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Der Gastwirth ging zu den Gräbern der Todten, welche dort begraben lagen, und rief mit lauter Stimme: „Auf, ihr guten Männer, kommet mit mir; denn cS ruft euch der römische Censor." AIS der Censor Niemanden kommen sah, befahl er dem Gastwirthe, sie noch einmal herbeizurufen. Dieser kehrt wieder zu den Gräbern zurück und ruft: „Stellet euch ein, ihr guten Männer; denn eS ruft euch der römische Censor." Auf gleiche Weise und mit gleichen Worten wurden sie zum dritten Male gerufen. Als sie aber auch dieses Mal nicht erschienen, wurde der Censor unwillig und sprach: „Weil die guten Männer auf meinen Befehl nicht zu mir kommen wollen, so will ich zu ihnen kommen. Gehe also mit mir und zeige mir dieselben. Denn der verdient schwere Ahndung, welcher nicht hört auf den Befehl des Senales." Der arme Gastwirth nahm den Censor bei der Hand, führte ihn zu den Gräbern und rief: „Sehet, ihr guten Männer, der römische Censor ist da und will mit euch reden." Der Censor glühte auf vor Zorn und sprach: „WaS machst du da? Ich habe dich geschickt, die Lebendigen zu rufen, du aber rufest die Todten." Ihm enlgegnete der Gastfreund: „Wenn du klug bist, römischer Censor, so darf es dich nicht wundern, waS ich gethan habe; denn alle guten Männer dieser Gegend sind gestorben und unter diesen Monumenten begraben; denn durch ein gerechtes Urtheil Gottes ist eS geschehen, daß Diejenigen im Schooße der Erde ruhen, deren Umgang die Stadt nicht mehr werth war." Machen wir von dieser alten Erzählung eine Anwendung auf die neuen und neuesten Vorfälle unsers deutschen Vaterlandes, das bei allem Geschrei von Einigung niemals zerrissener war, so müssen wir mit trauriger Gemüthsstimmung sagen: „Ach, die Guten sind todt; denn sonst hätten die Bösen keine solche mächtige Oberhand!" Man hat mit dem Ungeheuer der Revolution geliebäugelt und dessen Blicke auf einen andern Gegenstand hingelenkt, vergessend, daß der Altar die Stütze deS Thrones ist. Jetzt scheint eS freilich, als sey man zu dieser Erkenntniß gekommen, allein so lange man die Kirche nicht völlig frei macht von dem Schnürleibe engherziger Bureaukratie und argwöhnischer Ueberwachung, so, daß sie ungehindert ihren göttlichen Beruf erfüllen und ihre Heilmittel anwenden kann, wird auch keine Hilfe ausreichend seyn gegen die sechs Hauptübel unserer Zeit, nämlich mißverstandenes Eigentumsrecht, falsch ausgelegte Freiheit, verirrte Bestimmung, Entheiligung der Ehe, Verwerfung jeder Autorität von Außen und endlich gegen den Lucifers-Stolz, der eine fürchterliche Demüthigung erfahren wird. Wer noch gutmüthig schläft im Grabe seiner Gleichgiltigkeit gegen diese sechs anrückenden Höllengeister, der wird von dem Posaunenschalle des Gerichtes aufgeweckt werden, daS jetzt über Deutschland hinschreitet. Darum sollen wir unS gegenseitig aufmuntern zum gemeinsamen Widerstände in Wort, Schrift und That gegen die Mächte der Finsterniß. Viele der Guten sind entschlafen im Herrn, ehe die Revolution ihre blutigen Fittige über Deutschland ausbreitete, und wir müssen sie deßhalb glücklich preisen. Aber eS schlafen auch jetzt noch nicht alle Guten, die es redlich meinen mit Gott und mit ihrer heiligen Kirche, mit dem Könige und mit dem Vaterlande. Wenn also ein höherer Censor kömmt, als der römische, und er seine Treuen prüfen will, so wollen wir denselben nicht auf die Gräber der Todten, sondern auf die Häuser der Lebendigen hinweisen, in denen noch nicht deutsches RcchtSgefühl, deutsche Zucht und Sitte völlig abgestorben ist. Ueber Völkerglück. *) Glossen zu biblischen Terten über diesen Gegenstand. II. „Von Babylons Wein tranken alle Völker, und darum taumelten sie." Irrem. 51, 7. ES ist eine Syrene, eine Hetäre, welche die Völker verführt und berauscht hat; ihr Bild die vom Propheten und später vom Seher auf PathmoS gezeichnete Babylon: sie ist daS moderne Heiden thum, im Bunde mit der Revolution. „Keine Unsterblichkeit, kein Jenseits, kein Gott, daS Christenthum weg, und dann werdet ihr glücklich seyn, frei eurer Lüste genießend", rief sie den Nationen zu, und reichte ihnen den Taumelkelch, und es tranken Massen daraus, um im Traume des Glückes sich zu wiegen. Trunkenheit also, sinnloser Taumel, LoSkettung der Bestien im Menschen, Zügellosigkeit und Unrecht sollen die Bande seyn, welche zum-Heil und Segen um die Völker sich schlingen? Diese sotten glücklich seyn auf dem Felde, worauf kein Tropfen Thau vom Himmel, kein Strahl höher» Lichtes und