Eilfter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt ​​zur Augsburger Poſtzeitung 5. Januar Nʳ· 1. 1851. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage, Der halbjährige Abonnementspreis 40 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Neujahrsgruß. Der erſte Gruß gebührt dem neuen Jahre, Das wieder Leid und Freuden mit ſich bringt; Ach gib in deinem Lauf das einzig Wahre, Wornach der Menſchengeiſt ſo kämpfend ringt! Das alte Jahr legt ernſt die Herrſchaft nieder, O neues, gib uns Ruh' und Frieden wieder! Tritt, Pilger, kühn mit heißem Sehnſuchtshoffen ​​In das bewegte, bunte Leben ein; Ein Feld des Wirkens liegt von Neuem offen, ​Der Glaube wird dein treuer Führer ſeyn Dich treiben vorwarts mächtig die Gewalten, Doch trau'! was bleibend iſt, wird Gott geſtalten. Die ernſten Looſe deines Daſeyns theilet Dort oben eine weiſe Vaterhand: Wohin auch deine Furcht und Hoffnung eilet, Die Zukunft haſt du doch noch nie gekannt! Was auch der ſchwache Menſch mag denken, träumen: ​​​Die Zukunft liegt enthüllt in Himmelsräumen. Drum wandre muthig fort an Gottes Stabe Und halt' an ſeinem heil'gen Willen feſt; Du weißt, gelangt zum dunkeln, ſtillen Grabe, Daß ja der Herr die Seinen nie verläßt. Sey fürder hart dein Kämpfen und dein Ringen, Mit Gott: und Gutes kann das Jahr nur bringen! Die katholiſche Miſſion in Centralafrika, unter Leitung des Generalvicars Dr. Ignaz Knoblecher. Die in Chartum für Centralafrika gegründete Miſſionsanſtalt hat eine Aufgabe, welche von der chriſtkatholiſchen Nächſtenliebe als eine der erhabenſten und dringendſten Pflichten erklärt wird, und von allen Katholiken die größte Theilnahme verdient; wir ſind daher überzeugt, daß unſere Leſer die Geſchichte dieſer Miſſion und 3 wuchs die Verlegenheit der Expedition von Tag zu Tag. Der P. Ryllo ernannte unter dieſen Umſtänden den Miſſionär Dr. Ignaz Knoblecher zum Generalvicar der ausgedehnten Miſſion, übergab ihm die Vollmachten, die er aus den Händen Seiner Heiligkeit empfangen, und befugte ihn, die Angelegenheiten des Vicariates nach ſeinem agenen Gutachten zu lenken und zu leiten. Die Gefahr, in der die Expedition, an welcher dieſer ſtets den wärmſten Antheil genommen, ſchwebte, bewog ihn, die ſchwere Laſt auf ſeine Schultern zu nehmen, in der Hoffnung, daß ihm Monſignor Caſolani, der ſelbſt bei der Expedition war, ſo lange mit Rath, und That beiſtehen würde, bis der heilige Stuhl zur Beſetzung der ſo viel als erledigten Stelle des apoſtoliſchen Vicars geſchritten wäre. Die Aufmerkſamkeit des Generalvicars ward nun darauf gewendet, wie er den von der Expedition gewichenen Muth wieder aufrichten würde. Die göttliche Vorſehung und die Sorgfalt des P. Ryllo half ihm ſein Vorhaben auszuführen. Jener hatte nämlich kurz vorher einen Kaufvertrag für ein Stück Gartenland, das mitten der Stadt am Nil gelegen war, geſchloſſen; dieſer ließ in dem baufälligen Gebäude Anſtalten treffen, um fo gut als möglich eine Capelle, Schule und einige Wohnfluben für die Miſſionäre einzurichten, und ſo ohne Weiters die Miſſion in Gang zu bringen. Mittlerweile ſuchte der Herr die Expedition auf eine ſehr empfindliche Weiſe heim; er entriß am 17. Juni 1848 die ſchöne Seele des nicht wieder erſetzlichen P. Ryllo aus ihrer Mitte. Ein Schlag, der, obſchon man darauf vorbereitet war, dennoch den tiefſten Schmerz verurſachte. Nachdem die irdiſchen Reſte dieſes theuren Erſtlingsopfers der Miſſion feierlich zur Erde beſtattet waren, brachte jeder Tag neue Beſchwerden. Der junge Chef lag in einem fernen Lande ohne Geld und ohne Creditbriefe an der Spitze einer Expedition, der er wenigſtens das Nothwendigſte für den täglichen Bedarf herbeiſchaffen ſollte. Auch aus dieſer Verlegenheit zog ihn die göttliche Vorſehung, da ſich Jemand herbeiließ, ihm zur Deckung des Erforderlichen für mehrere Monale eine Summe Geldes gegen einen Wechſel, der von der Propaganda aus bezahlt werden ſollte, vorzuſtrecken. Als endlich auch dieſe Angelegenheit beigelegt war, ſetzte ſich, als ob ſich alle Elemente gegen die junge Miſſion verſchworen hätten, von einer andern Seite ein Gewitter gegen dieſelbe in Anzug. Einige ihrer europäiſchen Feinde hetzten den harten Haled⸗Paſcha auf, daß er in ſeinem Fanatismus gegen dieſelbe ergrimmte und ſie zu zerreißen drohte. Dieſe erfreute ſich jedoch eines beſondern Schutzes von Oben, und überlebte trotz der ſchrecklichen Drohungen den Sturz des ägyptiſchen Machthabers in Sudan. Mittlerweile ſchickte der Generalvicar ſeine Miſſionsberichte nach Rom. Monſignor Caſolani trat ſelbſt die Rückreiſe an, und Angelo Vinco, einer der Miſſionäre, mußte ſich ſeines zerrütteten Geſundheitszuſtandes halber ebenfalls nach Europa begeben, wenn er anders dem fremden Klima nicht unterliegen wollte. Der Generalvicar blieb mit Emmanuele Pedamente, dem einzigen Miſſtonär in der Miſſion, und ſeine ganze Aufmerkſamkeit ward von nun an von der erſten, mit göttlichem Beiſtande gegründeten Station in Anſpruch genommen. Die proviſoriſche Capelle war bereits vor Pfingſten 1848 im Miſſionshauſe eröffnet, und mit einer Anzahl von kleinen Negern, die in das Haus aufgenommen worden ſind, die Pflanzſchule von künftigen Miſſionären gegründet, die den klimatiſchen Beſchwerden weniger ausgeſetzt ſind, als die Weißen. Dieſe kleinen Zöglinge werden nach Thunlichkeit in den Elementargegenſtänden