Pi-rzchnt-r L»h.,«»«. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 18. Juni M^- 2S. 1854. Dieses Blatt erscheiut regelmäßig alle Tosutage. Der halbjährige Abon«ement«prei« TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Poüämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kann. Breve über die Seligsprechung der ehrwürdigen Germana Coufin von Pibrac. PiuS IX. zc. Der Urheber und Regieier aller Dinge, der ewige Gott, haßt nichts mehr, als den thörichten Hochmuth des menschlichen Sinnes; darum verwirft und züchtiget er Diejenigen, welche auf eigene Kraft vertrauen und von Eigendünkel aufgebläht find; die Demüthigen aber und die Verachteten stärkt er mit übernatürlichem Beistande und treibt sie an, all das Schwere zu vollbringen. Er hat nicht nur vor alter Zeit die Hand des Knaben gefüyrt, um den Uebermuth des riesigen Philisters zu brechen, er hat nicht bloß oie schwache Rechte jenes Weibes bewaffnet, den HoloferneS zu todten, sondern auch durch alle folgende Zeitalter hat Gott die Schwachen erwählt, um die Starken zu beschämen. Dieses sehen wir auch im sechzehnten Jahrhundert der Kirche geschehen, in welchem Jahrhunderte von einer gewissen eileln und frechen, gottentfremdeten Weisheit aufgeblasene Menschen durch den Hochmuth den Geist abzogen von der demüthigen Unterwürfigkeit unter den Glauben, und die furchtbarsten Irrthümer zum Verderben der Seelen vorbrachten: da war eS, wo ein demüthigeS und einfältiges, an einem wenig bekannten Orte geborenes Mädchen, eine Verehrerin der wahren und unverfälschten Religion, mit dem Geist der Weisheit und der Erkenntniß von Oben erfüllt, durch die Uebung der vorzüglichsten Tugenden weit über sein Alter und seine Verhältnisse hinaus so sehr leuchtete, daß eS nicht nur Frankreich, wo eS geboren worden, sondern die ganze Kirche als ein neues Gestirn überstrahlte. Dieselbe war zu Pibrac in der Diöcese Toulouse von armen Eltern geboren im Jahre 1579, und erhielt in der Taufe den Namen Germana. Schon von Kindheit an mit Leiden heimgesucht, betrat sie den dornenvollen Tugendweg mit bereitwilligem Herzen. Der Mutier beraubt, hatte sie den Zorn der Stiefmutter zu ertragen, und nachdem sie auf deren Antrieb auS dem väterlichen Hause gejagt worden, weil sie an einem HalSgeschwulste litt, hütete sie die Schafe. Und diese Lebensweise benützte daö ehrwürdige Mädchen zu wundersamen Fortschritten in der Heiligkeit; denn auf dem einsamen Felde und im stillen Walde leichter von den menschlichen Eitelkeiten sich lossagend, heftete sie ihr Gemüth fester auf Gott. Von seiner Liebe glühend, ließ sie im Gebetseifcr niemals nach, sie mochte die Schase auf die Weide führen, oder, weiblichen Arbeiten obliegend, spinnen. Weder die Länge noch die Beschwerlichkeit des WegeS konnte sie jemals abhalten, die Pflichten der Religion pünctlich zu erfüllen; ja um dem Gottesdienste beizuwohnen, ließ sie, der göttlichen Vorsehung vertrauend, die Heerde im Walde zurück, und besuchte täglich die Kirche, sie mochte noch so weit entfernt seyn; häufig reinigte sie sich auch durch das heilige Bußsacrament und stärkte sich durch die heilige Communion. Die Gottesmutter verehrte sie, wie ein Kind die 294 Mutter, und weihte sich eifrig ihrem Dienst. Von der Liebe zu Gott ganz durchglüht, liebte sie auch die Mitmenschen von Herzen, und war, so weit es in ihren Verhältnissen möglich war, bemüht, in allen Dingen ihnen nützlich zn seyn, sowohl im Geistigen als im Leiblichen. Darum pflegte sie die Knaben in den Wahrheiten des Glaubens zu unterweisen und zur Frömmigkeit anzuleiten, und stillte den Hunger der Armen mit dem sich selbst entzogenen Brode, ihrer einzigen Nahrung. Sie war ein herrliches und seltenes Muster der Sanstmuth, Geduld und Standhaftigkeit. Obgleich sie bei der Schafhut von Kälte und Hitze zu leiven hatte, mit dem Uebel deS HalS- geschwulstes schon von Kindheit an geplagt war, und, so oft sie in das väterliche HauS kam, von der Stiefmutter äußerst hart