Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese BlLltcr bezogen werden. Der Preis belrägt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2» kr. Neunter Jahrgang. M AA. 19. August 1849. Hirtenbrief des ErzbischofS von Freiburg. Freiburg. Heute Sonntag den 19. August wird in sämmtlichen Pfarrkirchen deö Landes ein Hirtenbrief vorgelesen und darauf ein feierliches Dankamt für den erfochtenen Sieg gehalten. Der Hirtenbrief enthält scharfe und ernste Worte bezüglich der jüngsten StaatSumwälzung, er saßt jene schweren Zeiten als Zeiten der Heimsuchung Gottes auf und schließt mit eindringlichen Ermahnungen an die Führer und Lenker deS Volkes, die von Gott gesetzt, an die Priester als Diener deS Herrn, und an die Lehrer, Eltern, Reiche und Arme, Städter und Landleute. Montags den 20. Aug. findet dann ein feierliches Seelen- opfer für die Gefallenen statt. Folgendes die Hauptstellen deS Hirtenbriefs: „Nachdem Gott glorreichen Sieg verliehen der gerechten Sache, die Regierung unseres vielgeliebten Großherzogs, des milden und gütigen Vaters deS Vaterlandes, wiederhergestellt, und die gesetzliche Obrigkeit zur Beruhigung und Friedigung deö Landes ihre Wirksamkeit begonnen, drängt eS Uns, in gegenwärtigem Sendschreiben einige Hirtenworte an Euch, geliebteste BiSthumSangehörige, zu richten. Eure Gemüther werden, so hoffen Wir, hinlänglich beruhigt seyn, um ein Wort deö FriedenS Christi zu vernehmen. „Vor Allem tritt im Hinblick auf die Noth und das Elend, welche durch den Aufruhr und den dadurch entzündeten Bürgerkrieg über Baden gekommen, das Beispiel unseres Heilandes Jesu Christi vor unsere Augen, der einstmals voll des innigsten Mitleids ausgerufen: „Mich jammert deS Volkes." Ja, Uns jammert deS Volkes, wenn Wir sehen, wie unser schönes, von Gott so reichlich gesegnetes Vaterland durch die Gräuel deS Aufruhrs und eines brudermörderischen KampfeS theilweise verwüstet, ent- kräftet, geschwächt ist; uns jammert deS Volkes, wenn wir Hinblicken auf die mit Blut gefallener Söhne des Vaterlandes getränkten Saatfelder, wenn wir gedenken der obdachlosen Familien, deren Hab und Gut und Wohnung eine Beute der Flammen geworden, wenn wir gedenken der Eltern, die da weinen und wehklagen über den Verlust geliebter Söhne, wenn wir gedenken der vielen Verstümmelten und Verwundeten; UnS jammert des Volkes, wenn wir Hinblicken auf den zerrütteten Staatshaushalt, und auf all' die Noth, und all' das Elend, das Euch, Geliebteste nur allzugut bekannt ist. Darum klagen wir: „Uns jammert deS Volkes." Um so bejammernSwerther ist aber diese Noth und dieses Elend, weil sie über das arme Vaterland gekommen in Folge eines Umsturzes hervorgerufen durch falsche Freunde des Volkes, „die mit süßen Worten und Schmeicheleien die Arglosen verführten," und die Fackel der Empörung unter die sonst so glücklichen, gewerbsfleißigen und ihres Wohlstandes sich freuenden Bewohner deS gottgesegneten Landes schleuderten. Ist es nicht höchst be- jammernSwerth, wenn die sieg- und ruhmgekrönten Fahnen unseres Vaterlandes verlassen werden von dessen Söhnen, getäuscht und verführt von Menschen, die „zum Deckmantel der Bosheit die Freiheit mißbrauchen, und Freiheit verheißen, da sie doch selbst Knechte deS Verderbens sind?" Ist es nicht höchst bejammernSwerth, wenn ein Theil deS badischcn Volkes sich hinreißen läßt zum Aufruhr und Empörung wider den angestammten Fürsten, der, die Güte und das Wohlwollen selbst, stets in guten wie in bösen Tagen als ein treuer Freund deS Volkes sich erwiesen, und der bei den Bestrebungen für Deutschlands Einheit, Größe und Macht so opferwillig vorangegangen? Ist eS nicht höchst bejammernSwerth, wenn Christen die schwere Sünde der Empörung wider den rechtmäßigen Fürsten und die gesetzliche Regierung begehen, da doch daS göttliche Wort so klar und so deutlich spricht: „Gebt dem Kaiser, waS deS Kaisers, Gott, waS GotteS ist, und „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt, denn eS gibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott angeordnet. Wer sich demnach der obrigkeitlichen Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes, und die sich dieser widersetzen, ziehen sich selbst Verdammnis; zu. Es ist eure Pflicht, Unterthan zu seyn, nicht nur um der Strafe willen, sondern um deS Gewissens willen.... Gebet Jedem, was ihr schuldig seyd: Steuer wem Steuer, Zoll wem Zoll, Ehr- furcht wem Ehrfurcht, Ehre wem Ehre gebührt" .... Glaubet dabcr nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind; prüfet, ob ihre Lehren und Ansichten mit der Lehre der .Kirche des lebendigen GotteS, die eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist," übereinstimmen oder nicht. Verkündigen sie ein anderes Evangelium als daö ist, welches Ihr empfangen, so glaubet ihnen nicht, auch wenn