Vierzehnter Jahrgang. Svnntags-Beiblatt zur Augslmrger poKMung. 22. Januar M ^t. 1854. _ Dieses Blstt erscheint r?ge!mäßist alle Sonntage. Der halbjährige Abminementspreii fr., wofür es durch alle köm'ql. bayer. Vostümter und alle Buchhaudlunaen bezogen weiden lau? Hirtenbrief des Bischofs von Trier übel die ewige Anbetung deö allerheiiigsten SacramentS. Wilhelm Ärnoldii durch Gottes Erbarmung und die Gnade des heiligen apostolischen Stuhles Bischof von Trier. Der hochwürdigen Geistlichkeit und den Gläubigen Unserer Diöcese Gluß und Scgm im Herrn! Ein Jahrhundert ist beinahe verflossen, seit der in Gott ruhende Erzbischof Johann Philipp die ewige Anbetung deS allerheiligstcn Sacramentes in dem damaligen Erzbisthume Trier in der Weise angeordnet har, daß durch den ganzen Kreislauf deS Jahres in den Tagesstunden die verschiedenen Pfarrgcmeinden, in den nächtlichen Stunden aber die zahlreichen klösterlichen Genossenschaften vor dem Allerheiiigsten abwechselnd erscheinen sollten ; so daß zu allen Stunden und ohne Unterlaß der Herr in dem wunderbaren Sacramente angebetet und gepriesen würde. Die ewige Anbetung sollte ein feierliches und nie verstnmnicndeS Bekenntniß des Glaubens an die wirklile und wesentliche Gegenwart Jesu Christi im Altarssacra- menle seyn, eine ununterbrochene Huldigung > der göttlichen Majestät dargebracht, zum Ersähe für alle Entehrung, für den Undank, die Treulosigkeit und Gleichgiltigkeit von Seite der Gläubigen und der Ungläubigen. Diese Tag und Nacht ertönenden Lobgesänge sollten ein ireueö Abbild seyn und eine Nachahmung jener Anbetung und jener heiligen Loblieder, die dem Allerhöchsten ohne Unterlaß dargebracht werden von allen Engeln und heiligen Geistern deS Himmels. Diese heilige Uebung hat das christliche Bolk durch alle Stürme der Zeit, durch alle Wechsel der Ereignisse größtcntheilS bis auf diesen Tag treu bewahrt und cS hac richtig gefühlt und begriffen, daß dieses die eigentlichen Stunden der Weihe und des Segens für die ganze Psarrgemeinve seyen, und mit hoher Frende können wir Vielen es nachrühmen, daß sie durch großen Eiser und innige Andacht, durch frommen Empfang der hh. Scuramenle diesen Tag würdig und festlich zn feiern wissen. Möge dieser Eifer und diese Andacht, wie ein heiliges Feuer, überall hin sich verbreiten und alle Herzen zur Liebe Jesu Christi entzünden I Indeß ist seit dem Anfange des laufenden Jahrhunderts durch Aushebung der Klöster die nächtliche Anbetung ganz unterblieben, und durch mehrfache Abgränzung der alten Diöcesen sind viele Pfarreien uusereS BiSthumS ausgeschieden und benachbarten Diöcesen zugetheilt; andere und in bedeutender Anzahl sind ans angränzenden Diöcesen der unsngen einverleibt worden; auch haben mehrere Pfarreien, die nur kürzere Zeit abgetrennt, wieder mit der Mutterkirche vereinigt wurden, den Tag der 26 ewigen Anbetung abgeändert und auf den folgenden Sonntag verlegt; so daß der schöne Gedanke, der dieser Andacht zu Grunde liegt, seine Bedeutung und seinen Ausdruck im Leben verloren hat. Seit vielen Jahren ist deshalb der Wunsch lebhaft geäußert worden, eS möchte diese herrliche Einrichtnng so hergestellt werden, daß jede Psarrgemeinde unabänderlich an dem für dieselbe festgesetzten Tage die ewige Anbetung feiere, und daß auch den zahlreichen Pfarreien, in welchen dieselbe bisher nicht eingeführt ist, dasselbe Glück wie den andern zu Theil werde. Diesem frommen Wunsche beeilen Wir uns hiemit zu entsprechen, indem Wir für jede Pfarrei Unseres BislhumS einen besondern Tag zur ewigen Anbetung festsetzen und zur Stellvertretung des nächtlichen Gebetes anordnen, daß diese feierliche Anbetung an jedem Tage des Jahres in je zwei Kirchen staltfinden soll, auf daß alle Gläubige des BiSthumS ohne Ausnahme sich vereinigen znr Anbetung, zum Lob und Preis deö Herrn, der uns so liebreich einladet: Kommet zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. (Matth. 