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Mai entnehmen Wir, mit welch' tiefer Betrübniß Du, Ehrwürdiger Bruder, zugleich mit Deinem Klerus und dem gläubigen Bolle erfüllt worden bist wegen des sehr traurigen Umschwunges Unserer Angelegenheiten, und mit welchem Eifer dort ohne Unterlaß inbrünstige Gebete dem gütigen Gott für Unsere Erhaltung dargebracht werden. In Wahrheit, keinen geringen Trost haben Uns diese Aeußerungen der Tbeilnahme gewährt, da aus denselben klar hervorgeht, wie Du, ehrwürdiger Bruder, Dich durch Treue gegen die Kirche und durch kindliche Ehrfurcht und Liebe gegen Un« auszeichnest, und wie jene Geistlichkeit und daS gläubige Volk von dem Geiste der Religion und von kindlicher Ehrerbietung und Hochachtung gegen den Stellvertreter Christi durchdrungen sind. In der That kann bei der so großen Berdorbenhetl der Zeit und bei der Herrschaft ruchloser Menschen zur Beseitigung der Bitter- keit Unserer Schmerzen Nichts kräftiger wirken, als die Erkenntniß, wie gar Viele eS noch allenthalben gibt, welche unter Gottes Beistand den schlechten Rathschlägen feindseliger Menschen ihre Ohren verschließen, den trügerischen Irrlehren gegenüber in dem Bekenntnisse der katholischen Wahrheit standhaft beharren, dem Stuhle Petri fest anhangen und ihren Ruhm darin finden, dem Nachfolger deS Apostelfürsten, dem römischen Papste, Gehorsam und Ehrfurcht zu erweisen. Obschon Wir nun aber sehr dankbar sind für daS reichliche, fromme Geschenk, welches Du, Ehrwürdiger Bruder, und die Dir anvertrauten Gläubigen UnS zu senden bemüht waren; so können Wir UnS dennoch nicht verheimlichen, daß jene Freigebigkeit Unserm väterlichen Herzen zu nicht geringer Beängstigung gewesen ist, da wir nämlich fürchten, daß Ihr, indem Ihr Eurer Liebe gegen UnS zu viel nachgegeben, dieses nur zu Eurem großen Nachtheile gethan habt. Indem Wir nun sowohl Dir als den Dir anvertrauten Gläubigen den größten Dank sagen, zweifeln Wir nicht im Geringsten, daß Du zugleich mit den Gläubigen fortfahrest, Gott, der reich ist in seinen Erbarmungen, zu bitten und zu beschwören, daß er seine heilige Kirche aus den Stürmen, von welchen sie jetzt umhergetrieben wird, errette und sie durch die Siege seiner Söhne vermehre und verherrliche. Wir unterlassen nicht, den gütigsten Herrn demüthig zu bitten, daß er mit dem Retchthume seiner göttlichen Gnade Dir immer gnädig beistehen möge und daß er Deine Hirlensorgen und Arbeiten segne, damit die Deiner Wachsamkeit anvertrauten Gläubigen mit immer freudigerem Muthe auf dem Wege deS Herrn wandeln. Und als den Vorläufer dieses Schutzes von Oben und als Unterpfand Unseres besonderen Wohlwollens gegen Dich ertheilen Wir mit der innigsten Zuneigung deS Herzens Dir, Ehrwürdiger Bruder, und allen Geistlichen und weltlichen Gläubigen Deiner Kirche sehr gerne den Apostolischen Segen. Gegeben zu Gaöta, den 28. Juni im Jahre 1849. Im Dritten Unseres PontificateS. Volksversammlung in Göggingen. Augsburg, 10. Sept. Die gestern in Göggingen durch den dortigen Piusverein veranstaltete Volksversammlung war in der That eine „feierliche", wie sie in der Ankündigung bezeichnet worden. Die ganze Gemeinde wetteiferte gleichsam, der Versammlung den Charakter eines Volksfestes zu verleihen. Nach der musikalischcn VeSper setzte sich gegen 3 Uhr der Zug deS zahlreich versammelten Volkes von dem Kirchhofe aus in Bewegung. Die Spitze des Zuges bildete in langer Reihe die festlich gekleidete Sonn- und Werktags-Schuljugend, die Knaben mit blau-weißen Fähnchen, die Mädchen sämmtlich blumengeschmückt, ein Theil derselben (gegen 30) mit weißen Kleidern und blauen Bändern geziert, prächtige Blumenkränze und Blumenkörbchen - mit gutgewählten Sinnbildern paarweise tragend. Hierauf folgte das wohlgeübte Musikcorps der Gögginger freiwilligen Wehr- männerschaar, welches muntere Weisen spielte; sofort die vom rühmlichsten Eifer beseelten Vorstände deS Gögginger PiuSvereinS, Wagnermeister