Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger NoKMung. 30. Juli ^ 1854. DteseS Blatt erscheint regelmäßig «Ue T-ouutage. Der haldjährige Abon»em^nl«prei« kr., wofür e< durch alle köuifll. bayer. Poilümter und alle Buchhaudlunne« de^oaen werde» kanv. Missivnsbericht vom Jahre an den hochlöblichen Ludwigs-Missionsverein zu München, von ?, F. X. Weninger, Priester aus der Gesellschaft Jesu und Missionär in Nordamerika. (Schluß.) Ich eröffnete die erste Mission in der Stadt Dubugue selbst, der größten Stadt im Staate, am Mississippi gelegen, woselbst auch der Bischof sunen Sitz hat. Iowa zählt unter seinen Bewohnern viele der Flüchtlinge auS Europa, und somit eine Menge der entschiedensten ReligivuSfeinde, ja man muß eS sagen, der rasendsten GvtteSfeinde. Wie ungelegen kam diesen radikalen Satanssöhnen die Abhaltung der Mission, und ihr belebender nnd rettender Einfluß. Wie oft hörte ich hier und durch ganz Iowa die sich uuabläßig wiederholende Versicherung: „Wären Sie jetzt nicht gekommen, ich wäre ewig verloren; ich war schon daran, allen Glauben und alle Religion fahren zu lassen!" Die Erbitterung der feindseligen atbeistisch-antichristlichen Partei gab sich dagegen auch sogleich nnd deutlich genug dadurch gegen mich kund, daß man mir zweimal nach dem Leben strebte. Einmal dadurch, daß man eine Flasche Scheidcwasser oder Bitriolöl durch daö Fenster an mein Belle warf; das andere Mal bei Hellem Tage, auf offener Slraße. Ich ging im Priestcrklei» d. h. mit meinem OrdenSkleide zu «inem Kranken, und hatte daS allerheiligste Sacrament bei mir. Da sprengten zwei Reiter die Gasse daher, von denen der eine, als er mich im Pnesteikleide erblickte, dem Andern sogleich zurief: ..Reit doch den Pfaffen nieder!" Wüklich sprengt dieser im vollsten Galopp gegen mich Hera». Ich wich kein Haar, sondern ließ ihn heransprengen. Schon war das Pferd ganz an mir, da riß er eS plötzlich zur Seile. Ich meinte, eS werde vielleicht gegen mich ausschlageu, indeß es geschah mir kein Leid, meine Stunde war noch nicht gekommen. Ich weih nicht, hat ihn meine Ruhe erschreckt, oder welche nächste Ursache ihn bewog das Pferd wegzureißen, gerade bevor eö mich niedertreten sollte. Nach der Mission zu Dubugue kehrte ich iu die Stadt Galeua zurück, nicht weil von Dubugue am entgegengesetzte» Ufer des Mississippi im Staate JlliuoiS. Es ist dieß eine sehr reiche Handelsstadt mil ergiebigen Bleimiucu, Mancher auch katholischer bedürftiger Hausbesitzer fing an zu graben, und wnrbc auf einmal ein reicher Mann. Galena gewährt einen ganz andern Anblick als sonst die Städte in Amerika. Die sind gewöhnlich höchst bequem, mit vielen Straßen; hier ist die Stadt wie ein Bethlehem in die Berge eingezwängt. Bon Galena auö besuchte ich das HauS der Dominicaner am Berge Sinsinncuva. Nicht leicht wird man in der Well ein Kloster finden, von wo auS man eine weitere und herrlichere Aussicht gcnösse, als von diesem Hause. Ich sagte eine Mission zu, doch vorerst mußte ich Iowa durchgehen. Ich besuchte da nun zuerst die Gemeinde zu SchellSmound, und hieraus daö M 242 mir so lieb und unvergeßlich trostreich gewordene Guttenberg. Diese Stadt liegt am Mississippi, und ein Ereigniß ganz außerordenilicher Art trug sich am Schlüsse der Mission bei Aufpflanzung deS MisstonSkreuzeS zu, welches mich wohl, so lange ich in meinen Missionsarbeiten athme, trösten und ermuntern wird. Die Kirche ist der unbefleckten Empfängnis) Maria geweiht. Ich feierte daselbst am Rosenkranz-Sonntag den 35jährigen Gedächtnißtag meiner Primiz in der Kirche Maria Stiegen zu Wien. Die Mission schloß sich am 7. October als am ersten Freitag des MonatS. Wir trugen das große Missionskreuz