Vierteljähriger Abon- nemcntspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 2» kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel könne» diese Blatter bezogen werde». Der Preis betrügt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. 14- Oktober RW4S. Die -ritte Generalversammlung -er katholischen Vereine in Regen-burg. *) I RegenSburg, 2. Oct. Die dritte Generalversammlung deS katholischen VereineS Deutschlands ist nunmehr eröffnet und eS scheint, daß sie den in Mainz und Breslau abgehaltenen an Großartigkeit, an Zahl der Abgeordneten und an Wichtigkeit der Verhandlungen nicht nachstehen werde. Bei der gestern Abend abgehaltenen Vorversammlung im Reichssaale deS alten RathhauseS waren bei 200 Deputirte der Einzclvereine gegenwärtig, unter welchen zur größten Freude aller Anwesenden besonders der Katholikenvcrein in Linz stark vertreten ist. Alle anwesenden Deputirtcn nahmen, nachdem sie die nothwendigen Vorfragen schnell erledigt hatten, an der allgemeinen Versammlung deS Centralvereines von RegenSburg Abends um 7 Uhr Antheil und waren freudig überrascht beim Eintritts in die zu diesem Zwecke besonders eingerichtete St. Ulrichskirche ganz in der Nähe des prächtigen DomeS. Dieser Tempel, in welchem seit Jahren kein Gottesdienst mehr gehalten wird, ist^Mrch.die edle Freigebigkeit deS Hochwürdigsten Bischofs und durch den Kunstsinn. §sjies Mitgliedes des VereineS für die allgemeinen Versammlungen auf daS^psÄtpollste und zweckmäßigste eingerichtet. Die Rednerbühnc, der Sitz.dzKjPrsistdenlen und des Bureau's, so wie die Gallerien find mit Scharlach und . Sammet reichlich verziert;! Blumengewinde und Laubwerk durchziehen die ganze Kirche; die Büste deS heiligen Vaters PiuS IX. auf der einen und die deS KönigS von Bayern auf der andern Seite erheben sich majestätisch in einem Walde seltener Blumen und Ziersträucher, indessen das Kreuz deS ErlöserS und unter demselben das Bild der seligsten Gottenmuiter segnend und gnadeverheißend über dem Ganzen schwebt. Vor etwa 3000 Männern, Frauen und Jungfrauen eröffnete der Präsident deS RegenSburger Vereines in kurzen aber herzlichen Worten die Versammlung, worauf Stadtpfarrer Eberhard in einer tief ergreifenden und überzeugenden Rede nachwies, wie einzig und allein von der vollkomm- nen kirchlichen Freiheit auch die Erlangung der wahren, ächten Volksfrei- heit bedingt sey. Nachdem hierauf einer der Abgeordneten deS PiuSvereineS von Mainz über die Wirksamkeit deS dortigen VereineS gesprochen und darauf hingewiesen hatte, wie die katholischen Vereine leider noch nicht in der Lage sind, den WohlthätigkeitSzweck, die Werke der christlichen Nächstenliebe u. s. w. zu ihrer vorzüglichsten, geschweige denn zu ihrer ausschließlichen Aufgabe zu machen, da die kirchliche Freiheit, wenn gleich überall versprochen, noch nirgends zur Wirklichkeit, zum Leben geworden sey, »Deßhalb die Vereine nach wie vor mit Muth, mit Geduld und Ausdauer kämpfen und ringen und dazu durch daS Gebet der Einzelnen und der Gesammtheit sich stärken müssen — bestieg der edle Graf Jos. v. Stol- berg den Rednerstuhl und schilderte die Eindrücke, welche der Anblick Re- genSburgS, seiner alten Gebäude, seines Kirchhofes und deS ehrwürdigen Domes auf ihn gemacht. Auf dem Begräbnißplatze, wo die Gebeine so vieler Tausende ruhen, trat ihm mächtig ergreifend daS Bild des TodeS vor Augen — ein Sinnbild deS geistigen Schlafes, in welchem nur zu lange die Katholiken gefesselt waren. Aber daS allerheiligste Sacrament, der in demselben wahrhaft gegenwärtige Gott und Heiland verkündete ihm Auferstehung und Leben, dessen die Katholiken aber nur dann theilhaftig werden, wenn sie rein und untadelhaft, frei von Sünden in die innigste Lebensgemeinschaft mit ihrem Heilande treten, unwandelbar fest im Glauben an ihn, unerschütterlich in der Liebe und treuen Anhänglichkeit an unsere Mutter, die Kirche, opferwillig selbst bis zur Hingabe unseres Lebens die edlen Zwecke deS katholischen VereineS stets im Auge behalten und darunter besonders die Werke der christlichen Liebe in Ausübung bringen. . Nach ihm berichtete Domcapitular und Professor Dr. Baltzer aus ! BreSlau höchst Erfreuliches über die schlesischen Vereine und ermähnte in eindringender Weise, unverrückt fest zu halten in brüderlicher