Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt dü? -nclii. sp',Z> ml ^nutin-jSttK vir/?ni„vü,^ h«!Utt.,y'»>S ,:>k!!>- ."zwrü- -. l) »I'W ,c<'UliÄ 7)(! ^ltt 57Zit»Il',ll»tw!F d»Ä 7?7) ^/laiiw^ll.^.t sj'iuökttiM 7.7-1, ,(I,M 13. August AtZ. 1854. 6nu lI7"^lti<7.ir^ Ml'NIl I SlIU 7)UlZ>l 7^,-it) -ii!'l)I ch^it Woher denn aus soll man die Weisheit finden? Und wo ist des Verstandes Ort? Gott kennt den Weg zu ihr, Nur er weiß ihren Ort. Er blicket bis zum End der Erd' hinaus, Schaut uutcr allen Himmcln weit umher. mAnnV II'<4 n»v >-,i!>'dj!ück 7iSHlqBch.n?«j!S ' ltl>M>e">n! »Ii't Und als dem Wind er zuwog ftln Gewicht, Und er den Wassern gab ihr Maaß, Und ordnete-dem Regen sein Gesetz, Und zog den Ungewittern ihre Bahn: oilll »,,NU77lIZU: ZI? Ml ,sMN»»M7S ,N?77» sprach zum Menschen: .Dir ist Furcht des Herrn Weisheit! Das Kose meiden, das sey dir Verstand." Hiob. 28. Unter den epochemachenden Ereignissen der Weltgeschichte hat die Stiftung und Verbreitung unserer heiligen Religion die Forschungen profaner Schriftsteller des vergangenen vorzugsweise philosophischen Jahrhunderts nicht wenig beschäftiget, und man muß zum Lobe der auc^gezeichnelsten dieser Forscher gestehen, daß sie, wie es Gibbon iu seiner Geschichte des Verfalls und Untergangs deS römischen Weltreichs gethan, erstaunt über die Glant enSkrast ihrer ersten "Bekcnner und angezogen von den Thaten und Le den ihrer Heiligen, die Göttlichkeit deS Stifters und die Himmels- Abkunft seiner Lehre fast unwillkürlich zu erkennen schienen, und wenn sie auch aus ihrem Slandpuucc eS nicht vermochten, die Glaubensartikel und Mysterien der Kirche zu vertheidigen, doch weit entfernt waren, sie zu lästern und zu verspotten. Hielten sich andere Anhänger dieser Schule, welche das Princip der Zweisel- sucht (Skepticismus) in die historische Forschung einführte, für berufen, ihre Wiyes- funken in das Heiliglhnm nnserer Religion zu tragen, so standen sie wie der Jüngling vor dem verschleierten Bilde zu SaiS, und es galt auch ihnen das Wort deS DichterS: „Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld; Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sehn." 238 Vorlängst der Vergessenheit verfallen sind die GeisteSkinder jener Zweifler, welche mit den Waffen der Kritik die Geschichte des Christenthums angegriffen, indem sie seine göttliche Sendung bestritten, seine wunderbare Ausbreitung, den Sieg über das Heidenlhum und die alte Welt aus einer natürlichen Verkettung der Zeitverhältnisse herleiteten und die Triebfeder des Flammeneisers und der Hinopferung seiner frommen Glaubenshelden in der menschlichen Eitelkeit unv Ruhmbegierde erblickten. Diese Angriffe, welche die durch die Reformation dem Autoritätsglauben entwachsene Neuzeit gegen die Lehren und die Geschichte deS Christenthums richtete, waren mehr wegen ihrer Anmaßung tadelnSwürdig, als daß sie geschickt waren, Triumphe selbst nur über die Confessionskirchen zu erringen. Hier erwehrte man sich der Freidenker uud ihrer Doctrinen durch strenge Glaubensformeln, welche den Predigern und dem Volke die Norm der Lehre und des Glaubens vorschrieben. Da erhob sich noch einmal der Lügengeist, ärger denn vorher, und stürmte mit den der Rüstkammer der Hölle entnommenen Waffen des Hohnes und Spottes gegen die alte Kirche los. Es war das Zeitalter des VoltäraniSmuS und der Encyklopädie, das Frankreich, das Land des Witzes und der Mode, zur Wiege hatte, aber auch in Deutschland an einem großen Könige und vielen Gleichgesinnten seine Verehrer gefunden hat. Noch lebte aber der gute alte Gott, der nicht lange sich höhnen und spotten ließ. Ein Blutgcricht, fürchterlicher als je eineö, das über ein Volk erging, am blutigsten in der Metropole deS Wahnwitzes und der Gotteslästerung, decimirle die vornehme Gesellschaft. Ihre Häupter sanken unter den Händen des souveränen Volkes, dem sie Aergerniß in Unglauben und Schande