» Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PoKzettung. 5. November M- ^tS« 1854. Dieses Blatt crscheint r?szelmäfiig alle Gonutage. Der halbjährige Abmmi-msntsvrei« TO kr., wofür et durch alle köuigl. bayer. PoKämter vnd alle Buchha«dlu»qen bezoflkn werde« kaun. Der Tod Voltaire'S. l Schluß.) Hier ist der Brief TronchinS an Bonnet vom Zl). Juni 1778: „Wenn meine Grundsätze einer festeren Verschlingung bedurft hätten, so wurde sie der Mann, dessen Hinwelken, Todeskampf und Tod unter meine» Augen geschah, zu einem gordischen Knoten verschlungen haben, und die Vergleichung zwischen dem Tode deS Rechischaf- fenen, der nur daS Ende eines schönen Tages ist, und jenem Voltaire's hätte mir handgreiflich den Unterschied zwischen einem schonen und einem stürmischen Tage gezeigt.....Dieser Mann war also bestimmt, unter meinen Händen zu sterben. Ich habe ihm stets die Wahrheit gesagt, und zu seinem Unglück stand ich hierin allein. ,,„Ja, Freund,"" sprach er oft zu mir, „„Sie allein haben mir immer gut gerathen. Jälte ich Ihnen gefolgt, so befände ich mich nicht in diesem gräßlichen Zustande. Ich wäre nach Ferney zurückgegangen, hätte mich nicht in Rauch berauscht, mir nicht vom Rauch den Kopf verdrehen lassen, Ja, ich habe nur Rauch verschluckt; Sie können mir nicht mehr helfen. Schicken Sie nach dem Narrenarzt! O haben Sie Erbarmen mit mir, ich bin verruckt,"" Bis zu seinem Tode waren seine Tage ein einziger langer Orkan von Verrücktheit. Er schämte sich dessen, und bat mich um Verzeihung, sobald er mich gewahrte. Er flehte mich um Mitleid an, und bat mich, ihn doch nicht zu verlassen.....Er hat so viel Arzneien genommen, so viele Thorheiten begangen, daß er darüber der Verzweiflung und dem Wahnsinn verfiel. Ich denke nur mit Schander daran. Sobald er sah, daß Alles, was zu seiner Stärkung versucht, die entgegengesetzte Wirkung hervorbrachte, stand ihm der Tod unablässig vor Kugeu. Von da an bemächtigte sich seiner Seele eine wahre Oresleswuth, und er verschied, von den Fnricn gejagt (kuriis »git-ttus okiit.)" Vorstehende Zuschrift bedarf keines CommentarS. Doch Eines könnte man noch einwerfen: „Vielleicht war diese Raserei nur eine augenblickliche oder höchstens periodisch, und ihre Anfälle folgten nur in laugen Zwischenräumen auf einander?" Der jetzige Bischof von Gap, ehemaliger Geueralvicar von Bclley, wird diese Zweifel lösen. Abbe Depory (so heißt Seine Gnaden) schreibt 1835 in seiner Fio5 svee respecl s ss volonlv ssinte, „5e crains Dien, ober .4bner, et n'si point cl'sutre criiinte." (Der den empörten Wellen einen Zügel anlegt, weiß auch die Anschläge der Bösen zu hemmen: mit ehrfurchlsvoller Ergebung in seinen heiligen Willen fürchte ich Gott, theuer Abner, und sonst nichts.) Galler und Graf Etolberg, nicht minder gelehrt und begeistert, feiern den Sieg der „Thorheit" deS Kreuzes über die „Weisheit" rer Welt. Tiedge führt uns den Zweifler vor, und zeigt uns den Gewinn deS Grübeins: „Stolze Weisheit, durftest du mir'S rauben, „Das erhaben stille Seelenglück? „Nimm, was du mir gabst, nur meinen Glauben, „Meine Hoffnung nur gib mir zurück! „Daß mein Haupt auf ihren Sch'ooß sich neige, ' „Und dieß Herz, das schwere Seufzer trug, „Ihr die Narben von den Wunden zeige, „Welche mir das harte Leben schlug! ^ 3SK „Wie geschreckt von einem grausen Fluche, „Der aus einein Himmel mich verstieß, „Fahr' ich zitternd auf und