sie in Engelögestalt vor Euch erscheinen, und noch so sehr von Volkswohl und Volksbeglückung sprechen. „ES ist, Geliebte, nicht schwer, zn erkennen, ob der Geist GotteS, oder der Geist der Finsterniß die Männer, die als Volksbeglücker unter uns sich aufgeworfen, trieb und leitete. Wir dürfen unS nur erinnern an das Wort des Herrn: „der Teufel ist ein Lügner und der Vater der Lüge," und daß Er zu den Juden, welche der Wahrheit widerstanden und die Lüge mehr liebten, gesprochen: „Ihr habt den Teufel zum Vater und wollet nach den Gelüsten eures Valerö thun." Die Lüge ist also offenbar nach dem AuSspruch der ewigen Wahrheit deS Teufels Lust und That, und die sie lieben und sie gebrauchen, thun damit nicht GotteS Werk, sondern deS Teufels Werk. Welcher Ansicht nun auch Einer seyn möge in Bezug auf die beste StaatSverfassung und Regierung, so viel muß er zugeben, soll sie bestehen, soll sie für ein Werk PotteS gelten, mit der Lüge darf sie nicht beginnen. Vor Aller Augen liegt aber, daß unsere jüngste Staatg- umwälzung mit der Lüge begonnen hat, in Lüge fortgesetzt und von der Lüge bis zum schmählichen Ende begleitet wurde. Ja nicht bloß mit einfacher Lüge hat sie begonnen, sondern mit der gröbsten und furchtbarsten Art von Lügen, mit Verrath und Meineid. Lüge war's sofort, daß man den Aufstand für einen Kamps zu Gunsten der deutschen NeichSverfaffung ausgab, während man doch, um nur Eines anzuführen, das Vaterland Fremden preisgeben wollte. Lügen waren eS, wenn unser theurer Landesvater auf die schändlichste Art verleumdet, wenn er ein Tyrann, ein VolkS- und LandcSverräther geheißen wurde, während daS ganze Land nur von seiner Güte und Liebe zu erzählen weiß. Lüge war'S, wenn man Freiheit verhieß, während doch auf den Trümmern der gesetzlichen Ordnung nur eine Schreckensherrschaft errichtet ward, unter welcher nicht einmal ein Schatten von Rede- oder Prcßfreiheit übrig blieb. Lüge war's, wenn man dem Volke Wohlstand versprach, während man doch die schwersten Opfer von ihm heischte. Lüge war'S, daß man Bildung in Aussicht stellte, während Alles an Barbarei und Verwilderung mahnte. Lügen waren die Nachrichten über den Anschluß anderer Staaten. Lügen die beständigen SicgeSberichte. Lügen wurden verkündet, bis die Wahrheit fühlbar und greifbar vor Augen stand. Wenn eS nun gewiß ist, daß Trug, Meineid, Untreue, Verleumdung, kurz die Lüge in allen ihren Formen und Gestalten die Hauptrollen spielte in dieser StaatSumwälzung, so ist hier nicht GotteS Geist thätig gewesen; die Sache war vom Argen. Und klar ist eS, daß von Solchen, die vom Geiste der Lüge sich leiten ließen, kein Heil und Glück für das Volk zu hoffen. „Sammelt man denn Trauben von den Dornen, oder Feigen von den Disteln?" Alle die daher getreu geblieben ihrem Fürsten, tragen ein frohes Bewußtseyn in ihrem Herzen, wenn sie gleich auch verkosten müssen die Bitterkeit deS LeidenSkelcheS, welcher dem ganzen Lande gereicht wird. Wir alle müssen demüthig und ergeben uns beugen unter die züchtigende Hand deS Allerhöchsten, der die Stürme zugelassen; wir müssen anbeten den, der schlägt und wieder aufrichtet, der verwundet und wieder heilet, und dessen Barmherzigkeit weithin unsere Missethat übertrifft. 130 „Wie ist eS aber denn gekommen, daß so viele Menschen Knechte ihrer Leidenschaften und ihrer bösen Lust geworden? Höret, Geliebteste, die Antwort! Weil viele Den verlassen, der, wie Er den Seesturm darnieder- gelegt und besänftigt, so auch allein die Stürme LeS menschlichen HerzenS stillt, allein Kraft und Stärke verleiht, der dreifachen bösen Lust im Menschen, cer Hoffart, der Augen- und Fleischeslust siegreich zu widerstehen; weil sie Jesum Christum, den «Lohn GotteS und Heiland der Welt, verlassen. Der stets wachsende Abfall von JesuS Christus, Deinem HI. Evangelium und Seiner heil. Kirche mußte solche Erscheinungen hervorbringen, wie wir sie in den jüngsten Tagen gesehen! WaS zunächst die Mitarbeiterschast anbelangt, so erleichtert auch hier eine Organisation der Thätigkeiten die Sache; ja sie ist geradezu nothwendig. 1) Politische Blätter erfordern theils leitende Artikel, theils Korrespondenzen. Leitende Artikel in politische Blätter zu liefern ist nicht Jedermanns Sache, weil nicht Jeder die Kenntnisse besitzt, die dazu erforderlich sind. Wer solche Artikel liefern will, muß nicht nur tüchtige Geschichts- kenntnisse haben, sondern sich auch in nachstehenden Wissenschaften: Nationalökonomie, Gewcrbewcsen, Militärwissenschaft, Jurisprudenz, Geographie (besonders Statistik). Physik, Literatur u. s. w. umgesehen haben, da sich „Wo keine Erkenntniß GotteS, da ist auch keine Liebe Gottes und kein! kaum ein leitender Artikel für ein politisches Blatt liefern läßt, ohne daß tugendhafter'"' " ' " - -------- ........ .