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Sie waren alle wohl und gingen voll Vertrauen und freudigen Muthes ihrer Bestimmung entgegen, obwohl ihnen längs deS Ohio und Missisippi die Cholera überall den Weg zu verlegen suchte. Der hochwürdigste Bischof von Dubugne erwies ihnen die Gnave, daß sie unter seinem Geleite bis St. LouiS reisen durften. Ihren Brief erhielt ich erst zu Hause, weil sie ihn von Nerv-Volk auö an mich geschickt hatten. Ich sehe daraus, daß Sie und noch mehrere Ihrer Freunde gesinnt seyen, Benebictiner zu werden, und einst hier an meiner und meiner Mit- brüder Seite für die heilige Kirche zu wirken. DaS freut mich ungemein, und wird auch Sie nie gereuen, wenn der Wille zur That wird. ES freut mich ungemein, sage ich. Meine Misston schien Anfangs vielen, auch meinen besten Freunden, etwas abenteuerliches; und wenn sie die Schwierigkeit der Sache selbst und mehr noch meine Persönlichkeit sich betrachteten, so mußten sie fast zu einer solchen Ansicht kommen. Ich kannte beide so gnt und bester, als Andere; ich sah aber darüber hinweg auf die Bedürfnisse der amerikanischen Kirche und die unendliche Güte Gottes, der in den Schwachen stark ist, und folgte, meiner redlichen Absicht eben so bewußt, als anderseits meiner Unwürdigkeit und Unfähigkeit, dem innern Dränge, und fand wohl die Schwierigkeiten, die mir begegnen mußten, aber bisher allzeit auch, durch eine wunderbare Fügung der göttlichen Vorsehung, die nothwendigen Mittel, sie zu überwinden und zu beseitigen, und ehe noch 3 Jahre verflossen, konnte ich schon 3 Niederlassungen unseres Ordens hier zu Lande begründen, die mit der Zeit von unge. meiner Wichtigkeit für die amerikanische Kirche werden müssen, wenn Gottes Segen ferner auf ihnen und der Geist deS heiligen Beneblet in ihnen waltet. Ihr Brief bestärkt mich in dieser Hoffnung, weil er eine Zunahme deS OrdenSpersonaleS an Zahl und Kraft und gutem Geiste in Aussieht stellt — und deßwegen, sagte ich, freut er mich ungemein. ES wird auch Sie nie gereuen, hier zu wirken und zwar als Bene- dictiner: Hier entscheidet sich das Schicksal der Welt und die Geschicke der , Kirche Gottes, und zwar schnelle. In Jahrzehnten wird da gethan, waS draußen in Jahrhunderten nicht geschah. Die ganze christliche Kirchenge- schichte, glaube ich, wir» sich in einem Jahrhunderte Lurch alle Phasen wiederholen, wenn auch in einer neuen Auflage, weil unter ganz neuen Verhältnissen: wir gewinnen oder verspielen Alles, je nachdem wir zur rechten Zeit, oder zu spät auf dem Kampfplätze erscheinen. Wie Deutsch land nichts von Amerika erhielt, weil eS zur Zeit der Entdeckung und Besetzung keine Colonisten sandte, so würde die Kirche ausgeschlossen oder im Keime erstickt, wenn sie keine Missionäre schickte, oder nicht Anstalt macht, daß die hier wirkenden immer ersetzt, vermehrt und allen Feinden gewachsen seyen. Nur wer keine Augen hat, oder damit nicht sehen will, kann dieß verkennen. Also Priester, brave, tüchtige Priester sind hier nothwendig — und sie sind nicht hier! Wohl sind ihrer ziemlich viele; aber die hier gebildeten sind meistens sehr mangelhaft gebildet, auS Mangel an Bil- dungSanstalten; und der andern sind wenige, und alle zusammen sind weit, weit zu wenige. Tausende von Alten gehen jährlich an die Sccten „nv mehr noch an die Freimaurer verloren; und ln noch größerer Gefahr suhl die Jugend! ES ist ein entsetzliches Foclum, daß bisher die katholisch, Religion selten im dritten Gliede noch in der Familie forterbt, und man berechnet 6,000,000 Apostalenü Trotz der ungeheueren Einwanderungen zählen wir nicht viel über 1,000,000, weil die Jugend immer verlor, n geht. Das ist zwar schlimmer noch unter den Irischen; aber schlimm genug auch unier den Deutschen. Und die Ursache ist nur der Mangel an Priestern; leicht könnten wir im entgegengesetzten Falle eben so vi.le Eonvertiien haben. Wer soll also nicht wünschen, hier als Priester zu wirken, wenn er so viele Verluste verhindern, so viele Eroberungen hoffen kann? Aber als Priester — allein, verlassen, ein aufgegebener Posten — waS kann er viel thun? Er kann wirken für die Seel n; was kann er aber wirken für die Priester, daß Priester nicht fehlen, laß sie sich mehren? Auf Tagreisc» weit hat er selbst keine» Priester, den er berathen, dem er beichten, bei dem er Trost und Aufmunterung sud en könnte! AIS Welipriester ist er in Gefahr, in der größten Gefahr, selbst zu verweltlichen, weil gänzlich