Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Ailgsbmger PostMimg. 3. September . ^ 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle «Sonntage. Der halbjährige Nbonnemenisprei« kr., wofür e« durch alle köuigl. baver. Postämter und alle Buchhandlungen bezog?« werden kann. . Die beiden Schwestern. Es läutet still im Waldes gründ Der Engclsgruß zur Nuhestnnd', Da hört's im Hiittlein, arm und klein, Ein altgebücktes Mütterlein. Und tief im Forste hoch zu Roß Die Fürstin Horts im Jägertroß, Und senkt den Speer und winkt zur Ruh, Und horcht so still dem Läuten zu. Und aus dem Hüttlein wanket bald Das Mütterlein still durch den Wald. So achtzig Jahr', da geht sich's schwer, Und ohn' Gebet ging's nimmermehr. Und hinter ihr in stolzem Haus Zieht schimmernd hehr die Fürstin auf; Ein Page schlank den Zelter lenkt, Sie trägt gar fromm das Haupt gesenkt. Und müde steht am Fclscnhcmg Das Müttcrleiu und athmet lang; Und auf zum Kirchlein lies geneigt Sie wohl die hundert Staffeln steigt. Und wie sie droben wankt durch's Thor, Da reitet hoch die Fürstin vor, Und neigt voll Zucht zum Page» sich, Und wallt hinauf so feierlich. Das Müttcrlein kniet ganz allein Verzückt vor'm MuttcrgottcSschrein; Lallt lächelnd wie ein Kind mit ihr, O lalle nur! sie lauschet dir. Und durch's Portal die Fürstin wallt; Neigt tief die blühende Gestalt Und kniet der Wittwe nah' zur Seit', Und ringsum kniet ihr reich Geleit'. 232 Es betet wohl das Müttcrlein: Ich opf're dir all meine Pein, O hilf mir dulden frcudiglich! Du Schmerzensmutter, bitt' für mich! Die Fürstin fleht: O Königin, All meinen Schimmer, nimm ihn hin! Gib Demuth mir, ich rufe dich! Du Himmelsherrin, bitt' für mich! Und von dem armen Wittwenkleid, Und von der Fürstin Perlgeschmeid' Rinnt eine Thräne still und klar Als gleiche Perle zum Altar. Und leis' die Fürstin sich erhebt — Das Mütterlein, das sieht's und bebt, Und scheu sie von der Herrin rückt, Doch mild sich diese niederbückt. Löst demuthsvoll ihr Perlcnband Und legt es in der Wittwe Hand: Lieb Mütterlein, was zitterst du? Wie käm ein reich'rer Platz mir zu? Ist sie nicht Mutter mir und dir? Als Schwestern knieten wir vor ihr. O wär' wie du ich gnadenreich! Im Haus des Herrn sind Alle gleich. O. v. Redwitz. Der Tod Voltaire s. *) Wenn wir den Schatten dieses ManneS auS seinem beinahe achtzigjährigen Grabesschlummer aus eine' kurze Weile aufrütteln, so geschieht dieß weder auS Haß noch aus Vorliebe für seine Person oder seine vielseitige literarischc Thätigkeit, sonvern um an-ihm, als dem Koryphäen und Orakel aller Schöngeister oder als solche sich Geberdenden deS achtzehnten Jahrhunderts, zu Nutz und Frommen der Mitwelt zu erproben, in wie fern gewisse Lehren, zu deren Apostel er geHorte, und die er durch alle ihm zu Gebot stehenden Mittel, selbst mit Aufopferung seiner eigenen Gemüthsruhe, zu verbreiten bemüht war, auch am Ziel des irdischen Daseyns, an der Gränze einer furchtbaren Ewigkeit noch Stich halten; einer Ewigkeit, die sich nicht verspötteln läßt, und t>ie mit ihrer stummen Beredtsamkeit Furcht unv Schrecken auch dem kühnsten Trotzer in die vermeintlich gestählte Brust zu donnern weiß. Bewähren sich jene Lehren ans diesem Prüfstein ihres Gehalts, so müssen ihre Gegner verstummen; denn ein solcher Sieg ist entscheidend, und läßt die Geschlagenen nie wieder zu Kräften kommen. Bevor wir aber zu der angedeuteten Untersuchung in Bezug auf ven nächsten Gegenstand dieses Aufsatzes schreiten, scheint es uns gerathen, zuerst das Zeitalter zu betrachten, dessen spätere Richtung wohl hauptsächlich mit das Werk unseres Helden war, das aber früher ganz gewiß auch auf ihn eingewirkt und ihn zu dem zweideutigen, mit sich selbst und andern in stetem Zwiespalt lebenden Wesen gemacht hat, als welches wir ihn in seiner häuslichen Lage wie in seiner öffentlichen Wirksamkeit erkennen. Bei dieser Betrachtung, wodurch es unseres Bebünkens erst möglich wird, Ursache, Wirkung und Folgen in ihr gehöriges Licht zu stellen, muß unser Weg begreiflich ziemlich weit jenseits der Wiege Voltaire'S anheben und sich auch noch eine gute ») Volkshalle. 