Trostes fällt, keine göttliche Stimme beruhigend ober den aufgeregten Wassern schwebt, sondern es wogt nur der Strom bestialischer Gelüste hindurch, siedend, verpestend, um seine Ufer der wüste Lärm sich wüthig bekämpfender Leidenschaften, daS tolle Geschrei zahlloser Taumelnder? Kann Trunkenheit und Taumel wahrhaft beglücken? Die verzehrende Glut nach Besitz und Genuß, daS Herumschwärmen im Rausche der Lust, die ewigen Erschütterungen revolutionärer Wühlereien, die wilde Jagd von Leidenschaften gehetzter Massen sollen Ruhe und Frieden gewähren, ohne die kein Glück je möglich? Wahnsinn und Raserei können nie glücklich machen. Von den Völkern, die also berauscht hintaumeln, gelten die Worte des PsalmS: „Ihr Weg wird finster und schlüpfrig seyn, und der Engel deS Herrn sie verfolgen." (Psalm 34, 6.) Von Babylons Weine, vom Becher der Lust, tranken und berauschten sich die alten Völker. Ihre Schriften und die Geschichte zeigen, wie wenig sie dadurch ihr Glück gefunden. Weht denn nicht durch die Werke der geistvollen Griechen und Römer eiu Hauch der Wehmuth, eine hoffnungslose Klage, eine stets unbefriedigte Sehnsucht, Furcht und Angst vor dem Tode ohne Etwas, daS seine Schrecken milderte? Nein, glücklich ist kein Volk, daS verblendet in ausgelassener Freude um einen Abgrund herumtanzt, der es zum ewigen Jammer aufnimmt. „Lasset uns essen und trinken; denn morgen sterben wir": diese Worte sind nicht die Aufschrift eines Thores, das zu wahrer Seligkeit einführt. So ist eS denn daS Unglück der Völker, daß sie trunken sind vom Weine Babylons, daß sie Gott und seine Lehre vergaßen, daß sie Christum lästern, daß sie emancipirt von jedem Gesetze taumeln, und immer dahin- taumeln möchten. ES ist daS Unglück der Völker, daß sie im Rausche die Wege GotteS, und der Tugend und deS Rechtes verlassen haben! Sie taumeln dem Verderben zu. ') Aus den Hiß. polit. Blätter«. . »»» »M ' 7 « 122 m. „Wisse und sieh, daß es übel und bitter ist, daß du den Herrn deinen Gott »erlassen und die Furcht vor ihm nimmer bei dir ist! Irrem. 2 , 19. Hätte ich eine Donnerstimme und stünde auf einer Anhöhe, unten an ihrem Fuße vor mir ein Volk versammelt, zerrissen von alten den Leiden der Zeit, goltcnlfremdct durch antichristliche Grundsätze, jedes Trostes bar, bar jeder Aussicht auf Besserung seiner Zustände, geknechtet von radicalen Despoten, der Armuth preisgegeben und dem Hunger; ich riefe mit weit- lönender Kraft und tiefem Mitleid und heiligzürnendem Eifer dem armen, unter der Uebel Last gebeugten Volke zu: „Wisse und steh, daß es übel und bitter ist u, s. w.! Du träumtest, wie dir erst recht die Sonne des Glückes aufgehen werde, wenn Glaube und Gottesfurcht, die der moderne Unglaube als düstere Nebel vormalte, auS deinem Leben schwinden würden. Sieh nun, wie bitter du dich täuschtest, wie unglücklich du geworden! Kann eS auch anders seyn? Frage nur die Geschichte! Wurde daS französische Volk dadurch glücklich, daß cS bei seiner ersten Revolution Gott vom Throne zu stürzen sich vermaß? Sind die Schweiz und Jialien jetzt glücklich, da sie vom gottlosen LiberaliSmuS sich zur Knechtung der katholischen Kirche und zur Revolution verleiten ließen? Und ist Deutschlands Zerrissenheit nicht größtcntheilS die bittere Frucht der Aussaat, welche der Unglaube und die Gotteslästerung mit vollen Händen ausgestreut?" Wie ist eS auch anders möglich, alö daß die Fluth des Unglücks einbricht, wenn die Dämme der Gottesfurcht gefallen? Kein Glück des Volkes ohne Barmherzigkeit von Seite der Besitzenden, ohne Arbeit und Geduld von Seite der Armen, ohne Achtung vor Gesetz und Sitte von beiden Seiten. Wo aber der Glaube an Gott und Christus, unsern Erlöser, wo der Glaube an eine ewige Vergeltung, wo der Glaube an Gottes allein wahre Heilanstalt, die katholische Kirche, zu Grabe getra- gen ist: da erheben sich Egoismus und Genußsucht bei den Besitzenden; daß sie der Armen im Volke vergessen; die Proletarier aber, der tröstenden Religion beraubt und fast nur mehr animalische Triebe kennend, müssen zu Neid und Haß und Raub erwachen. So stürmt dann ein Heer von Uebeln und bittern Leibern über daS unselige Volk ohne Gott und Gewissen, Wunden schlagend auf Wunden, und eS ist kein Arzt, der trösten und heilen könnte, weil daS verblendete den allein wahren Arzt von sich gestoßen, den einzig rechten Balsam deS Trostes, die himmlische Religion über Bord geworfen. War es ja schon bei den heidnischen Völkern so, daß mit dem Sinken der Religion, der Furcht auch vor