» Vierteljähriger Abon- nementsprcis ii^ Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr„ ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeituug werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich t fl. 20 kr. Munter Jahrgang. M 30 LS. Juli L84S. Winke zur Hebung der katholischen Presse. *) Insbesondere den katholischen (PiuS-) Vereinen Deutschlands zur Beachtung empfohlen. DaS Beste, was man in dieser sturmbewegten, unheilvollen Zeit thun kann, ist, daß man, unbekümmert um die Wirren ringsumher, rast loS an einer bessern Zukunft baue. Damit sind wohl Alle einverstanden; nicht aber in Absicht auf die Mittel und Wege, die zu einer bessern Zukunft führen sollen. ES ist indessen unnölhig, in die babylonische Begriffsverwirrung dieser Zeit näher einzugehen; alle Katholiken, welche es treu mit der Kirche meinen, wissen, daß für die Zukunft kein Heil, kein Friede, keine Freiheit, kein Glück zu erwarten ist, wenn der Aufbau einer von Jedermann so genannten bessern Zeit ohne Gott angefangen und ohne Gott fortgesetzt wird. In so fern wir jetzt an einem Wendepunct der Geschichte stehen und auf die abgelaufenen drei Jahrzehnte, als auf einen in sich abgeschlossenen Zeitabschnitt zurückblicken können, müssen wir hinsichtlich der Ereignisse, die uns fast jeder Tag vorführt, sagen: dieß sind die Früchte der bis dahin ausgestreuten Saat. Und welche Früchte sind es, die jetzt anS Tageslicht treten?' ES sind solche, von denen man kurzweg und füglich sagen kann: „Man hört nichts Gutes mehr!" Wenn dieses Wort auch nicht ausschließliche Geltung hat, indem zwischen den trostlosen wüsten Steppen doch auch manche Hoffnung verheißenden Keime empor- sprossen, so lehrt doch ein prüfender Blick auf die gegenwärtigen Verhältnisse Italiens, Frankreichs, Oesterreichs und Deutschlands, daß obiges Wort im Allgemeinen wahr ist. Das aufkeimende Gute erscheint den Blicken des Beobachters in einem auffallend kleinen Verhältnisse im Vergleich zu den vielen Umsturzbcstrebungcn und Gottlosigkeiten jeder Art, von denen unser armeS Vaterland fortwährend erschüttert und beängstiget wird. Wie ganz anders war es im Mittelalter! Vollkommen war freilich auch da nicht Alles, wie denn überhaupt kein menschliches Wirken und Zusammenwirken jemals einer ungetrübten Entwickelung, einer reinen Vollkommenheit sich erfreuen kann; aber eö war denn Loch im Allgemeinen genommen eine weit glücklichere Zeit. Da und weil daS Reich GotteS dem deutschen Reiche zu Grunde gelegt war, herrschten doch geordnete Verhältnisse; Recht und Gesetz, Treue und Manneswort standen in heiligem Ansehen; Einfachheit und Genügsamkeit lebte im Volke und die schweren Wunden der damaligen Zeit heilte schnell und milde die liebevolle Mutter Kirche, welche ihr herrliches, segensreiches Leben frei entfalten konnte zum Heile des Volkes, und welche gar manchen Großen der damaligen Zeit, der eine Zeit seines Lebens hindurch der Rohheit und Genußsucht verfallen gewesen war, als reuigen Sohn in ihre Arme zu schließen das Glück hatte. Heut zu Tage will man von Buße, von Rückkehr zu Gott nichts wissen, wie man überhaupt von der Religion wenig mehr wissen mag. „Die Zeit des Betens ist vorbei," sagen die, welche sich unberufener Weise zu Führern deS deutschen Volkes auswerfen, und mit dem schlecht verstandenen Sprüch- worte: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!" glaubt man jede höhere Richtung, jedes auf das Göttliche hinzielende Bestreben todt zu schlagen. Man sieht aber, wie weit es mit dieser von Gott entfremdeten Selbsthilfe gekommen ist; ich werde daher hier nicht vorzuführen haben, waS in Aller Munde lebt, waS zu Jedermanns Kunde gelangt ist und was man täglich sehen kann. Wenden wir uns also hinweg von den trüben Erscheinungen der Gegenwart, um unsere Blicke zu lenken auf Das, waS wahrhaft frommt, waS heilbringend in das Volk eindringt, was die verdorbenen Gesinnungen reinigt und erneuert und die Schwachen mit begeistertem Muthe zu erfüllen vermag. Unserer Aufgabe gemäß, die wir in der Uebrrschnft uns gestellt *) Aus dem Katholik. haben, wollen wir unsere Blicke jetzt einzig auf die Verhältnisse der Presse, näher: der katholischen Presse richten. Auch die Presse ist, neben andern wichtigen Anstalten zur Erziehung der Menschen, eine bedeutende Macht. Sie umfaßt alle Gebiete des Lebens und Wissens, und je nachdem ein guter oder schlechter Geist in ihr weht, wirkt sie segensreich oder sie vertilgt aus den Gemüthern die Keime der Gottesfurcht und Tugend und flößt ihnen, zumal wenn eS fein darauf angelegt ist, ganz allmälig daS Gift des Unglaubens und der Unsittlichkeit ein. Wer weiß cS nicht, welch unsägliches Unheil die aller Vernunft und Offenbarung spottenden Erzeugnisse der sogenannten freien Forschung im Volke angerichtet haben? Wer kennt nicht die gräuelvollcn Wirkungen der schändlichen Romane, der