Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angsburger PostLeitung. 23. Juli ^ 1854. Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« kr., wofür e« durch alle königl. bayer, Postämtcr und alle Buchhaudlougea bezogen werden kann. Rückerinnerung an NeuburgS Miffionäre ??. Noh, LUlet, ^weisig. Dem Menschen ward ein geistig Leben Vom ew'gen Gotte zuerkannt, Ihm Licht und Kraft und Schwung zu geben, Hat Er zu uns Euch hergesandt. Hinauf, hinauf durchs Wcltgetümmel Für Jung und Alt brecht Ihr die Bahn, .Zerstäubt den Dunst, umarmt den Himmel, „Den steilen Pfad mit Muth hinan!" So dröhnte stark in schönen Tagen, Geliebte Näter, Euer Wort, So habt Ihr Stein auf Stein getragen, Zu bau'n der Wahrheit einen Ort, So habet Ihr erfahrne Meister Gebaut am heiligen Gottcsdom, Geleitet in die durst'gen Geister Der Wahrheit und der Liebe Strom. So zeigtet Ihr des Irrthums Tücken, Das Gift für Leib, das Gift für Seel', Sö schwänget Ihr mit Flammenblicken Das Geistesschwert gleich Michael, So gabt, wie heiliges Aveläuten, Der Seele Ihr die Himmelsruh, Manch eine seht nun muthvoll schreiten ' Durch Euch, durch Euch dem Himmel zu! Es waren schöne, heil'ge Stunden, In denen Euer Wort erscholl! Wohl Mancher hat schon längst empfunden Nicht mehr so rein, so himmelvoll. Schnell ist die schöne Zeit entronnen, Und Euer Werk, es ist nun aus: Wir setzen fort, was Ihr begonnen Am neuen heil'gen Gotteshaus. 234 Dort bei dem Kreuz, wo Gnaden fließen Für'S schwache Herz im Lebensdrang, Da tön' für Euch manch warmes Grüßen Im heiligen Gebetesklang. Und seh'n wir nimmer hier auf Erden, Geliebte, theure Väter, Euch — O, mögen wir vereinigt werden, Mein Gott, doch dort im Himmelreich! Des Dankes Laut, der Herzen Grüßen, Die neue Burg, durch Euch erbaut — Dieß möge Euch den Schweiß versüßen, Der reich von Eurer Stirn' gethaut. Welch süßer Lohn für Euch — zu wissen, Daß auch am fernen Donaustrand Viel Volk auf Euer Wort zerrissen Der Sünde drückend Sklavenband! Vernehmt aus meines Liedes Klängen Von Hunderten ein Echo weh'n, Seht geistig sie um Euch sich drängen, Voll tiefstem Dank vor Euch sie steh'n! Seht auch Gebetesblüthen sprossen Für Euch zu Gott so kindlich rein, Und lasset uns auch eingeschlossen In Euerem „Memento" seyn! MisfionSbericht vom Jahre 18S3 an den hochlöblichen Ludwigs-Missionsverein zu München, von ?. F. Zt. Weninger, Priester aus der Gesellschaft Jesu und Missionär in Nordamerika. 5 Nachdem ich den NeujahrStag in Cincinnati gefeiert, begann ich für dieses Jahr meine Missionsarbeiten in der Diöcese Cleveland. Dort gab ich die letzte Misston im Jahre 1852 und somit eilte ich wieder in diese Diöcese, um allen noch übrigen deutschen Gemeinden dieselbe geistliche Hilfe zuzuwenden. Dieser Theil Ohios wurde vorzüglich von den Deutschen in den früheren Jahren in Besitz genommen, und da es der deutschen Priester verhäUnißmäßig immer nur wenige gab, fand ich Herzen, welche nach dem Worte GotteS ganz sehnsuchtsvoll, wie die durch Sonnenhitze verdorrte Erde, nach einem erfrischenden Regen lechzten. Wenn eine Mission in Deutschland dem Volke gewöhnlich schon so großen Trost und Segen bringt, was soll man erst hier Landes sagen, wo das Volk oft der gewöhnlichen priesterlichen Hilfe entbehrt. Der erste Platz, den ich besuchte, war die Gemeinde zu Schelby. Ich gab daselbst eine Erneuerung der Mission, welche ich einst daselbst hielt, und 'eilte hierauf nach der Stadt und Umgebung von Norwalk, wo in zwei Gemeinden die Mission gegeben wnrde, nämlich in der St. Alphons und heil. Peterskirche. Hierauf begab ich mich nach SanduSky. SandnSky liegt am See Erie. Es ist eine Stadt von 20,000 Einwohnern, darunter