Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PMMung. 7. Mai M- IN. 1854. Dieses Blatt erscheint reg^lmäßi^ alle Oonntaae» Der hulbjährige Ab»anemen^vrki« kr.» wofür e« durch all« köutstl. baver. PaASmter «»d .»ll« B«chhandl««fle« bezoqeu werden ln»n Zur Kirchengeschichte Bosniens. In der alten Zeit war Bosnien von den Römern beherrscht; nach dem Untergange dieses ungeheuren Weltreiches aber verwalteten Bosnien eigene Ksni (von 940 n. Eh.), später (vom I, 1376) Könige auS bosnischem Geblüte; als aber innere Zwietracht und die Geißel der Unruhen das Königreich zerfleischten, verfiel eS, und zwar zur Zeit seines blühendsten Zustandes (1463) unter die Herrschaft des ottomanischen Reiches, unter der eS sich noch heute befindet, die endliche Lösung seines Schicksals mit Sehnsucht erwartend. Nachdem Mohamed II. theils durch List, theils durch Verrätherei eines Mani- chäerS Namens Radak und durch Unentschlossenheit der aristokratischen Partei Bosnien erobert halte, sann er darauf, wie er das Land am leichtesten erhalten und mit dem übrigen Reiche inniger verschmelzen könne. Trotz seines Versprechens ließ er Stephan, den letzten bosnischen König, dessen Oheim Radivoj, Radosaw Pavlovic, den verruchten Verräther Radak sammt mehreren ihm gefährlich scheinenden Häuptlingen ent- haupicn. Die eroberten Festungen besetzte er mit griechischen und serbischen Renegaten; die besten Kräfte Bosniens, bestehend auS 30,000 auserlesenen Jünglingen, nahm er mit sich und bi.dete daraus daS Janitscharen-CorpS; gegen 200,000 sowohl männlicher als weiblicher Sclaven führte daS feindliche Heer mit sich und verkaufte sie in Kleinasien; die aber in der Flucht ihre Rettung finden konnten (besonders Katholiken), flohen nach Dobrovnjk (Ragusa), nach Dalmatien, auf daS adriatische Küstenland und nach Ungarn. Diese Flucht machte Mohamed nicht wenig Sorge auö Furcht vor der Verödung des Landes (vicls 2kingh i poveswiea liosne); deßhalb berief er eine Versammlung seiner Paschas und Vesire, um sie in dieser Verlegenheit zn Rathe zu ziehen. Zur selben Zeit erschien der selige Fra Angclus Zvizdovic, gekräftigt vom Geiste deS Herrn, furchtlos, erfüllt und ausgerüstet mit Eifer für die Kirche Golieö vor dem stegreichen Sultan, inständig bittend für die Freiheit der Kirche und seiner Glaubensbrüder. Mit trotziger Miene und zermalmendem Blicke sah der stolze Herrscher auf den demüthigen FranciScanermönch herab und donnerte ihm zu: „Bist du derjenige, der die Christen verleitet, auS meinen Gränzen und Landen zu fliehen?" Worauf jener erwiderte: „Ich binS." „Warum — fuhr heftig der Sultan fort — erdreistest du dich, dieß zu thun?" „Auf die Worte unsers heiligsten Erlösers bauend: Rolite eoßitgre eto." — gab der sanftmülhige und zugleich entschlossene und kühne Priester zur Antwort: „Dieß deßwegen, daß sie nicht an ihrem Glauben, zu dem sie sich von nicht geraumer Zeit her bekennen, Schiffbruch leiden," Diese freimüthige Rede reizte den Zorn des Großherrn, welcher ihn von sich stieß und in den Kerker abführen ließ. Fra AngeluS verharrte daselbst, während Mohamed Divan hielt, und ferner die ganze Nacht im Gebete für sich und seine Glaubenöbrüver in der sichern Ueber- 146 zeugung, mit dem ersten Strahle der aufgehenden Sonne werde seine irdische Laufbahn sich enden. Allein wie mit einem Schlage änderte sich sein Geschick, denn im Divan ward der Beschluß gefaßt, welcher beiläufig derart lautete: „Der du der Beherrscher aller Kaiser und Könige, der Sohn deS Propheten deS allerhöchsten GotteS, allmächtig regierend zu Wasser und zu Land, unüberwindlicher Kaiser aller Kaiser bist u. s. w. — was für Vortheil bringt es dir, da du dein Reich von Osten nach Westen erweiterst, wenn dn keine Unterthanen, keine Knechte und Sclaven zählest, die deiner Herrlichkeit dienen nnd selbe Tag und Nacht preisen? — deßwegen verleihe deinem unterworfenen Volke die