Vierzehnter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Augsburger Poſtzeitung. 1. Januar Nʳ· 1. 1854. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 10 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Chriſtus iſt geboren.*) — Es iſt ſehr unrecht vom Pfarrer, daß er da drüben in der Kirche immer ſo übel von den Dornen redet!— ſagte der Dornbuſch, der vor dem verfallenen Stallgemäuer der Schloßruine der Dorfkirche gegenüberſtand.— Es iſt ſehr unrecht von ihm, denn er kann ja z. B. nicht wiſſen, was es mit mir für eine Bewandtniß hat!— Auf dem Blutsacker bei Golgatha da ſtand vor bald 2000 Jahren mein Stammbaum, ein Kreuzdorn, aus deſſen Zweigen flochten ſie die Dornenkrone des Heilandes. Der Pfarrer drüben aber weiß nicht, daß ich von dieſem Kreuzdorn ſtamme, daß alle directen Abkommen desſelben rothe Blüthen treiben, in der Chriſtnacht blutige Thränen weinen, und daß wir Dornen uns ewig verjüngen wie Chriſti Lehre, denn wir ſind ja mit ihr verflochten! So ſprach der Dornbuſch. Und da fuhr der Wind in ſeine Zweige und ſchüttelte fie, daß Schnee von denſelben fiel. — Freilich, die Bewandtniß muß man kennen, ſagte der Dornbuſch. Es war nun aber eben Chriſtnacht, und Mitternacht nahte heran, und darum ſtellte der Dornbuſch ſeine frommen Betrachtungen an, die er indeß auch an andern Tagen hegen mochte, wenn es mit ſeiner Abkunft wirklich„die Bewandtniß“ hatte, deren er ſich rühmte. Inzwiſchen läutete man in der Kirche zur Chriſtmetten und der fromme Pfarrer ſchritt daher, um den Gottesdienſt zu halten. — Da geht er gleichgiltig an mir vorüber! — ſagte der Dornbuſch.— Natürlich: er kennt ja meine Bewandtniß nicht! Und die übrigen eilen auch alle an mir vorbei in die Kirchen, und wenn der Herr Gott nicht ins Verborgene ſchauen könnte, er würde ſeine Gläubigen an den Fußſpuren erkennen, die von den Häuſern in die Kirche führen. Aber er kennt ſie Alle, denn er leitet ja ihre Spuren.. Ich jedoch kenne Zwei im Dorfe, die nicht heute und nicht das ganze Jahr in die Kirche gehen, weil ſie gottlos ſind; es iſt der finſtere Schloßherr und der wilde Steffen, den der Erſtere geſtern aus ſeiner Hütte gejagt, weil er den Miethzins nicht bezahlt, und deſſen armes Weib mit ihren halbnackten Kindern nun hier in dem verfallenen Stalle liegt, vor dem ich Wache halte. — Ich muß mich doch einmal nach der armen Frau und dem kranken Kinde umſchauen!— ſagte der Dornbuſch und rankte ſeine Zweige, um in das zerbrochene Fenſter zu blicken. Aber es war dunkel drinnen und der Nachtwind ächzte an den feuchten Wänden und durch das offene Fenſter. — Ach Gott, das arme Weib iſt ſo gut und doch ſo elend! Hier in dem Stalle ſind Jammer und Zähneklappern heute die Chriſtbeſcheerung. Das iſt doch zu traurig! ſeufzte der Dornbuſch. — *) Mit einigen Aenderungen aus Hans von Wachenhauſens unter dem Titel:„In der Mondnacht“ kürzlich erſchienener Mährchenſammlung. 2 Und, drüben in der Kirche begann die Orgel mit den feierlichen Tönen. — Chriſtus iſt geboren! ſang die Gemeinde dazu von dem Chore und von den Bänken. — Chriſtus iſt geboren! rief auch der Wächter vom Thurme herab. Und der Dornbuſch hatte Recht. Drinnen in deu alten, verödeten Stalle lag ein armes Weib auf den Knieen und betete. Heiße Thränen rannen über ihre Wangen, krampfhaft hatte ſie die Hände gefaltet, ſtarr heflete ſie das Auge auf das Stroh, das ſich in der alten ſteinernen Krippe befand, denn in dieſer Krippe lag ihr Jüngſtgebornes, ein halbjähriges krankes Kind, zitternd vor Fieberfroſt und Kälte. Der Mond ſchien durch die Fenſteröffnung auf dieſe Gruppe, mitleidig ſielen ſeine Strahlen auf das kranke Kind; aber ſie konnten es nicht wärmen und die Mutterbruſt vermochte dieß auch nicht mehr, denn ſie war ja ſelbſt ſo eiſig. Und durch die Spalten des morſchen Daches, deſſen Lücken der Schnee bedeckte, fielen zu Hundertlauſenden die kleinen glitzernden