11,28.) So tretet dann zu Ihm und laßt euck erleuchten, und nie wird euer Antlitz zu Schanden werden. (Psalm 23, 6.) Kostet selbst und sehet wie gut der Herr ist und wie glücklich der Mensch, der auf ihn vertraut. (Psalm 33, 9,) Allen, die Ihn in dem allerheiligsten Sacramente andächtig besuchen, ist Er ein Helfer in ihren Gefahren, ein Führer auf ihren Wegen, ein Ralhgeber in ihren Zweifeln, ein Licht in der Finsterniß, eine Stütze in der Schwachheit, ein Tröstir in ihren Leiben. „Welch' ein Glück ist es, welche reine Freude gewährt cS nicht, vertraulich mit JesuS reden zu können, da er wartet, um unser Gebet zu vernehmen und zu erhören! Welch' einen Trost gewährt eS nicht, Ihn um Verzeihung zu bitten, Ihm seine Bedürfnisse vortragen zu können, wie ein Freund dem Freunde, auf den er all sein Vertrauen setzt; vor Seinem Angeflehte Seine Gnade, Seine Liebe, Seinen Himmel erbitten zu können! Welche Seligkeit, Licbeöacte zn Dem erwecken zn können, der auf diesem Altare unser Fürsprecher ist beim ewigen Vater, der hier von Liebe zu uns embranm gegenwärtig ist! Denn Seine Liebe ist es, die Freude daran findet, verborgen, verkannt, ja oft verachtet bei uns zu bleiben." Möchte daher am Tage der ewigen Anbetung jede christ iche Seele dasselbe und in Wahrhiit auSsprechen" können, waS einst eine gottselige Fran, die den größten Theil ihres Lebens vor dem allerheiligsten Sacramente zugebracht, auf die Frage erwiderte, waö sie doch all die Zeit hindurch vor dem heiligen Sacramente ansänge. „Die ganze Ewigkeit," sprach sie. „die ganze Ewigkeit wollte ich hier verweilen. Ist denn nicht hier unser guter Gott? O großer und heiliger Gott! und ihr fragt mich noch, was ich vor ihm thue? Ich liebe Ihn! wer verdient mehr unsere Li.be als Er? Ich lobpreise Ihn: und wem gebührt Preis und Ehre mehr als Gott? Ich danke Ihm; von wem haben wir größere Wohlthaten empfangen als von Gott? Ich opfere mich Ihm auf; denn wem sollen wit unö selbst weihen mit Allem, waS wir haben, als jenem Gott, dem wir AlleS verdanken? Ich bitte Ihn; denn wer kann unS größere Gnaden verleihen, als Er, der Urheber der Gnade, der Herr des Weltalls? Waö lhnt der Arme vor der Thür des Reichen? WaS thut der Kranke vvr dem Arzte? Was thut ein Diirstenver in der Nähe der Quelle? Was thut ein Hungriger, der bei der vollen, reichen Tafel sitzt?" Gelobt und gepriesen sey das allerheiligste Sacrament! von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Gegeben zu Trier am Feste der heiligen Elisabeth 1853. _ 1- Wilhelm, Bischof. DaS öffentliche Confistortum zn Rom am 22. Der. 18S3. Rom, 26. Der. Vielen Lesern mag eS nicht unwillkommen seyn, eine schlichte Schilderung dieser Feierlichkeit zu lesen und sich dadurch eine bestimmte Vorstellung 27 von einem öffentlichen Konsistorium zu bilden. Die 8sls 0u Brüderlichkeit, diese milde Würde ohne alle Steifheit und Herbe. Der Cardinal Wiseman hatte trotz angeblicher Kränklichkeit ein vollkommen gesundes Aussehen. Seine Stirne trägt die Signatur der Genialität; Offenheit und Energie ist das Gepräge des etwas runden Gesichte?. Die Lebhaftigkeit deS Auges wird hinter der Brille nur