Glaubensfreiheit!" . . . Auf diese Vorstellung wnrde Moha- med erweicht, ließ Fra AngeluS aus dem dunklen Gefängnisse befreien nnd vor sich führe», empfing ihn sogar mit liebreicher Miene, erbarmte sich seiner und sprach: „Der Friede sey mit Dir! weder du noch deine Ordensbrüder, noch Jemand deiner Glaubensgenossen sollen nach meinem Willen wo anderöhin fliehen; denn alles, was zum Gebrauche eurer Religionsgebräuche gehört, soll euch erlaubt und gesichert seyn; und dieß nur euch, so zwar, daß euch bei Verlust des Lebens Niemand anzutasten wage." Zur Bestätigung seiner Versicherung gab ihm der Großherr ein Privilegium unter dem Namen „.-^t-nakmv" (dessen Original im Konvente zu Foinica sorgfältig aufbewahrt wird) und hierauf beschwor dasselbe der Sultan, seine Hand anf den Koran legend unter Anrufung des allmächtigen Schöpfers Himmels unv der Erde, seines Propheten sammt 134,(190 Propheten nnd endlich auf sein Schwert, das er umgürtete u. s. w." (Dieß ist zu lesen in erwähnter ^t-rmlime, welche mit eigener NamenSfertig'.mg Mohameds bekräftigt geschrieben ist im Jahre 1463 am 28. N. zu Milo-Drazevv). Hiermit begann der erste Anfang der Duldung, deren sich, außer den Katholiken, andere Glaubensgenossen in Bosnien nicht erfreuen (Mrini p. 25 seiy.). — AuS dem Gesagten läßt sich schließen, daß eine bedeutende Zahl Katholiken zur Zeit der Eroberung in Bosnien lebte; denn die Söhne deS heiligen Franz von Assis, deren OrdenSvorsteher erwähnter Fra AngelnS Zvizdovic gewesen, hatten schon eine Custodie, weil schon im 25sten Jahre nach der Stiftung des Ordens die Franciscaner- Brüder »ach Bosnien gekommen waren, und schon im Kapitel zu Nacbo im I. 126(1, gehalten vom heiligen Bonaventura, diese Custodie unter dem Namen Viesria Kosnise vorkam und im I. 1340 als solche vom damaligen Generalminister deS ganzen Ordens Namens Gerard Odo vergrößert und neu gestaltet wurde. Auch ist zn ersehen, daß die bosnischen Franciscaner mehr Wvhnnngen und Klöster zur Zeit deS Einbruches der Türken in Bosnien hatten, als eS die Meinung einiger Geschichtsschreiber ist, wenn auch ihre Zahl nicht genau bestimmt werden kann; aber mit Gewißheit läßt sich behaupten, daß sowohl zur Zeit der Unterjochung, als unter der Tyrannei der Türken mehr als 28 Klöster bestanden, deren Ruinen und Trümmer noch heute vorfindig sind, woraus hervorgeht, daß dieselben nicht nach, sondern vor dem Einfalle der Muselmänner müssen erbaut worden seyn. Die Christen flohen zur Zeit, da diefe Halle» des Friedens von der fanatischen Wnth der Feinde theils verbrannt, theils dem Boden gleich gemacht wurden, mit ihren Priestern in die benachbarten Reiche. Es ist ferner durch historische Daten erwiesen, daß seit Einpflanzung deS katholischen Cultus in Bosnien bloß die ausharrenden und geduldigen Brüder deS FranciscanerordenS den wahren Glauben aufrecht erhalten uud selben ausschließlich nur sie unter allseitigen Verfolgungen unv Neckereien durch 60(1 Jahre bewahrt haben. Wäre es daher unbillig zu erachten, daß man diese ausdauernden Väter auch fernerhin für diesen heiligen Beruf in ihrem Bestehen erhalte? Wäre es billig und christlich gebandelt oder gedacht, daß man diese dnrch ihr Alter nnd ihre stets thätige Wirksamkeit rühmliche Provinz zu einer Zeit, wo die erquickenden Strahlen der Freiheit die Nebel der Bedrückung und deS rohe» Despotismus durchzubrechen scheinen, vernichte uud zu einer einfachen Mission, wie es im Sinne einiger lieblosen Männer der letzten Jahre lag, Herabdrücke und ohne Schuld schonungslos strafe? Diese Provinz Bosniens war in ihrer Entstehung eine Custodie, dann eine Vicarie, bis sie von dem ältesten Kloster zu Argentin den Namen provinvm Losvss 147 ^rZentmge erhielt, welchen sie noch hent zu Tage führt. Bald erweiterte sich dieselbe über Ungar», Slavonien, Kroatien, Siebenbürgen, die Walachei und Bulgarien, so daß sie vom adriatischen Meere bis an die Karpathen