Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsdurgcr PostMtung.
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27. August M- HA. 1854.
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Habsburg - Wlttelsbach.
Aus des deutschen Kaiserreiches Blumgefilde Kani einflmal ein fürstlich hohes Gattcnpaar Nach Altötting zu Mariens Gnadenbilde, Vor des goitgeweihten Tempels Hochaltar.
.IghiK? .-z Mi?/^!^.»Mc>^!.'7!ji)N ü'.^: '-M'öll 7,q»i7>-L MI « grause Chaos trüber Weltenwirren Bringt er Ordnungsruhe, die schon längst verbannt; Läßt von Lüge und von List sich nicht beirren; Sein Erscheinen sagt: Er ist von Gott gesandt!
Diese Sonn' hat jene Blume angezogen, Die als Krone sich um seine Stirne zieht, Heller strahlet noch sein Feuerbogen, Kraft und Segen seinem Wirken dauernd blüht.
Deutsches Vaterland! laß dir nun nicht mehr bangen, Dieß Gestirn führt sicher dich zu deinem Ziel, Deiner alten Ehre Glanz wirst du erlangen, Wirst nicht mehr des stolzen Fremden Spott und Spiel.
Wie in deinen alten, kräftigen Blüthenzeiten Diesen Häusern stets dein Heil und Glück entsprang, Werden neue Lebenskrast sie dir bereiten, Daß du wieder glücklich werdest dauernd lang.
Mögen dich auch Feindesschaaren eng umketten, Mögen sie dir furchtbar dräuen fort und fort; . Hoffe! — HabSburg-Wittelsbach wird Deutschland retten, Habsburg-WittelSbach bleibt stets der Deutschen H»rt.
D. Riggl.
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Franz Xaver Luschin, Fürsterzbischof von Gvrz.
(Schluß.)
Die Veranlassung, Luschin aus dem Kreise seiner Heerde, mit der so heilige, man kann sagen so unauflösliche Bande ihn vereinigt halten, abzurufen, war die eingetretene Nothwendigkeit, für den leer gewordenen Sitz des PrimaS ron Galizicn und Lodomenen, sür den Metropvlitanstuhl zu Lemberg ein geeignetes Individuum zu finden. Fürsterzbischof Andreas AloiS Gras von Ankwicz halte seinen bisherigen Bischofssitz mit dem gleichbedeutenden eines FürfterzbischosS von Prag verlauscht; die Erschütterungen der Revolution in dem nachbarlichen Königreich Polen halten sich dem stamm- und sprachverwandten Lande vielfach mitgetheilt und das Seyn allvort war dem Gliede einer dem Habsburgischen Regenten treuest ergebenen, altadeligen, cinge- bornen Familie unvereinbar mit der Stellung als Oberhirt geworden; doch waS dem Vorgänger schwer fiel, sollte auch den Nachfolger aus manchen Gründen noch empfindlicher berühren. Als daher Franz Xaver nach dem Wunsche und durch Ernennung seines ihm so gnädigen und ganz von seinem Werthe durchdrungenen Monarchen, Kaiser Franz I., gegeben unterm 10. Februar 1834, am 23. August g. I. Trient verließ, und nach dem nöthigen Aufenthalte in Wien den 6. November daraus in Lemberg eintraf, stellte auS Allem, waö er bereits bei seiner damaligen Jnthronijation und im Verlaufe der nächsten Zeit wahrnahm, sich dem so treuherzigen, wohlwollenden und durch die bisherige Amtirung zu den Gemüthern seiner Diöcesanen zur vollen Hingebung gezogenen Oberhirten die traurige Ueberzeugung zur vollen Gewißheit dar, daß hier der Ort seines Wirkens und BletbenS nicht sey. Er bat daher Se. Majestät um eine anderweitige, wenn auch noch so untergeordnete Verwendung, die ihm jedoch, nach der Fügung der weisesten Vorsehung, der Kaiser in seinem unveränderten Wohlwollen mit «. h. eigener Einsicht willfährig in dem damals gerade erledigten Sitze eines FürfterzbischosS von Görz und Metropoliten von Jllyrien gewährte. Der am 9. Jänner 1835 ausgefertigten Ernennung folgte am 9. April g. I, die Bestätigung
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des heiligen apostolischen Stuhles, und am 23. August 1835 feierte Gorz die Ankunft seines neuen Kirchenfürsten. Wahrlich, nicht leicht konnte eine Wahl glücklicher getroffen seyn: denn Erzbischof Franz Zaver brachte außer seinen erprobten Hirten- Eigenschaften die volle Kenntniß der dort sich als an Deutschlands Endpuncte vereinigenden drei Nationalisten: der deutschen, slovenischen und italienischen mit, er konnte ihnen Alles in Allem werden.
