Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur AuAsburger PoAMmlg.' .. 10. December SO. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle A«,»n«tage. Der haibjährme Abonveiusv^preii! TV kr., wofür et durch alle köniql. bo^er. VoKämter und alle Buchhaiidlur-lifn brzoaiv weide-» k-nn. DeS KinbeS Traum. „Was hast du geträumt, mein Kind, in der Nacht, Daß du so freudig bist aufgewacht? Noch ist gefaltet dein Händepaar, Dein Auge so sinnend, von Wonne so klar." ,,„O Mutter! ich hatte den süßesten Traum: Mein Schutzengel kam aus dem Himmclsraum, Er nahm mich und flog durch die Lüfte mit mir. Und sagte: »ach Bethlehem reisen wir. Und als wir wieder uns senkten sacht, Erblickt' ich viel Cngrl in heiliger Pracht: Die schwebten und leuchteten selig und hehr Und sangen und jubelten Gott zur Ehr'. Da kniete mein Engel sich hin geschwind, Und sagte: wir sind^zur Stelle, mein Kind! Nun falte zusammen die Hände sromm, Hier ist die Hütte, zur Krippe komm! Da sah ich, o Mutter, ein Kindlein süß, Als wär' es ein Nöslcin vom Paradies; Das schaute mich au und grüßte mich fein, Als wollt' es mich nennen sein Brüderlein. Und näher ging ich und zitterte nicht, So lieb war des Kindes Angesicht, Die Händchen, von Unschuld so lilienweiß. Der Mund, von inniger Liebe so heiß. Da hat Es zu mir sich gewendet hold, Darreichend ei» Krönlcin von reinem Gold; Gib nie, so sprach Es, dieß Krönlcin zu Kauf, Denn „kindliche Unschuld" stehet darauf. Ich dankt' und was that der göttliche Knab'? Ein NInglcin zog er vom Finger ab — Steck an, so sprach Er, dieß NIngclcin! Die kindliche Lied' ists, bewahre sie fein! 394 Und dankend nahm ich so Ring wie Krön', Mir war, als wär' ich im Himmel schon, Das Kindlei» lächelte sanft mir zu — Da bin ich erwacht aus des Schlummers Ruh'. O gute Mutter, ich bitt' dich, hab' Acht, Daß mich nicht der Böse bcstiehli bei Nacht, Daß Ring und Krone, dieß heilige Paar, 2m Herzen mir bleiben licht und klar!»" M. Helmsauer. Katholische Unterrichts- und Wohlthätigkeit»-Anstalten im Orient. Die Unterrichts- und Wohlthätigkeit«-Anstalten der Kirche haben im Orient bereits eine große Ausdehnung gewonnen und sind noch fortwährend im Fortschritt begriffen. Die christliche Liebe machie die ersten Ansinge, den Orient zn bekehren. Unter den rerschiedencn Orden haben namentlich die Lazaristen und barmherzigen Schwestern eine sehr gesegnete Thätigkeit euifaltet. Die erste Anstalt der Lazaristen wnrde im Jahre 1774 in Konstantinopel gegründet. Sie ließen sich in Galata in einer geringen Entfernung vom Thore von Pera nieder. Von da an blieben sie trotz vielfachcr Schwierigkeiten und Verfolgungen aller Art auf ihrem Posten. Im Jahre 1822 waren ihrer nur noch drei; jetzt aber haben sie allein in Konstantinopel zwei Anstalten: das prachtvolle Kollegium zn Bebeck am Ufer des MeereS, eine halbe Stunde eiwa von Konstantinopel entfernt, wo eine zahlreiche Jugend eine sehr sorgfältige Erziehung erhält; und ein Missionshaus. — Die barmherzigen Schwestern haben zu Konstantinopel drei Häuser. In dem ersten befinden sich 38 Schwestern, sie besorgen ein Pensionat von 100 jungen Mädchen, ein Waisenhaus, in weichem l30 arme Waisenmädchen Aufnahme und Anöbildung in verschiedenen Handarbeiten finden; außerdem Schuln: für Kinder, welche nicht in der Anstalt wol)»en; eine Unterrichtsanstalt für Ketzer und Schismatiker, welche znr lacholischen Kirche zurücktreten wollen; eine Anstalt für Kindelkinder, und endlich Arbeiissäle für 40t) Kinder. Außerdem besorgen sie eine Apotheke und theilen täglich Arzneien für mehr als 400 Kranke auS. In dem zweiten Hause sind 12 Schwestern. Sie besorgen das französische Hospital, in