Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Augsburger post.mtnng. 2. April 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei» HO kr., wofür e« durch alle lönigl. baver. Postämter und alle Buchhandlungen bezog?» werden kaun. Rom, 7. März, Das Kollegium all'Anima beherbergt gegenwärtig einen interessanten Gast, den rühmlich bekannten Missionär Baraga, Bischof und apostolischen Vicar in Nord-Michigan. Er reiste nach seiner Consecration Hieher, um vor dem Stuhle Petn seine Huldigung darzubringen. Er hatte bereits zwei Audienzen bei dem heiligen Vater. Se. Heiligkeit nahm mit lebhaftem Interesse die Bücher ent- gegen, welche der Verfasser offerirte: Die erste Grammatik und das erste Wörterbuch der Jndianersprache deS von ihm bekehrten und seelsvrglich geleiteten Stammes. Diese Sprache hat keinen Laut, dem der Buchstabe r entspricht. Die Zcirwörtcr gruppiren sich in neun Conjugationen. Baraga rühmt die durchgreifende Regelmäßigkeit und den Wohllaut, obgleich diese Indianer ohne Musik, sogar ohne Gesang waren, als er sie kennen lernte. Von den Ueberlieferungen der heiligen Geschichte hatten sie nur geringe Reste: den Glauben an den guten Geist und die Annahme eines bösen Geistes; das Opfer von Thiere», welches sie jedoch dem bösen Geiste darbrachten wie dem guten, den sie den großen Geist nennen; endlich die Sage, in uralten Zeiten habe der große Geist seinem eifrigsten Verehrer geoffenbart, eine Alles bedeckende Ueber- schwemmnng werde hereinbrechen; er solle sich ein großes Floß banen und Thiere um sich sammeln, um sich und diese zu reiten; und so sey eS geschehen. Rührend ist die Anhänglichkeit, welche der hochwürdigste Bischof Baraga für seine Indianer im Herzen trägt: er sehnt sich, selbst in der Mitte aller Merkwürdigkeit und Erbauungen Roms zu den amerikanischen Urwäldern zurück. Wahrlich, Baraga ist ganz Missionär. Er sucht nichts anderes, und denkt beinahe nichts anderes. Er erinnert in der That an die GlaubenSbolen dcr ersten christlichen Zeiten: Dieser lebhaste Glaube, diese liebenswürdige Offenheit, diese zarte Demuth, dieses eifrige Gebet, diese Sanstmnih und Geduld, diese evangelische Irmnlh, diese Tranlichkeit und Väterlichkeit in der Verkündigung deS göttlichen Wortes. V!m vorigen Sonnrage hatte nämlich der hochwürdigste Bischof die Güte, die deutsche Predigt zu halteu. Morgen gedenkt er die Rückreise nach Denischland anzutreten. — Am 23. Februar waren sännutliche Seelsorger und Fastenprediger Roms durch gedruck-e Karten deS Cardinal - Vicarialeö zum heiligen Vater beschiedcn. Beiläufig hundert Pricstir kamen zusammen. Der hochwürdi,,ste VicegerenS Er Eminenz dtS l^ardinalvicars nahm das Glaubenöbekenntniß ab: alle knieten im Halbkreise nm ihn und sprachen die weitläufigen Bekenntnisse nach, die ein vor ihnen knnenver Priester vvriaS. Hierauf trat Jeder zum hochwürdigsten ViccgerenS, kniete nieder, legie die Hand auf ras vorgchaldnc Evaugelienbuch und sprach die Gelvbniß- formel. Die Verjammluug folgte dem VicegercnS in den Audienzsaal, der übrigens nur ein Zimmer von mittlerer Ausdehnung ist, mit dem Throne im Hintergründe. Se. Heiligkeit ertheilte ankommend den heilig.» Segen und bestieg den Thron. Vermuthlich wegen des blendenden Lichtes wurden die Fensterladen zugelehut und die Rom. 106 Priester standen in einem Dunkel, welches an Finsterniß gränzte. Der heilige Vater hielt min eine Predigt, welche eine Viertelstunde lang dauerte, ausgehend von den Worten dcS ersten Briefes an die Thessalonicher C. 5, V. 14: „Wir bitten euch, Brüder, weiset zurück die Unruhigen, tröstet die Kleinmüthigen, stehet den Schwachen bei, habet Geduld mit Allen." Jede dieser Ermahnungen wurde kurz entwickelt und zwar mit