Vierteljähriger Abou- nemcntsprcis im Bereiche von ganz Bayern nur 2V kr„ ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abon- nenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 lr. Neunter Jahrgang. M 42. 21. Oktober 184S. Die Bäter de- siebenten Conciliums von Baltimore an die Herren Präsidenten und Directoren des Bureau'S des Nordens und Südens für Verbreitung des Glaubens. Baltimore, den 14. Mai 1849« Geehrte Herren! Die Vater deS siebenten Conciliums von Baltimore haben nun beschlossen, daß die Erkenntlichkeit der Kirche in den vereinigten Staaten für die zahlreichen Wohlthaten, welche sie durch Ihre edle Gesellschaft empfangen haben, durch einen feierlichen Act und durch den Mund eines unserer Brüder, der in der Nähe des heiligen Stuhles sich befindet, kundgegeben werde. Kaum find 3 Jahre verflossen seit der Vereinigung der Bischöfe dieser Provinz, die damals ihrer 23 waren, und nun fitzen wieder auf derselben Stelle 2 Erzbischöfe und 20 Bischöfe, und bedauern nur die Abwesenheit zweier anderer Prälaten, die durch die zu große Entfernung an der für den Katholicismus so segensreichen Vereinigung Theil zu nehmen gehindert waren. Die Zukunft der Kirche, welche anderswo sich überall mit einer geheimnißvollen Wolke zu umziehen scheint, die, wie vorher gesagt, Momente deS KampfeS, der Prüfungen und deS Sieges entfalten wird, diese Zukunft enthüllt sich unS mit Hoffnungen, Tröstungen und mit der Stärke einer noch jungen Kirche, die wie ein neuer Weinberg immer vergrößert, und die bald unter ihren Arbeitern 6 Erzbischöfe und 30 Bischöfe zählen wird. Außer dem weltlichen Klerus haben wir als Mitarbeiter noch neun religiöse Gesellschaften, köstliche Theile der streitenden Kirche, die nicht weniger die Hirten wie die Gläubigen erbauen, und deren Zweige sich von Tag zu Tag mehr ausbreiten. Auch unsere religiösen Gemeinden bieten einen erfreulichen Anblick dar. Spitäler, Aufenthaltsörter der Waisen, Armenschulen, Pensionate für die Wohlhabenden, Institute ohne Zahl blühen unter der Leitung Gott geweihter Jungfrauen auf, und nur ein Gedanke ist eS, der unS betrübt, nämlich nicht allen Kindern den Glauben und die Wohlthaten einer religiösen Erziehung angedeihen lassen zu können. Sie werden, meine Henen, leicht die Unermeßlichkeit unserer Bedürfnisse und die Größe unserer Verantwortlichkeit ermessen können, wenn Sie erfahren, daß die europäische und katholische Auswanderung dieses Jahr die Zahl von 250,000 Köpfen überstieg. Die Auswanderer find mit geringer Ausnahme meistens arm und aller Hilfe bar, sind durch HungerSnoth und Revolution nach Amerika getrieben worden, suchen hier eine Eristenz, die ihnen die alte Welt nicht mehr bieten konnte, und diese Armen bedürfen nun Kirchen, Geistliche, ihre Kinder brauchen Belehrung, geistiges und gar oft auch leibliches Brod. Bedenken Sie, meine Herren, daß durch die jährliche Zunahme der Katholiken wir auch jährlich für 300 Priester sorgen müssen, 300 Kirchen zu erbauen und 300 Schulen zu errichten haben. — Hier unsere Lage. Die am meisten begünstigt, und am festesten stehen, die genügen dem Geschrei und dem Bedürfnisse der Menge nicht, und diejenigen, welche erst im Entstehen sind, und welche nur eine schwache, zerstreute und arme Bevölkerung haben, haben noch eine zu wenig gesicherte Eristenz, und schmachten noch immer unter dem ' Druck der Armuth. ! Die Liebe zu Jesus Christus, meine Herren, drängt uns, Ihrem Schutz und Ihrem Eifer die Kirche, deren Hirten wir sind, anzuempfehlen. Welch wichtiger Theil im Weinberg des Herrn ist sie nicht! sie breitet sich! von den Ufern deS LorenzoftromeS bis zum stillen Ocean, von Canada^ bis nach Mexiko aus, sie theilt die Schicksale deS Volkes, wo sie bereits! tiefe Wurzel gefaßt hat, und bereits dient sie ihrer südlichen Schweflet zur Stütze, da die zahlreichen zwischen Amerika und China gelegenen Inseln i erst vor Kurzem unsere Missionen zu Hilfe gerufen haben. Eine andere Thatsache, die wohl Ihrer Weisheit und Ihrer Beachtung, werth ist, ist diese, daß wir nicht auf Sand bauen, sondern daß wir hier' daS Kreuz auf einem Felsen aufpflanzen, den nichts erschüttern kann, und mit jedem Schritte, mit dem wir weiter in den Wäldern vordringen, lassen wir einen unauslöschlichen Eindruck zurück. Wir würden, meine Herren, viel weitläufiger über diesen Gegenstand verhandeln, hätten wir nicht unseren Vorsprecher ohnehin beauftragt, Ihnen die Bedürfnisse zu erklären, Sie mit unserer Lage vertraut zu machen; und Ihnen die dankbaren Gefühle unseres Herzens auszudrücken, die am besten mit den Worten dcS>,.Apostels ausgedrückt werden