Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augstmrger PostMimg. s. Juli 27. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Bonntage. Der halbjährige Abnnncment«prci« 40 kr,, wofür e« durch alle königl. baher. Postämter und alle Bnchhandloiigcn bezog,« werden kanr. Nachruf an die hochwürdigen Missionäre, ??. Roh, Flet und Iweisig, 8. 1., welche vom 14, bis 28. Mai in Landsberg die Mission hielten. Bei uns steht nun begründet Das Haus, das Christus schuf, Allmächtig hat gezündet 5 Der Väter Gnadenruf. ? Wie die Frühlings-Au Prangt der Herzen Bau; Denn durch das Glaubenslicht Liebe die Bahn sich bricht. Der Augen Sterne glänzen Vom Thränenperlenthau, Die mögen sie umkränzen, Die schufen solchen Bau, Allen ist uns klar. Was einst dunkel war, Und gelöst jedes Band Durch Eure Rctterhand. Ihr kampfgeübten Meister, Ihr kommt, Ihr sprecht, Ihr siegt. Die Schaar der finstern Geister Mit Knirschen unterliegt. Und ein Tugendreich Pflanzet Ihr um Euch, Wohin der Schritt Euch trägt, Wo Ihr den Samen legt. Wie HimmclSglocken läuten, So machtvoll und so rein, Wißt Ihr das Wort zu leiten Tief in das Herz hinein. Wir, einst wund und krank. Zollen tiefsten Dank; Denn an dem Lechesstrand Jedermann Euch verstand. O, nehmt den Dank, den vollen, Aus tiefstem Herzensgrund! Die Thränen, die da rollen, Sie geben ihn Euch kund. Nach so schöner That, Nach gestreuter Saat Eilt Ihr zur Ferne hin, Und mit Euch unser Sinn. Wie wir Euch hart vermissen, Weil ganz an Euch gewöhnt, So schon ein freudig Grüßen Von fern zu Euch ertönt. Nehmt des Dankes Zoll, Unser Lebewohl! Scheidend auch nehmt den Schwur, Auf zu dem Himmel nur! Elisabeth («>«vl»), Herzogin in Bayern, erste Königin von Ungarn. Blätter der Erinnerung an die Völkerbeglückende Vermählung Sr. k. k. apostolischen Majestät Franz Joseph I. mit Ihrer königl. Hoheit der durchlauchtigsten Prinzessin Elisabeth Herzogin in Bayern. Herausgegeben von vr. Johann Ranvlder, Bischof von Wcszprim, k. k. geheimen Rathe und Kanzler der Königlin von Ungarn. Mit fünf lichograpylirten Beilagen: 1. den heiligen Stephan, die heilige Gisela und den heiligen Emerich. 2. Aeußere Ansicht der Giselacapelle in Weszprim. 3. Das Innere derselben Capelle. 4. Der ungarische Krönungsmantel. 5. Ansicht der Stadt WeSzprim im Jahre 1593. K. K. Staatsvruckcrei. In Commission bei Seidel in Wien. Folio. In diesem prachtvoll ausgestatteten Werk wird die Vermählung Sr. Majestät des Kaisers und Königs von Ungarn vom katholischen und historischen Standpuncte auS, auf eine eben so sinnige als erhebende Weise betrachtet. Der Leser wird in die Vorzeit Ungarns zurückversetzt und die herrlichen Gestalten der Geschichte, welche daS ungarische Volk der Kirche gewannen, ziehen majestätisch an seinem Auge vorüber. Der heilige Stephan und seine Gattin, die selige Gisela, werden in ihren segensreichen Thaten dargestellt, und im Leben der Königin ein sehr wichtiger Moment in Bezug auf Ungarns Bekehrung zum ersten Mal hervorgehoben; nämlich die Erziehung Giselas (einer bayerischen Herzogin) durch den heiligen Wolfgang, Bischof von RegenSburg, der durch die großartige Wirksamkeit seiner seligen Schülerin sich in der That den Namen eines Apostels der Ungarn erworben hat. Ist der reichhaltige, historische Stoff vom höchsten Interesse, so dürfen nicht minder die Parallelen, welche aus demselben mit der Begebenheit der Gegenwart gezogen werden, höchst sinnreich und gelungen genannt werden. Die Sprache ist meisterhaft gerundet und die kirchlichen und politischen Betrachtungen, die dem Terte eingewebt sind, beurkunden einen tiefen Blick in die gegemvämige Weltlage. Nicht nur für den Ungarn und Oesterreicher, sondern für jeden Freund der Geschichte wird das Werk einen dauernden Werth haben. (W. Kirchenz.) 