besonderer Beziehung für die Seelsorger. Der heilige Vater gab unter Anderem die merkwürdige Lehre, der Seelsorger solle zur gehörigen Verwaltung seines AmIeS mit Niemanden so anhaltend verkehren, als mit Christus selbst; der Heiland werde dann belehren, stärken, helfen. Se, Heiligkeit wandte sich im zweiten Theile zu den Predigern und ergoß ue-ch den nimmer versiegenden Echuurz über die Mißbräuche, welche in der Zeit der Umwälzung auf heiligen Slälten vielfach zum Vorschein kamen: statt das Wort GotleS zu verkündigen, hätten manche nur heidnischen Redeprunk zur Schau gestellt; statt an den schmalen Weg und an die enge Pforie zu erinnern, sey der Eingang in den Himmel als eine Leichligkcit erklärt worden u. s. w. Diese Klage gehe nicht auö der Besorgniß hervor, daß auch nur Einer der Anwesenden etwas AehnlicheS sich zu Schulden kommen lasse, sondern sie wolle nur dazu dienen, um den guten Eifer noch mehr zu bekräftigen. DaS horchende Ohr sey zwar für den Prediger beseligend, aber leider findet das Wort GolteS in unsern Zeiten bei Unzähligen eine schlechte Ausnahme. Die Prediger sollen nicht müde und nicht mulh- loS werden. Dem Worte seyen aber Gebet und Beispiel die mächtigsten Stützen. Der feierliche Segen war der Schluß. Jeder wurde zum Fußkusse zugelassen. Se. Heiligkeit wandelte segnend in das Cabinet. Eine Vorbereitung, Einsegnung und Weihe dieser Art kann nur die heilsamsten und nachhaltigsten Eindrücke in den Herzen hinterlassen. DaS Wesentliche der Handlung ist aliherkömmliche Ueblichkeit; aber die Erweiterung der Ansprache zu einer förmliche Rede rührt von Sr. gegenwärtig regierenden Heiligkeit her. Von der besondern Gabe des heiligen VaierS, das Wort Gottes zu verkündigen, hörte ich neulich auö dem Munde eines OrdenSgencrals einen beweiskräftigen Fall. Als nämlich Se. Heiligkeit noch Bischof zu Jmola war, geschah eS, daß der Festprediger, von einem Unwohlseyn befallen, abbrechen und abtreten mußte. Se. Eminenz der Cardinal und Bischof erhob sich während der allgemeinen Verwirrung vom Sitze, bestieg die Kanzel und setzte die Predigt in einer Weise fort, als hätte er sie selbst begonnen und sorgfällig einstürmt. — Eben wird mir von dem Herrn Caplan der Anima, der dem hochwürdigsten Bischof Baraga als Führer zu dienen die Ehre hat, noch ein Vorfall erzählt, den ich Ihren Lesern nicht vorenthalten darf. Eardinal Wiseman ging dem MijsiouSbischofe, der sich demülhig nahte, mit lebhafter Freude cntc-egen und sagte: „O mein liebster Bischof Baraga, seyen Sie mir herzlich willkommen! Obgleich wir uns zum ersten Male sehen, sind Sie mir doch ein alter Bekannter. Ich habe Ihre Milsionsberichte und anderweitigen Nachrichten über Ihr gesegnetes Wirken mit Theilnahme gesammelt und einmal in einer öffentlichen Rede in England davon Gebrauch gemacht: ich habe nämlich die Missionen der Angolaner mil Ihrer Mission verglichen, jenen Reichthum der Ausstattung »>it Ihrer Armulh und cie Sterilität der Erfolge auf jener Seite mit Ihren Früchten: und ich habe daraus die Wahrheit gefolgert, daß jene nur ein mcnichliches Unternehmen gegen den Willen Gottes betreiben, während Sie in Ihrer Einsamkeit und Enibehrnng — Goit zum Begleiter unv Heiser bei Ihnen haben." — Baraga ist dieher nur Bischof in parti>>u8, obgleich er seinen eigenen diocesanarligen Wirkuugs- krciS hat mit alle» bischöflichen Vollmachten: der hei ige Vater hat nun den Aufriag gegeben, die kanonische Verhandlung einzuleiten, wodurch Ober-Michigan znm Bis- thum erklärt werden soll. Diese Erklärung war bisher nur aus dem Grunde unterblieben, weil der Ort für die Residenz nicht namhaft gemacht werden konnte. Obgleich übrigens der eifrige Missionsbischof mit vielem Troste Rom veiläßt, so bleibt er doch rücksichtlich der Geldmittel lediglich auf die Leopoldinen-Stiftung angewiesen und an sonstige Hilse in Oesterreich unv Deutschland. (Salzb. Kirchenbl.) 