Schneeſternchen herab und ſpielten in den Mondſtrahlen. Aber auch ſie leuchteten und wärmten doch nicht. Heiland der Erde, der Du in dieſer Nacht geboren wardſt, der Du lebteſt und ſtarbſt für uns Alle, der Du heute in einer Krippe lagſt, wie dieſes arme hilfloſe Geſchöpf, rette, o rette mein krankes Kind! — So betete das unglückliche Weib, und die kalten Händchen des Kindes ſtreckten ſich jammernd nach der Mutter aus. Ihre Kraft aber war gebrochen, ermattet ließ ſie die Stirne auf den eiſigen Rand der Steinkrippe ſinken, ihr Auge ſchloß ſich, ein tiefer Seufzer entrang ſich ihrer Bruſt. Tage und Nächte hindurch hatte ſie gewacht, Tage und Nächte des tiefſten Elendes hatte ſie verlebt; jetzt aber brach ſie zuſammen und der Schlummer erbarmte ſich ihres Jammers. — Du armes Weib, wo iſt dein Gatte? Du armes Kind, wo iſt dein Vater? — ſagte mitleidig der Dornbuſch draußen, ins Fenſter ſchauend. Ja, wo war der Gatte, wo war der Vater? — Der wilde Steffen, wie man ihn im Dorſe nannte, war, wie geſagt, geſtern Abend mit Weib und Kind aus ſeiner Hütte gejagt worden; er hatte bei ſeinen Nachbarn ein Obdach geſucht, die aber hatten von ihm nichts wiſſen wollen, denn ſie fürchteten ſich vor dem gottloſen Steffen, der nie gut gethan, wie ſie ſagten. Und ſo war er dann mit den Seinen in das verlaſſene Stallgemäuer gezogen. Dann aber waͤr er racheſchnaubend fortgeeilt und vergebens hatte ſein Weib, ein Unglück befürchtend, ihn zurückzuhalten geſucht. — Wo war der wilde Steffen? — Die Glocken läuteten, die Orgel tönte, die Gemeinde ſang fromme Lieder in der Kirche und der brave Pfarrer ſtand am Altare und ſang: „Ehre ſey Gott in der Höhe, und Friede den Menſchen auf Erden, die eines guten Willens ſind.“ Droben in dem alten Schloſſe aber in einem unheimlichen Gemache ſaß neben dem längſt erloſchenen Kamin ein Mann mit finſteren, abſtoßenden Geſichtszügen. Es war der Schloßherr, ein hartherziger Mann, den man fürchtete, ſo weit ſeine Gränzen reichten. Das Licht vor ihm auf dem Tiſche war tief herabgebrannt, ſein Antlitz war ſtarr und regungslos, ſein Auge geſchlofſen. Es ſchien, als ſchliefe er, aber er war ſo entſetzlich bleich. Und während nun unten in den Hofgebäuden die Dienerſchaft ſich tummelte, ſchlich ein Mann die Treppe hinauf und durch den finſtern Corridor. Leiſe öͤffnete er die Thüre des großen Gemaches, leiſe trat er herein und neben den Seffel, in welchem der Gutsherr ſchlummerte. Das Auge des Fremden leuchtete in wilder Gluth, ein Hohnlachen entſtellte ſeine verwitterten Züge. Einen Blick that er ſcheu im Zimmer umher. Ein Meſſer glänzte hoch in ſeiner Rechten, die Linke packte die Hand es ſchlafenden Gutsherrn. Das Meſſer zuckte — — — Chriſtus iſt geboren! ſang man in der Kirche drüben. Der wilde Steffen fuhr entſetzt zurück, die Hand des Gutsherrn war eiſig kalt; er hatte eine Leiche gefaßt. — Chriſtus iſt geboren! rief auch der Thürmer herab, denn der Gottesdienſt war zu Ende und die Gemeinde eilte nach Hauſe. ⸗ 3 Das Meſſer entſank Steffens Hand; noch einmal ſtarrte er die Leiche an; es war ihm, als ſchlage ſie ſtrafend das kalte Auge auf. Sein Antlitz mit beiden Händen verhüllend, ſtürzte Steffen fort. Niemand hatte ihn in das Haus ſchleichen ſehen, Niemand ſah ihn jetzt vor dern verödeten Stalle verweilen und durch das Fenſter ſtarren — Niemand außer dem Dornbuſch. Fürchterlich bleich ſchaute Steffen in das Innere des Stalles; dort ſah er ſein Weib knieen, eben ſo regungslos, wie die Leiche dort oben im Schloſſe, nur ſchöner; und mild und rein wie die Unſchuld das Kind in der Krippe. Da rannte Steffen fort, ſich ſelbſt unbewußt ſtürzte er durch die offene Kirchenthüre und ſank ohnmächtig an den Stufen des Altares nieder. Der Pfarrer aber ging ſo eben nach Hauſe. Er kam an dem Dornbuſch vorüber und ſah zwei kleine Knaben unter demſelben im Schnee ſitzen. Sie froren und bargen