können: „Wir haben eine große Freude in unsern Brüdern und einen großen Trost in ihrer Barmherzigkeit, denn sie haben die Liebe der Heiligen wieder ausleben und unter uns erstarken lassen." Empfangen Sie, meine Herren, mit unsern httzlichen Segnungen die Gefühle unserer tiefsten Ehrfurcht. Ihre ergebensten Diener und Brüder in Christo. Samuel, Erzbischof von Baltimore. Michl, Bischof von Mobile, Promotor. Johann Joseph, Bischof von Natchez, Promotor. Fr. L'Homme, Secretär deS Conciliums. An die Katholiken de- deutschen Reichs. Vorwort zum katholischen VereinSboten von Dr. Büß. Schon mit dem Ansang deS Aprils d. I. hatte ich die Herausgabe eines GesammtorganS für die sich mehrenden katholischen Vereine Deutschlands beschlossen und sofort begonnen. Ich habe in 4 Probenummern dieses Blattes, dem ich den Namen: Katholischer VereinS-Bote für daS deutsche Reich gegeben, „die Entstehung der katholischen Vereine, die Gründung deS katholischen VereinS Deutschlands, der erster» Aufgabe, Verbreitung und Entwickelung deS letztem Wirksamkeit, den Zweck des Blatts" dargestellt. DaS Blatt fand bei den Katholiken freundliche Aufnahme. Allein in der Zwischenzeit traten schon die Anzeichen der Stürme ein, welche sich bald in der deutschen Reichsversammlung, deren Mitglied ich war, erhoben, und sie, die Trägerin so schwerer Pflichten und so hoher Hoffnungen, ihrer thatsächlichen Selbstauslösung entgegen führten. Unter solchen Umständen durfte ich in der AuSstcht auf bevorstehende Störungen, auf meine unvermeidliche längere Abwesenheit auf Reisen u. A. nicht die Verantwortlichkeit und Herausgabe deS BlattS übernehmen. Ich beschloß, auf gelegenere Zeit zu warten: diese ist da, und noch größer daS Bedürfniß. Der katholischen Vereine sind immer mehr geworden; aber ihre innere Befestigung ist an mehreren Orten unvollkommen geblieben. Man redet in drängender Zeit zu viel und handelt zu wenig. In manche Vereine hat die politische Erschlaffung der Nation auch die Lähmung geworfen, in andere Vereine hat sich die politische Trennung der Bürger zersetzend hinein gezogen: anderSwo ließ man die Vereine aus angeblichem Mangel an Stoff der Verhandlung erschwachen. Hie und da hatten sich die Vereine auch eine zu schwerfällige Gliederung, zum Beispiel eine zu starke Besetzung deS Vorstands, gegeben. In einigen Vereinen find förmliche Spaltungen über Hauptfragen, zum Beispiel über die Betheiligung der Vereinc an der Politik, auSgebrochen. Auch in der Wirksamkeit deS deutschen GesammtvereinS vermißten Manche die praktisch fördernde Entwickelung. Störend wirkte auch an manchen Orten der Umstand, daß gerade die höhern Stände sich von dem Vereine fern hielten, und die allem Menschlichen anhaftende Unvollkommenheit, Eitelkeit, Aufsehen suchend oder verletzt, Beugung deS VereinS in den Dienst deS politischen Interesses eines Lands oder einer Provinz. Alles das kann den Kenner der Menschen und deS öffentlichen Lebens nicht überraschen. Ist doch das deutsche VereinSwesen erst in der Wiege. Sey man doch billig: die katholischen Vereine haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon wirkliche bedeutende Erfolgs Zu keiner Zeit drängte eS mehr, eine mächtige katholische öffentliche erzielt: sie haben die Freiheit der Kirche und des Unterrichts in der deut- Meinung zu gründen. Die Freiheit der Kirche und des Unterrichts besteht schen Reichsversammlung mit erringen helfen. Ihre Pflicht ist eS aber erst in einer nicht anerkannten ReichSverfassung: ihre praktische Ausführung jetzt, diese Freiheiten zu benutzen. Die lebendige praktische Regsamkeit dieser Vereine in Deutschland wird noch dadurch zunehmen, daß sich in andern europäischen Staaten, steht noch auö. Die Katholiken, mäßig und bescheiden, wie immer, wollten im Sturm der Umwälzung die Regierungen nicht drängen: inzwischen erhebt das kirchenseindliche Beamtenthum wieder sein Haupt und verweigert und selbst in Nordamerika, ähnliche Vereine bilden; für die Gründung die Vollziehung der öffentlichen Zusagen, dieses großen katholischen Bundes habe ich in Frankreich, Belgien, in der. Die Staatsgewalt wird den gerechten Anforderungen unseres Hoch- Schweiz, in England und in den Vereinigten Staaten Nordamerika's nicht würdigsten Episkopats nur dann gereckt werden, wenn sie als Verbündete ohne Erfolg Schritte gethan. Auf diesem Weg bildet sich in diesen Ver-^ desselben eine starke unüberwindliche öffentliche Meinung ersieht, einen aller katholischen Völker das Organ einer katholischen öffentlichen! Und in Sachen deS Reichs entscheidet, wenn sie nur will, die große Meinung der Welt, welche den