Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger postzeitung. -. - 17. September M^- 18S4. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige «bou»eme«t«prel< -^v kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werd»» tau». Der Tob Boltaire'S. (Fortsetzung.) Maria FraneoiS Arouet, Sohn eines Advocaten und spätern Schatzmeisters der Rechnungskammer zu Paris, wurde daselbst 1694 geboren. War'S Eitelkeit, Laune, over sonst ein Beweggrund, den »nS die Geschichte nicht überliefert hat, genug, der Name des VaterS behagte in der Folge dem Sohne nicht mehr, der sich nun selbst Voltaire nannte und unterschrieb. Um die Erziehung des Knaben erwarb sich daS Jesuilen-Collegium seiner Vaterstadt große Verdienste, und Voltaire gedenkt in seinen Briefen und anderwärts mehrmals seiner Lehrer aus diesem Orden mit einer Pietät, die das Kriterium der Sprache deS Herzens an der Stirne trägt, und die wir daher auch hier nicht unerwähnt lassen wollten. Denn, wir haben eS schon gesagt, weder Haß noch Vorliebe führt bei diesem Aufsatz die Feder, und wir lesen gern solche Auge aus dem Leben eines menschlichen Wesens auf, weil sie die ganze Galtung ehren und ihr als Beispiele zur Nachahmung Zinsen bringen. Wir halten dieß auch für historische Gerechtigkeit gegen jedes Individuum, daS man zum Gegenstande öffentlicher Besprechung macht, und zugleich für eine von der Nächstenliebe uns auferlegte Pflicht, daS Gute überall aufzusuchen, und, haben wir'S gefunden, wäre eS auch in d>r Seele deS übcrwiescncn und verurtheilien hundertfachen Verbrechers, freudig und ohne Scheu anzuerkennen. Wir heben diesen Umstand auch noch besonders in Rücksicht aus Vol, tuire'S Erzieher hervor, und haben hierbei nicht etwa bloß das achtzehnte Jahrhundert all, in im Auge. Es ist fürwahr der höchsten Beachtung werth, daß ein Mann wie Voltaire, dessen ganze Lebensaufgabe eS gewesen zu seyn scheint, dem Christenthum« und seinem Stifter zn fluchen und Hohn zu sprechen, ohne sichtlichen oder auch nur denkbaren äußern Zwang den Führern seiner Jugend die ungeheucheltste Hochachtung zollt, und zwar iu Ausdrücken, die, obschon zunächst von Einzelpersonen gebraucht, doch in ihrem Cvnlert einer Huldigung gegen die ganze Gesellschaft nicht unähnlich sehen, welche sich nach dem von ihm geschmähten Gottmenschcn nennt, die dessen Fahne und Lehre in alle Welttheile getragen und noch trägt, und deren Mitglieder eS gewiß nicht versäumt halten, den Samen dieser Lehre auch in die empfängliche Brust ihres Zöglings zn ftrenen. Hält man diese Aeußerungen Voltaire'S über seine Lehrer mit manchen andern, später anzudeutenden Erscheinungen in seimr langen irdischen Laufbahn zusammen, und sucht mau dann auf psychologischem Wege das Ergebniß dieser Zusammenstellung zu ermitteln, so gelangt man zu dem unabweiSlichen Schlüsse, daß jene Aeußerungen daS reine Gepräge eines inneren Zwanges haben, d. h., daß sie, unter der Gestalt einer individuellen Achtungsbezeugung, Voltaire'S unbewachte Ueberzeugung von der Vortrefflichkeit der christlichen Religion enthalten, während Hochmuth, herrschender Welttou, Sucht nach Berühmtheit und Reichthum, ^vv verbünden mit ei'ner sarkastischen Natur, deren steter Heißhunger, gleich dem der Verleumdung, auch des Heiligsten nicht schont, sobald sie jener Ueberzeugung begegnen, den Kampf gegen dieselbe mit um so größerer Erbitterung sichren, je mehr sie, wie sie'S anch recht gut fühlen, auf