Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Po Leitung. 26. November ^8. 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Gonutage. Der halbjährige Abo»uement«prel< ^0 kr wofür e« durch alle köuigl. bayer. Poüämter und alle Buchhandlungen bezogen werden k--uv. Eine Feier des Tt. LeonhardStageS. Ij Am südwestlichsten Abhänge des Frankenjura, eine Stunde links von der Donau, erhebt sich 1630 Fuß über die Meereöfläche, auf einer von Buchenwaldungen umkränzten Hochebene, das zur Pfarrei Vellheim cingepfarrte Dörfchen GermerSfeli', mit 29 von Söldnern bewohnten Häusern, und einem dem heiligen Leonhard gewidmeten Kirchlein. Ueberraschend ist das Panorama, das sich nach allen Seiten auf dieser von mächtigen Feldern umgebenen Kuppe darbietet. Gegen Norden erblickt »ian auf wellenföimigen, mit dunkeln Waldungen bedeckten Bergen, auS denen hie und da hellgraue Felsenmassen hervorschauen, die hochgelegenen fränkischen Dürfer EberSwang, HaunSseld, Schcerenfeld, Haart, und auf hohem Bergkegel die Beste WildSburg. Gegen Osten schweift der Blick die Donau entlang, über die weite Ebene JngolstadtS und einen Theil Altbayerns, während oberhalb, wie auf Wolken thronend, das hochgelegene St. WolfgangSkirchlein sich zeigt. Gegen Süden verliert sich über die Donau und dem Lcche aufwärts das Auge in dem von den Allgäuer Alpen und ihren mit ewigem Schnee bedeckten Gipfeln gebildeten Hintergruud; während westlich die waldige, mit anmulhigen Ortschaften z. B. Biberbach, Klosterholzen gekrönten Anhöhen deS Schmnttcrtha eS, j,.: selbst die Kirchthürme von Höchstädt und Dilingen die Blicke brechen. Mitten im Dörfchen auf freiem Platze erhebt sich daö Kirchlein mit seinem über 10t) Fuß hohen Thurme, unter dessen runder Knppel sich der Blick in unermeßliche Ferne erweitert und diese Stelle deßhalb häufig zu trigonometrischen Vermessungen diente. DaS ganze Jahr herrscht große Sülle im Dvrse. Wie bei einem tüchtigen Landregen von den Bergen herab Gießbächlein fließen, zusammenströmen und endlich in einen Fluß sich mündend, diesen zum Strom anschwellen, so sendet in der Umgegend f.!st jedes Hc-.uS seinen Stellvertreter. Deßhalb sieht man am St. LeonhardStage am srüheu Morgen von allen Seiten her, von Nah und Fern, Schaarcn Andächtiger herbei- waUcn, um die Fürbitte dcö heiligen Leonhard anzuflehen. nm Erhaltung des Viehstandeö, da schon häufige Seuchen die Menschen nöthigien, den Blick nach Oben zu richten. Dieses Tageö Fn'cr zu schildern soll das Folgende bestimmt seyn, weniger dieß ansehend als ein wichtiges Weltereigniß, als vielmehr einen alttn frommen Gebrauch darzustellen, der von Jahr zu Jahr mehr abnimmt. Grauer Wolkenschleicr hing an den Bergen und im Thale lag dichter Nebel, eine wahre Arnienseelen-Witternng, nnd nur dann und wann ließ der Himmel sein blaneS glänzendes Festkleid sehen, sonst war er allenthalben grau und wolkenbedeckt, es fingen an sich Schneewolken zu bilden und frostig strich der Wind über die frisch zugebauten Felder, als ich den steilen Felsenberg erstieg, um mich bei diesem Feste einzufinden; der Herbst halte die Blätter deS WaldeS, durch den mich mein Weg führte, gefärbt, großenteils herabgestreift, den Boden mit gelbem, rothem und braunem Laub 378 bedeckt und den ganzen Wald gegen daS einförmige Grün der Föhren und Fichten bunt und lebendig schattirt; die Freuden deS Sommers gehen zu Ende, ohne daß der eigentliche Winter begonnen hätte; die Holzart schallt in den Wäldern, und Brennholz in Klaftern aufgeschichtet steht links und rechts, und der bunte Nnßhäher krächzte unverschämt nahe. ES ist ein erquicklicher Anblick, wenn man ans dem Walde heraus schreitet