Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur > Augsburger Pojheitung. 14. Mai 2V. 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«prei« TV K., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann. DaS Armenwesen vom katholischen Standpuncte betrachtet. Zweiter Artikel. 1. Die Kirche sey frei. Nur dann wird die Noth sich beseitigen lassen, wenn sich der LebenSbaum ungehindert entfaltet, unter dessen Schalten auch der Arme und Verlassene, der Bedrückte und Schwache sich flüchten und Erquickung finden kann. Ein Staat, der eifersüchtig die Kirche knechtet, unterbindet das Leben, das auf einen großen Theil seiner Einwohner übergehen sollte. Alle Plane deS Staates, ohne dieses erste und oberste Prstulat einzugehen, sind ein Tropsen Süßwasser im bitteren Meere dieses Lebens. Von den Frühlingstagen der Kirche an mit ihren nicht kurze Zeit fungirenden Diaconen, den Armen- und Krankenhäusern zu ChrysostomuS' Zeiten bis herauf „zum Armen Christi" (il poverello del Llnisto), der die Armuth selbst nach des größten Dichters Ausdruck „als die in der Well zurückgelassene verwittwete Braut deS großen Einen, des Goltmenschen, vor dem himmlischen Vater sich angetraut", und seinen Gleichgesinnten ist es ein großes Wort, welches die Armen hörten und fühlten: „In der Kirche ist Heil." Institute, hervorgerufen von Theresia von Jesu und Johannes vom Kreuze, den Fiirbittern und Tröstern in allem Leiden der Welt, von JgnatiuS von Loyola, dem Lehrer gegen alles Uebel deS LeibeS und der Seele, von Johannes von Gott, dem Pfleger der Kranken und Irren, von CamilluS von Lellis, dem Beistande der Sterbenden, von Joseph Calasanctius, dem Lehrer der Verlassenen, von HieronymuS AemilianuS, dem Erzieher der Waisen, von Franz von Sales, dem Pfleger der Andacht, von Vincenz von Paula, dem Bekehrer der Irrgläubigen und Adwender alles Uebels dieser Welt, von Johannes de la Salle, dem Gründer der Schulbrüver, von Angela Merici, der Gründerin der Schulschwestern, von AlphonS von Liguori, dem Lehrer des Volkes u. A. m. könnten über die Wahrheit dieses Satzes Beweis seyn, so wie für die große Thatsache, daß Christus, die ewige Barmherzigkeit, mit demselben Charakter seine Kirche ausgerüstet und sie als das Asyl aller Hilfsbedürftigen der Welt gegeben hat. Von ihrem Blühen, welches von der Freiheit derselben wesentlich bedingt ist, hängt auch diese ihre Wirksamkeit ab, sie kann verkümmern, wenn von ihrem liebevollen Herzen ihre am Meisten gepflegten Kinder hinweggenommen oder Vorschriften gewaltsam aufgedrungen werden, die ihren Weg hemmen; over sie kann den Reichthum ihrer Schätze ungehindert entfalten, wenn ihr die von ihrem göttlichen Stifter verliehenen Rechte und Befugnisse unvcrkümmcrt belassen werden, und unter dem Schutze „deS weltlichen Armes" jede feindselige Störung ferne bleibt. Die Gewalt hat nicht nur allein das organische Leben der Kirche alterirt, sondern sie auch an Gütern dieser Welt arm gemacht; im Verbände damit ist nicht nur die Kirche in ein gehässiges Licht mit ihren besten Tendenzen gekommen, sondern der eigentliche Beruf für die Armenpflege auch negirt und dieser von ganz anderen Einflüssen abhängig gemacht 184 worden, als eö die Natur der Sache verlangt. Dadurch, daß die Kirche ihr Vermögen nicht mehr verwaltet, ist ihr ferner eines der wichtigsten Mittel zum Steuern der Noth entrissen, wie sie auch dieses im ungebundenen Zustande bethätigte.