unterrichtet, beſtanden nach wenigen Monaten die Prüfungen als Katechumenen, und ſind bereits ſeit dem Allerheiligenfeſte 1848 in den Schooß der katholiſchen Kirche aufgenommen worden. Dieſen kleinen Erſtlingen der neuen Gemeinde geſellten ſich andere bei, die Kleinen zogen auch Erwachſene an, und ſo vermehrte ſich die Anzahl der Auserwählten durch den Segen, den der Himmel der Miſſion angedeihen ließ. Das Kirchlein wird immer voller. Das unbefleckte Opfer des göttlichen Lammes wird täglich am Altare in jenem fernen Lande zur Sühnung der göttlichen Herrlichkeit gebracht, und heiße Gebete ſteigen aus der Bruſt der kleinen Schwarzen für die Bekehrung ungläubiger Brüder vor den Thron des Allerhöchſten 4 Der zerrüttete Zuſtand, in dem ſich Europa die letzten zwei Jahre befand; war Urſache, daß ſich die Miſſion von Inner⸗​Afrika einer gewünſchten Theilnahme von Seiten gläubiger Katholiken nicht erfreute, obſchon man ſich keineswegs beklagen konnte, daß man ihrer nicht da oder dort gedacht. Rom ſchickte ihm ſo haͤnge Unler—⸗ ſtützung, bis die Anarchie daſelbſt alle Feſſeln geſprengt hatte— drei Miſſionäre kamen 1849 im Frühjahre als eine kleine Verſtärkung in Chärtum an, ſie kamen aber als wahre Pilger, indem ſie für den Unterhalt der Miſſton nichts mitbrachten. Es ſchien alſo, daß man ſie dem harten Schickſal überlaſſen hätte; nur die Krainer gedach⸗ ten ihres Landsmannes im Junern von Afrika, und ſchickten ihm wenigſtens, ſo viel als nothwendig war, um ihm und ſeinen neuen Angehörigen das Leben zu friften Der Generalvicar ſah mit betrübtem Herzen der Zukunft entgegen: doch in der Hoffnung, daß der Herr die verhängnißvollen Tage abkürzen werde, lebte er für ſeine kleine Gemeinde, und bemühte ſich zu gleicher Zeit, von den unglücklichen Geſchöpfen, welche die geldgierigen Mäkler aus den entfernteſten Negerländern auf den Selaven—⸗ markt nach Chartum bringen, Erkundigungen über den Zuſtand, die Sitten, Spra⸗ chen, Fähigkeiten ꝛc. der zahlloſen Staͤmme ſeiner ausgedehnten Miſſion einzuziehen. Gegen die Mitte des Novembers 1849 vertraute er die Station in Chartum der Ob— ſorge zweier Miſſtonäre an, und trat mit zwei anderen eine Explorationsreiſe gegen das unbekannte Innere ſeiner Miſſton an, nachdem es ihm nicht wenige Mühe geko— ſtet hatte, die allſeitigen Hinderniſſe, die ihm von den egyptiſchen Machihabern in den Weg gelegt wurden, zu beſeitigen. Dieſe Erxpedition ſchlug ihren Weg auf dem mäch— tigen Bah'r el Abiad gegen die Urwaldungen ein, die die Scheidewand zwiſchen den ägyptiſchen Beſitzungen und den freien Negerſtämmen bilden, und die zugleich die Gränze des vorgedrungenen Islam und des Heidenthumes ſind. Sie uͤberſchritten dieſelbe binnen einiger Tage, und ſegelten den Strom hinan durch die unermeßliche Fläche des gausgedehnten Savannengebietes vorwärts— bis ſie gegen die Mitte des Mongtes Jänner d. J. bis zum Berge Logwek, der unter dem 40 9 N. Breite gele— gen, noch nie von einem Europäer betreten, gedrungen. Sie trafen auf dieſem unge— heuren Gebiete die zahlreichen Stämme der Schillukz, Dinka-, Nuér⸗, Kyk⸗, Helyab⸗, Bor⸗, Zhir⸗ und Bäry⸗Neger, die ſich in Reihenfolge in den Beſitz der Uferländer, die vom Weißen Strome beſpühlt werden, theilen. Dieſe Stämme haben mit gerin⸗ gen Ausnahmen feſte Wohnplätze, ſie leben unter ihren Ortshäuptern, die gewöhnlich den Stamm-Häuptlingen(Königen) untergeordnet ſind, und erfreuen ſich faſt durch— gehends einer im Ganzen genommen ſeht milden Regierung. Ihre Nahrung und Beſchäftigung beſchränkt ſich auf den Ackerbau, die Viehzucht, den Fiſchfang und die Jagd. Aus dem fruchtbaren Boden könnten ſie bei einer zweckgemäßen Beſtellung des Feldbaues Schätze gewinnen; das hohe Savannengras gibt ihnen fuͤr ihre Heerden Futter im Ueberfluſſe, indeſſen ihnen der Strom mit ſeinen Fiſchen, Krokodilen und Nilpferden, ſo wie die Waͤlder mit einem zahlreichen Wild, eine ſtaͤte Gelegenheit zum Fiſchfange und zur Jagd darbietet, deren Uebung ſte zum Theil in kriegeriſcher Stimmung erhält. Die Miſſionäre ſehen auf dieſer Reiſe ein unerſchöpfliches Feld für künftige Miſ— ſionen. Die aufgezählten Negerſtämme ſind durchgehends freie Neger, in geiſtlicher Beziehung verkrüppelte Söhne der Natur, die ſich ſelbſt überlaſſen, doch Dank der weiten Ferne, und den ſeltſamen Gegenden, die ſie bewohnen, manche natürliche Tugend anerkennen, die ſie ſonſt verloren hätten, wenn raffinirte Bildung ſchon zu ihnen gedrungen wäre. Wohl werden ſich aber auch der Verbreitung des Chriſtenthumes mächtige Hin— derniſſe entgegen ſtellen, da beſonders die klimatifchen Verhältniſſe der Art ſind, daß der Weiße in vielen Gegenden gar nicht, und in anderen nur mühſam ſein Leben erhalten kann. Doch vor dieſer Aufopferung läßt ſich der katholiſche Miſſtonär nicht abſchrecken; die Annalen der Verbreitung unſers heiligen Glaubens geben uns die hinlänglichſten Belege von dem Muthe, der Unerſchrockenheit und Ausdauer der Glau— bensboten. Dieſer troſtreiche Gedanke erfüllte auch den Generalvicar, als er von 5 ſeiner Reiſe in die erſte Statlon zurückgekehrt, dieſelbe dem Schutze Gottes und der Obſorge ſeiner Miſſionäre anvertraute, und im Monat Mai de i die ferne Reiſe nach Europä antrat, um bei unſern eifrigen Katholiken hilfreiche Theilnahme und thätige Mitwirkung in der Ausführung der von der göttlichen Barmherzigkeit gefaßten Rath— ſchlüſſe