Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Pojheitung. 3. December M»- ^N. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Ab^uuemeniepiei« kr, wofür e« durch alle königl. bayer, Postämter und alle Auchhandluügkn bezogen werden kauu. Trauerrebe für die verlebte Königin Theresia, gehalten in der katholischen Pfarrkirche zu Schweinfurt. „Ich war hungrig, und du hast mich gespeist" zc. Matth. 27, Z7. In welchen Zeiten leben wir? welche Gewalten regen und rütteln sich im Schooße der Zukunft und erschüttern bereits die Gegenwart?! ES zieht sich unverkennbar eine dumpfe Gewitterschwüle durch alle Poren der Gesellschaft, ein ahnungsvolles Bangen hat sich der Völker bemächtigt, große Ereignisse, welterschütternde Katastrophen fordern mahnend ihre Erfüllung — ein neneö Blatt wird umgeschlagen im Buche der Weltgeschichte, beschrieben vielleicht mit Charakteren blutig-roth, erfüllt von tausendfachem Weh. — Wir können nicht hineinschauen in die Rathschlüsse Gottes, wir können nicht entsiegeln das Siegel seiner unerforschlichen Weisheit, aber so viel bleibt sicher: ein Geschlecht ist heraufgestiegen auf die Höhe der Zeit, welches die Zuchlrulhe GotteS noch nicht gefühlt, welches die Furcht des Herrn nicht kennt — diese Generation führt das große Wort, und eö ist das Wort des Uuglaubeus, das Wort der Auflehnung gegen die göttliche Autorität, es ist ein tausendfaches frivoles Nein, wo Gott ein Ja sagt, daö eine Ewigkeit der andern nachhallt! So viel bleibt gewiß: Gott ist die unendliche Liebe, die unendliche Langmnlh; mit dem Blnle seines cingebvrnen Sohnes hat Gott in das Buch der Weltgeschichie geschrieben: Ich bin die Liebe von Anbeginn, die ewige, unerschafsene Liebe! Wenn aber diese Liebe nicht mehr gekannt wird, wenn die Menschen Gottes Barmherzigkeit zur Sünde mißbrauchen, wenn GotlcS Langmuth statt Heilmittel Gift zu werden droht, dann gürtet sich der Herr mit dem Schwerte seiner Slrasgerechtigkcit, dann tritt ein Umschwung ein: erschütternd und zermalmend, aber auch läuternd und heilend. Bereits hat der Herr gewisse Mahnboten vorausgeschickt, eS schlagen warnende Stimmen an nnser Ohr, eS zucken Blitze im Osten, die NahrungSsorge geht wie ein bleiches Gespenst von HauS zu HauS, die Masse der Besitzlosen wächst zur Lawiuc heran, und der Tod zieht aus, um eine große Ernte zu hallen. — Sind wir, gcliebtcste Trauerversammlung, unberührt geblieben von diesen Wahrzeichen deS Herrn, wurde nicht auch unser engeres Vaterland bereits schwer betroffen, ist nicht gerade dieses Jahr ein ewig denkwürdiges durch die Wunden, die es geschlagen?! Kaum hatten wir uns iu Etwas erholt, kaum fiugeu wir an, leichter zu athmen, da streckt sich abermal aus die Hand deS Ewigen, und greift in die höchsten Regionen unseres Staatra»erb.weiten Volkes, wir wollen unserer verblichenen Fürstin daö letzte Lebewohl, die letzte Huldigung bringen. Sie war ja unsere Mutter, wie wir ihre Kini-er; ibre königliche Würde war mit dem Streben, unS Mutter zu seyn, auf das Innigste verschmolzen, sie trug .eine Krone, aber Heller als die Edelsteine in derselben schimmerten die reinen wohlwollenden Gefühle, die sie hegte gegen ihr Volk; sie trug einen Scepter, aber es war der milde Scepter einer mütterlichen Sanftmuth und Liebe, und als sie Krone