211 Da» Blnmenfest in Genzano. Auf den hohen Ufern des NemiseeS, des Kraters eines ausgebrannte» VnlcanS im Albanergebirge, eine halbe Tagreise von Rom, liegt das Städtchen Genzano, freundlich von Olivenwäldern umgeben und wegen jenes Sees, welchen man von vort aus am Bequemsten überschaut, mehr noch durch daS alle zwei oder drei Jahre wiederkehrende Blumenfest berühmt. DaS Blumenfest GenzanoS ist kirchlicher Art und tritt, waS Schönheit und Kunst sowohl in Anordnung als Ausführung anbelangt, den vorzüglichsten Festlichkeiten Italiens ebenbürtig zur Seite, Nicht kann Genzano, wie Rom, durch die Anwesenheit des Papstes, der Cardinäle und hoher Würdenträger der Kirche seinem Feste einen unvergleichlichen Glanz verleihen; nicht ist eS eine außergewöhnliche heilige Handlung, welche nach Genzano einladet und jener eine hohe Bedeutung gibt, sondern eS ist nur die gewöhnliche feierliche Frohnleichnamsprocession, welche man dort veranstaltet, welcher aber die Bewohner deS Städtchens vermöge ihrer angebornui Geschicklichkeit mit den einfachsten Mitteln, bloß durch künstlerisch-geschmackvolle Anordnung einen unbeschreiblichen Reiz zu ertheilen wissen. Wie schon der Name besagt, sind Blumen eS, welche den Mittelpunct der Feier GenzanoS bilden, Blumen sind überhaupt des Italieners Wonne, mit Blumen verherrlicht er seine Volksfeste, Blu- menguirlanden in üppigster Fülle bekränzen im Frühlinge Wege und Mauern. Blumen sind es denn auch, welche in kunstreicher Verbindung in Genzano die Bewunderung Aller, welche dem Feste beiwohnen, auf sich ziehen. AuS Blumenblätterchen werden nämlich durch kunstvolle Verthciluug und Nebeneinanderlegung dort die prächtigsten Blumenteppiche auf den Straßen ausgeführt. Diese Teppiche, in buntester Verschiedenheit sich an einander reihend, bilden einen unübersehbaren Blumenweg, welcher sich über die beiden Hauptstraßen GenzanoS ausdehnt und einen unbeschreiblich herrlichen Eindruck gewährt. WaS der Pinsel keines Malers erreicht und die Kunst nur anstrebt, findet man hier mittelst Zusammensetzung der lebenden Farben der Natur in künstlerischer Vollkommenheit ausgeführt. Selbst die feinsten Linien in den Guirlauden der Ränfte, die feinsten Schatlirungen in den Wappen der Cardinäle, welche in den Tcppichen wieder gegeben werden, sind mit einer staunenswerthen Genauigkeit ausgeführt. Am Ergreifendsten ist aber, daß alle diese Herrlichkeit nur dem Einen Augenblicke dient, wo am Spätnachmittage der Priester daS AUerheiligste über diesen Blumenweg trägt. Sobald er seinen Fnß über die so mühsam, allein zu Gottes Ehre verfertigten Tcppiche hinwegsetzt, wird hinter ihm Alles durch die nachströmende Menge absichtlich zerstört. So erscheint denn hier das schönste Erzeugnis) der Natur in herrlichster Zusammenfüguug nur allein im Dienste deS höchsten Gegenstandes der Religion, und daS Fkst darf sowohl seiner Idee als ihrer Ausführung nach einzig und unvergleichlich genannt werden. Das Blumenfest zu Genzano fällt, wenn es stattfindet, aus den Schluß der FrohnleichnamS-Octave, Einheimische und Fremde jubeln dem Tag entgegen, wo sie der InKomtn (Blumenfest) in Genzano beiwohnen