von aller Ruchlosigkeit erfüllten Zeitungen, Volkskalender und Flugblätter? Wir setzen mit gutem Rechte von denen, an die wir diese Worte richten, eine nähere Kenntniß der abscheulichen Zustände der deutschen Presse voraus, eine Kenntniß, die ihnen das nämliche Urtheil darüber abnöthigen wird, welches wir so eben ausgesprochen haben. WaS ist nun zu thun, um dem verderblichen Treiben der gottlosen und schmutzigen Presse entgegenzuwirken? Nichts Anderes ist zu thun, als daß man die katholische Presse da, wo sie schon ihre Organe hat, eifrigst fördert, und daß man da, wo noch kein Localorgan besteht, die OrtSverhältnisse aber ein solches dringend erheischen, ungesäumt ein solches gründet. Ich fasse also zunächst dtc periodisch erscheinenden Zeitungen, pplitischen wie religiösen, inS Auge; von der Beförderung einer gesunden Volksliteratur, überhaupt solcher litera- rischcn Probucte, welche in zwanglosen Heften oder Bändchen erscheinen, wird besonders noch gesprochen werden. I. Von der Förderung schon bestehender Blätter. .4. Die religiösen Blätter. — Man kann von den jetzt bestehenden religiösen Blättern wohl getrost behaupten, daß sie sich in guten Händen befinden, daS heißt: daß die Herausgeber derselben eben so wohl eine gute katholische Gesinnung haben, als auch die für die Herausgabe deS Blattes nöthige Geschicklichkeit besitzen. Allein auch der talentvollste und geschickteste Redacteur kann ein Blatt nicht allein schreiben, er bedarf der Unterstützung gleichgestnnter Freunde und Gönner. Und daS ist'S, woran eS fast überall fehlt. Die Herausgeber plagen sich um der guten Sache willen fast über ihre Kräfte*), geben sich alle mögliche Mühe, laden sich bedeutende Unkosten durch Porto und Anschaffung von HilfSblät- tcrn auf und arbeiten selbst sehr thätig an dem guten Unternehmen, während eine große Zahl von Geistlichen und gutgesinnten Laien müßig bleibt, einen ganz brauchbaren, oft recht schönen Stoff zur Verfügnng hat, aber auch nicht von fern daran denkt, durch Bearbeitung desselben ein so gemeinnütziges Werk zu unterstützen. Wie viele Geistliche und wissenschaftlich gebildete Laien gibt eS nicht, die entweder für daS reiche Gebiet der Zeitfragen, oder für wissenschaftliche Abhandlungen, oder für Kunstavfsätze (z> B. über Kirchenmusik, alterthümliche Malerei, Bildhauerei und Baukunst) oder für Reisebeschreibung oder Gegenwände deS innern Lebens (z> B. Erercitien), für literärhistorische Berichte, oder für das ErziehungS- und Unterrichtswesen u. s. w. nicht nur guten Stoff, sondern auch daS Geschick besitzen, solche Gegenstände klar und umfassend zum Nutzen vieler Mitmenschen darzustellen! So macht der Eine eine Reise nach Tyrol oder Italien oder England oder wohin eS nur immer seyn mag; er sammelt sich dabei Notizen, welche *) Daß sie es nicht auS Eigennutz, sondern wirklich um der guten Sache willen thun, beweist der Umstand, daß die Herausgeber solcher Blätter theils gar kein Honorar für ihre Bemühungen haben, theils ein so geringes, daß sie die Herausgabe des Blattes nicktt ausschließlich und allein zu ihrer Lebensaufgabe machen könne», sondern eS auch als ! Ncbengeschäft betrachten muffen. Es muß aber endlich einmal dahin kommen, daß unsere i Redactoren sich ganz ungestört ihren Blättern widmen können. Der Verf. 11Ä » viel Interessantes, Ermunterndes, Warnendes, überhaupt Lehrreiches enthalten; allein so etwas einzusenden in eine katholische Zeitschrist, die eS auch Andern mittheilen unv dadurch zu einem nützlichen Gemeingute machen würde, dazu versieht sich so ein Mann gar selten. Warum? Entweder aus Bequemlichkeit, was wohl meistens der Fall seyn wird, oder auS Vorurlhetten aller Art; äußerst selten dürfte Zeitmangel oder sonst ein beschwerlicher Umstand zum Hindernisse weroen. Ein Anderer macht in seinem geistlichen Berufe treffliche Erfahrungen im Religionsunterrichte oder im Schulwesen oder in der Krankenpflege; — allein dabei bleibt es auch. Unsere Zeitschriften vernehmen nichts von den günstigen Ergebnissen seiner Bemühungen, und so entgeht unsern katholischen Blättern mancher vortreffliche Stoff, der jedenfalls für die Wissenschaft interesftM, besonders aber geeignet wäre, der studirenden Jugend, so wie angehenden Seelsorgern und Lehrern eine gute Vorschule für das weite Feld der praktischen Thätigkeit zu seyn. Wer innern Trieb unv Lust hat, findet gewiß ein paar Mußestunden, in denen er solche Erfahrungen, Betrachtungen n. s. w. aufschreiben kann; und was die öfters verlautende Ausrede anbelangt: „ich bin nicht geübt im Anfertigen solcher Darstellungen, besitze keine Gewandtheit darin, um schnell und leicht so etwas zu liefern," so liegt die Oberflächlichkeit derselben klar am Tage. Was man in dieser Beziehung noch nicht hat, kann man sich erwerben, und wirklich würbe die Erfahrung lehren, daß eS nach einigen Versuchen schon gehen