dem Einflüsse der Well bloßgestcUt. Wissen doch selbst die Bischöfe nicht, wa« zu thun, um einen frischen Nachwill! S an Geistlichen zu bekommen: haben entweder feine Seminarien, oder keine Professoren', oder keine Zöglinge, oder überall zu wenig! Da müssen die geistlichen Orden tnS Mittel treten. Sie waren es allzeit, die Bekehrungen im Großen gemacht und erhalten haben. Fi r unsere Deutschen in den Städten sind eS auch vorzüglich die Redemptv- risten, die sich unschätzbare Verdienste erworben und erwerben. Aber auch sie können nichts thun für Heranbildung eines jungen Klerus — eö ist gegen ihre Ordensregeln; sie haben eS versucht — ohne Erfolg — und ein- für allemal aufgegeben. Sie nehmen nur Philosophen und Theologen an. Jesuiten erziehen vorzüglich nur für die hohe Welt; Lazaristen haben im Dienste der Bischöfe deren höhere Seminarien. Für Deutsche besteht gar nichts, gar nichts, und sie sind '/, oder ^ aller Katholiken! Hört das, ihr deutschen Jünglinge, ihr deutschen Theologen und Priester! unsere deutschen LantSIeule haben hier keine deutschen Priester, oder nur sehr wenige, und unsere deutschen Knaben, die Priester werden wollten, keine einzige Anstalt, wo sie studiern könnten, wo sie zu Priestern gebildet werden könnten, um ihre deutschen Brüder und Sckwe» stern im katholischen Glauben zu erhalten! Doch nein — sie haben eine, jetzt nur eine einzige, aber eine solche, worin auch der Arme, der ganz Arme, der nicht einmal Bücher und Kleiber mitbringen kann, zum Priester gebildet werden kann, und diese ist in St. Vincenz, wo 5 Bcnedictinev Priester und 36 Benedictiner- Brüder mit dem Schweiße ihrer Hände ein Seminar eröffnet haben, in dem Heuer 13 Knaben Unterricht und Unterhalt fanden, nachdem sie mit den Kreuzern, welche bayerische HauSväter und Dienstboten zum MissionS- verein beigesteuert, ein armes Klöstcrlcin erbaut und eingerichtet hatten! DaS ist daS erste und einzige deutsche und zugleich daS erste und einzige katholische Knabenscminar für katholische Priester in der neuen Welt, und Benebictiner sind eS, die eS eröffnet, die eS leiten, die eS mit GotteS Hilfe zu einem großen Kollegium, zur Metropole vieler ähnlicher Institute machen werden. Wer sollte nicht gerne ein Benebictiner werden, wäre eS auch nur, um an einer so nothwendigen Anstalt mitzuarbeiten? In welchem Vergleiche kann das Wirken, auch des gesegnetsten Missionärs stehen zu dem Wirken eines Lehrers an einer solchen Anstalt, auS der einstens Hirten für Tausende von sonst Verlornen, weil zerstreuten und hirtenlosen Schafen hervorgehen werden! 1 ^ 'V ') Neue Sion. 202 Hiermit, mein lieber junger Freund! habe lch Ihnen zugleich „die Wege gezeichnet, die Sie einstens im Lanve Ihrer Hoffnungen zu betreten haben." Unser Orden hat die Aufgabe: der amerikanischen unv zunächst zwar, aber nicht ausschließlich, der deutschen Kirche in Amerika (weil die Kathöli'cilät keinen Sprachunterschied kennet) zu dienen in der Verwendung für Erziehung armer Knaben, die Priester werden wollen und können, zum Priesterstanoc. Seelsorgc treiben wir auch nebenher, oder, nach Zeit und Umständen, auch als Hauptsache, an Plätzen nämlich, wo wir für unsere Hauptbestimmung nicht wirken können: aber vorzügliche Rücksicht muß immer der Priesterbildung getragen werden. ES versteht sich von selbst, daß wir, da wir als Benediciiner das leisten wollen, daS Benedictinerleben zur höchsten Aufgabe haben, und Erziehung und Seelsorge nur von der Wirksamkeit nach Außen zu verstehen sind. . . ^ Ein solches Wirken ist unserem Orden nicht fremd: biö uiS I3le Jahrhundert waren die Bcnedictiner Missionäre, und alle ihre Klöster Akademien: und so lange sie es waren, blühten sie; als sie aufhörten, es zu seyn, verloren sie ihre Bedeutung, Glanz und Zucht. Es ist nicht nur historisch unrichtig, den BenedicUnern als solchen, d. h. dem Orden die Befähigung und den Beruf zu solchem Wirken absprechen zu wollen, sondern eS ist dieß vielmehr dem Orden so angemessen, daß gegenwärtig nur er das leisten kann. Freilich brauchen wir dazu tüchtige Leute, aber doch weniger Gelehrte, als gute Bcnedictiner. ES wird daher gewiß sehr erwünscht seyn, wenn Sie und Ihre Freunde einst als gut gebildete Theologen zu uns herüber kommen; eS würde aber nicht minder erwünscht seyn, wenn Sie jetzt schen des katholischen Glaubens in diesen Gegenden gefürchtet werden. Da brachen die Zeiten der französischen Revolution an, welche auch die niederländische