unbesiegbaren Widerstand stoßen. Bedenkt man ferner, daß jeder große oder berühmte Mann dazu verurtheilt ist, sich bei jedem Schritt und Tritt von einer zahllosen Schaar Trabanten umgeben zu sehen, die jedes Wort deS Meisters mit hastiger Gier verschlingen, und, wie die Schüler deö PythagoraS, unter dem Rufe: „Er hac's gesagt!" als Orakelspruch wieder von sich geben; erwägt man die uns zwar nicht natürliche, sondern »ach außen angebildete, darum aber nicht min, der geringe Furcht vor Jnconscquenz, die falsche Schämn, selbst nach erlangter Einsicht unseres Irrthums etwas von dem zurückzunehmen, was so treue Anhänger und Jünger als unser und ihr Schibolcth von allen Dächern herab verkündigt haben, und wendet man diese Betrachtungen nach Wahrheit und Gerechtigkeit auf Voltaire an, so begreift man vollkommen den innern Hader und Zwiespalt, die an dem zur einsamen Ruhe Zurückgekehrien, den auf der Schaubühne der Welt stolz aber künstlich einherschreitenden Triumphator fürchterlich rächen, ihm den dürftigen Schlummer, die kurze Erholung verkümmern, ihn rastlos umhertreiben, bis zur Erschöpfung foltern, und dann wieder in das Gewühl des Tages Hinansstoßen, um in später schweigsamer Nacht das Strafgericht von Neuem zu beginnen. Welch' ein beneioenSwertheS LooS! Wer, dem ein menschliches Herz im Busen schlägt, kann einem solchen Schauspiele ohne Schauder und Rührung beiwohnen? Anch wir fühlen uns menschlich bewegt, denu das Geschöpf, das zu unserm Gemälde sitzen soll, war ja auch ein Mensch, und- Irvtz seiner Schätze, seines Ruhms, seiner Herrschaft über sein Jahrhundert ein sehr unglücklicher Mensch! Sein Wirken empfinde die ganze Schwere unseres Unwillens, denn eS soll uns und Andern ein Spiegel seyn, damit wir seine Wege nicht wandeln; aber seiner Person werde und bleibe unser aufrichtiges Mitleid: er hat schwer gesündigt hienieden, aber auch schon hienieden schwer gedüßt. Von wichtiger Vorbedeutung für den dem Knaben noch näher als dem Jünglinge stehenden Voltaire war seine Einführung in die sogenannte große Welt, die sich damals bt-sonders zahlreich in der Wohnung der Pariser Aspasia, Ninon de LecloS, versammelte. Der abgefeimteste, unbegränzter Schwelgerei des Geistes wie deS Körpers opfernde EpikuräiSmus, den weder der mißverstandene Grieche noch der seiner Cpur folgende Römer für den ihrigen erkannt hätten, hatte hier seinen Thron aufgeschlagen, und hundert willige Vasallen umstanden ihn, stets bereit, jeden Wink deS Herrschers als Besehl zu vollziehen. Sevigne, La Fare, Ehaulieu, Chateaunenf zc. versahen hier abwechselnd daS Amt eines CeremonienmeisterS oder „Irilrodueteur"; so Letzterer, der Voltaire'S Pathe war, bei diesem. Der Besitzerin deS Hauses ward nicht weniger geschmeichelt und hofirt, als der milesischcn Hetäre zu Athen, und Männer jedes Allers und Standes, die sich durch Bildung, Glücksgüter, Annehmlichkeit der Person u. s. w. auszeichneten, buhlten nm die durch den „von ton" gebotene Ehre, „de tsire leur cour » cette merveüliz du inonde." Witz und Laune waren die unerläßliche Würze, die jeder Gast zur Unterhaltung beisteuern mußte, und da die Wahl des Gegenstandes unbeschränkt blieb, ,,car I'esprit doit. s'exereer surtcmt", so wurde Heiliges wie UnheiligeS auj'S mnibwilligste bewitzelt und bespöttelt. Grundsätze waren verpönt, und mit ihnen Wissenschaft und Kunst, in so fern diese von Grundsätzen ausgehen oder darauf zurückführen; wenn