würde. ES bedarf übrigens auch gar nicht einmal so vieler Versuche, da ein Jeder durch die erworbene wissenschaftliche Bildung hinlänglich befähiget ist, um seine Gedanken und Erfahrungen verständlich niederzuschreiben. Ein Dritter wohnt in der Stadt oder auch auf dem Lande und ist Beobachter von Ereignissen und Zuständen, deren weitere Mittheilung für Viele ein großer Gewinn wäre oder doch einen sehr passenden Beitrag zur Charakteristik der Zeit (die ja solche Blätter auch liefern wollen) geben würde. Wie geschwind wäre darüber ein Corrcspondenzartikel entworfen. Aber so etwas erfordert ein wenig Zeit und eine kleine Mühe, und beide will man nicht daran wenden. Lieber läßt man ein katholisches Blatt, daS natürlich nur dann recht vielseitig segensreich wirken kann, wenn es von allen Seiten her eifrig mit Beiträgen unterstützt wird, Mangel leiben unv auS andern Blättern abdrucken, als daß man sich auf eine oder anderthalb Stunden hinsetzte und einen Beitrag zu dem katholischen Blatte lieferte. Man kümmert sich Nicht darum, ob die katholischen Blätter nach ihrem Inhalte arm oder reichhaltig sind; sie werden im Allgemeinen von nur gar Wenigen bestellt. Hält sich auch wirklich Einer gemeinschaftlich mit fünf oder sechs Andern eine solche Zeitschrift, so setzt er sich höchstens auf den hohen Stuhl vornehmer Kritik und mustert von da herab alle Artikel, die nicht ganz nach seinem Geschmack sind. DaS Bekritteln aber ist eine gar leichte und für Manchen selbst angenehme Sache. Man braucht nur ein klein wenig Schulweisheit zu besitzen; viel Urtheil gehört gar nicht dazu und Mühe kostet's ja auf keinen Fall, da man nicht daran Lenkt, eS besser zu machen, und so ist dieß Bekritteln denn eine höchst einfache, mühelose Sache. Ein Vierter endlich hätte Gelegenheit, manches Interessante auS dem Französischen zu übersetzen, z. B. Conferenzrcden, Abhandlungen, Missionöberichte u. s. w.; aber er thut es nicht; wohl wissend, daß die Presse eine große Macht ist, hat er aber keine Lust, die gute Presse zu unterstützen und zu fördern. Vergebens macht so ein lauer Freund der guten Sache die Wabrnebmung, welche Rührigkeit und Geschäftigkeit auf Seiten der schlechten Presse herrscht, er bleibt still und stumm unv tröstet sich höchstens damit, daß ja Andere schon schreiben werden. Hat die Bequemlichkeit oder das Vorurtheil sein Ehrgefühl in dieser Sache noch nicht ganz zu Boden gedrückt, so schläfert er.dasselbe doch mit dem matthcrzigen Flüstern einer falschen Demuth ein, indem er seinem Ehrgefühl etwa fol« gendeS prosaische Wiegenlied singt: .Wer wollte noch schreiben in dieser ohnehin so schreibseligen Zeit, die eine.solche Masse von Drucksachen zu Tage fördert, daß die ganze Welt davon überstrichet ist! Da ist Schweigen besser, als Schreiben; ja Schweigen ist eine Kunst!" — Hier unterbreche ich einen Augenblick das holde Wiegenlied und antworte: „Bei Solchen ist Schweigen ganz gewiß keine Kunst, die nur zu träge sind, um in den Schacht ihres Geistes hinabzuführen und dort die edlen Metalle, die Gott in sie gesenkt hat und über deren Verwendung er Rechenschaft fordern wird, an'S Licht zu fördern. Solchen Leuten fehlt eS auS lauter Demuth am Muthe." Weiter lautet die Entschuldigung: „Horaz spricht: noniim >>re- mstur in aiinuin! Also entweder etwas Tüchtiges oder lieber gar nichts!" Antwort: „ES verwehrt dir kein Mensch, etwas Tüchtiges zu schaffen und „nonuin premore in gnnurn," sofern eS etwas Wissenschaftliches oder sonst etwas Schwieriges in der Kunst gilt. Aber du mußt wenigstens etwas Tü^tigeS anfangen, sonst bringst du nichts fertig, als ein stilles Zeugniß deiner Arbeitsscheue." Weiter meinen Andere: „Man kann der guten Sache dienen, ohne daß man schreibt; die That ist die Hauptsache. Die Apostel haben auch nicht ins Schreiben ihre Hauptstärke gesetzt!" Darauf geb' ich zur Antwort: „Allerdings ist die That die Hauptsache. Es gibt aber für die Ausbreitung und Befestigung des Reiches GotteS so viel zu thun, daß das Wort: „That" nicht zur Bezeichnung ausreicht; — man muß sagen: „Thätigkeit," und dazu gehört doch gewiß auch daS Befördern der guten Presse durch Beiträge. WaS die Apostel betrifft, so haben sie freilich meist mündlich gelehrt; ich meine aber doch, eS komme uns sehr zu Gute, daß sie auch Evangelien und Episteln verfaßt und nicht wie Manche gedacht haben: „das Schreiben können Andere thun!" Man soll das Eine thun und daS Andere nicht lassen, oder anders ausgedrückt: äffe Wege müssen betreten werden, die zur Aufcrbauung, zum Schutze, zum Troste und zur Belehrung der Gläubigen führen, mag der Weg nun ein Weg'der That oder des mündlichen und schriftlichen Wortes seyn; Alles hat der eifrige Diener Gottes zur Förderung der Ehre seines Herrn fleißig zu benutzen. Und welche herrliche Vertheidigungsschriften deS Christenthums weisen nicht die erster« so wie auch