suche „Mein Verlornes Paradies." Schiller warnt vor jenem falschen Forschgeiste, der mir vcm Hochmuth und der Eitelkeit fröhnt; denn wer nicht mit reinem Herzen nach der Wahrheit sucht! „Dem wird sie nimmermehr ersten ich seyn " Derselbe Schiller hatte auch seine eigenen Gedanken über Weltverbesserer. Er wendet sich an Einen derselben: „Von der Menschheit — du kannst nie groß genug von ihr denken. „Wie du im Busen sie trägst, prägst du in Thaten sie aus. „Auch dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet, „Reich' ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand: „Doch für Regen und Thau und für's Wohl der Menschengeschlechte» „Laß dn den Himmel, Freund, sorgen, wie gestern, so heut. Und Wicland, der vielleicht Manches hätte ungeschrieben lasse» könuc», mag uns denn zu guter Letzt eine Stärkung mit auf den Weg geben, wofür unsere Leser ihm gewiß eben so dankbar seyn werden, wie wir selbst. Es ist nur eine einzige Strophe, aber sie verdient in Gold gefaßt zn werden. Man urtheile: „Mir sagt mein Herz, ich glaub's, und fühle, was ich glaube: „Die Hand, die uns durch dieses Leben führt, „Läßt uns dem Elend nicht zum Raube; „Und wenn die Hoffnung auch den Ankergrund verliert, „So laß uns fest an diesem Glauben halten, „Ein einz'ger Augenblick kann Alles umgestalten." - y»tl?tzl . N«U»HNÄNy ,Hi>»ijjjs<»IH ?! >r",v>,>'i,'n' >i, ,. ,.,„',, : li^ii,».'s> «' ^ ,. . i.'I-,-!',."f.-i London. In Irland gedenken die HH. John O'Counell (Daniels dritter Sohn) und Raynolds einen neuen großartigen Verein zu Stande zu bringen, der die Förderung deö liberalen Princips in Staat, Kirche und Gemeinde zum Zweck haben, und von dem altcii. Repeal - Verein sich dadurch unterscheiden soll, daß er nicht ein bestimmtes politisches Einzeljiel anstrebe. Die ordentlichen Mitglieder dieses Vereins haben 1 Pf, St., die bloßen „Genossen" 1 Shilling als Jahresbeitrag zu entrichten. In Dublin soll eine neue katholische Zeitung gegründet werden. * 5 * Linz (in Rheinpreußen), 5, Oct. Äm nächstfolgenden Sonntag findet zu Niever- brcisig in der dortigen katholischen Pfarrkirche eine Ercommnnication statt. Ein dortiges katholisches Mädchen, welches seit langen Jahren in unerlaubtem Umgange mit Juden lebte und bereits Mutter ist, hat, allen Ermahnungen und Warnungen des Pfarramts zum Trotz, sich auf dortigem Bürgermeisteramte mit letzterem civilrechtlich trauen lassen. Der AuSspruch des großen Kirchenbannes über die Getraute und deS klcincn über drci Betheiligte soll, auf bischöfliche Anordnung, am künftigen Sonntag stattfinden, wenn bis dahin die Beiheiligte das Verhältniß nicht ausgegeben hat. Während in der katholis^ cn Pfarrgemeinde täglich Gebete um Aufhören deS Aergernisses zum Himmel gerichtet werden, hält auch die jüdische Synagoge Billveisamm- lnngen und droht ihrerseiiS ihre Glaubensgenossen auS der Synagoge zu verstoßen. Die biSbl-ngen Predigten haben indessen einen sittlichen Eindruck auf die Pfarrgenossen wie auf die von außen zahlreich hcrbeigeströmten Zuhörer hervorgerufen. » » Znv'ittilii'' -nzmiuä. WZÄ llc»>^>, l!Z>? ZN!