Soll-en wir LuschinS neunzehnjähriges Wirken an seinem neuen, nun auch letzten Posten in seinem ganzen Umfange schildern, wir müßten nicht nur daS bei Trient Gesagte wiederholen, sondern auch mit neuen Zugaben, wenn auch bis zur Weitläufigkeit, doch immer weit hinter dem verdienten Maaße erweitern. Wir wollen uns daher vorzüglich nur an jenes halten, waS seine jüngste Stellung SonverheitlichcS und Ausfallendes bot. Hatte die Revolution der JuliuStage Frankreichs herrschende Dynastie gestürzt und Europas Ruhe bedroht, so sollte dieselbe in Görz, in diesem schön gelegenen ruhigen, aber diplomatisch nie merkwürdigen Orte eine Zufluchtsstätte finden. König Carl X., sein Sohn der Herzog von Angouleme, und seine Gemahlin Maria Theresia, die unglückliche Tochter der noch unglücklicheren Königin Antoinette, die Enkelin der unvergeßlichen Kaiserin Maria Theresia, der Prätendent von Frankreich, der Graf von Chambord, waren mit einem Häuflein Getreuer zuerst nach Holyrood-Castle in Edinburg, dann nach Prag übersiedelt. DaS Unglück der königlichen Familie, ihre strenge Religiosität, ihre Wohlthätigkeit, HerzenSgüte und ihr einfaches Wesen hatten die durch die französischen und englischen radikalen Blätter irre geführte öffentliche Meinung versöhnt und berichtigt, und überall begegnete ihr Hochachtung und Theilnahme. Sie war im gleisen Jahre mit Fnrfterzbischof Luschin in Görz angekommen und dieses Zusammentreffen ward als ein günstiges Zeichen dcS Himmels angenommen; denn gleich beim ersten Sehen und dem baldigen Erkennen mußten gleiche Seelen sich aus daS engste verbinden. Luschin war nun der königlichen F.nnilie Tröster und Gesellschasler, letzteres freilich einzig in dem Maaße seiner freien Zeit. Nur ein Jahr sollte der bereits hochbetagte, vielgeprüfte König Carl Xlj in Görz noch zubringen; cS traf ihn daS gemeinschaftliche LooS aller Sterblichen, welches Glückliche und Unglückliche von hinnen führt, Kronen und Scepter zerbricht. In diesen schweren Tagen erprobte es sich, wie theuer und werth der treue Hirt der Seelen der königlichen Familie war, der er auch von nun an bis zu ihrem Scheiden von der Ruhestätte ihres Oberhauptes nahe blieb. Noch werden sich in dem kleinen, von seiner Wohlthätigkeit nicht verwendbaren Verlasse mehrerer jener werthvollen und sinnigen Änvenken finden, womit die königliche Familie ihren geistlichen Freund und Tröster ehrte.
Dieses Ereigniß bildete einen der Hauptabschnitte in LuschinS sonst zurückgezogenem, aber thaienvollem Leben, welches er einzig seiner Hirtenpflicht weihte. Eine seiner vorzüglichsten Bemühungen war die Gründung und Erhallung wohlthätiger Jnstiiute. AIS solche nennen wir die Taubstummen-Anstalt, daS Krankenhaus für daS weibliche Geschlecht und alle Arme, da Gorz in dem Spitale der Barmherzigen ohnehin eine Krankenanstalt für daS männliche Geschlecht besitzt; ferner ein Institut für arme verlassene Kinder. Außer, daß er diese, so wie er ihr Gründer war, mit reichen Almosen unterstützte, übte er an allen andern bestehenden Anstalten dieser Art an den dort zahlreichen Schaaren der Armen jeder Gattung die Tugend der Wohlthätigkeit gani, nach dem Beispiele eines Vincenz de Paula. ES wäre zu weitläufig und eine fortwährende Wiederholung, wenn nicht der Thatsachen, doch der Worte, ihn von dieser Seite noch ein WenereS zu schildern; genug, daß man nach seinem Tode nicht einmal so viel an Baarschafr fand, die nothwendigen Begräbnißkosten anS derselben bestreiken zu können, daß er, um bei dem zunehmenden Mangel, und dieser hatte im Mißjahre 1853, wo die Traudenkrankhcit die letzte Hoffnung deS LandmanneS vernichtete, den höchsten Grad erreicht — in seinen alten Tagen selbst seine Pferde veräußerte, und sonach, wenn eS daS Kirchenfest oder sonst der Anstand forderte, sich der Poftgelegenheit bedienen mußte.