^ ^ ^--- - erkennt mung im . und der durch Seine Auferstehung jeden Zweifel an dem zukünftigen Leben ver rächtet, im Gegentheil Unsterblichkeit und ewiges Leben in das klarste Licht gestellt , abgefallen von Christus, verlieret dieS-eele so leicht den Glauben an die Unsterblichkeit und ein ewiges Leben, und nicht mehr strebt sie durch gottgefälligen Wandel jene Seligkeit zu erlangen, die noch kein Auge gesehen, noch kein Ohr gehört, noch in keines Menschen Herz gedrungen ist, sondern sie beschränkt ihre Bestimmung aus dieft-S Erdcnlebcn, auf die Theilnahme an den Genüssen desselben, hält die Lust eines TageS für Glückseligkeit, um sofort gleich dem Thiere der Vernichtung anheimzufallen. Gestehen wir eS, Geliebteste, gerabe diese gottlose und verruchte Lehre, daß der Mensch nur für diese Erde unv ihre Genüsse geboren sey, hat in unserer Zeit vieler Gemüther auf eine schauderhafte Weise sich bemächtigt, und sie trägt am meisten bei zum Lerderbniß unseres gesellschaftlichen Zustandes, zu den Noth- und Uebelständen, unter denen die Menschen heut zu Tage seufzen. „Geliebteste! diejenigen, Lie daS Gericht deS Herrn nicht fürchten, scheuen sich nicht, um ehrgeizige Plane durchzuführen, ein ganzes Volk inS Unglück und Verderben zu stürzen. Diejenigen, die keine Hoffnung auf ein ewiges Leben haben, allwo der gütige Gott „abwischen wird alle Thränen von den Augen, und wo nicht mehr seyn wird Trauer, noch Klage, noch Schmerz," wollen nicht im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod verdienen, und nicht die drückende Last der Arbeit fühlen, sondern begierig nach Sinnengenüssen, suchen sie abzuschütteln (nicht einmal vier Briefe hinter einander und dann einmal wieder ein und einer Kirchenzeitung gemacht werden. Doch solche leitende Artikel sind für ein politisches Blatt auch nicht streng erforderlich. Kommen solche nicht von auöwärtigen Mitarbeitern, so hat der Redacteur schon einige Männer seines Wohnorts an der Hand, welche sie nölhigenfallS liefern. Was aber dringend nothwendig, unerläßlich ist, daö sind Korrespondenzen aus den verschiedensten Gegenden des Vaterlandes und deS Auslandes — und hieran fehlt eS unsern katholischen Zeitungen außerordentlich und zwar durch unsere eigene Schuld, weil wir nichts dafür thun. Hier muß jetzt geholfen werden und zwar in ganz ähnlicher Weise, wie eS vorhin bei den religiösen Blättern angegeben wurde, nämlich durch Organisation der Thätigkeit. Wo ein kenntnißreicher Mann, der allen den erforderlichen Beziehungen genügen könnte, fehlt, da müssen mehrere Männer diesen einen zu ersetzen und darzustellen suchen. Der Eine hat also über daS Gedeihen der Feldfrüchte und des Weines nebst den darüber sich gestaltenden Preisen zu berichten, ein anderer über Vorfälle in der Stadt oder auf dem Lande, ein dritter über Veränderungen im Schulwesen, ein fünfter über Kunstprocucte u. s. w. Eö kann auch Einer mehrere dieser Beziehungen übernehmen und so wären denn zur Unterstützung einer politischen Zeitung eigentlich nur wenige Personen an einem und demselben Ort erforderlich. Die Hauptsache ist, daß der Korrespondent regelmäßig schreibt daS Joch, das sie in diesen stört, voll Neid und Mißgunst werfen sie lüsterne Blicke auf daS Eigenthum des Besitzenden, werden am Ende Diebstahl, Raub und Mord für erlaubte Mittel halten, um sich den Weg zu den Freuven dieses irdischen Lebens zu bahnen, außer welchem sie nichts Höheres kennen. Diejenigen Besitzer aber, welche keinen Richter fürchten, der Rechenschaft verlangt über die Verwendung deS ihnen anvertrauten Gutes, werden dieses nur zu Sinnengenüssen und Lebensfreuden, oder zur Befriedigung ihrer Habsucht anwenden, Vierteljahr gar nichts) und daß er schnell berichtet, damit andere Blätter ihm nicht zuvor kommen, und daß er genau berichtet (keine Lügen oder grundlose Gerüchte) unv endlich daß er leserlich schreibt, damit der Bericht nicht wegen allzu argen Gekritzels und unverständlicher Abkürzungen muß weggeworfen werden. Da die Correspondenzbriefe an Redactionen nicht frankirt werden, so erwachsen dem Korrespondenten in dieser Hinsicht auch keine Kosten; bloß ein wenig Mühe kostet eS. Die Artikel nicht aber mit demselben der Noch und dem Elende der armen Bruder und müssen niemal »»nöthiger Weise ausgedehnt werden; so kurz als möglich Schwestern steuern wollen. So wird dieser Mangel des Glaubens an die Un- sind sie zu halten. Wie oft ein Correspondent schreiben soll, das hängt stcrblichkeit oder die Glcichgiltigkeit gegen die Bestimmung deS Menschen überall von seinem Stoffe und seinem Eifer ab. ES versteht sich auch, daß ein den verderblichsten Einfluß auf unsere gesellschaftlichen Zustände ausüben und) Korrespondent das Blatt, für welches er arbeitet, halten oder eS wenigstens hat sie schon ausgeübt. Für den, der die Gerichte GottcS nicht