Republik erschütterte, und die Lage der Katholiken wesentlich veränderte. Im Jahre 1094 drangen die französischen Revolutionöheere biö zur nieveren MaaS vor, und besetzten Limburg und Nordbrabant. Sie nahmen in diesen Gegenden die den Katholiken geraubten Kirchen den Protestanten wieder ab, und gaben sie den rechtmäßigen Gemeinden zurück. In dieser Zeit kam auch die herrliche Hauptkirche zu Herzogenbusch wieder rn den Besitz der Katholiken. Daß die prächtige Haupikuche zu Lreca nicht wieder m Besitz genommen wurde, lag an dir Zaghaftigkeit der katholischen Gemeinde, welche Bedenken trug, eine K.rche, deren Vermögen durch schlechte Verwaltung der Protestanten zu Grunde gegangen, unv die außerdem noch mit bedeutenden Schulden belastet war, zu übernehmen. Jetzt besitzt mitten im katholischen Lande die winzige protestantische Gemeinde noch immer diesen prachtvollen Tempel, mit seinem mächtigen Thurme. Die Marmorgräber drinnen sind zerschlagen, später aber die Stucke wieder zusammengelegt, und daS Innere der Kirche ist durch geschmacklose Emporklrchen uno Gerüste gräulich entstellt. Als die Franzosen auch daö eigentliche Holland eroberten, konnten sie hier nicht in derselben Weise verfahren, wie ui Nordbrabant und Limburg, weil die große Mehrzahl der Bevölkerung daselbst protestantisch war. Auch hatten dieselben wedcx Zeit noch religiöses Interesse genug, um mit Kraft in die inneren Verhältnisse deS Lanreö zur Verbesserung der Lage der Katholiken einzugreifen. Die alten katholischen Kirchen blieben in den Händen der Protestanten, und die Zustände blieben für'S Erste im Allgemeinen dieselben schon hier wären, und, weil voll guten Willens und guten Geistes, gleich ävic vor der Occupation. Doch hörte der gesetzliche Druck auf, allmälig am inneren KIvsterbau thätig mitwirkten, durch Ihren Eifer den Eifer der-Pelanglen auch Katholiken zu Ansehen und Aemtern, und der so lange hiesigen Novizen belebten, stärkten, förderte». Auch lernt man Amerika niedergedrückte Geist der kaiholischen Bevölkerung athmete wieder freier auf. nur in Amerika kennen. Englisch lernt sich leicht. Daö Klima ist ziemlich!Eiuschieocn besser wurde es mit dem Jahre 1800, wo die sogenannte bata- wie daS bayerische. Der Tisch überall besser, alö in Deutschland gewöhn-> tusche Republik aufgehoben, und statt deren das Königreich Holland errich- lich nur bei unS schlechter, weil eS der Regel gemäß und eine Forderung tet wurde. Der erste König war Ludwig, Napoleons Bruder, ein Mann der natürlichen Armuth ist. Reiten muß jeccr Priester lernen — und eSivon milder, edler Gesinnung, dessen Andenken noch jetzt in Holland in ist keine Kunst. Bier hat man nur in großen Städten — man vergißt! dankbarer Erinnerung fortlebt. Jetzt war sogar der Hof katholisch, und eS leicht. Wir stehen ^4 Uhr Morgens auf und gehen um 9 Uhr Abends! wenn gleich die Katholiken nichts weniger als bevorzugt wurden, so erhol- zu Bette, nehmen kein Frühstück, um 11 Uhr ein frugales Mahl, aber ttn sie sich doch sichtbar von dem lange über sie verhängten, beispiellosen .zenug für den Hunger. Sonntag, Montag, Dienstag, Donnerstag essen wir Fleisch, die andern Tage Mehlspeisen; Abenvö (0 Uhr) tägllch Mehl Drucke. An vielen Orten, besonders in Oberysscl an der westfälischen Gränze, wo die Mehrzahl der Bewohner im katholischen Glauben erhalten ipcisen, außer an Sonn nnd Festtagen. Priester außer dem Kloster auf worden ävar, wurden ihnen manche früher gewaltsam entrissene Kirchen Reisen oder Mission hallen nur die Kirchenfasten. In der Fasten essen vir nur an Sonntagen Fleisch, auch die Laien sind Lurch daö Kir theilte bot an Abstinenz gebunden die ganze erste und letzte Fastenwoche und -.lle Mittwoche, Freitage und Samstage, und halten eS pünktlich. Den Ehor beten wir um 4, 0, 9, 12, 3, 7'/2 Uhr. Wenn eS noth thut, müssen auch die Studenten zuweilen den Brüdern in der Arbeit helfen und thun eS gern. Musik wird fleißig geübt. Alle sind gesund und sehen gut anS. DaS Gebäude, worin wir wohnen, kann 100 Mann zur Noth fasse»; eS wird in zwei Monaten fertig seyn. In Carrolstown (55 Meilen von hier) sind 2 Priester und 3 Brüter; und in Newark, 9 Meilen von New Merk, sind 2 mit 1 Bruder. Letzteres eignet sich besonders zu einem wiedergegeben. An andern Orten, wo solches nicht thunlich war, wurde der Neubau katholischer Kirchen gestattet, auch wohl manchmal vvm Staate selbst unterstützt. Von dieser Zeit begann wieder ein allmäligeS Steigen