Vierzehnter Jahrgang. Sonntags Beiblatt zur Angsburger Pojheitung. * 28. Mai 22. 1854. DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige Abounement«pre>« itt kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer, Poßämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kanv. AuS der Jugend PiuS IX. Pfarrer MooS in Solothuru hat bei Schercr daselbst eine Schrift in zwei Bänden unter dem Titel: „Die wunderbaren Wege der göttlichen Vorsehung," herausgegeben. Das Werk enthält viele merkwürdige auch neuere belehrende Erzählungen für die Jugend. Ein Ereigniß aus der Jugend des gegenwärtig glorreich regierenden heiligen VaterS — das weniger bekannt ist, wollen wir hier aus dem trefflichen Büchlein folgen lassen: „Johann Maria'Mastai Ferrelti, aus der durchlauchten Familie der Grafen von Mastai, wurde den 13. Mai 1792 zu Sinigaglia, in der zum Kirchenstaate gehörigen Landschaft Urbino-kt-posln-o, geboren. Seine Eltern gingen alle Jahre auf ein ungefähr sechs Meilen von der Stadt entferntes Landschloß, wo sie mit ihren Kindern die Frühlings-, Sommer- und Herbstmonate zubrachten. Johannes, ein lebhaftes, liebenswürdiges Knäbchen gefiel sich am wohlsten im Freien. Eines Tages naht sich das Kind einem ziemlich tiefen,'mit steheudcm Wasser augefüllten Graben. Der kleine Johannes steht still, erblickt kleine im Wasser spielende Fische, ergötzt sich an ihren Wendungen, will sie mit der Hand fangen, nähert sich, ohne Gefahr zu ahnen, dem Wasser, — plötzlich glitscht er auf dem schlüpfrigen und lehmigen Boden aus, stürzt in den Graben und versinkt unter dem Wasser. Er wäre unzweifelhaft ertrunken, hätte die göttliche Vorsehung, die in ihren unergründlichen Absichten Großes mit diesem Kinde vorhatte, es nicht vor diesem frühzeitigen Tode bewahrt. Ein armer Bauernjüngling von zwanzig Jahren, der dem kleinen Johannes als Diener beigegeben war, erblickr die.Gefahr, stürzt sich in's Wasser und zieht den Knaben unverletzt und lebend heraus. Wohl dachte dieser edle Jüngling noch nicht, was für ein kostbares Leben er der ganzen Weit gerettet habe, und daß dieser Knabe nach ungefähr vierzig Jahren die erhabenste Würde, die je einem Sterblichen anvertraut werden kann, bekleiden, daß er als der 255ste Nachfolger des ^heiligen Petrus auf den päpstlichen Thron erhoben und unter dem Namen PiuS IX. die Kirche GotteS unter den furchtbarsten Stürmen so weise regieren und verherrlichen würde. Die Königsgräber zu Gt. DeniS. (Schluß,) « „St. Deniö ist zerstört," — sagte Chateaubriand im Anfange dieses Jahrhunderts — „die Vögel fliegen durch seine öden Räume und Gras wächst auf seinen zerschlagenen Altären. Statt des GrabgesangeS, der einst unter seiner Wölbung wiederhallte, hört man nur noch den Regen, der von seinem zertrümmerten Dache niederträuft, oder das Fallen eines Steines, der sich von dem Gemäuer ablöst." 170 Erst Napoleon that dem Werke der Zerstörung Einhalt, Er war in daS Erbe Carls des Großen eingetreten und hcitie seine Kaiserkrone sich aufs Haupt gedrückt; darum sollte die alle kaiserliche Gruft auch ihn und seine Familie ausnehmen. Aber er hatte Wind ausgeiäet und erntete Sturm; er und seine Familie wurden zerstreut wie Spreu über dem Angesichte der Eide — ein felsig «äilcmd ward sein Kerker und seiu Grab. Und sein Sohn, der Erbe seines RubmeS, schläft ferne von ihm bei den Ccipucinern in der Todtengruft zn Wien. Ludwig XVIII, und Carl X. setzten die Arbeitn fort, und unter Ludwig Philipp wurde die innere Restauration vollendet. Alle bauten sie an ihrem Grabe — aber sie sollten nicht sagen dürfen: „Solum mioi supei-est sepulenrum!" Nicht einmal das Grab wurde ihnen gegönnt — so eitel ist die größte Größe auf Erden. — Beide liegen begraben in fremder Erde, im Lande der Erbfeinde ihrer Nau'on. Ludwig Napoleon ist auch in St. Denis seinem