hie uno da bemerkt. Er ist von großer starker Statur. — In der allernächsten Nähe konnte ich den Cardinal-Diacon Antonelli sehen, ein Mann, dem Aenßem nach etwa von achtnndvierzig Iahren, ein ziemlich hoher, schlanker Wuchs, ein laugeS, etwas bleiches, interessantes, geistreiches Gesicht mit rollenden Gluthaugen und seelen?oller Miene trotz der etwaö vortretenden Unterlippe, in den Bewegungen von entschiedenem Ausdrucke, jetzt Würde, jetzt Anmuth. Während die hohen Herren in behaglicher, selbst heilerer Stimmung sich unterhielten, saß der Cardinal aus dem Capucincrorven füll und in sich gekehrt, ein zart gebauter Greis mit grauem Barte, ein Musterbild von Gutmüthigkcit und Ernst, von Demuth und Geistessammlung. Die Thüre zur Linken deS Throneö öffnete sich; Prälaten und geistliche Hosherren traten heran, ?io IX. erschien — mit der Jnful aus dem Haupte, vom Pluviaie umwallt. Se. Hei igkeit ließ sich auf den Thron nieder. Würdevoller, imponirender Ernst herrschte in Haltung uno Antlitz. Die Cardinäle traten zum Küsse deS Ringes vor. In der Art, wie der heilige Vater die Hand hinreichte, und im Blicke, der diese Bewegung begleitete, wurde die Huld nn? Liebe bemerkbar. Nachdem die dreißig anwesenden Cardinäle diese Huldigung vollzogen hatten, wurde bezüglich einer Vcalification ein Document vorgelesen. Inzwischen begann die Einführung der zwei neuernannten Cardinä'e. Brunelli trat zuerst vor, ein Herr von etwa sechSuudfünfzig Jahren. Er küßte den Pantoffel, dann den Ring uud wurde von dem heiligen Vater mr.-nnt. Eben so der elwas jüngere, schlanke Cardinal Pecci, Bischof von Perugia. Jeder umarmte der Reihe nach sämmtliche Cardinäle und cS war rührend zu sehen, mit welcher »»egenseitigen Wärme und Liebe dieß geschah. Die unterbrochene Lesung wurde fortgesetzt, dauerte aber nur kurze Zeit. Jetzt kniete Brunelli vor dem heiligen Vater. Der rothe Cardinalhur wurde auf sei» Haupt gelegt, während der heilige Vater mit sonorer Stimme das Gebet sprach: ^ecips ruhrum hierum :c. :c. zum Sinnbilde heiliger Standhastigkeit usczue effusionem ssnßuinis. Sofort nahm Brunelli den Cardinalsitz ein, nnd nach ihm sein Genosse. Der heilige Vater ertheilte den Segen und zog sich mit Gefolge durch die Seiteuthüre zurück Gesaug ertönte und die Cardinäle wandelten auS dem Saale und quer durch den großen Königssaal in die Sirtiniiche Capelle, wo ein Danieder die Feierlichkeit beschloß. (Salzb. K.-Bl.) 28 Der Märtyrer Geronimo und die Entdeckung seiner NeberrefAe in Algier. „Am 27. v. M. — so berichtet der „Akhbar" — bemerkten die Artilleristen, welche den Wall der an der Straße gelegenen, unter dem Namen „Fort deS vingt - quatre - hcureS" in Algier bekannten Citadelle sprengten, beim Wegräumen des Schulteö eine Höhlung, in welcher Gebeine lagen. Sie setzten den Artillerichauptmann Snsüii, dcr die Sprengarbciten dirigirte, sogleich davon in Kenntniß. Es bedürfte feiner langen Untersuchung, nm zur Gewißheit zu gelangen, daß man hier endlich den Leib des Märtyrers Geronimo entdeckt habe, dessen rührende Geschichte von Herrn Berbrugger, KnstoS der Bibliothek nnd des Museums in Algier, im Jahre 1847 veröffentlicht worden ist. Man hatte zuerst nach vagen Anweisungen in den dem Meere zugewendeten Wällen suchen zu müssen geglaubt und war, da dort nichts vorgefunden wurde, bereits zur Ansicht gelangt, eS seyen diese kostbaren, mit so vieler Sorgfalt misgcsnchten Reste bei Anlegung nener Bauten, deren Spuren ersichtlich waren, verloren gegangen, als man so unerwartet zu der eben erwähnten