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Auf den rauhen und wilden Distel beeten der Irreligiosität und des JndifferentiSmu- wachsen der Nachtschatten oder die Sünden nächtlicher Finsterniß und der Wermuth bitterer Armuth, baS Schlangenkraut der Verführung und die Spitzkletten schlechter Gewohnheiten. Der Stachelmohn schläfert die Gewissensbisse der Sünder ein, und der Rattenfraß der Habsucht und des Neides frißt zuletzt sich selbst. Stechäpfel und ScorpionengraS vergiften alle Verhält- Nisse der menschlichen Gesellschaft, und die Nesselblumen nebst Giftlilien, Unform und Kämpfer eien umgarnen die unvorsichtige Jugend. Der SchwcinSrüssel thierischer Lust und daö TeufelSauge der fleischlichen Lüsternheit richtet großes Verderben im Garten der Unschuld an, und die Hausech el mit ihrem bocköartigen Geruch nebst dem weit verbreiteten Steinbrech brechen sich die Bahn überallhin. Endlich treffen wir noch im Höllengarten des SündenrevierS das Egel kraut und die Sauerwurz, die Zottenblume und den Hundszahn. Wer sollte gerne in einem solchen Garten lustwandeln? Aeußerst lieblich und tröstlich ist es daher, einen andern Garten zu haben, in dem der Bräutigam dcS Hohenliedes unter den Veilchen der Demuth, unter den Lilien der Reinigkeit und unter den Rosen der göttlichen Liebe die menschliche Seele weidet, wenn sie seinem Hirtenstabe folgt. In diesem Garten himmlischer Schönheit und Lust treffen wir auch eine emsige Biene an, welche anf den Kaiserkronen, Tulpen und Anemonen, auf den Königskerzen, Sammetblumen und Amaranth, auf dem Lack und Leberbalsam und auf den Glycinen honigsüße Früchte einsammelt. Diese Biene ist der heilige BernarduS, den Garten stellen seine Schriften vor, aus denen ich mit GotteS Gnadenbeistand in alphabetischer Ordnung eine kleine Blumenlese vornehmen will, die dem freundlichen Leser freundlich dargeboten, nicht aufgedrungen wird. 1. Absicht. ES ist gewiß, daß unser innerer Mensch durch die Uebungen der Tugenden von Tag zu Tag erneuert werde, da auch die Absicht, die zuerst von Erdensorgen gekrümmt war, allmälig von Unten nach Oben steigt: und die Neigung, weiche vorher vom fleischlichen Verlangen kränkelte, nach und nach zur geistigen Liebe erstarkt, und das Gedächtniß, vorher durch die Schändlichkeit der alten Werke beschmutzt, durch neue und gute Handlungen täglich weiß und heiter wird. In diesen Dreien besteht nämlich die innere Erneuerung, in der rechten Richtung der Absicht, in der Reinigkeit der Neigung und in der Erinnerung an die gute Handlungsweise, wodurch daS Gedächtniß in gutem Bewußtseyn glänzend wird. 2. A b t ö d t u n g. Bisweilen enthalte ich mich, aber meine Enthaltsamkeit ist eine Genugthuung für die Sünden, nicht ein Aberglaube für die Gottlosigkeit. Ich enthalte mich vom Weine, weil im Weine Geilheit ist: aber wenn ich krank bin, trinke ich ein wenig, nach dem Rathe Pauli. Ich enthalte mich von Fleischspeisen, damit sie nicht als zu nahrhaft zugleich dcS Fleisches Laster nähren. DaS Brod selbst will ich mit Mäßigkeit gerne. ßen, damit nicht cS den Leib beschwere, und er zum Gebete nicht aufstehen mag: und damit nicht auch mir der Prophet den Vorwurf mache: „daß ich mein Brod mit Sättigung gegessen." Aber auch mit einfachem Wasser werde ich nicht für gewöhnlich mick) anfüllen, damit nicht die Ausdehnung deS Leibeö bis zur Anreizung der*Prollust fortschreite. Wer kiug und nüchtern wandelt, dem ist Salz mit Hunger ein hinreichendes Gewürz. Wie zum Kreuze, so gehe zum Essen, d. i. nicht auS Gaumenlust, sondern aus Nothwendigkeit: der Hunger, nicht der Geschmack rufe den Appetit hervor. 3. A d v o c a t e n. Die Streitreden und Wortkämpfe der Advocaten tragen mehr zur Unterdrückung, als zur Auffindung der Wahrheit bei. Diese sind eS, welche ihre Zungen Lügen reden gelehrt haben: beredt gegen die Gerechtigkeit, erfahren in der Falschheit, weise, BöseS zu thun, mundfertig gegen die Wahrheit. Sie geben Unterricht denen, von denen sie unterrichtet werden sollten. Sie behaupten nicht daS Erfahrene, sondern daS Ihrige: sie untergraben die Einfachheit der Wahrheit und verbauen die Wege zum Gerichte. Nichts wird also ohne besondere Mühe die Wahrheit offenbar machen, als die kurze und unverfälschte Erzählung derselben. 