Eschenloher, Privatmann Maprschhofcr, Bauerngutsbesitzer Jäger mit ihrem geistlichen Führer dem unermüdlich thätigen Herrn Caplan AlopS Schurr, dem Stellvertreter deS leider durch Gebrechlichkeit zu seinem Leidwesen verhinderten hochwürbigen Herrn Pfarrers und ProdecanS Mayer. An der Seite dieser wackern Männer, denen sich der OrtSvorsteher und andere Mitglieder der Gemeindeverwaltung anreihten, gingen die freundlich geladenen Redner und die geistlichen Vorstände benachbarter PiuSvereine. An diese schlössen sich die Schaaren deS Volkes, welche von allen Seiten herbeigeströmt waren. Als der Zug die Stelle erreicht hatte, wo von der Landstraße rechts ein Seitenweg nach Wöllcnburg sich hinzieht, bog derselbe auf letzteren ein, und gelangte bald zu einer mit frischen Tannen- zweigen und Blumengewinden reichverzierten Ehrenpforte, in deren von Säulen getragenem Giebelfeld Denksprüche aus der hl. Schrift (II. Mos. 32, 26; Matlh. 16, 16 — 18; Offenb. Joh. 21, 6 — 7.) angebracht waren, und auf deren Spitze das Zeichen deS heiligen Kreuzes prangte. Die Pforte führte in einen, vom Besitzer anf'S Bereitwilligste überlassenen, sehr ausgedehnten Grasgarten, in dessen Hintergründe eine prächtige und geschmackvolle, mehr als zwanzig Schuh hohe Nednerbühnc errichtet war, die wie ihre Tragsäulen und ihr pyramidenförmiges Dach auS lauter grünen Tannenzweigen und Blumen zu bestehen schien, und von deren Gipfel herab ein hohes Kreuz mit der Inschrift: „In diesem Zeichen wirst du siegen" — dem Volke entgegenwinkte, und gleichsam in die Seele redete. Der große Raum deS Gartens füllte sich nicht ganz; aber in weiten, dichtgedrängten Bogen sammelten sich, während Böllerschüsse den Beginn deö Festes verkündeten, bald etwa Drei Tausend Menschen um die Rednerbühne. Nach kurzer Pause ließ sich ein schönes Musikstü xx vernehmen. Sobald dieses beendet war, bestieg der obengenannte hochw. Herr Caplan die Bühne, und hielt eine treffliche Einleitungsrede mit be sonderer Rücksicht auf den herrschenden Unglauben und die Sittenlosigkeit, diese Grundübel der Zeit, diese Quellen ihres Elends, deren kräftige Bekämpfung und Verstopfung heilige Aufgabe aller Wohlgesinnten, vornemlich auch Aufgabe deS PiuS Vereines. Die Lcbehochrufe für PiuS IX. und Maximilian II. , mit welchen der hochw. Redner seinen Vortrag angemessen beendete, wurden von dem Volke mit Begeisterung neunmal erwidert, während Trompeten schmetterten und Böller auf'S Neue krachten. Nachdem sofort wieder ein Musikstück gespielt war, hielt der hochw. Herr Pfarrer F. S. He im er von Kleinaitingen einen sehr ansprechenden Vortrag, in welchem er, mit sinniger Anknüpfung an daS Fest „Mariä Namen", dieses Fest der himmlischen Patronin deS PiuSvereineS, und gleichsam der Geburtstag deS VereineS im Gögginger Bezirk, in beredten Worten darlegte, von welch' günstiger Vorbedeutung für den Verein daS Gestirn deS TageS, Maria, der Stern deS MeereS, sey, der mit seinem milden, segensreichen Licht unS Leitstern seyn werde auf dem rechten Weg zum schönen Ziele. Musik füllte abermals die kleine Pause zwischen dieser und der folgenden Rede, welche letztere der hochw. Herr Caplan I. Geiger von Augsburg in sehr lebendiger Weise vortrug. Derselbe hatte ein sinnreiches Thema gewählt, die Worte Tell'Sr 146 . . . . als wir an dir Ecke jetzt gelangt, Beim kleinen Aren, da verhängt es Gott, Daß solch ein grausam mörd'risch Ungewitter GählingS herfürbrach aus des GotthardtS Schlündcn, Daß allen Ruderern daS Herz entsank, Und meinten Alle, elend zu ertrinken. Da Hort ich'S, wie der Diener einer sich Zum Landvogt wendet' und die Worte sprach: Ihr sehet eure Noth und uns're, Herr,, Und daß wir all' am Rand des Todes schweben — Die Freiheit des Volkes, Ja die soll gedeih'» Mit der Freiheit der Kirche, Der wir freudig uns weih'n. Die Mutter, die Tochter Im inn'gen Verein, Sie müssen ja Beide Uns gleich theuer seyn. Und ob auch gewaltig Die Feinde