Entdeckung gelangte. Eine zur Sprengung der innern Mauerschichten bestimmte Petarde hatte plötzlich den Raum eröffnet, in welchem Geroninro's Leid lag, ohne ihn jedoch im Mindesten zu beschädigen. Der Märtyrer wurde auf dem Gesichte liegend gefunden, mit aneinander gedrückten Beinen und hinter dem Rücken gekreuzten Armen; der Strick, mit dem seine Hände gebunden gewesen waren, klebte noch lhcilweise am Mörtel, eben so die noch recht gut erkennbaren Kleidungsstücke. Der ganze Körper hat sich in den Boden dergestalt, ehe er verweste, eingedrückt, daß sich sehr leicht ein genauer Gypsabguß der Gestalt des Märtyrers machen ließe. Gleich nachdem der hochwürdige Bischof von Algier, Monsignor Pavy, Kenntniß von dem Funde erhalten halte, begab er sich zu dessen Besichtigung an Ort und Stelle; Gleiches thaten noch an demselben Tage alle Mitglieder deS Algier'schen KleruS, der dortige Prüftet nnd viele angesehene Beamte, am folgenden Morgen der General- Gouvcrneuer Graf Randon mir seiner Familie, General (5habaud-Latour:c. Der vom „Akhb.'r" mitgetheilteil Legende deS MärtyrrrS entlehnen wir Nachstehendes: „Noch heut zu Tage erblickt man in Algier, oberhalb der Pforte des „Fort des vingt-quatre-heureö" eine arabische Inschrift aus dem Jahre 1569, der Zeit, in welcher dcr kalabresische Renegal Ali, damals Pascha von Algier und später Kapudcm- Pascha oeS Großhcrrn, diese Nerschanzungen aufführen ließ, um ailfälliges Landen an der Küste von Bab-el-Ued zu verhindern. Die nördliche Mauer dieses Bauwerkes ist ein bloßer Erdwall und schließt wahrscheinlich jetzt noch die sterbliche Hülle eines Christen ein, dem die Märtyrerpalme unter folgenden entsetzlichen Umständen zu Theil wurde. Bei einer Razzia, welche die spanische Garnison von Oran gegen ungehorsame Araber im Jahre 1538 unternahm, wurden mehrere Gefangene gemacht, unter denen sich auch «iu schöner Knabe befand, der dem Herkommen gemäß nebst der übrigen Beute verkauft wurde, damit der Erlös leichter vertheilt werden könne. Der General- viear und Liccnciat Juan Caro kaufte das Kind, uuterrichtele eS in der christlichen Religion, taufte eS und legte ihm den Namen Geronimo bei. Im Jahre 1542 würhete die Pest in Oran; fast alle Spanier hatten die Stadt verlassen, um im freien Felde unter Zelten zu weilen. Die wenigen, noch zurückge- blicbeuen Soldaten waren in Folge ihrer Angst vor der Seuche nicht so wachsam wie gewöhnlich. Einige arabische Gefangene benutzten diesen Umstand, ergriffen die Flucht, nahmen den kleinen, damals achtjährigen Geronimo mit sich und brachten ihn seinen Eltern zurück. In so zartem Alter und unter solchen Umständen war es wohl natürlich, daß 29 der neue Christ unter den Seinigen die religiösen Ideen wieder vergaß, die der ehrwürdige Juan Caro ihm beigebracht hatte und wieder ganz Muselmann wurde. Doch wurden die in das junge Herz gepflanzten Keime deS Christenthums nicht ganz erstickt und so geschah eS, daß Geronimo im Alter von fünfundzwanzig Jahren den Plan faßte, nach Oran zurückzukehren und sich dort neuerdings zum wahren Glauben zu bekennen. Der würdige Juan Caro nahm ihn freudigst auf und verheirathete ihn, um ihn in seinem frommen Gedanken noch mehr zu bestärken, im Jahre 1559 mit einer jungen Araderin, die ebenfalls Christin geworden war. Geronimo lebte nun zehn Jahre in Oran, wo er sich als Soldat eben so nützlich als eifrig bewährte. Im Mai 1569 war er mit neun andern Gefährten in einer Barke von Oran aufgebrochen, um ein am MeereSufcr liegendes arabisches Dorf zu überfallen. Schon