Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. 9. April ^ KS 1854. DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Tonutage. Der halbjährige Abonuement«prei« TV kr., wofür t« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluugeu bezogen werde« kann. Die religiöse Seite der orientalischen Frage. Man mag sich wenden und drehen wie man will, um dieser in der Ueberschrift bezeichneten Seite einer die ganze civilisirte Welt gewaltig erregenden Frage zu entfliehen, eS ist ein vergebenes Bemühen, auf jedem Schritte wird sie unS wieder begegnen, und Rußland, der gewaltige Factvr in den orientalischen Wirren, bekennt sich auch offen vor aller Welt als der Träger der religiösen Politik, welche die Triebfeder aller seiner Richtungen, aller seiner Schritte genannt werden darf. Der Ge- schichtsknndize kennt zur Genüge die unaufhörlichen Bemühungen, die endlose Reihe von Intriguen, welche Rußland im Laufe der Jahrhunderte gemacht hat, um das schismatische Kreuz der russisch-griechischen Kirche im ganzen Orient zur ausschließlichen Herrschaft zu bringen. AIS die seldschukkischen Türken vor vierhundert Jahren den Halbmond auf den Trümmern dcS oströmischen Reiches aufpflanzten, und die Aja Sophia in Konstantinopel in eine Moschee verwandelten, trauerte die ganze Christenheit über diesen Sieg deS Unglaubens, und lange, lange Zeiten hindurch bekämpften die Christen den Halbmond als ihren Erbfeind. Wenn damals die griechische Kirche die Macht besessen hätte, den Halbmond aus Konstantinopel zu vertreiben, so würde dieses Ereigniß vielleicht von der christlichen Welt mit Freuden begrüßt worden seyn Und heute? Heute wäre das christliche Nußland thatsächlich mächtig genug, das Reich der Os« manli zu stürzen, und doch gehen die vereinten Anstrengungen des christlichen Westens dahin, diesen Sieg des griechischen Kreuzes über den Halbmond zu verhindern, heute fürchtet man die Türken weniger als die Russen, heute ist mau bemüht, die Integrität der Pforte aufrecht zu erhalten, über deren Sturz man vor vierhundert Jahren frohlockt hätte? Wie soll man sich all das erklären? Die Wege der Vorsehung sind weise, und der höchste Lenker der Geschicke sieht Weiler als die menschliche Bemühung. Alö durch göttliche Zulassung das vströmische Reich unter den gewaltigen Streichen der mahomedanischen Barbarei in Trümmer ging, sah die Vorsehung, für welche eS keine Schranken der Zeit gibt, bereits auf unsere Tage herab, ihr blieb eS nicht verborgen, daß das, was für das Jahr 1453 menschlich betrachtet als die größte Plage erschien, im Jahre 1853 als eine Wohlthat würde erkannt werden. Erklären wir uns deutlicher. Seht hin auf die schiSmatischen Kirchen deS Orients. Wo findet ihr dort jene Blüthen des Geistes, jenen Fortschritt der Wissenschaften und der Cultur, als deren unwandelbare Trägerin die römisch - katho« lische Kirche dem Abendlande die mannigfachsten Segnungen gebracht hat? Ihr findet sie nirgends. Eurem Auge begegnet nur ein ewiger Stillstand deS geistigen Lebens, ein dumpfeS Hinbrüten der im SchiSma befangenen Völker, eine unfruchtbare LebenS- zähigkcit, aber keine wahre fruchtbringende Lebensfähigkeit. Und das ist auch ganz tL4 natürlich, denn die vom Weinstock getrennte Rebe Hort zwar nicht auf zu seyn, aber sie verdorrt, sie lebt fort, aber dvrr und zäh, sie grünt nicht, sie blüht nicht, sie treibt keine Sprossen, weil sie vom Weinstock abgetrennt ist. Die Vorsehung wollte verhindern, daß dieses lebensunfähige, unfruchtbare Schisma das Erbtheil der halben Welt werde, und schob darum dort in der Türkei seinem weitem Vordringen einen gewaltigen Riegel vor, und so wurde die Invasion der Türken nicht blos die Strafe deS Abfalls vom wahren Glauben, sondern auch die Schutzwehr gegen daS weitere Umsichgreifen deS Abfalls, denn Gott straft immer nur