und lieblos behandelt wurde und in einem dunkeln Winkel deS HanseS auf hartem Stroh schlafen mußte, so wurde sie doch niemals von so vielen Mühseligkeiten und Beschwerden überwunden, zeigte vielmehr eine beständige Heiterkeit, denn sie freute sich, zu leisten und verachtet zu werden, um dem Bilde deS Sohnes GotleS gleichförmig zu werden. Nachdem daS unschuldige Mädchen auf dem betretenen Wege der christlichen Vollkommenheit freudig und standhaft fortgeschritten, wurde sie endlich zum Lohne ihrer Verdienste berufen, und vertauschte dieses sterbliche, leivenvolle Leben mit dem ewigen, seligen (22 Jahre alt). Ein so großer Glanz der Tugenden mußte Allen in die Auge» leuchten, und verschaffte ihr den Ruf der Heiligkeit, welcher auch »ach ihrem Tode nicht erlosch, sondern sich weit umher verbreitete, und besonders auch dadurch vermehrt wurde, daß, nachdem sie bereits vierzig Jahre verstorben war, die sterblichen Ueberreste der Jungfrau noch ganz unversehrt und mit frischen Blumen bestreut gefnnven wurden. Zu diesem Anzeichen kamen noch viele andere Wunder, welche am Grabe der Dienerin GotteS durch göttliche Macht gewirkt worden, durch deren Ruf die erzbischöfliche Curie zn Toulouse sich angetrieben fühlte, sowohl ihre Wuuderthalen als die noch unbestattet und unversehrt vorhandenen Ueberreste zn untersuchen und zu constatiren, daß sie der ehrwürdigen Germana angehörten, durch Beizichung zweier Zeugen, welche dieselbe während ihres Lebens gekannt hatten. Solche ausgezeichnete und durch göttliches Zeugniß bestätigte Tugend erkannten die Bischöse von Toulouse für würdig, daß sie vermöge der Entscheidung des apostolischen Stuhles die Ehren der Himmelsbürger erlangte. Allein eS kamen nun jene für die allgemeine Kirche und für Frankreich insbesondere so schweren und traurigen Zeiten, uud diese verhinderten, daß die betreffende» Verhandlungen eingeleitet wurden. Und anbetungswürdig sind die göttlichen Rathschlüsse, welche diese Sache unseren Tagen vorbehielten, auf daß sie durch das vorgehaltene Beispiel dieses auf dem Wege der Unschuld und Demuth zur Glorie und Ehre der Seligen erhobenen Mädchens angeeifert würden, und der in so vielen Herzen sast erloschene Glaube wieder belebt uud die Sitten durch die christliche Zucht gebessert würden. — Endlich, 242 Jahre nach dem Tode der ehrwürdigen Dienerin Gottes, schien die Zeit gekommen, die gesetzlichen Untersuchungen anzustellen über ihre Tugend und die durch ihre Fürbitte geschehenen Wunder, um sie unter die Zahl der Seligen setzen zu Können. Und Gott, der die Demüthigen erhöhet, löste alle Schwierigkeiten; denn eS läßt sich das besondere Walten der Vorsehung dabei nicht verkennen, daß die Ueberlieferung der Thaten und Zeichen der ehrwürdigen Germana so vollständig aus uns gekommen ist. Und zwar ist erstens Das wundersam, daß die Familien, welche zu Lebzeiten GermanaS in Pibrac bestanden, noch jetzt dort bestehen uud wohnen, und in denselben das Menscheualter stch so verlängerte, daß das Andenken an jene Begebenheiten durch drei oder vier Zeugen aus diese unsere Zeiten gebracht worden ist. — Die Tugenden dieser uuschuld- vollen Jungfrau aber und die ununterbrochene Reihe der Zeichen ist mit solcher Glaubhaftigkeit und Unverfälschtheit von den Großellern und Eltern auf die Kinder, Enkel und Nachkommen überliefert worden, daß sich während eines so langen Zeitraumes eine wnndcrsame Unbefangenheit in den Aussagen Aller, eine wundersame Einfalt, eine bewunderungswürdige Uebereinstimmung Äller findet; und daS sind die sichersten Zeichen und Beweise der Wahrheit. 