nichtigen Göttern, daS Verderben einriß und die Sterne des GlückeS untergingen. Um wie viel mehr muß Verderben und Jammer einreißen, wenn das Licht deS Glaubens an den wahren Gott dem Dunkel deS Unglaubens gewichen! Weh also dem Volke, das den Herrn seinen Gott verlassen und bei dem keine Furcht mehr ist vor Ihm! ES wird eine Beute sich bekämpfender Leidenschaften und Laster, und stürzt ohne Halt in die Tiefe jeglichen Elends. Winke zur Hebung -er katholischen Presse. (Fortsetzung.) Die Hauptcinwendungen, die man gegen eine möglichst allgemeine Mitwirkung zur Förderung der katholischen Presse vorbringen könnte, möchten wohl in dem bereits Gesagten ihre Erledigung gefunden haben. Dennoch wollen wir übersichtlich in einigen Puncten noch den Nutzen nachweisen, den eine solche Mitwirkung bringt. 1) Bei dem heutigen Stande der Volksbildung ist das Lesen guter Schriften ein wesentliches, bei Vielen ein unerläßliches Bildungsmittel geworden. Daraus folgt, daß Diejenigen, welchen durch die Gnade Gottes Bildung zu Theil geworden ist, diese anwenden müssen, um nicht nur im engen Bezirke ihres Wirkungskreises, sondern auch in der Diöcese, im Vaterlande, ja in der ganzen Kirche in mancherlei Form und Fassung die göttliche Wahrheit immer mehr zur Geltung zu bringen, indem sie nach Kräften durch Lieferung von Aufsätzen über wichtige Gegenstände daS Ihrige dazu beitragen. Geschieht dieß, so werden jederzeit die wichtigsten Lebensfragen und Streitpuncte vom kirchlichen Standpuncte auS beleuchtet werden und das Volk (ich fasse eS hier in seiner Gesammtheit) wird der Verblendung nicht so gewissenlos überantwortet werden, als eS bisher an manchen Orten geschehen ist, wo man, trotz der vorhandenen Möglichkeit, ein kirchliches Blatt zu gründen oder ein schon bestehendes zu unterstützen und zu verbreiten, nicht dazu kam, weil philisterhafte Kleinigkeitskrämerei, lächerliche Eitelkeit und schlecht verhehlte Bequemlichkeit davon abhielt. Wie lange hat man eö katholischerseits unterlassen, die sociale Frage, die von den jetzt offen hervorgetretenen Umsturzmännern stets so stark ausgebeutet und wirklich geistreich bearbeitet wurde, in Behandlung zu nehmen? Es ist eine Schmach, daß man so lange müßig zugeschaut hat, daß man träge die Hände in den Schooß legte, bis die giftige Saat unS über den Kopf gewachsen ist. Will man sich mit der Censur entschuldigen? Gut, wir geben daS zu. Aber wie viel ist denn geschehen, seitdem die Preßfrei- heit kam? An manchen Orten hat man noch wenig Regsamkeit für die gute Sache auf dem Wege der Presse bemerkt. Die katholischen Blätter finden gar oft nur eine sehr schwache Verbreitung, und von schriftlichen Beiträgen ist eS kaum der Mühe werth zu reden. 2) Wie die rege Theilnahme an der kirchlichen Presse die rechte Erkenntniß in den Gläubigen vermehrt (eine Erkenntniß, die ihren besonderen Beziehungen nach oft nur durch die Presse und nicht durch das Lehrwort auf der Kanzel und im Religionsunterrichte befördert werden kann), also Andern nützt, so nützt sie dem Verfasser selbst sehr viel, indem durch solche Theilnahme LaS Gebiet seiner Erkenntnisse und Erfahrungen erweitert und sein Gemüth stets mehr und mehr von Eifer für Alles, was der Kirche frommt, erwärmt wird. Denn die Presse wirkt ja auf den Geist wie auf das Gemüth. Sich von der guten Presse gänzlich zurückziehen, heißt nichts Anderes, als sich vieler heilsamen Erfahrungen, vieler Belehrungen Anderer und Erbauung durch Andere berauben. Wer aber weiß, wie sehr dem Menschen die geistige Anregung Noth thut, der wird sich davon nickt zurückziehen, vielmehr dafür thun, waS ihm irgend möglich ist. Also: sowohl an Kenntnissen und Erfahrungen wird ein solcher Mitwirkender reicher, als auch reicher an innerem Leben. 3) Auch die formelle Bildung der Mitarbeiter an solchen Blättern wird durch die Mitwirkung befördert. Durch fortgesetztes Arbeiten erwirbt sich der Mitarbeiter allmälig eine solche Gewandtheit und Leichtigkeit der Darstellung und eine solche Genauigkeit und Schönheit des Ausdrucks, eine solche Umsicht und Sicherheit deS Entwurfs, daß man kaum weiß, wer hiebe! mehr gewinnt: der Verfasser solcher Aufsätze oder der Leser, für den er schreibt. 