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Können die durch zu lange Verzögerung gelinderer Heilmittel in den verschiedenen Theilen deS Körpers angesammelten Krankheitsstoffe nicht anders mehr überwunden werden, dann müssen sie zu einem Geschwüre sich bilden, dessen schleunigste Entfernung nur dem Organismus die vollkommene Gesundheit wieder bringen kann. Aber im höchsten Grade beklagenswert!) ist eS, wenn Männer, die nach ihrer Stellung dazu berufen und verpflichtet" sind, zur Heilung und dazu, daß die Krankheit nicht weiter um sich fresse und bis dahin gesunde Theile ergreife, auS allen Kräften mitzuwirken, diese Stellung und ihren dadurch bedingten Einfluß zur Verschlimmerung deö Zustandes verkehren, oder wenn sie als die einzigen und unfehlbaren Heil- und RcttungSmittel solche in Vorschlag bringen, die, weil dem innern Wesen und der- normalen Entwickelung deS Organismus geradezu entgegen, unfehlbar zum Verderben desselben auöschlagen müssen. Dieß scheint unS nun, je näher und allseitiger wir die Sache prüfen, mit der Hirscher'schen Schrift im höchsten Grade der Fall zu seyn, einer Schrift, die leicht, besonders bei den gegenwärtigen Zeitverhältnissen, in ihren Wirkungen unheilvoller werden könnte, als Anfangs auch der Umsichtigste zu berechnen im Stande war. Wohl ist Hirscher'n zu keiner Zeit seines Wirkens als öffentlicher Lehrer von allen seinen Schülern unge- theilter Beifall gezollt worden, und auch , heute noch stehet, Gott sey Dank, der weitaus größte Theil selbst des Klerus in Süodeutschland, von dem nördlichen gar nicht zu reden, nicht auf seiner Seite. Aber er zählt doch unter den Geistlichen viele und sehr rührige Anhänger, und darunter solche, die in ihren Forderungen weit über seine Resormvorschläge hinausgehen, und nur als Abschlagzahlung sich dieselben gefallen lassen, werden, in der festen Ueberzeugung, baß die Fluthcn der Revolution, ist sie einmal losgebrochen, weil über die von Hirscher gesteckten Gränzen hinausstürzen und gar Manches mit sich fortreißen werden, was er unverändert zu erhalten wünschte. Die Nichtigkeit dieser Berechnung ist durch die Vorgänge auf dem politischen Gebiete gewährleistet; denn auch hier wurden die Männer, welche die Freiheil deö deutschen Volkes aufrichtig gewollt und angestrebt, gar bald von der überstürzenden Strömung verschlungen und Andere traten an ihre Stelle, welche das Vaterland bis an den äußersten Rand deS AbgrundeS geschleppt haben. Dazu kömmt das große Ansehen, welches Hirscher bei den katholischen Laien genießt. Daß ihm dar wesentlichste Erfordernis zu einem ächten Reformator in der Kirche abgehet, wissen sie nicht, und können sie nicht beurtheilen; daS gerechte Mißtrauen, welches er durch eine seiner ersten Schriften, cke gcnuina missac notiono, gegen sich erweckt und da« Verwerfungsurtheil der Kirche ist ihnen unbekannt geblieben oder sie sind durch' die spätern wissenschaftlichen Arbeiten deS Mannes vollkommen mit ihm ausgesöhnt worden, so daß ein entschiedenes und kräftiges Entgegentreten leicht großes Mißvergnügen und lauten Tadel bei ihnen erwecken kann. In der That, unS banget aufrichtig bei diesem Gedanken, und im Hinblicke auf die Vorgänge deS sechzehnten Jahrhunderts gewahren wir mit Schaudern die Parole: sackn esk alca! Mit freudiger Haft ergriffen wir in dieser GemülhSstimmung daö „offene Sendschreiben über die kirchlichen Zustände der Gegenwart an Dr. I. B. von Hirscher, Domcapitular undj Professor der Theologie in Freiburg im BreiSgau, von Dr. Fr. X. Dieringer, Professor der Theologie in Bonn," welche« so eben im Verlag von Kirchheim und Schott erschienen ist. ES ist ein von Liebe und Dankbarkeit erfüllter Schüler, welcher seinem „geliebten Lehrer und Freund" ehrfurchtsvoll nahet und' seine Bedenken und seine Besorgnisse in gedrängtester Kürze vor ihm ausschüttet. WaS immer in dem Schriftchen Gutes und Billiges enthalten ist, findet Beifall und Anerkennung; aber auch auf daS Gefährliche, Irrige und Falsche, welches leider Jener an Zahl bei Weitem übertrifft, wird, oft nur in ganz kleinen aber körnigen Sätzen, hingewiesen, jedoch immer mit dem Schmerze und dem Zartgefühle eines ebenbürtigen SohneS, der dessen kein Hehl hat, daß er dem irrenden Lehrer für die „durch ihn ihm gewordene Anregung in den Universitätsjahren und für dessen