195 Darum nachdem in der Congregaiion der ehrwürdigen zc, Cardinäle, welche mit der Sorge für die heiligen Riten betraut sind, über die Tugenden der ehrwürdigen Germana die genauesten Untersuchungen gepflogen worden waren, haben Wir, nach innigstem Gebete zn Gott, durch Decret vom 36. Mai 1850 die Richtigkeit ihrer Tugenden im heroischen Grade publicirt. Hierauf wurden die Prüfungen der vier Wunder, welche Gott auf ihre Fürbitte gewirkt haben sollte, in derselben Congregation begonnen, und da diese Wunder nach der strengsten Prüfung sowohl durch die Bitten der Consultoren als durch die Entscheidungen der Cardinale bestätigt worden, so haben Wir, nach vorheriger Anrufung des Vaters deS LichteS um Hilfe und Beistand, am 5. Mai v. IS. daS Decret über die Aechtheit eben dieser Wunder erlassen. Wir haben, waS allein noch übrig war, am 31. Mai dieselbe Congregation der Cardinälc bei uns, wie üblich, versammelt, und sie hat auf die vorgetragenen Bitten der Consultoren einstimmig erklärt, eS könnten mit Sicherheit, wenn es Uns gutdüuke, der ehrwürdigen Dienerin Gottes die Ehren der Seligen mit allen Judnltcn zugesprochen werden, bis zu ihrer feierlichen Kauom'sation, Wir also, bewozeu durch die Bitten aller Bischöfe Frankreichs und der gesammten Welt- und Ordensgeistlichkeit, ertheilen nach dem Beirathe der Bäter der Congregation der Riten anS unserer apostolischen Autorität durch diese gegenwärtige Urkunde die Vollmacht, daß die ehrwürdige Dienerin GotteS, Germana Cousin, mit dem Namen der „Seligen" genannt und ihr Leib oder ihre Reliquien zur öffentlichen Verehrung ausgestellt (aber nicht bei öffentlichen Processionen mitgetragen) werden. Uebcrdieß gestatten wir, daß jährlich von ihr daS Of- ficium und die Messe cl«z Lnmmunk; Virgmum mit besonderer von unS gutgeheißener Oralion uach den Rubriken des römischen Breviers und Meßbuches gebetet werde. Dieß gestatten Wir jedoch nur für Pibrac und die Diocese Toulouse auf den 15. Juni für alle Gläubige, welche die kauonischen Tagzciten zn beten verpflichtet sind, und betreffs der Messe auch für alle Priester, welche zu den Kirchen, in denen eben das Fest gefeiert wird, kommen. Endlich erlauben Wir, daß innerhalb eines JahreS, von gegenwärtigem Erlaß an gerechnet, die erste Feier der Seligsprechung der genannten Dienerin GotieS in den Kirchen der Diöcese Toulouse eum oslicio et Älisss äu^Iiois nmjoris ritu gefeiert werde; und zwar soll dieses an einem von den Ordinarien zu bestimmenden Tage und nachdem diese Feier in der Kirche des Vaticcm vollendet seyn wird, geschehen ic. Gegeben zu Rom bei St. Peter unter dem Fischerringe am 1. Juli 1853. Unseres PontificatS im achten Jahre. Cardinal Luigi Lambruschini, der berühmte Staats-Secretär des großen Gregor XVI., Bischof von Porto, Santa Rufina und Civita Vecchia, Subdecau des heiligen ColleginmS, Secretär für die päpstlichen Breven, Groß-Prior deS Maltheser-Ordens zu Rom, Großkanzler der päpstlichen Ritterorden, Präsecr der heiligen Congregation der Riten, der daS Licht der Welt zu Genua am 16. Mai 1776 erblickte, ist am 12. Mai Morgens sieben Uhr einem Schlaganfalle erlegen, hat also das hohe Alter von achtuudsiebzig Jahren weniger vier Tagen erreicht. Seit mehreren Monaten, schreibt das UniverS, gab sein Gesundheitszustand zu lebhasten Besorgnissen Anlaß und schon lauge gestattete ihm seine Gebrechlichkeit fast nicht mehr, sich seinen Geschäften zu widmen. Man hatte gehofft, daß eine Reise nach Porto, dem suburblkarischen BiSthum, mit dem er bekleidet war, ihm Erleichterung verschaffen würde. Im Gegentheil, gerade da wollte die Vorsehung ihm die letzte Heimsuchuug bereiten. Die Anzeichen deS drohenden Schlaganfall6 überraschten ihn daselbst, er mußte am 10. nach Rom zurückgebracht werden, um hier am 12. um sieben Uhr Morgens im Palast der Consulta beim Quirinal sein unsterbliches Theil Gott zurückzugeben. Es ist eine eigene Fügung, daß sein Tod mit der Seligsprechung der Gmnaine Cousin, des französischen Hirten- 196 mädchenS, zusammentraf. Als Präfect der Congregaiion der Riten und Berichterstatter hegte er das lebhafteste Interesse für diese Angelegenheit und drückte tausendmal die Freude nnS, die ihm das Fest der Seligsprechung bereiten werde. Gott wollte ihn auf der Erde belassen, bis zu dem Tage, wo sein Verlangen in Erfüllung ging und hat ihn dann in den Himmel