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DaS Jahr 1848, wo er, der Mann deS Friedens, der Gesetzlichkeit und lrene- sten Anhänglichkeit an Fürsten und Vaterland, alle die Wirren der Revolution in der Nähe und Ferne sehen und erfahren mußte, hatte sein zartfühlendes Gemüth um so mehr verletzt, als die Empörung im Venetianischen sich unmittelbar bis an seine Re, sidenz ausdehnte, und gerade in deren Nähe im April der blutige Zusammenstoß mit den Aufrührern sich ergab. Auch hier zeigte sich sein edleS Gemüth im schönsten Lichte, besonders als eine Schaar Wittwen und Waisen aus den zerstörten Dörfern nach Görz strömten und sich die Spitäler mit Kranken und Blessirten füllten. Es war für ihn eine sichtliche Erquickung nach diesen schmerzlichen Aufiritten, im Jahre 18-49 zur Versammlung der österreichischen Bischöfe nach Wien berufen, sich an dem großen Werke der kirchlichen Restauration betheiligen zu können. Seine Mäßigung, seine Bescheidenheit und sein richtiger Tact erwarben ihm die allgemeine Hochachtung und Liebe jener seiner oberhirtlichen AmlSgenossen, die ihn bisher noch nicht gekannt hatten. Diese Veranlassung zur Kundgebung so seltener Eigenschaften war auch die Gelegenheit, wo Se. k. k. apostolische Majestät das Verdienst mit der Ernennung Fürstbischofs Luschin zu a. h, Ihrem geheimen Rathe auszeichneten, und im Jahre 1852 durch Verleihung des GroßkreuzeS des LeopoidordeuS den unwandelbar treu ergebenen Prälaten, welcher durch Wort und Beispiel im Jahre 1843 so viel zur Pacificntion und guten Haltung der ihm so sehr ergebenen Provinz beigetragen, der Allerhöchsten Gnade versicherten.
Im Jahre 1851 beging L usch in die Säcularfeier der Errichtung ?eS Görzer Erzbisthums und widmete ihr ein eigenes, die betreffenden historischen Notizen enthaltendes, gleichzeitig in Görz erschienenes, typographisch würdig ausgestattetes Heft.
Da daS Lebensende des Menschen der Probierstein seines innern GehalteS ist, da in dieser Periode wir alle uns gleichen und daher daS Beispiel auch deS noch so hoch Gestellten für jeden auS unS den Spiegel zur Nachahmung gibt, sey eS gestattet, bei jener Schilderung noch etwas länger zu verweilen, welche ein Augenzeuge in der „Danica" ihren Lesern und damit dem slovcnischen Theile der Heerde deS Verewigten von seinen letzten Augenblicken macht.
Die ursprüngliche Krankheit, die den hochwürdigsten Erzbischof, der nun in sein drei> ndsiebzigstcs AlterSjahr getreten war, schon in der Miitfaste 1854 ergriff, war ein Husten, welcher in der Eharwoche so weit zunahm, daß er genöthigt war, die Weihe der heiligen Oele in einer HauScapelle vorzunehmen. Bereits am Mittwoch nach Ostern verschlimmerte sich sein Zustand so sehr, daß er Nachmittags sich legen mußte. Bei all seiner Schwäche stand er noch am Donnerstag auf und hielt Bera- lhung; doch den Kvpf konnte er nicht mehr ausrecht halten und athmete schwer. In der Nacht darauf fühlte er sich so übel, daß er sich am Freitag Nachmittags um vier Uhr von der Domkirche auS feierlich versehen ließ. DaS Schwankende seines Krank- heilSzustandei ließ sich am 38. April wieder so gut an, daß selbst die Aerzte wieder Hoffnung hegten; doch nun trat daS Slergste ein. Der hochwürdigste Oberhirt, der Pater so vieler der Seinen, wurde von einer Blasenbildung in seinem Munde und Halse diS in die Speiseröhre befallen, so daß er nicht schlucken, kaum etwas sprechen konnte. Von da an bis zu seinem am 2. Mai erfolgten Hinscheiden konnte er nichts mehr zu sich nehmen und mußte im eigentlichen Sinne verschmachten; sein Geist nur blieb stark und seine Geduld ungebrochen, keine Klage entging seinen Lippen. Bei dem Antrage, ihn auf ein anderes Bett zu überlegen, sprach er: „auch der Heiland häugt immer am nämlichen Kreuze." Als man ibm zu trinken reichte, da sein Mund ganz vertrocknet war, verneinte er eS mit den Worten: „Auch der Herr litt Durst." Bei vollem Bewußtseyn fortwährend auf daS Crucifix blickend, welches er in seinen Hänven hielt, waren seine letzten vernehmbaren Worte, die er deutsch sprach: „O Herr, o Herr, o mein Herr!"
