Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt lif'wH, Ksizv»/. ZI»)« z>< .7<,tt7»6 gttM^n'»^ ,m> li»ch,^'-!is.dK sch't>liiU«l^7v »z)»!^ »'.'«^ t^jr -NW boo N5M'A 1»1 -j»'.?!l!7s^sat»E tt»n,a,»H's7Z« 7»llnH-i Augsburger MKMung. Silu ^v^<)s>)< ,^ü^7dV chwIqujL nchi,«.' '!i :!>l.ttlv7Z'/ 1i/j»Ät/i7!^. Mi>1^n^/Q,'iiL ^L^^s'",',!'^ ch'iua I>f/nz !7Z? SnjtvK )!ZmB SnvK 7?< III MsM ZtdNiKm S»Ä zDlÄNK ^ »6» onüttzM I!i Dieses Blatt erscheint regelmäßig alls Sountage. Der halbjährige Abounementsprel« 'ltt kr., wofür e« durch alle lönigl. buyer- Postämter und alle Buchhaudlunger, bezogen werde« knuv. Z«! Vermahlung Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. LbÄ Ni'MÄ ?i>Q. .7Utli" lchn7 7,s 1N>1>I»!'<7i:/j?2' '-iMllKIZss 1'u lelix ^uslriii nulie. 1u lelix .-Vuslria nul»e, Das ist ein altes Wott, So schallt es durch die Welt, Das klingt mit mächtigem Zauber Vom adriatischen Meere, Durch alle Zeiten fort. Bis hin zum nordische» Belt, ' lelix ^uslris nulie, '1'u lelix .^ustria nube. Das ist ein froher Klang, Hoch oben im Himmelssaal, Und Millionen singe» Singt's heute die Schaar der Engel Und jauchzen den liebliche» Sang. Dem Kaiser und seine», Gcmal, , 'I'u lelix ^ustiii» niibe, I'u lelix ^ustri.i nul»e. O Lied! so lieb und traut Ruft auch der Dichter aus, Dem jugendlichen Herrscher, Er hat nicht and'rc Gaben, Der holden Kaiserbraut, Nicht andern Hochzeitöstnruß, , 'I'u lelix .-Vuslriii nutze. Den er dem Kaiser weihet O Wort! so sreundlich und gut Und semer liebliche» Braut, Den Völkern und den Ländern, Auf die der König des Himmels Die ruhe» in Oesterreichs Huth, Segnend hernicderschaut. Frz. Xav. Schumacher. «yllv ni >Hu!L.Ä z'^i'<üir,iq»LU ' «Nl^Ä S'->-s,ii«l..il Zur orientalischen Krage. ES ist erfreulich, wahrzunehmen, wie einmüthig und entschieden sich die kirchlichen Blätter Deutschlands anläßlich des orientalischen Conflictes gegen die Bestrebungen Rußlands aufsprechen. Allgemein ist die Besorgnis; vorherrschen?, daß, im Falle Rußland bei diesem Kampse siegen sollte, die Katholiken des Orienls dasselbe höchst traurige Loos befürchten müßten, unter welchem unsere katholischen Brüder in Rußland seit lauger Zeit seufzen. Das zu Münster erscheinende Sonntagsblatt für katholische Christen spricht sich in dieser Beziehung in folgender Weise auS: Uebersicht man die Ab- und Zuneigungen, die Ansichten und Meinungen, wie sie im Laufe der Zeit über die orientalische Angelegenheit sich entwickelt und gebildet haben, so gibt sich in Bezug auf Rußland ein merkwürdiger Umschwung der Gesinnung kund. Bekanntlich war nach dem Jahre 1,8-48 das Ansehen Rußlands um ein Bedeutendes gestiegen; man setzte ein gewisses Vertrauen in den Charakter und ^38 die Ehrenhaftigkeit des Kaisers Rico laus, ja getraute dem Czaren eine Mission zum Schutze Europas gegen die Revolution und rothe Demokratie zu. Die neueste orientalische Angelegenheit brachte eine Aenderung hervor, die ohne Zweifel der Kaiser selbst nicht geahnt hat. Europa wandte sich gegen Rußland. Verschiedene wurden hier offenbar von verschiedenen Beweggründen geleitet. Während den Einen das Mitleid für den schwächern Theil bestimmte und in dem Andern die Flamme der Revolution wieder aufschlug, entwickelte sich bei einem großen Theile ein großer Argwohn, ob eS mit jenen religiösen Motiven, welche Nußland vorschützte, wahrhaft und ernstlich gemeint sey, und wurde zu diesem Argwohn veranlaßt, ja bestärkt in demselben nicht etwa durch bloß confessionelle Interessen, sondern durch geschichtliche Thatsachen, die sich nun einmal nicht läugnen lassen. Seit Peter dem Großen ist in Rußland die geistliche und weltliche Macht in der Hand des Einen Kaisers vereinigt; Polilik und Religion stehen in nächster Verbindung und zwar in dem