der katholischen Bevölkerung der Niederlande, LaS im beschleunigten Verhältnisse zunahm und zuletzt die Zahl der Katholiken auf ein Drittel der Gesammteiuwohner des Landes brachte. Aber zu früh wurde der König Ludwig dem Lande entrissen. Napoleon hob 18 lO das Königreich Holland auf, unv verleibte daö ganze Gebiet dem französischen Reiche ein. Sehr zu bedauern ist es, daß unter der Regierung Ludwigs keine Sorge dafür getragen wor, daß die kirchlichen Verhältnisse im Einverständnisse mit dem apostolischen Stuhle Institute. Unsere Gegend ist sehr schön und gut cultivirt. Obst mehr,! geordnet, und daß Bischofssitze errichtet wurden. Als daher 1813 die als in den besten Gegenden Deutschlands; aber kein Wein. In 3 Coun-! französische Macht gebrochen, und daö HauS Oranien - Nassau auf den kieö stehen die Deutichen unter unserer Seelsorge — Westmoreland, In-! niederländischen Thron erhoben wurde, schwebten die Katholiken in Gefahr, riana, Cambria; auch Gränzbezirle anderer. DaS sind in Kürze unsere nur als eine geduldete ReligionSpartei in daS Verhältniß alter Abhängig- Verhältnisse. Die Protestanten ehren uns, manche schmähen u»S auch, keil zurückversetzt zu werden. aber Niemand hindert oder beschädiget unS. Kommen Sie bald, dann Man betrachtete protestantischer SeitS Belgien als eine gute Beute, schen Sie'S besser. Gute Gedanken schnell ausgeführt! Doch wie Gott will! als ein Land, LaS durch seine Vereinigung mit Holland protestantisirt werden sollte, und dachte nicht im Entferntesten daran, daß auS einer Verbindung mit einem ganz katholischen Lande auch den holländischen Katholiken eine Kräftigung und Erleichterung ihrer Lage erwachsen müsse. Aber ^die Katholiken in Holland begriffen nicht ihre Stellung. Statt den Belgiern die Hand zu reichen, und, mit ihnen verbunden zu einer Seelenzahl gon 5 Millionen erwachsen, sich ohne Revolution im Staate eine freie, ehrenvolle Stellung zu erringen, verharrten sie in ihrer Apathie. Belgien .dagegen ging, waS freilich bei einer solchen Behandlung durch Holland Wie groß noch nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Zahl > selbst wohl zu erklären ist, den Weg der Revolution. Durch die Tren- Beruf fordert Aufopferung, und diese ist Liebe! Ihr F. Bonifaz Wimmer. Die Stellung der Katholiken in Holland. (Schluß.) der Katholiken in den Niederlanden war, läßt sich nicht genau angeben, da die Zählungen der Bevölkerung damals überhaupt noch so unvollkommen waren, und außerdem mit großer Parteilichkeit geschahen. Gewöhnlich gibt man ein Fünftel der Gesammtbevölkerung als katholisch an; vielleicht mag ihre Zahl doch wohl nahezu ein Viertel betragen haben. Auf nung BelgienS sind die Katholiken in Holland wieder auf sich selbst angewiesen, und dem Drucke einer protestantischen Ueberzahl preisgegeben. Zwar hat man ihnen seit dem Jahre 1830 nach und nach einige Brocken hingeworfen. Man bat in Nordbrabant einigen Klöstern die Aufnahme von Novizen gestattet, während in den übrigen Provinzen keine Klöster geduldet jeden Fall aber hatte durch einen anderthalbhundert Jahre lang sortgesetz-! werden. Man hat in Nordbrabant und Limburg apostolische Vicare teil Druck die katholische Bevölkerung beständig abgenommen, und ohne ^ ernannt, während in allen Hauptprovinzen kein Bischof und kein apostoli« eine besondere Hilfe der göttlichen Vorsehung mußte ein allmäligeS Erlv-j scher Vicar fungiren kann. Man gestattet ihnen, ihre Kirchen auszubauen, 203 und zwingt sie nicht mehr, ihre Versammlungsorte! zu verstecken. Aber, das Alles macht wenig aus, so lange das Wesentlichste fehlt. Holland ^ muß Bischöfe haben. Ohne Bischöfe gedeiht kein kräftiges, den Verhältnissen der Zeit gewachsenes Priesterthum; ohne Bischöfe ist rie Kirche voift Holland verwaiset, sie ist nicht eingewurzelt in den vaterländischen Boden. Die Kirche muß in Holland die Schulen wieder haben. Einige Knaben seminare und Seminaranstalten reichen nicht hin, den Betüisnifsen und Rechten der Kirche zu genüge». Die Niederlande besitzen 3 Universitäten; Wenigstens Eine muß katholisch werden. Die öffentliche» Gymnasien und Athenäen sind alle protestantisch, und werden doch vom Gelde dcS CtaatcS, also auch großen Theiles von dem Gelde der Katholiken unterhalten, das muß aufhören; 2 Fünftel der öffentlichen Anstalten müssen einen katholischen Charakter bekommen. Die Volksschule ist der Kirche entrissen, und ist wesentlich in den Händen der Protestanten. Wenn man sagt, die