Ä ? !! h ' 1 ? ' Agram, Der Herr Erzbischof von Agram hat zum Andenken der Vermählung Sr. Majestät eine fromme Stiftung für immerwährende Zeiten gemacht, Sie besteht darin, daß aus jedem der sechs Gränzregimenter, welche ganz oder theilweise zur geistlichen Verwaltung deS Agramer ErzbiSthumS gehören, jährlich drei, mithin im Ganzen jährlich achtzehn arme und unbescholtene katholische Gränzmädchen, die im Begriffe stehen, eine Ehe einzugehen, je mir 3V fl. in klingender Münze betheilt werden. Se. Majestät hat diese Stiftung genehmigt nnd erlaubt, daß sie den Namen Elisabeth- Stiftung führen dürfe. Der Herr Erzbischof hat das StiftungScapital mit 10,800 fl. dem Agramer Militär-Gouvernement übergeben. * » * 3S8 Paris, 9. Oct. ttine schöne Feier fand am gestrigen Sonntag Abend in der deutschen M i ssi on s ki > ch e siue I.glsz'ktte) statt; es war der Schluß der achttägigen Anbetung des hochheiligen AltarsacramenteS. Einen besondern Glanz erhielt die Festlichkeit dnrch den Umstand, daß der hochwürdigste Bischof von Belley, Msgr. Chalandon, derselben präsidirte. ES sind jetzt drei Jahre, seitdem die fromme Anstalt besteht; ihr Gründer, der ehrwürdige Pater Chable uns zugleich ihr Director, hat fast das Unmögliche möglich gemacht, ihre Erfolge haben alle Erwartungen weit übertroffen: wir benutzen daher jeden Anlaß, das christliche Werk auch unsern Glaubensgenossen jenseits des Rheins ans Herz zu legen. «- » » Breölau, 18. Oct. Heute früh, am Jahrestage der bischöflichen Consecration, haben Seine fürstbischöfliche Gnaden, nachdem Hochdieselben früh »m vier Uhr in der Kathedrale noch das heilige Meßopfer, von den sämmtlichen Alumnen deS Klerikal- Scminars assistirt, dargebracht, die Reise nach Rom angetreten. Seine bischöfliche Gnaden, Herr Weihbischof Latussek und Herr Dombecan Dr. Ritter, begleiteten Hochdieselben bis zum Bahnhof. » » « Türkei. EinS der unerwartetsten Ergebnisse deö Krieges im Orient, welches die Vorsehung herbeigeführt hat. besteht darin, daß die christliche Hingebung der barmherzigen Schwestern aus einen Schauplatz gestellt ist, von welchem ihre Tugend in einem herrlichen Lichte erscheint. Seit einem Monate veröffentlichen europäische und amerikanische Zeitungen die Heldenthaicn der barmherzigen Schwestern bei der Pflege der Cholerakranken; die gottlosen Blätter, welche zu andern Zeiten von Lügen und Schmähungen über die Nonnen überfließen, schweigen jetzt voll Schaam, in diesem Augenblicke dürsten sie eS nicht wagen, sich Verleumdungen zu erlaube». Auch die meisten protestantischen Zeitungen sprechen ganz freimüthig ihre Bewnnoerung aus. Der »New-Aork Herald" vom 10. September spricht sich so auSi „Die französischen Spitäler sind mit Allem versehen, was man nur wünschen kann, und nichts, was in den Kräften der Menschen stellt, wird von den Osficieren, den Kameraden der Kranken, von den Chirurgen, von den barmherzigen Schwestern unterlassen, um für die Cholera- kranken zu sorgen. Nichts scheint die Türken mehr in Erstaunen zu setzen, als die regelmäßige Erfüllung dieser Pflichten durch die barmherzigen Schwestern. Ueberall, wo das Fiber am hitzigsten, überall, wo die Pest am heftigsten, überall, wo Kummer am verzweifelndsten, die Celera am tödlichsten, das menschliche Leiden am schärfsten ist, da finden wir die Engel, welche die Schätze ihrer himmlischen Erhebung verschwenden. DaS ist für die Türken die neue Erschaffung des Wesens, was er Frau nennt. Und vielleicht ist von allen Ereignissen des gegenwärtigen Krieges kein anderes bestimmt, auf die Nachkommen Mohammeds, einen so heilsamen Einfluß zu üben. Hier wird ihnen die erhabene Bestimmung des Geschlechts gezeigt, welches nach ihrer Religion nur daS Werkzeug