Katholiken bei jedem Bedrängniß in irgend i katholische Mehrheit: in ihrer Hand ruht das Geschick Deutschlands und einem Staat zu Hilfe kommen wird, wenn dort die Regierung oder eine ^ folgewcise das Geschick der Welt. Partei die Rechte der Katholiken zu schädigen droht, und deren Auöspruch! Aber diese Mehrheit muß man wecken mit allen Rufen, die in der keine Macht zu widerstehen die Stirne hat. Diese Milwcrbung der Katholiken anderer Nationen wird dann auch die Katholiken Deutschlands spornen, in praktischen Arbeiten der Gesittung Brust einer großen edlen Nation wiederhatten. Viele reiche Kräfte haben in der Zeit der langen süßen Knechtschaft geruht: trefft ihr aber die Sehne deS Gewissens, dann rauschen hervor Mächte, die zu allen Zeiten die Größe mit den katholischen Vereinen anderer Völker um die Palme deö Sieges unserer Nation geschaffen und die auf der Unterlage mächtigerer materieller zu ringen. ! Mittel eine noch größere Zukunft zu schaffen fähig und bereit sind. Um aber so hohe und doch so einfache Ziele zu erreichen, bedarf eS der Sammlung der Katholiken in Deutschland, jetzt, wo vor dem Geiste Vieler, der Meisten, die Einheit des deutschen Reichs wieder einzusinken droht. Die Meisten verzweifeln schon an diesem einen deutschen Reich: ich nickt. Käme aber auch daS Reich deutscher Nation nicht, so wäre das in den katholischen Vereinen zu erbauende geistige Reich der Nation einstweilen ein Trost und ein fortlebender Aufruf zum Aufbau auch deS politischen ReichS: kommt aber dieses letztere, so wird eS nur gedeihen unter der Sonne deS religiösen GcistcrrcichS. Diesem Wiederaufbau der deutschen Nation in Kirche und Reich soll jeder Deutsche dienen, will auch ich in diesem Blatte dienen. In dieser Gesinnung und Hoffnung biete ich daS Blatt den Katholiken der ganzen deutschen Nation. ES soll enthalten: 1) Die Besprechung der Aufgaben der katholischen Vereine Deutschlands, sowohl der bleibenden, als der nach den Wendungen der Zeit wechselnden, der allgemeinen und der örtlichen; 2) Kunde von den Leistungen deS GesammtvereinS und der einzelnen Landes- und Ortövereinc; 3) Nachrichten über die Verbreitung der katholischen Vereine; 4) Mittheilungen über die Leistungen der katholischen Vereine in andern europäischen Staaten; 5) Anträge auf Aenderungen der Satzungen und ihre Begründung; 6) Warnungen über unzulässige Strebungcn katholischer Vereine; 7) Aufrufe zu öffentlichen Kundgebungen der Vereine; 8) Aufforderungen zur Uebung christlicher Mildthätigkeit für leidende Glaubenöbrüder. Auf diesem Weg gewinnen die Vereine einen der Regsamkeit und Jähhcit deS gegenwärtigen öffentlichen Lebens in Raschheit entsprechendes Band und Wechselleben. Für den amtlichen Verkehr ist schon gesorgt. Allein eben so wichtig als der amtliche Verkehr ist, weil vielfältiger und rascher, der außeramtliche. ES muß ein wahres Vereinöleben in rascher Mittheilung, gegenseitiger Belehrung, in ermuthigender Ansprache und selbst in wohlmeinender Warnung verlaufen. Die Ereignisse überraschen; nicht überall wartet die Gelegenheit zur Einsicht in den sich auf den Weg werfenden Fall: eine Aufhellung aus vcrlässiger Quelle thut Noth. Der VcrcinSbotc vermißt sich keineswegs, für die Vereine vorzugsweise leitend zu werden; sondern er tritt neben die schon bestehenden Vereinsblätter, zufrieden mit der Stellung, welche ihm daS Vertrauen der Katholiken einräumen wird. So soll daS Blatt der Träger eines großen katholischen Bunds im deutschen Reich seyn, für die Stärkung gemeinsamer Gesinnung, Hingebung, Treue und Liebe. Wir Katholiken wollen die Freiheit mit aufrichtigem Herzen, treuem Muthe; aber wir können sie ohne sittliche Grundlage nicht begreifen, wir wollen sie im Geist unserer Nation, treu den schönsten Tagen ihrer Ge schichte, ' ' . , Größe der Nation, in gegenseitiger Aufopferung für daS große gemeinsame Also nur Muth, und noch einmal Muth und wieder Muth! Frankfurt, 20. September 1849. Dr. Büß. Die -ritte Generalversammlung -er katholischen Vereine in RegenSburg. II. RegenSburg, 2. Oct. DaS feierliche Geläute der alten, herrlich in gothischem Style erbauten, aber leider nicht vollendeten Domkirche rief heute früh um 8 Uhr die Mitglieder deS katholischen VereineS Deutschlands zum Gottesdienste. Die Abgeordneten versammelten sich durch die bereits von Tausenden gefüllte Kirche auf ihren Ehrenplätzen im Chöre, und daS Hochamt, welchem der Hochwürdigste Bischof von RegenSburg mit seinem ganzen Domcapitel beiwohnte und bei welchem durch einen unsichtbaren, gleichsam überirdischen Sängerchor in wahrhaft künstlerischer Vollendung eine großartige