Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Psjheitung. 4. Juni H^- 25. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig all« souutage. Der halbjährige Aboimemcitteprei's kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter ««d atle Buchhaudlnvgen bezogcn werden kan>>. Fürstbischof von Gorz — Franz Xaver Luschin. (N e k r o l o g.) Die letzten Tage des vorigen und die ersten Tage dieses Monats brachten der Stadt Görz eine schmerzliche Heimsuchung; der dort resivirende hochverehrte Kirchen- fürst, dessen Leben ein Vorbild aller christlichen Tilgenden war, der hochwürdigste Fürsterzbischof Franz Xaver Luschiu, wurde nach längerem Unwohlseyn am Llbeud des 20. April von einem heftigen Fieberanfalle ergriffen, der ihn auf ein SchmeizeuSlager warf, von dem er sich trotz der Anwendung aller nur irgend angezeigten Mittel nicht wieber erheben sollte. In den ersten Stunden des L. Mai entschlief er, nachdem er die letzten Tröstungen der heiligen Religion empfangen halte, sauft in dem Herrn. Der hochwürdigste Fiirsterzbischof war der Sohn schlichter, wackerer Laudieute, der Bauern Leonhard und Kalharina Luschin, denen er am 3 December 178t auf ihrem, im Jaunthale in Kärnlhen gelegenen Bauernhöfe geboren wurde; in der Pfarrkirche zu Tainach erhielt er bei der heiligen Taufe die Namen Franz Xaver. In ländlicher Einfalt erzogen, erregte der heranreifende Knabe allmalig die Aufmerksamkeit der prüfenden Seelsorger der Umgebung, was die Elttrn bestimmte, ihn nach Klagenfurl zur Schule zu schicken, wo ihn Talent im Bereine mil Fleiß uud Bescheidenheit bald in so hohem Grade auszeichneten, daß seine Milschültr nach Beendigung der philosophischen Jahrgänge den ihnen liebgewordenen Luschin zur Fortsetzung der Studien und zum Eintritt in das dortige Seminar bittend veranlaßlen, wo er sich durch frommen Sinn, gründliches Wissen und kluges Benehmen bald hervorthat und am 26. August 1804 die priesterliche Weihe erhielt. Als zweiler Eaplan der Slablpfaire St. Egiden in Klagenfurl verwendete er sich eifrig für die Seelsorge von Mitte December 1806 bis Ende Jänner 1d03. Jede freie Stunde jedoch den tiefern Forschungen in theologischen Lehrfächern wiomend, bestand Eaplan Luschin im Jahre 1807 an der Wiener Universilät die bezüglichen Rigorosen und wurde am 16. Jänner 1808 zum k. k. Professor der morgenländischen Sprachen und des Bibelstudiums nach Gratz ernannt, womit seinen wissenschaftlichen Bestrebungen sich eine freiere Bahn eröffnete. Im Jahre 1813 erhielt Professor Luschin den Grad eines DoctorS der Theologie. Die wissenschaftlichen Forschungen hatten den gelehrten Priester keineswegs der Seelsorge ganz einzogen und er widmete mehrere Jahre hindurch so manche Zeit als Beichtvater im dortigen Fraueuklostcr, wobei er stets jene christliche Milde und Klugheit beurkundete, welche einer solchen Obsorge höhere Weihe geben. Anch hielt Professor Luschin vom Jahre 1L10 bis 1814 die akademischen ErHorten am Gratzer Lyceum und wurde vom Kollegium der Professoren für das Studienjahr 1815 zum Rcccor gewählt. Z78 In Folge so vielseitiger, erfolgreicher Verwendung wurde dem Professor Doctor Luschl'n im Mai 1818 das Direktorat der dortigen philosophischen Studien übertragen. Auch in dieser höhern Stellung entsprach Luschin den gehegten Erwartungen und als im Jahre 1819 daS Bedürfniß eines tüchtigen Referenten der Studien- und geistlichen Angelegenheiten für daö Tiroler