Vierteljähriger Abc»r- ncmciilsprcis im Be- ' reiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzcilung werden Bcstclluchgen angenommen. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blatter bezogen wer« den. Der Preis bclrägt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich l st. 20 kr. Munter Jahrgang. M A2. LS August L84S. Entscheidung des heiligen Vaters über die Diöcesan- synoden. Auf die Anzeige von der Versammlung der deutschen Bischöfe in Würzburg ist auS Gaöta vom 17. Mai eine Antwort des heiligen VaterS erfolgt: Wie zu erwarten stand, spricht sich der heil. Vater sehr befriedigt über diese Versammlung (welche er co-reentuL //e>'brzioken§r'»' nennt) aus und legt die Ursache der so lange verzögerten Erwiderung darin, Laß er den versprochenen ausführlicheren Bericht über diese Versammlung erst habe abwarten wollen. Da dieser aber annoch nicht angelangt sey, so habe er die Antwort nicht länger hinausschieben wollen. „Nicht geringe Freude," so lautet daS Breve weiter, „habe sein Herz empfunden, da in jenem Schreiben (von der Abhaltung der Versammlung) wundervoll hervorleuchte der versammelten Bischöfe vortrefflicher Glaube und ihre Ergebenheit und Anhänglichkeit an die römische Kirche und an die Person des Nachfolgers Petri. Mit derselben Freude habe er sich von der aus den Verhandlungen her- vorgehenden großen Sorgfalt und BcrufStreue überzeugt, womit die bischöfliche Versammlung Rath gepflogen, waS in so argen und bewegten Zeit- verhältnissen für das Wohl der Gläubigen zu thun sey." Darauf geht der heilige Vater auf einzelne der gefaßten Beschlüsse ein. WaS in dem besagten Breve indessen von besonderer Wichtigkeit und von großem Interesse kür uns ist, daS ist die Erklärung des hl. VaterS bezüglich der Abhaltung der Diöcesansynoden, welche der Bischofstag zu Würzburg beschlossen hatte. Der heil. Vater äußert sich darüber folgenvermaaßen: „Die Zeilumstände seyen in manchen Diöcesen der Art, daß man allerdings fürchten müsse, die Berufung von Diöcesansynoden könne nicht ohne Gefahr statt haben. Vor- dersamft sey es ja den Bischöfen nicht unbekannt, Laß einige Geistliche in diesen bewegten Zeiten auS Neuerungssucht und um die bischöfliche Gewalt zu verkürzen, die Kirchenzucht zu untergraben und eine ungebundene Lebensweise für sich zu gewinnen, auf daö allerheftigste nach Diöcesansynoden verlangten, wodurch dann verderblichen Lehren Eingang verschafft, Entzweiungen hervorgerufen oder der Kirche verderbenbringende Neuerungen eingeführt und begünstigt werden sollten. Auch sey es eben so wenig unbekannt, daß eS in Deutschland nicht an Geistlichen fehle, welche, einer verderblichen und vom apostolischen Stuhle verdammten Lehrmeinung zugethan, auf den Diöcesansynoden sich eine entscheidende Stimme zuzuschreiben die Anmaaßung hätten, und welche diese Synoden längst nur in der Absicht wünschten, damit sie, nach Unterdrückung der dem eigenen Bischof zustehenden oberhirtlichen Gewalt, um so leichter sich die Wege dahin anbahnen und befestigen könnten, um die Rechte der kirchlichen Hierarchie zu vernichten, daö Gesetz des priesterlichen CölibatS aufzuheben, und um noch andere Dinge durchzusetzen, welche den heiligsten Grundsätzen der katholischen Religion und den Vorschriften der Kirchengesetze auf daS ärgerlichste widerstreiten. Der apostolische Stuhl habe es deßhalb nicht unterlassen, diesem verkehrten Treiben mit aller Sorgfalt entgegenzutreten, und darum an einzelne Bischöfe auch schon Zuschriften erlassen. Bei so gestalteter Sachlage erachteten eS Se. Heiligkeit für weit zweckmäßiger und heilsamer, daß die Erzbischöfe zuerst Pro- vincialjynodcn abhielten und mit den übrigen Bischöfen Rath pflegten und das festsetzten, waS sie zur Erhaltung der katholischen Religion und der Kirchenzucht, so wie zur Förderung des geistigen Wohles der Völker und der Diöcese, im Herrn mehr vortheilhaft finden möchten. ES würde Sr. Heiligkeit in der That sehr erfreulich seyn, die Verhandlungen solcher Provincialsynoden einzusehen, um alle Sorge und Macht darauf verwenden zu können, daß der Bischöfe Bemühungen und Beschlußnahme zur größern Ehre Gottes und zur Zierde und Wohlfahrt der betreffenden Kirchen und zum Heile der Seelen gereichen. Darnach aber würden Diöcesansynoden in weit nützlicherer Weise berufen werden können, indem jeder Bischof alsdann dasjenige mit seinem Klerus in Ausführung bringen könne, waS durch die Berathung mit den andern Bischöfen festgesetzt und durch daS Ansehen des apostolischen Stuhles bekräftigt worden sey." Kirchliche Reisebilber. (Schluß.) Die Sonne hatte viel zu streiten mit dem eigensinnigen Nebelmccre, und eS ließ sich nicht entscheiden, wer von beiden die Oberhand gewinnen würde. Wir zogen es deßhalb vor, längs den Ufern des