musikalische Messe aufgeführt wurde, konnte nicht anders, als den tiefsten Eindruck auf alle Anwesenden machen und die katholischen Männer von nahe und fern zu dem wichtigen Werke, daS sie nun zu beginnen im Begriffe standen, weihen und im höchsten Grade begeistern. Aus dem Dome bewegte sich daraus der Zug der Abgeordneten in die festlich geschmückten schon überfüllten Räume der nahen St. Ulrichskirche zur ersten allgemeinen Versammlung. Nachdem der Präsident deS RegenSburger CentralvereineS in kurzer aber herzlicher Anrede die Abgeordneten begrüßt hatte, erklärte er die Versammlung für eröffnet. Zuerst bestieg der hiesige Pfarrer Eberhard, früher Hofprediger in München, die Rednerbühne und setzte in klarer, überzeugungSkräftiger Rede auseinander, wie eS ohne Freiheit der Kirche keine Freiheit deS Volkes gebe. Nach demselben erstattete Licentiat Dr. Wick, Präsident deS seitherigen Vorortes Breslau, Bericht über die Thätigkeit deS Vorortes und warnte die Vereine vor zwei gefährlichen Klippen, nämlich vor ungeeigneter Betheiligung an politischen TageSfragen und vor Mißkennung der Stellung der Vereine dem Episkopate gegenüber, mit dem Bemerken, daß die VereinSmitglieder in letzterer Beziehung als treue und folgsame Söhne der Bischöfe auf kirchlichem Gebiete nur daS und nur so viel zu thun berechtiget seyen, als die Nachfolger der Apostel, welche der heilige Geist gesetzt habe die Kirche Gottes zu regieren, ihnen anzeigten und überließen. — Herr Syndikus Schell aus Fulda vermeldete Grüße von dem Vereine in der ehrwürdigen Bonifacius-Stadt und von dem Wächter deS Grabes deS Apostels der Deutschen, dem Hochwürdigsten Bischöfe Christoph LaurentiuS Kött, und empfahl auf daS Wärmste und Dringendste, wenn die beabsichtigte katholische Universität Deutschlands inS Leben gerufen werde, möge vor allen anderen Städten Fulva, als woselbst bis zum Jahre 174 l eine Dom großartige katholische Lehranstalt bestanden, für diesen neuen Dom der in weiter Aussieht auf die Siege dieser Freiheit in der sittlichen! Wissenschaften der geeignetste Ort seyn. " ' ' ... , .. LegationSrath Dr. Lieber, der rühmlichst bekannte praktische Jurist, Vaterland. Erwähnte, nachdem er seines ehrenvollen Auftrages sich entledigt, herzliche Ich ersuche daher alle festen katholischen Männer um Mitarbeit, die, Grüße zu überbringen von dem Centralvereine in Hadamar und ganz katholischen Vereine um Mittheilung der über ihr Wirken berichtenden! besonders von dem Hochwürdigsten Bischof in Limburg, die hohen Verdienste, Blätter. Den Redactionen der DereinSblätter der einzelnen Vereine biete! welche im Jahre 1837 in dem ersten großen Kampfe für die kirchliche ich für diese den VereinSboten zum Tausch; die neu entstehenden Vereine! Freiheit, deren Verfechter der selige Erzbischof Clemens August von Köln ersuche ich um rasche Nachricht über ihre Bildung und Satzungen, alle gewesen, Bayern und daS ganze katholische Deutschland sich erworben habe. katholischen Seelen im weiten deutschen Vaterland um sittliche Unterstützung.! Sodann erwähnte er in treffender Weise, aber mit edler Sprache und 167 tiefer Gemüthlichkeit, welche Unwissenheit und Verwirrung in Sachen des Glaubens bei der sogenannten höheren Schichte der Gesellschaft herrsche, bei jener Schichte, welche auS dem Brockhaus'schen Conversationslerikon, als aus ihrem Evangelium, alle Weisheit schöpft, die keine anderen theologischen und politischen Vorlesungen hört, als die, welche jeder Commis voyageur an den TablcS d'Hote der großen Gasthöfe hält. Sodann erinnerte er, daß die katholischen Vereine, weil doch die Welt, wie sie nun einmal sey, gegenwärtig noch einen unauslöschlichen Haß wider die geistlichen Corporationen hege, in der Hand Gottes das Mittel zu seyn schienen zur Regeneration der tief zerrissenen und in religiöser und sittlicher Beziehung verkommenen Welt. Darum müßten aber auch die Mitglieder dieser Vereine die drei OrdenSgelübde in einem gewissen Sinne zu den ihrigen machen; sie müßten arm seyn im Geiste, um reich zu werden zur Linderung der Noth der Armen, keusch, nüchtern und gerecht, um nachzukommen der Forderung deS Heilandes: „Seyd vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist," gehorsam gegen die Gebote GotteS, gegen die Gesetze der Kirche und gegen die Anordnungen und Befehle der von Gott gesetzten geistlichen Oberhirten. Nach ihm entwickelte Dr. Merz auS München die seitherige Thätigkeit deS dortigen Vereines für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit, und suchte daran nachzuweisen, wie die Mitglieder dieses VereinS mit denen der katholischen