fürchtet, gibt eS durch andere Gelegenheit lesen muß, damit er sich mit seinen Arbeitern keine Schranke, kein Maaß und kein Ziel mehr. Die Gesetze erscheinen ihm nur als lästige Fesseln seiner entfesselten Leidenschaft. Alles, waS das menschliche Herz groß und edel macht, und was erhebt über die Trübsale dieser Welt, verschwindet; und dieses Streben, welches sich anfangs als Aufklärung und Bildung geberoct, endet mit fürchterlicher Verwilderung einer gänzlichen Barbarei und Auflösung aller Bande der menschlichen Gesellschaft. „Darum, Geliebteste, erkennet die Zeichen der Zeit und lasset die Tage der Heimsuckuing Gottes nicht spurlos an Euch vorübergehen. „Ja, erkennet Ihr Alle die Tage der Heimsuchung GotteS! Ihr vor Allen, die Ihr von Gott erwählet seyd als Führer und Lenker deS Volkes, erkennet eS darnach richte. Was ein Correspondent schreiben soll, muß man seiner Einsicht überlassen; hoffentlich wird er sich mit gar zu unbedeutenden Dingen nicht befassen, noch Solches melden, waS seinem Redacteur unnöthi- ger Weise Verlegenheiten bereiten könne. Da jetzt in allen bedeutenden Stävcen unseres Vaterlandes katholische (Pius ) Vereine bestehen, die sich ja auch die Förderung der guten Puffe angelegen seyn lassen wollen, so meine ich, könnte eS bei einigem guten Willen roch gar nicht schwer werden, die wenigen katholischen Zeitungen Deutschlands durch Originalcorre- spondenzen zu unterstützen. WaS das Frankfurter Journal und andere ichmutzblätter mit Hilfe ihrer Gesinnungsgenossen fertig bringen, daS tief in Eurer Seele, daß Euer Amt ein durch GotteS Gnade Euch verliehenes, sollten, dächte ich, doch auch die „Gutgesinnten" vollbringen können. Und und daß eS Eure heiligste Pflicht ist, eS nach dem Willen deS Herrn, dessen Stell-^ wenn noch vor wenigen Monaten die preußische Regierung den Versuch Vertreter Ihr seyd, zu handhaben. . machte, durch unentgeltliche Versendung einer in Berlin gegründeten litho- „Erkennct die Tage der Heimsuchung Gottes, Ihr, Priester und Diener! graphirten Korrespondenz*) ihre Gesinnungen und Grundsätze zu verbrei- deS Herrn! Gedenket, daß Ihr seyd daS Salz der Erde, daö Licht der Welt, daß ^ ten, sollte ich meinen, müsse auch unS etwas AehnlicheS möglich seyn, eö vorzüglich an Euch gelegen, ob Gutes erwachse auS den gegenwärtigen Trüb-^ wenn wir mir unserer guten Gesinnung nicht als Lügner und mit unserm salen, oder nicht, ob wieder wahrer lebendiger ChrisluSglaube und mit ihm hei- Eifer nicht als alberne Tröpfe dastehen wollen. Wir haben ja nicht eine lige Sitte und Bürgertugcnd unter den Bewohnern unseres Landes herrschend werden, oder nicht! Der Herr hat Euch gesetzt, daß Ihr gehet und Frucht bringet, und Eure Frucht bleibe." Winke zur Hebung der katholischen Presse. (Fortsetzung.) L. Die politischen Blätter. — Wie im Vorigen, so haben wir auch die Förderung politischer Blätter in zwei Abtheilungen zu sondern: in die Besorgung der Mitarbeiterschast-und in die Verbreitung deö Blattes. Unzahl katholischer Zeitungen zu unterstützen; wenn nur die Hauptorgane, z. B. das „Mainzer Journal," die „Rheinische Volkshalle" und die „AugSburger Postzeitung" u. s. w. tüchtig unterstützt werben, so können sich die kleineren Zeitungen durch Entlehnen der Artikel schon behelfen. Eö wäre also nothwendig, daß in jeder bedeutenderen Stadt Deutschlands, z. B. Wien, Prag, Augsburg, München, Frankfurt, Mainz, Berlin, BreSIau, Köln u. s. w. sich ein paar schreibkundige Männer zum Zwecke ') Dieselbe wurde verschiedenen Redactionen unentgeltlich zugeschickt; allein wohl nur wenige mögen Gebrauch davon gemacht haben, da sich die Regierung leider kein Vertrauen zu erwerben wußte. Der Verfasser. 131 deS CorrcspondirenS vereinigten. Da Einer nicht Alles zu thun braucht, sondern die Arbeit sich nach Fächern vertheilt, so wäre auch die Mühe nicht so groß, und der Zeitaufwand nicht bedeutend. Eine solche Bethe!- ligung an der Tagespresse muß jetzt aber endlich zu Stande kommen, wenn unsere zahllosen Gegner nicht ganz und gar die Oberhand erhalten sollen. Möchte dieser Aufsatz doch im Stande seyn, solche kleine Cvrrespondenz- Wereine überall inS Leben zu rufen! So viel in Betreff des Inlandes. 2) Was das Ausland betrifft, so haben manche katholische Handelshäuser ihre regelmäßige Korrespondenz mit Paris, Lyon, Brüssel, der Schweiz, London, Mailand, Livorno, Rom u. s. w., da wäre eS ja leicht zu machen, daß solche Herren die etwanigen Neuigkeiten ihres Briefwechsels den katholischen Zeitungen mittheilten und ihre Korrespondenten noch besonders ersuchten, ihnen jedesmal auch Etwas über die neuesten Ereignisse und Gestaltungen ihrer Länder und Aufemhaltorte zu berichten. Ist «S nicht eine Schmach, daß katholische Blätter z. B. ihre Nachrichten auS Rom meist der charakterlosen „Allgemeinen Zeitung" entnehmen müssen!