Gubernium fühlbar geworden war, erfolgte mit Allerhöchster Entschließung vom 6. Jänner 1820 LuschiuS Ernennung zum Guber- nialrathe nach Innsbruck. — In dieser neuen, ungemein schwierigen Stellung bewährte er einen so richtigen Tact und ergiebigen Diensteifer, daß die getroffene Wahl bald auch höchsten OrteS als eine glückliche anerkannt wurde. Weiland Se. Majestät der väterlich sorgsame Kaiser Franz I. hatte die längere Erledigung des BiSthumcS Trient bereits in geeignete Erwägung gezogen; nach gnädiger Würdigung der um Kirche und Staat erworbenen Verdienste, so wie des erprobten Charakters des Gubernialrathes Luschin fand Se. Majestät sich bewogen, denselben am 12. November 1823 zum Fürstbischöfe von Trient zu ernennen; Seine Heiligkeit Papst Leo XII, sprach am 24. Mai 1824 die Bestätigung auS. Nach am 3. Oktober 1824 zu Salzburg erhaltener Consecration zog der Kirchen- fürst am 17. desselben Monates unter dem aufrichtigen Jubel der Bevölkerung in seine Residenz ein, woselbst er während der nächstfolgenden zehn Jahre die segenreichste Thätigkeit und eine solche Fülle frommen WohlthunS entwickelte, daß dem Andenken an seinen Aufenthalt dort noch jetzt die innigste Verehrung dankbar geweiht wird. Mittlerweile liatte das Königreich Galizien seinen erzbischöflichen Primas durch Versetzung verloren, auf welchen hohen Posten Se. Majestät am 10. Februar 1834 den vielerprobten Kirchenfürsten Franz Xaver Luschin zu berufen geruhle. So ungern derselbe sich von seiner bisherigen Diöcese trennte, entsprach er doch allsogleich der allerhöchsten Bestimmung, verließ Trient am 23. August 1834 und langte nach dem nöthigen Aufenthalte zu Wien am 6. November desselben Jahres in Lcmberg an; später bestimmten die Schwierigkeiten der dortigen ökonomischen Verhältnisse den an ergiebige Wohlthätigkeit gewöhnten Prälaten auf jene erhabene Stellung zn resigniren, worauf ihn der Kaiser in seiner Weisheit am 9. Jänner 1835 mit dem eben erledigten Sitze eines Fürst - Erzbischofes von Görz und Metropoliten von Jllyrien bethcilte, wozu der heilige Stuhl am 9. April desselben Jahres seine Beistimmung gab; am 22. August 1835 feierte Görz die Ankunft seines Kirchenfürsten. Die seicher verflossenen neunzehn Jahre bilden eine uuunterbrochcne Reihenfolge deS edelmiithigsten Wirkens des hochwürdigsten ErzbischofeS, welches den Reichen ein erhebendes Beispiel, den Armen den mildthätigsten Trost und Allen ein enmmterndeS Vorbild in frohen wie in bittern Tagen gewährte. Die bereits bestehenden frommen und wohlthätigen Institute der Stadt fanden in dem hohen Vorstände den werkthätigsten Gönner, während mehrere durch seine Anregung und kräftige Unterstützung inö Leben traten, alle aber unter seiner umsichtigen Leitung bestens gediehen. Im Jahre 1849 zum Cougressc der österreichischen Bischöfe nach Wien berufen, trug Fürst-Erzbischof Luschin zur Ausrechthaltung kirchlicher Ordnung redlich bei und fand im Umgange mit den versammelten hohen Vätern eine wohlthätige Erquickung für sein durch die Wirren des vorhergegangenen Jahres tief verletztes Gemüth. — Bei dieser Gelegenheit lernte auch die neue Zeit die WerthfMe des seltenen Mannes näher kennen und Se. k. k. apostolische Majestät geruhten denselben zu Ihrem geheimen Rathe zu ernennen, so wie im Jahre 1852 durch Verlei'huug des Großkreuzes des Leopoldordens den unwandelbar treu ergebenen Prälaten der Allerhöchsten Gnade zu versichern. In seiner äußern