oder PiuSvereine im Wesentlichen dieselben Zwecke verfolgen. — Herr Domvicar Hällmaier schilderte nach ihm die den Lesern Ihres Blattes wohlbekannten Leiden und Verfolgungen der katholischen Geistlichkeit in der bayerischen Rheinpfalz während der Tage deS dortigen verderblichen AufstandeS, indessen nach ihm der Lyceal-Profefsor Dr. Reischl aus Amberg in ächt gemüthlicher Weise erzählte, wie die dortigen Bergleute ihn zur Stiftung eines PiuSvereineS genöthigt und welche auffallende Anträge an die allgemeine Versammlung sie ihm mitgegeben haben: Er sollte nämlich bei derselben beantragen und kräftig unterstützen die Gründung einer katholischen Universität Deutschlands und das Zustandekommen eines großen katholischen TagblatteS. — Graf Joseph von Stolberg wieß in der einfachsten, aber eben deßhalb ergreifendsten Weise die Macht deS katholischen Glaubens an drei Ereignissen auS der jüngsten Zeit nach, die Sie aber Ihren Lesern am besten aus den in wenigen Tagen erscheinenden vollständigen Verhandlungen mittheilen werden. Zum Schlüsse, gegen halb 10 Uhr Abends, berichtete der Subregenö aus Rottenburg, Kollmann, über die noch gar unerfreulichen kirchlichen Zustände seines engeren Vaterlandes, als woselbst auch durch die Einführung der Grundrechte sich fast noch nicht das Kleinste gebessert habe. Doch hofft er von der Thätigkeit der Vereine, von der Unterstützung durch daS Gebet aller katholichen Herzen und von der Unerschütterlichkeit seines Hochwürdigsten Bischofs eine schönere Zukunft. * » « IN. Regensburg, 4. Oct. Am gestrigen Nachmittage constituirte sich die Versammlung und wählte auf Vorschlag des Herrn LegationSrathes Dr. Lieber von Camberg unter großem Jubel den Grafen Joseph von Stolberg zu ihrem Vorsitzenden. Der Vorschlag deS Herrn v. Brentano aus Augsburg, den k. k. Landrath Franz Ritter von Hart mann auS Linz zum Vicepräsidenten auszurufen, wurde mit gleichem ungetheilten Beifalle aufgenommen. Nachdem hierauf das Bureau, bestehend auS den Herren Prediger Bram auS RegenSburg, Caplan von Pflüg! auS Linz, Seminarinspcctor Poitsch aus Regensburg, Professor Dr. Riffel aus Mainz, Professor Dr. Ritter und Domprediger Ziegler, beide auS RegenSburg, gebildet und die Ernennung der vier Ausschüsse vollzogen war (den ersten Ausschuß, unter dem Vorsitze deS UniverfitätS-SerretärS Nadbyl aus Breslau, bildeten die Herren Dr. Ernst, Seminar-RegenS aus Eichstätt, Professor Horch! er aus RegenSburg, der Redacteur der ckath. Blätter aus Tirol, Kometer, Dr. Schwarz auS Böhmerkirchen rind PräceptoratSverweser Sträub auS Schwäbisch-Gmünd; den zweiten Ausschuß, unter dem Präsidium des Herrn LegationSrathes Lieber, die Herren Caplan Gräber aus Innsbruck, SubregenS Kollmann aus Rottenburg, Professor MicheliS, Abgeordneter für Münster, Syndtcus Schell auS Fulda und Seminarinspector Sterr; den dritten Ausschuß, ainter Leitung deS Herrn Licentiaten Wick auS BreSlau, die Herren Fabrikbesitzer v. Brentano aus Augsburg, Domvicar Hällmayer auö Speyer, Buchhändler Pustet, Vorsitzender deS RegenSburger PiuSvereineS, Obercaplan Ruland auS Berlin und Caplan Sirowy auS Steyr; den vierten Ausschuß, welchem Herr CanonicuS und Professor Dr. Baltzer aus BrcSlau prästdirte, die Herren Dr. Hanauer auS RegenSburg, Seminar-Jnspector Dr. Löhner aus Metten, Dr. Paulhuber auö Jngolstadt und geistlicher Rath Dr. Zehrt auS Heiligenstadt) berichtete Dr. Wick, daß zur Lösung der in Breslau gestellten Preisfragen drei Schristchen eingegangen seyen, eins über die Schulfrage und zwei über daS VereinSwesen und beantragte die Ernennung einer Commission, welche dieselben, mit Rücksicht auf daS Gutachten deS BreSlaucr Ausschusses, noch einmal prüfen sollte. Leider lautete am Schlüsse der Versammlung (Vormittags den 5. Oktober) der Bericht und Antrag der Commission dahin, daß diesen Schriften der Preis nicht zuerkannt werden könne, den Verfassern aber der Dank der Versammlung auSzusprechcn sey, mit dem Wunsche, sie möchten dieselben unter ihrem Namen dem Drucke übergeben. Die Frage, ob die Abgeordneten der Vereine für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit in Bayern den Versammlungen anwohnen und mitberathen könnten, wurde, nach längeren höchst interessanten Debatten, worin auf das Klarste ausgesprochen wurde, daß der Verein als solcher an politischen Fragen sich nicht bethciligen dürfe, vielmehr streng an den deßfallsigcn Beschlüssen festzuhalten sey, zur größten Freude aller Anwesenden mit „Ja" entschieden, wie denn auch später, auf Antrag des Herrn LegationSrathes Lieber, die ganze Versammlung sich erhob, um jenen Vereinen ihre dankende