und ſeiner Beſtrebungen zum Wohle der vernachläſſigten Neger zu ſuchen. Um zu ſeinem Zwecke zu gelangen, braucht derſelbe fuͤr die Reiſen in den Nil⸗ regionen wenigſtens ein Paar eigene Miſſionsſchiffe, da die Miethe derſelben bei Er— öffnung der Miſſion den Miſſtonären zu hoch zu ſtehen kommen würde, und da dieſe ſonſt in eine zu ſehr abhängige Lage von geldgierigen Speculanten kommen würden, welches leider bis auf den heutigen Tag der Fall daſelbſt geweſen iſt. Um den Miſ— ſionären dauerhaften Erfolg zu ichern, und das Chriſtenthum ſelbſt in jenen Gegen— den zu verbreiten, wo es den Weißen nicht möglich wird, vorzudringen, iſt die oben— erwähnte Pflanzſchule von Eingebornen angelegt worden; die Miſſionäre haben ſich den kargen Biſſen, den ſie zur Friſtung des Lebens hatten, abgebrochen, um dieſelbe aufrecht zu erhalten. Unter den Zöglingen ſind bis jetzt nur ſehr wenige, die losge⸗ kauft wurden, und ihre Anzahl ſteht in keiner Proportion zur Ausdehnung der Miſſton, da dieſe einen Flächenraum einnimmt, der zweimal ſo groß iſt wie ganz Europa. Der Wunſch des Generalvicars iſt, dieſes Inſtitut zu vergrößern, nebſt der religiöſen Bildung den Zöglingen Unterricht im Landbau und in den, für die Geſit— tung unentbehrlichſten Handwerken zu ertheilen, und in Chartum ein Mädcheninſtitut von kleinen Negerinnen zu errichten, damit dieſe zu weiblichen Arbeiten und einem chriſtlichen Wandel geleitet würden. Wuͤrden mehrere Individuen von einem Stamme losgekauft, auf die gehörige Weiſe unterrichtet, ſo würden ſie unter Anleitung am zweckdienlichſten unter ihren Angehörigen in der Heimat wirken können. Chriſtenthum und Cultur würden Hand in Hand in die fernen Gegenden dringen, die Fintracht würde zwiſchen den Stäm— men zuwege gebracht, und der graäßlichſte Schandeck der Menſchheit, die Sclaverei der Neger, endlich zu Grade getragen. Dieß iſt die Aufgabe, die der Herr in ſeiner unendlichen Barmherzigkeit der Miſſton zur neuen Verherrlichung ſeiner Kirche und zum Heile der Neger beſchieden, als er Sr. Heiligkeit dem Papſte Gregor eingab, dieſelbe zu erxöffnen. Dieſes Be— wußtſeyn belebt die darin betheiligten Miſſtonäre, und feuert ſie zur Beharrlichkeit in ihrem Berufe an. Die aufkeimende Miſſton jenſeits der Wüſte hegt aber die ſichere Hoffnung, daß ihr die katholiſchen Herzen Deutſchlands ihre Theilnahme nicht verſagen, ſondern mildreich dieſelbe aufzubauen ſich beſtreben werden.“ Das erſte Kripplein. In manchen Gotteshäuſern und in manchen Häuſern der Menſchen, darin noch kindliche Herzen in gläubiger Liebe für den Gottmenſchen ſchlaägen, finden wir am heiligen Abend und ſofort im Verlaufe der heiligen Weihnachtszeit, in bald größerem, bald kleinerem Maaßſtabe, zierlich gebaute und feſtlich beleuchtete Nachbildungen des Stalles zu Bethlehem und ſeiner Umgebung in jener Nacht des Heiles, da der Sohn Gottes leibhaftig eintrat in die Reihen der Menſchenkinder, um für alle Generationen das belebende Glied des geiſtigtodten Geſchlechtes zu ſeyn. Allbekannt iſt es nun, daß der ſeraphiſche Heilige, Franciscus von Aſſiſi, als der Erfinder und erſte Erbauer dieſer nachgebildeten Geburtsſtätten Chriſti, kurz— hin„Krippen“ genaͤnnt, bezeichnet wird. Minder allgemein bekannt jedoch und fuͤr manchen der frommen Leſer dieſes Blattes nicht ohne Intereſſe dürfte der Vorgang bei der erſten Krippenandacht ſeyn. Dieſer Vorgang fey hier zur Erbauung erzählt, nach dem Berichte, den ein Biograph) des häligen Seraphicus davon gibt. Vogt: der heilige Franciseus von Aſſiſi. 6 FranciscuS wollte das Weihnachtsfest des Jahres 1223 auf eine eben so sinnige, als eigenthümliche Weise feiern und sich ganz in die Zeit und Umstände zurückversetzen, wo der Heiland geboren wurde. Er bat deßhalb den Papst um Erlaubniß, seinen Entschluß auszuführen, verließ zu Anfang des Monats December Rom, und begab sich nach Greccia, einem Orte im Thale von Rieti, nicht weit von dieser Stadt entfernt. Da wohnte ein angesehener Mann, Namens Johannes, von gutem Rufe und noch besserem Leben. Diesen ließ FranciscuS, der demselben seiner ausgezeichneten Eigenschaften wegen mit vorzüglicher Liebe zugethan war, fünfzehn Tage vor der Ge- burtsfcier des Herrn zu sich kommen und sprach zu ihm: Johannes, wenn du willst, daß wir bei Greccia Weihnachten halten, so rüste eilig Alles, wie ich eS dir sagen werde. Ich möchte nämlich das Gedächtniß des Jesukindes feiern, und die Noth seiner Kindestage, wie es zwischen dem Ochsen und Esel auf Heu hingelegt war*), wie mit meinen eigenen Augen sehen. Und nun bezeichnete FranciscuS die Anstalten, die Johannes treffen sollte. Dieser ordnete Alles dem Wunsche des Heiligen gemäß. Der Tag der Freude nahte heran. Aus vielen Orten wurden die Ordensbrüder des heiligen FranciscuS herbeigerufen. Männer und Weiber bereiteten mit jubelnder Seele Fackeln, um die Nacht zu erhellen, in welcher das Licht der Welt aufgegangen war über der Erde. An einer Stelle des felsigen Thales wird eine Krippe hergerichtet, Heu wird herzugetragen, der Ochs und Esel herbeigeführt. Greccia ist ein neues Bethlehem. Die Nacht wandelt sich um in einen helllichten Tag. Wie einst die frommen Hirten, so eilen jetzt die Schaaren des gläubigen Volkes zur armen Krippe hin, und jubeln mit nie gefühlter heiliger Freude dem so lebhaft vergegenwärtigten Geheimniß der Menschwerdung GotteS entgegen. Die