Kurz vor seinem Hinscheiden am 1. Mai Mittags trat der eben von der Reise nach Wien zurückgekehrte hochwürdige Herr Dvmprobst Baron Codelli vor sein Sterbelager, ES war ein tief erschütternder Augenblick, als der Fürsterzblschof seine Hand
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ergriff und an die Brust zog, unvermögend, von seinem Freunde sonst Abschied zn nehmen. LautloS war der Schmerz, den nur beiderseinge Thränen verkündeten. Von 10 Uhr Abends des 1. Mai bis halb 3 Uhr Morgens des 2. rührte sich der hohe Patient auf seinem Lager nicht; ohne sichtbaren Kampf endete sein Athem, und sein Beichtvater, der sich seit vierzig Stunden nicht entfernt hatte, drückte ihm die Augen zu.
Den herben Schmerz, die allgemeine tiefe Trauer zu schildern, als das Geläute den Tod des geliebten Oberhirtcn verkündete, wäre vergeblich. Er drückte sich am sichersten dadurch aus, daß wie sein Vorzimmer während seiner Krankheit von Fragenden immer voll war, und die Stadtbehörve die Straßen neben der crzbischöflichen Residenz zur Verhü-ung deS Gerassels sperren ließ, die Besuchenden an der Todten- Bahre sich fast erdrückten, und alle Kaufläden schwarz behängt und abgeschlagen waren.
Bei dem Leichenbegängniß fanden sich über fünfhundert Bürger mit Wachssackeln ein und von allen Gegenden kamen Leute herbei, um sich dem Zuge anzuschließen, den der hochwürdigste Bischof von Trieft, BarlholomäuS Legat führte. Die sterblichen Ueberreste deS Theuren wurden in der Gruft der in der Mitte deS FriedhofeS stehenden Eapelle, welche sein Vorfahre, Erzbischof Walland, für sich und seine Nachfolger bauen ließ, eingesenkt, und nach dem Weihwasser und den Segnungen der Kirche werden fortan lange noch die Thränen und die Danksagungen der Armen seinen Lei- chenstein bedecken DaS Testament des Hochseligen bestimmte, daß sein ohnehin fast nur aus Parainenten und Einrichtungsstücken bestehendes Vermögen in drei Theile getheilt werden solle. Eine» davon erhielten die Görzer barmherzigen Schwestern, den zweiten die Sradtarmen daselbst und den dritten sein HauScaplan und Secrctär, die Dieuftleute und die Klagmfurter Elisabelhinen ebenfalls zu gleichen Theilen.