*) (Nvnss pimperuin, mensa 8. Spiritus.) Die Bischöfe, von schwer bindenden Vorschriften**) ausgehend, schufen um sich Anstalten, die, wie die Armen mit Christus, dem Haupte der Kirche verbrüdert sind, gemeinsamen Bestand und Titel mit der Kirche führten. ***) In der freien Kirche waltet ferner allein jene nachdrucksame Disciplin, welche die moralischen und ersten Quellen der Noth zu beseitigen im Stande ist. Denn wo statt deö seichten HumanitätSprincipeS gegen den sittlichen Versall eine heilige Strenge einschreitet, da wird Gott und Gesetz als Rächer gerufeu, und der Erfolg ist kein Hohn der Gesetze mehr. Erst unter einer strengen Zucht kann daS Herz zu Großthaten für Gott und den Nächsten erstarken, wie auch die Physiologie nachweist, daß an einer strengen Lebensweise Geist und Körper sich aufrichtet. Die Strenge der Kirchenzucht wandelte öffentliche Sünder in reuige Büßer und Heilige um. Könnte also die Kirche die ihr als eigene Corporation rechtlich zuständige Disciplin entfalten — in Bezug auf das Armenwesen wäre ein bedeutender Schritt zur Besserung gethan. Die freie Kirche sieht sich im Besitze des Rechtes auf die Erziehung, und eS ist ihr dann gegeben, nach Abwendung einer seichten und unchristlichen Bildung, dem Grunde alles Uebels, einen Zustand hervorzurufen, der Alles hoffen läßt. Ans diesem ihrem wesentlichen und unveräußerlichen Rechtes) folgern wir viel für unsere Beweisführung. Die Sache ist zu evident, als daß man noch längere Worte verlieren sollte. Unser jetziges Schulwesen, das weder kalt noch warm ist, mag eS das höhere oder das niedere betreffen, hat keine innere und dauerhafte Kraft zur Erreichung eines erfreulicheren Zustandes; denn wir sind der Ueberzeugung, daß da, wo das Princip verfehlt ist, kein günstiges Resultat erfolgen kann. Die freie Kirche hat endlich jenes Ansehen für sich, wodurch sie in den Stand gesetzt wird, die herrschenden Vorurtheile zu besiegen und namentlich als die natürliche Mutter der Armen zu erscheinen. Erst muß ein neuer Morgen angebrochen seyn, wenn man nach vorausgegangener Finsterniß die Wohlthat des Lichtes empfinden will. Einer Magd wird nichts Größeres zugedacht, als die ihr gerade zugemessene Arbeit. Dann, wenn der Reiche eben so Achtung vor der Kirche gewinnt, wie der Arme; dann, wenn man die göttliche Autorität der Kirche durch Gesetze und gesetzliches Verhalten öffentlich anerkannt und gefeiert sieht; dann, wenn die Vorstände der Kirche nicht mehr bloß als ebenbürtige Beamte, sondern als Stellvertreter GotteS und Spender der himmlischen Gnaden angesehen werden; dann, wenn auf das ganze Verhalten der Kirche wie auf das des erlösenden Gottessohnes hinübergesehen wird: kann, eine bessere Zukunft anbrechen. 2. ES gestatte und begünstige der Staat die freie christliche Association. Erst seitdem diese unterdrückt ist, ist die Armuth ein Krebsschaden der Staaten geworden, der mehr und mehr sie zu verderben droht. Mögen Vereine unter alten Regeln sich bilden, oder unter neuer Form austreten — sie müssen zugelassen werden. Es darf etwa der Zusammentritt Solcher, welche gemeinsam das Feld bebauen, ledig bleiben, ihreu Verdienst zu Wohlthaten verwenden, welche Vereine hie und da anf- tauchen und eben so zeitgemäß als segenreich sind, nicht mit argwöhnischen Augen angesehen oder gar unmöglich gemacht werden. Hiemit würde einem doppelten Uebel begegnet, dem Proletariate und der Furcht vor einbrechender Uebervölkerung. WaS man mit allen Planen noch nicht zu Stande gebracht, erwächst aus dem gläubigen Leben von selbst. Hierher ist zu rechnen die Vervielfältigung von religiösen Anstalten, ') Conc. Lvlon. IK62, 3, tZ. ") c, 1 v. 82. — e") t^spit. Ksrol. »I. ->. 793, e. 1. — Lone, '1'icin. 850. v. !ö. t) D,nkschrift des Episkopats d»v sbttrhein. Kirchenprovi'nz K t»> 155 welche zunächst zur Erziehung und zum Unterrichte bestimm! sind: Schulbrüder, Schulschwestern, barmherzige Bruder, barmherzige Schwestern müßten die größtmögliche Verbreitung erhalten. Jene vielen Verwahrlosten, die Alles besorgen und AlleS befürchten lassen, und irotz der Errichtung von Häusern noch nicht verwahrt sind; jene zwei Hanpinrsachcn der Verkommenheit, Unkenntniß der Mittel zur Begründung einer besseren Existenz und Flachheit des Glaubens, würden ohne viel Aufsehen und Nachdenken verschwinden. 