auch zuweilen Verse, besonders dramatische (von Corneille, Racine, Mvliere) und erotisch-satyrische, vorgetragen und beuriheilt wurden, so geschah Letzteres doch nur nach einer längst fertigen Schablone, von welcher keine Appellation stattfand; am schlimmsten kam die Religion weg, namentlich die römisch-katholische. Hier bei diesem weiolichen Lovelace bildete sich eine der Hauptpflanzschnlen, woraus die Gründer und Lenker deS philosophischen Jahrhunderts hervorgingen, dessen Philosophie jedoch einzig daraus hinauslief, mißliebige Dinge lächerlich zu machen, wozu vor allen die Religion gehörte. „I.e ridieule tu«", hieß eS und heißt eS noch in dem Lande, dessen Sprache wir hier entlehnen. Allein — „c>n vous dorme dien de8 ridieules" 299 sagt Jemand bei Barthelemy zu Diogenes, und der Cyniker antwortet: ,Miis so ne les sceeple pss." DaS sagte und sagt auch noch die Religion, so oft Frevler darauf ausgingen oder ausgehen, ihr die Narrenjacke anzuziehen. Verunglimpfung wie thätliche Angriffe prallen machtlos von ihrer gepanzerten Brust ab, und selbst der Mißbrauch reicht bis zu ihrer Höhe nicht hinauf; sie kann, wie Kunst und Gerechtigkeit, der Erde auf eine Zeitlang den Rücken zuwenden, sich zum Sitz ihreö Urhebers emporschwingen, aber das Unreine der Erde färbt auf sie nicht ab. Der Asterphilosophie Bemühen znr Zerstörung des Unzerstörbaren war also eine SisyphuS- oder TantaluS- Arbeit; sie mochte sich heiser schreien und brüllen: „Ler-isex I'inlume!"— „^'inlume", daS Wort vom Stifter oder der Stiftung oder von beiden zugleich verstanden, lebte und lebt fort und ward nicht zertreten. Zwar gingen die Nachbeter Voltaire'S, d'AlembcrtS, DiderotS und sämmtlicher Encyklopädisten im letzten Zehntel des Jahr- hunderS noch um einige Riesenschritte weiter: sie versuchten eS mit den Bekennern der Religion, aber anch diese täuschten ihre Erwartung; sie gaben freudig ihr Leben preis, aber nicht daS, was dein Leben Reiz und Werth verleiht. Delille schleuderte den Scheusalen sein „"sremdleü, vous eles immortels!" entgegen, und damit gcwisser- maaßen zugleich seinen Kopf anf's Blutgerüst; La Harpe, der sich vom Altmeister und dessen Adepten losgesagt hatte, rief mir empörtem Selbstgefühl: „<)uoi! IVous serions les eselsves et les Instruments c!e eeux ciui n'ont rien, czui ne tvnt rion, et czui ne savent, rien?" und Chateaubriand gab 18l)l, als zwar Terrorismns und Direktorium zu Grade getragen war, aber im Staatsrath noch darüber gestritten wnrde, ob Christenthum, Polytheismus oder Atheismus einznsühren, seine Verherrlichung des Kreuzes, sein „Lerne clu Lliristmnisrne" heraus, nachdem DupuiS den Heiland zur astronomischen Mythe verzerrt h'tte. Die Philosophie deS neunzehnten Jahrhunderts mag an und für sich nicht blutdürstig seyu, sie kennt aber eben so wenig wie die des vorigen daS: „Dulde und entbehre" EpiktetS, sie lockert durch ihre nichtgelösten Zweifel die Bande, die Himmel und Erde miteinander verknüpfen, und einmal gelockert, währt'S nicht lauge, so reißen sie entzwei. Ein System, daS die Schöpfung ans Nichts wie ein Märchen behandelt, die Eristenz GotteS in Abrede stellt, dagegen aber die Ewigkeit der Materie als dogmatisches Ariom anpreist, verdient höchstens cin muleioigeS Achselzucken, durchaus keine Widerlegung, weil eS das gehäufte Maaß von Abgeschmacktheit und ein unvermeidliches 1'est.imoniuin pgupertatis für deu Geist seines Erfinders ist. Wenn Sophisten