In seiner äußern Erscheinung vereinte ter hohe Kirchenfürst imponireude Würde und klare Besonnenheit mit Milde und herzgewinnender Freundlichkeit gegen Jedermann in so hohem Grade, daß man sich unwillkürlich von ihm angezogen uud erbaut fühlen mußte. Tiefe Andacht und heiliger Ernst drückte sich in seinen Mienen und Gebcrdcn aus, wenn er heilige Handlungen verrichtete; seine Worte sprach er langsam und gewichtig, und sie drangen in das Herz. Wie groß seine Sanftmuth war, kö-ineu die am besten bezeugen, welche ihn umgaben, und in den verschiedensten Lagen des Lebens beobachten konnten. Er hörte ruhig jede Klage, jede Se!bstver!hcidignn,,, jede fremde Meinung an, goß Oel der Tröstung in jedes wunde Herz. Ohne guten Rath, ohne weise Belehrung, mit aller Demuth ertheilt, entließ er keinen von sich. Jemand andern zu strafen war ihm schwerer, als sich selbst; er schien mehr ein Bittender als Gebietender, Man wollte in ihm den heiligen Franz von SalcS abgebildet gesehen haben; daß er eS dem Geiste nach war, beweisen seine hinterlassenen Papiere, unter denen sich ein Manuscript deS heil. Franz von SaleS und zwei deS heil. A>p''onsuS von Liguori fanden. Luschins Biograph in der Wiener Zeitung konnte gegenüber ihren Lesern in den weiten Kreisen der Monarchie sagen: „Ein mit so hohen Tugenden reichlichst ausgestatteter ch.ttenvoller Lebenswandel wendete ihm eine so iuuige allgemeine Verehrung ^u, wie sie kaum irgend Jemand zuvor in Görz geuossen,"
ES sey uns erlaubt, am Schlüsse dieser zwar längcrn, aber im Gegenhalle eines solchen LedenS doch nur sehr kurzen Biographie noch einmal zu dem Eingange dcrsUben zurückzukehren ES belriffr dieses Scheidewort sein Vaterland, seine Heimat. Wenn eS schon an sich ein Haup'zug eines edlen Herzens ist, seines Vaterlandes nicht zu vergessen, seiuer Heimat, seiner armen niedern Herknnft sich nicht zu schämen, so war diese Eigenschaft bei Fürsterzbischof Luschin um desto hervorragender, als ihn, der bereits beim Eintritts in den Priesterstand alle seine Theuren verloren hatte, kein Band der Pflicht an seine Geburtsstätte fesselte. Indessen, so widrige Erfahrungen er, wie Eingangs geschildert, in seiner Heimat mach-e, fuhr er deunoch fort, für Alles, was dorr noch von seiner Jugend her bestand und lebte, für Kirche, Gemeinde, für dag religiöse sittliche Seyn derselben die innigste Theilnahme zu fühlen. Die zahlreichen Briefe, die er dießfalls an den dom'gen hochwürdigen Probstvsarrer nnd Dechant
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Dr. Welwich schrieb, geben davon das schönste Zeugniß, sie bezeichnen seine Mild«, seine Demnth, Theilnahme, überhaupt seinen ganzen edlen christlichen Charakter; er war, ruft dieser bei Mittheilung derselben und der hier eingewebten biographischen Daten aus, bis in sein 73steS Jahr eiu Mann an Geist und Kraft, ein Kinv an Herz und Gemüth, ein Vater der Seinigen, ein Freund aller Menschen. Oft, und Gott allein weiß eS, wie oft betrogen, belogen, hiutergangen und getäuscht, hat sein Herz sich nicht zurückgezogen: „Der Wässer viele vermochten die Liebe nicht auszulöschen und die Ströme rissen sie nicht weg " (Hohelied 8, 7.) Eben so treu und redlich meinte er eS mit seiner Heimat im weitern Sinne, dem Vaterlande, obgleich er ihm so viele Jahre entfremdet war. Wie er als Professor gewöhnlich in jeder Vac^nz- zeit, von Gratz ouö, Kärnthen und Teinach besuchte, that er eS auch spärer noch, so auf seiner Reise nach Görz als ernannter Erzbijchof, wo er Teinach und Klazen- fnrt besuchte, alle seine alten Bekannten aufsuchte und herzlich willkommen hieß; so zum letzten Mal auf seiner Rückreise von der bischöflichen Versammlung im Jabre 1849, wo er jedoch nicht mehr über Teinach gehen konnte. Als die dortige Kirche kurz vor seinem Lebensende abbrannte, nahm er an diesem Ereignisse den lebhaftesten Anlheil und da man seine Geldhitfe nicht beanspruchte, ja sich der angebotenen entschlug, wandte er sich, um doch einen Wunsch gewähren zu können, an Se. k. k. Majestät, den Kirchen'vrständen die Erlaubniß zu erwirken, den Bau selbst führen zu dürfen.
Auch jede gute Anstalt, besonders literarische und artistische Unternehmungen im Vaterlande, aufkeimende Talente unterstützte er nach Kräften; spendete an jedes, ihn in Görz um Hilfe ansprechende LandeSkind reichliche Geschenke und sonstige Unterstützung, war und blieb die Zierde und Ehre KärnthenS, der letzte, den in einer Reihe verdienter Kirchensürsten, die demselben entspressen, die bischöfliche Mitra zierte.
St. Andrä in Kärnthen den 17. Juni 1854.
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Zur Geschichte der Benedictiner-Abtei Metten in Rieberbayern.