welchem Kranke von allen Nationen und jeder Religion verpflegt werden. Außerdem besorgen sie noch Schulen und Arbetlssüle, welche täglich mehr als 300 Kinder besuchen. Endlich haben die Schwestern auf der asiatischen Küste eine Anstalt, in welcher ihrer drei eine Ackerbancolonie von Findet- und Waisenkindern leiten. Die Lazaristen und barmherzigen Schwestern werden in Konstantinopel sowohl im Stadtviertel von Galata, als in Pera umerstützu 1) von den Schnl- brüdern, welche eine bedeutende Anzahl von Kindeln, von jedem Aller, jeder Nationalität und jeder Religion unentgeltlich unterrichten, sie lehren ihre Zöglinge zugleich die türkische und französische Sprache; 2) von mehreren Konferenzen des Vincenz- Vereins. Die erste Conferenz wurde von Eugen Boi« gestiftet. Sie hallen ihre Sitzungen in dem großen Saal der Lazaristen. Ihre Mitglieder sind meist Franzosen, sie unterstützen über 500 Familien. — In der zweiten Stadt des türkischen Reiches in Smyrna haben die Lazaristen zwei Häuser: das Kollegium von Sacre Eoeur, welches sie gründeten, und das der Propa-zanda, welches die Brüder von PicpuS im Jahre 1845 ihnen abtraten. Außerdem befinden sich in Smyma drei Häuser barm- herziger Schwestern. Im ersten Hause sind 22 Schwestern, sie besorgen, wie die in Konstantinopel, aber von weniger bedeutenden Verhältnissen, ein Pensionat für jnnge Mädchen, ein Waisenhaus, Schulen und einen ArbcitSsaal, welche von mehr als 300 Kindern besucht werden, theilen Arzneimittel auS und halten eine Apotheke. DaS zweite Haus enthält das französische Marine-Spital, in welchem sechs Schwestern 395 beschäftigt sind. In einem dritten Hause, welches für Waisenkinder bestimmt ist, sind drei Schwestern.thätig. Schulbrüder, sechs an der Zahl, unterrichten täglich beinahe 4(10 Kinder. Am Abende halten sie Schule für Erwachsene. Außerdem befinden sich in Smyrna eine Conferenz des Vincenz-Vereins, Franciscaner, Capuciner und Mechitaristen. — In Salonichi befindet sich seit mehreren Jahren ein Hauö für Lazcnisten, eS sind ihrer ober nur z".?ei Missionäre, die einzigen katholischen Priester in dieser Gegend. Sie sind zugleich Pfarrer, Missionäre uud Lehrer. Ihre Bemühungen haben schon einen sehr tröstlichen Erfolg gehabt. In kurzer Zeit werden sie von barmherzigen Schwestern unterstützt werden. — In Griechenland, auf der Insel Santoiin, haben die Lazaristen ein Missionshaus, mit welchem eine Knabenschule verbunden ist. Zwölf barmherzige Schwestern besorgen ein Pensionat für Mädchen, ein Waisenhaus, eine Schule für solche, welche nicht in der Anstalt wohnen, unv einen ArbcitSsaal, wo sich täglich mehr als 200 Kinder versammeln, außerdem halten sie eine Apotheke und theilen Arzneien aus. Dann besuchen sie auch eine «roße Anzahl von Kranken recht fleißig in ihren Häusern. Sie werden durch eine Konferenz deS Vincenz-Vereines unterstützt, welche sich jeden Sonntag bei den Lazaristen versammelt. Endlich bauet man jetzt ein Hospital, welches den barmherzigen Schwestern übergeben werden soll. — In Egypten finden wir Lazaristen, barmherzige Schwestern, Schnlbrüder unv Conserenzen deS Vincenz-Vereines, welche in Eifer und Hingebung mit den Vätern des heiligen Landes wetteifern — In Alerandria haben die Lazaristen zwei Hänser, eine Unrerrichtsanstalt und ein Missionshaus. Außerdem besitzen die barmherzigen Schwestern zwei Häuser: 1) Das Spital für Europäer, welches ven sieben Schwestern geleitet wird; hier finden Kranke von jeder Nation und Religion Pflege. 