viele Deutsche. Als die Jünglinge ihre Generalcommunion feierten, brachte ich die ganze Nacht bis zur Messe am folgenden Morgen im Beichtstühle zu. Auch an den andern Tagen hatte man bis lange nach Mitternacht Beicht zu hören. Wie in allen größeren Städten hier, haben auch in SanduSky die Atheisten aus Deutschland ihre ClubbS. Da geschah eS, daß bei einer Versammlung die Mission zur Sprache kam. Man berathschlagte, was dagegen zu thun sey? Da erbot sich einer der Aergsten, er wolle sogleich selbst in die 235 Kirche gehen, und über meine Missionspredigt Bericht erstatten. Anstatt aber in die Clubbversammlung zurückzukehren, ergriff ihn die Predigt also, daß er auf einmal wieder die Gnade deS heiligen Glaubens erlangte, und sogleich zu mir eilte, um mir sein Gewissen aufzuschließen und Hilfe zu suchen für das Heil seiner Seele. Mit dem Feste Maria Lichtmeß begann ich die Mission in Thompson, Es ist dieß daS vorzüglichste HauS der Versammlung der Brüder und Schwestern vom kostbaren Blute. Ich erbaute mich ungemein an dem Eifer, der besonders in den Frauenklöstern dieser Kongregation in Amerika herrscht. Sie leben in der höchsten Armuth, und beten Tag und Nacht unausgesetzt daS allerheiligste Sacrament an. Es war mir ein großer Trost, diese Anbetung hier in Mitte so vieler Ungläubigen und Irrgläubigen mit solchem Eifer geübt zu sehen, und nahm natürlich dieses ununterbrochene Gebet für den Segen der heiligen Missionen in Anspruch. In der nächsten Kirche zu Scherman richtete ich das hundertste Missionökreuz auf, welches ich bisher in Amerika zu pflanzen das Glück und den Trost harte. Der Herr allein weiß eS, welch eine ununterbrochene Reihe von Opfern, Gefahren und Ueberwindungen eS verlangt, um auf den gebahnten und ungebahnten Wegen dieser neuen Welt, wie sich Amerika nennt, das Zeichen deS Heiles vom Süden bis zum Norden und vom Osten bis in den fernen Westen zu erheben, und man gäbe doch AlleS in der Welt freudig hin, um eS thun zu können. Aber waS vermag ein armer Mensch, wie ich bin? Nichts, der Herr nur verleiht daS Wollen und daS Volldringen! Dieses tiefinnerste Bewußtseyn dient mir zur großen Beruhigung und Ermunterung: Herr, eS ist nicht mein Werk, sondern daS Deinige; — ich sorge für Dich, sorge Du für mich! Mit andern Worten: Je weniger Ursache ich habe, auf mich selbst zu vertrauen, desto mehr Grund habe ich, auf die Hilfe GotteS zu bauen. Ich gab die nächste Mission in der heil. BernardSkirche zu Neu-Washington. Es wohnen daselbst viele Bayern. Ich habe bemerkt, daß kein Volk die Priester bei ähnlichen Gelegenheiten mit größerer Feierlichkeit und Freudenbezeugungen empfängt, wie die guten Altbayern. Es kamen mir auch hier eine große Anzahl zu Pferde entgegen mit Fahnen und Freudenschüssen, und begleiteten mich an die Kirche. Da eS Winter war, fuhren wir in Schlitten dahin. Für die Eingebornen, die man hier Aaukies (Jänky) oder Amerikaner nennt, ist eS immer sehr überraschend, wenn sie sehen, mit welcher Ehrfurcht das katholische Volk die Priester ausnimmt, in Vergleich mit'der Glcichgiltigkeit so vieler Seelen gegen ihre Pastoren. .Die nächste Mission folgte in der Stadt Tissin, in St. Johann Baptist Kirche. Eine Stadt von 10,000 Einwohnern. Der Staat Ohio (sprich Oheio) ist so dicht bewohnt, daß man glauben würde, mau lebe in Europa. Wenn ich mich nicht irre, so laö ich kürzlich, daß in diesem einen Staate, der ungefähr die Größe von Bayern hat, 36 Eisenbahn-Verzweigungen sich durchkreuzen. Ich selbst sah einmal an einer einzigen Station zugleich siebe» Bahuzüge zusammenkommen. Zn Tissin fand ich daS bestbestellte Musikorchester sür Kirchenmusik, Mau führte