in feierlicher Procession gegen drei Uhr Nachmittag und richteten eS im Freien neben der Kirche auf. So wie nun das Kreuz sich zu erheben begann, erschien am blauen Himmel gerade über dem MissionSkreuz ein großes weißes Kreuz von ungefähr 1W Fuß Lange und der Querbalken 25 Fuß. Der Körper des Kreuzes war ungefähr zwei Fuß. Dieses Kreuz stand am Himmel bis das MissionSkreuz in die Erde gesenkt war, beiläufig eine gute Viertelstunde. Alsdann begann eS sich noch höher zu heben, und ganz glorreich wie in Duft und Strahlen zu zerfließen. In einiger Entfernung von beiden Seiten deS KreuzeS sah man die Bildung von zwei Palmzweigen, so wie man selbe in den Händen der Märtyrer zeichnet, ebenfalls weiß wie das Kreuz. Eine protestantische Frau soll die erste gewesen seyn, die Andere auf diese himmlische Erscheinung aufmerksam machte. Wie groß der Trost und die Freude im Herrn unter dem Volke war, das wird der fromme Leser leicht ermessen. Was mich betrifft, so war und bleibt der Eindruck nur immer einer und derselbe: ich dankte und danke nämlich dem Herrn vom Grunde meines Herzens und der innersten Tiefe meiner Seele, ein Anzeichen gesehen zu haben, das mich zu versichern schien: „der Wille GotteS geschehe durch mich aus Erden, und sein Segen begleite das Werk." Diese Beruhigung gilt mir mehr als alle Wunder der Welt. Ich fühlte mich gar nicht aufgefordert, weiterS darüber ein Won zu rede» oder zu schreiben, allein der hochwürdigste Bischof von Dubugue nahm es anders. Er schick-e sogleich zwei seiner Priester an Ort und Stelle, um die Aussage der Zeugen zu vernehmen, welche bereit wären, eidlich die Thalsache zu bestätigen, was auch wirklich geschah. UcbrigenS wiederhole ich, mir ist und bleibt es eins, ob ein Mensch in der Welt das Ereigniß glaubt oder nicht, oder eS so oder so erklären wolle; ich werde den Nutzen, den meine Seele daraus geschöpft und bewahrt, immer mit heißestem Dank gegen den Herrn zu bewahren suchen, und muthig vorwärts gehen in seinem heiligen Dienste für das Heil so vieler durch sein heiliges Kreuz erkauften Seelen. Ich begab mich hierauf nach dem sehr nördlich gelegenen Fort Atuison, und sanv daselbst eine Gemeinde, großentheils bestehend aus Deutschen, bei welchen ich zu Oldenburg-Jndiana die erste Mission in Amerika im Jahre 1848 gegeben. Sehr oft ziehen Einwanderer nach einiger Zeit in einen andern Staat, wenn sie am ersten Platz sich einiges Vermögen erworben haben, mit welchem sie in einem ferneren Staat oft zehnmal so viel Land sich kaufen, als sie früher besaßen. Iowa hat einen ausgezeichneten Boden, wenn gleich eS anderseits so ziemlich holzarm ist und auS Prärien besteht. Die nächste Mission gab ich zu Neuwien. Der hochwürdigste Bischof benamue die Stadt so aus Dankbarkeil gegen die Spendnngen deS LeopoldinenvereineS. Ein Tiroler, Herr Lentner, ist daselbst Seelsorger. Ueber ZölZ Familien wohnen daselbst, ohne daß nur ein Protestant dazwischen wohnte. Die letzten drei nahm ich bei der Mission in die katholische Kirche auf Ich begab mich von dort nach Dnbugue und desuchle das in der Nähe der Sladi gelegene Trappistentloster. Es war mir interessant, auf dem Wege meines thätigen MissionSlebcnS in die beschauliche Stille eines TrappistcnklosterS einzugehen. Ich fühlte selbst in meiner Jugend, und auch als Weltpriester den stärksten Zug zu einem ganz beschaulichen Leben, und hatte wirklich den Trost, in meinen Studienjahren als Theolog mitten in dem Gewühle der Residenzstadt Wien das einsame Leben eines Kamaldulensers zu leben. Ich schätze mich nun aber noch weit glücklicher als Jesuit und OrdenSmann beide Lebensweisen zu vereinigen. Das Trappistenleben würde mich überdieß deshalb nie