gegeben; ich sage lieber unter dem Wort deS strafenden und rächenden Gottes, dessen allmächtige Politik auch zuließ, daß später noch ein deutscher Großstaat, die Schöpfung jenes großen Königs, welcher dem französischen Götzen opferte und seinen Hohenpriester hätschelte, von den Streichen des fränkischen Eroberers zusammenbrach. Wohl so hat die philosophische Phrase ihre Wahrheit: Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Gestatten Sie, meine Herren, diese Erinnerung an die Verirrungen und Leiden eines jetzt zur Ruhe eingegangenen Geschlechts — es zählt wenige mehr unter den Lebenden —; vierzig Friedens- und Segenöjahre haben sie dem Gedächtniß der Söhne und Enkel entrückt. Mit dem Verschwinden der sichtbaren Spuren jenes Gottesgerichts scheint all- mälig auch der Glaube an eine döhere Fügung solcher Katastrophen von Großen und Niedrigen zu weichen, das Gefühl der Abhängigkeit des endlichen Geschöpfes von dem unendlichen Gotte, der innigen Beziehungen beider zu einander unbehaglich zu werden. Darf auch der Unglaube und GotteSsrevcl nicht keck und unverhüllt heraustreten — daS wäre polizeiwidrig —; so wird der aufmerksame Beobachter, welcher die Gesinnungen nicht nach den gleißenden Formen äußerlicher Schicklichkeit beurtheilt, sich keiner Täuschung hingeben, und wer kann sich einer schlimmen Ahnung erwehren bei der Erinnerung an die Auöbrüche der Vermesseuheit in jenen Tagen, als der Sturm über das morsche StaatSgerüste hinbrausle, oder beim Anblick der gräßlichen Verbrechen, welche unsere Jugend in die Kerker und auf daS Schaffst liefern! Jedes Zeitalter bei den Culturvölkeru trägt einen gewissen allgemeinen Charakter. Nicht dem Born der Phantasie oder den Tiefen deö Gemüths entsteigen die Schöpfungen der Jetztzeit. Der Mensch hat sein Inneres sich selbst und Andern verschlossen, den Schlüssel zu sich genommen, und lebt ganz in und für die Außenwelt. Um da sein Glück zu machen, braucht er nur seinen Kopf, und geht'S mit rechten Dingen nicht, geht's — eine Zeitlang wenigstens — mit unrechten. Die Regel, auf welche Gott die Ordnung im Leben deS Einzelnen und der Völker gegründet hat, beruht aber auf einem gleichmäßigen Gebrauch der Seelenkräfte; 239 der menschliche Wille darf nicht allein das Gesetz von den Berechnungen deS Verstandes empfangen. Wir fürchten nicht, ob dieser Andeutung unsers GesellschaftSzustandes den Vorwurf zu scharfen Tadels auf uns zu laden. Gar manche Erscheinung, welche wir so häufig beklagen und sonst vergebens zu erklären suchen, hat ihren letzten Grund in dieser Zeitrichtung. Was leitet denn zu unserer modernen Erziehung in Familie und Schule, welche den möglichst großen Kreis deS Wissens als den höchsten Zweck deS Unterrichts betrachtet, und Gift von Gift den Stolz mir der Oberflächlichkeit der Nielwifserei in die frühreifen Jünglinge pflanzt? Wem entspringt diese Leidenschaft im Erwerb und Genuß zeitlicher Glücks- güter; diese Herabstelluug deS Individuums auf den jeweiligen CurSwerth dessen, was eS besitzt, oder mit Kopf und Händen seinem Brod- und Arbeitgeber zu nützen vermag? Woher dieses Ausspüren der Natur und ihrer geheimen Kräfte ohne Aufschwung deS forschenden Geistes zu seinem und ihrem Schöpfer; woher diese Vergötterung der Leistungen für daS materielle Leben und die Gleichgiltigkeit für die höhern Interessen der sittlichen und religiösen Volkspflege? Woher endlich die affectirte Geringschätzuug und die Vornehmthuerei gegen jede religiöse Anschauung; diese sinnliche Auffassung im Reiche der Kunst und Wissenschaft, und — was ist das Tagesgeschrei nach geistiger Freiheit als der Ausdruck deS innern EmancipationSprocesseS, wo der menschliche Geist der Verbindung mit dem Göttlichen und Ewigen sich zu entäußern sucht? Zwei Erscheinungen sind cS in der heutigen Staatsgesellschaft, deren Gefahren für diese auch dem blödesten Auge offeu liegen, deren Ergründuug und Beseitigung