und plötzlich ein Dörfchen vor sich sieht, wo jedes HanS seinen mit herbstlich gesärwcn Tannen und Dornenhecken umzäunten Garten hat und die braunen Ba ken freundlich aus dem Weiß der Wände hervortreten. Fortwährendes Glockengeläute durchschallt die Luft und bnngt etwas Leben in die Sülle des Morgens, andeutend schon in die Ferne, daß hier ein festlicher Tag angebrochen sey; waö auch die Leute durch die fröhliche Darbringung deS Morgengrußes anzeigen und die große Versammlung um die Kirche. Allmälig füllt sich das Kirchlein; die Mannsleute mit spitzzulaufenden Filzhüten, in dunkelgrane tnchene Mantel gehüllt, mit bcblümten Westen zn beiden Seiten mit stachen silbernen Knöpfen, unter denen bei Manchen eine breite silberne Nhrkctle, oder in der sckwarzlcderuen Hose ein silberbeschlagener Griff eines Messers mit abgeknickter Spitze hervorguckt, mit hohen Kniesticfeln, beiden Jüngern glänzend gewichst, nehmen den Platz aus der rechten Seite ein. Die WcibSleute "mit dunklem Spenzer, schwarzer Sckürze auf buntem Rocke, denn eö ist Seelenzeit, nnd schwarzer Haube, mit gleichfarbigen am Kinn geknüpften Bändern, daS volle rolhe oder auch blasse Gesicht einschließend, nehmen die linke Seite der Kirchenstühle ein. Die Glocken läuten zusammen, das Hochamt mit Predigt beginnt, alles ist gespannt, wer wohl daS Wort GolteS vortragt; endlich tritt der Fcstpredigcr ans die Kanzel und dießinal war es die Gestalt cincS ehrwürdigen CapucinerS in der Person des verehrten P. Cyprian Radam, aus dem Kloster zn Eichstädt, zur großen Freude der Landleute; denn diese halten gar viel auf die Benediction eines solchen Ordenspriesterö. Nachdem der Redner im Eingange eine kurze LebenSbkschreibnng des heiligen Leonhard gegeben, fuhr er fort, daß dieser Heilige nicht deßhalb so berühmt geworden, weil er Alles verlassen habe, waS auch heidnische Weltweise gethan hätten, sondern weil er dem Herrn nachgefolgt sey. Er hätte sich dnrch sein Ansehen und Vermögen wohl in der Nähe einen Namen machen können, aber durch sein frommes Leben sey er heilig und weit über seine Heimat berühmt geworden, wie denn besonders in Frankreich sein Fest vielfach gefeiert werde. Da er jedoch auch als Fürsprecher für Erhaltung des Viehstandes angerufen werde, so wolle er hente die Pflichten darstellen, die der Christ gegen die Thiere, noch mehr aber für seine eigene Seele und sür daS Heil seiner Mitmenschen habe. In angenehmem Vortrage und ans die faßlichste Weise stellte er nun den Nutzen der Thiere sür die Menschen dar, führte den Salomonischen Spruch: „der Gerechte erbarmt sich seines NicheS, aber das Herz des Gottlosen ist grausam," weiter ans. Es sey aber kein Wunder, wenn Gott öfters die Menschen mit dem traurigen Anblicke einer Viehseuche strafe, da nicht allein die Sünde der Thierqnälerei vielfach verübt, sondern durch Fluchen und allerlei Sünden in Stallen der Segen Gottes vertrieben werde. Man solle auf schonende reinliche Behandlung der Thiere sehen, und an den Dienstboten kein sündhaftes Benehmen dnlden. Wie man aber hierin besondere Pflichten habe, so soll man mich diese nicht zu weit ausdehnen, seine Mitmenschen nicht hilflos lassen, kranke arme Dienstboten nicht auS dem Hause verstoßen und schonender mit den Thieren als mit den Menschen umgehen. Man soll sür sein und seiner Mitmenschen Seelenheil und christliche Vervollkommnung trachten, dann wird auch die Fürbüte deS heiligen Lcouhard Nutzen gewähren. — Ich hätte gewünscht, diese praktische und brauchbare Predigt gedruckt zu haben, sie wäre mir lieber, als so manche, nur auf vielseitiges Verlangen gedruckte Predigt. — Aufmerksam und gespannt hatte Alles