Vierteljähriger Abou- nemenispreis im Bereiche von ganz Bayern nur 2V kr„ ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nickt-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich t st. 20 kr. Uountcr Jahrgang. M 8«. N. September 184N. Hermann von Lehnin. Der Lic. Theol. Beikirch hat ein merkwürdiges Buch herausgegeben unter dem Titel: Prophetenstimmen mit Erklärungen. Möglichst vollständige Sammlung aller Prophezeiungen aus alter und neuer Zeit, über die Gegenwart und Zukunft, mit Erklärung der dunklen Stellen. Ein Kalender für unsere verhängnißvolle Zeit. Mit dem Motto: „Verachtet die Weissagungen nicht. Prüfet aber alles und waS gut ist behaltet." I. Paulus an die Thess. 5, 20. 21. Paderborn bei Schöningh 1849. Das Werk enthält eine Sammlung von 35 der merkwürdigsten Prophetenstimmen älterer und neuerer Zeit, und zwar bis herab auf GörreS, der vor seinem Sterbetage am 26. Jänner 1847 noch von Ungarn sagte: „Ich sehe ein großes Leichenfeld," und über den Zustand der Völker: „Betet für die Völker, die nichts mehr sind," und über die Reiche: „Ich beklage den Untergang der Monarchien," und über das Verhältniß von Kirche und Staat: „ES ist zum Abschluß gekommen, der Staat regiert, die Kirche protestirt." Der Verfasser hat sich angelegen seyn lassen alle die Prophezeiungen mit schlagenden, kurzgefaßten Erläuterungen und Erklärungen zu versehen, und so dem in gedrängtem Raume vielumfaffen- den Buche einen eigenthümlichen Werth zu verleihen. Nachdem seit einigen Jahren die berühmte Prophezeiung deS Bruders Hermann von Lchnin in vielen Auflagen und Erklärungen erscheint — so daß die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Vorsage sich wendet, so wollen wir die 100 merkwürdigen Verse, in denen sie enthalten ist, mit BeikirchS kurzer Erklärung hier folgen lassen, um einerseits jene Leser, denen der Text noch unbekannt seyn sollte, damit bekannt zu machen, oder jene, die ihn bereits kennen, in Besitz desselben zu setzen, denn eben jetzt wäre die Zeit, wo die acht Schlußverse auf ihre Erfüllung warten. Hermann war ein im Rufe der Heiligkeit gestorbener Bruder des Cistercienser-KlosterS Lehnin in der Mark Brandenburg. Er lebte um daö Jahr 1270. Seine Weissagungen betreffen zuerst sein Kloster Chorin in der Uckermark. Da aber das Schicksal des Klosters aufs Innigste mit den Wechselfällen der regierenden Fürsten zusammenfällt, so bildet die Geschichte dieser Regenten den Hauptinhalt dieser Prophezeiung. Hermann sagt den Untergang deö Hauses ASkanicn voraus, schildert die hohcnzollernschen Regenten ganz bezeichnend, gibt Zeit und Umstände des Einbringens des Protestantismus an, und sagt diesem eine Dauer bis zum eilften Nach- - folger deS ersten lutherisch gewordenen Hohenzollern voraus. An das Abtreten dieses Hauses vom Schauplatze der Weltgeschichte knüpft er die Wiederherstellung deS deutschen Reiches und der allgemeinen, einigen Kirche. Dann tritt, nach dieser Prophezeiung, iil Uebereinstimmung mit Holzhäuser, eine herrliche Zeit für Staat und Kirche ein. Die Weissagung ist in 100 leonischen Versen geschrieben (b. h. in Herametern, die in der Mitte und am Ende einen Reim haben). Dieselbe VerSarr findet man auch in alten Inschriften des Klosters, ein Beweis, daß die Mönche von Lehnin mit dieser VerSart sehr vertraut waren. Nach einer allgemein geglaubten Sage soll die Handschrift von Lehnin nach Berlin gekommen seyn, und dort sorgfältig verborgen gehalten werden. (?) Sie wurde schon im Jahre 1723 von Professor Lilienthal in Königsberg nach einer alten Handschrift herausgegeben. Sie ist seit 100 Jahren oft angefochten und eben so oft vertheidigt worden. Ihre Hauptverlheidigung ist aber, daß ihre Angaben immer richtig eintrafen, und so Hermann sich als ein wahrer Prophet bewährte. Einzelne Erklärer haben auS Unverstand oder Uukenntniß der preußischen Geschichte die wunderlichsten Auslegungen gemacht. Wir wollen daher, damit ein jeder von der Wahrheit dieser Prophezeiung sich überzeugen kann, nach genauem Studium der preußischen Geschichte, so kurz und faßlich als möglich, den Text erklären, ohne ihm im Geringsten Gewalt anzuthun. Der Original Teil folgt nach einer guten Ausgabe zuerst; nachher die deutsche, möglichst wörtliche Uebersetzung mit den Erklärungen. Vati ei nimm 1rotri8 Ilurinouni sd cd I-u I, n i n. 4. Arme tibi «'um eura eono lotn lüturo, 2 . l)uou mild mcmstruvit Iluminus, ,;ui cunela cruavit. 