Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMtung. 21. Mai 21. 1854. Diese« «litt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuemenieprei« 40 kr., wofür e« durch alle köm'al. baver. PoKämter und all« Bochhaudluvqcu bezoa'N werde» kauv. R o m. Rom, 19. April. Die heilige Charwoche zog durch ihre Feierlichkeiten wieder eine Unzahl von Fremden an. Manche derselben zeigten aber den heiligsten Handlungen gegenüber ein Benehmen, daß nickt nur jeder ousrichiige Kalh Ick, sondern jeder wahrhast Gebildete daiüber einnistet seyn muß. Wenn die Ausschließung aller Akatholiken von katholischen Feierlich keilen daS erlremste Mittel wäre, so wäre eine strengere Aussicht das nächste. Die Abführung einer geschwätzigen Gruppe Engländer würde vielleicht die Menge der übrigen Fremden schweigsamer macheu. Neben solchen Scenen des Unglaubens und der Unart ficht man Beispiele der rührendsten Andacht. Als ein wahres Muster der Frömmigkeit ist zu rühmen der jugendlich blühende Prinz Friedrich August von Sachsen, welcher dadurch, wie durch seine edle Erscheinung ein Liebling Roms wnrde. Der heilige Vater neigte sich bei jeder Gelegenheit diesem getreuen Sohne der Kirche mit jenem ÄuSdrnck der Liebe zu, der durch keine Worte geschildert, durch kein Bilduiß erreicht weiden kann. Bei der Bisichligung der Meik- würdigkeilen halte Se. königl. Hoheit einen Be leiler zur Seite, der wohl nicht besser gewählt und gewünscht werden konnte: den königl. >ächsischen Geschäftsträger Ernst Planier, der bekanntlich den wesentlichsten Antheil hatte an der Verfassung des großen Werkes „Beschreibung der Stadt Rom" und der kleineren Ausgabe ,,Beschru'bnnz NomS". Herr Platner ist ein Mann von achtzig Jalnen, aber noch lebenskräftig, mic ungeschwäch-em Gedächtnisse, voll geistiger Regsamkeit und in der Ge>cllschajt immer zu Geistigem weckend und bewegend: ein Biedermann von aller ätler Art, ein enischievener Kcuholik. Auch der junge Prinz von Preußen, Friedrich Wilhelm, Wohnte vielen Funktionen der Charwoche bei. Wie ich höre, schickte er sein Slamm- buch in das Kollegium sl lesu mir dem Ersuchen um eine Erimleiuiigözeile von dem hochwürdigsten Paler General und von dem deutschen General-Assistenten. Se. königl. Hoheit sprach sich über die Jesuiten-Mission in Bonn mit großer Anerkennung auS. Der Prinz von Preußen reiSle gestern von Rom ad, der Prinz von Sachsen verläßt uns morgen; er kehrt nach Deulschland Zurück. — Am Ost rsonnlage snllle sich der ungeheure St. Pe'crsplatz mir Volk und Militär. Man schätzte die Zihl der Ver- sammelren auf 40,000 Köpfe. Die faibigen Parasols schwenkten sich wie Kornblumen aus der Masse hervor. Die Riesen i.ien der Wasserstrahlen aus den Springbrunnen zu beiden Seiten deS Obe iSkeS ragten ruhig wie von Kristall über der wogenden Menge. Ein Viertel nach zwölf Uhr erröinen die Glocken. Die Kardinäle sammelten sich auf dem hohen Balkon der Fahnde. Der heilige Vater erschien mit der Tiara und im Pluviale auf dem Throne sitzend, weiß und goldig schimmernd, mit blühendem Antlitz. Mit lauter klarer Stimme verrichtete Se. Hei ig- keit die Gebete und erhob sich nun auf dem Throne, die Hände zum Himmel streckend und feierlich segnend — die Anwesenden, die Stadt und die Welt. Eine wunderbare 162 Erscheinung! Ein Moment ganz eigener Art! Einige Augenblicke verweilte der heilige Vater, die ausgebreitete Menschenmasse betrachtend: dann folgte ein zweiter Segen; der Thron bewegte sich über den rothgekleideten Trägern langsam zurück und verschwand. DaS Landvolk in der Umgegend von Rom warf sich gleichzeitig mit der Menge des PetersplatzeS auf die Kniee: Der Donner der Kanonen gab das Zeichen, Und in den Fernen, wohin der Schall nur mit schwachen, leisen Schwingungen sich fortpflanzt, legten Manche das lauschende Ohr an den Boden. — Ach das arme Landvolk sehnt sich immer sorgenvoller nach Erhörung der Gebete! Denn die anhaltende Trockenheit bedroht mit einem Mißjahre, Die Noth wird mit jedem Tage größer, die