*) Dieß muß und kann und soll aber anders werden. Unsere Redactionen müßten sich mit solchen Handelshäusern auf freundschafilbchen Fuß setzen. ES gibt aber auch sonstige Privatpersonen, welche Briefwechsel mit bedeutenden Städten deS Auslandes unterhalten oder doch Gelegenheit hätten, sich mit einem Freunde in diesen Städten in brieflichen Verkehr zu setzen. Diese sollten es thun; dieß käme unsern Zeitungen trefflich zu Statten, und was die Vermehrung deg Porto's betrifft, so würde die Redaction solche gewiß gern erstatten, da ja durch vermehrte Original Korrespondenzen das Blatt sich auch hebt. Genug deS guten Raths über die Mitarbeiterschaft an katholischen Zeitungen; wenn derselbe nur auch williges Gehör und bereitwillige Ausführung findet! WaS die Verbreitung katholischer Zeitungen betrifft, so bitte ich die Leser, nachfolgende Puncte in ruhige und ernste Erwägung zu ziehen. 1) Durch Nichts wird eine Zeitung so sehr gehoben und verbreitet, als durch viele Inserate. Man hätte schon manches schlechte Blatt stürzen können, wenn eS nicht so viele Anzeigen hätte. Gar häufig hörte man von guten Katholiken sagen: „Wir verabscheuen die Tendenz dieses oder jenes BlatteS; aber wir müssen es der Anzeigen wegen beibehalten." Und so lebt die schlechte, gemeine Tagespresse großentheils vom Gelde der Katholiken! Kann man sich einen größer» Unsinn, eine schmählichere Mattherzigkeit denken, als dieses Treiben? Doch statt unserm gerechten Unwillen vollen Lauf zu lassen, wollen wir Vorschläge machen, wie diesem Uebelstande abzuhelfen sey. Die gewöhnlichen, ordentlichen Mittel gegen die schlechte Presse sind längst erschöpft. Die Pfarrgcistlichkeit hat an allen Orten dagegen ihre Stimme erhoben — vergebens! die Bischöfe haben in ihren Hirrenbriesen dagegen gemahnt und selbst von der Kanzel herab gewarnt — vergebens! Die katholischen (Pius-) Vereine haben die Bekämpfung der schlechten Presse für nothwendig erklärt — waS ist aber geschehen? Man zeige mir eine einzige mannhafte und beharrliche That gegen das schmutzige Gewürm der falschen Aufklärung und der schlechten Presse, und ich will die Anklage der Maltherzigkeit und tiefste» Erbärmlichkeit zurücknehmen. Alle ordentlichen Mittel sind erschöpft. WaS ist zu thun? Man muß zu außerordentlichen Mitteln schreiten. Haben Ermahnungen nichts gefruchtet, so müssen jetzt Thaten helfen. Ich schlage folgendes Verfahren vor: Nehmen wir an, in einer Stadt von 16,000 katholischen Einwohnern beständen zwei Zeitungen, eine schlechte, welche aber alle oder doch die meisten Anzeigen hat, und eine katholische, welche keine oder nur sehr wenige Anzeigen hat und auch keine bekommt. Man wird hoffentlich annehmen dürfen, daß unter 16,000 katholischen Bürgern wenigstens 200 sich befinden, welche Eifer genug besitzen, zur Vertilgung eines gotteslästerlichen Blattes Hand zu bieten. Diese 200 Bürger (meist Kaufleute und Handwerker) verpflichten sich durch ihre Unterschrist: 1) daß sie keine einzige Anzeige mehr in die kirchenfeindliche Zeitung schicken werden; 2) daß sie ihre Anzeigen ausschließlich nur in die auf gleichem Platz bestehende katholische Zeitung senden und daß sie monatlich wenigstens eine Anzeige von beliebiger Länge in die katholische Zeitung einrücken lassen wollen; 3) daß sie von vierzehn Tagen zu vierzehn Tagen bei ihren Freunden und Bekannten in der Stadt und Umgegend dahin eifrigst wirken wollen, daß Jene ein Gleiches thun wie sie. 4) Die eingegangene Verpflichtung gilt für die Dauer eines JahreS. Ein solches Bündniß gegen die schlechte Presse wird seine guten Früchte tragen; eS werden jährlich allein durch die Mitglieder dieses Bündnisses 2400 bezahlte Anzeigen in das katholische Blatt kommen, ohne diejenigen Anzeigen zu rechnen, welche durch die Freunde der Mitglieder und durch Solche noch hinzukommen, die zwar der katholischen Zeitung nicht geneigt sind, aber einsehen, daß sie, um ihre Anzeigen genugsam zu verbreiten, dieselben doch auch in die karho-- ') Die Postzcitung hat seit längerer Zeit einen zuverlässigen Correfiondcntrn in Rcm. lische Zeitung einrücken lassen müssen. Kostspielig ist dieß Verfahren für die Mitglieder deS Bündnisses durchaus nicht. Nimmt man an, daß Einer monatlich für Anzeigen (die Zeile zu 1 '/^ Kreuzer oder 6 Pfennige gerechnet) 8 Kreuzer oder ungefähr zwei Silbergroschcn ausgibt, so macht daS im Jahr einen Gulden und 36 Kreuzer oder 24 Silbergroschcn — wahrlich ein sehr geringes Opfer, wenn eS die Vernichtung der Presse gilt. Ich würde mir diese kleine Beisteuer zu Gunsten der katholischen Presse gewiß gerne am Munde abiparen, wenn cö nicht anders ginge. Ja ja, ihr Freunde der guten Presse, ihr Gutgesinnten Alle, nur durch Opfer konnt ihr die -Lchandpresse stürzen! Nehmt diesen Vorschlag nur nicht mit