283 Strecke über sein Grab hinaus ausdehnen, damit sich die Billigkeit nicht über die Gerechtigkeit zu beklagen habe, damit eS aber auch jedem unbefangenen Leser rcchl klar werde, daß, wie es keine Frucht ohne Samen gibt, auch die Beschaffenheit der Frucht von jener des Samens abhängt. Ist der Same gut, so wird auch die gute Frucht nicht ausbleiben, woferne nicht uuvorherzuseheude Einflüsse ihr Gedeihe» hindern; ist aber der Same schlecht, so mögen berechnete nnd nicht berechnete Einflüsse noch so günstig seyn, die Frucht verläugnet ihren Ursprung nicht. Zinn und Kupfer werde» im Schmelzofen nie zu edlen Metallen, und diese handgreifliche Wahrheit halte allein genügt, um uns vor der Thorheit der Goldmachern zu bewahre», läge eS nicht in der Art deS Menschen, über das vor seinen Füßen Liegende hinweg, und darum gemeiniglich auch den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. AIS Voltaire baS Licht der Welt erblickte, hatte Frankreich schon über anderthalb Jahrhunderte in den heftigsten Zuckungen gelegen. Auch die gcsuudeste Natur muß sich nach einer Krankheit schonen, und darf auch sonst nicht auf ihre Gesundheil losstürmen. Frankreich that das Erstere gar nicht, und daS Letztere mit Ucbermaaß; und wenn eS diesem von zwei Seiten her ausreibenden Gebcchren nicht erlag, so hatte es seine Erhallung wohl dem Umstände zu danken, daß seine Rolle im Welldrama höherer Bestimmung gemäß noch nicht ausgespielt, daß es ihm vorbehalten war, zur Zeit als Zuchlrulhe deS Ewigen von Sieg zu Sieg zu fliegen, den leichtsinnigen, genußsüchtige», entnervte», gottvergessenen Geschlechtern die mit Blut und Zerstörung geschriebene Bürgschaft zu bringen, daß der, welcher einst einen Timur-Beck und TschingiSchan, einen Genserich und Attila erweckte und wassnete und stärkte, daß sie Alles vor sich wegfegten, wie der Sturm die Wolken, daß Er noch lebe zum Strafe» wie zum Segnen, und kaum eines Hauches bedürfe, um seine hartnäckigen, aber ohnmächtigen Feinde zu zerstieben: ^ll'Igvit veus, st clissipsti sunt. Dem letzten BaloiS war der erste Bonrbon auf dem Throne gefolgt. EtwaS über zwanzig Jahre hatte Heinrich III. die französische Krone getragen, und eben so lange durch seine Genußsucht Aergerniß verbreitet. Rene und Rückfälle wechselten mit einander und zeigten die Haltlosigkeit deS Charakters, der ihn in den Mitteln fehlgreisen ließ. Dasselbe kann man nicht von jenen ehrgeizigen Großen sagen, welche, die WillenSlosigkeit des schwachen Fürsten mißbranchend, den unseligen Krieg wider den Bearncr anfachten, und, um ihr böses Spiel zu verberge», im Namen ihrer Religion Bürger gegen Bürger anf'S blutige Schlachtfeld trieben, während sie selbst, nur irdische Zwecke verfolgend, die entehrte Krone auf ihr eigenes hochverräterisches Haupt setzen wollten. Jedermann weiß, wie, wo und wann Heinrch III. das Zeitliche verließ nnd wer sein Nachfolger wurde. Die Ligue war verschwunden, und Heinrich IV. herrschte über Frankreich. Große Eigenschaften, die durch menschliche Schwäche verdunkelt, aber uicht zerstört