werden. Denn da das Fest nicht alle Jahre wiederkehrt, so hat eS auch für denjenigen, welcher öfter beigewohnt hat, immer einen neuen Reiz, Mit Laubgewiuden ist der mittlere Theil der beiden Hauptstraßen des Städtchens abgegränzt und nur zu beiven Seiten zum Aus- und Abgehen Raum gelassen. Innerhalb jener Gewinde zeichnen die mit der Ausführung des Blu- menwegeS Betrauten die allgemeinen Umrisse der einzelnen Teppiche nach vorher angefertigtem Modell mit Kreide ab, legen diese Linien mit den entsprechenden Blumenblätterchen aus, schattiren hier mit dem schönsten Blau, dort muß das Roth, dort daS Gelb, hier daS Violett, dort daS Grün auShelfen. Wie zierlich der Ginster neben der Rose prangt, und die Kornblume neben dem Veilchen! DaS Wappen deS Papstes und die der Cardinäle sind am Morgen oder schon am voraus gegangenen Tage auf Brettern ausgelegt worden und jetzt nur noch in der Mitte der Teppiche in passender Umgebung anzubringen. Diese in großem Maaßstab ausgeführten Wappen 21S dürfe» in ihrer Art unübertrefflich genannt werden. Die einzelnen Felder, die dunkel- gelben Löwen auf violettem Grunde, der Cardinalshut oder die dreifache Krone: Alles ist so erakt, so frisch und lebendig wiedergegeben, daß man deS Schemens nicht satt wird. Unterdeß ist der Blumenweg vollendet worden und die Stunde, wo die Procession ausziehen soll, herangenaht. Um das Ganze vollends zu überschauen, hat man sich ein Fenster in entsprechender Höhe gemiethet, und der Eindruck, welchen die Bl»men> straße bei diesem Totalüberblicke macht, ist unvergleichlich. Wer wurde nicht überrascht, wenn er ein Mosaik aus der Ferne sah und eS ihm ivic da« prachtvollste Gemälde erschient Hier aber sinv bildsamere Formen zu dem herrlichsten Mosaike zusammen- gerciht; die frischesten Farben bei den zartesten Formen der Natnr übertreffen in dieser Ansammenordnung Alles, was die Kunst AecnlicheS zu erzeugen im Stande ist. Mehr indeß als die künstlerischen Anlagen der Bewohner ehren wir die in so ausgezeichnetem Grade zcme und poetische Idee, das schöne Fest des Heilandes in so holder und idyllisch großartiger Weise zu begehen, worin Genzano seine Einzigkeit unbestritten bleibt. Am meisten zog ein Engel die Bewunderung auf sich, welcher in dem Wappen deS zeitigen Cardinal-Bischofs des Städtchens mit wahrer Meisterschaft ausgeführt war. DaS Auge, daö Haar, die vollen blühenden Wangen, die freie schimmernde Stirne, der sanft lächelnde Mnnd dieses Himmelsboten bezauberte, von der Höhe deS Fensters aus gesehen, wie das schönste Bild die Einbildungskraft. Die Procession geht gegen halb sieben Uhr von der Hauptkirche aus. Kreuz und Fahnen werden vorangetragen, eS folgt die Jugend in festlichem Schmucke Der Chor der Sänger und die Vornehmen deS Städtchens kommen in langsam feierlichem Schritte. Sie alle betreten mit der größten Behutsamkeit die Blumeuteppiche, so daß sie nichts verrücken oder verderben. Unmittelbar vor dem Allerheiligsten erblickt mau ein zartes Kind, in Engelkvstüm mit Flügeln gekleidet und von einem Erwachsenen an der Hand geführt, waS einen überraschend rührenden Eindruck macht. Schmerzlich jedoch und wehmüthig wird man sodann ergriffen, wie jene Arbeit so vieler Hände und viel- lägiger Mühe, das Werk voll der Knnst und des Geschmackes, so bald der Priester mit dem Allerheiligsten es betreten hat, von den nachströmendcn Haufen zertreten und absichtlich der Vernichtung Preis gegeben wird. Indeß wird erst so die Idee