zugehört und zog nach dem Hochamte paarweise processionalüer auf den geräumigen Wiesplatz östlich vom Dorse und der ganze Zug schloß sich in einen engern KreiS; während bereits die Reiter mit ihren schön geputzten Pferden, die wohlgenährten Ochsen paarweise an Ketten geführt und der Hirt mit der Kühheerde sich aufgestellt 379 Hot, welch Letzterer keine geringe Mühe hat, die in Front aufgestellte Heerde in Ordnung zu erhalten. In andächtiger Stille steht daS Volk da, der Geistliche lieSt die Benediction, gibt den Segen mit dem St. LeonhardSpartikcl, während der alte Meßner ihn leise aufmerksam macht und wi'Spelt zc. Nach der Segenscrthcilung öffnet sich der Kreis, in sausendem Galopp eilen die Reiter der Kirche zu, dumpf grollt die Erde unter den mächtigen Hufschlägen der flüchtigen Nenner, immer schneller fliegen die Reiter dahin und nur selten gelingt eS Einem dem Andern vorzukommen, der felsige Fußboden um die Kirche eutseudel durch die Schläge des Eisenö nicht selten Funken; denn dreimal muß die Kirche umritten werden, und was keine Kleinigkeit im Galopp ist, der Hut vor dem Eingänge der Kirche herabgethan werven. Früher waren die Reiter sehr zahlreich erschienen und nahmen sich, da der Landmann noch auf seine gewohnte Tracht stolz war, in ihren scharlachrothen Feiertagswesten und dreifachem Spitzhute (und dreifacher Versicherung, wie eS ehemals hieß) sehr gut aus, zudem hatte auch jeder einen Zwerchsack vor sich auf dem Pferde, der mit Getreide gefüllt dein heiligen Leonhard zum Opfer bestimmt war, und nach dessen Füllung der Reichthum deS Reiters bemessen wurde. Diese verzeihliche Großthuerei gereichte dem hl. Leoahard zum größlen Nutzen, seit ein paar Jahren hat die Ausklärung dieß abgebracht, und daS ohnehn knappe Röcklein deS heiligen Leonhard wird immer mehr zugestutzt, man sieht nur hie und da noch ein andächtiges Bäuerlcin vor dem vor der Kirche vom Meßner schon am grauen Morgen auf einem mit weißen Linnen bedeckten Tischchen aufgestellten schon gezierten Bildstöckchen deS heiligen Leonhard ein Gclvopfer in die Büchse legen. Ist der Zug wieder in die Kirche zurückgekehrt, und haben die indessen in der Kirche Zurückgebliebenen ihre Gebete vollendet, so kehrt alles wieder nach Hause und die alte Stille tritt im Dörfchen wieder ein. Von einem Unfälle vernahm man nie etwas. Die Concilien des ersten christlichen Jahrhunderts. Die apostolischen Constitntionen. Drittes Buch. Von den Wittwen. Als wahre und eigentliche Wiltwen sind von der Kirche nur jene Frauen zu betrachten, welche nach dem Tode des ersten MauneS geloben, ihre Tage dem Herrn zu weihen, ihre Kinder gotiessürchtig zu erziehen und den Werken der christlichen Liebe ganz zu leben, nach dem Vorbilde der Wittwe von Sarepta und der Anna, PhanuelS Tochter. In den eigentlichen Witlwenstaud sollen deßhalb nur Frauen von scchz'g Jahren ausgenommen werden, welche ihrem Stande Ehre machen und ihr heil. Gelöbnis) nicht leichtsinnig brechen (l). Eine zweite Ehe ist aber nichts sündhaftes und ist auch gestattet, wenn dadurch kein Gelöbniß gebrochen wird, eine dritte cder vierte Ehe wüne indeß schon von nicht gar großer Enihaltsamkcit zeugen; deßhalb sollen auch jüngere Wittwen, wenn sie dessen bedürfen, unterstützt werden, damit sie nicht auS Noch zu unehrbarem Lebensunterhalt greifen (Z). Die eigentlichen Wittwen aber sollen wie Gotlgeweihle betrachtet und vom Bischöfe unterstützt werven, wie Alle, welche seiner Hilfe bedürfen (3); denn der Bischof hat die gespendeten Gaben unter jene, welche eS am meisten bedürfen, zu vertheilen und er wird Gott für seine Verwaltung Rechenschaft ablegen müssen (^i). Eine wahre