die spätern Jahrhunderte auf! Heute noch segnen wir jene heiligen Männer, die solche Schriften verfaßten! Ja, ewig wird die heilSbegierige Menschheit sie segnen; denn ihre Werke reden und predigen jetzt statt ihrer und streuen fortwährend noch Samen für die Ewigkeit aus. Jede Zeit fordert ihre besondere Kampfesweise, und darnach bemißt ein eifriger Streiter Gottes seine Waffen. Er richtet sich um so mehr nach der KampfeSart seiner Zeit, als er den AuSspruch ch.es Erlösers: „die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder deS Lichtes," gerne recht beherzigen möchte. UebrlgenS ist eS mit der Aufforderung zur Unterstützung der katholischen Presse auch nicht so gemeint, als müsse der zum Schreiben Befähigte in allen Mußestunden hintcr'm Schreibtische sitzen und Aufsätze liefern; es soll geschehen nach Maaßgabe deS Stoffes, der Zeit und der Fähigkeiten, so daß von einem Solchen wenigstens alle vierzehn Tage, oder alle Monate, oder alle zwei Monate u. s. w. wenigstens Etwas, wenn auch scheinbar Kleines, für die kirchliche Presse geschieht. - (Fortsetzung folgt.) CharitaS, oder das Werk der heilige» Liebe. *) Eine geheimnißvvlle Kraft wohnt und weht im deutschen Worte: Liebe. So vielfach seine Bedeutungen sind, eine jede mahnt an einen höheren überirdischen Ursprung. Was den dreipersönlichen Gott in sich einigt, waS die Welt ins Daseyn rief, den Menschen schuf in seiner Herrlichkeit, den gefallenen wieder aufrichtete, erlöste und heiligte, ist die göttliche Liebe. Auch im Menschen, als dem Ebenbilde GotteS, wohnt die hehre CharitaS, die himmlische Liebe; aber nur eines der wechselnden Gefühle der Menschenbrust verdient diesen Namen. Die geheimnißvolle Naturkraft, welche die Sinnenwesen zur Einigung drängt, daß sie in neuen Wesen sich fortpflanzen und baß eines das andere nähre und pflege; sie ist die edle CharitaS, von der wir sprechen, nicht. Auch dann, wenn der Mensch sich als ein geistiges Wesen und den Mitmenschen als ein Wesen Seinesgleichen erfaßt, und vom Mitgefühl bewegt wird, für ihn als seinen Bruder zu sorgen, auch dieses Mitgefühl ist noch nicht die heilige CharitaS, sondern nur die allgemeine Menschenliebe (Philanthropie); eine Tugend, die selten reife und nährende Kernfrucht bringt, und die oft in weichliche Gefühle entartet, die dort die Hilfe versagen, wo sie am dringencsten wäre, nämlich dort, wo die Noth in ekelhafter, schauerlicher Gestalt auftritt. Die BildungS- und WehlthätigkeitSanstalten, welche als Ableger dieser philanthropischen Ansichten besonders in den letzten Jahrzehnten auftauchten, sind, kaum inS Leben getreteten, gar schnell wieder abgewelkt. Die CharitaS, die ächte christliche Liebe, ist etwas Höhere«, sie ist die Liebe deS geschaffenen, crlöSte», geheiligten Menschen zu seinem Schöpfer, Erlöser und Heiligmacker. Sie ist unbedingt und schrankenlos, allumfassend, starkmülhig, ausdauernd, wie der, auf den sie gerichtet ist. Die CharitaS betrachtet den Mitmenschen nicht mehr als ein vereinzeltes Wesen, unS werth wegen der Stammverwandlschafl oder der geistigen Aehnlichkeit mit unS, sondern als ein Kind GotteS, berufen gleich uns zur Gemeinschaft deS Herrn in ewiger Seligkeit, als erkauft durch daS Blut unseres Heilandes, und je versunkener der Bruder unS gegenübersteht, je abschreckender sein Elend uns entgegentritt, wir verehren, lieben in ihm daS Ebenbild GotteS, den Bruder deS Heilandes. Dieses Gefühl ist jene wunderbare, heilkräftige Liebe, welche die Apostel des Herrn hinauStrieb in die weite Welt, um daS Licht und die Gnade deS Evangeliums allen Völkern zu bringen, welche so viele Heilige lehrte, sich alles Vermögens, aller Bequemlichkeiten, ja oft der nöthigsten Mittel deS Lebens zu entäußern, *) AuS dem österreichischen Volkssrcund. 119 um Andern Hilfe zu schaffen, welche die zartesten weiblichen Wesen zur^ Pflege der ekelhaftesten Kranken bewog, welche ihre Märtyrer hin in die Kerker der Verbrecher, die Schlupfwinkel des Lasters und in die «Lklaven- behälter der Türken, wie in jene der amerikanischen Pflanzer sandte, unft zu helfen, wo nur irgenv zu helfen war. Sie ist immer jung, immer > stark, unerschöpflich in ihren Erfindungen, unermüdlich in Opfern und! Anstrengungen. Ihr sind aller Orten jene großen Anstalten zu danken, die! zum Troste und zum Heile der Menschheit vom Sturme der Zeiten unge-j brachen bis jetzt sich erhalten haben; Männer wie Benedict von NurpaZ Karl der Große, Leopold IV., Franciscus von Assist,. Johann von Malha,! Johann von Gott, Vincenz von Paul, und Frauen wie Elisabeth von Ungarn, FranciSca von Chantal, Eleonore von Oesterreich rc. haben durch die Kraft dieser heiligen Liebe sie inS Leben gerufen. Diese opsermüthige Liebe, sie ist auch jetzt in der Zeit der Gleich- giltigkeit unv Zerstörung nicht erstorbe». Wie einst der Geist GolteS schaffend schwebte über den Wassern, so daß