Wälder wiederhallen von klangvollen Stimmen',, und die Brust der Felsen erwidert den tausendfältigen Jubelruf der Gott preisende Menschenbrust. Und FranciscuS? DaS Hcr-x voll süßer heiliger Seufzer, von Andacht beklommen, das ganze Wesen mit unnennbarer Wehmuth uud Wonne übergössen, die auf seinen Wangen glüht, aus seinen Augen leuchtet — so steht FranciScus an der Krippe da. Sein Mund schweigt; aber lauter, verständlicher und entzückender als je sonst widertönt in seiner Seele das Weihnachtölied des Himmels: „Oloria in oxeelsi5 Leo et in term pax!" Auf der Krippe ward dann ein feierliches Hochamt gehalten, und FranciscuS mit dem Schmucke der Leviten angethan sang mit lauter, von Freude uud Liebe durch- bebter Stimme das Evangelium: „Heut ist euch der Heiland geboren worden!" Hierauf predigte er dem versammelten Volke von der Geburt des „armen Königs," und ergoß, wie Biograph sich ausdrückt, honigsüße Worte von Bethlehem, der kleinen Stadt. Ost, wenn er Jesum Christum nennen wollte, nannte er ihn mit brennender Liebe nur „den Knaben von Bethlehem," uud mit solcher Empfindung ward er bei dem Namen erfüllt, daß ihm die Znnge fast den Dienst versagte, und er sie an den Gaumen drückte, als kostete er die Süßigkeit dieses Wortes. > An der Stelle der Krippe, wo das Weihnachtsfest auf eine so kindlich erhebende Weise gefeiert worden war, ward später eine Capelle zu Ehren dcö heiligen FranciscuS gebaut. R o m. Dem Univers wird aus Rom geschrieben: „Talbot, der Geheimsecretär Sr. Heiligkeit, versammelt um das Grab der heiligen Apostel in der Grotte des ') Dieser Umstand wird von mehreren heiligen Väi.in und kirchlichen Schriftstellern als gewiß angegeben. Auch stellen alte Glasmalereien und Bilderwerke, die man auf Gräbern des ätcn Jahrhunderts gefunden, einen Ochsen und einen Esel bei der Veburt unsers Heilandes dar. Siehe: l^itur- xis sacrs von Mahrzohl und Schneller, 4. Theil, S. I 9. *'Z „Die Ehre seu Gott in der Höhe, und Friede auf der Erde!" 7 Vaticans alle seine alten Collegen unter der protestantischen Geistlichkeit Englands und die übrigen katholischen Engländer, die in Rom wohnen, um auf dem Altare der ocmtessio die heiligen Geheimnisse zu feiern, und seine frommen Laundsleuten die heilige Communion auSzuspenden. Wer könnte die Stille, die Sammlung, die Andacht, die heilige Freude, die Unruhen, die Hoffnungen, die Wünsche und Bitten dieser Versammlung beschreiben? In der That, diese Versammlung müßte man den MertingS zeigen können, die auch auS Engländern bestehen, wo man schreit, wo man lärmt, wo man verwünscht, wo man ruft: Tod unsern Brüdern, den Katholiken! Jedoch wenu solche Erscheinungen für die von Haß Verblendeten verloren sind, so sind gewiß die eifrigen Gebete nicht vor Gott verloren. Der heilige Petrus, der Fürst der Apostel, wird sie dem Gründer der heiligen Kirche darbringen, und sie werden durch zahlreiche Bekehrungen belohnt werden. Von» Niederrhein. Vom Niederrhein, 28. Dec. Die Nachricht, daß es gegenwärtig beabsichtigt werde, in Cvblenz gleichsam den Centralpuuct für die Redemptoristen deutscher Zunge zu bilden und dorthin das Generalvicariat der Provinz zu verlegen, spricht, abgesehen davon, ob sie begründet oder nicht, wenigstens für die gegenwärtig in Preußen herrschende kirchliche Freiheit. Wir wollen gerne zugeben, daß dieselbe mehr aus der persönlichen humanen (oder auch liberalen) Denkweise der Regierenden als aus der jetzt gerade geltenden Verfassung, die übrigens dem Bestehen aller Orden in Preußen Raum gibt, hervorgeht; denn wenn kein guter Wille da ist, so weiß man namentlich in Dingen, die dem sogenannten Zeitgeiste, d. i. dem zeitung- fabricirenden Literatenschwarme nicht munden, leicht eine Handhabe zu finden, um Mißliebiges fern zu halten. Indessen hat schon lange (selbst vor dem März) das Verhalten der Regierung den Franciscancrklöstern in Westfalen gegenüber bewiesen, daß man nicht principiell und absolut gegen dieselben gestimmt sey; auch liegt seit lange in Coblenz der Beweis vor. Man hat nicht bloß schon zur Zeit als noch in Frankfurt die den „Redemptoristen und Liguorianern" feindliche Versammlung tagte, in Coblenz denselben ohne Widerspruch freien Zutritt und offene Wirksamkeit gegönnt, sondern auch später den Schul brüdern, welchen die Bürgerschaft einen Theil deö Elementarunterrichtes anvertraute, kein Hinderniß gelegt. Eben so steht's in Bezug auf die in Aachen und Köln (wo sogar ein rein beschaulicher Orden ein Haus gründete) so wie in Nonnenwerth (welches in vormärzlicher Zeit für ganz andere Zwecke gewonnen werden sollte) entstandenen Klöster. Die Katholiken der Nheinpro- vinz erkennen dieß mit Dank an und hoffen um so mehr auf eine Fortdauer dieses wahrhaft liberalen Zustandes, als demselben offenbar nur die Ueberzeugung zum Grunde liegen kann: daß die katholischen Ordensinstitute für daS in der Neuzeit so gebrechenvolle sociale Leben von dem entschiedensten Einflüsse sind. Dabei werden zweifelsohne die absichtlich von einer perfiden Presse ausgestreuten und unterhaltenen Vorurtheile von Bornirtheit, Aberg'auben, Intoleranz, Fanatismus des katholischen Klosterwesens bei einer großen Zahl des gebildeten PublicumS in ihrer Falschheit und Bosheit erkannt worden seyn, da auch noch nicht ein nennenswertheö Beispiel solcher untergeschobenen Vorurtheile an den bereits längere Zeit