Vierwaldstäeicr- sees, der mit ruhigem Stolze unS sein dunkles Grün hcraufwieS, den Weg nach Küßnacht einzuschlagen, um dem weltberühmten Rigi näher zu seyn. Allein bei der Unstättigkeit des Wetters wäre eS mehr als gewagt gewesen, die Expedition auf denselben zu unternehmen. Wir brachten- aüS Zcitersparniß daS Opfer, und entschlossen unS zu einer Wallfahrt nach Maria Einsiedeln. Durch die Tellschlucht und an der TellScapelle vorbei, führte unS der Weg in daS Gebiet des KantonS Zug hinüber. AIS ich auf dem Felsen stand, von dem, wie die Sage erzählt, Teil sein sicheres Geschoß auf Geßler gesendet, erinnerte ich mich an die Worte, die Tell gegen Ende der Schillcr'schen Dichtung ausruft: „Und die Schweiz ist frei." Ich versuchte einige Variationen über dieses Thema, aber eS wollte nicht gelingen, so disharmonisch klangen die Töne, ja zum vollen Miß-- skkorde schlugen sie um, und endigten mit der Molcadenz: „Und die Schweiz ist nicht frei." Die eigentliche Wallfahrt begann. Ein stark betretener Fußsteig e^l-aubt dem Fremdling ohne Führer die Expedition zu wagen. Durch ein anmuthigeS Thal hinauf schlängelt sich ver Pfad immer höher und höher, bald an lieblichen Baumgruppen, bald wieder an herabgerollten Felsen- trümmern vorüber, über Bächlein und stehende Wässer. Die Sonne stand nun im Zcnith, und sendete ihre heißen Strahlen auf unS herab. Je weiter wir gingen, desto mehr Leute begegneten unS, die alle, Heiterkeit auf dem Antlitze, mit dem schönen Gruße u»S grüßten: „Gelobt sey JesuS Christus!" Wir ließen unS mit den Meisten in ein kurzes Gespräch ein, und erfuhren, daß sie eben von Maria Einsiedeln zurückkehrten, wo eS heute, dem heiligen BariholomäuS zu Ehren, gar schön gewesen war. Alle gaben unS Grüße an die Mutter Gottes auf, und als wir ihnen dieselben getreulich zu entrichten versprachen, dankten sie doppelt freundlich, und einige sagten im Stillen zu einander: „DaS sind gewiß auch Sondcr-- bündler." AIS wir die höchste Spitze erklimmt hatten, sollten wir noch daS großartige Schauspiel eines Gewitters im Hochgebirge genießen. Schnell und unvermuthet war eS da. Wir saßen eben, etwas ausruhend, im Gasthause beisammen, als ferner Donner sich Vernehmen ließ. Als wir erstaunt zu den Fenstern eilten, sahen wir bereits in Sturmkolonnen die Wassermasse heranrücken mit einer Schnelligkeit, welche die deS Dampfe- weit übersteigt. Schon war die Hälfte des Rigi wie abgeschnitten, und auch von der gegenüberliegenden Bergstätte erhob sich ein langer Streifen des dichten WolkenkolosseS, der immer näher und näher rückte, bis endlich beide den Hintergrund deckten, und mit furchtbarem Gekrachc sich entluden. Groß ist der Herr und furchtbar, wenn er spricht im Rollen des Donner- und im Leuchten der Blitze! So schnell das Gewitter gekommen, so schnell war eS vorüber, und der Regenbogen, der die zwei riesigen Berge, die kurz vorher aufeinander so böse waren, friedlich umspannte, gab unS Muth und Zuversicht, daS Ziel unserer Wallfahrt noch heute zu erreichen. Die Luft war kühler geworden, und auch die Wege schlechter, um so fataler, als von nun an die Gegend immer öder pnd der Moorgrund immer weicher und schlüpfriger wurde. Auch der Tag begann sich bereits zu neigen, und wir waren noch einige Wegstunden vom Ziele. Allein so nahe dem Gnadenorte, verliert sich die Angst und Bangigkeit, und kräftig schritten wir fürbaß, so oft wir auch strauchelten aus dem mehr und mehr zum eigentlichen Bußwege sich gestaltenden Fußpfad. Es war finster, und fing zur Abwechslung wieder zu regnen an, kein HauS als Unterstand, keine Seele als Wegweiser zu erspähen, kaum daß man den Halbschimmer deS ausgetretenen Fußsteige- merkte. Doch gingS nochmal aufwärts, und auf 126 ein kahles Felsenplateau hinaus — und wir standen neben einem großen Bildniß des Gekreuzigten. Nun kann unser Reiseziel auch nicht mehr ferne seyn, dachte ich mir im Stillen, und richtig auS tiefer Tiefe glänzten Lichtlein herauf — eS war Maria Ei „siedeln. Wir vergaßen alle Beschwerde und Müdigkeit, und stimmten vor Freude, den Berg hinab- keuchend, einen lateinischen Psalter an. Es mochte zwischen 9 und 10 Uhr seyn, als wir an der Hauplfac.ade der Kirche standen. Weil wir sie noch offen fanden, traten wir ein, und brachten unsern ersten Gruß und die Grüße der Sonderbündler der „lieben Frau," unserer gemeinschaftlichen Mutter. ES macht einen erhebenden und beschämenden Eindruck, wenn man in so später Stunde bei dem einsam leuchtenden Lämpchen am „Gna- denaltare" noch einige fromme Seelen betend trifft. In aller Frühe waren Wir schon auf den Füßen, um unsere Andacht und dann am Gnadenaltare daS heilige Meßopfer zu verrichten. Wahrlich nicht um alle Schätze der Welt gäbe ich meinen katholischen Glauben hin, und wenn er mir gar nichts anderes lehrte, als