Wittwe aber ist mäßig, enthaltsam, sanft, ohne Bosheit und Zorn, weder verleumderisch noch geschwätzig, sie wird die Fehler Anderer nicht herumtragen, und wenn Jemand über Glaubeuösachen Ausschluß w-inscht, ihn an die Vorsteher weisen; am wenigsten wird sie die heiligen Geheimnisse verrathen; denn den Ungläubigen soll keine Gelegenheit gegeben werden, über die Menschwerdung und daS Leiden Christi zu spotten und zu lästern (5). Frauen 880 sollen sich überhaupt nie daS Predigtamt anmaßen, denn Christus hat nicht Frauen, sondern seine Apostel zur Verkündigung seiner Lehre anscrwählt; sie sollen sich der Gottesfurcht und Eiugezogenheit befleißen und vom Altare fern bleiben (6). Eine Wittwe sey ernst und ehrbar, gehorsam in Allem dem Bischöfe und den Priestern; denn das find keine wahren Wittwen, welche die Häuser der Reichen belagern und von fremdem Gute schwelgen, oder ihr Herz an irdische Güter und Genüsse bangen; sie sollen wie die frommen Wittwen veS alten und dcS neuen Bundes ihren Lebensunterhalt so viel als möglich selbst erwerben und für die Kirche fleißig beten (7), Am wenigsten soll eine Wittwe oder sonst Jemand von solchen eine Gabe nehmen, deren Erwerb ein unehrlicher ist, denn er befleckt sich damit und sein Gebet für den Wohlthäter betrübet Gott (8). Wie die Frauen aber nicht predigen dürfen, so sollen sie auch keiue Taufe voruehmen, das streitet nämlich gegen das göttliche Gesetz, nur von den Heiden sind den Frauen priesterliche Verrichtungen gestattet (9). Ucberhaupt soll sich kein Laie daS Priesteramt anmaßen, dieses wird nur durch die Händeauflcgung deS Bischofs ertheilt (l9); ebenso sollen Minoristen nicht die Funktionen der Diaconen, und diese nicht die der Priester vornehmen; dem Bischöfe allein aber steht die Ordina- tion zu (11). Die Wittwen sollen sich in Allem nur daran halten, was ihrem Stande geziemt, Neid unv Mißgunst, Schmähsncht und Hader ziemen sich wie für keinen Christen, so auch nicht für die Wittwen (12); sie haben die besondere Verpflichtung, für ihre Wohlthäter zu beten (13). Ist dagegen eine Wittwe in so günstigen Umständen, daß 'sie nicht nur selbst keine Unterstützung bedarf, sondern auch noch Almosen geben kann, dann soll sie sich nicht vor aller Welt rühmen und Andere geringschätzen (14). DeS SchmähenS und Verlenmdens aber sollen Witlwen sich gänzlich enthalten, wie dieses keinem Christen gnt ansteht, und die Bischöfe haben darüber zn wachen, daß solche in der Kirche nicht vorkommen; die Bischöse sollen ferner nur Windige zn ihren Gehilfen und zn Diaconissinen wählen, denn letztere sind deö Anstandes halber nothwendig — z, B. bei der Taufe von Frauen (15). Der Bischof salbt nämlich das Haupt deS Täuflings, nnd er oder seine untcrgcordneten Gehilfen, die Priester, sprechen über ihn den Namen und die Anrufung GottcS des Vaters, deö SohneS nnd des heiligen Geistes aus und taufen ihn mit Wasser, während ihm, wenn er ein Mann ist, dabei ein Diacon, wenn eine Frau, eine Diaconisiin beisteht, nachher salbt der Bischof den Gelanflen mit dem heiligen Chrisam (Ilz). Die Taufe wird somit auf die drei göttlichen Personen ertheilt, auf den Vater, den Urquell alles Guten, auf den Tod Jesu Christi und die Gnade deS heiligen Geistes, daS Kreuzzeichen sinnbildet das Leiden, das Wasser die Bec>räbniß, das Oel die Gnade und das Chrisam die Bestärkung der Bekehrung (17). ' Der Getaufte betet im Namen der gläubigen Gemeinde das Gebet deö Heirn; er soll sich von nun a» aller Gottlosigkeit und aller Werke dcS Satans enthalten und ein keusches, reiueS und heiliges Leben führen; wie wir auch als Kinder Gottes beten: Vater uuser, der du bist .... vou