aufgenommen, um sich des Triumphes und der Herrlichkeit der Seligen zu erfreuen. LambruSchini trat frühzeitig in den Barnabitenorden; seine strenge Einhaltung der Ordensregel und seine Gelehrsamkeit steht in den Häusern von Rom und Macerata in bestem Andenken; er bekleidete bald mehrere hohe Aemter in dem Orden und nahm später in der Eigenschaft als Secretär der Congregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten am Abschlüsse der Concordate mit Bayern und Neapel wesentlichen Antheil. Das Vertrauen des PapsteS wie deS Königs von Sardinien erhob ihn im Jahre 1319 auf den crzbischöflichen Stuhl von Genua, auf welchem er mit seltener Weisheit, die aus seinen Hirtenbriefen und aus der berühmten Trauerrede auf Victor Emanuel leuchtet, und mit gleichem Hirteneifer, von djm er namentlich bei einem Scesturm um Weihnachten 1822 im Hafen von Genua eine glänzende Probe ablegte, die Diöcese regierte. 1827 wurde der Erzbischof zum Nuntius am französischen Hofe in Nachfolge des N> Macchi befördert; in der Kraft der Jahre stehend und mit außerordentlichen GeisteSgaben das vortheilhaftestc Aenßere vereinigend, war der kirchliche Diplomat besonders geeignet für die Schwierigkeiten seiner Stellung, in welcher er von der Julirevolution überrascht wurde. Von Gregor XVI. alsbald nach dessen Erhebung mit dem Purpur bedacht — den 31. September 1831 — ward LambruSchini von dem scharfblickenden Kirchenregenten als der geeignetste Mann für das wichtige Amt des StaatSsecretärS auSer- sehcn und im Jahr 1836 damit betraut. Von da an beginnt nun die eigentliche Wirksamkeit des CardinalS, in welcher er das Loos aller größern Staatsmänner theure: von den Einen nämlich in den Himmel erhoben, von den Andern desto leidenschaftlicher in den Koth getreten zu werden. Aber Lob und Tadel müssen sich in dem Urtheile vereinigen, daß sie es mit einer über die Alltäglichkeit sich erhebenden Größe zu thun haben; und bei allem Hasse gegen die Politik der Stabilität, welcher der Staatsmann huldigte, können die Gegner dem Charakter ob seiner ungeheuchelten Tugend und Frömmigkeit den Zoll der Bewunderung nicht versagen. Er selbst beschränkte sich in seinen alten Tagen darauf, den Ruhm für sich iu Anspruch zu nehmen, daß er „Gregor XVI, habe in seinem Bette sterben lassen", und wer auf jene sturmbewegten Zeiten blickt, mit denen das Pontificat Gregors begann, auf diese wildschäumenden Brandungen der Demagogie, die den Cardinal noch nach seinem Rücktritt von den Geschäften verfolgte; wer jene Scene ins Gedächtniß zurückruft, wie seine Feinde am Abend des 16. Novembers 1848 seine Wohnung erstürmten, sein Bett mit Dolchen durchstachen und einer von seinen Büsten das Haupt abschlugen, voll Wuth darüber, nicht das lebendige Haupt des Flüchtlings abschlagen zu können: der ermißt die Bedeutung dieses Ruhmes hinlänglich. Die Wuth der Feinde ist hier wirklich ein Maaßstab für die Verdienste um Staat und Kirche. Cardinal LambruSchini wird gegen viele politische Anklagen durch den unversöhnlichen Haß derselben Meute, die jetzt wieder die Ruhe Italiens bedroht, sicher gestellt. Eine zarte Blüthe, die sich am Charakter dieses großen ManneS emporrankte, ist die innige Verehrung der seligsten Jungfrau, sie stellte ihn an die Spitze derer, welche die allgemein verbreitete fromme Meinung über die unbefleckte Empfängniß Mariens dogmatisch festgestellt wissen wollen. Inmitten der schweren Sorgen, die auf ihm lagen, fand der Cardinal noch Zeit genug, um eine der besten Abhandlungen über diesen Gegenstand auszuarbeiten. Es ist das nebst Anderem ein Beweis, daß weder der Besitz der Macht, noch die Sorgen der Geschäfte im Stande waren, die Frömmigkeit des Ordensmannes oder den Eifer des Bischofs zu verändern. Es ist zu hoffen, daß eine vollständige Lebensbeschreibung dem Andenken dieses 197 hochverdienten ManneS ein Denkmal setze. Die Todtenfeier des hohen Verblichenen mußte in der Kirche des heiligen Carl zu Belinari gehalten