3. Die bisherige Armenpflege muß durch eine bessere, sachgemäße ersetzt werden. Man Hai bereits gefühlt, daß diese nicht ausreicht, und dadurch Obsorge zu treffen gesucht, daß man ihr außerordentliche Mitglieder beigab, die persönlich um den Nothstand in geistiger und leiblicher Beziehung sich zu interessiren und Abhilfe zu beschaffen habe». Wenn die ganze Organisation dieser Pflegen fehlerhaft, so ist eS dieses Projekt nicht weniger. Wir wissen es aus eigener Anschauung, wie wenig mit allen diesen Anordnungen gethan ist, bei denen deS Gegensätzlichen so viel influirt, daß man gewöhnlich über den Anfang nicht hinauskommt. Der eigene Beruf, der auch abgewartet seyn will, die Apathie gegen Vieles, das solcherlei Lente nicht über« winden tonnen, und das nicht eher entdeckt wird, bis eS zu spät ist, die Bande der Verwandtschaft und Freundschaft, welche den Almosenier schon in das Parteigetriebe hinabziehen, oft das Unvermögen, auch beim besten Willen der sittlichen Noth die richtige Heilung entgegen zu setzen (denn mit einer matten und natürlichen Moral ist nichts gethan), endlich das Begnügen mit der tabellarischen Ausfertigung, so daß eS nur eine schreibselige Abhilfe mehr wird — das sind die Gebrechen, an denen diese Projene scheitern müssen. Hier ist es wieder allein die Kirche, die in sich die richtige Methode birgl. Es gehört zu Allem, so auch zur Armenpflege, nicht bloß eine allgemeine Befähigung, sondern ein besonderer Beruf; ohue diesen kein Heil. Den Beruf der Armenpflege hat nur die Kirche; ihre Vorsteher sind somit die gebor- nen Pfleger der Armen. Der Kirche überlasse man ihre Armen, die für sie schon so Großartiges in ihrer volleren Freiheit geleistet; eS werden bald neu organisirte Pflegen, ganz dem Geiste der Kirche und der Natur der Sache gemäß, sich erhebe». Nach allen Seiten hin ist der Erfolg gesichert; steht ja Niemand dem Einzelnen so nahe, als der Seelsorger, vertraut mit seiner Noth, die ihn bei ihren verschiedenen Mannigfalligkeiten in Anspruch nimmt, als der Seelsorger, der mit der Heiligkeit seines Berufes und Würde seines Amtes umgeben jetzt die verlassenen Kleineil cimr sicheren Zufluchtsstätte zuführt, jetzt mit der Liebe des gute» Hirten den Verirrten umfäugt und nach der Aussöhnung mit Gott als nützliches Glied der Gesellschaft zurückgibt, jetzt mit christlichem Almosen und nicht mit zugesicherte« Pfründe- mäßigen Reichnissen die Noth lindert uud zugleich den Balsam christlicher Liebe in seine Wunden gießt, jetzt der unbekannten Noth nachgeht und den Keim deS Uebels erstickt, der unberechenbar um sich gegriffen haben würde. Man tragt sich herum mit den Hoffnungen auf die sogenannte „innere Mission". Abgesehen davon, daß es schwer ist, zu ergründen, waS dieser baroke, von der katholische» Kirche ungc,chickt entlehnte Ausdruck sagen will, so ist kein Mensch so sehr der berufsmäßige innere Missionär, in der wahren Bedeutung deS Wortes, als der Priester. Die „innere Mission", so viel nämlich dem Worte abgewonneil werden kann, wird Niemand so lren und erfolgreich üben können, als der Priester; er, der das geistige und leibliche Element in dem einen Almosen unter Gottes Hut, der seine Diener lenkt, dem Dürftigen mittheilt; er, der ein specifisch gnädig begabtes Glied der Kirche ist, die für sich den Beistand des heiligen Geistes ha>, im Blute des Lammes, das am Altare geopfert wird, die Schuld der Welt sühnt, und auf das ihm vertraute Opfer die Fülle deS Segens herabfleht; er, der nach dem Worte und Beispiele seines Herrn und Meisters der Diener Aller geworden, alle Noth der Seinigen mitfühlt, und wie ein Vater auch mir Hintansetzung seines eigenen Lebens ihnen beizuspringen bereit ist. 4. Je