uns dräu'n. So dürfen wir doch nicht Die Uebermacht scheu'n; Die Uebermacht ist ja Nur nichtiger Schein, Denn was nicht aus Gott ist, Kann nichtig nur seyn. Die Steuerleute aber wissen sich Vor großer Furcht nicht Rath und sind des Fahren« Nicht wohl berichtet — Nun aber ist der Tell Gin starker Mann und weiß ein Schiff zu steuern. Wie, wenn wir sei» jetzt brauchten in der Noth? Da sprach der Vogt zu mir: Tell, wenn du dir'S Getrautest, uns zu helfen aziS dem Sturm, So möcht' ich dich der Bande wohl entled'gen. Ich aber sprach: Ja, Herr, mit Gottes Hilfe Getrau' ich mirs und helf knS wohl hiedannen. So ward ich meiner Bande los. Wohlan denn zur Fahne, Ihr Brüder herbei, Zur Fahne, ihr Männer, O schwöret ihr Treu'! — Und haltet die Treue, Wie Männer, bewährt, Dann seyd ihr in Wahrheit Der Freiheit auch werth! Allsiegreich dagegen Ist jener im Streit, Der sein Ringen und Kämpfen Dem Herrn hat geweiht: Dem Herrn und der Sache Des Herrn wird der Sieg Unfehlbar, und zög' auch Die Hölle zum Krieg. Dieses Thema wußte er trefflich zu benutzen, um zu zeigen, wie auch der Kirche, dieser Nothhelferin im Sturm, die Bande während des Sturmes gelockert worden seyen, wie aber leichtlich die alten Bande im StaatS- schiff für sie bereit liegen könnten, wenn sie nicht mit gesammelter Kraft, wie der Tell, den kühnen Sprung zur vollen Freiheit wage. Auf die drei geistlichen Redner folgte ein Bürger aus Augsburg, Dr. P. Wittmann. In volkSthümlicher Weise redete derselbe eine Stunde lang zu der Versammlung von der schimpflichen Unmacht und der herrlichen Macht deS katholischen Volkes, von den Gründen und Bedingungen jener und dieser. Mit besonderem Nachdruck hob er hervor, daß die Macht des katholischen Volkes auch darum so groß, weil eS keine schlechten Bundesgenossen beizie- hen, keine schlechten Waffen anwenden, weil eS nicht an die Leidenschaften, nicht an die Habgier, die Genußsucht, den Haß und die Ungerechtigkeit appelliren dürfe, sondern nur mit den Waffen deS Geistes, des Friedens, der Mäßigung, der vollen Gerechtigkeit, der wahren ungeheuchelten Liebe gegen Alle ohne Ausnahme, den Waffen der gesetzlichen Rechte und Freiheiten streiten müsse und allein zu streiten brauche, um den sicheren Sieg zum Heile Aller zu errringen. Schließlich faßte derselbe, obwohl durchaus kein Poet, die Hauptgedanken seiner Rede in folgenden Reimen zusammen, die auf dichterische Formvollendung nicht den mindesten Anspruch machen: Zur Fahne, ihr Brüder! — Wir schwören aufs Neu': Wir bleiben der Mutter Für immer getreu. Wir stehen der Theuren Mit Männermuth bei. Wir wollen nicht rasten: — Wir machen sie frei! Drum freudig zur Fahne, Ihr Brüder, herbei! — Wir schwören der Mutter: Wir bleiben ihr treu — Im Glück und im Unglück, In Noth und in Tod: — Sie führt uns zum Siege, Zur Glorie, zu Gott. i, - O folget der Fahne Mit männlichem Muth! ES gilt ja ein hohes Ein heiliges Gut. — Die Freiheit chcS Volkes, Die dann nur erblüht, Wenn'hie Seele des Herrschers Für die Himmlische glüht, Er gilt zu erringen Die Freiheit der Braut. Die Christus, der König, Sich selber getraut, Wenn im Geist der Beherrschten Die Himmlische lebt, Daß er bei'm Gedanken Des Unrechts schon bebt. Die Freiheit der Mutter, Die Er uns verlieh, Daß sie uns auf Erden Zum Himmel erzieh'. Die Freiheit des Volkes, Die dann nur besteht. Wenn das Volk auf der Felsburg Unwandelbar steht, Die Freiheit der Kirche; — Doch sie nicht allein: Mit ihr soll die Freiheit DeS Volkes gcdeih'n! Die Gott ihm gegründet, Auf daß es sey frei Von der Knechtschaft der Hölle, Von der Welt Tyrannei: — Die Freiheit des VolkcS Die Gott nur verleiht, Indem er die Herzen Der Könige weiht, Auf der FclSburg der Kirche, Deren Mahnruf zugleich Für den König und Alle Gesetz ist im Reich, Indem er die Herzen DeS Volkes befreit Von Nacht und von Schlacken, Und so sie crneu't. Deren Glaube die Selbstsucht In Allen bezwingt. Deren Liebe ein heiliges Band um sie