ansprechen, weil 243 eS bei aller Einsamkeit die Weihe der Einsamkeit nicht hat, da alles, Gebet, Arbeit,c. gemeinsam geschieht, ja selbst der Schlafsaal gemeinsam ist. Da liebte ich unvergleichbar mehr daS Karthäuserleben; eS schiene mir ein Paradies auf Erden. Allein dennoch wäre eS für mich keines, wenn man die Seelennoth so Vieler kennen gelernt, die thätige Hilfe brauchen, namentlich in diesem Lande. Ich war demnach c>anz sroh, nicht immer in den Mauern der stillen Trappistenabtei verbleiben, sondern der Bahn meines Berufes folgen zn dürfen, besonders da die Erfahrung mich lehrte, daß man mitten im Gedränge deS MissionslebenS der Weihe innerlicher Einsamkeit durchaus nicht entbehrt, noch zu entbehren braucht. Gottes Weisheit und Erbcirmung ist reich an jedem Orte für Alle, die sich ihr ergeben, und die verschiedenen Lebenszustände im Verbände der Kirche gereichen gewiß zu einer ihrer schönsten Zierden. Bei der nächsten Station zu '5Sts cle morts pflanzte ich daS MissionSkreuz auf einen sehr hohen an der Höhe kahlen Hügel auf, zu dem von der Kirche aus die vierzehn Stationen errichtet werden. Es wird gewiß der schönste Kalvarienberg in den Vereinigten Staaten werden. Am Vorabend Allerheiligen stand dieser ganze Berg sammt Umgegend in lichten Flammen. Es war ein Prairiefeuer. Man zündet nämlich hier im Spätherbst daS dürre GraS an, dnS der Menge wegen Niemand mäht, und eS ist ein merkwürdiger Anblick, ein solches mit Windesschnelle forteilendes Prairiefeuer. Weh dem Landmann, der nicht darauf vorgesehen ist, und sein Haus und Hof nicht umackert hält; er könnte mit einem Male von einem solchen Feuer heimgesucht werden und Hab und Gut verlieren. Wenn ein solches Feuer herannaht, ist eS am besten, man zündet ein Feuer entgegen an, und verhindert sogleich die Ausbreitung dieses zweiten; wenn dann daS erste Feuer herankommt, so ist daS Gras schon zu Asche verbrannt und das erstere Feuer erlischt aus Mangel an Brennstoff. Dieß thaten wir auch hier. Von I'öte 6e morts reiste ich bei harter plötzlich eintretender Kälte nach Daven- port. Ich erlebte auf der Reise dahin einen eigenen Fall, der auf daS Walten der göttlichen Vorsehung ganz auffallend hinweiset. Ich hatte daS allerheiligste Sacrcunent bei mir, da ich von jenem Berge aus unter dem MissionSkreuz den Segen mit demselben gegeben. ES war jedoch mehr eine außergewöhnliche Fügung des Himmels, daß dem so geschah. Ich kam an einen Fluß, der über Nacht so überfror, daß daS Boot, welches die Ueberfahrt besorgt, für mehrere Stunden verhindert ward, sich Bahn zu brechen. Ich kehre um, und will in einem Hause die Ueberfahrtzeit abwarten. Siehe da kömmt ein Amerikaner daher, ein wohlhabender gebildeter Mann, und frägt, ob ich nicht ein katholischer Priester sey; er merkte eS an meinen Kleidern. Ich sagte: Allerdings. Da bat er mich, sogleich zu einer sterbenden Jrländerin zu kommen; dieselbe habe seil vielen Jahren keinen Priester mehr gesehen, und verlange sehr nach dessen Beistand. Ich eilte dahin, und hatte die so ganz unerwartete Gelegenheit, ihr die heiligen Scicramente zu spenden. Wie groß war ihr Trost und Dank vor dem Herrn, und wie wichtig und entscheidend für ihr seliges Ende. Nach der Mission zu Davenport gab ich die Mission in Iowa City selbst, der Hauptstadt des Landes. Bis Hieher erstreckt sich bis jetzt die Einwanderung der Deutschen im Westen. Ich hatte die Freude, hier besonders viele Protestanten in die heilige Kirche auszunehmen, und namentlich erbaute die Rückkehr einer zu den Methodisten abgefallenen Katholikin mich und das ganze Volk. Sie trat nämlich bei Gelegenheit der feierlichen Erneuerung des Tausgelübdes, nachdem Kinder und Volk mit lauter