Erscheinung vereinte der hohe Kirchenfürst imponirende Würde und klare Besonnenheit mit Milde und herzgewinnender Freundlichkeit gegen Jedermann in >o hohem Grade, daß man sich unwillkürlich angezogen und erbaut fühlen mußte. Leutseligkeit und Gastsreundlichkeit waren weitere hervorragende Zierden seines Charakters. Seine Wohlthärigkeit fand nur in den ihr zu Gebote stehenden Mitteln Begrän- zung und seine letztwilligen Verfügungen bezeugen, daß er auch am Schlüsse seiner 179 Wahrhaft apostolischen Laufbahn vorzüglich der Armen und wohlthätigen Institute gedachte, ohne hierbei die treuen Dienste seiner unmittelbaren Umgebung zu übergehen. Ein mit so hohen Tugenden reichlichst ausgestatteter, thatenvoller Lebenswandel wendete ihm eine so innige und allgemeine Verehrung zu, wie sie kaum irgend Jemand zuvor in Görz genossen; das unter der Leitung des Domcapitels von der Görzer Bevölkerung ohne vorhergegangene Aufforderung am 5. l. M. prunkvoll veranstaltete, Geleite des viel Beweinten zur Ruhestätte hat hiervon den sprechendsten Beweis gegeben. Von den Görzern wird sein Andenken unvergänglich erhalten werden. (W. Z.) Zur Kirchengeschichte Bosniens. II. Aus Slavonien. Nach der Zerstreuung des katholischen Volkes und seiner Priester, von welchen ein großer Theil schon früher durch die Schärfe des Schwertes gefallen war, wurden die öden Klöster dem Erdboden gleich gemacht; dennoch kehrten die Väicr, um wenigstens die drei Klöster SutinSka, Foinica und Krcshevo zu erneuern, wieder zurück; aber alsbald vertilgte die kannibalische Wuth der Feinde abermals die nur im Wesentlichsten hergestellten ärmlichen Bauten; sie blieben fast dreißig Jahre im Schütte, bis sie dann wieder hergestellt wurden und bis auf den heutigen Tag den Arbeitern im Weinberge des Herrn zum Aufenthalte dienen. In diesen heiligen aber ärmlichen Mauern widmen sich die Franciscaner-Väter der Jugendbildung, nehmen Knaben von zehn bis dreizehn Jahren auf, leiten ihre Erziehung bis zum Priesterthum und übe» die Scelsorge über eine Anzahl von 120—130,000 katholische Christen in Bosnien (früher auch in Erzegowina über 37,000). Die Klosterzucht wirv strenge gehandhabt und man kann behaupten, daß eine ähnliche Disciplin vielleicht in wenigen der übrigen Klöster anzutreffen ist. Im Kloster zu SutinSka besteht seit undenklichen Zeiten der Gebrauch der Glocke; und trotz aller Bestrebungen und gehässigen Bemühungen der Türken zur Beseitigung derselben blieb ihre Absicht ohne Erfolg, Obbenannte drei Klöster haben jedoch kaum die Form oder Aehnlichkeit der Klöster in andern Provinzen; sie sind niedrig, enge, finster, daS Baumctterialc mehr hölzern als aus Stein, mehr Höhlen als Klöstern ähnlich; weil es aber in ganz Bosnien wenig bessere Gebäude gibt, so haben sie im Verhältnisse zu diesen daS Ansehen von Palästen. SutinSka allein hatte das große Glück, durch einen Fcrman von 1847 ein neues Gebäude von vier Zimmern dem bestehenden Kloster angebaut zu scheu. So bilden diese drei Klöster und noch sechs Residenzen, welche sämmtlich zugleich Pfarrhäuser sind, den ganzen Bestand der bosnisch-argentinischen Provinz, welche schon Papst Eugen IV. „murum inexpuAngbilem pro äomo vei" nannte; Pray aber, ein ungarischer Hisioriograph, in 8psc. nier. Ilnng. psrt. 2. pag. 237 von ihr sagt: „Ouoium (I'rimeiseanorum) merita in eam re^ionem nemo umczusm sstis vraedicaverit, cum servawm istln'0 religionein catuolieam sore unis