4. Aergerniß. „SauluS, SauluS, warum verfolgst du mich?" Oder verfolgte der Christum nicht, der Christi Glieder auf Erden töttcte? Verfolgt haben Christum Jene, die seinen heiligsten Leib an daS Holz deS Kreuzes hefteten: und der sollte ihn nicht verfolgt haben, der gegen seinen Leib, der die Kirche ist, voll ungerechten Hasses wüthete? Wenn er endlich sein eigenes Blut als ErlösungSpreiS der Seelen hingegeben hat, scheint eS dir nicht, daß er von jenem eine schwerere Verfolgung ausstehe, der durch boshafte Anreizung, durch verderbliches Beispiel, durch die Gelegenheit deS Aergernisses Seelen von ihm abwendet, die er erlöSt hat, als von einem Juden, der jenes Blut vergossen hat? Erkennet, Gelicbtcste, und verabscheuet die Gesellschaften Jener, welche daS Heil der Seelen verhindern. ES ist ein fürchterlicher GotteSraub, der sogar die Uebelthat Jener zu übertreffen scheint, die an dem Herrn der Majestät ihre gotteSräuberischen Hände anlegten. ES schien die Zeit der Verfolgung aufgehört zu haben, aber, wie eS offenbar ist, hört die Verfolgung niemals auf für den Christen und auch für Christus. Und was noch schwerer ist, selbst jene verfolgen Christum, welche von ihm Christen genannt werden. Gott, deine Freunde und deine Nächsten sind gegen dich aufgestanden! Die Gesammtheit deS christlichen Volkes scheint sich verschworen zu haben gegen dich vom Kleinsten bis zum Größten; von der Fußsohle bis zum Scheitel ist keine Gesundheit: Gottlosigkeit ist ausgegangen von den Aeltesten uud Richtern, deinen Stellvertretern, welche dein Volk zu regieren scheinen. Jetzt kann man nicht mehr sagen: „Wie daS Volk, so cher Priester," weil auch das Volk nicht so ist wie der Priester. Ach, ach, Herr und Gott! Die Ersten in deiner Verfolgung sind jene, die in deiner Kirche die ersten Plätze einnehmen und die Herrschaft führen. Ihr bedauernSweriher Lebenswandel ist der Untergang deines bemitleidenSwürdigen Volkes. 5. Andacht. Wer den Samen guter Werke ausgestreut hat, der suche die Gnade der Andacht, damit die guten Werke durch den Eifer der Andacht und durch die Süßigkeit der GeisteSgnade gewürzt werden. Nämlich die Büß- werke und die Mühen der Enthaltsamkeit müssen durch die Gnade der Andacht fett gemacht werden. Denn wir sollen vorzüglich AlleS mit Freudigkeit thun. Wir beklagen uns, daß unö die Gnade fehle, aber vielleicht 150 kann sich die Gnade mit mehr Recht beklagen, daß ihr einige mangeln; denn die Gnade der Andacht, welche wir suchen, ist Herzenssache, so, daß sich derjenige dieses Geschenkes selbst beraubt, der eS verschmäht, demselben einen innern Wohnplatz anzuweisen. Hermann von' Lehnin. (Fortsetzung.) Johann Cicero. 43. Der nach diesem folgt, weiß den KriegSgolt durch Kunst zu täuschen. 44. Seinen Söhnen bereitet er eine glückliche AuSstcht in die Zukunft. 45. So lange dieß bewahrt wird, wird großes Glück erworben. 46. Seine Söhne werden durch gleiches Loos beglückt. Aus Albrecht Achilles folgte sein friedliebender Sohn Johann, der durch seine Beredsamkeit drei streitende Könige, Mathias von Ungarn, Kasimir von Polen und LadiSlauS von Böhmen, zum Frieden beredete, und so den KriegSgolt täuschte. Auch wußte er sonst durch seine Redefcrtigkeit seine Geldwünsche Hon den Landständen zu erreichen, und bekam daher den Namen Cicero. Durch seine Sparsamkeit, seine Friedensliebe, und dadurch, daß er seine Staaten sehr vergrößerte, eröffnete er seinen Nachkommen eine gute AuSstcht in die Zukunft. Seine beiden Söhne wurden Kurfürsten, hatten also ein gleich ehrenvolles LooS. Joachim ward Kurfürst von Brandenburg und Albert Kurfürst von Mainz. Joachim l. Nestor, der letzte katholische Fürst. 47. Jedoch eS wird ein Weib eine traurige Pest ins Vaterland einführen, 48. Ein Weib, von dem Gifte einer neuen Schlange contract gemacht. 