großen Oheim gefolgt; er fährt fort, der Kirche seine Fürsorge zu widmen. Wird er hier einst seine letzte Rnhe finden? Oder schmückt er mir das Monument, das Den verherrlichen soll, der ihn einmal vom Throne stößt. Beim ersten Eintritt in die schöne Kirche bemerkt man kaum, was für gewaltsame Katastrophen an diesen Mauern vorübergegangen sind, ES ist ein herrlicher Bau, fast wie aus Einem Gusse, mit Ausnahme der Krypten mit nur wenigen Resten im Siyle der vorgothischcn Zeit. Einen Augenblick könnte man sich tauschen, sich nm ein Jahrhundert zurückversetzt Milben. In reichen Gewändern umgeben die Hüter deS Grabcö der Könige den Hochaltar. Ludwig Philipp stiftete hier ein Capitel, bestehend aus zehn Bischöfen und vierundzwanzig Kanonikern; helle Rauchwolken steigen zwischen den schlanken, strebenden Säulen empor und ziehen langsam unter der Wölbung hin. Daö Requiem, unterbrochen von den dumpfen Tönen der Hörner, wie sie in Frankreich den Chvral begleiten, fleht um die ewige Ruhe der Todten. Aber die Gräber sind leer — ihre Asche ist in alle Winde zerstreut; nur Ludwig XVI. uud die unglückliche Marie Amoinette, Ludwig XVIII, und der Herzog von Berry liegen hier, dann einige wenige Reste ron Gebeinen, die man gefunden halte nach der schauerlichen Feier von 1793 und sorgfältig gesammelt und hicrhergetragen, wie der Mensch am Tage nach der Feuersbrunst auf die Brandstätte eilt, um unter dem Schütte ein halbverkohltes Andenken an seine frühere Herrlichkeit zu finden. Wir hören die dumpfdröh- nenden, langsam hinzitternden Schläge der Glocke vom altersgrauen Thurme herab, so ernst, so melancholisch, als wären cö die Pulsschläge der unwiederbringlich hinab- cilcnden Zeit — aber es strömt kein Volk mehr herbei, um zu tranern am Grabe seiner Könige. Der Name deS Königs, bei dessen Nennung der Franzose von ehedem sein Haupt entblößte, hat seinen Zauber verloren; cS sind mir noch Wenige, die wie Du Gue?clin sprechen: „tVIon -)me g Vieu, ma vie au roi!" Die Gesalbten des Herrn hatten sich selbst ew weiht, und darum verwarf Er sie von seinem Angesichte. Und das ganze Volk rief ein furchtbares: Amen! St. Deuis ist wieder hergestellt — ein Grab ohne Leichname, ein Katafalk ohne Todte, seine Grüfte sind leer, St. DeniS selbst ist ein Leichnam, Ich weiß nicht, ob ich nicht die Abtei lieber sehen möchte in dem Zustande, wie sie nach 1793 war. Da war eS eine Ruine, aber da war es doch Etwas; da konnte man sich niedersetzen unter Trümmer und hinaufblicken zu den schweren granen Wolken, die vom Siurme gejagt durch die zerrissenen Mauern ziehen, und nachdenken über die Vergänglichkeit aller Dinge, wie der Einsiedler vor dem Todtenkopf. Jetzt wird es uns nicht wohl zu St, PeniS; eS ist uns unheimlich hier, es ist eine Leiche, man hat sie geschminkt, mit Flittern und Bändern geziert. Man hat neue Glasmalereien an den Fenstern angebracht; ich sah eine im Seitenschiffe, die Stiftung des Capitels durch Ludwig Philipp vorstellend. Er und seine Minister erscheinen in blauem Frack, den Galameriedegen an der Seite, DaS ist die Malerei auf ein gothisches Fenster in einer herrlichen gothischen Kirche mit den Heldengestalten Clodwigö, Dagoberts, deS ritterlichen Franz I. und Heinrich IV.! 171 Das neugierige Volk läuft hinzu, eS drängt sich hinein in die Grüfte, man gafft, man schwätzt, man lacht und macht Bemerkungen über diese ernsten, langgestreckten, steinernen Bilder. Der Concierge geht voran, der Haufen Fremder und geschwätziger Pariser folgt; neben mir ging ein Weib aus dem Volke in unordentlichem Anzüge, sie hatte ein säugendes Kind an der Brust. Man sieht eö recht deutlich: der Franzose der Gegenwart hat kein Verständniß mehr für seine Könige. Wie könnte auch der junge Mensch, der seinen Voltaire gelesen, oder die Grisette, die Paul de Kock und Suc und wie