3. Aam lieut iusigiii, siout sol, 8p!u»duo8 igi», 4. Ut, vitou, tuton, nuiic dugo8 devolom.i 5. Almudeutcjuu rite trouijudlou eommodo vitou, 6. '1umj>U8 urit tondcm, cpmd tu nun euniut um,dem, 7. Imo vix ulloi», 8ud Iiunu dixurc», imllom. 8. Ouoo tu limdovit gec>8, Imue tu 8un>puromovit, 9. tlac puruuntu puri8, neu motur omo>,iIi8 uri.8.k! 10. Ut nune oI»8(jUu nmro, prupimpiot llul>iÜ8 hurn, 11. ()uo 8tirps Ottouiü, i,o8trou ducu8 rugiui>i8 12. Nugno ruit tät«, nullu 8upur8titu „oto, 13. luiiucjuu eodu8 prinium, 8ed »cmdiim vuni.8 od imum. 14. lnterua clirm ougetur morellio »,oIi8: (miri8, minis) 15. Aon, doi»U8 Ottoiwiu liut 8peIu„co luommi, 16. cle urit uxtru8U8 vuro du 8ongui,iu s„8U8, 17- HtMudo purugrini vuiiiunt od eloudro (diorilii; 18- Oerl,eiec>8 1u8tci8 »>ox tollit 1'.ae8oric> 08tu.8, 19. 8ud porum tuto gouduliit moreln'o «cutc»; 20. kugoli8 rur8Ui» luo tendit od olturo uur8>i»i: 21- Aue dvmincm ver»8 Iioee turn, vidulut ut I,uro 5 . 22. Oumia turludmut reetore8, di»,»,o,;uu d-il,ui,t; 23- Aui>dit 08 divu8 vuxoln't undicpiu uivu8, 24. lioptolät elurum „u!Io disuriminu rurum, 25- Lt loeiunt i8ti, cjuud loetum U8t tum>»>ru <'I>ri8ti; 26- Korpora inultorui» veiuluntur uvnlro dueonii». 27- Au punitu8 du.8it tüii <;ui, muo morcluo, proumt, 28- Lx l,ui»d>8 8>irg,'8 I,i„j8 nuiiu i„el)tu H>irgi8, 29. Aueui>di8oeum, 30- LuilttjUV >Uj,08 „UU08, UVÜM8 j»-0UU(„'diu 8UU08. 31. Ilieo ti>,i vurum: tun 8tir>>8 lungouvo diuruiu. 32- Impuri>8 jiorv,8 ;>otrii8 dnminoliitur orv>8, 33- Uuliue j,ru8troti lüurmt, <;ui tunu. Iioimroti 34. Uil »08 vo8tol,a„t, I)»llii,i„8 rugliuru vutolmut. 35. 8nueudo»8 >mtr> tullit privilugi» lrutri, 36- Aue läeiut i,u8tun> „oii ju8tui», eruduru ju8tuni. 37. llusu 880 liullis VUNI8, 80 ,ti 8 (jiiu >,roeuIIi8, 38. ^lox Irotur 1orti8 8ueeudit tumporo mort,8. 39- 1^orti8 ut >»« ljuidei», 8ud vir vun>88u»U8 idum; 40. Hum eugitot montem vix 8emiduro potu8t s-untum. 41. Ln acuit un.8U8! 11i8uri v«8, o l.u1,nii>un8U8! 42. Ouid uurut srotru8, <;ui vidt ex8uiduru potre8! 43. ^Itur ol, I,ve uwrtu», 8eit ludiliuaru pur orten,, 44. 4>U8picium notm Iiie pruuhut su!ieiti»ti8, 45. <)uod dun, 8urvotur, i„gun8 surtuno porotur. 46. I1uju8 urunt not, conlorini 8vrtu I,uoti. 47 . Inlurut ot tri8tu,n jiotriuu tunu suuinino p68tem. 48- l'oemina 8urpu„tl8 tol,u eontrouto reee»ti8; 49 . Iloe u«I undunum durolut 8tumn,o vununum. 50. Lt „uiiu ,8 prodit, <;ui tu o I^ulmin „in,i8 «dit; 51. Dividit ut uultur, otliuu8, 8eortutur, odultur! 52. LueIu8,oin vo8tot, hono ruligi »80 8ul>lu,8tot. 53. Ite mou8 populus! protuetor U8t til>> nullu8, 54. Iloro donue vuniut, 1 IllIU! toilliio ,,II>0j>OIli IIi>'.08 III uriio, 8>>o ootoii 8»I>oIoii> l'ovol loriiiiiliiie ;,ioloi»: 4 tiiiuK olvmoi'ii»,, oortv liiiiio» 0880 suloruiii. loiom oovn i»»v lil, putiooto äoliovn: -lillo 80 ii 1 v 1 »imvis, ooju8 «lurotio I-rovi^; Alolo, j>oi- oilii In,», 8l!ll 1uil>iii>8 I'loin per iolom. k)oi>o lumo» in pl!j>18 Iiiulimlor ju88ili08 eju8, I» » 10 I 108 151» OOIOOlti j>»886 i>olnlo. ?»8l >>1,1,0111 I11>108 08l >>ii»00>»8 5liiro1iio»a1u8 logoiiio 1110 II 08 000 vivoro 8i>ii1 iim>1»8. Dom »iiiiiiim «roilil, iiii8oroii> >>ooii8 Io>»U8 ockil, 1^1 80 «>i»' 1 or 8ori»8 illomiiii mov lüln >>ro1orvu3. Hu ,10 voiiimil, i>u,I)U8 cko Iiurgi8 uoiiiiim Irilius. I<5> oio8«i'1 Iutu8 iimguo 8ul> >»inei,io 8lu1o8. 8oo„riiii8 j-«mli8 o.8l korliluoo irogo,iti8: 801 I ml juviiliil, >>ru«!o»liii guiiinlo ouimliil. <)»i 8>>00088or oril, >>ii1ri8 imuck V08ligiu leril. Onilo klillr68, InoI>I) 11 li 8 »00 >> 1 >n:ilv I>mlre8! Imllil i» Im» »oiiioo luoli rogi»ü»i8 011100 , IXil 8»,> 0,681 >>>.»>: V 0 I 0108 migialo oolooi! Ll jliool vvli»«4u8, 1ori8 t>UN88il1U8 ol i»1u8. Alov juvoni8 fromil, ckum »liigim >>uoi>>ori> goniil. 8ock Ij>U8 lurlmlui» >>» 108 l r 08 lrillg 0 r 0 8ln1uiu? Vovillui» limgol, 80,1 lall, orulloiii, plaogol. 4'Ii>i>1i>>U8 Iiiiio MI8III8, viliiiu vu!l oiodoro oIiiU8lris. 0»i 80 ,>uilur, >»ii,vo8 inüliilur >> 088 i,»u 8 rno8, IXon roliur iiiouli, »ou n«l8Uii1 iiumimi gonli. 