werden, welche dem Bar- nabitenkloster gebort, in dem er viele Jahre hindurch wohnte, da er noch einfacher OrdenSmann war, und wo er auch seine Ruhestätte gewählt hat. Er hatte dieses Haus immer geliebt und begünstigt, und ihm auch seine Bibliothek vermacht. Sein Secretär, die andern Priester seiner Haushaltung und die Glieder der „Familie", wie man in Rom die Dienerschaft der Cardinäle, Fürsten und Prälaten bezeichnet, haben einen reichen Antheil an den Schenkungen seines Testaments erhalten. AuS Böhmen. Mariaschein bei Teplitz. Am 4. Mai a. e. begann in der NachmittagS- stunde in der eben so majestätischen als lieblichen Marienkirche, die von den Vätern der Gesellschaft Jesu bereits seit Jahresfrist pastorirt wird, die Seligsprechungsfeier der beiden Märtyrer Pater Andreas Bobola und Johannes de Britto aus dem Orden der Gesellschaft Jesu. Ihre Bilder prangten neben dem Gnadenbilde der Gottesmutter am Hochaltare. Als uach vorausgegangener Einleitung und Vorlesung der Seligsprechungsbullen die Bilder enthüllt wurden, war die andächiige Theilnahme deS zahlreich anwesenden Volkes mehr als eine heilige Neugierde. Denn dieses gläubige Volk hatte hierin einen neuen von Gott durch Wunder bestätigten Beweis für die Wahrheit des katholischen Glaubens, für den beide Heilige ihr Leben gelassen haben. Auch liegt wohl der Gedanke sehr nahe, daß die Jesuiten, von denen schon so Viele zur Ehre der Altäre gelangt sind, doch ganz andere Leute seyn müssen, als sie die Gegner deö katholischen Glaubens in Romanen und andern verderblichen Schriften oft schildern. Das Fest wurde verherrlicht durch die Anwesenheit des hochwürdigsten Herrn Bischofes von Leitmeritz, der nicht nur am Vorabende des Festes die Ponlifical-Vespern, sondern auch sämmtliche drei Tage der schonen Feier Amt und Vespern, desgleichen auch die erste Predigt'hielt, in welcher er mit wahrhaft apostolischer Salbung über den Glauben sprach. Durch die Tage hindurch waren nebst dem Pontificalamt und Vesper täglich zwei Predigten', deren Inhalt sich der Reihe nach über die theologischen und Cardinaltugenden verbreitete. Der Eindruck der schonen, seltenen Feier senkte sich gewiß tief in die Herzen dtl Gegenwärtigen, um so mehr, da Gottes Gnade und Barmherzigkeit sich würdigte, durch die Fürbitte seiner verherrlichten beiden Diener eine wunderbare Gebetserhörung geschehen zu lassen > die neben andern besonders öffentlich bekannt geworden ist. Der katholische Schullehrer von EberSdorf, einer von Mariaschein nicht weit entfernten Ortschaft, hatte ein kleines Töchtcrchen, die Jahre lang von einer schrecklichen Krankheit geplagt war, und auS Erfahrung wußte der betrübte Vater, daß jeder Anfall des Uebels dem Kinde eine schreckliche Nacht bereitete. Gerade während der Seligsprechungsfeier in Mariaschein wnrde das arme Mädchen wieder von der Krankheit angefallen. Der Vater nimmt seine Zuflucht zn den beiden seligen Märtyrern, deren Feier eben in seiner Nähe begangen wird. Kaum hat er ein Vater unser gebetet, so wird das Kind ganz ruhig und schläft ohne die mindeste Störung die ganze Nachr, waS bisher noch nie der Fall gewesen war, sobald sich die Krankheit eingestellt hatte, die vielmehr immer dem kranken Kinde wie der ganzen Familie gleich furchtbar war. Die Erhöruug snneS GebeteS bewog den Vater, sogleich am folgenden Tage nach Mariaschein zu kommen und den beiden Seligen vor ihren Bildnissen seinen Dank abzustatten. (Schl. Kbl.) Zur Kirchengeschichte Bosniens. IV. Die Franciscaner-Väter Bosniens versehen außer den den Klöstern einverleibten noch sechsundvierzig Pfarreien, nebst einigen Localcaplaneien, mit einer 198 Gesammtzcchl von 130,000 katholischen Seelen. Unter diessn Pfarreien gibt es solche, die mehrere Tausend Seelen in sich fassen, wie ToliSka mit 6000 Seelen. Die Gründer der meisten sind ausschließlich die Klöster, indem sie von dem Anfangs spärlichen Almosen sich Baustellen ankauften, auf denselben auch mit Hilfe der Pfarrkinder