dergleichen schmutziges Gesinde! mehr heißt, in Andacht studirt hat, anders hier eintreten, als mit einem Gefühle souveräner Verachtung der Vornrtheile und Tyrannei dieser barbarischen Jahrbundertc! „Hier liegt Pipin der Kurze," — ruft die monotone Stimme deS Concierge — „hier in der Mönchskutte Clodwig, hier Blanka, hier Franz I., hier Carl, der in der Bartholomäusnacht auf seine Unterthanen schoß, hier....." — doch die Reihe scheint nimmer enden zu wollen; man bleibt stehen, man betrachtet, betastet diese eigenthümlichen, oft sehr ausdrucksvollen Gestalten, aber der Führer drängt vorwärts und mahnt zur Eile, denn es gibt hier viel zu sehen, der Tod hat reiche Beute. In buntem Wechsel ziehen diese Bilder an unS vorüber, es schwindelt unS, die schweren, niederen Gewölbe scheinen auf unserer Brust zu liegen und den Athem zu beengen. Endlich ist der lange Katalog zu Ende, den der Aufseher herablieSt, wie der Kerkermeister die Liste seiner Gefangenen, als wollte er sagen: Die Alle da sind mein, und es entgeht mir Keiner. Ich habe einen Edelmann gekannt; als dieser bei geänderten Vermögens-Verhältnissen die Burg seiner Väter nicht mehr behaupten konnte, trug er das Dach ab und machte sie zur Ruine. Man hatte sie ihm abkaufen wollen, der Eine, um eine Fabrik, der Andere, um eine Brauerei darin zu errichten. Er machte eine Ruine daraus; als er zum ersten Mal vom Thale hinaufschaute und die nackten Manern ihn anblickten, sah sein Begleiter eine Thräne an seinem dunkeln B^rt hängen. — Die Philister sagen, er hätte nicht reckt gethan. Wenn man das Heiligthnm seiner Väter nickt mehr heilig halten kann, so mache man doch lieber eine Ruine daraus. Denn um die zerfallenen Mauern schwebt ElwaS, wie vom Hauch der Ewigkeit., und mit dem dunkeln Evheu winden sich ernste Gedanken an den geborstenen Thürmen hinauf. Als ich heraustrat auS St. Dem'S war cS Mittag. Der Himmel war rein, wie von geschliffenem Stahl; die Herbstsonne meinte es so gut, als wollte sie Abschied nehmen auf lange Zeit. Einzelne vergelbte Blätter fielen leise von ven Pappeln, wie die Menschen vom Baume des Lebens fallen, ohne daß man cS wahrnimmt. Die alte Abtei stand so traurig da, wie ein Greis, der seine kalten, sast erstorbcnen Glieder an der Sonne wärmr; ein Heller Strahl fiel über die Vorderseite, die Fenster glänzten bei diesem Sonnenblick, es Mir wie ein plötzlich aufzuckendes Lächeln auf dem Angesicht deS Sterbenden. Ich nahm einen Wagen, fuhr nach der Richtung von Paris über die Ebene bin, auf der die Kämpfe der Ligue gewüthet, und die getränkt ist mit dem Blule deS ritterlichen Connetable Anne de Monlmorency, bog dann gegen Südwest ab und gelangte nach Meudon. ES ist dieß ein älteres Lustschloß der Könige auf einer sanft aufsteigenden Anhöhe, welcke die Gegend weithin beherrscht, mit groß-n Gartenanlagcn im Geschmacke Le Nolre's. Die Aussicht von der Terrasse herab ist entzückend. Paris lag vor mir, nahe genug, um die Stadt mit ihren Kuppeln, Sänlen, Thürmen und Triumphbögen ganz zu sehen, aber wieder zu ferne, nm über dem Labyrinthe zu stehen und es ganz zu ülerschauen. Unmittelbar zu meinen Füßen in malerischer Abwechslung die Reihen der Landhäuser, halb versteckt unter Bäumen und Laubwerk in den mannigfaltigsten Schatiiruugen, die in einem unermeßlich «veiren Bogen sick um die Stadt ziehen. Unter einem so schönen Himmel, in dieser lachenden Landschaft, die vor unS liegt wie überschüttet von allen Gütern unv Gaben und Genüssen deS Lebens, wo nichts als Glück ausgestreut scheint, da ist es, als wollte Alles zum frohen Ge- 172 nusse deS Lebens einladen. Rabelais, der lustige Pfarrer von Meudon, wäre vielleicht der Welt nicht bekannt geworden, hätte er anderSwo gelebt, an den verödeten Küsten der Bretagne oder zwischen den ranhen Bergen des Jura. Ja, der Pariser Sybcirite