daher Männer vom Fach ernstlich beschäftigen mußte. Es ist die Ueberhandnahme der Verbrechen und die steigende Verarmung, beides bis herauf in die höhcrn Schichten der Gesellschaft. Es bedarf in der That nicht einer tiefern Einsicht, um den Ursprung und den innern Zusammenhang dieser Plagen unserer Civilisation zu erkennen. Beide sind Töchter derselben Mutter — der Irreligiosität, der sittlichen Verkommenheit und der Abwendung des Menschen von Gott. Und doch sucht mau die Quelle dieser Leiden wieder nur auf der Oberfläche: sieht den Ursprung der Verbrechen in der Neigung der Jugend zur Mißhandlung der Thiere, unv schreibt über die brennende Frage des PauperismnS — gelehrte Abhandlungen. Wir stehen heute, am Feste des heiligen Vincenz von Paul, unsers Vorbildes in christlicher Milde und Barmherzigkeit, wieder zusammen vereiniget und gestärkt im Ausblick zu Gott, und darum unbeirrt und nnenlmuthiget durch die Verirrungen und Gefahren der Zeit; wir stehen auf dem Boden unserer heiligen Kirche, des ChriftuS- felftnS unv Ecksteins, den die Bauleute verworfen haben. Dieser Verein, in seiner einfachen Gestaltung, seinen Verbindungen und Bestrebungen, erinnert an ähnliche Einrichtungen der ersten Christengemeinden, wie sie diese in ihren Grundzügen schon von den Aposteln empfingen. Jene christlichen Anstalten zur Linderung der leiblichen und geistigen Nolh, wer kennt sie nicht nnd ihre Segnungen, welche sie über die Welt verbreiteten? Sind sie auch, diese köstlichen Früchte deS milden christlichen Sinnes, einer wahnwitzigen Aufklärung zur Beute geworden, noch steht der Weitschattende Baum, der aus dem Senfkorn erwuchs, unberührt von den Stürmen der Zeit, noch lebt das Wort der Chri- stuölehre und suhlt manches katholische Herz warm für das Elend seiner Brüder. Auch unser streng katholischer Verein — vergessen wir des Zeichens nie — ist unter dem Scharten jenes BaumeS groß geworden; groß auS kleinen Ansängen nnd mit geringen Mitteln, groß ohne den Beifall und die Unterstützung der Mächtigen, lange nur bekannt der Armuth, deren Thränen er jetzt in fast allen Ländern der Erde trocknen hilft. Ja, Gottes Segen und Wohlgefallen ruht sichrbarlich auf diesem Verein! 260 Sie werden, hochgeehrte VereinSbriider, in diesem Gedeihen unser? geringen Wirkens eine Erfüllung der Verheißungen des Gottinenschen erkennen, der auch hierin nur seine Kirche, welche er hieniedeu an seiner Statt zum Schutz und Trost der Ariiien eingesetzt hat, verherrlichen will. Freuen wir nnS daher im Gefühle der Demuth, unserer, der von vielen ihrer Kinder verkannten Mutter dienen zu können, und danken wir mit ihr für den Beistand des Himmels, der unser schwaches Bemühen gckräftiget und gesegnet hat. Dank auch jenen katholischen Männern Frankreichs, die, groß und fromm wie die BossuetS nnd FenelonS, das Sühnopfer auf den Altar ihres Vaterlandes trugen und die ersten Steine zum Tempelbau christlicher Barmherzigkeit sammelten. Sie hatte der Geist Gottes erfüllt, daß sie das Elend der Gesellschaft bis in die Tiefe seines Wesens geschaut und Hilfe gesucht, ivo Sein Wort ist: Ich werde bei euch bleiben bis an's.Ende der Zeiten. Im Kreis der Kirche ist der Mittelpunct des innern Lebens der Verbrüderung des heiligen Vmcenz von Paul; dort empfangen wir die Heiligung, Stäikung und daS katholische Bewußtseyn, welche sie für unsere Mission befähigen. Außen aber in der Welt ist die Armuth; da der Acker, wo die reiche Saat des Unkrauts wuchert und der gute Samen ausgeworfen werden soll. In der Welt, in den Verhältnissen der Gesellschaft kann der Blick des Hilfebringenden leicht sich verirren. Unsere Zustände find nickt so einfach und durchsichtig wie vor Alters; nicht selten deckt eine schmucke Verhüllung den innern Schmntz, und niemals war man so weit in der Kunst, die Lüge unter dem Schein der Wahrheit zu verstecken. Die allgemeinen Erscheinungen in der Gesellschaft