Theurung steigt. Doch wäre eS bedenklich, aus Rücksicht für diese Umstände herkömmliche Unkosten für Volksbelustigung zu suspendiren und einem wohlthätigen Zwecke zuzuwenden. Die Beleuchtung von St. Peter wird, wie ich höre, durch eine Stiftung bestritten, aber die Girandola (Feuerwerk) des Pincio bezahlt die Casse der Stadt. Die eiste fand am Ostersonntage statt, die zweite am Ostermontage. Obgleich ich sonst für Scenen dieser Art kein Interesse habe, ging ich doch beide Male hin, um sie zu sehen. Die Phänomene übertrafen meine Erwartung. Denn die Beleuchtung der PeterSkirche zeichnet sich durch ihre ruhige Würde aus, die Girandola durch ihre Bewegung und Änmuth. Dort glänzte die Kirche im himmlischen Triumphe; hier entfaltete die Well mannigfache Reize erlaubter Freuden. Die Farben der Blumen- fülle, die sich i» der Luft entzündete und über die Menge verschwebend ergoß, waren von erstaunlicher Frische und Schönheit. Auch Beziehungen auf das Religiöse fehllen nicht: Mitten in täuschender Aehnlichkeit schwebten durch die Lust und wie durch einen Zauber glänzte der Tempel Salomons plötzlich vor unsern Augen. (Salzb, Kbl) Dublin. Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Dublin hat, wie alljährlich, auS Anlaß dcS Beginnes der Marienandacht im Mai einen Hirtenbrief erlassen. Es heißl darin: . . . Während die Feinde unsers heiligen Glaubens sich gegen uns verbinden, während sie unS deö heiligen Einflusses dcS Beispiels der keuschen Braut Jesu Ehristi und die irische Kirche einer ihrer kostbarsten Zierden, der klösterlichen Institute berauben und die Ausübung der evangelischen Rechte der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams gleichsam ächten wollen, indem sie das religiöse Leben durch Gesetze verdächtigen, während sie die Uebung der christlichen Liebe aufzuheben snch'en, welche die Unwissenden belehrt, die Thränen der Trauernden trocknet, die Wittwen und Waisen tröstet, und den sterbenden Sünder zum Erscheinen vor seinem Richter vorbereitet: ist es da nicht unsere Pflicht, u-iS um Hilse a» den Himmel zu wenden, und um unser Geber erfolgreicher zu machen, eS un er den Schutz der Mutter Gottes zu stellen? Ihr werdet zwar fortfahren, alle Mittel anzuwenden, welche die Verfassung euch an die Hand gibt, um eure religiösen Freiheiten zu schützen und dabei gemeinsam handeln, die Eintracht bewahren und die DiScussion aller Fragen vermeiden, worüber die Katholiken nickt derselben Meinung sind .... Aber dabei vergeßt nicht, daß das Gebet unsere Hanptwaffe ist ... . Aber die Verfolgung unserer religiösen Institute ist nicht der einzige Beweggrund für unS, in diesem heiligen Monate den Himmel um Barmherzigkeit anzurufen und Maria nm ihre Hilse anzuflehen. Vor einiger Zeit erinnerten Wir euch an das Nahen der schrecklichen Geißel der Cholera, welche so viele Länder verheert hatte, und Wir ermähnten euch Buße zu thun für die Sünde, die Ursache aller Uebel auf der Welt, von den bösen Wegen abzulassen, nno euch vor Uumäßigkcit und den andern schmählichen Lastern zu hüten, welche selbst schon in diesem Leben die sichtbaren Züchtigungen GotteS auf den Schuldigen herabrusen. seitdem haben die Geistlichen dieser Diöcese täglich bei dem heiligen Meßopfer um Abwendung dieser Geißel deö göttlichen Zorns gebetet; Dank Seiner Barmherzigkeit, wir sind bis jetzt verschont; aber da die Gefahr noch droht, wollen wir unsere Gebete fortsetzen, daß wir vor den Verheerungen dieser Pest bewahrt bleiben, namenl- leg lich aber wollen wir dafür sorge», unser Gewissen von aller Schuld zu reinige» und uns vorbereiten, mit Ergebung in Gottes heiligen Willen die Züchtigungen ainznneh. inen, mit denen er vielleicht nnS heimzusuchen beschlossen hat. Noch eine andere und eine der schrecklichsten Geißeln des göttlichen AorueS beginnt jetzt übrr die Nationen Europas herabzukomme», eine Geißel, me der königliche Prophet für schlimmer hielt, als Pest und HuugerSnotb. Haft vierzig Jahre haben wir einen tiefen