hätte Recht — wenn nur Eines nicht wäre. Mein Blick schweifte weithin über die Stadt mit all' ihrem Glanz und ihrer Pracht; am äußersten Horizont stand Etwas, scharf herausgehoben durch den bellen Hintergrund, dufter, drohend wie die Gestalt des TodeS. Es war der Thurm von St. Denis. Er stand da, als wollte er spotten deS ohnmächtigen Treibens der Millionen da herum, als wollie er sagen: Und doch seyd ihr mir Alle verfallen! DaS ist der Eine, bleibende Hintergrund in dem heitersten Gemälde des Lebens, das ich je gesehen; das gellt wie eine schneivende Dissonanz durch die Festgesäuge der Freude, Ja, wenn St. DeniS nicht wäre mit seinem finstern Thurme und seinen kalten Gräbern, mit seinem Moder und Geruch der Verwesung, da hättet ihr Recht, ihr Männer und Frauen deS Genusses! Ich ließ mich nieder unter einer schattigen Platane; ihre Blätter rauschten in der Abendlnft, als wollten sie erzählen von den FestinS und was sie Alles schon hier gesehen hatten. Da dachte ich an BossuetS Worte unter dem Dome von St. Denis: O Eitelkeit, o Nichtigkeit! Alles ist Eitelkeit, außer das Bekenntniß unserer Eitelkeit! Ich öffnete mein Brevier; es war eben das Fest der Kreuzerhöhung. Ich las den HymnuS zur Vesper: 0 Lrux svo, speg unies! Central-Afrika. Wien. Am 11. Mai ist hier an den ?. I. hochwürdigen Herrn Andreas Mcschutar, Präses des Marienvereines, folgendes Schreiben angelangt: Chartum, 15. März 1854. Hochwürdigster Bischof! Eben war ich im Begriffe, an Euer Gnaden zu schreiben, als ein Brief vom Herrn Grafen von Fries hier anlangte, welcher vom 15. Jänner d. I. an den hochwürdigen Herrn Provicar gerichtet war; da selber aber bereits am 16. Februar an den weißen Fluß abgereiset, und bei dem ausgezeichnet guten Winde, der diese Zeit hier wehte, in diesem Augenblicke nicht mehr weit von Gondocoro seyn wird, und wahrscheinlich auch für lange Zeit keine Gelegenheit sich darbietet, den Brief dahin zu senden, so nahm ich mir die Freiheil, denselben zu öffnen, woraus ich ersah, daß man in Wien in Sorgen ist wegen der Ehrlichkeit der Nachrichten, welche von unserer Misston einlaufen (oder vielmehr nicht' einlausen). Was erstlich die Mission und die Missionäre oben am weißen Fluß anbelangt, wohin der hochwürdige Herr Provicar am Wege ist, so hörten wir hier seit der Abreise des hochwürdigeu Herrn ProvicarS im Frühling des vorigen JahreS von dort noch kein einziges neues Wort; denn die Handelsschiffe sind von da noch nicht herabgekommen, müssen aber die ersten wohl bald ankommen. Von uns in Chartum kaun ich berichten: Unsere Kranken sind zwar gegenwärtig alle außer Gefahr und aus dem Krankenbette, aber sie können sich fast nicht erholen und schleichen blaß wie der Tod, auf dem Stäbe gestützt, herum. Einer davon, Herr Schaschel, Büchsenmacher und Schlosser, hat in seiner Krankheit einen Leibschaden bekommen, und seine wenige physische Kraft und den moralischen Muth noch vollends verloren; er kam vor einigen Tagen zu mir mit der Bitte, aus der Mission treten und nach Hause gehen zu dürfen, indem er einsehe, daß er das Klima nicht aushalten und daher für die»Mi>sion nicht nur nichis leisten könne, sondern ihr vielmehr znr Last seyn werde. Da ich bereits früher rücksichtlich eines solchen vorkommenden Falles mit dem hochwürdigcn Herrn Provicar gesprochen hatte, so nahm ich keinen Anstand, fraglichen Herrn zu entlassen. Wir brauchen nun hier vor Allem einen 173 handfesten Schmied, einer unserer tüchtigsten Maurer von den vier in Alerandrien für Lohn aufgenommenen ist uns, wie schon früher gemeldet, am 11. Februar gestorben, zwei davon sind noch immer marode, und nur einer ist munter bei der Arbeit: weil er aber nicht zugleich beim Kalkbrennen, beim Ziegelofen unv im Steinbruch seyn kann, und die hiesigen trägen und ungeschickten Berberiner, wenn er nicht