2) Das Haus der Barmherzigkeit; es umfaßt unter der Leitung von 22 Schwestern ein Pensionat, ein HciuS für Waisenmädchen, ein HauS sür Findelkinder, Schulanstalten und ArbeitSsäle, welche 300 Kinder aufnehmen. Außerdem befindet sich dort ein Damen-ercin, welcher Werke christlicher Liebe übt, ciue Conferenz des Vinccnz-VereineS, und eine Anstalt der Schulbriider. Di-se alle bethci- ligen sich an den Arbeiten der Lazaristen und barmherzigen Schwestern. Die Thätigkeit der Schulbriider in Älerandria entwickelte sich erst in den letzteren Jahren. Im Jahre 1850 unterrichteten vier Schulbrüder in vier Classen 50t) Kinder. Gegenwärtig sind 13 Schul-rüder da, und die Zahl ihrer Schüler hat in demselben Verhältniß sich vermehrt. — In Cairo finden sich weder Lazaristen, noch barmherzige Schwestern, aber eine Conferenz deS Vincenz - Vereins hält ihre Sitznngen im Kloster der Väier vom heiligen Lande, außerdem sind noch vier Schulbriider da. — In Syrien theilen sich Lazaristen, Jesuiten und die Väter vom heiligen Lande in die Erziehung und die Werke christlicher Liebe. Dit Niederlassung der Lazaristen in Beyrnth erfolgte erst im letzten Jahre, eS sind nur zwei Missionäre dort. In derselben Stadt leiten 14 barmherzige Schwestern ein Peusionat sür junge Mädchen, ein Waisenhaus, eine Schule für auswärtige Kinder und einen Arbeit^saal, Austheilung von Arzneien und eine Apotheke; mit diesen Anstalten haben sie nock ein Lel-rcrinnen-Seminar verbunden, um Lehrerinnen sür den Libanon auszubilden. Die barmherzigen Schwestern ließen sich im Juli 1847 zum ersten Male in Beyrulh nieder. Ihr HanS liegt in einem Garten am Thore der Stadt. Von den Einwohnern werden sie ganz außerordentlich geliebt; diese werden nie den Eifer nnd die Hingebung vergessen, welche die barmherzigen Schwestern während des Wüchens der Cholera in Beyrull) im Jahre 18^9 bewiesen. Eine der barmherzigen Schwestern starb damals an der Cholera. Die ganze Stadt wollte sich an der Feier der Beerdigung betheiligen; man sah Türken, Araber, Juden, Griechen und Katholiken mit Thränen der Leiche der demüthigen Tochter deS heiligen Vincenz von Panla folgen, welche Alle vhne Unterschied mit Hingebung gepflegt hatte. Die türkischen Behörden übergaben den barmherzigen Schwestern in Beyrnch die Pflege der Gefangenen, und bewilligten für jeden Monat eine Summe für ein fliegendes Lazareih und Arzneien. — Zn Antnra im Libanon besitzen die Lazaristen eine böhere UnterrichiSanstalt, in welcher der Unterricht auf eine den Bedürfnissen dcS Landes 396 ganz angemessene Weise ertheilt wird. Es wird in französischer, italienischer und arabischer Sprache unterrichtet. Auch besitzen sie in Tripolis ein MiisionS- und ErercilienhauS, in welchem die eingeborene Geistlichkeit Unterweisung erhält. Aebnlicbe Häuser Halm sie zu Aleppo und DamaScuö. In der lctzieicn Stadt haben sie zn'ci Schulen; in der einen wild der Unterricht in der arabischen Sprache unv den Elementarsächern ertheilt, in der höheren Schule lernen die Schüler außer Anderm auch die französische Sprache. In Danielcuö haben auch die barmherzigen Schwestern ihre ^schieden n Anstalicn gegründet, welche unter der Leitung von sechs Schwestern stehen Sie haben sich erst vor ganz kurzer Zeit don .niedergelassen, und zwa,r aus die Einladung der Einwobncr, welche von ihrer hingebenden Aufopserung in Beyruih gchöri hatten. — Zu Bcyruth hat eine Schwester auf Alle einen so großen und glücklichen Einfluß erlangt, eaß der Pascha sich verpflichtet glaubte, ihr die Obeileitung aller seiner Spiieiler anzuvertrauen. Er besreietc ihr Willen von allen Hindernissen, und ging in seinem Zutrauen zu ihr so weit, daß er die kranken Verm«heilten und Galeereirclaven unter ihre ausschließliche Aufsicht stellte. Diese kennen die Vereint- worllichkcit der Schwester, und man hat noch kein Beispiel, daß ein Einziger »wer ihrun jemals versucht habe, sie durch einen Fluchiversuch bloßzustcllen. Ihre Einwirkung ist so magisch, daß man sah, wie auf den Straßen alle Mohamedaner sich vor ihr niederwarfen, um ihr ihre Ehrfurcht zu bezeugen, unv so das doppelte Vorurtheil vergaßen, was sie gegen eine Frau unv eine Christin hab,n. Endlich vei sichert man, junge Leute, welche sich verhcira-hcn wollten, stellien immer die Bedingung, ihre Braut müsse sich erst zwei oder drei Jahre unter der Leitung der Schwester in der von ihr gegründeten Normalschule ausbilden. Diese Normalschule hat schon in der Umgegend von Beyruih bewunderungswürdige Ergebnisse hervorgebracht. Die Concilien des ersten christlichen Jahrhunderts. Die apostolischen Constitutionen. Achtes Such. Von den Gnaden gaben, den heiligen Weihen, und den kirchlichen Canone n. Diejenigen, welchen besondere Gnaden- und Wundergaben verliehen sind, mögen wissen, daß diese zur Ehre Gottes und zum Heile der Menschen seyen; durch die Wunder soll nämlich Zeugniß gegeben werden für die Göttlichkeit der Lebre Jesu, sie sind deßhalb zur Ueberzeugung der Ungläubigen verliehen (l); deßhalb braucht auch Niemand auf diese Gnadcugaben stolz zu seyn oder dieselben seinen eigenen Verdiensten zuzuschreiben. ES gibt aber auch falsche Propheten wie ?a!aam und diese werdender drohenden Strafe gewiß nicht entgehen (2). Wir gehen nun zu den wichtigsten kirchlichen Bestimmungen über, welche wir besonders den Bischöfen ans Herz legen (3). Der Bischof soll vom Klerus und dem Volke im Beiscyn anderer Biichöfe und unter der Leitung eines ersten Bischofs gewählt werden; ist über die Würdigkeit desselben nur eine Stimme, dann soll der erste Bischof, währeus zwei Diaeouen dem Erwählten das Evangelienbuch über das Haupt hal>en, das angegebene Wcihegebet laut spreche», während die anwesenden Bisccöfe und Priester dasselbe stille milbeteu (4). Am Schlüsse antworten die Piiestcr uud das Volk: Ämen. Man bringt dem Ordinirten eine Hostie, geleitet ihn an seinen Thron und da geben ihm die andein Bischöfe den Fliedcnekuß; darauf beginnt die Lesung der heiligen Schrift und der Ordinirte bringt der Kirche seinen Gruß: „Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe GetleS des Vaters und die Gemeinschaft mit dem heiligen Geiste sey mit euch Allen/' Alle antworten: „Und mit deinem Geiste", und er hält nun eine Erbauungsrede; der Diacon fordert die Büßenden und Ungläubigen auf, sich zu entfernen und er mahnt zum Gebete für 397 die Katechumenen; die Gläubigen beten für sie daS Kyrie eleison, und der Diacon fordert die Gläubigen auf zum Gebete für die Katechumenen, woraus sie den Segen deS Bischofs empfangen und sich entfernen. Der Diacon fordert auf, für die Energumenln zu beten, daß Gott sie befreien möge von den bösen Geistern (6), und der Bischof spricht über sie den angeführten Segen; nachdem diese vom Diacon ermahnt sich entfernt haben, fordert er auf für jene zu beten, welche getauft werden wollen; sie neigen sich und der Bischof spricht über sie den Segen (7). Der Diacon heißt sie fortgehen und ermahnt für die Büßenden zu beten, daß der Herr ihre Schuld - vergeben möge; alle Anwesenden sprechen daS Kyrie eleison und der Bischof betet den Segen über sie (8). Der Diacon fordert nun Alle auf, welche dem heiligen Opfer nichc beiwohnen dürfen, sich zu entfernen, und ermahnt die Gläubigen auf den Knieen Gott zu bi ten (9) für den Frieden aus der ganzen Erde, für die katholische Kirche, für die Diccese, sür die Bischöfe, für den gesammten KleruS, für Jungfrauen, Wittwen und Waisen, für die Cheleute, für die Asceten, für alle Gutthäter der Kirche und dir Armen, für die Neugeiauftcn, für die