Pfarrhäuser (mehr Hütten ähnlich) aufführten, Gärten und Weinberge anlegten, weß- halb auch das Recht, Pfarrer zu ernennen, einzig nur ihnen zukommt. Sämmtliche Pfarreien besitzen jedoch nur zwei Kirchen (wenn sie diesen Namen im weiteren Sinne verdienen), und zwar so klein und elend, daß sie mehr Viehställen gleichen, wie z. B. in WareS und Jaicza, von welchen doch jenes vor diesem den Vorzug hat, daß eS seit undenklichen Zeiten eine 10 bis 20 Pfund schwere Glocke besitzt, die daS gläubige Volk zum Gottesdienste ruft, und trotz aller linkischen Demonstrationen und Bemühungen für die Herabnahme derselben dennoch, und dieß zwar mit nicht geringen Geldkräften der Gläubigen an ihrem Orte blieb. Die Erlaubniß zur Erweiterung dieser Kirche wurde durch einen Ferman gewährleistet. In Jaicza besteht eine bisher stets verschlossene Sacristei, welche die Türken öfters schon zu erbrechen sich anschickten, aber, czuis oustoclitui- voi virtutv, von ihrem Ansinnen bis auf den heutigen Tag abstehen mußten. Niemand weiß, was dort verborgen sey. In Bosnien heißen diese zwei Gotteshäuser Kirchen; wo anders würde man ihnen einen unbedeutenden Namen beilegen; doch sind sie im wahren katholischen Sinne Kirchen, denn vor dem heiligsten Altars-Sakramente, das hier aufbewahrt wird, brennt Tag und Nacht die Lampe. Was das übrige Gebiet betrifft, so findet man keinen sichern Ort zur Feier der heiligen Geheimnisse, 'als Privathäuser, Stalle, den freien Himmel, den kühlen Schotten irgend eines Baumes, wo das Volk im Regen, Schnee, in der Hitze und Kälte, bei den heftigsten Windstürmen andächtig knieend, entblößten Hauptes der Predigt und dem heiligsten Meßopfer beiwohnt; ja cS gibt Andächtige -unter ihnen, die durch die ganze Dauer des heiligen Cults, welcher oft zwei Stunden währt, weder sich niedersetzen, noch irgendwo anlehnen. Kommt der Aeltere des HauseS vom Gottesdienste zurück, so muß er seinen Hausgenossen den Inhalt der Predigt erklären; der Jüngere aber die Verordnungen deS Priesters, die Ankündigung der Fast- und Festtage, kurz Alles auseinand..rsetzen, was für kirchliche Disciplin angeordnet wurde. Es gibt Dörfer, die drei bis sieben Stunden von einem Kloster entfernt liegen; aber ans diesen Dörfern pflegen die Gläubigen einen halben Tag früher aufzubrechen, den ganzen Tag beim Gottesdienste zu verweilen, und erst am folgenden Tage nach Hause zu gehen. Wegen der weiten Entfernung der Dörfer unter einander, so wie wegen deS Mangels an Kirchen, wird bald an diesem, bald an jenem Orte die heilige Messe gefeiert, je nachdem der Priester mit seinem Pferde (Wagen gibt eS nur an der Save- Gränze) bald da, bald dort erscheint. Am häufigsten aber wird an jenem Orte der Gottesdienst gefeiert, welcher der Miltelpunct mehrerer Ortschaften ist. Gemeiniglich dient zur Verrichtung der heiligen Handlung der Gottesacker; dorthin begibt sich der Priester mit dem Pferde, daS ihm das Kloster, wenn er im kirchlichen Dienste reist, zur Verfügung stellt; nach Beendigung der Predigt und des heiligen Amtes genießt er entweder, was er in seinem Neisesacke vom Kloster zur Labung mitgegeben vorfindet, oder er begibt sich zu diesem Zwecke in das nächst gelegene Dorf. In der heiligen Fastenzeit, die in Bosnien mit aller Strenge gehalten wird, da eS nicht erlaubt ist, weder weiße Feigen, noch Eier, Käse, Milch, Bntter, noch Speisen mit Oel zu essen, und Jeder sich mit Bohnen oder Kraut, Rettig, Rüben, Zwiebeln u. dgl. begnügt, wandert der Pfarrer von Ort zu Ort, vom ersten Fasten- bis zum Palmsonntage, ertheilt katholischen Unterricht, hört die Beichten seiner anvertrauten Gläubigen, lieSt die heilige Messe und spendet auS den heiligsten Leib des Herrn. Bei seiner Weiterreise gibt er ihnen zugleich seinen künftigen Aufenthaltsort an, um bei einem Kranken u. f. w. alsogleich zur Hand zu seyu. Diese Zeit fordert von dem Diener GotteS die meiste Anstrengung und Aufopferung; denn außerdem, daß er deS guten Beispiels wegen