deS Festes vollends realisirt Jener Biumenweg sollte bloß zur Verherrlichung des Heilandes dienen, auf ihm sollte er seinen feierlichen Umzug hallen, seinen Fuß über Teppiche setzen, wie sie keinem irdischen Könige auSgebrciret werden. Ist dieses geschehen, so ist die Bestimmung dcö Werkes erreicht und seine Erhaltnng wäre zwecklos. Am obern Ende der bergan laufenden Slraße angelangt, erthcilr der Priester der zwischen den Laubgewindcn auf den zerstörten Biumenteppichen kniecndcn Menge den feierlichen heiligen Segen. Dann tritt die Procession über die Teppiche der andern Slraße den Rückweg zur Kirche an. Noch einen Blick auf den kleinen Rest der hi«r der Verwüstung entgegengehenden Pracht und >uif die hinter der hcrabströmen- dcn Menge zurückbleibende Zerstörung und man verläßt gewaltig ergriffen Genzano, das GebirgSstädtchen, einen Eindruck mit nehmend, welcher lange in der Seele wieder!) allt. O möchten auch anderSwo recht viele opferwillige Seelen dem lieben Heiland solche Freude machen! (Kath. i. d. Schw.) Visitation deS Klosters der barmherzigen Brüder in Wien durch Seine Eminenz den Cardinal von ScitovSky. Seine Eminenz kam Nachmittag den 12. Juni »ach abgehaltener Visitation in Linz mittelst Dampfschiff in Nußdorf an, wurde am Landungsplatze von den hochwürdigen Herren, dem Provincial und Prior des Wiener Klosters begrüßt, nach Wien begleitet und dort in der Ordenskirche vom hochwürdigen Herrn Convisitator, 2t3 Kanonikus Dittrich, empfangen und feierlich eingeführt, worauf das Homagium sämmtlicher Ordensbrüder erfolgte. Nachdem bereits am 11. und 12. Juni von einem Ordenspriester religiöse Betrachtungen über die OrdenSgelübde gehalten wurden, wurde die Visitation selbst am 13. früh mit einer Sitzung eröffnet, in welcher Seine Eminenz den Versammelten den Zweck, die Nothwendigkeit und Wichtigkeit der Reform ans Herz legte, sodann die neuen Statuten vorlas und erklärte. Nachmittag war daS examen psrtieulsre, wobei zugleich jeder die Erklärung schriftlich abzugeben hatte, ob er der Reform beitrete oder nicht. Das schönste Zeugniß von dem guten, hier herrschenden Ordensgeiste liegt gewiß darin, daß sich Alle, kein einziger ausgenommen, zur Annahme der Reform bereit erklärten. Am 14. besuchte Seine Eminenz jede einzelne Zelle, und nahm hierauf die Visitation der Kirche, des SpitaleS, der Apotheke, deS NoviciateS, der Bibliothek und der Avministrationsbücher für die geistlichen so wie ökonomischen Angelegenheiten vor. Seine Eminenz sprachen sich anerkennend über die allemhalben herrschende gute Ordnung aus. Die Visitation wurde mit einer Sitzung, an welcher der hochwürdige Convisitator, der hochwürdige Herr Provincial und das hochwürdige Definitonum Theil nahm, geschlossen. Seine Eminenz brachte dann bei Tische einen väterlichen Toast auf das Wohl und Gedeihen deS OrdcnS aus, „den er nicht nur vvu Herzen liebgewonnen habe, sondern hochschätze und achte." Der hochwürdigste Convisitator dankte im Namen deS hochwürdigen ConventeS, brachte die herzlichsten und ehrfurchtsvollsten Segenswünsche für daS Wohl Seiner Eminenz und die Versicherung dar, daß Sich Hochvicselben durch Ihre Liebe und väterliche Milde im Herzen jedes Einzelnen ein unvergängliches Denkmal der Dankbarkeil und kindlichsten Ehrfurcht erbaut haben. Nachmittag nahm Seine Eminenz in Begleitung deS hochwürdigsten ConvisitatorS die Visitation im ReconvaleScentenhauö auf der Landstraße vor, wo ebenfalls alles in gedeihlicher