewalt oder Strafe einen Menschen zur steten und vollständigen Erfüllung deS Gesetzes bringen können, welcher Vernünftige möchte so etwas behaupten? Wird ein irreligiöser Mensch, dem noch dazu ein gewisser Grad von Schlauheit zur Seite steht, nicht viele Gesetze ungestraft zu umgehen wissen? Oder wird nicht wenigstens die Hoffnung, der Strafe sich entziehen zu können, anreizen zur Gesttzesvcrletzuiig? Die Religion dagegen flößt Ehrfurcht ein gegen das Oberhaupt LeS Staates, denn sie lehrt, daß eS mit Gewalt und^Azisehen vorn Höchsten selbst bekleidet sey; „ES ist keine Gewalt, als von Gott; die Obrigkeiten aber, die wirklich da sind, sind von Gott geordnet" j)Rom. 13, I.Z. Die Religion gebietet dem Menschen daS Gesetz nicht bloß deS Zornes wegen, d. h. auS Furcht vor der Strafe, sondern deS Gewissens wegen zu beobachten. Fordert aber der Staat von seinen Mitbürgern bloße» Gehorsam, muß er zu seinem gedeihlichen Bestände nicht noch mehr verlangen? Ein Staat, dessen Mitgliedern Vaterlandsliebe etwas Unbekanntes ist, ist eine Unmöglichkeit. Entscheidet aber selbst, geliebte Christen, wessen Vaterlandsliebe reiner, treuer und opferwilliger ist, Dessen, der sie nur zeigt auS eitler Ruhmbegierde, oder Deßjenigen, der hierin eine großartige Ausübung deS christlichen GeboteS der Nächstenliebe erkennt, eine Nachahmung Deßjenigen, der sein Leben gelassen für seine Brüder. Wo hat die Weltgeschichte ein ähnliches Beispiel von Vaterlandsliebe auszuweisen, wie jenes deS Judaö deS MacchabäerS, der voll deS religiösen Eifers für Gott und sein Volk sein Leben tausendfachem Tode aussetzte. Zu einem glücklichen Staate ist aber nicht bloß erforderlich Gehorsam gegen daS Oberhaupt und die Gesetze deS StaateS: eS gibt auch noch Pflichten, welche die Mitbürger gegen einander zu erfüllen, Rechte, die !sie gegenseitig zu achten haben, um in Ruhe und Frieden neben einander l zu wohnen. Auch dieses zu bewirken, ist allein möglich durch Religion. Sie befiehlt, um Gottes willen nicht bloß Jedem das Seine zu lassen und zu geben, sondern auch unsern Nebenmenschen in all ihren leiblichen und geistigen Bedürfnissen zu Hilfe zu kommen, und so zum Gesammtwohle nach Kräften beizutragen. Sie stärkt unS durch den Hinblick auf den Tag der Vergeltung, wo die unterdrückte Unschuld ihre Rechte wieder erlangen wird, auch Unrecht, da« wir abwehren könnten, zu ertragen um deS Friedens willen. Wenn unS die Religion nicht beständig auf Gott unv unser Gewissen zurückführte, so würden wir bald Sclaven unserer Leidenschaften seyn, und kein Laster würde unS zu schrecklich vorkommen, so bald wir unsern Vortheil dabei fänden oder eS ungestraft begehen konnten. ES wäre ^sicherer bei Löwen und Tiger leben, als mit Menschen, die jeden Zügel der Religion von sich geworfen haben. Diese Nothwendigkeit der Religion fühlten selbst heidnische Fürsten und Völker, weil sie in Ermanglung der 114 wahren eine irrige annahmen; freilich, weil eine solche Religion nicht in der Wahrheit ihren Band hatte, so konnte sie auch dem Staate, der ihr ergeben war, keinen Bestand sichern. Aber glücklich und ruhmvoll wird jeder christliche Staat bestehen, so lange Gottesfurcht und Religiosität im Bolke leben. WaS aber unser mit der Krone geschmückte Heilige zur Beförderung der Religion bei seinem Volke that, wer vermöchte dieses Alles zu erzäh-^ unwohl, und ich verließ die Diplomatenloge und sprach zu mir selber die Worte auS dem deutschen Hiob: „Ihr großen deutschen Geister, ^ Ihr kritisirt nicht schlecht, Ihr nennt einander Lumpen lind jeder von euch hat Recht." TagS darauf ging ich mit Selbstverläugnung nochmal in die PaulSlen? Er, der sein Volk, wie wir sahen, so wahrhaft liebte und glücklich z kirche hinein, aber ich wurde bis über die Ohren roth, als ich den öfter- machen wollte, wie hätte er auch DaS versäumen sollen, was allein das reichischen Deputirten Wieser (allgemein