wurde», zeichneten diesen Monarchen auS. - Er hatte ein gutes, für daö Glück seines Volkes warm schlagendes Herz, und wir dürfen uns hierüber auf sein Volk selbst berufen; das Volk ist in diesem Stück Kind und, wie das Kind, ein guter Beobachter: eS weiß bald, wen eS lieb'. Heinrichs Unterthanen sangen, nnd ihre Nachkommen singen noch jetzt: „Vivs Henri Huatr«, vive es roi vaillsrit!" und bei der „poule ->u pot" rollen den, französischen Landmanne noch jetzt Thränen über ihre Wangen. Heinrich hatte mit seinem herrlichen Sully die Finanzen aus ihrer Zerrüttung hervorgezogen, mit Einsicht geordnet, durch rühmliche Sparsamkeit befestigt; Ackerbau, Handel und Gewerbe, kurz Alles, wodurch daS materielle Wohl eines Landes bedingt ist, rafften sich uuter Heinrichs schützender, überall gegenwärtiger Aegide mit verjüugter Kraft aus ihrer Erschlaffung empor, uud gediehen zusehends; Frankreichs Wort, das unter den frühern Regierungen vom Auslande unbeachtet blieb, fing unter dem Bearner wiederholt an, in Europas Wagschaale sein nicht leichtes Gewicht zu legen, und der diesem Monarchen zugeschriebene Plan einer Theilung unseres Welttheils in eine bestimmte Zahl uugefäbr gleich starker Republiken (im alten Sinne von res puKIie-l zu verstehe»), um jeder küufligen Störnng des Gleichgewichts vorzubeugen, beweiset, daß er sich seiner und Frankreichs Macht auch bewußt war; endlich — wir nennen dieß der Steigerung wegen zuletzt, obschon eS 284 chronologisch allen aufgeführten Bestrebungen vorherging — Heinrichs Seele hatte sich der Wahrheit geöffnet; Ludwig der Heilige oder Neunte nimmt ihm, nach Voltaire'S epischer Darstellung, die Binde von den Augen. ,M lui cl^oouvrv un vieu sous u» smin qui »'egt, plus." Der Thron fand also wieder eine kräftige Stütze an der Kirche, und eS schien sich daher AllcS zu vereinigen, um die noch blutenden Wunden einer vrdnungslvsen Zeit allmälig zu Heileu. Und doch heilten sie nicht, trotz den günstigsten Constellationen, trotz der emsigsten, ungebeuchelt teilnehmendsten Pflege! Der gewöhnliche Betrachter historischer Thatsachen steht hier wie eingewurzelt vor Bcftemdnug, und sieht sich vcrgebens nach einem Schlüssel um: denn das ist unbestreitbar: Heinrich und Snlly war eS voller Ernst mit dem VolkSglück; sie scheuten keine Anstrengung, kein Opfei, um dasselbe dauerhaft zu begründen, unv Beide verstanden eS auch, die Sache beim rechten Ende anzugreise». Und dennoch gelang sie nicht? Ja, freilich gelang sie nicht — und konnte nicht gelingen (Fortsetzung folgt.) Spanien. Die traurigen Ereignisse, welche zur Zeit das schöne Spanien an den Rand des AbgrnndcS zu führen drohen, erwecken gewiß in jeder katholischen Brust ein lebhaftes Interesse für dasselbe. Wer möchte auch nicht Th?il nehmen an diesem unglücklichen Lanve, das von der Natur so reich ausgestattet und von einem gesunden, kräftigen VolkSstamme bewohnt ist, das in früherer Zeit eine so glänzende Rolle in der Weltgeschichte gespielt und so viel Herrliches in religiöser und wissenschaftlicher Beziehung, so wie in der Kunst hervorgebracht hat, und daS jetzt in der Weltgeschichte zu einer Unbedeutendheit herabgesnnken ist, die es zum Gegenstande willkürlicher Wühlereien von einzelnen Personen, als auch selbst von Regierungen gemacht, ja sogar zum Gegenstände deS Spottes der sogenannten „Liberalen" herabgewürdigt hat. ES mögen manche ganz irrthümliche Ansichten über die Verhältnisse in Spanien gang und gäbe seyn, verbreitet durch solche, welche diesem katholischen Lande nicht wohl wollen; deshalb glauben wir unsern Lesern einen Gefallen zu