4) Ist der Mitarbeiter ein Geistlicher, so stiftet er, man kann sagen, einen doppelten Nutzen. Nicht nur für die katholische Lesewelt im Allgemeinen schreibt er; er kann seine Aufsätze über wichtige Zeitfragen u. s. w. auch sehr gut in seiner eigenen Pfarrei gebrauchen, indem er sie dem Einen oder Andern, dem damit ein Dienst zu leisten wäre, zum Lesen zukommen läßt. Beiläufig bemerkt, wirkt eine solche indirecte Belehrung bei Manchen nachhaltiger, als eine mündliche Unterredung, die nur gar zu leicht auf Nebenwege geleitet oder in Persönlichkeiten verstrickt wird. 5) Durch ein reges Zusammenwirken aller tüchtigen Kräfte in der Kirche erhalten wir nach und nach einen ganzen Reichthum guter Lectüre jeglicher Art, und die nachfolgende Generation wird sich dieses ScgenS noch zu erfreuen haben, nachdem bereits die Zeitgenossen der Verfasser einen wesentlichen Nutzen daraus gezogen haben. Die Beispiele sind nicht selten, wo ein in seinem Glauben wankend gewordener Katholik durch einen guten Aufsatz oder ein gutes Buch wiederum im Glauben befestigt ober ein der Kirche schon ziemlich fernstehender derselben wieder gewonnen wurde. Gottes Geist wirket, wo und wann er will, und so knüpft Er auch oft an solche Arbeiten einen unendlich reichen Segen für das Seelenheil Anderer. Mithin liegt hierin eine mächtige Aufforderung, seine Mußestunden zum Heil der Mitbrüder hinsichtlich des angegebenen Zweckes wohl zu benutzen. 6) Werden also die guten Blätter und Zeitschriften reichlicher unterstützt, so werden sie auch nützlicher und angenehmer und erwerben sich immer größere Leserkreise. Ist dieß der Fall, so wird auch eine solche Redaction in Stand gesetzt, Honorare zu geben, die der Verfasser zu seinem und Anderer Nutzen sehr wohl gebrauchen kann. ' Es gibt ja der UnlerstützungSzwecke so viele; sollte man denn nicht auch dahin wirken, daß die Erwerbsquellen der Unterstützungsmittel vermehrt würden? DaS möchte wohl Niemand verneinen. Während eines JahreS könnte Einer bei Benutzung einiger Mußestunden, also ohne daß sein Amt oder seine Gesundheit darunter litte, mehr erwerben, als eS aus den ersten Hinblick den Anschein haben möchte. Die Redactionen der jetzt bestehenden katholischen Blätter können in der Regel, weil ihr Unternehmen eben nicht genugsam gefördert wird, gar keine oder nur sehr geringe Honorare auswerfen. Ueberblickt man die so eben aufgeführten sechs Puncte, so liegt der zu erzielende Nutzen so klar am Tage, daß hoffentlich zu einer fernern Ausrede nach Art der im Anfang angedeuteten kein Weg mehr übrig bleibt. Wir kehren nun zu unserm engeren Thema zurück und stellen die Puncte auf, nach welchen die bestehenden religiösen Blätter gefördert werden können und sollen. Die Förderung solcher Blätter zerfällt naturgemäß in zwei Abtheilungen: in die Mitarbeiterschaft und in die Verbreitung deS Blattes, dem man seine Kräfte widmet. Zunächst also von der Mitarbeiterschast. Um Stoff zum Mitarbeiten an religiösen Blättern zu gewinnen, beachte man folgende Puncte: 123 1) Man lege sich einzelne Blätter zurecht oder mache sich geradezu ein Notizcnbüchlein, in welches man die guten und praktischen Gedanken, die Einem manchmal beim Studium oder beim Gebete oder auf einsamen Spaziergänger! oder in schlaflosen Nächten mit besonderer Klarheit vor den! Geist hintrclcn, aufzeichnet. Werden diese Gedanken auf diese Weise fest-! gehalten, so erhält man in kurzer Zeit ein Material, auS welchem sick/ ohne Mühe ein recht brauchbarer Aufsatz oder eine sehr gute Erzählung! ,i. s. w. ausarbeiten läßt. Man braucht auch oft nicht einmal ganzes Gedanken zu Papier zu bringen; wenn man nur gewisse Themata aufschreibt! und sie eine Zeit lang zum Gegenstände besonderen Nachdenkens macht, ^ wird sich ein erwünschtes Ergebniß finden. Der Verfasser des „Kalenders! für Zeit und Ewigkeit" hat dieß Verfahren schon seit langer Zeit einge-^ halten und sehr großen Nutzen darin gesunden. ! 2) Man halte sich noch ein zweites Heft, in welches man sich aller«! lei Notizen auS Zeitungen und Büchern verzeichnet. Die Erfahrung lehrt,! daß solche Notizen von großem Werthe sind, indem sich oft ganz uner-! warrct eine Gelegenheit zeigt, diese oder jene Notiz mit Erfolg anzuwenden. Besonders sollte den Erscheinungen und Zuständen der Zeit eine recht genaue Aufmerksamkeit gewidmet werden, da sie für den Aufbau einer bessern Zukunft von der größten Wichtigkeit sind und der so nützliche Ueber- blick über einen dahingeschwundenen Zeitabschnitt nur dann gewonnen werden kann, wenn man aus dem Strudel dcS AlllagstreibenS die hervor-! ragenden Momente sammelt und mit Hilfe der Wtedervergegcnwärtigung seiner eigenen Beobachtungen in ein Bild zusammenstellt. Beim Tote des berühmten Geschichtschreibers Johann von Müller fand man in dessen Nachlaß eine ungeheuere Menge derartiger Notizen und Ercerpte vor, so daß man darüber staunen mußte, wie eö diesem Manne möglich geworden war, solchen Fleiß auf so viele Gegenstände zu verwenden. Wie sehr sie ihm zu Statten kamen, wie sehr sie ihm zur Beherrschung seines Stoffes verhal- fen, zeigt ein Blick in seine geistreichen Werke. 