Vierteljähriger Abon- «ementspreis im Bereiche vou ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Buch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -DeiblaU zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis belrägk, wie bei dem Bezng durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. ^ so 16 . December 184 S. AuS der Versammlung der Bischöfe In Wien *) Der hochwürdigste Fürsterzbischof von Ollmütz glaubte in einem an den Secular- und RegularkleruS seiner Diöcese unter dem 24. October d. I. gerichteten Hirtenbriefe die Documente der bischöflichen Konferenz in Wien, in so weit dieß mit höheren Pflichten vereinbarlich ist, nicht vorenthalten zu dürfen. Er eröffnet dieselben mit einem Schreiben deS Car- dinalerzbischofeS von Salzburg an den heiligen Vater, und einem Rückschreiben des Letzteren an jenen. Wir lassen diese Documente in deutscher Uebersetzung hier folgen. An Se. Heiligkeit Papst PiuS H Heiliger Vater! Ich würde mich fürwahr deö VersäummsscS meiner Pflicht, der kindlichen Ehrfurcht und deS Gehorsams anschulcigen müssen, wenn ich nicht der hohen Kenntniß Seiner Heiligkeit mit der gebührenden Aufrichtigkeit Alles unterbreitete, waö in der gegenwärtigen schwierigen Lage der Dinge, wo auch in unserem Vaterlande Alles, wovon religiöse Wohlfahrt und kirchliches Heil abhängt, in Schwebe gestellt ist, die Pflicht unseres schwerverantwortlichen Amtes von unö Bischöfen zu veranlassen gebot. Der jüngst bei uns auch stattgefundene staatliche Umschwung hat so viele Hoffnungen und so viele Befürchtungen herausgeführt, daß er unS, die wir einst über das unserer Obsorge anverrraule Heil der Heerden Rechenschaft ablegen müssen, zur äußersten o^erhirtltchen Sorgfalt wachrief. Denn nach den mannigfachen Zeilbewegungen, welche einen großen Theil von Europa durchliefen, und auch von den Gränzen deö österreichischen KaiscrstaaleS nicht ferne blieben und die Kirche selbst nicht leichr verwundeten, begrüßen wir freudig das von unserem erlauchten Kaiser für Oesterreichs Lande gegebene Grundgesetz, welches einerseits den Stürmen und gewaltsamen Umsturzversuchen hoffentlich ein Ziel gesetzt, andererseits aber auch die katholische Sache von den Fesseln deS SkaatSschutzeS, von denen sie. bisher umfangen war, nun endlich zu befreien und der gerechten Freiheit wiederzugeben verspricht. Indem wir dergestalt das, waö längst schon unser Herz ersehnt, wag wir längst schon Lurch Bitten zu erreichen und durch Anforderungen zu erwirken, vergebens uns gemüht, durch das oberste StaatSgesetz nun beschlossen sehen, würden wir gerne Herz fassen, un- vollendS zu beruhigen, wenn nicht andererseits mit Recht zu befürchten stünde, daß den böswilligen Zcilbestrebungen zufolge jenes kaiserliche Statut, das des Guten und Günstigen für die Kirche Gottes so viel enthält, durch mißliebige Auslegung verkehrt werde und die alsdann zu erlassenden organischen Decrcte, denen die zu allgemeinen Grundzüge deS SlalutcS nach und nach zur Ausführung zu überantworten kommen, die kaum gc. schöpfte Hoffnung der kirchlichen Freiheit wieder neuerdings zu nichte machen. Diese Gefahr deS Augenblicks unsererseits von dem Leibe der Kirche abzuwehren, und sowohl durch die Sachlage selbst, als die Einrichtungen der Kirche gemahnt, in der Einigung die Stärke und Festigkeit zu suchen, erachteten wir vor Allem als zeitgemäß, uns zu versammeln, und unsere Berathungen gemeinschaftlich zu pflegen, indem wir die StaatSregierung indeß beschwören, derartige organische Decrete, durchweiche raS Verhältniß deS StaatcS zur Kirche im Einzelnen festgesetzte würde, nicht zu erlassen, ohne früher die kirchliche Autorität gehör: und in Berathung gezogen zu haben. Da dieß von selbst billig uiw gerecht erscheinen mußte, haben die obersten Leiter der Staatsgewalt die Bischöfe aus allen Friede genießenden s) Wie aus der Verwahrung des Schreibers an den heiligen Vater, so wie aus der! Rüchchrift des Papstes an die Bischöfe hervorgeht, hatte die Versammlung nicht den Charakter einer bischöflichen Synode. > Provinzen deS KaiscrstaateS nach Wien zusammenbcrufcn, und dieser Einladung zufolge haben wir uns beeilt, am dritten Sonntage nach dem Osterfeste in dieser Hauptstadt zusammenzutreten. Durch Stimmengebung zum Vorsitzenden in der Geschäftsordnung ! erwählt, erachte ich eS für meine Pflicht, Seine Heiligkeit über das Wesen dieser Versammlung mit gebührender Verehrung in Wissenschaft zu setzen und im Namen der versammelten Bischöfe da» Zeugniß abzulegen, daß eS nicht ihre Absicht