erweisen, einige Notizen, die der „Katholischen Wochenschrift" entnommen sind, hier folgen zu lassen, die manches Vorurtheil verscheuchen und manche Verleumdungen zu nichte machen werden. Die englischen Blätter machen es sich seit geraumer Zeit zur besondern Aufgabe, das katholische Spanien ans alle mögliche Weise zu verunglimpfen; sie bringen immer und immer wieder die abenteuerlichsten Gerüchte über die Unsiitlichkeit deS HofeS, der Geistlichkeit und des Volkes:c. Diesen Lügen-Berichten gegenüber bringt das „lablet," von Zeit zu Zeit Mittheilungen aus Spanien, welche die dortigen religiös-sittlichen Zustände in einem ganz andern Lichte erscheinen lassen. „Ich glaube," — schreibt der Madrider Korrespondent dieses BlatteS — „diese Journalisten denken in ihrem Schrecken über die Ausbreitung deS Katholicismus in England, iu der Religion seyen, wie „in der Liebe und im Kriege, alle Mittel recht", und die Verdächtigungen katholischer Fürsten und katholischer Geistlichen seyen das beste Mittel, ihr Publicum mit Haß gegen die Kirche zu erfüllen. Vor einigen Tagen kam ich beim Palaste vorbei: die köuigl. Equipage fuhr gerade in den Hof, die Königin, der König und die Prinzessin von Asturien mit ihrer Amme saßen darin; das MusikcorpS spielte den „königlichen Marsch". Die Königin umarmte zärtlich ihr Kind und gab cs der Amme und stieg dann mit dem König die Treppe hinan. DaS war das erste Bild vom Hofleben, welches ich sah, nachdem ich die Schmähungen englischer Blätter gelesen. Einige Tage nachher hatte ich eine Privat-Audienz bei der Königin. Sie stand einfach, aber elegant gekleidet, mit einem würdevollen, jedoch gütigen Ausdruck neben dem König und liebkoste die kleine Prinzessin, welche die Amme an der Hand führte. Keine Bauernfamilie konnte einen Anblick größern häuslichen Glückes und größere Einfachheit darbieten. Die englischen Journalisten kennen nicht die Liebe der 285 Spanier zu ihrer Königin; sie kennen nicht die Milde und Großmuth ihres Charakters. Die Diener des Palastes, namentlich die, welche alt geworden sind im Dienste ihres VatcrS, beten sie an. In der letzten Krankheit einer alten und treuen Dienerin zu Arcmjuez war sie eS, welche den letzten Athemzug der Sterbenden aufnahm. Tausende haben eS gesehen, wie sie aus dem Wagen stieg und niederkniete, als die heilige Wegzehrung zu einem Kranken getragen wurde, und wie sie in ihrer Gallakleidung, von Diamanten strahlend, mit einer Kerze in der Hand zu der ärmlichen Hülle ging, wo eine sterbende Frau die heilige Wegzehrung empfangen sollte, während der Priester mit dem «Ziborium in ihrem Wagen saß. Sie stieg mit Thränen in den Augen die enge Treppe hinauf und km'eete aus dem Boden nieder, bis der Priester sein heiliges Amt verwaltet hatte..... Fast alles öffentliche Scandal in Madrid wird durch vornehme Engländer verursacht, und es ist sprichwörtlich, von Einem, der ein schamlos lüderlicheS Leben führt, zu sagen: er lebt wie ein Engländer." Nicht minder tröstlich laulet sein Urtheil über das Verhalten der Geistlichkeit, über die religiösen Gesinnungen der überwiegenden Mehrheit deS Volkes und über die Bestrebungen der Regierung für Belebung und Kräftigung deS kirchlichen LebenS. „Die Kirche," — sagt er — „welche seit der Thronbesteigung der Königin stets mit der Strenge antichristlichen Hasses oder der Gleichgiltigkeit eineö selbstsüchtigen JndifferentiSmuS behandelt wurde, fängt seit einigen Jahren, namentlich seit dem Abschlüsse deS ConcordateS, langsam abcr stetig an, die Stellung wieder zu gewinnen, die sie einst im spanischen Staate hatte, und die sie nie