in seinem Beiseyn die Bewegung lüugneten, stand SokrateS ans und wandelte hin und her. Bestreitet Einer uuS die Möglichkeit der Schöpsnng aus Nichts, so wolle er unS beim Beginn deS Frühlings in die wieder- anflebende Natur begleiten; genügt ihm dieses stumme, und doch so beredte Argument nicht, so möge er eS uns nicht verdenken, wenn wir ihn für absichtlich verstockt oder für eine arkadische — Nachtigall halten. Letzteres würde unfehlbar der Fall seyn, wenn er uns von ureigner ProdnctivnSkraft der Natur, d. h. einer Erdscholle spräche, er, der es lächerlich finden würde, wenn man seinen Eßlöffel, sein Brodmesser ooer gar seine Taschenuhr als von ungefähr oder dnrch selbststä ndige Verbindung der Stofftheile entstanden erklärte. Da gefällt unS doch der schon genannte Chateaubriand besser, ein Mann, der eben nicht als stumpfsinniger Dummkopf oder als gedankenloser Betbruder bekannt ist. Der aber hatte anch die überschwenglichen Philosophie scheu Systeme, wonach die christlichen Zustände „überwunden" sind, „neue Götter" daS Regiment übernommen und „allen alten GlaubenSsauerteig auS unsern Herzen ausgefegt" haben, der Reihe nach durchgemustert, und als er damit zu Stande war, da sagte er kopfschüttelnd: „Klr dien, tout cela veut svoir I'air cle cjuelcjue coose; pour moi, je tiens tiue le clurpelet cle mon eure est plus sür." Wenn wir übrigeng den Erfindern derartiger Systeme die von Andern daraus gezogenen blutigen Conse- quenzen nicht aufbürden wollen, so sind sie doch nicht von aller Schuld freizusprechen; denn sie hätten an Göthe'S „Zauberlehrling" denken können und sollen. — Und nun zurück zu Voltaire. Unter solchen Einflüssen begann der sechzehnjährige Jüngling seine literarische 300 Laufbahn mit dem Trauerspiel „Oedip", dem die Akademie den Pre!S versagte, und dafür vom Verfasser mit Epigrammen beschossen wurde. Wegen dieser Frechheit auS dem elterlichen Hause verjagt, ging der reizbare Poet mit der franzosischen Gesandtschaft nach dem Haag, kehrte aber bald wieder zu seinem besänftigten Vater zurück, nachdem er ihm versprochen hatte, sich mit Ernst auf die Jurisprudenz zu legen. Dieß Studium kam ihm jedoch nach kurzer Zeit so trocken vor, daß er eS ausgab. Nun griff er wiever zur Feder und schrieb eine satyrische Darstellung der letzten Rcgie- rungSjahre Ludwigs XIV., weßhalb er (1716) in die Bastille wandern mußte, wo er seine „Henriade" anfing. 1718 wurde er daraus entlassen und seinem „Oedip" der Preis zuerkannt. Neue Händel brachten ibn von Neuem in die Bastille, wo seine Haft dießmal nur sechs Monate währte, aber durch seine Verweisung auS Frankreich verschärft wurde. Er wandte sich nun nach England, und ließ dort seine inzwischen fertig gewordene „Henriade" unter dem Namen „I.» I.igue" zum erstenmal drucken. 1728 nach Paris zurückgekehrt, verfaßte er bei Gelegenheit der Bulle „Dnigenitus" seine Schrift „8ottisks cles cleux cüt6s." Zwischen 1730—1735 mußte er wegen seiner „I^vttres pruloscipniques", die das Parlament öffentlich verbrennen ließ, so wie wegen der „pucelle cl'Orleims", worin alle Blumauer'sche Unsittlichkeiten weit übertroffen find, seine Vaterstadt wiederholt verlassen, und seine Freundin, die Marquise von Chatelet zu Chivay in der Champagne, nahm den Flüchtling sreundlich auf. Seiner fruchtbaren Feder entflossen nach und nach eine Menge Werke, so die Romane: „Xach'g", „Kvrigiscdsm", „Lk>n), wir achten ihn sehr, fürchten ihn