ihre rothen Händchen in den Lumpen. — Nimm ſie mit dir! — ſagte der Dornbuſch zum Pfarrer, es ſind die Kinder des wilden Steffen; ſie wagen ſich nicht hinein, aus Furcht, daß der Vater ſie ſchlage, weil ſie mit leeren Händen nach Hauſe kamen! — Nimm ſie mit Dir, denn ich kann ſie nicht erwärmen; ich bin ja ſelber arm und nackt! Wir wiſſen nicht, war es der Dornbuſch, oder das Herz des Pfarrers, das alſo ſprach; er aber nahm die Kinder mit ſich in ſein Haus. — So, nun habe ich doch eine Sorge weniger! ſagte der Dornbuſch zu ſich ſelbſt. — Jetzt zünden ſie hier — und da — und dort ſchon den Chriſtbaum an! Wie ſchade, daß ich dort nicht unter den Fenſtern ſtehe, denn hier in dem öden Stalle wirds nichts zu ſehen geben. Aber der Dornbuſch irrte, denn das Innere des Stalles erhellte ſich alsbald mit tauſendfachem Licht. Noch immer knieete das arme Weib mit geſchloſſenen Augen da, aber das kranke Kind, es wachte und ſtreckte lächelnd ſeine kleinen Arme aus, denn das Dach öffnete ſich und herabſchwebten, von einer Lichtwolke umgeben, zwei wunderliebliche Engel, von denen der eine einen kleinen Chriſtbaum mit unzähligen Lichtern, der andere aber köſtliche Geſchenke trug. Und es ward warm, in dem Stall und das Licht warf einen ſolchen Schein über die Straße, daß der Dornbuſch ſich verwunderte. Es iſt doch keine Hütte ſo ſchlecht, wo in dieſer Nacht nicht Chriſtus wäre! — ſagte er. Die Engel aber ſchwebten herab und während der eine den Chriſtbaum beſcheerte, trat der andere zu dem kranken Kinde und legte heilend ſeine Hand auf deſſen Bruſt. Dann ſchwebten ſie wieder hinauf und verſchwanden; in dem Stalle aber blieb es Licht. Inzwiſchen aber lag der wilde Steffen auf den kalten Altarſtufen. Endlich kam er jedoch wieder zum Bewuüßtſeyn. Er hob den Kopf vom Stein; er hatte ein wunderbares Geſicht im Traume gehabt, denn er hatte zwei liebliche Engel geſehen, die ſegnend ihm zur Seite traten; und jetzt eben noch, da er erwachte, ſah er ſie neben ſich ſtehen, er fühl‘e, wie jeder von den Engeln ſein warmes Händchen in die ſeinige legte und ſie ihn zur Kirche hinausführten. Steffen war es, als träumte er noch, als werde er im Schlafe von den beiden kleinen Engeln vor die Kirche und zu dem Stalle geführt, in welchem er ſein armes Weib, ſeine jammernden Kinder wußte. Willig ließ er ſich führen; als er aber unter ſein ödes Dach trat und er hier alles warm, licht und hell ſah, als er die Chriſtbeſcheerung gewahrte, da rieb er ſich die Augen, er ſtarrte auf die Engel hinab, die ihn hierher geführt und noch an ſeiner Seite ſtanden. Steffen erkannte, in ihnen ſeine beiden älteſten Knaben, feſtlich und ſchön gekleidet, wie er ſie nie geſehen. Noch immer glaubte er, es ſeh ein Traum. Er hob die beiden Kinder in ſeine Arme; er hielt und küßte ſie — — Nein, das konnte kein Traum ſeyn. — Chriſtus iſt geboren! — rief der Wächter vom Thurm herab. — Ja, ja, er iſt geboren, und auch in mir iſt er es! — rief Steffen aus und mit den beiden Knaben im Arme ſtürzte er zu ſeinem Weibe; er umſchlang ſie, drückte ſie an ſich und rief: Hanne, erwache, Chriſtus iſt ja geboren! 4 Und ſie ſchlug die Augen auf und ſchaute verwundert umher. — Wie iſt mir denn? — rief ſie. — Biſt du es wirklich, Steffen? — — Und dieſes Licht hier? — Iſt es denn wahr, was mir träumer? — Zwei Engel ſah ich kommen, ſie trugen einen Chriſtbaum und ſchöne Geſchenke, und der eine trat an die Krippe hier und legte heilend die Hand, auf meines Kindes Bruſt ! — — Ja, ja, es iſt wahr! Es lebt! — jauchzte ſie, nahm das lächelnde Kind aus der Krippe und drückte es an die Bruſt. —— Es iſt wahr, Steffen! — rief ſie, das Kind in ſeine Arme legend. — Der Heiland iſt gebören, er hat mir auch mein Kind nicht ſterben laſſen! Und während ſie Alle die Chriſtbeſcheerung anſtaunten, trat der Pfarrer hinter dem Chriſtbaum hervor, denn er war es, der durch zwei brave Kinder aus der Gemeinde die Weihnachtsbeſcheerung geſandt, er war es, der den wilden Steffen an den Stufen des Altars hatte hinſinken ſehen, er war es, der ſeine Knaben feſtlich gekleidet und ſie zu dem Vater in die Kirche geführt hatte. — Chriſtus iſt geboren, — ſagte der Pfarrer, — und Er will, daß er heute auch in der kleinſten Hütte nicht fehle. Wo er aber zum erſtenmal einkehrt, das iſt in Euerem Herzen, Steffen; wahrt ihn dort wohl, denn Ihr wiſſet, es iſt im Himmel mehr Freude über einen bekehrten Sünder, als über neunundneunzig Gerechte!