aufgehört hat, im Herzen der großen Majorität der Spanier einzunehmen. Ich will nicht sagen, daß der wellliche Einfluß und die äußere Macht der Kirche sehr zunimmt; aber ihre Hirten, die durch den Feuerofen der Revolution hindurchgegangen sind, zeigen einen Eifer in der Bewahrung deS reinen Glaubens und in der Verbreitung deS Geistes der Frömmigkeit und Sittlichkeit unter den Massen, welcher den besten Erfolg hat, selbst in Städten, die vor zehn Jahren noch der Sitz des Lasters und der Irreligiosität waren. Ihre Bemühungen verdienen doppelte Anerkennung bei der großen Zahl von geheimen und offenen Feinden, mit denen sie zu kämpfen haben. Denn leider gibt eS auch in unserm Lande eine nicht so zahlreiche, als dittere, nicht so einflußreiche, als verwegene Partei, welche unter dem wohlklingenden Namen „liberale" selbst den Thron GotteS über den Haufen werfen möchte, wenn er ihrem Fortschritt im Wege stände. Aus Bosheit oder Dummheit begünstigen sie jedeö System, welches den Katholicismus in Spanien zu untergraben sucht, wiewohl sie sich scll'st Katholiken nennen; römisch, katholisch, apostolisch — sind die Namen, welche selbst Diejenigen für sich in Anspruch nehmen, die unter den Beamten und unter dem Volke in Städten und ans dem Lande nach Cultusfreiheit rufen, und die Grundsätze des Protestantismus verblei en durch Begünstigung der Agenten der Bibelgesellschaften, durch Ucbersetzung und Vertheilung ihrer Tractate und durch Artikel, die sie den „limes" nnd andern Blättern einsenden mit heftigen Declamalionen über die Jutolerunz des sc.indalrcichen HofeS und der bigotten Geistlichkeit. Ihre blinde Verehrung gegen das goldene Kalb englischer Macht und Größe, ihre falsche Vorstellung von Englands Toleranz nnd seiner Politik veranlassen sie, AlleS zu verhöhnen, was nicht einen englischen Anstrich hat, und darum suchen sie überall dem englischen Einflüsse Eingang zu verschaffen, und die Saat deS JrNhumS unter einem Volke auszustreuen, welches seit seiner Bekehrung zum Christenthu-n fast nicht weiß, waö Häresie ist. Unter ihrem Schutze ziehen Engländer im Auftrage von Bibel- und andern Gesellschaften im Lande umher und vertheilen hübsch gebundene protestaniische Bibeln und Tractate heimlich oder in einer Weise, welche kein großes Verlangen nach der Märtyrerkrone beweist, z. B. indem sie dieselben auS dem Wagen Vorübergehenden zuwerfen." (Fortsetzung folgt.) 286 Kirchliche Notizen. Salzburg, 12. Aug. Am 27. v. M. starb zu Sebenstein bei Wiener- Neustadt nach einer längern Krankheit die General-Oberin deS Institutes der Schulschwestern, Xaveria Lienbacher.. Sie war im Jahre 1812 in der Pfarre Kuchl bei Salzburg geboren. Während des Besuches der Mädchenschule zu Hallein empfahl sie sich durch ihre Sitten und Fähigkeiten, weßhalb sie auf ihre Bitte im Regelhause zu Halleiu, dem Mutterhause deS Institutes der Schulschwestern, Aufnahme fand und zur Dienstleistung im Hause verwendet wurde. In dieser Zeit lernte sie daS Institut genau kennen und gewann das Ordensleben so lieb, daß sie im Jahre 1830 in den Orden aufgenommen wurde, und nach einem Jahre die Profeß ablegte. Durch mehrere Jahre ertheilte sie den Unterricht in der Mädchenschule und hat in dieser Zeit durch ihre Eigenschaften und ihr Benehmen das Vertrauen und die Liebe der Ordensschwestern so sehr gewonnen, daß sie im Jahre 1841 zur Oberin deS RegelhauseS erwählt wurde und seitdem in diesem Amte verblieb. Unter ihrer Leitung hat sich die Zahl der Mitglieder des Institutes von von 10 bis auf 54 nebst mehreren Kandidatinnen erhöht. Die Frömmigkeit der