dabei ist, entweder gar nichts thun, oder gar Stoss und Werkzeug zu Grunde richten, so fand ich für gut, die Arbeit im Steinbruch bis auf weiteres einzustellen, da wir bereits schon eine Menge Steine aus den Platz gebracht haben, und um vorzüglich auf Herbeischaffung von Kalk und Ziegel bedacht ,u seyn; sobald eS nur einigermaßen möglich ist, werden wir anfangen zu bauen; zuerst aber muß die EinfriedungSmauer an dem öffentlichen Wege aufgesühn seyn, bevor wir HauS und Kirche zu bauen anfangen können, wozu wir von der Regierung bereiiS die gebotene Erlaubniß erhalten haben. Hätten wir nur einmal eine Wohnung, wenigstens zehn Zimmer mit ordentlichem Dach, Boden und Fenstern, dann hätte man zur Regenzeit mindestens im Hause ein wenig Schutz vor den gewaltigen Wafsersluthen, dann könnte der Sturmwind nicht mehr Papier, Kleider zc. hinaus, und eine Unmasse von Staub und Unrath hereintragen; der gefährlichen Zugluft wäre einigermaßen vorgebeugt, Skorpionen und die Alles zernagenden Ameisen könnlen nicht mehr so leicht Boden und Mauer durchsungen, und alles verwüsten und zu Grunde richten, — und wie wohl würde ein nur leidliches Zimmer erst unsern armen Kranken thu»! — dann aber müßte sogleich die Kirche an die Reihe kommen; wer weiß es nicht, wie viel eine niedliche materielle Kirche zur Erbauung der geistigen Kirche Christi beiträgt? — wir sind hier der festen Ueberzeugung, daß, wenn wir'S mit der Hilfe Gottes einmal dahin bringen könnten, in einer anständigen Kirche unsern majestätischen katholischen Gottesdienst zu halten, und unsere erhabene heilige Lehre in einer den Leuten verständlichen Sprache vorzutragen, sich bald eine Menge Nathanacle einfinden würden; und diese unsere Hoffnung ist eben nicht aus der Lust gegriffen, sondern hat ihren Grund einerseits in der gänzlichen Zerfahrenheit der religiösen Zustände der hiesigen Kopten und Muhamedaner, andererseits im allgemeinen Bedürfnisse des Menschen nach innerlichem und äußerlichem Gottesdienst, die Kopten selbst (nämlich Schismatiker) sagen, eS wäre ihnen alleS recht, wenn eS nur irgendwo einmal elwaS Ordentliches gebel (Schluß folgt,> R o m. Rom, 25. April. Der 24. April, dieser freudenreiche Festtag deS KaiserstaateS Oesterreich, wurde auch in Rom geziemend gefeiert. Schon am Vorabende kündigten die Glocken von Ma.ia dell' Aniina die Festlichkeit an. Von der Frühe bis Mittag folgte Meßopfer auf Meßopfer, von Priestern aus Oesterreich und Deutschland dargebracht; auch ein Priester aus Spanien und einer auS Coustantinopel schloffen sich auS eigenem Anlricbe an. Um eilf Uhr wurde von dem Monsignore Silvestri daS Hochamt gehalten. Der Chor war mit deutschen Priestern und mit Alumnen deS Kollegium Germanicum dicht besetzt. DaS Pudlicum war äußerst zahlreich, mit geistlichen Notabilitäten an der Spitze. Von diesen nenne ich den Pater General der Jesnilen, den deutschen General-Definitor der Capuciner. . . Der gewesene Botschafter Graf Lutzow nebst andern vornehmen Personen befanden sich im Oratorium der Epistelseite, in dem der Evangclienseite war daS diplomatische Corps, nämlich der k. k. österreichische GeschäflSlräger Conte Gozze, der kgl. bayerische Gesandte Graf Spaur, der grvßh. toSkanische Gesandte, der Geschäftsträger von Württemberg und Baden versammelt, nebst dem VerwaltungS-Collegium der Anstalt. Andere Diplomaten waren wohl durch die gleichzeitige Feierlichkeit in der Sirtina für die verstorbene Königin von Portugal gehindert. Rührend war es, als das Te Deum abwechselnd vom Priester- Chor und von dem so gemischten Publicum gesungen wurde und als daö Gebet für 174 den Kaiser durch die feierliche Stille tönte, das alte, ehrwürdige Gebet aus den Zeiten deS römisch-deutschen Kaiserreiches, in der alten Nationalkirche Deutschlands zu Rom, da fuhren wohl nicht in mir allein