Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 28 kr., ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzcitnug werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 28 kr. Neunter Jahrgang. s. September 1848. Rede gehalten bei der Eröffnung der Volksversammlung in Mering von A. Lindenbaur, Pfarrer und Kämmerer in Mering, H. Vorstand des Vereins für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit, am 15. Aug. 1849. VerehrungSwürdige Versammlung I Wir vollendeten so eben in den heiligen Räumen deS hiesigen Pfarr- gotteshauseS das Hauptfest eines religiösen VereinS — einer Bruderschaft, die sich eines 200jährigen Bestandes zu erfreuen hat. Nun sind wir hie- her gekommen, einen Verein für gleichfalls wichtige Zwecke durch Abhaltung einer Volksversammlung feierlich in sein Daseyn einzuführen. Mir ist die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, die geehrte Versammlung zu begrüßen und willkommen zu heißen, dann ein einleitendes Wort zu sprechen über die Bedeutung und den Zweck deS VereinS. Um aber meiner Aufgabe genügend entsprechen zu können, möge es mir erlaubt seyn, etwas weiter auszuholen. In welchem Zeitmomente findet unsere Versammlung statt? In einem Momente, wie sie nur nach Jahrhunderten wiederzukehren pflegen; an einem Wendepuncte der Geschichte, wo die alte Ordnung in.Trümmern untergeht, und eine neue Weltperiode sich gebären will; in einer Zeit der Entscheidung, des Gerichtes, deS Schreckens, der Hoffnung, wo Alles, was nicht ewig ist, in Frage steht, wo wir, wie sonst fast niemals, in der allmächtigen Hand GotteS unS fühlen. Wer könnte dieß läugnen? Als im vorigen Jahre der Winter zu weichen und der FrühIingS- hauch zu wehen begann, wurde Europa von den SturmeSwehen einer Bewegung ergriffen, welche alle Stützen der gesellschaftlichen Ordnung erzittern machte. Alle Wünsche, gute wie böse, ungerechte wie gerechte, drangen ungestümm hervor gleich dem Gießbache, welchen der thauende Schnee geschwellt hat; alle Entwürfe, ausführbare wie unausführbare, verderbliche wie heilsame, glaubten ein Recht zu haben, in der Schnelle deS Augenblickes befriedigt zu werden. Ueber dem verworrenen Drängen und Treiben lächelte ein Stern der Hoffnung: denn manches Vermoderte sank in den Staub, dem es angehörte, nicht wenige Mißbräuche wurden abgestellt. Aber daS Glück wollte nicht kommen, und die Gerechtigkeit entfloh. Leidenschaft und Eigennutz traten mit verwegenem Trotz in den Vordergrund: die Freunde der Ordnung und des Friedens schmiegten trotz ihrer ungeheuern Mehrzahl sich schüchtern zur Seite. Frömmigkeit und Gottesfurcht wurden gehöhnt, Kirche und Geistlichkeit gelösten; die Zartheit deS Pflichtgefühls wurde als Sklavensinn und Albernheit ausgedeutet; Revolution, d. h. gewaltsame Umwälzung alles Bestehenden, ward als ein Recht der Menschheit gepriesen. Jeder Versuch, zu beschwichtigen und zu dämmen, wurde Tyrannei, Reaction, Verrath an der Freiheit gescholten, und den Herrschern, die Gott zu Schirmherren der Gerechtigkeit bestellt hat, sollte keine andere Rolle bleiben, als durch immer neue Zugeständnisse ihre eigenen Throne zu stürzen. Die Sturmglocken heulten, die Barricaden erhoben sich, der Meuchelmord schritt an sein finsteres Werk. Sachsen, Baden, Oesterreich im Kampfe mit Ungarn, Italien, die Weltstadt der Christenheit — Rom haben Mord und Brand, Leichenhügel und Trümmerhaufen der Verwüstung gesehen. Von unserm Vaterland Bayern ward nur die aufständische Pfalz mit diesen Gräueln heimgesucht. Betrachtungen dieser Art waren eS ohne Zweifel, die in unserm deutschen Vaterland Vereine zum Schutze der bestehenden Ordnung und zu ihrer gesetzlichen Fortbildung gegen gewaltsamen Umsturz hervorriefen. Auch in unserm Vaterland Bayern hat diese Betrachtung längst Jedem das Gefühl aufgedrungen, daß eS der Vereinigung aller guten und gesunden Kräfte, und der Verständigung und des Zusammenwirkens aller Edlen und Tüchtigen der Nation bedarf, um die heiligsten Güter der Menschheit durch die Sündfluth der Revolutionen in die neue Zeit zu retten; nnv diese Gesinnung war eS auch, welche die Männer beseelte, die in München im Monat Mai deS voriges Jahres zusammentraten, um den „Verein für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit" zu gründen. Dieser Baum, der in der Residenzstadt BavernS so viele Wurzeln gegraben, hat mittlerweile in allen Provinzen vielversprechende Zweige getrieben. Ein solcher Zweig beginnt auch aufzublühen in unserm Landcapitel Bayrmünching, daS seine Dorfschaften in drei Landgerichte» hat: Friedberg, Bruck und LandSberg. Gemäß ihrer organischen Verbindung hat der Zweig gleiche Bestimmung wie der Baum, und gleichen Zweck. Der Zweck aber, den der Verein