der Kirchenleerer genannt, weil, Glück eines Volkes, das Wohl eines StaateS begründen und erhalten kann? Oftmals hielt Heinrich Versammlungen der geistlichen nnd weltlichen Großen seines Reiches, wo er denselben die Sorge für daS zeitliche, besonders aber aber für das ewige Heil ihrer Untergebenen nachdrücklichst aus Herz legte; die trefflichsten Anordnungen wurden da getroffen, um die kirchlichen Satzungen mit besserem Erfolg zu handhaben. Die Gründung von sechs neuen Bisthümern war das Werk seines glühenden Eifers für die Beförderung der Rcligiösität im deutschen Volke. Oefter bereiste er seine ausgebreiteten Staaten in der Absicht, überall der Religion emporzuhelfen. Der Himmel segnete sichtbar sein aufrichtiges Bemühen; im Volke befestigte sich der Glaube, hob sich die Frömmigkeit, wuchs die Ge- wenn er zu reden beginnt, die Hälfte der Zuhörer den Saal verläßt), wie einen bankerotten Akteur auf der Rcdnerbühne sich geberden sah, und über Metternich und Sedlitzky in einer Weise schimpfen hörte, als ob er einen Artikel von Wienerstraßenblättern von anno 18-18 konterfeit hätte. ArmeS Oesterreich, so dachte ich mir, wie mußt du in den Augen reiner deutschen Milbrüder sinken, wenn man solche Leute als deine Repräsentanten ansehen muß! Um meiner melancholischen Gedanken loS zu werden, machte ich die Runde um die Stadt, aber der Böse trieb heute schon sein Spiel mit mir, er führte mich inS sogenannte EssighauS, wo Nonge seine Orgien feierte. Gegen die sonst in Frankfurt vorherrschende Nettigkeit und Eleganz sticht rechtigkeit, und dadurch auch daS Glück, die Stärke und der Ruhm dcS diese Kneipe sehr ab. Durch eine stinkende Kloake führt der abseitige Ein- Reiches. Es war ein GotteSreich geworden, zur Verherrlichung deS christ-!gang in einen mit Bäumen schwach bepflanzten Hofraum, in dem hölzerne lichen Namens, zur Erfüllung deS christlichen Gesetzes, groß unter allen,! Tische und Stühle ohne Ordnung herumstehen. Die Atmosphäre kam mir geachtet von allen Völkern der damals bekannten Erde; denn er war mit Gott und so war Gott mit ihm. Diese glorreichen Zeiten des deutschen Reiches, wie gerne wünschten wir sie unS zurück! Doch warum mit nutzloser, unthätiger Sehnsucht diese längst entschwundenen Zeiten zurückrufen, ist ja nicht an ein gewisses Jahrhundert das Glück eines Volkes gebunden, dieses ist durch die sittliche und religiöse Beschaffenheit der Menschen bedingt. Wollen wir glücklichere und ruhmvollere Tage schauen, dann lasset uns streben, bessere, sittlichere und frommere Menschen zu werden. Und diese Besserung, diese Umkehr zur Religion und Tugend beginne jeder bei sich selbst! WaS nützt es, wenn Jeder immer nur die andern zur Besserung auffordert, wenn Keiner diese Erneuerung an sich selbst inS Werk setzen will? Da muß eS nothwendiger Weise immer beim Alten bleiben! Schließen wir unS wieder an an unsern göttlichen Heiland, von dem der Welt alles Heil, von dem allein auch unserm Baterlande Heil werden kann. Nehmen wir seine heilige Religion wieder auf in unsere Herzen, richten wir nach ihrem Glauben und Gesetze treulich unser Leben ein. Daß auch in dem Herzen unserer Mitmenschen die Religion feste Wurzel fasse, sey der Gegenstand unsers herzlichen Flehens, wenn wir beten: Geheiligt werde dein Name, zukomme dein Reich, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden! Beten wir besonders für unsere Regenten, Gott möge ihnen Weisheit und Gottesfurcht einflößen, auf daß sie ihren Völkern Führer zum Glücke und Heile werden. Und Gott wird auch dieses Gebet erhören, wenn wir nur solcher Fürsten nach dem Herzen Gottes werth sind. Meine Christen, wenn so die Religion, wie zur Zeit des heiligen Kaisers Heinrich im deutschen Volke blüht, dann wird auch die Glorie deS deutschen Reiches wiederkehren, denn Gott selbst wird es erhöhen und verherrlichen. Heiliger Heinrich, sprich am Throne Gottes für dein