Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojhtitung. 8. Januar S. 1854. Dieses Glatt erschetnt r?gelmaßia alle Gonntaae. Der ^ldjähriste Aiivnii.il^nljvrkis 40 kr., wnnir e« durch alle köm'al. baver. Poüümter und alle Nuchhanvluvai'» l,,,on^n v>e,t>en k>,o». Von dem Glücke — Fastenfpeisen zu essen. Ein sauberes G^'ick! wird man aufrufen. Ein Glück, dem Jedermann gern auS dem Wege geht! Wie soll das ein Glück seyn, kräftige Fleischbrühen, sufli e Lendenstücke, Wildpasteten und pikante Ragouts l-nb?rül,it zu l.issen, um mit Küm- melsnppe und Eierspeisen, mit Linsen und „Abschredl" vorlieb z» nehm.»? Ja) vor den edlen Fischen da haben wir schon Respect, aber die kann man zu allen Zeiten „andächtig" genießen. — Ware e5 ein Glück, wird ein Neberkluger einwenden, wie könnte eS denn zugleich ein Verdienst seyn? — Ein Cchrifikundiger wiro sich also vernehmen lassen! Nicht daS, waS in den Mund eiugeht, verunreiniget u. s, w. ES thut mir leid, aber ich kann ungeachtet dieser dem Nainrleben, der L.gik und der Schrift entnommenen weisen Betrachtungen, um welche bei uus in en^en und weiten Kreisen „mit Grazie die Rcdnerlippe spielt" von meinem wunderlichen Terte kein Tüpfelchen ablassen. Ich will damit nicht bl.ß andeuten, raß jeoeS der Pflicht gebrachte Opfer sich selber lohnt: das versteht sich ohnehin; ich bediene mich vielmehr dieser Werte hier in einem specielleren Sinne. Od mit Recht, darüber mögen die Leser urtheilen, die Fastenden und die Nochnichtfastenden. — Im Voi beigehen gesagt, eS wäre interessant zu wissen, wie Viele in die eine und wie Viele m die andere Classe gehören, doch leider schweigt die Statistik über diesen Punct gänzlich. DaS kirchliche Fastengebot ist namentlich in großem Städten einer allgemeinen Mißachtung anheim gesallen. Auf den Speisekarten der Mehizahl der Hotels und Gasthöfe glänzen die Fastenspeisen nur durch ihre — Abwesenheit. (Diese Reoewen- duug gehört ursprünglich dem römischen Geschichtschrnder Tncitus an, der von den Schmansereicn der allen Germanen anch Einiges zn erzählen wußte.) Findet man aber in den wenigsten Wntbshäusern am Freitag Fasten^erichte, wie sollte man sie erst an Quatember- und Vigilientagcn aiurcffeu? Die Köche haben ja so vollanf zu thun; wie könnten sie noch Zeit erübrigen, im Kalender dem fatalen f nachzuspüren? Geht es doch den „Künstlern" vom Fache in vornehmen Häusern, auch bei Hoden und höchsten Staatsbeamlen um kein Haar besser; denn auch sie werden durch „Geschäfts- überbürdung" von derlei Kalenderstudien abschalten! Indessen geschieht es denn doch zuweilen, daß ein „Fremder" F>istensp,isen begehrt. Dann begibt sich in der Regel Folgendes. An dem Tische, wo das unh.im- liche Wort ausgesprochen wird, verbreitet sich eine peinliche Siuumnng, der Faden deS Gesprächs bricht ab, das Lächeln schwinvel, die Stirnen wer'cn ernst, und in den Blicken, d e sich auf den Fremdling richten, würde selbst L.waicr schwerlich eine Spur von Wchlllxllen herausfinden. Der Kellner schaut verdutzt, denkt wohl auch mit Stolz daran, daß er über derlei Thorheiten hinweg sey. Fällt aber das verhängnißvolle Wort aus dem Munde eines Einheimischen, 10 eines sogenannten „Stammgastes", der sich bisher an kein Fastengebot gehalten hat, dann ist das Befremden der überraschten Tischgenossen noch deutlicher wahrzunehmen, nnd eö kleidet sich nach dem Grade der Bildung in verschiedene Formen. Der Thermometer sinkt plötzlich um ein paar Grade, die Behandlung wird kühler, das Gespräch wird an Andere gerichtet, und der Abtrünnige kann sicher seyn, daß man ihn an diesem Tage mit dem Anglimmen der Cigarren verschonen werde. — Hält er beharrlich auö, ohne sich viel in Erörterungen einzulassen, so gibt sich die Sache wohl aumälig; man verzeih! ihm endlich die unbequeme Mahnung, und wenn er sonst Achtung verdient, so