und an die Gränze der Tatarei, ja sogar bis an den Rhein sich erstreckte. Vor Zeiten war sie in sieben Eustodien getheilt, und bald gingen wieder aus derselben Tochter-Provinzen hervor, wovon Erwähnung geschieht bei (üvri2gg->, Iiist. drei, pdgrl.it ^11. «scr, vt l^nit.. Oeevsc, Zuletzt trennten sich die in Ungarn und Slavonien gelegeneu Klöster wegen gehinderter Communicatiou von Bosnien (1757) und bildeten die neue Provinz deS heiligen Johann von Kapistra»; Bosnien blieb mit drei Conventen und sechs Residenzen auf sich beschränkt, behielt ihr Siegel und die Benennung 1!»sn» ^rgentiim. Die bosnische Provinz erfreute sich aber nicht nur einer so weiten AuSdcbnung, sondern führte auch selbst mehrere Klöster auf, von denen noch heute viele iu Slavonien übrig sind, als: Brood, Vclika, Diakovo (welches letztere zum bischöflichen Seminar verwendet ist); sämmtliche angeführte Klöster wurveu nach Vertreibung der Ordensväter auS Modrice, nach Zerstörung deS Klosters St, EliaS durch die Türke», erbaut; ferner GraviSka (jetzt das GanusonSlocal), wohin die boöuischeu Brüder von Vissoko sich begaben; Radna, wohin sie flohen von Gradovar oder Grado-verh; Sinj, wohin sie flüchteten aus Rama u. s, w. (I5pi. Ovev. ^»t, ?rc>v. Lspist, Lsev»ri.-Korini). Diese an Klöstern und Ausdehnung cbcmalS so reiche Mutter- Provinz, woraus so viele andere hervorgingen, sah sich endlich nur auf drei Klo'ster- lcin mit sechs Residenzen, welche dem Fanatismus uud dem einzigen Schutze Gottes preisgegeben sind, angewiesen. Sehr viel litt Bosnien durch die Verminderung der kaihvlischen Einwohner bei Gelegenheit veS Durchzuges Eugens von Savvyen durch BoSuic» im Jahre 1697, wobei sich eine große Menge seinem Heere anschloß, ins Banat »ach Ungar» ging und sich daselbst ansiedelte, so daß selbst ganze Ortschaften noch heule ihre jetzigen Eu.wohucr bis da hinauf leiieu, wie Ladimerowce bei Effegg, Füufkircheu, SikloS und Radna in Ungarn, (Fortsetzung folgt.) Zustände der Katholiken in Schweden. IV. Blicken wir einmal in das Innere des katholische» Waisen- und Pfarrhauses in Stockholm. Wenn wir an der unansehnlichen Thüre anläute», tritt unS ein bejahrter Mann entgegen, a» dessen schlechter schwedischer Sprache man sogleich einen Ausländer erkennt; wir sprechen ihn in einer andern Zunge a», er gibt Antwort im Deutscheu, Französische» uud Böhmischen, aber der Art verdorben, daß man alsogleich ein Individuum vor sich sieht, welches, dem Spielballe gleich, ohne sein Wünschen und Wollen in der W^lt herumgeworfen wurde. Ein gebvrner Mährer, kam er frühzeiiig iu Militärdienste, gerieth im Feldzuge v>,n 1812 i» frauzösischc Gefangenschaft, entkam derselben und nach mannigfachen Irrfahrten gelangte er »nch Stockholm; hier wurde er Pförtner im katholischen Waisen- und Pfarrhause, und zugleich Begleittr der Waisenknaben bei ihren AnSgängen. Diese Auögäuge nennt er sein Fegefeuer und betrachtet sie als Strafe für seine begangene» Sünde», Es ist aber auch in der Thal ein Fegefeuer ein solcher Ausgang! Den alte» Mann öffentlich zu insultireu, die Kinder zn schimpfen, sie mit Steinen zu be- werfen, selbst Blasphemien gegen die katholische Kirche auSzu- stvßcn; das sind die gewöhnlichen Begleiter eines solchen AnSgangS, uud das alles in dem nordische» Paris, wie die Schweden so gerne ihre Hauptstadt nennen! — Ja, waS sagt denn die civilistrte Welt zum folgenden Factum: Ein von einer Großmacht accredilirter und der schwedischen Regierung anempfohlener katholischer Reisende ging eineS TageS in Stockholm über eine Brücke, als er einen gut gekleideten Mann mit geballte» Fäusten auf sich losstürzen sieht, und sich mit 148 den Worten „verdammter Katholik" begrüßen hört; nur daS Aureden einiger dem Wüthenden nacheilender Männer haben den Reisenden vor thatsächlicher Mißhandlung aerettet. Aehnlicke christliche Worte werden nur zu häufig dem katholischen Pfarrer Bernard