die „Gemeinschaft der Heiligen." Der Katholik ist überall zu Hause, wo er einen katholischen Mitbruder trifft, und wenn auch fern von, Vaterland, ist er doch nahe den Seinen durch das Band heiliger Liebe, die am Altare ihren heiligsten Ausdruck findet. Welcher Trost liegt in der himmlischen Vereinigung der streitenden und triumphiren- den Kirche; welch innige Wonne und Seligkeit fühlt derjenige in sich, der «S versteht, in der rechten Weise die Mutter der Gnaden anzurufen! Und wer eö nicht versteht oder nicht verstehen will, der muß eS verstehen lernen, wenn er mit einem halbwegs christlichen Herzen die Schwelle eines durch Jahrhunderte geheiligten Gnadenortes betritt. ES wäre wirklich Jammerschade, wenn auch dieses Kloster, mit dessen Wirken die Bedeutung des OrteS steht und fällt, ein Opfer der radicalen Klosterplünderei werden sollte. Man scheint aber doch den Syn- derbündlern diesen Schmerz ersparen zu wollen, so wie eine mehr als radikale Blindheit und Verstocktheit dazu gehörte, um den guten Bestand der klösterlichen Schulen und den tief eingreifenden moralischen Einfluß deS Gnadenortes auf die weite Runde hin in Abrede zu stellen. Leider konnten wir, von der Zeit gedrängt, nicht länger verweilen, sondern mußten uns mit einer flüchtigen Ansicht des Stiftes und der Kirche begnügen. Die wenigen Patres, die ich sprach, fand ich ernst und gelehrt, die jungen Seminaristen heiter und offen. Ich verließ das keineswegs romantisch gelegene Maria Einsiedeln fn den Vormittagsstunden, um noch zu rechter Zeit in Rapperöwyl einzutreffen, und von da auS mit dem Dampfschiffe über den Zürichersee nach Zürich zu fahren. Ich mußte längere Zeit auf den eben herübersteuernden Dampfer warten, und hatte indeß Muße, die niedlichen Ufer zu betrachten. Macht der Vierwaldstädtersee einen schauerlich imposanten Eindruck ob der Bergklötze, die ihn umschließen, so ist der Zürichersee gerade daS Gegentheil. Nichts zu sehen von hohen Gipfeln und Gletschern, sanfte Hügel sind eS, die, geschmückt mit den herrlichsten Landhäusern und romantischen Ortschaften, ihn umsäumen — eine heilige Ruhe schwebt über demselben. Doch diese Ruhe sollte bald gestört werden. Wir mochten etwa anderthalb Stunden gefahren seyn, als ein heftiger Orkan sich erhob, der dichte Regentropfen und Schloffen mit Gewalt auf uns herabwarf. Es war nicht möglich am Verdecke zu bleiben, denn der Sturm ward immer wüthender, und die Räder des Dampfers hatten vollauf zu thun, um dem bedeutenden Schwanken des Schiffes Gegenhalt zu dielen, denn man sah es, wie die Wellen vom Ufer her sich einen gewaltigen Anlauf nahmen, und sich dann immer mehr sammelten, verstärkten und thürmten, und mit zorniger Wuth den schäumenden Gischt auf uns loswälzten. Zum Glück ließ der Orkan bald nach, und wir hatten nur wenig noch mit den brummenden und murrenden Wogen zu thun, ja der Seesturm hatte unS zu dem schönsten Weiter verholfcn, denn unter mildem Sonnenschein stiegen wir in Zürich anS Land. Zürich ist nach Bern der Hauptstapclplatz deö RadicaliSmus, oder mit einem Journale zu sprechen: „Der classische Boden, auf welchem die Trostlosigkeitsphilosophen den babylonischen Thurm der Völkerverwirrung aufbauen wollen, — das neutrale Gebiet, auf welchem Jung-Europa seine Tagsatzung hält, und den FelvzugSplan zur bürgerlichen und häuslichen Umwälzung Europa'S entwirft." Die Berufung des Christusläugners Strauß alö UniversttätSprofeffor dürfte wohl ein richtiger Barometer der Gesinnung dieser Stadt seyn. Wenn man übrigens nicht aus mannigfachen Schilderungen un^ den wuthschnaubenden ZeitungS- und Lügenblät- lern, die hier erscheinen, darauf aufmerksam gemacht würde, so möchte man schwören, daß hier lauter EngelSkinder beisammen lebten, so friedlich, einschmeichelnd, wahrhaft himmlisch ist hier die Natur. Mir hat nicht bald eine Stadt mit ihren Umgebungen so viele Vorliebe abgejagt, wie diese; und daö will viel sagen, da ich mit dem RadicaliSmuS keineswegs Bruderschaft zu trinken gesonnen bin. Aber so sind die Kontraste des Lebens! Mich wundert eS gar nicht, wenn die Pantheismen in dem All der Züricherumgegend die Gottheit entdecken und dafür schwärmen; ob sie sie aber auch in dem All der moorsumpfigen Maria Einsiedlerumgebung entdecken würden, zweifle ich, ich glaube schon deßhalb nicht, weil eS sondcr- bündliches All ist!! — Einen würdigen Beitrag für republicanischc Freiheit und evangelische Toleranz liefert der Umstand, daß in Zürich, wie mir als gewiß versichert ward, Niemand LaS Bürgerrecht erlangen kann, wenn er nicht der reformirlen Konfession angehört. Katholiken uno Lutheraner müssen Zwinglianer werden, wenn sie ein bürgerliches Gewerbe antreten wollen. ES klingt räthselhaft — aber eS ist wahr. *) Der Himmel bewahre uns vor einer solchen