in sechs Zeitfolgen die Welt ins Daseyn trat: also schwebt auch heute die himmlische Liebe zeugend und belebend über den verwirrten Wogen der m sich selbst zerfallenen christlichen Welt. Nicht das naturwüchsige JüngligSgefühl im Dichlerwort: „Diesen Kuß der ganzen Well!" ist eS, das den Fieberkranken Heil und Segen verbürgt, sondern der im gläubigen Herzen erstandene LiebeSruf der katholischen Vereine, der den Mann zum Manne, die Frau zu Frauen drängt, um mit vereinten Kräften die schönen Zwecke zu erreichen, zu denen die Kraft des Einzelnen nicht ausreicht. DaS ist der Ursprung, daS Wesen und das Ziel der in unserer Zeit so zahlreich und so kräftig ins Leben getretenen weltlichen katholischen Vereine, die in anderer Form dasselbe zu erreichen suchen, was in früherer Zeit die klösterlichen Vereine geleistet haben: Eigene Veredlung unv Heiligung Anderer in Liebeswerkcn. Vor allen geist. und fruchtreich wirkt auf diesem Felde der seit beiläufig einem Jahrzehend bestehende Vincentius-Verein, dessen Hauptsitz in PariS ist. Im Jahre 1833 führte die geheimnißvolle Kraft der heiligen Liebe acht Pariser Studenten zusammen, anfangs um wissenschaftliche Zwecke zu verfolgen, dann aber um ihren gefährdeten Glauben zu stärken und zu vertheidigen; und diese waren der Same jenes nun über fast ganz Europa, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Deutschland, die Türkei, sich verzweigenden, ja selbst nach Algier unv nach Merico sich erstreckenden Vereins. Dieser Vincentius-Verein sorgt in einzelnen Abtheilungen für Nahrung, Pflege unv Kleidung der Armen und Kranken. Die Mitglieder besuchen die Armen selbst, trösten und helfen liebevoll. Eine andere VereinSabtheilung sammelt verwahrloste Kinder zum sittlich religiösen Unterricht; bringt andere in die Lehre tüchtiger Meister, und tritt ihnen als leitender und berathender Beschützer bleibend zur Seite. Wieder eine andere Classe hat es sich zur Ausgabe gemacht, bereits inS Laster versunkene junge Leute in den Gefängnissen zu besuchen, zu unterrichten und zu bessern. Andere bemühen sich, arbeitslose Gesellen unterzubringen, und armen GewerbSIeuten Gcldvorschüffe zu machen und Werkzeuge zu verschaffen. Auch besondere kleine Privat-Sparcassen werten errichtet für Arme, welche nur wenige Pfennige zurücklegen können. Für Soldaten werben Lesezimmer und Büchersaminlungen angelegt, um für ihre nützliche, vorzüglich religiöse Bildung zu sorgen. Selbst jener Unglücklichen wirb nicht vergessen, welche in sogenannten „wilden Ehen" (Concubinaten) sich selbst unv ihre Kinder um Ehre, Vermögen, Frieden unv Seligkeit betrügen, und von einzelnen Abtheilungen deS Vereins wird eS ihnen möglich gemacht, in christliche Ehe zu treten, und ihre Kinder dergestalt als eheliche zu erklären (zu legitimirm). Seine Hingeschiedenen Pfleglinge begleitet der Verein noch zum Grabe und besorgt die Opfer des Gebers für sie. Und die Mittel zu so außerordentlichen Liebesgaben? Sie fließen aus vielen tausend Händen in freiwilligen Beiträgen und Geschenken, so daß sich im letzten Nechnungs-AuöweiS deS französischen Vereins von 1847 eine ausgelegte Summe von mehr als 300,000 fl. nachweist. Der Verein erstnckl sich über alle Stände, und zwar waren im Jahre 1842 unter 4000 Mitgliedern in 86 Abtheilungen, auS dem Abvocatenstande 676; Aerzte 157 ; Geijtliche 117; Militärpersonen 89; auS dem Lehrstande 153; auS dem Beamtenstand 127; Künstler 37; Kaufleute 223; von ihren Renten lebende Mitglieder 26 l; Schriftsteller 20, und sein Wirken ist so segensreich, daß Papst Gregor XVI. mit dankbarer Freude die reichsten Segnungen der Kirche über ihn ausgesprochen und PiuS IX. ihn neuerlichst mit den ermunterndsten Schreiben bestätiget hat. Auch bei unS in Oesterreich, in Wien, ist mitten unter den bösen Geistern, die uns verlockten und verwirrten, kaum daß die ersten Regungen deS freien VereinsrechteS sich zeigten, die heil. Charilaö sichtbar erschienen. ES entstand der Verein für Glauben, Freiheit und Gesittung, um diese > heiligsten Güter der Menschheit mitten auö dem Kampfe unserer Tage un-s versehn zu erretten. Belebung deS Glaubens durch die Freiheit deS geistigen Wirkens und Lebens, und Erneuerung der christliche» Liebe in allen Werken der Wohlthätigkeit — daS ist sein erhabenes Ziel. Bereits ist der eine Zweck möglichst erfüllt. Die bürgerliche Freiheit ist gewährt in der Verfassung, die uns der großmüthige Kaiser verliehen, und auch die Freiheit der Kirche ist verbürgt. Die edelste Aufgabe des KatholikenvereinS bleibt nur noch, nebst der Bewahrung und Förderung deS ächten Glaubens und der christlichen Wissenschaft, die Werke der heiligen Liebe. Und Erfreuliches hat er bis jetzt, wenn auch mit schwachen Kräften und unter mancherlei äußeren Hindernissen geleistet. Er hat gleich beim Entstehen im verflossenen Jahre durch seine mächtige Stimme viele Tausende