Liebe und Eintracht an den durch die beiden Generalversammlungen in Mainz und BreSlau aufgestellten Satzungen und Beschlüssen, weil nur dadurch, aber alSdann auch ganz zuverlässig, der endliche Sieg, wenn gleich nach großen Mühen und schweren Opfern, unS nicht fehlen werde. Der Präsident deS seitherigen Vororte», deS Centralvereines von BreSlan, Licentiat Dr. Wick, lenkte hierauf in einer überwältigenden Rede die Augen und Herzen der Anwesenden nach Rom, der Multerstadt der ganzen Christenheit. Er schilderte die Leiden, den tiefen Schmerz, die bitteren Verfolgungen deS heiligen Vaters, deS besten aller Fürsten, des glorreichen unter den großen Nachfolgern deö Apostelfürsten Petrus. Er erwähnte, wie die Feinde der Küche zu allen Zeiten und so auch in unseren Tagen vor Allem die giftigen Pfeile ihres Angriffes auf den ehrwürdigen Vater der gesammtrn Christenheit gerichtet, von der Ueberzeugung geleitet, daß, wenn das Haupt deS Leibes leide, blute und zur Unmacht herabgedrückt werde, auch die Glieder deS LeibeS bald absterben müßten. Darum sey eS nicht allein eine schöne Aufgabe, sondern eine heilige Pflicht der Vereine, den Verunglimpfungen der schlechten Presse, in welcher die Feinde des Christenthumes ihr Gift in ! überreichem Maaße ausspritzen, mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, und durch belehrende Verträge in den VereinSvcrsammlungen und bei jeder sich darbietenden Gelegenheit eS hervorzuheben, was die ganze civilisirte Welt, was Europa und waS ganz vorzugsweise Deutschland dem apostolischen Stuhle zu Rom und den großen Päpsten, welche denselben geziert, zu verdanken habe. Daran reihte der mit vielen Beifallrufen oft unterbrochene Redner die Aufforderung zum unablässigen andächtigen Gebete, daß Gott in seiner unendlichen Güte der Christenheit verleihen möge, recht bald ein schönes Dankfest begehen zu können zur Feier der frohen Rückkehr deS heiligen VaterS in die Mauern der ewigen Stadt, in die Mitte eines Volkes, daS ihm mit Undank seine Liebe vergolten, daS sein väterliches Herz mit Bitterkeit gekränkt hat. Nach diesem ausgezeichneten Vortrage lenkte Obercaplan Ruland auS Berlin die Augen der Anwesenden auf Berlin, nicht um sie von Rom abzuwenden, sondern um nachzuweisen, wie die katholische Bevölkerung der Hauptstadt Preußens, namentlich die, welche dem Handwerker-, dem Arbeiter-, dem sogenannten niederen Stande angehört, in ihrer treuen Anhänglichkeit an die Kirche und an daS ehrwürdige Oberhaupt derselben, in ihrer lebendigen Begeisterung für alles Große und Edle, waS die Kirche schafft, schützt und pflegt, in der innigsten Ueberzeugung, daß nur in ihrem Schooße der Keim einer besseren Zukunft und die regenerircnde Lebenskraft der ganzen Menschheit ruhet — im Verhältnisse zu den geringen Mitteln und der Mühseligkeit deS Erwerbes derselben wahrhaft Slau- nenSwertheS, besonders in dem Werke der christlichen Liebe bis daher schon geleistet hat. Daran knüpfte er die Bitte, daß die bessergestellten, daß die wohlhabenden Katholiken Deutschlands den armen GlaubenSbrüdern in den dortigen Gegenden zu Hilfe kommen möchten; sey einem Jeden derselben auch ein einziger Kreuzer zu viel — dann bitte er im Namen seiner Com- mittenten wenigstens um ein Vater Unser und Gcgrüßet seyst du Maria! Zum Schlüsse sprach Herr Stadtpfarrer Frank auS Spalt darüber, wie die katholische Kirche die einzige und wahre Mutter aller Association, deS ganzen VcreinSwesenS sey; wie sie durch ihre Anstalten und Orden Alles, waS der CommuniSmus und Socialismus Wahres in sich enthalte, längst verwirklicht, aber auch den verderblichen Auswüchsen kräftig gewehrt habe, und schloß mit den ernsten Worten, daß wenn die Söhne und Kinder einer so reich begabten, von Gott gesetzten Mutter untergehen, eS lediglich durch ihre Schuld, durch ihre Trägheit und Feigheit geschehen ! könne. So schloß der zur Vorfeier bestimmte höchst genußreiche Abend und ') Berichte des Mainzer Journals, Dr. Riffel. 