wird sie ihm jetzt vielleicht in höherem Maaße zu Theil, versteht sich ganz in der Stille. Lassen Sie uns nun sehen, waS in dem Gemüthe dieses Mannes vorging. Er hat sich viele Jahre hindurch um die katholische Kirche, der er doch äußerlich angehört, gar nicht bekümmert; er stand ihr vielleicht feindselig gegenüber, und würde vormals gegen die Frömmler und Ultramontanen Fr^nt gemacht haben: denn mir den Elementen der modernen Bildung hatte er auch ihren Unglauben cingesogen; ja er würde denjenigen verlacht baben, der ihm eine totale Sinnesänderung in Aussicht gestellt hätte. — Und dennoch — auch für ihn ist der Tag des Heils gekommen! Die göttliche Gnade hat einen Funken in sein Herz geworfen, und diesen Funken, er hat ihn nicht gleich, wie leider so Viele zu thun pflegen, störrisch hinauögeschleu- dert. Eigene und sremoe Schicksale, Leiden, Umgang und Beispiel, Nachdenken und Sludien haben diesen Funken gei-ährt ftnd angefacht, nnd so ist der Mann endlich nach vielem Schwanken und Wanken nicht ohne Mühsal und Kampf zur Erkenntniß der Wahrheit gelangt. Seine Umgebungen sind indessen die nämlichen geblieben, allein er betrachtet sie nun mit andern 5>ugen, Die Witze und Spöttereien, die er sonst belächelte, findet er nun abgeschmackt und frevelhaft; Einwendungen und Argumente, die ihm vormals imponirten, dünken ihm jetzt feicht und schaal, ja er sieht in ihnen meistens nur eine Frucht grober Umvissenheit, In seinem Unmuthe würde er sich gern von Freunden uno Bekannten zurückziehen, glücklicherweise gestalten ihm dieß seine Verhältnisse nicht, und so wird er denn endlich auch über die Bitterkeit Herr, die sich anfänglich gegen Andersdenkende einzuschleichen pflegt. Aber Einen Schritt hat er noch vor sich, einen unabweislichcn, nämlich daö offene, freie, unumwundene Bekenntniß seiner katholischen Ueberzeugung! Er zögert lang, zu lang — er faßt Entschlüsse und vertagt ihre Ausführung, der Stachel des Gewissens wird indessen immer fühlbarer — im Streite mit schnöder Menschenfurcht; die göttliche Gnade ist vielleicht auf dem Puncts sich für immer von ihm zurückzuziehen: da faßt er endlich wie man zu sagen pflegt sein Herz mit beiden Händen — und öffentlich unterwirft er sich dem — Kirchengebot! Und am Abend dieses entschnvenden TageS im stillen Kämmerlein rnsr er auS: Gott sey in Ewigkeit gepriesen! ich habe überwunden, nnd in meinem Innern fühl' ich eine Kraft, eine Zuversicht, einen Frieden, wie ich noch nie empfunden! — Mit Rührung denkt er nach Jahren noch an die Stunde zurück, wo ihm das Glück zu Theil wurde, zum erstenmale — Fastcnspeisen zu genießen. Finden Einige meiner geneigten Leser (von der Classe der Nicht-Observanten) auch jetzt noch die Ueberschrift dieser Zeilen paradox? Nun dann haben Sie ja ein sicheres Mittel die Wahrheit zu erproben; dieß Mittel heißt: eigene Erfahrung! (Oesterr. Volksfr.) Bilder auS Jerusalem mit und ohne Rahmen. (Schluß.) . Seit die Besatzung Jerusalems auf des Sultans Befehl nach der türkischen Haupistadl abgezogen ist, haben wir hier manch interessante Dinge erlebt, die wohl «tner Zeichnung werth sind. Dahin gehört fürs Erste schon der Abmarsch der Truppen tt » selbst, dessen zufälliger Zeuge ich am Vormittage des 19. Septembers geworden bin. ES waren ihrer etwa 4(1(1 Mann; voraus abschwitzte sich der Commandant, ein zweiter Sultan Wampum, auf seinem gehäbigen Schimmel, in der Linken deö Rosses Zügel, in der Rechten den unentbehrlichen Tschibuck (türkische Pfeife mit langem Rohre), ihm folgten drei Mohren, deren jeder eine mäßig aroße grüne Fahne trug, dann die Tambours uud Hornisten mir ihren messingenen Ohrenbrechwerkzeugen, Hinter ihnen marschirte in leiblicher Ordnung die Truppe, die meist aus großen, zum Theil auch kräftigen Leuten bestand, doch in ziemlich verwahrlostem Zustande war. Ihr Anzug