täglich eine neue musikalische Messe bei den Hochämtern während der Mission auf, was ich sonst noch nirgends traf. Ich gab hierauf die Mission in der sehr großen Landgemeinde der Bonifacius- kirche zu WolfSkreek. Auch hier befindet sich ein Bruder- und Franenkloster vom kostbaren Blnte. Von da kehrte ich nach Cincinnati zurück, denn Ostern nahte heran und ich trachtete die höchsten Festzeiten daselbst zuzubringen. Cincinnati war die erste Stadt, wo ich meine MissiouSthätigkeit für Amerika entfaltete, welche die größte Anzahl von deutschen Katholiken von allen Städten der Union hat, vielleicht New-Uork ausgenommen. Es leben daselbst ungefähr 40,000 deutsche Katholiken, und das katholische Leben wurzelt hier tief. Ich betrachte diese Stadt wie meine Vaterstadt für Amerika, und Ohio wie mein neues Vaterland, obwohl ich nun seit Jahren größtentheils abwesend bin. Ich wollte noch in der Passionswoche die Erneuerung der Mission in der großen St. JohanniSgemeinde abhalten, wo ich einst im Jahre 1343 die Mission gab. So 236 geschah es auch, und es naheten sich wieder in dieser einen Pfarrkirche an 1500 Ehemänner dem Tische deS Herrn, Ich halte diese Gemeinde für die größte in Amerika, und sie ist zugleich eine der am besten geordneten. Dieß verdankt sie der eifrigen Seelsorge der PP. FranciScaner ans der Tyrolerprovinz. Pater Superior, der kürzlich ankani, und den ich als Pater Quardian einst in Salzburg kennen lernte, nahm keinen Anstand zu sagen, man könne diese Gemeinde der besten in Tyrol zur Seile stellen. In dieser Kirche feierte ich auch die heilige Charwvche und das hohe Osterfest. Ich wüßte keine Kirche in Deutschland, wo alle Functionen dieser heiligen Zeit mir mehr Andacht und Feierlichkeit begangen wurden. Am heiligen Grabe brannten vom Gründonnerstag bis zum Abend deS CharsamstagS an 300 Lampen und Lichter. Am hohen Osterfest ertönte mit vollem Orchester das Alleluja, daS meinen Freunden in Tyrol und Oesterreich wohl bekannt ist, und ich feierte den Nachmittag in der mir so lieben St. Philomenenkirche auf gleich festliche Weise, Gleich darauf kehrte ich in die Diöcese Cleveland zurück. Ich gab noch daselbst die Mission in Glanvorf in der St. Johanniskirche. Auch hier ist ein Bruder- und Nonnenkloster vom kostbaren Blute. Ju dieser Gemeinde lebte ein einziger alter Protestant, ein Schmid von Profession, dessen Bekehrung merkwürdig war, Er hatte einen Sohn von ungefähr zehn Jahren, den er katholisch erziehen ließ. Er selbst konnte sich jedoch nicht entschließen, ein Kind der allein wahren Kirche Christi zu werden, da daS Borurtheil zu fest wurzelte, eS wäre eine Schande, im Aller die Religion zu wechseln. Umsonst stellte man ihm vor, daß dieß kein Wechsel sey, wenn man zu jener Religion zurückkehrt, welche die einzig wahre ist, und welche Menschen einst mit dem Irrthum vertauschten. Bon einem Wechsel könne bei der Einheit keine Rede seyn; so wenig als der Ausdruck richtig ist: wie viele Götter gibt es. Gott ist Gott — und sein Reich ist sein Reich, die eine von Christus gestiftete Kirche, die mauzwar verkennen, nie aber ändern kann; so wenig als der Mensch, wollte er anch, im Stande ist, etwas in der Natur, wag ihr Wesen und ihre Kräfte beirifft, zu ändern. Der alte Mann war blind für daS helle Licht dieser Wahrheil; allein er konnte nicht dem Blick seines KindeS widerstehen, dem Gott die erlenchtende Kraft seiner Gnade gewährte. Dieses Kind — sein Sohn trug das Kreuz iu der Processivn vor den Kindern, als man mich zur Kirche abholte. Als der Knabe das Kreuzbild in der Hand vor dem Bater vorüberging, blickte er denselben so freundlich, fromm und froh an, daß daö Herz des