vom Abfall zurückgerufen, viele Andere im Glauben befestiget. Er hat durch Gründung von Lese-Gesellschaften und Verbreitung von guten Schriften kräftig mitgewirkt zur bürgerlichen, wie zur religiös-sittlichen Aufklärung, und eS ist nur zu bedauern, daß er mißverständlich ebenfalls in den Bann deS Belagerungszustandes gethan wurde, und sein wohlthätiges Wirken plötzlich auf die Herausgabe deS österr. VolkSsreundcS sich beschränken mußte. Doch die Liebe, die da stärker ist als der Tod, war auch stark genug den Belagerungsstand zu überwinden; und so wurde auS dem Schovß deS gefesselten Katholckenvereinö seine lebenskräftige Tochter, der wohlthätige Fraucnverein geboren. Wie der VmcentiuSverein anderwärts, so hat unser Fraucnverein in bereits vierzehn Abtheilungen oder Bezirken in kaum sechs Monaten reichen Segen über die Hauptstadt ergossen. Tausenden hat er den nagenden Hunger gestillt, Tausenden ihre Blöße bedeckt. Wie viele Kranke hat er getröstet, gestärkt und erquickt! Wie vielen Kindern hat er den nothwendigen Unterricht möglich gemacht, und sie dem Verderben deS GasscnlebcnS entzogen. Wie viele Leidende hat er vor Verzweiflung gerettet und ihnen Glauben und Vertrauen auf Gott und die Menschheit wiedergegeben! Die hierüber erschienenen MonatSauSwcise geben nur ein schwaches Bild seines bisherigen Wirkens. Und ein Blick auf die uns verschwisterten Vereine, namentlich auf jene in so kurzer Zeit erstarkten und unS weit überholenden in Linz und Brünn, welchen Trost bietet er uns nicht! Im brausenden Sturm geboren, haben sie ihn zu überdauern verstanden, haben unterrichtende Journale inS Leben gerufen, Armenschulen gegründet, verschiedenewohlthätige Sammlungen eingeleitet, den Grund zum VincenliuSverein gelegt, FrauenwohlthäligkeitSvereine gebildet und sich lebenskräftig in zahlreichen Zweigvereincn über Oberösterreich und Mährcuverbreitet. Daß in diesen und andern katholischen Vereinen vorzüglich der geistige und geistliche Gewinn erstrebt wird, liegt auf der Hand, und kann man auch diesen geistigen Gewinn nicht mit Zahlen nachweisen, eben weil er geistig ist, so ist er doch unläugbar, und wird sich in nächster Zeit in den gebesserten Sitten, dem regeren Glauben, den würdigeren Wahlen herausstellen. Die Mitglieder selbst wissen eS wohl am besten, wie sehr das kurze katholische VcreinSIeben sie gehoben unv gestärkt hat. AuS dem französischen VincentiuSvcreiii sind im Jahre 1846 allein 60 Mitglieder in den geistlichen Stand getreten, und 12 in daS Ordensleben übergegangen. Es ist überhaupt beachtenöwerlh, daß so viele OrdenSgenosscnschaften ursprünglich Laienvereine gewesen sind, die das Bedürfniß der Zeit nach und nach in die höhern Kreise deS christlichen Lebens erhoben hat. Falls überhaupt daS Ordensleben Bedürfniß unserer Zeit ist, so werden gewiß auch aus den Vereinen der Jetztzeit die den Bedürfnissen der letzteren entsprechenden Orden hervorgehen. Doch waS auch immer in den Beschlüssen der Vorsehung liege, jetzt heißt eS sammeln, einigen, wirken, durch und für die Liebe. Darum auf, ihr Männer deS Volkes, zeigt euch als wahrhaft frei und gleichberechtigt, wetteifert mir Jedem im Glauben und in der Liebe! Ihr Mächtigen, Angesehenen, Reichen, ihr Männer der Wissenschaft, legt ab die falsche Scheu, vereinigt euch mit dem Geringen und Armen zum Bunde der Treue für Gott und seine Kirche! Ihr Seelsorger, niedrig und hoch, tretet voran in die ersten Reihen, wirket und leitet, Laß stets die rechten Bahnen eingehalten werten, und daß euch dasselbe Lob werde, LaS der VinccntiuS- Vcrein in dem Bericht für das Jahr 1842 der französischen Geistlichkeit ausgesprochen hat: „DaS innige Wohlwollen der ehrwürdigen Seelsorger, innerhalb deren Pfarrsprengel unsere Genossenschaften ihre Sitze haben, hat unserem unscheinbaren Werke nicht gefehlt, und deren wohlwollende Mitwirkung hat unsere geringen Kräfte crmuthigl, und unsere bescheidene Betheiligung am Apoftolat der Liebe gesegnet, als dessen Vorbilder und Lehrer jene Seelsorger selbst uns immer vorgeleuchtet haben." Aber in allem und jedem lebe die himmlische Eharitaö, die heilige Liebe. S. B r e l a u. Au« Scklesicn. Sie werden auS den Zeitungen erfahren haben, daß Professor Regenbrecht, erst Katholik, dann Rongeaner, dann keiner Confession angehvrig, gestorben ist. Bei ihm hat weder die Universität (denn er konnte für seine Vorlesungen kaum Zuhörer erhalten) noch die Wissenschaft (seine sänimtlichen Werke kosten 1 Sgr.) etwas verloren, aber für das kirchliche Interesse ist sein Tod von nicht geringer Wichtigkeit. AIS nämlich nach der materiellen Beraubung der katholischen Kirche Schlesiens der Staat auch gegen alle Verträge und gegen alles Recht den gel- stigen Raub an ihr beging, ihr durch Verschmelzung der Leopvldtna nul der protestantischen Universität Frankfurt die ihr zugehörige Bilbungsanslall