sey, eine heilige Synode nach kirchlicher Anordnung zu feiern; sonst würden sie, vermöge ibrer tiefsten Ergebung, von der sie gegen den Stuhl deS heiligen Petrus beseelt sind, und deö schuldigen Gehorsams in Bezug auf die heiligen Canoncn, im Gewissen sich verpflichtet gefühlt haben, die apostolische Genehmigung für ihr Unternehmen vorhinein zu erwirken. Die angestellten Berathungen sind nur für präliminarisch zu halten, als hervorgerufen durch die Anfrage der Regierung, auf welche die Bischöfe zu antworten am gerathensten halten, wenn sie fußend auf der gewährten kirchlichen Freiheit, die katholischen Principien in gemeinschaftlicher Darlegung auSsprechen, und die unveräußerlichen Rechte der Kirche einstimmig für sie wieder zurückverlangen, damit nicht etwa zukünftigen und entschiedenen, durch die Autorität des apostolischen Stuhles zu schließenden Verträgen, eine vorschnelle StaatSgesetzgebung hindernd in den Weg trete. Aus solche Weise hoffen wir mit Zuversicht, der in der Gegenwart uns drängenden Pflicht Genüge zu leisten, und die Billigung deS heiligen Stuhle« zu erlangen. Daß Seine Heiligkeit daS so schwierige und mühevolle Werk, an welches wir geschritten, mit väterlichem Wohlwollen begleiten, und bis eS uns gestattet seyn wird, über den Erfolg umständlicher zu berichten, mit dem Thaue deS apostolischen Segens zu befruchten Sich würdigen möge, darum flehe ich inständigst im Namen der versammelten Bischöfe, der ich im tiefsten Gefühle der Ehrfurcht und deS GehoisamS, die heiligen Hände demüthigst küsscnv, ersterbe Eurer Heiligkeit Wien, den 25. Mai 1849. Friedrich, Cardinal nnv Fürsterzbischof. PiuS P. P. IX. Unserem Geliebten Sohne Heil und apostolischen Segen. Unlängst ist zu Uns daS Schreiben gelangt, welches Wir von Dir, Unser geliebter Sohn! am 25. Mai von Wien aus dalirt und auch im Namen der übrigen gegenwärtig dort weilenden ehrwürdigen Brüvcr nnv Bischöfe deS österreichischen KaiserstaateS geschrieben, und im innigsten Gefühle der Treue, Ehrfurcht und des Gehorsams gegen UnS und den Stuhl Petri verfaßt, sofort mit bereitwilligst entgegenkommendem Herzen in Empfang genommen haben. Denn eS fiel unS höchst angenehm auf, in jenem Schreiben wiederholt zu bemerken, daß Dir und eben jenen Vorstehern nichts wichtiger sey, als in so großer Zeitbewegung auS allen Kräften daS Heil der Gläubigen zu betreuen, und mit allem Eifer die Sache der katholischen Kirche zu verfechten und ihre Rechte und Freiheit aus den Fesseln der weltlichen Gewalt herauSzukämpfen. Daher rührte Deine und der übrigen Bischöfe mächtige Freude, als durch das von Unserem in Christo geliebtesten Sohne Franz Joseph, Kaiser von Oesterreich, apostolischen König von Ungarn und König von Böhmen, für die Länder seiner Oberherrlichkeit erlassene Grundgesetz die Hoffnung aufleuchtete, eS werde die Kirche von allen jenen Fesseln, mit denen sie bisher nach allen Seiten hin umstrickt gewesen, befreit, ihre sehnlichst gewünschte Freiheit wieder erlangen. Da Du aber. Unser geliebter Sohn, und die übrigen Bischöfe höchlichst befürchtet, eS möchte die Hoffnung zur Erlangung einer solchen kirchlichen Freiheit den böswilligen Zeitbestrebungen zufolge durch organische Decrcte, die etwa 0 ^ > > , c . 198 nach dem erwähnten Gesetze erlassen würden, abgeschnitten werden: so habet ihr eS für eure Pflicht gehalten, diese Gefahr abzuwenden, und die StaatSregierung dringendst zu beschworen, die kirchliche Autorität zu Rathe zu ziehen, bevor eben diese organischen Bestimmungen erlassen würden. Diese nur ganz gerechte Forderung bewirkte auch, daß die ersten Staatsbehörden die Bischöfe auS allen Friede genießenden Provinzen deS Kaiser- ihumeS einluden, in jener Stadt zusammenzukommen. Daher hattest Du, Unser geliebter Sohn, und die übrigen ehrwürdigen Grüder, Erzbtschöfc und Bischöfe, beschlossen, alsögleich in jene Hauptstadt insgesammt zueilen, nicht wohl deßhalb, um aus eben diesen verschiedenen Provinzen eine gerneinsame Synode zu feiern, die, wie jeder von euch sehr wohl weiß, ohne Unserer und deS apostolischen Stuhles Erlaubniß nie gehalten werden könnte,! sondern auf daß in einmüthiger Gesinnung, und mit vereintem Eifer und! Rathe, eure ganze Mühe und Sorgfalt auf die Behauptung und Vertheil digung der kirchlichen Rechte und auf die Beförderung des größeren Nutzens und Heiles der katholischen Sache auf dem Pfade der heiligen Canonen verwendet werde. Wir können wahrlich nicht umhin, diesen Deinen und ^ der übrigen ehrwürdigen Brüder Entschluß mit verdienter Lobeserhebung ^ zu begleite», und Wir sind überzeugt, daß Dir und ihnen nichts mehr am! Herzen liege, als daß AUcS nach der Norm des heiligen, kirchlichen Rech- rcS mir allem Eifer emsig vollführt werde. Wir hegen ferner die Hoffnung, cS werde eben Unser in Christo geliebter Sohn, euer erlauchter Fürst,! wohl wissend, wie sehr zum Schirme der Festigkeit seines Reiches, so wie der Rnhc und deS Glückes seiner Völker, die katholische Kirche und ihre unveränderliche Lehre beitrage — nicht nur nicht zulassen, daß durch organische Decrete etwas festgestellt werde, was den heiligen Rechten der Kirche zuwider ist, sondern Er werde auch, Unseren und euren höchst gerechten Wünschen und Anforderungen Folge gebend, dahin wirken, daß die Kirche selbst in allen seinen Gebieten ihre volle Freiheit erlange, und daß die ^ geweihten Vorstände unter Leitung und Autorität deS apostolischen Stuhles ^ gänzlich frei seyen in Verrichtung deS ihnen obliegenden AmteS. Doch! wohl schon von Dir selbst siehst Du ein, Unser geliebter Sohn, daß Unö nichts so erwünscht seyn werde, als alle Verhandlungen eurer Versammlung in Empfang zu nehmen, und zugleich zu erfahren, welches der Erfolg eurer Berathungen und Arbeiten gewesen sey. Indessen aber flehen Wir in Demuth Unseres Herzens dringend zum allmächtigen Gott und Herrn: Er wolle über Dich und die übrigen dort weilenden ehrwürdigen Brüder Seine Erbarmung vervielfältigen, und reichlich auSgicßen den Geist der Weisheit und LcS Verstandes, den Geist deS Rathes und der Stärke; Er wolle eure Mühen und Arbeiten zur größeren Ehre Seines heiligsten Namens und zum Frommen Seiner heiligen Kirche unterstützen, stärken und befestigen! AIS Wahrzeichen deS göttlichen Schutzes, und als Zeugniß Unseres besonderen Wohlwollens ertheilen Wir Dir, Unser geliebter Sohn, und den übrigen ehrwürdigen Brüder» in herzlichster Liebe huldvollst den apostolischen Segen. Gegeben zu Gavta den 9. Juli 1819. Im vierten Jahre Unsers PontificatS, PiuS P. P. IX. Die Stellung der Katholiken in Holland. (Aus dem „Luxemburger Wort.«) Es ist Zeit, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf den in seiner Art unerhörten Druck, welchen noch im neunzehnten Jahrhundert, in dieser Zeit deS Fortschrittes und der Aufklärung, nahezu anderthalb Millionen katholischer Niederländer seitens ihrer protestantischen Mitbürger zu erdulden haben, hingelenkt werde, und daß einem edlen Volke in der Errin- gung des Besten und Nothwendigsten, ohne dessen Besitz ein Volk nicht glücklich seyn kann, der religiösen Freiheit und Gleichberechtigung nämlich, ein thatkräftiger Beistand geleistet werde. Der Druck, der auf den niederländischen Katholiken lastet, ist ein gewaltsamer, und ist ein in seinem Ursprünge sowohl, als in seinem innersten Wesen unrechtmäßiger. DaS katholische Volk ist daS eigentliche Stammvolk der Niederlande; es ist aus seinem rechtmäßigen Besitze durch eine Revolution verdrängt, und ist nur durch eine gewaltsame Unterdrückung dritthalb hundert Jahre lang der Ausübung seines unveräußerlichen und unverlierbaren Rechtes beraubt worden. Die jetzigen Niederlande sind zuerst durch die Apostel der katholischen» Kirche auf friedlichem Wege zum Christenthums bekehrt. AuS freien Stücken haben die alten Bataver dir Altäre ihrer Götter verlassen, und haben sich dem von den christlichen Aposteln gepredigten beseligenden Glauben der katholischen Kirche angc- schloffen. Die katholische Kirche hat die rauhen Sitten dieses Volles all- mälig gemildert, hat Gotteshäuser und Klöster gegründet, und durch sie Wissenschaft, Ackerbau und Wohlstand im Lande verbreitet. AIS Kaiser Kart V. die Niederlande beherrschte, waren die Städte dieses Landes die wohlhabendsten und gewerbetreibendsten in Europa. Aber eben dieser Reichthum halle auch ein Wohlleben und eine Ueppigkeit der Sitten verbreitet, die den neuen Lehren Lulher'S und Calvin'S Eingang verschafften. Jedoch waren es vorzugsweise nur die großen Städte, m denen außer einer An- zahl ehrgeiziger und neuerungSsüchligcr Reichen eine Masse rohen und entsittlichten Volkes auS allen europäischen Ländern sich umherlrieb, in denen die Neuerungen Eingang fanden. Es bildeten sich in den Niederlanden die abenteuerlichsten Seelen, welche alle vorgaben, das ursprüngliche Christenthum wieder herstellen zu wollen, und viele der berüchtigsten Schwärmer, wie Johann v. Leyden u. a., sind von dort hervorgegangen. Aber der Kern der Bürgerschaft in den Städten und vor Allen das treue und unverdorbene Landvolk hielt an dem Glauben seiner