für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit zu erreichen strebt, ist: Mit gemcinschastlichen Kräften dahin zu wirken, daß die Freiheiten, welche durch die königliche Proclama- tion vom 6. März vorigen Jahres bewilligt worden sind, einerseits nicht zum Umstürze mißbraucht, andererseits nicht zum Rückschritt beeinträchtiget werden. Der Verein wird daher streben, die Anhänglichkeit an daS angestammte KönigShauS zu befestigen, und daS gegenseitige Vertrauen zwischen Regierung und Volk in jeder Weise zu beleben und zu kräjffgen, und zu diesem Behufe an der Lösung der wichtigsten Fragen, von denen die Gegenwart bewegt wird, mitwirken. Wir sind seit lange im Besitze einer Verfassung, die alle Keime zu jeder heilsamen Verbesserung und Entwicklung auf friedlichem, gesetzlichem Wege enthält, wenn nur Jeder aus unserer Mitte mit Muth, mit Festigkeit und Thätigkeit seine Pflicht erfüllt. Ober soll unS etwa unsere Verfassung darum minder theuer seyn, weil wir sie nicht den Barricaden und vergossenem Bürgerblute, sondern dem freien Willen unsers KönigS Maximilian I. verdanken? Zwar glaubte der Hochmuth der ehemaligen Nationalversammlung von Frankfurt alle bestehenden Regierungen Deutschlands durch den Hauch ihres Mundes zerbrechen zu können, und befeindete auch unsere Verfassung. Aber die Weisheit und umsichtSvoll berechnende Klugheit unserer Regierung hat die Gefahren abgewendet. Am Frankfurter Parlament ist aber wahr geworden, was daS Sprüchwort sagt: „Hochmuth kommt vor dem Falle." Auch sollte die Welt inne werden, daß der Bestand und das Heil der menschlichen Gesellschaft nicht beruhe auf äußeren Gesetzen und StaatSfor- men, nicht auf einem künstlichen Mechanismus, nicht auf Künsten der Politik, nicht auf den Combinationen deS Handels und der Industrie, nicht auf materiellen Mitteln, nicht auf dem Gewebe egoistischer Interessen, auch nicht auf glänzender Intelligenz und umfassender Verstandesschärfe — sondern ganz und gar auf der Gesittung und dem Gewissen des Volkes, auf innerlicher Gerechtigkeit, auf versöhnender und helfender Liebe. Und diese Gesittung, dieses Gewissen, diese Gerechtigkeit, diese Versöhnung und Liebe, — ohne welche auf die Dauer auch die irdische Wohlfahrt nicht bestehen kann, — diese wurzelt allein in dem Christenthume, und schöpft nur auS ibm Wahrheit, Kraft und Leben. Wir haben deßwegen noch eine andere Verfassung, die in ihren wesentlichen Zügen göttlichen Rechtes ist, also unabänderlich, unwandelbar, über alle Zeitenstürme erhaben. Dieß ist die Verfassung der katholischen Kirche, die nach ihren Principien die festeste Stütze aller geselligen Ordnung ist. ES ist daher auch Hauptaufgabe deS VereinS, die derselben gebührenden Rechte zu wahren, die religiöse Freiheit der Kirche zu verlangen, zu behaupten, zu vertheidigen. Vom bayerischen Volke wissen wir zwar nach AuSweiS einer tausendjährigen Geschichte, daß eS mit seinen Fürsten Glück und Wohlstand genoß, so lange und weil beide der Kirche getreu geblieben, und daß ihre bürgerliche Freiheit segensvoll blühte und gedieh 138 im milden Lichte des Christenthums. Ich dürfte nur Namen nennen aus dem bayerischen Regenten-Geschlechte, wie einen Wilhelm den IV., den Standhaften, der gleichsam Blut unv Leben verpfändete für die katholische Kirche, oder seinen Sohn Albrecht den V., den Großmüthigen, den selbst die Vätcr dcS Concils von Trient die stärkste Schutzwehr der Religion und dcS heiligen Stuhles nannten; einen Wilhelm den V. den Frommen; den großen Churfürsten Marimilian I., der Bayern zu einer weltbedeutcnden Macht erhoben hat, und den die Geschichte den Retter deg Katholicismus in Deutschland im dreißigjährigen Kriege nennt: nur solche Namen darf ich nennen, um unS in Cnnnerung zu rufen, waS sie der Kirche, und waS sie ihrem Volke waren. Auch wären wir undankbar, wollten wir vergessen, daß unter König Ludwig!. Bayern sich zum ersten katholischen Staat in Deutschland und zum Rang einer eigentlichen Großmacht emporgeschwungen hat, und waS er für Kirche, Schule, Kunst und Wissenschaft gethan. Auch Marimilian II, dessen Wahlspruch Freiheit und Gesetzmäßigkeil ist, bauet sein und seines BolkeS Glück auf Religion und Kirche. Bon dieser Seile her wäre demnach für die religiöse Freiheit nichts zu fürchten, wenn eS nicht Diplomaten und Staatsmänner, Rathgeber und Volksvertreter gäbe, die, vom Geiste der Verneinung be- herrscht, etwas ganz anderes wollen. Haben wir ja doch die Worte vernommen, die ein bayerischer CultuSmiiuster in der Nationalversammlung zu Frankfurt auözusprechen wagte, indem er behauptete, vaß die Verfassung der Kirche einer radicalen Aenderung bedürfe, und von Grund auS umgestaltet werden müsse. Aber Dr. DöUinger und Dr. Sepp, diese