Stimme betheuerten, für den heiligen Glauben selbst das Blut zn vergießen, vor das PreSbyterium, und warf sich reumüthigst an dem Taufbrunnen nieder, wo sie öffentlich daS Vergehen ihres AbfalleS beweinte, und ich sie von der Ercommuni- cation lossprach. Ich errichtete hierauf noch das MissionSkreuz an der St. Marienkirche, und begab mich nach Burlington, der nach Dubugue größten Stadt im Staate Iowa. Sowohl hier wie in Iowa City errichtete ich daS MissionSkreuz ober der Stadt auf einem Hügel im Friedhof. DaS Kreuz scheint nun über diese beiden ansehnlichen 244 Städte seine Arme auszubreiten, und gewährt einen sehr tröst- und hoffnungsvollen Anblick. Selbst die wilden amerikanischen Jungen hatten Gefallen an der Procession, mit welcher das große Kreuz in Burlington an seinen Platz gebracht wurde. Sie machten sich nach der Feierlichkeit auch Kreuze und Fahnen, und ahmten die Procession nach, nicht zum Spott, sondern zum Vergnügen, doch so, daß man merkte, eS sey ein ganz guter Eindruck auf sie geschehen. Die letzte Mission in diesem Jahre gab ich zn Fort Madison. Eine sehr freundliche Stadt am Mississippi. Ein herrliches Missionskreuz von 33 Fuß auf einem acht Fuß hohen Piedestal steht mitten in der Stadt, als Erinnerung an diese Gnadenzeit. Ich eilte nun nach Ciucinnati, um allda Weihnachten zu feiern, und noch einmal den päpstlichen NunciuS zu sehen und zu sprechen. Eö wird meinen geehrten Lesern aus Zeuungen bekannt seyn, in welch verbrecherischer Weise Hochderselbe allda von den deutschen Atheisten behandelt wurde, die sich „freie Männer" nennen. Es zog nämlich ein Zug von 6ö>> Männern, mit verschiedenen Mordemblemen bewaffnet, um zehn Uhr Nachts an daS Haus veS hochn'ürdi..sten ErzbischofS, wo Se. Ercellenz der hochwürdigste Nuucius Bedini wohnte. Sie halten dessen Bild und verschiedene Transparente mit den Inschriften: Nieder mit Bedini; nieder mit den Pfaffen zc. Die Polizei hemmte zwar ihr Ansinnen, Gewalt auszuüben gegen die Person des hochwürdigsten NuuciuS. Viele Verhaftungen und eine nngeheure Aufregung erfolgte. In der Halle dieser „freien Männer", welche zugleich ein großes Kaffee- und Unterhalrungshaus ist, hatte ich die Ehre, in elligis an der Eeirc des päpstlichen NunciuS aufgeheult zu werden, waS mir übrigens gar nicht wehe that, uud auch keinen Schaden brachte. Da ich mich mit Missionen besonders unter den Deutschen beschäftige, bin ich diesen deutschen Atheisten besonders im Wege, und eS wachten an dreißig Männer dieselbe Nacht an meinem Zimmer, daß die Leute nicht, wie sie drohten, ans der bildlichen Vorstellung Ernst machten. Indeß meine Zeit war noch nicht gekommen; möge sie einst kommen, und sich die Drohung socher Radicalen in Iowa erfüllen, wenn ich zuvor einmal ganz Amerika bereist habe, ÄlS diese nämlich daS große schöne Kreui, in Fortmarlison mitien in der Stadt sahen, sagten sie ganz ärgerlich: „Könnten wir doch den Missionär selbst hinansnageln." Nur zu, Freunde — er verdient eS, kein Zweifel — oder vielmehr: er ist einer so großen Gnade freilich ganz unwerlh. So wie das Weihnachtssest vorüber war, rief mich ein Versprechen, eine Primiz- Predigt am Neujahrsicige in Lt. Louis zu halten, in diese Siadt. Ich eilte dahin, und brachte die letzte Nacht des JahreS auf der Eisenbahn zu. Für einen Missionär kein ungeeigneter Platz, um das Te Deum eben so dankerfüllt und innig, wie in der geräumigsten, herrlichsten Kirche der Welt anzustemmen. Ich halte fest dafür, daß dieses unheimliche Anzeichen der sich heranuaheuden letzten Zeiten den Missionären nach GotteS weisester Vorsehung gerade den besten und schnellsten Vorschub leistet, um noch recht vielen Herzen, an recht vielen Orten