und Scepter niedergelegt, war sie innerlich doch noch unsere Königin, unsere liebende und geliebte Mutter! Gerne würde ich, geliebteste Trauerversammluug, in detaillirter Ausführung, in Auszählung ctarakreristischer Züge daö reiche Leben der gefeierten Königin Therese Jl',rem Geiste vorführen, wenn ich nickt fürchtete, einerseits dieser großen und schweren Ausgabe nur unvollkommen zu genügen, und anderseits: gerade durch diese Nerein- zeluug von Charaktcrzügen jenen Totaleindruck zu schwächen, wie er bereits bei Vorstellung dieser königlichen Erscheinung Ihrem Gemüthe innewohnt. Nur Eines will ich erwähnen, nur Einen Ton anschlagen, weil er der Grundakkord jenes geliebten und gefeierten Herzens war, das nun nicht mehr schlägt. Ich sage: das menschliche Herz kann eigentlich nur für Eines leben, von Einem Streben getragen und beseelt seyn. AIS im Jahre 1557 durch die kühne Wassenlhat des Herzogs von Guise der Schlüssel Frankreichs, die Stadt und Festung Ealais für die Engländer verloren ging, war die Königin Maria von England schlechterdings nicht zu trösten, ein Jahr darauf lag sie auf dem Sterbebette und brach hier in die schmerzlichen Worte aus: „Wenn ihr nach meinem Tode meine Brust öffnet, so wird der Name Ealais in mein Herz geschrieben stehen" — so war die Ehre der englischen Nation mit dem Pulcschlag dieser Köuigiu Eins gewesen. Wir loben, wir bewundern ein solch königliches Herz, allein um wie viel mehr müssen wir das Leben und Streben unserer Fürstin Theresia loben, indem sie füglich sagen konnte: „Wenn ihr nach meinem Tode meine Brust öffnet, so werden tau end Namen von Armen und Nothleidenden in derselbe» verzeichnet stehen." Ja, diese Liebe zu den Armen, dieser Drang, dem menschlichen Elend liebeselig zu begegnen und die Wunden desselben zu verbinden, diese Sehnsucht, zu geben und wieder zu geben und immer zu geben, dieses Hochgefühl, im 387 Armen und Kranken und Nochleidenden dos gemarterte Antlitz Jesu Christi zu erkenne», die Thränen deS Herrn zu trocknen, seine Schmerzen zu stillen und in Freude zu verklären, daS war der Herzschlag unserer gefeierten Königin, das war der Opferblüihe»- duft ihreS stillen Lebens, daS war der Grundton ihres Gemüthes. Die Miitter s^rgt zunächst, wenn sie auch der gesunden Kinder nicht vergißt, doch vor Ml-m für die kranken, für die leidenden und hilfebedürftigen, diesen ist sie vor Allem nahe, diesen weiht sie Ange und Haud, für diese gießt sie den volle» Opferstrvin ibreS liebenden Herzens auS — und so, Geliebtrste, ist das Leben unserer gefeierten Fürstin ein langer, himmelreincr, sonniger, Segen in Fülle bringender Tag gewesen, und so ist sie vorübergegangen wie eine große Sonne, die Leben spendet allüberall. Wie viele Thränen wurden von ihr getrocknet, wie viele müde geknickte Herzen richieten sich am Strahl ihrer königlichen Liebe empor, wie viel neue LebeuShoffmiugen wnrd.n durch ihren Hauch entfacht, wie viel Kranke, Gebeugte, Lebensmüde, gegen G^'tt und ihr Geschick Grollende wurden wiederum durch sie mit Gott und ihrem Schicksal versöhnt! — DaS ist freilich der große Vorzug, das Prärogativ der Fürsten uud Großen dieser Erde, das kleidet sie in den Abglanz göttlicher Würde, daß sie Ströme von göttlichem Segen allhin auSgießen können, daß sie Gelegenheit