aufgenommenen Orden (barmherzige Schwestern sogar in Berlin und Franciscaner in Westfalen haben gewiß eine' hinreichende Probezeit geboten) nachgewiesen worden, vielmehr ihre gemeinnützige, klare Wirksamkeit für. die Moraliiät und den gerechten Sinn des Volkes bewährt ist. Bei den am meisten verschrieenen Religiösen (den Jesuiten) sind eben die eklatantesten Beweise des geraden Gegentheiles von Dem, was die Welt oder der sogenannte Zeitgeist ihnen nachsagte, an den Tag getreten. Wenn die Regierenden in solcher Weise fortfahren, auch der Kirche gerecht zu seyn und ihr wenigstens die Freiheit zu gönnen, !, die man nur zu lange un-.und gegcnchristlichen Verbindungen (von der Freimaurerei bis zu den Nongcanern und Freikirchlern) gelassen hat, so werden sie jedenfalls den doppelten Vortheil haben: den aufrichtigen Dank der Katholiken und den Beistand und Schutz des besseren Theiles im Volke; während die Gesellschaft der Gefahr der Barbarei, der Anarchie oder des Despotismus weniger ausgesetzt seyn wird. (M. I.) Berlin. Berlin, 12. Dec. Die hiesige St. Hedwigskirche und deren Gemeinde gehörte bis zum Jahre 1312 zur Mission des Bisthumö Hildesheim und steht erst seit dieser Zeit unter der Obhut des Fürstbischofs von Breslau. Bei der damaligen Festsetzung wurde dem Fiscus das ausschließliche Patronats- und Ernennungsrecht eingeräumt, welches, wie wir schon neulich gemeldet, jetzt der Cardinal Fürstbischof v. Diepenbrock, besonders in Bezug auf Wiederbcsetzuug der geistlichen Stellen, ausschließlich für sich in Anspruch nimmt, indem er sich auf die Verfassung beruft. Die Regierung zeigt sich indeß, wie man hört, fest entschlossen, ihr sogenanntes Recht dabei nicht aufzugeben, und hat bereits ein Veto gegen die von dem Cardinal für die hiesige katholische Kirche in neuester Zeit selbstständig erfolgte Ernennung von Geistlichen eingelegt. Man ist auf die Beilegung dieses Principienstreites sehr gespannt. Madrid. Madrid. Der Austritt des Finanzministers Bravo Murillo ist für die armen Pensionäre sehr unheilvoll. Noch übler, wie die Civilpensionäre, sind die armen alten Erklosterbrüder daran, die wohl auf dem Papiere, aber in der Wirklichkeit noch keinen Heller von der ihnen versprochenen Pension erhalten haben und rein von Almosen leben müssen. Die Noth dieser ehrwürdigen Greise ist groß und allgemein bekannt; folgendes hier und in ganz Spanien gängige Sprichwort möge als Beleg dienen: ei es tan pokrv ooms un ügmlinolito exeonvontusl (er ist so arm wie ein hungriger Klosterbruder). In Lumpen gehüllt, durchziehen am frühen Morgen 70- bis 8Vjäh- rige Greise die Straßen der Hauptstadt, wandern von Kirche zu Kirche um ein Meßstipendium, wenn ihnen ein"solches von irgend einer gläubigen mitleidigen Seele zu diesem Zwecke gereicht wird. Die Verkäufer und Käufer der Klostergüter leben dabei vollauf, wohnen in schönen, herrlichen Palästen und lassen cö sich wohl seyn. (Wie lange?) Großbritannien. Die „N. Pr. Z." läßt sich von ihrem Londoner Correspondenten schreiben: „Ein Friedensschluß des Ministeriums mit dem Papste, indem der letztere, den Umständen weichend, seine Bulle zurückziehen, oder wenigstens modificiren wird, steht schon fast in sicherer Aussicht. Schon in voriger Woche meldete der Morning-Herald, daß die Unterhandlungen darüber in H. Sheil's Händen seyen. Für das Ministerium ist dieß der sicherste, ja der allein mögliche AuSweg, da es sonst einerseits der Orangebewegung, andererseits den Secten gegenüber in die ärgste Klemme gerathen wäre." Daß das Ministerium wirklich schon in die ärgste Klemme gerathen ist, und daß ihm ein solcher „Friedensschluß" sehr erwünscht wäre, ist sicher; H, Sheil kennt aber seine Kirche schlecht, wenn er sich Hoffnung macht, durch diplomatische Unterhandlungen die- Zurücknahme oder Modifikation der päpstlichen Bulle bewirken zu können. Der heilige Vater ist kein englischer Minister, daß er eine Bulle zurücknehme, wie eine Bill, die der Majorität des Parlaments nicht behagt. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhavcr: F. C. Krem er- Eitfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augstmrger poiheitung. 12. Januar M- A. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis Ält kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. umsch a u. Hat ein Mensch fünfzig Jahre vollendet, so ist er gewiß auch um eine große Summe von Erfahrungen reicher geworden, und Glück und Heil ihm, wenn ihn die Erfahrung klüger gemacht hat. WaS vom einzelnen Menschen, als Glied des Geschlechtes gilt, daS sollte um so mehr Gellung finden von den Menschen, d. i. vom gesammten Geschlechte, das sich da fortentrollt nach Gottes Rathschluß im Laufe der Jahrhunderte. Fragen wir die Geschichte: Sind die Generationen klüger geworden durch die eigene sowohl als durch die Erfahrung der Vorzeit? Tritt nicht eine Gene^ ration, ein Volk blindlings nach in die Fußstapfen des andern, das, als ausgebrannte Ruine nur mehr der Geschichte gehörig, zum Aase geworden, um das sich die Adler versammeln, die eindringliche Lehre den Völkern geben könnte und sollte: „Seht! der Weg, den ihr einschlaget, ist derselbe, auf dem wir zu Grunde gegangen. Es ist der Weg der Gottverlaugnung, Selbstvergötterung, oder besser Selbstverthierung im groben und feinen Materialismus. Hochmuth kam vor dem Falle." Wir bezeichnen hier kein bestimmtes