11uju8 o>>o»i >>v1i1, ooil1ri>iiu8 Iiio 8>Iii 8lo1i1, Ll >>or,'1 in mul!8, duiu I»I8001 8MMMI >>rol'uncki8. IX. 11 U 8 lloroliil, guock IIOI 1 8j»6i'ii886l, Imiiodil: 80 ,1 >io>>uIu 8 1 i-i 8 li 8 lloliil 1oliii>on1iu8 i 8 ti 8 . ^liii» 8«>r1i8 miiiio vidoiilur luki venioe; L1 iiri,u'eii8 ii68oi1, cjuoll nova poloolia erteil, 't'smlom 8oe>>1ni goiil, ') iiilmiOom 8(:o>U8 iiuilol, morlo >ii»iic1mii. Ll s>c>8lol' giv^vm reoijiil, 6ioniia»iii rogom. Aliiooliiii oum4o5um ^o»i1u8 olilila muloimm, 1>>8» 8008 301 I 0 I fovoio, N6V Ullvonil ^iioilvl: 1^118011 l^oliiiiiii 8Ui'L;m>1 ei leelii (^oitiii, Ll veleri mooe (1Ieeu8 8j>Iei»1o8eet Iiooore, IXle Iuj >08 iioOili j»Io8 ii^idiiilur ovili. ^gorlsi.yuiiji folgt.) Die lateinische Sprache in der Kirche. **) Uiilcr den Fortkrungni, wclche Lic Ncucrcr in der Kirche, geistlichen unv welilichen Sinneeö, Hochgelehrte und Alltngeschreier, seit Jahren schon gestellt, nniuinhr aber, rreil die Zeilverhälinisse ihnen günstig scheinen, weil ste Lerbündete haben an den pclitischen und kirchlichen Ra- dicalen, an den Glanbene-gleichgilligeii, an den Glaubenslosen und an den Glanbenchassern, inu neuem llngeltüin wieder vorbringen, fehlet nie daö Verlangen nach Beseitigung cer luieimschen Lprache auS der ganzen Lirurgie. Wie immer ras Unstauhasle, um daö Glimpflichste zu sagen, dieses Begehrens mir überzeugenben Giüncen nachgewiesen seyn mag, die Männer, welche nun einmal um jeoen Preis Neuerungen wollen, da der alte Geist der Kirche zu ihren iieumousch aufgeklarten Hinsichten nicht paßt, möge eö selbst aus dem Wege eines förmlichen Schisma S geschehen, wiederholen uiierniüdcl ihre veralteten, längst verurlheillen Gründe, wenn auch in Schriften etwas glimpflicher uns zärter, als dieß vor Jahren auf dem Katheder geschehen ist vor Theologen, die, bald darauf in den Priester- stanv eintretend, die ganze Liturgie in der ihnen so verächtlich gemachten und wahrhaft verhöhnten lateinischen Sprache vornehmen mußten. *) Ein Eclcbrtcr, der dic Hcindsibrist in Berlin gesehen, versichert uns, es müsse nach den Zügen derselben ss reso gelesen werden (Zn gleicher Weise ist durch falsche Lesung rwn sanegeo-il der „i>l. Grat» cnistandcn, während zu lesen ist: das wahre Blut.) ") Wir cnlnchincn diesen kurzen, aber körnigen Aussatz dem vor Kurzem erschienenen Werke: „Katholisches Kirchcnlhnm, bchandeli in zwanzig Kanzcirevcii, mit besonderer, kritischer Wahrnehmung des sogenannten D c n l sei, ka 1 h 0 l i. i s 1» u s ; nebst einem An-! hange: Fresken a»S dem Krcnzgangc Bon Wilbclm Gärtner, Opcrar und Feiertags-! Prediger an der kaiscrl. königl. Wiener Universilätskirchc. Motto: b>on ksvoro, seä lichors. Wien ISIS. Verlag von Karl Gcrold." I Unter diesen Umständen dürfte eS manchem unserer Leser nicht unangenehm seyn, zu vernehmen, wie ein geistreicher Prediger diesen Gegenstand vor einem zahlreichen Publikum in der Wiener UniverstlätSkirche be, handelt hat. Nachdem er in Kürze erwähnt, wie die Sprache beim Gottes- oienste mit der katholischen Principiensrage gar nicht nothwendig zusammenhänge, da z. V. die unirten Griechen und die unirten Armenier nicht wie wir in der lateinischen, sondern in ihrer Nationalsprache den Gottesdienst verrichten und dennoch als ganz gute katholische Christen zur Kirche gehören, fährt er fort: Eine andere Frage ist eS: ob und in wie fern es rathsam und vom Heile seyn dürfte, hinfort in allen Ländern die betreffende Landessprache alS die gotteSdicnstliche einzusetzen? ES mag seyn, daß es für viele Menschen — wenn nicht schon für alle, — eine Periode des Alters gibt da man gar zu gern aufgelegt wäre, in der Welt aufzuräumen und zu refvrinireii) ich gestehe, daß eS für mich, da ich noch alle Tage mein Pensum zu machen halte, ein Lust gewesen wäre, der lateinischen Sprache i in der Kirche und noch in gar manchem Anderen, den Garaus zm machen, so zwar, Laß am Ende der ganze Gottesdienst aufgegangen wäre in der erbaulichen Strophe: „Der Celt', der Griech', der Hottcntot Verehren kindlich einen Gott." Da begegnete eS mir aber nachmals, daß ich von Kirche und Kir- chenthum mehr anzuhören bekam, als mir anfänglich lieb war; später hielt ich eS für eine Ehrensache, meinen Beruf und seinen Boden kennen zu lernen; allmälig kam mir die Kirche anders und ganz anders vor, als ich mir sie in der kindlichen Hoffarl jener Jahre, da der Mensch noch alle Tage ein paar Sacktücher braucht, gedacht halte; sie gefiel mir wohl gar, namentlich merkte ich, daß ihre Grundwerke, wie tief man ihnen auch nachgrabe, gar kein Ende nehmen wollen, sondern