Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 9. Juli ^V>- 28. 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Gountage. Der halbjährige Abouuementsprei« 5«> lr>, wofür e« durch alle kom'gl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Die Adressen der katholischen Welt an den hochwürdigften Herrn Erzbischof von Freiburg. Mit dem jetzt erschienenen vierten Hefte liegen so ziemlich alle bisher an den Hochwürdigsien Herrn Erzbischof von Freiburg ans allen Theilen des Erdkreises eingegangenen Adressen vor und constituiren den vollkommensten moralischen Beweis, daß die ganze Kirche die Grundsätze des heldenmüthigen Vertheidigers der kirchlichen Freiheit und Selbststäudigkeit theilt und sein Verfahren billigt. Dieses ist aber ein herrliches Zeugniß eineötheilS für die Sache des hoch- würdigsten Erzbischoss und anderntheils für die Lebendigkeit und Entschiedenheit deS kirchlichen Geistes, welcher in unserer Zeit die gesammte Kirche und vor Allem ihren Episkopat durchdringt. Wie unaussprechlich klein und kläglich erscheint dem gegenüber daS Toben deS abgestorbenen StaatSkirchenthumS und der Wind und Staub nicht sowohl des Zeit-, als vielmehr deS Zeitungsgeistes. , UebrigenS gewann gerade jetzt, wo man wagt, den Erzbischof der Rebellion nnd deS Bruches des Unterthaneneides um deßwillen zu zeihen, weil er eben jene Grundsätze ausübt, denen der ganze katholische Erdkreis seine Zustimmung ertheilt hat, jenes Zeugniß eine noch erhöhte Bedeutung, und werden die Adressen, wenn sie nicht an sich schon durch Geist und Inhalt eine der interessantesten Erscheinungen der Zeit wären, das wichtigste kirchliche Document der Gegenwart. Um zu sehen, welches die moralische Macht sey, gegen welche die badische Beamtenschaft den Kampf aufgenommen, bedenke man, daß in diesen vier Heften der Anösprnch von nicht weniger als 169 Bischöfen und Erzbischöfen vorliegt, darunter fast alle Bischöfe gerade der zunächstliegenden und wichtigsten Länder: Deutschlands und Oesterreichs, Frankreichs, Großbritanniens, Sardiniens und der Schweiz, während bei entfernteren Ländern offenbar nur die Raumentfernung schuld ist, daß nicht auch bereits sie in die Reihe eingetreten sind; jedoch sind bereilS einzelne Adressen, von Bischöfen, nicht bloß aus Spanien und Griechenland, sondern ans Amerika und Indien eingegangen. Es wäre genug an den bischöflichen Adressen, weil die Priester und daS gläubige Volk nothwendig mit ihrem Bischöfe zusammenstimme». Dennoch ist cS erbauend und lehrreich für die Feinde der Kirche, wie viele Körperschaften von Geistlichen und Laien sich dem Beispiele der Bischöfe angeschlossen haben, wie dieß die vo^ir solchen ausgegangenen 133 weiteren Adressen zeigen. Besonders interessant ist, wie zahlreich und mit welcher Begeisterung und Entschiedenheit gerade der deutsche Klerus sich-ausgesprochen hat, die 94 Collectivadressen von Stadt- und Landcapiteln und den GestGmcheiten der Geistlichen ganzer Landschaften gehören fast alle Deutschland an. (KathM.) 218 Der Prinz Gemahl in England als Theologe. In England besteht der Verein, der sich die Unterstützung dürstiger anglikanischer Geistlichen und ihrer Wittwen und Waisen zur Aufgabe gesetzt hat. Er heißt der Verein der „Söhne von Geistlichen" und zählt die angesehensten Männer des Landes zu seinen Mitgliedern oder Gönnern. Im Mai feierte der Verein sein 200- jährigeS Jubiläum, Morgens durch einen feierlichen Gottesdienst in St. Paul, wobei der Erzbischof von Canterbury predigte, daraus durch ein Diner von 45() Gedecken unter dem Vorsitze deS Lord-Mayorö von London. Der erste Toast war: „Die Kirche und die Königin"; den zweiten: „Prinz Albert, der Prinz von Wales und die übrige königliche Familie", beantwortete Prinz Albert, der zur Rechten deS Lord-Mayors saß, unter großem Beifall, wie folgt: „Ich bin in der That sehr erfreut darüber, ein Zeuge dieses LVVjährigen Jubiläums gewesen zu seyn, da dasselbe beweist, daß das Volk dieses