Volk als Ruine, als Beute der Adler, denn die Geschichte ist nicht verlegen um derlei Beispiele göttlicher Strafgerichte. Aber das Volk, das wir noch retten, vom Abgrunde zurückrufen möchten, das ist Europas Volk, die Generation, die wir noch zu erhalten wünschten am gesunden geistigen Leben, das ist die jetzige, und ihre Tochter, die nächstkünftige; das Jahrhundert, dem wir gerne eine ehrenvolle Zukunft am Tage des Gerichtes bereiten möchten, das ist das unsrige, daS l9te Jahrhundert. Fünfzig Jahre zählt es voll in seinem Alter. Gott gebe, es wäre um fünfzig Jahre auch klüger geworden! Zwar werden mir — dem finstern Heuler — dse Herren Lichtfreunde auS allen Confessionen vordemonstriren wollen, wie weit sie cs in diesen fünfzig Jahren mit dem Fortschritt im Glauben gebracht. O plagt mich nicht lange Ihr Herren! ich sehe es ohnehin ein. Ihr habt cs so weit gebracht, daß Jhrs nicht mehr weiter bringen könnt. Ihr seyd am Ziele! Ihr habt nur die Wahl, entweder zur Gnade des Glaubens an Christum umzukehren, den ihr mit Hohn unter die Füße der Generation getreten, oder — was euch vielleicht für den Augenblick lieber ist — einzukehren in die Kneipe eures selbstgeschaffenen Thierdienstes, und ü Is Ronge und Consorten süßen Weines oder sauren Bieres voll, aus oder unter dc» Bänken eure prophetische Begabung zu entwickeln. Von der andern Seite her werden mir — dem anrüchigen Ultramontanen — die Herren vom Handel des alten und neuen Bundes beweisen die Klugheit des Jahrhunderts, die Berge abgetragen, Thäler ausgefüllt, krumme Wege gerade, ungleiche Wege eben gemacht hat. Schau hin, du altrömische Gebirgsnatur! auf unsere eisernen Straßen und Rosse, zu Wasser und zu Land, wie wir den Handel in alle Welten verbreiten; ob wir statt hundert Tonnen OeleS fünfzig, statt hundert Malter Weizen 10 achtzig schreiben, darauf kommt's eben nicht an, vas gehört zur Klugheit deS evangelischen HauShälters. Die Herren Lichtsreunde haben uns den Weg in der Moral zu diesem Behufe geebnet. „Sey ein honetter Dieb, und siehe zu, daß du für deine alten Tage etwas erübrigst, klebt auch daran das Blut der Armen, Wittwen und Waisen." Das ist das Moralsystem unserer Führer. Sieh an, Nltramontaner! wie die Industrie in allen Zweigen zu unsern Füßen liegt. Komm' nur einmal auf die große Londoner Industrieausstellung und bewundere die Werke unsers schaffenden Genies, die Werke, die wir mit Hilfe zweibeiniger Lastthiere, v^Zo Menschenkinder genannt, vollbracht haben. Bei unS gilt der Unterschied von Geist und Natur, den ihr ultramontanen Philosophen und Theologen aufwärmt, nichts. „Die Natur ist groß, und die Industrie ihr Prophet!' Ihr habt mit eurer Unterscheidung den Sonntag und Wochentag, daS' Jenseits und das DießseitS, Gott und den Menschen geschaffen. Unsere Arbeiter und Tagwerker an Eisenbahnen und in Fabriken kennen nur einen ewigen Wochentag, und reibt sich dieses Einzel-Naturwesen, dieser Splitter der Naturkraft auf, so werfen wir den Arbeiter weg, denn wir haben für eine Generation von Arbeitern gesorgt, wir sehen eS gerne, wenn Mann und Weib im friedlichen oder unfriedlichen Concubinatc uns die Fabriksbevölkerung geben. Wir bringen so wieder den Sclavenhandel zn Ehren, durch dessen Abschaffung ihr Ultramontanen der Industrie und den Rittern derselben empfindlich geschadet habt. Nur einen Wunsch hätten wir noch, nämlich den: daß der Staat durch die Civilehe der ganzen Sache einen legaleren Anstrich verleihe. Unsere Leute sind zufrieden mit dem DießseitS, wir geben ihnen daS tägliche Fntter, und können wir sie heute oder morgen nicht mehr füttern, dann werden sie doch hoffentlich das thun , was wir zu thun gesonnen sind: Durch eine Kugel vor den Kopf oder einen Sprung inS Wasser dem DießseitS ein Ende setzen. Der Umstand wäre freilich unangenehm, wenn sie in ihrer rohen Naturkraft an unS oder unserer Habe sich vergreifen möchten. Aber da gibts ja Schutzmittel gegen wilde Thiere — die Waffen; dafür zahlen wir Steuern. Die größte Mühe hat eS unS gekostet, den „ultramundancn" Gott eurer ultramontanen Religion aus den Köpfen und Herzen der Arbeiter herauszubringen, denn so lange dieser Gott darin herrschte, faselten sie noch immer von religiösen Pflichten an Sonntagen, von Verpflichtung der Kinder zum Religionsunterrichte, von christlich garantirten Rechten deS Arbeiters u. s. w. Da haben uns nun wieder die Herren Lichifreunde aus der Noth geholfen. Während Altisrael handelt mit der Industrie, handelt Jungisrael mit der Presse und macht Voltaires Höllengebräu, wie ihr eö nennt, sür daö gemeine Volk zurecht in Tagblättern, Volksbüchern und Kalendern. Wir besitzen dieses Arca- mim für uns selbst unv unsere Kindeskindcr fortwährenv in Fülle in den neu- uud altsranzösischen und deutschen Romanen. Haben wir daS Volk dergestalt systematisch vnrchgebildet, und bringt eS etwa hie und da gar zu arge Früchte unserer Schule, so schieben wir euch die Laster des Volkes in die Schuhe, ihr werdet euch wohl erinnern, wie oft wir in den Blättern geheult und. geseufzt haben über die Nachlässigkeit deS Klerus gegenüber der zunehmenden Demoralisation der Massen. .Endlich aber wird der herrliche Tag der vollendete» Aufklärung aubrecheu, an dem man keinen Kirchthurm mehr mit dem Kreuze, sondern lauter Dampfschornsteine, und unS verklärt in den Rauchwolken der Industrie mit