Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beibßatt zur Augsburger Po Leitung. 29. Januar M- F. 1854. DicseS Blatt erscheint regelmäßig alle Bo»utage. Der >>^lt>jährige Atwnvei-lcittsprei« ?<> fr., wofür eS i^urch all? löniql. baper. Poilömtcr pud alle Bvckhaudlnr-a-?! be^>?s>cn w-rde» kc-nn. Dle Beatlficction des ehrw. Dieners GotteS Andreas Bobola. *) Andreas stammte aus der polnischen Adelsfamilie Bobola, die aus Böhmen entsprossen war und unter ihren Gliedern Männer zählte, welche im Kriege und in öffentlichen Aemtern des Königreichs Polen sich rühmlichst auszeichneten, Andreas ward im Jahre 1592 in Litihaue» im Palaiinat Sandomir gebore», zeichnete sich von Kindheit an durch.eine uiigemune Frömmigkeit aus und war während seiner ganzen Jugendzeit seinen Altersgenossen ein nachahmcnswürdiges Tiigendninster, Frühzeitig entsagte er allen glänzenden Aussichleu, welche die Welt ihm öffnete, und trat (nennzehn Jahre all) in den Orden der Gesellschaft Jcsn, der er sich im Jahre 1630 durch die gewöhnlichen Gelübde aus immer verband. Nachdem er die Priesterweihe einvfauaen Halle, widmete er sich eine Zeit lang dem Uineirichtc der Jünglinge in den Wissenschaften und der Unterweisung der Knaben in der christlichen Lehre; dabei unterli.ß er, von Seelcneifer durchglüht, niemals, das Wort GotteS zn verkündigen, und that dieß mit solchem Erfolge, daß er sehr Viele zur Buße bewegte. Drei Jahre lang widmete er sich ganz der Pflege und Unterstützung der von einer ansteckenden Senche Befallenen. So machte er sich würdig, von Gott zu noch höheren Dingen erwäl>!t zu werden. Um jene Zeit hatten die schiSmaiischen Griechen den polnischen Erzbischof Josaphal gelobtet, und versuchten nun Alles, um ihre Irrthümer unter den Gläubigen zu verbreiten. Damals wurden mehrere Kollegien der Gesellschaft Jesu zersiön und vierzig Söhne derselben geiödtet. Ans diesen Kampsplatz ward nun Andreas Bobola gesendet. Furchtlos ginz er den drohenden Gefahren entgegen, mit aller Kraft uud Aufopferung kämpfte er gegen die Bersührnng, die größten Mühsale uuv Widerwärtigkeiten ertrug er freudig, und gab endlich, unter den ausgesnchlesten Qualen sein Blnt vergießend, für Christus und das Wohl seiner Schase daö Leben hin. Am 16. Mai 1657 errang er die Marlyrerkronc. Die 8. LonZreAglio Kiluum sagt von ihm: tarn cruclxltz vix -rut n«z vix cruiclem in Irav Lacra ^un^regutionv riropositum l'uit üimüe Martyrium. — Andreas Bobola, war im Collegium von Pinsko, wo er mit seinen Mubriidcrn viele Jahre hindurch alle möglichen Bcr.uionen zu ertragen hatte. Die Schismaliker erspähten ibn, als er in Jcrnow zum Troste der dortigen Katholiken verweilte. Zwei Kosockenofficiere mit vielen Soldaten suchten ihn auf und irafen ihn anf dem Wege von Janow nach dem Dorfe Perelynda. Zuerst schlugen sie ihn auf die roheste Weise, banden ihn dann uiil.r sorlwährenden Mißhandlungen an ein Pferd und schleiften ihn ganz mit Blnt bedeckt nach Janow zu ihrem Hauptmaun, Dieser forderte von ihm gebieterisch, er solle der Gemeinschaft mit Nom entsagen; wüthend über seine beharrliche Weigerung ') Kath, Wochenschrift, 34 hieb er ihm mit dem ersten Säbelhieb beinahe die Hand ab, mit dem zweiten verwundete er ihn am Fuße; ein Soldat stieß ihm ein Auge auS. Dann schleiften sie ihn fort in den Laven eines Fleischers und brannten ihn mit angezündeten Fackeln, um ihn ordentlich zu braten, bis taö Fleisch flüssig würde; sie zogen ihm die Haut vom Kopfe und von den Handen ab, zur Verachtung der Tonsur und der pricstmichcn Weihe; sie fuhren dann fort, auf dem Nucken ihm die Haut