Freiheit und republicanischen Seligkeit! Eine ähnliche Schmach kann man, glaube ich, keinem absolutischen Staate deS 19tcn Jahrhunderts nachsagen, sie erinnert an die Sclavenemancipation. Weil ich aber eben von kirchlicher Toleranz spreche, so kann ich eine Scene nicht verschweigen. Als wir einst im Postwagen saßen, fragte unter andern einer meiner Kollegen sein Vis-a-vis: „Haben Sie auch die schöne katholische Kirche in Zürich gesehen?" und lobte sie ob ihrer Reinlichkeit und harmonischen Bauart, wie sie eS auch wirklich verdient. DaS Vis-s-vis aber erwiderte: „Ich bin'Protestant, und besuche als solcher katholische Kirchen und katholischen Cultus nicht." Mir that diese Abtrumpfung weh, weil sie eine brutale Verhöhnung der Kunst ist, die gerade in den katholischen Kirchen sich unsterbliche Denkmäler gesetzt hat. Ich scheute mich nicht, wo immer ich hin kam protestantische Tempel !zu besuchen, und habe auch einige Male «katholischem Gottesdienste beigewohnt— und doch getraue ich mir zu sagen: Ich bin Katholik. Ueber !daS Capitel „Toleranz" ließe sich überhaupt manches noch beifügen, wobei !die Wagschaale aus der katholischen Seite sinken würde, obwohl in manschen Gegenden katholisch und intolerant für synonym gehalten werden. Der ! schweizerische RadicaliSmus ist ein ärgerer Großinquisitor, als daS weiland. Dominicanertribunal unter Torquemada in Spanien. ! Die Rückreise von Zürich führte mich wieder nördlich gegen die deutsche Gränze hinauf, zu meiner Linken, als treue Begleiter, die im Sonnenlichte glitzernden Gletscher deS Berner Kantons. Daß ich den Rhein- fall bei Schaffhausen in Augenschein nahm, ist natürlich, er sollte mir die theilweise trüben Eindrücke der Schweiz etwas verwischen. Sein Anblick ist kostbar und kostspielig. In Schaffhausen selber sprach ich mehrere Leute, die sich an ihren früheren Pfarrer und AntisteS Hurter noch recht !gut erinnern. Man glaubt eS kaum, daß in einem so ländlich gelegenen ! Gebirgsstädtchen ein so großartiges Qucllenwerk, wie „Jnnocenz III." ist, ^hat entstehen können. Ein Bruder deS katholischen Hurter ist noch gegen- wärtig Pastor in Schaffhausen. — Der Kutscher, der mich nach Konstanz herausführte, erzählte mir Einiges von Louis Napoleon, Präsidenten der französischen Republik, der hier am Rheine längere Zeit eine sehr anmuthige Villa bewohnte. Hätte ich mein drittes Reisebild nicht „Schweiz" getauft, so wüßte ich noch Manches von Konstanz zu erzählen. Es mag unterbleiben. Aber Morsch ach am Bodensee muß ich wenigstens nennen, weil es zum Kan- !ton St. Gallen gehört, und ich dort einen ungemein lieblichen SonnlagS- j Nachmittag verlebte. Wir benützten nämlich die paar Stunden, während welcher das Dampfschiff vor Anker lag, und bestiegen den nächsten Berg, Mo schon vom Ufer auS ein romantisch gelegenes LaubhauS unsere Augen ? gefesselt hatte. Wir sprachen in demselben zu, und ließen uns ein Abend- mal bereiten, was in dem kleinen von Katholiken bewohnten Häuschen !viel Freude und Rührigkeit hervorbrachte. Da überdieß noch einige Schulmänner am Tische saßen, die über dieß und jenes deliberirten, so hatte der simprovisirte Besuch noch etwas Lehrreiches. Wir trennten unS schwer von diesem niedlichen Häuschen, denn einen schöneren Punct kann eS wohl nicht leicht am Bodensee geben. Zu unseren Füßen lag das lebendige Rorschach mit dem rauchenden Dampfer, links erspähte das Auge die Thürme von Konstanz und die sich ineinanderschlingenden Schweizergebirge; gerade vor uns lag deutsches Gebiet mit der stolz in die See hereinragen- den Festung Lindau; rechts endlich winkten unS die heimatlichen Triften entgegen, und der GebhardSberg bei Bregenz im Vorarlberg glänzte gar lieblich in den letzten Strahlen der Abendsonne. Es war ein schöner Abend, als ich an der Walhalla vorüberfuhr, und daS erstemal den eigentlichen Boden Deutschlands betrat; es war ein schöner Abend, alö ich im Hafen zu Antwerpen die hundert und hundert Schiffe mit ihren kosenden Wipfeln sah; aber es war der schönste Abend meiner Reise, als ich nach andert- halbmonatlicher Abwesenheit wieder die heimatlichen Gefilde schaute, und die Gränze Oesterreichs, meines Vaterlandes, betrat. Mit diesem Eindrucke will ich auch meine Reise bilder schließen. Sie sind nicht strengen Kritikern zur Beurtheilung vorgelegt, und gehören ') Jetzt nicht mehr. 127 nicht in eine Kunstausstellung, wie ich sie allenfalls zu Straßburg, Basel unv München sah. Sie sollen einfache HauSbilder seyn, an denen sich so manches katholische Herz Erheiterung, und vielleicht Belehrung holen mag. Dieß und nicht mehr hatte ich im Sinne. A. Procession, die sich von ferne her dem Oelberge nahet, bilden mit den Gruppen der ruhenden Türken und wandernden Beduinen einen anmuthigen Gegensatz, und bringen in die hehre