— Und der Dornbuſch ſchaute noch immer ins Fenſter, es rauſchte vor Freuden in ſeinen Aeſten, und wie es der Kreuzdorn in jeder Chriſtnacht thut, trieben ſeine Zweige purpurrothe Augen, die weinten blutige Thränen in den Schnee. Am Morgen aber ging Steffen mil Weib und Kindern zur Kirche, und es mußte in der Zwiſchenzeit noch etwas weiteres zwiſchen ihnen und dem Pfarrer vorgegangen ſeyn, was in ihrem leiblichen wie in ihrem Seelenzuſtand eine Veränderung hervorbrachte; denn man ſah fie beide in beſcheidener aber anſtändiger Kleidung, in tiefer Andacht zum Tiſche des Herrn hintreten. Die Leute des Dorfes aber gingen in Feſtkleidern an dem Dornbuſch vorüber, und als ſie den Schnee unter ihm gleichſam init rothen Perlen beſtreut ſahen, riefen ſie: Seht nur, der Kreuzdorn hat in der Nacht rothe Blüthen getragen! — Ja, — antwortele der Kreuzdorn, — denn Chriſtus iſt ja geboren! Wir Dornen, wir wiſſen es, denn wir haben ihn ja im Tode gekrönt, und ihr Menſchen, ihr müßt es auch wiſſen, denn er ward ja für euch gekreuziget! Bilder aus Jeruſalem mit und ohne Rahmen. (November 1853.) Jeruſalem iſt die Stadt der Leiden, und der Herr hat mir auch meinen Antheil zugewogen; ich habe aber die Schaale bereits geleert, und darum finden Sie mich auch ſchon vor meiner Staffelei, bereit, einige Bilder aus Jeruſalem für Sie zu zeichnen. I. Eine Wunde am Fuße, die mir der Stich eines giftigen Inſektes vor ungefähr fünf Wochen zugezogen, hinderte mich während der genannten Friſt an weiteren Ausflügen; ich muß mich daher bei dem Entwurfe meiner Bilder zumeiſt auf den engern Bezirk der Stadt beſchränken. Aber auch in der Stadt bin ich dieſe Zeit nur wenig umhergekommen; denn, wie geſagt, ich habe mein Leidensſchälchen, und nebenbei auch etliche Medicinſchalen, leeren müſſen. Der Fremde, welcher die heilige Stadt zumal in den Monaten Auguſt, September und October beſucht und innerhalb ihrer Mauern längere Zeit verweilt, entgeht nicht leicht der Gefahr der Fieber, welche um dieſe Zeit herrſchend ſind und beren Charakter ſich meiſt von ziemlich hartnäckiger Natur erweist. Selbft die an das Klima ſchon mehr gewöhnten Franciscaner blieben nicht verſchont, und es zählte die Infirmerie verfloſſenen Monat (September) nicht weniger als 17 Patienten des Salvatorkloſters. „Si deye pagare“ iſt in dieſem Sinne hier zum Sprüchworte geworden, und auch ich habe meinen Tribut redlich bezahlt und den ſatalen Kampf mit dem gefährlichen Feinde beſtanden, wobei ich nicht umhin kann, der freundlichen Theilnahme und liebevollen Pflege dankbar zu gedenken, deren 5 ich mich von Seite der guten Väter Franciscaner erfreute. — Doch ſoll ich Ihnen einen fiebergeplagten Pilger auf dem Krankenbette malen? Dieß Bild wäre für ſeine Unbekannten gar wenig gedeihlich, und für ſeine Bekannten nicht ſonderlich erfreulich. Laſſen wir's alſo und verſetzen wir uns in die Zeit, da ihm das Fieber noch nicht die Kraſt geraubt, die ex in dem folgenden Bilde bei hellem Tage von Nöthen haben wird! II. Jeruſalem hat den Friedensfürſten an das Kreuz geſchlagen und ſein Wort verworfen; darum iſt auch der Friede von ihm gewichen und wir ſehen in jeder ſeiner ſpätern Perioden den Ausſpruch des Propheten erfüllt, der da klagt: Peccatum peccavit Jerusalem; propterea instabilis facta est! (Jerem. I, 8.) Dieſe Wahrnehmung ergibt ſich