spätere väterliche Freundschaft zu stetem ' Danke verpflichtet sey." Als die gelungenste Partie in dem kurzen „Sendschreiben" (cS enthält 30 SS.), das wir hiermit unsern Lesern zur größten Verbreitung anempfehlen, erscheint uns die Schilderung der neuen Diöcesansynode, wie Hirscher sie im Auge hat. Was der gelehrte Verfasser darüber niederschreibt, ist wirklich ein Lebensbild, daS er, als Mitglied des Frankfurter -Parlamentes, getreuer als irgend ein Anderer zu zeichnen im Stande war. Nachdem er Hirscher'S Aeußerung über das berühmte Buch BenedictXlV. ckc uznncl» ckioecessua gebührend zurechtgewiesen, fährt er fort: „Sie haben daher.wohlgethan, Ihren Vorschlag nicht auf daS beste, hende Recht zu gründen, sondern sich nach anderweitigen Stützen umzusehen, und ich muß gestehen, Sie haben Einzelheiten auS der Geschichte der, drei ersten christlichen Jahrhunderte mit vielem Geschicke verwendet. Es sind aber folgende Wahrheiten Ihrer Beachtung völlig entgangen: erstens, keine Diöcesan , keine Provincial-, und keine National - Synode ist befugt, auS eigener Machtvollkommenheit von den zu Recht bestehenden kirchlichen Vorschriften abzuweichen; auf die alte Praxis dürften Sie daher nur unter der Bedingung zurückgreifen, daß entweder die Gesammtkirche in ihrer Gesetzgebung die entiprechenden Aenderungen bewerkstelligt, oder aber daS Oberhaupt der Kirche Ihnen eine Dispense von dem allgemeinen Gesetz ertheilt hätte; zweitens, die alte Sprengelsynode hatte überall die Provinzialsynode zu ihrer Voraussetzung, so oft cS Angelegenheiten von allgemein kirchlicher Wichtigkeit galt, Sie hingegen wollen von Unten nach Oben schreiten und den Bischof durch die Sprengelsynode zum Mandatar seiner Heerde machen; drittens, der theilweise Verzicht deS Bischofs aus sein ausschließliches Entscheidungsrecht zu Gunsten seines PreSbyteriumS (die hörende und geleitete Kirche hat niemals mitentschieden) war nicht bloß durch den geringen Umfang deS Sprengels und den kirchlichen Eifer der Priesterschaft gefahrlos, sondern selbst motivirt durch daS Wechselverhältniß zwischen Bischof und Priester, gemäß dessen der Letztere nach anderer Seite hin in ungleich größerer Abhängigkeit stand — Pfarrer mit eigenem Pfarrrechte, einer eigenen Pfründe, mit selbstständiger Verwaltung der PredigtamteS, der Meßfeier, deS Beichtstuhles kennt bekanntlich das von Ihnen angerufene Zeitalter nicht; viertens, die kirchliche Verfassung war überhaupt erst in der Ausbildung begriffen und strebte festen Normen entgegen; wollten Sie z. B. von der Primatialgewalt nur so viel gelten lassen, als bis auf die Tage deS heiligen Cyprian factisch zur Anwendung gekommen, so würden sich Ihre Ansichten schwerlich mit der katholischen Lehre vereinbaren können. UebrigcnS ist eS Ihnen nicht einmal möglich, unter den gegebenen Verhältnissen Ihre Berufung auf die alte Uebung allseitig wahrzuhalten. Ich komme damit auf die practische Seite Ihres Vorschlages. ^ Nach der constanten Uebung der Kirche sind alle SeelsorgSgeistlichen -nicht allein synvdalberech tigt, sondern synodalpfl ich tig, und nur die Rücksicht auf daS Wohl LeS Ganzen kann und soll den Bischof vermögen, *) MS dem Katholik, 158 Einzelne von ihrer Pflicht zu entbinden, so wie auch diese auS derselben Rücksicht von ihrem Rechte abstehen können. Da die Synoden in der Regel nur drei Tage dauern, so ist eS in kleinen Sprengeln beinahe allen Geistlichen möglich, denselben beizuwohnen. Die von Ihnen beantragte Synove dürfte aber eben so viele Monate dauern, so daß in der günstigsten Zeit deS Jahres vielleicht die Hälfte Ihres Klerus daran Theil nehmen könnte unv müßte, also in runver Summe etwa 600 Priester. Wollen Sie billig seyn unv Ihre eigenen Grundsätze nicht über den Haufen werfen, so müssen Sie jeder kirchlichen Gemeinve einen Repräsentanten gönnen, und zwar müssen Sie eS die Stimmenmehrheit der Gemeindeglieder entscheiden lassen, welcher Laie sie auf der Synode vertreten solle. Die Majorität siegt, und die Minderheit muß sich fügen, und Sie, die Kirchen- obern, müssen eS sich gefallen lassen, wenn Ihnen aufgewühlte Gemeinden statt der so sehr perhorreScirten „Einseitigen" die ärgsten Schreier und frivolsten Gesellen auf den Hals schicken. So ist'S recht; denn in Ihrem auch auf daS kirchliche Gebiet überzupflanzenden Con st Nationalismus