hilfreich beiznspringen, und.dem Herrn den Weg für sie zu bereiten. So schloß sich meine Arbeit auf dem MissionSfelde hier in Amerika unter meinen Landsleuten für daS Jahr l853. Ich rufe den Beistand des Gebetes aller meiner in Christo lieben theuern Milbrüder unv Kinder der heiligen Kirche in unserm alten Naterlande an, mir die Andaner der Stärke und Gesundheit zu erflehen, die mich bisher ganz unerschüttert begleitet, und um so mehr den Zufluß der Gnade des Herrn, damit ich als ein Ihm ganz vereinigtes Werkzeug arbeiten, und meine schwachen Kräfte obne Unterlaß und Unterbrechung noch lange hin verwenden und ohne eine Minute Zeilverlust verbrauchen möge zur größern Ehre Gottes und zum Heile unzähliger Seelen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. F. Weninger, Priester der Gesellschaft Jesu und Missionär in Nordamerika. 245 Die Schwestern der Armen. In Frankreich, jenem Lande, welches in diesem Jahrhundert so manche neue Ordensgesellschaften und religiöse Vereine auf seinem Boden entstehen und wachsen sah, hat in der letzten Zeit eine neue Genossenschaft sich gebildet, der schon jetzt, einige Jahre nach ihrem crsnn ganz unscheinbaren Beginne, ein höchst wohllhätiger Einfluß auf das sociale Leben nicht bestritten werdni kann, und der eine große, gesegnete Zukunft bevonnstehen scheint. Es ist das jener, nun schon in vielen Städten Frankreichs verbreitete Verein von Jungfrauen, die den demüthigen Namen „Schwestern der Armen" führen, uud die die Pflege alter, hilfloser Personen beiderlei Geschlechtes sich zur einzigen Lebensaufgabe gestellt haben. Wenn zwar auch andere Orden, wie z. B, die barmherzigen Schwestern, neben den übrigen Zwecken, die sie verfolgen, die Verpflegung hilfloser Greise und Greisinnen in den Kreis ihrer frommen Wirksamkeit ziehen, so ist doch die Art und Weise, in welcher diese Verpflegung von den „Schwestern der Armen" bewirkt wird, eine neue und eigenthümliche. Die bisherige Geschichte und Entwicklung der Genossenschaft ist so ganz geeignet, einerseits, die bekannte Wahrheit zu erhärten, daß Gott zur Beschämung der Welt das, was in ihren Augen klein ist, erwählt, um Großes, wunderbar Großes dadurch ins Werk zu setzen, andererseits, um die Macht und daS Walten der christlichen Liebe in einem neuen und herrlichen Lichte uns vorzuführen. Auch erfreute sich die neue Genossenschaft vom Anfange an des besondern göttlichen Schutzes und Beistandes, und in immer reich- licherm Maaße hat der Himmel bis heute seine Segnungen über sie ausgeschüttet. DaS AlleS läßt uns hoffen, daß unsern Lesern die folgenden Mittheilungen, die wir französischen Berichten entnehmen, nicht unwillkommen seyn werden. bescheidener Haushalt irgend leisten konnte. In diesem Zustande verblieb da? Untrnehmen bis zum 29. September t841. Da nämlich miethete der Vicar ein schlechtes Unterhaus, welches zur Schenke gedient hatte, und weder gedielt, noch geflurt war. Die drei Schwestern zogen ein; zu ihnen gesellten sich alsbald zwölf brave alte Frauen als Pflege; mehr Menschen konnte der Raum nicht fassen. Diejenigen der aufgenommenen Armen, die dazu noch Kräfte hatten, fuhren fort, Almosen zu erbitten. Sie empfingen von der Armenverwaltung außerdem Brod und Leinwand; das HauS verabreichte ihnen auf seine Kosten die Suppe, und die sonstige Nahrung bereiteten ihnen die Schwestern von den gesammelten Gaben; es war vor der Hand unmöglich, ein MehrereS zu thun. Allein Gott, der seine Liebe und Fürsorge für die Armen offenbaren wollte, gab den Schwestern in den Sinn, ihren Pfl-glingen die Schmach und Beschwerde deS BettelnS zu ersparen und selbst diese Mühe über sich zu nehmen. Johanna Jngan, die älteste der Schwestern, ergriff