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Aber er wird als verklärter Freund" Gottes noch thätiger und kräftiger wirken für daS wahre Wohl Alles, auch seiner Feinde, als er eS in seiner allumfassenden, gränzenlosen Liebe in diesem Leben gethan hat; und wenn alle seine Gegner spurlos und vergessen in vie Grube gesunken seyn werden, wird sein Andenken ruhmvoll und gesegnet unter den Völkern leben, fortwährend noch Gutes wirkend neben dem Fluche des Aergernisses, welches die Feinde des Glaubens auszusäen nicht müde werden. ES gibt zwar im Leben dieses Fürsten sehr viel, waS merkwürdig und wunderbar ist; waS aber gerade für ^diesen Moment seines Hinschei- denS sehr auffallend erscheint, ist der Schluß jener Leichenrede, welche der Fürst selbst am 28. November 1836*) zu VoSlau, wo er nun gestorben ist, und seine Ruhestätte gefunden hat, seiner frommen Mutter an ihrem Grabe gehalten hat. Diese Schlußworte lauten also: Und nun zpm Schlüsse eine Bitte an Sie, hochwürdiger Seelsorger dieser Pfarrgemeinde! Lassen Sie auch mir eine Ruhestätte neben der Gruft der theuern Mutter bereiten! VöSlau's Kirchhof sey von nun an für mich ein vielbedeutender Markstein für dieß vielleicht noch kurze Leben; er erinnere mich an jenen Spruch: „Für dich: bis hieher, und nicht weiter für dieses Leben!" — Klingt dieß nicht, als wenn der große Dulder gerade deßhalb so plötzlich aus unserer Mitte, wo er fern von der Heimat eine Zuflucht gefunden, dorthin eilen wollte, um diese Ahnung und sein eigenes Wort zu erfüllen? (Kath. Bl. a. T.) Die Ungleichheit der menschlichen Stellungen. **) (Theilweise nach einem Vortrage Lacordaire's.) Den Menschen unterscheidet vom Engel daS Bewußtseyn, daß und wo der Schuh ihn drückt. Dieser Schuh ist für gar Manche nur der alte Bundschuh der gemeinen Erdenpilger***); oder mit andern Worten: Vielen erscheint ihr niedriger Stand, oder überhaupt die Ungleichheit der menschlichen Stellungen als der Rad- und Hemmschuh ihres Glückes. Während der Eine reich ist und schwelgt, darbt der Andere und leidet mit den Seinen empfindlichen Mangel. Aber der Mensch forscht auch nach den Ursachen der Dinge; und dieß unterscheidet ihn von den Thieren. Es kann daher nicht befremven, wenn er, wie schon der alte Seher gethan (Irrem. 12.), nach dem Warum solcher Ungleichheit fragt. Die Erkennt- niß davon soll dann den praktischen Nutzen bringen, daß sie die Mittel und Wege zeigt, die Uebelstände aus dem Grunde zu curiren oder doch minder empfindlich zu machen. Eine Abhilfe ist aber um so nöthiger, als die Menschen, die zur wechselseitigen Liebe berufen sind, durch jene Un- *) Gedruckt bei den P. P. Mechitaristen zu Wien 1837. ") Aus dem österreichischen Volksfreund. *'*) Der Bundschuh war das Feldzeichen der Proletarier im löten Jahrhunderte, als Gegenstück zum Ritter-Stiefel. A8 T December Y ...e—> > gleichheit in unversöhnliche Parteien entzweit werden. Woher aber entsteht !die große Verschiedenheit ihrer Stellungen? Und wie ist derselben abzuhelfen? Anders wird hierüber der „»christliche, anders der religiös erleuchtete Geist sich auSsprechcn. ? Am grellsten tritt die Einseitigkeit deS Urtheils bei den Heiden hervor. Da sie die Einheit deS Menschengeschlechtes nicht kannten, und die Völker alS bloße Gebilde oder Gewächse deS Bodens betrachteten, auf dem dieselben heimisch waren, trennten sie die Menschen, wie die Gebiete, un- tviederbringlich von einander. Der Fremde galt ihnen als Feind, bloß rpeil er ein Fremder war. Diese Scheidung setzte sich in dem Innern der Völker selbst fort. So stehen bei den Jndiern oder Hindu die Kasten schroff und unversöhnlich einander gegenüber, weil nach ihrer Lehre die höheren auS den ediern Theilen", nämlich aus dem Haupte und der Brust deS Gottes Brahma, die niedern hingegen auS den minder edlen, nämlich den Füßen, entsprungen seyn sollen. Auch den gebildeteren Griechen und Römern war der Mensch nichts als ein Erzeugniß der Natur, welche sie als die Eine, allseitig thätige erkannten. Aber ungeachtet des von ihnen bewirkten Cultur Fortschrittes, ließ diese falsche Einheit die wahre nicht aufkommen. Nur eine gewisse Vereinfachung kam zu Stande: die Menschen zerfielen in Herren und Sclaven. Einer der größten heidnischen Denker erblickt, auf seinem befangenen Standpuncte, in dieser Unterscheidung sogar eine strenge Nothwendigkeit. Aber selbst in unsre Zeit ragt diese Befangenheit deS Denkens noch herein. Denn wie beschränkt ist