107 Heinrich IV. von Frankreich und die Jesuiten. Heinrich IV., der Stifter der bourbonischen Linie in Frankreich (1589—1610 f), gehörte zu jenen Männern, die nach dem stereotypen Ausdrucke moderner Geschichte- machcr ihrer Zeit weit vorausgeeilt waren, weil sie es mit dem alten Kirchenwesen nicht mehr so genau nahmen, und es schon längst weg hatten, daß jede Religion selig mache, sie heiße wie immer. Was Heinrich IV. der Politik wegen opferte, davon sey jetzt keine Rede, aber daß in seinen Augen die katholische Kirche und ihre Institutionen wenig mehr als Menschenwerk war. haben unS seine Biographen hinterlassen. Und dennoch unterlag auch sein stolzer Geist dem Drucke der Wahrheit, und zollte einem Orden seine Verehrung, der durch und durch kirchlich ist. Damit unS aber nicht eingewendet werden möge, eS seyen diese Aeußerungen das Resultat seiner gewöhnlichen Politik, so geben wir die Rede, die er an die Deputt'rten deS Parlamentes, daS ihn von der Restauration des Jesuitenordens abhalten wollte, im Jahre 1593 hielt, in folgenden Zeilen wieder: Nachdem Heinrich im Allgemeinen von seiner absoluten Macht dem Parlamente gegenüber gesprochen, fahrt er, auf den fraglichen Gegenstand selbst kommend, fort: Ist es der Name „Jesuit", der euern Eifer erregt, so müßt ihr ciucb mit jenen hadern, welchen sich den Namen H, H. Dreifaltigkeit: Iö8 peres äs Is 1rinit6 (ein Orden), beigelegt haben; und wenn ihr glaubt, daß ihr eben so gut wie sie ^ur Gesellschaft Jesu gekört, *) so möchte ich euch wohl fragen, ob denn eure Töchser eben so gut zu den Gilles visu in Paris gehören, wie die Nonnen, die diesen Namen führen. Ich für meinen Theil würde eben so gerne und noch lieber Jesuit heißen, als Hugenot. Wenn ein Theil der übrigen Geistlichen diesem Orden ebenfalls abgeneigt ist, so mag dieses wohl daher kommen, weil von jeher die Unwissenheit der Wissenschaft nickt hold war. Ueberhaupt habe ich gefunden, daß, sobald ich mich wegen Zurückberusung der Jesuiten etwas deutlicher erklärte, zwei Gattungen Menschen sich diesem Gedanken am stärksten widersetzten: die Huge- noten, und alle wegen schlechter Aufführung und Sitten berüchtigte katholische Geistliche; aber eben dieses war es gerade, was mir nur noch eine größere Liebe und Achtung für die Jesuiten einflößte. — Hat die LorKonns (Universität), wie ihr sagt, sich gegen die Jesuiten erklärt, so hat sie eS hierin eben so wie ihr gemacht, sie hat nämlich über die Jesuiten geurtheilt, bevor sie dieselben noch kannte. Hatte blos Eifersucht die Glieder der alten 8ori>onns zu Jesuirenfeinden gemacht, so hat die neue M'ist bei denselben studirt, und preiset sich nun glücklich, solche Lehrer gefunden zu haben; hätte endlich der Orden bis jetzt noch nicht festen Fuß gefaßt, so danke ich Gott, daß er mir die Ehre vorbehalten hat, ihm (dem Orden) eine Garantie zu geben; so werden sie jetzt kraft meines EdicteS in Frankreich leben, und so wie meine Vorfahren den Orden blos geduldet hatten, so ist es jetzt mein Wille, denselben fest und dauerhaft in meinem Reiche zu gründen." „Ihr sagt, daß die Universität sich mit den Jesuiten nicht vertragen könne; davon jedoch war die Ursache: Entweder daß sie gelehrtere Leute waren, und daher Alles sich zu ihren Lehrstühlen hindrängte, während die Lehrsäle der hohen Schule leer blieben, oder auch, weil sie bis jetzt der Universität noch nicht einverleibt waren; dieses wird aber nun geschehen, und ich bin überzeugt, daß, wenn ich eS befehle, sie sich dieser Einverleibung nicht weigern werden. Ihr bemerkt, daß