Väter fest. Auch würde es der Neulehre, die so bald schon nach ihrer Entstehung sich in verschiedene Paneiungen zerspaltete, wohl nicht gelungen seyn, sich auf die Dauer hin in den Niederlanden zu behaupten, wenn nicht eine politische Verschwörung sich mit ihr verbunden hätte, und in Folge einer siegreich durchgeführten Revolution das treue katholische Volk in Druck und Abhängigkeit gerathen wäre. Der immer ncuerungSsüchtige Pöbel der großen Städte ward durch den ehrgeizigen Adel aufgewiegelt, und mit Hilfe fremder Schaarcn aus England und Frankreich die rechtmäßige königliche Gewalt gestürzt. Die Revolutionspartei erklärte sich für den reformirten Glauben und proclamirte die Republik. Nur die südlichen Provinzen der Niederlande, daS heutige Königreich Belgien nebst dem französischen ArtoiS und Flandern wurden dem katholischen Glauben erhalten, und die Revolution, welche daselbst bereits die schrecklichsten Gräuel angerichtet hatte, beugte sich, wie heut zu Tage in Italien und Wien vor Radetzky und Windischgrätz, so vor des tapfern Alba, Farnese und Spinola siegreichem Schwert, Lurcmburg hatte nie der Neulehre Eingang gestattet, und seine tapfern LandeSsöhne waren nichr die schlechtesten Krieger in Alba's und Spinola's Heer. Desto trauriger aber war daS LooS der katholischen Niederländer in der neu entstandenen Republik. Zwar bildeten sie die entschiedene Mehrzahl der Bevölkerung, aber sie hatten nicht die Revolution gemacht und begünstigt, darum wurden sie von den Männern der Revolution, die nun alle Macht in Händen hatten, auf daS Grausamste gemißhandelt. Man beschloß, die katholische Religion in Holland mit Stumpf und Stiel auszurotten. Rohe Pöbelhaufen drangen in die Kirchen ein und zerschlugen in einer vandalischen Weise die Heiligenbilder und kostbaren Gemälde. Die heiligen Gefäße wurden entweiht, sogar mit dem heiligsten Sacramentc empörende Frevel getrieben. Man beraubte die Katholiken aller ihrer Kirchen, ihrer Pfarrhäuser und ihres rechtlich erworbenen Kir- chenvcrmögenS, und gab alles dieses den Protestanten. Man vertrieb alle katholischen Lehrer auS den Schulen. Die Priester wurden geächtet und keinem Bischöfe gestaltet, daS Land zu betreten. Die Katholiken wurden jeder Anstellung für unfähig erklärt, und die Ausübung deS katholischen Gottesdienstes wurde als schwerstes Criminalverbrechen mit der Todesstrafe bedroht. Und doch waren die Katholiken der eigentliche Urstamm der Bevölkerung, und doch bildeten sie noch lange nach dem Siege der Revolution eine bedeutende Mehrzahl der Bewohner deS Landes. Diese gewaltsame Unterdrückung der Katholiken hat in Holland fortgedauert ungefähr bis zur Zeit der französischen Revolution. Nur durch die Gewalt der Umstände gezwungen, nicht durch eine mildere, tolerantere ! Gesinnung bewogen, sind die Protestanten in der Mißhandlung und Unterdrückung der Katholiken allmälig Schritt vor Schritt rückwärts gegangen, und selbst heut zu Tage kann ihnen eine Concession zu Gunsten ihrer katholischen Mitbürger nur mit Gewalt abgenöthigt werden. Aber dafür wird um so sicherer der Tag der Rechenschaft kommen, je hartnäckiger eine Abschlagszahlung für frühere Beraubung und Gewaltthat verweigert wird. !ES ist schon erwähnt worden, daß alle Kirchen deS Landes ohne alle Ausnahme den Katholiken gewaltthätig geraubt worden sind. Der herrliche Dom zu Utrecht, der nun zum Theile zerstört ist, war der alte katholische ! Mctropolitansitz. Im Dom zu Harlem, in der onclo Kerker zu Amsterdam, in den prächtigen Tempeln zu Schiedam, Gouda und Breda, in der St. Laurenzkirche zu Rotterdam u. s. w. wurde einst daS Opfer des neuen Bunde« dargebracht, und sie sind noch immer rechtmäßiges Eigenthum der Katholiken. Nur mit Gewalt sind die Katholiken daraus vertrieben; ihr Recht daran haben sie nicht aufgegeben, sie konnten eö nicht verlieren, und eS kommt die Zeit, wo sie eS reclamiren werden. Ja, man ging so weit, daß selbst in Gegenden, die ganz katholisch blieben, wie Nordbrabant, die Katholiken auS ihren sämmtlichen Kirchen vertrieben, und solche einer ^ Handvoll von Protestanten ausgeliefert wurden. In der fast ganz katholi- 199 scheu Stadt Herzogenbusch ward die herrliche Hauptkirche nebst den drei andern Pfarrkirchen einigen Hundert Protestanten überwiesen, die zum Höhne einer zahlreichen katholischen Bürgerschaft die Kirchen entweihten, Bilvcr und Grabmäler zerschlugen, und dann sich ihren Dienst darin einrichteten, wofür eine einzige Kapelle hingereicht hätte. Währenddeß flüchteten die armen