und seinem Caplcm Huber zugerufen. Bernard ist ein Elsasser, auS der Slraßburger Diöcese, ein Maun, welcher mit französischem Feuer deutsche Thatkraft zu verbinden weiß. Wohl bewandert in der lutherischen Jnconsequenz, besitzt er Ruhe genug, um oft mit sarkastischem Witze seine Angreifer zu beschämen, Pastor Ekdahl, der öffentliche Süudcnbock der Katholikeuverfolger, fürchtet ihn am meisten, und da Bernard die schwedische Anklagebank und den GerichtSsaal eben so gut kennt wie seinen Predigistuhl und seine Kirche, so waren die Denuncianten und bezahlten oder ciusgehehtcn Ankläger bis jetzt nicht im Stande, den Herrn Pfarrer mit einer andern, oder höchstens mit einer Geldstrafe zu beehren Vor nicht langer Zeit saß Pfarrer Vernarb wieder auf seiner Ehrcnbank, wie er die Anklagebank nennt; er braucht, weil im constitutionellen Schweden, einige Geschworene; er bat mehrere achtbare und als Kaiholikenfreunde bekannte schwedische Bürger, ihm diesen Liebesdienst zu leisten; der eine entschuldigte sich ganz nach der reinen Lehre deS Evangeliums, der andere reiste ab, und Bernard mußte ansäßige Katholiken wählen — so terrorisirt ist die öffentliche Stimmung! Kanm waren aber die Namen der katholischen Bürger als Geschworene bekannt, schon predigte die radikale Zeitung „Volkesstimme" in ihrer lutherischen Weisheit, „der Eid eines Katholiken ist kein Eid, denn sein Pfarrer könne ihn desselben entbinden." Ja, man mied sogar die Häuser dieser Katholiken, und da sie Geschäftsmänner sind, fühlten sie auch empfindlich ihr öffentlich abgelegt^ Bekenntniß. Caplcm Huber ist ein geborner Bayer, die verkörperte Sanstmuth und geistliche Aufopferung; obwohl physisch schwach, stärkt ihn die göttliche Gnade dermaßen in seinem Berufe, daß er nebst seinem Schulunterrichte, der den gauzeu Tag in Anspruch nimmt, noch jeden zweiten Sonntag die Predigt in schwedischer Sprache hält. Rührend ist jene Sorgfalt für seine Kinder, die er unablässig vorbereitet auf den Slunn, der sie erreichen muß, wenn sie der schützenden Umfriedung einmal entwachsen. ,,WaS wird ans meinen Kindern werden", hört man ihn oft ausrufen. Und wirklich — trüb, äußerst trübe ist die Zukunft eines solchen katholischen Waisenknaben, der lutherische Meister scheut sich einen solchen in die Lehre zn nehmen; in irgend ein Bureau oder in das Heer einzutreten wehrt ihm daS Gesetz; einen Handel anfangen kann er nicht, denn er ist arm; sich den höhern Studien widmen darf er ja nicht, auch fehlen ihm hiezu die Mittel — also, da er nicht Zeitlebens im Waisenhause bleiben kann, muß er auswandern, und in der Fremde sein Brov suchen — eine traurige Aussicht, die dem heranwachsenden katholischen Jüngling nicht unbekannt ist, so wie auch, daß eS von seiner Seite nur einen Gang zum Pastor Ekdahl kostet, um die trübe Aussicht in eine hoffnungsreiche Gegenwart verwandelt zu sehen. Und vollends die Mädchen! was soll aus diesen werdeu? Diese erhalten den Unterricht und die Anweisung in weiblichen Arbeiten von Madame Boyer, einer schon ältlichen Französin, die bei einer umfassenden Bildung jene diplomatische Flexibilität besitzt, welche eö ihr allein ermöglicht, die anStretenden Mädchen bei katholischen Familien dcö J>^ und Auslandes, namentlich iu Belgien, unterzubringen. Die wenigsten finden eine bleibende Stätte in Schweden, denn wie sie wissen, daß eine gemischte Che nur unter Bedingungen, welche die Schweden nie eingehen, von der katholischen Kirche gebilligt werde, so gehören solche Ehen zn den größten Seltenheiten. Freilich kann auf diese Weise die Anzahl der Katholiken in Schweden nicht steigen; sie kann sich nur durch Rücktritte zur Kirche mehr heben; welches Loos aber den Konvertiten bevorsteht, baben wir schon gezeigt. Wann wird auch hier die Morgenröthe heranbrechen? In Afrika kaull mau Heidenkiuder, um sie katholisch erziehen zu lassen, und in Schweden muß mau katholisch erzogene Kinder auswandern lassen, damit sie sich vielleicht bei deutschen Heiden verkaufe»!! 