49. Und dieses Gift wirb dauern bis zum eilften Stamme. Joachims Gemahlin, Elisabeth, eine Prinzessin von Dänemark, trat zur lutherischen Lehre über, und führte diese, die Hermann „eine traurige Pest" nennt, in Brandenburg ein. Nun schildert Frater Hermann in den bittersten Ausdrücken die traurige Kirchenspaltung und ihre noch traurigern Folgen; die bis in das eilsle Glied des hohenzollern- schen Hauses dauern sollen. Joachim II., der erste lutherisch gewordene Fürst. 50. Jetzt tritt der hervor, der dich, o Lehnin! übermäßig hasset. 51. Er theilt wie ein Messer, gottlos ist er, Hurer und Ehebrecher; 52. Er verwüstet die Kirche, die Güter der Kirche verkauft er. 53. Geh nur mein Volk! Du hast keinen Beschützer mehr, 54. Bis die Stunde kommen wird, wo die Herstellung geschieht. Joachim II. trat bald, gegen sein dem sterbenden Vater gegebenes Versprechen, zur lutherischen Lehre über, hauptsächlich beredet von seiner Mutter. Er führte einen ehebrecherischen Wandel, indem er sich ein ganzes Serail von Frauenzimmern hielt, und besonders mit einer Wittwe Ridow im verbotenen Umgänge lebte. Man hatte damals den beschönigenden Namen Galanterie noch nicht, und nannte solche Sünde plattmärkisch Hurerei und Ehebruch. Joachim zog nicht bloß Lehnin ein, woraus er die Mönche mit nur 20 — 30 Gulden Gna- dcngehalt forttrieb, sondern auch zahllose andere Klöster und die BiSlhümer Brandenburg, Havclberg und Lebus. Die Katholiken blieben nun in der Mark ganz ohne Beschützer, und waren und sind den Plackereien und Unterdrückungen ausgesetzt, bis die Zeit der Wiederherstellung dcS deutschen Reiches und der katholischen Kirche kommt, die vielleicht sehr nahe ist. Johannes Georg. 55. Der Sohn dieses sinnlosen Thoren billigt die Einrichtungen seines Vaters, 56. Ganz ungescheidt wird er doch den Ruf eines Frommen haben. 57. Er ist nicht strenge genug, und deßhalb heißt er der beste Herr. Joachims Sohn, Johann Georg, verfolgte die Bahn seines Vaters. Wie ein Ungescheibter verbrannte er das Bild des Papstes, duldete keine Reformirten im Lande, und hieß deßhalb „fromm." Er nahm die weibersüchtigen katholischen Mönche und Pfaffen mit großer Güte aus und hieß deßwegen der „beste Herr." 58. Diesem wird das Loos: einen aus seinem Geschlechte zu sehen, der ihm nicht gleich ist. 59. Im Trauerjahre läßt er sein Leben an einem.ehrbaren Orte. Johannes Georg sah noch seinen Enkel Johann SigiSmund, der seinem Großvater nicht gleich blieb, sondern von der lutherischen zur calvlni- schen Lehre übertrat. Er starb im Pestjahre 1598 in dem prachtvollen Schlosse Köln, nachdem er seinem Sohne dritter Ehe, Christian, die Neumark vermacht. Joachim Friedrich. 60. Der in der Stadt Geborne begehrt Herrscher zu werden deS Volkes. Der Sohn des Vorigen, Joachim Friedrich, verdrängte seinen Stiefbruder Christian aus der Neumark und wurde so Regent der ganzen brandenburgischen Lande. 61. In Hoffnung deS Uebrigen hegt er hier furchtsam seinen nachgewachsenen Erben. Da die brandenburgischen Länder immer durch Theilung zersplittert und die Macht des HauseS Hohenzollern dadurch sehr geschwächt wurde, führte er das Recht der Erstgeburt in den brandenburgischen Landen ein, so daß der Erstgeborne Kurfürst werden, alles besitzen und die jüngeren Prinzen mit Geld abgefunden werden sollten. So sorgte er, in der Hoffnung, die Vereinigung der übrigen Landestheile mit der Mark herbeizuführen, furchtsam für seinen Sprößling. 62. WaS er dunkel fürchtet, das wird sicher doch geschehen. Joachim fürchtete sehr, daß sein Sohn seine Religion verändern würde, und nöthigte ihn deßhalb, eine Erklärung zu unterschreiben, nie von der Lehre Luthers abzugehen. Doch geschah dieß dennoch, da Johann SigiSmuS zum Calvinismus übertrat. Auch fürchtete er die vorauszusehende Erb chaft der clevischen Länder, Eleve, Jülich und Berg mit andern Erbberechtigten theilen zu müssen, waS auch geschah, da der Pfalzgraf von Neuburg-Zweibrücken, Jülich und Berg, und Johann SigiSmund Eleve und die Mark erhielt. Johann SigiSmund. 