Schulen in Holland sind überhaupt nicht konfessionell, es wird auf das religiöse Bekenntniß des LehrerS gar keine Rücksicht genommen, so ist damit das, waS wir sagen wollten, nur bestätigt. WaS keine konfessionelle Farbe hat, ist eben dadurch schon der katholischen Kirche feindlich. Zudem hat man in Holland die Cvnfessionöschulen nur deßhalb aufgehoben, um die unabweisbaren Ansprüche der vielen ganz katholischen Gemeinden vereiteln zu können. Unter dem Vorwande, auf die Confesston dürft nicht gesehen werden, setzt man protestantische Lehrer in ganz katholische Gemeinden. Die Kirche muß ferner das freie AffociationS- und CorporationSrechl haben. Mit der vom Staate gegebenen Erlaubniß, in einigen Klöstern Novizen aufnehmen zu können, ist der Kirche wenig geholfen. Dann muß ferner die gränzenlose Parteilichkeit bei der Anstellung der Beamten aufhören. Die holländischen Zeitungen haben im vorigen Jahre die Listen aller niederländischen Beamten, hoher und niederer, mitgetheilt, und die Welt hat gestaunt. Ein solches Mißverhältniß ist mehr als Ungerechtigkeit; es ist eine wahre Verhöhnung, und die Katholiken in Holland müßten wahrlich keine Manneskraft und kein Ehrgefühl besitzen, wenn sie länger mit einer solchen Stellung sich begnügen wollten. Seit den Jahren 1806—10 gewahrte man, wie bemerkt, ein all- mäligeS Steigen der katholischen Bevölkerung, daS immer sichtbarer zunahm und bis auf den heutigen Tag beständig fortdauert. Dadurch ist das außerordentliche Mißverhältniß, welches 1750 — 80 zwischen beiden RcligioiiSparteicn stattfand, so ziemlich wieder ausgeglichen, und es läßt sich der Zeitpunct voraussehen, wo völlige Gleichheit eintreten wird. Man hat im AuSIande, wo man gewohnt war, die ganze Masse der Bevölkerung für protestantisch zu halten, gestaunt, als die ersten Zähluugen der einzelnen Provinzen veröffentlicht wurden. Nordbrabant und Limburg, die beiden südlichsten Provinzen, sind vorherrschend katholisch. -Die Protestanten machen in der einen den achten oder neunten, in der andern etwa den zwanzigsten Theil der Bevölkerung auS. In den mittleren Provinzen übersteigt die Zahl der Katholiken ein Drittel der Gesammibevötkerung und beträgt in Geltcrland und Utrecht zwei Fünstheile. Selbst in dem Herzen deö niederländischen Königreiches, in Nord- und Südholland, ist ein großer Theil der Stammbevölkerung katholisch und beläuft sich aus 300,000 Seelen. Rund um Leyden und um den Haag gibt es große Dorfsckasten, in denen nur vereinzelte Protestanten wohnen. In der Provinz Zeeland ist die Intoleranz und der Druck gegen die Katholiken wohl stäiker als irgend wo getrieben worden, und man hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, daö Auskommen von Gemeinden zu verhindern. Dennoch hat sich die Zahl der Katholiken vermehrt und ist durch die Verbindung mit Distrikten aus der flantern'schen Seite zu -40—50 000 Seelen gestiegen, so daß die Provinz heut zu Tage beinahe zum dritten Theile katholisch ist. Die drei nördlichsten Provinzen sind sehr überwiegend protestantisch und sichern dem Protestantismus noch für eine Zeit lang in den Niederlanden ein Uebergewicht. Dennoch kann man eigentlich nur die unbedeutende Provinz Drcnthe (67,000 Einwohner, darunter 5—6000 Katholiken) als protestantisch bezeichnen, während in Vricsland und Groningen die Anzahl der katholischen Gemeinden sehr bedeutend ist. Im Ganzen rechnet man jetzt in dem Königreiche der Niederlande über 1,200,000 Katholiken Wollte man Luremburg, welches freilich keinen Bestandtheil deS Königreiches ausmacht, hinzurechnen, so würde sich eine Zahl von 1,400,000 Katholiken ergeben. Daß bei einem solchen AuSsaugungssysteme die Katholiken noch nicht sammt und sonders an den Bettelstab gebracht sind, ist in dcr That zu verwundern. Andererseits aber flößt eS uns eine hohe Achtung vor der Gewissenhaftigkeit und GlaubenStreue der Katholiken ein, wenn wir sehen, daß sie so unerschütterlich an ihrer Religion festhalten, obwohl katholische Familien keine Hoffnung haben, daß ihre Söhne je zu einer StaatSanstel- lung gelangen. Die Katholiken haben aber recht daran gethan, daß sie sich endlich erhoben und ermannt haben. Sie haben gut gethan, daß sie den Druck, dem sie unterworfen sind, zur Kenntniß der civtlisirten Europa'S gebracht haben. Selbst in der Türkei besteht heut zu Tage nicht mehr ein solches System der Bedrückung gegen die Christen. Wenn auch nicht menschliches Gefühl, wenn auch nicht Christenthum