162 verbürgte schon diese erste Versammlung, daß der dritte Congreß des. katholischen Vereines Deutschlands nicht minder reich an großartiger Einwirkung auf die Einzelnen und auf die Gesammtheit seyn und eben so segensreich enden werde, als die zwei ersten Versammlungen in Mainz und BreSlau. Den ersten freien Augenblick werde ich dazu benutzen, weiteren Bericht abzustatten und bemerke für dieses Mal nur zum Schlüsse, daß die RegenS- burger Tagesblätter, nicht wie weilanv die radicale Mainzer Zeitung, diese Versammlung ignorirt, sondern dieselbe gleich deS anderen TageS besprochen haben; daö „Tagblatt," ein Blatt der Demokraten, in würdiger, männlich-ernster Weise, dagegen die früher von dem Hochwürdig- sten Herrn Bischof empfohlene „RegcnSburger Zeitung" mit der Gemeinheit eines ungezogenen Buben. De- Glaubens Boden. *) Erzählung auS den Papieren eines Seelsorgers. I. „Gar oft geschieht es, daß wir nicht wissen, waS wir vermögen; aber die Prüfung bringt zum Vorschein, waS wir sind." Diese Worte eines große» Meisters sind mir heute wieder einmal recht klar geworden. Die Ueberraschung deS Augenblicks, wie wenig fand sie mich vorbereitet! Auf den stillen Wegen der Seelsorge, unter den Armen und Kleinen, in deren Gemüth kein Zweifel den Eingang findet, ist eS, wenn schon mühsam, doch anmuthig zu wandeln; aber selbst auf diesen Gängen wird man zuweilen von eisigen Lüften angeweht, an welchen ein kränklicher Geist sich gar leicht verkältet. Ick suchte einen Arbeiter heim, der auf keinen irdischen Taglohn mehr rechnen konnte, und dem ich die Heilsmittel der Kirche schon früher gebracht. Mehr als einmal hatte ich hier die Großmuth und Güte eines angesehenen Arztes preisen gehört, der, so wie manchem andern dürftigen Kranken, auch diesem seine Sorgfalt widmete, und den die Familie als ihren großen Wohlthäter ehrte. Frau Ludmilla meinte, sie könnte ihn schier für einen Heiligen halten, wenn nicht der Umstand ihr einiges Bedenken machte, daß er ihrem HauSaltar mit den vielen auf GlaS gemalten Bildern keine Aufmerksamkeit schenke; die Kinder erzählten von ihm mit leuchtenden Augen. Wie groß war mein Verlangen, den edlen Mann persönlich kennen zu lernen! Als ich dießmal in das niedrige HauS eintrat, sah ich seinen Wagen vor der Thüre halten; mein Wunsch war erfüllt, er saß beim Lager deS Kranken. Ich sprach eine kurze Zeit mit der Mutter und den Kindern; der Arzt schien meiner Anwesenheit nicht zu achten. Um so öfter konnte ich, wie verstohlen, den Mann inS Auge fassen, der mir, wohl schon von lange her, genau bekannt schien. Endlich als er, um Abschied zu nehmen, sich erhob, wandte er wie zufällig seinen vollen Blick auch auf mich. Ich schrie auf, ich breitete meine Arme ihm entgegen. Blahomir, rief ich, sind Sie eS? oder träume ich nur? Lange konnte ich ihn nicht ansehen; sein gleichgiltig frostiger, ja verächtlicher Blick beschämte mich, oder schien mir wenigstens zu sagen: du bist im Irrthum, Menschenkind; eine Aehnlichkeit hat dich getäuscht; im klebrigen mag ich mit deinesgleichen nichts gemein haben; für mich bist du so viel als nicht da. In der That ward ich an meinem Urtheile irre, auch halte der Fremde ein viel zu gealtertes Aussehen, um der zu seyn, für den ich ihn gehalten. Gab ihm jedoch meine Anrede ein Recht, mir so wegwerfend zu begegnen? Noch wechselte er mit Mutter und Kindern einige freundliche Worte, und ging, ohne sich weiter um mich zu kümmern; und dieß Benehmen verstimmte mich dcrmaaßen, daß ich kaum die rechte Weise fand, um den Kranken, der täglich dem Tode entgegenharrte, zu erbauen und zu trösten. Die gute Frau Ludmilla mußte daS alles scharf genug bemerkt haben. Bester Herr Jvo, sagte sie zu mir: es gibt zweierlei Religionen in der Christenheit, eine für uns gemeine und dumme Leute, die andere für die Feinen, Gelehrten oder Vornehmen, die etwas AparteS haben. Ich meinerseits halte die unsre für bester, und möchte um keinen Preis in der Welt tauschen. Aber waS den Doctor anbelangt, so meine ich, daß sein Glauben wohl eine nachhaltige Cur nöthig hätte; eS ist mir jedoch nicht bange darum, denn Zeit und Weile sind ungleich, und wo so viel Barmherzigkeit und gute Werke vorhanden, da wird die Gnade Gottes auch nicht fern bleiben. Ja wohl, erwiderte ich; aber — und weiter sagte ich nichts, denn dieß Aber mahnte mich, daß mein Selbstgefühl gekränkt und mein Herz verbittert war. Die Beleidigung konnte oder mußte ich verzeihen; waS ich mir erlauben durfte, war der Versuch, über die Person deS vermeintlichen ehemaligen Freundes ins Reine zu kommen. Ludmilla hatte versprochen, von seinem