Katholiken mit den hehren Geheimnissen ihres Glaubens in verborgene Schlupfwinkel; in Kellergewölben unv Dachstuben ward das heilige Opfer dargebracht, und nur unter Lebensgefahr konnten die Priester zu den Kranken gelangen, und ihnen den Trost der Religion spenden. Jeden Augenblick mußten die Orte, wo der Gottesdienst heimlich gefeiert wurde, verändert werden, damit nicht die immer wachsamen Späher das Geheimniß entdeckten, und die Schuldigen (!) zur Strafe zögen. Roch jetzt liegen zu Amsterdam und in den andern niederländischen Städten die katholischen Kirchen großentheilS so verborgen, daß man nach dem Aeußern zu urtheilen dort keine Gotteshäuser vermuthet. Zu Amsterdam wurde ein Priester, der über dem Lesen der heiligen Messe ergriffen war, auS dem Verstecke unter dem Dache hervorgezogen, und vom fanatischen Pöbel erhängt. Wer aber kennt nicht die Geschichte der Märtyrer von Gorkum? Hier war es nicht allein der rohe Haufe dcS Volkes, der diese heldenmüthigen Priester grausam zerfleischte, sondern selbst die höchsten Behörden des Landes betheiligten sich an dieser gräßlichen Mordthat; die Kirche aber feiert ihr Andenken gleich dem glorreichsten Märtyrer aus der Zeit der heidnischen Verfolgungen. Einbrechende Kriegsgefahr nöthigte die Holländer, mit den Katholiken etwas milder und nachsichtiger zu verfahren. Man spürte ihren verborgenen Versammlungsörtern nicht mehr nach. In Nordbrabant, wo die ganze Bevölkerung katholisch war, gestattete man ihnen, statt der geraubten prächtigen Tempel auf dem Lande kleine Kirchen zu bauen.» Dieselben durften aber keine Glasfenster haben, mußten mit Stroh gedeckt seyn, und dursten nur in weiten Zwischcnräumen errichtet werden. Man nannte sie Scheunekirchen. Aber diese Scheunekirchen waren doch der Heerd katholischer Andacht, und dort entflammte die Kraft des katholischen Glaubens die Gemüther der Unterdrückten mit dem Muthe der Entbehrung und der Standhastigkeit. In diesen Scheunekirchcn, und weil der enge Raum die Gläubigen nicht alle faßte, weit um sie herum, sammelten sich an Sonn- und Feier» tagen zu Tausenden die Gläubigen, und stellten, um den dürftigen Nothaltar versammelt, durch ihre Andacht, durch ihre Glaubenstreue und brüderliche Eintracht ein lebendiges Bild der ersten Christenheit in den Zeiten der Verfolgung und der Drangsal dar; während in den weiten Räumen der den rechtmäßigen Gemeinden geraubten Kirchen der reformirtc Prädicant eine Handvoll Neugläubiger um seine Kanzel versammelte, und den Sturz des Papstthums und den Beginn des wahren Christenthums mit ellenlangen Phrasen pries. Wenn ein katholisches Kind Unterricht genießen wollte, so mußte eS die protestantische Schule besuchen, und der Lehrer benutzte die schickliche Gelegenheit nach Kräften, alles, was Haß und Unwissenheit über den katholischen Glauben vorzubringen, vermochte, den katholischen Schülern und Schülerinnen vorzuhalten. Wollten Katholiken heirathen, so mußten sie sich vom reformirten Prädicanten copuliren lassen, sonst wurde ihre Ehe vom Staate als Concubinat betrachtet. Der resormirte Prädicant ließ eine solche Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen. War sonst auch die Kirche unbesucht und leer, bei den Copulationen von Katholiken war sie überfüllt. Dann mußten die Verlobten in einem abgesonderten Kirchenstuhle Platz nehmen, und mußten nun in Gegenwart einer im höchsten Grade entzückten Menge einen ganzen Regenguß von Verwünschungen und Verhöhnungen des katholischen Glaubens über sich ergehen lassen. Erst wenn dieses geschehen war, wurden sie auS ihrem Nothstall befreit, und der Prädicant nahm die Copulation vor. Die Katholiken wurden von allen Anstellungen ausgeschlossen; nur wenn Einer den Glauben seiner Väter verleugnete, ward er sehr schnell und mit großer Bevorzugung befördert. Daß bei einem solchen fast 200 Jahre lang fortgesetzten Drucke die Zahl der Katholiken abnehmen, und daß bald die Protestanten die Ueberzahl der Bevölkerung bilden mußten, ist leicht erklärlich. Ja, eS wollte gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts fast scheinen, als sollten die Katholiken allmälig ganz und gar unterliegen. (Fortsetzung folgt.) Der alte Heine in Paris. (Oesterr. Volksfreund.) Ueber diesen wohlbekannten deutschen Dichter, der sein großes poetisches Talent durch absichtliche „Verliederlichung" eben so zu Grunde richtete, wir sich selber, berichtet ein anderer deutscher Dichter, ebenfalls ein Apostel deö Unglaubens und des RadicaliSmuS, Alfred Meißner, in seinen „revolutionären