das strengste Fasten beobachtet, die vielen Beichten seine Kräfte übermäßig anstrengen, hat er noch mit vielen andern Unannehmlichkeiten zu kämpfen, 199 weil er nämlich in unreinen, ungesunden, niedern und feuchten Wohnungen schlafen, übel riechende Dünste einathmen, schlecht zubereitete Speisen zu sich nehmen mnß. Alle diese harten Entbehrungen aber wiegt andererseits der Trost aus, den er in seiner Seele empfindet, wenn er nach stundenlangem Beichthören, nach beendetem Breviergebete Abendö mit seinen Gläubigen gemeinsam nieverkiiieet, die Liiauei und andere heilige Gebete in ihrer Mitte knieend verrichtet, den Gottesdienst mit einem heiligen Liede beschließt, und endlich zum Schlüsse deS TagcS die Kleinen zu sich ruft, um ihnen den Weg deS Heiles zu zeigen und fromme Liebe zu dem göttlichen Kinderfreund einflößt. Wer tis zu Ostern das heilige Sacrament der Buße und deS AltarS nicht empfangen bat, der wurde von dem bosnischen katholischen Volke für einen großen Sünder gehalten, verachtet, und dürfte serner dem Gottesdienste nicht beiwohnen; heut zu Tage ist man von dieser Strenge etwas abgekommen Ungeachtet des Mangeis an Glocken erscheinen doch die Gläubigen zur gehörigen Zeit zum Gottesdienst; die Bauern richten sich in der Zeit nach dem Stande der Sonne, in einigen Oertern bedient man sich als Zeichen zum Gottesdienste eines Hornes, woher eS auch kommt, daß die Türken daS Horn sür etwas den Christen Heiliges halten, und um sie zu kränken, deS HorneS fluchen. Bestimmte Einkünfte haben die Mönche vom gläubigen Volke nicht; nur Manches, wie Holz, Heu u. dgl. wird gesammelt; meistens besteht der Unterhalt aus Stipendien, deren es sehr viele gibt. Die öffentliche Kleidung der FrauciScaner ist die türkische, im Kloster ist selbe nicht zu trafen erlaubt, sondern Jeder auf sein OrdenSkleid angewiesen. Ehemals trugen sie d,>S OrvenSlleid ohne Rücksicht deS OrteS, litten aber eben deßhalb viele Verfolgungen, und da sie von der Regierung die Erlaubniß zu Bauten nicht erhalten konnten, änderten sie ihr Kleid, gingen unerkannt von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, lehrten das Volk, spendeten ihnen die heiligen Sacramente, und suchten auf diese Weise heimlich, ohne daß die Türken den Zweck ahnten, Häuser zu bauen, in deren Stuben oder ärmlichen Gemächern sie den Gottesdienst verrichteten. In der neuesten Zeit ist die Stimmung der Türken gegen die Franciscaner-Väter und ihre anbefohlenen Gläubigen günstiger geworden; eS hat sich auch niemals Einer aus ihnen eine Treulosigkeit gegen die Regierung zu Schulden kommen lassen, wie dieß an den Popen der nicht-unirten Griechen ölters geahndet wurde; die Türken achten die Francikcaner, wohl wissend, daß sie ihre Gläubigen zur Zufriedenheit, zum Gehorsam gegen jede rechtmäßige Obrigkeit ermuntern und fest einprägen, daß Lüge, Diebstahl und Mord einen Katholiken mehr als den Türken brandmarken. Selbst das leivel der Türke, daß der Katholik in waS immer für einem Hause Morgens und Abends, ja sogar in Gemeinschaft seine Gebete verrichte; es geschieht sogar, daß in einer Ecke des HauseS der Türke betet, während die Christen ihre Litaneien und Gebete verrichten, da es dem ersteren gleichgiltig ist, wenn ein Anderer seinem Glauben öffentliches Zeugniß gibt. — Das häusliche Leben ist patriarchalisch; mehrere Familien leben ruhig zusammen in einem Hause, obgleich auch in neuerer Zeic einzelne Trennungen vorkommen. (Schluß folgt., Ü/m-j j?cka-,?si,A RegenSburg. RegenSburg, 13. Juni. Vorgestern Nachmittags vier Uhr wurde in der Niedermünsterkirche die kirchlich e Weihe der Standarte deS hiesigen katholischen GesellenvereineS vorgenommen. Der hochwürdigste Herr Bischof Valentin, obwohl den ganzen Tag über durch die AuSspenduug des heiligen Sacra- menteS der Firmung äußerst in Anspruch genommen, erzeigte dein jungen Vereine die hohe Gnade, besagte heilige Handlung in eigener Person nach dem herkömmlichen kirchlichen RituS vorzunehmen