Kranken und Reisenden, für die deS Glaubens wegen Verfolgten und für die in Gefangenschaft Schmachtenden, für Feinde und Verfolger und alle Ungläubigen und Ketzer; endlich für die Kinder und für jede christliche Seele (lv). Alle erheben sich und der Bischof spricht den Segen, hierauf grüßt der Bischof die Gläubigen mit den Worten: „Der Friede GottcS sey mit Euch Allen!" daö Volk antwortet: „Und mit Deinem Geiste," dann folgt der Jriedenskuß, welchen die Kleriker dem Bischöfe, die Laien, Männer unter sich und Frauen unter sich einander geben. Die Diaconen sorgen dafür, daß keine Unordnung einsteht; eben so sollen Diaconen und Subdiacomn vn den Kirchenthüren styn, damit Niemand sich enifeine, und die Thüren während dcS OpscrS nicht geöffnet werden. Ein Subdiacon reicht den Priestern daS Wasser zur Händewaschung (i l) Nun beginnt die eigentliche Messe, nachdem deßhalb ein Diacon ucchmalS crmahnt hat, daß kein Katcchume, kein Büßender, Ungläubiger oder Ketzer anwesend und die Gläubigen in aller Ehrfurcht beiwohnen sollen, bringen die Tiaconen die Gabcn zum Aliare vor den Bischof, welcher rcchis und links von den Priestern umgeben ist; zwei Diaconen geben an beiden Seilen des Altares auf den Kelch Obacht, daß nichts hineinfalle. Der Bischof tetet leise mit den Priestern, bezeichnet sich, angethan mit d>m glänzenden Gewände, auf der Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes und spricht: „Die Gnade GottcS dcS VaterS und die Liebe unsers Herrn Jesu Christi und die Gemeinschaft mit dem heiligen Geiste sey mit Euch Allen" und alle antwort.n: „Und mit Deinem Geiste." Bischof. „Hebt eure Herzen empor!" Volk. „Wir haben sie bei Gott." Bischof. „Laßt uns Gott Dank sagen!" V^lk. „So ist eS würdig und recht." Bischof. Ja, wahrhast würdig und recht ist eS ic Volk, Amen. Bischof. Der Friede GorreS sey mit Euch Allen! Volk. Und mit Deinem Geiste (12). Der Diacon fordert auf zum Gebete, daß Goit das Opfer gnädig aufnehmen möge für die Kirche nnd der Bischof betet laut zu Gott. Der Diacon spricht wiederum das „Laßt u»S gesammelt seyn" und der Bischof: „Das Heilige nur für Heilige." Volk: Einer ist heilig. Einer der Herr, Einer ist Christus. Hochgelobt zur Ehre GotteS deS VaterS in alle Ewigkeit. Amen. Ehre sey Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die eines guten Willens sind: Hvsanna den, Sohne Davidö: Gelobt sey, der da kömmt im Namen deS Herrn. Hierauf cvmmunicirt der Bischof, dann die Priester, Diaconen und Subdiaconen, die Lcctoren, Cantonn und Asceten, die Diciconissinen, die Jungfrauen und Wittwen, endlich die Kinder und daS ganze Volk. Der Bischof reicht die Communion mit den Worten: „Der Leib Christi" und der Empfangende antwortet: Amen; den Kelch reicht der Diacon und spricht: „DaS Blut Christi der Kelch deS LebenS" und der Empfangende antwortet: Amen. Während der Communion wird der 33fte Psalm rccitirt; 398 und wenn dieß vorbei ist, nehmen die Diaconen die Ueberbleibsel und bringen sie in den Tabernakel (lg). Hierauf ermahnt der Diacon zum Danke für die Theilnahme an dem kostbaren Fleische und Blute Christi u. s. w. (14) und der Bischof betet die bestimmten Gebete nach der Communioii. Der Diacon fordert die Gläubigen auf, sich zu beugen vor Gott zum Segen und der Bischof betet den Segen über das Volk, zum Schlüsse spricht der Diacon: „Gehet in Frieden" (15). Bei der Priesterweihe legt der Bischof in Beiseyn der Priester und Diacone dem Weihecandidaten die Hände auf und betet über ihn daS'Wcihegebet (16): ebenso legt er dem zu weihenden Diaconen im Beiseyn der Priester und Diacone die Hände auf (17) und betet das Weihegebet (18), dasselbe geschieht bei der Weihe der