Studien auS Paris" uiucr anderm folgendes: „Als Frau Heine mir zuerst von dieser religiösen (grübelnden) Richtung in Heine'S Gemüth erzählte, wollte ich nicht daran glauben. Er sah meine Verwunderung und lächelte wieder schmerzlich wie gewöhnlich. In der That, sagte er, es ist seit einiger Zeit eine religiöse Reaction bei mir eingetreten. Weiß Gott, ob daS mit der Morphins '*), ob mit den Kataplaömen zusammenhängt. ES ist so. Ich glaube wieder an einen persönlichen Gott! Dahin kommt man, wenn man krank ist, todtkrank und gebrochen!" Indem sich Heine gegen seinen jungen Freund dann noch mit politischen Witzen entschuldigt und bittet: „ihm kein Verbrechen daraus zu machen," sagt er zuletzt: „Mein Freund, hören Sie da eine große Wahrheit: Wo die Gesundheit aufhört, wo der gesunde Menschenverstand aufhört und wo daS Geld aufhört, da überall fängt das Christenthum an." Nun wird unser Blatt wohl schwerlich von Anhängern Heine'» gelesen oder beherzigt werden; auch werden unsere Leser hoffentlich an diesem kecken Spotte nur so viel Aergerniß nehmen, als eS derselbe verdient. Allein zwischen diesen Gefühlen von Nichtbeachtung und gerechtem Unwillen drangen sich uns doch unwillkürlich ein paar erfreuliche Betrachtungen auf, die wir nicht verschweigen zu dürfen glauben. Die eine ist die Anwendung der Verse, womit ein weltbekanntes Lied von Heine selber beginnt: „Eö ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu" — nämlich die, daß fast noch jeder sogenannte Freigeist, jeder Spötter, dem Ernste der letzten Stunde gegenüber, mehr ober weniger sein nic-a cul,,a zu beten versucht, ob auch der Fürst der Welt mit allen seinen Hecrschaaren (als da sind Leichtsinn, Spott, Witz, falsche Scham, Gewohnheit, Fröbel- Feuerbach'sche Weltweisheit u. dgl.) dagegen auftrete. Vergebens sucht der hinfällige Altmeister deö Unglaubens seinem Jünger, dem Sänger deS „ZiSka" die eigene religiöse Unistimmung zu verbergen oder zu beschönigen; sie ist eben Thatsache! Er denkt an einen persönlichen Gott, den er früher mit krankhaftem Witze geläugnet, und sein Bekenntniß, wiewohl in kläglichen Scherz verkleidet, gibt, ohne daß er es zu wissen oder zu beabsichtigen scheint, einer andern großen Wahrheit, nämlich jener des Evangeliums die Ehre! Wer kennt nicht die Worte des Gottmcnschen: „Ihr alle, die ihr duldet und mit Mühsal beladen seyd, kommt zu mir und ich will euch erquicken?" AIS er die Bedingungen verkündete, von denen daS Heil abhängt, sprach er: Selig sind die armen im Geiste, d. h. nicht die GeisteSarmcn, sondern die Demüthigen, die er auch die Kleinen nannte. Jeder, der sich um daS redliche Verständniß dieser Worte bemüht hat, wird dann wissen, welche Wahrheit in jenen Worten Heine'S liegt, da ihnen ja nur der Vorder- oder der Nachsatz fehlt. „Wo die Gesundheit aufhört, wo der gesunde Menschenverstand aufhört und wo das Geld aufhört, da überall sängt daS Christenthum an." WaS ist der eigentliche Sinn dieser Worte? Wo die Kraft und Fülle deS animalischen (thierischen) Lebens untergeht, wo der gemeine Weltverstand, der nur das Materielle und Sinnliche versteht, und alles Uebersinnliche verachtet, nichts mehr helfen kann, oder wo Körperkraft und Schlauheit von der dritten Weltmacht: dem Gelde, sich ganz verlassen finden, da tritt die heidnische Gesinnung und der Götzendienst in den Schatten, und der geistige Gedanke beginnt im Gewissen und im Verlangen nach der wahren Religion sich zu regen; weil das Gefühl deS Ver- lassenseynS von den irvischen Oelgötzen die Sehnsucht nach dem wahrhaften unendlichen, und daher persönlichen (wissenden und heiligen) Gotte hervorruft. Wer hingegen die rechte Gesundheit (im Glauben und in der Hoffnung) schon besitzt, wessen Menschenverstand wirklich gesund genug ist, um sowohl Irdisches als UebersinnlicheS zu verstehen, und seines geistig sittlichen Verhältnisses zu Gott und den Menschen sich bewußt zu bleiben; endlich wem das Geld weder daS höchste Gut noch daS höchste Mittel ist, so daß er, ob reich oder dürftig, jedenfalls auf Mäßigkeit und Entsagung sich einzurichten weiß — der findet sich eben schon mitten auf dem Wege deS Christenthums, und braucht nicht erst „anzufangen," sondern hat nur die Warnung zu beachten: „Wer da meint, daß erstehe, der sehe wohl zu, damit er nicht falle," und dann wieder von neuem ansangen müsse. Schlesien. Aus preußisch Schlesien. Am 7. und 8. November waren die Abgeordneten der katholischen Vereine Schlesiens in Neiffe versammelt. ») Morphine oder Morphium, an« dem Opium