bestand aus weißen Hosen und Zwilchleibchen mit rothen Kusschlägen und nach europäischem Schnitte. Ihre Gewehre waren wie die unseres Militärs, jedoch mit Steinschlössern versehen, und fehlten die Tragriemen an den Schnallen. Ein Soldat trug in seinem Musquetenlaufe eine kleine Weiße, goldgestickte Fahne; alle aber hatten neben den blanken, sckeivenlosen Bajonetten ihren Tschibuck an der Seite befestigt. Viele Mnhamedaner begleiteten den Zng und ihre Segenswünsche lanteten auf „Sieg und Ausrottung oder Austreibung der Christen", weßhalb man hier stetö irgend einen Gewaltstreich zumal gegen die Griechen befürchtete. Die Marschroute führte zunächst nach Jaffa Es verlautete mdeß, daß die Beduinen einen Ueberfall der Truppe beabsichtigten, um sich ihrer Bagage zu bemächtigen, und deßhalb vermied der Befehlshaber das gefährliche Gebiet. Er gerieth aber auf seinem Umwege noch in eine zweite Verlegenheit, da seine Mannschaft sehr viele Lust zum AuSreißen zeigte, der er dadurch nur zum Theile steuerte, daß er berittene Leute aufbot, die, neben dem Zuge reitend, selben zusammenhalten sollten! — Jerusalem war also, die wenigen Artilleristen in der Citadelle abgerechnet, ohne militärischen Schutz; auf die Vorstellungen der Consnln aber improvisirte der Pascha, eine in jeder Beziehung höchst schwache Personalität, für die das Wort Machthaber durchaus Impertinenz wäre, eine Art Sichcrheitswache, welche jedoch in weit üblerem Rufe stand, als die Beduinen selbst, nnd den sie auch gehörigermaßen rechtfertigte. Mindestens schrieb man die vielen nächtlichen Diebereien und gewaltsamen Einbrüche, von denen jeder neue Morgen ^erzählte, dem Jndustriesinn dieser Leute zu, die ja,, nachdem sie mit Sonnenuntergang die Thore geschlossen, die ganze Nacht über Herren ihrer Zeit seyn konnten. Auch den Beduinen schwoll der Kamm, und man besorgte mit Fug und Recht, daß sie heute oder morgen die Stadt überrumpeln und brandschatzen möchten. Vor den Thoren wurden die Karavanen geplündert, uud die Stille der Nacht ward in der Stadt durch häufige Schüsse unterbrochen, welche die in ihren Häusern Bedrohten mit den Dieben uud Räubern gewechselt. Nicht einmal das Kirchengut war sicher, nnd die Franciscaner mußten das Silbergeräthe aus der Geißelungscapelle in das festungsartige Salvatorklostcr flüchten, darin auch ich eine Zelle bewohne. Erst als die Frechheit eines Veduinen-Scheiks erkläne, Lacham wolle mit seinen Leuten kommen, den Kopf des Pascha sich zu holen (weil dieser bei 40 Reiter der irregulären Truppe abgesandt, dem Beduinenkn>>ge zwischen Lacham uud Abu Gösch in St. Johann ein Ende zu machen) konnte die Furcht diesen vermögen, Soldaten aus Damascus uud Aleppo zu rcquiriren, deren ein Theil nun auch bereits eingetroffen ist. Was that aber der Pascha noch vor Ankunft der ersehnten Truppen aus Furcht vor Lacham? Er verband sich mit dem Räuber Abu Gösch und forderte ihn aus, Lacham zu bekriegen, wozu er ihm Pulver und Blei (vom Dache der großen Moschee) auslieferte, ja selbst Kanonen aus der Citadelle wollte er ihm geben, was aber glücklicher Weise dnrck das energische Einschreiten deS französischen Consuls verhindert ward. Wäre dieß nicht geschehen, würde Abu Gösch mit seinem zahlreichen Anhang wohl kaum crmangelt haben, bei nächster Gelegenheit sich dieser Kanonen a!ö eines Schlüssels zu Jerusalems Thoren zu bedienen. Sie staunen vielleicht über diese Nachrichten? Auch ick staunte; aber man versicherte mich, daß eS vor der Regierung Ibrahim Paschas von Egypten hier stets so zugegangen sey! Und Sie werden nicht minder staunen, wenn ich Ihnen sagen muß, daß es in diesen Gegenden nichts desto weniger Leute, Europäer, Franken gibt, welche von der köstlichen Freiheit dieser Länder nicht genug LobeS 12 zu sagen und Aufhebens zu machen wissen! Natürlich sind die Jahre ihrer Einwanderung in daS türkische Reich meist LeidniSjahre für europäische Staaten gewesen, in denen sie nicht versäuntt, auf poliiischem Gebiete ihre perfide FrecheirSrolle zu spielen. — Tieß ein Bild Jerusalems, der Stadt deS Friedens, l?vl) Jahre nach dem Tode deS Erlösers, der da war der FriedcnSfürst! Wohl kann Jerusalem mit JeremiaS anch heut zu Tage noch rufen: „Oeciit mo Oomii>u5 in nwnum, 60 cius rion potero 5urgort> !