63. Bald wird, mit Zulassung GotteS, die Gestalt der Dinge eine neue; 64. Er strotzet von tausend Mängeln, dessen Dauer kurz ist. 65. Vieles verwirrt er durch ein Edict, noch mehr durch einen Schlag; 66. WaS jedoch durch seine Befehle noch schlimmer wird, 67. DaS kann durch das Schicksal fürwahr zum Bessern gelenkt werden. Durch Johann SigiSmund änderten sich die Dinge in Brandenburg sehr. Um in seinem clevischen ErbschastSstreite seine reformirten Unterthanen an sich zu ziehen und sich die reformirten Holländer zu Freunden zu machen, wurde er selbst 1613 reformirt. Dieß ist die „Aenderung." Er hatte viele „Mängel;" er war jähzornig, ausschweifend und dem Trunke ergeben. Um die Unzufriedenheit über seinen Ucbcrtritt zum Calvinismus zu beschwichtigen, erließ er ein sehr strenges „Edict," worin den Predigern alle Schmähung gegen andere Konfessionen verboten wurde. Da es aber ein Haupttert aller lutherischen Predigten ist, auf andere zu schimpfen, wie die ReformationSpredigtcn bezeugen, so entstand eine große Aufregung und endlich ein Aufstand im Lande, besonders in Berlin, der nur mit Mühe unterdrückt wurde. DaS war das „Edict." Den „Schlag" aber gab er im Jähzorne zu Düsseldorf dem jungen Pfalzgrafen von Neuburg, der Ansprüche auf die clevischen Länder machte, wodurch jede friedliche Vereinigung zwischen beiden Fürsten unmöglich wurde. Je mehr „Befehle" er erließ, um so größer wurde die Aufregung, bis endlich gegen Ende seines Lebens durch Beilegung aller innern und äußern Streitigkeiten alles zum Bessern gelenkt ward. Auf Johann SigiSmund folgte Georg Wilhelm. 68. Der Sohn wird Markgraf nach dem Vater werden. (Dieß geschah.) 69. Durch seine Klugheit läßt er keinen ungerächt leben. Georg Wilhelm war wohlbewandert in der Klugheit, die die preußischen Pfiffe, ober die Kniftologie (Kniffemacherei) erfand. Er nahm sich einen katholischen Minister, von Schwarzenberg, um eS nicht mit dem Kaiser zu verderben, und sandte diesem 800 Mann zu Hilfe. Zu gleicher Zeit eilte er dem Könige von Schweden entgegen und stellte auch diesem einige tausend Mann Hilststruppcn zu Gebote. Als die Schweden geschlagen wurden, hielt er wieder zum Kaiser. So alle betrügend, rächte er sich an jedem. 70. Da er zu viel Vertrauen hegt, zerreißt der Wolf die beklagenswerte Heerde, 71. ES folgt der verderbte Diener bald dem Schicksale seines Herrn. Da der Kurfürst, als Protestant, zu den Schweden zu viel Vertrauen hegte, und sie in sein Land aufnahm, verwüsteten diese dasselbe, gleich Wölfen, auf'S Schrecklichste, und machten eS zu einer Einöde. Unter 151 dem verderbten Diener ist der Graf Schwarzenberg zu verstehen, der die Geißel Brandenburgs genannt, einige Monate nach Georg Wilhelms Tode starb (3. März 1641). Friedrich Wilhelm!. 1640 — 1688. 72. Darauf kommen, die sich von drei Burgen nennen. Jetzt folgt Friedrich Wilhelm!., der große Kurfürst genannt. Er erhielt im westfälischen Frieden Magdeburg, und fügte so das dritte Burg zu seinem Titel: Burggraf von Nürnberg, Markgraf von Brandenburg und Herzog von Magdeburg. 73. Stehe, unter dem großen Fürsten wachsen die Gränzen deS Landes. Während seiner langen Regierung erlangte er Preußen ganz, dann Halberstadt, Kamin und Minden. Er erhielt den Namen „der große Kurfürst." So hat also der Prophet wieder Recht. Und auch darin, daß die Tapferkeit dieses Fürsten seinem Volke Ruhe verschaffte, denn er schlug die Schweden bei Fehrbellin. Daher heißt es: 74. DeS Volkes Sicherheit beruht auf deS Regenten Tapferkeit. Friedrich III., der erste König von Preußen. 1688 — 1713. 75. Aber nichts nützet dieß, wenn die Klugheit kehlt. Nichts nützte die Tapferkeit deS großen Kurfürsten: denn sein Sohn,! von Eitelkeit und Prunksucht verleitet, erklärte sich selbst zum erstens Könige von Preußen, setzte sich die Krone auf und stiftete den schwär-! zen Adlerorden. Er unternahm etwas, was er besser gelassen hätte;! denn seine Unterthanen mußten die Zeche bezahlen, und Steuern über Steuern aufbringen. Für den ersten König von Preußen hat Bruder Hermann nur einen Vers. (Schluß folgt.) Die Freiheit der Kirche in Preußen. Während die Katholiken für die Freiheit der Kirche, für die Unabhängigkeit derselben vom eisernen Arme weltlicher Omnipotenz und die Ent- vormundung vom Beamtenthum schon Jahre lang vergeblich ihre Stimmen erhoben, endlich ihren gerechten und nothwendigen Forderungen, durch die Zeitumstände