zunehmen, wurden für die neue Universität und die einzelnen in verleiben begriffenen Facultäten Statuten und Reglements entworfen. In denen der katholisch theologischen Facultät wurde daS Kirchenrechl, wie dieß auch natürlich ist, zu den von und in ihr zu behandelnden Disciplinen gerechnet und bestimmt, daß, wenn für dasselbe kein eigentlicher ordentlicher Lehr- stuhl in der Facultät begründet werden sollte, die Stelle dieses Lehrers durch einen Professor des kanonischen Rechtes in der juristischen Facultät verireten werten und dieser an allen den Geschäften der theologischen Facultät Theil nehmen solle, welche diese Disciplin betreffen. Hieraus ergab sich von selbst, daß der oder einer der ordentlichen Professoren veS kanonischen Rechtes in der juristischen Facultät katholisch sehn mußte. Als katho- lischer Professor deS katholischen KirchenrechleS wurde nun ür. Regenbrechl von der StaatSrcgierung angestellt Zu keiner Zeit hat derjelbe feine ihm als solchem obliegenden Pflichten erfüllt, und die Folge davon waren die erheblichsten Nachtheile für die Diöccse. Zwar lasen Professor Dr. G-tzler und l)r. Grosch kanonisches Recht, aber sie konnten den Mangel eines ordentlichen Professors dieser Disciplin nicht ersetzen, und die Theologen, welche im kanonischen Rechte GraduS erwerben wollten, mußten sieb au andere Universitäten wenden. Daß nicht nach dezc Apostasie des Professors Regenbrecht die katholische Facultät und die bischöfliche Behörde Schritte thaten, um, auf die Statuten der Facultät gestützt, dessen Entfernung zu verlangen, ist ein Vorwarf, den sie nicht von sich abwälzen können. Nun, nach dem Tode deS Professors Regenbrecht, ist das Hinderniß gewichen Die juristische Facultät hat beim Ministerium aber varaus angeira- gcn, den kanonistischen Lehrstuhl einem ihrer außerordentlichen Profefioren, dem Professor Wasserschleben, einem Protestanten und eifrigen frühern Gön ner der Nongeaner, zu übertragen, dem katholischen Professor Dr. Gitzler aber den seit Unterholzner's Tobe unbesetzten zweiten Lehrpuhl deS römischen Rechtes, so daß daS katholische und kirchliche Interesse wiederum auf das Schnödeste verletzt und die vom Staate im Reglement der katholisch- theologischen Facultät eingegangene Verpflichtung nicht erfüllt worden wäre. Unter diesen Umständen hat sowohl die theologische Facultät als die bischöfliche Behörde sich genöthigt gesehen, bei dem Ministerium einzuschrcilen; Beide haben energisch die Berufung eines katholischen und katholisch gesinnten Mannes auf den Lehrsiuhl gefordert; wir wollen sehen, ob die Slaalö- regierung der Stimme der Gerechtigkeit Gehör geben wird. Möge Waffcr- schlcben Professor des protestantischen Kirchenrechtö werden, was wir sor- dern und mit Recht fordern, ist dann die Berufung eines Katholiken auf den Lehrstuhl deS katholisch-kanonischen Rechtes; wenig auch würde es nützen, wenn Professor Gitzler nebenbei die Verpflichtung, kanonisches Recht zu lesen, aufgegeben würde; das Reglement der katholisch-theologischen Facultät verpflichtet den Staat, entweder in derselben oder in der juristischen Facultät einen ordentlichen Lehrer deS kanonischen Rechtes anzustellen. Die Augen deS katholischen Theiles der Provinz sind auf diese Angelegenheit gerichtet; an ihr wird sich erproben, ob die StaatSregierung auch gegen die katholischen wissenschaftlichen Bedürfnisse Recht und Gerechtigkeit zu üben gewillt ist. (Rh. V.-H.) Wie«. Wien. Am 5. Juli hat wieder einmal eine Ausschußsitzung deS KatholikenvereinS stattgefunden. Der hauptsächliche Gegenstand der Berathung war die Beantwortung deS Schreibens deS VereineS in BreSlau, als deS gegenwärtigen Vorortes der Katholikenvereine Deutschlands, worin er um Mittheilung deS PcrsonalstandcS unsers VereinS bittet, und den Beschluß rer letzten allgemeinen Versammlung ankündct, die nächste Zusammenkunft im September d. I. hier in Wien zu halten. Jene Mittheilung, als auf Thatsachen beruhend, war natürlich kein Gegenstand der Erörterung *); allein um so lebhafter entspann sich die letztere über die *) Der Kathvlikenvcrein für Glauben, Freiheit und Gesittung in Wien, an dem Vcrhängnißvcllcii 15 Mai >848 gegründet, zählt in den Bezirken: innere Stadt, Lcvhvid- stadl, Landstraße, Mieden, Gnmvcndvrf, Sclwttenfcld, Altierckenfeld, Jcscphstadt, Alscr- vorstadt, LiäNenthal, Rcinderf, Hcrnals. mehr als 180» Mikgl eder; der ihm verbundene wohltätige Frauenrcicin hat in it Bezirken bei 900 Mitglieder. Außer Wien beziehen noch Zwcigvercinc in Würnih, Unterleobersdorf, Schöngrabcrn, Pocksiieß, Pil- hinsichts dieses Beschlusses zu ertheilende Erwiderung. Nach vielen Für- und Gegenreden, bei denen sich vorzüglich die Herren Schwarz, HäuSle, Hock, Bannert, Brunner, Buol, Gruscha, Mundigler, Pusch, und der nach langer gefährlicher Krankheit freudig wieder begrüßte Groß bethellig- !tcn, wurde endlich mit allen