haben, mit einem einzigen Federstrich mehr GuteS zu wirken, als wir Alle in uuserm ganzen Leben. Aber, Geliebieste, cS ist nicht so leicht für ein Menschenherz, eS gehört ein großer, ei» christlicher Heroismus dazu, diese Stellung beständig zu begreifen und zu behaupten, denn daS Hofleben ist eine eigene Welt, und ein Fürst bedarf eines HofeS; er ist eS sich und seinem Volke schu-big, seine Würde in äußern Glanz zu kleiden. Was nur ein Land Großes, Herrliches, Ästhetisches, Kunstsinniges, Feines, Erhabenes bietet nach allen Gebieten und Richtungen hin — alte diese Strahlen fließen im Fürsten und dessen Hof in Eine» Lichtherd, in Einen Fokus zusammen; so bildet sich um den Fürsten ei» eigenthümlicher Zauber kreis, eine Lichtatmosphäre deS Feinsten und Höchsten, was daö Lebe» bietet, und eS ist begreiflicher Weise für ei» Mcnschenherz schwer, opferreich uud im höchsten Grade heldenmülhig, von diesem Zauberkrcis sich nicht blenden und fesseln zn lassen, sondern oft uud freudig herabzusteigeu von dieser sublimen Höhe, mit tausend und tausend Sorgen sich zu belasten, tntz Verkennung und Undank das Wohl und Wehe auch deS Geringsten auf die fürstliche Schulter zu nehmen, und mit der tausendfachen Noth deS Lebens im Volke einen fortwährenden Kampf zu bestehen; die Geschichte zeigt, daß mancher Fürst an dieser Klippe gescheitert bei einem sonst guten Herzen und redlichen Streben. Anders unsere gezierte Theresia! Der Glanz des Heflel enS hat sie nicht geblendet, hat keine Schranke gebant zwischen ihr und ihrem Volk, ihr Herz schlug für des Volkes Wohl und ihre Hand war stets geöffnet, wohlzuthun und die socialen Wunden zu heilen. „Geben war ihr süßer denn Empfangen" — und so möge der König der Könige sprechen: „Ich war hungrig, und du hast mich gespeist" w f. f., und wenn sie sagt: Herr, wann habe ich dich je hungiig oder durstig oder obdachlos oder wund und krank gesehen? so wird der Herr zu ihr sa^eu: „Was du dem Geringsten von nieine» Miibrüdern, dem Geringsten ans deinem Volk gethan, das hast du mir gethan! Geh ein in die Freude deines Herrn!" Und nun, verehrieste Tranervcrsammlnng, soll dieß schöne reiche Leben in seinem Thatenschmiick und sinniger Hoheit an uns vorübergegangen seyn, ohne eine duftreiche Blülhe unserem Gemüthe zn entlocken, ohne eine edle Frucht in uns zu reifen? O tewiß nicht! Wir wollen nur um so entschiedener halten zu Thron und Vaterland, wollen um so treuer ergeben seyn unserm König, und zwar aus Liebe zu Gott, mit der vollen Wärme eines religiösen Herzens! Wir Wolleu, wenn eS gilt, mit Muih und Vegeistirung einstehen für deS Königs gerechte heilige Sache, mögen auch in rumänischer Tiefe feindliche Elemente sich entfesseln und gegen uns anstürme». Fürst und Vaterland! y-ilig und unzertrennlich sind diese Begriffe. Wer nur eine» Funken Vaterlandsliebe hat, der wird seinen Fürsten ehren, und wer seinen Fürsten nicht ehrt, der ist nicht werth, daß er die Luft der Heimat athmet, daß ihn die vaterländische Erde trägt. Z83 Wir wollen aber auch beten für unsern König und unser Vaterland. Wissen wir denn, waS auf unS wartet? Wenn der Herr sagt: „Ich will den Hirten schlagen und die Heerde," können wir den Arm des Herrn anders aufhalten, als durch Gebet? Bereits hat vom Mittelpunct der Welt auö der