Verhältnisse, daß die Religion die Dienerin der Politik ist. Nur ein Blick in die russische Geschichte, und man findet die Thatsachen und Belege dafür auf jedem Schritt. Die religiösen Verordnungen im russischen Reiche zielen daher immer hin und werden erlassen mit nächster Beziehung auf die politischen Verhältnisse. Die gesammte Organisaiion der russischen Staatskirche spricht dafür. Die Einheit des orthodoxen russisch-griechischen Glaubens wird für das ganze Reich gewünscht, weil sie nothwendig ist für die politische Einheit des Landes. Die Thätigkeiten für den orthodoreeu Glauben sind daher, wie dem blödesten Auge sichtbar wird, nicht apostolische, sondern politische Funktionen. Alle diese Grundsätze werden um so schärfer und consequenter durchgeführt werden, je consequenter der Charakter des Kaisers ist, welcher auf dem Throne sitzt, und wurden demnach, wie bekannt, sowohl den Jnden die Bärte rasirt, als die Protestanten in den Ostseeprovinzen behelligt, als die Katholiken verfolgt, — Alles im Interesse des orthodoxen Glaubens, d. h. der Politik Rußlands. Die daher auch nnr in etwa mit der Geschichte Rußlands bekannt waren, konnten gleich Anfangs, als Menzikoff nach Konstantinopel geschickt und das religiöse Motiv wesentlich in den Vordergrund geschoben wurde, nur schwerlich des Argwohns sich erwehren, ob nicht auch hier gerade daS umgekehrte Verhältniß bestehe, und die Politik auf der ersten, die Religion nur auf der zweiten Stelle stehe, und wiederum die Dienerin zur Erreichung anderer und zwar politischer Zwecke seyn müsse. Es kam aber noch ein anderes und sehr wichtiges Moment hinzu. Rußland beschwerte sich darüber, die Türkei habe die Verträge nicht gehalten und wollte für die Zukunft Sicherheit der Verträge. Wie eS in der Natur der Sache lag, fragte man: „Hält Rußland selbst die Verträge?" — Und endlich: Rußlaud beschwert sich über Mißhandlung der Christen in der Türkei und bringt dafür Thatsachen vor. Daher die dritte Frage: „Wie behandelt Rußland die Christen in seinem eigenen Reiche?" Stand Rußland in allen drei genannten Puncten nicht völlig rein uno makellos, so konnte es unmöglich Sympathien für sich gewinnen. Man fürchtet zudem einen Krieg, man hat ihn Jahre lang gefürchtet; man weiß, daß ein Krieg die großartigsten Verwicklungen, das namenloseste Elend für ganz Europa herbeiführen kann. Deßwegen lag eS in der Natur der Sache, daß man die Gründe prüfte, welche einen Krieg herbeiführen sollten, und deßhalb auch das Versahren Rußlands einer Kritik unterwarf. Namentlich fanden sich die Katholiken dazu veranlaßt, und leider mußten sie nach vorliegenden Thatsachen und geschichtlich beglaubigten Documenten sagen, daß Rußlauv in einer Reihe von Jahren in Bezug aus die Katholiken weder die Verträge gehalten, noch den Katholiken im russischen Reiche die Behandlung zu Theil wurde, welche der Czar mit solcher Entschiedenheit für die Griechen in der Türkei verlang!, — daß vielmehr die Katholiken verfolgt wurden, wie die Christen in der Türkei; und wenn der Kaiser Nicolaus Belege vorbrachte, so können dieselben in der umfassendsten Weise katholi- scherseits gegen den Czaren vorgebracht werden. Und alles dieses lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf eine Schrift, die bereits der Vergessenheit schien übergeben zu 139 seyn, wir meinen die Staatsschrift, welche nothgedrnngen über die Verhältnisse der katholischen Kirche in Rußland unter dem Pontificate Gregors XVI. veröffentlicht wurde. Die Schrift erregte schon damals Aufmerksamkeit und wird unter gegenwärtigen Verhältnissen noch größeres Aufsehen erregen. Ein Jahrzehent ist etwa verflossen, als Kaiser Nicolaus in Rom war, und Gregor XVI., im vollen Bewußtseyn seiner apostolischen Würde und Sendung dem mächtigen