^ >K. Während ich diesrö schreib? kömmt mir die Nachricht zu, daß der Krieg zwischen den Beduinen neuerdmaS anSg brocken ist und die Gebend deö sonst so friedlichen Bethlehem sich zum Schauplatze erlesen hat. 350 Berittene lagerten in dem Slädtcken Da'idS und zwangen die erwerböfleißigen Bethiehemitaner, sie mit einem Anfwande v n mehreren tausend Piastern zu verpflegen. Man. spricht von acht im Kampfe Gebliebenen So traurig diese Vedninenkämpfe an und für sich sind, dankt es ihnen doch Jerusalem, daß ihm in dieser Zeit nickt auch von der Seite größeres UnKeil widc'f.chren ist. — Auch Ramleh, d.ssen muhamcdaniiche Beiwlkrrnng ihres ^anitiomuS wegen berüchtigt ist, war i> jüngster Zeit der Schauplatz rluliger Kämpfe zwischen den FcllahS (Ackerbauern) und Beduinen, die sich ihrer Ernie bemächtigen wollten. E^ erübiigr mir eben noch etwas Zeit vor Abganz der Post, die ich zum Entwürfe eiuiger Skizzen verwenden will: IV. Sie shen eine Dame, welche a"f einem allerliebsten Eselein eben die Hareth en Nassaiah enilang ritet; vom Saitelknopfe hängt em wohlgesülller Sack herab, v rmnthlick Proviant für die Reise Aber eine Dame allein und auf so un- sicher.n Weg n! Wer ist wohl diese Milchige? — Pst! Ein Bornbergihendcr löSt das Rä hscl Er ist ein armer Kaibolik und denlt si b vielleicht eben, wie viel bequemer es wohl seyn möge, auf dem Esel zu reiten, als die bl.'ß n Füße auf den Steinen wund zu >.chen. Tie Tame sieht ihn an und hält; er blickt sie glcit-fallS an, und sie — h>>t ihn veruanden! Sie öffnet ihren Sack, langt in seine gihcimnißvolle Tiefe, und reicht dem armen Wanderer eine milde Gabe? Nein! — eine ganz nett gebundene' Bibel d,r ehrer>w>rlhcn Londoner MissiouSgesellschafi! WaS kiimnieri sie der vcrweSliche Leichnam des Mcnschcn? Die arme Seele ist ja mehr der Pflege werth! Und die Buchdruck, r iu L^iwon sind wohl auch dieser M inung Aber wer ist nun uuscre Dain»? D>r beih.ilie Glückliche, der sein Geschenk in die Druckerei der Franciöcaner bringt, um eS gegen ein laihoicheS Büch ein umzutauschen, meint, eS sey die Gobat, englisch - preußi che Bischöfin zu Jerusalem. — Den lZifer muß man loben! V. Ich bin gerade in dem T.'scken Hanse auf Besuch. Miß C. wird gemel- delt, irilt ein, und bemüht sich, mir Deutschen französisch und mit Franzosen deutsch zu reden. Ihr Spleen hat sie zur Missionänn gemacht. Sie pnckie ihr bescheidenes Vermögen in England zusammen und wanderte nach Jerusalem — die Jüdinnen zu belehren. DaS Mittel ist sehr specula iv : sie ertheilt nämlich den lernbegierigen Jüdinnen Unt,rrickt iu weiblichen Handarbeiten gegen baare Bezahlung, d. h. sie muß befahlen, sonst kommen ihr die Schülerinnen nicht! und da wird nun genäht und gestickt, und zwisckcudrein auch an der Bibel geflickt, — daß Gott erbarme! Vt. Tie Leser Ihrer Zeitung erinmrn sich vielleicht eines Aufsatzes über „daS Minuiranlenwescn", den Sie brachten; hier ein Beilrag aus Jerusalem: Sie treten in die Saivaivrlirche, die nichts zu wünschen übrig läßt, als daß sie für daS Bedüriniß der hiesigen katholischen Bevölkerung etwas länger und etwas breiter und end ich auch noch etwas höher wäre (am Willen und selbst iheilweise an den Mitteln aufzubauen, fehlt eS hier eben so wenig, alö in dem Convente von «Zypern, wo die Schlangen durch die Risse der Decke in die Zellen der Franciöcaner fielen — aber eS gibt Hmnriusse ganz eigeiur Art!) — also, Sie