nicht die Denkweise, die zwischen edlerem und unedlerem Blute unterscheidet, und die ächte Menschenwürde kaum erst beim Baron beginnen läßt? Anders lautet die Lehre des Christenthums. Kinder GotteS seyd ihr, ruft sie den Menschen zu, und daher gleich vor Gott. Der Natur nach aus Einem Stamme entsprossen, dem Geiste nach mit derselbe» sittlichen Anlage begabt, seyd ihr überdieß gleichgemacht durch die sühnende Kraft deS für Alle vergossenen Blutes deS ErlöserS. Von nun an, hat der Apostel gelehrt, gibt eS nicht Juden und Griechen, nicht Herren und Knechte mehr. Denn ihr seyd Alle Eins in Christo, d. h. weder die Verschiedenheit der nationalen Abstammung, noch jene der Stellungen, die ihr in der Gesellschaft einnehmt, kann mehr ein Grund seyn, euch zu trennen. AuS Einem Adam geboren, seyd ihr in Einem Christus wiedergeboren. Die trügerische Bosheit, die ein Affe der Wahrheit ist, hat sich dieser Lehre von der Gleichheit in ihrer Weise bemächtigt. Früherhin, etwa seit anderthalb hundert Jahren, hatte sie daS irdische Leben und Wohlergehen als die ganze Wirklichkeit und daS einzige Gut gepriesen. Nachdem sie das Evangelium verhöhnt, und dasselbe als trübsinnig, finster, übcrschwäng- lich und schwärmerisch in Verruf gebracht, sprach sie zu den Menschen: Naturwesen seyd ihr ganz und gar. Wie mag daher der volle Genuß der Natur euch verkümmert werden? oder wie darf man seinem eigenen Wesen feind seyn? Aller Genuß aber hängt von einer glücklichen Stellung und dem Reichthum ab; nach diesen also müsset ihr streben. Kein Wunder, daß den Menschenkindern diese Lehre gefiel. Aber einmal auf den Boden deS bloß thierischen Lebens gestellt, erging eS ihnen wie der übrigen Thier- welt; sie theilten sich in Fresser und Gefressene, in Keiler und Heuler. Mit räuberischen Händen rissen dte Mächtigen alles an sich, und vergaßen die Pflicht, die klaffenden Wunden ihrer Mitbrüder zu heilen. Nachdem so der Grund oder vielmehr der Abgrund für die Entwürdigung deS Menschen tief genug geworden, traten die Jrrlehrer neuerdings vor die Menge, aber jetzt als Wölfe im heiligen Gewände. Mit salbungsvoller Miene und im Tone deS Evangeliums riefen sie: Wahrlich, wahrlich sagen wir euch: alle Menschen sind gleich. Die Höhen müssen erniedrigt und die Thäler ausgefüllt werden. Daher muß Jedem, der da hat, genommen und dem gegeben werden, der Nichts hat. Alle haben daS Recht deö gleichen Besitzes. Es ist daher eure Pflicht, die gleichmäßige AuStheilung - - 190 deS Besitzes zu fordern. Und von jetzt an wurden zum Feldgeschrei der Massen die Worte: Theilung, Gesellschaftsverlrag, Gütergemeinschaft! Allein diese modernen Evangelisten haben vergessen, daß im wahrhaften Evangelium nebst der Gleichheit der Menschen auch die Verschiedenheit der Stellungen hervorgehoben wird. Dreierlei Sohn- oder Kindschaften sind es, welche das Christenthum unterscheiden lehrt. Dem Geiste nach bist du ein Kind GotteS, ein unmittelbares Geschöpf seiner Allmacht. Dem Leibe nach bist du bloß ein Werk der mittelbaren Schöpfung; von Adam und seiner Nachkommenschaft abstammend, und in dieser Beziehung bist du ein Sohn deS Menschen. Aber wie die Leiber von ihrem Ursprünge her gar verschieben orga- nisirt, so sind auch die Geister nicht gleich beschaffen. In den Einen waltet die Dcnkkrast, in den Andern die Willenskraft vor; die Anlagen und Fähigkeiten sind mannigfaltig; und daher die Ungleichheit der Menschen, und gewisse einzelne Vorzüge schon ursprünglich gegeben. Und welcher Mensch vermag seiner Länge eine Spanne hinzuzusetzen? Vor dieser Schranke wird daher, wie sehr er auch sich sträube, der Stolz des Menschen zurückweichen müssen. Die Betrachtung, daß diese Anorcnung ober Zulassung von dem allmächtigen und allweisen Herrn der Welt ausgehe, oder vollends die Ueberzeugung, daß sie von dem liebenden Vater der Menschen herkomme, wird den widerstrebenden Hochmuth zur Unterwürfigkeit bewegen, und endlich in freiwillige Ergebung umwandeln. Besonders entscheidend aber für die Stellung deS Menschen ist die dritte Art von Sohnschaft. Als Luo- wig XVIIl. von Frankreich sich einst von Generalen aus der Napoleonischen Schule umgeben sah, die sich von geringer Herkunft zu hohen Würden aufgeschwungen, sagte er in einer Anwandlung stolzen Selbstgefühls: «Ich gestehe Ihnen, meine Herren, daß ich sehr viel auf Ahnen halte." Auch ich, Majestät, versetzte einer der Generale; denn ich selber bin ein Ahne. Er wollte damit sagen: WaS du