Ordensschwestern, ihre Befähigung beim Unterrichte und in der Erziehung der Jugend haben dem Institute in so hohem Grade das allgemeine Vertrauen erworben, daß sie durch die Unterstützung edler Wohlthäter, besonders aber durch die großmüthigste Munificenz Allerhöchstihrer Majestät der Kaiserin Wittwe Carolina Augufta im Stande waren, Filialen zu gründen und die Leitung mehrerer Erziehungsinstitule, Kinderbewahranstalten und Arbeitsschulen zu übernehmen. Lavcria Lienbacher wurde zur General-Oberin des Ordens ernannt und begab sich im Jahr 1852, jedoch schon damals mit einem Lungenleiden behaftet, nach Wien, um von dort die neu errichteten Filialen zu leiten. Obwohl mit schwerer Krankheit bedrückt, verwaltete sie ihr Amt mit vieler Umsicht zum Besten deS Institutes und erwarb dem Orden stets mehr Gönner und immer größere Beliebtheit. Um ihre Leiden zu erleichtern, nahm sie im Juni d. I. ihren Wohnort zu Sebenstein, wo sie an, 27. v. M, selig im Herrn entschlief. Welcher Gnade sie von ihrer hohen Schntzfrau gewürdigt wurde, ist daraus ersichtlich, daß Allerhöchstdieselbe nach erhaltener Nachricht von ihrem Tode eine namhafte Summe anweisen und nach Sebenstein zusenden ließ, damit die Leiche der Verstorbenen würdig bestattet werde. Unter der Leitung der Schul- schwestern stehen gegenwärtig folgende Institute: Das Stamm- und Mutterhaus in Hallein mit achtzehn Schwestern; die Kiuderbewahranftalt Fridericia in Salzburg mit zwei Schwestern, ein ErziehungSinttitut und Kindcrbewahranstalt in der Wiener Vorstadt Erdberg mit siebzehn Schwestern; die Kinderbewahranstalt zu Baden bei Wien mit drei Schwestern, die Mädchen- und Kinderbewahranstalt zu Sebenstein bei Wiener- Neustadt mit drei Schwestern; die Kinderbewahranstalt und Industrieschule zu Wiener- Neustadt mit zwei Schwestern; die Arbeitsschule in der Wiener Vorstadt Nennweg mit zwei Schwestern; die Bewahranstalt und Arbeitsschule in Neunkirchen, mit drei Schwestern; die Bewahranstalt in der Wiener Vorstadt Scholtenfeld mit zwei Schwestern; die Filiale Judenau in der St. Pöltner Diöcese mit drei Schwestern; in der Linzer Diöcese die Kinderbewahranstalt zu Hallstadt bei Jschl mit zwei Schwestern. Wiener Blätter melden, daß auch die Leitung des RettungShauseS für weibliche Jugenv am Alscrgruud zu Wien den Schulschwcsteru übertragen werden soll, und daß eö beantragt sey, die Schulschwestern in gleicher Weise, wie sie der weiblichen Arbeitsschule am Rennwcg vorstehe», allen übrigen weibliche» Arbeitsschulen als Lehrerinnen deizugeben. Wir bezweifeln jedoch, daß dieser fromme Wunsch schon in nächster Zeit realisirr werde, da der Orden gegenwärtig nicht so viele Mitglieder besitzt, um die Leitung aller Arbeitsschulen zu übernehmen. (Salzb. Kbl.) Salzburg. Im Jahre 1853 bestanden im Herzogthume Salzburg 147 katholische Volksschulen, nämlich 2 Hauptschulen, 140 Trivialschule» und 5 Mädchenschulen. Sämmtliche Ortschaften, 716 an der Zahl, find eingeschult, in denselben wurden, mit Ausschluß der Sonn- und Feiertagsschüler 14,085 schulfähige Kinder gezählt, 287 von denen 13,873 die Schule wirklich besuchten; es sind daher nur 212 übrig, welche keinen Schulunterricht genossen. Unter diesen letzteren befinden sich viele, welche wegen ihres AlterS zu den Schulfähigen gezählt wurden, aber wegen körperlicher und geistiger Gebrechen keine Bildungsfähigkeit besitzen. Mit den 147 Volksschulen standen noch 10 Industrieschulen, 138 Sonntagsschulen, 1 Lehrerseminar, 1 höhere Töchterschule und 1 Mädchen-Erziehungs-Jnstitut in Verbindung. DaS AussichtS- und Lehrpersonal bestand in 12 SchuldistriktSaufsehern, 