Diaconifsincn (19, 20) und der Subdiaconen (21); auch dem Lector, welchen der Bischos erwählt h.u, legt er unter Gebet die Hände auf (22). Besonders Bekenncr deS NamenS Jesu machen sich würdig der heiligen Weihen, sie sollen sich aber nicht eigenmächtig diese vindiciren (23); die Ausnahme in den Stand der Gott geweihten Jungfrauen und der Wittwen geschieht nicht durch Ordination, sondern durch ihren freien Willen (24, 25), ebenso wird das Erorcistat nicht durch die Ordination, sondern durch besondere Gnade Gottes verliehen (26). Der Bischof soll wenigstens von zwei Bischöfen ordüu'rt werden (27), die übrigen Weihen ertheilt ein Bischof; ebenso kann mir der Bischof oder Priester den Segen ertheilen und die unter ihm stehenden Grade ercommum'ciren, der Diacon soll nicht taufen oder comccriren, sondern den Gläubigen nur die Commnnion reichen; überhaupt soll kein Kleriker sich die Verrichtungen eincS höheren GravcS anmaßen (23). Die Weihe des WasscrS und des Oelcs kommt dem Viichose zu und in dessen Abwesenheit dem Priester, er spreche dabei daS Weihegebet (29). Die Erstlinge aller Früchte sollen dem Bischöfe, den Priestern und Diaconen gehören, die Zehnte aber werden zum Unterhalte der übrigen Kleriker, der Jungfrauen, Wittwen und Armen verwendet (30); waö vom heiligen Opfer übrig geblieben ist, soll unter die Geistlichen und Di.'coni sinen vertheilt werden (3t). Besondere Vorsicht soll angewendet werben bei der Anfnahme in die Kirche und der Zulassung zur Tause; vor Ällem sollen nur solche aufgenommen werden, welche aus reiner Absicht und mit dem Versprechen, ein wahrhafl christliches Leben zu führen, sich zur Taufe melden. ^ Slle, welche ein verdächtiges Gewerbe treiben, wie Unzüchtige, Zaubererund Wahrsager, Schauspieler, Fechter, Wagcnlenkcr. Schnellläufcr, Mnsicanlen, Tänzer uns Gaukler, oder Verfertiger von Götzenbildern werden nur unter der Bedingung ausgenommen, daß sie ihr Gewerbe soglu'ch verlassen, außerdem werden sie wieder entlassen. Will eine Ungläubige, welche im Concubinat gelebt hat, übertreten, so stll sie angenommen werden, wenn sie nur mit einem Manne zu thun hatte; hat ein Gläubiger eine Eoncubine, und sie ist seine Leibeigene, so soll er sie entlassen, ist sie aber ei>e Freie, so soll er sie zur rechtmäßigen Frau nehmen, Daö Katechumenat dauert rrei Jahre, kann aber abgekürzt werden, wenn cm Katechumene besondere Frömmigkeit und Begierde nach der Taufe zeigi; die Katecheten, wenn sie auch Laien sin?, soüen erfahren seyn im Worte GoteS und ein tugendhaftes, sittliches Leben führen (32). An folgenden Tagen sollen alle Knechlöarbeilen ruhen, nm Satchat zum Gedächtnisse der Schöpfung, und am Tage deS Herrn zur Erinnerung an seine Auferstehung, die ganze Ehar- und Osterwoche, am Himmclfahrtstage, am Pfingstfeste, an Weih nullen, am Feste der Epiphanic, an den Apostelragen, am Tage des heiligen St.phaiiiiS und andirer heiliger Märtyrer (33), Beten sollet ihr zur Morgenstunde, zur dritten, sechsten und neunten Stunde, am Abende und beim Hahnenruf; wenn die Zusummcnkünfte iu den Kirchen von den Ungläudigen mrhindcrt werden, so mag der Bischof die Gläul igen in einem Hause versammeln, und ist auch dieses nicht möglich, so bete und singe Jeder für sich; nur sollen auch da die Katechumenen ausgeschlossen seyn vom Gcbete (34). Wenn der Bischof die Gläubigen zum Abendgebete versammelt hat, und der Abendpsalm (der 149.) gebetet ist, fordert der Diacon auf zum Gebete für die Katechumenen, Energumenen, für die Ncugetauften und Büßenden (35); und nachdem die Lichter angezündet sind, zum Gebete für alle Gläubigen, daß 399 der Herr sie allezeit schützen möge (36); der Bischof spricht nun ein