ohne Umstände einen Korb und sammelte in den Häusern, wo die Armen regelmäßig unterstützt wurden, an deren Stelle die Pfennige und die Ueberbleibsel der Tasel. Wenn Johanna verhindert war, traten für sie die andern Schwestern ein. Die unterstützenden Familien sahen sehr gern diesen Wechsel in der Person der Bittenden, weil sie nun gewiß w^ren, daß ihre Almosen gut verwendet wurden. Zugleich i gewannen die Schwestern durch diesen Schritt immer mehr die allgemeine Theilnahme für ihr frommes Werk, und es währte nicht lange, so sah sich das HauS in den Stand gesetzt, sämmtliche Bedürfnisse der Armen, Wohnung, Nahrung und Pflege, selbst zu besorgen. Ein Jzhr wohnten die Schwestern in dem schlechten Unterhause. Nach dieser Zeit wurde es ihnen zu klein, denn hilflose Personen kamen von allen Seiten und baten um Aufnahme, Der Vicar von Saint-Servan erstand ein altes Klostergebäude für 22,000 Franken. Um diese Summe zu zahlen, verlangte er von Niemand eine Gabe. Er selbst hatte vier- vis fünfhundert Franken zusammengespart, und legte dazu, was er durch den Verkauf seiner Uhr, eines Kelches und silberner Meßkännchen löste. Johanna Jug.n besaß ein kleines Vermögen von 600 Franken, die zinsbar angelegt waren, die Eltern der beiden ersten Schwestern gaben diesen ungefähr 900 Franken, und eine vierte Arbeiterin, die sich der Genossenschaft anschloß, brachte derselben 400 Franken zu. Mit diesem Gelde konnte man die Kosten deS KaufcontracteS decken und eine kleine Summe auf Abschlag zahlen. Hinsichtlich deS Restes rechnete man auf die Vorsehung. Man wirkte für die Armen, die Vorsehung konnte nicht zu Schanden werden lassen. Und sie that es in Wahrheit nicht, denn ein Jahr später war daS Haus bezahlt, und daS Geld dazu auf tausend unvermutheten und wunderbaren Wegen zusammengekommen. Die Zahl der Armen mehrte sich nun täglich. Die Mittel zu ihrem Unterhalte blieben immer die nämlichen, die Uederbleibsel der Tafel, die Sammlungen von Gemüsen auf den Märkten, die erbetenen Almosen uud die Geschenke von Personen, die i-daS HauS bejuchten. Inzwischen war daS HauS voll geworden, ja eS wurde abermals zu klein, man - mußte darauf bedacht seyn, einen Erweiterungsbau vorzunehmen. Die Genossenschaft besaß dazn gar nichts als ein 50 Centimesstück (4 Sgr). Man leite eS zu den Füßen der heiligen Jungfrau hin und begann den Bau im festen Vertrauen aus ihre > Hilft. Zuerst mußte ein kleines NebenhauS abgebrochen werden; die Schwestern thaten das selbst mit eigener Hand, machten dann mit Hilfe zweier Handlanger die Ausgrabungen für das Fundament deS neuen Gebäudes und schafften in einer Länge von fünfzig Fuß die Erde so tief heraus, als für die Anlage der Keller nöthig war. So r.war denn Alles für den Bau vorbereitet, aber man hatte noch immer kein Geld. Nichtsdestoweniger wurde das nöthige Material angeschafft und die Maurerarbeit einem Meister übertragen. Mittlerweile erbte der Abbs Le Pailleur ganz unvermuthet ein Legat von 7600 » 2M Franken, die ihm ein aus Saint-Servan gebürtiger, auf der Jnsei Jersei gestorbener' Herr vermacht hatte. Derselbe wohnte seil langen Jahren auf der Insel, hatte aber zwei Monate vor seinem Tode eine Reift nach Saint-Servan gemacht, um sich nach einer alten Tante zu erkundigen, die ein sehr verkommenes Leben geführt hatte. Lange Zeit hindurch dem Laster des TrnnkeS ergeben, war sie ein Gegenstand des AbscheueS für die ganze Stadt gewesen. Er erfuhr, daß sie in das „Zufluchtshaus" (m-iison cl'iisile) — so nannte man die Anstalt — aufgenommen sey und sich jetzt gut betrage. Er besuchte die Anstalt und war hocherfreut, als er fand, daß seine Verwandte zu den Uebungen der Religion und einem ordentlichen