Stimmen gegen eine (jene LeS Herrn VereinS- j Präses, Consul Schwarz) beschlossen, dem Vororte zu schreiben, daß man j der Zusammenkunft in Wien mit Freuden entgegensehe und alles aufbieten werde, die entgegenstehenden Hindernisse zu beseitigen. Gleichzeitig solle i ein Gesuch an daS kk. Ministerium gerichtet und dasselbe mittelst einer : eigenen Eingabe und einer aus den Herren Knell, Bannert, Haubner, ! Mundigler, Putz (oder in dessen Verhinderung v. Patruban) bestehenden , Deputation dem hvchwürdigsten Herrn Fürsterzbischofe zur unterstützenden i Einbegleitung überreicht werden, worin daS Ministerium um Gestaltung ! jener Zusammenkunft so wie, zur Vorbereitung für dieselbe, einiger Plenar- Versammlungen des Wiener-Katholikenvereins gebeten wird. Die Gesuche selbst, wie sie in einigen späteren Besprechungen, an denen auch die bei jener Ausschußsitzung abwesenden Herren Bondi, Veith, Gschwandner und Bermann Theil nahmen, festgesetzt wurden, so wie ihr Erfolg werden später mitgetheilt werden. In die Ansicht des Herrn ConsulS Schwarz, jene Zusammenkunft dem Vororte gegenüber als während deS BelagerungS- standcs unthunlich darzustellen und sich die Gegenwart der deutschen Vereine für daS nächste Jahr zu erbitten, wurde ungeachtet dessen, waö für sie geltend gemacht wurde, aus dem Grunde nicht eingegangen, weil eS lieblos gegen unsere deutschen Brüdcr und feige wäre, jene für unS wie für sie so wichtige Zusammenkunft vorhinein abzulehnen, ohne zu ihrer Zustandebringung das Aeußerste versucht zu haben, und weil die Vorgänge in BreSlau wie in Berlin gezeigt hätten, daß bei der heilbringenden Richtung der Katholikenvereine selbst eine protestantische Regierung zu ihren Gunsten Ausnahmen vom Belagerungsstande gestatte. Es wurde im Laufe der Verhandlung auch der Nothwendigkeit erwähnt, daß außer Wien, auf dem flachen Lande und in den kleineren Städten, Katholikenvereine sich bilden, und dergestalt Glaube, wahre Freiheit und Gesittung in weiteren Kreisen sich befestige, und augenblicklich erboten sich mehrere Geistliche und Laien als Missionäre in diesem Sinne überall zu wirken, wo die OrtS- geistlichkeit sie rufe. (Oesterr. VolkSfr.) Aus den katholischen Missionen. In einem (in der N. Sion mitgetheilten) Briefe deS Missionärs Pater Dr. P. Lechncr O. 8. 8. <1.4. Carroltown Cambria Cosnty Pensylvania, den 2l. Mai 1849, lesen wir: „Da es allen Leuten in weit entfernten Familien nicht möglich ist, zur Kirche zu kommen, so hält man von Zeit zu Zeit in deren Häusern Messe. Da versammelt sich dann die ganze Nachbarschaft; es beichten oft 10 — 20 Personen; und die Familie, die auf solche Weise das Glück hat, Jesum sacramentalisch zu Gaste zu haben, muß zu einigem Ersatz ihn auch in seinen Gliedern gastiren. Bei solchen Meetings findet sich aus Neugierde auch hin und wieder ein Protestant ein, um den Vertrag des Priesters zu hören. AIS ich in der Pfarrei von einem Manne hörte, der nie in die Kirche ginge und nie beichte, besuchte ich ihn, und meldete ihm, daß ich kommen wollte, in seinem Hause Messe zu lesen. DaS wirkte besser, als Alles. Wenn Jesus in daS HauS kommt, dann bekehren sich auch Zöllner. WaS trifft man doch nicht Alles in Amerika? Eine Familie ist hier, deren Haupt seit 30 Jahren nicht gebeichtet, das Weib noch nicht getauft ist. Da der Mann zufälliger Weise zu mir kam, und im Gespräche dieß vorkam, meldete ich ihm sogleich, daß ich nächstens zu ihm in das Haus kommen würde, daS Weib zur Taufe zu bereden, da ja alle Kinder, 12 an der Zahl und schon groß gewachsen, getauft und gut erzogen waren. Die Thörichte sagte, es würde wohl besser seyn, dieß unterbleiben zu lassen, es würde nichts fruchten. Ich empfahl die Sache der Fürbitte deS unbefleckten Herzens Mariä, und ging in der gewissen Furcht, einen schweren Kampf bestehen zu müssen, in daS HauS. Doch sieh da, die ich als eine obstinate Heidenvettel erwartet hatte, antwortete mir auf meine Frage, ob sie denn nicht die heilige Taufe empfangen wolle, ganz bereitwillig: Ja. Und auf die Frage, ob sie auch überzeugt sey von der Wahrheit deS Christenthums, der katholischen Kirche, antwortete sie wieder: Ja. Wer habe sie überzeugt? Antwort: poormang Lsteelimm ancl otlwr doolcs. Nachdem sie Lurch Krankheit einige Wochen zu Hause zu bleiben genöthigt war, empfing sie vorgestern den 19. Mai das Sacramcnt der Wiedergeburt. Was sie schon lange gethan, ihren Mann zur Beicht zu bereden, wird sie vielleicht jetzt mit gesegneterem Erfolge thun." lichsdvrf, denen bei 400 Mitglieder bcigetreten sind. Die uns verbrüderten Vereine in Brünn, Linz, Krcmsniünsicr, Admvnt gehören als selbstständigc Gesell>chasten, die thcil- wcise wieder in vielen Ablegern sich ausgebreitet haben, nicht in unsern Pcrsonalstanv. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.- VcrlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.