Stille der Umgebung die wohllautend Kerschbaumer. harmonischen Töne des jetzigen Menschenlebens lnnein. Treu nach der Natur und ergötzlich für das Auge sind da die Trachten, die Stellungen, ist die gcsammte Physiognomie der verschiedenen Nationalitäten aufgefaßt. ! Der Schreiber dieser kurzen Anzeige war selbst in Jerusalem; er ist Eure tvohlferle und bequem R sg A ) ^ ^ oft an der Stätte gestanden, von welcher Herr Halbreitcr sein Bild aus« Jerusalem. «nahm. Die Freude, welche ihm daS Anschauen von LöfflerS Rundgcmäldc Eine solche bietet sich in diesem Augenblick in München dar, und sie! gewährte, kam der Freude eines wirklichen Wiedersehens nahe; eines ist eS werth, daß sie nicht bloß von den Bewohnern unserer Stadt, son-! Wiedersehens jener Gegend, nach der ein Zug deS Heimwehes ohne Auf- dern von vielen andern näher und ferner wohnenden benutzt werde, welche! hören bei Tage wie im Traum der Nächte ihn hinführt, je in ihrem Leben einmal daS Verlangen fühlten, jene Stätte mit ihren, Herr Halbleiter veröffentlichte schon vor mehreren Jahren sechzig eigenen Augen zu schauen, der an hehrer Bedeutung keine andere auf Erden naturgetreue Ansichten aus Jerusalem und Syrien in vier lithographirtcn gleichkommt. Ein edler trefflicher Künstler aus unserer Mitte, Hr. Ulrich!Blättern; ansetzt bietet er den Freunden solcher Darstellungen einen nach Halbleiter, der vor fünf Jahren daS heilige Land besuchte, hat eS sich größerem Maaßstab ausgeführten meisterhaft gelungenen Kupferstich deS dort zur ganz besondern Aufgabe gemacht, Jerusalem und seine Umgegend eben beschriebenen Panorama'S dar, welcher von einem erläuternden Tert mit möglichster Treue aufzufassen und in einer Zeichnung darzustellen, in vier Sprachen begleitet um 5 fl. zu haben ist. Der Standpunct, von welchem aus er sein Bild aufnahm, war der vor- theilhafteste von allen: er wählte sich dazu den mittleren Gipfel des Oel- bergeS, den alten niedren Thurm bei der AuffahrtScapelle, von welchem man die ganze heilige Stadt und daS Land weit umher überblicken kann. Die Gewissenhaftigkeit, mit welcher er sein Werk ausführte, ging so weit, daß er nicht nur die einzelnen Gebäude der Stadt, sondern die Fenster dcrj vr. G. H. v. Schubert, Hofr. und Pros. in München. Winke zur Hebung der katholischen Presse. (Fortsetzung.) WaS die Ausarbeitung deS Stoffes und die Versendung der Aufsätze in Fronte anstehenden Häuser ihrer Stellung und Zahl nach, daß er jedei^E^ so dürfte dabei Folgendes zu beachten seyn: Zinne der Stadtmauer, jeden Baum und Felsenblock, jede AuSzackung deS ^ ^it kleinen Aufsätzen macht man am besten den Anfang, weil fernen Gebirges beachtete und nachbildete. ES war in der That eine Arbeit im Schweiß deS Angesichtes; denn so heiß auch die Strahlen der Sonne brannten, so stark ihr Glanz daS Auge blendete, durfte dennoch der eifrige Künstler aus Furcht vor den herumstreifenden Beduinen sich keines Schirmes bedienen; der Thurm, auf dem er stand, wurde nicht selten vom Sturmwind der Wüste so stark erschüttert, daß sein morsches Gemäuer schwankte. Aber daS Werk. durch sein treffliches Gelingen, zeigte sich auch der daran gewendeten Mühe werth; man darf sagen, ein solches treu bis inS kleinste ausgeführtes Bild von Jerusalem, ein solches Panorama deS merkwürdigsten Theiles von Palästina, vom Oelberge auS, ist kaum noch anderSwo zu finden. Dem Schattenrisse der Halbreiter'schen Zeichnung hat nun ein anderer hochbegabter Künstler, August Löffler, das eigentliche Leben der Farben gegeben. Es ist ihm dieses in solcher meisterhafter Weise gelungen, daß der Eindruck, den der Anblick seines großartigen Rundgemäldes macht, in so wunderbar lebhafter Weise den Beschauer über Land und Meer dahin versetzt, in LaS Land seiner Jugendträume, als stünde er selbst leibhaft auf dem Oelberge. Der Künstler hat die Farben der Natur, er hat die Wirkung deS Sonnenlichtes und der Schatten so kräftig und zugleich so zart in seiner Hand, daß daS Bild, je länger man hineinblickt, desto mehr zu einem wirklichen Boden der Berge und deS Thales, zu einem Walde der Oelbäumc, zu einer aus festen Steinen gebauten Stadt wird. Majestätisch schon erhebt sich vor unsern Augen mit seinen prachtvollen Bauwer dabei die Geduld am wenigsten ermüdet. Hierzu eignen sich zunächst Correspondenzen und kleine Bilder aus dem Leben, Charakterzüge u. s. w. Wie Correspondenzen gehalten sevn sollen, lernt man schon aus den Blättern, die man sich hält; für letztere jedoch (Bilder auS dem Leben u. s. w.) ist es gut, wenn man sich erst gute Erzähler zu Mustern nimmt, z. B. Hebels Erzählungen deS Rheinländischen Hausfreundes, SilbertS legenden- artige Schriften u. s. w. sind treffliche Muster. Jede Woche sollte wenigstens Etwas, wenn auch nur wenig gearbeitet werden*); dann würde eS bald besser gehen und man könnte dann, wenn man Lust dazu hat, mit größeren Artikeln sich beschäftigen. Gute Muster zur Ausarbeitung solcher findet man in den bisherigen Jahrgängen deS Katholiken, der Neuen und Alten Sion, in WestermayerS Hausfreund, im Kölner PiuSblatt u. s. w. Sogleich mit einem größern Artikel anzufangen, ist nicht anzurathcn. 