Gedanken unv Wünsche auf. welche Sie und Ihre Leser leicht sich vorstellen können. Muß aber das Beste vielleicht auf immer im Bezirke der Wünsche bleiben, so möge uns wenigstens das Gute eine andauernde Wirklichkeit seyn: Deutschlands Eintracht! — Ein schönes Bild hiervon gewährt immer mehr dieselbe Anstalt, in deren Gotteshaus das eben angezeigte Fest gefeiert wurde. In dem Hospitium werden Pilger und mittellose Reisende aus allen Ganen deS deutschen BundeSstaateS drei bis sechs Tage vortrefflich verpflegt. In der Kirche versammeln sich zur deutschen Predigt in schöner Eintracht Deutsche der verschiedenen Länder, und den Katholiken gesellen sich frenndlich manche Protestanten bei. Reisende Priester a»S Deutschland pflegen zu Maria dell' Anima das heilige Meßopfer zu verrichten; sind sie nicht bedeutend bemittelt, so bekommen sie vier bis sechs Wochen lang freie Wohnung und Bedienung. Nach Möglichkeit wird cS deutschen Priestern, welche sich längere Zeit in Rom aufhalten, gern gestattet, gegen den billigen Betrag, welchen die Priester der Anstalt selbst entrichten, Tischgenossen derselben zu seyn, wie es denn gerade jetzt ein Domherr aus Aachen und ein Caplan auS Köln sind, und ein Domherr aus Prag nächstens wieder seyn wird. Die Geistlichkeit der Anstalt selbst besteht auS einem Rector, welcher zugleich Prediger ist, und auS vier Caplänen, welche sich außer den kirchlichen Functionen in die Geschäfte deS Sacristans, Pilgerspirituals, Oecono- men und Bibliothekars theilen. Ein Caplan ist auS Münster in Westphalen; einer ist ans Trient, der Rector und ein Caplan sind auS der Diöccse Briren; ein Caplan ist aus der Schweiz und wird in der Stellung geduldet, weil er dieselbe bereits zwölf Jahre inne har und alle Achtung verdient. Zugleich wohnen drei Studirende im Hause; zwei ans den Rheinlanden, einer aus Schlesien. Aus diesen einfachen Notizen geht klar genug hervor, daß die Anstalt Maria dell' Anima weit davon entfernt ist, eine ausschließlich österreichische seyn zu wollen; vielmehr stellt sich an dieser mittelalterlichen Stiftung eine Harmonie von Oesterreich und Deutschland dar, welche an schöne Zeiten der Vergangenheit erinnert und der Anstalt eine Zukunft verkündigt, die der Vergangenheit ähnlich ist. Da aber die österreichische Regierung eS war, welche diese Anstalt auS dem Zerfalle mit kräftiger Hand wieder ausrichtete; da die österreichische Regierung es ist, welche der Anstalt zu ihrem gegenwärtigen Zustande emporhalf; da dieselbe hohe Regierung es ist, welche der noch wünschenswerthen Fortsetzung und Vollendung der Reform dieser Anstalt die wohlthätigste Aufmerksamkeit zuzuwenden fortfährt: so ist eS leicht begreiflich, daß am 24. April nach den Gebelen vor dem Altare — an der Tafel deS RefectoriumS, au welcher zwölf Priester auS Oesterreich und Deutschland brüderlich versammelt waren, so innig und warm, als irgendwo, Toaste der Freude und der Wünsche erschollen für das erhabene Brautpaar Franz Joseph und Elisabeth! (Salzb. Kbl.) a»r»' ^llll -.'>'.'>??',!'»' >»'>!/>', >«>>,. Irland. An der „Bekehrung Irlands" arbeiten gegenwärtig nicht mehr als 16 englische Gesellschaften, die der BaSIer Volksbote folgendermaßen angibt: 1. Die irische Gesellschaft, auS der bischöflichen Kirche, seit 1826, unterhält 59 Bibelleser und 719 Lehrer, wirkt unter der nicht englisch redenden Bevölkerung. 2. Die irische Gesellschaft in London und Dublin, zu demselben Zwecke, etwas jünger. JahreSeinnahme 1852 gegen 70.00V Thaler. 3. Die irische Gesellschaft für Bibelleser, seit 1822, hat 84 Bivel- leftr auögesandt. JahreSeinnahme 1852 15,000 Tblr. 4. Die hibernische Frauen- Gesellschaft zur Erziehung armer Mädchen. Jährliche Ausgabe circa 13,000 Thlr. 5. Die Gesellschaft zum Besten der Inseln und Küsten von Irland, aus der bischöflichen Kirche, hat 25 Vorleser und Schulmeister in Diensten und wirkt aus 48 Stationen. 