Lebenswandel zurückgekehrt sey. Nach seiner Rückkehr errichtete er zu Jersei sein Testament und vermachte dem Abb6 Le Pailleur jenen Theil seines Vermögens, der seiner Tante zugefallen wäre, indem er glaubte, und zwar mit Grund, so am besten für das Wohl dieser armew Frau Sorge zu tragen. Diese Summe war eine schöne Hilfe zn den bedeutenden Kosten deS Neubaues. Zur nämlichen Zeit wurde der Johanna Jugan von der französischen Academi'e> die von ihrer Hingabe für die Armen Kunde erhalten hatte, der erste Preis der Stiftung Monthyon, im Betrage von 3000 Franken, zuerkannt. Mit diesem Ehrenpreise soll nach der Bestimmung deS Stifters jährlich die edelste That in Frankreich belohnt werden. Zu diesen beiden größern Geldsummen kamen manche Geschenke von Wohlthätern und die Fuhrdienste, welche die in der Nähe wohnenden Pächter unentgeltlich leisteten. Kurz, das Gebäude war bezahlt zur nämlichen Zeit, als eS vollendet war. DaS neue Haus füllte sich schnell mit Armen. Gegenwärtig befinden sich in der Anstalt über hundert arme Leute beiderlei Geschlechtes, die von vierzehn Schwestern verpflegt werden. Die Anstalt war den Bewohnern von Saint-Servan eine Veranlassung zu vielen schönen Handlungen christlichen Edelmuthes: nur eine derselben soll hier erwähnt werden. Die Arbeiter eineö gewissen Herrn Guibert/ eines vermögenden SchiffsrhederS in dieser kleinen Hafenstadt, vier- bis fünfhundert an der Zahl, legten ganz freiwillig, ein jeder fünf Centimes (5 Pfennige) wöchentlich, für die armen Leute deS ZufluchtS- hauses zusammen. Dieses Almosen, recht eigentlich der Heller der Armuth, brachte dem Hause großen Nutzen und war sür die guten Arbeiter eine Quelle göttlicheu SegcnS. Kaum hatte die Anstalt zu Saint-Servan in solcher Weise festen Bestand gewonnen, so war auch schon der Zeiipnnct da, in weichem das Werk nach GotteS Willen eine weitere Ausbreitung erlangen und in andern Städten Frankreichs Boden finden sollte. Eine große Anzahl srommer Personen, fast lauter Arbeiter, ohne Vermögen, aber voll heißer Liebe zu Jesus Christus, ließen sich aufnehmen in die neue religiöse Genossenschaft. Im Jänner 1846 wurde nun durch die Schwester Marie Augustiue (Johanna Jugan), welche General-Oberin der Genossenschaft geworden war, daS zweite HauS zu Rennes und kaum sechs Monate darnach das dritte zu Dinan gegründet. Schon im nächsten Jahre (l.847) gründete sie ein viertes HanS zu TourS und im Jahre 1849 ein fünftes zu Paris, am letzten Orte unter Beihilfe von 45 Conferenzen des heiligen Vince^z von Paul, Die Schwester Marie Therese, eineS der beiden jungen Mädchen, die Gott erwählt batte, das Werk zu beginnen, gründete im nämlichen Jahre daS sechste HauS zu Nantes. DaS HauS zu Paris, im September 1849 eröffnet, wird jetzt von hundert alten Personen beiderlei Geschlechtes bewohnt, die von zwanzig Schwestern mit einer Hingabe und Liebe gepflegt werden, wie sie nur der christliche Glaube einhauche» und lebendig crhallen kann. Die Räumlichkeiten gestatten nicht, eine größere Anzahl armer Greise aufzunehmen; deßhalb bemüht man sich, ähnliche Häuser in den verschiedenen Stadtvierteln von Paris zu errichten, und es ist gegründete Hoffnung da, daß diese Bemühungen gelingen werden. Wie überhaupt Paris den Ton angibt für ganz Frankreich, und was dort Anerkennung gesunden, leicht anderswo Aufnahme erlangt, so war die Eröffnung deS HauseS zu Paris die Veranlassung, daß von allen Seilen Schwestern verlangt wurden, um in andern Städten Häuser einzurichten. In der kurzen Zeit eineS JahreS, vom Sep- 248 tember 1849 bis Ende 1850, haben nach und nach auch die Städte Besanyon, An- gerS, Bordeaux, Rouen und Nancy ähnliche Zufluchtsstätten für daS