nächsten Besuche mir gleich Nachricht zu senden, und dieß fand sich bald. Wie im Vorbeigehen und gelegentlich trat ich in die Krankenstube, wo mir von Seiten deS Arztes die nämliche Begegnung zu Theil ward. Allein je genauer ich .mir den Mann betrachtete, und seiner Stimme horchte, desto mehr ward ich meiner Sache gewiß; und so brachte ich eS endlich über mich, ihn anzureden. Herr, sprach ich, ihn fest anschauend; Sie sind dennoch Blahomir! Ich brauche eS nicht zu läugnen, erwiderte er; allein was folgt daraus? — Wenn Sie es sind, so müssen Sie mich kennen! — Warum nicht? Jedenfalls sind Sie ein Priester, und mit dieser Kaste habe ich nichts zu thun. Adieu. Hiemit ging er, und überließ mir die unangenehme Aufgabe, wie versteinert stehen zu bleiben, und ihm nachzuschauen. Wie arm und kraftlos fühlt sich der Mensch mit seinen besten Absichten, mit seiner innigsten Ueberzeugung, einem starren und unzugänglichen Gemüthe gegenüber! Selbst die Kinder machten große Augen, und auch ihre Mutter seufzte über dieß Benehmen. Sie meinte in ihrer Einfalt: wenn schon die verschiedenen Stände mit Kisten und Kasten verglichen würden, so sey ihr die Schublade, in welcher die Priester sich befinden, doch immer heilig und hochverehrt. Zeit und Weile sind ungleich, und so müsse man bald in der einen, bald in der andern, bald auch in Beiden Hilfe suchen, aber jedenfalls bleibe wahr, was geschrieben steht: der Leib ist mehr als die Speise, und die Seele ist mehr als der Leib! — Die wackere Frau ging aber noch weiter; sie hatte sich'S in den Kopf gesetzt, den Arzt auf andere Gedanken zu bringen. Dazu kam eS ihr ganz gelegen, daß wenig Tage nachher, wie sie von erster Hand, von einer Hand, welcher die Zügel anvertraut waren, nämlich vom Kutscher eS in Erfahrung gebracht, sein Geburtstag eintrat. Sie ließ das älteste Mädchen zur Krankenpflege daheim, putzte die andern Kinder aufs beste heraus, und zog mit ihnen in aller Frühe dreiviertel Stunden weit in das HauS deS ArzteS. Die Kinder durften ihren Spruch aufsagen, dann nahm Frau Ludmilla daS Wort. Gnädiger Herr, sagte sie: mir ist so leid um den hochwürdigen Herrn Jvo, der für meines Mannes unsterbliche arme Seele sorgt, wie Sie für seinen elendiglichen sterblichen Leib. DaS wäre auch ein Patient, dem Sie weh gethan haben, und dem Sie helfen könnten, wenn Sie ihn nicht so despeckirlich behandelten. Der Doctor lächelte ein wenig, und zwar (nach Ludmilla'S Bericht) ungefähr so, wie ein Sonnen- blick, der im Winter durch die gefrornen Fenster schielt; dann sprach er: dieß Capitel lasten wir auf sich beruhen. O ich weiß wohl, entgegnete Ludmilla, daß die heiligen Evangelien in verschiedene Capitel eingerheilt sind; allein gar viele darunter lehren von der Gottes- und Nächstenliebe, und daß alle Menschen als Brüder sich betrachten sollen. Gewiß, sagte der Doctor, aber wer am wenigsten von diesen hohen Lehren der Humanität begreift, daS sind eben die Priester. Aber ich will dich in deinem Glauben nicht irre machen. Hat keine Noth, erwiderte Ludmilla; gegen meinen Glauben werden Sie mit allen Ihren Recepten nichts ausrichten. Aber mit dem Herrn Jvo sollten Sie Loch eine Ausnahme machen. Einmal ist er ein Mann von aufrichtigem Herzen, und für'S andere: wer weiß, ob eS Ihnen nicht selber gut ist? Zeit und Weile sind ungleich! Mehr als daS, so setzte Ludmilla ihren Bericht fort, traute ich mir nicht zu reden, denn der Doctor ward ungeduldig, und rief: genug. Aber wir Frauen müssen nun einmal, außer im Kyrie eleison, daS letzte Wort haben. Ich blieb in der Thüre stehen; ich fragte kleinlaut: So darf ich ihm gar nichts Freundliches melden? Nun, waS er darauf erwiderte! Er war wie außer sich, und sein Blick war schrecklich; so erzürnt und verstört habe ich ihn nie gesehen! — Aber was erwiderte er denn eigentlich? — Der arme Mann! Ich hatte einst einen Freund, rief er, der mein Vertrauen betrogen, der mich unselig gemacht, der mir alles geraubt hat, was mein LebenSglück ausmachte. Jede Erinnerung an ihn empört mich; und dieser Priester, dieser Jvo — ist jenes Menschen leiblicher Bruder! — Ich crschrack über die Rede, und dießmal vergaß ich aufs letzte Wort. Zeit und Weile sind ungleich, dachte ich bei mir; nahm meine Kinder, und begab mich auf den Heimweg. (Fortsetzung folgt.) Blnme» au- dem Schriftgarten de- heiligen Bernardu-. (Fortsetzung.) 