hast, ras bin ich. Du zählst bloß als ein Nachkomme, dessen Rang von seinen Vatern ausgeht; ich dagegen nehme meinen Ausgang ganz von mir selber. Welch ein wahres Wort! Die Sohnschaft, die von den Thaten und großen Werken sich herschreibt, ist die dritte und wichtigste. Dem Gegebenen tritt hier die Thatkraft, der Gebundenheit die Freiheit, der Schranke die Selbstbestimmung entgegen. DaS Mögliche mag immerhin versucht werden, wenn dabei nur dem Gewissen die Ehre gegeben wird! Hier «den greife jeder in sein Inneres, unv prüfe, was er verdient hat. Die Männer, die in unsrer Zeit ihre Thatkraft entfaltet, wie oft haben sie den Mahnruf deS Gewissens überhört, den geraden Gang verschmäht, der Leidenschaft und Eigensucht nachgegeben! Wie oft hat nicht die Güte GotteS die bösen Folgen ihrer Eigenmächtigkeit gehemmt oder hinausgeschoben! WaS Wunder, wenn bei fortgesetztem Widerstände der einfache Weg und die Klarheit des Gewissens verloren wirb, wenn Angst, Verdruß, Qual und Mißgeschick den Gottvergessenen befallen! Aber auch der Unschuldige ist den Leiden anheimgegeben, ohne daß diese Thatsache den Christen je aus der Fassung bringen soll. Wenn der Meister gelitten, darf der Schüler das gleiche LooS nicht von sich weisen. Sind wir nicht stolz auf die Zahl unsrer Märtyrer? Und dieser gerechte Stolz sollte in feigen Abfall sich verwandeln, weil die Reihe auch an unS gekommen, für den Glauben einzustehen und zu leiden? Allerdings stärkt den Christen nicht wenig der Blick in das Jenseits. Er weiß, daß dort die Verhüllungen ein Ende nehmen, das Verdienst als Verdienst, und die Nichtigkeit und Lüge als solche offenbar werden. Er weiß, daß die Prüfungen auf Erden dem Wetterleuchten gleichen, das spurlos verschwindet. Dieser Trost ist wahrlich kein leidiger. Aber ein Jeder in seiner Stellung, wie immer diese sich gestalte, hat auch hienieden einen erhabenen Beruf zu erfüllen. Jeder Christ soll ein Prophet, d. h. ein Verkünder der Wahrheit seyn, und zwar insbesondere der christlichen. Er soll ein König seyn, d. h. vor allem als «in Beherrscher seiner selbst, dann auch als ein vorleuchtender Leiter der Schwachen, der Unerfahrenen, und der seiner Aussicht Anvertrauten sich bewähren. Endlich soll jeder Christ seine priesterliche Stellung kennen, indem er anbetend, bittend und opferwillig, in Glaube, Hoffnung und Liebe ausharrt. Der Apostel ermähnt: Ein Jeglicher beharre in der Stellung, zu der er berufen ist. „Diese AizSdauer, wo sollte sie gewisser durchzuführen seyn, als dort, wo Liebe und Opfer, wo göttliche Erleuchtung und Stärkung das menschliche Gemeinwesen verklären? Man stelle sich einmal die Welt ohne die christliche Religion vor. Liegt sie jetzt schon jief genug im Argen, was wäre sie erst ohne jene! Findet jetzt schon der Einzelne wenig Erbarmen und Hilfe, wie erginge eS ihm erst, wenn daS Christenthum verschwände! Es ist natürlich, daß je wahrhaft christlicher der Staat sich einrichtet, desto mehr auch daS thätige Christenthum, die Werke der Nächstenliebe, in seiner Verfassung einen entsprechenden Ausdruck finden werden. Allein was vermögen äußerliche Anordnungen und Gesetze für sich zur Besserung der Zustände, wenn das Gewissen, daS RechtS- !gefühl, die Pflicht der Liebe nicht durch das Christenthum wachgerufen und lebendig erhalten werden! Die Irrlehre und die Lehre der Kirche unterscheiden sich durch die Worte: „Geh und komm." Jene sagt: Gehe so weit vor, als es dir beliebt und du nur immer kannst; denn recht ist alles waS du vermagst. Dein Gewissen sey das des Spartaners, dem nur daran gelegen war, daß er auf dem Diebstahle nicht ertappt werde. Die Kirche dagegen spricht: Komme zu deinem Vater und deinem Heilande, die dich rufen; ertrage das Geschick, daS sie dir bereiten, sey eS deS Ruhmes und Glückes, sey eS der Prüfung und der Mühen. Schon hier wirst du in deinem Innern einen mächtigen Trost finden, als den Vorboten der dereinstigcn Verklärung, in welcher daS Dornengeflechte sich zur Ehrenkrone verwandelt. Katholisches Leben,in Wien.