ritterlichen Kämpfer für Kirche und ihre unantastbar heiligen Rechte, haben diesem unbefugten Reform-Projecranten eine wohlverdiente Lection gegeben, und eine totale Niederlage beigebracht. Eine ganz andere Sprache führt der gefeierte Staatöminister von der Pfordten, der am 24. Mai l. I. in der XII. öffentlichen Sitzung der Kammer der NeichSrälhc unter andern daS große Wort gesprochen: „Ich weiß nur Cine Hilfe bei diesem Zustande der Gegenwart, aber ich bin überzeugt, daß sie genügt. Jeder Einzelne halte fest an den ewigen Principien, auf denen der Staat ruht, auf welchen die Wohlfahrt des Ganzen, wie deS Einzelnen ruhen muß, an dem Rechte und der Achtung vor dem Gesetze; an der Achtung vor dem Sittengesctze, welches die tiefere Basis deS Rechtes ist, — vor der heiligen Ordnung der Dinge, die wir nicht gemacht haben, und die wir auch nicht zerbrechen können. Von öieser Achtung erfüllt thue Jeder, was seines Amtes ist, auf seinem Posten, und alle lassen sich leiten von der Liebe zum Vaterlande, von der Liebe zu unsern Brüdern, die daS höchste Gesetz ist. Wenn dieß die Gesinnung der Mehrheit wird, dann ist unS geholfen. In welcher Form, auf welchem Wege, das vermag ich noch nicht zu sagen, aber überzeugt bin ich, daß unS dann geholfen wird. „Dringt aber diese Gesinnung nicht durch, so-mögen die Räthe der Fürsten und die Fürsten selbst sinnen und thun waS sie wollen, und die Vertreter deS Volkes mögen rathen und beschließen waS sie wollen, eS wird Elend über Elend über das deutsche Volk hereinbrechen, und nach langen unabsehbaren Kämpfen wird die gewaltige Hand, die über den Menschen ist, die Ordnung wieder aufrichten, welche der Uebermuth der Menschen frevelnd vernichtet hat." Dieß ist auch meine feste Ueberzeugung. Ich schließe meine Rede mit einem Glcichniß. Ein Seeschiff eilet Monate lang durch die Weiten dcS MecreS, unter ihm der Abgrund der Fluchen, ober ihm die Stürme deS Himmels, neben ihm Klippen und Sanvbänke, und wohlbehalten kömmt es an daS ferne Ziel, weil der Schissöhauptmann und der Steuermann, der Bootsmann und der Matrose, was sie zu wissen brauchen, wissen, und mit unverdrossenem Eifer üben. Doch nehmen wir an, während die dunkel sich thürmenden Wolken schon den herannahenden Sturm verkünden, sprechen die Matrosen zum Capilän und zum Steuermann: Gleichheit ist LaS heiligste Menschenrecht: wir sehen nicht ein, warum eben du unS gebieten, und den strengsten Gehorsam fordern, warum eben du am Steuerruder dich breit machen und unserm Fahrzeuge den Weg vorschreiben sollst? Und darauf treiben sie beide von ihren Plätzen, ernennen einen Schiffsjungen zum Befehlshaber, stellen einen unwissenden Matrosen an's Steuerruder. Ohne Zweifel wird dieses Schiff daS losbrechende Ungewitter nicht bestehen, und bald alö ein unbehilflicher Wrak auf den schäumenden Wellen treiben. Eben so geht es im StaalSIeben. Jeder freie Mann ist berufen, an seinem Orte und nach seinen Kräften für die Wohlfahrt deS Ganzen zu wirken; doch nicht Jeder vermag die verwickelten Verhältnisse zu überblicken, von deren richtiger Beurtheilung daS Heil der Staaten abhängt, nicht Jeder ist befähigt in jeder Beziehung an der Uebung der Staatsgewalt Theil zu nehmen. Darum hat daS Volk seine Vertreter gewählt, die Hand in Hand mit der Regierung das Wohl' dcS Vaterlandes berathen. Im Vertrauen auf sie, wollen wir einer bessern Zukunft entgegen ^chen. Es ist nun aber Zeit, den sehr geehrten Herren Rednern, die nach )»ir aufzutreten die Güte haben, den Platz einzuräumen; nur behalte ich jmir die Ehre vor, auf des KönigS von Bayern Majestät ein Hoch auszubringen, und ich rufe mit begeisterter Seele: i Marimilian II. König von Bayern lebe hoch! Winke zur Hebung der katholischen Presse. ' (Schluß.) ^ III. Von der Förderung der übrigen Volksliteratur. ! Wenn man von der katholischen Presse im Allgemeinen redet, wie eS die Hauptüberschrift dieser Arbeit angibt, so müßte man eigentlich auch der Literatur der Wissenschaft gedenken; doch würde uns dieß hier zu weit führen. Dieser Gegenstand eignet sich besser für eine besondere Abhandlung von gehörigem Umfang, als für einen Aufsatz, ver in übersichtlicher Behandlung der katholischen Presse im Allgemeinen nur Winke zur Hebung derselben ertheilen will. Daher habe ich für diesen Abschnitt „die übrige Volksliteratur" zur Ueberschrift gewählt. Darunter verstehe ich: 1) die Kalender; 2) die UnterhaltungS- und BelehrungSliteratur, welche in Heften oder etwa in Bündchen erscheint; 3) die Flugschriften. Ueber jede dieser Gattungen soll noch im Einzelnen gehandelt werten. Die Kalender. Von dieser Gattung unterscheidet man sogleich zwei Arten: 1) die sogenannten Volkskalender, die in Quartformat erscheinen und in der Regel mit groben Holzschnitten versehen sind;— 2) die Jahrbücher oder Almanache, welche in Octav erscheinen, feiner ausgestattet und mehr für die Gebildeten deS Volks bestimmt sind. In Betreff der Volkskalender bringe ich folgende Vorschläge in Anregung und empfehle sie der Erwägung und Beherzigung aller derer, die durch Talent, Neigung, Beruf und Einfluß besondere Aufforderung haben, sich der katholischen Volksliteratur anzunehmen. 