befürwortet, theilweise entsprochen worden ist, erheben sich die Protestanten und protestiren gegen die Freiheit der Kirche, gegen die Trennung derselben vom Staate. Es läßt sich nichts dagegen sagen, denn beide Forderungen sind in der Geschichte und der Natur einer jeden Konfession begründet. Der Protestantismus verdankt dem Staate seine Entstehung, seine Entwickelung, sein Gedeihen; der Katholicismus hingegen, älter als unsere moderne und morsche StaatSform, leitet seine Entstehung, seine Gegenwart und seine Zukunft auS höheren und unversiegbareren Quellen her. Während dieser von der weltlichen Macht geknechtet, in seinen natürlichsten Rechten bedrückt, sogar in der Ausübung seiner Pflichten gehindert wurde, wurde jenem zum eigenen Vortheile, der aus dem Nachtheile der andern Religionsgesellschaft erwuchs, unter die Arme gegriffen. Dem starken, kräftigen Manne wurde die Nahrung benommen, und dem aus unnatürlicher Doppelehe entstandenen Kinde von der Staatsamme dargereicht. So bildeten die Ueberbleibsel katholischer Dogmen den geistigen Schatz dcö Protestantismus, wozu ihm der Staat aus der Beraubung des katholischen KirchenschatzeS noch ein materielles Vermögen hinzuschuf. Würde der Prote-! stantiSmuS nun von der wohlthätigen Amme und Pflegerin verlassen, dann^ entstände allerdings die Frage, wovon er leben könnte, nachdem geistiges sowohl als materielles Vermögen aufgezehrt wäre. Die Furcht der Protestanten vor der Freiheit der Kirche erscheint daher gerechtfertigt, aber nicht minder das ernste Wort der Katholiken für die Freiheit und Unabhängig^ keit derselben von der weltlichen Staatsgewalt. Der Protestantismus ist! seiner Natur nach der irdischen Gewalt zugewiesen, und gleich den Epheu-! ranken bedarf er einer materiellen Stütze, woran er sich lehnen kann, um nicht auf der Erde sich herumschlingend von den Vorübergehenden zertreten zu werden. Der Katholicismus hingegen lebt von innen heraus, er bedarf keine weltliche Stütze, die ihm vielmehr höchst schädlich ist; denn daS Lebensprincip deS Katholicismus ist der Geist, derselbe unwandelbare Geist, in dem er gegründet wurde, 18 Jahrhunderte durchlebt hat, und bis zum Ende der Tage fortleben wird. WaS daher diesem nothwendig ist, ist jenem in demselben Verhältnisse nachtheilig und umgekehrt. Im Concreten, ist hier katholischcrseitS wohl zu berücksichtigen, daß unsere Staatsgewalt selbst dem Protestantismus angehört, und daher Freiheit der Kirche für die Katholiken der Anfang eines bessern Gedeihens, für die Protestanten der! nothwendige Anfang der Auslösung; für Beide aber, besonders aber für die letzte, eine Lebensfrage ist. Was nun den Protestationen Protestant!-! scherseitS, so wie den Forderungen katholischcrseitS für eine Rechnung getragen werten wird, muß sich bald entscheiden. DaS zögernde Verhalten der Regierung in Ausführung der betreffenden VerfassungSbestimmungen scheint dafür zu sprechen, Laß man höhern OrtS jene vorzüglich berücksichtigt. Andererseits könnte man Belege anführen, daß die Regierung die kirchliche Freiheit, welche die Verfassung »allen Religionsgesellschaften gewährleistet, in Bezug auf die katholische Kirche nicht verkümmern wird. Dafür sprechen zwei Verfügungen, welche daS CultuSministerium unlängst erlassen hat. Die eine bezieht sich auf die früher viel angefochtene Befugniß der Regierung, solche katholische Pfarrstellen, deren Patron deö PräsentationS- rechts für seine Person verlustig gegangen ist, zn ersetzen. DaS Ministerium erklärt, daß diese Besetzung fortan durch die geistlichen Oberen erfolgen könne. Durch elne zweite Verfügung ordnet der Minister an, daß die Einsammlung freiwilliger Beträge zur Bestreitung der kirchlichen Gcmein- debedürfnisse innerhalb einzelner katholischer Gemeinden künftig ohne Erlaubniß der weltlichen Behörden solle stattfinden dürfen. Allerdings schwache Belege; aber wir vertrauen der Gerechtigkeit der Regierung, daß sie ihr gegebenes Wort nicht breche, Laß ihre Versprechungen, daß der geschriebene Buchstabe Wahrheit werde. Fühlen sich einige Protestanten so schwach, daß sie glauben, ohne den weltlichen