Frieden genossen; aber jetzt ist uns ein so großes Gut entzogen und wir sind in einen Krieg verwickelt, dessen Wechselfälle und endlichen Ausgang Niemand vorherschen kann. ES ist ein Krieg gegen einen sehr mächtige» Monarchen, der stetS ein gefährlicher Feind unserer heilige» Religion gewesen ist, I» dc» seiner Macht unterworfenen Ländern hat er die Scenen der Verfolgung unv EonfiScationen erneuert, deren Schauplatz unser armeS Land iinter Elisabeth und ihren Nachfolgern gewesen ist. Er handelt nach denselben Grundsätze» und ist vo» demselben Geiste beseelt, wie die Fanatiker unseres Reiches gegen unsere klösterlichen Institute; anch er har Nonnen verfolgt, Klöster zerstört, ihr Eigenthum confiScirt unv auf viele andere Weise die Kirche Ehristi bedrängt. Und als er so handelte, sprachen na Diejenigen, welche jetzt, wie ne heuchlerisch versichern, für die Sicherheit der Freiheit »nd veö Eigenthums der Katholiken wirken, gegen seine Verfolgungen und Gewallthaten? Sie schwiegen over gaben ihm Beifall. Eine einzige Stimme wurde laut zur Ver- theidiguug der Uiischiiiv und Gerechtigkeit, die Stimme deS Nachfolgers deö heiligen PetruS, welcher, obwohl ein abgelebter Greis und am Rande des Grabes stehe»!', dem Atiiia unserer Zeit mit apostolischem Muthe entgegentrat »nd ihn an die furche baien Strafgerichte Gottes über die Verfolger der Kirche erinnerte. Die von dem Papste vorher verkündete Zeit der Bestrafung ist vielleicht gekommen. Die ehrgeizigen Absichten dieses Monarchen gegen einen benachbarten Staat haben unsere gnädige Königin und ihren Verbündeten, den Kaiser der Franzosen, genöthigt, ibm den Krieg zn erklären zur Vertheidigung der Gerechtigkeit und der Rechte des angegriffenen Staates. Der Kampf hat begonnen, aber wir können an seinen Verlauf nur mit Schauster» deuten. Wie viele Länder werden während desselben verwüstet, wie viele Städte geplündert und zerstört, wie viele Uebel verursacht, wie viele Verbrechen verübt, wie viele tausend Menschen niivorbereiler vor Gottes Richterstuhl gefordert werden! Wenn wir die Größe dieser Uebel betrachten, so können wir sie, auch weun sie uns nicht unmittelbar berühren, nur beklagen und alö Christe» und Jünger deS Gesetzes der Lieoe, den Herrscher über alle Nationen bitten, Sto'z und Ungerechtigkeit zu demüthigen, den Waffe» unseres Reichs den Sieg zu verleihen, den Krieg zu einem schnellen und glücklichen Ende zu führen und unS die Segnungen des Friedens zurückzugeben. Viele unserer tapfern LandSleute sind gegange», die Schlachten unseres Reiches zu schlagen; wir sollen nicht vergessen, für sie besonders zu beten: inmitten der Gefahr und großer geistiger Verlassenheit ausgesetzt, bedürfen sie der liebevollen Hilfe der Gläubigen. Um unsere Gebete für sie und den Sieg unserer Waffen wirksamer zu machen, gebieten wir allen Priestern der Diöccse bis auf Weiteres jeden Sonntag nach den andern vorgeschriebenen Collecte» daS Gebet a»s der Messe tempore Iielli beizufügen. Wir können beifügen, daß cS den Kindern Maria als eine gute Vorbedeutung ei»es glückliche» AuSganzS deS Krieges erscheinen muß, daß die Flotten unseres Verbündeten, deS Kaisers der Franzose», unter den Schutz der Mutler GotteS gestellt sind, und daß ihr Bild, vom Kaiser übersandt, mit großer religiöser Feierlichkeit an Bord deS Admiralschiffs aufgestellt ist. Dieses feierliche Bekenntniß deS katholischen Glaubens und der zarten Andacht zur Mutter unsers Herrn muß die Quelle unschätzbarer Segnungen seyn. Wir dürfen zuversichtlich erwarten, daß es dazu beitragen wird, einigermaßen der gekränkten Ehre der Himmelskönigin Genugthuung zu leisten für die Schmähungen und Verhöhnungen, welche in den letzten Jahren anderswo ihrem Namen und ihreu Bildern zugefügt sind (W. Z) 164 Die SönigSgräber zu «t. DeniS. *) Im prächtigen Schlosse von St. Germain wohnte Ludwig XIV., von den französischen Schriftstellern der Große genannt. „Der Staat, das bin ich!" — hatte er gesagt, und Keiner hatte ihm