1) Für das gesammte katholische Deutschland nur einen Kalender, etwa nach Art deS Kalenders für Zeit und Ewigkeit, aufzustellen und diesen dann recht zu verbreiten, dazu würde ich nicht rathen. Ist so ein Kalender für eine gewisse Gegend oder für ein gewisses Land auch ganz vortrefflich gehalten, so paßt er doch für eine andere Gegend Deutschlands bei weitem weniger, vielleicht ganz und gar nicht. Für einen Kalender, der z. B. durch und durch nur Religionslehre enthält, wie eS namentlich die Fortsetzungen deS Kalenders für Zeit und Ewigkeit zu beabsichtigen scheinen, könnte ich gar nicht stimmen, weil dieß unmöglich daS Volk auf die Dauer dem Kalender wird geneigt machen. Die Leute sagen mit Recht: „Wir haben Christenlehre und Predigt und haben daheim den Katechismus, ein paar gute Gebetbücher und den Pater Gosfinö; — waS brauchen wir da noch einen Kalender, der über daS Kirchenjahr u. s. w. spricht? Wir haben dieß Alles schon in unserer nächsten Nähe eben so gut und vielleicht noch besser, als eS der Kalendermann abhandelt. Mit der Religion muß man auch glimpflich umgehen, darf nicht so viel Spässe, Witze und Derbheiten darein mengen, sonst versäumt der Leser über dem Lachen die Buße und der Kalender wird ganz seiner eigentlichen Bestimmung entfremdet." So ungefähr hört man die Leute reden und sie haben ganz recht, wenn sie auS einem Kalender nicht wollen ein ReligionSbuch gemacht sehen. Folgt denn nun daraus, daß etwa die Religion auS dxn Kalendern verschwinden solle? O keineswegs! Die Religion soll im Kalender herrschend seyn und bleiben, nur in anderer Weise. Ueber daS „Wie?" wird später gesprochen. Ich will hier nur geltend machen, daß eine jede Gegend ihren besondern Kalender haben muß. So muß z. B. die Schweiz, und in derselben sogar mancher einzelne Kanton, einen eigenen Kalender haben; eben so Schwaben, Altbayern, Franken, Hessen, Thüringen, Sachsen, Tirol u. s. w. Ein allgemeiner Kalender kann nicht auf die verschiedenen VolkS- Eigenthümlichkeiten und besonderen OrtSverhältnisse der einzelnen Länder Rücksicht nehmen und das müßte doch geschehen, wenn der Kalender gehörig verstanden, gehörig brauchbar werden soll. Man lasse sich es also angelegen seyn, für jeden besonderen Landstrich auch einen besonderen Kalender aufzustellen, unv trage dann dafür Sorge, daß er so viel als möglich verbreitet wird. Ich will besonders darauf aufmerksam machen, daß gutgesinnte Katholiken die Herausgabe eines Kalenders nicht jedwedem Verleger überlassen sollen. Mancher Verleger oder Drucker sieht nur auf seinen Gewinn, ohne der Religion Rechnung zu tragen, und stellt einen Kalender auf, der zwar manche platte Erzählungen, schlechte Witze und Anekdoten und abgedroschene, unhaltbare Belebrungen über Kartoffelkrankheit, Dünger, Wanzenvertilgung, Baumzucht u. s. w. enthält, aber weit entfernt ist, ein ordentlicher Kalender zu seyn. ES sollte sich in jeder Gegend eine Gesellschaft eifriger Katholiken bilden, welche sich die Ausarbeitung, AuS- 139 statiung und Verbreitung eines guten Kalenders zur Aufgabe sehte. In den einzelnen Kantonen der Schweiz haben sich schon seil Jahren die Sec- tionen der „gemeinnützigen Gesellschaft" die Herausgabe von Kalendern zur Aufgabe gesetzt und ihre Bemühungen wurden mit dem besten Erfolge gekrönt. Warum sollte daS bei uns nicht gehen? Warum sollten wir Katholiken allein nur so gewissenlos seyn, die Kalenberliteratur einem blinden Zufall und Ungefähr oder einer glaubenslosen Speculation zu überlassen? Laden wir unS denn dadurch nicht eine ungeheuere Verantwortlichkeit auf? Ich kann darauf nicht anders antworten, als „Ja!" Darum wolle man denn endlich auch hier einmal frisch anS Werk gehen! DaS Nähere wird in einem der folgenden Puncte besprochen werden. 