trct.n in die FranciScanerkircke; ein Priester schreit.t eben, von einem Frater begleitet zum Altare. Der Frater knicet hin und will miinstrircn; da eilen aber schon eiliche von den anwesenden Gläubigen herbei, sechsjährige Knaben, Jünglinge, wie Greise, die ordentlich um die Gunst 13 eifern, dem Priester beim Altare dienen zu dürfen. Der Frater räumt Einem seine Stelle ein, und dieser ministrirt nun wahrhaft mit Andacht, Würde und Anstand. Ist die Messe vollendet, löscht er die Lichter anS, nimmt daS Missale und die Känn- chen, und gchi dem Priester voraus in die Sakristei, wo er sein: „Prosit ps6rö'" sprüht, ohne an eine Bezahlung für die Zulassung zu dem heiligen Dienste zu denken; höchstens, daß cr des Priesters Segen sich erbittet. -Dieß ist um so mehr erfreulich, ais der Araber sonst meist nur dem Motiv des Geldes folgt. — Bei unS ist daS nun freilich ganz anders. VII. Es wird Sie auch überraschen, wenn ich Ihnen sage, daß man hier weder eine Zunft dcrvcchselnd dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen und seine sterblichen U.berreste ans ihre Schultern zu laden, und mnß gestehen, ich schämte mich fast in jenem Momente der europäischen Sitte, die daS Amt der Liebe zu einer Er« wcrböquellc gemacht. Was mir daoei besonders ausfiel, war, daß sich diese Araber, die doch sonjl auch selbst die kleinste Sache nicht ohne großes Geschrei verrichten, bei diesem frommen Wettstreite mir Ausland und ernster Ruhe benahmen. Der Weg führte am Jaffathore und der DavidSburg vorbei vor das SionSihor hinaus. Alö wir bum S>. J.ck^ skloster vorüber kaineu, sah ich einen bejahrten armenischen Mönch unter dem Portale, dessen Lipp,n mir im Gebete iür unsern Verliorbeuen sich zu bewegen jchiene». Am Goneoacker auf ein B.r^e Siou hielt der Zug vor dem Grabe dicht an ccr St.idlniauer, uuv ee> w rd>n d>e g>, brä,iä!l>chen G.be>e und Segnungen vollzogen, deieu Schlnv die Äbsingung cinig.r Psalmen bildete. Während dieses Gejanges uahie em F>alcr der Leiche, zog das Batrinch >on dem osseuen Sarge, und nähte die Kaputze über dem Angesichre deS Vrrblichen.n zusammen. Darauf ward die Leiche aus dem Sarge gehoben und mit Stricken in das Gras gesenkt, welches kaum über drei Schuh lief und so schmal war, daß eS eben geraüe den Körper aufzunehmen genügte. Die bei Oeffnung deS Grabes zu Tage geförderten Todtengebeine — ich zählte barunter fünf Schädel — sorgfällig in ein Körbchen gelegt, wurden nun wieder zu den Füßen der Leiche in daS Grab gethan und fünf Minuten später war auch schon das ganze Grab mit Erde ausgefüllt uuv überdeckt, eine Arbeit, wobei einige der anwesenden Araber den Spaten deS GräbtrS mit ihren bloßen Händen unterstützten. VIII. Ein Lb,rösterreicher sieht voll Angst zn, und verwundert sich, wie der Pascha zugeben kann, daß man die Todten so nahe bei der Stadt und nur drei Schuh lief unter der Erde begräbt. Er meint man sollte sie auSgraben und alle Friedhöfe verlegen; aber der Gedanke an die Ausführung macht ihm abermals bang, so, daß cr in seiner Verlegenheit daS Heimweh kriegt. IX. Machen Sie sich nichts daraus, wenn ich Sie vom Reiche der Todten nun noch einmal zurück in daS der Lebendigen führe: man liebt eS ja in Bildersammlungen Gegensätze als Seitenftiicke aneinander zu reihen! Ich habe vor ein paar Tagen einer TrauuugSfeier beigewohnt, welche gegen 7 Uhr Abends in der Kirche des Salvatorklosters vollzogen wurde, und die vielleicht manches bietet, daS Gegenstand Ihres Interesses seyn dürfte. Braut und Bräutigam saßen auf einer Bank vor einem Altare mit dem Bilde der heiligen Jungfrau. Die Braut war in einen dichten rothen Schleier gehüllt, so daß ihre Gestalt ein völliges Räthsel blieb; ich sah nur, daß sie klein war; als sie aber die Hände aus den Falten ihres Schleiers wand, nm den Trauring in Empfang zu nehmen, war