Vaters sich in demselben Augenblick der Wahrheit zuwendete, und er sogleich den festen Entschluß faßte, katholisch zu werden, was auch noch während der Mission geschah. Ich besuchte hierauf noch eine Landgemeinde, die lange den Trost und die Hilfe der Seelsorge entbehrte. Dieser Theil OhioS war vor einigen Jahren noch wenig bewohnt, und wilder Busch (so nennt man hier einen Wald). Man wird in Deutschland etwas befremdet seyn, wenn man in Briefen, Zeitungen :c. immer nur Busch — und nicht Wald sagen hört. Wer einen amerikanischen Waid gesellen, dem ist die Sache kein Räthsel mehr. Die amerikanischen Wälder sind, wo noch keine fleißige Cultur geübt wird, so dicht verwachsen, und die vielen gefallenen Bäume liegen so kreuz und quer durcheinander, daß daö Gewächse mehr den Namen Busch als Wald verdient. Nach und nach wird auch hier der Busch zum Wald gelichtet werden, nie aber wird sich mehr der Name Wald in Amerika geltend machen. Busch, jeS (ja), firen (etwas ordnen), very well (ganz recht), dieß sind Worte, die den deutschen Einwanderern am ersten Tag schon bei Ohren und Augen in den Mund dringen, und die er auch beständig im Mnnde hat. Man dürfte manchen am zweiten, dritten Tag fragen: sprichst du deulsch? und er wird antworten: jeS. Es ist auch merkwürdig, wie sehr sich die Deutschen, auch vom gemeinsten Stande, schämen deutsch zn reden, und wie gerne sie auch ein, wenn gleich ganz gebrochenes Englisch hcrstammeln. Ich fragte einst einen Arbeiter am See Michigan: sprichst du deutsch? Da amwortet er: nir vcrstend, anstatt des englischen I ci'ont untkr5tgr>6. Dummer Kerl, sagte ich, du kannst ja nicht einmal so viel Englisch, daß du recht 237 sagen könntest: ich kann'S nicht. Warum schämst du dich deutsch zu reden? — Uebri- genS lernen die Kinder mit unglaublicher Schnelligkeit englisch, und so auch die Dienstmädchen, die bei englischen Familien dienen. Ueberhaupt sprechen die Mädchen und Frauen das Englische viel deutlicher aus, und lernen eS auch schneller. Ich fragte einen Amerikaner um die Ursache, der mir darauf die ganz naive Antwort gab : Kein Wunder, sie plaudern und schwätzen ja so viel. Ich kehre zu meinem Missionsbericht zurück. Der Monat Mai nahte heran, und ein Geschäft von großer Wichtigkeit rief mich wieder nach Cincinnati. Seit einigen Jahren ersuchte mich schon der hochwürdigste seeleneisrige Erzbischof Purcell, die Statuten der Diöcese zu entwerfen und auszuarbeiten, was ich jedoch immer von mir ablehnte. Endlich drang der hochwürdigste Pr-ilal so sehr in mich, daß ich mich dazu entschloß. Ich verwendete mit größler Anstrengung dazu den vollen Monat Mai, doch so, daß ich täglich zu Ehren der seligsten Jungfrau in der hl. Philvmenenkirche vor einem hochfestlich gezierten und beleuchteten Altare predigte. Die vielen Kerzen, in deren Mitte das schöne Marienbild von acht Fuß Höhe aus Goldgrund stand, bildeten ein flammendes großes Herz. — Ich übergab dem hochwürdigsten Erzbischof am Ende deö Monates meine Arbeit, und ich hoffe von derselben mehr Frucht und Nutzen für den Weinberg des Herrn, als von vielen, vielen Missionen. Gott verleihe dazu seinen gnadenreichsten Segen! Ich gab hierauf noch an vier Kirchen der Erzdiöcese Cincinnati die Mission, nämlich in der hl. Josephkirche zu Ccmal Dover, in der Kirche Johannes von Gott, Mariä Himmelfahrt zn Mansches un.'