näherten sie sich dem Ziele ihrer Reise, als sie bei Sonnenaufgang von zwei nach Tetuan gehörenden Brigantinen wahrgenommen und verfolgt wurden. Vergebens suchten sie zu entkommen; sie wurden gefangen, nach Algier geführt und als Sklaven verkauft. Geronimo fiel dem Pascha zu, demselben kalabrcsischen Renegaten, dessen wir bereits gedacht haben; er wurde in dessen Bazno abgeführt. Die Algierer, welche aus dem Verkauf der Sklaven vielen Nutzen zogen, wendeten stetS alle Alt von Lift und Schlauheit an, um über die Autecedentien ihrer Gefangenen inS Klare zu kommen und sie so mit größerem Vortheile ranzioniren zu können. In solcher Weise erfuhr man auch, daß Geronimo ursprünglich Museimaun gewesen war. Nun wurde das Acußerste aufgeboten, um ihn wieder der hl. Kirche abtrünnig zu machen. Alle MustiS, Kadis, MarabutS, alle Schriftgelehrtcn Algiers und seiner Umgebungen eilten ins Bagno, wo Geronimo in Ketten lag; sie wendeten aber Mühe und Beredsamkeit vergeblich an; Geronimo erklärte in energischer, enlschiedener Weise, er sey freiwillig und auS Ueberzeugung Kaiholik geworden und werde als solcher sterben. Die Ulemas nahmen sodann ihre Zuflucht zu Drohungen, die aber auch kein anderes Resultat herbeüührten. Alle muselmäunischen Schriftgelchrten begaben sich nun zu Ali Pascha, erzählten ihm das Vorgefallene und baren ihn, einen so sträflichen Eigensinn in exemplarischer, abschreckender Weise zu bestrafen. Ali ergriff diesen Anlaß, um seinen religiösen Eifer in eklatanter Weife zu bewähren; er verhieß sogleich Alles, was von ihm verlangt wurde. Der Pascha war damals (September 1569) mit dem Bau eines Fortö vor dem Stadtthore Bab-el-Ued beschäftigt, desselben Forts, daS gegenwärtig ohne bekannten Gründ als Fort des vingi-qualre-hcures bezeichnet wird; er nahm öster die Arbeiten in Augenschein und drängte die Werkleuie zu unausgesetzter Thätigkeit. EineS Tages besichtigte er in sehr nachdenklicher Weise die großen Kisten, in denen Thon und Erde zu Ma^.n geformt wurden; plötzlich rief er einen gewissen Michel von Navarra herbei, einen Christen, der an der Spitze der Manerarbeiten stand; er sagte zu ihm: Michel, lasse die große Kiste hier leer bis morgen; sie soll mit dem Leibe jenes Hundes ausgefüllt werden, der sich weigert, zum Glauben MahomedS zurückzukehren. Nach diesen Worten kehrte er wieder in seinen Palast zurück. Am Abeuee desselben Tciges sammelte Michel nach verrichteter Arbeit alle seine Untersklaven uno begab sich mit ihnen ins Bagno, wo er Geronimo von dem Vorgefallenen in Kenntniß setzte nnd ihn aufforderte, sich der Nothwendigkeit zu fügen. — Vor Allem sey Gott gepriesen! — rief der künftige Märtyrer aus. — Ich fürchte die entsetzlichen Todesqualen nicht, welche diese Ungläubigen mir bereiten und werbe mich durch Äugst vor denselben nickt vom wahren Glauben abwendig machen lassen. Möge der Herr mir nur meine Sünden verzeihen und meinen Geist in Gnaden aufnehmen! Von diesem Augenblicke an bereitete sich Geronimo auf das Bluizeugniß vor, 30 das er nächsten TageS abzulegen berufen war. Im Bagno war eine Capelle, unter den Sklaven befand sich ein Priester; dieser versah ihn mit den letzten Tröstungen der Religion, woraus er die Nackt im Gebete zubrachte. Am 18. September l569, schon am frühen Morgen, kamen vier Schergen des PaschaS, die nach Geronimo fragte»; als er sie kommen hörte, ging er ihnen auS der Capelle entgegen. Verräther, Hund, - riefen sie ihm entgegen, - warum willst du nicht wieder Muselmann werden? Der arme Sklave ließ sich