2) Ueber die Einrichtung eines solchen VolkSkalenvers mache ich folgende Vorschläge. Da daS Volk selten zu einem richtigen Verständnisse der Zeit gelangt, in welcher es lebt — wenigstens kann eS eine solche Kenntniß nicht auS den bunt durcheinander gemischten hochtrabenden, einander oft widersprechenden und sehr häufig auch mit Parteihaß erfüllten Artikeln der Zeitungen schöpfen — so ist eS vor Allem wichtig, ihm diese Zeit in einem klaren, aber gedrängten Bilde vorzuführen, so zwar, daß der so eben erscheinende Kalender eine nach Monaten geordnete Uebersicht der Ereignisse des vorigen Jahres brächte. Diese Uebersicht müßte neben ihrer Klarheit und Vollständigkeit durchweg von einem innigen christlichen Geiste getragen und durchweht seyn und in einer gefälligen, munteren und Allen verständlichen Schreibart abgefaßt werden, wobei eS sich natürlich von selbst versteht, daß vor Allem der gelehrte Fremdwörterkram, welcher der Stolz unserer Zeitungen und die Pest der deutschen Sprache ist, wegbleiben müßte. Wo es der Gegenstand zuläßt und zu erfordern scheint, da herrsche eine muntere, mit gesundem Witz und Spott gewürzte Sprache; anderwärts aber herrsche auch wieder gewaltiger, erschütternder Ernst. Durch daS Ganze muß sich der herrliche Gedanke hinziehen, daß Gott, als Vater der Menschen, auch ihr Erzieher ist, und daß darnach auch alle Erlebnisse und Ereignisse im Menschenleben zu beurtheilen sind; eS muß dem Volke anS Herz gelegt werden, daß eS die Erziehungspläne GotteS, wie sie in dessen Fügungen und Schickungen hervortreten, verstehen lerne und darnach immer mehr sein Leben einrichte. Ich weiß eS aus verschiedenen Beispielen, daß eine solche Zeilübersicht, in Einrichtung, Geist und Sprache so gehalten, von allen Ständen LeS Volks ungemein gern gelesen wird und eine tiefe Wirkung hervorbringt. Ja man kann mit vollem Rechte sagen, daß ein Kalender, um einer so beschaffenen Zeitübersicht willen, gar nicht veraltet, immer noch nachverlangt und selbst nach zwanzig Jahren noch sehr gerne gelesen wird. Der Kalender dient dann an der Stelle der alten Chroniken und wird vom Volke, wegen deS hohen göttlichen Planes, der in demselben zur Anschauung vorgeführt wird, hoch in Ehren gehalten. Diese Zeit- Chronik würde also den Vordergrund einnehmen. Darauf würde dann eine gute Erzählung aus der alten oder neuesten Zeit folgen, und wenn sie nicht zu lang ist, würden daran noch einige kurze und merkwürdige daher wirksame Charaklerzüge u. s. w. aus dem Leben angeschlossen. Wenn über diesem Erzählungsstoffe auch nicht die Ueberschriflen stehen: „Vater unser" oder „viertes Gebot GotteS u. s. w.," so würde die Erzählung doch selbstredend nur von christlichem Geiste und Leben, ermunternd oder warnend, Kunde geben. Man würde um der schönen Hülle willen auch den heilsamen Kern der Erzählung liebgewinnen und so dürfte manche gute Lehre beim Volke einen bessern Boren finden, als wenn die Sache rein katechetisch u. s. w. angelegt worden wäre. Das dritte, was der Kalender zu bringen hätte, wären sogenannte Nützlichkeitsartikel, Recepte u. s. w. jeder Art, aber nicht als bequeme Lückenbüßer, sondern mit großer Sorgfalt ausgewählt. Dann kämen die Jahrmärkte, Post- und Dampfschiffcurse, Zinsiabellen, und zuletzt daö Einmaleins. Ein paar ordentliche Holzschnitte oder Lithographien dürften nicht fehlen. Würde dabei der Kalender auch gegen vier Bogen stark, so daß das Eremplar auf 14 Kreuzer oder 4 Sgr. zu stehen käme, — der Kalender würde um seiner Einrichtung und Haltung willen gerne gekauft werden. Laßt ihn auch meinetwegen 5 Sgr. kosten; ist er gut, so macht er sein Glück. Daß vorne der eigentliche Zeit- kalender mit Monat und Datum, sammt Bauernregeln und was noch dazu gehört, nicht fehlen darf, ist an sich klar. 3) Als Herausgeber eines solchen Kalenders wähle man einen Mann, dem eine populäre Schreibart und originelle Einfälle eigen, sind. Wollte ^ Jemand den Kalenderstyl nach diesem oder jenem Muster 'nachahmen, so! käme dadurch nur ein arges Pfuschwerk zu Stande. An jeder Stelle würde! die Papageyennatur sichtbar werben und unbefangene Leser würden sagen:! „Man sieht wohl, daß sich der Kalendermann alle mögliche Mühe gibt,! den VolkSrednerton anzuschlagen; aber gerade weil er sich solche Gewalt anthun muß, wird seine Sache ungenießbar und wäre ihm zu rathen, sich auf etwas Anderes zu verlegen." Der Kalender müßte ganz von einem und demselben Verfasser seyn, ausgenommen die landwirthschaftlichen und sonstigen gemeinnützigen Aufsätze, welche ohnehin einen ganz andren Charakter haben, als daS Vorhergehende und daher auch einen andern Vcr- fasser zulassen, ohne daß die Einheit deS Kalenders darunter leidet; daß der Kalender vor der Herausgabe der Prüfung einiger Sachverständigen unterliegen muß, mag sich von selbst verstehen. 