die gelehrtesten Männer in eucrm Parlamente nicht bei ihnen studirt haben; ja! wenn die ältesten auch die gelehrtesten sind, so mag dieses wahr seyn, denn jene studirten zu einer Zeit, wo man noch keine Jesuiten in Frankreich kannte. Aber ich weiß, daß nicht alle Glieder eures Parlamentes eurer Meinung beipflichten; wenn man aber bei den Jesuiten nicht mehr lernt, als anderswo, woher kam eS denn, daß selbst, während die Jesuiten aus Frankreich vertrieben waren, alle andern Lehranstalten dennoch von *) Man hatte nämlich dem Jesuitenorden gleich bei seiner Gründung das Recht streitig gemacht, sich nach dem H, H, Namen „Jesu" nennen zu dürfen, und es als Particularismus verschrien. Auch die Gesandten hatten unter ihre Anklagepuncte diesen ausgenommen, 108 Niemand besucht waren, und man lieber nach Twray ging, und die Jesuiten im Auslande aufsuchte, nur um ihreö Uuicriichtes nicht entehren zu müssen? Sie ziehen (sagt ihr) alle guten Kopfe an sich, und wählen die besten für ihren Orben; aber eben dieß gibt ihnen einen Anspruch mehr ans meine Ächtung. — Fändet ihr im Jesuitenoiden unwissende Professoren und schlechte Prediger, so konntet ihr ihn verachten; und jetzt, wo ihr lanler treffliche Leute unler ihnen findet, wollt ihr ihnen das zum Verbrechen machen." „WaS die Güter und Reichthümer betrissr, welche, wie ihr sagt, die Jesuiten besessen haben sollen, so ist dieses eine große Lüge und Verleumdung; Niemand kann eö besser wissen, als ich, da ihre Güter meinen Domänen einverleibt winden; wo es sich zeigte, daß man in Vourges und Lyon kanm sieben bis acht Lehrer hat besolden können, während doch vorher nennunddreißig bis vierzig Jesuiten dort lebten." „Eben so ungerecht ist es, sie Aufrührer zn nennen, weil sie auf Seite der Ligue. *) Dieses lag im Geist der damaligen Zeit. Die Jesuiten waren gelänscht worden, wie es andere auch waren, haben aber nachher den Irrthum erkannt, und eingesehen, daß Alles, was man ihnen von meinen Gesinnungen gesagt, falsch und grundlos sey? Zudem bin ich anch noch ül'erzeu>,t, daß bei ihnen weniger der böse Wille als bei Andern war. Sie suchen, sagt ihr, sich auf jede Art in Städte anzuschleichen; nun gut — Andere machen eS eben so, und ich selbst suchte in mein Königreich zu kommen, auf welche Art ich nur immev konnte. Man muß jedoch gestchen, daß die Jesuiten mit ihrer Geduld, Klugheit und ausgezeichneten Frümmig- keit Alles zn Stande bringen, und daß ihre givße Anhänglichkeit an ihre mlen Statuten und Einrichtungen, an welchen auch nicht das geringste geändert rverd>n darf, dem Orden wirklich eine sehr lange Dauer verspricht. Ihr Gelübee dcs Gehorsams gegen den Papst kann für sie keine stärkere verbindliche Kraft baden, als der Eid der Treue, den sie mir schwören. UebrigenS kennt man dieses, dem Papste Gehorsam Versprechende Gelübde der Jesuiten nicht recht, oder vielmehr mau har es aus bo'>em Willen nicht kennen wollen, und vorsätzlich s^ viel als niögl ch entstellt. Diejes Gelübde heischt nicht einen ans alle Gegeustäude sich beziehenden unbedingten Gehorsam, sondern es erstreckt sich auf Misstonen; und der an den päpstlichen Stuhl sie bindend- Gehorsam verpflichtet dieselben nnr, überall und in die entfernt, sten Länder unbedingt hinzugehen, sobald sie der Papst dorthin schick.n würde, das Evange ium zu predigen; auch waren cS in der That die Jesuiten ganz allein, deren sich Gott aiö seiner Werkzeuge bediente, um den Jndiern das Christen hnm zu verkündigen." „Rücksichilich ihrer Meinung vom päpstlichen Stuhle ist mir nicht unbekannt, daß sie gegen denselben eine tiefe Ehrfurcht haben; diese Ehrfurcht gegen den heiligen Vater theile ich mit ihnen. Indessen ist eS von Ench sehr sonderbar, daß