Selbstherrscher aller Renssen die merkwürdigen Worte sagte: „Wir werden einst beide im Gerichte vor Gott stehen." Gregor ist längst gestorben, die Staatsschrift schien scl sc-ts gelegt, — der Kaiser befand sich auf dem Gipfel seiner Macht — und siehe, die Welt erinnert sich wieder der Worte Gregors, und die Staatsschrift ersteht auS der Verborgenheit und fängt an, Rußland zu richten. (Salzb. Kbl.) Zustände der Katholiken in Schweden. III Wer die kleine Schmiedgasse in Stockholm betritt, sieht ein von Ziegeln im gefälligen, einfachen Style aufgeführtes HauS, das durch seine etwas längeren, nach oben zu gerundeten Fenster, noch mehr aber durch sein nettes, reinliches Aussehen auffällt. Dieß ist die Kirche mit dem angebauten Waisen- und Pfarrhause der kleinen katholischen Gemeinde in Stockholm. Eine unansehnliche Thüre fuhrt in den kleinen Hof und eine andere aus demselben in die Kirche. Hieher möchten wir alle diejenigen führen, denen das Wort „Kirche und Glauben" nur wie ein Kindermärchen klingt. Wenn man am Sonntage Nachmittag die dreißig bis fünfunddreißig Kinder, welche im Waisenhause verpflegt und erzogen werden, von denen mehrere den Namen „Mutter und Vater" gar nie auSsprachen, in ihren zwar ärmlichen, aber reinen Gewändern vor dem Altare der unbefleckten Jungfrau km'een und die Hände falten sieht, wenn man hört, wie sie die vom Priester vorgesprochenen Gebete andächtig nachsagen, wie diese Gebete Bitten sind für daS ehedem katholische, jetzt lutherische Vaterland, voll Ergebung und Nächstenliebe, wie die Namen ihrer Wohlthäter genannt werden, damit sie sich den armen Waisen zur Dankbarkeit einprägen mögen, wenn dann die Kinder das Salve Regina anstimmen und in einem geregelten Gesänge durchführen, wenn sie dann in kindlicher Einfalt ihre kleinen Gaben, sey es eine Blume, oder ein Band :c. aus den Stufen deS Altares niederlegen, und wenn man bedenket, daß diese Kinder von der zartesten Jugend an für diese ihnen eingepflanzte Geisteserhebung im katholischen Cultus außerhalb ihres HauseS um Spott, ja oft thätliche Beleidigungen zu erfahren haben, wenn man erwägt, wie von der Kanzel und durch die Presse, von den Sitzen der ReichStagdeputirten und durch die legislative Macht nur Spott, Hohn und Drohung gegen die Katholiken ausgestoßen werden, und endlich, welch materiellen Nachtheil bloß der Name eines Katholiken nach sich zieht, was alles den Kindern nicht unbekannt bleibt, wenn man dieß alles bedenkt, dann muß man wohl auSrusen: „Die Gnade des Herrn beschützt sein letztes Samenkörnlein in der kleinen Schmied- gasse zu Stockholm, auf daß einmal ein Baum daraus werde, der Blätter trägt mit den Namen der Heiligen." Und diese Säulen und Wächter der Kirche, die Heiligen, sie stehen, durch Bilder und Statuen vergegenwärtigt, noch immer hie und da in den schwedischen ehedem katholischen Domen; noch immer kämpft der heilige Georg, hoch zu Roß, in Riesengestalt in der Stockholmer Hauptkirche, mit dem alten Drachen in jener Kirche, welche an der Außenmauer, gegen die königliche Residenz zu, eine große Marmortafel trägt, die da besagt, daß Schwedens großer König, Gustav Adolph, diese Kirche der papistischen Jdololatrie und dem finstern Aberglauben entrissen und dem reinen Evangelio übergeben hat. Graphischer hätte man die schwedische Luther- Gesellschaft nicht zeichnen können. Innen in der Kirche der heilige Georg, und draußen der Lügendrache! Auch die heilige Barbara ist in dieser Kirche — die reine gläubige Jungfrau, und vor ihr der abtrünnige Henker I Und damit die Schweden 140 anch an die Folgen ihrer Handlungsweise erinnert werden, ließen sie bei j>er Reinigung der Kirche von papistischer Jdololatrie im ehemaligen Presbyterinm ein großes, schönes Oelgemälde zurück, das jüngste