geben häufig einen Fingerzeig zur Deutung der Zustände in der Familie; hier und dort tritt aber die Bedeutung der religiösen Frage von Tag zu Tag mehr in den Vordergrund. ES war bei dieser feierlichen Veranlassung, daß Ihnen, meine Herren! die genannte Frage innerhalb ihrer Beziehungen mit dem Geiste und den Zwecken unsers Vereins in den gegenwärtigen Betrachtungen vorgeführt wurde. Ein Gedenkblatt aus der Geschickte dcS erst philosophirenden, dann frech läng- nenden nnd umstürzend-n MenschenpeisteS — sollten sie das Charakterbild entrollen eines anS der Revolution erwachsenen Geschlechts; sie sollen warnen vor den Gefahren der religiösen und dadurch unser Volk bedrohenden nationalen Verflachung; sie sollen aber auch Zeugniß geben von der Gewalt der in unserer von Gott gesetzten Kirche wohnenden Liebe und von der Lebenskraft der Pflanzungen, welche ihrem Mutter- schooße entsprießen. Zur Geschichte der Benedictiner-Abtei Metten in Ntederbayern. II. Haben wir im letzten Artikel von dem Gründer deS Klosters Metten gehandelt und dabei wegen der völligen Uebereinstimmung aller Nachrichten leichte Arbeit gehabt, so ist die Bestimmung des Jahres der Stiftung, womit wir uns heute vorzugsweise beschäsiigell, weaen der großen Divergenz in den Angaben der Geschichtschreiber um so schwieriger. Dennoch glaube ich, daß auch iu diesem Labyrinthe widersprechender Behauptungen eine aufmerksame, überlegte Erwägung und Vergleichung der verschiedenen Angaben bald den Ariadnefaden an die Hand geben werde, der nnS auf sichcrem und kurzem Wege zur Wahrheit geleite. Vor Allem müssen wir unS bei dieser Untersuchung wieder ins Gedächtniß rusen, was wir im vorigen Artikel berichtet, daß nämlich Kaiser Carl der Große selbst in die Gegend von Metten gekommen, wo er aus der Jagd den heiligen Ulto getroffen und ihm Erlaubniß und Mittel zum Baue eines Klosters gegeben habe. Da wir nun aus dem Leben des großen Kaisers wissen, daß er im Jahre 792 zum ersten Male in diese Gegend kam, so hätten wir in dem Jahre 792 den einen Markstein, vor welchen die Gründung des Klosters nicht verlegt werden kann. Carl der- Große hatte nämlich das Weihnachtsfest 791 in WormS 261 gefeiert und da beschlossen, mit größerer Macht, als bisher geschehen, den Feldzug gegen die in daS Reich eingefallenen Avaren zu eröffnen und diese ewigen Feinde aller Cultur aus der Zahl der Völker zu tilgen. Sachse», Friesen und Thüringen mar- schirten im nächsten Jahre unter Anführung deS Grafen Theoverich und des Kammerherrn Megiufried auf dem linken, Carl selbst mit den Alemannen und Franken auf dem rechten Ufer der Donau hinab gegen daS feindliche Land, während die Bayern auf Schiffen im Strom Mnnilion und Proviant nachführten. Auf diesem Zuge wurde in der Nähe von Metten eine Schiffbrücke über die Donau gelegt und die Meinung deö Pater Hermann Scholliner, daß Carl, während er den Bau derselben leitete, sich in den nahen wildreichen Unvcüdungen mit Jagen die Zeit verkürzte und bei einem solchen Ausflüge den frommen Utio traf (a. a. O. S. 344), scheint mir nicht unwahrscheinlich. Doch auch dieß dahingestellt, so bezog ja Carl nach glücklicher Beendigung deö FeldzugeS mir seinen Franken in Bayern die Winterquartiere und wurde nun durch die Ketzerei zweier Spanier, des Elipand und Felir, eine gegen sein Leben angesponnkne Verschwörung, den Ban einer nencn Schiffbrücke über die Donau und die Arbeiten an dem großen Rhein-Donaukanal zwei volle Jahre in unserm Lande zurückgehalten (Herbst 792 bis 794), in welche Zeit man die Kloster- grünvung ebenfalls, jedoch augenfällig mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit, unterbringen könnte. Im Jahre 794 zog Carl gegen die neuerdings empörten Sachsen und kam in diesem Jahrhunderte nicht mehr nach Bayern. Den Avarenkrieg beendigte sein Sohn Pipin; Carl aber zog im Herbst deS JahreS 800 nach Rom, wo er am Weihnachtsfeste die