120 OrtSseelsorgcrn, zugleich OrtSschul-Jnspectoren, 163 Katecheten, 143 Lehrern, 52 Unterlehrern, 19 Mädchen- und 17 Jndustrial- Lehrerinnen, 13 Gehilfinnen und 145 weltlichen OrtSschulaufsehern. LehramtScandioaten waren 11 geistliche und 13 weltliche. Wird die Zahl der Schulen (147) mir den schulfähigen Kindern (14,085) verglichen, so kommen auf eine Schule 95 schulfähige Kinder. Wird das Lehrpersonale, abgesehen von den Ortsseelsorgern und Katecheten, bestehend in 143 Lehrern, 52 Unterlehrern, 19 Mädchen-Lehrerinnen und 13 UnterLehrerinnen mit den schulfähigen Kindern zusammengehalten, so entfallen auf 1 Lehr- Jndividuum 52 schulfähige Kinder. Aus den gepflogenen Erhebungen ergibt sich die erfreuliche Wahrnehmung, daß das Volksschulwcsen im Herzogrhume Salzburg auch im Jahre 1853 im Allgemeinen wieder neue Fortschritte zum Bessern gemacht habe. (Salzb. Kbl.) -i- » » Briren, 14. Aug. Gestern lief beim Consistorium folgende Trauerpost auS Chartum vom 12. Juni vom Herrn Missionär Gostner ein: „Den 10. Juni ist der hochwürdige Herr Missionär AloiS Hallcr ganz unerwartet und schnell einem außerordentlich heftigen Fieberanfall unterlegen. Am vorhergehenden Tage Abends verrichtete er seine heilige Beicht, am nämlichen Tage die heilige Messe, ja sogar Nachmittags unterrichtete er noch seine lieben Kleinen in der heiligen Religion. Ihm war gar nicht wohl, wenn er nicht mitten nnter seinen Kleinen war. Er wußte sich bereits den Kindern recht gut verständlich zu machen. Vor einigen Tagen sagte er zu mir, daß cS ihn jetzt recht freue, hier zu seyn. Sein gutes Beispiel wirkte ungemein viel Gutes bei den Knaben. Nach seinem Tode hörte man nichts anderes, alS: „der Heilige ist gestorben!" Selbst Muhamedaner nannten und nennen ihn den „Heiligen." Wie viel seine stille Thätigkeit ausrichtete, fällt erst jetzt recht auf. Wie schwer unS Allen der Verlust dieses frommen Priesters, dieses eifrigen Missionärs fällt, läßt sich gar nicht beschreiben." ' (Salzb. Kbl.) » « » Linz. Ueber die vom 2. bis 16. Juli in der k. k. Strafanstalt Garsten durch vier Väter der Gesellschaft Jesu abgehaltene Mission schreibt die officielle Linzer Zeitung: „Wer immer Zeuge der Erbauung gewesen ist, mit welcher die Sträflinge in jenen Tagen dem heiligen Meßopfer beiwohnten, der Aufmerksamkeit, womit sie den an sie gerichteten Kanzelvorträgen zuhörten, der Reue und Zerknirschung, welche sich ihrer bemächtigte, und sie antrieb, in den heiligen Sacramenten der Buße und deS Altars Entlastung ihrer schuldbewußten Seele, und Trost und Stärkung zu suchen, und wer Gelegenheit gehabt hat, zu beobachten, wie seit der Zeit die Andacht derselben inbrünstiger, die Rede züchtiger, ihr Gehorsam williger, ihr Umgang verträglicher und ihre Selbstbeschauuug thätiger geworden ist, der wird mit Achtung auf diesen Act geistlicher Bußübung und die Väter zurückblicken, unter deren Leitung dieselbe vollbracht wurde, der Regierung aber für die Sorgfalt großen Dank zollen, womit sie die religiöse und sittliche Besserung dieser verirrten und ties gefallenen Menschen zu bewirken bestrebt ist. » » « Mailand, 20. Aug. Die Synoden, hervorgegangen aus dem innersten Bedürfnisse der Kirche, haben als eine Aeußerung der moralischen Kraft derselben stets wesentlich dazu beigetragen, das Bewußtseyn der kirchlichen Einheit und Ordnung 288 zu erhalten, oder, wenn eS durch die Ungunst der Zeiten geschwächt worden war, von Neuem zu beleben und zu befestigen. Aus verschiedenen Gründen sind diese Versammlungen der Bischöfe mit ihren Priestern seit längerer Zeit unterblieben, obwohl