Ordnung befunden wurde. (Oesterr. Volksfr.) Pilgerreise in das heilige Land. Dem Denkenden wird cö bereits klar seyn: das heilige Land hat, wahrend die Einen im Materialismus schlummerten, die Andern vor Angst bebten vor der Zukunft, eine Idee ing Leben geworfen, die eine neue Karte von Europa und allen Künsteleien der Politiker zum Trotz neue sociale und kirchliche Verhältnisse schaffen wird. Wie dieß Alles enden wird in der nächsten Generation, wir wissen eS nicht. Die Katholiken können nur hoffen uud beten. — Das katholische Frankreich, neuerdings in so vielen glänzenden Beispielen vorangegangen,-hat auch die katholische Idee der Pilgerreise in das heilige Land wieder ausgegriffen und mittelst geschickter Benutzung der reichen Hilssmiltel der Zeit thatsächlich gezeigt, daß eine solche Reise, wenn auch nimmer leicht und einem "iiuiu clu plsisir vergleichbar, doch nicht unmöglich, ja nicht einmal so gar schwierig. Ich erlaube mir nun hiermit, sowohl als Mitglied jener Gesellschaften, als in besonderm Auftrage, nachstehende Bemerkungen: 1. Es wird eine Sache des deutschen Vaterlandes wie der katholischen Kirche im Morgenlande seyn, daß die Katholiken Deutschlands den französischen nicht nachstehen an Wärme und Theilnahme für das heilige Laus. 2. Für die Deutschen, welche etwa vom frommen Eifer getrieben werden und in der Lage sind, das Vaterland des göttlichen Heilandes zu sehen, das Land so vieler Wunder und Gnaden zu besuchen, kann ich die erfreuliche Mittheilung machen, daß bereits in Jerusalem solche Einleitungen getroffen sind, wonach im nächsten Frühjahr die österreichische Regierung daselbst ein eigenes, mit den erforderlichen Räumlichkeiten versehenes Hospiz zur Verpflegung der deutschen Gäste stellen wird. 3. Das österreichische Consnlat wird mit der österreichischen Lloydgesellschaft in Verbindung treten und Alles aufbieten, um für die Seereise jene Erleich- 214 terung von 5V "/„ Rabatt zn verschaffen, wie dieß bereits von Seiten der Administration deS französischen Seedienstes in dem gleichen Falle gewährt worden. ^. ES wird aber znr fernern Organisirung jener Angelegenheit nothwendig seyn, daß sich bei der nächsten Versammlung der katholischen Vereine Deutschlands, in Köln sowohl als in Wien, ein eigenes Comite bilde, welches diese Angelegenheit als eine katholische in die Hand nimmt und derartige Anordnung treffe, daß die Pilger bei einem etwaigen dreißigtägigen Aufenthalte im heiligen Lande alle heiligen Orte und historisch merkwürdige Stelleu im heiligen Lande in aller Andacht, Ruhe und Sicherheit, ja selbst bei der Rückkehr Rom, um den mäßigen Preis (erster Classe) von fünfzig Thalern, (zweiter) vierhundert Thalern besuchen köuueu. Die Franzosen haben bereits bei wiederholten Versuchen bewiesen, daß dieß möglich ist. Nach den in Jerusalem auf dem Patriarchate getroffenen Vereinbarungen sollen jene Pilgerreisen dreimal im Jahre künstig stattfinden, nämlich im Frühjahre zur Fcier des Osterfestes, im Herbste zur Feier der Kreuzauffindung und im Winter zur Verherrlichung des GeburtSfesteS des Herrn. Es würden durch diese Auordnuug nicht bloß wiederholte Gelegenheiten gegeben zu jener so heilsamen und herzstärkenden Reise, sondern auch Uebelstände vermieden, die sich bei einer größern Anzahl von Reisenden nothwendig einstellen möchten. Sollten vor der Hand einige meiner verehrten LandS- leute seyn, welche das heilige Land schon im Spätsommer »u besuchen wünschen und