mehr die christliche Association begünstigt wird, desto mehr muß die vom Hauche der Sünde vergiftete beschränkt werden. Dahin gehört vor Allem das 156 Hunger und Kummer stiftende Fabrikwesen, eine Richtung der Neuzeit, in der Viele zum Nutzen des Einen sich hingeben und dessen steigender Habsucht dienstbar werden, in der der Einzelne, seiner Individualität verlustig, zu einem Theil der Maschine herabsinkt, und eben darum, weil er materiell geknechtet, in der Materie am liebsten weilt und seine Befriedigung findet. Hier neutralisirt sich der Wille wie daS Vermögen, und der Einzelne lernt sich seilen beherrsche» und nachhaltig versorgen. Man schwärmt für Fabriken, wenn man einer armen Gegend aufhelfen will, und diese wird dadurch immer ärmer. Die Arbeit wird erst zu einer christlich vollkommenen erhoben, wenn Jeder aus Liebe zu Gott einem bestimmten, selbstständigen Berufe sich hingibt, und wie die höchst mögliche sittliche Vollkommenheit, so auch die gewerbliche Vollendung in freiem Fortschritt anstrebt. Das Fabrikvvlk ist überall daS schlechteste, weil nie oder selten ein Segen dabei. Blühende Fabriken sind gleich großem Elende. Darum im Mittclalter die vollendetsten Gewerbe, von denen viele sogar mit der Zeit zu Grunde gegangen. 5. Viele andere Mittel sind bloß Konsequenzen aus dem allgemeiner gewordenen, freien, christlichen Leben und aus der christlichen Haltung der Staaten. So wäre z. B. nie zuzulassen die Emancipation der Juden; denn man muß auch den letzten Rest christlicher Anschauung verloren haben, wenn man hiefür eifern oder gar ein Ret- tungsmittel gegen die Schäden der Zeit hierin erblicken will. Das Volk weiß es: das sind meine AuSsauger; wenn ich Noth habe, falle ich bei ihnen von der Scylla in die Charybdis. Damit hängt serner zusammen die Verminderung der Gelegenheiten zur Noth, als da sind: zu viele Schenken, daS Fortbestehenlassen von Winkelkneipen und Schnapshäusern, die an manchen Orten, besonders in Landstädten, zur Unzahl gestiegen sind, die häufigen Tanzbelustiguugen, daS öffentliche Spiel :c. Unser CaronischeS „^mplius" zur Hebung der Noth reducirt sich sonach immer auf das freie Aufblühen des gläubigen Lebens und der Kirche. (Kath. Wochenschr.) - » Luxemburger Zustände. So wie man vor einigen Jahren überall von Volksversammlungen, ReichStagS- wahlen, Constitutionen, Kammerverhandlungen u. s. w. reden hörte, so bildet seit einigen Monaten hier in unserem Luxemburger Lande das mit dem heiligen Stuhle bald abzuschließende und von einigen Zeitungen bereits als abgeschlossen angekündigte Concordat bei Weltlichen wie bei Geistlichen den Gegenstand des allgemeinen Tagesgespräches. Die kirchenfeindlichen Bureaukraten und Freimaurer sammt einigen, im Verhältnisse zu der größten Mehrzahl unseres kerngesunden Klerus jedoch äußerst wenigen, altregierungsfreundlichen Geistlichen scheinen sich mit der Hoffnung zu schmeicheln, daß die definitive Abberufung des hochwürdigsten Herrn Bischofs entweder eine von der jetzigen Regierung als unerläßlich dabei gestellte Bedingung oder doch gewiß eine notluvenvige Folge dieser Uebereinkunft seyn werde; bei dem katholischen Volke aber und bei seinen braven Priestern ist eS zumal die gegründete Aussicht auf die baldige Rückkehr deS vielgeliebten Oberhirten, und zwar nicht mehr als apostolischen VicarS, sondern als Bischofs von Luxemburg, die den Luxemburgern so oft Veranlassung gibt, vom bevorstehenden Concordate zu reden; denn es scheinen beide Fragen wohl zu eng miteinander verbunden, als daß die eine ihre Lösung ohne die andere finden könnte. Doch mögen die Wünsche und Hoffnungen auch verschieden seyn, so scheint der Augenblick doch nicht mehr so gar ferne, in dem wir unsere kirchlichen Angelegenheiten durch gesetzmäßige Verträge geordnet sehen werden, und ward daS Land bisher