Achselzucken oder Kvpfschütteln auf; dieser Vorschlag, so seltsam er euch jetzt auch noch vorkommen mag, ist durch und durch praktisch und wird sich alö wirksam bewähren. Sollte eS den Mitgliedern eines solchen Bündnisses an Stoff zu Anzeigen fehlen? Keineswegs. In einem Geschäfte kommt Allerlei vor, WaS sich zn Anzeigen eignet, und selbst der Privatmann dürfte mancherlei einzurücken haben, wenn er sich darnach umsehen will. Um die nöthige Anzahl von Mitgliedern zu einem solchen Bündnisse zusammen zu bringe», würden die katholischen (PiuS-) Vereine am besten sich verwenden; eine Aufgabe, die eines solchen VercincS würdig ist und ihm ein großes Verdienst erwerben wird. DaS Verfahren hierzu wäre höchst einfach. Etwa 20 bis 30 Mitglieder des PiuSvereinS würden sich versammeln und ausmachen, wo Jeder seine Unterschriften zu sammeln hat, Jeder übernimmt eine Straße, in welcher er Theilnehmer wirbt. Wären dann, nachdem dieses geschehen, noch Straßen übrig, so würden sich die 20 bis 30 PiusvereinSmitglieder von Neuem versammeln und die noch übrigen Straßen und Plätze zur Einsammlung von Unterschriften unter sich vertheilen. Gut wäre eS wohl, wenn nach vorläufiger Schließung der Unterschriftenliste sogleich eine Generalversammlung sämmtlicher Theilnehmer an dem gegen die schlechte Presse gerichteten Bündnisse gehalten würde. Bei dieser Gelegenheit könnte man ihnen die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit dieses Verfahrens dringend an'ö Herz legen, sie zu desto größerem Eifer anfeuern und ihnen auch manchen Wink ertheilen, wie hierbei am besten zu verfahren sey u. s. w. Gleichermaaßen müßte man auch die Gutsbesitzer und Geschäftsleute der umliegenden Ortschaften und Landschaft zur Betheiligung an diesem Unternehmen zu gewinnen suchen. Wir können nicht annehmen, daß es nicht noch genug gut katholische Geschäftsleute n. s. w. gebe, die einem solchen Vereine beitreten würden; aber die alte Gewohnheit, ihre Anzeigen in der schlechten Zeitung deS OrtS einrücken zu lassen, legt sich nicht sogleich ab, zumal wenn eS an einem Einheitspunct zu einem hier nothwendigen gemeinschaftlichen Handeln fehlt. Dieser EinheilSpunct würde durch einen solchen Verein gegeben werden. Ehe man diese Vorschläge als fromme Wünsche belächelt, führe man sie aus! Wenn nicht drei gescheiterte Versuche hinter unS liegen, haben wir nicht Ursache, davon abzustehen! So viel in Betreff der Anzeigen; eS ist bei einem politischen Blatte offenbar der wichtigste Punct. 2) Hat man bewerkstelligt, waS im Vorhergehenden angegeben wurde, so kann der PiuSverein deS OrtS noch ein Weiteres thun und durch seine Mitglieder allenthalben zur Abschaffung der schlechten Zeitungen ermähnen. Die Abschaffung wird dann leicht von Statten gehen, weil ein angenehmes und zugleich nach allen Seiten hin nützliches Organ aufgestellt worden ist. Er kann weiterhin auch dringend anempfehlen, diejenigen Wirthshäuser rc. nicht zu besuchen, wo nur Zeitungen von schlechter Gesinnung aufgelegt sind; er kann auch ein eigenes katholisches Casino gründen, in ^welches keiner aufgenommen wird, dessen kirchliche Gesinnung zweifelhaft ist. Wenn die Freimaurer, Lichlsreunde und Nongcancr sich das Vereiusrccht fin besagter Weise so eifrig zu Nutze machen, so dürfen wir wahrhaftig nicht zurückbleiben. Von unserm Thun wird es abhängen, ob die nach uns kommende Generation Segen oder Fluch über unS ausspricht, noch mehr: wie wir einst vor dem Richterstuhle GvtleS bestehen werden. Im Schweiße unseres Angesichts müssen wir nun einmal unser Brod essen, und so wollen wir uns denn auch keinen Schweiß verdrießen lassen, wo eS Gottes Ehre, unser eigenes Heil und das Heil unserer Mitmenschen in der Mitwelt und Nachwelt gibt. DaS Himmelreich leidet Gewalt und wer !cS gewinnen will, muß eS an sich reißen. DaS gilt nicht bloß vom innern ! Kampfe deS Menschen, eS gilt ganz gewiß auch vom Kampfe mit äußeren Hindernissen, und wenn GotleS reichster Segen sich noch nicht an unsern , katholischen Zeitungen gezeigt hat, so kommt eS wobl nur daher, weil wir Einser Werk so wenig zu Seiner Ehre und in Seinem heiligen Namen ^ beginnen und weil wir eS unS (als Gesammtheit genommen) so wenig I Anstrengung kosten lassen. Also hinweg mit dem armseligen Seufzen über j die Verwüstungen der schlechten Presse! Legen wir in GotleS Namen Hand an, und eS wird sicherlich gnr gehen; Gott wird sein eigenes Werk nicht verlassen, billig aber entzieht Er Seinen Segen allem verzagten, nach Halbheit aussehenden Beginnen. In Anbetracht unserer gewaltigen geifti- 132 gen und sonstigen Mittel kann unS Katholiken der Sieg gar nicht fehlen, wenn wir unS stark und muthig aufraffen. (Fortsetzung folgt.) Hunger und Durst — aber nicht nach der Gerechtigkeit. -j- „Ich sah einmal fünf Männer, und was konnte ich