> in der hl. Xavicrkirchc zu Lodi. In dieser letzten Gemeinde trug sich ein merkwürdiger BekehrungSfall zu. Man fragte, wo ich wohnen wolle, da zunächst der Kirche kein Katholik wohne, bei dem ich verweilen könne, ausgenommen ein bloßer Nameukathvlik, ein sonst geachteter Mann, der aber schon dreißig Jahre nicht mehr gebeichtet, eine protestannsche Frau geehelicht habe und seine Kinder protestantisch erziehen lasse. Kein Priester sey deshalb jemals mehr in sein Haus gekommen. Ich erwiderte: „Gerade daS ist der Mann, bei dem ich Wohnung nehmen will." Ich dachte mir, durch dieses Zeichen von Freundschaft und Wohlwollen werde ich daS Herz des Unglücklichen für mich stimmen, und so vielleicht seine Seele gewinnen. Ich hatte mich nicht getäuscht. Durch diese meine freundliche Nähe nnd Auszeichnung gewonnen, trug er sich schon am ersten Tage zur heiligen Beicht an, und versprach alle seine Kinder katholisch erziehen zu lassen. Ich taufte selbst einen erwachsenen Knaben. Sein Weib zeigte gleichfalls große Geneigtheit, sich zur heiligen Kirche zu bekehren, was auch, wie ich hoffe, geschehen wird. Ueberdieß lud der Mann, da er Vermögen besitzt, Alle, die wollten, täglich zur offenen Tafel, namentlich die zn weil wohnten, um zum MittagSmahle nach Hause zu gehen, welche Einladung auch Viele beuütztcn. — Ich dankte Gott, daß ich folgend dem Beispiele des Schntzpatrones dieser Gemeinde, des heiligen Tavcrius, einen Lazarus in seinem Grabe aufgesucht und mit Gottes Beistand glücklich wieder zum Leben der Gnade erwecken konnte, gewonnen durch Milde und Zuvorkommenheit von meiner Seile. Es nahete nun die Zeit der Einweihung der Kathedrale zu Milwaukie in Wisconsin. Der hochwürdigste Bischos Henni lud mich ein derselben beizuwohnen und dem deutschen Klerus seiner Diöcese zugleich zur selben Zeit die heiligen Erercitien abzuhalten. Auf meinem Wege dahin passirte ich die Diöcese Chicago und gab in zwei Gemeinden die heilige Mission; nämlich in der St. Marienkirche zu Luffalo Grove, und in der St. Josephökirche zu M. Henry. Die Priestererercitien ju Milwaukie wurden von dem deutschen KieruS mit dem größten Eifer benützt. Keine Diöcese der Vereinigten Staaten hat so viele deutsche Priester, besonders aus Oesterreich und Bayern, als Wisconsin. Man erinnert sich in dieser Diöcese sehr lebhaft an das alte Vaterland. DaS fchönstc Anzeichen, mit welchem Segen diese Priester den geistlichen Uebungen beigewohnt, gab ihr Entschluß, den sie am Ende derselben gesaßt, nud der nun wirklich durchgeführt wird: nämlich ein Knabenseminar für die Heranbildung von Geistlichen zu stiften, wozu dieselben, obwohl selbst arm, meines 238 Wissens sogleich an 3WV Dollars unterzeichneten. Wenn der Herr zu diesem Werke seinen Segen gibt, so sind die Folgen unberechenbar einflußreich für das Wohl der Gläubigen, namentlich der deutschen. Zur Consecration der Kathedrale fand sich zum großen Jubel der ganzen Diöcese, und namentlich der Stadt und deS so eben daselbst versammelten Klerus, der päpstliche Nuncius, Monfignor Bedini, Erzbischof von Theben, ein, welcher auch die Einweihung der Kathedrale selbst vornahm. Dieses prachtvolle Gebäude steht mitten in der Stadt auf dem erhabensten Theil derselben, und dominirt sie besonders gegen die Seeseilc hin, wo die Kathedrale das Gebäude ist, welches man vom Schiffe aus zuerst in der Entfernung von vielen Meilen erblickt. Die übrigen Tausende von Häusern dieser ausgedehnten Stadt scheinen sich um dieses erhabenste Gebäude gleichsam wie die Küchlein unter die Flügel der Henne zu drängen: dieses Bild stellte sich mir so oft vor, als ich nach dieser Stadt vom See aus kam. Der Act der Consecration selbst war ein für Amerika gewiß noch nie gesehener, und wird in der Geschichte der Kirche dieses Landes für immer einen ausgezeichneten Platz einnehmen. Da wo vor einigen wenigen Jahren noch die wilden Indianer ihre Kriegsversammlungen hielten, steht nun eine prächtige Kathedrale in Mitte einer