Kaiserkrone empfing und erst im Sommer deS folgenden JahreS 801 nach Frankreich zurückkehrte. Ich habe diesen Abstecher für nothwendig erachtet, um den Leser in den Stand zu setzen, selbst über den Stand der Frage zu urtheilen, und kehre nun wieder zn meiner Untersuchung zurück. Vor Allein ist nun nöthig, den zweiten Markstein zn setzen, über welchen hinaus das Jahr der Stiftung nicht mehr gerückt werden darf, und diesen Gränzstein liefert mir der gelehrte Jesuit Andreas Brunmr in folgender Stelle: „Diejenigen, welche den Ursprung deS Klosters Metten iu spätere Zeilen heraufrücken, werden leicht durch den Umstand widerlegt, daß drei Urkunden ausdrücklich anführen, die Klosterstistung sey vor Carls Kaiser krInnung (Larolo nondum lmvörsloi-L), also vor dem Jahre 800, geschehen" (^nn»I. öoiv. II. p. Zu). Somit hätten wir zwei Gränzsteine, die einen Zeitraum von ungefähr zehn Jahren einschließen, von 792 oder 791 (denn daS Jahr jenes oben erwähnten FeldzugeS des Frankenkönigs gegen die heidnischen Avaren wird von Verschiedenen verschieden angegeben, Andreas Buchner z. B. entscheidet sich für daS Jahr 792, Lorenz Westenrieder für 794) bis 800, welcher Zeitraum jedoch durch die schon obeu angeführte Bemerkung, daß sich Carl von 794 bis zu seiner Kaiserkrönung nie mehr in Bayern befand, schon auf zwei oder drei Jahre zusammenfällt. Cs bleibt, uns noch übrig, nach dieser Richtschnur die Angaben der Geschichtschreiber zu beurtheilen, »ud sie, wo möglich, mit einander in Einklang zu bringen, wobei wir natürlich nur die anerkanntesten Forscher, deren Namen am meisten bestechen, und denen am häufigsten nachgebetet wird, berücksichtigen können. Den wahrheitsgetreuen Bruuner haben wir bereits vernommen; Aventin Onrml. Lo^j. I.. IV. p. 294) gibt das Jahr 790 an, welches nach allem bereits Gesagten nicht besteh,» kann und unS wenigstens um ein Jahr näher gerückt werden muß; wie aber vollenrs A. W. Ertl (churb. AtlaS, II. Thl. S. 186) sagen kann: „Metten soll Carl der Große nach Aussage Avcntini im Jahre 88? (!!) erbaut haben", bleibt mir immerdar unbegreiflich. Dem Aventin gegenüber am andern Markstein, oder vielmehr ebenfalls um ein Jahr jenseits desselben steht zuerst der bekannte ^nelress Kütisbonsrisis, ein regul. Chorherr aus der ersten Hälfte deS löten Jahrhunderts, der in seinem geachteten „Llironieum Ououm Kavgrmo" daö Jahr 801 als das Jahr der Gründung nennt, welche Meinung auch der gelehrte WignläuS Hund aus Stcinach (Metmp. Sglisb. I. II. p. 501) adoptirt. Dem HnndiuS pflichtet nun auch Joh, Adlzreiter l>rin. öoic ßent. ?. I. I.. XVIII. v. 198) bei, indem er seine Angabe der Wahrheit näher nennt, 262 als die Meinung BninnerS. Auch Joh, Heinrich v. Falckenstein (vollst. Historie des HerzogthumS Bayern. II. Th. s. voee Methen), ?. AgnelluS Kandier (^rnulptius mkile Nslus eizZnominiiws lVIonaeü. 1735 p. 106) und neulich Dr. Schöppner (Sagenbuch der bayr. Lande. 1352. I. B. S. 29) nehmen auf Hund'S Gewähr hin das Jahr 801 an, wie denn auch Bruschius (Suppl. Kruseb.. s. Lent. II. 1692 p. 20) von dieser Nachbetern nicht ganz frei zu seyn scheint, da er sagt, um daS Jahr 800 sey mit dem Bau deS Klosters begonnen worden. Wenn BruschiuS dieses sein eirca nicht bis 794 zurückschieben läßt, so ist eS durch das Wörtlein „begonnen" (kongtrui coepit) ein rein heilloser Irrthum, während sich die Nachricht des Hund und seiner Nachbeter noch recht wohl verbessern läßt. Der gelehrte Mettener Bibliothekar ?. Gregor Geyer hat zuerst durch eine gluckliche Conjectur die Angaben deS Wiguläus Hund und AventinS in Einklang gebracht und Herrmann Scholliner hat ihm in der Vorrede zu den Uon. Uet. (a. a. O. S. 344) verdienten vollen Beifall gezollt. Geyer hat nämlich (eigentlich halte eS schon Adlzreiler a. a. O. gethan, wo er sagt: „Wenn auch immerhin der Bau deS Klosters begonnen wuche, da Carl erst römischer Patrizier und noch nicht Kaiser