heilige Vater seine Stimme erhoben und ermahnet alle Völker zur Buße und zum Gebet — denn, wie ich Eingangs gesagt: wir gehen einer ernsten Zukunft entgegen! Der Heiland sagt in gewohnter göttlicher Präcision: „Wo das AaS ist» da sammeln sich die Adler!" Und läugnen wir eS nicht: viel AaS, viel sittlicher Unrath, viel verderbliches MiaSma hat sich aufgehäuft seit mehr denn dreißig Jahren. Kunst und Wissenschaft haben zwar den herrlichsten Aufschwung genommen, aber ihr Streben ging vielfach dahin, sich von Gott zn emancipiren. Der menschliche Geist will seine Apotheose seiern, sich an die Stelle Jesu Christi selber sehen, sein eigener Heiland und Bescliger seyn. Der Mensch, daS ist der Gott deS neunzehnten Jahrhunderts, und der ewige lebendige Gott, so sagt die diabolische Weisheit der Zeit, der ewig lebendige Gott ist als blinde Welt- sccle geboren; in die Bande seiner Schöpfung, seiner Naturgesetze eingewickelt, kommt er erst im Menschen zum Selbstbewußtseyn und zur freien Selbstbestimmung — so steht der Mensch auf dem Piedestal der Schöpfung, als der einzige Gott, aber ach, ein Gott mit der Schellenkappe der Thorheit und mit dem Stempel der Erbärmlichkeit! Und dieser Wahufinn uennt sich Wissenschaft, und solcher Unglaube hat bereits die Massen vielfach durchsäuert, mit frecher Stirne werden die schwersten Sünden begangen, der Eiv zum Allerhöchsten ist fast zur leeren Ceremonie geworden, der letzte Anker der Gesellschaft: das Gewissen im Volke beginnt haltlos hin- und herzuschwanken, die Verbrechen häufen sich, die Kerker füllen sich — ach, TodcSwunden überall! Wenn nun der Herr sagt: Ich will mich erheben, die Völker zu schlagen, ich will meine Tenne säubern, ich will meine Ehre fordern, die Köpfe der Drachen will ich zermalme» und die Cedern Libanons zerschmettern, ich will die Völker durcheinander rütteln wie man den Waizcn siebt, und ein Feuer will ich in meinem Eifer entzünden — groß uud furchtbar, um die Spreu zu vernichten und ein frommeres Geschlecht zu erziehen — müssen wir dann nicht kniefällig anbeten die Gerichte deS Ewigen? Beugen wir unS jetzt schon unter seine heilige Hand, umklammern wir Hilfe suchend die Füße unseres gekreuzigten Erlösers und bekennen wir unS durch Wort und Wandel zn Dem, der die Wahrheit und das Leben ist! Amen. Die Concilien des ersten christlichen Jahrhunderts. Die apostolische» Constitutionen. Fünftes Duch. Von den Märtyrern. Wer denen, welche um deS NamenF Jesu willen von den Ungläubigen verfolgt und gemartert werden, irgend eine Erleichterung gewährt, zu dem wird der ewige Richter einst sagen: kommet, ihr Gesegneten meines Vaters und nehmet daS Reich in Besitz, welches euch seit Gründung der Welt bereitet war(1); und wie man sich beflecket durch den Umgang mit Mördern und Ehebrechern, so nimmt man dadurch Theil an der Krone deS Martyriums, wenn ihr auch von den Tyrannen eures Umgangs mit den heiligen Märtyrern wegen Züchtigung zu dulden habet (2). Leistet ihnen somit alle mögliche Hilfe und sollte euch selbst Gefahr drohen (3). Etwas Schreckliches aber würde eö seyn, wenn Einer Christum verläugnete aus Furcht vor den Menschen (4); während Christus JesuS alle Güter der Erde, selbst das Leben verschmähte, aus Liebe zum Vater und zu den Menschen; glückselig sind ja