Anerkennung auSzusprechen für ihre seitherigen Bemühungen zur Erreichung jener Zwecke, welche die katholischen (PiuS-) Vereine als die ausschließlichen ihrer Bestrebungen sich vorgesteckt haben. Die Formalien bieten für die Leser Ihres Blattes wenig Anziehendes; daher bemerke ich darüber nur kurz, das die Anträge auf Permanenz oder im Ablehnungsfälle auf dreijährige Dauer deö Vorortes, auf Bildung eines Direktoriums, daS in vorkommenden Fällen zwischen dem Vororte und den Centralvereinen zu entscheiden hätte, so wie der weitere Antrag, daß der Präsident des Vorortes auch der nächsten allgemeinen Versammlung Vorsitzen sollte, abgewiesen, dagegen aber angenommen wurde, eS sollten in Zukunft die jährlichen allgemeinen Congresse wenn möglich im Monate September abgehalten, und die Legitimationen der Abgeordneten schon in der Lorvcrsammlung geprüft werden. Weitere Anträge lagen nicht vor, weßhalb zu denen des zweiten Ausschusses übergegangen wurde, welche zusammengenommen auf die Schulen, auf die Gründung einer katholischen Universität, auf die Missionen, auf Beförderung der guten und auf Unschädlichmachung der schlechten Presse und aus die Unterstützung der christlichen Kunst sich bezogen. Was für die Schulen zu thun sey, um die vorhandenen christlichen zu erhalten und die unchristlichen zu verdrängen oder durch in besserem Geiste zu gründende unschädlich zu machen, darüber waren auf der zweiten Generalversammlung in Breslau so umfassende und gründliche Verhandlungen gepflogen worden, daß eS genügte, auf dieselben hinzuweisen und die einzelnen Vereine zur Ausführung der gefaßten Beschlüsse dringend aufzufordern. Auch wurde in richtiger Anerkennung, daß der katholische Verein dem hochwürdigen Episkopate Deutschlands in Angelegenheit der Freiheit der Kirche und deS Unterrichtes nachzufolgen, nicht aber mit Rathschlägen vor- und an die Hand zu gehen habe, ein Antrag auf positive Bemühung deS VereineS zur Einführung der Schulbrüdcr und Schulschwestern zurückgewiesen, jedoch mit der bestimmtesten Erklärung, daß der Verein, sobald der Episkopat in dieser Beziehung über ein solches Bedürfniß sich ausgesprochen, alle Kräfte einsetzen werde zur Gründung solcher, unter Umständen höchst nützlicher und heilsamer Institute. Derselbe Gesichtspunct leitete die Abgeordneten bei der Verhandlung über die wiederholt in Antrag gebrachte Gründung einer katholischen Universität. Die Erhabenheit dieser Idee, so wie die Nothwendigkeit, sie von Zeit zu Zeit durch entsprechende Vorträge in den Versammlungen anzuregen und lebendig zu machen, anerkennend, waren doch Alle der Ansicht, daß von einer positiveren Thätigkeit zur Realisirung dieses Zweckes nicht die Rede seyn könne, ehe und bevor die Hochwürdigstcn Bischöfe Deutschlands darüber sich ausgesprochen und znr Bethätigung aufgefordert hätten. Als einen der wichtigsten und segensreichsten Beschlüsse erachte ich den über daS MissionSwesen gefaßten und unverzüglich, so viel an der Versammlung lag, im Leben ausgeführten. In Anerkennung deS höchst traurigen LooseS vieler tausend Katholiken, die in protestantischen Ländern, Provinzen, Städten und Dörfern zerstreut leben und oft Monate unt Jahre lang deS Trostes der Religion entbehren müssen, wurde der Antrag auf Gründung eines eigenen deutschen MissionSvereineS, unbeschadet des bestehenden allgemeinen, unter dem Namen: „BonifaciuS-Verein" mil unbeschreiblichem Jubel aufgenommen; alsbald fanden nicht unbedeutende Einzeichnungen momentaner und jährlicher Beiträge statt, Graf Joseph v. Stolberg erklärte sich bereit, auf den allgemeinen Wunsch der Versammlung, die Leitung dieser hochwichtigen Angelegenheit zu übernehmen, und so dürfen wir mit Zuversicht erwarten, daß der junge Verein, der alsbald nach dem Beschlusse eine That geworden ist, schon in der allernächsten Zeit die reichlichsten Früchte bringen werde. 168 De- Glauben- Bode». Erzählung aus den Papieren eines Seelsorgers. II. Der arme Kranke hatte seinen Leidensweg vollendet, und die Wittwe suchte ihr Hauswesen fortzuführen, so gut eS gehen wollte. Wenn Sorgen sie drückten, wenn Kinder übellaunig waren, wenn eS bald an Holz, bald an Mehl oder sonst etwas mangelte, hielt sie tapfer an ihr Trostwort: Zeit und Weile sind ungleich, aber Gott der Herr ist immer derselbe. Ihr Wohlthäter, der Arzt, vergaß ihrer nicht, er sendete ihr mancherlei Hausbedarf, und waS ihr noch lieber war, er gab ihr Arbeit; was ihr Awch, wie sie versicherte, daS liebste gewesen wäre, daS wollte sich nicht fügen. Sie wagte nicht mehr, meiner Person zu erwähnen, und noch weniger schien eS ihr rathsam, ihrem