3) Wer Gelegenheit hat, in einer Buchhandlung regelmäßig jede Woche die ncuankommenden Erzeugnisse der Literatur durchzumustern, sollte dieß ja nicht versäumen; andernfalls sollte er sich wenigstens daS Wichtigste aus seinem Fache stets zur Einsicht kommen lassen. Eine solche fortwährende Beobachtung der Literatur führt unS nicht nur manches gute Buch jn die Hände, dessen Gebrauch uns fortan von größtem Nutzen wird; sie gibt uns auch ein Bild von den literarischen Bestrebungen unserer Zeit, eine Würdigung der neuesten Leistungen und gewährt viel Lehrreiches und Anregendes. 4 Ferner ist eS nothwendig, daß man sich einige inländische gute Zeitschriften unv Blätter hatte. Wären sie für Einen allein zu kostspielig, so findet man leicht zwei oder drei Gleichgesinnte, welche sich an dem Abonnement betheiligen. Durch daS fortgesetzte Lesen solcher Zeitschriften erwirbt man manchen guten Stoff zu eigenen Arbeiten, sey eö, daß man unvollständig Geliefertes vervollständigt, oder Unrichtiges berichtigt, oder sey eS, daß man Beiträge unv Ausschlüsse über manche der dort behandelten Materien zu geben sich veranlaßt findet. Jedenfalls ist die geistige Anregung,! die man daraus schöpft, hoch anzuschlagen. I 5) Da ausländische Schriften und Blätter, z. B. französische, oft! sehr guten Stoff enthalten, so sollre man auch auf solche sein Augenmerk! richten. Beim Ucbersetzcn solcher Aussätze hat man sich aber besonders zu! hüten (und dieß gilt namentlich den Anfängern), daß man sich nicht allzu! ängstlich an das Original halte. Ich will damit nicht sagen, daß man, seine eigene Phantasie ganz rücksichtslos hinzutreten lassen solle; ich meine vielmehr, man solle da, wo es darauf ankommt, getreu zu übersetzen,! unbeschadet deS deutschen Styls, der immer seine Rechte fordert, eS thun/ aber Reflexionen u. dgl., die den Kern des Aussatzes zu sehr mit Hülsen umgeben, entweder ganz weglassen oder doch durch ganz kurze Bemerkungen eigenen Nachdenkens ersetzen. So haben eS besonders die Franzosen rm Brauch, an einen an sich kurz zu behandelnden Gegenstand oft einen unendlichen Schwall geistreich scheinender Bemerkungen anzuschließen. Wi/ geistreich solche Zugabe aber auch oft erscheinen möge, sie behält, wenn sie ins Deutsche übertragen wird, von ihrem scheinbaren Zauber wenig! mehr übrig, weßhaib man so Etwas besser wegläßt und — was ich als Grundsatz aufstelle — das Original eher bearbeitet, als übersetzt. 6) Auch im Gespräche mir Freunden über diesen oder jenen wichtigen Gegcnlland erlangt man oft einen guten Stoss. Ein solches Gespräch kann nicht selten als Vorarbeit für die zu liefernde Arbeit gelten. Man muß nur nicht versäumen, sich nachher die Sache, wenigstens flüchtig, auf'S Papier zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Reifebilder. III. S ch'w « i z. Ein kirchliches Reisebild von der Schweiz zu entwerfen, hat seine Schwierigkeiten; denn Conlrastc sind ein Scaudal in einem Bilde, und an Conlrasten ist kein Land so reich als die Schweiz. UebrigenS will ich einen Versuch wagen. Ich habe drei Classen von Menschen hier getroffen: Ultraradicale, Sonderbündler, und solche, die zwischen beiden in der Mitte stehen, ich will sie Gemäßigte nennen. Sie werden uns als Staffage welker unten im Bilde begegnen. Jn einem äußerst romantischen Thale liegt die Stadt Basel. Eine Brücke über den Rhein, der mir nirgends so schön blau dünkte, als hier, verbindet die alte Stadt mit der neuen. Auf einer Anböhe steht das Uni- versitätSgebäudc, daS aber in seinem Innern sehr elendig aussieht — kein würdiges Asyl der Wissenschaft. ES that mir leid, daß eben keine theologischen Professoren lasen, Hagenbach und de Wette hätten mich sonst in- leressirt. Die Neugierde führte mich in daö städtische RathhauS hinein, wo ich mit einem höher gestellten Beamten zu sprechen kam, der zu meiner Freude und Verwunderung voll deS LobeS über Radctzky, und deS Tadels über daS Benehmen WienS war. DaS that einem österreichischen Herzen wohl im August dcS Jahres 1848, und doppelt wohl gegenüber einem republikanischen^Schweizer. Der alte Dom, in welchem einst die Vater des Concils zu Basel versammelt waren, und der revolutionären Reform, die