Landes die früher begonnenen Unternehmungen nicht aufgibt, und den Geist, welcher seine Väter beseelt hat, nicht verläßt. Als unsere Vorsahren den christlichen Glauben reinigten und das Joch einer tyrannischen Priesterschaft abwarfen, da erkannten sie, daß der Schlußstein deS wunderbaren Baues, der sich in den finstern Jahrhunderten deS Mittelalters erhoben hatte, die Ehelosigkeit der Geistlichen sey; sie sahen wohl vorher, daß ihr reformirter Glaube und die neu gewonnene religiöse Freiheit nur sicher seyn würde in den Händen einer Geistlichkeit, welche durch alle Sympathien — nationale, persönliche und häusliche — mit dem Volke verbunden wäre. Meine Herren! Unsere Nation hat seit dreihundert Jahren daS Glück einer auf dieser Grundlage ruhenden kirchlichen Institution genossen, und kann nicht dankbar genug seyn sür die Vortheile, welche daraus erwachse», daß die christlichen Prediger nicht allein die Lehren des Christenthums predigen, sondern in ihren Gemeinden leben als Muster in der Erfüllung aller christlichen Pflichten, als Gatten, Väter und Familienhänpter, selbst fähig, die ganze Tiefe der menschlichen Gefühle, Wünsche und Sorgen zu ergründen. Indem wir dankbar anerkennen müssen, daß sie im Ganzen diese hohe und schwierige Aufgabe würdig gelöst haben, müssen wir bedenken, daß wir ihnen nicht die gleiche Theilnahme an einer der Bestrebungen des Lebens gestatten, an der, welche unter den Kindern dieser Welt vielleicht die stärkste ist, an dem Streben, die Güter dieser Welt zu erwerben und zu vermehren. Die Benennung „ein geldmachendcr Pfaff" ist die größte Schmach für einen Geistlichen und beraubt ihn jedes Einflusses auf seine Gemeinde. Und doch hat der Mann, der die den Meisten von uns gestatteten Minel, Reichthum zu erwerben, nicht anwenden darf, und der oft nnr ein spärliches Einkommen hat, — er hat Frau und Kinder, wie wir, und wir wünschen, daß er für ihr Wohlergehen eben so besorgt ist, wie wir für das der Unseligen. Sind wir nun nicht verpflichtet, ihn vor Sorge und seine Kinder vor Armuth zu schützen, wenn es dem Allmächtigen gefällt, ihn von dem Schauplätze seiner Arbeiten zu entfernen? Sie haben diese Frage heute durch Ihre Anwesenheit mit Ja beantwortet, und wiewohl dieser Verein materiell nur wenig leistet, so ist er doch in moralischer Hinsicht eine öffentliche Anerkennung d?r Ansprüche, welche die „Söhne der Geistlichen" auf die Sympathie und Freigebigkeit des Publi- cums haben, und als solche ist er von dem größten Werthe. Möge der Verein noch weitere Hunderte von Jahren bestehen, als Band der Einheit zwischen Geistlichen und Laien, und möchte er bei jedem hundertjährigen Jubiläum die Nation weiter fortgeschritten finden in Glück, Civilisation und Frömmigkeit!^ „Ein Katholik" schreibt über diese Rede im „Tablet": Die Erfahrung hat uns längst gelehrt, daß die Toast-Beredtsamkeit der beiden Londoner Bankette eine wenn nicht narkotische, doch antipapistische Tendenz hat. Es ist Ihren Lesern noch wohl erinnerlich, wie bei einer gewissen denkwürdigen Gelegenheil die ehrwürdigen Wächter des Gesetzes nnter dem berauschenden Einflnsse von Schildkrötensuppe und Zubehör mit einander in Ausdrücken protestantischer Sentimentalität wetteiferten. Man hielt xs in der That allgemein für nicht sehr schicklich, daß der, welcher die Waage der 219 Gerechtigkeit in der Hand hielt, Vorurtheile und Bitterkeit gegen irgend eine Classe von Unterthanen an den Tag legte, welche das Recht hat, bei ihm Gerechtigkeit zn suchen, nach dieser Scene aber wohl nicht mehr hoffen darf, sie zu finden. — Nun scheint mir, der Vertreter einer andern und noch höheren Art der Gerechtigkeit sollte stets mit gleicher Zurückhaltung reden und nichc öffentlich confessiouelle Norurtheile an den Tag legen, welche viele Unterthanen kränken müssen. Die Gerechtigkeit der Regierung ist für die Unterthanen noch wichtiger, als die Gerechtigkeit der Gerichte; Billigkeit verlangen wir von dem Scepter