Arm, der sie wie ein unmündiges Kind am Gängelbande führt, nicht förteristiren zu können, dann verdienen sie auch nicht den Namen einer ReligionSgcsellschaft, und sind nicht werth, daß sie eristiren; diejenigen Protestanten aber, die zu ihrem Bekenntnisse Vertrauen hegen, oder nur daran glauben, werden auch Muth genug haben, ohne den Arm der weltlichen Gewalt frei inS Leben zu treten und mit den Katholiken Freiheit fordern, Freiheit und Unabhängigkeit von der Bevormundung weltlicher und verweltlichter Behörden. Jedenfalls werden die Katholiken von ihren gerechten Forderungen nicht abstehen, stets von Neuem mit Würde und Ergebung rufen: Gebt unS die Freiheit, damit ihr selbst frei werdet; und sollte e'in Staat macchiave llistisch und josephinisch genug seyn können, heut zu Tage, nachdem die Jugend in den Clubs, auf den Märkten, in den Gefängnissen den gänzlichen Bankerutt beweist, den er durch seine Erziehung gemacht hat, nachdem die allgemeine Entsittlichung, namentlich in Berlin, und die elende moralische Verkommenheit, die Unfähigkeit LeS Staates, die Functionen der Kirche auszuüben, oder zu regeln, auf die schlagendste Weise an den Tag gelegt hat; ja sollte ein Staat nach so traurigen Erfahrungen heut zu Tage eine ungerechte Hand an daS Heiligthum der Religion legen, dann mag er zum Voraus sich einen Grabstein bereiten, und hören, wie seine eigenen Maaßregeln ihm daS Miserere singen. Versammlung der PiuSverelne in Rottenburg. Rottenburg, 23. August. Der Einladung des hiesigen PiuS- vercineS zu einer Generalversammlung der verbrüderten Vereine in Würt« lcmberg wurde gestern durch die Ankunft zahlreicher Abgeordneten entsprochen. Dieselben begaben sich mit mehreren andern Männern, welche Antheil an der Sache nahmen, in geordnetem Zuge vom Seminarssaale auS in die Domkirche, wo unter Anwesenheit deS hvchwürdigsten Bischofs und DomcapitelS bei großer Betheiligung deS Volkes ein feierliches Hochamt gehalten wurde. Nach dem Gottesdienste eröffnete Herr RegenS Dr. Mast als Vorsitzender die Versammlung im Nathhauösaale; Mitglieder deS PiuS- vereinS wie andere Zuhörer von hier und der Umgegend hatten sich ein- gefundcn; Frauen nahmen von einem Nebenzimmer auS Antheil. Herr Mast, der die Verhandlungen mit sehr viel Umsicht leitete, erinnerte die Anwesenden in anziehender Rede an die Zwecke der katholischen Vereine und an die Veranlassung zur begonnenen Zusammenkunft; in letzter Hinsicht machte er auf den ausgesprochenen Wunsch der zweiten Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands aufmerksam. AIS Zwecke stellte er den Statuten gemäß auf: Unterstützung der kirchlichen Obern in Erringung der religiösen Freiheit; Wahrung der Stiftungen und Schul- fondS mit gehöriger Einwirkung auf daS Schul- und ErziehungSwescn; Betheiligung an der Armenpflege und Allem, was zur Hebung der socialen Ucbelstände beiträgt; Förderung der christlichen Bildung. Den Sinn hiesür von Neuem anzuregen, sich über Einzelnes zu verständigen und zu einigen, daS sey Aufgabe der Versammlung. Den öffentlichen Ansprachen sollten specielle Berathungen im Seininargebäude folgen. Die Redner, welche sofort auftraten (Stadtpsarrer Vogt aus Lud- wigSburg, O.J.R. Holzinger auS Ellwangen, Musterlehrer Weinmann auS Ebingen, Professor Allgayer auS Ehingen, ein Landmann, Fischer auS Bühlerzell, Pfarrer Reiching auS GroßeiSlingen) wußten jeder in seiner Weise daS Publicum zu fesseln. Noch manche, welche sprechen wollten, standen mit Rücksicht auf die Zeit davon ab. 15S Herr Vogt führte sehr beredt und überzeugend den Gedanken durch, daß der kirchlichen Freiheit in der jetzigen Zeit nicht von den Regierungen, wohl aber von Seite deS Volkes, ver falschen Freiheit, Gefahr drohe. Er verwies an die französische Revolution und an seinen Namensvetter, den ReichSregenten, welcher bei allen Phrasen über religiöse Freiheil von geweihten ReligionSbuben spreche, denen man zu Leibe gehen müsse, so wie auf da» wüthende Manifest der Scbweizevvemokraten. Er schloß mit einem Ausruf an die Bedenklichen, an die Trägen und Gleichgiltigen und mit dem namentlichen Wunsche, daß die