Gericht vorstellend. In Skoklorter steht die Guadenmuttcr an ihrem alten, freilich jetzt entweihten Altar, in Westeräs ist ein Rosenkranzbild und in der Haupt-Kathedrale des ganzen skandinavischen Reiches, am Sitze deS Erzbischofes, Upsala, der Leib de'> Landespatrons, des heiligen Olof. Ein prachtvoller Silbersarg umschließt die heiligen Reliquien und blieb unverrückt au seiner alten Stelle an der Evangelienseite deS ehemaligen Hochaltares. Soll dieß alles zufällig so geblieben seyn? Gewiß nicht. Der Katholik kennt keinen Zufall, er weiß eS, daß waS geschieht, nach einem höhern Plane geschieht oder zugelassen wird, und daß jeder Irrthum einmal sinken, die Wahrheit siegen müsse. Schon erhebt sich eine neue katholische Kirche im benachbarten Königreich Norwegen — die zweite im skandinavischen Norden —5 in Christicmia schon glänzt das Siegeszeichen von Golgatha ans dem Thurme; auS der Diöcese Regensburg verließ ein Pfarrer seine einlräglichc Pfründe, um bei dieser neueu Kirche als Missionär thätig zu werden; drei deutsche Frauen entschlossen sich, die Heimath, Bayern, zu verlassen, um bei dieser Kirche eine katholische Mädchenschule anzulegen, und wessen Namen wird die Kirche führen? — den des heiligen Olof. Und wie sonderbar! Als ob die sueeessio gpostolies sich sogar in dem kalten Granitsteine bewahrheiten sollte, bildet die mensg des Hochaltars ein Stein, der noch in der katholischen Zeit zum selben Zwecke diente, den man auS den Ruinen einer verfallenen katholischen Kirche hervorzog, und in ?em sich noch das unverletzte 8opulorum der Martyrergebeine vorfand! Der seit 1838 in Skandinavien als apostolischer Vicar mit großer Selbftverläugnnng und Aufopferung wirkende Lau- renz Studach hat durch Unterstützung des Lyoner und Münchner MissionsvereinS diese Kirche wenigstens in ihrem Aeußern ausgebaut; noch fehlt die ganze innere Einrichtung, noch hat der Priester keine eigene Wohnung, noch ist kein Gebäude für die Schule — und doch blickt der fromme Vicar mit apostolischem Vertrauen auf sein Werk, das er mit zweihundert Thalern begonnen, und denkt schon an die Weihe derselben. Ob ihm irgend eine Hilfe zukommen werde? Amerika und Afrika erhalten aus Oesterreich so reiche Gaben, — Skandinavien kennt man nicht — und doch gerade hier, trotz der barbarischen Gesetze ließe sich bei den vielen übriggebliebenen Ritual- ssrmen und katholischen Erinnerungen bei einer größern Priesteranzahl — (für ganz Schweden und Norwegen sind sammt dem neuen Priester vier katholische Geistliche thätig—) und bei nur etwas größern Geldmitteln in kurzer Zeit Erstaunliches leisten. Beten wir insgesammt, damit die verfolgte Kirche in Schweden Arbeiter und Wohlthäter finde. . . "51"//-., 7.^ ,.,19t ^ tKl.M7!> NKM' NM'K , ,lttL, z^uÄ-VW!, 5io -chw^'Nii! ilii7,wq»AZ''.»bS>'M n-l «zisiA Protestantische Zustände in Amerika. Eine Nummer des Liegnitzer Kirchenblattes für evangelisch-lutherische Gemeinden enthält einen Brief eines zur Synode Missouri gehörigen lnlheriscben Pastors Claus (welcher vor mehreren Jahren von Schlesien nach Nordamerika auswanderte) an einen Gemeindevorsteher Hilbig in Löwcnberg, worin eine Schilderung der dortigen Gemeinde- zustäude gegeben wird. In diesem Brief heißt eS: — „Vor allem theile ich Dir mit betrübtem Herzen mit, daß in meiner Gemeinde eine Trennung vorgegangen ist. Getreues Beharren bei reiner Lehre war Ursache der Spaltung, Der größte Theil meiner Gemeinde wollte meinen ordentlichen Beruf (zum Predigtamt) aufgehoben wissen, und mich jährlich oder doch auf unbestimmte Zeit dingen, so daß eS der Gemeinde jederzeit freistände, ihren Pastor zn entlassen, auch ohne alle Ursache. Wir sind die Herren, sagen hier die Gemeinden, und die Pastoren sind unsere Diener, und es steht uns ganz