müssen alle Parteien vertreten seyn, und da entscheidet nicht die Wahrheit, sondern der Wille, und die Wahrheit muß sich nach der größer» Zahl der Einzelwillen richte». Sie werden also 600 gcborne und 700 gewählte Synodalmitglieder haben. Ich setze nun voraus, und daS will in Ihrem Lande sicher viel heißen, das ganze Bargeschäft wäre ruhig und ohne öffentliches Aergerniß abgelaufen, Pfarrer und Capläne hätten sich friedlich über Bleiben und Gehen vereinbart, die Laienabgeordneten wären der getreue Ausdruck der kirchlichen Meinungen und Bestrebungen deS Sprengels, der Erzbischof »erstünde sich zur Stellung eines unverantwortlichen Monarchen (Venen man übrigens das Bleiben auch sauer machen kann), und die Domherren wären die verantwortlichen Minister, wie sie denn auch häufig prätendiren, daß der Bischof nichts ohne sie thun solle und dürfe, und der Generalvicar wäre der Ministerpräsident: kennen Sie die Tausendkünstler, die eS übernehmen könnten, die Leitung einer solchen Versammlung zu vollziehen, nichts zu sagen von der Schwerfälligkeit und Unverständlichkeit der Debatte? Ich fahre fort, Günstiges vorauszusetzen. Der Bischof hält eS mit Rücksicht auf bestimmte Geister und um mögliche Scandale zu vermeiden — da ja keine dogmatischen Fragen erlediget werden sollen — für zweckdienlich, von der Ablegung deS tridentinischen Glaubensbekenntnisses Umgang zu nehmen. Die 1300 Synodalen sind beisammen. ES geht mit Leitung und Debatte leidlich. ES sind drei Parteien: Rechts die Ultra- montanen, meist auS jungen Priestern und „einseitigen," zum Theil vornehmen Laien, bei manchem Minister nicht zum Besten angeschrieben; Links die Radikalen vom reinsten Wasser unter den bekannten Führern, wenn sie nicht etwa wegen weltlicher „Mißgriffe" anderswo sich aufhalten; in der Mitte die schwankenden, die zu Zeilen so und anders sind, hier aber jedenfalls den AuSschlag geben. Eö kommt in Lebensfragen zur Abstimmung. Die Rechte siegt; die Linke erhitzt, sich und lärmt, fügt sich zum Schein und wartet bessere Zeiten ab, um die Sache abermals aufzunehmen; Lxnoclus guoguo ckioo- cosiinae HUto/anms Iu>l»-untur, und waS läßt sich bei fortgesetzter (hier gesetzmäßiger) Wühlerei nicht Alles ausrichten! Die Linke siegt; die Rechte hält den Beschluß für unkirchlich, folglich auch für ungiltig, weil mit Lehre und Verfassung der Gesammtkirche im Widerstreit liegend; Ruf: man muß sich der Mehrheit beugen; AuStritt der Entschiedensten; der Bischof tritt der Mehrheit bei, daS Schisma ist da; er verweigert den Beitritt und löst die Versammlung aus; die letzten Dinge sind schlimmer als die ersten. Die Mitte siegt durch Beitritt einer der beiden Frac- tionen, und man hat entweder halbe Maaßregeln wie bisher, oder eine der beiden entgegenstehenden Parteien tritt in bleibenden Widerspruch. Sie sehen, daß ich kein „Phantast" bin, sondern die Sache concret nehme. Und einen solchen kirchlichen Landtag sollten Sie in Baden aufführen wollen, in dieser Zeit der geistigen Aufregung, unter solchen Konstellationen der geistigen Strebungen? „Regung und Bewegung muß seyn," sagen Sie (S. 30.); ja die würden Sie haben, aber Erfolge keine andern als größere Erbitterung der Parteien und vielleicht oder wahrscheinlich ein Schisma. Sie haben freilich diese Ansicht nicht, sondern behaupten : „Der gute Geist muß doch wohl, auch wenn sein Gegensatz auftritt, den Sieg davon tragen (S. 28.)." DaS macht Ihrem Herzen Ehre; aber ich wünsche Ihnen nicht, daß Sie die bittere gegentheilige Erfahrung machen müssen. Der „gute Geist" ist nur da, wo man mit der Kirche sammelt, nicht aber wo man von Vornherein ihre Vorschriften als unzeitgemäß wegwirft, und zweifelhafte weltliche Institutionen in die Kirche einführt." Möchten diese letzten Worte doch überall und von Allen recht beherziget werden! Möchten Alle erkennen, waS uns,- was der Kirche zum Frieden dienet! Ohne das innigste und engste Anschließen an die Kirche, an ihren Geist, an ihre Institutionen werden wir eS nie zu einer gedeihlichen Pflege deS lebendigen Christenthums bringen. Wünsche eine- Seelsorgers zur Berücksichtigung bei der nächsten Provincialsynode in Bayern oder Oesterreich, zur Hebung der Moralität. t Nach dem Zeugnisse der Geschichte waren die ohne Gottesfurcht zügellos herrschenden Leidenschaften, genährt durch den