32. Danksagung. Nicht eine jede Danksagung ist Gott angenehm, außer die aus schamhaftem Herzen und reiner Einfalt kommt. AuS „schamhaftem" Herzen, sage ich wegen derjenigen, welche sich ihrer schlechten Handlungen rühmen und Gott dafür zu danken Pflegen, als wenn Gott sich über ihre böse *) Aus dem österreichischen Nelkssreuud. 163 Handlungsweise freue. Aus „reiner" Einfalt, sehe ich bei, wegen der Heuchler, welche Gott mit Worten loben, aber im Herzen zurückbehalten, was sie mit dem Munde gegeben haben. Jene schreiben Gott gottloser Weise ihre bösen Thaten, diese die Wohlthaten Gottes sich zu. 33. Demuth. Schäme dich, Asche, stolz zu seyn! Gott erniedrigt sich, und du erhöhest dich? Gott unterwirft sich den Menschen, und du willst über die Menschen herrschen und dich deinem Urheber vorziehen? So oft ich den Menschen vorzustehen verlange, streite ich mit Gott um den Vorrang. Kein Edelstein glänzt schöner am bischöflichen Ornate, als die Demuth. Ein guter Grund ist die Demuth, worauf man daS geistliche Gebäude setzen kann, damit eS wachse zum Tempel Gottes. Durch dieselbe besaßen Einige sogar die Thore der Feinde. Denn welche Tugend kann wie sie den Stolz der Teufel und die Tyrannei der Menschen bekriegen? Schlauen und hinterlistigen Menschen pflegt eS eigen zu seyn, Demuth zu heucheln, wenn sie etwas erlangen wollen. Von diesen sagt die heilige Schrift: „Ein anderer demüthigt sich schalkhaft, und sein Inneres ist voll List." Die Demuth ist eine Tugend, wodurch der Mensch sich selbst kennen und gering schätzen lernt. Die Demuth muß man fest halten, da sie die Wächten» der Reinigkeit und die Mutter der Geduld ist. Wahre Geduld kommt nur auS tiefer Demuth, ohne die jene weder erworben noch erhalten wird. Eine ehrenvolle Sache muß eS um die Demuth seyn, da sogar der Stolz sich mit dem Mantel der Demuth kleidet, damit er nicht gering geachtet werde. 34. Dreieinigkeit. Gleichwie in der Gottheit Dreieinigkeit in Personen, Einheit in der Wesenheit ist, so ist auch in der Verbindung Gottes und des Menschen Dreiheit in den Wesenheiten, Einheit in der Person. Und wie dort die Personen die Einheit nicht trennen, die Einheit aber die Dreiheit nicht aufhebt: so vermischt hier nicht die Person die Wesenheiten, noch heben die Wesenheiten der Person die Einheit auf. Jene höchste Dreieinigkeit hat uns diese Dreieinigkeit mitgetheilt, ein wunderbares, ein einziges Werk unter allen und über allen ihren Werken. Denn das Wort, die Seele und daS Fleisch kamen in Einer Person zusammen, und diese Drei sind Eins, und dieses Eine Drei, nicht durch Vermischung der Wesenheit, sondern durch Einheit der Person. 35. Ehrgeiz. Der Ehrgeiz ist ein feines Uebel, ein verborgenes Gift, eine versteckte Pest, ein Künstler in der List; die Mutter der Heuchelei, der Vater deS Neides, der Ursprung der Sünden, der Zunder der Laster, der Rost der Tugenden, die Motte der Heiligkeit, die Verblenderin der Herzen, und erzeugt auS den Heilsmitteln Krankheiten, aus der Arznei Schwäche. Welch großen Männern hat diese Pest den Fuß untergeschlagen und sie schändlich zu Boden geworfen, daß die Uebrigen, denen dieser verborgene Räuber nicht bekannt war, bei dem Falle erschracken! 36. Eifer. Zwar ist der Eifer ohne Wissenschaft immer weniger wirksam und weniger werth, meistens aber ist er sogar verderblich. Je feuriger also der Eifer und je heftiger der Geist ist, und je ausgebreiteter die Liebe, desto wachsamere Wissenschaft ist nöthig, welche den Eifer zügle, den Geist dämpfe, die Liebe ordne. 37. Einigkeit mit dem Nächsten. Die Einigkeit der Guten ist eine doppelte. Die eine rechtfertiget, die andere verherrlicht. Jene ist Verdienst, diese Belohnung. Die Einigkeit, welche gerecht macht, ist vorzüglich jetzt nothwendig. Denn sie ist die angenehme Zierde, von der der Psalmist fingt: „Wie gut und wie lieblich ist'S, wenn Brüder beisammen wohnen!" Dieß ist jene Einigkeit, welche der Apostel mit allem Fleiße zu beobachten befahl: „Seyd beflissen, Einigkeit deS Geistes zu erhalten durch das Band deS Friedens." 