zwar unter so günstigen Bedingungen, so würden sie wohl lhnn, sich zeitig mit mir in Verbindung zu setzen, damit sie bei dem Pariser Comitö eingetragen werden. Da man sich, wie es in der Natur der Verhältnisse liegt, nur auf eine bestimmte Zahl einlassen kann, so dürsten leicht Verspätungen den Ausschluß bewirken. Für Diejeni- gen aber, welche es vorziehen, mit nächstem Frühjahre mir den Deutschen zu reisen, und weil eine derartige Reise doch immer viel Vorbereitungen erfordert, bemerke ich, daß sie wohl thun, sich während der Zeit mit einer genauen Topographie des heiligen Landes bekannt zu macheu, wozu wohl zwei Bücher, nämlich das alte Werk von Guaresimus 'I'orrs ssnets und das neuere von Mislin „die heiligen Stätten" am geeignetsten sind. Nach dem französischen Programm betragen die etwa ans zwei Monate berechneten Reisekosten vom Orte der Abfahrt (Marseille) erster Classe zwölfhuudcrt, zweiter Classe tausend und dritter Classe etwa achthundert Franken. Für diejenigen, welche auf dem Rückwege Rom, Constantinopel, Griechenland sehen wollen, ist nur ein ganz unbedeutendes Geldopfer erforderlich. Da mitunter Handwerker, ja auch wohl andere Leute ohne alle Mitte! u.tch Jerusalem reisen, so bin ich im Namen der Väter des heiligen Landes und insbesondere auch deS deutschen Beichtvaters in Jerusalem beaufiragl zu warnen: 1. Daß eS Niemand ohne das erforderliche Reisegeld von wenigstens hundert Thalern versuchen möge, die unter solchen Umständen mit großen Gefahren Leibes und der Seele verbundene Reise anzutreten. 2. Da die Pässe und sonstige Umstände nicht immer die gehörigen Aufschlüsse geben, ob die Personen, die sich als Katholiken in Jerusalem melden, mich wirklich Katholiken sind, so wird eS durchaus erforderlich seyn, daß jeder Pilger ein Zeugniß von seinem Ortöpfarrer mitbringe, der in solchem Falle noch überdieß Zeit und Gelegenheit findet, mit Rath und That an die Hand zu gehen, damit die Reise wirk ich jene geistigen Vortheile bringe, die sie mit gehöriger Vorbereitung und dem gehörigen Sinne angetreten, im nothwendigen Gefolge hat. Pilger, welche ohne eine solche Bürgschaft nach Jerusalem kämen, würden zwar an der Gastfreundschaft der Brüder des heiligen Franz nicht leiden, aber da man hier so manche betrübte Erfahrung gemacht, das Unglück habeu, nicht zu den Sacramenten zugelassen zu werden; Pilger aber, welche ohne daS erforderliche Reisegeld abgehen, in Gefahr kommen, 215 den Herrn in Versuchung zu sehen, oder in Noth daS Köstlichste, was sie besitzen, um schnödes Geld zn verkaufen. Ich hoffe daher mit jener Bekanntmachung Niemanden zur Unbesonnenheit zu verleiten, sondern habe einzig die Absicht, denjenigen, welche Willens sind und in der Lage, eine so heilsame Reise zu machen, mit den erforderlichen Daten an die Hand zu gehen und allen Denjenigen, welche das große Werk mit der gehörigen Ueberlegung und den nothwendigen Mitteln unternehmen wollen, sowohl als dem deutschen Vaterlande und der katholischen Kirche einen Dienst zu leisten. Denn die Folgen werden eS zeigen: die sogenannte orientalische Frage ist nicht weniger eine deutsche als eine katholische, und der Besuch der heiligen Stätten ist nicht bloß eine Herzstärkung, sondern auch eine Aufklärung über manche obschwebende Frage des äußern wie deS innern Lebens deS Vaterlandes. Rheindorf, den 8. Juni 1354. Prisac, Pfarrer und Mitglied des Ritterordens vom hl. Grabe. Randglossen. Bekanntlich war eS sonst Tactik der