und Toleranz die Regierung antreibt, von ihrem bisherigen Systeme abzulassen, so wird doch daS Schamgefühl sie zwingen, eine» andern Weg einzuschlagen. Mögen die Katholiken und ihre Vertreter in den Kammern ununterbrochen fortfahren mit ihre» Veröffentlichungen. Mögen sie ihren katholischen Brüdern im AuSlande die genauesten Details über die dortigen Zustände geben. Mögen sie aber auch von dem VcrcinSrechte, so sehr man eS ihnen auch verkümmern mag, den ausgedehntesten Gebrauch machen. Möge ein gemeinsamer Sinn sie alle durchkringen. Wo 1,200,000 Katholiken im vereinten Schrei deS Unwillens ihr gutes Recht fordern, wer wird eS wagen, eS ihnen noch lange zu verweigern? Vor Allem aber mögen sie sich enge zusammenschließen mit den Katholiken in Deutschland. In Deutschland wird der Kampf für die Freiheit der Kirche ausgefochten werden. Ein cngcr Anschluß an Deutschland wird den Katholiken in Holland eine große moralische Kraft verleihen, so wie die Trennung von Deutschland sie schwach gemacht, und sie der Knechtschaft überantwortet hat. Blumen au- den, Schriftgarten des heiligen Vernarbn-. (Fortsetzung.) 104. Himmelfahrt Christi. Da unser Herr JesuS Christus unS lchrcn wollte, wie wir in den Himmel auffahren sollen, lbat er selbst, waS er lehrte, und fuhr in den Himmel. Und weil er nicht auffahren konnte, wenn er nicht zuerst herab stieg: daö Herabsteigen aber oder das Auffahren die Einfachheit seiner Gottheit nicht gestattete, die nicht vermindert, nicht vermehrt oder verändert werden kann: nahm er in der Einigkeit seiner Person unsere Natur an, d. i., die menschliche, um hcrabzusteigcn und aufzufahren, und unS den Weg zu zeigen, auf dem auch wir auffahren sollten. Bleibend also-, waS er seiner Natur nach war, stieg er herab und fuhr hinauf wegen unS, indem er in unserer Natur „mächtig fortwirkte von einem Ende zum andern, und alles lieblich anordnete." Er stieg so weit herab, daß es sich nicht weiter herabznstcigcn geziemte, er fuhr so hoch auf, daß er nicht mehr höher konnte, und sein Herabsteigen bewirkte er mächtig, weil er die „Kraft" war: sein Hinauffahren ordnete er lieblich an, weil er die „Weisheit" war. ES gibt aber Stufen im Herabsteigen und Stufen im Auffahren. Im Herabsteigen ist die erste Stufe vom hohen Himmel bis zum Fleische, die zweite bis zum Kreuze, die dritte bis zum Tode. Siehe, wie tief er hinabstieg! Wir haben jetzt daS Herabsteigen gesehen, wollen wir auch daS Auffahren betrachten! Die erste Stufe desselben ist die Herrlichkeit der Auferstehung, die zweite die Gewalt deS RichteramteS, die dritte das Sitzen zur Rechten des Vaters. Vom Tode verdiente er die Auferstehung, vom Kreuze die Macht deS Richters, damit, weil er zu jenem ungerecht vcrurtheilt worden war, er von diesem daS gerechte Strafamt erhielte. Die Knechtsgestalt aber, d. t., daö Fleisch, in dem er gelitten hat, weckte er auf und erhob eS über alle Himmel, über alle Chöre dcr Engel bis zur Rechten des Vaters. WaS ist lieblicher, als diese Anordnung, wo der Tod verschlungen wird im Siege? wo die Schmach des Kreuzes verwandelt wird in Ruhm, wo sogar die Niedrigkeit dcS Fleisches von dieser Welt hinübcrgehl zum Vater. Nichts Höheres und Ehrenvolleres kann ausgesprochen oder auSgedacht werden, als diese Auffahrt. So ist der Herr durch daS Geheimniß seiner Menschwerdung herab und hinauf gestiegen, und hat unS ein Beispiel hinter lassen, damit wir seinen Fuß stapfen nachfolgen. Steigen wir herab auf den Weg der Demuth, und eS werde unS die erste Stufe zu derselben gelegt, d. i., dcr erste Schritt dazu: nicht herrschen wollen; der zweite: unterworfen seyn wollen; der dritte: in der Unterwerfung selbst alle zugefügten Unbilden gleichmüthig erdulden. Der Satan und der Mensch wollten beide verkehrt aufwärts steigen: dieser zur Erkenntniß, jener zur Macht, beide zum Stolze. Nicht so sollen wir auffahren wollen. Der erste Schritt beim Aufsteigen ist die Schuld losigkeit der Handlung, der zweite die Reinigkeit deS Herzens, der dritte die Frucht der Erbauung. Dieselben Stufen finden wir auf wundersame Weise in den obern Graden deS HerabstcigenS. Dort nämlich war der dritte Grad die Ertragung der Unbilden. Sie ist eS, welche den Lohn dieser Aufsteigung prüft, nämlich die Unschuld der Handlung. Dort war der zweite Grad die Geduld der Unterwerfung, und sie bewirkt die Reinigkeit deS Herzens, welche ist die zweite Stufe in der Auffahrt. Dazu haben wir als Lehrer die Vorgesetzten, damit wir daS Herz reinigen. Dort ist endlich der dritte Grad die Verachtung der Herrschaft, hier ist er die dritte Stufe die Frucht der Erbauung. Wer aber kein Verlangen zu herrschen hat, der steht mit Frucht den übrjgen zu Belehrenden vor. Wir behaupten, eS gebe vier Stufen der Himmelfahrt. Die erste geht zum Herzen, die zweite ist im Herzen, die dritte geht vom Herzen und die vierte über das Herz hinaus. Auf der ersten wird der Herr gefürchtet, auf der zweiten als Rath geber gehört, auf der dritten als Bräutigam verlangt, auf der vierten als Gott geschaut. 