III.
Nachdem wir in zwei vorhergehenden Artikeln den Ursprung dcö Klosters Metten und die Zeit seiner Gründung untersucht und dabei gesehen haben, daß eS sich bereits eines mehr denn tausendjährigen Bestandes erfreue und in vierzig Jahren sein eilfhun- dertjährigcS Jubiläen feiern könne, müssen wir heute zur Erzählung der mannigfaltigen Schicksale und Verdienste Mettens während der Zeit seines B, standeS übersehen. Wenn diese Erzählung Manchem zu kurz, zu vmf/ig und zn wenig detaillirt erscheint, so bitte ich ihn, die Mangelhasligleit der gedruckten Nachrichten, die Lückenhaftigkeit der Monasterivlogien und das unerquickliche Einerlei der in den Älonumsnti8 Koicis enthaltenen SchenlungS- und Befreiungsurkunde» ein wenig in Betracht zn ziehen, — dann l>ffe ich leicht seine Vergebung zu erhalten. Zudem liegt eine ausführliche, eigentliche Geschichte des Klosters weder in meinem Zwecke, noch könn>e sie der Bestimmung dieser Btätter entsprechen; wer eine solche erwartet, den muß ich auf die demnächst im Druck erscheinende „Geschichte des Klosters Metten" von Pater Rupert Mittennüller, Professor der Geschichte am dortigen Gymnasium, verweisen, ein Werk, welches nicht nur jedem Freunde des Klosters Metten sehr angenehm seyn muß, sondern welches auch jedem Freunde vaterländischer Geschichtsforschung überhaupt die erwünschteste, reichste Ausbeute gewähren und über viele Puucie und Verhältnisse unserer frühern Geschichte ein neues, Helles Licht verbreiten wird, da der gelehrte Verfasser nicht nur alle gedruckten Quellen im weuesten Umfange bcnützt und die im Kloster verwahrten handschriftlichen Urkunden beigezogen, sondern zu diesem Zwecke auch das Staatsarchiv in München und die bischöfliche Registratur in NegenSburg") durch-
Ich kann nicht umhin, hier folgendes Factum zu erwähnen. Bei der Säkularisation des Regensburger Hochstifts brachte die Regierung auch das ganze Archiv desselben, alle Urkunden, Per-
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forscht und so auS gedruckten und ungedruckten Quellen, mit einem ungemeinen Aufwand- historisch-kritisch-diplomatischer Gelehrsamkeit ein Werk geschaffen hat, welches jeder Geschichtsfreund mit Freude begrüßen wird. Auf dieses Werk verweise ich jeden, der vielleicht auS meiner dürftigen Skizze ersieht, wie viel des Anziehenden, Interessanten, Merkwürdigen die Geschichte MettenS, wenn gründlich erforscht und in aller Ausführlichkeit dargestellt, dem Freunde einer gründlichen Kunde der Vorzeit bieten könne.
Ehe ich vorgehe, muß ich noch einem Irrthume begegnen, den ein geachteter Forscher auS Unkunde oder Unachtsamkeit oder auS beiden Gründen zugleich aus'S Tapet gebracht hat. Alle Geschichtschreiber, welche über Metten Handelren, Aventin, Adlzrn'ter, Hund, Brusch, Brunner und wie sie alle heißen mögen, haben berichtet, daß Carl das Kloster Mönchen aus dem Orden des heiligen Benedict als ersten Bewohnern übergeben habe; dieß wurde zu allen Zeiten für eine richtige, unzweifelhafte Thalsache gehalten und eS kam Niemand auf den Gedanken, sie zu bestreiten, bis eS im Jahre 1729 dem Professor I. Christoph Jselin zu Basel einfiel, in seinem in jenem Jahre ebendaselbst erscheinenden, sechs ungeheure Foliobände starken „Historisch geographischen Leriko»" die Behauptung aufzustellen: „Methen wurde von Carl dem Großen für die regulirten Chorherren 8oti. ^uAustini gestiftet, allein nach Versetzung dieser in daS LolleAist-Slist Pfaffenmünster von Henrico Hertzogen in Bayern sn. 1156 den Benediktinern eingeräumet." (Ivm, S. 489) Daß dies ein kapitaler Irrthum sey, leuchtet dem Leser aus dem bereits