ist, die Leidenschaften deö Mannes zu befriedigen." <» »' > », >> >"^>lil f">? «'sS )M « Jr'and. Eine prachtvolle Kirche im gothischen Style, dem heiligen AlphonS von Lign n geweiht, ist so eben zu Ballibrack feierlich eingeweiht. — Zur Erinnerung an O'ConneU wird auf dem Kirchhofe von GloSncwin ein Denkmal errichtet, welches in einer Capelle mit einem runden Thurme bestehen soll. * » * Salzburg, 2Z. Oct. Der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Studenten in Salzburg hat am 12. Oct. seine erste Generalversammlung abgehalten. Der prov. Director erstattete Bericht über den Stand deS Vereins. Er zählt gegenwärtig über fünfzig Mitglieder. Ihre k. k. Majestät Carolina August« haben allergnädigst zur Vertheilmig an dürftige Studenten 100 fl. C M. überreichen zu lassen geruht. Eine 359 gleiche Summe spendeten Se. sürsterzbischöfliche Gnaden zum Beginne der Kostgebung in St, Sebastian, Se, Durchlaucht der k. k. Landespräsident versicherten dem Vereine ebenfalls gnädigst, einen Beitrag zu seinem Zwecke verabreichen zu wollen, Die hoch- würdigsten Herren Metropolitan-Domcapitularen traten als Mitglieder bei und durch das Verordnungsblatt sür die Erzdiöcese Salzburg wurden die Herren Seelsorger aufgefordert, auch ihre Gemeinden zur Unterstützung deS NereinSzweckes zu ermuntern. Ueberdieß erklärten die Professoren-Kollegien der theologischen Facultät und deS k, k. Gymnasiums, so wie auch sämmtliche Kloster-Convente der Stadt Salzburg ihren Beitritt zum Vereine. Mir diesen großen Wohlthätern der studirenden Jugend vereinigten sich bereits mehrere Herren aus dem Geistlichen-, Beamten- uud Bürgerstande auch vom Laude, so daß jetzt über fünfzig Mitglieder sind nnd darunter so großmüthige Spender. In der Versammlung wurden die gegenwärtigen Leistungen des Vereins bekannt gemacht. Durch die ehrwürdigen Kloster>Eonveute werden nebst einigen Geld- gaben wöchentlich bei 130 Kostportionen gegebn, und von den bei dem Verein eingegangenen und zu hoffenden Gaben zu Sr, Sebastian täglich zehn Studenten gespeist und täglich sechs Studenten in Loretto mir sogenannter Rumforder-Suppe uud Brod betheilt. Zudem werden Schreibmaterialien und einige Bücher an arme Studenten verabreicht. In Zuversicht auf bereits gemachte Zusichernngen werden vom l. November an wieder täglich sechs Studenten mehr verkostet werden. Da sicherlich noch mehrere Mitglieder dem Vereine beiirelen, und auch vom Lande manche Gaben fließen werden, wird man in der erfreulichen Lage seyn, dürstigen Sindenten auch für andere Bedürfnisse Hilfe zu leisten. Besonders aber wird ein wachsames Auge auf die Quartiere der Studenten gerichtet, indem deren Einfluß so heilsam als rerdcrblich werden kann. (Verdiente allenthalben Nachahmung.) Um die Zwecke drs Vereins sicherer zur allgemeinen Zufriedenheit der Mitglieder uud zum Besten der Studirenden anzustreben, wurde festgesetzt, daß halbjährig, nämlich am Ende jeden Semesters eine Generalversammlung aller verehrten Mitglieder deS Vereins abgehalten werde, damit Jedermann seine Bemerkungen, Antrage und Wünsche bezüglich der VercinS'hätigkeit vortragen könne. Schließlich stellte der Verein sich und sein Wirken unter den Schutz deS heiligen LandeöpatrvnS Nuperlnö und wählte den hochwürdigsten Oberhirtcn zu seinem Protectvr. * 4: * jchzin. ,7,1 Ktth'.Ä'-i^MlMtM«! '»!>HMAW)Mliiü «tttch'i'lchM »">^— l. ' '^!Ük>u^ -> u ^>K) t? ml