ihr kein Wort davon sagt, daß man erst vor Kurzem in Rom alle Schriften des Jesuiten Bellarmin in B>schlag nehmen wollte, weil er in denselben der päpstlichen Gerichtsbarkeit wiit engere Schranken setzte, als die übrigen Theologen bisher gethan; eben so wenig macht ihr eine Erwähnung davon, daß erst unlängst die Jesuiten den Satz aufstellten: daß der Papst an der Spitze der Kirche zwar unfehlbar sey, aber dennoch Clemens (der damalige Papst) sich wie jeder Andere irren lönne. (In Sachen, die den Glauben nicht betreffen) Auf jeden Fall bin ich gewiß, daß sie wenigstens dieß- falls nicht mehr lehren, als die übrigen Alle; und wollte man hierüber einen Proceß anhängen, so müßte man ihn gegen die ganze katholische Kirche führen." „WaS die Lehren betrifft, die man ihnen znm Vorwurf macht, nämlich daß ihre Grundsätze dahin gingen, die Geistlichkeit dem Gehorsam gegen den Regenten zu entziehen, ja sogar den Königemvrd als erlaubt darzustellen, so muß man sich vor Allem bemühen, früher ihre Grundsätze genau kennen zu lernen, und darauf Acht geben, ob dieselben wirklich der Art sind, wie ihnen nachgesagt wird. WaS mich noch glauben . ^ , , *) Bevor Heinrich IV. vom Protestantismus zur katholischen Kirche übertrat, hatten die Katholiken gegen ihn, der sich um den Thron bewarb, einen Bund, die .Ligue", geschlossen. 109 macht, dciß an allem Dem nichts sey, nnd daß eS ihnen nur boshafter Weise aufgebürdet w rd, ist: daß, nachdem man ihnen länger als dreißig Jahre den Unterricht der Jugend in Frankreich überlassen hatte, und binnen dieser Zeit wenigstens mehr als fünfzigiausend Personen aus allen Classen der Staatsbürger bei ihnen studirt, nachher noch mit ihnen gelebt und häufigen Umgang gepflogen halten, es doch von allen diesen leinen einzigen gibt, welcher behauptet, daß er sie jemals eine solche Sprache führen oder etwas ihr sehnliches Uhren gebort hätte. Ja was noch mehr ist, eS gibt SiaatS- minister, welche bei ihnen studirt und schon unter ihnen gelebt haben; warum wendet man sich denn nicht an diese, um über die Lebens- und Lehrart der Jesuiten Eikun« dignugen einzuziehen? Eö ist ja zu vermuchen, daß sie so viel Böses als möglich von ihnen sagen würden, wäre es auch nur um sich zu entschuldigen, daß sie nicht in den Orden derselben getreten sind. Ich weiß sehr Wohl, daß man solche Männer schon bc ragt hat, aber nichts anderes hat herausbringen können, als daß in der That ihre Sitten von allem Tadel völlig frei sind." Die Jesuit»n sind in Frankreich geboren, folglich meine natürlichen Unterthanen, gegen die ich keinen Verdacht haben und keinen Einflüsterungen Ranm geben will. Ich habe schon ungleich schwierigere Sachen durchgeführt, überlaßt dir selben also mir ganz allein, und bekümmert euch blos um daS, was ich euch sage und befehle." So weit Heinrich IV. — Wir überlassen eS dem Leser zu untersuchen, wie groß die Harmonie zwischen der Denk- nnd SinneSweise Heinrichs und diesen Worten gewesen seyn mag; wir verweisen bK>s auf den Inhalt dieses so ehrenvollen und bündigen Zeugiusses, das uns ganz die Jesuiten von Heute bezeichnet, obwohl eS Männern gilt, die schon vor mehr als zweihundert Jahren über die Breiter dieser Welt gegangen sind. Mag die Rede auch mit Heinrichs Junerm nicht übereingestimmt haben i^waS erst deö Beweises bedan), so steht sie doch da als ein Denkmal ciiuö Ordens, das man ihm setzte zweihuudcrt Jahre früher, ehe ihn die Gewalt erdrückte; als ein Aciuistück, d. S lauter als Marmorsäulen und Epitaphien von vergangener Größe spricht In jedem Falle ist die Wahrheit dieses Zeugnisses verbürgt; denn angenommen, es war kalte berechnende Politik, was Heinrich obige Worte in Mund legte, wie durfte er eS denn wagen, wenn ibm