hilflose Alter eröffnet, und den Schwestern der Armen die Pflege in denselben übertragen. Alle diese Anstalten sind gegründet und bestehen, wie die zu Saint-Servan, daS heißt, ohne zuvor vorhandene Hilfsmittel, ohne feste und sichere Einkünfte, bloß durch Hilfe der Privalwohlthäligkeit und des täglichen Almosens. Jene Liebe hat sie gegründet und erhält sie, die, entströmt dem göttlichen Herzen Jesu Christi, ihre Freude darin findet, an diesem unscheinbaren Werke sich zu betheiligen, um armen Leuten, unsern Brüdern und Schwestern in Christo dem Herrn, die leibliche Pflege zu gewähren, deren sie am Ende ihres Erdenlebens so sehr bedürfen, hauptsächlich aber, um ihnen jenen geistlichen Beistand zu verschaffen, mittelst dessen ihre Seelen wvhl- vorbcreilet und sündenrein zu ihrem Schöpfer zurückkehren. Der Umstand aber, daß alle diese Häuser ohne vorherige Beschaffung von Geldmitteln gegrünvet sind, und ohne alle sichere uud feste Einnahme fortbestehen und gedeihen, ist eine neue Verherr- lichung und laute Offenbarung der göttlichen Vorsehung für unsere Zeit. Die gläubigen Christen sehen sich dadnrch gedrungen, die Vorsehung zu preisen, jene Christen aber, die nicht an sie denken oder nicht an sie glauben, werden durch jenen Umstand fortwährend an das Vorhandenseyn derselben erinnert uud wider Willen davon überführt. DaS Mutierhaus der Genossenschaft befindet sich gegenwärtig zu TourS. Der Erzbischvs beweiset dem Werke eine große Theilnahme und väterliche Fürsorge. Die Gesammlzahl der Schwestern beträgt schon über hundert. Die Genossenschast hat ihre eigenen Regeln und Constitutionen, welche dem Berufe der Mitglieder uud der Aufgabe, welche diese verfolgen, ganz entsprechen. Das eigentliche und unterscheidende Merkmal dieser Regel ist das der Einfalt und, wenn man den Ausdruck gebrauchen kann, das der Kleinheit; nennen ja auch die Schwestern sich beständig die kleinen Schwestern der Armen (^etites-Lovurs cls p-wpres). Sie stellen sich — und darin spricht sich der eigentliche Geist dieser neuen religiösen Familie aus — in jeder Beziehung völlig ihren lieben Armen gleich, schlafen wie diese auf S>rohs.icken und ernähren sich wie diese von den geschenkten Speiseresten. Ein solcher Ge st der Demuth und sich veriäugnendcn Liebe aber har noch immer Großes gewirkt, und wird nicht bloß dem hilflosen Alter nützlich werden, sondern auch unserer selbstsüchtigen, hochmüthigen und genußsüchtigen Zeit einen Spiegel entgegenhalten und einen neuen Beweis liefern, wie besorgt die katholische Kirche für die Armen uud Leidenden ist. (Salzb. Kirchenbl.) Nordamerika. Am 23. Mai wurve zu Quebec das zweite Provincialconcilium der Kirchenprovinz Canada eröffnet. Es waren anwesend: Msg. P. F. Tourgeon, Erzbischof von Quebec, Msg. I. B. Bourget, Bischos von Montreal, Msg. C. Larocque, Bischof von Cybonia i. p. i., Coavjutor des Bischofes von Montreal, Msg. P. Phe- lan, Bischos von Carrha i. p. i., Administrcuor des Bisrhums Kingstown, Msg. Amand, Graf von Charbonnel, Bischof von Toronto, Msg. B. Guigne, Bischof von Bytown, Msg. P. Cooke, Bischof von TroiS-RiviereS, Msg. T. C. Prince, Bischof von Saint-Hyacinlhe, Msg. P. Baillargeon, Bischof von Tloa, Coavjutor des Erz- bischofes v.'ii Qnebcc. Auch R. P. Äiuomn, Provincial der Oblaten, R. R, gelir Martin, Superior der Jesuiten, und der Superior von Sr. Sulpice wohnten dem Concil bei. — Die Fragen über die Erziehung und besonders über die kcttholis^e Universität werden wohl besonders das Concilium beschäftigen. Die Vorbereitungen zur baldigen Eröffnung der katholischen Universität zn Quebec werden in einem großartigen Maaßstabe betrieben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.