diejenigen, welche er der Theilnahme an seinem Leihen würdigt. Indessen sollen wir keineswegs absichtlich der Verfolgung und Marter unS entgegenstürzen (5); haben wir aber unseres Glaubens wegen 389 Qualen und Verfolgungen zu leiden, dann weist uns der Glaube auch hin auf den Tag der Auferstehung; derjenige, welcher den Adam ans Erde gebildet, der den Sohn der Wittwe durch EliaS, der den LazaruS und viele Andere vom Tode erweckte, ja selbst vom Tode auferstanden ist, wird auck uns auferwecken am Tage dcS Gerichtes; viele Helden glaubten schon an eine Unsterblichkeit und stellten die Auferstehung unter dem Bilde des Vogels Phönir dar (6). Die heiligen Märtyrer aber sollet ihr ehren wie den heiligen Bischof JacobuS und den heiligen StephanuS (7), wenn solche wirklich ihres Glaubens wegen getödtet wurden (8). Hütet euch vor allen ausgelassenen, sündhaften Vergnügungen, welche eure Feste entweihen (9), am meisten aber fliehet den Götzendienst (10), schwöret nicht bei den Göttern und betet die Gestirne nicht an (11), Haltet feierlich eure Feste, besonders die Geburl deö Herrn, die Epiphanie und Ostern, beobachtet auch die vierzigtägige Fasten und (12) rufet euch das Leiden des Herrn ins Gedächtniß zurück (13), in der heiligen Woche sollet ihr faste» und zwar am Mittwoche zur Erinnerung an den Verrath nnd am Freitag zum Gedächtnisse des Leidens unsers Herrn, am Samstage aber bis zum Hahnenrufe, weil der Herr der Welt im Grabe liegt (14). Wie groß war doch die Verstocklheit der Juden, welche die Prophezeiungen nicht erkannten und den Heiland kreuzigten; darum ist ihnen auch daS Reich genommen und euch zugetheilt worden (15). DaS Osterfest sollet ihr hierauf zur bestimmten Zeit des JahreS mit allem Eifer begehen und euch an eure Erlösung erinnern (16). Fastet somit in der Chanvoche vom Montage cmgejangen und enthallet euch von Wein und Fleisch, am Freitage und EamStage aber sollet ihr, wenn die Gesundheil eS gestattet, gar nichts genießen (17); und an diesem letzlern Tage vom Abende bis zum Hahnenrufe versammelt seyn, das Gesetz und die Propheten lesen, die Katechumenen taufen und euch erbauen; dann leget die Trauer ab und feiert daS heilige Opfer zum Gedächtnisse Jesu. Am achten Tage darauf erinnert euch nochmals an die Auferstehuug des Herrn und nach vierzig Tagen sollt ihr seine Him- melsahrt feiern (18). Am zehnten Tage nach der Himmelfahrt sollt ihr daS Fest der Sendung deS heiligen Geistes besonders feierlich begehen und dieses dauere eine gan^e Woche hindurch, die darauffolgende Woche sey eine Bittwoche, und da soll am Mittwoch und Freirag gefastet werden (19). Sechstes Auch. Von den Schismatikern und Ketzern. Die Bischöfe mögen sich besonders vor aller Häresie bewahren, und sich nicht vom Ehrgeiz zu einer Trennung verleiten lassen, damit es ihnen nichl gehe wie Dathan, Abiron und Anderen (1). Jede Auflehnung gegen die geistliche Obrigkeit ist überhaupt wie gegen die wellliche sehr sträflich (2); schon im alten Bunde strafte Gott so schrecklich den Trotz und die Widerspenstigkeit gegen Moses (3). Lasset euch deßhalb warnen, daß ihr euch nicht von der Kirche trennet und mit den Ungläubigen verbindet^), es könnte euch gehen, wie dem Volke Israel, i»S der Herr jetzt ver- worfen(5); ihr sehet es in Secten zerfallen und