abzuziehen, vergrößerten seine Wunden, schlugen dann Rohre zwischen die Nägel und daS Fleisch der Finger, sckni ten ihm die untere Nase und die Lippen ab, öffneten am Hinlerkopf eine große Wunde und nahmen dann die Zunge heraus. So ließen sie ihn mitten im Straßenk.th liegen, und da der Hauptmann nach einigen Stunden ihn noch nicht todt sah, machte er dem Leben seines Schlachtvpfers mit einem großen Säbelhieb ein Ende. Die genaue Beschreibung dieses grauenvollen Martyriums gibt P. Phil. Monaci in seiner Biographie deS sel. Märtyrers. Im Jahre 1739 gestattete die 8, LonZreggtio Kituum, daß der Proceß über daS Marterthum Bobola's eingeleitet werde; Benedict XIV. erließ 1755 das Decr.t, durch welches sein Martyrium und die e-iusa coustatiit wurde, und nachdem Gregor XVl. daS Wunder der Unverweslichkeit des Leibes dieses Mar yrers als bewiesen erklärt, und Pius IX. durch Dccrel vom 5. Mai 1853 auch die drei andern durch dessen Fürbitte erfolgten Wunder approbirt halte, erklärte der letztgenannte Papst am 24. Juni v. I. in der lateranensischen Basilika, daß man zur feierlichen Bealificalion schreiten könne. ES ist erklärlich, daß der russische Hof die Seligsprechung dieses Märtyrers höchst ungern sah, um so mehr, da bei den Polen der Name Bobola in hohem und ehrwürdigem Andenken steht und auf Grund einer ständigen Tradiiion an seine Eihe- bung zur Ehre der Altäre sich große Hoffnungen für die Bekehrung Rußlands knüpfen. Der Congregalion war eS äußerst schwer, aus Litlhauen authentische Berichte über verschiedene aus den Märtyrer bezügliche Umstände zu erhalten; denn die russische Regierung bot AllcS auf, um solches zu vcrhind.rn. Der Dominicaner-Prir zu St. Peiersburg und noch ein anderer Ordenopriester wurden vcrha-tct und —. man weiß nicht, wohin? — abgeführt, weil sie auf derlei Anfragen über einige das Marterthum deS P. Bobola betreffenden Thatsachen Aufschlüsse eilheilt hallen. Alle ihre Papiere wurden weggenommen. Auch heißt es, auf höheren Befehl seyen die Gebeine deS Märtyrers, die einen lieblichen Duft aushauchten, auS der Kirche, wo sie bisher mit größler Sorgfalt waren aufbewahrt worden, weggenommen und auf dem Kirchhofe, mit andern Geb.iuen vermocht, umhcrgestreui worden. Indessen wcuen alle Bemühungen der Schismatiker vergeblich: der Prvr.ß wurde nach den kanonischen Vorschriften zu Cude gesührt und der 30. Oktober 1853 zur Seligsprechung a> beraumt. Als der ersehnte Tag gekommen war, versammelten sich in der i aticanischen Basilika die Cardinälc, die Congregalion der Ri en mit ihren Consulloren, das Capitel und Seminar von Sr. Peter. Der General d.r Gesellschaft Jesu, P. Peter Beckr, trat vor den Caidinal Pa rizi, Vicarius Seiner Heiligkm (in Abwesenheit deS Cardinais LambruSchini, Präfecicn der Cvngregcition) und bat, demüihig nie?erknieend, um die Publication deS BealificalionS--Breve, welches auch sogleich laut abgelesen wurde. In diesem Augenblicke wurde daö Bild oeS Seligen enthüllt; man stimmte ° den Amirosianijchen Lobgesang an, es ertönte daö Geläute aller Glocken Roms und von der CngelSburg donnerte das Geschütz, Unmilteibar darauf begann die Messe, welche MonsitzNvr Pio Bighi, vom vaiicanischen Capilel, celebrirte. — Der heilige Vetter wohnt der BcatificailVnö - Verkündigung niemals bei, sondern begibt sich Nach- miliagS nach St. Peter. Da er damals den Quirinal bcwchnle, so war sein Besuch bei St. Peter feierlicher, als gewöhnlich; der Weg durch Rom w5 ^e5u I^sets gestivnsczue Ouoä 4 N v R 15 4 U K 0 K 0 I. ^ M ^6 omnem ssnetitstem eveetum I.sooril>u8 periculis in I^itnugnis ?ro sniirmrum 5slute per gnnos