großen Stadt, die ein Gesandter des heiligen Vaters einweiht, unter Assistenz von zwei Erzbischöfen, drei Bischöfen und über siebzig Priestern. *) Hierauf gab ich noch eine Mission zu Neutrier in Illinois und zu Neuköln in Wisconsin und begab mich nach dem Staate Iowa (Ajowe) um die Diöcese Dubugue mit Abhaltung von Missionen zu durchreisen. Meine Absicht war zwar eine ganz andere. Ich dachte besser zn thun, wenn ich mich nur vorerst den östlichen Staaten zuwendete. Da ist die deutsche Bevölkerung, wie man hier sagt, bereits gesettelt, d. h. so angesiedelt, daß wenige neue Einwanderer sich mehr im Lande niederlassen. DaS Land ist in diesen ältern Staaten für die armen ankommenden Deutschen bereits zu theuer; die müssen ihre neue Heimat in dem ferneren Westen suchen, wo man noch den Acre Land um einen Thaler vom Staate kauft. Handwerker, die neu ankommen, siedeln sich jedoch in den Städten der östlichen Staaten noch fortwährend an. Ich dachte demnach besser und klüger zu thun, wenn ich diese bereits arrondirten Gemeinden vorerst besuchte, während welcher Zeit sich die westlichen beinahe täglich vergrößern, und dann zurück in den Westen zu kehren, um an demselben Platz vielleicht dreimal mehr Katholiken zu finden, als es dort derzeit in den sich bildenden Gemeinden gibt. Indeß „der Mensch denkt, Gott lenkt", ist ein alteS, bewährtes deutsches Sprichwort, das sich auch hier aus hocket erfreuliche und trostreiche Weise bewährte. Se. Gnaden der hochwürdigste Bischof LoraS ließ mich nämlich durch den hochwür- digsten Bischof Henni von Milwaukie ersuchen, seine Diöcese in diesem Jahre zn bereisen. Der hochwürdigste Bischof Henni sagte dieß sogleich in meinem Namen zu, weil er wußte, daß ich die Absicht hätte, den westlichen Theil Wisconsins zu besuche», dem gegenüber der Staat Iowa liegt. So war ich nnbefragt durch ein bischöfliches Wort gebunden, worauf noch eine Menge von Umstänsen und Einladungen mich in jene Gegenden drängte. Ich konnte nicht anders als denken, eS sey so dci heiligste Wille GoiteS, und er war eS in der That, ja ich überzeugte mich an Ort und Stelle augenscheinlich dessen. (Schluß folgt.) Die Einweihung der Schneekoppencapelle. BreSlau Am 21. v. M. hat der hochwürdigste Fürstbischof daS höchst gelegene Gotteshaus in Norddeulschland, die Schneekoppencapelle, feierlich geweibt. Ueber diese Feier wird dem Schl. Kchbl, geschrieben: Vormittags predigte der hochwürdigste Erzbischof von New-Bork, Dr, Hughes. Nachmittags hielt ich die Predigt an die Deutschen. Abends predigte der hochwürdigste Erzbischof von Eincinnali. 239 »Unser hochwürdigster Fürstbischof kamen Montag Abends den 19. JuniHin Warmbrunn an. Der kommende Tag versammelte den gesammten ArchipresbyteratS- Klerns um seinen hohen Herrn; und an der gastlichen Tafel Sr. Ercellenz des Herrn Grasen Schaaffgotsch hörten wir aus dessen Munde ein Wort, daS, weil gesprochen von einem der ersten katholischen Standesherren Schlesiens, als ein Act katholischer Gesinnung uns unvergeßlich bleiben wird; und ich erlaube mir, dasselbe Ihnen fast wörtlich darnm mitzutheilen, weil wir nur beten können, daß eS sein Echo finden möge in allen Edelhöfen der christlichen Welt. „Meine Herren und hochverehrten Gäste!" sprachen Se. Ercellenz, „Wir stehen am Vorabende eines Festes, bei welchem das Loblied der Engel: „Ehre sey Gott in der Höhe" aufs Neue in erhebender Weise ans der höchsten Spitze des nördlichen Deutschlands ertönen soll. ES gereicht mir zur großen Freude, daß daS Gotteshaus fünftausend Fuß über dem Meeresspiegel, welches ein gotteSfürchtiger Vorfahr auf hohem 'Felsengrunde errichtet, das aber die Unbill der Zeiten seinem