noch mehr, als von dem Stäbe des Richters. Wir haben nun zwar eine Fürstin, welche nicht nur „die Majestät, welche den König nmzäumt", sondern dazu noch ihr Geschlecht hindert, sich anders öffentlich auSzusprechen, als in einer von verantwortlichen Ministern verfaßten Rede. Aber ihr Gemahl ist nicht durch solche Rücksichten beengt, und weun auch nicht neulich im Parlamente erklärt wäre, unter königlichen Gatten finde ein eben so freier Gedanken- Austausch statt, wie in andern Familien, so würde man doch glauben, daß wenn der Prinz-Gemahl offen und unzweideutig in einer öffentlichen Versammlung einen Grundsatz oder eine Ansicht ausspricht, dieß eiue populäre und nicht vsficielle Aeußerung der Grundsätze und Ansichten einer noch höher stehenden Person ist, deren Gesinnung keinem ihrer Unterthanen glcichgiltig seyn kann. Darum erwartet man natürlich, daß daS erwähnte erlauchte Individuum in öffentlichen Reden sehr vorsichtig ist; nnd weun eS die Zurückhaltung nicht beobachtet, so schließt man, daß dieß absichtlich geschehen ist. Daß Jemand, der sein irdisches Glück einer Heirath verdankt, den ehelichen Stand für besser hält und in dieser Hinsicht anderer Ansicht ist, als der Apostel, in dessen Kirche (St. Paul) das Fest der Söhne der Geistlichen gefeiert ward, — wundert mich gar nicht; aber, daß der Prinz ein solches Gemisch von schlechter Theologie und schlechter Politik zn Tage förderte, hat mich gewundert, da man sonst an ihm den besondern Tact rühmt, der für ihn in seiner Stellung nöthig ist. Der Satz ist ganz richtig, daß der Protestantismus schon in seiner Kindheit erkannte, daß für ihn nur eine verheirathcte Geistlichkeit passe; ich glaube aber, einige von den hochwürdigen Zuhörern deö Prinzen werden roth geworden seyn oder gelacht haben, als sie den Schluß ziehen mußten, wie der Cölibat der Schlußstein des wuuderbaren Baues gewesen, „der sich in den finstern Jahrhunderten deS MittelalterS erhob", so sey der Schlußstein des nationalen Baues, der in den erleuchteten Zeiten späterer Jahrhunderte zusammenbröckelt, nicht Reinheit der Lehre, nicht apostolische Succession, nicht Dibellcsen, nicht der Schutz des Staates, nicht Heiligkeit des Lebens, sondern — daS Freien und Freieulassen, die Fortsetzung deS stereotypen Lebens der vorsünd- fluchlichcu Patriarchen und die Sorge, statt heiliger Schüler, wie sie ein FranciScnS und Domim'cuS hinterließen, viele „Söhne der Geistlichen" zn hinterlassen, für die in St. Panl gesungen und in der City-Halle von Aldermen und Bischöfen dim'rt und loastirt wird. — Ich glaube weiter, daS Gewissen einiger Pluralisten und anderer Herren muß für den Augenblick nnrubig geworden seyn, als ihnen von einer so hohen Person ganz ernsthaft versichert wurde, eine charakteristische Eigenschaft der reformirten, d. h. vcrheiratheten Geistlichkeit sey die Armuth. Aber der unziemlichste Theil der Rede ist offenbar der Satz, worin die katholische Geistlichkeit im Allgemeinen als „tyrannische Priesterschaft" bezeichnet wird. Ist daS Papstthum gemeint, — an dieses glauben nnd ihm gehorchen die irischen Geistlichen und acht Millionen Unterthanen Ihrer Majestät, so wie diejenigen, deren Bündniß England jetzt sucht nnd die Priester, welche auf dem Schlachtfelde eben so gut neben unsern Soldaten knieen werden, wie neben den ihrer Nation. Und warum müssen nun alle Katholiken, in England, Irland nnd Frankreich, ihre Priester öffentlich von Jemand schmähen hören, dessen Worte wir als Ausdruck der Gesinnung derjenigen ansehen, für welche wir jetzt Blut und Leben opfern sollen. Ist das klug oder politisch oder gerecht oder edel? Möge er, der königliche Redner nur hingehen, und vor den armen Burschen diese Ansichten auSsprechen, welche in die Reihen der Armee eintreten, in welcher er Feldmarschall ist. Möge er noch einmal nach Irland kommen und sich nochmals mit dem herzlichen Hurraruf 220 begrüßen lassen, wie er ihn von den kalten Schotten und den geizigen Sachsen