p. AI. XX. Lt i»u8tri m.irlz'rio Xr?. s>erkunetum Loelo transmiserit ^ovensilem. Bei dieser Gelegenheit bewies sich wieder die Klugheit und Umsicht deS päpstlichen Stuhles in glänzender Weise. Daß Bobola durch die gritchi chen Schismatiker in Rußland grausam gemauert worden, ist aller Welt bekannt; dennoch aber bot man Alles auf, damit bei Gelegenheit der feierlichen Kundgebungen, welche dem kirchlichen RttuS zufolge das Fest der Beatification oder der Kanouisati'on eines Dieners Gottes begleiten, Nichts vorfiele, wodurch der Kaiser von Rußland beleidigt oder auch mir dessen große Empfindlichkeit ver etzt werden könnte. Die lateinischen Inschriften, welche die Hauptmomenle aus dein Leben des neuen Seligen einhielte», womit die Thore und das Innere der vatikanischen Basilika geschmückt waren, sind vorher vom Sraa Ssecretariaie anfS Sorgfälligste geprüft worden. Dem Verfasser dieser Inschriften, dem als christlichen Archäologen weltbekannten P. Marchi aus der Gesellschaft Jesu, war aufgegeben worden, die Urheber deS vom P. Bobola erlittenen grausamen Martyriums nickt einmal mit Namen j,u nennen. P. Marchi dürfte sich daher wohl in einiger Vcrlegenbcit befanden haben; weder die Worie „Lclnsmstiei" noch jene „Kuteni 8eni5M!>tis riropugn-ltores", weder „Hgringtse" noch „8surc>mi>lge" durften in den Imchniten vorkommen. Mit derselben Behutsamkeit verfuhr man in vem „liiorniile cli Koma", worin die BeatificationSscier natürlich besprochen werden mußie. Der Redacteur batle dem Ccnsnramte einen Aufsatz präseniirt, in welchem von der gedachten Festlichkeit und natürlich auch vom Ltben und Martyrthum deS P. Bobola die Rede war; der Aufsatz wurde jedoch zurückgehalten, obgleich dessen Versasser, die Ansichten der Regierung richtig interpretirend, lie Ursachen jenes Martyriums nie bei ihren Namen genannt Halle. Erst nach langer und sorgfältiger Prüfung von Seilen deS StaatssecrelariatS selbst durfte der beireffcude Artikel, mit Hin- weglassung aller Momente, die auf den grausamen Tod deS seligen Bobola Bezug haben, veröffentlicht werden. Aus diesem Grnnde konnie die Biographie deS ausgezeichneten Dieners GotteS in dem Regierungsorgane nur unvollständig und verstümmelt «rschcinen, während bei andern Bcalificaiiouen in diesem Blatte eine kurze, aber vollständige Legenve der Heiligen gegeben wird. Brief von ElemenS Brentano an ein zwölfjähriges Mädchen. *) Mein liebes gutes Kind! In dem Hause zu H** bei Herrn N. N., wo du so viele Wohlthaten genießest, ist mir auch viel Liebes und Freunvliches erwiesen worden, und so haben wir denn *) Wir theilen hier einen Brief des Clemens Brentano, eine» großen, gelehrten nnd stemmen Mannes, an ein zwölfjähriges Mädchen, aus einer schwer geprüften Familie, mit, welchen er au« Dülmen schrieb, wo er sich damals bei der gottseligen Klosterfrau A. C. Emmerich aufhielt, und da« bekannte Buch „Betrachtungen des bittern Leidens« nach ihren Mittheilungen schrieb. 36 miteinander von denselben Händen Gutes genossen, Wenn aber zwei durstige Menschen ans derselben Quelle getrunken haben, ist es recht nnd billig, daß sie miteinander Gott dafür da»!en in ihrnn Gebete, Das wollen wir nun anch von gan,cm Herzen, und wenn du sitt deine Wohlthäter zu H"" betest, so denke nur immer, daß ich milbete, und wenn ich in der Ferne sür diese guten Menschen bete, will ich immer denken, baß du auch mübe'est Ich srene mich recht, das; wir so etwas GuteS haben, was wir zusammen lhnn können; denn ich bin dir gleich ?e,m Anfange an recht gut gewesen, ich bin allen stillen Kindern gut, weil sie der liebe Herr Jesus auch