unter sich selbst uneinS (K). Auch an uns haven sich dereils die Ketzer gemacht und wollten unS täuschen, wie Simon der Magier (7). Hütet euch vor denjenigen, welche ihre Irrthümer unter euch verbreiten möchten, wie dieser Simon der Magier, CorinthnS, Menander, BasilideS und Andere (8). Simon wvllle mit Hilfe des Satans sogar Wunder lhun und durch die Lust fliegen, er wurde aber durch Petrus gestürzt (9). Eö gibt ferner solche, welche Gott lästern, die Unsterblichkeit der Seele läugnen, sich den schändlichsten Lüsten hingeben, und andere greuliche Irrthümer verbreiten, sie sind Werkzeuge des Teufels (10). Wir bekennen dagegen nur einen Gott, den Schöpfer aller Dinge, der ewig ist und in einem unnahbaren Lichte wohnt, der sich uns aber geosfeubaret hat durch das Gesetz und die Propheten, der Vater des eingebornen SohneS Jesu durch den heiligen Geist. Wir glauben an den menschgewordenen Sohn Gottes, der für unsere Sünven gelitten hat, gestorben nnd auferstanden, nnd zum Himmel aufgefahren ist. Wir glau- 390 ben, daß alles Geschaffene gut ist, also auch keine Speise sündhaft; daß die rechtmäßige Ehe nichts Entehrendes hat, und nur unrechtmäßige und widernatürliche Geschlechts- Verbindung sündhaft und verboten sey; daß die Seele des Menschen mit Vernunft und freiem Willen beaabt »nd unsterblich ist, daß alle Menschen vom Tode auferstehen werden zum Gerichte. Wir g'auben auch, daß Christus kein bloßer Mensch war, sondern Wort Gottes, Gottmenfch, unser Mittler und Hohepriester beim Vater; und daß die jüdische Beschneidung nicht mehr nothwendig sey (11) So haben wir Apostel beschlossen auf der Synode zn Jerusalem (12) und haben den Gläubigen darauf geboten, den Umgang mit denen zu fliehen, welche der wahre» Lehre widerstreiten (13), Eben so haben wir u»S gegenwärtig versammelt, euch die wahre christliche Lehre hier mitzutheilen (14), Die Taufe soll nur einmal ertheilt werden von dem verordneten Priester und auf den Namen des Vaters, des SohneS und des heiligen Geistes; ihr jollet von keinem Ketzer euch taufen lassen und die Taufe nicht ausS Todbett verschieben (15); wie den Umgang mit den Ketzern, so sollet ihr auch ihre falschen Schriften fliehen (16). Der Bischof, Priester und Diacon sollen nur Eines WeibeS Mann seyn, wenn sie aber einmal ordmirt sind, sollen sie nicht mehr hcirathen; nur die Kleriker der vier niedi-ren Grade dürfen heiraiheu, aber keiner soll eine Hme, eine Tienstmagd, eine Wittwe oder Verstoßene zur Frau nehmen; zur Diaconissin werde nur eine keusche Jungfrau, oder eine zuverlässige Wittwe genommen, welche nur eiumal vcrheirathet war (17). Wie eö der Wille Gottes ist, die Nenmüthigen aufzunehmen, unv wenn sie noch nicht getauft sind zu taufen, so sollen die hartnäckigen Ketzer ausgeschlossen und ihr Umgang gänzlich gemieden werden (18). Das Gesetz Jesu Christi ist somit einfach und vollkommen und die Erfüllung der zehn Gebote ganz übereinstimmend mit dem Naturgesetze (19), eS ist für uuS hinreichend, wie die Gesetze deS alten BundiS ganz nach dem HerzenSznstande deS jüdischen Volkes eingerichtet waren (20). Ihr vorher zum Götzendienste geneigter Sinn mußte erst bezwungen werden, wir aber gehorchen freiwillig und stehen so unier dem Gesetze der Gnade (ZI). Die blutigen Opfer hat der Herr