ich 14 nicht wenig erstaunt, denn ich glaubte eine Kinderhand zu sehen — und im Grunde tauschte ich mich nicht! — Man hat hier über daS heiratsfähige Alter nicht dieselben Begriffe, wie im Abendlande, Mit dem zwölften Lebensjahre ist ein Mädchen meist schon verheiraihet, und Ehemänner gibt eS, die kaum noch fünfzehn Jahre zählen. Bei den Lateinern tritt dieser Uebelstand jedoch bei weitem nicht so grell her» vor, als bei den Mohamedanern und vorzugsweise bei den Juden. Erinnern wir uns nur z. V. der Verbindung Mohameds mit Aischa, der neunjährigen Tochter Abn BelerS. (Verlobt war sie schon im sechsten Jahre.) Mit vollstem Fug und Recht sieht Tobler in den frühen Hcirathen der Juden einen wahren Krebsschaden für Israel. Oft sah ich, sa^t er, mit dem größten Unwillen Ai nnbärtiges knabenhaftes Jnvelein als Ehemännlcin oder ein kindisches Mädchen als Ehesräulein, Man denke sich ein Kinderpaar im Ehestande, um gegen eine solche Unsitte mit Entrüstung erfüllt zu werde»! — ES gehört mit zu den Verdiensten der Väter FranciScaner. daß diesem Uebelstande unter den Bekennen: deS katholischen Glaubens möglichst gesteuert worden ist, und sie sind eben daran, auch den Unfug einer acht- und vier- zehwägig/n Hochzcitsfeier abzuschaffen, der hier selbst unter den Lateinern Sitte, zugleich aber Ursache deö RuinS mancher Eheleute in den ersten Tagen ihrer Verbindung ist, da er sie in Schulden verwickelt, die sie später nimmer zahlen können. Döllinger und Bunsen. (Schluß.) Wie fern aber die deutsche und besonders die protestantische Wissenschaft von aller Tiefe nnd Gerechtigkeit im Urtheil ist, geht daraus hervor, daß Bnnsens Werk in Deutschland allgemein gepriesen wurde, während eS englische von Anglikanern herausgegebene Zeilungen als ein miserables Machwerk darstellten. Das muß man den Engländern lassen, die spießbürgerliche höchst verächtliche Lileraturkotterie, wie sie in Deutschland herrscht und leider die ganze öffentliche Meinung (eigentlich Albernheit) beherrscht — kennt man in England nicht und eine so ausschließliche Herrschaft, deren alte verrnmpclte Baßgeige in Deutschland noch immer die „Allgemeine Zeitung" ist, könnte in England auch gar nicht aufkommen. So berichtet Döllinger S. 332: „Der Christian Remembrnncer bezeichnet die ganze Darstellung der Theologie deö Hippolytischen Zeitalters bei H. Bunsen als Eine Reihe von Entstellungen; er bemerkt, man ihm nie bezüglich irgend einer Thatsache trauen dürfe; daß er in seinen Aphorismen ein in christliche Terminologie gehülltes System des Naturalismus ausstclle. Diesen Eindruck müssen Herrn iduufenS Aeußerungen in England allerdings machen, wenn er B. geradezu sagt: „die menschliche Seele sey ein Theil des Selbstbewußtseyns Gottes ,'or aller endlichen Eristenz;" wenn er die Vorstellung, daß die Offenbarung ein äußerlicher historischer Act sey, für eine falsche, eben so unhaltbare als «»philosophische und uuvernüuflige erklärt, und beisetzt: „Diese irrthümliche Vorstellung ward daonrch noch verwirrender, daß sie für die Offenbarung deS göttlichen Willens und Wesens sich etwas Höheres als den menschlichen Geist ausmachte u. s. w." Worauf denn Herr Äiiuscn den wahren Begriff der Offenbarung diesem falschen, der sie als eine geschichtliche Thatsache, ein wirkliches persönliches Eingreifen GvtteS in die Geschichte der Menschheit nimmt, cnlgegenstcllt: „Die Offenbarung fft eine Offenbarung Gottes im Menschengeiste, und wird nur so dargestellt, als ob Gott selber in menschlicher Rede zum Menschen spräche. — Sie hat zwei Faktoren, welche bei ihrer Entstehung zusammenwirken; der eine ist der unendliche Faktor oder die unmiitelbare Offenbarung der ewigen Wahrheit an den Geist durch die Kraft, welche dieser G'ist besitzt, sie wahrzunehmen; denn menschliche Wahrnehmung ist das Korrelativ göttlicher Manifestation. — Dieser unendliche Faktor ist, wie sich versteht, nicht geschichtlich, er wohnt jeder einzelnen Seele in, nur mit unermeßlicher Verschiedenheit deS 15 Grades.