angemerkten von selbst ein: denn wie könnte man vernünftiger Weise e!ne allen Nachrichten der älteren Geschichtschreiber zuwider ganz isolirt hingestellte Behauptung für richtig halten? Ich will jedoch zum Ueberflusse noch andere Gründe gegen Jselin anführen, welche die ursprüngliche Einsetzung der Benedictiuer über allen und jeden Einwurf erheben werden. Für'S Erste nämlich war zur Zeit Carls deS Großen daS fälschlich dem heiligen Augustin zugeschriebene Institut der regulirten Chorherren noch gar nicht eingeführt, konnte also noch kein Kloster haben. Diese Regel ist vielmehr erst im Jahre 1110, also mehr denn dreihundert Jahre nach der Gründung deS Klosters Metten, aufgekommen und erst von Papst Jnnocenz II. im Jahre 1139 den regulirten Chorherren des heiligen Bischofes Peler Damiani von Ostia vorgeschrieben worden (Hclyot, Geschichte aller Kloster- und Ritterorden. Bd. II. S. 21. Hurter, P Jnnocenz III, B. IV, S. 237); Peter Damiani selbst aber stiftete den Orden der regulirten Chorherren um das Jahr 1160, also beinahe 300 Jahre »ach MettenS Erbauung, Für'S Zweite hießen die Klöster der regulirten Chvrherren nicht Abteien, sondern Propsteien, und ihre Oberen hießen nicht Acb-e Obliates), sondern Pröpste (?rsepo5iti): nun aber ist von dem Kloster Metten eine Urkunde ans dem Jahre 837, aus der Zeit deS fünften Abtes, NitharduS, übrig (sie ist abgedruckt in Uunö. Nelr. Sslislz. I. II. p. 501 und in den Uonum. Koio, IV XI, p. 420), in welcher derselbe „der ehrwürdige A b t Nühardus" (vir venerabilis Xitt>grelu5 /Vtiizgs) genannt wird: also kann das Kloster Metren nicht zuerst den rec>nlirlcn Chorherren, sondern eS muß ursprünglich den Benediclinern eingeräumt worden seyn. Jselin hol hier eine wahrhaft grasse Unwissenheir geoffenbart und er offenbart sie an vielen anderen Stellen; dennoch gilt er noch heute einer ganzen Horde von Schn'f-stellern alö infallible Autorität, dem sie in Allem nachschreiben und so eine ganze Tradition der gröbsten Jrnhüimr bilden!
Der protestantische Missionär.
Zur Bezeichnung des UnicrschiedcS zwischen einem kalhvlischen und protestantischen
gamcnte, Saalbücher, BermögenStitcl ie. an sich. Alle diese Documcnte lagen aufgehäuft bis zum Sommer l35l im tönigl, NegierungSgebäudc, als in diesem Jahre dieselben lciver zrnincrwcise, ohne Ausmusterung, als Maculatur verkauft wurden, darunter auch die Dombauaclcn, alte Urkunden und StiftmigSbricfe der Domcapitel'schm Patronats-Psarreien, eine Menge interessanter Autograph» von Kaisern und Königen, die Documente über das einstmalige Vermögen der dortigen Kirchen und Hospitäler u. s. w. (ek. DaS Recht der Kirche und die Staatsgewalt in Bayern. sS> t7S.j)
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Missionar, GlaubenSfreudigkeit und guten Willen bei jedem vorausgesetzt, wird der nachstehende Brief eines deutschen protestantischen Missionärs in Missouri vom Febr. l, I., in der „Neuen reformirien Kirchenzeituug" veröffentlicht, einigermaaßen dienen können. — „Müßteich," so schreibt der prolestanlische Missionär, „müßte ich das bisherige Leben in der bisherigen Form noch lauge fortsetzen, so würde ich ein immer schlechterer Theolog, und doch auch kein rechter Stollknecht werden, — zwei Ertreme, zwischen denen ich immer in erbärmlicher Mitte hängen bleibe. Denke Dir nur so einen Samstag und Sonntag, wie ich sie habe, und vergleiche sie mir dun Sonntag und Sonnabend eines Landpredigers! Sonnabend beginne ich vor dem Frühstück meine Arbeit mit dem Füttern und Melken unserer beiden Kühe; mein Pferd habe ich seit vorigem Sommer der Mühe wegen abgeschafft. Nach dem Frühstück