2) Hat man gesunden, daß man für einen bestimmten Zweig der Darstellung besondere Lust und Fähigkeit hat, so cultivire man diesen am meisten und beschäftige sich mit andern Artikeln mehr nur ausnahmsweise. ES ist natürlich besser, daß Einer nur Arbeiten von einer Art und zwar etwas Tüchtiges liefert, als Allerlei und dieses mittelmäßig. Hat man in seinem Wohnorte einige Freunde, die Lust und Fähigkeit zu solchen Arbeiten haben, so wähle man sich ein katholisches Blatt der eigenen oder benachbarten Diöcese auS, in welches man seine Arbeiten schickt. AlSLann vertheile man wo möglich die Arbeit nach den Neigungen und Talenten, so daß der Eine daS Correspondiren, der Andere die Ausarbeitung von Erlen der hehre Morija, die Stätte deS Salomonischen Tempels; weiter!^,, der dritte die Behandlung von Zeitfragen, der Vierte daS Ueber. hinanwärtS glänzt im Strahl der Sonne die Kirche des heiligen Grabes, !^n übernimmt u. s. w. Je besser diese Thätigkeit organisirt wird, und wre ein Fels, an dem sich die Wogen der Ereignisse einer langen mehr kommt eS der Zeitschrift, welcher man seine Kräfte widmet, zu Reche von Jahrhunderten brachen, ohne ihn zu verletzen, der HippikuS- 1 statten. Dieser Vorschlag ist nicht etwa bloß ersonnen, er hat sich durch thurm oder die Zionöburg. ES ist der Genuß eines Pilgrims, der von ^ Ausführung, durch die Erfahrung bereits als gut bewährt. Die Ar- einer der geweihten Stellen der hochgebauten Stadt, dieser Königm m^^en können vor dem Absenden gegenseitig zum Durchlescn und Beur- Wtttwenlrauer, zur andern wandelt, welcher hier dem Beschauer zu Theil ^ilen ausgetauscht werden. wird, wenn er zu seinen Füßen Gethsemane, im Walde der uralten Oel- ^ jst nicht gut, daß Einer mehrere Blätter zu gleicher Zeit bäume daS Thal Josaphat, durch das der Kidron seinen Lauf nahm, vor unterstütze, weil dadurch die Thätigkeit zu sehr zersplittert und die Blätter sich sieht, dann sein Auge erhebt und von dem goldnen Thore, von der ^cht gehörig unterstützt werden. Die verschiedenen Zeitschriften können ja Stalte, da Christus der Herr seinen Einzug der Palmen hielt, hinein in ^ gewünschten Vollständigkeit wegen das Wichtigste von einander auS- das Innere der Stadt blickt, wo sich ihm zur Rechten wie zur Linken die zuweise oder abdruckend entlehnen. Bloß im Falle, daß Mehrere sich zu Denkmale jener großen Ereignisse zeigen, bei denen die Erinnerung m ^nem kleinen Mitarbetler-Verein verbinden, wäre ein Unterstützen mehrerer seliger Stille feiert. Dort gegen Süden hin leuchtet der Spiegel deS todten Blätter zu billigen, wobei aber immer als Grundsatz gelten müßte, daß Meeres rm Schein der Sonne, und jenseits demselben erhebt sich das Ge. ^ Zeitschrift der eigenen Diöcese u. s. w., die man hauptsächlich unter- birge, von dessen Häuptern unS die heilige Geschichte den PiSga und den Nebo nennt; im Norden treten Ephraims Gebirge und die fernen Höhen von Samaria hervor. In der That, der Künstler hat die Weihe empfunden, welche auf der Natur dieses Landes ruht; waS er selber empfand, daS theilt sich jedem empfänglichen Beschauer seines BildeS mit. Noch ein anderer ausgezeichneter Künstler, der Historienmaler Ferdinand Piloty, hat der reichen Landschaft ihre lebenden Bewohner gegeben. Der Anblick der Pilger und einheimischen Christen, welche hier im Vorhof der Capelle die Feier deS HimmelfahrtStageS begehen oder dort im Schatten der Bäume und Zelte des schönen Festes sich erfreuen, die stützen sollte, die Hauptarbeiten zugewendet würden. WaS ich im bisher Gesagten vorgeschlagen habe, darf mir in Ausführung gebracht werden, und man wird sich von dem guten Erfolge bald überzeugen. Absichtlich bin ich bei Behandlung mancher Puncte so ziemlich inS Einzelne eingegangen, so daß eS hier und da scheinen könnte, als streife die Anleitung zuweilen an Kleinlichkeit; allein ich habe daS mit besonderer Rücksicht auf unsere Gelehrtenschulen gethan. An denselben wird ') Dieß sage ich ganz besonders in Hinsicht auf die eigene Ausbildung und Uebung der Mitarbeiter von Zeitschriften. meist den schriftlichen Arbeiten im Verhältniß zu ihrer Wichtigkeit nur allzu wenig Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt, so daß Mancher die Prima- Classe verläßt, ohne sich eine genügende Fertigkeit im schriftlichen Gedan- kenauSdrucke erworben zu haben. Auch die Gegenstände zu Aufsäßen werden dort häufig unglücklich gewählt, so daß ein Abiturient