erhabenen Zwecke entfremdet hat, der Feier der heiligen Geheimnisse wieder geöffnet werden wird. Hierbei rechne ich es mir zu hoher Ehre, daß neben dem Namen Sr. fürstbischöflichen Gnaden auch der meinige genannt werden wird, und füge dem die Versicherung bei, daß, gleichwie auf Felsengrund dieses Gotteshaus errichtet ist — ein Abbild der für die Ewigkeit auf Petri Felsen gegründeten Kirche — auch eine katholisch-kirchliche Gesinnung in meinem Innern stets gegründet seyn, und ich als treuer Sohn der Kirche mich stets bezeugen werde. Ich spreche cS aus, ja ich bin deß' gewiß, daß stets ein Schaaffgotsch der Hüter dieses Gotteshauses seyn und die Familie Schaaffgotsch jene katholisch-kirchliche Gesinnung stets in Thaten bekräftigen wird." ' Bei heiterm Wetter wurde Nachmittags das Hochgebirge bestiegen. Unser geliebter Fürstbischof legten abwechselnd große Strecken zu Fuß zurück. Um acht Uhr Morgens den 31. Jnni begann die feierliche Reconciliation der Capelle, worauf seit 43 Jahren das erste Kloria in excslsis vec> wieder ertönte. Nach dem Evangelium wandten sich der hochwürdigste Oberhirt an das Volk. Meine Feder kann nicht die Wahrheit, Kraft und Würde dieser apostolischen Rede wieder geben; was brauche ich auch mehr zu sagen, als unser hochwürdigster Fürstbischof Heinrich hat gesprochen, und alle Welt weiß, wie er gesprochen hat. Ausgehend von den Worten des königlichen Propheten: .,Jch erhebe meine Angen zu den Bergen, von wo mir Hilfe kommt!" zeigte uns unser Chrysostomus, wie Golt sich oftmals der irdischen Höhen bedient habe, um unsere Seelen auS deu Tiefen der Sünde zu den himmlischen Höhen zu führen. Sie können sich vorstellen, wie ergreifend diese Schilderungen seyn mußten, ausgeführt in der beredten Sprache unsers geliebten Bischofs. Und als Hochderjelbe sich zuletzt an Se. Ercellenz den edlen Grafen wandte, versichernd, er könne alle seine Gefühle deS heutigen TageS nur in Einem Worte aussprechen, nämlich: „Gott lohne es! Gott lohne es Ihnen und Ihrem ganzen gräflichen Hause mit Seinem Segen und Frieden, den hier nicht die Welt, doch daS Bewußtseyn einer edlen That gibt", — da habe ich manchen Mannes Auge von Thränen feucht gesehen, und zwar von Thränen, die der Mensch selten aber gern weint, nämlich von Freudenthränen. Glücklich gelangten Se. sürstbischöfliche Gnaden wieder in das Thal; und der kommende Donnerstag führte Hochdenselben nach Hirschberg, das in wenig Stunden mit Blumen und Reisern sich geschmückt und seine Straßen, über die der geliebte Oberhirt einzog, mit frischem Grün bestreut hatte. Magistrat und Stadtverordnete, so wie die Spitzen der übrigen Behörden, begrüßten an der Thür des Pfarrhauses den hohen Kirchenfürsten, der sichtlich überrascht war von so vielen Beweisen der Huldigung und Liebe, die von keinem Menschen angeordnet oder befohlen, freiwillig wie durch einen Zauber entstanden waren. — Liebreiche väterliche Segensworte sprach auch hier der würdige Nachfolger der Apostel über Hirschberg und seine Bewohner. Ueberfüllt waren die geräumigen Hallen deö Gotteshauses von den Thalbewohnern, die, den bedeutenden Wochenmarkt besuchend, nicht das Glück geahnt hatten, einen katholischen Bischof einmal sprechen zu hören I — Nachdem gegen fünfzig Personen 240 noch das heilige Sacrament der Firmung erhalten hatten, setzten Se. fürstbischöfliche Gnaden Ihre Weiterreise nach BreSlau fort. Gründung einer orientalisch-christlichen Gesellschaft. Rom, 29. Juni. ES steht hier in Rom, unter der Aegide deS PapsteS und den Auspicien der heiligen Congregation cls propgMircis iiele die Gründung einer orientalisch-christlichen Gesellschaft nahe bevor. Stifter derselben