muß ich unser Kind warten, während meine Frau ihren Arbeiten nachgehen muß und auswaschen, rein machen und Essen richten. Vielleicht kann ich daneben meine kleine Sludirslube säubern — oft die einzige Gelegenheit mehrere Tage hindurch, bei welcher ich mich längere Zeit darin beschäftige. Nach dem Mittagessen wird Holz gc-ragen. der Hof und Stall sauber gemacht, die Kirche meist gekehrt, Stiefel geputzt zc. Jetzt vielleicht kommt vor Sonnenuntergang noch ein ruhiges Haibstündchen. Beginnt es zu dunkeln, so müssen wieder die Kühe gemolken und gefüttert werden. Es wird meist 7 Uhr, ehe alles in Ordnung ist. Was nach einem solchen Tage noch studirt wird, merkst Du wohl ohne weitere Schilderung. Der Sonntag beginnt wie der Sonnabend, mit Melken und Füttern; dann Frühstück. Ist eS kalt, so mache ich Feuer im Kirchenofen an, und hüte dann mein Kind, bis die Mutter für die Kirche fertig ist. Dazwischen muß ich noch zum ersten Male läuten. Oft bleibt mir nur ein Viertelstündchen ungestört vor dem Gottesdienst, dann wird am Nachmittag noch Kinderlehre gehalten, dann kann ich den übrigen Tag bei den Meiui- gen sitzen, die Zeit des AbcndfüttcrnS uud Melkens abgerechnet. Könnten wir freilich eine tüchtige Magd halten, so wäre Manches anders; daS ist aber nicht ihuulich, weil man außer vielem Aerger, den die Dienstboten in den hiesigen Verhältnissen immer f.ist ohne Ausnahme verursachen, die Sache zu theuer bezahlen muß. Auch olwe Dienstboten kostete unser Haushalt im Jahre 1853 über 1500 fl., und doch leben wir so einfach, wie nur möglich. Seit drei Monaten z. B. essen wir tagtäglich gesalzenes Schweinefleisch, das wir selbst eingeschlachtet haben, und ersparen durch unsere kleine Hühnerzucht und Viehzucht nicht wenig. Bier ist seit zwei Jahren nicht in mein Haus gekommen, und ein paar Flaschen Wein, mit denen mich meine Schwiegermutter beschenkte, werden für Beiuche uud Krankheitsfälle gespart. Meine Einnahme betrug dagegen vom September l852 bis September 1853 kaum 100 Dollars (250 fl ). Ich würde übrigens mit dem einfachsten Leben zufrieden seyn, und hätte, so lange meine Schwiegermutter offene Kasse hält, auch nichts dagegen, wenn ich daS einfache Leben theuer bezahlen muß (es ist übrigens im Verhältniß zum Arbeitslohn nicht theuer, denn ein Holzhacker verdient per Tag wenigstens 2fl. 40 lr., ein Eiscnarbeiier 3 fl. 7—40 kr., ein Zimmermann 3 fl. 15 lr. u. s w., ein Ack^rtnecht erhält außer Kost und Wohnung monatlich 20—30 fl. — aber der Pfarrer kann ja von der Lust leben!!) — wenn ich auch diese und jene Arbeit im Stall und sonst thun müßte, ließe ich mir's gefallen — aber Zeit — mehr Zeit und Ruhe zum Arbeiten und zur Einkehr bei mir selber und in Gottes Wort wünsche ich! Der Einfluß dcS KlimuS, daS im letzten Sommer, von seinen besondern Beschaffenheiten abgesehen, oft eine Hitze von 31 Gr. R. zum Bcsteu gab, und statt kühlender Nächte eine schwüle, dampfende Luft mit 25—28 Gr. brachte, und erst in voriger Woche eine Scale von 40 Gra) durchlief, indem sich nicht nur in Zeit von vier Tagen der Thermometerstand von 28 Gr. R. unter 0 auf 19 Gr. über 0 änderte, sondern vom 28. Jan. Abends bis zum 29. Jan. Morgens in kaum 15 Stunden von 19 Grad Wärme auf 8 Grad Kälte sank! — der Einfluß dieses KlimaS wirkt ohnedies) lähmend genug, so daß Einem hier 6 Stunden oft kaum so viel möglich machen, als zu Hause 3 Stunden." — Wie ganz anders lauten die Briefe ans der katholischen Mission! (Fmnkf. K. Bl.)
Ä>m o»?»nktt> »Ud ,a»ttl,us«z««!»2! ->i< «diib NUIIU^ Ii,m.t„» ,Ml.I«il.»>L »ll> ,s,!lili-ii»«i»»tV
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