---Der zweite Faktor ist der endliche oder äußerliche; dieß Mittel göttlicher Offenbarung ist zuerst ein allgemeines, das Universum oder die Natur; in eiuem speciellere!! Sinne aber ist eS eine historische Manifestation göttlicher Wahrheit durch daS Leben »nd die Lehre höherer menschlicher Seelen (os Iiiguer min<1s -zincmZ men) — ausgezeichneter Individuen, die etwas von der ewigen Wahrheit ihren Brüdern mittheilen u. s. w." — Aus dieser Anklage deS zu London erscheinenden „Christian Remembrcmcer" stellt sich heraus, daß Bunsen weiter nichts ist als ein ganj gewöhnlicher Rationalist wie z. B. Rc-nge, nur daß Vnnsen sich durch gelehrte Fetzen eine Ruf in der Clique — und ein Docwrdiplom der Theologie erworben. Zuletzt legt Bunsen dem Hippolytus zur Captivation der englischen Benevolenz eine Schntzrede iu den Mund, die ein wahrhaftes Meisterstück von Lächerlichkeit genannt werden kann, Döliingcr berichtet hierüber S 336 und 337: „In dieser Schutzrede, welche Herr Bunsen Hippolytus in London am 13, August 1851 halten läßt, überschüttet der alte Presbyter zuerst die Engländer mir Lobeserhebungen ihrer Macht und Herrlichkeit, die sie vor Allem ihrem ProtestanliSmuS verdankten, versichert sie dann, er sey wirklich Bischof von Portus Romanns geocsen, habe dort ein stetS geliebtes Weib, Chloe, gehabt, die Schwester eines Salristans des SerapiS-Tempels zu Por- tuS, Namens Heron, die aber bald am Fieber gestorben sey, bald daranf sey ihm auch sein geliebter Sohn Auteros, der im Hause des Bischofs KallistuS, wohin er ihn mit einer Botschaft geschickt, gleichfalls das Fieber bekommen, dnrch den Tod entrissen worden; hierauf theilt er den Engländern, um ihnen Vertrauen einzuflößen, mit, daß er bezüglich der Bibel ächt protestantisch gesinnt ley; aber das Buch Daniel freilich sey unächt und erst unter Antiochus gesichtet, nn) der zweite Brief Petri sey gleichfalls eine Fiktion; sofort erschreckt er sie noch mehr durch die Versicherung, wie ihr Glaube au die Inspiration der heiligen Schrift ein häretischer Wahn sey. Er erklärt ihnen dann weiter, daß die Nicänische Lehre vom Sohne GotteS uuphilosophisch und uubiblisch sey; in der kirchlichen Jnrarncuionölchre und dem SIthanasianischen Symbolum findet er die Ursache, warum Muhamed und seine Anhänger die christliche Religion in der halben Welt ausgerottet hatten; demnach sey es denn auch mit der Triuität, wie sie bisher iu England geglaubt worden, nichts; von der Tanfe der Kinder habe man zu seiner Zeit noch nichts gewußt', und das, was jetzt unter diesem Namen geschehe, sey gar keine Taufe; und nachdem er die englische Siaatskirche dergestalt mit dem Stäbe Wehe heimgesucht, kehrt er am Schlüsse wieder den Srab Sanft hervor, das heißt, er fallt nun über die katholische Kirche her, schüttet über diese Mutter alleS Verderbens in Phrasen, die er wörtlich auS den Reden der HH. Rouge und Dow int entlehnt zu haben schein?, das ganze Füllhorn seines GrimmeS ans, kündigt ihr ihren unvermeidlichen, vollständigen und sehr nahen Untergang an, und scheidet von den Engländern mir der tröstenden Versicherung: vor der großen, mit Riesenschritten herannahenden zweiten Reformation und ihrem göttlichen Lichtglanze würden die Apostel der Finsterniß — die katholischen Bischöse und Theologen — in ihr Nichts versinken. — Der Leser begreift, daß es hienach einer wcitern Auseinandersetzung mit Herrn Bunsen und seinen vier Bänden nicht bedarf." — Auch führt Z. öllinger einige Stücklein von Uebersetzungskünsten deS Herrn Bunsen an, die einem Schüler, der sich derselben schuldig machte, in früherer Zeit, in der noch Ehrenftrafen eristinen, eine Setzung aus die Schandbank