38. Einwilligung. Ein Anderes ist die freiwillige Beistimmung, und ein Anderes die natürliche Lust. Letztere haben wir mit den unvernünftigen Geschöpfen gemein, und diese vermag nicht dem Geiste beizustimmen, verhindert durch die Reizungen deS Fleisches. Indem uns diese mit den Thieren gemein ist, unterscheidet unS die freiwillige Beistimmung von denselben. Denn sie ist eine Eigenschaft der über sich freien Seele, die zwar angetrieben, aber nicht gezwungen werden kann. Diese freie Beistimmung ist Sache des Willens, nicht der Gewalt: sie versagt sich keinem und gibt sich keinem Dinge hin, außer auS Willen. Wenn sie gezwungen werden konnte, wäre sie der Gewalt unterworfen und nicht mehr freiwillig. Wo aber kein Wille ist, ist auch keine Beistimmung: wo aber Beistimmung, da ist Wille: weiter, wo Wille, da ist Freiheit. Und das ist nach meiner Meinung der „freie Wille." 39. Eitelkeit. Der eitle Ruhm fliegt leicht einher, dringt leicht ein: aber er versetzt keine leichte Wunde, und tödtct schnell. Ein eitles Herz bringt auch dem Körper daS Kennzeichen der Eitelkeit bei, und der äußere überflüssige Aufwand ist ein Zeichen der innern Eitelkeit. Brüder, Niemand unter euch wolle gerne gelobt werde» in diesem Leben: denn was du hier Lob annimmst, stiehlst du Gott, wenn du eS nicht auf ihn beziehst. Fäulniß und Staub, woher kommt denn dein Ruhm? 40. E l e n d. Kein Elend ist wahrer, als die falsche Freude. Alles, was daS gegenwärtige Leben betrifft, ist vom Elend ergriffen. Ich rathe dir. betrachte am meisten, was du seyest, nämlich ein Mensch, als der du geboren bist. Aber nicht nur darauf merke, als was du geboren bist, sondern auch, wie du geboren bist. Betrachte bloß den Nackten, weil du nackt auS dem Leibe deiner Mutter hervorgekommen bist. Wenn du betrachtest, waS du seyest, wird dir ein nackter, armer, elender und erbarmenswerther Mensch begegnen. „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt eine kurze Zeit, und wird mit vielem Elend erfüllt." Viel und vielfach ist daS Elend deS LeibeS und deS HerzenS, du magst schlafen oder wachen oder dich wo immer hin wenden. In der Sünde geboren, mit einem sterblichen Leibe, thörichten HerzenS, zum Tode verurthetlt, lerne dich kennen, o Mensch! 41. Engel. Sehr viele Dinge sind es, welche den Engeln an unS gefallen, wenn sie selbe vorfinden, besonders Nüchternheit, Keuschheit, freiwillige Armuth, häufige Seufzer nach dem Himmel, Gebet mit Thränen und Versammlung deS Geistes. Doch verlangen die Engel deS FriedenS von uns vor Allem Einigkeit und Frieden. Werden sie sich nicht am meisten über die freuen, welche auf Erden daS himmlische Jerusalem vorstellen? Dagegen beleidigt sie nichts mehr und fordert ihren Unwillen mehr heraus, als Uneinigkeit und Aergerniß. Wenn du die Bedienung der Engel wünschest, so fliehe weltlichen Trost, und leiste Widerstand den Versuchungen deS Teufels! 42. Enthaltsamkeit. DaS einzige Mittel, wenn die Enthaltsamkeit erschüttert wird und wankt, ist das Entgegenhalten der Geduld und die gänzliche Verneinung der Beistimmung, mag der Reiz der Sünde noch so sehr brennen. Jene Enthaltsamkeit hat kein Verdienst bei Gott, welche menschliches Lob sucht, weil die Enthaltsamkeit den häufigen und scharfen Pfeilen deS Versuchers nicht widerstehen kann, wenn sie nicht von der göttlichen Gnade beschützt wird. 43. Erkenntniß GotteS. „Ich will ihn beschirmen, weil er erkannt hat meinen Namen." Der kennt seinen Namen nicht, der ihn nicht ehrt wie den Vater und ihn nicht fürchtet als den Herrn. Seinen Namen kennt nicht, wer ihn eitel auSspricht: „Herr, Herr", und nicht thut, was er sagt. Seinen Namen kennt nicht, wer sich zu Eitelkeiten und falschen Thorheiten wendet. Jener erkannte seinen Namen, der da sprach: „ES ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden sollen." Wenn wir den Namen, der über unS angerufen worden ist, erkennen, werden wir auch Verlangen darnach haben, daß er in unS gcheiliget werde, nach der Lehre Jesu: „Vater unser, der du bist im Himmel! Gcheiliget werde dein Name." DaS ist die Frucht der Erkenntniß des göttlichen NamenS, der Ruf deS Gebetes und die Erhörung deö RufeS von Seite deS Erlösers. 44. Erlösung deö Menschen. Es geziemte sich, daß bei Wiederherstellung deö Heiles ein jedes Geschlecht vertreten war, da ja auch keines bei der Sünde abging. 1 . 