nie zu hören bekommt; möge er dem guten Volke danken, dessen Kinder ihr Leben, ja beinahe ihre Seele für den Thron in Gefahr setzen — viertausend sind ihrer a» Bord der Schiffe, wo ihre Religion geächtet ist — und die Jrländer belehren, daß sie noch die wunderliche Operation der „Reinigung" nicht der Kirche, sondern „deS christlichen Glaubens" durchzumachen haben, und daß die Geistlichen, welche mit ihnen Hunger, Pest und Armuth getheilt haben, eine „tyrannische Pricsterschaft" sind. Ich achte den Prinz-Gemahl zu sehr, um nicht zu wünschen, er möge sich davor hüten, in einer so zarten Frage, wie die Religion ist, ein Parteimann zu werden. DaS Parlament beschäftigt sich mit einer Bill gegen das klösterliche, d. h. das ehelose Leben; wahnwitzige Mitglieder halten schmutzige Reden darüber und Meetings und Zeitungen sind voll elender Schmähungen: unter solchen Reden muß eine eigene Rede gegen den Colibat der Geistlichen, mit andern Worten gegen die kathoiischen Geistlichen sehl unziemlich erscheinen im Munde dessen, der dem Throne zunächst steht, und man könnte leicht ans den Gedanken kommen, sie solle eine absichtliche Kundgebung deS Wunsches einer höher stehenden Person in Bezug auf eine Bill seyn, die wir Katholiken für eine Rechtskränkung halten. Prinz Albert mag sich in Krystallpa!ästcn bewege», so viel er Lust hat, er thut aber nicht wohl daran, in ein gläsernes HauS z gehen und von da aus Steine zu werfen, die man zurückwerfen könnte. (V. H.) Eine Parallele. Bei der Betrachtung all' der Bedrückungen, welche die katholische Kirche von Seite mißtrauischer Regierungen unter dem Vorgeben der Wahrung von HoheitSrech- ten und der Sicherstellung vor etwaigen Gefahren zu erdulden hat, ist uns stets ein Gedanke vor die Seele getreten, den wir hier kurz aussprechen wollen, nämlich der Vergleich zwischen der Stellung der katholischen Kirche und dem deS Freimaurerordens in Deutschland. Die katholische Kirche besteht in Deutschland seit den Anfängen des Christen. thumS und seit mehr als tausend Jahren mit allen Garantien des Staats- und Völkerrechtes, — das Freimaurerthnm besteht seit dem Anfang deS vorigen Jahrhunderts, ohne vou irgend einem Staate gesetzlich anerkannt zu seyn. Die katholische Kirche ist wie eine Stadt hoch auf dem Berge, in dem Angesicht aller Völker, offen und unverdeckt, — daS Freimaurerthnm ist eine geheime Gesellschaft, die sich über die Welt, oder vielmehr unter der Welt verbreitet, mit unbekannten, gcheimnißvollen Grundsätzen und Mitgliedern, in einer Zeit, wo eben die geheimen Gesellschaften die Ordnung aller Staaten zu vernichten drohen. Die katholische Kirche ist ein Verein aller Völker, ohne Unterschied des Standes und der Stellung, ein Band, daS Fürst und Unterthanen, Hohe und Niedere, Reiche und Arme, Gelehrte und Unwissende umschließt, — d.iS Frcimaurerthum ist eine vom armen, niederen, unwissenden Volke getrennte Kaste von Beamten, reichen Kaufleuten, Vornehmen, Vielvermögendcn, sogenannten Gebildeten. Die katholische Kirche hat ein sichtbares Oberhaupt, mit bestimmter Gewalt, uud sie wird deßhalb gescheuet, als gefährlich beargwohnt, unter besondere Aufsicht gestellt, — daö Freimaurerthnm hat ein uubekminteS, unsichtbares Oberhaupt, nu't unbekannter Gewalt, und ist ohne Aufsicht, ohne Controlc, ohne für gefährlich gehalten zu werden. Die katholische Kirche fordert das Recht der Prüfung, der Anstellung, der Ausbildung ihrer Priester, und eS wird ihr im Namen der Lan- deShoheitörechte verweigert — daS Freimaurerthum prüft, bildet, stellt an seine geheimen Beamten, und daS ist nicht gegen die unveräußerlichen HoheilSrechte der Fürsten. Die katholische Kirche fordert das Recht, untreue Priester abzusetzen, ungehorsame Mitglieder auSzustoßen, und eS wird ihr verweigert im Namen landesherrlicher Rechte — daö Freimanrerthum hat ein geheimes, unheimliches, daS Licht scheuendes Gericht der unbeschränktesten Art über seine Würdenträger uud Mitglieder, und