und die Feier deS Actes durch eine herzerhebendc, begeisternde Rede über die Bedeutung der VercinSfahne zu erhöhen. Zahlreiches andäch- 200 tigeS Publicum hatte sich außer den Vereinsgenossen eingefunden. Ein ergreifender Choralgesang schloß den Weiheact, worauf sich der Zug, gebildet aus den Vorständen, Mitgliedern, Freunden und Gönnern des Vereines, voraus die stolz in den Lüften flatternde Fahne, von der Kirche in das Vereinslocal begab. Hier richtete der Vorstand des Vereines Worte des Dankes, der Belehrung und Ermunterung an die Ver- einSgesellen, — Worte, die in einem zweiten Vortrage eines Vereinsgesellen einen würdigen Widerhall fanden und in einem dauernden Lebehoch auf die Wohlthäter des Vereines, namentlich derer, durch deren freundliches, uneigennütziges Bemühen der Verein in den Besitz der schönen Fahne kam, endeten. Die Fahne, in großer Standartenform, ist aus rothem Sammet gefertigt und durch die Kunst und den Fleiß einer frommen Dame ohne allen andern, als den im Jenseits zu erwartenden Lohn mit werthvollen Goldstickereien versehen. Sie trägt auf der einen Seite daS Bild deS heiligen Joseph, Patrones deS Vereines, auf der andern Seite in Goldstickerei die Worte: „Katholischer Gesellen-Verein 1854." Nach den besagten Vorträgen im Vereinssaale begab sich die Gesellschaft in die passend und schön gezierten Gartenräume, woselbst eine gut besetzte Instrumental- und Vocal-Musik die ohnedem heitere Stimmung der VereinSgenossen und Gäste nur noch mehr erhöhte. Plötzlich trat eine ehrfurchtsvolle Stille ein, — nnd Aller Augen richteten sich nach dem Eingänge deS Gartens. Hier erschien, gefolgt von seinem Secretäre, der hochwürdigste Herr Bischof, der stets ein Freund und Gönner deS Vereines, den Abend in der Gesellschaft seiner lieben Vcreinsgesellen zubringen wollte. Empfangen von den Vorständen deS Vereines nahm der hochwürdigste Gast Platz in der Mitte der beglückten Gesellschaft, Von Neuem ertönten die harmonischen Klänge der Instrumental-Musik, von Neuem erschallten die schönen Stimmen kräitigen Männergesanges und wechselten mit sinnreichen Trinksprüchen, begeisterten Toasten und deklamatorischen Vorträgen ernsten nnd komischen Inhaltes. So endete in Freude und Heiterkeit der schöne Tag, dessen Niemand ohne Lust und Wonne und ohne den Wunsch gedenken wird, daß mit der Fahne neugestärkle treue Liebe und Begeisterung für die Sache des Vereines in die Genossenschaft der katholischen VereinS-Gesellen eingezogen seyn und sich erhalten möge. Gott segne das edle Handwerk! (Bayer. VolkSbl.) Nordamerika. In die Irrenanstalt zu Utica im Staate New-Uork wurden im Jahre 1853 424 Irren aufgenommen, 14 unter diesen hatten den Verstand verloren durch Versuche mit Klopfgeistern u. f. w., und 7 durch religiöse Ueberausregung oder durch Gewissensbisse. Zwei Drittel dieser Irren waren arm, das eine Drittel bestand aus gewöhnlichen Leuten. Nun schickt aber die Stadt New-Uork ihre Irren nicht in die genannte Irrenanstalt, welche vorzüglich von Landbewohnern eingenommen wird. Auch schicken begüterte Familien ihre Irren nicht in die Anstalt zu Utica. Man muß demnach annehmen, daß, wenn man die Zahl aller Irren und die Ursache ihres Jrre- seynS genau kennte, das Verhältniß der Irren, welche durch Klopfgeister u. s. w. ihren Verstand verloren haben, noch viel bedeutender seyn würde. Die Zahl der durch Klopfgeister u. f. w, irre Gewordenen vergrößert sich in einem solchem Maaße, daß dadurch Unruhe und Schrecken entsteht. Unter 2376 Irren, welche von 1843 bis 1849 in die Irrenanstalt von Utica aufgenommen wurden, hatten 251 Personen ihren Verstand durch religiöse Ueberaufregung verloren. Von den 424 im Jahre 1853 in Utica aufgenommenen Irren gehörten 142 Männer und 45 Frauen gar keiner religiösen Partei an, und hatten eben so wenig als ihre Familien irgend einen religiösen Glauben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. » Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.