widersprochen. AIS Sonnengott stellten ihn die Maler dar, der älteste Adel von Europa, in seiner innersten Kraft gebrochen, haschte gierig nach einem Strahl seiner Gunst, und die ganze Nation sonnte sich in seiner Größe. Alle Monumente schmückte die Kunst mit seinem Bilde, Corneille und Racine besangen ihn dankbar als den MäcenaS des JahrhunderiS, und selbst von heiliger Slälle herab hatte die Schmeichelei nicht selten ihn den Größten der Sterblichen genannt. Aber wenn er am Morgen hinaussah von dem Balcone seines Schlosses hin über die heilere Landschaft mir den wogenden Kornfeldern, dem safiigen, abwechselnden Grün der rebenumkränzten Hügel, von tausend blendendweißen Landhäusern übersäet, da ward seine Stirn finster und seine Seele traurig, die eben noch Träume voll Lust und Pracht umgaukelt hallen. Vor seinem Blicke stand der graue, finstere, uuhti drohende Thurm von St. Dcnis; am äußersten Saume der Landschaft stand er da, wie die düstere Gestalt deS To^es, der ernste Mahner mir hochauf- gestreckiem Finger, der ihm das „Uemento mori" schrieb auf die goldene Wand seiner Pruntsäle, gierig wie das Raublhier nach der Stunde, wo eS auch ihn verschlingen sollte, wie die übrigen Könige von Frankreich, deren Leichname in seinem Innern ruhen seit zwölfhuudeit Jahren. Ludwig koniue diesen Anblick nicht ertragen. Die Gestalt, die dort jeden Tag aus'S Neue snneS Namens „der Große" zu spotten schien, und imm r hinwies auf die Stunde, wo all' seine Pracht in Rauch zerfließen sollte — verjagen konnte er sie nicht. Seine Marschalle Villars, Catinar, Conr6 konnten Länder verheeren unv zu Einöden machen — aber jene Gestalt v.rjagen, das konnten sie nicht. So floh er denn weit weg vom Anblicke des Todes; eine sandige Wüste schuf er in Versailles um; hier sah er nichts mehr, als Lustgärten, Schmeichler und Lakaien. Aber der Thutin von St. DeniS blieb stehen, und dem Tove war er nicht enlfl hen. Ei>>eS Tages stand ein schwarzlimflorier Sarg vor dem Altare, umgeben von allen Größen te> Nution, und von dtr Kanzel rief eine Summe durch die Stille deS TodcS, es war die Stimme Masiilon'S: „Oiou seul est ßrsricl, mes ireres!" An einem srcw dlict en Morgen besuchte ich die Psanei St. Denis. Der Weg fühlt durch die Vorstadt St. Dcnis. Es ist ein Gefühl, wie wenn man von der Küste d-6 Meeres aus weiter land-inwärlS geht, so oft man vom Miltclpunct von Paris nach smien äußcrst.n Linien wanden; mehr und mehr verstummt das Wogen und Brausen ecr großen S avt, und das Herz wird unS wieder wener, der Geist fteier und ruhiger. Noch ein Dorf passirte ich jenseilS des WalleS, Lachapelle St. DeniS, unv eine unabsehbaie weiie Ebene lag vor meinen Blicken. Nach einer halben Stunde Halle ich Sr. Denis ei reicht. Es ist eine stille Sradl, die gegenwärtig kaum über 5000 Einwohner zählt. Die Sonne gov ihren hellen Glanz vom reinsten blauen Himmel herab, aber eS war doch k.in rechieS Leben, keine Freude in diesen Gassen — eS war AUcS so öde und schwermiuhig, wie in dem Vcrhofe eines LeichenackcrS. Ich folgre der am wenigsten öden Straße, nach wenigen Minuten stand ich vor dcr Abtei. Sie wurde gegründet zu Ehren d.S Schutzheiligen von Frankreich, DionysiuS, durck König Dagobert im Jahre 6l3; Carl der Große ließ die Kirche neu ausführen 775. Abt Suger, der von einem Baucrnknabcn sich zum allmachiigen Minister und Regenten von Frankreich aufgeschwungen Halle, ließ 1130 auch diese zweire Kirche niederreißen und begann einen grohur und prachtvollen Neubau. Unter Philipp dem Schönen erhielt sie ihre letzte Gestatt bis zum veryängnißvollen Jahre 1793. St. DeniS war Jahrhunderte hindurch die mächtigste und reichste Abtei, Könige *) Kalh. Wochenschrift. 