das verstößt 22t nicht gegen landesherrliche Rechte. Die katholische Kirche, die alte Lehrerin der Völker, die Gründerin fast aller Schulen nnd BildungSanstalten, fordert daS Recht, die katholischen Kinder kaihvlischcr Eltern ln katholischen Schulen bilden und erziehen zu dürfen, und es wird ihr abgeschlagen im Namen unveräußerlicher Hoheitsrechte — das Frcimaurerthum drängt sich Vagegen in alle Stellen, ans alle Lehrstühlc, macht die äußerlich und gesetzlich bestehende Gleichberechtigung bei Stelleu und Aemtern durch geheime Verbindung zur Unwahrheit, beherrscht unzählige Schulen, in denen nun die katholischen Kinder der arglosen katholischen Eltern nach geheimen Grundsätzen dieser Kaste der Aufgeklärten erzogen werden, nnd daS ist mit Nichten gegen die Rechte der Landeshoheit. Die katholische Kirche fordert d,iS Recht der Verwaltung ihres Vermögens und daS ist unzuläßi'g, weil gegen LandeShoheitSrechte — daS Frcimaurerthum verwaltet ein ungeheures Vcrmögeu und verwendet eS zu geheimen Zwecken, rmd daS verletzt jene Rechte nicht. So steht die katholische Kirche in Deutschland da, von der man doch weiß, daß sie den Glauben an den Sohn Gottes, Jesus Christus, bekennt, — so dagegen daS Freimaurcrthum, von dem es doch mindestens noch sehr zweifelhaft ist, ob cö sich (wir reden hier naturlich nicht von einzelnen Mitgliedern) mir dem Glauben an den Sohn GottcS vereinigen läßt. Und, was diesen Gegenstand noch mehr beleuchtet, dieselben Menschen, die als Freimaurer alle diese Rechte selbst ausüben, ohne über Verletzung der HoheitSrechtc sich zn beunruhigen, sie sind cS eben in der Regel, die als Beamte und Unterbeamte der Kirche Christi im Namen der Hohcilsrcchte diese Rechte bestreiken, um danu in demselben Namen auch die Kirche Christi zu regieren. Das ist eS ja, was in der That stattfindet, wenn die Bischöfe der katholischen Kirche selbst ihre Rechte nicht mehr üben können, dann leiten sie in ihren geheimen Versammlungen ihren Orden, und zugleich als Beamte, statt der Bischöfe, die katholische Kirche. (Katholik.) Zur Kirchengeschichte Bosniens. Aus Slavonien, 20. Juni, In neuester Zeit haben sich die kirchlichen Verhältnisse in Bosnien etwas günstiger gestaltet. Unter der Regierung des Sultans Abdul Medjid Chan erfreuen sich die Bosnier einer größer» Freiheit, welche die Franciöcaner-Väter zur Erbauung neuer Kirchen benützeu. Dem Pater Provincial Andreas Kujuncic gelang cS bei seiner Umsicht und Klugheit, die Erlaubniß zum Ban von vier nenen Kirchen sammt Klöstern zu erhalten. Bei den beschränkten Gclvmittcln löuncn jedoch die Väter nur einige sehr kleine Kirchen und Schulen errichten. Die erste Volksschule verdankt ihr Entstehen dem verstorbenen EliaS Starcevic. Im Jahre 1828 ließ das Defimtorium mehrere Schulen errichten, so daß gegenwärtig in Travnik, Varcar, Foinica, KreScvo, Livna und Ultra Schulen, die von Kindern beiderlei Geschlechtes sehr eifrig besucht werden, bestehen. Wo die Bevölkerung gemischt ist, besuchen auch schismatische Kinder, zwanzig bis fünfzig an der Zahl, diese katholischen Schulen. Doch wegen Mangels an hinreichenden FvndS und tauglichen Lehrern, wc.ien Unmöglichkeit der Erhaltung der Schulgebäude mußten neuestenS die kaum ins Leben getretenen Unterrichts - Localc geschlossen werden. Die Lehrer waren ausschließlich Capläne, die sich nur zu jener Zeit dem Unterrichte widmen konnten, die ihnen von ihrem BerufSgeschäsle in der Seelsorge, übrig blieb, Schulbücher gab eS gar keine. In dieser betrübenden Lage fügte eS die Vorsehung, daß Se, k. k. apostolische Majestät Franz Joseph zur Gründung der Volksschulen in Bosnien jährlich 1000 fl. C.M. zn bewilligen geruhte, und die eiste Hälfte des Jahres 1854 vorhinein bereits aller- gnädigst übersandte. Zur Aufführung neuer Kirchen und Klöster war aber die Bewilligung deS apostolischen Stuhles und deS FranciScaner-OrdenSgeneralS nothwendig; und deßwegen haben die im Kapitel zu Suti'Ska am 29. April 