an Erreichung seines Zweckes gelegen war, seinen Gegnern und Anklägern dcS Ordens mir Gründen zu antworten, die nicht hallbar, nicht dem Boden -er Wahrheit entwachsen wären? Wie hätten diese eine Vertheidigung anfgeiiommen, die aus erdichieien Verdiensten beruhte? Halten Fürsten späterer Zeit den Verleumdern und Anschulvigern deö JesuiienordcnS auf gleiche Weise geantwortet, sa wäre viele Ungerech igkeii verhütet, und der Welt ein Verbrechen erspart worden, dessen Folgen so unermeßlich waren, daß man si>benzig Jahre (von 1780—1d5v) bedurfie, um dieselben in ihrer ganzen Ausdehnung kennen zu lernen. (Ocst. Nolksfr.) Da» Christenthum in Abyssinten und der letzte Märtyrer daselbst aus Oesterreich. (Schluß.) - II. Pater TheodosiuS Wolf stattet über den Martyrertov seiner Ordensbrüder in Abyssinien an den Provincial Bruno Premier folgenden Bericht ab. H ochzn ehrender Pater Provincial! Kindliche Verehrung, und die enge Verbindung, in welcher ich mit dem hoch- würdigen Pater LiberatuS, seligen Angedenkens, stand, bestimmen mich die Feder zu ergreisen, um das wohl grausame, aber dennoch nicht traurig, sondern glorreich zu nennende Schauspiel zu schildern, welches daS dem katholischen Glauben noch immer feindlich gesinnte Aethiopien in diesem Jahre wieder c>N' drei Priestern des Seraphischen Ordens gegeben hat. Wie bekannt, wurden im Jahre 1704 von unserm heil. Vater 110 Papst Clemens XI., sehr viele apostolische Missionäre nach Aethiopien (Habyssinien) gesendet, dort das Evangelium Jesu Christi zu predigen. Man suchte auf verschiedene Weise daselbst Eingang zu gewinnen, aber die cmgränzenden barbarischen Völkerschaften wußten es immer zu Verbindern, bis Pr. P. LiberatuS Weis, apostolischer Präfcct, ein Zöglina der österreichischen Provinz, mit seinen Gefährten, P. Michael von Zerbe und P. Samuel von Biumo, im Jahre 1711 die Reise durch das rothe Meer versuchte. Nachdem sie bis zum folgenden Jahre außerordentlich große Gefahren zu Land und Wasser bestanden hatten, beiraten sie glücklich die Hauptstadt (Aethio- piens) Gondar. LiberatuS begab sich ohne Zögerung zum Könige, dessen Name in unserer Sprache „der Gereckte" hieß, und legte ihm in geheimer Audienz die Ursache seiner Ankunft dar. Der König nahm ihn auch sehr liebevoll und günstig aus, versprach ihm sowohl Sicherheit als auch seinen besondern Beistand, jedoch verbot er ihnen das öffentliche Predigen deS katholischen Glaubens, denn er fürchtete daS Volk, welches sehr zum Aufruhr geneigt war. Er ermähnte sie, Eile mit Weile einzuhalten, denn, setzte er bei: Gott hat ja auch die Welt nicht, wie eS in seiner Macht stand, in Einem Augenblicke, sondern in einem Zeiträume von sechs Tagen erschaffen. Während nun die Missionäre in Gondar verweilten, nahm offenbar mit jedem Tage des Königs Neigung zu ihnen zu, denn er schätzte sie so sehr, daß er mit wahrhaft königlicher Freigebigkeit ihre Lage zu verbessern suchte, indem er ihnen Besitzungen und jährliche Einkünfte antrug. Die Missionäre lehnten aber diese Geschenke standhaft ab, indem sie erklärten, solches wäre gegen ihren apostolischen S'and, und gegen die heiligste Armuth, welche sie nach ihrer Ordensregel angelobt. Der König bewunderte diese uneigennützige Gesinnung, lobte sie insgeheim und öffentlich, und schwur sogar, er werde sie nicht blos mit seinem königlichen Ansehen, sondern auch mir seinem Blute vertheidigen. Bisher blieben die Patres unangefochten. Sie hatten im Stillen schon Einige zum Glauben bekehrt, die größten Hindernisse schienen mit Hilfe des Königs überwunden. Aber dennoch gestaltete sich bald die Lage ungünstig: der Krieg der Hölle gegen den Himmel will nie ein Ende nehmen. Einige niederträchtige und verdorbene