clenea- mus." Cardinal Sacripantiö aber clcl. 12. Sept. 1712 sagt: ,,^tt«-nt!s bonis reis- t,ioniliu8 »6 nanv saersm Longieggtionem (cke vrop»g. licls) a O. Lsräinalo I>iäx?a, nuntio »postolico Viennse, cle liinorivus ZÜinorum Kosnensiurn ins» s. Longre- gstio reinanet seciilicaw in islis bonis Keli^iosis." Uebergehend viele andere Zeugnisse aus lang entschwundenen Jahren wollen wir noch anführen den berühmten Cardinal Mai, der im Bewußtseyn des edlen Strebens dieser Väter sich ausdrückte: „lollere provincism o Kosn» est tollere Lnristuin." Wir wollen auch nicht weitläufig seyn in den Lobreden für die unermüdete Thätigkeit, edle Aufopferung und den Feuereifer der bosnischen Väter; wer sich hiervon überzeugende Gewißheit und klare Begriffe verschaffen wollte und nach Bosnien käme, der müßte sich wundern, was eine klare Schaar religiöser Männer vermag; staunen müßte er über den himmlischen Segen, womit die Arbeiten dieser katholischen Pflanzer begleitet sind, da sie unauf- «) Salzb. Kbl. !30 hörlick den türkischen Plackereien ausgesetzt, dennoch den heiligen Glauben nicht nur durch vierhundert Jahre aufrecht erhielten, sondern auch für Vermehrung der katholischen Seelenzahl ihre Kräfte mit Glück verwendeten. Die drei öfters erwähnten Klöster, obwohl eine einzige Provinz bildend, machen einzeln genommen jedes für sich gleichsam eine Custodie; jedes hat eine bestimmte Anzahl von Pfarreien, von welchen sie ein kleines Einkommen beziehen, um auch die dem geistlichen Stande sich widmende Jugend erziehen zu können. Jedes einzelne Kloster hat Schulen für Knaben (semin3rig s>uerc>rum), ein Noviziat und ein Klerikal. In diesen Schulen lehrt man die Anfangsgründe der wisscnschafilichen Bildung, Religion, lateinische, jetzt aber auch italienische und türkische Sprache, welche letztere den Bosniern großen Vortheil gewähren. ES sind erst zehn Jahre verflossen, daß man auch philosophische und theologische Vorlesungen in den Klöstern hielt, und die Jugend zum Priciterstande vorbereitete; gegenwärtig wird die heranzubildende Jugend nach Diakovcir befördert. Aus den Klöstern werden ferner die Priester auf die Pfarreien, deren Foinica 26, Sutinska 19, Kresevo 4 zählt, ausgesendet, unv zwar durch den Pater Provincial mit seinem Dcfinitorium, unter Bestätigung des apostolischen Pro- vicarS. Somit besteht in der Provinz eine doppelte geistliche Gerichtsbarkeit, nämlich die deö Provincials, der über den gesammten Personal-Status, und die des apostolisch n VicarS, welcher durch das ju8 cumulativum mit dem Provincial-Minister uud dem Denuitorinm, so wie hierüber verschiedeue Bestimmungen der s, eonßrsggticm cle pro,?, licle lauten, die Psarr-Missionäre leitet. Gegenwärtig besteht kein Bischof, folglich üben die geistliche Jurisdiktion der Provincial-M-nister und ein vom apostolischen Stuhle bestätigter Provicar. Regiert werden die Klöster nach den Statuten des gesannnien Ordens; jedem derselben st.ht ein Qucndian vor, der zugleich Ortspfarrer und daS Antt des apostolischen SyndicnS verwaltet; ihm zur Seite steht ein ConvenlS» vicar, der die Oeconomie und die Bearbeitung der zum Kloster gehörigen Gründe beaufsichtigt und leitet; ferner ein Novizmeister, zugleich prokos5or Iiumgniorum; mestsr chevmji (Kinderlehrer), zugleich Grammaiical- und Normal-Lehrer; zwei Sonn- und Festtags - Prediger, welche Christenlehren halten uud zugleich Psarr-Capläne sind. Alle Priester sind