anders, als sie für wahnsinnig halten? Der Erste kauerte mit vollen Backen Meersand. Der Zweite stand an einem See und bemühte sich dessen abscheuliche und übelriechende Dünste einznathmen. Der Dritte lag vor einem Ofen, der heiß brannte, und freute sich, die glänzenden Feuerfunken mit offenem Munde aufnehmen zu können. Der Vierte saß auf der Zinne eines Tempels und zog die Luft in sich ein, und wenn sie ihm nicht stark schien, wedelte er mit einem Fächer, um sie heftiger zu bewegen, als wollte er allen Wind essen. Der Fünfte befand sich unten und verlachte die Andern, da er doch am meisten selbst das Auslachen verdiente; denn er saugte mit unglaublichem Eifer an seinem eigenen Fleische und hielt bald die Hände, bald die Arme, bald andere Körpertheile an seinen Mund. Ich hatte Mitleiden mit diesen Menschen und fragte einen Jeden um die Ursache seines Elends, und ich fand, daß alle fünf den fürchterlichsten Hunger hatten. Als ich ihre magern Angesichler betrachtete, erinnerte ich mich der Worte des klagenden Psalmiften: „„Ich bin getroffen wie Heu, und mein Herz ist dürre: denn ich vergesse mein Brod z'u essen."" „WaS nützen euch," rief ich auS, „diese Dinge? ES sind nicht die natürlichen Speisen und mehr geeignet, den Hunger zu erregen, als zu stillen. Denn das Br»d der Seele ist die Gerechtigkeit, und glücklich sind nur Jene zu preisen, die darnach Hunger haben: denn sie werden gcsättigct werden. Denn nach dem Bilde Gottes ist gemacht die vernünftige Seele, die zwar mit Allem sich befassen, aber niemals ganz zufrieden gestellt werden kann; denn sie ist fähig, Gott in sich aufzunehmen, und nichts wird ihr Verlangen ausfüllen, was weniger ist, als Gott." Dieses sonderbare Gleichniß erzählte der honigflicßenve Bernardus seinen Schülern am Schlüsse der Erklärung deS Evangeliums: „Siehe, wir haben Alles verlassen und sind dir nachgefolgt." Der altehrwürdige P. Mathias aber hat diese Parabel nach der Fülle ihres SinncS und seines frommen Herzens auf folgende sinnreiche Weise gedeutet, vie auch für unsere Zeit paßt mit ihrem Hunger und Durft — aber nicht nach der Gerechtigkeit. 1. Die Geizigen und Habsüchtigen kauen den Sand des Meeres, das ist, Geld und Gut, mit beiden Backen; aber sie werden davon so wenig satt, als wenn sie Sand essen würden. Geld und Gut nützen den Geizigen so wenig als der Sand, weil sie selbes nicht anwenden, um sich Freunde und Abvocaten für die Ewigkeit zu machen. Wenn man auch manchmal gleichwohl mit Recht über die Arroganz der Armuth klagt, so ist doch auch die Hartherzigkeit mancher Wohlhabenden eine Veranlassung zum Aufschrei deS Armen an Gott und Mitmenschen. In einem Dorfe, daS wohlbemittelte Einwohner hat, war im vorigen Sommer ein armer Leerhäuöler krank, der wegen verschuldeten AnwesenS weder Arzt noch Arznei bezahlen konnte. Der Pfarrer und der OrlSvorsteher stellten demselben ein ArmuthSzcugniß bei dem Arzte auS, und glaubten auf die Mildthätigkeit der Gemeinde rechnen zu dürfen. Aber wie bitter sah man sich bei der Armenrechnung getäuscht, als dieser Armcnposten nicht zur Bezahlung anerkannt wurde! Wer war aber der Hanptgegner deS armen Kränkelt? Ein reicher Mann, der gar leicht allein diesen Posten hätte be- streiten können. — Mit Schrecken dachte ich an die Worte deö heiligen ChrysostomuS, daß daS Almosengeben eine christliche Pflicht sey, da ja sonst die Unbarmherzigen nicht auf die linke Seite gestellt würden. Der hartherzige Reiche hat viele Feinde, während der wohlthätige vermögliche Mann an den Armen viele Freunde hat, die ihm auch in der ankern Welt noch durch ihr Gebet nützlich seyn können. 2. Die Unzüchtigen athmen den abscheulichsten Gestank aus dem Schwefelsce ihrer fleischlichen Lüste ein und auS; denn waS ist cS anders, woran sie sich erfreuen, als die schändlichste Lust, die des Menschen Seele und Leib beschmutzt, die man vor den Augen der Menschen und vor dem Angesichte der Sonne verbirgt, und die ein geschämiger Mund nicht gerne anSspricht? Doch unsere Tage haben eine solche Geschämigkeit bereits abgelegt, wie von Wien und Rastalt berichtet wurde, wo die Emancipation deS Fleisches ihre schändlichsten Triumphe feierte, so, daß man an der Schwelle von Sodoma und Gvmorrha zu stehen scheint, und Deutschland bald in die Fußstapfen deS alten Romö treten wird, daS immer mehr in Verfall geriet!), je zerrütteter, wollüstiger und treuloser der Ehestand gehalten wurde. Bereits ist es in manchen Städten und Ortschaften so weil gekommen, daß rechtschaffene Eltern für die Tugend ihrer Töchter zittern müssen, wenn sie dieselben in den Dienst geben, da eS oft gerade so viel ist, als würden sie selbe in einen Venustempel schicken. Ein Theil der Armuth kommt eben von diesem Laster her; denn ein weiser Mann sagt: „Man malt die Liebe bloß — dieß hat seine gute Bedeutung. Denn sie macht manchmal so unverschämt, kein Hemd zu dulden, und oft so arm, keines mehr zu haben." 