frei, ob wir sie behalten wollen oder nicht! — Hunderte von Predigern, die sich obendrein lutherisch nennen, lassen sich ans diese Weise miethen, — müssen dann natürlich auch so predigen, wie die Leute eS gern hören, und thun was der große Hause sagt, sonst werden sie, wenn ihre Miethszeit abgelaufen ist, 141 nicht wieder gedingt, — Solche Prediger, die sich so miethen lassen, hören natürlich auf Diener Gottes zu seyn, es sind Menschen- und Gcmcindcknechte, die um einen gewissen Lohn geistliche Geschäfte, wie Taufen, Begraben und dergleichen verrichten. So schrecklich wird das heilige Predigtamt hier in den Koch getreten. Wird nun ein solcher Punct von einer Gemeinde festgehalten, so kann man mit gutem lutherischcm Gewisse» nicht bleiben; denn der Beruf zum heiligen Predigtamt ist ja ein göttlicher. — Nach Matth. 9, W, Kpheser 4, 11, Apostelgesch. 20, 38 ist es ja die heilige Dreifaltigkeit, welche Prediger sendet und setzt. — So thun sie auch stöltlicbe Werke — und vor den herrlichen Namen, die ihnen die Schrift beilegt, müssen ja Köin'gS- nnd Fürstennamen in den Schatten treten. — ES ist ja auch dieses Miethen gegen die Augsburger Consession Art. 14. — Nun daS weißt Du besser als ich. Es heißt dieß auch wahrhaftig nicht einen Diener Gotteö zwiefacher Ehre werth halten. Nicht nur sollte ich von nun an alle Jahre nach Stimmenmehrheit aufs neue gewählt werden, sondern auch alle Kirchenzncht (Matts,. 18, 15—t8) sollte abgeschafft seyn. — Ja, wer zur Gemeinde gehöre, solle mich gar nicht kümmern. Das Recht, zur hiesigen Gemeinde zu gehören, solle nicht an den Personen, sondern an dem Besitz der Grnndstücke hasten, und wenn auch ein Jude daS Grundstück besäße. — Die allei- gröbsten und offenbarsten Sünder sollten nicht von der Gemeinde ausgeschlossen werden. Einmal bekam ich gar einen Brief, in welchem ich im Namen Vieler ersucht wurde, für Kossuth zu beten. Kossuth wurde in diesem Brief ein heiliger Märtyrer und Völkerbesreier genannt. — Ich suchte in einer stnnden'angen Predigt die armen Leute zu belehren, und eS fruchtete auch bei einigen so viel, daß sie ihr Geld, welches sie zu einer Collectc für Kossnth mitgebracht hatten, in ihren Taschen stecken ließen, 5ie meisten aber legten frei und öffentlich nach der Kirche eine Summe Geldes für diesen saubern Herrn zusammen, nachdem sie schon vorher öffentlich in der Kirche Widersprechen und Lärm gemacht hatten. — Ans G-mcindeversammlungen trat man mit geballten Fünften und Messern in der Hand auf, so daß man sich stillschweigend aus solchen Räuber- und Mörderversammlungen entfernen mußte. — Endlich kurz vor Pfingsten 1352 kam eS zu einer Entscheidung. Eine ganze Rotte hatte sich zusammen- gekoppeit, ein gottloser Arzt war bisher ihr Helfershelfer gewesen. Man hielt eine Versammlung gegen meinen und mehrerer Gemeindeglieder Willen. Ich wurde von den Vorstehern im Namen der Majorität noch einmal befragt, ob ich ordentlichen Beruf und Kirchenlicht wolle fahren lassen, und da ich dieß verweigern mußte, wurde mir sofort die Kirche verschlossen, und binnen zehn Tagen sollte ich die Pfarrwohnung verlassen. — Die gläubigen und treuen Diener baten mich um GotteS Willen, sie doch nicht zu verlassen. Ich wollte auf bloßes Drohen gar nicht räumen. Weil aber Stimmenmehrheit hier zu Lande Recht bekommt mich bei der weltlichen Obrigkeit, so entschlossen wir unS endlich, a»S Liebe zum Friede» alle Kirchengüter fahren zu lassen, und von vorn anzufangen. Der Treugebliebenen waren im Anfang von siebzig Familien etwa dreißig. Die Pfiugstseienage über hatten wir Gottesdienst in meiner Wohnung. Die Rotte soff unterdeß nebenan in einem Wirthshaus. — Hätten wir uns an diesem Tage geregt und etwa versucht, die Kirche zu erbrechen, waö wir nach hiesigen