um zu heilen. Noch heute ist die Pforte dieser Riegel, welchen Gott dem Schisma vorgeschoben hat. Aber warum stellt sich dann, wenn es also ist, das katholische Oesterreich nicht vereint mit den Westmächten in die Reihen der bewaffneten Kämpfer für die Integrität der Pforte? Auch das hat seinen guten Grund. Frankreich und England haben, indem sie den Krieg mit Nußland aufzunehmen sich anschicken, die religiöse Frage für jetzt in den Hintergrund gedrängt, und kämpfen zunächst nur für die Interessen ihres Handels. Wir sagen nicht, daß eS nicht recht, nicht erlaubt wäre, wenn auch Oesterreich solche we.tliche Interessen gegen Rußland verfechten würde, wir sagen im Gegentheil, daß es Oesterreichs Pflicht ist, dieß zu thun, sobald für Oesterreich eine Nöthigung hiezu vorliegt, denn das Reich Gottes auf Erden ist zwar nicht von dieser Welt, aber in dieser Welt, und um in dieser Welt sich kräftig entfalten zu können, bedarf es eben so sehr der Grundlagen weltlicher Macht, als die menschliche Seele, so lange sie hier auf Erden weilt, des irdischen Leibes bedarf, um sich zu offenbaren. Ist einmal für Oesterreich die Nöthiguug gekommen, seine weltlichen Interessen gegen Rußland zu verfechten, so wird eS nicht fehlen in den Reihen der Kämpfer. Ist einst die Zeit gekommen, wo der Halbmond seine von der Vorsehung ihm übertragene Sendung erfüllt hat, so wird er untergehen, und dann, so hoffen wir, wird das lateinische Kreuz in Konstantinopel herrschen. Welchen Antheil Oesterreich daran haben wird, ist noch im Schooße der Zukunft verborgen. (Oest. Volkssr.) Zustande der Katholiken in Schweden. DaS katholische Bewußtseyn, welches man in unS seit einem Jahrhundert so planmäßig ersticken wollte, regt sich unverkennbar in allen Schichten des Lebens — ein Zeichen zum Besserwerden. Man kam, freilich erst nach bittern Erfahrungen, zu der Einsicht, daß ohne tiefen, ächt katholischen Glauben sich weder eine Familie noch ein Staat glücklich und dauernd gestalten lassen, und daß ein muthiges und entschiedenes Auftreten zur Wahrung katholischer Interessen mit zur Pflicht eines jeden Katholiken, ja der Gesammtheit der Katholiken gehöre. Die jüngsten Ereignisse im Großherzoglhum Baden mögen unS hier als Beleg dienen, wo nur immer ein ächt katholisches Herz schlägt, fühlt eS Mitleiv mit den verfolgten und unterdrückten Brüdern; Gebete und Unterstützungen bekunden diese Sympathie. Aber dieses geweckte katholische Bewußtseyn trägt auch auf einem andern Felde hoffnungsvolle Früchte; die Missionen Afrikas sind sein Werk; die heißen Zonen sehen, wie die SiegeStrophäen, die Kreuze errichtet werden, diese Säulen deS neuen Domes, welcher die Neger zu Einer Gemeinde in der katholischen Kirche vereinigen soll. Während aber dort im Süden der Same gestreut wird, um einstens Früchte zu tragen, während man unsägliche Mühe verwendet, um den Boden empfänglich zu machen, sieht man ruhig zu, wie im hohen Norden, im Königreich Schweden, die bereits gereiste Frucht, welche die Fähigkeit der Fortpflanzung in sich trägt, wie diese Frucht mit gott- und ehrvergessener Hand sammt der Wurzel ausgerissen, der wohl bestellte, ja mit Märtyrerblute gedüngte Boden mit den Hufen lutherischen Fanatismus zertreten wird, aus daß die letzte Spur katholischen Lebens auf immer verschwinde. Diesem gottvergessenen Treiben sieht die katholische Welt ruhig zu! Als vor Iahren der Maler Nilson 115 darum, weil er vom Protestantismus in die Kirche zurücktrat, deS Landes verwiesen wurde, da regten sich allerdings einige Stimmen, aber sie verhallten, von andern Ereignissen verdrängt; — jetzt, wo sieben Eonverliten, sage sieben Personen, darunter sechs Müttern mit Kindern, ein ähnliches LooS bevorsteht, schweigt man, man sieht ruhig zu, wie im 19ten Jahrhundert ein Staat sich auf ein Gesetz vom 3. September 