aber nicht, weil wir bei unsern geringen Leistungen stets darauf bedacht wareu und noch sind, daß Ansang, Mitte und Ende zu einander stimmen, unserer Freiheil unbeschadet. „8e bei. — Eine andere höchst löbliche Maaßregel der Regierung betrifft daö Kloster San Lorenzo vom EScurial ES ist ein Meisterstück der Baukunst, verbunden mit einer königlichen Residenz. König Philipp II. stiflcie cö zur Erinnerung an den Sieg von Saint-Quentin. Die Bewohnnng und Erholung veS GcbäudcS war den Einsiedlern vom heiligen HicronymuS übergeben. Als t836 die Mönchsorden aufgehoben wurden, mußten auch die Hieronymuen den ESc mal verlassen. Seitdem verfiel das Gebäude von Jahr zu Jahr. Endlich ist man zur Einsicht gekommen, daß eS eine Ehrensache für die Krone und Nation sey, dieses Bauwundcr deS alten katholischen Spaniens nicht zu Grunde gehen und den Zweck der Stiftung nicht ganz unerfüllt zu lassen. In den letzten Jahren wurden einige Wellgeistliche bestimmt, den Gottesdienst dort zu besorgen. Jetzt sind die Hicronymitcn zurückberufen worden. DaS königliche Dccret lautet: „Zu dem besondern und einzigen Zwecke der besseren Bewachung und Erhaltung deS königlichen Klosters San Lorenzo vom EScurial nach der Anordnung seines Gründers und zur Erfüllung der religiösen Stiftungen soll dort eine OrdenS-Congregation gegründet werden nach der Regel deS OrvenS vom heiligen HieronymuS, aber dem Diöcesaubischof oder meinem Großalmo- 302 seni'er untergeben und mit den nöthigen Modifikationen, worüber sich meine Regierung mit der geistlichen Behörde, nach dem Concordate, verständigen wird. Zu dem angegebenen Zwecke und zur Unterhaltung der Kongregation überweiseich, um dem Staate keine neuen Lasten aufzulegen, von der Veröffentlichung dieses Debets an den reinen Ertrag deS Theils der früher denselben Kloster gehörenden Güter, welcher an mein königliches HauS gefallen ist und als mein Privat-Eigenthum verwaltet wird." Auch die Fiauenklöster beginnen sich wieder zu füllen und fast jeden Tag hört man von Einkleidung reicher und vornehmer junger Damen. Bis jetzt bestehen nur solche Nonnenklöster, welche sich dem Unterrichte und den Werken der thätigen Nächstenliebe widmen, und die Regierung hielt eö bei Gelegenheit der Wiedereinführung der Hieronymiten in den EScnrial für nöthig, den Liberalen gegenüber zu erklären, daß sie nicht daran denke, die unterdrückten, dem beschaulichen Leben gewidmeten Orden wieder herzustellen; indessen wird auch in diesem Stücke die Zeit Rosen bringen. Die religiösen Bruderschaften gewinnen neues Leben, die feierlichen Trituen, Novenen und andere Andachten mehren sich, der Besuch der Kirchen anch an Werktagen nimmt in erfreulicher Weise zu, kurz Alles weise darauf hin, daß die Revolution in Spanien ihre Rolle ausgespielt hat, und daS Land wieder auf den rechten Weg zum wahren VolkSglücke einlenkt. Ilino illsg laei^mae! Uine illae teneursrum irao! *) Besondere Anerkennung verdient der Eifer, welchen die spanische Regierung in neuester Zeit entwickelt, um wieder einigen Einfluß im heiligen Lande zu gewinnen, welches den früheren Königen so vieles verdankt. Es gab eine Zeit, in der fast alle katholische Fürsten mit einander wetteiferten, die religiösen Anstalten deS heiligen Landes reichlich zu beschenken; und es gibt in ganz Palästina keine Kirche oder keine Sakristei, welche nicht einige Beweise davon aufzuweisen hat. Die beträchtlichsten Spenden hat jedoch daS