Bekehrungseifer freien Lauf zu lassen. „Dagegen beten wir für ihn jeden Abend und Morgen; und eS sollte mich Wunder nehmen, wenn daö Gebet meiner Kinder nicht erhört würde. Neulich vor Tagesanbruch wacht meine Große, die Marianka auf, sieht mich bei der Lampe sitzen und nähen. Mutter, sagte sie: Abends, während wir einschlafen, sitzest du da bis in die späte Nacht, und in aller Frühe fitzest du noch immer, und arbeitest für uns, und schläfst gar nie, und wir dummen Kinder können nicht wach bleiben und dir helfen. Und husch war sie wieder eingeschlafen. Nun, wer sollte eS ihnen nicht gönnen?" So vergingen Wochen und Monate, ohne daß, wenigstens in diesem Kreise, Zeit und Weile sonderlich ungleich wurden. Allein Ludmilla'S Wahlspruch mußte endlich doch wieder daö Feld behaupten. AIS sie des Morgens mit ihrem Einkaufskorbe ausging; erblickte sie eine dürftig, doch reinlich gekleidete, bleiche Fremde, die, ein junges Mädchen an der Hand führend, mit schwankendem Schritte ihr entgegen kam, unv die Lippen bewegte, ohne zu reden. Wo fehltS? fragte Ludmilla. — Ach, eigentlich an allem. Ich wollte mir eben ein Herz nehmen, und Sie anreden, ob Sie mir keine Wohnung wissen. Die bisherige wurde mir aufgekündigt; mein kleiner Koffer ist noch in fremden Händen. Ich habe durch Weißnähen mir fortzuhelfen gesucht, aber ein längeres Kranksehn brachte mich um Arbeit und Verdienst. Ich war einst etwas besseres gewohnt. — DaS merkt man wohl, erwiderte Ludmilla; aber Zeit und Weile find ungleich. Dabei ließ sie eS jedoch nicht bewenden; denn eS war ihre Sache nicht, sich lange zu besinnen. Bald nachher klopfte sie an meine Thüre. — Schon wieder etwas angerichtet, Herr Jvo. — WaS denn, Frau Ludmilla? — Ich habe an die Frage gedacht: „Wer ist denn mein Nächster?" Nun wer denn? Der erste lüfte, der mir auf den Fuß tritt? Nein, den mir der liebe Gott recommandirt und quer in den Weg schickt. Da ist denn eine feine, zarte, blaffe Frau bei mir im Hause, der ich nichts böseS nachsagen kann, weil Niemand sie kennt, und mit ihr ein schmuckes, gar junges Mägdlein, blond und goldhaarig wie ein Engel; denn die werden alle so gemalt, wiewohl es auch brünette geben kann, wer weiß daS? Meine Kinder sind brünett, und eben nicht die schlimmsten. Aber damit ich auch wieder zur Sache komme: da habe ich die Geschichte auf dem Halse. Ist mein Quartier so groß oder habe ich eS umsonst? Der heilige Erzengel Michael wird eS wissen, und der heilige Georg, denen man die Ehre angethan hat, sie dem Termin vorzusetzen. Nun, da müssen Sie auch ein wenig rathen und mithelfen, bester Herr Jvo. Ich überzeugte mich bald, daß die Wackere wohl gethan, da sie dem Zug ihres Herzens folgte; und als ich bei mir die vielgcquälten gutwilligen Leute musterte, bei deren Thüre ich zu Gunsten der Fremden und ihres auszulösenden KofferS anklopfen könnte, fiel mir der Arzt, oder wie ich ihn lieber nannte, Blahomir ein. Gerathener schien eS zwar, Ludmilla hingehen zu lassen; allein ich wollte diesen Anlaß zu einem letzten Versuche der Annäherung benützen. Ich setzte ihn von meiner Bitte schriftlich in Kenntniß; am nächsten Morgen trat ich in sein Vorzimmer, und ließ mich melden. Der Diener kam sehr bald zurück, brachte mir unter Siegel eine nicht geringe milde Gabe für die Hilfsbedürftige; im Uebrigen richtete er mir auS: sein Herr sey seit einigen Tagen unwohl, und könne Niemanden vorlassen. Von einem höflichen Leidwesen oder Bedauern war nicht die Rede. Dieser Trost war mir also genommen. Aber auch die arme Ludmilla sollte eines Trostes entbehren, und in der Schule der CharitaS eine Stufe weiter gehen; sie mußte auf die Befriedigung ihrer Neugierde verzichten. Johanna, so hieß die Fremde, war mit ihrer engen Dachkammer sehr zufrieden, zeigte sich stets gelassen, sanftmüthig und freundlich, sie nahm sich der Kinder an, denen sie allerhand schöne Kenntnisse und Fertigkeiten beibrachte, und die Kinder hatten an ihr und der neuen Gespielinn, die sich Marietta nannte, eine herzliche Freude. Doch über ihre LebenSgesckicke verlor sie kein Wort. Inzwischen nahm Ludmilla ihre Fantasie zu Hilfe, und da fand sie es bald heraus. Betrachtet ihre feinen Hände, Kinder, und ihre schönen Manieren. Jedenfalls ist die stille Frau so etwas, waS die Leute eine Aristokratin nennen, und mindestens eine Gräfin. Vielleicht haben die Sensen- und Dreschflegelmänner ihr Schloß angezündet, und sie vertrieben; jedoch wenn's gut geht, denn Zeit und Weil sind ungleich, wird daS prächtige Schloß wieder neu aufgebaut; dann, Kinder merkt eS euch, werdet ihr alle hinein ziehen, und ganz neue schöne Zeiten