ohne ein Wort zu erwidern von ihnen nach dem Fort führen; dort befand sich bereits Ali Pascha, begleitet von einer großen Anzahl Türken, Mauren und Renegaten, die sämmtlich sckon nach dem Blute dcS Christen lechzten. — Nun, Hund, — rief ihm Ali entgegen, — willst du zum JSlam zurückkehren? — Um keinen Preis, — lautete die Antwort; — ich bin Christ und werde eS bleiben. — Blicke auf diese Kiste. — heulte der wüthende Pascha; — in ihr lasse ich dich lebendig begraben. — Thu wie du willst, — enrgegnetc muthig der Märtyrer, — ich bin auf daS Schlimmste gefaßt und werde vom Glauben meines Herrn JesuS Christus nicht abfallen. Nun ließ ihm Ali Pascha die Ketten abnehmen, ihn an Händm und Füßen mit Stricken binden und in die Kiste werfen, Ein spanischer Renegat sprang mit Wuth auf den Leib deS armen Geronimo, verlangte nach Erde und einer Stampfe, welchem Bekehren sogleich willfahrt wurde. Nun begann der Elende auf den Unglücklichen l^Szustampfen und zu schlagen, ohne ihm jedoch eine einzige Klage, einen einzigen Schrei entreißen zn können. Bald war Geronimo unter dcu Erdschichten erstickt. Die Kiste wurde bis an den Nanv vollgkfüllt; der Märtyrer war für dreihundert Jahre in sein glorreiches Grab gelegt. Wild jauchzend kehrten die mordlustigcn Tiger in Menschengestalt, zufriedengestellt durch den Anblick der gräulichen Mordthat, im Gefolge Ali Paschas nach Algier zurück, der unwillkürlich ausrief: — Wahrlich ich hätte uicht geglaubt, daß dieser Christ so muthig zu sterben im Stande seyn würde. Mehr als einmal hatten die christlichen Sklaven daran gedacht, den Leib deS Märtyrers auS der Erdmauer zu nehmi,,.; einmal aber ließ die beständige Wachsamkeit d.r Türken die Sache als sehr schwierig erscheinen; dann bedachten sie anck daß sie unmöglich eine glorreichere Grabstätte für den Ermordeten finden konnten, alS den Ort, an dem er sein Leben für den Glauben geopfert h.i^e und der den Blicken der Türken, Renegaren und Christen fortwährend ausgesetzt blieb." vi Newman und dessen Bruder. Die beiden Brüder Johann und Franz Wilhelm Newman sind beide in ihrer Art hervorragende Männer, gleich talentvoll, gelehrt und entschieden. Beide wurden als Angiitancr erzogen; beide jühlien bald daS Ungenüguide und Unhaltbare deS englischen Protestantismus, und beide wünschten, Christen zu seyn, ohne aufzuhören, Protestanten zu seyn und ohne mit den Reformatoren zn brechen. Von da an gingen sie aber auseinander. Der ältere Bruder ist jetzt ein katholischer Priester und Supenor der englischen Oratorianer. Er ging davon auS, die wahre Bedeutung der Reformation liege in den Elementen der christlichen Wahrheit, die sie beibehalten; er griff diese auf, trennre sie von den negativen Grundsätzen, welche die Reformatoren vamil verbunden, und suchte sie in katholischem Sinne zu entwickeln und zu vervollständigen. Er wurde so der Begründer der traltarianischen oder puseytischen Partei, deren Zweck 31 ist, katholisch zu seyn, ohne römisch zu seyn. Er fand aber bald, daß er den Prot?» stanti'SniuS nickt im Sinne der katholischen Wahrheiten, die derselbe beibehalten hat, entwickeln könne, ohne sich an Rom anzuschließen, da nur in dessen Gemeinschaft die katholische Lehre in ihrer Einheit, Integrität und Vollständigkeit gefunden und festgehalten werden kann. — Der jüngere Bruder, jetzt Professor der Philosophie an der Londoner Universität, war von Anfang an ein ächterer Protestant. Er ging davon aus, das Wesen des Protestantismus liege nicht in dem, waS derselbe mit der Kirche gemeinsam