vielmehr durch alle Schichten der Zeit und Weltgeschichte zurückreichen bis in die Schöpfungö- tage hinein unv obend'rein wie aus einem Gusse seyen, und daß man sich in die ganze Weltgeschichte nicht hineinfinde, und der Wanderzug ihrer Völker ein Räthsel ohne „Woher?" und „Wohin?" wenn man nicht auf der Hochwane katholischer Umschau stehe; und eö begegnete mir, daß ich jetzt meine Lust und Freude habe, diese Kirche gegen ihre Gegner zu vertheidigen, wie man mir auch durch anonyme Briefe drohe, daß ich „bei der nächsten Gelegenheit werde krepiren" muffen. Darum, wenn gewisse Leute meinen, die Kirche, mit Putz und Stiel, wie eine Giftpflanze, leichter Mühe ausrotten zu können, so fällt mir ein ! eine klein winzige aber buchstäblich wahre Geschichte. In meiner Vater- j stakt hatte ein Schmid ein Stück Kette so eingeschmiedet in daö Pflaster, daß eS die Anstrengung keiner Menschenhand herausreißen konnte; und da machte eS dem drolligen Manne Spaß, wenn Jemand vorbeikam und die Kette, die ihm im Wege lag, meinte aufheben zu können. Eine solche Kette ist aber auch die lateinische Sprache in der Kirche. — Sie ist eine Kelle, die in die Vergangenheit zurückreicht, und zwar in eine Vergangenheit, die von den sieghaftesten Triumphen der Kirche über eine ganze (alle) Welt erzählt: sie ist eine Kette an der sich schon Millionen in den Him- i mel hinauf gegriffen haben; die lateinische Sprache der Kirche ferner, sie !jst, ja sie ist ja die Muttersprache der Kirche: als Kind hat die Kirche !in dieser Sprache geredet; die lateinische Sprache ist ferner eine „todte," und das macht, daß in dieser Sprache nicht mehr geflucht, nicht mehr gesündigt wird, daß Liese Sprache derzeit eine unentweih'te ist; die lateinische Sprache in der Kirche gibt dem Zöglinge des PriesterthumS den gold'nen Schlüssel zu dem Schatze alter, classischer Bildung in die Hand und macht, daß, wenn Studienpläne und UiuerrichtSwesen ihm bisher die neue Zeit verrannten, ihm doch die Retrospektive inS Alterthum geöffnet war. Die Gelehrten, die in Deutschland zusammengetreten sind, bereits stimmen sie für Beibehaltung der lateinischen Sprache als der UniversitätS- sprache; und wie, der Kirche, die mit ihr ganz anders innig verbunden ist, als die Schule, wollte man sie nehmen? Ferner: die Kirche als etwas, daS von Uebcrweltlichem herkommt, in UeberirdischcS ausgeht, hat ihr Geheimniß, ihre Mystik; einer solchen Beziehung entspricht ihre gesonderte, den Todten abgeborgte Sprache. Ferner: die Sprache der Menschen war, einst in der Urzeit, auf der ganzen Erde nur eine, eine einzige. Gründliche Sprachforscher, wie von Eichhofs, Ceyden, LepsiuS, Gulia» >noss, die beiden Schlegel, Schubert, Wilhelm von Humboldt, GörreS, wissen daS sehr gut; sie wissen, daß die bekannten 2000 Sprachen der Erde sich im Grunde ihrer Abstammung auf nur sechs Sprach- familien reduciren, unv diese sechs auf jene einzige Ur- und Muttersprache. ! Wer den Sündenfall der Stammeltern und, als Folge dessen, den Krebsgang der Menschheit durch lange Zeit hindurch recht versteht, und wer eben so versteht: wie die Kirche, wenn ich so sagen darf, abgesehen von der himmlisch hohen Aufgabe der Heiligung in ihrem Hohenpriester 143 Christus, auch ein Marschall „Vorwärts" für die rückwärts gegangene- Menschheit seyn und die Menschen wieder hinauf und zurück tragen sollte über die Stufen, über die sie, im Rückschritte nach abwäuö, hinab gcra- Der Papst an den Fürstbischof von BreSlan. BrcSlau, 30. Juli. Unser hochwürdigster Herr Fürstbischof hat then waren, der wird eS als ein bedeutungsvolles Zeichen, uno gleichsam schon vor längerer Zeit die erste Sendung der in unserer Diöcese für als einen Reflex jener einen Ursprache erkennen, daß die Kirche, alS^Se. Heiligkeit Papst Pius IX. gcsaniniellen Liebesgaben im Werthe von zugleich die Paralyse deS Sündenfalis und seiner Folgen, wieder nur von! 12,500 Gulden österreichisch an den heiligen Vater von Wien auS nach einer Sprache für Alle im Reiche GolleS wisse. > Gaoia abgehen lassen. Sc. Heiligkeit haben diese Summe sammt dem Be- Und dennoch, — merken Sie wohl auf, gibt cS noch einen andern gleiischreiben unseres hochwichtigsten Herrn Fürstbischof« erhallen und dar- Grund, der allein stark genug wäre, — die Einheit der golteödienft-! auf nachstehendes Dankschreiben an den hochwürdigsten