auch heut zu Tage im Kleinen wie im Großen. — Es war am Morgen des 27. Septembers, als ich, allein die Stadt durchwandernd, durch die enge und ſchmutzige Hareth el Mugharibeh zwiſchen Aäſern und Pharoafeigen gegen die Reſte der alten Tempelbrücke, welche Zion mit dem Morijah verband, mich wandte, und den Klageort der Juden, Chotel Maarabeh, beſuchte, wo ich am Fuße der alten Tempelmauer noch 10 Lagen der in glücklicheren Tagen auf einander gelegten großen Bauſteine zählte, und eine Weile in ſtiller Betrachtung verbrachte. Als ich wegging hetzten muhamedaniſche Kinder, die bis dahin ganz ruhig in meiner Nähe geſpielt, mir die Straßenhunde nach, die ich Mühe hatte mit Steinen zu verjagen, da ſie erſt wichen, bis ich einen an den Kopf getroffen, daß er heulend flüchtete. Ich mußte nnn, etwas zurückgehend und in ein zur Linken aufwärts führendes Gäßlein biegend, durch ein kleines offenes Thor etwa dem Gebiete der Moſchee zu nahe gekommen ſeyn — oder ſollte wohl ein anderer Grund, mein Talar vielleicht, Anlaß gegeben haben? ich weiß es nicht; kurz, es faßten mich plötzlich zwei Männer, einer am Arme, der andere an der Bruſt, und lärmten mir einige arabiſche Schmeichelreden eifernd und geſtikulirend in die Ohren, von denen ich aber leider nichts verſtand. Ich hoffte ganz einfach los zu kommen, indem ich die Gewalt des mächtigen Zauberſpruches: „Bakſchiſch“ (Geſchenk) verſuchte, aber ſie ließen nicht los, ſondern ſchrieen und zerrten an mir wie vor, und ich war nun auch wenig gewillt, durch Hervorziehen meiner Börſe deren Verluſt und obendrein vielleicht noch andere Unannehmlichkeiten zu riskiren ſondern verſuchte in Gottes Namen Gewalt gegen Gewalt, und es glückte. Ich machte durch eine raſche Bewegung meine Linke frei, wobei der ſchwarze Mughrabiner an einem Steine ſtrauchelte, und gewahrte nun meines Vortheils dem andern Gegner gegenüber, den ich durch einen kräftigen Stoß gegen die Wand rannte, — dann aber ſelber ſah, wie ich mit meinem leidenden Fuße möglichſt ſchnell auf dem fatalen Boden weiter kam. Als ich, unten angelangt, zurückſah, ob ſie mir etwa nachſetzten, rief der Eine vom Thorwege herab: „Bakſchiſch“! Originell genug! Ich entgegnete drohend: „Mafiſch“! (nichts dal) und ging, da ich ſah, daß ſie mich in Ruhe ließen, im gemeſſenen Triumphatorſchritte weiter. Es flogen mit aber zur guten Letzt ein paar Steine nach, die jedoch glücklicher Weiſe nicht trafen. Ich hatte mir indeß auf meiner Eilfahrt vom Thorwege herab den wunden Fuß angeſtoßen und neuerdings beſchädigt, was mir die Begegnung meines Dragomans doppelt willkommen machte, der, ſeine Verſpätung entſchuldigend, verſicherte, er habe mich ſchon dreiviertel Stunden auf dem Tags zuvor bedungenen Wege geſucht, und ſey, da er gerade hier angelangt und mich mit den beiden Türken erblickt, eben im Begriffe geweſen, mir zu helfen. (? )„Mafiſch!“ — — So was kann Einem jetzt bei hellem Tage in Jeruſalem paſſiren! Die Franciscaner gratulirten mir, daß ich ſo gut davongekommen, und erzählten mir eine Geſchichte, die ſich vor nicht gar langer Zeit hier zugetragen und der zufolge ein fränkiſch gekleideter Türke in der Nähe der großen Moſchee ähnlicher Weiſe von ein paar fanatiſchen Leuten angefallen und von Soldaten, die auf den Lärm herbeigeeilt waren, mit Säbelhieben zerſtückelt worden war. Schönen Dank für die Ehre und vielen Reſpekt vor derlei arabiſchen Gebräuchen! — Ich muß indeß wohl auch des Grundes gedenken, warum die Mohamedaner hier ſo fanatiſch das Gebiet ihrer großen Moſchee vor Beſuchen der „Ungläubigen“ 6 verwahren: ſelbe ſteht nämlich ihrer Anſicht zufolge dem Range nach der Moſchee von Mekka zunächſt. Der Moslem ſagt:„Syrien iſt das geſegnete Land, Paläſtina das heilige, die heilige Stadt die heilige der heiligen; der heiligſte Theil der Welt iſt Syrien, der heiligſte Theil von Syrien iſt Paläſtina, der heiligſte Theil von Paläſtina iſt die heilige Stadt (Jeruſalem), der heiligſte Theil der heiligen Stadt iſt der heilige Berg, der heiligſte Theil des heiligen Berges iſt die Moſchee, der heiligſte Theil der Moſchee iſt die Kapelle.