erleben! Aber um deßwillen sollt ihr euch nicht freundlich erweisen; daS wäre schmutzig, pfui doch! sondern thut ihr alles zu Liebe, rein weil es Gott so will. Habt ihr deßwegen weniger zu essen, seit das Kind mit dem aparten Namen euch die Kartoffeln schälen hilft? Aber Marietta, oder Marianka, daS geht am Ende auf eines hinaus. Doch außerdem, daß Ludmilla auf die vielen Anfragen der Nachbarinnen, Arbeitgeberinnen und Gehilfinnen keine Auskunft zu geben wußte, hatte sie noch ein anderes Leid. Ihre neue HauSgenossin wollte sich auf Unterredungen religiöser Art nicht einlassen. An der Frömmigkeit ihres Wandels wußte selbst Ludmilla, die in solchen Dingen etwas streng urtheilte, nichts auszusetzen; wohl aber an ihrer Schweigsamkeit und Zurückhaltung. Sie suchte sich dieß auS den gelegentlichen Aussagen der Marietta zu erklären, die sich erinnern konnte, daß sie mit ihrer Mutter durch vieler Herren Länder gereist, und in schönen Kutschen herumgefahren, wobei dann Ludmilla bemerkte, daß dergleichen bei einer Gräfin Kind oder Comtesse etwas Gewöhnliches sey. Um so mehr freute sie sich, als sie sah, daß der Kleinen die Kartoffeln trefflich schmeckten. Aber während Marietta zur rosigen Fülle der Gesundheit erblühte, erkrankte ihre Namensschwester Marianka. Ludmilla hatte ihre besten Hausmittel schon erschöpft, und war bekümmert, da begegnete sie dem Arzte, der sehr angegriffen aussah. Er ließ halten, rief sie heran, und als er ihre Sorge vernahm, nöthigte er sie, trotz alles Deprecirenö, gleich mit ihm nach ihrer Wohnung zu fahren. Er fand die Kranke schon im Umschwung zur Genesung, verordnete das Nöthige, und wollte eben wieder fort, als ein liebliches Kind an der halbgeöffneten Thüre erschien, und schüchtern sich entfernen wollte. Bleib' da, Marietta, riefen die Andern ihr zu. Marietta? fragte der Arzt: wer heißt so? — Pun die Kleine dort! Er war sehr bleich geworden; mit Mühe warf er sich auf einen Sessel, verhüllte sein Angesicht, und konnte doch seine Thränen nicht verbergen. — Wem gehört daS Kind? fragte er wieder. Einer armen Wittwe, erwiderte Ludmilla, die bei mir in der obern Kammer wohnt. Der Arzt ließ ihr die Muße nicht, ihren Bericht weiter auSzuspinnen, er eilte fort mit dem Versprechen, wieder zu kommen. Noch an demselben Abend erhielt ich ein Schreiben von ihm, worin er mich sehr dringend einlud, ihn sobald als möglich mit einem Besuche zu beehren. Ich staunte, ich traute meinen Augen nicht; eS war aber doch so; sein Diener, den ich schon gesehen, legte den Brief in meine Hände, und die Unterschrift lautete ganz leserlich: Ihr alter Freund Blahomir. (Fortsetzung folgt.) Augsburg. Augsburg, 14. Oct. Im Jesuitensaale hat unser Hundertpfund sein neuestes für eine Kirche bestelltes Altarbild (für eine deutsche Kirche auf Goldgrund gemalt) auf einige Tage freundlich ausgestellt. Christus, der Gekreuzigte, ist der Gegenstand. Zu seiner Rechten Maria, zur Linken Johannes. Der Kampf ist auSgestritten, die Züge des Todten gehen vom Schmerze zur Ruhe über, ein meisterhafter Ausdruck! Die Mutter deS Herrn blickt nach dem Herzen des SohneS mit jener Ergebung, die anbetet und abermals sagt: ich bin des Herrn Magd u. s. w. Wie rein, würdevoll und alles Sinnlichen bar find die Züge der Gottesmutter! Dagegen zittern im Auge des Johannes, daS sichtbar schwimmt, große Zähren. Dieses Auge blickt in das erloschene Auge des geliebten Herrn. Der sanfte Jüngling hat nicht den Schmerz völliger Ergebung; denn er steht nicht im ErlösungSwerke, wie Maria. Er deutet in stummem Schmerze mit beiden Händen auf den Todten am Kreuze. Diese Ideen springen auf den ersten Anblick Jedem inS Auge. So viele Beschauer auch daS edle Kunstwerk herbeizog — es brachte alle zur schweigenden, gewiß viele zur andächtigen Betrachtung. DaS halte ich für das schönste und lohnendste Urtheil, neben dem, daß, wenn man endlich sprechen hörte, der Eine der Darstellung deS ErlöserS, der Andere der der göttlichen Mutter, und ein Dritter der des Johannes denLorzug gab und wieder ein Vierter gar nicht zu entscheiden wagte, weil er mit sich nicht einig werden konnte. Daö aber mußte man bemerken, daß die Ausführung Hundertpfunds eine immer reinere wird. WaS sich aber am wohlthuendsten und erhebendsten auS Hundertpfunds religiösen Bildern herausfühlen läßt, ist der unläugbare Umstand, daß ihm so viel gegeben ist, weil er sich so innig in daS Heilige hineinlebt; daß er selber darin aufgeht und ihm so daS Herrlichste erst zugeht. DaS ist ein deutscher Maler, der betend malt und malend betet. (N. Sion.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.