Volk, damit Er eS bald heimsuche in seiner Gnade. Amen. Kirchliche Reisebilder. (Schluß.) Am trübsten war ich in Frankfurt gestimmt. Mit ungemeinen drückend vor, — und ich war froh, als ich die moralische Mistjauche hinter mir hatte. Es trieb mich fort von Frankfurt, und eine Droschke brachte mich in die Spielhöllen nach Homburg — leer und trostlos kehrte ich zurück. Der Schlaf floh von meinen Augen, und ängstliche Gewitterschwüle hatte sich auf die Brust gelagert. Einige Tage später hatte ich das Vergnügen Herrn Rouge persönlich kennen zu lernen, er fuhr von LudwigShafen nach Neustadt in der Pfalz in MissionSangelegenheiten (?), wozu sieben eommi8 vo^sgeurs auf dem Bahnhöfe ihm ihre Glückwünsche darbrachten. Rührend! Wir fuhren längere Zeit auf demselben Train zusammen, bis die Straßen sich trennten. Wer in Ronge etwas Apostolisches findet, muß — ein Deutschkatholik setzn. Um mein Bild nicht zu überladen, will ich nur in Eile erwähnen, daß Freiburg mit dem Perlenkranz seiner theologischen Professoren mir einigermaaßen die trüben Erinnerungen vergessen machte. Männer, wie Hirscher, Staudenmaier, Maier, Stolz, Büß u. s. w. muß man sprechen hören, um für kirchliche Wissenschaft entflammt zu werden. Die freundliche Aufnahme in Freiburg wird mir unvergeßlich bleiben. In gotteSdienstlichen Anordnungen erinnert hier vieles an Oesterreich, wie auch überhaupt die Breisgauer gerne vom österreichischen Kaiserhause sprechen. UebrigeuS ist eS sonderbar, daß im Großherzogthum Baden bei der sehr liberalen Verfassung die katholische Kirche dennoch geknechtet ist. Diese Knechtung von Seite deS StaateS und die Nachwehen deS josephinischen JntifferentismuS scheinen die Hauptgründe zu seyn, warum im Badischen großer Priestermangel ist, so zwar, daß an Sonntagen mehrere Geistliche biniren (zwei heil. Messen lesen) müssen, um den Bedürfnissen der Gläubigen zu genügen. So z. B. überhob ich im Konstanzerdom die dort angestellten Geistlichen, indem ich daS Hochamt sang. Daß unter den badtscben Katholiken viele Lauheit, und unter den älteren Geistlichen ein großer „LiberaliSmuS" herrscht, ist bekannt. Die Zeit hat die Früchte gereift. DaS Schlachtfeld im vorjährigen Freischaarenkampfe muß auf jeden Menschen einen traurigen druck machen. Wer kämpfte in selben, uud für was kämpfte man? „Wahrlich, spricht ein würdiger Kämpe der Zeit, wahrlich jeden, dem des Vaterlandes Wohl am Herzen liegt, muß dieses klägliche Affenspiel im Innersten seiner deutschen Seele mit gerechtem Zorn erfüllen. Auf eine unverantwortlichere Weise sind nie die hungernden Völker von den politischen Quack- Erwartungen betrat ich die alte Kaiserstadt, der eine so große Aufgabe in Kalbern und Marktschreiern mit Steinen, d. h. mit Phrasen und Formeln, neuester Zeit zu lösen beschieden war. Ich fühlte die hohe Wichtigkeit der! statt mit nährendem Brod abgespeist worden, als gerade gegenwärtig. Nationalversammlung und mein Herz schlug vernehmbarer, als ich die > Und nie haben die Deutschen sich ihrem eigenen wahren Geiste entfremdeter Paulskirche besuchte und die Reihen der Deputirten musterte. Ich sah z und als sklavischere Nachäffer des Auslandes, und aller seiner verderblichen Männer, vor deren Namen ick mein Haupt entblößte, und Männer, bei! Thorheiten, seiner Sünden und Verbrechen gezeigt, als in diesen unseren deren Erinnerung mich Ekel ergriff, an Einem Orte versammelt. Der Tagen, wo doch Alles von deutscher Einheit und Freiheit so voll ist." neckische Zufall führte mich gerade in eine der stürmischesten Sitzungen seit! Gegenwärtig, wo ich in der Erinnerung mein Reisebild skizzire, ist Baden dem Bestände des Parlamentes, in welcher über die Amnestiesragc verhandelt wurde. Ich hörte die Reden pro und contra, ich sah den ruhigen Hohn der Rechten und die funkensprühende Leidenschaft der Linken, — und verzweifelte daS Erstemal ernstlich an der Einheit Deutschlands. AIS