Officianten. Wegen Mangel der Orgel bestehr ein Lorista (Chor- regcnt), der den Gregorianischen Chorgesang leitet und in demselben die Novizen unlerricbter. Außerdem gibt es einige Jubilirte, oft 18—20 an der Zahl, die wegen AlierS zum Psarrdieuste nicht mehr tauglich sind. Der Provincial mit seinem Sccre- tär, auch der Bischof wohnen in den Klöstern; letzterer hat die Wahl, im Kloster, wo er für den O den erzogen, oder zum Bischof gewählt wurde, zu residiren. Alle drei Jahre ist neue Provincial-Wahl, und hiedurch wird auch der Aufenthalt desselben alle drei Jahre gewechselt; denn es ist keinem erlaubt, aus seinem Aufeuthallskloster in ein anderes sich versetzen zu lassen, folglich ist durch neun Jahre an jedem Kloster die Reihe deS Provincial^AnfeuthalteS; und diese Ordnung durfte bis auf den heutigen Tag wegen der Gleichberechtigung keine Störung erleiden, ausgenommen, wenn ein in der Reihe stehendes Kloster keinen hinreichend fähigen Mann hätte, wo eS dann erlaubt ist, ans der Familie der zwei andern Klöster zu wählen. Dieselbe Ordnung besteht auch bei der Definitoren-Wahl; und so ist eS herkömmlich, daß in jedem Kloster zwn Individuen aus dem gesammten Provinzvorstande residiren; z. B. Provincial und Definüor, CnstoS und ein Desinitor, zwei Definitoren (zusammen daS corpv8 clelmitivum), sämmtlich untergeordnet dem General-Minister zu Rom. Jedes Kloster ernährt uud erzieht zehn bis achtzehn Knaben (v^eeg), welche für den Orden sich widmen wollen; Novizen, nach übcrstanvenem Prüfungöjahre, waren früher acht bis zehn; seit Uebcrsetzung derselben nach Diakovar in Slavonien hat sich die Zahl gemindert. Alle von zehn bis dreizehn Jahren Aufgenommenen müssen binnen drei bis vier Jahren in Allem, was die Bildung für den Orden erheischt, von den ersten Anfangs- gründcn bis zur Philosophie durch hie'zu bestimmte Priester unterrichtet werden. (Fortsetzung folgt.) 181 Darmstädter Phantasien und der Gegen über HauSthtere. Die „Allgemeine Kirchenzn'tung" ist über den Erzbischof in Freiburg völlig trostlos, und verwickelt sich nach Art einer ungeschickten Tänzerin in das faltenreiche Kleid ihrer Widersprüche. Für den Zionswächter Schenkel ist eine höchst anstrengende Zeit hereingebrochen —„er kann die Blechtrompete gar nicht mehr aus der Hand legen — und macht einen wahren Höllenlärm. Gleich im ersten Blatte deö dritten HefleS 1854 ruft er auS: „Wer weiß, ob nicht auf der Engelsburz schon an dem Büßerhemde für den reuigen badischen Sünder genäht wird!--Fürwahr, Schenkel thäte besser, sich zu erkundigen, wo die Schlafhauben für die Leser der „Darmst. Allgemeinen" genäht werden, und jedem Abonnenten gleich eine solche sammt dem Blatt zu verabfolgen; denn das Poltern gegen Rom ist bereits so monoton geworden, daß man sich in Anhörung desselben des Einschlafens nicht leicht erwehren kann. — Im selben Blatte wird sehr naiv berichtet: „Wie ausgedehnt die konfessionelle Spaltung in vielen Landestheilen ist, zeigt ein Beispiel auS der Provinz Pommern: ein Dorf Rothen- burg, das ohne Schule und Kirche nur dreizehn Häuser hat, gehört zu vier verschiedenen Confessionen: Katholiken, Altlutheraner, nicht unirte Reformirte, und unirte Lutheraner." Eigenthümlich: die Reformation beklagt ihren eigenen Segen, den sie sonst so rühmt! Haben denn die Leute kein Recht, sich GotteS Wort in aller Freiheit auszulegen? Wer kann es ihnen denn wehren? — Und wer hat denn die Spaltung begonnen und