*) „Wo find die lfterarischen Kräfte, die sich vereinen, um für die heilige Wahrheit einzustehen? Wo sind die katholischen Bürger, die um solche Unternehmungen sich kümmern, oder wenn sie inS Leben treten wol- len, sie mit einigen Opfern fundiren und unterstützen? Gute Nacht, katholisches Wien, du ehemalige Vormauer gegen den Islam!" — UnS freut diese kernige, aufrichtige Sprache des österreichischen VolkSsreundeS in einer seiner jüngsten Nummern; denn gerade dadurch bewährt er sich als aufrichtiger Freund des Volkes und macht seinem Namen Ehre, daß er sich getraut, dem Wiener die bittere Wahrheit ins Angesicht zu sagen, und wir rufen ihm zu: Nur muthig fort in diesem Tone; denn der Wiener erträgt die Wahrheit, und kann auch nur durch drastische Mittel aus seiner religiösen Apathie gerüttelt werden. Schnell und im Momente erglüht er für das Gute — doch facht man nicht fortwährend die Flamme der Begeisterung an, oder läßt man sich durch etwaige Hindernisse selber enlmuttflgen, so verglüht auch wieder im Momente daS Feuer. So steht eS zur Stunde in Wien mit der katholischen Begeisterung, welche im vorigen Jahre den Karholikenverein hervorgerufen. Mehr noch, als der Belagerungszustand und andere politische Eventualitäten haben leider! verschiedenartige Hemmnisse Hioco8 intra muros das katholische Leben im Keime erstickt. Tausende von Wienerbürgern standen im Frühlinge v. I. hinter jenem Theile deö Klerus, der es zuerst gewagt, seine Stimme öffentlich zu erheben für Gesetz und Freiheit in Kirche und Staat, der zuerst seine Mitbürger warme vor auöländistibcn Wühlereien! Diese Bürger sind nicht dagestanden mit Art und Schaufeln oder gefälltem Bajonette; sie sind dagestanden, die Hand wie MoseS zum Gebete erhoben, während Jvsue stritt. Weßhalb traten sie aber wieder unbemerkt ab vom katholischen Schauplatze? Weil sie mit Wehmuth erfahren mußten, daß diese Sprache deS Klerus ihm zum Vorwürfe gerechnet, und derselbe eines unkirchlichen Treibens angeklagt wurde in Tagen, in welchen jeder einzelne Priester für den katholischen Glauben freudig in Kampf und Tod zu gehen bereit war, in Tagen — sagen wir — in denen der Klerus das JudaSanboth eines Füster „den Bischof mit Hilfe der Legion zur Abdankung zu zwingen," mit Entrüstung zurückwies; wie auch anderen ähnlichen Anträgen, Venen vielleicht übelverstandencr Eifer zu Grunde liegen mochte, entschieden seine Zustimmung verweigerte. Ein einziger unglücklicher Priester der Wienerdiöcese fiel als beklagenSwerthes Opfer der pantheistisch-communisti- schen Demokratie anheim, während alle übrigen daS Schwert des Geistes ergriffen, und das Wort deS Glaubens nicht ferner gebunden glaubten in einer Zeit, in der daS Wort des frechsten Hohnes und Unglaubens frei auf den Straßen krächzte. Doch die Pflichterfüllung ward dem Klerus zur Schuld gerechnet, und während an andern Onen der Klerus ehrenvolle Anerkennung von Kirche und Staat empfing, ging WienS hartgeprüfte und wohlbewährte Geistlichkeit leer aus. Hätte man sich von Oben herab dieses echtkirchlichen Strebens unter Priestern und Laien zur rechte» Zeit in der rechten Weise mit aller Energie bemächtigt, wäre man ihnen Leitstern und Führer gewesen, so hätte Europa gewiß ein großartiges Schauspiel katholischen Muthes und Lebens im verflossenen Jahre erlebt, ja wir hätten vielleicht keinen Oktober 1848 zu betrauern! Allein der Zeitpunct ward verabsäumt, weder Wärme noch Kälte ward aus höheren Regionen dem katholischen Bürger fühlbar, und so sank die Sonne katholischen Lebens, die kaum in hoffnungsvoller Morgenröthe hervorgeblickt, hinter den Bergen wieder hinab; der Wienerbürger fiel wieder in Lethargie, bedauernd, daß man ihn zu leidigem Nichtsthun verunheilt, daß man die gespensterartig gefürchtete Theilnahme des Laien an kirchlichen Interessen lieber wieder vom bureaukratischen Regime, als vom gesunden Kern deS Bürgerthums vertreten wissen wollte. In diesem Umstände vornemlich liegt *) Schreiben an die Redaction der Wiener Kirchenzeitung. 191 die ticfeitenide Wunde im Katholicismus WienS zu Tage, die nicht eher vernarben wird, bis nicht ein entschiedenes Borangehen in der katholischen Sache den Muth der Bürgerschaft wieder neu belebt, so lange nicht ein großartiges politisches Tagblatt, gefördert von Allen, welchen noch Glaube, Sitte, Recht und Eigenthum dem nur mit Mühe niedergehaltenen Socialismus gegenüber heilig ist, die Interessen der Kirche im socialen wie politischen Leben mit Freimuth und Festigkeit vertritt; denn es ist hohe Zeit, daß die katholische Kirche, gegen die sich alle wie immer gefärbten Journale feindlich vereinigen, in der Ocffentlichkeit zur Macht werde, wie wir dieß in Frankreich bemerken. Weinerlicher OuietiSmuS ist eben so nichtSwürdig und verderbenbringend, als wilvanstürmender FanaliSmuS. — Vieles hätte freilich sülS katholische Leben und Wirken geschehen können, wenn