165 bekleideten die Würde eines AbreS. Hier wurde die Oriflamme aufbewahrt, die den Heeren vorausgetragen ward zum Siege; „Momjoye und St. DeniS!" — war durch Jahrhunderte der Schlachtruf der Franzosen. St. DeniS war die NekropoliS von Frankreich. Alles, waS in den Palästen geglänzt und auf den Thronen geherrscht, was die Völker gefürchtet oder geliebt — cS kam hierher nach St. DeniS zur langen Ruhe in den Rcihen der Väter; alle Häupter, die Kronen getragen, legten sich nieder zum ewigen Schlaft auf den steinernen Pfühlen von St. DeniS. Wenn die Thore der Todtenstadt sich ausschlössen, da ging Trauer durch das Land. „I.o roi est mort,!" — rief der Herold von Frankreich; eS war daS nur eine Handvoll Asche mehr zu dem Aschenhauscn, ein neuer Tropfen Vergänglichkeit in daS Meer der Vergangenheit. Alle Wege des Lebens, welche die Könige von Frankreich, seine stolzen Prinzen und Herzoge gegangen, alle führen hin, alle münden auS in die Todtengrust von St. DeniS; der Strom der Zeit, der sie getragen, stürzt sie dort hinab, wie der Wasserfall seine Wellen in den Abgrund stürzt, schnell und immer schneller. Und jetzt sind eS nicht Könige mehr und nicht Fürsten, keine Hoheit trennet sie mehr und keine Größe, Asche und Verwesung, Würmer und Moder haben Alle gleich gemacht. Der letzte Todte weilte auf der Mitte der Stufen, die hinab inS Todrenreich führen, als wartete er, als rufe er seinem Nachfolger. Dieser kommt und säumt nicht lange. „Sieh, du bist geworden wie Einer auö unS", rauscht die Todtenstadt ihm entgegen — „ecce nostri similig iÄcw5 es" (Is. c. 14, 10) — und der Wächter steigt vollends hinab und streckt sich hin auf sein schwarzes marmornes Bett. Und nun hält der neue Ankömmling die Wache an der Pforte der Unterwelt. Alle Generationen der Könige sind da hinabgesunken, lauter Könige und Fürsten, die hier Staub geworden, wie der Staub deS Letzten ihrer Unterthanen, nur daß vielleicht mehr Sünden ihn entweihten und mehr Thränen der Unterdrückten an ihm hängen. „Wie sind die Rcihen so enge," — rief hier Bossuet iu der Leichenrede auf Henrietle von England — „wie hat der Tod Eile, alle Plätze auszufüllen! O Eitelkeit, 0 Nichtigkeit! Alles ist eitel, außer daS Bekenntniß unserer Eitelkeit!» Als ich eintrat in die majestätischen Hallen, waren eben die letzten Töne deS Requiem verklungen, das jeden Margen hier gesungen wird. Vom altersgrauen Thurme herab scholl der dumpfe Ton der Glocke, und hallte wieder unter diesen vielhundert» jährigen Säulen und Gewölben. Es war recht traurig in der Kirche, öde, kalt, leer, ausgestorben, wie der verlassene Grabstein eines Menschen, an den keine Seele denkt, der von Allen vergessen ist. Da steht der Sarkophag der Könige, aber eS ist kein Volk da, das um sie trauert; einige Personen auS den niedern Classen traten mit mir ein; glcichgiltig, neugierig ahnten sie nicht, daß sie hier vor dem Reliquienschrein ihrer Größe stehen, daß die Geschichte von einem Jahrlausend in dieses Buch von Slcin gemeißelt ist. St. DeniS hat keinen Platz mehr in dem Herzen deS jetzigen Frankreich; S?. Dcnis ist ein Anachronismus in der Gegenwart. Ludwig XV. war der letzte König, der hier auf den sechzehnten seines NamenS wartete, welcher ihn ablösen sollte von der Todtenwache. Aber er harrte vergeblich. Gott hatte beschlossen, Frankreich zu züchtigen für seine Sünden: die Könige für die Sünden ihrer Väier und daS Volk für die Sünden seiner Könige. Ludwigs XVI. Haupr fiel auf dem Schaffst, sein Leichnam wurde schmählich in eine Grube eingescharrt, fern von den Gräbern seines Geschlechtes. Aber daS war noch nicht genug; die Fürsten hatlen schrecklich gefrevelt an Golt und seinem heiligen Gesetze — sie sollten schrecklich büßen vor dem Angesicht aller Völker der Erde. „Die Gräber von St. Denis" — sagt Chateaubriand — „waren berühmt unter den Gräbern der Menschen; die Fremdlinge strömten von allen Seiten herbei, seine Wunder zu schauen; aber da erhob sich eine Windsbraut deS göttlichen GrimmeS und trieb die Wogen der Völker hin gegen den Palast deS Todes, und erstaunt rief die Welt: Wie, ist untergegangen der Tempel AmmonS in der Wüste?" ES sollte die größte Rache GolteS an Frankreichs Königen geübt werden, eS sollte ein Strafgericht über sie fallen, wie der Prophet (Ezech. 