1852 versammelten Vorsteher um die 222 Erlaubniß angesucht, die bestehenden vier Residenzen zu wahren Couventcn erheben zu dürfen. Zwar erhoben sich dagegen manche Stimmen, wie in Bosnien, eben so in Rom n»d in Stambul, Aber wie erhebend war die Freude der Väter, als sie am 24. Juni desselben JahrcS die Genehmigung ihrer Bitten vom apostolischen Stuhle erlangten, und von Sr. Heiligkeit in einem eigenen Breve zur Vollendung ihres Vorhabens kräftigst ermuntert wurden. Nun dürfen sie auch in diesen vier Residenzen Novizen anfnehmen, Kleriker erziehen und für das Wohl der Christenheit in ausgedehntcrem Maaße arbeiten. Ein großes Glück war eS, daß zur selben Zeit Kurschid Pascha Vezir in Bosnien wurde, der beste unter allen vorgehenden für die RajahS. Nach angelangter Erlaubniß von Rom versprach der genannte Vezir, die Bitten der Väter in Stambul zu unterstützen; alsogleich wurde von allen Seiten an der Herbeischaffung deS nöthigen Materials gearbeitet; wo hinreichende Grundstücke nicht vorhanden waren, wurden sie von den Türken mit den Geldmitteln der bereits bestehenden Convente erkauft. Man wählie hierzu die in jeder Hinsicht der Gesundheit zuträglichsten Orte. Obschon nun Alles vorbereitet war, konnte man doch nicht zum Baue schreiten, weil der Ferman von Stambul noch nicht angelangt war. Hier halsen wieder die Bemühungen Sr. Heiligkeil PiuS IX. und die Gesandtschaft Sr. Majestät deS Kaisers von Oesterreich in Koustantinopel, an deren Spitze Graf v. Leiningen stand, so daß das Werk betrieben werden konnte. Die Väter reichten eine neue in türkischer Sprache verfaßte Bittschrift ein, worin sie an sieben ausdrück ich benannten Orten neue Kirchen zu erbauen und die bereits bestehenden vergrößern zu dürfen um Erlaubniß ansuchten. Es wurde von der hohen Pforte Judziner ESref Effendi als kaiserlicher Commissär beordert, besagte Plätze zn besichtigen. Nachdem er innerhalb dreißig Tagen daS aufgetragene Werk beendigt hatte, erschien von Vezir Knrschio die mit dem AmtS- siegel versehene Erlaubniß, ohne allen Anstand, obschon der kaiserliche Ferman noch nicht eingetroffen war, an den bezeichneten Orten die Bauten zu beginnen. Da wurde jedoch die Provinz mitten in ihren Hoffnungen schwer heimgesucht. In Sarajevo, der 80,000 Einwohner zählenden Hauptstadt Bosniens, wo sich zwei Consnlate befinden, war bisher keine katholische Kirche, sondern bloß ein einziges unansehnliches Pfarrhans. Dieß brannte 1852 bis auf den Grund ab. Aber wo die Noth am größten, ist GottcS Hilfe am nächsten. Er erweckte wieder großmüthige Wohlthäter, die das Werk der Väter fördern halfen. Se. Heiligkeit Papst PinS IX. gab 46 5Skudi; Sultan Abdul Medjiv 1364 türkische Groschen; der hochwürdigstc Herr Bischof Stroßmayer 1878 türkische Groschen; Sc. Majestät Franz Joseph 38 Dukaten; die Stadt Agram 84 sl. C.M.; Herr Anton Brauicanic, emerilirtcr CousulatS-Sccrctär, 1000 fl. C.M. Selbst die Türken zeigten eine «»geheuchelte Freude über den Fortschritt der katholischen Religion und leisteten ihnen Beiträge, was sie den Griechen, die ebenfalls Kirchcn zu bauen beginne», nicht thun. Obwohl ihnen der Koran verbietet, die Christen zu unterstützen und ihren Kirchen Almosen zu geben, so lassen sie doch in ihren Wäldern manchen schönen Baum fällen; ja, wo sie näher sind, führen sie denselben sogar an Ort und Stelle. Auch sind katholische Kirchcn frei von jcder Gicbigkcit. Der sehnlichst gewünschte Ferman erschien endlich am Schlüsse des Jahres 1853, welcher alle Bitten der Vater befriedigte. Auch an den Allerhöchsten Hof in Wien wurden zwei Brüder dieser Provinz gesandt, die ehrfurchtsvolle Vilie vorzutragen, daß in der ganzen österreichischen Monarchie Sammlungen sür die Erbauung dieser neuen Kirchen angestellt werden dürften. Die Bitte wurde Allerhöchsten OrtS genehmigt. Besonders wohlthätig in dieser Hinsicht bewies sich bisher der hochwürdigste und hochwürdige KleruS. Auch aus Frankreich traf schon (durch die