aber vollends auf die renommirtc Rede Brentano's der Tumult losbrach, als die Galerien stampften und tobten, und der Glockenschall vergebens zur Besinnung mahnte, als die Deputirten wüthend ihre Sitze verließen, und auS dem Wonkampf ein Faustkampf sich zu entwickeln schien: da ward mir auf's Neue von Freischaaren heimgesucht, und rohe Gewalt und gebrand- markte Verbrecher halten die Zügel des Staates. Wohin soll das noch führen? Sollen wir Deutsche wirklich die Polen deS I9len Jahrhunderts werden? Soll sich die Prophetie Heine's erfüllen, die er vor 14 Jahren auSsprach: Man wird in Deutschland ein Schauspiel aufführen, neben dem die französische Revolution nur eine unschuldige Idylle ist? Deutschland war groß, so lange ein römischer Kaiser das Scepter führte, so lange die kirchlich fromme Treue, der Gotteöglaube und die 115 moralische Reinheit das deutsche Gemüth zierten. Der römische Kaiser muß wieder erstehen, und der christliche Sinn auf's Neue erwachen, sonst siecht das deutsche Volk dem Grabe zu, cS wird von einem kräftigeren Volke überflügelt und zu dessen Sclaven gemacht. Wohl ist der Römer in Frankfurt voll von den Bildnissen der römischen Kaiser, aber könnte nicht eine neue Reihe beginnen? Wohl ist das gegenwärtige Deutschland die Heimat des AntichristianiSmuS in seiner gründlichen und vollendeten Ausbildung, aber ist nicht gerade jetzt, wo der Protestantismus in sich selber zerfällt, der katholischen Kirche die schone und große Aufgabe gestellt, die diSpara- ten Elemente zu sammeln, Lebenskraft in die Familien zu bringen, geistige Freiheit zu fördern und brüderliche Liebe zu pflanzen, und dadurch die In tegrität Deutschlands zu retten? Zunächst stimme ich der Ansicht eines Correspondenten bei, der neulich in eine deutsche Zeitung schrieb: „Mit bangen Sorgen blicke ich hinaus in Deutschlands Zukunft. WaS wird dein LooS seyn, edle Jungfrau Germania? Wirst du die Braut oder vielmehr die Maitresse jener demokratischen Schwindler werden, wird von ihren Liebkosungen deine Blüthe schwinden, deine Jugend welken, wirst du wieder zurücksinken in deine alte Stumpfheit und Schläfrigkeit, wirst du einem neuen Zauberschlafe hingegeben werden, biö ein neuer Ritter, Gott weiß wann, erscheint, dich abermals zu wecken? DaS wolle Gott verbitten. Hoffen wir, daß die schönste, kräftigste und blühendste Tochter der Kirche, daß Deutschland noch gerettet werbe von dem Abgrund, an dem eS steht; hoffen wir, daß der gesunde Sinn, der tüchtige Kern der Mehrheit deö deutschen Volkes von unserm Vaterland diese Zerrissenheit im Innern, und diese Schwäche und Ohnmacht nach Außen abwenden wird, die daS schöne Italien so töctlich getroffen haben." .... diesen Worten schließe ich mein zweites Reisebild, dem bald das die Schweiz darstellend, folgen soll. Anton Kerschbaumer. Demokratische Vereine, diese Herde gottloser Bestrebungen, sollen daS von seinem Seligmachcr losgerissene Geschlecht beseligen? DaS heißt Drachenzähue säen, und daraus die Saal des Friedens und Glückes erwarten. Wiederum wollen sie ein Glück ohne Arbeit, ohne Anstrengung, ohne Fleiß und Ordnung, die Felder unbebaut liegen lassen und doch reiche Garbenfülle ernten? Warum sinnen die Völker auf Eitles? Sie mühen sich in unseliger Schwärmerei, auf dürren Sand, anf windige Systeme den Tempel deS GlückeS zu bancn, in der trostlosen Wüste deö Unglaubens und der Sittenlosigkeit LaS Paradies einer bloß irdischen Seligkeit zu pflanzen. dritte Mit und letzte, Ueber Völkerglück. *) Glossen zu biblischen Terten über diesen Gegenstand. I. „W«rum sinnen die Völker auf Eitles." Psalm 8, 1. Die großen Bewegungen unserer Zeit sind eine Wanderung der Völker, ihr Glück zu suchen. Wie nach der morgenländischen Sage Alexander der Große einst auSzog, die Quelle deS Lebens, der ewigen Jugend zu suchen, so ziehen in wilder Aufregung Nationen aus, das Glück der Nationalität zu erringen und so das Völkerglück zu begründen. Dem heißen Durste aber, der darnach jagte, bot sich bisher nur die tröst lose Luftspiegelung dar, die der armen, verschmachtenden Karavane in Orients Wüsten eine Sandfläche als erquickendes Wasser vormalt. Warum sinnen die Völker auf Eitles? Warum suchen sie ihr Glück, wie und wo eS nie und nimmer zu finden? „Sie haben den Herrn verlassen, die Quelle lebendigen Wasser ö." (Jerem. 