105. Himmelfahrt Maria. Die Menschen bewundern Maria, daß sie von der Erde zum Himmel aufgenommen wurde. Sie sollen vielmehr den armen Christus bewundern, dir aus der Fülle der himmlischen Herrlichkeit Herabstieg. Denn cS scheint eine weit größere Bewunderung zu verdienen, daß der Sohn Gott unter die Engel erniedrigt wurde, als daß die Mutter Gottes über die Engel erhöht wurde. 106. Hingabe an Gott. Lerne, o Christ, von CristuS, wie du Christen lieben sollst. Lerne lieben süß, lieben klug, lieben tapfer. Süß, damit wir nicht verlockt, klug, damit wir nicht getäuscht, tapfer, damit wir nicht unterjocht und von der Liebe des Herrn abwendig gemacht werken. Damit du von der Eitelkeit der Welt oder von den Lüsten deS Fleisches nicht verführt werdest, sey dir vor diesen süß die Weisheit Christi. Damit du nicht vom Wege abkommst durch den Geist der Lüge und deS Irrthums, leuchte dir die Wahrheit Christi. Und damit du durch Widerwärtigkeiten nicht ermüdet werdest, stärke dich die „Kraft GotteS," Christus. Deinen Eifer entzünde die Liebe, unterweise die Wissenschaft, stärke die Standhästig keit. Er sey feurig, er sey umsichtig, er sey unbesiegt. Er habe keine Laut gleit, er wisse zu unterscheiden, er kenne keine Furcht. Angenehm und süß sey deiner Zuneigung der Herr Jesus gegen die bösartigen jüßcn Reize des fleischlichen Lebens, und eine Süßigkeit überwinde die ankere, wie ein Nagel den andern treibt. Auch tapfer und standhaft sey deine Liebe, und sie weiche keiner Furcht, und unterliege keiner Anstrengung. Lasset unS also zärtlich, klug und stark lieben! Gott ist die Weisheit, und er will nicht nur zärtlich, sondern auch weise geliebt werden. Denn wenn du die Weisheit vernachlässigest, wird der Geist deS Irrthums gar leicht über deinen Eifer spalten können. Wahrhaft und eigentlich gehört allein der Seele jene Liebe zu, mit der sie etwas geistig liebt, z. B. Gott, Engel, Seelen; aber sie muß auch lieben die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Frömmigkeit, die Weis heit und andere Tugenden der Art. Denn wenn sie etwas nach dem Fleische liebt, oder vielmehr darnach verlangt, z. B. Speise, Kleidung, Herrschaft und anderlei fleischliche oder irdische Dinge, dann verdient sie mehr den Namen „Liebe des Fleisches," als der Seele. Der Beweggrund, Gott zu lieben, ist Gott, das Maaß, ihn zu lieben, ohne Maaß. AuS zweifacher Ursache, sage ich, muß Gott wegen seiner selbst geliebt werden, weil nichts billiger und nichts nützlicher ist, als ihn zu lieben. Denn viel hat er um unS verdient, ja er! hat sich unS ohne unsere Verdienste gegeben. Denn waS konnte er Besseres geben, als sich selbst? Wenn also gefragt wird um daS Verdienst GotteS, so ist eS ein vorzügliches, „weil er unS zuerst geliebt hat." Er verdient also unsere volle Gegenliebe, besonders wenn man bedenkt, wer unS geliebt, welche er geliebt hat, wie sehr er uns geliebt hat. Von einem Ungläubigen darf eS unS nicht so sehr wundern, wenn er Gott weniger liebt, den er auch weniger kennt. Doch auch ein solcher weiß, daß er sich demjenigen ganz schulde, den er als den Urheber seines ganzen DaseyuS erkennt. WaS soll also ich thun, der ich meinen Gott habe nicht nur als den unverdienten Geber meines Lebens, sondern überdieß auch als meinen reichsten Erlöser und ewigen Erhalter? ^ „Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke, Herr, meine Veste, und meine Zuflucht, und mein Erretter, mein Gott, mein Helfer," und endlich mein Alles, waS nur immer wün schenSwerth und liebenswürdig ist, ich will dich lieben nach deiner Eingabe und nach meinem Maaße, daS zwar geringer ist, als cS^seyu sollte, aber doch unter meinem Können nicht zurückbleiben soll. Wenn ich auch dich nicht so viel lieben kann, als ich sollte, so kann ich doch nicht mehr dich lieben, als ich kann. Ich werde dich aber noch mehr lieben können, wenn du dich würdigest, mir mehr Können