gern gehabt hat. Jetzt, mein lieber) Kind, nahet sich der heilige Christrag; da ist der liebe Herr JesuS. der u»S alle gelehrt, geliebt, geheilt, erlöst und für uns Alle gestorben ist, in einer armen Höhle von seiner armen Mutter Maria geboren worden. Das ist die schönste Zeit für die Kinder- erstens, weil da die Kinder der reichen Leute allerlei Gescheute erhalten» (über denen sie manchmal das liebe Christkind ganz vergessen); zweitens aber, weil da die armen Kinder, welchen ihre Eliern nichts geben können, sich recht sreuen können, daß sie gerade so arm sind, wie ihr armes Brüderchen, das Christkind. Ja, wenn sie nur denken: ich habe nichts, denn ich habe Alles dem lieben Jesu kind geschenkt, so ist es besser, als wenn sie viel reicher beschenkt worden wären, und der liebe JesnS wird eS ihnen reichlich belohnen, daß sie ihre Armuth so gern mir Ihm theilten, als Andere ihren Reichihum. Dn hast, mein liebes Kind, einen recht guren Jesus, er hat dir eine gute Mutter gegeben und fromme, wohllhärige Pslegällcrn, und hat dich dabei arm gemacht, damit du recht fühlen kannst, daß du Alles andern guten Menschen durch Jesum Christinn zu verdanken hast, und baß du reichlich bezahlen kannst, wenn du Jesu von ganzem Herzen dankest und für deine Freunde uud Wohlthäter betest. Sieh, mein liebeS Kinv, selbst für daS, was andern Menschen ein großes Unglück scheint, kann ein srommcS, gutes Kind danken, znm Beispiel, daß du ein so schweres Gehör hast, dafür kannst du auch Gort danken; denn so hörst du manch-S unnütze und böse Geschwätz nicht uud kannst iuumr still fort in Frieden uud Cinsamkn't mit deinem Herzen bei Jesu seyn, während er dir alle deine Geschäfte verrichten hilft. Wenn man innerlich nur gehorsam ist, kann mau das äußere S chör leicht en bchren, und wenn Gott mit dir spricht und dich trösten ider ermähnen will, so sagt dir es dein heiliger Schutzmgkl gleich ins Herz und braucht deiue Ohren gar nickt. Seh du nur innerlich immer voll Liebe zu JesuS und allen Menscken, bete für Alle, bete für jede Noch, die du erfährst, AUeS befehle Gott au, roaS dir leib thut, cS sey für dich ober Andere. Gib dich ganz in den Schutz der heiligen Mutler Gottes, die weiß am besten, was einem armen Kinde gut ist, und wird immer dich ihrem lieben Sohne empfehlen. Und wenn du für dich allein betest, so sage immer: O all ihr lieben Heiligen, ich grüße euch alle in dem süßen Herzen Jcsn, das ist ihnen der allerliebste Gruß, und sie werden dann alle freundlich auf dich herabsehen. Zum heiligen Segen von Priesterhaud habe immer ein herziges Verlangen, und wenn du einen geistlichen Herrn um seineu Segen schicklich bitten kannst, wenn es auch außer der Kirche ist, so versäume eS ja nicht, den Segen auf een Knieen zu empfangen und dich der Liebe und dem Vertrauen auf unsern lieben freundlichen Herrn Jesum, der unser Valer, unser Bruder, uuscr Alles ist, recht huzlich d.-.bci hinzu>;tbcu Ja, ein Segen ?on Priesterhaud ist auch viel mehr werth, als das liebste Geschenk; denn er kommt von Jesu Christo, dessen Gaben besser sind, als alleö Gold der Erde. Wenn du in die Sicwt oder sonst einen weitem Weg in Geschäften gehest, so schleiche immer vorher in die Capelle und bezeichne dich mir Weihwasser und beuge dich vor dem Altar uud mache daS Kreuz nnd denke: O du mein lieber Schutzengel, bewahre mich auf diesem Weg vor allem Uebel an Leib und Seele, mache, daß ich nichts BöseS sehe, und daß auch gar kciu unrechter Gedanke in mich kommt. Und sollte dir doch etwaö Unrechtes oder eine Sünde von andern Leuten vorkommen, so mache heimlich ein Kreuz aus die