4) Endlich ist noch über die Ausgabezeit deS Kalenders ein Wort zu sagen. Da man einen guten Volkskalender gerne so weit als möglich wirb verbreiten wollen, um auch durch einen starken Absatz einigen Vortheil zu ziehen, so kommt auf die Zeit der Herausgabe sehr viel an. Wenn manche Kalender erst im November versendet werden, so ist dieß offenbar zu spät, daher nachtheilig für den Absatz. Der Herausgeber muß dafür sorgen, daß der Kalender spätestens Ende August versendet wird. Der Einzelverkauf wird am besten den Buchhändlern und Buchbindern, und wo keine solchen sind, den Krämern übertragen. Ueber die Jahrbücher oder Almanache ist kurz Folgendes zu bemerken: 1) Vor Allem zeichne sich ein solches Buch durch Mannigfaltigkeit und Frische deS Stoffes auS. Ein lahmer, langwriligcr Styl ist hier eben so wenig zulässig, als im Bauernkalender. Die Erzählungen, Bilder u. s. w. dürfen nicht gewaltsamer Weise vom kirchlichen Gebiete herbeigeschleppt werden. Sollen eigentliche kirchliche Bilder und Scenen darin vorkomme», so müssen sie sich naturgemäß anS der Erzählung hervorfinden und dann nicht zu sehr gehäuft. Manche Herausgeber katholischer Jahrbücher oder Almanache meinen, sie thäten der guten Sache und den Lesern einen großen Gefallen, wenn sie bei jeder Gelegenbeit Mönche, Processionen, Kreuze, Capellcn u. s. w. aufmarschiren lassen. Darin besteht aber der katholische Gehalt einer Erzählung nicht, sondern in der treuen Auffassung der Wirklichkeit, die durch den religiösen Geist veredelt und auf höhere Bahnen hingewiesen wird, so daß der Leser, möchte ich sagen, mehr unbewußt den religiösen Kern der Erzählung in sich aufnimmt und nicht durch gesuchte Scenerie gewaltsam darauf hingestoßen wird, daß er eS hier mit einem katholischen Almanach zu thun habe. Die Gedichte, wie sie seither in solchen Büchern geliefert wurden, dürften entweder besser und kürzer seyn oder ganz weggelassen werden. Auch könnte auf die äußere Ausstattung mehr verwendet werden; eine gute Ausstattung ist nicht immer nothwendig theuer. Guter. Geschmack und Sorgfalt bringen viel zu Stande. Die Produkte der modernen Aufklärung bieten in Betreff der Ausstattung gute Muster dar. Zur Anfertigung schöner Zeichnungen für Erzählungen empfehle ich mit gutem Gewissen den talentvollen Maler G. A. Lasinöky zu Trier. *) 2) Wie sehr es zu wünschen ist, daß in solchen Almanachen Alles Originalarbeit, nicht Nachahmerei oder gar Nachschreiberei sey, bedarf wohl seiner besondern Auseinandersetzung. - 3) Was im vorigen über die Zeit der Herausgabe der Kalender gesagt wurde (Siehe Nr. 4.) gilt auch liier. - Wir haben unter dem Stande der Geistlichen, Professoren und Lehrer !sehr tüchtige Talente, diese sollten sich dieser Literatur mehr annehme». 'ES ist ungeheuer leicht, über schlechte Kalender loszuziehen; wäre eS nicht besser, selbst mit anzugreifen und so daS Schlechte durch Gediegenes zu verdrängen? I). Die UnterhaltungS- und BelehrungSliteratur. Sehen ^wir unS in diesem Gebiete um, so begegnen wir in der protestantischen Literatur einer Menge von Zeitschriften, welche viel Fleiß und Geschicklich- keit verrathen; auf katholischer Seite dagegen ist darin noch so viel wie Nichts geschehen. Kein Wunder also, wenn unsere katholischen Länder ! fortwährend mit solcher protestantischen Lectüre noch überschwemmt werden ^ind in Folge solcher Lectüre Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen und irrige - Grundsätze ungestört verbreitet werden. Allerdings hat sich der BorromäuS- verein ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er die Verbreitung guter Bücher beförderte und ein wahrhaft heilsamer Erfolg ist seitdem schon an vielen Orten sichtbar geworden. Unter den Bemühungen deS Borro- mäuövereins schätze ich auch die Gründung von OrlS-Lescbibliotheken sehr hoch; allein eS fehlt uns noch an guten Zeitschriften, die »ach der Arr der Stuttgarter Erheiterungen, der Pfennigmagazine, Spindlerö AuSland, Lewald's Europa oder nach Art der schweizerischen Unterhaltungsblättcr (z. B. die in St. Gallen und Bern) angenehme unv nützliche Unterhaltung gewährten. Professor Dr. Moritz zu Aschaffenburg hat einen Anfang damit gemacht durch Herausgabe seines „katholischen Erzählers;"*'*) aber er wurde in jeder Beziehung zu wenig unterstützt. Man kann daher auch an die zwei biS jetzt erschienenen Bändchen keinen strengen Maaßstab an- *) Zur Ausarbeitung solcher Zeichnungen muß man dem Künstler die ganze Erzählung im Manuscript schicken. Bloße Andeutung bestimmter Scenen, brieflich ihm zugesandt. kann nicht zum Ziel führen. Der Berfaffcr. ") Druck und Verlag von Florian Kupferberg in Mainz. 