akatholischen Schriftsteller, die Leistungen von Katholiken auf dem Gebiete der Literatur und Kunst, wenn es irgend anging, völlig zu ignoriren. Da diese Waffe deS „Totschweigens" nachgerade stumpf geworden uns der Katholicismus sich durchaus nicht als die „morsche Ruine" erweisen will, von der man geträumt hatte, im Gegentheil überall ein frisches Leben entfaltet, dessen Blüthen und Blumen man sogar künstlicher Nachahmung unter fremder Firma würdigt, so ist die akatholische Literatur und Journalistik auf eine andere Practik verfallen und ignorirt katholische Leistungen zwar nicht mehr ganz, recensirt sie aber so abfällig und abgeschmackt, daß dem nicht bereits besser informirten Leser die Lust vergeht, sich um daö Buch weiter zu bekümmern. So ergehl es nun auch Ernst von Lasautr, dessen neueste Schrift „der Untergang deö HellenenthnmS", gediegen wie Alles, waS bisher noch von diesem geistreichsten aller uns bekannten lebenden Philologen ausgegangen, nur eine ganz kurze und äußerst trockene Besprechung in demselben kritischen Institute erfahren hat, so zwar, daß man dem Schreiber recht anmerkt, wie ihm nur darum zu thun sey, das katholische Kindlein wie einen mißgestalteten Wechselbalg aus dem Prokrustesbette der hausbackenen Brockhausischen Kritik zu Tode zu renken. Ist dagegen der betreffende Autor bereits eine anerkannte, aller Verballhornung entwachsene Autorität, ein berühmter Name, dessen Verdienst anzuerkennen und zu rühmen man nicht umhin kann, so verschweigt man, daß er Katholik oder wenigstens, daß er Priester gewesen. So ist eS wohl nicht blos zufällig, daß in den „Briefen über Ä. v. Humboldt's KoSmoS" II. S. 384. von KopernikuS nicht erwähnt wird, daß er Domherr in Frauen bürg gewesen, überhaupt über sein Leben fast gar nichts mitgetheilt wird, während unmittelbar darauf KcpplerS Lebensumstände bis ins kleinste Detail ansgeführt werden. ES hätte sich freilich sonst schwerlich anbringen lassen, .,daß mit der Volljährigkeit deS Erzherzogs Ferdinand die Verfolgung der Protestanten in Steiermark begann und Keppler davon mitbetroffen wurde." Ooer hat etwa der scharfsinnige Begründer eines neuen Weltsystems, welcher den Muth hatte, die Schranken der bisherigen Denkweise zu erweitern und einem durch lange Jahrhunderte befestigten Irrthume entgegenzutreten, welcher dergestalt in die allgemeine Vor- stellungSweise verwachsen war, daß Melanchthon an einen Freund schrieb, man müsse die Obrigkeiten bewegen, „eine so böse und gottlose Meinung mit allen ihr zu Gebote siebenden Mitteln zu unterdrücken" — hat, sage ich, der unsterbliche Entdecker uuserS Sonnensystems weniger Anspruch auf unser Interesse als derjenige, der auf seine Schultern tretend das von ihm begründete System nur weiter ausbildete? Ach nein! Ein katholischer Domherr als Begründer deS neuen Weltsystems verstieß zu sehr gegen gewisse traditionelle Vorurtheile vom protestantischen Alleinbesitze 216 der Wissenschaft, als daß es gerathen erschien, irgend eine Andeutung darüber zu geben, wer Kopernikus eigentlich gewesen! Was sich doch große Geister bisweilen für kleinlichen Kummer machen! Biot und Laplace suchten auS Aerger darüber, daß Newton in seinem Alter theologische Untersuchungen über die Offenbarung Johannis und die Weissagungen im Propheten Daniel anstellte, zu beweisen, daß Newton seinen Verstand nie völlig wiederbekommen habe, seit er einmal auf kurze Zeit in momentane Geistesverwirrung verfallen, weil sein