Gesetzen hätten thun dürfen, so hatte es wahrscheinlich blutige Köpfe gegeben. Wir wichen der Gewalt. Ich bezog nun eine andere Wohnung. Zur Kirche gab ein treues Gemeindeglied gern sein Haus her. Da nun die Feinde sahen, daß ich d.'ch nicht wich, fingen sie erst recht an zu verfolgen, so daß wir unö des Nachts nur mit Furcht und Zittern zur Rnhe legen konnten. Und eS wäre wohl noch schlimm ausgefallen, wenn Gott nicht mit der Cholera dazwischen gefahren wäre. Diese trat aber so heftig auf, daß binnen drei Wochen achtzig Menschen von derselben ergriffen und dahingerissen wurden — In dieser Zeit hatten wir Ruhe. — Einige baten um Vergebung. — Ich besuchte zu der Zeit so viel ich nur konnte, auch die Feinde. — Da war ich willkommen und hatte die große Freude, wenigstens einen Widersacher noch vor seinem Tode in die Wunden Jesu hinein zu leiten. Viele sind wohl verstockt und unbußfertig dahin gefahren. — Bei den Treugcbliebenen fand ich überall 142 große Freudigkeit zum Sterben. — Nur ein Beispiel. Eine Frau rief mir bei meinem Eintritt den schönen LiederverS entgegen: — „Freu dich sehr, o meine Seele!" —; ich mußte mit ihr singen: „Christe, du Lamm GotteSz" sie hatte alle ihre Kräfte zusammengerafft und sang mit vernehmlicher Stimme mit. Einige Stunden darauf entschlief sie, ohne die Bitterkeit des TodcS sehr zu schmecken. Mich bewahrte Gott wunderbar in dieser Zeit. — In dieser schrecklichen Zeit schien in der Gemeinde wieder Einigkeit zu werden. DaS merkten die unirten Geistlichen, von denen ich leider ringS umgeben bin. Die kamen dann und predigten einstweilen alle vierzehn Tage einmal. Einen Prediger wollte ihnen die Synode nicht geben, weil sie sich damit gar zn sehr in Schande gesetzt hätten, sie sagten aber nebenbei zu solchen, die noch nicht zu ihrem Verein gehörten, aber doch ihre Gesinnung theilten, hier sey eine Gemeinde, hier sollten sie hingehen. — Und so kam denn, nachdem bereits ein halbes Jahr vergangen war, ein solcher Herr. — Der gehörte nun bisher zu keiner Synode, ist nicht orvinirt, verrichtet aber doch alle Amtshandlungen. Vom Teufel, sagt er, will er nicht predigen, sondern von Christo. — Wie gefällt Dir daS? — Seine Rotte ist sehr wohl mit ihm zufrieden. — Inzwischen hatte meine kleine Gemeinde wieder ein Kirchlein erbaut, welches ihr am heiligen Abend zum Theil zerstört wurde. Die Thäter wurden bald entdeckt und von unS vor die Obrigkeit gezogen. Auf vieles Bitten hatte sich leider der Ausschuß der Gemeinde mit diesen schändlichen Kirchenräubern durch eine Gelvbuße vereinigt. Unsere Leute meinten es gut, sie dachten dadurch größerem Unglück zu entgehen. Dem konnten sie jedoch nicht vorbeugen. Einige Wochen darauf lag unsere Kirche in Asche. WaS da für Thränen vergossen worden sind, kannst Du Dir vorstellen. Bald hatten wir den Muth verloren. Manche entschlossen sich ihre Plätze zu verkaufen und wo anders hinzuziehen. Weil aber namentlich die Aermeren in diesem Sodom hätten zurückbleiben müssen, so entschlossen sich alle zu bleiben." >itt<» 1«vA n't i?7',7x',W' Ml!! N'.5u55) >-.'il^'!'ih i'im Die christliche Familie wie fie war und wie ste ist. (Ein Beitrag zur Charakteristik der alten und neuen Zeit.) DaS Alte ist nicht immer schlecht, weil es alt, und das Neue ist nicht immer gut, weil es neu ist — eine Wahrheit, von der sich Jedweder, der gesunden Verstand und klare Augen hat, überzeugen kann. DaS Alte ist nur dann schlecht, wenn eö in seinem Principe schon den Keim der künftigen Haltlosigkeit auS moralischen Gründen an sich trägt; das neue ist nur dann gut, wenn seine Konsequenzen eine segensvolle Frucht versprechen nnd auch bringen. Diesen Grundsatz als Maaßstab auf unsere Familie angewendet, muß man aufrichtig gestehen, daß man daS alte Gute verworfen, und