unserem LcbcnSatom in Rauch aufgehen sehen wird, um einer neuen Generation Platz zu bereiten. Länger als billig vielleicht habe ich mir von den Industriellen des 19ten Jahrhundertes vordociren lassen, wohl aus keinem andern Gruiwe, als weil ich selbst ein großer Verehrer der Industrie bin, aber jener Industrie, die nicht vor Allein die Welt sucht, sondern zuerst nach dem Reiche GotteS und seiner Gerechtigkeit begehrt. Die Industrie ist ja eine Pflegetochter der Kirche, sie ist in den Klöstern des „finstern" Mittelalters großgezogen worden, sie ist heimisch gewesen in den christlichen Zünften, in denen das Handwerk noch einen goldenen Boden hatte. Aber nur Industrie und nichts als Jndustrietreiben ist eine Krankheit unsers Jahrhunderts, ist eine Ablagerung der edelsten Säste der Menschheit ans die minder cdlcn Organe des Lebens, ist eine u Selbstschwächung, an der nnsere im Materialismus versumpfte Generation nothwendig radinsiechen muß. Diese „alleinseligmachende" Industrie ohne Religion ist der verkörperte Pantheismus, das goldene Kalb Israels, sie ist der golvbelctterte Lcichenstcin auf dem Grabe der großen Weltstädte London. Paris und Wien. Sie kennt nur Productio» und Consnmlion des Geschlechtes, sie hat uns den Namen „Proletarier'' beschert, eine Classe Menschen, die dem Staate ni'chen soll durch „prvlvs loi-ro» sie macht die Liebe des Nächsten im Herzen der Menschheit zum Eise des EgoiSmuS erstarren, sie schafft hungernde und lungernde Skelette in den Hütten der Armuth, sie gibt den Menschen in seiner angeborncn und durch den Erlöser erneuten Wurde der offenen Schande prerS, und ist dem Ebenbilde Gottes die Ehre in Christo genommen, so ist sein geistiger Lebensnerv gctödtcr, er ist wieder Fleisch geworden wie ehedem in den Tagen der Sündfluth, und „l'-mem et tliieeii!^, I.uxn5 et l.uxurm" ist sein Feldgeschrei. So ist denn die Rundschau auf dem socialen Weltgebietc nicht gerade zu großer Ehre deS lNen Jahrhunderts ausgefallen. Es hat sich alle Laster früherer Jahrhun- för sich, will aber, nicht zufrieden damit, in nächster Ferne wahrscheinlich die letzte Erfahrung, den socialen Tod anch noch mitmachen, es will sterben an der Entkräfluug; denn eine Generation ohne Mark und Salz, vergiftet durch den eingeimpften leiblichen und geistigen KrankheitSstoff, ist werth, aus der Reihe gesitteter Völker hinwcg- gespült zu werden. Wie ist da zu helfen? Derselbe Boden, dem die Giftpflanze entsprießt, erzeugt auch daS Gegengift; dieselbe menschliche Gesellschaft, die in ihrer Mitte heutzutage den Keim des TvdeS birgt, birgt anch den Keim des Lebens. Wir alle kennen die Heilmittel, durch welche die Charlatancrie unserer Tage die Wunden der Gesellschaft vernarben machen will! eS ist der Wahnsinn des Socialismus und dessen Anwendung auf das praktische Leben: der Commnnismus. In dieses Prokrustesbett soll sich die kranke Generation legen mit all noch ihren geistigen und leiblichen Kräs' ten, dem Einen sollen die Füße abgehauen, dem Andern in die Länge geschraubt werden, auf daß vollkommene Gleichheit sey! Und wir dürfen ja nicht glauben, daß dieß bloß Tendenz der hochrothen Presse sev, dahin zielt auch die blaßrothe, die s. g. gutgesinnte oder konservative Presse, die da in ihrer gutmüthigen Einfalt oder versteckten Bosheit für den Staat conservativ schreibt, in religiösen Dingen aber sich nicht entblödet, Freimaurerei zu treiben. Schreibt nur zu! denkt aber an die Stunde deS Gerichtes, vor der auch wir erzittern! Bedenkt, ihr schreibt nicht mit Tinte, ihr schreibt mit dem Herzblut der Völker! Doch etwa« Wahres ist im Socialismus und CommuniSmuS, und dieses Wahre zu ersassen und baldigst zu erfassen zum Heile der Völker, ist die katholische Kirche berufen. Das Wahre im Socialismus ist daS Bedürfniß, das Recht und die Frei- heil der Vereinigung znr Erreichung sittlicher erlaubter Zwecke. Das Wahre im Com- munismuS ist das Bedürfniß, daS Recht und die Freiheit der Theilnahme an den geistigen und materiellen Gütern in sittlich erlaubter Weise. WaS hat die Kirche aus diesem Felde gethan? was wird sie ferner noch thun? Um eine kirchliche Rundschau hier zu eröffnen, kann sich wohl „ein Ultramontancr" einen bessern Standpunct wählen, als die Sicbenhügelsladt Rom? Der heilige Vater hat, die Bedeutung des katholischen Socialismus und CommuniSmuS in unsern Tagen erwägend, die allenthalben neu aufblühenden katholischen Vereine mit Vatersreude begrüßt, und ihre Pflege den Bischöfen aufs Wärmste anö Herz gelegt. Diese Vereine, entwachsen dem Organismus del Kirche, sollen in ihren verschiedenen Verzweigungen im Geiste der Zeit daS werden, waö die Brüdcrvereine auf dem Grunde der katholischen Liebe der Welt im Mitlclalter gewesen. Wie pocht mir daS Herz vor Muth und Unmuth zugleich, wenn ich hinübcrblicke nach Frankreich, nach diesem Spiegelbild« Europas, wenn ich betrachte jene zwei Riefen, die dort Leib an Leib hart im Kampfe aneinander gerathen sind, die sich um nichts Geringeres bekämpfen, als um die Herrschaft der Welt. Es siud diese beiden Riesen: die katholische Liebe der Ultramontanen und die eisig frostige derte eigen gemacht, ohne ihre Tugenden IS Humanität der Mvntagnc, jene vom Himmel stammend, diese dem Boden (b.umu5) entstiegen. Die katholische Liebe zu dem armen Taglöhner und Arbeiter läßt einen Montalembert kämpfen für die Feier dcS