“ Ueberdieß beſteht eine Tradition, der zufolge jeder Chriſt der Erfüllung der Bitte theilhaft werden ſolle, die er aus dieſer Moſchee zum Himmel ſchicke — und da läge denn natürlich die Bitte am nächſten, daß Gott die heilige Stadt den Türken emreißen und in die Hände der Chriſten geben wolle. Cotovicus ſagt:„Der Chriſt, welcher in ihr(der Moſchee) ergriffen wird, hat nur die Wahl, entweder ſeinen Glauben abzuſchwören, oder geſpießt, oder verbrannt zu werden;“ und die muhamedaniſchen Eiferer hier behaupten, der Sultan ſelbſt könne einem Nichtmuhamedaner wohl die Erlaubniß zum Hineingehen in die Moſchee ertheilen — aber nicht zum Hinausgehen! Deßungeachtet erhielt der Engländer Richardſon durch Omar Effendi, den er von einem Augenübel befreite, zum Danke die Erlaubniß des Beſuches der Moſchee, wie auch De Hayes, Ludwigs XIII. Geſandter, der aber keinen Gebrauch davon machte. Uebrigens ſcheint die einſtige Pietät für dieſen Tempel doch heut zu Tage ſchon bedeutend abgenommen zu haben, ſonſt wäre das Volk wohl kaum ſo gleichailtig geblieben, als der Paſcha vor etwa vierzehn Tagen einen Theil des Bleidaches dieſer Moſchee herunterreißen ließ, um den Räuber Abu Goſch mit Kugeln für die Gewehre ſeiner Leute zu verſehen! (Schluß folgt.) Döllinger und Bunſen. Bunſen's Werk über Hippolytus und Kalliſtus — das als eine herzerhebende Forſchung zu Gunſten des Proteſtantismus und zu Schädigung der katholiſchen Kirche vom Herrn Ritter Bunſen der deutſchen und engliſchen theologiſchen Gelehrtenwelt zugleich aufgehalſet wurde, indem es un deutſcher und engliſcher Sprache erfchien — hat in den meifſten deutſchen Blättern einen wahren Siegesjubel hervorgerufen. Es regnete Lob und Anerkennung; die „Augsburger Allgemeine“, welche bei derlei Lobſpielen nie zurückbleibt, gab ihren Trompeten- und Paukentuſch darein, und eine proteſtantiſche Fakultät, die von Bonn, beeilte ſich, dem Ritter von Bunſen auf ſäuberlich abgeſchabter Eſelshaut in Demuth das Ehrendiplom eines Doctors der Theologie zu überreichen. Die letztere Haut⸗Angelegenheit findet ihre politiſche Erklärung darin, daß Ritter von Bunſen als hochgeſtelſter preußiſcher Beamter zu Berlin eine bedeutende Stimme hat, und daß Bonn in Rheinpreußen liegt, und daß man zu Bonn von Berlin aus allerhand werden kann. Denn für das Bunſen'ſche Werk — als Machwerk, als theologiſche, kirchenhiſtoriſche Abhandlung, kann doch die Fakultät zu Bonn nicht in ſo blöder Unwiſſenheit befangen geweſen ſeyn — ein Doctordiplom herzugeben; das galt hier offenbar der großen Perſon und nicht der kleinen Sache, dem fehr ſtarken Mann und nicht dem ſehr ſchwachen Buche. Und doch allenthalben ein heilloſer Lärm und ein unbedingtes Lob, daß ſelbſt ſchwache Katholiken darüber verblüfft wurden. Da kam denn nun ein ordentlicher Theologe, ein Doctor der Theologie, der einer iſt, und nicht einer, der ein ſolcher heißt, der Stiftsprobſt und Profeſſor zu München J Döllinger heran und ſchrieb folgendes Werk: „Hippolytus und Kalliſtus, eder die römiſche Kirche in der erſten Hälſte des dritten Jahrhunderts. Mit Rückſicht auf die Schriften und Abhandlungen der ​​​​H. H. Bunſen, Wordsworth, Baur und Gieſeler. Von J. Döllinger, Regensburg. Manz, 1853.