149 Ein bekehrter Züchtling. Vor Kurzem erschienen im Buchhandel (Münster, Theisfing, 1853) zwei Theile: „Zuchthausgeschichten von einem ehemaligen Züchtling", mit einem Porworte von l)r, Albcm Stolz Ohne in den Inhalt näher einzugehen, möge hier in einem gedrängten Auszuge die Lebensgeschichte des Verfassers derselben Platz finden, denn sie ist lehrreich. I. M, Hagele (so heißt er) war Privatlehrer. Im Jahre 1843 studierte er an der katholischen Hochschule zu Freiburg und 1846 zu Heidelberg, um sich auf daS Lehrsach vorzubereiten. Als die revolutionäre Bewegung im Jahre 1348 begann, nahm er innig und verzweifelnd daran Theil, schwärmte für eine deutsche Föderativ- Republik, machte den badischen Freischaarenzug mit, und wurde, da dieser fehlschlug, politischer Flüchtling. Obwohl im October desselben Jahres amnestirr, bctheiligte er sich zum zweiten Male an der Revolution, indem er beim Maiausstande 18^9 mitwirkte. Bei Ankunft der preußischen Truppen verhaftet lebte er sieben Monate als Kriegsgefangener, bis er von dem ordentlichen Gerichte auf acht Jahre Zuchthaus verurthcilt wurde. In das Zellengefängniß nach Bruchsal versetzt, blieb er daselbst bis April 1852, wo ?r von dem verstorbenen Großherzog Leopold auf seine dritte Bittschrift begnadigt wurde. Mit seiner äußeren Geschichte steht seine innere im engsten Zusammenhange. AIS Katholik geboren, verlor er schon in seinen JünglingSjahren seinen Glauben an Christus, den Gottessohn. „Ich glaube, (so gesteht er) während meiner ganzen Studienzeit kaum Einmal recht vorbereitet zur Beicht und würdig zum Tisch deS Herrn gegangen zu seyn." Trotz seines Unglaubens wir er ernstlich gesonnen, ein Diener der Kirche zu werden. „Ich entschied mich (sagt er) für gar kein bestimmtes Fach, und studirte, als ob ich Rothschilds leiblicher Sohn wäre, während ich wochenlang keinen Knopf in der Tasche trug, hörte philosophische, juristische, philologische und theologische Vorlesungen." In letzteren gefielen ihm die Ketzer am meisten; allein den großen Reformator Rouge, den er mit hohen Erwartungen beim Concil „am Säubach" (in der Nähe von Konstanz) sah und hörte, fand er sehr unbedeutend, ja dessen Heuchelei brachte ihn zur entschiedenen Opposition gegen den DeutschkatholiciS- muS. „Ich blieb Katholik dem Namen nach, wurde geistig immer mehr zum Heiden. Ich war geboruer Katholik und kannte Christum nicht; ein persönlicher Gott war für mich zum großen Unbekannten geworden." — Die geschichtlichen Vorträge gelehrter und geistvoller Protestanten wirkten ties auf sein Gemüth und seinen Verstand ein, uud während der Revolution wurde er durch Thatsachen an die Existenz eines persönlichen GoticS gemahnt. Die u.noen Fragen der Kinder, welche ihm zum Unterrichte anvertraut waren, machten ihn nachdeuklich, und alö er mit diesen einst dem mitte» nächtlichen GottcSdic^i'!^ zu Weihnachten beiwohnte, fühlte er sich nach langen Jahren zum ersten Mal zum Gebete hiugcrisseu. In der Kriegsgefangenschaft mahnte ihn der Tod seines standrechtlich erschossenen Jugendfreundes fortwährend an daS Jenseits und an das Elend dieser Erde. „Gott bestrafte (so erzählt er selbst) den Hochmuth der Revolution im Großen, an mir im Kleinen. Acht Jahre Festung würden mich bei weitem nicht so erschüttert haben, wie acht Jahre ZuchthauS; die Richter trafen damit meinen Stolz noch weit mehr als meine Schuld. Im einsamen Vorarreslc glaube ich die GeburiSwehen eines neuen Menschen in mir durchgemacht zu haben, und habe ich in meinem Leben jemals im Gefühle meiner Ohnmacht um GotteS Schutz und Erleuchtung von Oben inbrünstig gefleht, so geschah eS damals. Die Zuchthausstrafe war die Pf,rd.kur, welche der erbarmende Gott bei mir anwenden mußte, wenn ich nicht zeitlich und ewig verloren gehen sollte. Ohne die Revolution wäre ich vielleicht nie