Rationalismus, die Ursache deS Versalls der Staaten der alten Welt, so wie der Barbarei in den ersten christlichen Jahrhunderten in den Ländern, wo man von dem Glauben und der Uebung der Lehre Jesu abfiel. Daher Zoroaster, Ho- Hi, Orpheus, MinoS rc. den Staat auf positive Religion gründeten. Die jungen Alhenienser mußten im agraulischen Tempel den Eid ablegen: „Ich schwöre bis zu meinem letzten Athemzuge für daS Wohl der Religion und des Vaterlandes zu streiten, und werde immer dem Glauben meiner Väter anhängen." Der Römer Cato fürchtete die Einführung der Philosophie der Griechen in sein Vaterland bloß aus dem Grunde, weil er vorsah, daß, wenn die Römer durch den Rationalismus die Gottesfurcht verlassen und über alles streiten, sie mit dem Unglauben und der zügellosen Herrschaft der Leidenschaften endigen und dadurch den Staat auflösen würden. DaS Princip der protestantischen Religionsparteien, der Grundsatz der freien Selbstprüfung, der allen Leidenschaften freien, vernunftlosen Spielraum gestattet, zu dem sich im unsern Tagen auch so viele sogenannte gebildete Katholiken bekennen, ist unstreitig die Grund- Ursache deS im März v. I. herrschend gewordenen StrebenS unter dem Titel eines einigen Deutschlands nach zügelloser Freiheit, die als Gesetzlosigkeit nothwendig zur Barbarei führt. Diese Katholiken schließen sich zwar selbst von der katholischen Religion auS, die Deutschland einst zu einem so mächtigen, kraftvollen einigen Volk gemacht hat. DaS Beispiel der herrschenden Leidenschaften unserer Tage wirkt aber, weil von Oben, sehr verderblich auf da« noch gläubige Volk, so daß da- Streben der Provincial- und Synodalsynoden wohl zunächst auf möglichst kräftige Unterstützung der Moralität des Volkes wird gerichtet seyn müssen. Wie die ersten Christen als Tugendbund, durch die heilige Taufe dazu berufen und geheiligt, dem damaligen gesetzlosen Zustande mit siegreicher Kraft gemeinschaftlich entgegenstanden; so muß dieß auch jetzt gegen die beginnende Barbarei durch gründliche Bekehrung zu Gott geschehen, welche durch gotteSsürchtige Priester, und durch Anwendung der kräftigsten Mittel zur wirklichen Erneuerung deS TaufbundeS wird gefördert werben können. Nur Priester, die, bei den nöthigen Kenntnissen, als Folge wahrer Rückkehr zu Gott, an ihm und in göttlichen Dingen ihre grösste Freude finden, daher sich am liebsten damit beschäftigen, werden die Moralität deS Volkes am segenreichsten fördern. Damit nur wirklich zu Gott bekehrten Theologen die Priesterweihe ertheilt werden könne, wäre zu wünschen, daß besonders daS Studium der christlichen Moral von selbst, bekehrten Lehrern in der Weise der christlichen Moral vom Bischöfe Sailer auch zu diesem Zwecke benützt wurde. Die Bekehrung und Heiligung deS Volkes würde sehr gefördert werden durch jährliche öffentliche Erneuerung deS TaufbundeS auf oberhirt- lichen Befehl zur österlichen Zeit, und durch vollständigere Bestimmungen dreier Kirchengebote. Die Jnmoralität deS Volkes ist unstreitig Folge der Nichterneuerung deS TaufbundeS, da man, ohne öffentliche Erneuerung desselben, gewöhnlich zur Bekehrung zu Gott nicht bewogen wird. Um zum ernstlichen Nachdenken über die Tauspflichten veranlaßt zu werden, ist ein oberhirt- licher Befehl zur öffentlichen Erneuerung deS TaufbundeS nothwendig. Der Gedanke, vor der Ostercommunion allen unsittlichen Reden und Handlungen als Werken des SaianS selbst vor allen, die an diesem Tage zur Osterbeicht bestimmt sind, entsagen zu müssen, würde auf ähnliche Weise, wie die, welche als Erwachsene getauft werden, die als Kinder Getauften zum ernsten Nachdenken über die Tauspflichten und dadurch zur Buße bewegen, wozu auch die Furcht beitragen würde, im Falle der Nichtbefol- gung derselben getadelt zu werden, da man gewöhnlich die Menschen mehr als Gott fürchtet. Da die als Erwachsene Getauften in Amerika sich nicht mehr volltrinken, sich der Unzucht, der Dieberei rc. enthalten, würde eine ähnliche Erneuerung des TaufbundeS nicht solche Folgen haben? Würden dadurch die Taufe und Communion aufhören, mehr nur äußere Gebräuche zu seyn, durch die man, wie einst die auf die Beschneibung stolzen Juden, vergeblich ohne heiligen Wandel, den Himmel hofft, so würden durch solche Bekehrung die Christen wieder ein heiliger Bund wer* 159 den, von dem gesagt werden könnte: „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und Seele!" Apostelg. 