Abendgebet und nachdem der Diacon die Gläubigen ermahnt hat: Inclinste sci impositicmem msnus, ertheilt der Bischof den Abend segen und der Diacon schließt die Versammlung: Lxite in pave. Ebenso wird am Morgen der Morgcnpsalm, dann die Gebete für die Katechumenen, Energumenen u. s. w. gebetet, und nachdem diese entlassen sind, ermahnt der Diacvn zum Gebete, daß Gott diesen Tag und alle Zeit deS LebenS unS'schützen möge (37), der Bischof betet daS Morgen geb et (38), und gibt den Morgensegen; worauf der Diacon: ^dito in psce (39). Auch für die Früchte des Feldes soll das vorgeschriebene Gebet verrichtet werden (4l)), so wie auch für die in Christo Verstorbenen (41); die Erequien für diese werden am dritten, nennten und vierzigsten Tage abgehalten und am Jahrestage ihr Gedächtniß dadurch gefeiert, daß von ihrer Hinterlassenschaft Spenden an die Armen verabreicht werden (42); dieses gilt aber nur von den frommen und gläubig«. Verstorbenen (43); bei den Todtcn- mahlen soll indeß die größte Ordnung, Mäßigkeit und Nüchternheit herrschen (44). Flüchtlinge» welche ihres Glaubens wegen aus einer andern Stadt vertrieben wurden, sollen gastliche Ausnahme und Unterstützung finden (45). Jeder soll zufrieden seyn mit der Stelle, welche er in der Kirche einnimmt und die Ordnung Christi nicht stören, kein Kleriker aber soll ein höheres Amt in der Kirche sich anmaßen (46). (Nun folgen die kirchlichen, apostolischen Canones.) Kirchliche Notizen. Königsberg. Am 15. Nov. Vormittags 10^ Uhr versammelten sich die Mitglieder der „evangelischen Dissidenten" im Kneiphöfischcn Junkerhofe zum Gottesdienst. Es waren 48 männliche und 1!3 weibliche Personen anwesend. Zu orderst wurt>e das Lied:, „Wenn Einer alle Kunst und Weisheit hätte zc," gelungen und dann von Dr. Rupp ein Vortrag über: „Was Wahrheit ist, ron der Christus gelehrt," gehalten. Darauf wurde eine Tause abgehalten, vor weicher das Lied: „LiebeS Kind lieblich und mild :c " gesungen wurde, Dr. Rupp legte dem Kinde die rechte Hand auf die Stiine mit den Worten: „So sey gegrüßt, Anna Louise," womit die Handlung beendet war. Während des Gottesdienstes wurde kein Gebet verrichtet. » » » DaS „Magdeb. Jüd. Voiköbl," bringt folgende Neuigkeiten im Jndenlhum: In Berlin wohnten 1839: 6028 Juden, 185V: »946, jetzt über 13,000 — DaS preußische Ministerium hat entschieden, das jüdische Stadtverordnete bei der Wahl der Provinzial-LanstagSal'gcoidnklen nicht mitwählen dürften. Der oberste Medizinal- Director der Heilanstalren bei der französischen Armee in der Krim ist ein Jude, Dr. Michael Levy, — In Nordamerika ist im Jahre 5614 ein Jude, Herr Benjamin, zum Senator, ein anderer, Herr Cohn, zum Repräsentanten gewählt worden; der amerikanische Gesandte in Span en, Svnlcz, ist ein Jude, und der Agent der ameri'a- nischen Regierung in Biüssel, Belmont, ebenfalls, — In demselben Jahre sind 8000 Juden dort eingewandert. » » » PiuS lX. Es war im Jahre 1844 oder 1845, in den Carnevalötagen, zu Jmola, wo kardinal Masten damals den bischöflichen Stuhl einnahm. Vr dem zum 40stündigen Gebete ausgestellten heiligen Sacramenle kniete der fromme Oberhin in der unterirdischen Capelle (Crypla) der Haupikirche, als von Seufzern unterbrochenes Geschrei und herzzerreißende Klagen in sein Ohr drangen. Der Bischof eilt hinauf, findet einen von Dochstichen schwer verwundeten Mann, kauert sich zu ihm nieder, befragt ihn leise über seinen Unfall, hebt ihn auf, legt ihn auf seine Kniee und forscht emsig nach der verwundeten Stelle. Auch schickt er durch den ersten besten nach einem 400 Arzt. Darüber stürzen die Mörder in den Tempel, und wollen ihr Opfer vollenvs tönten. Der ehrwüidige