schlingt. Sämmtliche Reden hatten bei dem Volke vollen Anklang und lauten Beifall gefunden, so daß einer der Redner sich gedrungen fühlte, aus bewegter Brust ein dreimaliges Hoch auszubringen auf den guten Geist, die Treue, die Ausdauer deS katholischen Landvolkes. Hiemit endete unter wiederholten Böllerschüssen (gegen halb 6 Uhr) die schöne, von sonnigem Himmel begünstigte Feier, bei welcher von Anfang bis zu Ende die musterhafteste Ordnung und Ruhe geherrscht hatte. In ähnlicher Weise, wie der Zug von der Kirche ausgegangen, bewegte er sich gegen dieselbe zurück. Auf dem Platze vor derselben trennte man sich in gehobener Gemüthsstimmung. Hatte besonders der kränzegeschmückte Zug der Schuljugend zur Verherrlichung deS Festes beigetragen, so gebührte dem hochachtbaren Herrn Lehrer B. Strobel und seinem Herrn Adstanten Stockhammer die rühmende Anerkennung, daß durch ihren Eifer der gute Wille der Eltern und Kinder geweckt und geleitet worden. Und war eS erfreulich, daß ein wackerer Jüngling, NamenS M. Kugelmann, sich unsägliche Mühe gegeben, um die vielen Kränze u. s. w. zu fertigen, zu welchen mehrere Gartenbesitzer, wie Herr Mayrschhofer u. a., indem sie ihre Gärten gleichsam ausplünderten, die Blumen lieferten: so war eS eine nicht nur hocherfreuliche, sondern denkwürdige Erscheinung, daß ein, einem andern Glaubenöbekenntnlß angehörender Gutsbesitzer, Herr Particulier E. Beck, nicht nur aufs Freigebigste Blumen schenkte, sondern auch seinem sehr geschickten Gärtner erlaubte, mehrere Tage lang an Errichtung der Pforte, Rednerbühne u. s. w. zu arbeiten, und daß er überhaupt auch bei dieser Gelegenheit die freundlichste Gesinnung gegen seine katholischen Mitbürger an den Tag legte. Ehre diesem Ehrenmanne! Mit solchen Männern wäre leicht ein unzerstörbarer FriedenSbund zu schließen, dessen Grundbestimmun- gen: die Gerechtigkeit, Billigkeit, die gegenseitige Achtung und die Alles ausgleichende Liebe! Schon diese einzige Erscheinungwürde hinreichen, in jedem empfänglichen Gemüthe eine wohlthuende Erinnerung an die schöne Gögginger Volksversammlung zu hinterlassen. Die ganze Haltung deS Volkes aber hat aufs Neue den Beweis geliefert, daß in demselben noch immer ein guter Kern vorhanden ist, welcher unter GotteS Beistand zu segensreicher Entfaltung gebracht werden kann, wenn Begeisterung, Thatkraft und Einmüthigkeit statt Gleichgiltigkeit, Lahmheit und eigenliebiger Selbstgenügsamkeit in allen Denjenigen herrschen und walten, die auf daS Volk einen heilsamen Einfluß auszuüben im Stande find. Möchten diese alle wohl bedenken, daß auch die Freiheit eine köstliche Gabe GotteS, ein Pfund ist, mit dem sie wuchern müssen zur Ehre Gottes, zum Heile Seines Volkes, weil sonst der Fluch sie treffen müßte, der dem faulen Knechte gebührt, und zwar in doppelter Weise, nicht bloß weil sie faul, sondern weil sie knechtisch, weil sie Sclaven wären! 147 o. r>» Hermann von Lehnt«. (Fortsetzung.) Weissagung des Bruder Hermann von Lehnin in möglichst genauer Uebersetzung nebst beigefügten Erklärungen der unverständlichen Stellen. I. DaS Kloster Lehnin und seine Schicksale unter den anhaltischen Fürsten. r 1. Sorgenvoll singe ich, Lehnin! dir heute deine künftigen Schicksale, 2. Die mir gezeigt hat der Herr, der alles erschaffen hat. 3. Denn obgleich du jetzt in ausgezeichnetem Glänze strahlst, wie die Sonne, 4. Und dein ganzes Leben Gott geweiht hinbringst; 5. Und obgleich du, wie stch's gebührt, Ueberfluß hast an allen Vortheilen eines ruhigen Lebens; 6. Wird eine Zeit kommen, die dich nicht mehr also steht 7. Ja sogar kaum noch sieht, und wenn ich eS recht sagen soll, gar nicht mehr sieht. 8. DaS Geschlecht, das dich gründete, hat dich immer geliebt, 9. Mit seinem Untergänge gehst du auch unter, und wirst keine geliebte Mutter mehr seyn. 10. Und jetzt ohne Verzug naht die traurige Stunde, 11. In welcher Otto'S Stamm, die Zierde unseres Landes, 12. In schwerer Schickung zu Grunde geht, und kein Sohn mehr übrig bleibt. 