4, 32., waS auch die Grundlage eines einst so einigen Deutschlandes war. Solche Christen auf dem Lande würden nur durch die Standespflichten sich in die bekannten drei Tugendbündnisse theilen. Sollen aber diese als Theile deS TaufbundeS betrachtet werden, so muß, da das Volk durch die Auctorität der obersten Kirchcnvorsteher geleitet wird, die zur Entstehung derselben nöthige Erneuerung deS TaufbundeS von dem Bischöfe befohlen, und müssen die Seelsorger als Vorsteher, und die Bünd- nisse als Befolgung deS TaufbundeS erklärt werden. Durch die Worte deS Apostels: „Habet keine Gemeinschaft mit Unzüchtigen, dem Trunke Ergebenen :c." 1. Kor. 5,9 — 11., sind offenbar die Tugendbündnisse befohlen. Die bloße oberhirtliche Genehmigung derselben verleitet daS Volk auf die irrige Meinung, als sey die Befolgung ihrer Satzungen auch in Bezug auf die christliche Pflichtenlehre etwa» zur Erlangung der Seligkeit nicht Wesentliches, sondern nur Gestattetes. ^ AuS demselben Grunde der kirchlichen Auctorität sollen, zur Förderung der Moralität, das erste, zweite und dritte Kirchengebot vollständiger ausgedrückt werden. Obgleich von Seelsorgern nicht unterlassen wird, dem Volke zu erklären, daß, wie der Sonntag, auch die von der Kirche gebotenen Feiertage heilig, zur Ehre Gottes und zum Seelenheil« zugebracht werden sollen; daß, um nicht dazu gehindert zu seyn, nicht nur die knechtliche Arbeit, sondern noch mehr die sündhaften und gefährlichen Weltvergnügen verboten sind; so werden doch an Sonn- und Feiertagen die meisten Todsünden begangen. Von dem nicht einseitig aufgeklärten Volke werden aber daS Fastengebot, und das Verbot knechtlicher Arbeit an Sonntagen fast ängstlich befolgt. Würde das Kirchengebot auch befehlen, daß an Sonn- und Feiertagen auch der Besuch der Tanzplätze, der vielstündigen Trinkgelage und Spiele, der Jahrmärkte rc. verboten seyen, so würden unstreitig auch diese Verbote der christlichen Pflichtenlehre befolgt werden, Ermahnungen der Seelsorger haben nicht die Kraft der Kirchengebote. Nach den alten Bußsatzungen mußte, wer an einem Sonntage tanzte, sich drei Jahre der Kirchenbuße unterwerfen, wie Bressanvido in seinen Katechesen erzählt. Die Geschichte lehrt, daß zur Zeit, als ohne Bekehrung Götzendiener wegen irdischer Vortheile sich taufen ließen, die Tanzmusik bei der Hochzeitfeier, die Trinkgelage und Freitänze an Sonntagen (mit der FastnachtSseier einst zum Götzendienste deS Bacchus gehörig) aus dem Heidenthume in daS Christenthum übergegangen find. Schon der heilige Gregor von Nazianz eiferte gegen einen Flötenspieler bei der Hochzeitfeier seines Freundes. Da gotteSfürchtige Eltern noch immer ihre Söhne und Töchter wegen der dabei statthabenden Aergernisse vom Besuche der Hochzeiten mit Tanzmusik ferne halten; so wäre zu wünschen, daß im fünften Kirchengebote bei der Hochzeitfeier die Tanzmusik verboten würde, als ganz ungeeignet zur Freude über den Empfang der Gnade eines heiligen SacramenteS. DaS Volk hält die Nichtbesolgung von Pflichtenlehre», die auch von der Kirche besonders geboten werden, noch immer für eine größere Sünde; daher die gewünschten Gebote und Verbote kräftige Tugendmittel seyn würden. Bluwen au- dem Schriftarten de- heiligen Vernarbn-. (Fortsetzung.) 18. B e g i e r l i ch k e i t. Die Begierlichkeit ist die Wurzel der Bosheit. Die Begierlichkeit kommt auS der Leere und Vergessenheit deS HerzenS. Denn die Seele bettelt anderswo, weil sie vergißt ihr Brod zu essen; sie hat ein heftiges Verlangen nach Irdischem, weil sie am wenigsten an Himmlisches denkt. 19. Beharrlichkeit. Bescheidenheit zeugt von einem weisen, Beharrlichkeit von einem tapfern Manne. 