endlich doch erfolgte, vorzubeugen suchten, ist gegenwärtig eine refor- mirtc Kirche, und um sie kurz zu beschreiben, ein Modell, wie eine Kirche nicht beschaffen seyn soll. Es wird einem zwischen den kahlen Wänden und den überfüllten schmutzigen Bänken bange, und man begreift, wie die Protestanten und Reformirlen so sehr der Naluranbetung daS Wort sprechen können. Jn der Natur ist daö Siegel der Allmacht abgedrückt, man fühlt die Nähe der Gottheit/diese reformirten Tempel aber sind eine Ironie auf ein Gotteshaus, eS sieht hier, und überhaupt in allen reformirten Kirchen auS, wie einst Professor Hefele bemerkte, als ob Mohamed Kirchen- revue gehalten hätte. Ein Besuch in der MissionSanstalt war lohnend. Solche Anstalten zeigen von einem rührigen Leben, und ich grüßte mit Achtung die jungen Leute, welche sich hier durch Studium vorbereiten, um einst fern von der Heimat vielleicht wilden Völkern daS Evangelium zu verkünden. Ich dachte unwillkürlich an die Propaganda zu Rom, die freilich viel großartiger dasteht, und jedenfalls das Vorbild für alle derlei Anstalten geworden ist. DaS Wort deS protestantischen Erlanger-ProfessorS: „Wir arbeiten alle für Einen großen Zweck," fiel mir hier wieder ein, aber — eS befriedigte nicht mein katholisches Herz. „Ein Hirt und Eine Heerde" — wann wird diese frohe Verheißung sich erfüllen?? Der freundliche Nector führte unS in den Garten zu einem auS Ostindien zurückgekehrten Missionär, der eben in einem Buche las, und sehr kränklich aussah — ich fühlte mich durch seine Ansprache geehrt. DaS kleine Museum ist in seinem ersten Entstehen, und bereichert sich von den Sendungen, welche hier gebildete Missionäre dann und wann an die Mutteraustalt gelangen lassen. An nett gebauten Villen und schmucken Gartenaulagen vorüber führt der Weg in die sogenannte Basellandschaft. Im Angesicht«: der prächtigen Landhäuser vergißt man, daß man im Lande deS CommuniSmuS ist; sogar bordirte Kutscher und Lakaien kommen einem auf dem Boden der Gleichheit entgegen! Ein näherer Fußsteig führte unS in die Nähe von Muttens, wo eben „daS Heil Deutschlands" rcsicirte, Hccker benamset. Wir waren kaum eine Viertelstunde davon entfernt, und dachten lebhaft an einen jungen Mann aus Baden, der längere Zeit auf der Eisenbahn unser Reisegefährte war, und sich einen Freund HcckerS nannte, den er zu besuchen Willens war. Sie mochten wohl eben in dem romantischen Schlosse daS republikanische Heil Deutschlands berathen haben. Prosit! Der junge Mann hatte Charakter und einen kräftigen Verstand, er war für Hecker begeistert, unv daß die Republik sein Ideal sey, verschwieg er keineswegs. Wenn derlei Gesinnte im Badischen viele sind, so läßt sich der hartnäckige Kampf, den daS Land gegenwärtig den ReichStruppen gegenüber aufgenommen hat, leicht begreifen. ES ist ein Kampf der Ueberzeugung, ein Kampf der Begeisterung für eine, wenn auch krankhafte Idee, ein Kampf der erbittertsten Leidenschaft, und darum auch mit dem zu hoffenden Siege der ReichStruppen bei weitem noch nicht ausgekämpft. Doch wir sind in der Schweiz, und wen, gerade um Kämpfe zu thun ist, der kann etwas an der Emmen brücke halten lassen, und sich die physische und moralische Niederlage der Radikalen im ersten Sonder- bundSkriege inS Gedächtniß rufen. ES mag ein harter Strauß gewesen seyn, denn daS Terrain war für beide Theile ein schwieriges. Gleichsam als wollte unS der Himmel im Vorhinein mit der dumpfen, trüben, niedergeschlagenen Stimmung der Sonderbunvökantone bekannt machen, so um- 124 florte sich immer mehr daS Firmament, und schwerfällige Wolken lagerten sich ringsum auf den Bergen, und unter kaltem GebirgSregen hielten wir unsern Einzug in Luzern. Luzern hat nicht den freundlichen Anstrich anderer Schweizerstadte, mag seyn, daß die alten FestungSmauern etwas Eintrag thun. Ich hielt noch Abends eine kleine Rundschau um die Stadt, die viele katholische Kirchen zählt. DaS Jesuitengymnasium und deren großartige Kirche ragen wie ein Fragezeichen in die Luft, als wollten sie mit einem Publicisten der Neuzeit sprechen: „Ein freies Land, wo man die Wahrheit knechtet!" Gar schön ist die ehemalige Chorherren-Kirche gelegen, die auf einem die Stadt und den See beherrschenden Hügel sich erhebt, umgeben von den Gräbern und Denkmälern vieler Jahrhunderte. Ich habe noch keinen poetischeren Friedhof gesehen. ES war bereits finster, als ich müde ins Hotel zurückkehrte, daS am Vierwaldstädtersee gelegen war. Ich starrte lange in die finstere Nacht