Herrn Fürstbischof liehen Sprache für die ganze Kirche zu rechtfertigen: eingesendet. Da zeige ich denn hin auf unseren Reichstag. — Dort sitzen Mäu-> Papst Pius IX. Ehrwürdiger Bruder! Heil und ap »florier von verschiedenen Volksstämmen, zu berathen das Wohl des Vater- lischen Segen! Keine geringe Tröstung hat UnS Dein unter dem 5. landeS. WaS mußten sie aber zu allererst berathen? Nun wohl, eS war die Frage: welche Sprache ist ReichStagSsprache? Und welcher des jüngst verflossenen Monats Juni von Wien anS datirtcS Schreiben, das Wir neulich empfangen haben, bereitet. In allen Theilen offenbart Mäßigung und Vereinbarung bedurfte und bedarf es nicht in diesem Puncte nämlich dasselbe Deine ganz besondere Ergebenheit, Liebe und Ehrerbietung fort und fort? und wie ist das gesonderte Sprachoermögen nicht dennoch! gegen UnS, und den so herben Schmerz, von welchem Du, ehrwürdiger hie und da mindestens eine Schwierigkeit? Aber was ist die Völkernuschung ^ Bruder, sammt Deinem Klerus und dem gläubigen Volke ergriffen wurdest, der Monarchie gegen die der katholischen Kirche mit ihren eilfhunvert Bl> sobald nur der in so hohem Grade traurige Wechsel Unserer Verhältnisse schüfen und zweihundert Millionen Seelen? mit ihren Kirchktndern aller § dort kund geworden war. Die liebevolle Gabe aber, für deren Darbrin- Sprachen und aller Farben? !gung NamenS der Gläubigen Deiner Diöcese Du Sorge getragen, hat Wie soll dieses bunte Gemisch der Sprachen und Farben und Ratio-! Unser väterliches Herz mit nicht geringer Besorgnis, erfüllt, da in dieser nalitäten Grund für eine Kirchensprache seyn? Ich antworte: weil die!so großen Bediängniß der Welt- und Zeitereignisse die Gläubigen ihrer katholische eine ccntrale ist; well in ihr daS Princip der Einheit Liebe gegen UnS sich gar zu sehr überlassnd, dieß selbst nur mit einem Lebensprincip ist; wie nur ein Oberhaupt, so nur ein Glaube, ein!eigenen empfindlichen Nachtheil haben thun wolle». Indem Wir nun Dir Opfer, ein Gottesdienst in ihr; andererseits ist sie aber und will und solliund Jenen den größten Dank sagen, erwarten Wir von Deiner Frömmig- sie seyn für Alle; nicht für ein Landstädtchen, nicht für einen Club, nicht check, daß Du sammt ihnen es niemals unterlassen weidest, Ehrwürdiger für Winkel und Tischecken ist sie bestimmt, sie ist nicht die Kirche der Son- derung und Spaltung, nicht die Kirche nationaler Rivalitäten, auch nicht die Kirche von zwei oder drei Aufklärungöcommissären und „Compagnie," die da Actien auf den gesunden Menschenverstand ausgeben; auch mehr die Kirche von: „Meine Herren, was meinen Sie? Bleibt Artikel Eins stehen? Dulden wir unsern Herrgott noch eine Weile? Lassen wir unser Licht leuchten?" oder „WaS ist'S mit dem „„Gott"" und „„Vater,"" oder installiren wir den „„Weltgeist?"" Und was machen wir mit der unphilosophischen Canaille, die von „„Weltgeist"" und CvmmumSmuS nichts versteht?" Sie ist auch keine Kirche von und für Offenbach, keine Duodez-Sevez-Kirche, keine Kirche einiger weniger auSerwählter Frommen, oder Seher oder Besessener, die zu jeder Stunde eine Frage an den Weltgeist frei haben. Die Kirche ist eben die katholische, d. i. die Welt- und Universalkirche; und was ihr Oberhaupt an der Tiber spricht, muß der Priester in Wien und der an der Lina und der am Ohio verstehen; i,nd-der katholische Matrose muß die Messe, oder das Weihnachten, oder den Ostern- Gottesdienst, der in Bombay, oder am „gelben Meere," oder am „stillen Ocean" gefeiert wird, eben so gut verstehen und als den seinigen erkennen, wie den, Verba gefeiert wird in Hamburg oder Marseille; und wenn die Kirche ihren Reichstag, ihre allgemeine Kirchen- versammlung feiern will, so muß sie ihre ReichötagSjp-achc haben, die alle Abgeordneten der Kirche, auch die auS der Mandschurei verstehen. Sie sehen, es gibt mehr als einen guten Grund abzulehnen Laö Ansinnen: so vielerlei gottesdienstliche Sprachen in der Kirche einzuführen, als eS vielerlei Nationen Latin gibt. Und gleichwohl müßte man vielleicht in der Behandlung dieser Frage nicht allzu ängstlich seyn. Ich scheue mich nicht eS auSzusprcchen, daß es auch etwas werth ist, wenn der Priester und das gläubige Volk sich nicht nur einander verstehen, sondern dieses Verständniß bei solchen Momenten deS Gottesdienstes, die als Ansprache des Einen zu dem Anderen, oder