zu schenken, doch niemals werde ich dick, so lieben können, wie du eS verdienst. Nicht ohne Belohnung wird Gott geliebt, obschon er ohne Rücksicht auf Belohnung geliebt werden soll. Denn die wahre Liebe kann niemals leer seyn. Wahre Liebe ist mit sich selbst zufrieden, und sie hat als Belohnung daS. waS geliebt wird. Denn WaS du immer anders zu lieben scheinst, so liebst du gänzlich daS, wohin daS Ziel der Liebe dringt, nicht durch das es dringt. Wer nicht liebt, dem wird kein Lohn verheißen, dem Liebenden gebührt er, dem Ausharrenden wird er gegeben. Wenn wir Gott lieben, verlangt die Seele keine andere Belohnung außer Gott: wenn sie aber etwas anders verlangt, so ist eS gewiß, daß sie dieses Andere, nicht aber Gott liebt. Durch Schmeicheleien nicht abwendig gemacht, durch Täuschungen nicht verführt, und durch Unbilden nicht muthlos werden, das ist Lieben aus allen Kräften. Umschau. Unter den alten Griechen gab es nicht bloß große Künstler, sondern auch geschickte Wortverdreher oder Sophisten, die alles Unmögliche zu beweisen verstanden. So hat der Meister Chrysippos den Satz aufgestellt: Wenn du von einem Gegenstände redest, so geht dir dieser Gegenstand durch den Mund; wenn du also von einem Schubkarren redest, so geht dir der Schubkarre» durch den Mund." WaS kann klarer seyn? Man lernt daraus die Ursache, warum von denjenigen Dingen, von welchen am meisten gesprochen wird, oft am wenigsten g eschie ht. Sie sind eben durch den Mund gegangen. Und waS soll man, nach dieser Voraussetzung, von der deutschen Einheit halten? ES ist neuerdings von zwei großen Männern wieder geredet worden: Heinrich von Gagern, dem ehemaligen Präsidenten in der Paulskirche, und Professor GervinuS, dem ehemaligen Protektor der Deutschkatholiken. Sie feierten ihre Zusammenkunft am 5. d. in DeideSheim, um mit Ausschluß Oesterreichs den engern Bundcöstaat aufs neue zu besprechen. Sie verzehrten dabei zum Andenken Kaiser Carl's des Großen einen Kalbsbraten, weil dieser des großen Kaisers Lieblingsspeise war. Die böse Welt erzählt: der Braten sey sehr zähe und hart gewesen, und sie hätten ihn kaum hinunter gebracht; allein Gagern, der Mann deS kühnen Griffs, habe seinen Gast ermuntert zu einem küh, nen Schluck, und da sey eS mit Hilfe deS Deidesheimer Rebensaftes gelungen. In der That, da sie eben vom neuen Kaiser redeten, war eS wohl schwer, daß noch ein anderer Gegenstand durch den Mund gehen sollte. Glücklicher und glänzender ist beidcS: Essen und Reden, am 9. Dec. bei dem großen Bankett von Statten gegangen, welches in Paris durch Dupin, den Präsidenten der Nationalversammlung, dem Präsidenten der Republik zu Ehren veranstaltet wurde. Bei dem zweiten Feste, zum Jahrestage seiner Erwählung (10. Dec.) hielt der letztere eine gedrängte und gediegene Rede. Er sagte darin: daß der Sterbliche eine unwiderstehliche Kraft gewinnt, wenn er vor sich ein großes Ziel zu erreichen, und hinter sich eine große Sache zu vertheidigen sieht, nämlich daS Ziel der Befestigung der Religion, Moral und gesunden Politik, so wie die Sache der weisen und heiligen Freiheit, und des Wohlstandes der arbeitenden Classen. Die Rede fand den lebhaftesten Beifall. WaS würde jedoch unser Sophist ChrysippoS dazu sagen? „Wieder eine gute Sache und ein großes Ziel durch den Mund gegangen!" Inzwischen geht eS doch in Frankreich anders als in Deutschland. Dort ists mit dem bloßen Reden nicht abgethan; die Gerechtigkeit wird streng geübt. So ist daS revolutionäre Journal la keuplo („daS Volk") unterdrückt, fünf Redacteure desselben sind in Haft; zwei davon lebenslänglich; Einer von ihnen, Duchöne, war seit 8 Monaten in 12 Processen zusammen zu 29 Jahren Gefängniß und 59,400 Franken Geldbuße verur- theilt worden. In Deutschland wird die Gerechtigkeit mehr und mehr zum bloßen Geschreibe und Gerede. Der Sprachlehrer Grünhagen hatte zur Zeit deS Dresdner KampfeS geäußert: daS HauS Hohenzollern müsse zertrümmert werben, daS Reich Friedrich'S deS Großen werde durch seine elenden Nachfolger, von denen einer dümmer sey, als der andere, in ven Koth getreten. Die Frage an die Geschwornen: ob durch diese Worte die Ehrfurcht gegen daS jetzige Staatsoberhaupt verletzt sey? wurde verneint, und somit der Angeklagte freigesprochen. Das heißt doch wahrlich Kanüle schlucken! Aber ein Sprachlehrer muß eben viel reden, und Reden werden nicht als Thaten betrachtet. (Oest. V.-Fr.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.