s-sthalren will, sondern in den Grundsätzen und Ncgau'oncn, die er der Kirche entgegensetzt; er griff diese Grundsätze und Negationen, die ungläubigen Elemente des Protestantismus auf, suchte sie von den paptstischen Elementen, die er dabei noch festgehalten, zn trennen und in einem ächt protestantischen Sinne zu entwickeln und zu vervollständigen. Er fand aber bald, daß er dieses Ziel nicht erreichen könne, ohne die protestantische Verläugnuug der Anktorität der Kirche und die protestantische Verwerfung der Sacramentc nnd des Priesterihums bis zu ihren konsequenten Folgerungen durchzuführen, und daß er das nicht könne ohne alle äußere Offenbarung zu verwerfen, und seine eigene Natur als einzige Auctorität in religiösen Dingen und als einzige Offenbarung deS göttlichen Willens zn betrachten. — Beide scheinen Anfangs einen gleich reblichen Willen gehabt zu haben, und beide sind, wenn man die Prämissen betrachtet, von denen sie ausgingen, gleich logisch zu Werke gegangen und bei gleich unvermeidlichen Konsequenzen angekommen. Keiner von beiden sah sein Zicl voraus. Der ältere Bruder, entschlossen, aus jeden Fall ein Christ zn seyn, sah sich gcuötm'gt, zur katholischen Kirche zurückzukehren; der jüngere, entschlossen, aus jede» Fall ein Protestant zu seyn, sah sich genöthigt, alleS Christliche aufzugeben, und ein bloßer Naturalist zu werden. (Aus „Brownson's Quarterly Review", Boston und London, October 1853 ) Bekehrungen im Jahre 18S3. Im Januar ist die Mutter der Prinzessin Karola Wasa, die bereits im vorigen Jahre zur katholischen Kirche zurückgekehrt ist, zu Moravetz in Mähren dem Beispiele ihrer Tochter gefolgt. Sie ist eine Prinzessin von Baden, die Tochter von Carl Ludwig und Stephanie Beauharnais, seit dem Jahre 1844 von dem Prinzen Was« geschieden. — Ebenfalls im Januar wurde der Schriftsteller Beer zu Paris katbolisch. Im Anfange des Jahres fanden außerdem in England folgende Bekehrungen statt: Lord CharleS Tynne, Domherr von Canterbury und Pfarrer von Longbrivge, Schwiegersohn des protestantischen Bischofes von Bath und Wells, Bruder der Herzogin von Buccling, wurde katholisch und verzichtete damit auf ein jährliches Einkommen von 10,000 Thaler, welche seine geistlichen Stellen eintrugen. — Francis Wegg Prosscr, ein ausgezeichnetes Mitglied der Universität Orford, im Jahre 1847 Parlamentsmitglied, that denselben Schritt. — Ferner Frau Daymann, Frau eines anglikanischen Geistlichen. H. G. Bowden, dessen Vater schon seit einiger Zeit katholisch geworden, legte zu Gibraltar vor dem Gcneralvnar Nciuy das katholische Glaubensbekenntniß ab. Damit ist das letzte Glied einer angesehenen, großen Familie, die vor nicht langer Zeit noch ganz protestantisch war, katholisch geworden. Hope, einer der ausgezeichnetsten Nechtsgelehrten Londons, trat nebst seiner Gemahlin, einer Enkelin von Sir Walter Scott, zur katholischen Kirche über. — Den 29. Januar kehrte der Herr Geheimrcuh, Ritter Olszewöky ans Potritten in der Diöcese Ermeland, durch ein mehrjähriges Studium vorbereitet, in den Schooß der katholischen Kirche zurück. Am 8. März legte der protestantische Pfarrer Christfreund von Oberroßbach im Nassauischen zu Dillenburg daS katholische Glaubensbekenntnis) ab. Schon um Osten» deS vorigen JahrcS hatte er seiner Gemeinde «klärt, daß er die Wahrheit nur in der katholischen Kirche erblicke, und hatte darauf sein Pfarramt niedergelegt. Nur eins seiner Pfarrkindcr folgte ihm, nämlich der Müller Sorn, der zugleich mit ihm zu Dillenburg in die katholische