20. Beispiele. So lange du klein bist, und bis du vollkommener lernst, dich in GotteS Gegenwart zu denken, schaue dich um einen Erzieher um. Erwähle dir auf meinen Rath einen Menschen, dessen Beispiel so in deinem Herzen hafte, daß, so oft du an ihn denkest, du dich vor Ehrfurcht erhebest, und dich selbst ordnest und zusammen nehmest. Wenn du an ihn denkest, als wenn er gegenwärtig wäre, wird die Anhänglichkeit der gegenseitigen Liebe daS Fehlerhafte an dir verbessern. Ein großer Trost ist es im Leben, eine treue Seele zu haben, der du dein Herz eröffnen und die Geheimnisse desselben anvertrauen kannst. Liebe den uud folge ihm, der in der Traurigkeit mit dir leidet, im Unglücke dich aufrichtet, im Glücke sich mit dir freut. Glücklich eine solche Verbindung und eine solche Freundschaft; denn nichts ist schöner im menschlichen Leben, als sie. 21. Beistand GotteS. DaS Aufsteigen ist wahrlich schwer und die Bemühung vergeblich ohne GotteS Beistand. Wer also steht, wenn er nicht fallen will, der vertraue nicht sich, sondern stütze sich auf Gott. So ist eS, weder Aus- stehen zum Guten, noch Stehen im Guten können wir ohne Gott. Der du also stehst, gib Gott die Ehre, durch dessen Hand du ausrecht erhalten wirst. Nichts zeigt GotteS Allmacht deutlicher, als daß er diejenigen allmächtig macht, die auf ihn hoffen. Oder ist der nicht allmächtig, dem Alles möglich ist? So kann eine Seele, die nicht vermessen ist, sondern von Gott gestärkt wird, allerdings über sich herrschen, so, daß keine Ungerechtigkeit etwas gegen sie vermag. Keine Gewalt, keine List, kein Reiz kann den Stehenden umwerfen oder den Herrschenden unterwerfen. Vergeblich aber stützt sich der auf etwas, der sich nicht auf Gott stützt. 22. Bekehrung. Am Anfange unserer Bekehrung ist uns keine Tngend nothwendiger, als eine demüthige Einfalt und ein geschämiger Ernst. Die äußere Bekehrung allein ist keine Bekehrung. Sie hat nur die Form, nicht aber die Wahrheit einer Bekehrung. Während sie den Schein der Frömmigkeit hat, ist sie leer an Tugend. Die Engel freuen sich über die Bekehrung und Buße der Sünder. Da sie Durst haben nach dem Seelenheile der Menschen, sind die Thränen der Büßer ihr Wein, weil in denselben der Wohlgeruch deö Lebens, der Geschmack der Gnade, der Genuß der Verzeihung, die Lieblichkeit der Versöhnung, die Gesundheit der wiederkehrenden Unschuld, die Süßigkeit deS erheiterten Gewissens ist. 23. B e r ü h r u n g. Durch die Berührung wird das Feuer der wilden Lust auch bei geringer Gelegenheit aufgeregt, und wenn sie nicht auf der Stelle aufgegeben wird, bemächtiget sie sich deS ganzen LeibeS und steckt ihn in Brand. 24. Beschallung. Nichts ist angenehmer und nützlicher, als die Gnade der Beschauung. Je mehr du dich in der Betrachtung himmlischer Dinge unterhältst und in der Unterhaltung sie bewunderst, desto lieber wirst du dabei verweilen, desto fleißiger wirst du forschen, desto tiefer wirst du erleuchtet. Immer wirst du etwas finden, worüber du dich wundern und freuen wirst. Nirgends ist ein reichlicherer Stoff zur Bewunderung, nirgends eine nützlichere Ursache zur Freude. In diesen Dingen also verweile Leine Bewunderung und deine Freude. ES wird nicht nöthig seyn einen Gegenstand vor den andern zu suchen, oder mit den Gedanken von einem auf den andern zu schweifen: denn Gott erkennen ist die Fülle der Wissenschaft. 25. Bescheidenheit. Unerträglich ist der Eifer ohne Wissenschaft. Wo also großer Eifer ist, da ist Bescheidenheit vorzüglich nothwendig, welche die Liebe ordnet. Denn die Bescheidenheit setzt jede Tugend in Ordnung, und diese Ordnung gibt ihr Schönheit. Die Bescheidenheit ist also nicht so fast eine Tugend, als vielmehr die Lenkerin und Führerin der Tugenden, die Ordnerin der Affecte und die Lehrerin der Sitten. Nimm sie weg, und die Tugend wird zum Fehler. 26. Beschneidung. Weil die Gebrechlichkeit deS menschlichen Fleisches und die Schwäche deS kindlichen Alters die Beschneidung an den einzelnen Gliedern nicht aushalten könnte, hat eine höhere Anordnung mit gütiger Mäßigung dafür gesorgt, daß die Begierlichkeit vorzüglich an jenem Theile gezüchtiget werde, wo sie heftiger wüthete und gewaltthätiger Böses verübte. Denn unter allen Gliedern, welche dem Geiste widersprechen, ist jenes so widerspänstig, daß eS sich gegen alle Ueberlegung deS Willens erhebt. 27. Betrachtung. Vergeblich erhebt daS Auge deS HerzenS zur Anschauung GotteS, wer noch nicht in der Kunst, sich selbst zu kennen, erfahren ist. Denn zuerst mußt du daS Unsichtbare deines Geistes kennen lernen, ehe du geeignet bist, den unsichtbaren Gott zu schauen. Und wenn du dich selbst noch 160 nicht kennen gelernt hast, wage es nicht, daS zu erforschen, was über dir ist. Der vortrefflichste und erste Spiegel zur Anschauung GotteS ist eine verständige Seele, die sich selbst betrachtet. So lange Jemand fremde Fehler neugierig erforscht, wird er die eigenen nicht erkennen. 