in seinen Auf- satzheftcn wohl Allerlei über Perserkriege, römische Feldherren u. dgl. stehen hat, jedoch bei Behandlung von Fragen, die jedem Menschen sehr nahe liegen, ungemein ungeschickt sich zeigt. Und das Gymnasium sollte doch wohl eine Vorschule für das Leben seyn und nicht für die abgeschlossene Welt einer Gelehrtenstube! Was aber am meisten zu beklagen, daS ist der schauerlich indifferentistische Geist, der an den meisten Gymnasien Deutschlands herrscht. An gewissen Gymnasien wollte ich'ö, falls die Wahl deS Stoffes frei gegeben wird, keinem Schüler rathen, etwas über die Ausbreitung deS Christenthums oder die segensreiche Wirksamkeit der geistlichen Orden oder gar über eine Glaubenslehre u. s. w. zu schreiben. Seine Arbeit würde gewiß mit großer Mißbilligung aufgenommen und meist zurückgewiesen werden. So arg hat sich daS Heicenlhum bei uns einge- fressen, daß unsere Philologen das Christenthum fast nicht mehr ausstehen können. Mancher Professor der alten Sprachen ist im Stande, bei der Erklärung der Zerstörung von Troja (nach Virgil) oder deS Abschiedes HectorS von Andromache (nach Homer) vor tiefer Rührung eine Thräne zu vergießen, während er für die Leiden des Gekreuzigten kein Gefühl hat, der Kirche abgeneigt ist und durch Wort und Beispiel, statt ein Erzieher der Jugend zu seyn, ihr Verderber wird. Die vielen jungen Leute, die auf Universitäten zu Grunde gehen, verdanken ihr Verderben meist den indiffercntistischen und oft sogar mit kirchenfeindlichen Lehrern besetzten Gelehrtenschulen. Ach, ihr armen Eltern in Landstävtchen und auf Dörfern — wie schändlich werdet ihr oft um eure schönsten Hoffnungen betrogen, wenn ihr euere Kinder gut und fromm auf die Gymnasien schickt und sie als entartete Jünglinge, als ReligionSspöttcr wieder zurückerhaltet, da ihr doch in dem Glauben standet, euere Kinder seyen guten Händen anvertraut gewesen! Ist auch ein tüchtiger katholischer Religionölehrer am Gymnasium, so kann der nicht Alles gut erhalten und gut machen, wenn die andern Lehrer nichts taugen und ihm entgegenarbeiten. Ihr werdet euch auch nicht trösten können, wenn euer Sohn gute Zeugnisse seines Fleißes und seiner Geschicklichkeit mit nack Hause bringt, aber den heiligen Glauben dort verloren hat; den ihr wißt, waö eS heißen will: „WaS hülfe eS dem Menschen, wenn er auch die ganze Welt gewänne, aber Schaden an seiner Seele litte?" Da eS an gar vielen Gymnasien so bestellt ist, wie ich eben gesagt habe, so darf man sich nicht wundern, wenn der akademischen Jugend und auch Solchen, die bereits im Amte stehen, daS Verfertigen schriftlicher Aufsätze in der angegebenen Richtung so ungeheuer schwer wird, und daß nachher nur wenige Lust haben, religiöse Gegenstände zu bearbeiten oder gar sich dem geistlichen Stande zu widmen. O Gott, wie viele schöne Hoffnungen gehen da zu Grunde! Und doch ist die Ernte so groß und der Arbeiter sind so wenige! Ich möchte daher sowohl den Gymnasiasten der obern Classen, als auch der akademischen Jugend dringend rathen, kleine Versammlungen oder Vereine zur Uebung in Aufsätzen über religiöse Gegenstände zu stiften und ihre Arbeiten von einem tüchtigen Manne, der in religiöser Beziehung Zutrauen verdient, etwa von einem Geistlichen, prüfen zu lassen. Da daS Ausarbeiten schriftlicher Aufgaben ein so wesentliches Bildungsmittel für Geist und Gemüth ist, so wird es, wenn es in den Dienst der Religion tritt, auch sehr viel dazu beitragen, dem Geiste und Gemüthe eine fromme Richtung zu geben und die Erinnerungen an so einen Verein werden immer zu den schönsten deS Lebens gehören. WaS ich so eben vorgeschlagen, ist wiederum auS dem Leben gegriffen, d. h. eS hat sich durch die Erfahrung als sehr heilsam bestätigt. Beherzigen wir eS nur, daß die Feder eine gewaltige Waffe ist und daß daS Reich Gottes auch sehr vieler solcher Streiter bedarf. Hat eine Unzahl unsittlicher und gottloser Menschen durch die Presse so viel Elend angerichtet, so müssen wir uns wahrhaftig zahlreich und wüthig aufmachen, auf diesem Gebiete den Feind zu verdränge». Wir haben nunmehr über die Verbreitung der religiösen Blätter zu sprechen. WaS darüber zu sagen ist, läßt sich in wenige Worte zusammenfassen. 