zur Religion gekommen." — Die vielen Geschichten der Zuchthäusler überzeugten ihn, daß der Mangel an positivem Christenthum Hie erste Quelle deS Unglückes aller Menschen sey. Vom Nützlichkeiispn'ncip der Zcit iirch immer durchdrungen erschien ihm das Christenthum als die wahre NützlichkeitSreligion, und den Katholicismus als 1S0 vollendetste Form deS Christenthums längst betrachtend, fand er in der Befolgung der Lehren desselben auch das Geheimniß des zeitlichen Glückes, die einfachste und großartigste Lösung der socialen Ausgabe. Nebst den Erzählungen gemeiner und politischer Perbrecher machten ihn auch das Lesen guter Bücher und die Unterredung mit Geistlichen immer mehr nachdenklich. „Gott schien mich an den Haaren zu sich reißen zu wollen, im Zuchtbausc mußte ich gezwungen den guttcSdienstlichen Uebungen fleißig anwohnen." — Doch vollendete sich die Bekehrung erst in der einsamen Zelle zu Bruchsal. „Die Einsamkeit (so schildert er sie selbst) hielt eindringliche furchlbare Reden an mich, der alte Mensch fing mit dem neuen in mir immer ärgere Hände! an; ich dachte unter TagS und in der Nacht an mich, suchte die Räthsel meines Schicksals zu lösen, und wurde täglich mehr überzeugt, welcher Bursch ich eigentlich bisher gewesen, und wie wenig eS mein eigenes Verdienst sey, niemals eine an sich entehrende That begangen zu haben. In einem Hausgcistlichen lernte ich einen sehr gebildeten Mann kennen, der vor meinem Bücherkram keineswegs verstummte, und in ihm gleichzeitig einen Christen, wie ich bisher noch keinen kennen gelernt hatt-e. Immer lebhafter erwachte in mir das Bedürfniß eines positiven Verhältnisses zu Gott, die Sehnsucht nach Wahrheit, erleuchtender und beseligender Wahrheit. Vom leiblichen Schmerz gefoltert hinkte ich an einem Krückenstock elendiglich und von den Menschen verlassen im Zuchthause herum. Wiederum las ich katholische Bücher, und ich sah ein, daß Christus der Mittelpunkt und Wendepunct der natürlichen und übernatürlichen Welt, des Dießsciis uud Jenseits sey. Eine neue Eroe, eine mue Geschichte der Menschheit, ein neuer Himmel eröffnete sich mir in emer kleinen Zelle deS neuen MänuerzuchthauseS zu Bruchsal." So endet die lehrreiche Selbstbiographie deS ehemaligen Züchtlings. Der Bekehrte scheute sich nicht, seine Fehler und Schwachen vor dem großen Publicum zn gestehen, und eS leitete iyn dabei die redliche Absicht, das Christenthum, das er so tnnge verrannt, in seinen Mitmenschen zn fördern. Seine Geschichte zeigt im Kleinen die großen Schäden uud Wunden der gesellschaftlichen Zustände unserer Zeit, nnd die wunderwirkcndc Kraft des heiligen katholischen Glaubens. Ja wahrlich- „Langsam und allmälig wächst der Mensch im Guten, rascher und reicher im Bösen." Rom. Rom, 2. April. Wie bekannt, gibt eS nicht bloß in Reui selbst, sondern auch in der Umgegend gar manches ehrwürdige Denkmal der christlichen Vorzeit, und viele dmch merkwürdige Ereignisse geheiligte Orie. Nichts ist aber erfreulicher, als unter den Denkmalen, die unö den lebendigen Glauben der Vergangenheit bezeugen, von Zeit zu Zeit sich neue, die das Forllel'en dieses selben Glaubens bekunden, erheben zu sehen. Eben jetzt, da die Umstände der Zeit solchen Unternebmungen'am wenigsten günstig zu seyn scheinen, hat dennoch die Gründung eines solchen Heilig- lhumes auf eine Weise begonnen, über welche einige nähere Nachrichten nicht unwillkommen seyn möchten. In dem Zweige dec Appeninen, der sich zwischen den uralten Städten Tivoli und Paläftrina hinzieht, ragt die Bolturella über alle anderen Bcrge hervor. Man überschaut von der Spitze aus nicht blos die Ebene, in der Rom gelegen ist, sondern auch das Gebiet der Samniter, Sabincr, Abruzzen, das ganze alte Latium nnd die Fläche des lyrrhenischen MeereS. Armes Hirtenvolk bewohnt den fast kahlen Rücken dieses Berges, wenige Felder mit großer Anstrengung bebauend, und ihre Hcerden an den