28. Betrübniß. ES ist eine Eigenschaft der Betrübten, daß sie eS für daS größte Glück halten, von den Lastern entledigt, und für die höchste Seligkeit, vom Elende frei zu werden. 29. B i s ch ö f e. Der heilige MartinuS, Cardinal-Priester, stand einst in Dacien einen GesandtschastSposten vor, und kehrte von demselben so arm zurück, Laß er, da ihm Geldmittel und Pferde mangelten, kaum nach Florenz kommen konnte. Dort schenkte ihm der Bischof des OrteS ein Pferd, auf welchem er nach Pisa ritt, wo wir uns damals aufhielten. TagS darauf, glaube ich, kam auch der Bischof von Florenz nach (denn er hatte einen Proceß mit einem Gegner, und der Gerichtstag war nahe) und fing an, die Hilfe seiner Freunde anzuflehen. Nachdem er einen nach dem andern gebeten hatte, kam er auch zu MartinuS. Denn er setzte um so größeres Ver- trauen auf ihn, da derselbe der frischen Wohlthat nicht leicht uneingedenk seyn konnte. Da sprach MartinuS: „Du hast mich getäuscht; denn ich wußte nicht, daß du einen Streithandel auszumachen habest. Nimm dein Pferd; eS steht im Stalle." Und zur selben Stunde leistete er Verzicht auf dasselbe. 30. B ö s e S. Das Böse ist immer von der Strafe begleitet. Wenn Jemand sein Herz noch so aufmerksam beobachtet, und wenn er in diesem Geschäfte auch viel Uebung und Erfahrung hat, so kann er doch nicht ganz genau unterscheiden daS angcborne und das eingesäete Böse. „Aber die Sünden, wer merket sie?" ES liegt auch nicht viel daran, zu wissen, woher daS Böse in unS komme, wenn wir nur wissen, daß es in unS sey. Wir sollen vielmehr wachen und beten, damit wir in selbes nicht einwilligen, eS mag wo immer her seyn. Ein böser Mensch wohnt niemals sicher bei sich, weil er bei einem bösen Menschen wohnt, und Niemand ist ihm lästiger, als er sich selbst. 31. B u ß e. So sehr Gott die Unverschämtheit des Sünders mißfällt, so sehr gefällt ihm die Schamröthc des Büßers. Wer wahrhaft seine Sünden bereut, der fürchtet sich nicht vor der Mühe der Buße, sondern er nimmt mit stillschweigendem Gewissen Alles an, waS ihm für die Schuld, die er haßt, aufgegeben wird. Der wahre Büßer befindet sich immer in Arbeit und Schmerz. Er bereut daS Vergangene, er arbeitet, um Zukünftiges zu verhüten. Denn wahre Buße ist eS, ohne Unterbrechung der Zeit seine Sünden zu bereuen. Er beweint daS Begangene, damit er nicht mehr BeweinenSwertheS begehe. Ein Spötter, nicht ein wahrer Büßer ist jener, der noch thut, wa« er beklagt. Wenn du also ein wahrer Büßer seyn willst, so stehe ab von der Sünde, und wolle nicht mehr sündigen: denn jene Buße ist eitel, welche die darauffolgende Schuld wieder befleckt. Die Keuschheit laust Gefahr bei'm Vergnügen, die Demuth im Reichthum, die Frömmigkeit in der Geschäftigkeit, die Wahrheit in vielen Reden, die Liebe in dieser bösen Welt. Fliehet auS der Mitte Babylons, fliehet und rettet eure Seelen. Fliehet in die Städte der Zuflucht, wo ihr über die begangenen Sünden Buße thun, in der Gegenwart Gnade erlangen und für die Zukunft vertrauensvoll auf Verherrlichung warten könnet. ES halte euch nicht zurück das Andenken an die Sünden; denn wo sie überschwänglich sind, da pflegt die Gnade noch über- schwänglicher zu seyn: nicht die Strenge der Buße; denn die Leiden dieser Zeit kommen nicht in Vergleich mit der nachgelassenen Schuld und mit 'der Gnade der gegenwärtigen Tröstung, noch mit der Herrlichkeit, die uns verheißen ist. Der französische Alerus. Nachdem derselbe von verschiedenen Seiten angeklagt wurde, daß er bei der Abdankung Louis Philipps so schnell den Mantel nach dem Winde gedreht, wird eS nicht uninteressant seyn, die glänzende und geistreiche Rechtfertigung zu hören, welche Ritter in der Vorrede zu seinen Vorlesungen geschrieben. Er sagt: „Man hat eS tadelnSwerth gefunden, Laß die französische Geistlichkeit nach der Februar-Revolution keine Sympathien für die vertriebenen Orleaniden an den Tag legte, sondern die Republik bereitwillig anerkannte. Die französische Geistlichkeit war den Bourbonen aufrichtig zugethan und treu, daher ihr zurückhaltendes Benehmen gegen Ludwig Philipp. In diesem aber sah sie nichts weiter als einen Usurpator, da sein Besitz sich weder auf daS Recht der Geburt, noch der Eroberung, noch der allgemeinen Volkswahl gründete. Auch seine religiöse Gesinnung war mehr