das neue Schlechte an dessen Stelle gesetzt habe. Zum Beweise berufe ich mich auf die Erscheinungen unserer Zeit. Unsere gnten Vorfahren nach altem Schrot nnd Korn haben den Religionsunterricht obenan gestellt, denn sie gingen von der Ueberzeugung auS, Religion sey das nothwendigste Bedürfniß deS Menschen, will er anders ein ehrenvolles Glied der Kirche, und auch ein nützliches Glied des Staates seyn. Jetzt muß nicht selten der Religionsunterricht vor den übrigen profanen Gegenständen in den Hintergrund treten, so daß eS oft den Anschein hat, man halte den Religionsunterricht für eine nicht dringend nothwendige Beigabe. Während man die geschicktesten Tanz-, Sprach- und Clavier- meister besoldet, ist der Unterricht in der heiligen Religion zu Hause verwaiset, oder man überläßt denselben einem Menschen, der eS um ein paar Gulden monatlich ans sich nimmt, ein Kind in dem zu unterrichten, was er selbst nicht einmal versteht, und daS geschieht auf eine so trockene Weise, daß dem Kleinen, von Kindsbeinen angefangen, eine Abneigung und ein Eckel gegen jedwede Religion beigebracht wird. Ein solcher Lehrer füllt den Kopf des Kindes mit lauter gordischen Knoten an, die weder er, noch weniger das Kind zu lösen vermag; hingegen wird das Herz immer leerer und härter. DaS Kind macht Prüfung der Classe wegen, und ist froh, den Kate- 143 chiSmuS bei Seite legen zu können, setzt jedoch die Erlernung anderer Kenntnisse fort, hat Eckel und Mißbehagen an religiösen Büchern und dem Worte Gottes, und so wird aus dem Kinde ein Ebenbild unseres Zeitgeistes, und mit der Zeit — ein Ungläubiger. Manche Eltern glauben wieder, mit dem Religionsunterrichte, den die Kinder in der Schule genießen, sey schon Alles abgethan. Sie fragen nicht den Katecheten oder Lehrer um das sittliche Betragen oder den Fortgang im Lernen des Kindes; eS ist schon genug, wenn nur daö^Kind in die Schule geht. Ehemals war eS ein wichtiges und heiliges Geschäft deS VaterS, Sonntags uuterm Mittagsmahle das Kind um den Inhalt der sonntägigen Predigt zu befragen, und da seine besondern väterlichen Lehren anzufügen, das Kind mußte in der Predigt aufmerken, das Gehörte ging in Fleisch und Blut über, und so ward der Familienvater selbst zum Prediger und Seelsorger seiner Kinder; er verwaltete ein gar erhabenes Amt, ganz in Uebereinstimmung mit den'Worten deS heiligen ChrysostomuS, die er zu den Eltern spricht: „Ihr seyd die Apostel eurer Kinder; euer HauS ist eure Kirche; und wenn wir Geistliche für ihre Seelen wachen, und Rechenschaft geben müssen, wie viel mehr ihr, ihr Eltern, denen die Erziehung besonders anbefohlen ist, und denen sie Gott von zarter Jugend an inö Haus gegeben hat, damit ihr sie um so leichter regieren könnet." So dachte und handelte man ehemals. Jetzt würde es schwer seyn, Kinder über Predigten zu katechisiren, wenn Eltern selbst zu Verächtern des göttlichen Wortes geworden sind. Ehemals saßen die Familienglieder am Sonntage Nachmittags im traulichen Zirkel um ihren Familientisch (aber sie bildeten keinen zungenspitzigen Clubb;) aufmerksam horchten sie auf den Inhalt eines Erbauungsbuches, aus welchem ein Kind oder ein anderes Familienglied vorlas. Da blieben die Kinder fern von verderblichen Einflüssen böser Gesellschaften, hörten nicht unsittliche Reden, die unsere junge Generation um zehn Jahre eher zur segensloseu Reife bringen. So war eS ehemals. Jetzt hat die Genußsucht Gasthäuser wie Pilze aus der Erde hervorgezaubert, und Sonntags steht der Familientisch verlassen im versperrten Zimmer, der Zeitgeist hat die alten und jungen Familienglieder zu Soireen und auf Bälle gerufeu, der Geist der modernen Aufklärung hat die guten Erbauungsbücher zu den Antiquarhändlern ins Eril geschickt, und auf dem Bücherschrank