ausgehoben, indem er sie erfüllt hat (22), das Naturgesetz hat er nech vervollkommnet durch seine Gebote, ebenso hat er das Priesterthum in ein neues umgeschaffcn, zudem uicht blos mehr ein Stamm berufen war; statt der täglichen Waschungen hat er das heilige Sacrament der Taufe und statt der blutigen Opfer das große geheimnißvolle unblutige Opfer seines Fleisches und Blutes eingesetzt, das nun überall gefeiert wird (23). Haltet fest an diese Gebote und blicket hin auf die Juden, welche in die römische Knechtschaft gerathen sind, weil sie dem Herrn untreu wurden (24); hütet euch vor denen, welche Gott lästern, indem sie die Gottheit Christi unv seine Ewigkeit läugnen, indem sie gewisse- Speisen und die Ehe für sündhaft erklären (25). Leget auch alle heidnischen Norurlheile und Gebräuche ab, ihr könnet euch durch nichts verunreinigen, was natürlich ist, nur durch Uebertretung deö Gesetzes (26), durch Ehebruch und Hnrerei, durch unnatürliche Sünden und verbotene Lust (27). Das Weib soll ihrem Manne in aller Liebe unterworfen seyn und der Mann sein Weib lieben wie seinen eigenen Leib, Hurerei und Ehebruch aber können durch alle Flüsse der Erde nicht abgewaschen werden (28). Die jüdischen und heidnischen Gebräuche, die V^ruureiuiguugen und Waschungen gelten nicht für euch, schmücket euch vielmehr mit Tugeud und Heiligkeit und ihr werdet der Verheißungen Christi ihcilhafr werden und die Herrlichkeit Gottes schauen, wie StephanuS, ihm sey Anbetung und Ehre durch Jesum Christum dem allmächtigen Gotte jetzt und in Ewigkeit. Amen (29). Siebentes Ruch. Vom christlichen Leben, dem Gebele und dem Unterrichte vor der Tauf e. ES gibt zwei Wege, die der Mensch gehen kann, der eine führt zum Leben und der andere zum Verderben, jener ist uns von Gott vorgeschrieben, dieser ist der Weg deS 391 bösen FeindeS (1); den Weg des Lebens wandelt derjenige, welcher daS Gesetz erfüllet und die Gebote Gottes beobachtet (2); den Weg des Verderbens aber geht der Mörder, der Ehebrecher, der Knabenschänder, der Hnrer und Dieb (3); der Zauberer, der Meineidige, ebenso wer seine Kinder tödtet und falsches Zeugniß gibt (4), der Verleumder und Chrcnräuber, der Rachsüchiige, der Achselträger, der Schwätzer, Lügner, Betrüger und Heuchler (5), der Scheinheilige und Hochmülhige, der Zornige, Neidische und Haßsüchtige (6), der Schmähsüchtige, Unmäßige und Geizige und Ehrsüchtige, wer sich den heidnischen Augurien hingibt (7); wer boshaft und hartherzig ist (8). Seyd deßhalb milde, nachsichtig und barmherzig gegen Andere; seyd rein nnd gotteS- fürchtig, und geduldig im Leiden (9); ehret die, welche euch das Wort Gottes verkünden wie eure Ellern (10), verursachet leine Trennung, sondern strebt den Frieden in der Kirche zu erhalten, urcheilet nach Recht und Gerechtigkeit (II)! werdet nicht kleinmülhig (12), seyd freigebig und theilet das Eurige mit den Dürftigen, ziehet die Hand nicht ab von eurem Sohne, sonder» lehret ihn Furcht des Herrn (13), seyd liebevoll gegen eure Dienstboten und diese sollen gehorsam nnd fleißig seyn (14); haltet heilig die Gebote GolteS (15), ebret die Eltern nnd liebet eure Verwandten (16), achtet die Obrigkeit und entrichtet eure Abgaben (l7), nahet euch dem Herrn mir einem reinen Herzen im Gebete (18); denn wenn ihr dieses nicht