1686 berufen darf, welches da lautet, „wer von der rechten evangelischen Lehre abfällt, und zu einer irrigen übertritt, wird aus dem Königreiche Schweden verwiesen und jeder Erbschaft und jedeS bürgerlichen Rechtes für verlustig erklärt." Ohnehin ist die arme katholische Kirche in Schweden vom mittleren Europa gänzlich vergessen; man muß ihre gedrückte Lage an Ort und Stelle gesehen haben, um sich von der Opserwilligkeit der dort lebenden kleinen Heerde und ihrer Diener einen Begriff zu machen. Wenn nicht baldige Hilfe kommt, dann ist eS um diese Gemeinde geschehen. So weit geht der Fanatismus der Schweden, daß sie jeder andern Konfession, nur nicht der katholischen Kirche, Cultusfreiheit gewähren wollen; sie ahnen: der Raub, den sie vor zwei Jahrhunderten an der katholischen Kirche begangen, würde ihnen mit den neuerrichteten Kreuzen schwer auf ihr verblendetes Herz fallen; sie fürchten wie verstockte Sünder die Besserung, darum drängen sie jede Gelegenheit hiezu zurück. Auffallend, daß ein im Grunde gemüthliches und verständiges Volk sich nicht scheut, mit Grundsätzen aufzutreten, die selbst der Mohamedaner zur Schau zu tragen sich schämen würde. Man muß bei einem solchen Verfahren wirklich zu der Ansicht kommen, daß die Schweden blos darum jenes barbarische, ja gelind gesagt, rohe Gesetz, selbst auf die Gefahr eines Widerspruches hin (denn die Konstitution vom Jahre 1809 drückt sich über diesen Punct ganz anders aus) aus ihrer glorreichen Zeit, — glorreich, Einem zu nehmen, was ihm nicht gehört — hervorheben, weil sie im Bewußtseyn deS unstchern BodenS, auf dem sie mit ihrer sogenannten Kirche stehen, den Uebertritt von sieben schwachen Frauen schon als gefahrbringend ansehen müssen! — Noch wäre eS Zeit, den bedrängten Katholiken in Schweden zu helfen, noch ist der Urtheilsspruch nicht gefällt — der Reichstag debat- tirt darüber, aber eS muß die Hilfe bald kommen; kräftig müssen sich die katholischen Stimmen gegen ein so hartes Verfahren erheben, erheben wider die Schweden, die, weil sie keine Nächstenliebe im Busen zu tragen scheinen, vom katholischen Standpuncte aus aus diese auch den Protestanten heilige Pflicht aufmerksam gemacht werden müssen. (W> Kirchenz.) Die Freimaurerei. Die „Hengstenberg'sche Evangelische Kirchenzeitung" enthält in Nr. 19, 2t), 21 und 22 einen Artikel gegen die „Freimaurerei,* welcher wegen der freimüthigen und offenen Besprechung dieses Gegenstandes alle Anerkennung verdient. Nachdem eS längst bekannt ist, was man ,,ka tholisch er seits" über diesen „Geheimbund" denkt, wird eS für unsere Leser nicht ohne Interesse seyn, auch eine protestantische Stimme in dieser Angelegenheit zu hören. Der Artikel in der Evangel. Kirchenzeitung geht davon auS, daß nach den Auszügen aus den Verzeichnissen der drei Berliner Haupt' logen allein in Preußen dem Freimaurerorden mehrere hundert protestantische Prediger als Mitglieder angehören. Wenn aber nun dieser Orden eine nacktheilige Wirkung auf seine Mitglieder ausübe, so sey eS allein in Rücksicht auf diese Prediger eine heilige Pflicht, den Schaden auszudecken und könnten davon keinerlei Rücksichten und selbst nicht eine hohe Protection zurückhalten. Wenn in Deutschland Katholiken und Protestanten gegenseitig ihre Lehre sich widerlegen dürsten, dann möchte man doch auch von der Freimaurerei sagen dürfen: „Das ist, so viel man aus ihren Schriften entnehmen kann, ihr Zweck :c. DaS vierte Gebot, so heilig eS sey, habe doch seine Gränzen." Nach diesen einleitenden Bemerkungen wird an die Sache selbst gegangen und als erster Satz an die Spitze gestellt: „Die Grundlage deS FreimaurerwesenS ist der Deismus, die Antipathie gegen das sveci« 1!S fisch Christlicht." Sey dieß erst dargethan, dann brauche man nicht weiter zu beweisen, daß der Eintritt in die Loge nicht zuläßig