13. Da sinkst 1>u zurück, jedoch nicht ganz bis zum tiefsten Verfalle. DaS Kloster Lehnin, von Otto!, aus dem Geschlechte der ASkanier gegründet, blühte sehr, so lange dieser Stamm regierte. Es war eine geliebte Mutter, da von ihm zahlreiche Klöster ausgingen. Als aber 1320 mit Heinrich III. der aSkanische Mannsstamm ausstard, gerieth auch Lehnin in Verfall. II. Die Schicksale der Mark unter den bayerischen Fürsten. 14. Unterdessen wird die Mark von schweren Uebeln geä^stigt, 15. Denn daS HauS der Ottonen wird eine Löwenhöhle. 16. AuSgestoßen wird der vom ächten Blute Entsprossene. Die Herzöge von Pommern, von Mecklenburg, von Braunschweig, Anhalt, Kursachsen und Böhmen fielen über die Mark her, und schrecklich litt sie unter dem Streite dieser Fürsten. So wurde das Land Otto'S einer Löwengrube gleich, worin nur wilde Menschen hausten. Der Kaiser Ludwig der Bayer schloß sogar eigenmächtig die Herzöge von Sachsen, die als ächte Sprößlinge der anhaltischen Linie von Albrecht dem Bären abstammten, von der Erbfolge auS, und nahm daS Land für sich. 17. Wenn Fremdlinge kommen zu den Wohnungen ChorinS, 18. Wird des Kaisers Klugheit den höllischen Hochmuth heben. Unter den Fremdlingen sind Augustiner-Mönche zu verstehen, die aus Bayern gekommen, in Chorin wohnten, oder der falsche Waldemar, der sich zum Fürsten der Mark erheben ließ, und so als Fremdling über das Land herrschte. Kaiser Karl IV., der sich nachher die Mark aneignete, die bayerischen Fürsten verdrängend, bändigte mit Strenge die Raublust des AdelS und dessen Hochmuth. III. Die Schicksale der Mark unter den Fürsten aus dem Hause Luremburg. 19. Doch nur kurze Zeit wird sich freuen eines sichern Schildes die Mark. 20. Der königliche Löwe wendet anderswohin seinen Lauf. Karl IV., unter dem Ruhe und Frieden im Lande herrschte, regierte nur noch kurze Zeit, und gab bei seinem Tode 1378 die Mark Brandenburg an seinen Sohn SigiSmund. Dieser aber bekümmerte sich, zum Könige von Ungarn erhoben, wenig um sein Erbtheil. Er ließ eS durch Statthalter regieren, die den trotzigen Raubritter-Adel nicht bändigen konnten. Daher heißt es weiter: 21. DaS Land wird seinen wahren Herrn und Helden nicht sehen. 22. Die Statthalter werden alles verwirren und Schaden anrichten. 23. Der reiche Adel wird allweg die Bürger plagen, 24. Und wird ohne Unterschied die Geistlichkeit berauben. 25. Ja sie werden eS machen, wie eS zu Christi Zeiten geschah; 26. Gegen alle Sitte werden die Leiber verkauft. Die Raubritter Puttlitz, Quitzow, Rochow, der eiserne Dietrich rc. plünderten die reisenden Kaufleute, die Dörfer und Städte, selbst Kirchen und Klöster, wie auS einer alten Handschrift deS Klosters Lehnin erhellt, wo ein gewisser Johannes von Quitzow die Höfe deS Klosters ausgeraubt und die Leute in die Gefangenschaft geführt hatte, die er nur gegen ein großes Lösegeld und noch dazu gelähmt wieder herausgab. Der Abt mußte für sich 100 Schock Groschen bezahlen. IV. Die Schicksale der Mark unter den Fürsten auS dem Hause Hohenzollern. Friedrichl. Burggraf vou Rürnberg. 27. Daß dir, meine Mark, nicht ganz ein Regent mangle, 28. Steigst du jetzt durch zwei Burgen berühmter auS der Niedrigkeit. Der Kaiser SigiSmund verkaufte die Mark an Friedrich, Burggrafen von Nürnberg, aus dem Hause Hohenzollern. Dieser dem niederen Adel angehörende Burggraf wurde nun Markgraf von Brandenburg, hatte also in seinem Titel zwei Burgen. 29. Du zündest die KriegSfackel an, während du prahlst in deinem Namen mit Frieden. 30. Während die Wölfe du mordest, schneidest du auch den Schafen zugleich die Brüste auf. » Obgleich Friedrich Friede reich hieß und war, so mußte er dennoch gegen den unbändigen Adel, der ihm nicht huldigen wollte, „und wenn eS ein ganzes Jahr hindurch Burggrafen regnete," einschreiten und die hungrigen „Wölfe" die Quitzow, Bredow, Jagow, Schu« lenburg, BiSmark, Holzeudorf, Knesebcck, Maltitz, Bardelcbe» rc^ zu Paaren treiben. Bei diesen Kämpfen, so wie nachher in den blutigen Hussiten-Kriegen litten seine Unterthanen, „die Schafe," nicht wenig. 