thut, dann geht ihr den Weg des Verderbens, der voll Gotllesigkeit und Ungerechtigkeit ist (19); wendet euch also incht ab von der Frömmigkeit (ZV) und genießet die Güter der Erde, Speise und Trank mit Mäßigkeit und Tank (21), enthaltet euch aber vom Gotzcnfleische (22). Die Taufe soll nach der Vorschrift deS Herrn verrichtet werden, der Täufling aber empfange zuvor die Salbung mit Oel und nach der Taufe die Salbung mit dem Chrisam, er soll auch vor der heiligen Taufe fasten (23); außerdem sollet ihr nur am Minwoch und Freitag fasten, znm Gedächtnisse deS Leidens und TodcS Christi, ebenso am Eharsamölag, wo der Herr im Grabe lag, den Sabbat sollet ihr seiern zur Erinnerung an die Schöpfung, und den Tag deS H.rrn zur Erinnenmg an seine Auferstehung (24), Betet nicht wie die HencdKr, sondern machet euch würdig. Gott euer» Valcr nennen zu dürfen, und be>et wie der Herr vorschreibt und uns gelehrel hat (25). Seyd dem Herrn tankbar für Alleö, beionders für die kostbare Speise seines heiligen Fleisches und BlutcS (Gebei) (26), Bereitet euch würdig ans deren Genuß vor (Gebet) (27). Reiche! keinem Ketzer das heilige Abendmahl nnd betet bei der heiligen Oelung (Gebe!) (28), Habet keine Gemeinschaft mit den falschen Propheten (29). Reichet den Priestern des Herrn die Erstlinge eueres Gewinnes, damit der Segen Gottes darauf ruhe, und gebet den Witiwcn uud Armen den zehnien Theil davon (30). Am Tage des Herrn sollet ihr znscunmen kommen und Gott loben und preisen für seine Güle (31). Wählet euch würdige Männer zu Bischöfen und Priestern, und hallet sie iu Ehren (32); denket an das Weltende und an das Gericht (33). (Anbetung der göttlichen Vorsehung bei der Erschaffung und Erhaltung der Welt, Danlgebcte für die Erlösung uud die vielen Gnaden, welche uns durch dieselbe zugeflossen sind 34—39). Vor der Taufe sollen die Katechumeueu unterrichtet werden in den Wahrheiten unserer heiligen Religion, zugleich aber soll für sie gebetet werden, daß der Herr sie erleuchle und ihre Herzen öffne (40). Daraus sollen sie erst dem Satane und allen bösen Werken abjchwören (41); und das christliche Glaubensbekenntniß ablegen, ehe mit der Salbung begonnen wird (42). DaS Oe! aber werde vorher vom Bischöfe geweiht (43) z ebenso wie das Tanswasser, ehe es gebraucht wird (44), uud daS heilige Chrisam (45), und endlich bete der Priester für den Getauften (46). Zum Schlüsse theilen wir euch die Bischöfe noch mit, welche wir Apostel ordinirl haben, diese sind: JacobuS, Simon Cleophae, Juda der Sohn deS JacobuS, ZachäuS, Cornelius, Theophilus, EvodiuS, JgnaliuS, AnnianuS, AbiliuS, Linus, Clemens, Timotheus, JoauneS, Ariston, SlraleaS, Ariston der andere, CajuS, DemctriuS, Lucius, TiruS, DionysiuS, Mar- thon, ArchippuS, Philemon, Acesimus, CrescenS, Aquila, NicetaS und CrispuS (47). 39Z Kirchliche Notizen. AuS Freiburg schreibt die „Bad. LcmdeSztg.": Der Besuch an hiesiger Universität hat auch dieses Wintersemester, wie gewöhnlich, zugenommen. Bon den dieses Semester neu zugegangenen Studirenden widmen sich bei Weitem die meisten der Theologie; überhaupt ist der Zndrang zur Theologie seit einigen Jahren gewachsen und die Hörsäle sind wieder, wie in frühern Jahren, von den Candidaten derselben gefüllt. « « '»HittOz St«« «:i?r ÄiNt i°?iiü5-?»"' j