als Wechselsprache erscheinen, auch wirklich ausgesprochen vorliegt; mit einem Worte: wenn, wie es in der Natur jedes anderen Gespräches liegt, das Kirchengespräch mit dem Gläubigen ein, beiden Theilen verständliches ist, also in der Seliger ist Gebe» als Empfangen. Zur Zeit, da der ehemalige Pair von Frankreich, Victor Hugo, noch ein berühmter Dichter war, redete er von der Tugend der Wohlthätigkeit eben so schwülstig und bilberhaft, wie von allen übrigen Gingen; er nannte sie eine Schwester LeS Gebetes und des Glaubens, er rühmte ihre süßcn Augen, als ob der Glaube, das Gebet, die Wohlthätigkeit lebendige Personen wären, die irgend einmal, da er eben beim Frühstück saß, ihm ihre Aufwartung gemacht hätten, um sich seiner Gunst zu empfehlen. Wir Anderen, die wir nichts als einfältige Christen sind, wissen ebenfalls von süßen und barmherzigen Augen zu reden; doch schreiben wir sie nicht der Wohlthätigkeit zu, sondern einer gütigen und erlauchten Wohlthärer in, die wir auch unsere Fürsprecherin nennen. Blumige Reden bringen keine Frucht, und leere Reden haben keinen Halt. Darum ist eS nicht befremdlich, Laß der geschraubte Dichter jetzt, wo er bei der Sprache der Gläubigen geführt wird. Ich meine also: das, waS Gesetzgebung mitreden soll, den Socialisten zu Gefallen seine Lobsprüche der Priester mit den Gläubigen oder zu den Gläubigen in der kirchlichen zurück nimmt, und von Wohlthätigkeit und milden Spende» nichts mehr Handlung spricht, möchte vielleicht in Gottes Namen in der Landessprache wissen will. Ihm liegt vor allem daran, alle Menschen recht selbstbewußt, gesprochen werden können; nie und nimmer aber Las, waS heilige Hand-,v. h. nach seinem verkehrten Verständniß, recht stolz zu machen. Darum lung und Sprache zwischen ihm und Gott allein ist. Und ich habe gesagt: erklärte er sich öffentlich gegen jede Art von Almosen; denn, so rief er: „vielleicht," weil daS eine Privatansicht ist, die ich wohl haben darf, in daS Almosen entwürdigt, es setzt den Menschen herab, eS erniedrigt der ich mich aber möglicher Weise irren könnte; weil ich ferner mir nicht ihn. Wen? den Geber oder den Empfänger? Darüber sprach cr sich nicht anmaaßcn darf, derlei anders als unmaaßgeblich zu meinen, da die Kirche jauS. ES ward ihm aber von Montalembert erwidert: „DaS Almosen so organisirt ist, daß jede Reform als solche, auch die kleinste, nicht gereicht sowohl dem zur Ehre, der cS gibt, als dem, der eS empfängN" anders als im verfassungsmäßigen Wege, d. i. im Wege der, der Kirche Wer versteht Liesen AuSspruch? Wer die Worte LeS Heilands begriffen Bruder, dem großen und allgüligcn Gott unaufhörliche und heiße Gebete darzubringen, damit Er seine heilige Kirche auS den so großen Stürmen, von denen sie gegenwärtig umhcrgeschlcudert wird, mit seiner allmächtigen Kraft herausreiße und sie mit den Siegen und Triumphen seiner Kinder ausschmücke und erhöhe. Wir sicher werben eö nie vergessen, in der Demuth Unseres Herzens von dem allbarmherzigen Gott zu erflehen, Laß Er die reichsten Gaben seiner Güte gnädig über Dich jederzeit ausschütte und Deine hirtcnamtlichen Sorgen segne, auf daß die Dir anvertrauten Gläubigen von Tag zu Tag sich mehr von der Sünde abwenden, daö Gute thun und auf dem Wege vorschreiten, der zum Leben führt. Endlich bekräftigen Wir Unser vorzüglichstes Wohlwollen gegen Dich durch den apostolischen Segen, welchen Wir auS dem Grunde deS Herzens Dir selbst, Ehrwürdiger Bruder, und allen Deiner Obsorge anvertrauten Geistlichen und gläubigen Laien liebreichst ertheilen. Gegeben zu Gcttcka den 5. Juli 1849. Unseres Oberhirtenamtcö im vierten Jahre, (gez.) PiuS PP. IX. An den ehrwürdigen Bruder Melchior, Bischof von BrcSlau, nach Wien. eigenthümlichen socialen Berathung von oben herab, — also auch nicht vom Bischof allein, unternommen werden darf. hat: daß Geben seliger sey, als Empfangen. Aber um Liese erhabenen Worte zu begreifen, ist nicht so sehr ein scharfsinniger Verstand erforderlich, als ein großmüthiges Herz. (Oesterr. Volköfrd.) Volksversammlung in Pfaffenhausen. Von der oberen Mindel, 30. Aug. Ihrem Wunsche gemäß folgt hiemit, wenn auch etwas spät, ein schlichter Bericht über die am 19. v. M. in Pfaffenhausen gehaltene Volksversammlung, welche vom dortigen PiuSverein veranstaltet wurde, und ein würdiges Seitenstück zu den in der