6. Die Sonntagöschul-Gesellschaft für Irland, hat circa 3000 Schulen mit 175 226,000 Schülern gegründet und seit 1809 über zwei Millionen Bibeln und christliche Schriften verbreitet. Jahreseinncchme 1851: mchrcUS 17,000 Thlr, 7, Die hiber- nische Bibelgesellschaft, seit 1806, verbreitete über zwei Millionen Bibeln und biblische Theile Jahreseinnahme 1853 circa 27,000 Thlr. 8/Die religiöse Tractatgesellschast für Irland, f it 1829, mit Niederlagen und Leihbibliotheken an 1162 Orten. 9. Die hibernische Gesellschaft der WeSleyaner, hat 158 Prediger, 25 Missionäre und 62 Lehrer in angestrengter Arbeit, die „bis in die verborgensten Schlupfwinkel dringen." 10. Eine zweite WeSleyaner-Gesellschaft, deren Namen nicht angegeben wird und die eben so arbeitet. 11. Die Baptisten-Gesellschaft sür Irland hat 24 Geistliche und Evangelisten ausgesandt. 12. Die bischöfliche Gesellschaft zur Erziehung in Irland, hotte 1821 1882 Schulen mit 108,000 Schülern gegründet. 13. Die innere Mission der PreSbytcrianer-Kirche in Irland, hat seit sechzehn Jahren 160 Gemeinden und eine Anzahl MissionS-Stationen gegründet, unterhält 3—4000 Schulen, in denen 20.000 die Bibel lesen gelernt haben. 14. Die Gesellschaft der Brüdergemeinde zur Fortpflanzung der Erkenntniß des Evangelii in Irland, hält Vorleser auf 6 Stationen. 15. Die bischöfliche Miisionögescllschaft in Irland zum Besten der Römisch-Katholischen, seit nicht ganz acht Jahren, neuerdings sehr wirksam. 16- Die Gesellschaft zur Vertheidigung der Rechte und deS Gewissens, unter dem Vorsitze des ErzbischofS von Dublin, zum Schutz der Proselyten gegen ihre frühern Glaubensgenossen. Nach den bei einigen darunter gemachten Angaben kann man schließen, daß diese 16 Gesellschaften zusammen jährlich vielleicht gegen ^/z Million Thaler zur Protestantisirung Irlands ausgeben. Einige von ihnen wirken nun seit bald einem halben Jahrhundert. Bedenkt man, daß außer diesen sür Irland allein errichteten Gesellschaften auch die übrigen großen englischen Gesellschaften, die Bibel-, Tractat-, Schul-Gesellschaften u. s. w. doch ebenfalls mit sür Irland arbeiten, so sind die Anstrengungen in der That enorm. 5»-,M Sir, >!>«! >ixp!?h>'?'>isl. >1!>M! ',!,,m'iS >ichMsWH», Der Pfarrer von Ars. I^ll>is!j>l^^t !r!) ?>6 '?>?u Das „Tablet" theilt aus einem Privatbriefe eines englischen Katholiken Folgendes mit: Der Pfarrer von Ars lebt in dem Dörfchen Ars, einige Meilen von Lyon. Das Dörfchen besteht ans Lehmhütten, eine derselben ist zwar weder ein Hotel noch eine Herberge, wird aber von den vielen Fremden, die als solche kommen, benutzt, um bei dem Pfarrer zn beichten und die oft 48 Stunden warten müssen, ehe die Re he an sie kommt. Der Pfarrer steht täglich, nachdem er zwei Stunden geschlafen har, um Mitternacht auf und geht in den Beichtstuhl, wo ihn schon Viele erwarten; cS ist eine eiacne OmnibuSfahrt von Lyon aus eingerichtet, um die Pilger nach ArS zu führen.' Um sechs Uhr licSt er die heilige Messe und empfängt dann in der Sacristei diejenigen, welche ihn zu sprechen wünschen, Rosenkränze und Medaillen segnen lassen wollen u. s. w. Um zwölf Uhr ißt er etwas Brod und Milch, sonst den ganzen Tag nichts. Dann predigt er und geht wieder in den Beichtstuhl. Seine Predigten sind in dem Style „Kindlein, liebet einander" deS heiligen Evangelisten Johannes. Er spricht meist von der Seligkeit der Liebe zu Gott, wobei er oft die Worte wiederholt: wie süß ist es, Gott zu lieben!" jedesmal unter einem Strome von Thränen; eben so, wenn er von dem Leiden deS Heilands und unserer Pflicht, ihn wieder zu lieben, predigt. Wir hörten ihn darüber predigen: er mußte vor Weinen einhalten, und kein Auge in der Kirche blieb trocken. Sein NcußereS ist höchst merkwürdig: er ist ein Bild