Brust und spreche: Herr JesuS, unter dein heiliges Kre»>, lasse nichts BöseS kommen. Für deinen Vater, der weil in ein fremdes Land gereist ist, bete zu Gott täglich von ganzem Herzen, 37 vaß er ihn auf guten Wegen führe, ihn in Frömmigkeit und der rechten Andacht erhallen und cinstcnS glückii^cr zu seinen Kindern zurückführen möge, als er sie verlassen hat. Und dabei nimm dir immer recht von Herzen vor, täglich besser zu werden, daß du auch ihm rechte Freude machen könnest, wenn er dich einmal wieder sieht. Für deine gute Mittler bete auch reckt von Herzen, daß der liebe JcsnS sie in ihren Betrübnissen trösten möge und sie recht viele Freude an idren Kindern erleben lasse. Für vcine Geschwister bete auch recht hcrzlich, daß sie recht gut und fromm werden, vas ist mehr, als alle Güter der Erve. Besonders bete für deinen lieben Bruder A, *) in M., daß Gott ihm zn seinem Studium seinen hei igen Geist reichlich senden möge, Damit er einmal ein recht frommer Priester Jesu wir» und dir einen recht kräftigen Segen geben kann. Ach, liebeö Kmd, mit welcher Lust wirst du bete», wenn du ihn einmal die heilige Messe lesen hörst! Wenn dn für die liebe N. N. Familie betest, so sage: O mein lieber Herr Jesus! Gib dem lieben Vattr Gesundheit und Freude und Trost in seinen vielen Geschäften unv gib der lieben Mutter Stärke und Ruhe und Vertrauen auf dich allein in allen ihren vielen Sorgen und gib allen den Kindern Segen, Liebe zn dir und allen Menschen; lieber Herr JesuS, schütze dieses HauS, weil hier die Ärmen anch geschützt werben. Unv dann, mein liebes Kind, ritte ich »ich, auch zuletzt für mich zu beten, dann sage: Liebster JesuS, ich bitte dich von Herzen für meinen guten Fr>und und auch für diejenige fromme Person, welche ihn zu dir, mein lieber JesuS, geführt h>rt. Herr, gib ihnen deinen Segen. Sieh, m>in Kind, das kannst du abwechselnd thun, bald für diesen, bald für jenen, bald für alle miteinander beten, aber thue eS immer mit Liebe und Glauben, daß Gott alle deine Gedanken sieht und deine Worte hört, unv daß er dein Beten an jedem Menschen segnen wirv, weil er ruchtS als Güte und Liebe ist. Nun noch zuletzt sage ich dir auch, daß ich dich Gott recht oft von ganzem Herzen empfehlen will, und daß cö mich sehr freur, wenn dieser Brief dir Vergnügen macht. Lebe wohl unv liebe Jesum und alte Menschen in ihm. — Düimen, den 1. December 1318. Dein guter Freund Clemens Brentano. Rom. Rom. Belannttt'ch hat der heiü'ge Vater vor z'!'ci Jahren eine besondere Commission ernannt, um die dogmalischen Beweise für die imrrmculitta ccmcerttio der Mutter Gottes zu prüfen, unv insb«sondcre zu untersuchen, in wie fern in den heilige» Schriften, der Tradition der Kirche und dem der erhabenen Gottesmutter in dieser Nückslch! bewiesenen Cultus sichere und über jeden Zweifel erhabene Stützpuncte gefunden werden, um diese Frage ex cittneelr-r «nisckcidcn ju können. Diese Prüsnngs- Commission ist ans den angesehensten römischen Theologen zusammengesetzt: Pater Pervnnc und P. Passaglia anö der Gesellschaft Jesu, P. Spada auö dem Dominicaucroidcn, P, Touini, Coiwcittuale, Msgr. L»ca Pacisici, Sccretär Sr. Hcili kett für die Brevcn an dir Fürsten, und P. Thein er a»S dem Orden deS heiligen Phil ppus Neri, unter dem Präsidium Sr. Eminenz deS CaidinalS Raphacl Fornari, Prafeclen der Eongregettion der Studien, Als Beispiel von der mufassen- den Thätigkeit dieser Commission möge Folgendes dienen: AIS man in Urfahrung gebracht, vaß in der Bibliothek von San Lazaro bei Venedig noch alle Handschriften armemschcr Väur, worin die betreffende F>age berührt