“ Nun nehmen aber wir die Lob- und Siegestrompete in die Hand, und zwar mit Recht, wir ſagen, daß im Fache kirchenhiſtoriſcher Kritik in Deutſchland ſchwerlich irgend wer ſeyn dürfte, der ſich an Schärfe des Geiſtes wie an Beſitz hiſto 7 riſcher und dogmen⸗hiſtoriſcher Wiſſenſchaft, wie ſie zu obiger Kritik erfordert wird — mit Döllinger meſſen wollte, und wir können hier bei dieſer Behauptung ſelbſt Herrn Ritter von Bunſen nicht den Gefallen thun, mit ihm eine Ausnahme zu machen. Die Schrift Döllingers iſt ein wahres Meiſterwerk— und wer nur halbwegs eine Freude an hiſtoriſcher Kritik hat und den die Sache überhaupt intereſſirt, der wird dieſelbe mit ſteigendem Intereſſe durchleſen. Bunſen iſt darin mit einer Leichtigkeit der Behandlung ſo kaffeemühlartig zerrieben durchgefallen, daß ſich vorausſetzen läßt, unter allen Doctoren der Theologie und allen Gelehrten deutſcher Zunge wird derſelbige Bunſen jener Mann ſeyn, deſſen Conſtitution Döllingers„Hippolytus und Kalliſtus“ am wenigſten zuſagen kann. Im Vorwort äußert ſich Döllinger über Bunſens Schrift:„Den Druck dieſer Schrift, zu deren Herausgabe ich unmittelbar nach dem Erſcheinen der Philoſophumena mich entſchloſſen, habe ich verzögert, bis das ſo lange vorher und ſo oft angekündigte Werk des Hrn. Geheimenraths Bunſen erſchienen ſeyn würde. Meine Hoffnung, durch ein ſo ausführliches, denſelben Gegenſtand behandelndes Werk irgendwie belehrt und gefördert zu werden, wurde nun zwar vollſtändig getäuſcht; denn die Unterſuchung über das, was mir die Hauptſache war, die Perſönlichkeit des Hippolytus und den hiſtoriſchen Gehalt ſeines Berichtes, iſt, wie ich bald ſah, in dem Werke des Herrn Bunſen in einer Weiſe geführt, die es mir unmöglich mächte, auch nur den geringſten Nutzen davon zu ziehen; wie denn dieſe hiſtoriſchen Fragen überhaupt bei ihm von untergeordneter Bedeutung ſind, während das Hauptintereſſe des Werkes für den Verfaſſer wie für das Publicum in jenen viel breiteren Partieen desſelben liegt, in denen er ſeiner lange gehegten Antipathie gegen die katholiſche Kirche, ihre Lehre und Verfafſung, ſo wie gegen die im Proteſtantismus noch enthaltenen altkirchlichen Reſte Worte geliehen, und für Anpreiſung ſeiner auf dem Papier bereits fertigen „Kirche der Zukunft“, deren Aufrichtung in kürzeſter Friſt wirklich vor ſich gehen ſoll, ſich Raum und Gelegenheit geſchaffen hat. Ich habe daher nur zwei Abſchnitte aus dem erſten Bande des Bunſen'ſchen Werkes einner näher eingehenden Kritik unterworfen, überzeugt, daß die Leſer, die mir ſo weit gefolgt, eine fernere kritiſche Sichtung des von ihm angelegten Magazins nicht begehren würden. In der That liegt auch die Signatur des Buches für den Kundigen ſchon in der Aufnahme, die dasſelbe in beiden Ländern gefunden, und die in England eine ganz andere als in Deutſchland geweſen iſt; dort, wo man es wenigſtens mit einigen Grundwahrheiten des Chriſtenthums noch ernſthaft zu nehmen pflegt, hat die oöͤffeütliche Stimme ſich faſt nur in entrüſtetem Tadel vernehmen laſſen; nur das „Weſtminſter Review“ (April, 1853) nebſt ein paar verwandten Organen hat dem Verfaſſer eine Huldigung geſpendet, die in den Augen des religiös⸗geſinnten Englands die Bedeutung der ſchärfſten Verdammung hat. In Deutſchland dagegen haben, dem bekannten Chärakter unſerer Tagespreſſe entſprechend, alle Blätter des großen Marktes, wie von Einem Winde bewegt, frohen Beifall gerauſcht, und nur die ſpeciell theologiſchen haben dieſem Frohlocken einige Tropfen des Widerſpruchs über Einzelnes beigemiſcht.“ Eine eigentlich längere ſtreng⸗​wiſſenſchaftliche Beſprechung dieſes Buches gehört in eine theologiſche Zeitſchrift — wir können uns hier nur auf Andeutungen einlaſſen. Döllinger hat die von Vielen ſchon beſprochene Sache mit allem Ernſt und aller wiſſenſchaftlichen Tiefe behandelt — Bunſen wird, wie ſchon früher erwähnt, nur ſo nebenbei mitgenommen und ihm auf die ſchlagendſte Weiſe durch die unumſtößlichſten Gründe ein ſolches Gewebe von Irrthümern, eine ſolche Menge von gänzlich aus der Luft gegriffenen Behauptungen, ſo plumper Mißverſtändniſſe nachgewieſen, daß die theologiſche Facultät von Bonn ihr voreilig hinausgeworfenes Diplom von Rechtswegen zurückfordern, ſich eines unrichtigen Urtheils für ſchuldig erklären, oder Herrn von Bunſen auffordern ſollte, eine