45. Erinnerung. Du wirst erschaffen, geheilt und beseligt. Waö von diesem kommt, o Mensch von dir her? Du konntest dich nicht erschaffen, «eil du nicht warst, dich als Sünder nicht gerecht machen, als Todter dich nicht erwecken. WaS wir vom Ersten und Letzten sagen, ist offenbar. Aber auch daS Mittlere bezweifelt Niemand, außer wer Gottes Gerechtigkeit nicht kennt und die seinige an deren Stelle setzt. Wie kommt eS denn? Du erkennst die Macht deS Schaffenden, die Herrlichkeit des Rettenden, und die Gerechtigkeit deS Heilenden kennst du nicht? Wer ist aber derjenige, welcher GotteS Gerechtigkeit nicht anerkennt? Der sich selbst gerecht macht, der die Verdienste anderswoher sich anmaßt, als von der Gnade? Welche also wahrhaft weise sind, bekennen eine dreifache Gnadenwirkung in sich, erstens die Schöpfung, zweitens die Rechtfertigung, drittens die Vollendung. 46. Erscheinung Christi. Ehe die Menschheit GotteS erschien, war seine Güte verborgen. Seine Macht war erschienen in der Schöpfung der Dinge, seine WerS- heit in ihrer Leitung, aber seine Güte erschien am meisten in seiner Menschwerdung. 47. F al l. Der Mensch wohnte im Paradiese, und sein Aufenthalt war am Orte deS Vergnügens. Er empfand keine Last und keine Noth, gestärkt mit wohlriechenden Aepfeln, erquickt mit Blumen, gekrönt mit Ruhm und Ehre und gesetzt über alle Werke der Hände des Schöpfers. Mehr noch zeichnete ihn aber aus die Gottähnlichkeit, vermöge welcher er das Looö und die Gesellschaft mit dem Volke der Engel und mit dem ganzen himm- lischen Heere genoß. Aber er vertauschte GotteS Herrlichkeit mit der Aehn- lichkeit eines KalbeS, welches Heu frißt. Daher kommt eö, daß daS Brod der Engel gleichsam Heu geworden ist, gelegt in die Krippe und unS vorgesetzt alS Thieren. Die Speise deS Menschen wurde verwandelt in Speise des VicheS, nachdem der Mensch in ein Vieh verwandelt worden. O traurige und beweinenswerlhe Verwandlung, wodurch der Mensch, der Bewohner deS Paradieses, der Herr der Erve, der Bürger des Himmels, der Hausgenosse GotteS, der Bruder der seligen Geister, der Erbe himmlischer Tugenden, sich plötzlich verändert fand: und wegen seiner «schwäche brauchte er einen Stall, wegen seiner Thierähnlichkeit Heu und wegen seiner ungezähniten Wildheit daS Anbinden an die Krippe. Erkenne jedoch, o Ochs, deinen Herrn: erkenne ihn als Vieh, den du nicht als Mensch erkannt hast. Bete den im Stalle an, den du im Paradiese flohst. Ehre die Krippe desjenigen, dessen Herrschaft du verachtet hast: iß Heu, der du Engelbrod verschmäht hast. Aber, sagst du, was ist die Ursache dieser so tiefen Erniedrigung? „Weil der Mensch, der in Ehre war, eS nicht bedachte, ist er gleich geworben den unvernünftigen Thieren." 48. Fasten. also Denjenigen, der gesagt hat, daß eS eine Sünde gebe, die weder in diesem noch m dem zukünftigen Leben nachgelassen werde, fragen, warum er dieß gesagt habe, wenn keine Nachlassung für die Zukunft oder keine Reinigung von der Sünde stattfindet? Aber eS ist kein Wunder, wenn Diejenigen, welche die Kirche nicht anerkennen, über die Weihen der Kirche losziehen, ihre Anordnungen nicht annehmen, ihren Geboten nicht gehorchen. 50. Fehler. Der gute Wille in der Seele ist die Quelle alles Guten und die Mutter der Tugenden. So ist auch im Gegentheile der böse Wille die Quelle alles Dösen und der Laster. Daher muß der Hüter seiner Seele ! immer besorgt seyn in Hinsicht der Bewachung deS Willens. ! Gleichwie bei großer Arbeit und andauernder Anstrengung die Tugen- Iden zur Neigung und Gemüthsart werden, so gehen auch die geringsten j Fehler bei Gelegenheit zu großer Nachsicht in Gewohnheit über und wer« j den gleichsam natürlich. 51. Feind. Wir haben zwar viele Feinde, nämlich das Fleisch, und kein Feind ist uns näher, als dieser; die gegenwärtige böse Welt, von welcher wir rings umgeben sind; die Fürsten der Finsterniß, welche unsere Pfade umlagern. Aber wenn wir in jenem Hause wären, das nicht von Menschenhänden gemacht ist, nämlich im Himmel, wo kein Feind hinein und kein Freund heraus geht, so hätten wir nichts zu fürchten. Nun aber sind wir drei sehr bösen und heftigen Winden ausgesetzt, dem Fleische, der Welt und dem Satan, welche die Leuchte des Gewissens auöblasen wollen, indem sie in unsere Herzen böse Begierden einhauchen: diese machen unS oft so verwirrt, daß wir kaum erkennen, woher wir kommen oder wohin wir gehen. 