auch in seinen gerechten Erwartungen getäuscht, so muß dieses einzig und allein den von unsererer früheren Regierung gemachten und vom Haag aus unterstützten Schwierigkeiten zu gute gehalten werden, denn das Großherzogthum selbst konnte nicht die geringsten Hindernisse in den Weg legen. Mag es auch immerhin als Provisorium angesehen werden, daß wir ein apostolisches Vicariat oder vor der Hand gar nur ein Provicariat besitzen, so hat diese unsere Vicarie doch !57 nur Das mit anderen apostolischen Vicariaten gemein, daß fie in einer unmittelbaren Stellvertretung des heiligen SluhleS bei unS besteht und unser Land weder von einem Bischof noch von einem Metropolitan abhängig macht; übrigens können die Verhältnisse und Missionszustände der anderen Vicariate gar keine Anwendung bei unS finden, denn die kirchlichen Verhältnisse waren von jeher genau und bestimmt bei unS geordnet. Unser Land ist immer erclusiv katholisch gewesen, und als die Ketzerei deS töten Jahrhunderts so Vieles um unS herum niederriß, gelang eS ihr doch nicht, ihre tätlichen Fittige über Luxemburg auszubreiten; wir sind der alten Kirche treu geblieben, wie eS der heilige Willibrord unsere Vorfahren gelehrt hatte, und je nachdem wir nach der damaligen kirchlichen Eintheilung des Landes bis dahin entweder zu Metz oder Trier oder Lüttich gehört hatten, so fuhren wir auch in den folgende» Jahrhunderten fort, unsere Bischöfe, unsere Domcapitel, unsere Seminare in einer der genannten Städte zu haben, bis unser jetziges Großherzogthum endlich »cm BiSthum Namur einverleibt wurde, waS aber keinerlei Abänderung an der vollständig organi- sirten geistlichen Administration des Landes zur Folge hatte. Doch da Wilhelm I. später nicht gerne sehen mochte, daß die Jurisdiktion eines belgischen Bischofs sich über einen ihm treu gebliebenen Staat erstreckte, so trug er zu Rom auf die Trennung deS letzteren und auf die Einsetzung einer eigenen geistlichen Verwaltung für das Großherzogthum an, worin sich der heilige Vater denn auch um so willfähriger zeigte, als die Errichtung eines eigenen Bischofssitzes sür das deutsche Luxemburg dein wahren Interesse dieses deutschen BundesstaateS mehr entsprach, als der Anschluß an eine fremde Diöcese, in der französische Sprache und Sitten herrschten. Wenn nun auch durch die besagte Trennung die kirchliche Verbindung mit Namur gelöst ward, so blieb doch der durch das Concordat von 1827 geregelte innere Diöcesanzustand; Alles ward beibehalten, was wir in der geordneten Administration hatten, und auch die Aussicht auf einen eigenen Bischofssitz ward unS nicht vorenthalten. DaS neu errichtete Priesterseminar sollte als sicheres Unterpfand dienen, daß bald ein eigener LandeS- bischof die Verwaltung deS Landes übernehmen würde; einstweilen nur erhielten wir einen apostolischen Vicar. Aber die Regierung gab bald zu erkennen, daß eS ihr nicht um das wahre Interesse deS Landes zu thun war; sie begnügte sich damit, den Verband mit Belgien gelöst zu sehen, und hat bisher weder auf den Wunsch deS heiligen Vaters, noch auf die in der Synode vom 2. Mai 1343 vom Luxemburger Klerus feierlich ausgesprochenen Bitten hinsichtlich deS zu errichtenden Bischofssitzes geachtet. Beim Provisorium könnte eS ja ihrer Meinung nach bleiben, ja daS Priesterseminar wollte die Kammer sogar geschlossen wissen; die Abschließnng eines Con- cordatS, die Errichtung deS Bischofssitzes in einem apostolischen Vicariate stoße bei den jetzigen Umständen auf gar zu viele Schwierigkeiten — so ließen sich die Erminister öfters verlauten, aber dessen thaten sie keine Erwähnung, daß die gcfürchteten Hindernisse bei uns gar nicht vorhanden sind. Wir sind ja in keinem MissionSlande; die Vicarie, das Pro bezieht sich bloß auf daS Haupt der Verwaltung, nicht aber auf die innere Organisation. Wir