war, so konnte ja doch die Einsetzung UttoS sich bis in daS Jahr nach Carls Kaiserkrönung verzögern") einfach den Aventin als von dem Beginne, den Huudius als von der Vollendung deS Werkes redend aufzufassen gerathen und so mit einem glücklichen Wurfe die diScrepauten Zeitangaben aus die befriedigendste Weise vereinigt, so daß wir in diesem Sinne den beiden Historikern Glauben beimessen dürfen, ohne unsere Marksteine verrücken zu müssen. Als Resultat dieser Untersuchung ergibt sich nun, daß Kaiser Carl der Große in den Jahren 792 bis 794, am wahrscheinlichsten auf seinem Feldzuge im Jahre 792 zu dem Kloster Metten den Grnnd gelegt, es gegründet habe, daß der Bau jedoch mehrere Jahre in Anspruch genommen. Während nun so das H.iuS immer höher emporwuchs und der Bau sich seiner Vollendung näherte, geschah eS, daß Kaiser Carl in Rom mit der Kaiserkrone geschmückt wurde und vor seiner Abreise im Jahre 801 von dem Papste Leo III. für Utto als ersten Abt seines eben erbanten Klosters den bischöflichen Hirtenstab erbar, den ihm der Papst gerne gewährte. Dieser Stab wurde dem seligen Utto von seinem Bischöfe, Peter von RegenSburg, welcher ebenfalls von einer Pilgerfahrt nach Rom zurückkehrte, überbrachl und liegt noch jetzt bei den Gebeinen deS Seligen im Heiligenschein; er ist von Elfenbein nno trägt folgende Inschrift: „()uocl I)ominu8 ?otrc>, ?strus tilii eontulit. I^IUo." *) Seit vieser Zeit stand daS Kloster Metten, obwohl seit der im Jahre 817 erfolgten Einberufung der Klostervorstände nach Aachen (auf dieser Versammlung theilte Ludwig der Gutmüthige alle Klöster iu vrci Classen: in die reichen, welche dem Staate Steuern und Soldaten, in die mittleren, welche bloö Steuern geben mußten und in die ärmeren, wovon Bergen im Donauzau, Metten, MooS- burg, Wessobrunn und Scovenawa — Schönau, jetzt St. Martin, Schloß des Grafen v. LIrco im Jnnvicrtel — genannt sind) bis zu seiner Auflösung im Jahre 1803 der letzten Classe der damals bestehenden Klöster, der Classe der ärmeren, zugetheilt, welche nur zum Gebete für das Wohl des Kaisers und des Reiches verpflichtet waren („sei solas Or-itiones pro saluts Iinvemtoris vel k'iliorum «z^v5 et staliilitgte Imoerii ovstrieta"), eö stand oemnach vou seinem Ursprünge au unter dem unmittelbaren Schutze deS Königs (regalilius ^liatiis »dscriptuin Lovnodium) und der nachfolgenden Herzoge, hatte stets freie AbtSwahlen, hatte nie, wie so viele andere Klöster, von dem Uebermuthe der Schirmvögte zu leiden und unterlag nicht eiumal der Wuth der ein Jahrhundert nach seiner Gründung dem gesammten Vaterlande so verderblichen Raubzüge der wilven Magyareuhorden. — Von den ferneren Schicksalen des Klosters im Donaugau (Rudhardt, Aelt. Geschichte von Bayern S. 516), sowie sie dasselbe unter den einzelnen Aebten betroffen, wollen wir, so weit eS uns möglich ist, in den nächsten Artikeln handeln. , ^) „Was ocr Herr dcm Petrus, hat dieser dir übergeben, o Utto." 263 Ein protestantisches Blatt über die katholische Kirche in Deutschland. Dresden, 15. Juli. Die „Fr. Sachsen-Zeitung," bekanntlich ein Protest. Blatt, gibt der kath. Kirche in Deutschland Folgendes, die „Sachsen-Zeitung" im hohen Grade ehrendes Zeugniß. Der betreffende Artikel lautet wörtlich: Den kath. Kirchenstreit im Südwcsten Deutschlands finden wir jetzt häufig zum Gegenstände weitreichender, rein politischer Conjecturen gemacht. Selbst Organe, die früher geneigt waren, der bischöflichen Seite entschieden die Anerkennung ihres Rechtes vor dem Staate zu gebe», zeigen sich jetzt anders. Sie verlassen den Standpunct der Beurtheilung, welcher aus der rechtlichen Seite der Sache selbst gegeben ist, und knüpfen an den traurigen Streit zwischen Staat und Kirche Gedanken über dessen Ursprung und Nährung, welche bestimmt sind, die Regierungen in ihrem Widerstande gegen die katholische Kirche zu ermuntern. So sagt man: das energische Festhalten