31. -Ich sage in Wahrheit dir, dein Stamm von langer Dauer, 32. Wird geringe Herrschaft üben'uber vaterländische Fluren, 33. Bis die niedergeworfen sind, die damals hochgeehrt ä4. Die Städte verwüsteten, und die Herrscher zu regieren hinderten. " Der Prophet sagt diesem Hause eine längere Dauer voraus, und deutet auf die nothwendige Unterdrückung der Raubritter hin, die Friedrich die Herrschaft über das Land streitig machte». Er überwand sie alle und zerstörte ihre Burgen. Nach einer andern Erklärung wären diese Verse nicht auf die damalige Zeit zu beziehen, sondern auf die jetzige. Der Prophet hätte dann vorausgesagt: HauS Hohenzollern, du wirst zwar lange regieren, aber nie über große Strecken deS deutschen Vaterlandes (waS auch wirklich geschehen ist, da Preußen nur ein Drittel von Deutschland inne hat). Dein Name wird dauern, bis die Proletarier und RevolutionSniänner, die Hochgeehrten, niedergeworfen sind, die die Städte verwüsten und den Herrschern zu regieren verbieten, da sie selbst regieren wollen. Ist daS geschehen, dann ist daS HauS Hohenzollern am Ende seiner Geschichte angekommen. Auch diese Erklärung, die ganz auf unsere Zeit paßt, rechtfertigte den Frater Hermann als Propheten. F r i e d r i ch II. 35. Der nun dem Vater folgt, raubt dem Bruder seine Rechte; 36. Er wird aber nicht machen, daß ein ungerechtes TodeSbett für gerecht gehalten wird. Friedrich I. machte auf seinem TodeSbette nicht seinen ältesten Sohn Johannes, den er wenig liebte, sondern Friedrich, seinen zweiten Sohn, zum Regenten der Mark. ES war dieß aber gegen daS ReichSgrund- gesetz der goldenen Bulle, wonach der älteste Sohn stets dem Vater folgen mußte. Diese Anordnung war und blieb deßhalb ungerecht. Albrecht Achilles. 37. Dem durch verschiedene Kriege und Schicksalsstürme Matten 38. Folgt der tapfere Bruder um seines Todes Zeit, 39. Der zwar ein tapferer Held, doch auch zugleich sehr eitel; 40. Während er denkt den Berg zu ersteigen, kann er kaum die Brücke überschreiten. 41. Siehe! Er schärft sein Schwert! O ihr armen Bewohner von Lehnin! 42. WaS kümmern Brüdcr den, der die Väter ausrotten will! Friedrich II., voll Schmerz über den Verlust seines Sohnes, von Gewissensbissen gefoltert, unvermögend den Stürmen der Zeit Widerstand zu leisten, trat an seinen tapfern Bruder Albrecht Achilles die Regierung ab. Dieser war ein kriegerischer Herr; er liebte Pracht und prunkvolle Turniere, worin er seine Eitelkeit befriedigte. AIS er sich der Steuererhebung zum Türkenkriege in seinem Lande widersetzte, wurde er vom Papste Paul II. in den Bann gethan, und drohte mit einem Heere über die Alpenberge zu steigen, konnte aber nicht ein 148 mal die Fallbrücke überschreiten, die ihm die Mönche von Lehnin, als er in ihre Kirche wollte, vor der Nase in die Höhe zogen. Er warb darob sehr böse und hätte die Klosterbrüder gewiß eben so, wie die Väter (den Papst und die Bischöfe) bedroht, wenn sie nicht nachgegeben und ihn eingelassen hätten. (Fortsetzung folgt.) Brief eines Benedictiner-Bruders aus Amerika.*) St. Vincenz, 14. Mai 1848. Liebe Eltern, Bruder und Freunde! Gott zum Gruß! Mit der allergrößten Freude und herzlichsten Liebe, welche ich zu Euch trage, empfing ich nach abgesungener Vesper aus den Händen meines Hochwürdigften Herrn Pater Superiors Euern Brief und lese mit größter Begierde, waS Ihr mir schreibet. Aber ein Erstaunen entsetzte mich, als ich las, daß unsere liebe Schwester gestorben sey. Doch der Tod ist bei unS nicht so etwas Seltsames, weil bei uns weder Tag noch Stunde vergeht, ohne an denselben zu denken. Durch solche Beispiele kann man die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens betrachten, unv Ihr sehet, daß daS Stützen auf Menschen nichts sey, als nur ein Band, daS der Tod zertrennt. Liebe