fortgesetzt? In der Nr. 37 wird der Grund von Irlands Elend auf wahrhaft geniale, bisher unerhörte Weise enthüllt; da heißt eS: „Irland mag seine politischen Beschwerden und socialen Leiden haben, hier helse Regierung und Menschenfreund! Der Christ betrachtet die Bevölkerung von einem andern Gesichtspunkte aus, er erkennt als Irlands großen Mangel das Nichtvorhan- denseyn des Evangeliums. Irlands Verderben ist das päpstliche Regiment, das päpstliche Wesen hat deS irischen Volkes geistige Kraft gelähmt, und sein Gewissen von der rechten Bahn mißleitet; das Papstthum hält eg in Fesseln, die so fest geschmiedet sind, daß nichts geringeres als Allmacht sie brechen kann.--- Eigenthümlich — die gescheiten Prolestanten Englands: Historiker und Staatsmänner, finden den Grund deS irländischen Uebels in ganz andern Dingen, als die erleuchteten Theologen zu Darmstadt, die freilich weder Historiker noch Staatsmänner sind. Der protestantische Engländer Cobbet sagt, daß zur katholischen Zeit in England und Irland die Leute in Gefängnissen eine bessere Nahrnng hatten, als jetzt taufende von Freien in der protestantischen Zeit!! Aber was geht das Alles die Darmstädter und Heidelberger an? Wozu brauchen die etwas zu lesen, zu studiren? — Die bringen ihre Ansicht?» fertig mit — und Kssta! Selbstgenügsamkeit ist die lange Stange, an der sich der Hopfen der Blödigkeit hoch hinaufrankt, und mit der ... . kämpfen die Götter selbst vergebens, sagt das alte Sprichwort. — Der Berichterstalter gibt sich der freudigen Gewißheit hin — Irland werde evangelisirt, d. h. anglisirt werden;, — das wird auch in Kurzem freilich ohne Missionäre geschehen, wenn die armen katholischen Jrländer tausend und tausend Weise, um dem Druck der Noth zu entrinnen, nach Amerika auswandern. — Unter dem Titel: Römische Kuriositäten" wird ein langer Leitartikel über ein bedrucktes Papier, welches „die gewisse und wahrhafte Länge unseres Herrn Jesu Christi" darstellt — gebracht; für alles, was auf diesem Papier gedruckt ist — soll die katholische Kirche die Verantwortung tragen!! Wir Katholiken wissen gut, was an derlei Speculationen von Winkelpressen daran ist, ja wir könnten den Herren zu Heidelberg auch papierene Schuhlängen vom Fuße der seligen Jungfrau — wie solche bedruckt von Hausirern auf dem Lande verkauft werden — einsenden, um dem Allgemeinen Darmst. Organ Stoff zu einem großen Leitartikel zu geben. Es ist schon der Fall vorgekommen, daß selbst protestantische Drucker derlei Machwerke um des Gewinnes wegen angefertigt haben; jedenfalls aber zeigt es eine große Schwäche in der Polemik, wie auch eine bedeutende Armuth am Principienstoff, wenn man die Ausfälle gegen die Kirche nun schon mit Waffen 182 dieser Art sich zu machen gedrungen und gezwungen fühlt. — AuS Rom wird der „Darmstädterin" eine Menge Haarsträubendes berichtet — von Reliquienverehrung — vom Glauben an wunderbare Heilungen durch Reliquien u. s. w. ; unter anderm heißr eS: „Noch allerlei Empörendes könnte ich hinzufügen. So das förmliche Einsegnen am Hochaltar, unter Glockengeläute und Kirchengesang, von Lämmern, deren Wolle zu den Pallien des Papstes und der Kardinäle (!!) verwendet wird, die Einweihung, d. h. Besprengnng mit heiligem Weihwasser, von Pferden, Maulthieren und Eseln."