hinaus, die nur zeitweilig von dem fahlen Monden- lichte erhellt ward und dann gespensterhafte Umrisse von Bergen und Wol. kcn schauen ließ. ES war so ruhig, daß ich Stundenweit daS Plätschern eines Dampfbootes wahrnahm, daS endlich auch dicht unter meinen Fenstern landete. Die Morgenstunden deS andern TageS benützte ich zu einem Besuche der Capucinerkirche, die in idyllischer Einsamkeit auf einem Berge gelegen ist, und feierte dort meinen Geburtstag. Die Patres sprachen deutsch und französisch, und sind sehr ehrwürdig. Die Klosterbibliothek ist gut geordnet, und scheint auch viel benützt zu werden, wenigstens war der Pater, der mich begleitete, in älterer und neuerer Literatur ziemlich bewandert. AIS ich den Rückweg antrat, hatten sich indessen die Nebel gehoben, der Regen hatte aufgehört und einige Strahlen der Sonne stahlen sich schüchtern hervor auS dem weißgrancn Gewölle. ES begegneten mir viele Kirchengeher, denn eS war ein Aposteltag, den gute Katholiken immer für einen halben Festtag halten. Darum waren auch die Kirchen voll und die Altäre festlich beleuchtet. Wenn man die Leerheit deS protestantischen Gottesdienstes einmal mitgemacht hat, so weiß man die Erhabenheit und Tiefe deS katholischen CultuS doppelt zu schätzen. Dieß fühlte ich besonders hier. Da eben ein großes Schützenfest abgehalten wurde, so lenkte ich meine Schritte zur Schießstätte, wo Gäste auS den meisten Kantonen versammelt waren. ES ist wahr, die Schweizerschützen verstehen daS Schwarze zu treffen, es war eine Freude ibnen zuzusehen. Es ward auch viel gejauchzt unv gejubelt, aber mir wollte eS nicht ganz natürlich und herzlich vorkommen, denn ich sah auch sehr ernste Gesichter. Und in der That, ist eS zu vermuthen, daß die durch Uebermacht bezwungenen Kantone so schnell all die Opfer, die sie an Blut und Gelb bringen mußten, vergessen, und wonnetrunken ihre schlachtcnmüden Hände in die bluttriefenden der brüderlichen Eidgenossen legen werden? Mag man auch hunvert- mal auf Fahnen und Scheiben die Worte: „Einigkeit und Bruderliebe" schreiben, so leben sie deßhalb noch nicht im Herzen. „Die Schweizernation hat seit einem Jahre schrecklich gealtert," schrieb im vorigen Sommer die allgemeine Zeitung. Ja wohl sie hat gealtert. Die alte Offenheit und Ehrlichkeit der Schweizer, die bisher sprichwörtlich gewesen, wird nun bald zur Ironie herabsinkcn, denn nichts entehrt eine Nation mehr als Meuchelmord und Ungerechtigkeit, ausgeübt unter dem Deckmantel der Freiheit. Die Wunde deS letzten KriegcS klafft noch weit, und harret der Bernarbung. Wo sich der Kampf aufs religiöse Feld hinüberspielt, da frißt er sich ein inS innerste Lebensmark, und erbt sich fort von Geschlecht zu Geschlecht. Leidet ja auch Deutschland jetzt noch an den Nachweisen einer doch Jahrhunderte schon sich durchwagenden religiösen Entzweiung. (Schluß folgt.) P i u s v e r e i n e. ! Köln, 23. Juli. AuS Veranlassung der Anwesenheit deS Herrn Hofrath Büß fand heute Abend eine außerordentliche Generalversammlung deS PiusvereinS statt, deren recht zahlreicher Besuch wiederum lebendiges ^ Zeugniß ablegte von der regen Betheiligung unserer Bevölkerung an der! großen Aufgabe, welche diese Vereine sich gestellt haben. Von der gegen-! wärtig so unglücklichen Lage deS deutschen Vaterlandes ausgehend, sagte ^ Herr Büß, die Hoffnungen, die man auf die Versammlung in der Pauls«! kirchc in so hohem Maaße gesetzt, seyen zwar allerorts bedeutend geschwächt,! ja fast ganz vernichtet; man solle aber nicht daran verzweifeln, sie endlich! doch noch in Erfüllung gehen zu sehen. Er sey der letzte gewesen, der die, Paulskirche verlassen, er glaube, daß die 150, welche von der Frankfurter! Versammlung der deutschen Sache treu geblieben, einzig berechtigt seyen,! daß eine neue ReichSversammlung zusammentreten und das begonnene Werk! vollenden werde; er hoffe auf die Gerechtigkeit Gottes, die eS nicht zulassen werde, daß eine Erhebung des Volkes, die so viel Blut gekostet, so viel edle und große Geister verschlungen habe, ohne Erfolg bleibe. WaS jetzt noch unmöglich sey, werde später kommen, eine Einheitsregierung müsse eintreten. Das abgewichene Jahr sey ein sehr aufgeregtes gewesen; auf die ungeheure Anspannung müsse eine Abspannung und Erschlaffung folgen.. Diese sey aber, wie bei der Nation, so leider auch bei den katholischen Vereinen, bei einigen wenigstens, eingetreten. Gründe dafür seyen zuerst die allzuraschen Hoffnungen, die man bei Gründung der Vereine gehegt, die aber bis jetzt