Eltern und Brüver, lasset Euch diesen Tod nicht zu schwer fallen; denn die Urtheile Gottes sind ganz anders, als die der Menschen. Der Herr hat sie aufgelöst von den Banden des Leibes. Es freut mich doch, daß sie der Herr nicht so schnell, sondern durch eine lange Krankheit und durch den Empfang der heiligen Sterbsacramente von dieser Well abgerufen habe. Sobalo wir ihren Todfall gelesen, ist im Convente befohlen worden, für sie zu beten. Auch die Priester schließen sie ein und gedenken ihrer im heiligen Meßopfer. Denn auch sie und Ihr alle seyv Anverwandte zum Orden des heiligen Vaters BenedictuS. Darum ist eS in diesen Fällen gut, wenn eS angezeigt wird, damit man für sie beten könne. Liebe Eltern, waS mich anbetrifft, bin ich gesund und erfreut in Gott und meinem Heilande Jesus Christus, dessen Diener ich geworden bin durch die heilige OrdenSprofeß, welche ich am Tage des heiligen Mathias bei einem feierlichen Amte vor der Gegenwart GolteS und Reliquien vieler Heiligen und in Gegenwart meiner Mitbrüder, 48 an der Zahl, mit 15 Brüdern abgelegt habe, um mich ganz Gott zu weihen. WaS ich von meinem Noviciat sagen kann, ist eine Zufriedenheit, die ich nicht genug auszudrücken vermag; denn die väterliche Liebe, welche mein Hochwürdiger Pater Superior zu mir und meinen lieben Mitbrüdern trägt, zeigte sich besonders darin, daß er mir während meiner NoviciatSzeit nicht einmal ein rauhes Wort gegeben, aber nicht wegen meines Gehorsams oder guten Betragens, sondern wegen seiner großen Nachsicht, die er gegen mich und meine Mitbrüder hat. DaS Gleiche kann ich von meinem Hochwürdigen Pater Prior sagen, welcher im vergangenen Sommer mit 16 Brüdern vorn Kloster Scheyern hier in unserm Kloster St. Vincenz angekommen ist, und der uns während der Zeit des NoviciatS als Novicen- meister den geistlichen Unterricht ertheilte. Ich kann in Wahrheit sagen, daß sein Wandel nicht irdisch, sondern im Himmel ist. Ich kann über alles Dieses meine Freude nicht genug ausdrücken. Auch heute haben wir eine besondere Freude gehabt; denn es ist eine erwachsene Methodistin getauft worden, wobei viele Protestanten und PreSbyterianer gegenwärtig gewesen sind, welche heilige Handlung unser gegenwärtiger Pater Superior mit aller Feierlichkeit vorgenommen hat. Auch ihre Eltern, wiewohl ihr anfangs der Vater den Tod gedroht, sind zu diesem Zwecke bereit. Bekehrungen sind, seil wir da sind, schon recht viele erfolgt. Ich kann es nicht unterlassen, Euch von unserer Kirche etwas zu sagen. Unsere Kirche ist ziemlich groß; sie hat zwei Hauptthore und inwendig zwei Gänge und 4 Reihen Stühle, wovon jede Reihe zwanzig an der Zahl hat, und jeder Stuhl faßt sechs bis sieben Menschen. ES befinden sich darin drei Altäre. Auf beiden Seiten hat sie sechs große Fensterstöcke und zwischen den zwei großen Thoren einen doppelten Fensterstock, welcher zugleich in die Kirche und auf den Chor leuchtet. Auf dem Chor haben wir unsere Plätze, wo auch die Orgel mit 8 Registern steht. Drei Brüdcr können die Violin spielen, drei die Orgel, zwei Klarinette blasen und Viele singen. Auch ich bin daran, *) Wir geben diesen uns freundlichst mitgetheilten Brief eines schlichten Bauernsohnes aus der Gegend von Eichstädt in seiner ursprünglichen Einfachheit. Die Red. ein Instrument zu lernen. Bis auf daS heilige Pfingstfest bekommen wir Horn, Trompeten und Paucken. Der Gottesdienst an den Festtagen wird bei unS gar schön gehalten. ES wird allzeit levitirt. Im vorigen Jahre haben wir am Fronleichnamsfeste die Procession in der Kirche gehalten, wobei wir Brüder daS Hochwürdigste Gut mit brennenden Wachskerzen begleitet haben, eben so in der Auferstehung unter schöner Chormustk. Am heiligen Ostertage sind so viele Protestanten in der Kirche gewesen, daß man sagen kann, sie haben den dritten Theil vom Volke ausgemacht. WaS die Protestanten betrifft, ist eS hier wie in Deutschland. Denn sie wissen nichts, als über die Katholiken