Hündchen in seiner Abwesenheit die brennende Kerze aus seinem Studirtische umgeworfen und ein großes Werk über Optik, die Frucht mehrjährigen Fleißes, ein Raub der Flammen geworden war: und ein Briefsteller über den „Kosmos" empfindet einen in der That unkoSmischen geheimen Neid darüber, daß Nikolaus Kopernikus uicht nur Katholik, sondern wirklicher residirender Domherr zu Frauenburg gewesen! Eben so ungenau mindestens drücken sich die „Briefe" (II. S. 211) über Friedrich von Spee auS: „Einen Gegensatz zu (Paul) Gerhard, trotz der mannigfachen Verwandtschaft mit ihm, bildet Friedrich v. Spee. Dieser ist eifriger Katholik (allerdings, er war sogar Priester, auS der Gesellschaft Jesu!); die Innigkeit deS religiösen Gefühls, wie den lebendigen Ausdruck desselben theilt er mit Gerhard; allein seine Dichtungen athmen statt der protestantischen Einfachheit eine schwärmerische Mystik (davon hat sich die „protestantische Einfachheit" freilich gründlich rein gehalten!)." Daß Friedrich von Spee außerdem der Erste gewesen, der gegen das Unwesen und die Grausamkeit der Herenprocesse auftrat, wiederum ein Verdienst, daS unstreitig noch größer war als sein dichterisches, bleibt unerwähnt. Man wende uns nicht ein, daß dieß als nicht zur Sache gehörig übergangen worden, vielmehr gehörte es recht eigentlich in eine Betrachtung, welche vorzugsweise das praktische Verhalten deS Menschen zur Natur erörtert. Diese Verirrung der Herenprocesse war aus grober, der Verachtung der heidnischen Literatur der Griechen und Römer entsprungener Unkenntniß der Natur und ihrer Gesetze entstanden. Friedrich von Spee'S Auftreten gegen dieselben, zunächst veranlaßt durch die ihr ganzes Innere enthüllenden Bekenntnisse der unglücklichen Schlachtopser im Beichtstühle, beruhte auf einer gründlicheren Menschenkenntniß und einer aufdämmernden richtigen Ahnung von dem Verhältnisse des Menschen zu der Natur und ihren Kräften. Das hat der Verfasser auch recht wohl gewußt, aber seine Vorurtheile, seine Parteilichkeit gegen katholisches Verdienst lassen ihn, sey es nun bewußt oder unbewußt, zu einer unbefangenen und vollständigen Würdigung diesseitiger Leistungen nicht gelangen! T e l g t e. Das Jubiläum wird in diesem Jahre wie vor hundert Jahren am Tage vor Maria Heimsuchung, Nachmittags vier Uhr, wo das Gnadenbild auS der Capelle in Procession um den Kirchhof in die Kirche getragen wird, mit der Vesper beginnen und vierzehn Tage bis zum zweiten Sonntag nach Maria Heimsuchung dauern. Seine Heiligkeit, Papst Piuö IX., haben dazu den Jubiläums-Ablaß verliehen. Täglich wird vom frühen Morgen an die Andacht beginnen. Eine hinreichende Anzahl Geistliche, sowohl Welt- als Ordenögeistlichc, werden die nöthigen Funktionen im Beichtstuhl, CvmmnnionanStheilen, heilige Messe lesen, Predigten zc. besorgen. Die nähern Bestimmungen hierüber wird der hochwürdigste Bischof Müller, der die ganze Anordnung übernommen hat, besorgen. Kirche und Capelle werden besonders ausgeschmückt, ganz besonders die Capelle, woran schon über ein Jahr gearbeitet wird. Im Innern wird dieselbe mit herrlichen Fresco-Gemälden und Vergoldungen durch Herrn Maler Büchtemann aus Münster geschmückt, und zwar so schön, daß gewiß in Westfalen keine zweite solche zu finden ist. Auch von Seiten der Stadt wird alles cmfgeboien, um sowohl die Processionen, als auch die einzelnen Pilger ehrenvoll zu empfangen. Verantwortlicher Redacteur: ? Schönche» Verlags-Inhaber: F. C. Krcmer,