14 « legen. Wie wäre eS denn, wenn der BorromäuSverein und dazu noch die PiuSvereine Deutschlands dieses Unternehmen als ein gemeinschaftliches aufgriffen und durch literarische Originalbeiträge, so wie durch eifrige Verbreitung zur Blüthe zu bringen suchten? DaS könnte doch nicht so schwer halten, wenn sich so viele und so tüchtige Kräfte daran betheiligten?! Die Protestanten haben ihren „Kämpe" ihren „Harnisch" und Andere; — waS haben aber die Katholiken? Ich schlage daher vor, daß man dieser Zeitschrift, die bis jetzt in zwanglosen Heften erschien, allseitig aufhelfe in der vorhin gesagten Weise. Novellen, Erzählungen, Anekdoten, Biographien, Gedichte, Mittheilungen auS der Länder- und Völkerkunde, Reisebeschreibung, belehrende religiöse Aufsätze, Mittheilungen auS der Naturkunde u. s. w. würden ein recht gutes Werk bilden. Dem Hrn. Professor Moritz, der zur Herausgabe eines solchen Werkes gutes Geschick besitzt, würde man die Redaction des Werkes überlassen und ihn nur gehörig unterstützen. ES müßten aber wenigstens vier Bändchcn jährlich erscheinen und auch auf die Ausstattung müßte etwas mehr Sorge verwendet werden. Ordentliche Arbeiten würden wohl zu erzielen seyn durch Ausschreibung von Preisen. Da ja die Erzählungen u. s. w. nicht so lang zu seyn brauchen, so wären die Kosten leicht aufzubringen durch gemeinschaftliches Zusammenwirken. Wenn für eine Erzählung von sechs Druckbogen ein Preis von etwa 60 Thaler gesetzt würde und der Verfasser auch noch ein bestimmtes (von den Herausgebern festgesetztes) Honorar per Druckbogen erhielte, so meine ich, wäre daS eine Aufmunterung für manche unserer Schriftsteller, die nicht ohne Beachtung gelassen und nicht ohne guten Erfolg bleiben würde. ES brauchen übrigens auch nicht alle Arbeiten Anfangs honorirt werden, da ich nicht ohne Grund versichern kann, daß Viele, auS Freude, ein solches Unternehmen endlich auf katholischem Gebiete zu begrüßen, recht gerne freiwillig einige gute Beiträge liefern würden. Erstarkt nach und nach daS Werk, so daß Honorar gegeben werden kann, so wird dieß dem Unternehmen nur förderlich seyn; denn manches Talent hat mit Armuth zu kämpfen und dabei noch arme Eltern zu unterstützen, so daß cS lieber den mühsamen Weg der Privalstunden wählt, um sich Etwas zu erwerben, als den Weg der Presse. Würde vorläufig jährlich nur ein Preis oder deren zwei ausgeschrieben in die namhaftesten katholischen Blätter BayernS, Rheinlands u. s. w., so könnte sich die Sache, nebst dem daß auch die Verbreitung thätig betrieben würde, gehörig heben. Man muß dem guten Willen nur in der rechten, zweckmäßigen Weise entgegen kommen, und man wird die Erfahrung machen, daß wir nicht so arm sind, als wir aussehen. Ein würdiger Gegenstand allgemeiner Theilnahme im gesammten katholischen Deutschland wäre auch die Unterhaltung eines gemeinsamen Organs für Erziehung und Unterricht. Ich will die Sache hiemit ohne alle weitere Bemerkungen nur angedeutet haben. Sollte Ließ unsere Kräfte einstweilen noch übersteigen, so wären gewiß unsere kirchlichen Blätter, wie z. B. der „Katholik" crbötig, pädagogische Abhandlungen und Aufsätze aller Art aufzunehmen. Wir können ferner noch brauchen eine etwa in zwei mäßige Octav- bändchen zu fassende Geschichte des deutschen Volkes, recht klar und populär erzählt nach Art der Schweizergeschichte von Heinrich Zschokke; vielleicht auch mit einigen guten Holzschnitten geziert. Eben so eine solche Kirchen- geschickte für daö Volk. Und so gäbe eS der Unternehmungen noch mehr, die nach und nach ausgeführt werken könnten zum Segen der Mit- und Nachwelt; denn warum sollte nicht endlich auch daS Gute Lurch die Presse mehr um sich greifen, wenn die gottlose Aufklärung seit Jahren auf demselben Wege einen so ungeheuern Erfolg erzielt hat? Man denke nur an Rotteck'S Weltgeschichte, Zschokke'S Stunden der Andacht und Anderes dieser Art! Möchten diese Bemerkungen wenigstens das Gute stiften, daß die Sache angeregt und besprochen und endlich durchgeführt würde. Ich hoffe, dieß werde um so eher geschehen, als die schlimme Zeit denn doch gar Vielen unter unS die Augen geöffnet haben wird über daS, was Noth thut und w v'S Noth thut. U. Die Flugschriften. Diese haben die Bestimmung, in Zeiten, wo außerordentliche oder doch ungewöhnliche Ereignisse und Umstände ein treten, dem Volke schnell diejenigen Fragen, um die cS sich da eben handelt, klar zu erörtern. Gemeinsames Handeln ist auch hier, wie in andern litcrarischen Zweigen, sehr wichtig. Berührt in Deutschland eine Frage die katholische Kirche, so ist daS ganze katholische Deutschland daran be- theiligt, und warum sollte da nickt auch daS Bemühen und Zusammenwirken Aller eine und dieselbe Flugschrift, wenn sie volkSlhümlich abgefaßt ist, allseitig verbreitet werden? Der Central-Vorstand dcS PiuSvcreinö, dessen Vorort jetzt BreSlau ist, ist in den letzten Tagen in dieser Beziehung mit einem guten Beispiele vorangegangen und hat damit überhaupt eine Bahn eingeschlagen, auf welcher die katholische Presse in mehreren Hinsichten sehr befördert werden kann. Er hat nämlich zur Ausarbeitung von Flugschriften zwei Preisfragen ausgeschrieben: 1) Ueber daS Recht der ErziehungS- und Unterrichtsfreiheit für die Familie. 