allem Uebel. Dein ist daS Reich, und die Macht und die Herrlichkeit deö VaterS und des Sohnes und des heiligen Geistes, jetzt unv immer nnd in alle Ewigkeit, Amen (18). Die Diaconen seyen rein und ohne Makel, wie der Bischof selbst. Ihre Zahl richtet sich nach dem Bedürfniß und ihnen liegt ob, die Männer zn bedienen, wie den Diaconissinen die Frauen; sie haben die Botendienste zn versehen und am Allare zn dienen; sie sollen ihre Geschäfte mit Eiser und Liebe verrichten, und die Dürfn'gen versorgen (19). Der Bischos werde wenigstens von zwei Bischöfen vrbinirt, die Priester und die übrigen Kleriker von einem Bischöfe; den Priestern kommt daS Predigen, Taufen, daS heilige Meßopfer und die Segnungen zu, die Diaconen aber sollen dem Bischöfe und den Priestern im heiligen Dienste beistehen (20). Viertes Auch. Von den Waisen. Die Gläubigen sollen besonders der armen Waisen sich annehmen, und diejenigen werden sich Perdienste vor Gott sammeln, welche, wenn sie kinderlos sind, solche 381 Kinder adoptiren, oder wenn sie selbst Kinder haben, für die Waisen dadurch sorgen, daß sie diese mit ihren Kindern zn verhcirathen snchen (1). Die Pflicht der Bischöfe aber ist eS ganz vorzüglich, überall zn helfen, wo sie können, sie sollen sich um so mehr die Sorge für die Waisen angelegen seyn lassen, indem sie für daS Forlkommen derselben sich bemühen (2); wer aber geizig genug ist, Niemanden von seinen aufgehäuften Schätzen etwas zu gönnen, ist ein Gräuel vor Gott (3). Wittwen und Waisen sollen dagegen mir Ehrfurcht und Dank die empfangenen Wohlthaten genießen und den Geber alles Guten dafür loben und preisen (4); und weil Wohlthaten von ungerecht erworbenem Gute nie Segen bringen können und der Herr daS Gebet deS Empfängers für einen Räuber, Mörder, Betrüger und Lasterhaften nie erhören wird, so sollen sie sich wohl hüten, von solchen gottlosen Menschen eine Gabe anzunehmen (5), denn solche hartnäckige Sünder sind Gegenstand des göttlichen Zornes, die heiligen Propheten haben sich auch niemals mit deren verbrecherischen Gaben vernnreiniget (6), und eS ist besser, von dem rechtlich und saner erworbenen Gute ein geringes Almosen zugeben, als durch Ungerechtigkeit sich in den Stand zu setzen, mehr geben z» können, so wie es besser ist Hnnger leiden, als von den Verbrechen Anderer sich zn fälligen (7). Die Priester sollen zur Wohlthätigkeit und zur Linderung deS menschlichen ElendS ermähnen (8), ist aber wider ihren Willen solch' ungerecht erworbenes Geld in ihre Hände gekommen, dann sollen sie davon keineswegs die Wittwen, Waisen und Armen unterstützen (9). Ihr aber, christliche Väter/erziehet eure Kinder in der Furcht deS Herrn, lasset sie eine anständige Arbeit lernen und besorget nicht, ihr möchtet ihnen durch Strafe wehe thun, ihr werdet sie vielmehr retten; denn wer eS gut meint mit seinen Kindern, der züchtiget sie, wie schon daS alte Testament sagt; unterrichtet sie von Jugend auf im Worte des Herrn, und lasset sie die Jngendzeit nicht mit NichlS- thun und sinnlichem Genuß vergeuden, sorget auch für ihre ehrbare Verheirathung; ihr werdet einst Rechenschaft für sie ablegen müssen (10), Dienstboten sollen gefällig seyn gegen ihre Herrschaften, aber nicht wie Sclaven gegen ihre Herren, fondern mir Liebe, wie gegen ihre Ettern; wenn sie auch nicht alle ihre Handlungen loben können. Herrschaften aber sollen ihre Dienstboten nicht als Sclaven delrachten, sondern bedenken, daß sie ihnen wenigstens als Menschen und Mitchristen gleich sind(ll). DaS göttliche Gesetz gebietet ferner, die wellliche Obrigkeit zu ehren, ihr in allem, was dem Willen GolteS gemäß ist, zu gehorchen und die schuldigen Abgaben zu cntrich-cn (12). Was die Jnngfräulichkeit betrifft, so ist dieselbe dem freien Willen eines Jeden überlassen; man sey nicht leichtsinnig und übereilt bei einem derartigen Gelübde; hat man aber dasselbe übernommen, dann gebe man sich auch Mühe, ihm treu zu bleiben. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Notizen. Ans Wien wird uns unter cmderm geschrieben: Sichtbar ruht die segnende Hand Gottes über den Frauen vom guteu Hirten und der von ihnen geleilclen 'Ausla l; ja, in Folge der in dieser entwickelten Wirksamkeit ist es geschehen, daß ^lenwäniz schon sieben ähnliche Hänser in der Monarchie in Bau und Einrichtung begriffen sind, die ab^r von den barmherzigen Schwestern verschen werden müssen, da der Orden der Frauen vom gulen Hirten uns nicht so viele deutsche Frauen abgeben kann, als dazu nöthig sind. » » « Linz. Vom 7. bis 17. v. M. wurde in Rainbach bei Freistadt durch die hochwürvsgen PP. Redemptoristen aus Pnchheim: Rcindl, Drick, Brosch, Schinv- lauer und Töchterle eine Mission abgehalten. » » » Auch in der Kölner Erzdiöcese ist nun der P. Joseph Deharbe'sche Katechismus 382 eingeführt worden unter der Ausgabe „Katechismus für den Jugend- und Volks- Unterri'cht in der Erzdiöcese Köln." » » » M ü n st e r. Mit dem Beginn deS Studienjahres ist daS LolloZium Korromseum für die den philosophischen und theologischen CnrsuS absolvirenden Avspiranten zum geistlichen Stande förmlich und als selbstständige Anstalt eröffnet worden. » » » Paderbor». Von dem in zwanglosen Heften erscheinenden BonifaciuS- Blatt ist so eben daS 2te Heft deS 3ten Jahrgangs erschienen. Dasselbe enthält zunächst die Nachweise über die Einnahme und Ausgabe des BonifaciuS-Vereins für das Jahr 1853. Die Gesammteinnahme hat in dem genannten Jahre 45,861 Thlr. betragen, worunter ein Cassenbestand vom Jahre 1852 mit 17,838 Thlr. Von 25 Diöcesen, in welchen der Verein eingeführt ist, sind 26,423 Thlr. an Beiträgen gezahlt. Die GesammtauSgabe pro 1853 hat 24,211 Thlr. bctrageu, mithin ist ein Bestand von 21,649 Thlr. vcrblieben, über welchen bereits verfügt worden ist. An Unterstütznngen sind 20 verschiedenen Diöcesen 22,631 Thlr. zugewender. Eine Vergleichung deS Einnahme-Verzeichnisses ergibt, daß der Verein abermals im Jahre 1853 einen höchst erfreulichen Fortschritt gemacht hat. So erfreulich aber auch diese Fortschritte sind, welche der Verein macht, so bleibt doch noch überall viel zu thun übrig. Viele oft überwiegend katholische, wohlhabende Gemeinden irrigen wenig bei, viele haben sich noch gar nicht belhciligt, während aus ärmeren Gegenden die Beiträge im reichern Maaße fließen. Wenn auch die schweren Zeiten drücken und die Mildthätigkeit durch andere Vereine z» frommen Zwecken und durch Eollccten wieverholt in Anspruch genommen wird, so sollte doch keine einzige katholische Gemeinde dem Werke dcS BonifaciusvereinS ihr Almosen versagen; eS wird ja nicht viel verlangt und überall wird sich Theilnahme zeigen, wenn nur die hochw. Geistlichkeit die Förderung der Sache in die Hand nimmt und zweckmäßige Anordnungen zur Einsammlung der Beiträge trifft. » » » Berlin. Am 31. Oct. wurde hier die „christliche Mädchen-Herberge" feierlich eröffnet. Der Zweck derselben ist, dienstlosen, ordeniliche» Mädchen ein Unterkommen und Gelegenheit zur weiter» Ausbildung für ihren Beruf zu verschaffen und sie zugleich vor den Gefahren der Prostitution zu bewahren. Die Gemahlin deS StaatSministerS Hrn. v. Vodelschwingh ist Curalorin dieses JnstiluteS. — Nach der „Zeit" soll in Berlin die Gründung einer kalholischnr ErziehuugS-Anstalt unter der Leitung der Schwestern dcS Ordens vom guten