sey, eben so wenig, als man nach den Worten Leo'S erst zu beweisen brauche, „daß Ratten keine gute Schlaf« kameraden seyen." Der Beweis für jene de istische resp, panthe istische Richtung deS Ordens wird nunmehr nach den vollgiltigsten Zeugnissen geführt uud hervorgehoben, wie planmäßig das specifisch Christliche und Kirchliche fern gehalten wird. Am Ende der Beweisführung heißt eS: „Die Grundlage der Freimaurerei ist die Läugnung des christlichen Gottes (Deismus resp. Pantheismus), die Aushebung deS Unterschiedes von Natur und Gnade, die Verschmähung aller Ga, den, welche Christus durch sein Leiden und Sterben uns erworben hat, das Zerrbild der christlichen Nächstenliebe, welche in ihrer wahren Gestalt nur iimerhalb der Kirche vorhanden ist. Der Mangel an jedem tieferen religiösen Gehalt wird auch durch die Symbolik deS Ordens außer Zweifel gestellt. Von dem, was Christus für uns gethan und uns geschenkt hat, findet sich in ihr nichts abgebildet, alleS kommt auf bloße Moral hinaus, und zwar auf eine solche Moral, in der die sogenannten theologischen, die specifisch - christlichen Tugenden völlig fehlen. „Die maurerischen Mysterien — so werden wir in einer auS der Mitte deS Ordens selbst hervorgegangenen Schrift belehrt *) — bezielen die Erheiterung deS Geistes, Erhaltung der Harmonie und die Bildung deS Herzens. Die Allegorie der Gesellschaft selbst ist sinnreich und unterhaltend. Man nimmt sich vor, einen Tempel auszubauen, und dieß ist der Tempel der Tugend. Die Werkzeuge zu diesem Bau find Symbole der Architektur deS Herzens. DaS Winkelmaaß, der Triangel und der Zirkel bilden die Billigkeit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit vor. DaS Licht ist eine Anspielung auf die Tugend. Der Mensch, ehe er zur Arbeit an diesem erhabenen Tempel zugelassen wird, das ist, ehe er die Bahn der Tugend betritt, ist ein Unglücklicher, der im Finstern wandelt; will er in diesen Tempel zugelassen werden, so muß er sich vorher von seinen Lastern reinigen, und deßhalb hinreichende Proben seiner Beständigkeit und seines guten Willens ablegen. Die Handschuhe und der weiße Schurz, womit man einen ncugeweihten Bruder bekleidet, stellen die Reinigkeit der Sitten vor. Die Maurer erkennen keinen andern Unterschied, als den die Tugend gibt. Geburt, Rang und GlückSgüter werden waagerecht gesetzt, sobald man den ersten Grad ertheilt. DaS ganze Geheimniß der Maurerei besteht in einem symbolischen Unterricht, daß nur die Moral wahre Wissenschaft, und wahre Tugend nur die gesellige sey." Man wird dem Prediger am neuen israelitischen Tempel in Hamburg, Gotthold Salomon, Mitglied der Loge zur aufgehenden Morgenröthe im Osten zu Frankfurt am Main, Ehrenmitglied der Loge zum silbernen Einhorn in Nicnburg, nicht Unrecht geben können, wenn er diejenige»^ die den christlichen Charakter der Maurerei behaupten, fragt**): „Warum findet sich in dem ganzen maurerischcn Ritual auch keine Spur von einem kirchlichen Christenthum? Warum wird der Name Christus nicht ein einziges Mal genannt, weder im Eide, noch im Gebete, daS bei geöffneter Loge oder bei der Tafelloge verrichtet wird? Warum ist in der Freimaurerei kein christliches Symbol? Warum Zirkel, Winkelmaaß, Waage? Warum nicht daS Kreuz? Warum statt „Weisheit, Stärke und Schönheit" nicht die christliche Drei: „Glaube, Liebe, Hoffnung?" Die Verwandtschaft deS OrvenS mit dem englischen Deismus legt sich auch in seiner Symbolik zu Tage. Man vergleiche nur Aeußerungen wie die deS Verfassers der „betrachteten Auferstehung Jesu,***) die Vernunft sey seine einzige Regel, seine Absicht sey, die Würde der Tugend der Welt vor Augen zu legen und die Hochachtung gegen Weisheit und Wahrheil wieder in den Schwung zu bringen, die durch den Glauben verdrängt sey: die Menschen müßten erkennen, daß sie sich aus nichts in