Gebildeten, denen doch der Umsturz daS Meiste gefährde, sich mehr an der VereinSsache betheiligen mögen. Herr Holzinger, der gleichfalls den lebhaftesten Beifall erntete, verbreitete sich über die Aufgabe deS VereinS in sehr belehrender und ansprechender Weise, indem er die einschlägigen Puncte der Landes- und Reichsverfassung nebst Grundrechten erklärte lind nebenbei mit den Bestrebungen der Umsturzpartei verglich, wobei er nachwiest, daß diese gerade in den Hauptpunctcn mit der Reichsverfassung im Widerspruch stehen. Auch rein politische und sociale Gegenstände erklärte er. So fand es vielseitige Zustimmung, als er die Ursachen der allgemeinen, besonders der Gewerbs- noth entwickelnd dieselben in der Verwirklichung der demokratischen Gleichmacherei aufsuchte und an einzelnen Beispielen ins Licht setzte. Die Be- amten, sagte er z. B., welche, voil*den höhern abgesehen, nicht zu viel Gehalt hätten, sollen schmäler gehalten, und viermal höher als bisher besteuert werden. Das ist schon recht, aber dafür, werden sie auch ihre Röcke länger tragen und weniger Schneider brauchen. Herr Weinma^n kritisirte den Entwurf der OrganisationScommis' fion über das Schulwesens er setzte an ihm aus, daß er Trennung zwischen Schule und Kirche durchführen wolle, während doch kein Heil von der Erziehung zu erwarten sey, bis Schule und Kirche, Volksbildung und Religion im EinheitsverMlniß zu einander stehen. Herr Allgayer be> richtete vornemlich über den Ehinger PiuSocrein, und bemerkte dabei gelegentlich, daß hauptsächlich durch Behandlung einzelner geschichtlicher Materien Interesse für die VereinSzwecke erregt werde. Herr Reiching verbreitete sich, an die anwesenden Frauen gewendet, über ihre hohe Aufgabe, in welcher sie Schule und Kirche unterstützen müßten. Herr Fischer, ein schlichter Bauer, der mit einem ungewöhnlichen Gedanken- und Redeflüsse in körniger und frischer Weise über MannS- klöster sprach und ihre Zweckmäßigkeit auS ihrer Geschichte und den Bedürfnissen der Gegenwart darzuthun versuchte, gefiel sehr; seinen oft humoristischen Ausfällen antwortete eine allgemeine Heiterkeit. — Wir müssen unS mit diesen kurzen AuSzügen auf ein mageres Gerippe beschränken, das hinter der Wirklichkeit weit zurück fleht. Die besondern Berathungen der VereinSdcputirten im Seminar schlössen sich sofort an. Diesen wohnte auch ver Hvchwürdigste Bischof bei. Er versicherte die Versammlung seiner lebhaften Theilnahme, warnte sie aber auch vor dem möglichen Abwege, nach Art eines LandcSauSschusseS in daS Kirchenregiment einzugreifen und, wie ein Aufruf ihnen erst zuge- muthct habe, „gegen die Träger der geistlichen Bureaukratie" Partei zu nehmen. Die Worte deS Hochwürvigstcn Bischofs fanden ungetheiltc Beistimmung. Aus den Gegenständen, weiche speciell berathen wurden, bemerken wir: das Verhältniß zur Politik. Es wurde nach längerer Debatte anerkannt, daß der Verein keine politischen Zwecke verfolgen solle; müsse er sich aber an politischen TageSfragen betheiligen, was nicht abzuweisen sey, so sey eS Pflicht, den destructiven Tendenzen entgegenzutreten und die christlichen Grundsätze zur Geltung zu bringen. Auch das Verhältniß zur Schule, die Zustände der Presse, ferner die Nothwendigkeit von Bezirks- VereinS-Versammlungen, Bildung von VercinScassen, kamen zur Sprache. Als Ort der nächsten, in einem halben Jahre abzuhaltenden Zusammenkunft wurde Ehingen bestimmt. Ein frugales Mittagsmahl, bei welchem Toaste auf den heiligen Vater, den anwesenden Hochwürdigsten Bischof, die katholischen Vereine, den Freiherr» von Hornstein, Regens Dr. Mast, daö deutsche Reich und die Einheit mit Oesterreich gebracht wurden, unterbrach die Verhandlungen. Die Versammlung trennte sich in herzlicher Eintracht, nachdem sie dem würdigen Vorsitzenden durch ein dreimaliges Hoch ihren Dank bezeugt hatte. Die Goethe-Feier in Wien. *) „Die Goethe-Feier im VolkSsreunde besprochen!" Wie kommt Saul unter die Propheten? Was für ein Zusammenhang ist zwischen dem großen *) Aus dem österreichischen Vclksfreund. Anhänger deS Pantheismus (der heidnischen Lehre vom göttlichen Ein und AU) und unserm