florirt nun die Modebelletristik mit ihrem Verderbe» bringenven Inhalt. Aus diesen dunkeln Quellen schöpft nun das heranreifende Kind die Weisheit deS Tages, der Kopf wild gefüllt mit phantastischen Gebilden, der Reiz der Sinnlichkeit findet seine Nahrung, die man mit Heißhunger und mit Aufopferung halber Nächte verschlingt und auf den nackten Trümmern religiöser Bildung pflanzt der Mode- geift die Fahne der Aufklärung auf. Darin, mein Leser, findest du ein Fragment eines alten und eines nenen Bildes des christlichen Familienlebens; welches aber das bessere sey, darüber wird die Zukunft die unumstößlichsten Beweise liefern. (Oest. Volksfr.) 7'iM» .MimntVnh M). 7Üj . ti'iHMü '-7il 5is citt, >li(Zü's cklyK 7»iiM ,Ni, )Ii;p, ,)tM Kirchen-Disciplin. In der Pesther Zeitschrift „Kath. Christ" lieSt man: Im Monat November des verflossenen Jahres reiste in seinen Geschäften ein ungarischer Gutsbesitzer nach Sachsen, und als er an einem Sonntage zu Dresden in der katholischen Hofkirche dem Hochamt und der Predigt beiwohnte, merkte er, daß daS andächtige Publicum hier nach Verschiedenheit des Geschlechtes gesondert seine Plätze einnehme, die Männer rechts in den Stühlen, und das Fiauengeschlecht links. Zugleich sah er vier eigens in der Kirche ausgestellte Männer, die auf die Ordnung Acht hatten und alles Ungeziemende zu beseitigen den Austrag zu haben schienen, waö sie auch bewiesen. Denn eS geschah eben während des Gottesdienstes, daß ein Herr sammt seiner Frau, einem Mädchen und einem Knaben in die Kirche kam; der Herr nahm gleich auf der Männerseite Platz, als sich aber die Mutter mit dem Mädchen und dem Knaben auf die 144 Fraucnseite setzte, ging alsbald einer von den aufgestellten Kirchendienern zu ihr, nahm den Knaben bei der Hand und führte ihu auf die Männerseite, wo der Vater war, nur damu die Absonderung der Geschlechter streng beobachtet werde. Als sich ein Mann an die Kirchenwaud anlehnte, um commoder stehen zu können, war gleich einer aus jenen Kirchendienern bei ihm, und sagte vernehmbar: Bitte, mein Herr, gerade zu stehen, um nicht etwa die Mauer zu beschädigen. Ein dritter vom Pnb- licum wandte sich mehrmals zu sehr zurück gegen das Musikchor, schon wieder war einer aus jenen Kirchendienern an seiner Seite, mit der Mahnung: Bitte, mein Herr, durch Umsehen nicht zu stören, und die Aufnicrksamleit aus den Hochaltar zu richten. — Diese Erfahrung ist wirklich iurercssant und eine solche Kirchenordnung höchst lobenöwerth. Mögen immer manche Damen die Maaßregel als zu strenge finden, und wünschen: der katholische sächsische Hof sollte dennoch in einem protestantischen Lande die Sache nicht so strenge nehmen, und mehr Zärtlichkeit sowohl als Nachsicht gegen das Frauengeschlecht haben; so kann doch die Vortrefflichkeit dieser Maaßregel und ihr moralischer Werth etwa nur von solchen in Abrede gestellt werden, denen eS auch iu der Kirche nicht sowohl nm des reinen, Gort gefälligen Gebetes, als anderer nicht sehr zu billigender Nebeuabsichlen wegen zu thun ist. Daß eine derartige Kirchenordnung auch für viele Ortschafren unserer Länder eine höchst empsehlenswerlhe Einrichtung wäre, glaube ich, wiro Niemand bezweifeln, der in der Kirche erscheint, um dort zu beten, uud nicht, nm durch den Unfug Anderer geärgert und in seiner Andacht gestört zu werden. Wenn man bei sonstigen Feierlichkeiten und Anlässen, wo man wünscht, daß geziemende Ordnung herrsche und allen Unordnungen vorgebcugi werde, gewisse bevollmächtigte Perftneu ausstellt; warum sollte dieß nach vorläufiger gründlicher Darstellung nicht auch in der Kirche möglich seyn? ..HlvwZsl?, Hz 7li(tt o.Z, >.MMn6 >fi'>il- ,i^„!,isi,tj^ 7ux izt), NtloL « li'rn<5 1'iu'ni tm«il.'t N»A m» lijsli > fsHni'MzMV dbjl Ä«'/,HL.» Kn'mer.