3. Die Feuerfunken, die begierig auS dem brennenden Ofen aufgefangen und gleichsam verspeist werden, sind die glühenden Rache- und Mord-Gedanken deS Zornigen. Denn daS Herz des Zornigen gleicht einem Glutofen, auS dem wie Feuerfunken die gröbsten Beschimpfungen und gräulichsten Gotteslästerungen, die ausgesuchtesten Racheübungen und grausamsten Mordthaten herausfliegen und ganze Gegenden in Brand stecken. Der Dornbusch wäre gerne König gewesen, aber weil er eS nicht wurde, darum ging Feuer vom Dornbüsche auS und verzehrte im Zorne LibanonS Cedern, tiefsehende und rechtschaffene Männer Deutschlands, die ! sich das Gewissen vom Dornbüsche nicht wollten zerreißen lassen, aber auch I die Hütten Derjenigen, die den Dornbusch zum Könige machten, wie wir ^ in Baden und in der Rheinpsalz sehen. Der Zorn will mit Leichen gefüttert und mit Blut getränkt seyn, und die Zornwunden deS HerzenS erzeugen wieder andere Wunden, so, daß unser unglückliches Vaterland einem Manne voll Blut und Wunden gleicht, der keinen Wundarzt findet. 4. Auf der Zinne deö Tempels sitzen die Stolzen und Hoch wüthigen und fächeln sich selbst.Wind zu, wenn ihnen die Untenstehenden nicht genug schmeicheln. „Der Hochmuth derer, die dich hassen, steiget immer." Diese Worte deS königlichen Psalmensängers, die er an Gott richtete, richten auch den Hochmuth unserer Zeit, der sich vor Gott nicht mehr demüthigen, der die Wahrheit nicht anhören, der seinen armen Mitbruder nicht ansehen will. Vor lauter menschlichem Respect vergißt man den Respect vor Gott, vor lauter Complimenten und Schmeicheleien versteckt sich die Wahrheit, und der unverschulvete Arme klagt eS nicht vergeblich seinem Gott, wenn der Stolze aus besserm Lehm gemacht zu seyn glaubt und seinen Mitgeschaffenen und MiterlöSten verachtet. Von der Zinne des Tempels, den sich der menschliche Hochmuth gebaut hat, müssen wir Alle, der Eine mehr, der Andere weniger, herabstcigen in das Thal der Demuth, und der Abgrund unserer Sündhaftigkeit muß anrufen den Abgrund der göttlichen Barmherzigkeit, damit wieder Gottes Gnaden- sonne die verfinsterten Herzen und Köpfe erleuchte. Aber dazu ist vor Allem nothwendig, daß das Licht der göttlichen Gnadenanstalt auf Erden, nämlich der Einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche nicht unter den Schüssel moderner StaatSklugheit gestellt werde, sondern frei leuchte. Wenn der Staat der Stadt Gottes auf Erden die Hände bindet, so sind auch seine Hände gebunden. 5. Der weise König sagt im Buche deS Predigers: „Der Thor frißt sein Fleisch." Und der heilige Augustin vergleicht den Neid mit dem Roste am Eisen, der es verzehrt. Unter dem fünften Manne also, den BernardnS an seinem eigenen Leibe saugen, nagen und beißen sah, verstehen wir einen Menschen, dem daS bekannte Sprüchwort in den Mund gelegt wird: „Die Saat auf dem fremden Acker ist fruchtbarer, und die Kuh deS Nachbars hat ein größeres Euter." Zu dem Geize, der Unzucht, dem Zorne und Stolze gesillt sich in unserer Zeit noch der Neid und die Unzufriedenheit und richtet großes Verderben in der menschlichen Gesellschaft an. Der Bürger beneidet den Beamten, der Bauer den Bürger, und keiner von diesen will mehr in seinem Geleise bleiben, weßhalb eS geht wie auf der Eisenbahn, wenn der Wagenzug von den gelegten Schienen abweicht und in einen Abgrund stürzt. Kleiderpracht und Genußsucht sind zwei Hebel der Hölle, welche in vielen Familien den Himmel deS FriedenS und des häuslichen Glückes aufheben. Denn eben der Neid ist eS, der Keinem mehr einen Vorzug gönnen will, und die Unzufriedenheit mit seinem Stande erregt im Herzen deS Armen die Mißgunst gegen Den, der mehr hat. Die vielen Wirthshäuser, Märkte und Tänze haben der genußsüchtigen Jugend gleichsam zum Dornbüsche gedient, woran ihr Geld, ihre Ehre, ihre Gesundheit und der Gehorsam gegen die Eltern hängen geblieben ist, und ein großer Theil der Verantwortung vor dem göttlichen Richterstuhle über daS ausgebreitete Verderben unserer Zeit kommt auf Rechnung Derjenigen, die dem Volke nur zu viele Gelegenheiten zur sinnlichen Lust gaben und über daS „Pfaffengeschwätz" spotteten, und so treffen wir denn gar häufig die fünf Männer deS heiligen BernardnS an, die Hunger und Durst haben nach Geld und Gut, nach fleischlichen Genüssen, nach Rache und Blut, nach dem Rauchwerke eitler Ehre und nach den Besitzungen und Genüssen des Nächsten, aber nicht nach der Gerechtigkeit, weßhalb der Ausspruch der ewigen Wahrheit an unS erfüllt werden wird: „Die Gerechtigkeit erhöhet ein Volk: aber die Sünde machet elend die Völker." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.- Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.