weide, sich vorfänden, wurve sogleich P. Antonio Ballerini, Professor der Kircheiigeschichte im römischen Colle- gium, beauftragt, sich nach Venedig zn begeben und an Ort und Stelle diese alten Manustriple i>u Original zu untersuche». Die Commissi,n hat ihre Arbeiten so weit vollendet, daß sie i» b>n ersten Tagn» des Decembers dem heiligen Vater ihr Gutachten über die ihr r Prüfung »nlerbitilclc F age i» einer 200 Selten umfassenden und von P. Passaglia auSgcarbcilelen Denkschrift übergeben kvimle. *) Dieser ist jetzt Bischof. 38 Wien. Wien, 7. Jan. Wir haben gerade tüchtiges Thauwetter und eS scheint doch auch, als wollte eS ausihanen in der geistlos indifferenten Welt unserer Hauptstadt, denn man will in den Predigten der beid u PP. Kli'ukowström Leute gesehen haben, die sonst nicht oder böckst scl cn in der Kirche zu sehen sind, selbst Redacteure, wir wollen glautcn, nicht bloß um deS NniigkeitSblatteS willen. A"er so wie daS Thau« weiter um die jetzig? JahreSn Bekehrung und nicht b'oß znr oberflächlichen Ersüllnng der österliche,! Pflicht. Z dem sind auch dann die Beichtväter da und bereit die Beichte zu hören; denn das bleibt für Wien ein geheimes Unglück, daß ungeachtet vieler Predigten wenig gebeichtet wird, wenige zum Tische deS Herrn gehen, billiger Weise muß man ciugestehcn, daß eine M tnrsache dieses U belS in dem Mangel an Priestern, speciell an Klöstern liegt. Wollte in Wien jeder katholische Christ in seiner Pflicht und über die Pflicht hinaus nur ein wenig mehr aus Liebcöciicr im Empfange der heiligen Sacramcnle ihäiig sey», so genügte die Zahl und Kraf/ der Priester nicht bei den vielftiligen Anfortcrungn, die die Seelsor,!,e einer Hauptstadt an sie stellt. Nmende auS kleinere» Stadien I'cnischlanrS bat eS oft schon befremdet, daß in Wien nicht in jeder Pfarrkirche alle Nachmittage Beichte gesessen wird. Sie würden sich nicht mehr wundern, wenn sie wüßten, d.'ß der Psarrer als Kanzleimann der Seel- sor^e gänzlich einzigen wird, die Capläne aber mit Schule, Tauf- und Versehgäugen bis sp.iicn Äbeud sich müde arbeiten. So har denn auch hierin der Josephi'niömns durch Anfhebung der Klöster für daS sittliche Leben der Hauptstadt sehr stiefvätcrlich gesorgt, deuu die Katholiken, denen die G>l>gcnheit znr Beichte benommen ward, wurden endlich gleichgiltig gegen die S^cramenie, und gewölbten sich nach und »ach, durch die ncne Zeit illiümnirt, an die Moralpredigt ohne Beicht, d. i. an den Protestantismus, auS dem dau» der platte JudiffereniiSmuS hervwrwuchS mit seinem Grundsätze der Allcrweltöehrlichkeit. Die Ncv.'luiion von srmo >8ä8 hat endlich dem JosephinismuS die Krone ausgesetzt, indem sie nov von den wenigen Klöstern einige aufhob und die Beichtväter auS ihnen verjagte; war der Hirt geschlagen, so werden sich die Schale der Hecrde zerstreuen, ein Polk ohne Beichte ist bann unser, war aanz richtig von ihr kalknlirt. Soll demnach daS vierte Kircheugebot für alle Katholiken wieder erfüllbar seyn, soll wirklich der Empfang der heilig.» Sacramcute der Buße uud deS Altarcö bei uns wieder heimisch, und Wien dadurch sittlich wiedergebo-en w>rdeu: so möge unö die göitl'che Bori'hnng recht bald die vertriebnien Orden wicdcr geben, die den Arm des Priesters in der Pfarrscelsorge unterstützen und daS Werk der allseitigen Bekehrung ermöglichen. (Salzb. Kirchenbl.) 