zu schimpfen, und haben noch Niemanden bekehrt von den Ungläubigen, wohl aber viele Katholiken verkehrt. Die schlimmsten sind die PreSbyterianer, welche vor Kurzem eine schändliche Schrift in die Zeitung drucken ließen über die Klöster, worin das unselige genau bezeichnet ist; aber sie wurden sogar von einem Protestanten widerlegt. Die Preacher oder Prediger der Secten machen ihren Zuhörern vor, die katholischen Priester hätten alle Hörner auf, und man glaubt es ihnen, weil sie nichts Besseres hören, als über Katholiken zu lügen. Viele aber von ihnen überzeugten sich selbst, daß sie keine Wahrheit reden, und kamen vom Irr- zum Unglauben. Liebe Freunde, das Einzige, waS fehlt, ist, daß eS zu wenige katholische Missionäre gibt, welche ihnen die Wahrheit verkünden könnten. Wenden wir unS wieder nach St. Vincenz, um zu sehen, waS die Mönche thun. Um 3^ Uhr stehen wir auf und gehen in die Kirche zum Lobe GotteS, wozu uns der Gesang der Vögel und die holde Morgenluft aufmuntert. Nach dem Chorgebet werden die Zellen ausgekehrt und die Betten gemacht. Von 5 bis 6 Uhr ist Betrachtung, um 6 bis 6'/, Uhr die heilige Conventmesse. Dann geht man an die bestimmten Arbeiten. Um 10'/z Uhr wird mit der großen Glocke daS Zeichen gegeben, um bis in die Kirche zu kommen zum Capitel. Um 11 Uhr Mittagessen, nach demselben Anbetung in der Kirche. Von 1l^ bis 12^ Uhr ist Freizeit, zu welcher geredet werden darf, und die zum Singen lernen verwendet wird. Um 12^ Uhr wird der heilige Rosenkranz gebetet, nach welchem Jeder wieder an seine Geschäfte geht bis 5'/z Uhr, zu welcher Zeit geistliche Lesung gehalten wird. Um 6 Uhr ist daS Abendessen. Von 6'/z bis 7'/2 Uhr ist Freizeit, zu welcher wir meistens englische Stunde haben. Um 7'/z Uhr wird daS Ave Maria geläutet, dann geht man wieder in den Chor bis 8'/z Uhr. Um 9 Uhr geht man schlafen. Von 7'/2 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens muß das strengste Stillschweigen beobachtet werden. Auch unter der Arbeit darf nur daS Nothwendigste geredet werden. DaS ist unsere Tagöordnung. Wir machen eS wie die alten Mönche. Wir bauen die Felder und auch unser Kloster selbst. Im heurigen Jahre werden wir eine neue Scheuer bauen und auch einen Theil an unserm Hause. Wir haben schon Ziegel zu machen angefangen, auch die Hölzer sind schon geschlagen. WaS meine Geschäfte sind, habe ich die Ehre, nicht mehr Bäcker, sondern Wäscher zu seyn. Da werden wohl meine liebe Mutter und meine Schwägerin lachen, und werden sagen: „O gar waschen!" Ja, meine lieben Freunde, ich wasche vor Allem das, waS man zum Opfer der heil. Messe braucht, nämlich Altartücher, Alben, Corporalien, auch Chorröcke und Handtücher. Auch bereite ich noch daS Brod zum hl» Meßopfer. Daraus könnet Ihr schließen, daß wir nicht durch faullenzen, sondern durch Gebet und Arbeit unS den Himmel zu verdienen suchen. Nach den amerikanischen Gesetzen werden Sonn- und Festtage strenge gefeiert. ES darf an denselben weder gekauft noch verkauft werden. In Amerika ist jeder Gewissenhafte frei. Nur Diebe und Todtschlä- ger werden an den nächsten besten Baum aufgehenkt. Auch die Unzüchtigen werden für etwas Schlechtes angesehen. Seit unserer Ankunft.find in unserer Kirche gegen 80 Kinder getauft worden, unter denen kein uneheliches war. Die katholischen Prediger dürfen mit der nämlichen Freiheit wie die andern Secten predigen. Der Sonntag wird von den Katholiken meistens in der Kirche zugebracht. ES ist nicht wie in Deutschland, daß man inS BierhauS oder zum Kartenspiel geht. Dergleichen ist verboten. Mit amerikanischen Werkzeugen kann man noch so viel als mit deutschen arbeiten. Mit einer Dreschmaschine, die 4 Pferde ziehen, haben wir an Einem Tage 36 Schüssel Waizen gedroschen. Ich habe mich in diesem Schreiben viel zerstreut. Doch mit der Gnade GotteS werde ich mich wieder sammeln. Frater Franz. Verantwortlicher Redacteur: 8. Schönchen Verlags-Inhaber: F. C. Kr eurer.