steilen Abhängen weidend. Auf der Höhe, etwa eine kleine halbe Stunde unter dem Gipfel, steht eine vom heiligen Sylvester erbante Kirche, und auf der Spitze deS Felsens, der sich über dieser Kirche erhebt, eine kleine Capelle, die dem heiligen EustachinS geweiht ist. Denn eS war an 'dieser Stelle, wo dem heiligen EustachinS der Hirsch mit dem Kreuze zwischen den 1SI Hörnern erschien. Am Fuße des jähen Felsen zeigt man die Höhle, in welche sich der heilige Benedict zurückzog, als er, auS Rom entfliehend, das Einsiedlerleben begann. Denn erst etwas später begab er sich von hier in die berühmte Grotte bei Subiaco, wo er drei Jahre verborgen blieb, und dann die ersten Klöster seines Ordens baute. In einem kleinen Dorfe, nicht weil von jener Capelle deS heiligen EustachiuS gelegen, befindet sich ein Bild der schmerzhaften Mutter, das in der jüngsten Zeit Gegenstand ganz besonderer Verehrung geworden ist. Nicht blos die armen Bergbewohner, sondern viele in der Umgegend wohnende Gläubige, welche sich jener Andacht empfahlen, oder sie auch veranlaßten, während mehrere Tage besondere Gebete zu Ehren der Mutter des Herrn zu verrichten, erhielten von Gott die Gnaden, die sie begehrten, und nicht selten auf eine Weise, die an'S Wunderbare gränzte. Indem sich also die Andacht zur schmerzhaften Mutter immer vermehrte, regle sich in den Bewohnern jenes Dorfes der Wunsch, eine Kirche zu erbauen, in welcher sowohl sie selbst, als auch fromme Pilger ihre Andacht verrichten könnten. Das Dörflein hat zwar eine Kirche, aber eine solche, die kaum diesen Namen verdient. Indeß eine neue zu erbauen war ein gar kühner Gedanke. Um den Boden für den Bau zu gewinnen, mußten die starren Felsen, zwischen denen die Hütten der armen Landleute gebaut sind, der Erde gleichgemacht werben, nnd mit welchen Kosten müßte dann erst die Ausführung des Gebäudes auf dieser Höhe, wohin keine Straße, sondern nur enge Pfade führen, verbunden seyn! Ein Priester, der sich von Zeit zu Zeit aus Rom in jene Berggegend begibt, ermunterte nichts desto weniger die gute» Leute, Hand an's Werk zn legen. Er suchte und fand wenigstens so viel Unterstützung, daß jene, die an der Abtragung der Felsen arbeiteten, für die Zeit, die sie ihren sonstigen Beschäftigungen entzogen, schadlos gehalten wurden. Nun entstand aber, wie die Arbeit sorlschrilt, der Gedanke, nicht sowohl eine kleine Psarrkirche zn banen, als vielmehr einen Wallfahrtsort, an dem das Leiden deS Herrn und seiner Mutter verehrt würde, zu gründen. Zu dem Ende sollte nicht nur die Kirche geräumiger, sondern auch ein an dem Berge sich hinziehender Kreuzweg mit den vierzehn Stationen angelegt werden. Diese Unternehmung ist nun freilich bis jetzt nur ein Plan, der aber so große Theilnahme gefunden hat, daß man an feiner Ausführung keiuesweges verzweifelt. Es ist eiu erhebender Gebanke, in der Nähe der Hauptstadt der Christenheit ein Denkmal der Geheimnisse des Leidens, durch das die Welt erlöst wurde, und an einem One zu besitzen, der schon in mehrfacher Hinsicht den Christ- glänbigen ehrwürdig ist. Die armen Bergleute haben ihre Arbeit vollendet, und mit unsäglicher Anstrengung die Felsen geebnet. Es sind — noch ehe Ausforderungen ergingen — ziemlich bedeutende Summen geschenkt, und vermittelst derselben die zum Bau nöthigen Materialien zum Theile schon angeschafft worden. Der heilige Vater begünstigt das Unternehmen, und der verehrte Cardinal Fransoni hat sich an die Spitze desselben gestellt. Man wird nun eine allgemeine Collecte, auch außerhalb Italiens, anstellen: möge Gott das begonnene Werk durch seinen Segen fördern! (Münst. Sbl.) Die katholische Kirche auf den Tandwichinseln. Münster. In den letzten Tagen des März besuchte uns ein Mitglied der Picpus-Cvngregation, Bernhard Hermann Köckemann, um von seinen Eltern in Ostbevern Abschied zu nehmen und dann als Missionär nach den Sandwichinseln sich zu