39 Bierundsechzig Lehrsprüche auö dem Munde deS heil. PhilippuS Nert. 4. Er sah es lieber, wenn die Priester die heilige Messe elwaS rasch als zu langsam lasen, b.ibei jedoch so viel Zelt gebrauchten, als die Würde einer solchen Handlung erheischt. Wenn er daher bei der heiligen Messe eine Abströmende Fülle der Andacht verspürte, so pflegte cr sie ermahnend zn sagen: „nicht hier wünschte ich dich, sondern in der Zelle," damir andeutend, daß man allerdings die heilige Messe mir Inbrunst feiern müsse, aber nicht bis znm Ueberdruß der Beiwohnenden, nachher könne man auf seinem Zimmer der Andacht freien Lauf lassen. 5. Sein Vertrauen, Gott werde seine OrdtiiSgesellschast erhalten, war so fest, daß er, wen,» auch alle sie hätten verlassen wollen, sich nicht im Geringsten würde geängstigt haben; sein Wahlipruch war: „Gort bedars der M.nschen mchl", und wenn Jemand auslral, so pflegte er zu sagen: „Gott ist mächtig, auS diesen Slcinen Kinder Abrahams zu erwecken." 6 Er leitete die Versammlung mit der größten Umsicht und K ngheit, so, daß er alle im heiligen Friede» und in der Eintracht erhielt. Es kann sich Niemand denken, pflegre er zn sagen, ivie schwer es sey, freie Wesen mir einander in Einigkeit zn erhalle» und dieß kann man nicht leicht durch ein anderes Mittel erreichen, als dadurch, daß man sich gütig erweist und sparsam im Befehlen; deshalb fügte er auch hinzu: Wer will, daß man ihm viel gehorche, der muß wenig befehlen. 7. Den, Ungehorsam war er so sehr feind, daß cr diejenigen, welche in irgend einem Siiicke e ne bedenrenr-e Widerspenstigkeit gezeigt, so orl auS dem Orden enifernt wissen wollte, wenn sie nicht schon selbst ihre Enliassnng bcgehne». Es stchr bei mir fe>r, sagre er, keine Menschen zu dulden, die jene kleinen Vorschriften, die ihnen gegeben woiden, nicht beobachten. 8. Damit sie desto mehr sich selbst und ihren Eigenwillen überwänden, bestand er, sobald er an ihnen ein Widerstrebe» remerkte oder eine Sucht sich zu en schnldigen, nur um so fester auf seinen Befehlen; ja cr verwies sic zu widerHollen Malen in einer nach ihrer Ansicht uiigelegene» Zeit und Stunde an die Geschäfte; und vaS alles thar der heilige Mann, weil ihm s^ sehr daran lag, daß seine geistlichen Söhne ihre Vernunft ablotete« und eimn demüthigen Geist hätten, damir sie nicht, wie er sagre, eine hehe Meinung von sich selbst hegien. 9. Ferner hieli er das für einen wesentlichen Punct in der L.itung eines Ordens, daß die Einlünfie mir großer Spmamkeir verausgabt würden, indem er sie, wie sie eS denn auch sind, Girier der Armen und Erbe Ehristi nanirre — und hierin war er so behutsam, daß cr dem Orden keine Kosten g-starere, die nicht mehr als nolhweudig warcn. — Bei dieser Gelcgenheir sühne er a», was Johannes CasfiannS von jenem Koch schreibt, der von seinen Vorgesehen scharf geradelt ward, w-.il er drei Zinsen verschleudert; und von dem heiligen Anronius, Erzdischof von Florenz, der bei der Kirchenlampe stuvirtc, um nichr, wie er sagle, das Vermögen der Armen zu vermindern. Und wenn ihm Jemand bcmcrtie, diese viengstlichkeil sey übcrlricden, so erwiderte cr: „Nehmet mir jenes Bedenken, daß eS Kirchen^ul sey, und dann lhut was ihr wollt." 10. Die Tugend deS Gehorsams lebrte PhilippuS durch Wort und Beispiel; so ließ er nie auch den lciiesten Wink seiner Oo.rn in Angelegenh-iren deS OivenS unberücksichligr, und war in dem, was täglich im Or»en besorgt werden mußie. mochte eS nun den öffenrlichen oder besondern Tiefst belrefscn, immer und überall am püncl- lichsten, und zwar in dem Grade, daß er, um Geschäfte willen ans Thor oder zum Messelcsen in die Sacristei, oder zum Beichihören in der Kirche gerufen, AUcS liegen ließ und augenblicklich gehoretue; für Alle und jeden Einzelne» kam er zu jeder Zeit, nicht mehr als einmal gerufeu, indem cr sag e: „besser sey eS, jenem Kültcr oder Thürhüter, v,n dem man gerufen werde, zu gehorchen, als in seiner Zelle »ri ren im Gebue zu verharren." Wenn ihm Jemand bemertte, man müsse doch dem Priester, 40 der die heilige Messe feiern wolle, wenigstens einige Zeit zur Vorbereitung gestatten, so erwiderte er: Vorbereitung sey freilich »ölhig, aber die wahre Vorbereitung eines guten Priesters sey, so zu leben, daß er zu jeder Stunde (waö das Gewissen anbelangt) Messe lesen und coininuniclrm könne. 