17 , zZ.) „Die Quelle lebendigen Wassers haben sie verlassen, und sich Cisternen gegraben, die kein Wasser halten können." (Jerem. 2, 13.) DaS ist die Geschichte der modernen Völker und ihres Unglücks. Sie sind zum großen Theil abgefallen von Gott, vorn wahren lebendigen Glauben an ihn; die Gottesfurcht ist zu Grabe getragen, und mit ihr die Quelle wahren Glücks versiegt. Pan theiSmus und Emancipation deS Fleisches, CommuniSmuS und Revolution find die durchlöcherten Cysternen, in denen sie den Heiltrank der Beglückung zu finden wähnten. Wo ist das Volk, daS aus diesen Cysternen sein Glück geschöpft? Wo das Volk, dem der Abfall von Gott die Pforte ausschloß zu wahrer Beseligung? Wird nicht die schamloseste Lästerung gegen Gottes Wunderanstalt zur Beseligung der Völker, gegen die Religion des Sohnes GolteS, wie ein Gift zur Auflösung jeder Sittlichkeit unter daS Volk auSgegossen? Schriften, wie von Daumer und Nork, unv Feuerbach und Br. Bauer, geschleudert unter die Masse, unter die unerfahrne Jugend! Daneben weit aufgerissen die Thore der Lust, nieder mit den Schranken jeder Zucht, offen die Pforten regelloser Freiheit! Und auf solche Weise soll daS Völkerglück erblühen? „Ihr Menschenkinder, warum liebet ihr die Eitel kett und suchet die Lüge." (Psalm 4, 3.) Warum wähnt ihr, bethörte und verführte Völker, glücklich zu werden durch Abfall von Gott und feiner heiligen Offenbarung, glücklich zu werden ohne Gewissen und Sittlichkeit, ohne die Hoffnung auf Unsterblichkeit, ohne Hingabe an den Erlöser und sein Kreuz und die allein wahre Kirche? Kleine Ergebnisse großer Ereignisse. *) Die Manifestation. DaS Wort „Revolution" macht Anstalt, in PariS auS der Mode zu kommen; sollte daS nicht ein gutes Vorzeichen seyn für ganz Europa? Denn wie ehedem daS Heil von den Juden ausgegangen, so jetzt die Mode von den Franzosen, sammt der rothen Cravatte, an welcher man am 13. Juni einen „Professor deS BarrikadenbaueS" erkannt hat. Allein daS Vorzeichen will wenig bedeuten, da die Sache geblieben und nur der Name vei ändert worden ist. Die letzte Pariser Revolution, die der große Menschenfreund Ledru-Rollin im Einverständnisse mit seinen Cpicßgefährten in Rom, Debreczin, CarlSrnhe (und Gott weiß wo noch) angezettelt hat, wurde und wird, um die rothe Blutfahne weiß zu waschen, von den Theilnehmern eine bloße Manifestation, d. h. eine friedliche und harmlose Kundmachung des VolkSwillenS genannt. AIS diese Manifestation einer ungeheuern Volksmenge lärmend und wüthend durch die Straßen zog, konnten die Schreier cilf Leichcnconducte zählen, die an den AuSgängen der Seitengassen stehen bleiben, und das stundenlange Vorüberströmen der Masse abwarten mußten. DaS berühmte Wort: „lasset die Todten ihre Todten begraben" kam hier nicht zur Geltung; die vielen Tausende von geistig Todten füllten die Straßen so dicht, daß man die leiblich Todten nicht begraben konnte. Aber diese letztem waren als Opfer der Cholera gefallen; und wer Augen hat, um zu sehen, konnte und kann in dieser gehcimnißvollen Krankheit, gegenüber der Manifestation der Socialisten, eine Manifestation der göttlichen Vorsehung erkennen. Eine neue Religion. Die AuSruferinnen aus den Straßen von Wien würden, nach ihrer beliebten Formel, noch zum Ueberflusie hinzusetzen: „die wir erst gekriegt (bekommen) haben." Bei der neuen Religion, von der hier die Rede, wäre dieser Zusatz nicht bloß überflüssig, sondern auch falsch; denn eine sogenannte neue