Mastai tritt ihnen mit ernst wehmüthiger Miene entgegen: „Wie," spricht er, „ihr habt den Muth, diesen Unglücklichen bis zu den Füßen des lebendigen GotteS zu verfolgen! Genügt's euch nicht, sein Blut vergossen zu haben? Ihr wollt'S also auch noch trinken!" Die erschreckten Mörder entfliehen, und als der inzwischen angekommene Arzt das nahe Ende deS ManneS verkündet, hört der Cardinal diesen Bericht, spricht ihn los, segnet ihn und empfängt bald darauf seinen letzten Seufzer. Darauf entfernt sich der hohe Seelenhirt, aber nicht eher, bis er alles Nöthige zur anständigen Bestattung deS Verblichenen angeordnet. Und jener Cardinal ist, wie gesagt, unser nunmehriges Kirchenoberhaupt, unser PiuS IX. » * » » Chartum. Nach dem letzten Schreiben des Tiroler Missionärs Gostner in Afrika vom 27. Aug. d. I., ist derselbe gesund, und eben so auch der Herr Provicar Knoblecher, welcher bei Abgang deS Briefes eben im Begriffe war einen Bericht vom „weißen Fluß" zu verfassen. Wie Hr. Gostner meldet, befinden sich gegenwärtig 25 Knaben in der Missionsschule zu Chartum, wovon die Mehrzahl bereits getaufc ist, und die alle gute Fortschritte machen. Hr. Gostner ertheilt darin seit dem Tode des hochwürdigen Hrn. Haller den Religionsunterricht. Sein Hauptaugenmerk, schreibt er, sey auf ihren Neubau gerichtet; jedoch möge eS wohl noch zwei Jahre dauern, bis die Missionäre ihre Erd-Hütten mit einer festern Wohnung werden vertauschen können. Unverhohlen drückt er seine Freude über die Nachricht aus, daß Verstärkung für die Gesellschaft im Anzüge sey und daß darunter Landsleute sich befinden. Brauchen sie ja doch Leute, und zwar solche, die voll himmlischen Muth.es und ohne irdische Absichten sich ganz dem Dienste GotteS weihen wollen. Interessant ist, was er von den koptischen Christen, ihrer Kirche, ihren Priestern und ihrem Erzbischof in Chartum berichtet. Tiefe religiöse Nersunkcnheit, grobe Unwissenheit und Erstarrung im äußerlichen Formenwesen kennzeichnen diese monophvsmsche Secte Afrikas, wie ihre Schwester in Asien. Hr. Gostner erkannte bei seinem Besuche der koptischen Kirche, eines sehr großen viereckigen, durch eine Quermauer in zwei Theile abgesonderten Zimmers, den Erzbischof nicht, so zerlumpt und schmutzig sah der Mann auS. Erst als er einen schwarzen Mantel mit ungeheuern Klunkern übergeworfen, hielt er ihn für einen Priester. Daß er der Erzbischof sey, mußte er selbst sagen. Seine Wohnung fand er schmutzig, ohne alle Einrichtung und ohne Buch. Von den Priestern, schreibt Gostner, daß sie förmlich gepreßt weroen. Der nächste beste Schreiber, Schuster oder Schneider wird im Falle deS Bedürfnisses ergriffen und so lange eingesperrt, bis er sich gutwillig weihen läßt. Ihr Unterhalt für Weib und Kinder sind die Stolgebühren, mit denen sehr simonistisch umgegangen werde, und die Sammlungen. Sie seyen sehr unwissend und können in der Negel außer ihrer Messe, die sie auswendig gelernt haben, weder lesen noch schreiben. In der Kirche beim Gottesdienste soll eS, nach dem Berichte von Augenzeugen, gar toll hergehen. Bei der Predigt rufe der nächste Beste: Das ist nicht wahr! Du bist ein Lügner, halte das Maul u. s. w,, und beim übrigen Gottesdienste schreie bald der Eine, bald der Andere: Mach, daß du einmal fertig wirst, du Faullenzer! Beim Herausgehen auS der Kirche habe ein Missionär Alle an Stücken Brod nagend gesehen. Auf die Frage, was das wäre, sey ihm erwiedert worden: sie thäten communiciren. Daß eS mit der Sittlichkeit bei diesem Volke eben nicht gut aussieht, läßt sich leicht denken, zumal auch die Vielweiberei unter ihm herrscht. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag»-Inhaber: F.