---Meine Herren, ehe Sie so ungeheuer lärmen, lassen Sie sich doch etwas sagen: Der Schreiber dieses hat einmal bei sehr christlichen Protestanten gegessen, unv eS wurde ein Speisesegen oder Tischgebet gesprochen: „daß Gott die Speisen denen, die sie genießen, zu ihrem Wohle angedeihen lassen möge." Ueber Tisch kam darnach die Rede über verschiedene katholische Gebräuche; und eS wurde auch der sogenannte Leonharvisegen erwähnt — bei welchem besonders im vorigen Jahrhunderte auch in manchen Gegenden Deutschlands die Hausthiere der Bauersleute, wie Pferde, Rinder und auch Esel auf freien Plätzen vor Kirchen 5) in derselben Intention wie die Speisen vor Tisch gesegnet wurden, in der Intention nämlich: daß Gott dem Besitzer dieser Thiere, an deren Erhaltung seine zeitliche Existenz hängt — daran keinen Schaden zukommen lasse — und ihn an diesen seinen HauSthieren vor UnglückSsällen, die doch ihn so schwer betreffen, behüten möge. — Ein junger Mann, der bei Tische saß, meinte nun, diese Gelegenheit zu Witzen nicht vorübergehen lassen zu dürfen, und wollte geistreich seyn, indem er seine Verwunderung über den „Pferde- und Eselsegen" auSsprach. Ich erwiverte ihm: daß er nach seiner Anschauung das Tischgebet, welches der Hausherr gesprochen hat, und das als ein schöner Ueberrest von alter Sitte noch in vielen Familien üblich ist — für einen noch größeren Unsinn halten müsse — indem da mit dem heiligen Gebet über todte Rinder, Esel (bei ächter Salami), ja sogar über todte Wildschweine, über Ferkel, gesottene Krebse und Schnecken gebetet werde, und biemit dem angehenden Genie Gelegenheit geboten sey — bei jeder Speise auf einen neuen Witz zu sinnen.--Weun man eö aber für keinen Unsinn hält, die Speisen zu segnen: waS so viel sagen will, als Gott zu bitten: daß uns der Genuß derselben zu unserm Wohle gereiche — so darf man in diesen Gebetkreis wohl auch die lebenden Hansthiere hereinziehen, indem man bittet: Gott möge diese Thiere den Besitzern derselben zum Nutzen gereichen und ihnen ans denselben keinen Schaden in ihrem Hauswesen zuwachsen lassen. — Gebet nnd Segen geht also immer auf den Menschen zurück und ist keine Weihe oder Hn'ignng der geistlosen Kreatnr, keine Weihe deS PserdeS, des Esels u. s. w., wag einem auch nur oberflächlichen Beobachter schon aus dem Umstand einleuchten dürfte, daß bei jener Ceremonie gerade die Pferve und Esel sich am ungebärdigsten zeigen — und den Zuschauern hiedurch sogleich praktisch der PsalmenverS eregesirt wird: nolite liori 51'out eczuus et mulus, czuibus von e8t intellevtu5. Zu deutsch: Werdet nicht wie Roß und Maulesel, die keine Bernunfc haben. (3l. Ps, 9. VerS.) Somit hätten wir für die Darmstädter, ächt biblisch geschlossen. (W. K. Z.) *) So war eS noch im vergangenen Jahrhundert der Fall vor der zu Petersdorf bei Wien auf einem Hügel gelegenen Lconhardikirche, welche in den achtziger Jahren von einer eigenen Commission verkauft wurde mit dem Beding: daß der Käufer sie demoliren muffe, und somit nur da« hiedurch gewonnene Baumateriale sein gehöre. Lange wollte sich Niemand zum Kauf herbeilassen — bis endlich ein illuminatischer Kopf nicht ohne Witze die große Capelle erstand. Bei der Abtragung der Kirche, die er selbst leitete, wurde er von einer einstürzenden Mauer erschlagen. 