Religion besitzen wir leider schon seit langer Zeit. DaS hat jedoch den neuen Philister, seines NamcnS Leon Marie Pilatte, nicht gehindert, sich den Diener, Lehrer und Amtswalter der neuen Religion zu nennen, die vom Staate nicht besoldet sey. Angeklagt bei der Behörde, daß er öffentlich und regelmäßig wiederholte Versammlungen halte, bei welchen auch Frauen unv Kinder sich einsenden, berief er sich auf das dießsällige (im Juli 1848 erlassene) Gesetz, welches jedem religiösen Dienste (Cultus) die freie Uebung gestatte, also auch den Jüngern seiner neuen Religion nichts in den Weg legen könne. Dagegen war zunächst wenig einzuwenden. Allein die genaue Nachforschung ergab, daß die Versammlungen dcS neuen Heilslehrers durchaus mit keiner Rcli- gionSübung sich befaßten; weder von Beten und Singen, noch von Predigen und begeisterten, schwärmerischen Reden wurde hier je etwas vernommen, sondern man beschäftigte sich ausschließlich mit Verhandlungen, Beurtheilungen und wegwerfenden Kritiken über die sämmtlichen NeligionSfor- men, die dermalen in der Welt sich vorfinden. Der Meister Pilatte kam mit einer Geldbuße von 200 Francs durch. Wäre er ein deutscher Professor, ein Theolog der neuesten Schule, also ein Atheolog (ein Nicht» Gott-Lehrer) gewesen, so hätte er für die Darstellung seiner neuen Religion, die bloß eine Kritik und Läugnung aller Religion ist, eifrige Leser und darum auch ein ansehnliches Honorar erworben. Neue Heilige. Der 13. Juni ist in der großen Stadt Marseille der Tag, an welchem alljährlich eine feierliche katholische Procesfion abgehalten wird. Bei der dießjährigen Procesfion erregten zwei Fahnen ein großes und lärmendes Aufsehen. Die eine war mit dem Bilde des heiligen Ludwig und den altfranzöstschen Lilien geschmückt, die andere, die von einem Pavillon herabwehte, mit dem Bilde des — Ledru Rollin. Dort ein heil. König deS alten Frankreichs; hier daS Haupt der rothen und socialistischen Republicaner. Dort ein frommer Streiter für Christenthum und Kirche, hier der Vorfechter deS Unheils und der Unsitte, unter dem gleißenden Namen der reinen Humanität. Die städtischen Behörden, um der Aufre- 3 Aus den Hist. Blätter». *) Au« dem österreichischen Volksfreund. 116 gung zu steuern, befahlen sofort die Beseitigung beider Fahnen. Der Besitzer dcS Hauses, vor welchem die Fahne des heiligen Ludwig flalterie, gehorchte ohne Widerrede, wiewohl dieselbe seit vielen Jahren, bei jedem festlichen Zuge, diese Stelle einnahm, und von vielen Fahnen umgeben war, welche die Abbildungen anderer Heiligen zur Schau trugen. Die Jünger des Ledru Rollln ließen sich nicht stören. Der Baldachin, der baS AUerheiligste bedeckie, zog unter der Fahne des socialistischen Heiligen hin, der alles Roth im Kalender für sich allein in Anspruch nehmen möchte, und in demselben Augenblicke wurde unten im Hause neben dem ?sng6 lingua die Marseillaise angestimmt, dieses bekaniue revolutionäre Volkslied der Franzosen, das voriges Jahr auch bei uns die Runde gemacht har. Diese Demonstration (Gesinnungöäußerung) brachte übrigens keine weitere Störung hervor; die Procession ward friedlich zu Ende geführt, und dieß- mal wenigstens hat der Kampf des Socialismus gegen den Katholicismus dem letztem kein Haar gekrümmt. B. Einige Bemerkungen -es hvchw. P. Bonifaz Wimmer über das Concil in Baltimore am 8. Mai. „Ich war beim Concil, weil ich gua 1>rovineislis Lenaclielinorum einberufen wurde. ES war eine imposante Demonstration und Repräsentation. Anwesend waren 24 Bischöfe, 3 Generalvicare, die Snperioren der Sulpitianer, Lazaristen, Liguorianer, Benediktiner, Dominicaner, Augustiner, Jesuiten (3 Provinciale), 60 Priester aus allen Theilen der Union. Bei den Sessionen (am Morgen für die Bischöfe allein, Nachmittags für Bischöfe und Priester) ward nur englisch gesprochen, außer von uns Deutschen, die in lateinischer Sprache Lebaltirten. Es