Menschen, vom Vater deS NeideS, dem Teufel, getrieben, streute» den Samen der Zwietracht auS, indem sie durch schlechte Reden und Predigten daS Volk verkehrten. Man redete den einheimischen Mönchen, welche eine sehr große Gewalt haben, und den Hochgestellten des Reiches ein, diese Missionäre seyen die größten Feinde der Marienvcrehrung, sie bereiten'das ungesäuerte Brod, welches beim heiligen Meßopfer consecrirt werden soll, aus dem Marke eines HnndeS und dem Gehirne eines Schweines, in Kurzem werde sicher das ganze Königreich von diesen Ungläubigen in Verwirrung gemacht werden, da der König ihnen in Allem folge; ja, n'enn die Zahl ihrer Glaubensanhänger sich noch vermehre, so werden sie selbst die Herrschaft an sich reißen. Diese und andere ähnliche läppische Lügen streute man geschäftig aus, und schmiedete schon Pläne den König zu vertreiben. DaS ohnehin r^he Volk bemächtigte sich mit warmem Eifer dieser Angelegenheit, und fing Aufruhr zu erregen an. AIs der König davon Nachricht erhielt, wollte er für die Sicherheit und das Leben der Missionäre Vorsorge treffen. Er befahl ihnen, unter starker Bedeckung in eine entfernlere Gegend sich zu begeben, indem er sie wieder zurückrufen werde, wenn der thörichte Ungestüm deS Volkes sich gelegt haben würde. Aber der gottlose Pöbel war damit nicht zufrieden, ja die Abwesenheit der Missionäre, anstatt die Gemüther der Bösen zu besänftigen, erbitterte sie nur noch mehr. Im Anfstcmde wurde auch eine Verschwörung angezettelt, und dem Könige, wie die Rede aing, Gift beigebracht. Es ergriff ihn plötzlich in Folge dessen eine erschreckliche Lähmung, so daß sein Körper ihm j-den Dienst versagte, und er als untauglich der Regierung entsetzr, und durch seine Hausgenossen schmählich vom Hofe entfernt wurde. Inzwischen ward ein Jüngling mit Namen David zum Könige ausgerufen. Dieser gab auS Furcht dem Wüihenben Begehren des Volkes nach, rief die abwesenden Missionäre am 27. Febr. 1716 nach Gondar zurück, und ließ sie dort, mit Ketten beladen, in einen Kerker werfen. Am 2. März stellte er sie cssentlich vor eine Versammlung, der Großen des 11t Reiches, und ließ die Frage an sie stellen, wer sie wären, und weßwegen sie in dieses Land gekommen? Die Missionäre antworteten, sie seyen katholische Priester, und von dem Papste, dem allgemeinen Hirten der Kirche, abgesendet, um die Em- gebernen dieses Landes im wahren Glauben zu unterrichten, ihre Seelen auS der Finsterniß zu befreien, und zur ewigen Seligkeit Hinzuletten. „Also haltet ihr unS für keine Christen?" fragte der König. Die Missionäre versetzten: „Ihr seyd wohl dem Namen nach Christen, aber keineswegs in der That " Der König, dadurch heftig aufgebracht, schleuderte über sie daS Todcsurtheil, während sie sich bereitwillig darboten, standhaft für den kaiholischcn Glauben daS Leben zu opfern. Von großer Verwunderung ergriffen, standen Alle umher und staunien den Muth und die Geringschätzung des LebenS an, welche diese fremden Priester an den Tag legten, so daß der König selbst etwas nachdenkend wurde, sich freundlicher als zuvor an sie wendete, sie einlud, sich der Landesreligion anzuschließen, ihnen Sicherheit und Leben versprach, wenn sie sich den herrschenden religiösen Gebrauchen fügen, den heiligen DioSkurus verehren, in Christo nur Eine Na>ur bekennen, an den Sacramenien Antheil nehmen würeen u. s. w. — Aber die Missionäre verachteten mit erhabener Standhafrigkeit daS vergängliche Leben, und wollten lieber sterben, als ihrem Glauben unireu werden. Hierauf ward befohlen, die Missionäre wieder in den Kerker zu führen, und man pflog inzwischen abgesonderte Berathungen. Der König, obgleich er sich nun als Feind des katholischen Glaubens zeigte, war