Vermittlung des General-Konsuls) eine beträchtliche Summe ein. Die Gelder werden dem hochwürdigsten Herrn Bischof von Djakovar, dem Mittler zwischen Oesterreich und Bosnien, eingehändigt. Und so läßt sich mit GottcS allmächtigem Beistand, wenn der Friede nicht ans Europa weicht, eine glückliche Zukunft für daS durch Jahrhun- 223 derte schmachtende Bosnien erwarten. Möge eS bald über ganz Bosnien verbreitet werden das Reich der Wahrheit, daß alle Jene, die in den Finsternissen des Aberglaubens nnd der Liige wandeln, Jesum erkennen und in der wahren Kirche ihr Heil und ihre Seligkeit finde». R o w. Rom, il). Juni. In dem Studium Overbecks ist seit einigen Tagen daS lang erwartete Altarbild für den Kölner Dom z» sehen. Der Künstler arbeitete seit etwa sieben Jahren daran; er hat aber den Grundsatz, seine Gemälde in der Einsamkeit zu behalten, bis sie vollendet sind. Allerdings bleibt so der Geist unbeirrt nnd die Genesis deS Kunstwerkes entwickelt sich still und conseqnent aus ihrer Idee. Der Werth lebendiger Einheit, der dadurch dem Produkte erwächst, ist weit höher anzuschlagen, als die Vermeidung dieser oder jener Controverse, der sich anch der größte Künstler durch die Jsolirung beim Schaffen aussetzt. Diese Bemerkung möchte, wie bei frühern Gemälden Overbecks, so auch bei diesem seinem neueste» ihre Anwendung finden. — Die Tafel hat eine Höhe von beiläufig achtzehn Fuß; schmal und spitz- bogig zeigt sie die Grundform des gothischen Fensters. In der obersten Abiheilnng leuchtet im weißen VerklärungSgewande — aufblickend, ausschwebend, Maria, mit gefalteten Händen in senkrechter, feierlicher Hallung, in ovaler Goldglorie, von Engeln umgeben, welche durch effektvolle Bewegungen die hehre Ruhe der Hi'mmelsköuigiu desto fühlbarer machen und zum Zeichen der SeligkeilSsülle die acht Seligkeiten symbolisch repräsentiren. Die Königin aller Heiligen schwebte schon über die Chöre der Heiligen empor. Diese erscheinen in der Mitte des BildeS, den himmlischen Einzug der lang ersehnte» Gottesmutter verherrlichend. Die Gruppe zur Rechten *) eröffnet Abraham, knieend, das Opfermesser emporhaltend, mit Jubel aufblickend zu Derjenigen, die ihren Sohn in der That als Opfer dahingegeben; neben dem Erzvater der Sohn Jsaak als junger Mann, auffallend durch den Christus-Typus seines KovfeS; hinter ihm Jakob. Adam und Eva beschließen diese Gruppe; Adam, nicht als der ideale Urmeusch, sondern als der begnadigte Vater der Sünde und des TodeS; Eva — mit Rührung emporschauend znr wahren Eva, ein Bezug, den die augenscheinliche Aehnlichkeit deS Gesichtes noch entschiedener bezeichnet. Den Patriarchen gegenüber sehen wir die Gruppe der Propheten: David an ihrer Spitze, neben Abraham knieend, die Saiten rührend, das gekrönte Haupt in Anbetung senkend. Ueber ihn ragt MoseS in hoher Gestalt, hinter beiden kniet JsaiaS in festlichem Kleide; von Ezechiel erscheint der Oberleib, von Daniel das Brustbild mit jugendlichem, in seliger Vision geneigtem, holdseligen Angesichte; mit braunem, ernsten Gesichte blickt am Rande JeremiaS hervor. — Zwischen diesen beiden Gruppe» voll drastischer Wirkung zeigt sich ein Chor von Frauen deS alteu Bundes, in perspektivischer Ferne, Sara hinter Abraham, die Heldin Judith bei David, zwischen beiden die gekrönte Esther. Ruth und Abigail sind untergeordnet. Wunderschöne, in Licht und Glanz sich rollende Wolke» trenne» die Himmlische» von der Erde, welche perspektivisch in der Tiese liegt, Meer u»d Land. In der Mitte umgeben die dreizehn Apostel (denn auch Paulus ist dabei) daS leere Grab, in optischer Verkleinerung; die Kirche links mit einer nahenden Proccssion (die jedoch erst noch zu malen ist) symbolisirt den Maria-Cult; rechts stehen die Erzbischöse Droste-Vischering und Cardinal Geisel, als Führer der marianischen Andacht in ihrem Dome. Diese tief liegende dämmerige Croenscene coutrastirt zur lichten HimmelSglorie in ei»er Weise, daß die Worte durch die Seele töne«: „WaS oben ist, habet im Sinne, nicht was auf Erden." Ohne Zweifel wird das Bild in Deutschland bei aller Anerkennung und Bewunderung auf verschiedene Einwendungen 5, Bei Schilderungen von Kuustwcrken sollte man sich doch endlich zur gemeinsamen Beachtung der vom Objecte aus bestimmten Orientirung einigen, sonst verfällt man in das Absurduni, sagen zu müssen: „dort links, der rechte Fuß." 224 stoßen: den Einen wird daS Antlitz der Madonna zu breit seyn, den Andern wird Adam nicht genügen; Manche werden mit dieser originellen Auffassung des Jsm'aS sich nicht zurecht finden. Dagegen wird die Menge mit Erstaunen diese nicht erwartete Farbenpracht schauen und dieses grelle Kolorit, welches der Künstler nur aus Rücksicht auf die Wirkung der GlaSgemälde nothwendig erachtete, an sich für das Rechte und Vollendete halten. Mißlich ist hierbei nur der Umstand, daß dieses Bild, welches für einen Altar des Kölner DomeS bestellt, und so ganz in dieser Bestimmung ausgeführt worden, vielleicht nicht einmal eine Stelle im Dom finden wird. Die gothischen Puritaner finden außer den Glasgemälden jedes Gemälde unvereinbar mit dem Charakter des gothischen Gotteshauses; dem Vernehmen nach wird der berühmte Altar des Wilhelm von Köln in eine Capelle verlegt und die Fresken Steinle'S werden ausgekölgt. Overbecks bewunderungswürdiges Altarbild bekommt vielleicht im Dämmer der Sacristei eine Gnadenwohnung. (Salzb. Kbl.) Burghausen. Vurghausen, 28. Juni. Die Jubiläumsfeier in Maria Ach ist von nahen und fernen Andächtigen auS Oesterreich und Bayern sehr zahlreich besucht und diese Tage über sind verschiedene Krenzzüge angelangt. Wegen des hohen Alters dieser Gnadenkirche dürfte Näheres über ihren Ursprung von allgemeinem Interesse seyn. Nach uralten noch vorhandenen Schriften ist das schöne und reiche Altar-Marienbild auf der Salzach vom Hochwasser hergetragen und nicht ferne vom jetzt neu und sehr hübsch wieder hergestellten Schlosse der Hofmark Ach verblieben. Heinrich Acher, Hofmarksherr, ließ das Bild in sein Schloß bringen, aber des andern Morgens war daS Bild wieder dort, wo es der Strom auSgetragen hatte. Der Versuch, das Bildniß inö Schloß zu übertragen, blieb dreimal ohne Erfolg. Nuu ließ Herr Heinrich Acher, vom heiligen Antriebe bewogen, diesem wunderbaren Marienbilde an eben dem Orte, wo eS immer gefunden wurde, als an einem auserkorenen LieblingSorte zur Verehrung Marias im Jahre 135^i ein Kirchlein bauen und stiftete im nämlichen Jahre auch noch ein Beneficium dazu. Mehrere Päpste verliehen den Pilgern zur Wallfahrtskirche in Ach viele und große Ablässe, so z. B. Paulus II., SirtuS XI., Junoceuz XIII., Clemens XIII. :c>, dann Benevict XIV. und neuestenS PiuS IX. DaS Vreve PiuS IX. enthält auch folgenden Satz: . . . „Wir befehlen aber auch, daß, wenn für Erlangung, Fertigung und Zulassung oder Veröffentlichung dieses Ablaßbriefes daS Mindeste gegeben oder auch nur eine freiwillige Gabe angenommen werden möchte, dieser selbe Brief keine Giltigkeit haben soll" sehr geeignet, in dieser Zeit, wo die Feinde der Kirche insbesondere dieftn Punct stets zn Verdächtigungen der Kirche auszubeuten bereit sind, solchem unredlichen Bemühen die Spitze abzubrechen. (LandSh. Ztg.) Nordamerika. Am 16. Mai l- I. feierten in St. Louis am Flusse Missouri die dort wohnenden Böhmen katholischen Glaubens den Stiftnngötag ihrer kirchlichen Gemeinde und zugleich daö Fest ihreö Landespatrons, des heiligen Johann von Nepomnk. Die Predigt hielt der hochwürdige Herr Lipowsky. Zum ersten Male ertönte in der neuen Well das Wort GottcS in böhmischer Sprache von der Kanzel. Tief ergriffen zeigte sich die zahlreiche Versammlung, die in den lieben Klängen ihrer Muttersprache das Wort GotteS verkünden hörte. Der hochwürdigste Herr Erzbischof von St. Louis ertheilte bei dieser Feier 15l1 Personen das hl. Sacrament der Firmung. Verantwortlicher Redacteur: L. Schvnche», Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.