Katholikenvereine? Wir könnten darauf antworten, daß kein Ereigniß der Zeit unbeachtet an unS vorübergehen soll; und ein solches ist die mehr oder minder große Theilnahme der Mitlebenden an dem 100- jährigen Geburtsfeste eines großen Mannes! Wir könnten (und sollten vielleicht) unS geradezu auf den polemischen (streitfertigen) Standpunct stellen, und gegen die bedauernSwerthe Richtung, die so viele GcisteSwerke deS deutschen Dichterfürsten bezeichnen, eifern, und Colophonium-Blitze auf eine Zeit schleudern, welche die Abgötterei mit Kunst und Künstlern wieder einzuführen, und dadurch die Opferaltäre der modernen Göttin Politik veröden zu lassen droht. Ja wahrlich, waS könnten oder sollten wir noch alles? Wir können aber auch — und dieß steht unS vielleicht am besten an! auf daS Streben unseres Vereins für Glauben, Freiheit und Gesittung hinweisen; wir können dann die unbestreitbaren Verdienste, welche Goethe sich um die deutsche Gesittung in begeisterter Rede, in Beherrschung der Form und dcö Gedankens erworben bat, nicht unbeachtet lassen; wir können in den Tagen, wo Freiheit und Frechheit gleichbedeutend geworden, seine, von den Gegnern nur zu oft aristokratisch oder für- stendienerisch gescholtenen Gesinnungen für wahre Freiheit, die in Recht und Ordnung gegründet ist, nimmer vergessen; ja wir müssen unS freuen, wenn daS Andenken solcher Männer stets lebendig erhalten bleibt! Aber der Glaube? WaS diesen betrifft, so müssen wir daran entweder schweigend vorüber gehen, oder eS doppelt beklagen, daß ein Mann von solcher Geisteskraft so sehr daS Kind seiner Zeit war, um bis zur Pforte, „die zum Leben führt" zu gelangen, und dann — stehen zu bleiben. Ist dieß jedoch so ganz gewiß und ausgemacht? Wir glauben daS nicht; ja wir gehen weiter und meinen: der Mann, welcher die, allerdings etwaö con« fuse Lehre ausgesprochen: „Ein guter Mensch in seinem dunkeln Dränge Ist sich des rechten Weges wohl bewußt," der stand wohl sehnsuchtsvoll vor der verschlossenen Pforte, deren Schlüssel er noch aufzufinden gewußt hätte, sofern er nicht vielleicht zu spät dieser Sehnsucht Gehör gegeben. Weit entfernt, die mystische Bedeutung, welche Wilhelm v. Schütz in seinem „Goethe'S Faust und der Protestantismus" dieser großen Dichtung unterlegt, unbeschränkt anzunehmen, glauben doch auch wir das Streben nach den Formen der geoffenbarten Religion, welche sich im zweiten Theile zum Faust kundgeben, nicht ganz übersehen zu dürfen. — Und so mag unS denn Goethe'S Andenken als das eines Mannes theuer seyn, dessen Streben nach Humanität, Gesittung und wahrer Freiheit unS Vorbild seyn darf; dessen Glaubensrichtung unS aber zeigen soll, wie noth „daS Eine" thut: der Glaube an einen über- und außerweltlichen (objectiven) Gott und an eine Erlösung, wenn nicht alles menschliche Wissen und Schaffen in zweck- und fruchtlosen Naturgotteödienst untergehen soll. Und nun die Gedächtnißfeier selber? Nur andeuten wollen wir in unserm Blatte, daß sie nicht gelungen genannt werden darf, da ihre Glanzmomente sich mehr im Reiche der Ton- als der Dichterkunst bewegten; daß wir namentlich die Dichtung deS Prologes als verfehlt und den Vertrag der sinnigen „Legende" als gesucht naiv (kindliche Einfalt erkünstelnd) bezeichnen müssen; endlich daß die Darstellung der „Scene im Dome" unS wieder die große Klippe zeigte, an welcher eine theatralische Schaustellung kirchlicher Feierlichkeiten immer zu scheitern pflegt, und daß wir den Engel oder Genius der Schlußscene einen ganz verfehlten und kindischen Versuch nennen müssen. Vereinigte Staaten von Nordamerika. New-Uork, 15. Aug. Die Mäßigkeitssache nimmt in den vereinigten Staaten großen Fortgang. Der von Irland zum Besuche herübergekommen Mäßigkeitsapostel, Vater Matthew, hat einen überaus warmen und glänzenden Empfang bei unS gefunden. Tausende seiner hier sich aufhaltenden LandSIeute und der übrigen Einwohner der Hauptplätze im Osten der Union haben zu seiner Fahne geschworen; in Boston hat er fast sämmtlichen dort in großer Anzahl lebenden Jrländern den Eid abgenommen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.