heilige Grab aus Spanien empfangen. Jsabella, Königin von Castilien, wicS außer den werlhollen Kleinodien, deren sie sich zu Gunsten deS heiligen GrabcS beraubte, den Geistlichen ein jährliches Geschenk von tausend Gold- thalcrn an. Kaiser Carl V. ließ die Kirche, welche einzustürzen drohte, auf seine Kosten wieder herstellen. — Philipp II. sendete einen außerordentlich reichen Kirchenschmuck von schwarzem Sammt, auf dem mit ächten Perlen berrliche Darstellungen deS Leidens unseres Herrn und der vorzüglichsten Heiligen deS seraphischen Ordens gestickt waren. — Philipp III. und seine Gemahlin Margareiha setzten den Mönchen eine Rente von 30,000 Ducaten fest, schenkten Kelche, Meßgewänder, eine silberne Lampe, die größte, die eS damals gab, und vermehrten ihre Wohlthaten so sehr, daß man im Kloster gewöhnlich sagte: „Se. katholische Majestät erwählte sich daS heilige Grab znr Residenz, und die Königin Margarethe, machte sich zur Sacristanin desselben." Vor allen diesen zeichnete sich Philipp IV. auS; er allein hat für die Unterhaltung der heiligen Orte während der Dauer seiner Regierung mehr gethan, als die übrigen Fürsten in drei Jahrhunderlen. Im Jahre 1628 schickte er 30,000 Ducaten zur Ausbesserung deS Klosters zn Bclh'ehem, und vom Jahre 1640 bis 1652 sendete er den lateinischen Vätern, den Wächtern deS heiligen Grabes, sc> bedeutende Geschenke, daß man von ihm sprüchwörilich sagte: „er verwahre seiue Schätze im Grabe deS Herrn." — Carl III vermachte den religiösen Stiftungen im Oriente, wo die meisten lateinischen Priester Spanier waren, Fondö von 15 Millionen Realen, welche durch die seit 20 Jahren capilalisirten Zinsen jetzt auf 30 Millionen gewachsen sind. — Nun soll daS neu errichtete FranciScaner-Kloster San PaSqual wieder daö Contingent für daS gelobte Land stellen. Zugleich ist der Gmeralcomuiissär der Olira pis (»er Mission in Palästina), Herr Golfanqnez, von der Regierung nach Pnego geschickt worden, um das dortige große Kloster San Francisco für Novizen, die sich für die Mission im *) Zu bedauern ist es nur, daß leider in Folge der jetzigen neuen Revolution in Spanien alle diese Hoffnungen wieder vereitelt werden, so wie Alles, was eine bessere religiöse Richtung constatirte, nun desgleichen den verderblichen Rückgang nimmt. 303 heiligen Lande vorbereiten, einzurichten. Die Zahl dieser Novizen, die vorläufig zu Aranjuez untergebracht sind, mehrt sich rasch. — Spanien verlangt ein gewisses ihm zustehendes Protektorat über die heiligen Orte, wo sich zwei unter dem Schutze Ihrer katholischen Majestät stehende kaiholische Institute befinden, zurück. ES ist bereits eine Commission ernannt, um den Ursprung und den Umfang dieser Rechte, welche seilher außer Gebrauch gekommen waren, festzustellen. Auch ist ein General-Consul für Jerusalem ernannt worden, um die Prärogative der spanischen Krone zu überwachen. — Andere Consulate sollen zu Jerusalem, Jaffa, Ramla und Aleppo errichtet werden. Zur Deckung der Kosten hiefür sollen ein Drittlheil der Zinsen der FondS Carl III. und der Rest für den Cultus verwendet werden. Freilich werden durch den AuSbruch deö Krieges im Oriente, so wie durch die neue Revolution in Spanien diese löblichen Entwürfe für jetzt größtentheilS unausführbar werden. Kirchliche Notizen. Die „D. Vhl." entnimmt der „Civiliu cattolica" folgende Notiz auS Italien: Der 8. August war der fünfte Jahrestag von einigen kleinen Heldenthaten