deS Todes, sehr bejahrt und mit eingefallenen Wangen; er steht einem Träumenden oder Schlafwandelnden ähnlich. Er scheint Niemand zu sehen; sein Blick ist ganz überirdisch. Die Kirche ist klein und ärmlich; ringsum hangen Votivgaben, zur Erinnerung an die Wunder, die sein Gebet bewirkt hat. Er nimmt die Kranken mit an den Altar der heiligen Philomena, betet dort mit ihnen, und Viele sind geheilt. In seinem 176 Benehmen ist er ganz einfach und anspruchlos, und hört jeden an, der ihn zu sprechen wünscht. AIS wir zu Grenoble und an andern Orten Leute fragten, ob sie den Pfarrer kennten, erhielten wir jedesmal die Antwort: „O gewiß; wer in Frankreich, der in etwa religiös ist, kennt nicht den Pfarrer von Ars?" AuS allen Gegenden von Frankreich strömen Pilger zu ihm. Unsere ganze Reisegesellschaft beichtete bei ihm; er fertigte uns aber alle sehr kurz ab. Wir hörten, er thue daS bei Vielen, während Andere zwei- oder dreimal wieder kommen und auf'S Genaueste ausgefragt würden. Das Bibelgeschast. Bekannt ist, wie viel die englischen Bibelgesellschaften zur Revolutionirung Italiens beigetragen haben. Eine gleiche Thätigkeit entwickeln die nordamerikanischen Bibelgesellschaften in allen Staaten der ehemaligen spanischen Kolonien in der neuen Welt. Einen merkwürdigen Beleg dafür «heilt das „Uiüveri-" aus Mexiko mit. Der Justizminister machte nämlich den Erzbischof von Meriko ans daS verderbliche Treiben der protestantischen Bibelgesellschaften aufmerksam, die in den mexikanischen Staaten eine Flulh von verfälschten Bibeln und unsittlichen französischen Romanen zu verbreiten streben, um dadurch das Land zu entsittlichen und den Geist der Revolution zu Gunsten der Nordamerikancr zu verbreiten. In Folge der Ausforderung deS Justizministers hat der Erzbischof ein Hirtenschreiben an das gläubige Volk erlassen, worin es kräftig ermahnt wird, die Wölfe in Schafspelzen auSzutreibeu. . _ Paris. Die Administration des .MgZgsin utile" in Paris hat vor Kurzem bei dem erzbischöslichen Sekretariat die Summe von 3l)l)(1 FrcS. niedergelegt, die als Preis demjenigen Schriftsteller zuerkannt werden soll, der binnen Jahresfrist daS beste Werk über die christliche Nächstenliebe und über die Principien der christlichen Philosophie einreicht. Die Gesellschaft will dadurch, wie sie in ihrer Ankündigung sagt, nach Kräften zur Uebung und Läuterung der guten Sitten und der wahren Civilisation beitragen. Die Hauptgedanken, die jenem Werke zu Grund liegen müssen, sind die folgenden zwei: die aufrichtige und verständige Beobachtung und Uebung der Gebote Goites und der Kirche genügen vollständig, sowohl zur Befriedigung aller Ansprüche, die das eigene Gewissen, wie die ganze menschliche Gesellschaft an unS macht; und zweitens: die christliche Nächstenliebe, praktisch verwirklicht, genügt vollkommen, uns mit dem großen Mißklange, den die ungleiche Vertheilung der irdischen Güter und Besitzthümer in der Wclr hervorruft, harmonisch auszusöhnen. Das Werk wird Eigenthum der Gesellschaft, die dasselbe in einer halben Million Eremplaren in ganz Frankreich verbreiten wird, und zwar zu dem billigsten Preise; Exemplare sollen außerdem an alle Mairien, Communen, Schulen und Lehranstalten deS ganzen Reiches gratis versandt werden. Man hofft auf eine große Concurrenz. «t. Polten. St. Pölten, 3. Mai. In der hiesigen Domkirche wird wie im vorigen Jahre die liebliche Maiandacht gefeiert. Die täglich stattfindenden Predigten (6 Uhr Abends) werden zumeist von den H.H. Professoren deS bischöfl. Alumnates gehalten, und eS ist eben so erbauend als rührend, das Lob Mariens von so vielen gelehrten Männern in ächt katholischer Weise verkündigen zu hören. DaS Generalthema aller Maipredigten bildet die Erklärung der lauretanischen Litanei. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.