52. Fesseln. Drei Bande find eö, mit denen wir an Gott gebunden werden, Stricke, hölzerne und eiserne Nägel und Leim. Mit einem Stricke ist an seinen Erlöser gebunden, wer bei Versuchungen sich tapfer die Schönheit der Tugend und seine Vorsätze inS Gedächtniß ruft. An diesem Stricke kann er sich zwar hallen, damit der Vorsatz nicht ganz zu Boden falle; aber dieß ist ein hartes, lästiges und gefährliches Band, welches stocken und schnell abreißen kann. Mit Nägeln wird an den Herrn der Majestät geheftet, wen die Furcht GotteS bindet, der zwar nicht erschrickt vor dem Angeflehte der Menschen, wohl aber bei dem Andenken an die ewigen Strafen. Und zwar fürchtet ein Solcher nicht so fast das Sündigen, als vielmehr das Brennen. Doch geht dieses Band stärker und tiefer ein, als daö erste, da ersteres wankt, während daS zweite den Vorsatz festhält. DaS dritte Bindungsmittel ist der Leim, das ist, die Liebe, wodurch die Seele so lieblich uno sicher an Gott gebunden wirb, als wäre sie Ein Geist mit ihm. Der durch den Leim der Liebe mit Gott verbundene Mensch be- nützt Alles, waS er thut, und waS ihm widerfährt, zu seinem Vortheile» Christi Fasten muß allen Christen gemein seyn. Sollen denn die Glieder nicht ihrem Haupte folgen? Wenn wir das Gute von diesem Oberhaupte angenommen haben, füllen wir nicht auch das Ueble ertragen? Oder wollen wir Trauriges verwerfen und nur Lustiges annehmen? Wenn dieß so ist, so beweisen wir uns dieses Oberhauptes unwürdig. Denn Alles, was er leidet, ist für unS. Wenn wir zu träge sind, an dem Werke unsers Heiles mit ihm zu arbeiten, wo werben wir denn sonst seine Beihelfer seyn? ES ist nichts Großes, wenn mit Christus fastet der Christ, der einst mit Christus am Tische seines himmlischen Vater sitzen soll. Nichts Großes ist eS, wenn daS Glied mit dem Haupte leidet, mit dem eS einst verherrlicht werben soll. Glücklich jenes Glied, daS dem Haupte anhängt in allen Stücken und dorthin ihm nachfolgt, wohin eS vorangeht. Wenn wir unö vom Erlaubten enthalten, wird unS das Unerlaubte, welches wir begangen haben, leichter verziehen. Das Gebet erlangt die Tugend des FastenS, und daS Fasten verdient die Gnade deS Gebetes. DaS Fasten stärkt daS Gebet, raS Gebet heiliget daS Fasten und stellt eö dem Herrn vor. Je wirksamer aber jenes ist, wenn eS geschieht, wie eS geschehen soll, desto hinterlistiger pflegt eS vom Gegner verhindert zu werden. 49. F e g f e u e r. Die Häretiker glauben nicht, daß ein Feuer der Reinigung nach dem Tode zu erwarten sey, sondern baß die Seele nach der Scheidung aus dem Leibe entweder zur Ruhe oder zur Verdammniß übergehe. Sie mögen 53. F e st. Drei Dinge müssen wir an den Festen der Heiligen genau beachten, die Hilfe deS Heiligen, sein Beispiel, unsere Beschämung. Seine Hilfe, weil Derjenige, der mächtig auf Erden war, im Himmel vor GotteS Angesicht noch mächtiger ist. Denn wenn er während seines ErdenlebcnS mit ven Sündern Mitleiden hatte und für sie betete, so wird er dieß jetzt um so mehr thun, je bester er unser Elend erkennt. Er bittet für unS den Vater, der in jenem himmlischen Vaterlande seine Liebe zu ihm nicht verändert, sondern vermehrt hat. Denn er ist deßwegen nicht gefühllos geworden, weil er leibenSunfähig ist: sondern er ist jetzt voll innigsten Mitleids, da er vor der Quelle der Barmherzigkeit steht. Wir müssen auch merken auf sein Beispiel, weil derselbe, während er auf Erden lebte, nicht recht- und links ablenkte, sondern den königlichen Weg einhielt. Schauen wir an die Demuth in seinen Werken, die Macht in seinen Worten, und dann werden wir sehen, wie er sowohl durch Wort als Beispiel unter den Menschen geleuchtet hat, welche Fußstapfen er unS hinterlassen, damit wir durch selbe und auf selben gehen. Aber mit noch aufmerksamerm Auge müssen wir betrachten unsere Beschämung, weil er ein Mensch war wie wir, den Versuchungen und Leiden unterworfen, aus dem nämlichen Lehm geschaffen wie wir. Warum glauben wir also, daß eS nicht nur schwer, fondern sogar unmöglich sey, seinen Fußstapfen zu folgen? So sollen wir also an den Festen der Heiligen unS freuen und unS selbst beschämen, freuen, weil wir Patrone vorausgeschickt haben, schämen, weil wir ihnen nicht nachfolgen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlagö-Jnhaberr F. C. Kremer.