Ansehung ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Glückseligkeit zu verlassen hätten, als auf ihre eigeue Tugend *) Freimaurerblbl. l. St. Berlin »773, S. tN8 ff. vgl. die neuesten ReliqionSb. S. 3t4. **) Eckcrt. S. 2S6, »**) zz^ Leland, Abriß der vornehmsten deistischcn Schriften Th. 1. S. ötv. 117 und auf die Liebe zur Weisheit und Wahrheit," Nicht einmal deistische Gottesfurcht wird man dem Freimaurerorden zusprechen können. Sein Gott hat das bloße Zusehen. Ob er ist oder nicht ist, hat auf die Moralität keinen Einfluß. Dem erhabenen Ziele der Tugend streben die Brüder auf eigene Hand nach. Sie bedürfen dazn keiner andern Kraft, als der eigenen, deren wahre Beschaffenheit sie in der dem natürlichen Menschen eigenen Verblendung verkennen. Eben so auch die wahre Beschaffenheit deö Zieles. Sie meinen, eS sey genug, die Hände rein zu halten, die „böse Lust und Neigung" lassen sie fortwuchern, sie ist einmal die Mitgabe der menschlichen Natur. Der dem natürlichen Menschen eigene Mangel an Furcht Gottes, an Vertrauen gegen ihn, macht ihnen keine Sorge. Die Tugenden, die sich auf das Verhältniß zu Gott beziehen, haben sie gestrichen. Die Gebote der ersten Tafel sind für sie nicht vorhanden. Gott ist ihnen viel zu sehr ein unbestimmtes Etwas, als daß man ihm verpflichtet seyn könnte." (Schluß folgt, > Die auswärtige» Missionen. I Vereinigte Staaten. Eine kurze und klare Uebersicht der Gesammtlagc gibt ein Brief des hoch-' würdigen Pater de Smet aus St. Louis vom 6. Februar 1853, dem wir Folgendes entnehmen: Die Gesellschaft Jesu schreitet hier langsam vorwärts, aber der Fortschritt ist ein stetiger; sie besitzt schon siebzehn Kollegien, und diese Zahl würd- sich sehr schnell verdoppeln, wenn wir das zu diesen Instituten nothwendige Personal hätten. Anfragen, Vorschläge, mitunter sehr annehmbare, kommen an imS von den Bischösen aus allen Theilen der Union, sogar aus Neu-Meriko und Kalifornien, und Herr Bischof Lamy hat uns so eben einen Drängbrief gesandt, ihm zu Hilfe zu kommen; er hat in seiner ganzen Diöcese weder Schule noch Colleg, und er zählt kaum z ^ ölf Priester, um ungefähr 100,000 Katholiken von denen 10,000 bekehrte Indianer sind, die Sacramenie zu spenden. Die Anzahl der Katholiken in den Vereinigten Staaten beläuft sich auf ungefähr 4,000,000; und jedes Jahr bringt unS aus Europa 10.000 — 20.000 katholische Einwanderer, so daß sich ihre Anzahl in dem Maaße vermehrt, als die Schiffsahrt leichter, schneller und minder kostspielig wird. Um diese Millionen von Gläubigen zu leiten, zählt man ungefähr 1400 Kloster- und Weltpriester. Der Beruf zum Pricster- stand ist bisher bei den Amerikanern noch immer sehr selten, und genügt weitaus nicht, den täglich wachsenden Bedürfnissen zu entsprechen. — Nach d-n statistischen Notizen, die wir durch die beiden ausgezeichneten Prälaten, Herrn Brüte und England erhalten haben, erlitten bereits mehrere Millionen Katholiken und vorzüglich ihre Nachkommen, in Beziehung auf Religion in Amerika Schiffbrnch, welch großes Unglück rein dem Prieftermangel zugeschrieben werden muß. So wie nur ein eifriger Geistlicher sich irgendwo niederläßt und seine Kirche baut, so bildet sich auch schnell um das HauS deS Herrn eine schöne Christengemeinde, und man findet gegenwärtig in Amerika eine sehr große Anzahl, Kongregationen, die eben so eifrig sind, als die besten Psarrgcmeinden von Europa. Hier in der Stadt St. LoniS zählt man schon zwölf Kirchen und ^ine gut- Anzahl Klöster. In der Kirche des heiligen Franz Xaver, die mit unserer Universität vereinigt ist, beläuft sich die Zahl der Communionen jedes Jahr auf dreißig- bis vierzigtauscnd. Auch Bekehrungen vom Protestantismus sind sehr häufig. Nicht minder im Aufblühen sind die benedictinischen Klöster begriffen. Zu -Lin- cenneS in Jndiana, dem