6, 5; Jerem. S, l) > 166 Gottes kein furchtbareres mehr kennt: „Ich will heraufführen über euch daS Schwert und zu Schanden soll werden all' eure Herrlichkeit — ich will zerstören eure Altäre und eure Gebeine uniherstreucu, .... Au jenem Tage werden sie hinauswerfen die Gebeine der Könige von Jnda und die Gebeine seiner Fürsten aus ihren Gräbein — die Sonne soll auf sie scheinen und der Mond und alles Heer der Sterne; nicht gesammelt sollen sie werden und nicht begraben, ein Haufen Koch sollen sie seyn über dem Augesichte der Erde." Am 12. October 1793 wurde es laut in den stillen Mauern der Abtei. Statt der frommen, wehmüthigen Choräle, die für die ewige Ruhe der Begrabenen beten, heult wie ein Gewittersturm die Marseillaise auS tausend und tausend wilden Kehlen durch die alten, ehrwürdigen Hallen — mehr und mehr strömt die Menge herein durch die eingebrochenen Thore. Die Republik hält ihren Gottesdienst — Camillc DcSmoulinS und die übrigen Gesandten deS ConpentS — eS war ein schauerliche: Tag. Statt der Mitra die Jakobiner-Mütze, statt deS feierlichen Zuges der Mönche zum Grabe der Könige der tolle Tanz der Carmaznole; an der Stätte, wo Bossnei und Massillon unsterbliche Worte sprachen, hallt der Ruf der Männer des BcrgS zum Beginne der Feier. Da fallen die Kreuze; sie werden zerschlagen und zertreten, die Altäre zertrümmert und besudelt, die ernsten Gestalten der steinernen Aebte und Ritter und Herren verstümmelt, verhöhnt, unter Fluchen und wieherndem Gelächter durch die Stadt geschleift. „Vorwärts! — ruft DcSmoulinS, — Die Republik hatte Blut gekostet und Blut getrunken, das Blut des Königs nnd das Blut der Priester — aber sie ist nicht satt. Ihre Hyänennatur treibt sie vorwärts; sie wühlen die Gräber auf, sie wollen Leichen. Die Pforten der Grüfte — ein Werk Ear!S deS Großen — werden gesprengt; hinab stürzt sich der zügellose Haufe. Da lagen sie alle in ihren Bctteu von Stein — die Merovinger, die Karolinger, die Capetingcr, die ValoiS, die Bourbons — alle Größen der Geschichte von Frankreich — die Herzoge und Herzoginnen, die Prinzen, Dauphins und Marschälle. Einen Augenblick schauerte die Rotte — die ernsten, scharfen Gesichter der alten Helden jagten ihnen nach Jahrhunderten noch Furcht ein — es lag noch Majestät in den verblichenen Zügen dieser Könige — aber DeSmoulinS geht voran, die Andern folgen Die Leichname werden herausgeworfen, die Gewänder in Fetzen zerrissen — da liegen sie schmählich in ihrer Blcße, Die Sansculotten, die Fischweibcr kühlten ihre Wuth VN den entehrten Leichnamen; sie ^aben ihnen Faustschläge, zerrauften ihre Haare, schnitten ihnen die Glieder ab und warfen die verstümmelten und besudelten Leiter dann hin, den Straßenjungen zu Sp 'tt und Spiel. Doch lassen wir den Schleier fallen über dieß scheußlichste Schauspiel in der Geschichte von Europa. ES waren der Todten so viele — ein Tag reichte nicht auS, die Hyänen waren müde geworden. Sie kamen deS andern TageS wieder, und am dritten wieder. Frankreich sollte gereinigt werden von dem letzten Rest des Königthums; Alles wurde durchsucht, Alles besudelt. Das Volk sollte Rache nehmen für das Unrecht, das eS seit Jahrhunderten von seinen Königen erlitten — keine einzige Leiche entging den Bestien Alle wurden sie hinausgeworfen — Heinrich IV., der König des Volkes, und Ludwig XI ; die Väter deS Landes und seine Dränger, der Regent, der schändliche Orleans, und FenelonS trefflicher Zögling, der Dauphin; die MediciS und die gute Henriette von England; Ludwig der Heilige und Ludwig XV. — da lagen sie Alle übereinander in einer schmählichen Grube. In sterczuiünium suswr sgciem terrgv erunt! DaS war ein schreckliches Gottesgericht! Aber noch läßt der Zorn deS Herrn nicht nach, und seine Hand bleibt auS- gestrccki. DaS letzte Andenken an die Könige sollte verschwinden. St, Denis, daS Hciligthum der Nation, St. DcniS, an dem zwölf Jahrhunderte in Ehrfurcht vorüöer- gegangen waren, in dem jede Generation ihr Kostbarstes