11. In Bezug auf diese Tugend gab er noch viele andere Lehren, daß die« jenigcu neun,ich, welche aufrichtig wünschen, ans dem guten Wege Fortschritte zu machen, sich in Ällem in die H5»de ihrer Vorgesetzten übergeben; jene aber, die nicht unter dem Gehorsam lebten, sich aus freien Etücken einem gclehnen und klugen Beichtvater, dem sie als dem StellveUrct.r Goitcö selbst gehorchten, unterwerfen sollten, ihm alle ihre Anliegen, die sich irgendwie auf das Seelenheil beziehen oder beziehen könnten, ganz freiwillig und aufrichtig offenbarend; auch dürften sie nicht das Geringste ohne seinen vorher eingeholten Rath beschließen; wer ans diese Weise handle, fügte er hinzu, könne sicher seyn, daß er nichts thue, wovon er Gott selbst Rechenschaft ablegen müsse. 12. Deßwegen crinahnle er, nie ohne Ucberlegnng und Gebet zur Wahl eiueö Beichtvaters zu schreiten; den einmal gewählten aber solle man nur aus den dringend- sten Gründen verändern; denn der Teufel, so pflegte er zn sagen, strebt, wenn er nicht in schwere Sünden stürzen l^nn, auS allen Krägen dahin, Mißtrauen zwischen d.rs Beichtkind und den Beichtvater anzusäen, weil er auf diese Weise ailmälig und nnvermerll zum erwünschten Ziele gelaugt. 13. Ferner sagte er, der Gehor,am sey ein kurzer Weg, die Vollkommenheit so schnell als möglich zn erreichen, und schätzte den, der unter dem Gehorsam lebte, weit höher, als Jemanden, der ein gewöhnliches Leben sührte und auS freien Stücken eine (wenn anch ausgezeichnete) Buße übte; der Gehorsam endlich sey ein wahres Brandopfcr, d,,S wir Gott aus dem Altare uusereö Heizens darbringen. 14. Er fügte noch hinzn. der Meusch müsse sich Gewalt anihnn, daß er auch in kleinen Dingen, die von keinem Werthe zn seyn schienen, gehors.un sey; denn dadurch wcne ihm der Gehorsam in größcrn leichter. 15. Den Seinigen im O>dcn bemerkte er, daß sie Alles, sogar das Gebet für die gemeinsamen Uebungen verlassen müßten. G ö r z. Görz im Jänner. Der hochwürdigste Fnrsterzbischof Franz Xaver hat in einem Hirtcusel reiben vom 4. v. M. anläßlich deö im vorigen Jahre im Lande eingetretenen MißwachseS, der ein Noihjahr befürchten läßt, Woite des Trostes, der Ermahnung und Anregung an die Gläubigen gerichtet. Um von Gott die Al'wendnng der Rebeu- krankhei' und anderer die Felcsrückte seit einiger Zeit stark verwüstender Uebel zu erflehen, hat der hochwürdigste Obeihirt eine desondcre Andacht angeordnet, welche in einem angemessenen Gebete bei der heiligen Messe, uud in der Verrichtung eines laglichen Getcles mit dem Volke bestehen wird, ^iese Andacht wirf beim eisten Anbrechen des Frühlings beginnen und bis znr Vollendung der Ernte fortgesetzt werden, (Salzb. Kirchenbl.) Salzburg Salzburg, 16. Jan. Gestern, als am Feste des heiligsten Namen Jesu, feierte der hiesige kaiholische Gcselleuverein gemeinschasllich die heilige Commuuion. Dabei wurde von dem Festredner mit besonderem Nachdrucke hervorgehoben, daß der Verein nur auf Grundlage der innigen Lebensgemeinschaft mit EhristuS dauernden Bestand haben könne. Verantwortlicher Redacteur: L, Schöuchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.