wurden 3 neue ErzbiS. thümer und sechs neue BlSthümer errichtet, darunter in Neumeriko mid Kalifornien, im nördlichen Wisconsin Vermont. Die immaeulata eoueeptio ward von den meisten Rednern tapfer vertheidiget, obwohl auch einige die j)ia opiuio patrocinirten, und zuletzt die Bitte um Erklärung derselben als Dogma beschlossen, wenigstens in der gemischten Session begutachtet. Verschiedene DiSciplinarpuncte, kirchliche und politische Fragen wurden erörtert. ES war ungemein interessant, dieses zu hören und diese Bekanntschaften zu machen rc." Ferner berichtet P. Bonifaz, daß er bereits 3 Plätze übernommen habe, nämlich außer Sr. Vincent, HartS-sleeping place und Newark, welche immer mit 2 Religiösen besetzt sind. Bereits hat er 13 arme deutsche Knaben zur Erziehung angenommen und bis Herbst werden noch 20 andere dazu kommen. So löset dieser rüstige Kämpfer für das Reich GotteS auf Erden seine Ausgabe, die er sich gesetzt hat. Mit welch unzähligen Hindernissen, Schwierigkeiten, Bedrängnissen rc. dieser Mann zu kämpfen, das laßt sich nur begreifen, wenn man die Verhältnisse kennt. Nur ein so felsenfester kein Hinderniß scheuender Religiös, wie P. Bonifaz, konnte mit der Gnade GotteS ein solches Resultat erzielen. Er ging mir 15 Lrüdern und Studenten allein nach Nordamerika, ohne noch gewiß zu wissen, wo er sich niederlassen sollte. Jetzt besitzt er ein neues Kloster, 8 Priester, 4 Theologen, 13 Studenten im Seminar, und 30 — 36 Brüver. DaS Alles ernährt er durch seiner Leute Arbeit, und hat dadurch den Benedictiner- Orcen ganz auf seinen Uranfang zurückversetzt, wo die Mönche und Blü der durch ihrer Hände Arbeit Wildnisse cultivirten, und ihr Brod selbst verdienten, dabei die Wissenschaften nicht vergaßen. So auch im Kloster St. Vincent in Pensylvanien. (N. Sion.) Frankreich. Wie die Religion allein im Stande ist, in den schweren Leiten, die Gott bisweilen zur Strafe und Besserung über unS kommen läßt, Hilfe, Linderung und Trost zu bringen, dazu liefert nachfolgende Schilderung einen neuen höchst erfreulichen Beitrag. In dem Departemente der Oise war es vorzugsweise eine Dorfgemeinde, in welcher die Cholera mit solcher Heftigkeit auslrat, baß mehr als die Hälfte der Einwohner davon ergriffen und bei hundertundsünfjlg Opfer durch den Tod weggerafft wurden. Der Anblick deS ungeheueren Elendes gab den Geistlichen und Laien den edlen Muth, mit Gefahr deS eigenen Lebens den Unglücklichen in jeglicher Weise beizuspringen. Selbst der hochwürdigste Bischof von BeauvaiS eilte herbei, um in dem Herzen des Volkes das Gottvertrauen und die kindliche Ergebung zu wecken und zu befestigen; der unermüdliche Pfarrer der Gemeinde wurde durch mehrere andere Priester, darunter namentlich durch den Su° perior des großen Seminars von BeauvaiS und durch zwei OrcenSgeist- liche kräftigst unterstützt, so daß mit Ausnahme von zweien, welche in wenigen Augenblicken der Heftigkeit der Seuche unterlagen, alle Sterbenden mit den heiligen Sakramenten versehen werden konnten; auch Mitglieder verschiedener religiösen Genossenschaften, wie namentlich „vom heiligen Joseph," „von der guten Hilfe" u. s. w. wetteiferten mit dem heldenmü- thigen Maire der Gemeinde, mit dem Präfecten, dem Unterpräsecten und den Aerzten rastlos Tag und Nacht in Anwendung der zweckmäßigsten Mittel zur Verpflegung der Kranken, zur Linderung der unbeschreiblichen Noth und, wenn möglich, zur kräftigen Abwehr deS Uebels. Besonders Ausgezeichnetes leisteten auch hier wie allerwärts Mitglieder deS Vereins vom heiligen Vincenz von Paul, indem sie auf die traurige Nachricht von den Verheerungen der Cholera in Pariö Alles zurückließen, um ihren unglücklichen leidenden Brüden, beizuspringen. Nachdem nun die Seuche fast gänzlich aufgehört, sind dann jene edlen Männer, welche den Geist dcS heiligen Vincenz in sich aufgenommen, unter ihnen der berühmte Arzt Belleti, nach