Hirten bevorstehen und hat bereits der Ankauf eineS Grundstückes für diesen Zweck stattgefunden. » » » AuS Baden theilt der „Schw. Merkur" mit, daß Se. Ereellenz der hochwürdigste Erzbischof von allen Decaiiaten genauen Bericht über daS Verhalten der Beamten beim Conflict eingefordert habe. Wir finden die Thatsache eben so begreiflich, wie die Veiblüffung deS „Schw. MerkurS", der seinen Lesern glauben machen zn wollen scheint, die badische Bureaukratie sey zu einem Frieden mit der Kirche diSponirt. — Dasselbe Blatt läßt sich berichten, daS Scand^l in Kirrlach solle durch die Entfernung deS „landesherrlichen PfarrvenveserS" Hor-H, auf welche hin auch der vom Erzbischof bestellte Geistliche Finncisen zurückgezogen und ein vom Ordinariat auf Grundlage einer Verständigung ernannter Pfarrer eintreten wurde, beseitigt werden. » » » Bremen, 4. Nov. In welcher tiefen Finsterniß deS Irrthums und der Vorurtheile einige von der Kirche gelrennte Christen auch jetzt noch sich befinden, darüber mag folgende, obgleich schmerzliche Probe mitgetheilt werden. Von einem protcstanti- 383 schen Prediger in Bremen ist in diesen Tagen ein Buch herausgegeben, in dessen Vorrede aus die Zusammenkunft der Bischöfe in Rom als auf ein heilloses Attentat gegen den Thron Jesu Christi und gegen das Christenthum hingewiesen wird. — Man wolle nämlich in Rom erklären und festsetzen, Maria sey auf übernatürliche Weise (so wird das Wort „unbefleckt" mißdeutet) erzeugt!! Demnach sey sie — daS gehe daraus hervor — als Göttin anzubeten und als die Mutter GotteS in dem Sinne, daß „JesuS ihr seine Gottheit verdanke." Gegen solche Abgötterei, heißt eS dann, müsse man mit allen Kräften auftreten; und der Verfasser warnt wirklich mit naiver Gutmüthigkeit die katholischen Christen vor solchen Ucbergriffen RomS. — Welch eine Unwissenheit! — Und dieser Unsinn wird der katholischen Kirche zur Last gelegt! Und wird von einem Prediger im I. 1354 in der freien Hansestadt Bremen verkündigt! « » « Nach der Turincr Campanone sollen in Piguerol und Genua protestantische Kirchen gebaut werden; die Regierung habe bereits die Erlaubniß dazu gegeben. DaS Echo von Montblanc berichtet mehrere Fälle, wo sich die Propaganda durch Ankauf von Gruuvstückcn in Savoyen sestzus.tzeu sucht. « » « In Neapel begnadigt der König alljährlich am Charsreitag mehrere Verbrecher auf folgende rührende Weise: Der Monarch wohnt mit seiner Familie und dem Hofstaate dem Gottesdienste bei, und nachdem daö Kreuz Christi enthüllt und zum Küssen ans den Boden hingelegt wird, da tritt, wenn der Erzbischof daö Crucifix zuerst geküßt hat, der oberste königliche Haushofmeister herbei, um eS im Namen dcS Königs anch zu küssen, und legt am Fuße dcS KreuzeS in eine silberne Schüssel ein Packet königlicher Decrete, worin die Begnadigung mehrerer Verbrecher enthalte» ist. Hierauf nähert sich der Generol-Procurator deS obersten Gerichtshofes und nimmt nach dem Kusse des Crucifixes die Decrete hinweg und die in denselben bezeichneten Gefangenen erhalten die Freiheit. « * « Belgien. Aus Brüssel wird an die zu Brügge erscheinende Zeitung I.» k>»trie geschrieben: Am Sonnabend den 2l. October versammelte sich der große Orient von Belgien um 7 Uhr Abends in seinem gewöhnlichen Local. Der Hauptgcgenstand dieser Sitzung war die Abschaffung deS Artikels deS Reglements deS großen Orients, welcher den ihm untergebenen Logen untersagt, sich mit politischen und religiösen Gegenständen zu beschäftigen. Der Antrag dazu war, beim großen Freimaurcrsest den 24. Juni am Johannistage von Vcrhaegen und Boulard gestellt. Die Sache fand gar keine Schwierigkeit; von den 24 anwesenden Mitgliedern wurde die Abschaf- fuug des genannten Artikels einstimmig beschlossen. Bei dieser Gelegenheit brach aber eine Spaltung im großen Orient aus, mehrere der angesehensten Mitglieder betheiligten sich nicht nn der eben erwähnten Versammlung, und begnügten sich, durch ihr Nichterscheinen zu protestiren. . . ^ ^'.l>1 ^> :N j »^ , , 5.!