soll ein griechischer Unterthan der ottomanischen Pforte, Jakob Pitzipios auS Scio, seyn, ein Mann von feinem Verstände und tiefen Kenntnissen in Bezug auf die Geschichte der griechisch- byzantinischen Nation und der unseligen Trennung vom Mittelpunct der religiösen Einheit, Schon seit vielen Jahren stimmte er aus fester Ueberzeugung der katholischen Lehre bei, und war mit Mund und Herz ein tüchtiger Versechter deS Grundsatzes von der Oberhoheit dcö heiligen Vaters; da er aber an die Spitze der gedachten Gesellschaft treten soll, so hat er dieser Tage die von Photius eingeführten und von CerulariuS wieder aufgewärmte» Irrthümer in die Hände des Präfccten der Propaganda, Cardinal Franzoni, förmlich abgeschworen, und ist mit Frenden in den Schooß der römischen Kirche aufgenommen worden. Der Zweck der orientalisch-christlichen Gesellschaft ist, wie leicht zu begreifen, die Wiedervereinigung der orientalischen Kirche aller Rilen.und Nationen mit der katholischen und apostolischen Kirche zu Rom, ohne irgend eine Veränderung oder Umgestaltung derjenigen nationalen Riten, die sich auf das Ansehen der Tradition wie auf die Genehmigung durch die höchste Gewalt deS sichtbaren Oberhauptes der ganzen Kirche stützen. Die Gesellschaft geht von dem Grundsätze aus: der Beschluß über die Wiedervereinigung der Griechen mit den Lateinern, von hh. allgemeinen Concil von Florenz am 5. Juli 1439 erlassen und vom Papst Eugen IV., von Johann PalciologuS, Kaiser von Constantinopel:c,, so wie von den versammelten Vätern des Orients und Occidents bestätigt, bestehe noch heute in voller Kraft und Geltung bei der griechischen Kirche, in so fern er von eben dieser Kirche niemals amtlich und feierlich entkräftet oder aufgehoben worden; die Wiedervereinigung besteht demnach zu Recht und daö Bestreben der Gesellschaft zielt dahin, sie sactisch in Vollzug zu bringen. Ihre Mittel zur Erreichung unter Gottes Beistände eines so hochwichtigen Ziels werden folgende seyn: l) unter den Griechen die Kenntniß der Verhandlungen und ganz besonders deS Endbeschlusses der Florentinischen Kirchenversammlung zu verbreiten uud populär zu machen; 2) den Giundsatz öffentlich auszusprechen und gleichermaßen zu verbreite", daß die Wiedervereinigung nie widerrufen worden und folglich von Rechtswegen in voller Kraft fortbesteht; 3) verschiedene Schriften herauszugeben, die in schlichter, Jedem verständlicher Form über Grundlage, Motive und Vortheile der Wiedervereinigung belehren; 4) um zu diesem Behufe sich auch der TageSblätter zu bedienen; 5) überall, wo es der Zweck der Gesellschaft erheischt, Localvereine und Agenten einzusetzen, die unter Leitung des zu Rom sitzenden Centralraths das heilige Unternehmen zu fördern haben. Die Gesellschaft würde nicht abgeneigt seyn, je nach den Umständen auch diplomatische Mittel anzuwenden; denn obschon sie nur einen geistig-religiösen Zweck anstrebt, so ist dieser Zweck seinem Wesen nach doch auch politisch und materiell, indem er daraus gerichtet ist, die überaus wichtige Frage vom russischen Patronat über die der hohen Pforte politisch unterworfenen schismatischen Griechen zu lösen, oder richtiger gesprochen, zu beseitigen, in so fern durch den beabsichtigten Eintritt dieser Griechen in die römische Kirche Zweck und Gegenstand der russischen Schutz- Herrlichkeit wegfällt. Von diesem Gesichtspunkte ans müßten nicht blos die katholischen, sondern auch die heterodoren Fürsten, die den Fortschritt von Rußlands Uebergriffen hemmen wollen, die orientalisch-christliche Gesellschaft beschützen und ihren Plan fördern helfen. (D. Nh.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Kr einer.