Acy-en-Mulcien abgereist, um daselbst den gleichen Dienst j der christlichen Liebe zu versehen. Nach so schweren Heimsuchungen bedurfte !die Gemeinde Montataire eines solchen Trostes, den die Welt nicht geben kann, den wir nur bei Gott und in der Religion finden: eS fand eine mehrtägige allgemeine VolkSmission (rsti-aits göiwrals) statt, die mit einem feierlichen Todtenamte für alle Verstorbene eröffnet wurde. Jeden Tag feierte ein Priester in der gleichen Absicht das heilige Meßopfer, wobei besonders jene Familien, welche am schwersten und meisten gelitten hatten, mit einer wahrhaft ergreifenden Innigkeit und Andacht um den Altar sich drängten, auf welchem daö unblutige Opfer für die Ihrigen dargebracht wurde. An dem täglich zu verschiedenen Stunden ertheilten Unterrichte nahm die ganze Gemeinde Antheil und als Sonntags daraus die Feier geschlossen wurde, empfingen bei dreihundert Personen die heilige Commu- nion, welche auch an etwa zwanzig noch in der Genesung Begriffene in ihrer Wohnung gereicht wurde.. Am Abende desselben TageS begab sich die ganze Gemeinde in feierlicher Procession auf den Kirchhof, um noch einmal fromme Gebete für die Ruhe der Abgestorbenen zum Throne deS Allbarmherzigen hinaufzusenden. Wie mächtig der Eindruck gewesen, den namentlich die aufopfernde Liebe des Vincenz-Vereines auf die Gemeinde hervorgebracht, zeigt sich noch besonders darin, daß alsbald ein Zweigverein in der Gemeinde Montataire sich gebildet hat, der schon dreißig Mitglieder zählt unter dem Vorsitze deS würdigen Maire'S. Irland. Der heilige Vater, von Irlands Leiden gerührt, hat eine Summe von 40.000 Fr. dorthin geschickt, welche sofort unter die drei von der Hungerönoih am meisten betroffenen Grafschaften vertheilt wurde. Der Erzbischof von Tuam erhielt 20,000 Fr. für die Grafschaft Mayo; die Bischöfe von Cork und Galway jeder 10,000 Fr. für die Armen seiner Diöcese. Diese beiden Grafschaften sind die ärmsten ganz JrlandS. Pinsvereine. Fulda, 3. Jul. Am Schlüsse deS Jahres 1848 wurde in Kassel eine Oberschulcommission. gebildet und dieselbe mit der Leitung deS Schulwesens im ganzen Lande betraut. Die Katholiken KurhessenS fühlten sich lief gekränkt, als sie sahen, daß jene neue Behörde auch nicht einen Katholiken unter ihren Mitgliedern zählte. Es war dieß wieder einer jener Staatsstreiche, wie sie die kurhessische Regierung, die früher wenigstens an Katheltkenhaß der preußischen nichts nachgab, gegen einen so ansehnlichen Theil der Bevölkerung ihres Landes auszuführen pflegte. Der hiesige PiuS- verein erhob Protest gegen die oben erwähnte, höchst intolerante Maaßregel der Regierung und mit ihm protestirten unser Volksrath, der Stavt- raih zu Naumburg, zu Fritzlar und zu Neustadt in Oberhessen. Bis jetzt ist trotz dieser Protestalion keine Veränderung in dem Personale der Ober- schuicvmmission eingetreten, indessen haben hochgestellte Beamte versichert, der zeitige Pfarrer der katholischen Gemeinde zu Kassel werde in dieselbe eintreten. Aber, wie eS scheint, haben jene energischen Protestationen doch bereits ihre Wirkung gethan, indem zum Schulrefercnten bei der hiesigen Bezirksdireclion der Domcapitular und Stadtpfarrer Hohmann ernannt worden ist, und somit bet Besetzung einer höchst wichtigen Stelle, für die bereits mehrere Candidaten levioris notse bezeichnet wurden, den gerechten Wünschen der Katholiken Rechnung getragen worden zu seyn scheint. Ueberhaupt entfaltet der hiesige PiuSverein eine segensreiche Wirksamkeit und arbeitet besonders dem Einflüsse der schlechten Tagespreise nach Kräften entgegen. Deßhalb hat er auch eine Volksbibliothek zur Verbreitung guter Schriften und zu Förderung deS SiuneS für gute Lektüre begründet, die aus Geschenken von Vereinömitgliedern an Büchern, Broschüren und Zeitschriften ihren ersten erfreulichen Anfang nahm. (Sion.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.