derjenigen Republikaner, die 1849 noch in Rom waren. Da sie vernommen, daß die rechtmäßigen Besitzer dcS „Collegio Romaiw" vermöge allerhöchster Willensäußerung schon vom 2. ab wieder in ihr Eigenthum zurückkehren dursien und wollten, so beeilten sie sich, den Eigenthümern das Gebäude in seinem vornehmsten Theile verbrannt zurückzugeben. Nun war aber das Feueranlegen an einem Orte, wo die Brandwächter oder PompierS ihr Quartier haben, nämlich dicht am Eingange des CollegiumS, kaum möglich. Was thaten denn nun unsere erfindungsreichen Volksbeglücker? Sie riefen eine Weile vor dem beabsichtigten Bubenstück die PompierS dieses Sanct JgnazviertelS herbei, um einen von ihnen selbst angelegten Brand eines Heubodens vor der „Porta di San Lvrenzo" auf dem Wege von Tivoli zu löschen; auch wußten sie unter andern Vorwänden die Vrandwächter der übrigen Viertel auS Rom zu entfernen. Und als nun das Feuer im „Collegio Romo.no" auSbrach, da waren entweder gar keine PompierS zum Löschen bei der Hand, oder die von Tivoli Zurückgekehrten waren so vereinzelt und so ermüdet, daß sie nicht helfen konnten. Dank also diesen neuen „Aufklärern" gingen in Flammen aus: die sogenannte „Congregazione della ScaKtta"; das reiche physikalische Cabinet mit allen seinen zur Nalurwissenschast dienenden Maschinen und Instrumenten, woran die Väter der Gesellschaft 25 Jahre gesammelt hallen, nebst der nicht weniger reichhaltigen Zugabe, einem Geschenk dcS „römischen Seminar"; die Aula Marima, vielleicht einer der größten Säle, worauf Rom stolz seyn kann; die Volircapelle oeS heiligen Ludwig von Gonzaga; ferner, wenn auch glücklicherweise nicht ganz, der schöne Saal vor dem Zimmer (5tan?g) deS heiligen Ludwig, Wir wollen hoffen, daß so große Tapferkeit und so viel guter Wille in den Annalen jenes goldenen Zeitalters der Republik von 1849, die nicht volle fünf Monate dauerte, mit dem gebührenden Lobe verzeichnet ist oder wird. Jetzt h.iben die Väter mit großem Kostenauswande die „Congregazione della Scaletta" wieder hergestellt, und zu unserer Freude, gewiß auch zur Freude der guten Republikaner, weisen wir auf den Umstand hin, daß der frühere Hängeboden durch ein Gewölbe ersetzt ist, das die „Scaletta" um vier Meter erhöht, woraus denn folgt, daß, trotz deö Sprüchworts, nicht jedes Uebel zum Schaden ausschlägt. Wir zweifeln nicht, daß mit der Zeit unter GotteS Beistande auch die übrigen Spuren der 1849er „Ausklärung" allmälig verschwinden werden, obschon wir, wie'gesagt, nicht wünschen, daß die Erinnerung daran zugleich mit verloren gehe. NdV i»» aUlnubinV '>>>ii Hnit» ^KlN'-li-!.' Oiv ki> »»Hi-Zs uz « AIS Beweis, wie sehr verschieden die Gesinnung der badischcn Regierung von der der untergeordneten Beamten ist, gelte folgende Correspondenz deS „Schw. Merk." vom 22. Aug. „Heute firmt im Auftrage deö Herrn ErzbischofS zu Freiburg der Bischof 304 Weis von Speyer in Wiesenthal, morgen in Vhilippsburg, übermorgen in Bruchsal. Die Ortsvorständc hatten mit ihren Gemeinden beabsichtigt (MerkuriuS prüft Herzen und Nieren), an diesem Acte nicht in ihrer politischen Eigenschaft und korporativ, sondern nur einzeln als Katholiken Antheil zu nehmen, so daß man also außer der Kirche von der Anwesenheit deS Herrn Bischofs wenig oder nichts bemerkt hätte. Dieser Absicht entgegengesetzt erhielten die betreffenden A»mtSvor- stände von Karlsruhe die Weisung, dahin zu wirken, daß der Bischof von Speyer