2) Ueber das Wesen der katholischen Vereine Deutschlands; zwei sehr praktische Fragen von höchster Wichtigkeit. Ich freue mich, daß mit diesem Verfahren schon der Anfang gemacht worden ist und denke, eS werde sich bald auch auf andere Literaturzweige erstrecken. Die Kosten zu solchen Preisaufgaben dürften um so leichter zu erschwingen seyn, als mancher reiche Katholik, der gerne für jeglichen kirchlichen Zweck etwas Namhaftes beiträgt, eine besonders reichliche Gabe zu den EinsammlungS- geldern legen würde. Haben wir in diesem Frühling der Beispiele mehrere gehabt, daß einzelne wohlhabende Katholiken für den heiligen Vater 300 ^ Thaler, 100 Thaler u. s. w. beisteuerten, so läßt sich hoffen, daß sie für seinen trefflichen litcrarischen Zweck, dessen Besorgung sie in guten Händen wissen, auch etwa 30 oder 40 Thaler geben werden. Wie nützlich die Flugschriften waren, haben wir zur Zeit der Rongeanischen Wirrsale gesehen und hatten nur zu beklagen, daß die Unkosten solcher Flugschriften ! nur zu sehr Einzelnen zur Last fielen, weil zu einer allgemeinen Verbreitung derselben (namentlich zu einer unentgeltlichen) bei Weitem nicht die nöthige Unterstützung und Mitwirkung geleistet wurde. Nun, waS damals ! nachlässig geschah, kann jetzt besser gemacht werden. Wir leben wiederum ^in einer Zeit, die von Irrthümern und Verkehrtheiten aller Art strotzt. Jetzt gilt eS, seinen oft durch schöne Worte ausgemalten Eifer durch entsprechendes Handeln zur Wahrheit, zur lebenvollen Wirklichkeit zu machen. Wohlan, wenn wir im Vertrauen auf den Beistand Gotteö, mit Gebet, rüstiger Kraft und Opferwilligkeit an's Werk gehen, so wird dieß der Boden werden, auf welchen der allbarmherzige Vater im Himmel Seinen reichlichen Segen herabgicßen wird. Täuschen wir uns nur nicht; weil wir so ins Irdische versunken, weil wir in allem Guten so entsetzlich lau und träge sind, darum kommen in dieser Zeit so schwere Leiten über unS. Kehren wir wieder zurück zur wahren Liebe Gottes und zur thätigen Nächstenliebe, so binden wir gleichsam die strafende Hand GotteS und bewegen Ihn, unö wieder gnädig zu seyn und Tage des FriedenS und Glückes zu schenken. Manche verschwenden ihre besten Geistes- und Gemüthskräfte, ja auch ihre Zeit, ihr Vermögen und ihre Gesundheit an daS Abdreschen politischer Fragen, von denen wir kein Heil zu erwarten haben. Unsere Wirksamkeit in Bezug auf Gestaltung staatlicher Verhältnisse ist äußerst gering; die Leitung dieser Angelegenheiten steht völlig in GotteS Hand. Er hat unS gezeigt, daß alle unsere Weisheit, vom hochgepriesenen Professor herab bis auf den bunten ungelehrten Abschaum der Parteien lauter Dummheit ist und die Verwirrung nur größer macht. ES kommt mir vor, als wären wir mit einem Thurmbau beschäftigt und wollten auS Versehen oder auS übergroßer Pfiffigkeit zuerst die Thurmspitze bauen, ehe nur noch ein Fundament steht. So kann es nicht gehen. Halten wir vorläufig die Freiheiten fest, die wir errungen haben und nehmen wir die zahllosen praktischen Lebensfragen in Angriff, zu welchen auch die Presse gehört, weil sie ein mächtiges Mittel ist, die zur Ausführung eines großen Werkes erforderliche Gesinnung vorzubereiten oder doch zur Reife, zur Einheit zu bringen. W ü r z b ir r g. AuS der Döcese Würz bürg. Die katholischen Vereine auf dem Lande, die im Anfange zu so glänzenden Hoffnungen berechtigten, sind dem Beispiele des VercinS in Würzburg gefolgt, und haben sich theils in Folge der fortwährenden Angriffe auf die persönliche Ehre jener Männer, die sich an die Spitze solcher Vereine stellten, theils in Folge der gewonnenen Ueberzeugung, daß dieselben von Oben nicht gerne gesehen würden trotz der Billigung Sr. Heiligkeit deS Papstes und der in Würzburg versammelten Bischöfe, großentheilS aufgelöst, wenigstens kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Einen traurigen Einfluß auf das kirchliche Leben übten die Märzvereine und die zahlreich abgehaltenen Volksversammlungen, auf denen als regelmäßiges Thema gemeine Schimpfereien und Verdächtigungen deS KleruS figurirte. Daher ist nicht zu verwundern, daß, wenn auch die Mehrheit des Volkes noch fest an seinem Glauben und seinen Geistlichen hält, doch Viele, welche solche Schmähungen fortwährend hören oder in Zeitungen lesen, dieselben zuletzt für wahr halten, und eine gewisse Scheue, ja Abneigung gegen die Geistlichen an den Tag legen. Selten sieht man solche Märzvereinler in der Kirche und leider haben sich bei diesen Vereinen auch Lehrer bctheiligt, die dann einen nachteiligen Einfluß auf daS Volk üben und fast immer Opposition gegen die Geistlichen bilden. (Sion.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.