begeben. ES ist höchst erfreulich, daß die Deutschen wieder anfangen, eö thatsächlich zu widerlegen, als seyen sie nicht sür die auswärtigen Missionen geeignet. Hat doch Deutschland in früheren Jahrhunderten ausgezeichnete Missionäre geliefert, warum sollte es jetzt die Fähigkeit dazu verloren haben? Gort geleite den jungen Missionär auf seiner Reise, die bei der ungeheuren Entfernung nach seiner Aussage wohl über ein halbes Jahr dauern wird! — Wir fügen einige Worte über 152 die Sandwich,'ii sein hinzu. Schon im Jahre 1826 reisten die ersten Missionäre zu den Sandwickinseln ab; mußten jedoch wegen der von den methodistischen Missionären (diese haben schon seit fünfzig Jahre» dort festen Fuß gefaßt) ausgehenden Verfolgungen bald zurückkehren. Indeß durch Geduld und Ausdauer bei unzähligen Ränken und Gewaltthätigkeiten ist es ihnen im Jahre 1838 gelungen, diese Mission als apostolisches Vicariat regelmäßig zu organisiren. Die Missionäre haben bereits mehrere größere Kirchen und viele Capcllen erbaut, Schulen errichtet und besitzen sogar ein Pensionat von dreißig Schülern in der Hauptstadt Honolulu. DaS ganze Vicariat besteht ans sieben bewohnten Inseln. Die Einwohnerzahl beträgt ungefähr 86,000 bis 90,000, von denen 22,000 Katholiken, 22,000 Protestanten, die übrigen noch Heiden sind. Die Religion ist frei nach den LandeSgcsetze», welche sogar den alten Aberglauben verbieten. Indeß wird das Heideuchum heimlich noch begünstigt durch die inländischen Häuptlinge und die katholische Religion von dem Ministerium, wclckeS großenlheils aus Protestanten zusammengesetzt ist, unter der Hand verfolgt; vorzüglich in Betreff der Schulen, indem die katholischen Lehrer nur mit der größten Schwierigkeit zu einer Anstellung gelangen, in der Besoldung sast ganz vernachläßigt werden und noch unablässig zum Abfalle gereizt werden. Deßungeachtet sind die Minister unverschämt genug, die ganze Schuld den Häuptlingen aufzubürden, welche im Grunde nur ihre Werkzeuge sind. Aber die Hand Gottes wird dadurch nur um so sichtbarer. Denn irotz aller Hindernisse macht der Katholicismus sehr bedeutende Fortschritte. Im Jahre 1851 zählte man 1700 Taufe», und nach den letzten Berichten neigt sich die ganze Bevölkerung dem katholischen Glauben zu, weil sie in der letzten Zeit bei Gelegenheit einer verheerenden Seuche die aufopfernde Nächstenliebe der katholischen Missionäre in ihrer ganzen Größe erkannte. u v n. London, 21. April. Der hochwürdige Episkopat von England hat an den hochwürdigsten Erzbischof von Freiburg eine Collectivadrcsse gerichtet, worin eS heißt: „Gott hat Ihnen einen harten Kampf gegeben, damit Sie cineS Tages siegreich seyen, auf daß die Feinde der Kirche erfahren, daß sie trotz aller ihrer Gewandtheit und Gewalt nur unmächtig sind der Weisheit gegenüber, welche die Vertheidiger derselben mit Sanftmuth, Langmuth und Geduld bewaffnet. Mit diesen Waffen haben Sie, ehrwürdiger Bruder, muthvoll gckämpft, durch sie haben Sie die Sache GotteS und seiner Kirche so gut erhöhet. Welchen Trost, welche Ermuthigung und Freude finden wir nicht in dieser unerschütterlichen Treue eines unerschrockenen Kämpfers, der schon lange im Feldlager der Kirche ergraut ist, dessen herrliche Beispiele uns an die erinnern, welche wir vom heiligen Anselm und vom heiligen Thomas empfangen haben? Alle beiden haben, durch ihre Geduld und der zweite durch seinen Tod, einen so glänzende» Sieg über Feinde davongetragen, welche gerüstet waren, die Kirche mit Allem, was im Bereiche der menschlichen Macht liegt, zu verfolgen, Sie, ehrwürdiger und hochgeliebter Bruder, Sie, in dem das hohe Alter den Muth und die Gluth der Jugend nicht gestört hat, Sie, der sie immer bereit, für Gott und seine Kirche zu sterben, sich nicht durch Drohungen und Bande einschüchtern lassen, Sie haben bereits gesiegt." Beravtwortlicher Redacteur: L. Schönchen Verlags-Inhaber: F. E. Kremer.