Plenarversammlungcn deS Kalholikenvereins alle Bezirke hindurch gehalten worden wären. WienS katholische Bürgerschaft vermißte sie schmerzlich und wünschet sehnlichst deren Wiedereröffnung herbei. Manche Kraft wäre dem Vereine gewonnen und erhalten worden, die Plenarversammlung würde in so mancher ernsten Sache nicht mit Worten gespielt, sondern ein aufrichtiges, offenes Wort in die Wagjchaale gelegt haben. Als einziges Lebenszeichen des Vereines ist unS, außerdem trefflich redigirtcn Vereinsblatte, eine Vertrauens- und BeileidSaLressc bekannt, welche eine namhafte Anzahl von VereinSmitgliedern an den aus dem AuSschusse und der Redaction ausgeschiedenen Dr. Hock gerichtet, und in der vornemlich die Bitte enthalten ist, „sich auch fernerhin an der katholischen Sache mit gewohntem Freimuthe zu betheiligen." — Wie gerne würde es der Verein gesehen haben, wenn der für die Dauer des Belagerungszustandes bevollmächtigte AuSschuß zur Generalversammlung der katholischen Vereine nach Regensburg Abgeordnete auS seiner Mitte ge;andt, oder wenigstens ein enthusiastisches Begrüßungsschreiben übermittelt hätte! Vielleicht wäre uns nicht die tiefe Beschämung geworden, Linz den Rang als nächsten Vorort abtreten zu müssen! Wann wird denn endlich einmal das Wort unseres gefeierten Veith zur That werden: „Der Oesterreich«! ist im vollsten Sinne Deutscher, er ist aber auch Katholik; und der innige Anschluß der Katholiken in Oesterreich an jene in den übrigen Gebieten Deutschlands kann ihnen nicht andekZ^alS zur freudigen Erstarkung gereichen." (Siehe Aufwärts Nr. 7.)^/ Alles bisher Gesagte zusammengehalten, darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn das katholische Leben in Wien dem Ersterben nahe ist, und die Feinde der Kirche über die Ohnmacht und Halbheit im katholischen Heerlager jubeln. „Nur die katholische Macht wirb Europa retten!" Dieß ist die unüberwindliche Ueberzeugung, die unS Bürgern Veith in seinen Kanzelvorträgen seit Jahren eingeprägt. Dieß und nicht mehr wollte Ihnen, Herr Redacteur! ein Wienerbürger schreiben, einerseits um die Lahmheit seiner Mitbürger in Etwas zu entschuldigen, andererseits aber, um unsern deutschen Mitbrüdern durch ihr Organ zu sagen, daß unS, d. h. denjenigen, die einmal für die Wahrheit einzustehen sich entschieden haben, „weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Stärke, weder Höhe noch Tiefe, noch irgend ein Geschöpf zu scheiden vermag von der gegenseitigen Liebe, die da ist in Christo Jesu!" (Röm. 8, 38.)' Die Schulmeister. (Von einem praktischen Schulmann.) Unter den Handlangern und Kärrnern der Revolution ist eS den Schulmeistern am übelsten ergangen. Mußten sie früher in der Komödie und dem Romane als Magister Zwack, als Wehmeier und Agesel figuriren, wurden sie von den Gelehrten über die Achsel angesehen und von dem Klerus unter dem Daumen gehalten — und zu Ersterem gaben nicht wenige von ihnen daS Muster, zu Letzterem zureichenden Grund —, so kommt nun noch der Schulmeister-Wühler und Freischärler hinzu, — zu den Gerüchlein der Geruch! Wer hat aber den Schulmeister dazu herangezogen? Wer hat ihn zum „Unbefriedigten", zum „Weltschmerzler" gestempelt? Die Art und Weise seiner Bildung, die dem Zeitgeist angehörte, welcher die jetzige Fäulniß erzeugt hat. Man sehe einmal nach, was die jungen Leute während ihrer zwei Jahre als Seminaristen erlernen sollen! Von dem Baume der Wissenschaften können nur einzelne Blätter gepflückt werden, und den Absud davon erhält dann der Schulknabe. So werden denn die Köpfe, statt aufgeklärt, verwirrt, die hergebrachte Denk- und Empfindungsweise zertrümmert, und damit alle Pietät entwurzelt; ohne Pietät aber gibt eS kein schönes Familien-, Gemeinde- und StaatSleben. Nur einige Belege. Wenn ein Knabe von 10 bis 14 Jahren dem Hausvater dreinreden will, so fertigt ihn dieser mit einem kurzen: „DaS verstehst du noch nicht" ab; derselbe Knabe aber erörtert in der Schule mit dem Lehrer die Landesverfassung und diScntirt mit ihm die beste StaatSform! Wohin muß DaS nothwendig führen? Was mürben Eltern dazu sagen, wenn sie sehen müßten, wie in einem Kreise von 40 — 80 Kindern sich eines anSzöge, und an seinem jungen Leibe zuerst Kopf, Rumpf und Glieder unterschiede, dann die Theile deS Kopses und Rumpfes, wie eS die siebente Rippe als die Gränze der Brust- und Bauchhöhle zeigte, und endlich erklärte, was sich in der Brust- und Bauchhöhle befindet? Nun, in der Schule geschieht Dieß; zwar