Sitze eines BisthumS, haben sich die Patres Ulrich Christen und Beda Connor aus Einsiedeln niedergelassen. Sie schildern die Bewohner deS 118 Landes als ein gutes, einfaches, offenes Volk; noch »»verpestet von Sittenverderbniß, empfänglich für religiöse Belehrung. Dieses Land stehe an einem kritischen Zeitpunct, der auf lange hinaus entscheiden dürfte: um so dringender sey daS Bedürfniß katholischer Entwicklung. ViucenneS, am WabeSh gelegen, wird als eine schone Stadt bezeichnet; sie hat zwei katholische Airchen und zwei Waisenhäuser. DaS Land stellt den pflegenden Händen noch eben so mühevolle Arbeit in Aussicht, wie daS Volk einer günstigen Pflege bedarf. Ein Kloster, daS zum Erercitien- und MissionShnuse, zu einem Mittelpuncte der seelsorglichen Aushilfe und Jugenderziehung dienen sollte, hofft man nach dem Wunsche deS Herrn Bischofs errichten zu können. Im mächtigsten Emporstreben aber erscheint die Benedictiner-Kolonie deS Herrn Pater Supcrior, Bonifaz Wimmer, in St. Vincent, Staat Pensylvanien, Grafschaft Westmoreland, wie dessen ausführlicher Bericht an die Centraldirection deS Ludwig- MissionSvereineS in München darthut. Bis zum 5. Juni deS JahreS 1852 zählte er fünfzehn Priester, wovon aber Herr PlaciduS Düt! gestorben ist, sechzehn ki-stre-s clerici — nech dem Tode deS Frater Gallus Urban noch fünfzehn, und zweiundfünfzig Laienbrüder, die sich derart in alle Professionen theilen, daß das Kloster einer weiblichen Hilfe nur für Strick- und ähnliche Arbeiten benöthigt ist. Dazu kamen noch fünfzig Studenten, von denen mir der vierte Theil ein mäßiges Kostgeld entrichtete. Das Klosterpersonal war auf vier Plätze vertheilt, t) St. Viucent. Hier ist ein Knabenseminar, wo die deutschen und die englisch Redenden m beiden Sprachen sich gegenseitig unterrichten. St. Vincent versieht folgende Filiale: Greensburg, Leganier, Johnstowe, Jefferson, Sumit, Hollydaysburg und Altona. Der zweite Platz ist St. Benedicr in Carroltown, Grafschaft Cambria am Alleghany-Gebirge, 55 Meilen von St. Vincent nordöstlich, nahe den Quellen deS SuSquehannah. Hieher gehören die Gemeinden Glonkondel, Loretto, Clarafield, Frencbville, Cooper-Settlement. Die dritte Station, 80 Meilen weiter nördlich ist St. Maria, eine Gemeinde von 400 Familien, meistens Bayern, deren religiöser Eiser gelobt wird; von hier auS wird die deutsche Niederlassung in Williamsville versehen. Mitten zwischen S. Maria und St. Vincent liegt die vierte, jüngste und schwierigste Ansiedlung — Jndiana, die an pecuniären Opfern noch mehr als daS Brachland von St. Maria erfordert, dagegen aber durch ihren sittlichen Zustand weniger befriedigt. Daß eine unermüdliche Ausdauer, daß ein gränzenloses Gottvertrauen in diesen Verhältnissen erfordert ist, ergibt daS doppelte Mißverhältniß der geringen Geldkräste und bei weitem noch nicht zureichenden Personenzahl zu der nöthigen Ausdehnung über weit entlegene Puncte und zu dem Aufwande, den jede bleibende Niederlassung erfordert. Daher fehlt eS auch an Schulden nicht, die zwar bald zn decken wären, wenn nicht immer neue Bedürfnisse der Bevölkerung auch neue Hilfsquellen erforderten. II. Ober-Canada. AuS Toronto in Ober-Canada berichtet Pater Holzer 8. ^. über die Lage der Deutsche» in der Diaspora, in Guelph und Neu-Germany. In jenem Districte hatte auch Pater Fruzzini (in Würzburg seit der Mission in gesegnetem Angedenken) seine Gesundheit dem apostolischen Amte geopfert. Nach Guelph sollen die barmherzigen Schwestern berufen und ibrcr Leitung ein Orphauasylum unterstellt werden. „Zwar," — sagt Pater Holzer — „hier in Canada ist fast jedes Kind ein verlassenes Waisenkind, denn wir haben so wenige katholische Schulen " — „ES ist in unserer Guelph- Missivn auch ein Schottländer, Namens Mac Naughton, ein vortrefflicher Mann mit einer braven Familie; dieser hat einen Bruder im schottischen Colleg zu RegenS. bürg. Sehr viele Familien von dem übcrvölkcrtui Neu-Germany wandern nach der Guelph-Mission auS, und so werden wir sie alle in ein Townschip sammeln und eine deutsche Gemeinde bilden. Auch katholische Indianer gibt es in der Mission, mit denen man mittelst Dolmetschern verkehren mußte.'' 