nicht zur Verwirklichung gekommen, dann Spaltungen in den Vereinen selbst, namentlich in Betreff der Bethätigung an der Politik. Der Redner geht nun über auf den bekannten Beschluß deS VorortS der katholischen Vereine Deutschlands zu BrcSlau, den er beklagen müsse, 1. weil er auf falschem Grunde beruhe, und 2. wegen der Form einer Rüge, wozu der Vorort nicht berechtigt gewesen sey. Eben so unverzeihlich sey die Publication desselben durch eine kirchen- feindliche Zeitung. Wolle man die PinSvereine von aller Bethätigung bei der Politik ausschließen, so müßten sie unausbleiblich untergehen. ES sey Ließ aber nur ein bloßer Wortstreit, da stets der gesunde Sinn der VereinSmitglieder das rechte Maaß finden und nur solche politische TageSfragen behandeln werde, welche mit den Zwecken deS VereinS in Verbindung ständen, die Zweckmäßigkeit werde entscheiden. Herr Hofrath Büß kam nun auf das vielbesprochene Antwortschreiben deS heiligen VatcrS; die Ermahnung, von jeder Luspicio motu8 eivilis sich fern zu halten, stehe im genauesten Zusammenhange mit der in seinem Anschreiben enthaltenen Klage über den Aufruhr in Rom und sey nur hervorgerufen durch die Besorgniß deS heiligen Vaters, daß auch in Deutschland gleiche Unruhen entstehen möchten, und der Vorort habe daS Schreiben daher durchaus unrichtig aufgefaßt. Auf die PiuSvereine zurückkommend, beklagte Herr Büß nochmals, daß die Pflege derselben unmöglich sey, wenn alle politische Betheiligung ausgeschlossen würde: daS haben im Gegensatz zu den Pfälzischen, welche sogar mit eigenen Opfern für die gesetzlichen Gewalten in die Schranken getreten seyen, die badischen Vereine bewiesen, indem dort eben wegen der Nichttheilnahme der Vereine an der Regelung der politischen Bewegung die Revolution und Anarchie zur hellen Flamme emporgeschlagen sey. DaS Hauptunglück bestehe nur darin, daß zu viel gesprochen, aber zu wenig gehandelt werde; auf letzteres sey aber viel zu halten, es rufe die Nachahmung hervor, welche so wie Lehre die oberen, die unteren Schichten bessern müsse. Die Frage wegen einer rein- katholischen Universität fand darauf nochmals eine warme Vertheidigung. Herr Büß theilte mit, in Belgien eine solche besucht und die wissenschaftlichen Leistungen derselben höchst befriedigend gefunden zu haben; ausgezeichnet seyen die mit allen Vorlesungen verbundenen praktischen Anwendungen auf die Zeit. Ohne die freie Bewegung wie in Deutschland, sey sie auch frei von den deutschen Auswüchsen. Er werde den Antrag bei der Würzburger Versammlung sofort verfolgen. Auch die Mittel seyen leicht zu beschaffen: eine Auflage von 1 Kr. jährlich auf 20,000,000 bringe 300,000 Gulden, die capitalifirt für den Anfang schon genügen würden. Vorzugsweise aber müßten die katholischen Vereine bei dieser wichtigen Angelegenheit sich betheiligen, denen er die heilige Sache deßhalb nochmals dringend an'S Herz lege, znr allseitigen Besprechung und Geldsammlung. Wie eine solche Universität, die Alles auf Religion gründe, heilsam bessernd auf die oberen Schichten der Gesellschaft wirke, so seyen auf dem Lande die Schulbrüder, wie er sie in Belgien ebenfalls gesehen, leicht einführbar, um die untern Schichten zu belehren. Außerdem müsse die Presse fleißig wirken, und auS dem Grunde unterstützt statt gehemmt werden. Während die gute katholische Presse, am Rhein zumal, hart um ihre Existenz zrr ringen habe, bezahle und unterstütze man die schlechte kirchenfeindliche. DaS müsse aufhören, die katholischen Blätter müßten so viel als mö^ich unterstützt und gehoben werden. Dafür, daß daS Beispiel, waS die . ch- ahmung anrege, auf die unteren Schichten wirken müsse, führte Herr Büß wiederum aus Belgien an, Laß in Lüttich z. B. durch Bemühungen der Rckemptoriftcn unter den Waffenschmieden eine Bruderschaft gestiftet sey, durch deren segensreichen Einfluß dieß sonst so unbändige Volk ganz gesittet worden. Früher an der Spitze der Revolutionen, seyen sie nunmehr der beste Schirm gegen dieselben. Auch wir müßten die Arbeiter durch Beispiel heranziehen; daS sey der edelste Stoff für die Thätigkeit der katholischen Vereine, der auch nach der politischen Bewegung fortdauere. Herr Büß, dessen Vertrag die gespannteste Aufmerksamkeit unv den lebhaftesten Beifall der Versammlung fand, schloß nun mit dem Wunsche, die Vereine möchten nimmermehr verzweifeln und auch in ruhigen Zeiten in ihrer Thätigkeit nicht erschlaffen. (Rheinische Volkshalle.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F, C. Kremer.