zn Wege gebracht hätten. Nur ein kleines Beispiel. Die Ermahnung des heiligen Jznatius im Briefe an Polykarp: „Fliehe die bösen Künste, ja crwähue sie nicht einmal in öffentlicher Rede", übersetzt Bunsen wie folgt: „Fliehe gefallsüchtige Weiber (Koketten), habe vielmehr Umgang mit älteren Frauen." Aus diesem wenigen geht hervor, wie gut der Herr Verfasser gcihan, daß er seine Zeit und die Schärfe seiner historischen Kritik zur grüuviicheu Untersuchung der Geschichte von HippolytnS und KallistuS angewendet und den Ritter Bunsen nur so nebenbei aus dem von Bonn ihm verliehenen Sattel ans den Boden herabgcstreift hat. Wir Katholiken sollen aber dem Herrn Professor Döllinger besonvers für seine Arbeit dankverpflichtet seyn, denn eS liegt ein großes doppeltes Verdienst darin — 16 einmal der Werth der wissenschaftlichen Forschung und dann die Bloslegunq des großen protestantischen, besonders durch Kirchenfeindlichkeit renommirten Phänomens, Bunsen genannt, an welchem trotz dem vielen Geschrei erbärmlich wenig Wolle befunden ward. L e n a u. Emma Niendors (Frau von Sukow in Stuttgart) gab ein Buch über den Dichter heraus unter dem Titel: ,.Lenau in Schwaben aus dem letzten Jahrzchent seines LebeuS." Während der Zeit seines beginnenden Wahnsinns sagte er einmal in einem lichten Augenblicke zu Venrauten: „Gott ist sehr gut, daß er mich durch die Natur bestrafen läßt, und nicht durch daS Gesetz, denn ich habe gegen beides gefehlt, ich habe daö Talent noch über das Sitteugesetz gestellt, und daS ist doch das höchste. Sagen Sie daS a-uch Ihr — sie hat daS Sittengesetz auch nicht genug erhoben." Wir meinen diese Worte für die merkwürdigsten Worte Lenau'S zu halten. Es liegt in ihnen ein Glaube uud ein Bekenntniß. Die letzten Worte treffen eine verbnrathete Frau in Wien, mit welcher Lenan zwölf Jahre lang Umgang gepflogen, und die zum Theil wenigstens die Katastrophe im Leben deS Dichters herbeiführen half. Lenan verliebte und verlebte sich zu Frankfurt — seine Brant war ein unschuldiges Mädchen — er ging noch Mal nach Wien (wie Emma Niendors erzählt), um von dem Weib sn'ner Sünde Abschied zn nehmen, uud diese sprach in einer rachegierigen, dämonischen Prophezeiung zu ihm, zu dem ohndieß schon in seinem ganzen Geistes- und Nervenleben Zerrütteten die Worle: „EineS von uns muß wahnsinnig werden." — — Daß nun Lcuau sich selber angeklagt: er habe sein Talent und sein Leben über daS Sitteugesetz gestillt — und Gott noch gut nennt, daß er ihn durch die Naiur und nicht durch daS Gesetz bestrafen läßt — hat eine Bedeutung im Geistesleben des DichierS, die nicht genug gewürdigt werecn kaun, und zu Nutz und Frommen der Ungläubigen sollten die obigen Worte Lenaus mit ein paar Bemerkungen dazu in allen kaiholischen Journalen verbreitet werden, (W. K.-Z>) - Amerika Während die aus Neu-Granada und Ecuador vertriebenen Jesuiten nach Guatemala und Mcriko gehen, sind andere nach der Insel Cuba berufen. Am 12. Oct., dem Geburtstage der Königin von Spanien, hcu der General - Capitän mit großer Feierlichkeil zu Havanna den Grundstein zu einem Kollegium der Jesuiten gelegt, nachdem ihn der Bijchof eingesegnet hatte. Zu dieser religiösen Feier halte sich eine große Menge Volkes versammelt. Die Regierung zu Madrid sncht so die Fehler ihrer Vorgänger zn verbessern und sür eine christliche Erziehung der Jugend zu sorgen. Afrika. Nach einem Briefe vom Cap der gnten Hoffnung haben sich mehr als zweitausend Kaffern zur laihvlischen Kirche bekehrt und sich in der Nähe der englischen Residenzen niedergelassen, (»ine Abt eilunz der Kasfern am Orangcfluß treibt Handel. Gegen Enve des Moncus August ubersui?>en sie dem kaiholischen Bischof in der Kapstadt ein Geschenk, in Vieh, Llrauß>evern nud irockiieu Früchten lcstehcnd. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.