183 Zur Mission in Xirsch-nr-uth. Der Büßer Dank für die Mission, abgehalten in der Stadt Tirschenreuth im Monate Mai t854, MssIonsrIIs, eX soLletste lesV probstls, In VInes LKrlstl sVvsntlbVs, slt ^orls stizVo ssI^Vs! Vom Weg' des Heiles fast schon abgekommen, Irrten im Sünden-Taumel wir umher. Wir sah'» kein Licht der heil'gcn Engel mehr, Und jede Hoffnung war uns wie genommen. Noch einen Fehltritt, und wir stch'n beklommen Am Abgrund'. Von der Hölle wildem Heer' Wird jede schwache Seele fortgenommen. Unmöglich ist zn Gott dann Wiederkehr. So seufzten wir, und scih'n auf einmal wallen Drei edle Priester, die uns luden ein, Mit ihnen im herzinnigen Verein', Zu nahen uns des heil'gen Gottes Hallen. Und dieses Priester-Wort hat uns gefallen. Es flößte neue Kraft und Muth uns ein. Wir fanden hocherfreut bei muth'gem Wallen Den Weg. Uns fiel kein Smrz, kein Abgrund ein. Dank Ihm, der uns mit gottgeweihtem Munde Der Rede Meister (wie Sanct Paul) gelehrt: Daß, wer da führt des Glaubens heil'geS Schwert Mit seinem Heiland' bleibt im ew'gen Bunde, Und daß ein solcher Held scheut keine Wunde, Kein Feuer (das nur Irdisches verzehrt), Und muthig ausharrt bis zur SiegeSstunde, Des Namens eines Glaubens - Helden werth. Auch sey dem Priester Dank, der HoffnuugS - Strahlen Süß tröstend auf des Sünders Pfad gesenkt, Verweisend ihn an Gott, der Alles lenkt, Und der am reu'gen Büßer hat Gefallen. Er säumte nicht, die Heilige zu malen, Der liebreich Christus Gnade hat geschenkt, Weil sie, die in der Jugend tief gefallen, Voll Reue an den güt'gen Heiland denkt. Dank endlich Ihm, der ird'schein Glanz' entsagte. Der statt der Fürsten-Krön' die Dornen-Krön' Sich auf das Priester-Haupt gedrückt; den Hohn Des Frevlers gern ertrug und nie beklagte: Der, seine Kirche liebend, nie verzagte Im heißen Kamps' für sie, für Gottes Sohn, Und der begeistert uns im Tempel sagte: .Gott lieb", und Gottes Liebe ist Dein Lohn!" 184 Ja, Hoffnung, Glaube, Liebe bleiben immer, Doch die drei edlen Priester ziehen fort. Es bleibt uns nur Ihr segenrcicheS Wort Und Ihrer reinen Seelen heil'ger Schimmer. Sehn' wir uns auch im ird'schen Leben nimmer, So öffnet sich uns einst der Sel'gen Pfort': Denn wenn die ganze Welt zerfällt in Trümmer, Thront doch die ew'ge Vater-Liebe dort. Die Sünder «Glocke zur Zeit der Mission. Wenn die Glock' am Abend Mahnet zum Gebet', Sie, den Tag begrabend, Plötzlich stille steht. Tag wird'S, wenn ausbreitet Sich der Sünden-Brand Dann wird eingeleitet, Was die Lieb' erfand. Dann soll bis zum Morgen Ruhen sie bei Nacht, Denn uns drücken Sorgen, Wenn sie Nachts erwacht. Mit metall'nem Munde Ruft die Glock': „Kehrt um, „Eilt in früher Stunde „In das Heiligthum. Wen» mit dumpfem Schlage Kündet sie den Brand, Wird die Nacht zum Tage, Angst nimmt überHand. Nachts hör' ich jetzt läuten Erst nach dem Gebet', Jrd'sches doch bei weitem Nicht in Flammen steht. „Meine ernsten Töne „Sind ein Sturm-Geläut' „Für verirrte Söhne, „Fern' vom Ziel' gar weit. „Doch ich tön' auch Ruhe, „Kommt in Jesu Haus „Ihr, und zieh't die Schuhe „Der Verstockten aus. Sehet! Sünden-Flammen Schlagen wild herum, Christen nur nach Namen Flieh'n das Heiligthum. Ach! sie sind verblendet; Fern' von Gottes Wort. Von Ihm abgewendet, Riß die Sünd' sie fort. „Euch in Todes - Stunden „Hat gesucht der Herr, „Und Euch auch gefunden, „Ihm sey Dank und Ehr'. „Er ließ Euch gesunden, „Hemmt' der Laster Lauf, „Drum reißt die fünf Wunden „Ihm nicht wieder auf. Ach! in ihrem Herzen „Fünfmal „Vater!" flehet, Wird cS furchtbar Nacht. „Frau, gebenedeit! Doch für sie voll Schmerzen „Deren Sohn erhöhet, JesuS Christus wacht. „Sey in Ewigkeit!" Tirschenreuth am L3. Mai 1854. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.