zieht sich kein Kind aus, aber sie lesen oder hören die Beschreibung deS menschlichen LeibeS, und die Phantasie kann ja nicht anders, sie muß daS nackte Bild vor die Augen dcö Geistes stellen. So wird die sittliche Einfalt deS KindeS untergraben, nachdem man den einfältigen kindlichen Gehorsam, den Grundstein jeder Tugend, aus seinem Boren gewühlt hat. Der Inbegriff jedoch von allen Sünden der modernen Schule ist der Sprachunterricht, wie er nach irgend einer „Eprachdcuklehre" ertheilt wird. JnS Nähere darüber mag ich gar nicht eingehen, so wenig eS mir einfällt, die Unterschiede zwischen Mensch und Affe nachzuweisen; denn so ungefähr verhält sich diese Art, die Sprache zu behandeln, zu der cdeln Grammatik, die aber nicht in die Elementarschule gehört. Will man die nächste Generation vor dieser sündhaften Ueberreizung, dieser bis in daS Mark des Geistes abschwächenden Frühreife retten, so fange man damit an, wenigstens die zu Lehrern auf dem Lande, die zu Dorfschulmeistern bestimmten Jünglinge anders, d. h. zu ihrem Berufe zu erziehen. Ein Seminar dieser Art sey zugleich eine landwirthschaftliche Schule, denn der künftige Lehrer soll unter Bauern und als Vorbild der Bauern leben. Man dolire die Dorfschule, wo eS nur immer angeht, theilweise mit Land; zwei Jauchert wenigstens kann ein Lehrer anbauen, wenn man ihn nicht mit unverdautem WifsenSquark und unmöglichen und eben darum unsinnigen Anforderungen plagt. Eine Dorfschule ist eine sehr gute, wenn die Kinder in derselben mit Fertigkeit und Verständniß lesen, schreiben, rechnen, und die Kirchenlieder ordentlich singen lernen; wer für seine Kinder mehr will, findet die geeigneten Anstalten. Dann ist der Lehrer keine Abart von Professor mehr, sondern, waS er seyn soll, ein Meister in der Schule; er wird dann auch nicht den „Herrn" im Gegensatze zum Bauer spielen, denn Herrcnkleider paffen nicht zur Feldarbeit, wohl aber einem reinlichen und verständigen Bauersmann, oder wenn er lieber will, einem Landmann der besten Art gleichsehen. Jedenfalls wird er sich alsdann ökonomisch besser stellen, mehr Achtung genießen, segenSvoller wirken, und von Stolz, Neid und Unmuth weniger geplagt seyn. Au- Württemberg. * In Nr. 46. deS SonntagS-BeiblatteS zur AugSburger Postzeitung ist auch deS HerbsteramenS Erwähnung gethan, welches im verflossenen August im hiesigen Institute abgehalten wurde. Insbesondere ist auf daS Eramen im Griechischen Rücksicht genommen, in Betreff dessen in der an, geführten Stell« einige Bedenken erhoben werden. Da nun der Unterzeichnete im Institut zu Trauchburg das Griechische zu lehren hat, so erlaubt er sich einige Gegenbemerkungen dagegen, um so mehr, als jener Aufsatz dem allenfallsigen Mißverständnisse unterworfen seyn dürfte, als werde im genannten Institute in der griechischen Sprache eine bloß mechanische Fertigkeit erzielt und daS Geistbildende deS Sprachstudiums hintangesetzt. Im Uebrigen freut eS mich, daß der Verfasser jenes Artikels, welchen ich selbst gesprochen zu haben glaube, eS für der Mühe werth erachtet hat, unsere Leistungen zu berücksichtigen. Ich glaube, daß er alsbald mit mir einverstanden seyn wird, sobald er sich mit mir darüber verständigt hat, waS ein Eramen bezwecken soll. Die Zeit, welche bei einem JnstitutSeramen für die Behandlung eines einzelnen Gegenstandes bleibt, ist begreiflicher Weise wegen der Stenge der Gegenstände kurz zugemessen: und doch sollen die Schüler in ! jedem Fache Rechenschaft von ihren Leistungen geben; denn darum hält ;man ja ein Eramen! Wie muß also das Eramen gehalten werden, damit man sich von den Kenntnissen der Zöglinge überzeugen kann? Offenbar so, daß der Lehrer nicht viel spricht und salbadert, sondern ganz kurz ein Resultat verlangt. So habe ich eS gemacht. Hätte ich mehr Zeit dazu gehabt, so würde ich es vielleicht anders gemacht haben. Anstatt dir griechische Formenlehre paragraphenweise Herabsagen zu lassen, gebe ich einige deutsche Sätze, welche auS dem Deutschen inS Griechische übersetzt werden, und in welchen die Formenlehre sich schon angewendet findet. Da findet ein sachverständiger Zuhörer von selbst heraus, ob der aufgerufene Zögling die Fähigkeit hat, grammatische Formen (Aorist, Perfectrc.) oder auch syntaktische Regeln zu treffen oder nicht. ES kam mir darum, und Gegenden besonders des nördlichen Deutschland Kirchen erbaut, Pfar- die Bemerkung deS Verfassers jenes Artikels sonderbar vor, wenn er erzählt,! reicn