119 Zum Schlüsse stehe hier ein Zug, der auch ül unserer Heimat die seelsorgerlichc Wirksamkeit erheben und begeistern mag. „Mehrere Deutsche auö Bayern, die erst ankamen, waren in der Charwvchc in unserer Kirche; eine Frau erzählte mir, wie ihre zwei Buben voller Freude nach Hause liefen mit den Worten: „„Mutter, in dieser Kirche ist Alles so, wie bei uns in Deutschland!"" Ein Mann von der Bergstraße bei Speyer, Namens NicolauS Madel, brachte seine ganze Familie und erzählte mit sichtbarer Rührung, was ihm der hochwürdigste Herr Bischof von Speyer und der Herr Pfarrer beim Abschied ans Herz gelegt, und wie er der Jesuiten-Mission in Speyer beigewohnt habe. O wüßten die hochwürdigen Herren Pfarrer in Deutschland, mit welcher Dankbarkeit jedes Wort wiederholt wird von den armen Deutschen hier im kanadischen Busch und wie oft sie ausrufen: „„Ja, der Herr Pfarrer hat Recht gehabt! Wie hat er doch AlleS so wissen können; er hat unS so gute Lehren mitgegeben, als wenn er zwanzig Jahre in Amerika gewesen wäre."" O, die AbschiedS- lchren, die die hochwürdigen Herren Pfarrer den Auswanderern mitgeben, fallen auf gutes Erdreich; denn daS Elend und die Trübsale, die sie oftmals in Amerika finden, öffnen ihnen die Augen und führen sie zu Gott, und wie Kinder von ihrem Vater reden, so reden die armen Katholiken von ihren Seelsorgern, die sie so und so viele Jahre gehabt und in deren Kirchen Alles so schön gehalten wurde." III Indianer-Stämme. Ihre Gesammtlage schildert ein Brief des Herrn Belcourt, Missionärs, an Herrn Cretin, Bischof von Sanct Paul. „--Ich sehe voraus; daß man einige Jahre hindurch mit ihnen unter dem Zelte sich lagern muß, um immer bei ihnen zu seyn und ihnen steten Unterricht angedeihen zu lassen, Haben sie einmal die religiösen Lehren angenommen, so gibt ihnen auch die Gnade das Vertrauen, daS sie ihren Hirten schuldig sind, und eS wird dann viel leichter seyn, sie an feste Wohnsitze und somit nach und nach an den Ackerbau zu gewöhnen. Der Stamm der AssyniboineS, einer der beträchtlichsten, breitet sich bis zu den Quellen deS Missouri aus, wo diese Indianer mit den Wilden der Felsenberge, vorzüglich mit den Schwarzfüßen, in Fehde leben. Da sie mit den Mandanes und den Dickbäuchcn in Einverständnis^ sind, so würde ein Missiouär, der bei Letzteren seinen festen Wohnsitz hätte, den ersten Ring einer apostolischen Kette bilden, welche bald mit GotteS Hilfe eine große Anzahl Ungläubiger unter daS süße Joch deS Evangeliums beugen würde. Die Pani'S (Pananiyak), welche sich eine Tagreise von Selle, etwas weiter unten, als die Manvanes, mit denen sie verbunden sind, niedergelassen haben, würven bald ihrem Beispiele folgen, und dann, und zwar nur dann könnte man hoffen, in den Schafstall deS Erlösers den zahlreichen und mächtigen Stamm der Siour eintreten zu sehen." Von demselben Stamme sagt indessen einen Monat später der apostolische Missionär Herr Fayolle: „Diese armen Wilden sind wohl recht sehr zu beklagen; der Dämon hält sie unter seiner Herrschaft und verdummt sie, und um sie zu bekehren, bedarf es eines speciellen Schutzes GotteS; dennoch hoffen wir sie durch unsere Kinder zu gewinnen. Schulen werden so eben errichtet; die nöihigen Mittel werden von dem Gelde genommen, das ihnen die amerikanische Regierung für die verkauften Ländereien auszahlt. Sie haben selbst für ihre Kinder um einen katholischen Unierricht nachgesucht; andere Wilde stellten unter gleichen Umständen die gleiche Bitte; beirüglich schickte man ihnen protestantische Lehrer, die aber keinen Erfolg hatten. Schon besitzen die Missionäre unier Leitung deS Herrn v, Vivalde zu Longue-Prairie die Schule der Winnebcigos.