niedergelegt, Sr. DeuiS, geweiht durch so viel Thränen, die hier geflossen, so viel Seufzer, die hier aus dem Herzen gestiegen, so vielen Schmerz, der hierher getragen war, St. DeniS sollte der Erde gleichgemacht werden. Seine starken Säulen wurden zerschlagen und stürzten 1«? ein, der Wind zog klagend durch die leeren, der Regen schlug durch die offenen Fensterbogen, und in sein Inneres schien die Sonne bei Tag, der Mond zur Nacht, und alles Heer der Sterne — die Republik hatte das Bleidach abgedeckt und Kugeln daraus gegossen. Die letzten Anhänger der Könige sollten durchbohrt werden von den letzten Ziesten der KönigSgräber! (Schluß folgt.) Der Monat Maria. Wir finden, daß von jeher alle ächt katholisch gesinnte Christen eine große Liebe und Zuneigung zur Mutter Gottes gehabt haben. Unter den Heiligen der Kirche GotteS strahlen als besondere Verehrer der allerseligsten Jungfrau ein heiliger Bernard, ein heiliger Johannes Damascenuö, ein heiliger AlphonsuS von Liguori und viele andere hervor, die in ihren Schriften nicht Worte genug finden konnten, sie würdig zu preisen und zu verherrlichen, die die ganze Kraft der Rede ausgeboten haben, Mariens Größe und Erhabenheit, Mariens Tugenden und Heiligkeit zu rühmen. Worauf beruhet diese Verehrung gegen die Gottesmutter? Worauf anders, als auf der großen Ehre, die Gott ihr selber erwiesen, da er sie vor allen Andern. ihreS Geschlechts erkor, die Mutter seines eingeborncn SohneS zu seyn; worauf anders, als ans der hohen Heiligkeit, in der sie jederzeit strahlte, auf den großen Tugenden, die sie geübt; worauf endlich anders, als der Liebe, die Maria zu unS Menschen hat und auf der Macht ihrer Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne. — Wir nennen Maria unsere Mutter. Sie ist eS in der That. Keine irdische Mutter kann eine so große, innige Liede haben zu ihrem Kinde, wie Maria zu uns hat! Die Ursachen, warum unS Menschen Maria so sehr liebt, solle» hier nicht angeführt werden, da sie bekannt genug sind. — Willst du Beweise dieser Liebe? Wenn der Raum cS gestattete, würde ich dir viele Beispiele von der liebevollen und gütigen Wirksamkeit Mariens erzählen können, Beispiele, wie durch ihre Vermittlung die verstocktesten Sünder erweicht und zur Sinnesänderung gefühlt sind. Wie viele Beispiele werden außer den bekannt gewordenen ohne Zweifel einst ans Tageslicht kommen, wenn die Bücher des Lebens aufgeschlagen werden! Wie schön passen daher auf Maria die Worte in den Sprichwörtern 8, 35: Wer mich findet, der wird das Leben finden. Wie viele lausend Sünder haben Maria gefunden und durch sie das ewige Leben! Maria wird mit Recht die zweite Esther genannt, die bittet für ihr Volk, für Alle, welche zu ihr ihre Zuflucht nehmen. Sie braucht nicht zu sagen, wie die Esther deS alten Bundes: habe ich Gnade gefunden, so schenke meinem Volke das Leben, da sie vom Engel die Gnadenvollc genannt worden. — Damit du siehst, wie die Heiligen GotteS von Maria dachten, will ich dir von den vielen tausend AuSsprüchen derselben einen nennen. Der heilige Johannes DamaScenus sagt: „Nahe dich, Mutter meines Heilandes! Du bist meine Hilfe, mein Trost im Leben. Nahe dich und ich werde mitten in den Flammen der Versuchung nicht brennen; unter tausend Schlingen der Nachstellung werde ich sicher seyn; unter Winden und Wellen der Anfechtungen wird mich die Gefahr deS Echifsbrnchcs nicht schrecken. Ich fürchte nichts, wenn du meine Schutzfrau bist, bin nicht ängstlich über meine Schwachheit, wenn ich von dir gestärkt werde. Dein Name ist mein Schild, dein Beistand meine Rüstung, deine Hilfe mein Schwert. Durch dich greife ich den Feind herzhaft nn; durch dich treibe ich ihn beschämt zurück und erhalte den herrlichsten Sieg." Welch' hohe Meinung hatten also die Heiligen von der Gottesmutter, welche Ehrfurcht vor derselben, welche Andacht und welch' ein Zutrauen zu ihr! — Wegen der hohen Verehrung, die der Gottesmutter gebührt, hat denn auch unsere heilige Kirche mehrere