gegründet und katholische Lehrer angestellt werden können. (Kath.) «in Schüler hätte den Anfang von Plato'S Phädon ins Deutsche und inSj Lateinische übersetzt, und dann beifügt: „der Schüler lieferte allerdings die deutsche und lateinische Uebeksctzung, aber wenn man die Formen, das Grammatikalische und Syntaktische, die Wortbedeutung, den Sinn, das Geschichtliche, daS Entsprechende der lateinischen Uebersetzung, d. h. warum dieser lateinische Ausdruck gewählt worden, näher urgirt hätte, hätte er kaum die gehörige Grundlage gehabt, hierüber zu antworten." Ein Theil dieser Behauptung ist unrichtig; denn wenn die Schüler auch Etwas auS dem Deutschen inS Griechische übersetzen müssen, und wenn sie dieß thun ohne asten Gebrauch einer Grammatik, oder eines LerikonS; so geben sie den Beweis, daß sie „die Formen, das Grammatikalische und (wenigstens theilweise) daS Syntaktische" verstehen. WaS aber weiter in dieser Behauptung verlangt wird, übersteigt großentheils den Gedankenkreis eines Knaben und die aufgestellte Forderung wäre eher an ein PräceptoratS- alS an ein Knabeneramen zu stellen. Wenn der Verfasser endlich meint, der griechische Sprachunterricht werde in Trauchburg nach einer Methode gelehrt, die der Lehrmethode der neuern Sprachen gleich sey, so hat er vollkommen Recht. Will er aber daraus den Schluß ableiten, als werde mehr auf Fertigkeit gesehen, als auf daS Gcistbildende deS Sprachstudiums; so hat er völlig Unrecht. Man muß vielmehr daS Eine thun und daS Andere nicht lassen. Daß auf Gewandtheit mehr gesehen werden muß, als früher darauf gesehen wurde, das sprechen ja unsere bedeutendsten Schulmänner und Grammatiker, wie Kühner, Franz u. A. aus, und es hieße wirklich nicht auf der Höhe der philologischen Bildung stehen, wenn die Gerechtigkeit dieser Forderung verkannt werden wollte. Trauchburg den 22. November 1649. Dr. Theobald Bischofberger. Quedlinburg. Zu Quedlinburg in Preußisch-Sachsen, einer der ältesten deutschen Städte, hat sich seit dem Jahre 1803 eine katholische Gemeinde gebildet, die aber, wie viele unserer armen verlassenen Glaubensbrüder im Norden Deutschlands, bisher nur zeitweise das Glück genießen konnte, daß ihr von einem der eigens dahin abgesendeten Priester das heilige Meßopfer dargebracht, die göttlichen Lehren verkündet und die heiligen Sacramente gespendet wurden. DaS Erste, woran die arme aber wackere und glau- benStreue Gemeinde dachte, war die Anstellung eines tüchtigen katholischen Lehrers, dem sie mit Vertrauen ihre Kinder zur Bildung und Erziehung übergeben könne. Mit großen Opfern und durch brüderliche Unterstützung der Katholiken in Rheinland und Westfalen gelang dieß seit dem Jahre 1844. Freilich waren Anfangs die Protestanten so unduldsam und ver- folgungssüchtig, daß sie dem Aufkommen dieser Schule alle Hindernisse in den Weg legten; bisweilen, wenn die städtischen Beamten gerade in übler Laune waren, wurden die katholischen Kinder sogar mit Gewalt ihrem Lehrer entrissen und in die protestantischen Schulen durch Polizeidiener geschleppt. Diese Plackereien haben nunmehr nicht allein aufgehört, sondern unter den 60 Schulkindern befinden sich gegenwärtig selbst 18 von ganz protestantischen Eltern, auf das ausdrückliche Verlangen der Letztem. Diese erklären nämlich, seit Jahren hätten sie in ihren Kirchen und auS dem Munde ihrer Prediger nichts mehr von Jesus Christus, dem Sohne GotteS, gehört; da aber der Glaube an denselben, an seine Gottheit und seinen ErlösungStod noch in der katholischen Kirche lebe und darin gepredigt werde, so wollten sie, daß ihre Kinder in diesem beseligenden Glauben erzogen würden. Unter solchen Umständen war die Anstellung eines eigenen Geistlichen dringendes Bedürfniß. Dieselbe erfolgte vor nunmehr einem Jahre; allein die äußern Verhältnisse der Quedlinburgs katholischen Gemeinde sind in so hohem Grade traurig, daß eine schleunige und ausreichende Hilfe noth thut. Abgesehen davon, daß fast Alles an Paramen- len, Gefäßen u. dgl. zur würdigen Feier des Gottesdienstes fehlt, muß dieser selbst in einer ehemaligen Bedientenstube deS Schlosses abgehalten werden, die aber, schon unpassend in sich, bei weitem nicht die 400 Seelen starke Gemeinde, geschweige denn die zahlreich sich herbeidrängenden Protestanten fassen kann. ES ist daher dringend zu wünschen, daß besonders die katholischen Vereine Deutschlands den in RegenSburg gegründeten BonifaciuSverein nach Kräften fördern und durch milde