« (Kath. Wockenschnft.) 120 DaS Colleg für auswärtige Missionen in Drumcondra bei Dublin. Irland hat stets außerordentlichen Eifer für Verbreitung deS Glaubens bewiesen. Der heilige Columban und seine Brüder von Lureuil zeigten ihn vor drei» zehn Jahrhunderten, als in Frankreich jene Missionen begannen, welche unserm Naterlande so viele Apostel und Heilige gaben. Das Frankenreich war nie undankbar: Karl der Große erwies seine Liebe und seine Dankbarkeit für den heiligen und unerschrockenen Heroismus dcS irischen Glaubens mit ganz energischen Ausdrücken, die uns Suriuö berichtet, und die Nation hat bei vielen Gelegenheiten dieses Zeugniß ihres großes Kaisers bestätigt. Der Eifer, den Irland für die auswärtigen Missionen drei Jahrhunderte vor Karl dem Großen entwickelte, ist heut zu Tage noch eben so glühcud, als zu der Zeit, da St. GalluS seinen Namen aus die Felsen der Schweiz drückte, oder Virgilius den Bischofstab von Salzburg führte. Betrachtet man die Resultate der Eroberung Irlands durch England, so kann man nicht umhin, darin einen providcniiellcn Plan zu erkennen. Als England seinen Glauben verlor, erhob sich zwischen ihm und dem eroberten Land ein Krieg ganz neuer Art, in welchem Irland mehr als einmal den Siez davon trug, und der noch fortdauert. Indem eS mit England seine Geschicke und seine Sprache theilt, trägt Irland den katholischen Glauben in alle jene Länder, in welche sein Nivale die Häresie zu verpflanzen strebt. Ucberall wo man englisch spricht, oder wo das englische Gold erlaufen oder corrumpiren kann: in Schottland, in Indien, in Amerika und Australien, verfolgt die Häresie ihr Werk dcS Umsturzes und der Zerstörung, indem sie zugleich den Köder des Geldes oder der Situation und alle Hebel gebraucht, welche ihr die RegierungSgcwalt jener Macht bietet, die man England nennt. Aber Irland erhob sich, um Leib an Leib gegen jene mächtige Verführerin zn kämpfen, die vom Gelo und Haß Englands und Amerikas unterstützt wird. ES ist sohin Pflicht aller katholischen Nationen, Irland bcizustchen und eS durch Gebet und Almosen in seinem mühsamen Kampfe zu unterstützen. In den Vereinigten Staaten zählt man beinahe fünf Millionen Katholiken und kaum gibt eS dreizehnhundert Priester für diese fünf Millionen. Nahe an vier Millionen entbehren beinahe ganz deS geistlichen Beistandes der Priester. In Indien, Australien, Canada, Afrika leben Million-n Katholiken in derselben Entbehrung. Irland ermüdet nicht, ihnen beizustehen, und um dieß mit mehr Erfolg thun zu können, hat eS in Drnmconora bei Dublin die Anstalt geschaffen, welche unter dem Namen „Colleg Allerheiligen" bekannt ist. Dieses Col- legium, welches ganz für die Htranbildung von MissionSpriestern für alle Theile der Erde bestimmt ist, wird lediglich durch daS Almosen der irischen Katholiken erhalten, welche inmitten ihres größten Elendes, selbst wenn sie Hunger sterben sollten, noch ihren Pfennig für die Unterhaltung dieser Pflauzschule apostolischer Männer hergeben. Im Wettkampfe sür diesen Eifer widmen sich Priester ganz unentgeltlich und lediglich gegen Kost und Wohnung der Erziehung der Studirenden dieses HauscS, daS seit 1842 einhundert und dreißig Priester iu die auswärtigen Missionen geschickt hat. Gegenwärtig sind etwa hundert Jünglinge in der Anstalt; aber die Bedürfnisse der Missionen erforderten wobl zehnmal mehr. Die Oberen haben deßhalb auch beschlossen, das Haus zu vergrößern, und sie vertrauen dabei aus die göttliche Hilfe und die Unterstützung der katholischen Welt. (UniverS.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen Verlags-Inhaber: F. C. Kreme,,