Kirche aufgenommen wurde. Am 14. Juli legte die 32 Gräfin Hoogstraatcn Voerde, in der Fürstlich Salm-Salm'schen Schloßkapelle zu Anhalt daS katholische Glaubensbekenntnis) ab. Am 20. November Gsrörer, Professor an der Universität zu Frciburg. Vierundsechzig Lehrsprüche aus dem Munde des heil. PbiltppuS Nert. Der hl. Philipp Neri, ein Mann ausgezeichnet durch Wissenschaft und Heiligkeit, und sehr erfahren in der Seelenführnng, hat zu seiner Zeit Unglaubliches gewirkt. Gelegentlich gab er den Seinigen mehrere Lehren und Winke, die unö seine Freunde aufbewahrt haben. Einige von diesen folgen hier zum Nutzen der Leser veS Sonnlags- BeiblaticS. 1. Der hl. Philippuö wurde seit seiner frühesten Jugend vom Herrn vieler Gnaden gewürdigt, er hegte eine lebhafte Neigung sür das Geistliche und verschmähte alles das, was die Welt schätzt, wie die Liebe zu den Verwandten, die Erhöhung der Familie, die Vermehrung der Reichthümer so sehr, daß er seinem Oheim, der ihn zärtlich liebte und ihm zusprach, von seinem Vorhaben, sich ganz dem Dienste GotteS zu widmen, abzustehen, indem er ihn zum Erben aller seiner Güter, deren Werth sich auf 22 Millionen Scudi belicf, einsetzen zu wollen verhieß und ferner bemerkte, vaß mit ihm die Familie auSsterben und somit die ihm zu Theil gewordenen Wohlthaten fruchtlos bleiben würden, mit jener bescheidenen Kürze, die in derartigen Entschließ»»» gen erfordert wird, antwortete.- nie werde er der empfangenen Wohlthaten vergessen — übrigens lobe er mehr seine Zuneigung als seinen Rath. 2. Zu Rom bot sich dem hl. Philippns die erwünschte Gelegenheit dar, Gort nach seinem Verlangen zn dienen. Dort lag er den Wissenschaften ob und machte in denselben solche Fortschritte, daß er nicht nur zn seinem eigenen Nntzen hinreichend in ihnen bewandert war, sondern auch noch zum Frommen deS Nächsten damit wirken konnte. Aber jenes Wort des Apostels erwägend: „nicht mehr zn wissen, als Noth thut," ließ er jene Bestrebungen fahren, um sich ganz der Wissenschaft des Gekreuzigten zu weihen. Daher wählte er sich, mehr als früher der Einsamkeit und besonders deS Schweigens, deS GcbeteS und der FlcischeSabtövtnng beflissen, die Andachten Übung, zu den sieben Kirchen und Katakomben deö hl. Sebastian unter beständigem Gebete zu wallfahren; dabei wurde er von einer solchen Fülle himmlischen Trostes überströmt, daß er der brennenden Liebeöglnth nicht mehr mächlig, zn Gott auörief: „ES ist genug, o Herr, es ist genug!" Darum ist'S nicht zu verwundern, daß er voll vom Besitze seines Gottes, häufig sagte: „Dem, der Gott wahrhaft liebe, sey nichts beschwerlicher und lästiger «lS daS Leben," öfter jenes Wort wiederholend: Der wahre Diener Gottes erduldet daö Leben, ersehnt den Tov. 3. Niemals gestattete er den Scinigen. daß sie um des Studirens willen die gemeinsamen Uebungen, wie daS Gebet, die Ermahnnugcu (Anreden) Beichlhören und andere gewöhnliche Verrichtungen unterließen; er hielt sie keineswegs vom Stndiren ab, sondern schärfte ihnen nur ein, bei demselben ihr Augenmerk auf die Gegenstände hin» zulenkeu, welche ihrem Berufe (dem Orden) einsprächen, und nicht darauf bedacht zu seyn, daß sie unter den Ander» gelehrt schienen; der wahre Diener GotteS, sagte er, muß dahin streben, daß er wisse, nicht aber zu wissen scheine; er soll mehr durch Gebet als durch Studium in die Geheimnisse der hl. Schrift eindringen. Titel und Inhalt zum Jahrgang 18ZS wird mit der nächsten Nummer ausgegeben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag»-Inhaber: F. C. Kremer.