haben 13 Deccmate in 239 Pfarreien kanonisch eingetheilt; 112 Stellen, denen aus der Staatskasse je 500 FrcS. Gehalt angewiesen sind, sind gegenwärtig zwar ans Mangel an Priestern unbesetzt; aber mag ein Concordat abgeschlossen werden, oder nicht, der Staat muß in jedem Falle den von dem an der Spitze der Administration stehenden Chef angestellten Geistlichen den verlrags- mäßig angewiesenen Gehalt zahlen. Es werden also auch in dieser Hinsicht keine neuen Forderungen an die Regierung gestellt. Ist eS somit noch nicht bis zum Abschlüsse des ConcordatS gekommen, so liegt dieß lediglich an der böswilligen Hartnäckigkeit der vorigen Landesregierung. Doch die Lage der Dinge hat sich seit dem letzten Herbste merklich verbessert. Der königlich-großherzogliche Statthalter, Prinz Hein- rich, hat eS bei der letzten Kammereröffnung feierlich ausgesprochen, daß die Unterhandlungen mit dem heiligen Stuhle behufs der Abschließnng eines ConcordatS wieder aufgenommen seyen; den neueu Ministern oder Generaladministratoren scheint eS ebenfalls höchst erwünscht, die kirchlichen Angelegenheiten endlich definitiv geregelt und daS immerwährende Provisorium beseitigt zu wissen. Der Herr RegierungS - Präsident 1S8 Simon, ein ehrenwerther Mann, der, wie man sagt, hauptsächlich wegen dieses Geschäftes im strengsten Winter nach dem Haag gereist war und alldort mit dem päpstlichen Nuntius öfters darüber Rücksprache gepflogen, ist vor Kurzem hierher zurück, gekehrt. Er soll sich seither nicht nur bereit erklärt habcu, dem Entwürfe beizupflichten , von dem gut verbürgte Nachrichten in den öffentlichen Blättern des JahreS 185l) gemeldet, daß er von per nach Rom gehenden Gesandtschaft des Luxemburger KleruS dem heiligen Vater unterbreitet worden sey; sondern er soll sich sogar nicht abgeneigt gezeigt haben, der Rückkehr des hochwürdigsten Herrn Bischofs keine Hindernisse mehr in den Weg zu legen, falls die Umstände sich im Verlaufe der Unterhandlungen so gestalteten, daß sie dieselbe als geboten erscheinen ließen. (Kath. Wochenschr.) Die Feier deS 24. April auf der Riedenburg bei Bregenz. Wiewohl die Riedenburg am 24. April noch nicht in ihrer ganzen Ausdehnung dem segensreichen Zwecke, dem sie fortan dienen soll, vollkommen angepaßt war; wiewohl in einem Theil des Baues alle Arten von Handwerker noch beflissen sind, ihrem Rennen und Poltern und Hämmern ein baldiges Ende zu machen, damit geheiligte Ruhe und erhebende Stille durch alle Räume deS schönen HauseS walte; er.ichteten doch dessen fromme Besitzerinnen, der 24. April sey der geeignetste Tag zur feierlichen Eröffnung ihrer Anstalt, zur Bezeugung ihrer ungefälschten Dankgefühle, zur Bewährung, daß in dem allgemeinen durch weite Länderstrecken wogenden Jubel auch sie nicht stumm und regungslos bleiben. Sollte doch sür die Anstalt selbst der Segen deS himmlischen Beschirmers herabgefleht werden und hätte es hierzu einen passender» Tag gegeben, als denjenigen, an welchem die künftigen Bewohnerinnen, vereint mit Millionen freudig und dankbewegter Herzen, denselben zugleich über ihren irdischen Schirmherrn herabzuflehen sich mußten gedrungen fühlen? Ist es doch dessen helle Einsicht in das, wessen die Zeit vor allem bedarf, welche dem Herzen Jesu den Sieg verschafft, treubesorgten Eltern eS möglich gemacht hat, ihr kostbarstes unv theuerstes Gut sorgsam wahrender Pflege anzuvertrauen. Gleich als zu einem lichten Gestirne blicken seitdem von allen Ufern deS schönen BodenseeS die Anwohner zu der Riedenburg auf, und als zweifach festlicher Tag winkte, lud der 24. April sie dahin ein. Vornehmlich erkannte der katholische Adel aus dem angränzenden Württemberg und Baden es als angenehme Pflicht, eben sowohl seine iheilnehmeude Freude an dem Festtage Ihrer apostolischen Majestät, als den Vamk8 clu 8ger6 eo