Postzeitung bereits besprochenen bildete. Schon bei der am 15. v. M. in Pfaffenhausen gehaltenen consti- tutionell'monarchischen Volksversammlung hatte ein Mitglied des AugSburgcr PiuövereineS (Dr. P. Wittmann) nicht nur im konstitutionell- monarchischen, sondern vornemlich im kirchlichen Geiste zu den Schaaren des Volkes geredet, und die Gemüther für die große Sache des Pius- vereineS zu gewinnen und zu begeistern gesucht. So bildete die Versammlung am 15. gleichsam eine Vorbereitung für die auf den 19. anberaumte. Letztere schien übrigens von der Witterung nicht begünstigt. Denn in der Frühe um 5 Uhr war der ganze Himmel umwölkt, und eS regnete sogar eine Zeit lang heftig. Doch aUmälig heiterte sich der LuftkrciS auf, und in Bälde beglückte unS die Ankunft der Vorstandschaft deS PiusvereincS von Ottobeuren, und nach und nach die erfreuliche Theilnahme von 40 fremden geistlichen Herren von Nahe und Ferne. Um ^ auf 9 Uhr versammelte» sich die Mitglieder deS hiesigen PiuSvereincs auf dem Rathhause, die Geistlichen in der Pfarrwohnung. Nach 9 Uhr zogen dann beide Abtheilungen an einander geschlossen in die prächtige, außergewöhnlich große, festlich gezierte, von einer Menge Volkes angefüllte Pfarrkirche. Die Feier des Gottesdienstes begann mit einem andacht- und kraftvollen, von der Orgel begleiteten VolkSgesange: „Komm heiliger Geist rc." Herr Pfarrer Al. Klein Hans von Ober-Aurbach behandelte sofort in einer trefflichen Predigt den Zweck der PiuSvereine und die Mittel denselben zu erreichen, dann hielt der OrtSpsarrer Rott ein feierliches Amt mit einer sehr schönen Musik in ächt kirchlichem Style begleitet, und schloß mit l'o Ilouin Daucinmus. Nun sammelte sich daSVolk außer der Kirche auf dem großen Platze um und in dem innern Gottesacker, auf dessen Ringmauer eine Redner- bühne mit dem Bilde unsers schwer geprüften Heil-gen VaterS Pius IX. angebracht war. Dieselbe bestieg zuerst Pfarrer Rott, und sprach vom Staat und Kirche, ihren verschiedene», von Gott angewiesenen Zwecken, von Gott ihnen gegebenen Gewalten, wie jede für sich zur Erreichung ihres Endzweckes eine gesetzgebende, richterliche, für sich bestehende, unabhängige, von einander ganz verschiedene, in sich höchste Macht sey, die schwesterlich mit einander ihre von Gott angewiesenen Wege zur Förderung deö Wohles der Menschheit gehen sollen, ohne einander in ihren Rechten und Anordnungen zu beeinträchtigen. Nach ihm sprach Hr. Pfarrer Bach von Ried von der großen Gefahr in dieser unheilvollen Zeit unsern kaiholischcn Glauben zu verlieren, von der Nothwendigkeit deS ZusammenhaltenS in Gesinnung, Wort und That zum Besten unserer heiligen Küche, daß sie frei von weltlicher Knechtung ihre hohe Aufgabe erfüllen möge. Endlich trat noch Hr. Lehrer Hindelang auf, setzte die Statuten des PiuövereineS auseinander, dankte feierlich für die ruhige, schöne Haltung der zahlreichen Theilnchmenden und schloß mit einem allgemeinen Gebete für die Erhaltung und recht baldige Einsetzung unsers heil. VaterS jn all Seine Rechte und Besitzungen, ohne Vorbehalt. Getrost, gestärkt, wahrhaft ging nun daS Volk nach Hause. Das Pensionat zu Piehlenhofen. s RegcnSburg, 28. Aug. Der 23. August war einer jener Tage, der meinem Geiste Ecbeiterung und meinem Herzen süße Erquickung gewährte, er war der PrüfungSlag der Zöglinge in dem nur zwei Stunden von hier entfernten weiblichen ErziehungSinflilute der Salestancrinnen zu Piehlenhofen. Vor mehreren Jahren wohnte ich auf Zureden eines Freundes zum ersten Male dieser Prüfung bei, und ich konnte eS seit jener Zeit in keinem Jahre mehr unterlassen, an diesem Tage mich dort einzufinven. Wie angenehm ist nicht schon die Fahrt dahin! Morgens sechs Uhr verläßt man RegcnSburg, eilr durch daS herrlich an der Donau gelegene Winzer gegen Kneinng, fährt dann im Nabihale neben hohen Felsenwän- den nach dem schattigen Elterzhausen, verläßt da die Hauptstraße, um auf einem etwas vernachlässigten Vicinalwege zwischen waldbedcckten Felsengebirgen, durch welche der ruhige Nabfluß sich windet, eine ziemlich weite Strecke durchzumachen. Doch plötzlich erweitert sich das Thal, und bald erblickt man von ferne die von der Morgensonne vergoldeten schönen Thürme PiehlenhofenS mit der hohen Kirche und den stattlichen Klostergebäuden; nur noch eine kleine halbe Stunde, und man steht an der