doch in früherer Zeit gegen diese Priester milder gesinnt gewesen, und sprach auch jetzt die Meinung auS, man solle die Missionäre auS dem Königreiche vertreiben; die einheimischen Mönche hingegen verlangten, man solle sie mit dem Tode bestrafen, uud so wurden sie denn am 3. März mit auf den Rücken gebunoenen Händen aus den Platz oder daS Kampffeld geführt. Dort wurden sie der Kleider beraubt, wechselten noch miteinander einige Worte, umarmten und küßten sich. Indem sie ihren Geist im demülhigen Gebete Gott empfahlen, sanken sie auf ihre Kniee nieder, um die hefiigen Sieinwürfe auszunehmen. Sogleich sprang ein frevelhafter einheimischer Priester, der mit dem Scheine der Religiosität seine Boöheit verdeckte, aus der Volksmenge hervor, und schrie auS vollem Halse: „Wer nicht fünf Steine auf Diese hier wirft, der sey verflucht, ercommunicirl und ein Feind der Jungfrau Maria I" Er seltst warf den ersten Stein, und ihm folgte die ganze Volksmenge, wohl bei zehn- taujend Menschen, und so wurden die Missionäre in kurzer Zeit unter einem Hügel von Sreinen begraben. — Es war wohl mein Wunsch Theil zu nehmen an ihrem Siegeskampfe, da mich die brüderliche Liebe mit ihnen so enge verband; aber Gott hat es anders gefügt, da ich wegen übler Witterung mit drei anderen Priestern hier zurück gehalten bin, und in Ungewißheit über unser künftiges Schicksal schwebe, bis uns die heilige Kongregation zur Verbreitung deS Glaubens von Rom Antwort gesendet haben wird. Unterdessen konnte ich dieses Wenige der Wahrheit gemäß mittheilen. Mehreres, so Gott will, behalte ich der Zukunft vor. Mocca, im glücklichen Arabien, am 20. Juni 1716. Fr. TheodosiuS Wolf, apostol. Missionär. Düß der Bericht über den Mcmyrtod seiner Mitbrüoer, deren Andenken diese Zeilen in der Erinnerung der Katholiken wieder anfsrischcn wollen. Zum Schlüsse sey die Bemerkung beigefugt, daß im Jahre 1833 ein abyssinischcr Füm, Namens Jtsa Tecla Gorgis, sich an den Papst Gregor XVl. um Priester gewendet habe. ES wurden solche dahingesendet, und Abyssinien wieder in die Zahl der apostolischen Piäfcc-uren aufgenommen. Wohl ist die Zahl der Katholiken jetzt dort noch klein, im Jahre 1843 ein halbes Tausend ruucr vielleicht vier ein halb Millionen irrgläubiger abyssinischcr Christen. Aber gewiß hat die göttliche Vorsehung so viele Funken deS Christenthumes unter der Asche in diesem sonst so gesegneten Lande nicht umsonst sorgsam und wunderbar erhallen. DaS Blut der Märtyrer, welches dort so reichlich geflossen, wird wie in den ersten Jahrhunderten noch reichliche Früchte bringen. Es weht GotteS Geist, wo er will, und bei dieses Geistes Wehen kann früher oder 112 später auS den Funken eine Flamme sich entzünden, welche in deS innern Afrikas Finsternisse, wo Knoblecher und seine Genossen so mühsam daS Kreuz pflanzen, himmlisches Licht verbreiten wird. G r a tz. Am zweiten Fastensonntag wurde die Mission beschlossen, welche die PP. Karineliten durch fünf Tage in der Strafanstalt in der Karlau hielten. Der hochw. Scminar- director Vüchinger hielt das hl, Amt, während welchem die Sträflinge recht andäch'ig das deutsche Amllicd sangen, speiöte diese nach der heil. Communion ab und hielt am Schlüsse eine Anrede an sie, worin er sie zum Danke dafür ausforderte, daß nun JcsuS voll Liede in ihre Herzen eingekehrt sey, auch erwähnte, daß der hochw. Fürstbischof gar sehr gewünscht, selbst ihnen daS Brod des Lebens zu reichen, wenn Hochderselbe nicht durch Krankheil daran gehindert worden wäre. Zu erwähnen ist noch, daß alle katholischen Sträflinge, waS sonst nicht immer der Fall war, bei der Mission sich betheiligten, und die Meisten verlangten, eine Generalbeichl abzulegen. (K. Wfv.) ' ' , . .-ibnosnM .I