bereitet, als Mittel zur Milder»»» der Schmerzen; da« Wort ist von dem Namen abgeleitet, womit einst der Gott de» Schlafe« bezeichnet wurde. > - >. i ! t > , L«0 So allgemein der Geist der Ordnung und der Treue für das angestammte Herrscherhaus sich auSsprach, so aufgeregt war man über die Maaßregeln der ersten Kammer und des CultuSministerS gegen die Kirche. Unter Andern hielt der Graf Bernhard zu Stollberg folgende Rede, die wir (nur etwas abgekürzt) mittheilen: Meine Herren! Die Eingriffe der Staatsgewalten in die kirchliche Freiheit, und ein Ereigniß, welches die Entrüstung aller Katholiken Preußens hervorgerufen hat, veranlaßt mich, einige Worte hier zu sagen: Der Graf Montalembert zieht in seiner jüngst gehaltenen Rede den Abgeordneten Victor Hugo im Ramen seiner Wähler zur Rechenschaft, waS ihn berechtige, das Beklatschen der Linken sich zu erwerben. Ich wünsche, daß Se. Majestät unser König AehnlicheS mit seinem Kultusminister gethan haben möge. Hätte der Herr von Ladenberg, der als eingefleischter, antikatholischer Bureaukrat bekannt ist, als Privatmann, gleich andern Wühlern, unsere Bischöfe geschmäht, so könnten diese sich das zur Ehre rechnen, wir könnten darüber hinweggehen und Herr von Ladenberg möchte daS Bravo der schlechten Seite der Kammer hinnehmen. Ich rede von Wühlern. Ja, meine Herren, seit 40 Jahren und känger hat unsere Bureaukratie gewühlt, namentlich gegen die Kirche, und hat zumal durch die Mittel und BundcSgenosscnschaft, die sie nicht verschmähte, daS Ihrige beigetragen, nm das Sommerhalbjahr 1848 herbeizuführen, von dem jeder Patriot sich mit Ekel und Abscheu hinweggewendet. Dock, meine Herren, ich gehe zur Sache über. Die Denkschrift des Cultusmini. sterS, die daS Gepräge bureaukratischer Perfivie nicht verläugnen kann, hat die bischöfliche Denkschrift hervorgerufen, welche auf dem heiligen, unveräußerlichen und in ganz Deutschland geschichtlich und vertragsmäßig begründeten Rechte der katholischen Völker, auf den Satzungen der Kirche, den Beschlüssen der bischöflichen Versammlung zu Würzburg und der Autorität derer, die sie erlassen haben, begründet ist. Der Herr Minister hat durch seine Erklärung vor der ersten Kammer über diese Denkschrift dem katholischen Episkopate Preußens und Deutschlands, den sieben Millionen Katholiken Preußens und den 25 Millionen Katholiken Deutschlands Hohn gesprochen. Ich habe nie von unseren Kammermajoritäten Gerechtigkeit erwartet. Die größte Despotie ist die der Kopfmehrzahl. ES steht noch sehr dahin, ob wir nicht dem TerroriSmuS, unter dem alle positiven Be- kenntnisse in der Schweiz seufzen, in unserem Vaterlande entgegengehen. Bisher sind wir mit Ruthen geschlagen worden, radicale und doctrinäre Kammern ermöglichen eS den Ministern, uns mit Scorpiouen zu peitschen. Wenn ich daS confesstonelle Volkszahlenverhältniß in Preußen, die Schlaffheit vieler Katholiken und die Intriguen vieler Gegner erwäge, die uns entgegen ihre ekelhaften Begriffe von JesuitiSmuS, UltramontanismuS u. s. w. festzuhalten sich abmühen und, keine Mittel scheuend, uns aus den Wahlen zu entfernen, in ganz katholischen Gegenden hingegen durch die Gutmü- thigkcit der Katholiken die W ollen in ihre Hände zu bringen wissen; so überzeugt mich dieß mehr und mehr, daß nach menschlichen Ansichten in unseren jetzigen Zuständen kein Recht zu hoffen ist. Ich wiederhole es: Von den machthabenden Menschen hoffe ich wenig Recht, ich glaube vielmehr, daß wir aus BöseS gefaßt seyn dürfen; aber es ist unsere Pflicht, unS gegen die Eingriffe zu verwahren und feierlichst Erklärungen abzugeben, wenn wir zeigen, daß wir fest an unsern Bischöfen halten, uns in unsere kirchlichen Verhältnisse in keiner Weise von Außen eingreifen und unser Gewissen nicht durch Gesetze beirren lassen, die unseren kirchlichen Bestimmungen entgegen sind. Halten wir fest zusammen, halten wir fest an unseren Bischöfen und durch sie an der Kirche! Mag der Kampf dann entstehen gegen Radicalistcn, falsche Constitutionalisten, gegen Bureaukra- tisten oder gegen wen immer, tragen wir die über unS verhängten Widerwärtigkeiten, wie eS Christen ziemt; der Sieg bleibt zuletzt unS. Wenn nicht alle Zeichen trügen, so gehen wir einer Zukunft entgegen, wo auch hier die alte und doch ewig junge Braut des Herrn die Fürsten und Völker Europa'S, nachdem sie die Irr- und Drangsale deS AbfalleS durchge- litten haben, zu dem Fuße deS Kreuzes niedergestreckt sehen wird, so der Herr auf den Felsen Petrus gepflanzt hat. Auch ich erlaube mir jenes bedeutungsvolle