als zweifelhaft, und seine Kuppelei in der spanischen Heirathsangelegenheit mußte daS sittliche Gefühl des Klerus empören. In der UnkerrichtSfrage aber war er dessen Gegner; für die Interessen deS Volks hatte er nichts gethan. ES galt, nachdem sein Thron gestürzt und er vertrieben war, daß die Geistlichkeit einen schnellen Entschluß faßte, um nicht der Partei deS CommunismuS einen Vorwand zu leihen, ihre Waffen gegen die Kirche zu kehren, und die allgemeine Unordnung zu verlängern. Die bereitwillige Anerkennung der Republik von Seiten der Kirche war die einzige Auskunft. Die improvisirte Regierung bekam dadurch einen ! Anhalt, den sie dankbar anerkennen mußte. Daß der Erzbischof Affre von PariS, von welchem die ersten kirchlichen Erlasse ausgingen, kein Feigling war, der nur seine Person retten wollte, sondern ein Mann, der für sein Vaterland sich aufzuopfern Muth besaß, dieß hat er später bewiesen. In so drangvollen Umständen, wie diejenigen nach der Februarrevolution waren, ist nichts verderblicher als halbe Maaßregeln. Nur Entschiedenheit kann retten. Diese Entschiedenheit bewies der Erzbischof und rettete Frankreich dadurch wahrscheinlich vor einer allgemeinen Auflösung. DaS verblendete Volk aber gewann die Ueberzeugung, daß die Kirche nicht zwischen ihm und seinem Idol von politischer Freiheit stehe, wodurch eS allein Rettung auS seinem Elende erwartete. Hätte Ludwig Philipp nur Einige seiner Millionen Franken verwendet, um dem schauderhaften Elende vieler unschuldigen Familien in Paris ein Ende zu machen, sey eS, daß er menschliche Wohnungen für sie baute, sey eS, daß er ihnen einen Herd in Afrika gründete, er hätte wenigstens ein dauerhaftes Andenken hinterlassen. Welche großartigen Denkmale-zum Besten der Menschheit haben die Könige und Fürsten deS Mittelalters geschaffen; prachtvolle Dome, ErziehungS- und Krankenanstalten, Klöster, meist Zufluchlstätten für Mädchen aus den gebildeten Ständen u. s. w. WaS ist auS diesen Anstalten geworden? Der Fiskus hat sie eingezogen, verkauft, verschenkt, oder sich selbst darin niedergelassen. Ja die Unterhaltung von Schulen unv Kirchen, für die jene Stiftungen sorgen mußten, fallen noch überdieß den Gemeinden zur Last, das tägliche Almosen aber, waS jene Anstalten spendeten, ist der Armuth meist verloren gegangen. Seitdem vie Völker ihre Fürsteir nur auS Geboten und Verboten kennen, und zwischen ihnen und ven Fürsten daS Heer der Beamten wie eine Wolke vor der Sonne steht, ist die Liebe und Ehrfurcht der Unterthanen erkaltet. Noch heute sind vie Jn- spectionSreisen Friedrich des Großen in Schlesien in gesegnetem Andenken. Wehe den Beamten, in deren Bezirk eine Hungerpest, wie voriges Jahr in Oberschlesien, erst nachdem sie Monate lang gewüthet, zu seiner Kenntniß gekommen wäre. Friedrichs Krücke war ein gefürchleter Zepter, aber nicht für die Unterthanen, sondern für die Behörden. Aber nicht nur, daß die Regierungen neuerer Zeit die alten wohlthätigen Institute aufgehoben, geschweige denn, daß sie selbst welche errichtet, so legten sie auch den Stiftungen von Privaten in der Regel unübersteigliche Hindernisse entgegen. Man denke an die projeclirte wohlthätige Stiftung auf Nonnenwerth. Die Kirche in Deutsch-Piekar würde wahrscheinlich heute noch nicht erbauet seyn, auf keinen Fall in so großartigem Styl, wenn eS von der Regierung in Oppeln allein abgehangen hätte. Ludwig Philipp hatte Verstand für daS Interesse seiner Dynastie, aber kein Herz für sein Volk, darum wandte eS ihm in der PrüfungSstunve den Rücken." Notiz. Im Dom zu Trier wurde eine neuntägige Andacht zur Abwendung der Cholera angeordnet. Fast in allen Pfarrkirchen (ich glaube in allen) wird täglich Beicht gesessen, und die Geistlichen haben auch wirklich im Beichtstuhl täglich viel zu thun. In der am härtesten heimgesuchten Pfarrei von St. Paulus zu Trier haben die übrigen Stadtgeistlichen bereitwillige Hilfe geleistet. Die so furchtbar auftretende Krankheit trägt heilsame Früchte; denn die in guten Tagen so oft vernachlässigte und verkannte Religion erlangt jetzt ihr volles heiliges Ansehen wieder, und Mancher bestellt jetzt seine GewissenSangelegenheiten, der ohne die drohende Zuchtruthe der Cholera vielleicht weder „Zeit" noch „Lust" dazu gehabt hätte. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kr eurer.