-,!! '!!,^ » Nordamerika. Msgr. Hughes, Erzbischof von New-Uork, hat die Bischöfe seiner Kirchenprovinz nebst ihren Theologen und den Ordensobern auf den ersten Sonntag im October zu einer Provincialsynode eingeladen. — Auch der Erzbischof von Baltimore hat die Bischöfe seiner Kirchenprovinz auf den 5. November in seine Metro- politankirche berufen. » «- « Ein amerikanisches Blatt berichtet von einer neuen, in den vereinigten Staaten entstandenen religiösen Secte -„die Zillerer". Der Ort, in welchem sie sich versammeln, ist ein großes, 80 Fuß langes und 6l) breites Gebände ohne Säulen und Gallcrien. Man siehr durchaus kein Mobiliar, ausgenommen einige Stühle für Fremde, die an der Pforte ausgestellt sind, und einige plumpe Bänke, die an die Wände stoßen. Der Gottesdienst (?) wird in folgender Weise abgehalten: Die Frauen treten durch die eine Pforte ein und setzen sich auf die an der einen Seile stehenden Bänke, die Männer machen eS auf der andern Seite eben so. Alle sind gleich gekleidet; die Männer trage» weite Beinkleider und lange blaue Jacken und sind in Hemdärmeln; die Frauen weile weiße Kleider nnd Spitzenmützen. Ost fitzen sie langer als eine halbe Stunde in tiefem Schweigen, die Arme auf die Brust gekreuzt; das leiseste Flüstern ist untersagt. Äus ein gegebenes Zeichen erheben sich Alle, häufen die Bänke in den Ecken auf und stellen sich einander gegenüber. Daraus tritt der Redner des TageS hervor und improvisirt eine Rede. Dann beginnt Gesang ohne Orgelbegleitung. Einige starke Stimmen leiten den Chor. Darauf tanzen sie vor- und rückwärts und gehen zu Drei und Drei die Mauern entlang, wobei die Männer von den Frauen stets getrennt sind. Den Beschluß macht ein anderer Tanz, welcher lebhafter als der erste ist, und bei dem sie zur großen Belustigung derer, die es zum ersten Male sehen, groteske Sprünge machen. UebrigenS säüt die ungcmcine Reinlichkeit in ihren Ansied- lungen auf. Ihre Felder sind sehr gut bebaut und die Secte nimmt rasch zn. (Es gibt also keinen Unsinn, der nicht Anhänger fände.) » Ä> » China. Wie jetzt selbst Protestanten über den gerübmten „chinesischen Apostel" urtheilen, zeigt uns ein Stultgarlcr UnterhalluugSblalt, welches über Gützlaff berichtet: „Während Gützlaff für andere Missionäre möglichst geringe Einlünsle empfahl, lebte cr selbst wie ein kleiner Fürst, gab seiner Frau sür den Hanshalt 30t) Thlr. monatlich, eine Summe, über deren Unzulänglichkeit sie sich seibst noch bei den Missionären beschwerte, halte einen Schwärm von Dienern, wie einen Hofstaat hierarchisch organi- firt, vom Haushosmeister herab bis zum Senftenträger, dabei einen gefüllten Keller, den er gern und fleißig benntzie, und wenn er seinen Chinesen Kanzelvorträge hielt, so brachten sie solche Beredlsamkeit gleich in Verbindung mit dem Weinkeller, und wenn er ihnen bei Strafe der Ercommunication den Genuß des Opiums untersagte, so meinten sie, cS sey doch im Grunde kein anderer Unterschied zwischen Opiumrausch und Wcinrausch, als daß den einen die Chinesen liebten, den andern die Europäer. Eine Folge solcher Kasteinngcn war sein colossaler Bauch und seine Leiden an Gicht und Podagra, und ein Hauptbeweggrund seiner Reise nach Europa, so wie die physische Ursache seines Todes. Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Äremer.