seinem Stande und seiner Würde gemäß auch von den Gcineinden, als solchen, auch außer der Kirche empfangen werde. >Ni Ptlj^ >N'j^!I5<) Ills N^>? « Wien. Einem Schreiben in den Rheinischen Volksblättern entnehmen wir folgende Notiz: »In einem StrafhauS bei Wien, worin an 15» Criminalsträflinge weiblichen Geschlechts sich befinden, die ans ein, zwei, fünf bis zehn Jahre, die meisten in Eisen, vcrnrtheilt sind, haben sechs Nonnen und zwei Laienschwestern auS dem Orden der Frauen zum gnten Hirten die alleinige Aufsicht, Leitung und Versorgung der ganzen Anstalt. Keine Mannsperson ist im Hause, auch keine Wache; unter Gebet und Arbeit wechselt das Tagwerk, — Zur Osterzeit dieses JahreS war allgemeine Beichte; die Theilnahme war Jedem frei gestellt. Ein paar Tage vor der bestimmten Zeit waren von den 150 Sträflingen nur drei, die sich weigerten, zur heiligen Beichte zu gehen; sie schimpften über die Dummheit, daß man Gott seine Sünden hersagen solle. Alle Zureden von Seiten der Ordensfrauen und deS Geistlichen wollten nicht anschlagen. Endlich kamen am vorletzten Tage von diesen Dreien noch zwei zur Oberin und baten um den Beichtvater. Darüber gerielh die dritte fast in Wuth, besonders gegen die zwei, und geberdete sich so arg, daß man schon daran dachte, sie wegen ihrer gotteslästerlichen, wahrhaft teuflischen Reden auS der Anstalt zu emsernen. Alle Hoffnung, durch Zureden in Ernst und Güte auf sie einzuwirken, war verschwunden. Nur noch ein Mittel, von dem man sich Erfolg versprach, war übrig: das Gebet. ES wurde nun eifrig für dieses arme Geschöpf gebetet, und iiihe da, am folgenden Morgen kam diese Person gan; verstört zur Oberin, erklärte, daß sie zwar mit allen Kräften gegen Gott sich gewehrt habe, daß nun aber alle ihre Kraft aufgezehrt sey und daß sie nicht mehr widerstehen könne; sie bitte daher, ihr den Beichtvater zu schicken, sie wolle sich mit Gott ernstlich versöhnen. Sie hat daraus gebeichtet, mit den Andern communicirt und darf von demselben Tage an zu den Bessern in der Anstalt gerechnet werden. — Mehrere, welche ihre Strafzeit überstanden haben, haben die Oberin gebeten, in der Anstalt bleiben zu dürfen. Sie wollten gern jeden Gehorsam leisten und mit der schlecht-stcn SlräflingS- kost zufrieden seyn — nur solle man sie in der Anstalt lassen; denn seiidem sie das Bessere kennen gelernt hätten, wollten sie von der Welt nichlS mehr wissen, in der sie nur neuen Gefahren entgegengingen. — Wahrlich, wenn man dieses Wiener StrashanS betrachtet und daneben unsere Strafanstalten stellt, prachtvolle Gebäude, mit militärischen Wachen, mit einer Schaar von Directvren, Inspektoren, Rendanten und Aufsehern, mit ihren ungeheuern Ausgaben und — wenigem Erfolge, so kommen Einem eigene Gedanken." z' ... ^'.>>) '«i"-!).'7! '?>- >> ^ .ru'I 5::lU>>.ljj n>6 » Bern. Berner Blätter melden, der heilige Vater habe für den projectirten Bau einer katholischen Kirche in der VundcSstadt 21,500 Franken gezeichnet. Gewiß ein großmüthiger Act der Wohlthätigkeit, besonders wenn man bedenkt, daß der heilige Vater für so viele Bedürfnisse auf der ganzen katholischen Welt oder nur in Europa zu sorgen hat und. auch wirklich auf väterliche Weise sorgt. Erstaunlich ist eS, von so vielen und so großen Spenden nach allen Richtungen zu hören. Gott segne und erhalte noch lange unsern heiligen Vater PinS IX. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag»-Inhaber: F. E. Kremer.