1) Da religiöse Zeitschriften von wissenschaftlicher Haltung nicht die Bestimmung haben, unter allen Ständen verbreitet zu werden, so hat man auch nicht dahin zu streben. Aber darauf muß von nun an die Aufmerksamkeit Aller, welche die Macht der Presse zu würdigen wissen, gerichtet seyn, daß solche Zeitschriften künftighin mehr unter den Fachgenossen verbreitet werden. Man findet an manchen Orten einen Leseverein von zwanzig bis dreißig Geistlichen und Laien, die mehrere Zeitschriften halten, von jeder aber nur ein Eremplar. Dieses hat zwei Uebelstände. Erstens dauert die Circulation der Blätter zu lange, so daß Manches schon veraltet ist, wenn daS Heft einem der letzten Leser zu Handen kömmt. Zweitens können auf diese Weise die größeren Zeitschriften gar nicht bestehen. Eine größere Zeitschrift sollte nicht von zwanzig bis dreißig Männern, sondern nur von drei oder höchstens vier Lesern gemeinschaftlich gehalten werden. Die Kosten kommen dabei doch nicht zu hoch im Jahr, und für die eigene Weiterbildung so wie für die Förderung der guten Sache muß doch Etwas geschehen, wenn die vielen schönen Worte gewisser Leute, die eine gute Gesinnung bekunden, nicht bloßer Schein und Flimmer, sondern Aechtheit seyn sollen. Diesen Punct bitte ich, recht sehr zu beherzigen. Wir müssen unS durchaus und nöthigenfalls selbst mit Aufopferung dieser guten Sache annehmen, wenn Gott ihr Gedeihen geben soll. Will eS sich nicht von selbst machen, daß eine größere Zeitschrift nur von drei ober vier Theilhabern (statt von zwanzig bis dreißig) gehalten wird, so sollte eS ein eifriger Geistlicher, dem daS Aufblühen der katholischen Presse besonders am Herzen liegt, unternehmen, persönlich dahin zu wirken, sey eS durch Besuche bei seinen Mitbrüdern, sey eS durch Briefe, für den Fall, daß sie in einiger Entfernung auseinander wohnen, oder aber: eS könnte auch in den Capitels- oder Pastoral-Conferenzen u. s. w. förmlich ein deßfallsiger Antrag gestellt und Beschluß werden. Besser werden muß eö in dieser Beziehung und zwar bald, sonst steht zu befürchten, daß daS literarische Leben, um welches es ohnehin bei unS schlecht genug bestellt ist, in kurzer Zeit vollends entschlummern und wir, eines geistigen Weckers beraubt, der so nöthigen geistigen Anregung dann um so mehr entbehren müssen. 2) Religiöse Zeitschriften für das Volk (Sonntagsblätter), welche sich christliche Unterhaltung, Belehrung, Erbauung und Warnung zur Aufgabe gesetzt haben, müssen so stark verbreitet werden als nur möglich. Offenbar ist dafür an den meisten Orten viel zu wenig geschehen; man ließ den Zufall walten oder begnügte sich damit, eins oder zwei Exemplare anzubringen. Wenn ich bedenke, wie sehr solche SoninagSblätter oder religiöse VolkSblätter geeignet sind, einem Geistlichen sein Wirken in der Gemeinde zu erleichtern, daS göttliche Lehrwort zu vervielfältigen u. s. w., so muß ich erstaunen über die auffallende Gleichgiltigkeit und Nachlässigkeit, die hierin bei Vielen sich kunv gibt. Sollen solche VolkSblätter ordentlich wirken, so müssen sie in gehöriger Zahl verbreitet werden; dieses ist um so nothwendiger, als die im Lande zahlreich verbreiteten Zeitungen sich genug Mühe geben, daS Gift des Unglaubens und der Lasterhaftigkeit auszubreiten. Und mit welchem Rechte donnert denn wohl ein Geistlicher gegen die schlechten Blätter loS, wenn er nicht sich Mühe gibt und selbst, wenn nothwendig, kleine Opfer bringt, um ein besseres Blatt in der Gemeinde einzuführen? Ein solcher Eiferer könnte mir beinahe lächerlich vorkommen. Nein, hier muß ein regeres Leben erwachen, wenn die Verantwortlichkeit nicht noch größer werden soll. Die Zeiten sind vorüber, wo das Volk bloß seinen rechtgläubigen Kalender laS und sonst nichts; mit der Verbesserung der Schulen und der Beförderung der Lesekunst wuchs auch die Leselust, und wenn diese von der Zeit selbst herbeigeführt worden ist, so ist eS eine arge Gewissenlosigkeit, wenn dieser Leselust im Volke nicht die rechte Nahrung gegeben wird. Der Geistliche sollte also, mit Hilfe des Lehrers oder sonst eines gutgesinnten Laien seines OrtS, eS sich sehr ernst angelegen seyn lassen, ein solches SonntagSblatr recht zu verbreiten; er dürfte selbst-in Begleitung eines der vorhin Genannten im Orte umhergehen und für die Verbreitung deS BlatteS' wirken. Damit schadet er sich weder an seiner Würde, noch am guten Einvernehmen mit den Pfarrkindern; diese werden seinen guten Eifer vielmehr dankbar und freudig, wenn nicht sogleich, so doch später, anerkennen und werden sich von seinem Ansinnen nicht beschwert fühlen, wenn der Geistliche sagt, daß es Jeder nach seinen Kräften damit halten möge; so daß, wenn Einer allein daS Blatt nicht halten könnte, doch zwei, drei, vier oder fünf eS miteinander halten. Den Redactionen solcher Blätter aber ist bei dieser Gelegenheit nicht dringlich genug ans Herz zu legen, wie sie allen gelehrten Kram, Alles dem Volke Fernliegende, Unverständliche und alles Langweilige aus solchen Sonntagsblättern fernhalten müssen. Manche dieser Blätter nehmen noch gar keine Rücksicht oder doch viel zu wenig Rücksicht auf gute, christliche Erzählungen. Möchte doch dieser wichtige Zweig, der beliebter ist als alles Andere im Blatte, von jetzt an die verdiente Beachtung erhalten! (Fortsetzung folgt.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.