Pforte! Eine herrliche Lage fürwahr, hat dieses Kloster! Am Nabflusse gelegen, in einem wiesenreichen Thale, gegen Nord und Süd von Fels- und Waldgebirg begränzt, bietet es dem Freunde der Natur die schönsten Partien,, und scheint so ganz dazu gemacht zu seyn, jungen Mädchen Gesundheit und frohen Sinn zu bewahren. — Doch eS schlägt acht Uhr; die Klosterpsorte öffnet sich; die zahlreichen Gäste von Nah und Fern werden von den freundlichen Nonnen bewillkommt, und über die breiten, reinlichen und hellen Gänge in den schönen und geräumigen Prüfungssaal geleitet. Ein angenehm überraschender Anblick! Die Zöglinge sind hier aufgestellt, in einfachen weißen Kleidern, mit blauer Schärpe und weißblauem Halsbande, an dem ein silbernes Kreuz befestiget ist, alle blühenden Rosen°gleich, unbefangen und voll bescheidener, sittsamer Freundlichkeit; nichts Kopfhängerisches, nichts Finsteres ist an ihnen zu bemerken. Mit einem schönen, heiteren und mehrstimmigen Gesänge beginnen sie die Prüfung; diese umfaßt alle Gegenstände, welche Mädchen eine wahre und edle Bildung verschaffen können, nämlich: Religion, deutsche, französische und italienische Sprache, Mathematik, Geschichte und Geographie, Musik, Schönschreiben, weibliche Handarbeiten und Zeichnen. Die Schönschriften, Handarbeiten und Zeichnungen liegen zur Einsicht vor, und erregen ihrer Schönheit wegen den ungetheilten Beifall der Kenner. Bei der Prüfung selbst zeigt sich nur Wahrheit, nichts ist einstudirt, um bloß zu glänzen und Aufsehen zu machen. Ohne Buch, ganz frei stellen Lehrer und Lehrerinnen ihre Fragen, und die Zöglinge beantworten sie mit liebenswürdiger Unbefangenheit und Klarheit. Man ersucht einen der PrüfungSgäste um ein Thema zu einem Aufsätze für die größeren Zöglinge; man gewährt diesen eine Stunde zur Ausarbeitung, und ich gestehe, nie schönere und gediegenere Aufsätze als diese gelesen zu haben. Angenehme Ruhepuncte gewähren den Anwesenden die Zwischenprüfungen im Gesänge und auf dem Clavier, welche gleichfalls beweisen, daß auch in der Musik sehr viel geleistet wird. Zum Schlüsse lohnen schöne Preisebücher den Fleiß und daS gute Betragen der Zöglinge. Nun besucht man die Räume des Pensionats, die Lehr- und Arbeitszimmer, die Schlaffäle und den Speisesaal. AUeS großartig, geräumig und hellt Die breiten und langen Gänge geben den Zöglingen Gelegenheit zur körperlichen Bewegung, wenn ungünstige Witterung den Aufenthalt im Garten oder im Freien nicht gestattet. — Doch die sinkende Sonne mahnt zur Heimkehr. Welch' ein rührendes Schauspiel jetzt! Die Zöglinge nun daran, inö Vaterhaus zurückzukehren, können sich von ihren geliebten Lehrerinnen kaum trennen; jene wie diese zerfließen in Thränen; die kindliche Dankbarkeit der Einen liegt gleichsam mit der mütterlichen Liebe der Andern im Kampfe; die herzlichsten Ermahnungen von dieser, die besten Vorsätze von der anderen Seite! Endlich schließt sich die Pforte, und nach allen Richtungen eilen die Wagen mit den lieben Kindern dahin. — Ich stehe mit Piehlenhofen in keiner nähern Verbindung; allein ich habe hier viele Gelegenheit, daS Leben solcher Mädchen zu beobachten, welche in jenem Institute ihre Bildung erhallen haben, und ich überzeuge mich immer mehr von den segensreichen Früchten derselben, so daß ich den Wunsch nicht bergen kann, eS möchten alle Eltern, die ihren Töchtern eine höhere christliche und wissenschaftliche Bildung verschaffen wollen, dieselben jenem In- staute anvertrauen; sie sind da gewiß gut besorgt und aufgeboben. Die Kosten sind billig; so viel ich in Erfahrung gebracht habe, werden für die ^Verpflegung eines Zöglings 136 fl. berechnet nebst einigen Ersatzkosten für iBetl j^wenn dieses vom Institut gegeben wird), Wasch, Schreib- und ! Arbeitsmaterial und Clavierunterricht. Die Kost, bestehend in Frühstück, Mrtlagsefsen, Nachmillagöerfrischung und Abendtisch, ist gut, hinreichend und dem kindlichen Alter ganz anpassend. Für äußere Bildung und Anstand sorgt ein Tanzlehrer; ein geschickter Arzt für die Gesundheit der Zöglinge. Kurz: dieses Institut, dessen Wirksamkeit selbst die Königliche Regierung der Oberpfalz und Regensburg bereits ehrend anerkannt hat, darf mit Wahrheit allenthalben empfohlen werden. Ein Prüfungsgast. ergriffen für die gute Sache der Kirche,! Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.