der Bischöfe in der oberrheinischen Kirchenprovinz an ihren Forderungen sey von Rom in der Absicht anbefohlen, weil sich der Papst eine neue Stätte in Deutschland gründen wolle, wohin er den heil. Stuhl verlegen könne, wenn Italien unhaltbar würde. Der Unterschied wird hervorgehen, welcher zwischen dem Verfahren des heil. Stuhles in Deutschland protestantischen Regierungen gegenüber, und in Jialien, der katholischen sardinischen Regierung gegenüber sich darbiete. In Deutschland strenges Festhalten an allen Forderungen, in Italien der um NieleS kirchenfeindlicheren Regierung in Turin gegenüber behutsames Auftreten. Mau scheut sich auch nicht, die Muthmaßung cn:szusprechen, der Kaiser der Franzosen wirke in Rom darauf hin, daß die kirchlichen Differenzen in Deutschland mehr und mehr unheilbar würden, — in welcher Absicht, dürste leicht zn errathen seyn, wenn diese Muthmaßung gegründet wäre. So bringt man auch den Kirchenstreit in Deutschland mit der orientalischen Frage in Verbindung, indem man darauf hinweist, daß der katholische KleruS überall Haß gegen Rußland zeige und eine Hinneigung nach Frankreich verrathe. In Preußen sollen zur Ergründuug solcher Vermuthungen bereits RegierungSschreiben erflossen seyn, welche Berichte einfordern über den Verdacht eines Zusammenhanges des katholischen Klerus mit französischen und demokratischen Agitatoren. Alle diese Muthmaßungen und Conjecturen sind die nothwendige Ausgeburt eiueS so lange hinausgezogenen rechtlosen Zustandes der katholischen Kirche in Deutschland. Aus Böswilligkeit gegen die katholische Kirche oder sey es auch aus falscher Besorgniß ersuudeu, sollen diese schmählichen Nachreden die ScM selbst verrücken zu Un- gunsten der katholischen Kirche. Der deutsche Politiker kann indessen nichts Gewissenloseres thun, als ein nationales Lebenselement, das so tief daS deutsche Volk durchzieht, wie eS die katholische Kirche thut, bei jeder Gelegenheit als staatsfeindlich und unnalional zu denunciren. Wir sind Protestanten, aber die Gerechtigkeit erheischt, daß wir bekennen: sollte eine historische Abrechnung gehalten werden über daS, waS der Protestantismus und Katholicismus gegen die deutsche Nationalität sür die Fremden gethan haben, so würde dieselbe für uns nicht günstig ausfallen. Die katholische Kirche in Deutschland ist so national, so volköthümlich, wie irgend eine der vom Volke geliebtestcn weltlichen Dynastien. Es ist deßhalb ziemlich natürlich, daß man bei einem das Volksleben so tief berübrenden Conflicte, wie er eS in Baden ist, auch Befürchtungen hören muß, die über den Kreis des religiösen Lebens hinanSgerichtet sind, denn kein Mensch kann doppelt leben, und eS gehörte ein doppeltes Leben dazu, freudigen Gehorsam und Liebe für eine Obrigkeit zu behalten, die uns im vollen Herzen verwundet. Wir denken aber, daß eben bei der weiten Mitleidenschaft in diesem Conflicte, mag man sonst von der oben erwähnten Nachrede deS katholischen KleruS halten waS man will, die Gesammtheit der deutschen Regierungen ein Interesse daran fühlen müßte, dem Conflicte bald einen rechtlichen Ausgang gegebeu zu sehen. mzzc,< >'Z li!»»''Nn>m^ ii'ck,«t»ttv nt'i 5i-.' nnüüm,nztlüiöuü lAisö Kon a,öiA?;s,l6. Medicinisches über das Fastengebot. Ein sehr unparteiisches, weil durchaus nicht vom kirchlichen, sondern rein vom rücksichtslos medicinischen Standpunct ausgehendes Urtheil über daS 264 Fastengebot bringt in der Nummer (34) die Wiener Medicinische Wochenschrift in dem Artikel: „Kritische Bemerkungen zur Arzneimittellehre" wie folgt: „Unter den Fastenspeisen nehmen vor Allem die der Milch entlehnten Speisepräparate und Fische eine Hcmplstelle ein. Man muß denen, welche die Fasten zu halten verordnen, die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie mit einem sehr richtigen, durch die neuere Chemie bestätigten Tacte die Kuchenzettel für die Menschheit gemacht haben. Die