Beiträge die Mittel herbeischaffen, wodurch wie in Quedlinburg so in vielen andern Städten Luxemburg. Luremburg, 23. Nov. In diesen Tagen ist in der Kammer ein merkwürdiger Fall zur Entscheidung gekommen. Vor etwa zwei Jahren starb hier eine alte adelige Dame und bestimmte ihr HauS, 80 — 100,000 Fr. an Werth, tcstamentlich zur Wohnung deS apostolischen VicarS. Der Besitztitel war der Stadt vermacht. Die damals an der Spitze der Verwaltung stehende französische Freimaurerpartei suchte nun auS Haß gegen unseren würdigen Bischof die Absicht deS Vermächtnisses zu vereiteln und die Stadtregierung zn vermögen, die Erbschaft nicht anzunehmen, weil sie ^den ErbschaftSstempel und die Kosten der laufenden Reparaturen nicht über- ! nehmen könne. So zog sich die Sache zwei Jahre lang hin. Vorgestern nun beschloß die Kammer mit allen Stimmen gegen 2, daß die StaatScaffe die Reparaturkosten zu übernehmen habe und daß kein Stempel bezahlt werden solle. Für den Abschluß eines Concorvals, welches die Stellung unseres Bischofs in Zukunft vor ähnlichen Mißhandlungen, als er Seitens der gestürzten Regierungspartei erlitten hat, sichern würde, ist die Schenkung dieser schönen bischöflichen Wohnung eine bedeutende Erleichterung. Frankreich. AuS PariS wird in öffentlichen Blättern mitgetheilt, wie ein einfacher französischer Landpfarrer, während er andern Leuten daS Schönreden überläßt, die verführerischen Schlagworte der Neuzeit: „Bildung und Wohlstand für Alle" zu verwirklichen recht ernstlich bemühet ist. Diese Thätigkeit ist so einfach, so durch und durch praktisch und doch so reich an Segen, daß wir nicht umhin können, sie unsern Lesern zu schildern, mit dem aufrichtigen Wunsche, daß sie unter.den Geistlichen auf dem Lande recht viele Nachahmer finden möge. Der Abbs Väoey, Pfarrer in VaraigueS, einem kleinen Orte der Diöcese Perigueur, gründete vor einigen Jahren in seinem Hause eine Zufluchtsstätte für verwahrloste Kinder, und schämte sich nicht, bei dem Lehrer deS Ortes zuerst als Gehilfe in der Schule zu fungiren und, nach hinlänglich erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten, seine Prüfung als Schullehrer zu bestehen, wodurch er daS Recht und die Befugniß sich erwarb, seinen armen Kindern in der Religion, im Lesen, Schreiben und Rechnen Unterricht zu ertheilen. Dieß gelang vortrefflich; aber er genügte nicht dem Eifer des Pfarrers; er wollte auch die Zukunft der Kinder durch Anleitung zum Betrieb des Ackerbaues sichern und verwendete zu dieser löblichen Ausdehnung seines ersten Planes daS kleine Vermögen, welches er von seinem Vater ererbte. DaS HauS ist nunmehr gegründet, in welchem die Kinder wie zur Religiosität, so zur nützlichen Beschäftigung im Ackerbau angeleitet werden. Die obere Leitung deS ganzen Instituts liegt in der Hand des ehrwürdigen Abbä, der aber gleichzeitig darauf dachte, wie sein schönes Werk nicht nur Bestand auf lange Jahre hinaus, sondern auch größere Verbreitung finden könne. Zu diesem Ende bildet er junge eifrige und talentvolle Jünglinge als treue Mitarbeiter, und sollen dieselben später überall auf dem Lande Freischulen gründen und darin besonders die verlassenen armen Kinder wie in den nothwendigen Elementar- Gegenständen, so auch vorzüglich in dem Ackerbau unterrichten, und ihnen durch frühe Angewöhnung Liebe zur Arbeit und zu einer geregelten Beschäftigung einflößen. In daS zu VaraigueS gegründete HauS werden Kinder von 8 — 10 Jahren aufgenommen, und verlassen dasselbe erst in ihrem achtzehnten Lebensalter; aber ausgerüstet mit religiösem Sinne, mit hinreichenden Kenntnissen, gut gekleidet und mit einem kleinen Capital von wenigstens 100 Franken, welches daraus erwächst, daß jedem Kinde vom zwölften Jahre an zwanzig Centimes wöchentlich in einem eigenen Büchlein gut geschrieben und verzinst werden. Außerdem wird täglich ein Ehrenpreis vertheilt an dasjenige Kind, welches nach dem Urtheile der übrigen am fleißigsten gearbeitet hat.— Jeder, der Obiges liest, thue nach seinen Kräften und je nach den Verhältnissen daS Gleiche, und erwäge, daß Abbä Vsdey sein schönes Werk fast ohne alle Hilfsmittel inS Leben gerufen und fest begründet hat. Auch der heilige Vincenz von Paul, einer der größten Wohlthäter deS Menschengeschlechts, war arm an irdischen Gütern, aber reich an Gottvertrauen und an Eifer für vaS Wohl der unsterblichen Seelen seiner armen und unglücklichen Mitbrüder. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.