andere Abhandlung zu ſchreiben als die preisgekrönte, welche im Grunde nichts beweist, als die Oberflächlichkeit im Wiſſen und größtmögliche Seichtigkeit im Urtheil, wie ſie nur bei einem modernen Dilettanten in der Theologie gefunden werden kann. — Ueber die ſehr verwickelte Geſchichte von 8 Hippolytus und Kalliſtus iſt noch durch keine Schrift ſo viel Licht verbreitet worden, wie durch die Döllingers. Was euthält ſie dabe für großartige Aufſchlüſſe über das Leben der Chriſten unter den heidniſchen Römern; über die ehelichen Verhältniſſe derſelben, über die Suburbanbiſchöfe u. ſ. w. u. ſ. w., die für jeden Theologen vom höchſten Intereſſe ſind, was für tiefe pſychologiſche Bemerkungen, von denen wir umeinige kurze anführen wollen. So z. B.: „Wäre Kalliſtus, wie Hippolyt ihn ſchildert, ein Schmeichler und Augendiener des Biſchofs und zwar eines eigennützigen und habgierigen Biſchofs geweſen, ſo iſt es ganz undenkbar, daß ihn nach dem Tode dieſes Biſchofs freie Wahl, alſo die gute Meinung des Volkes, die Gunſt und Achtung des Presbyteriums auf den Beichtſtuhl erhoben hätte. Welche Mittel konnte er denn in Bewegung ſetzen? Beſtechung? er war arm, und die Zahl der zu Beſtechenden wäre jedenfalls viel zu groß geweſen. Verwendung mächtiger Gönner? die Mächtigen waren damals heidniſch, und Hippolyt hätte Derartiges, wäre es vorgekommen, nicht verſchwiegen. Die Wahlen geſchahen nicht durch Wenige und insgeheim, ſondern durch Viele und offen. Aber Hippolyt hat doch Kalliſtus ſo beſchrieben, und Hippolyt war ein frommer, alſo wohl auch ein wahrheitsliebender Mann? Ja, er hat geſagt, was ihm zugetragen wurde; und wenn Parkteigeiſt mit perſönlicher Erbitterung, wie hier, zuſammenwirkt, dann wird die Leichtgläubigkeit, auch bei Frommen, gar bald der Wahrheitsliebe Meiſter.“ (Schluß folgt.) Paläſtina. Vor Kurzem kam der Dominicaner Onuvrius Burateewich in einem von 78 Jahren als Pilger nach Jeruſalem. Er gehört durch ſeine Geburt einer der vornehmſten Familien von Podolien an​​​. Im Jahre 1796 wurde er vom Monſignor Dembowski, Biſchof von Kaminíec zum Subdiacon geweihet, und mußte gleich nachher die Kanzel beſteigen, und die katholiſchen Polen auffordern, ihrem Glauben getreu zu bleiben, denn die Kaiſerin Katharina II. von Rußland wandte alle Mittel an, um ſie zum Abfall von der Kirche zu vermögen. Kaum hatte er ſeine Aurede geendigt, als man ihn gefangen nahm, in Ketten legte, auf eine Kibilke ſetzte und nach Tobolsk an die Gränzen von Sibirien brachte. Hier wurde er ſofort ins Gefängniß geworfen. Einige Tage nachher ließ ihn der Gouverneur rufen, verſprach ihm die Gnade der Kaiſerin, Ehrenbezeugungen und ein Bisthum, wenn er zur ruſſiſch⸗ſchismatiſchen Religion übertreten wollte, er weigerte ſich aben. Da wurde der Henker berufen und der Bekenner des Glaubens mit der Knute beſtraft. Dieſelbe Strafe wurde noch zweimal, je nach Verlauf von fünf Wochen, an ihm vollzogen. Dann wurde er auf ewig nach Sibirien verbannt. Buratewich lebte in Sibirien ſeit ſiebenzehn Jahren, als er fieberkrank wurde. In dieſem Fieber machte er das Gelübde, er wolle nach dem heiligen Grabe pilgern,wenn Gott ihm Geſundheit und Freiheit wiedergäbe. Er ward wieder geſund, und bald nachher wurde er im November 1813 mit Andern vom Kaiſer Alexander begnadigt. So kam Buratewich nach Europa zurück. Im folgenden Jahre traf er in Savona in Italien mit dem Cardinal Rudnay, Erzbiſchof von Gran und Primas von Ungarn zuſammen. Dieſer nahm ihn mit ſich. Seit ſeiner Befreiung waren nun ſieben und dreißig Jahre verfloſſen, als er in der Nacht eine Stimme zu vernehmen glaubte, welche ihm ſagte: Woiſt dein Gelübde? Er hatte ſein Gelübde ganz vergeſſen. Er ging nun nach Rom, ſein Ordensgeneral ließ ihn zum Prieſter weihen und erlaubte ihm nach Jeruſalem zu pilgern. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags⸗Inhaber: F. C. Kremer