Feste zu ihrer Verehrung eingesetzt, die wie hellleuchtende Sterne am kirchlichen Himmel glänzen, deßwegen ist ihr ein Tag der Woche, der SamStag, also der Tag vor dem Sonntage, dem Tage deS Herrn, besonders geweiht. Wegen der Macht ihrer Fürbitte haben sich so manche Genossenschaften 168 unter ihren besondern Schutz gestellt und sie zur Patronin gewählt u. s. w. Deßhalb hat man auch einen Monat, den schönsten im Jahre, zu ihrem Lobe und Preise besonders bestimmt, den Maimonat. Man hält, Gott sey dafür gelobt und gepriesen, auch schon in vielen Gemeinden Deutschlands im Mai eine sogenannte Maiandacht, welche darin besteht, daß man mit besondern Ehrenbezeugungen, andächtigen Gebeten oder mit andern Tugendübungen im Maimonate öffentlich oder zu Hanse die allerseligste Jungfrau verehrt. Es ist dieß nicht eine Andacht, die bloß d^'r Billigung und Empfehlung Einiger, sondern der Gutheißung und Begünstigung der Kirche selbst sich erfreut, da das Oberhaupt der Kirche sie mit Ablässen beschenkt hat. Diese Begünstigung des Nachfolgers Pctti muß schon allein für jeden guten Katholiken ein triftiger Beweggrund seyn, nach Möglichkeit diese Andacht zu fördern. Dessau. Im Herzogthum Anhalt-Dessau besteht keine katholische Kirche; die kleine katholische Gemeinde hält ihren Gottesdienst in einem gemietheten Locale, das aber auf das Jahr 1855 gekündet ist. Der protestantische Herzog hat der armen katholischen Gemeinde einen Bauplatz um 21,000 Thaler großmüthig angekauft, in einer schönen Lage der Stadt. Im Allgemeinen sind auch die dortigen Prolestanten darüber erfreut. Beim Bau der Kirche wird nun besonders auf den Bonifaciusverein und auf die Herzen der katholischen Milbrüder gerechnet. In einem Briefe an den Bonifaciusverein in Linz schreibt unter Anderm die Gemeinde: „Bei der Glaubensspaltung des löten Jahrhunderts ist im Anhaltischcn innerhalb fünfzehn Jahren, von 152U bis 1535, die neue Lehre an die Stelle des alten katholischen Glaubens getreten, und von da an war katholischer Gottesdienst gänzlich auS dem Lande verbannt, bis 1697 der rühmlichst bekannte Fürst Leopold, der „alte Dessaner" oder „Schnurrbart" genannt, der kleinen Anzahl Katholiken, die allmälig auS katholischen Ländern sich dorr angesiedelt hatten, die Ausübung ihres Cultus, wenn gleich unter sehr beschränkenden Bedingungen, wieder gestattete. Seitdem haben über ein Jahrhundert auS Westphalcn berufene Franciscaner unter großen Entbehrungen und Kämpfen die katholische Seelsorge dort versehen. Nach dem im Jahre 1833 erfolgten Tode des letzten Missionärs auS jenem Orden blieb die Mission über ein Jahr ohne Hirten, und wurde erst 1825 einem jungen Weltgeistlichen aus Böhmen überwiesen, unter dem sie 1830 zu einer Pfarrstelle erhoben, und vom heiligen Stuhle dem jeweiligen Nuntius in München, als apostolischen Vicar von AnHall, untergeordnet wurde." Daß es auch an einer katholischen Schule und an einem Pfanhause fehlt, versteht sich von selbst. Sie schreiben: „O kommet unter Armmh zu Hilfe. Der Bau einer katholischen Kirche hier ist wichtig. ES« ist dieß die einzige, die erste katholische Kirche, die seil der GlaubenSspallung in diesem Herzogthume Wiedtr erbaut werden soll. Für Viele wird sie eine rettende Arche werden." (Salzb. Kbl.) Geständnis und Einsicht. Die Berliner prot. Kirchenzcitnng kommt in ihren Lamentationen über den badischen Conflict auf folgendes merkwürdige Geständniß (Nr. 18): „Wohin führt also der ganze Kirchenstreü? Auf allen Puncten zu einem Terra in Verlust der Regierung — sagen wir lieber aller protestanlisch en Regierungen, welche, um ihre Häresie (so nennt'S Rom) vergessen zu inachen, sich von Zugeständnissen zu Zugeständnissen herbeilassen." vr. Schenkel (in der darmstädlischen Kirchenztg.) sagt gerade im Gegentheil: „Die Kurie und der Erzbischof verlieren durch diesen Sireit überall an Terrain und die prot. Regierung gewinnt." Wem soll man da glauben? Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Kremer.