ihre Nützlichkeit stets erkannt wurde und die früher in der Lombarvie nach dem Geiste des heiligen Carl BorromäuS abgehaltenen Synoden eine Berühmtheit erlangten. Der Senior deS lombardischen Episkopates, Cajetan, Bischof von Lodi, ist nun der erste, welcher den übrigen hochwürdigsten Bischöfen mit der Einberufung der Synode vorangeht, indem er bereits in einem Hirtenschreiben vom 28. Juni den Klerus der Diöcese zu einer Ende August abzuhaltenden Synode eingeladen hat. (Salzb. Kbl.) Berlin, 27. Jul. Gewiß kann es als ein glücklicher Gedanke bezeichnet werden, daß hier ein katholischer Verein unter den Studirenden ins Leben getreten ist. Derselbe hat sich die schöne Aufgabe gestellt, das religiöse Leben auf Grundlage der katholischen Wissenschaft und christlichen Kunst zunächst in den VereinS- Mitgliedern selbst zu fördern. Die Wichtigkeit dieses Bestrebens springt um so mehr in die Augen, als die meisten der hiesigen Studirenden schon dem Ende der akademischen Laufbahn nahe sind nnd bald selbst ins Leben eintreten müssen. Wiewohl der Verein erst seit einem Jahr besteht, so hat er doch schon einer erfreulichen Theilnahme sich zu erfreuen in allen Facultälen, besonders liefert die medicinische ein nicht unbedeutendes Couligent. Den kirchlichen Sinn hat der Verein schon bei der Frohnleich- namSprocession bewiesen, in welcher er korporativ auftrat. Gestern feierte der Verein das Fest seines Patrones, des heiligen Augustin. Um halb acht Uhr celebrirle der Curatpriester, canli. pb.il. Herr GroSfeld, in der St. Hedwigskirche eine heilige Messe für den Verein, dem die Mitglieder beiwohnten. Am Abende war Versammlung, verbunden mit einem Souper, an welchem außer den Siudirenden mehrere hochgestellte Ehrengäste Theil nahmen. Von den letztern nenne ich nur den Hrn. Probst Pelldram mit dem Pfarrklerus, den geheimen Ober-RcgierungSrath Hr. Ür. Brüggemann und den geheimen Ober-Negieruugsrath Hr. v. Ellerts. Nachdem der Vorsteher Hr. Or. meä. v. Soist die Sitzung mit einer kleinen Ansprache eröffnet hatte, hielt Hr. eanch plul. Dieckhcff die Festrede, in welcher er den Satz: „Omnis sei msMem äöi ^loriam" im Leben deS HI. Augnstin nachwies. An dieselbe anknüpfend schenkte Hr. Dr. Brüggemann, dessen unermüdlicher Eifer, die jungen Leute für wahre christliche Wissenschaft zu begeistern, längst bekannt ist, uns die Ehre, in einer längern kräftigen lateinischen Rede die Bedeutung und die hohe Aufgabe des Vereins uns anS Herz zu legen. Rührend und ergreisend waren seine trefflichen Worte und haben, weil sie auS einem tief-religiösen Herzen hervorgingen, gewiß ihre Wirkung nicht verfehlt. Beider Tafel brachte der Herr Probst einen Toast ans die schöne Idee deS Vereins, der Religion und Wissenschaft wieder, wie in den guten Zeiten, geschwisterlich zu vereinigen suche. Es folgten darauf verschiedene Toaste auf den heiligen Vater, unter Hinweisung auf daö Bestreben deS Vereins, auf die Verdienste deS apostolischen Stuhles um Kunst uns Wissenschaft, auf unsern vielgeliebten König. Ein österreichischer Historiker brachte ein Hoch dem Kaiser Franz Joseph, Andere auf den deutschen Episkopat, auf Hrn. Dr. Brüggcmann, auf die deutschen Hochschulen, auf Hrn. Freiherrn von Eichendorff, auf den Vorsteher deS Vereins u. s. w. In heiterer Unterhaliung vergingen schnell die Abendstunden. Möchten ähnliche Vereine an allen deutsche» Hochschulen sich bilden, wie wir neulich schon die Freude hatten, einem Bruderverein in BreSlau unsere Grüße übersenden zu können. (Münst. Sbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: A. C. Kremer.