ReligionSlehrcr mußten jedenfalls bald eingesehen haben, daß ohne Stickstoffnahrung der Köipcr nicht bestehen könne, und daß sie, je mehr sie Fasten anordneten, um so mehr auch darauf Bedacht nehmen mußten, eine Diät anzuordnen, die immerhin reich an Stickstoff sey. Einen großen Theil ihres medicinischen Werthes — ihren moralischen zn erörtern ist nicht lueine Sache — haben die Fasten jetzt freilich für die Masse des Volkes verloren, seit dasselbe immer mehr verarmt, immer mehr von den Fleischspeisen entsremdet worden ist, aus dem einfachen Grunde, weil cS dieselben sich nicht mehr erwerben kann. Den im Fleischgenusse schwelgenden Engländern aber, und auf den Tafeln unserer Vornehmen wäre eine strengere Feistendiät in der That keine gar so üble medicinische Verordnung. Der physiologische Är;t denkt dabei an nichts, als den täglichen Verbrauch an Stickstoffmalerial wöchentlich ein- oder zweimal herabzusetzen, und in einzelnen dieser Speisen zugleich eine größere Menge Kalksalze zn reichen; und eS kann somit auch der protestantische Arzt in die Noihwendigkeil versetzt werden, Fastenspeisen zu verordnen, deren Werth in der angedeuteten doppelten Richtung bisher zu wenig gewürdigt ist. DaS Fleisch der Fische steht nämlich an proccn- tischem Stickstoffgehait bedeutend unter dem Fleische der Warmblüter. DaS Fleisch z. B. des Ochsen enthält 17,5, das des KalbeS 15—16, das deS Schweines 16,8, das deS ReheS 18,0, das der Tauben 17,0, der Hühner 16,5, der wilden Ente 17,68 Procent Fleischfaser; daS des Frosches in seinen Keulen nur 11,67 Procent; das der Salmonen 11,l und das der Karpfenarten 9,42; 11,31; 12,1, im Marimo 13,0 Procent Fleischfaser. Wie weise wäre nnn bei der reich besetzten Tafel der, starke Fleischkost liebenden Engländer und unserer höheren Stände die procentisch herabgesetzte Kost, die diese mit den Fischspeisen bei . ärztlich gebotenen und versteht sich gehaltenen Fasten zu sich zu nehmen genöthigt würden?! Wie gut ist eS im Gegentheil für den Armen, daß (wenn anders er in fischreichen Gegenden lebt) er, so oft er Fische haben kann, sie genießen darf, nm nie einer billigen, stickstoffhaltigen Nahrung zu entbehren. Im Allgemeinen sind die Fischspeisen viel zu sehr als schlecht nährend und ungesund verschrien; unsere Küche sollte sie viel mehr in Gebrauch ziehen, und sich in schmackhafter Bereitung derselben (unter möglichster Verdrängung deS bloßen Genusses derselben mit Essig und Oel) üben. Sie stellen bei Ueberschuß deS BlutcS an stickstoffhaltigem Baumaterial ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel dar, und Badeärzte, Aerzte an Molkenanstalten sollten eö sich angelegen seyn lassen, sie auf den Tafeln ihrer Kranken möglichst häufig und in annehmlicher Form erscheinen zn lassen. 100 Theile Asche vom Flußbarsch enthalten 54,39 Procent phosphorsaures Alkali, und 44,34 phoSphorsanre (5rden; 100 Theile Karpsenasche 44,19 phosphorsaures Alkali und 42,40 PhoSphorsanre Erden; Hühnerfleisch 33,25 phosphorsanres Alkali, 17,46 PhoSphorsanre «Lrdeu und Eisen; an phosphorsaurem Alkali der Hase 79,8, das Reh 72,4, der Ochse 76,8, das Kalb 89,8 Procent, an phosphorsauren Erden dieselben Thiere in eben der Reihenfolge: 15,l; 26,6; 16,4; 10,2. Dabei beträgt der Gc- sammtrückstand der Asche beim Fleische deS Hasen 4,48; deS ReheS 4,68; deS Ochsen 4,03; der Hühnervögel jung 3,14, später 4,31—5,51; der Froschkeulen 4,96; der Fische, z, B. des Barsches 7,08; der Karpfen 6,16. Wir sehen deutlich daraus, daß wir mit dem Fleische der Fische ein viel reichlicheres Material an phoöphvrsauren Erden genießen lassen, als mit dem Fleische der Warmblüter, und daß die Zahlen dieser Erden noch höher ausfallen müßten, als hier geschehen, wenn wir die procen- tischen Differenzen der gesammlen Aschenmenge betrachten, und, wie es nöthig wäre, hiernach reoucirlen." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.