Wort der erleuchteten Jungfrau in Niedcrborn unS inS Gedächtniß zu rufen, welches sie den Priestern und Gläubigen der Pfalz und als Kind der Kirche, die über die ganze Erde ihre Strahlen wirft, Allen zuruft, die im Kampfe stehen gegen die Macht des Umsturzes und Unglaubens, nämlich das Wort: „Muth! Muth! Muth." 1 Brief des hochseligen Gubregens (spätern Bischofs) Wittmann an einen in der Seelsorge arbeitenden Mitbruder. Gnade und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus dir geliebtester Bruder in Jesu! JesuS sey in uns, und mache uns zu seinen Dienern, und lasse unS alles für Ihn hingeben, und vereinige uns untereinander in Ihm selbst, hier, um mit einander zu beten, zu arbeiten und zu leiden, und dort vor Ihm, um miteinander in Ihm vollkommen und ewig Eins zu seyn. Liebster Bruder! könnten wir nur auch öfter einander sehen, und uns in Christus miteinander besprechen! Hoffentlich wird eS jährlich doch Einmal geschehen, und unterdessen sey die Mittheilung unserer Meditationen eine wechselseitige Offenbarung unserer Gemüther gegeneinander. Sollte eS dem Herrn gefallen, unS näher vielleicht in einer nämlichen Wohnung, oder im gemeinschaftlichen Arbeiten oder Leiden miteinander zu verbinden; so wollen wir dazu bereit seyn, und wollen Gott einstweilen darum bitten. Liebster Bruder! Könntest du einmal mit unS versammelt seyn, wo wir miteinander beten, lesen, reden: ich denke, eS würde dir auch wie mir vorkommen, daß Christus wahrhaftig in Mitte unser sey. ES sind lauter unschulvvolle, von Gott begnadigte, liebcnSwürvigste Brüder. Schreibe uns nur manchmal, aber als Brüder, ohne Titel und Complimente. Und wenn Gott deine Arbeiten segnet, in Fröhlichkeit oder in Thränen (vielleicht ist'S noch besser in Thränen), oder wenn du vorzüglich fromme Seelen kennen lernest: so schreibe uns davon, damit wir uns mit dir im Herrn erfreuen. Meditationen, denke ich, werden wir dir bald schicken. Eben sagt mir der liebe Job, daß er dir unsere Verbindungsart, und die Namen der Brüder noch nicht geschickt habe (ich glaubte, er habe eS schon gethan), er wirv eS aber ganz sicher die nächsten Tage thun. Ich umfange dich Geliebtester im Geiste Jesu: Er erfülle uns mit seinem Geiste. Bete für mich Deinen RegenSburg den 25. Febr. 1803. sündigen Bruder in Christus. Glosse. In einer altberühmtcn Akademie der Wissenschaften war jüngsthin die Rede von der Thatsache: daß während eines RegenS in der Regel eine geringere Wasscrmenge auf die Dächer fällt, als bei gleicher Raumfläche auf den Erdboden oder das Straßenpflaster. Je höher das Haus, desto größer dieser Unterschied. Auf die Frage, wie daS komme? ward erwidert: eS fallen zwar bei gleicher Raumfläche eben so viele Regentropfen auf daS Dach, als auf die Erde, allein die Tropfen, welche die Erde erreichen, vergrößern sich auf ihrem länger» Wege, indem sie von den Dämpfen der feuchten Luft profitiren, die sie an .sich ziehen oder einschicken und verdichten. Somit wäre die Sache erklärt. Allein damit ist eS doch nicht abgethan; denn andere Leute behaupten, daß eS dabei auf die Jahreszeit ankomme, und daß man nicht allein die Anziehung der Dünste von Seile der fallenden Tropfen, sondern umgekehrt auch die Verdünstung der letzteren in Rechnung bringen müsse, die in der heißen Jahreszeit so groß sey, daß eine größere Waff^mafse auf die Dächer fallen könne, als auf die Erde, wovon man ebenfalls Erempel hat. Man will daraus erklären, warum die Soldaten bei heftigen Regengüssen zu den großen Feuern ihrer Bivouak'S sich stückten, wo der aufsteigende heiße Luftstrom durch die Verdünstung, die er bewirkt, ihnen anstatt eines Regenschirmes dient. Solcher Widersprüche gibt es gar viele in der Welt, weil, wie eine geistvolle Frau bemerkt hat, alles was geschieht, mehr als eine Ursache hat, und wir meistens nur Eine wissen. Die Leute unten auf der Straße blicken neidisch zu denjenigen empor, die auf dem Altan oder Dache stehen; sie meinen: die dort oben bekommen den Regen und Segen von der ersten Hand, und viel reichlicher als wir, zu denen nur spärliche Tropfen gelangen. Allein, wenn alles genau erwogen, und Einnahme mit Ausgabe verglichen wird, ist der Mittelstand, der nicht hoch hinaus will, besser und sicherer versorgt, als die Wenigen in der Höhe, eS sey dann, daß aller Regen verdampft, und aller Erwerb der Bürger verschwindet, weil der Boden unter ihren Füßen brennt; und wehe den Völkern, die einen solchen Brand anzünden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber; F. C. Kremer.