Sonntags, die Humanität des Berges weiht ihm dafür den Geifer des Hohnes. In Belgien fordert der Katholicismus von dem „humanen'" Ministerium die Freiheit der Wohlthätigkeit, und sträubt sich gegen die Einschnürung in die bureaukratische Zwangsjacke oder gegen die Umwandlung der sinnig vertheilten katholischen Wohlthätigkeitsvereine in einen josephinischcn Verein allgemeiner Nächstenliebe mit obligaten Armeninstituts-Predigten. In England regt sich das verjüngte katholische Leben gegenüber den verzweifelten letzten Versuchen des Russell'schen GalvaniSmuS an der hochkirchlichcn Leiche. Deutschland und Oesterreich reichen sich die rührigen Hände zur Verwirklichung des katholischen Socialismus in den Vereinen. Möchte dem ungebeugten und unbeugsamen Muthe eines Büß sein Licblingsvlan gelingen, den schönsten Triumph des katholischen Socialismus durch die Gründung einer katholischen Universität zu seiern. Denn waö nützt all dieß vereinzelte Wimmern und Jammern, all dieß vereinzelte Reden und Wirken, wenn nicht die katholischen Kräfte einen Brenn- und Centralpunct gefunden, von dem aus sie ihre Missionen beginnen für katholisches Wissen und Leben. (K. Bl. a. M.) Die autikatholische Agitation in England.*) Der Sturm, den in England der apostolische Brief des Papstes und dic Besör^ ceniug eines englischen Unterthanen zum Cardinalat hervorgerufen hat, fängt an sich zu legen, wenigstens in seinen äußeren Kundgebungen. Eifrige Protestanten haben das Gedächtniß der Pnlververschwörung gefeiert und Freudenfeuer mit den Reliquien des Guy Fawkes angezündet; die Puppe des Cardinal Wiseman wurde auf einem Esel herumgeführt und in die Themse geworfen; das Bildniß dcS Papstes unter dem Prasseln des Feuers an den Galgen gehängt; in den Meetings wurde daS Gespenst dcS scharlachrothen Weibes und der H... der sieben Hügel wieder heraufbeschworen; wir haben einen der berühmtesten und einflußreichsten Prediger der anglikanischen Kirche zu Liverpool erklären hören, daß dic katholischen Priester ganz einfach die Todesstrafe verdient hätten, und darauf gesehen, wie er an demselben Abende noch in seiner Cvn- gregation Abbitte that für die entsetzlichen Lästerungen, die er am Morgen im Feuereifer seiner Rechtgläubigkeit ausgesprochen hatte; — aber nach alle Dem fragt man sich jetzt, was man denn eigentlich gegen den Papst, gegen den Cardinal und gegen die Katholiken thun kann? Die Engländer machen Witze über die Bulle des Papstes, und zeigen uns einen „Bullen," der sich den Kopf an einer Mauer einstößt; aber gleichen sie nicht selbst einem Stiere, der, in Wuth versetzt durch die Farbe eines Cardinalhutcs, mit seinen Hörnern gegen Puppen und Strohmänner anrennt? Es ist sehr zu bezweifeln, ob der Papst unter all Dem, was seinem Bildnisse Unangenehmes widerfährt, sehr zu leiden hat; darum möchte man jetzt eine wirksamere Weise entdecken, um ihn zu erreichen und wo möglich zu züchtigen. Gerade darin aber liegt die Schwierigkeit, und das Ministerium, ziemlich bloßgestcllt durch den famosen Brief Lord John Russell's, säugt an sich in bedeutender Verlegenheit zu finden. Die Hälfte des Cabinets hat sich geweigert seinem Haupte auf der von ihm betretenen Bahn zu folgen, und so steht denn Lord Russell fast allein mit Lord Palmcrston auf dem Boden, den er so leichtsinnig betreten hat. Man hat in den letzten Tagen viel von einer Rede gesprochen, die bei einem Meeting Sir Edward Sugden gehalten hat, der einer der tüchtigsten und mit Recht in großem Rufe stehenden Rechtsgelchrten Großbritanniens ist. Sir Edward Sugden hcU beim Durchwühlen der alten gegen die Katholiken erlassenen Gesetze eine unter der Regierung Elisabeths durchgegangene Acte entdeckt, welche die Einbringung Nach dem Journal des Debüts. 13 irgend einer Bulle oder eines Briefes des Papstes in England verbietet unter Androhung jener summarischen Strafe, welche die christliche Liebe jenes Geistlichen von Liverpool verlangte, nämlich der Todesstrafe. Die durch dieses Gesetz ausgesteMe Strafe ist nun zwar durch eine Parlamentsacte von 1847 abgeschafft worden; allein Sir Edward behauptet, daß daS Gesetz selbst nicht zurückgenommen worden und daß die Einbringung oder Veröffentlichung von Bullen noch immer eine Verletzung der Gesetze des Königreichs sey. Jedenfalls aber besteht die Strafe nicht mehr, und man müßte jetzt eine andere anwenden. Wird nnn die englische Regierung diese Bahn betreten wollen, wird sie dieselbe zu betreten wagen? In zwei Monaten, wenn das Parlament wieder zusammentritt, werden wir eS sehen. Schon jetzt ist das Ministerium über diese Frage gespalten. Lord John Russell ist für die Bestrafung, vor Allem weil er die Ehre hat, Russell zu heißen und einen Ahn zu haben, aus dem die Geschichte einen Märtyrer gemacht hat, obgleich er im Grunde nichts weiter war, als ein Empörer; dann weil er auf gut Glück hin seinen Brief an den Bischof von Durham in die Welt geschickt hat und allzu weit gegangen ist, um zurück zu können: endlich weil er durch Schwimmen mit dem Strome seinen Pacht mit der Gewalt zu erneuen hofft, der dem Erlöschen sehr nahe war. Lord Palmerston wird wahrscheinlich, auf seiner Seite stehen, nicht sowohl aus protestantischem Feuereifer, als aus Abneigung gegen den römischen Hof und auS Groll gegen die Politik und die gegenwärtigen Allianzen des Papstes. Zu ihnen muß man noch den nenen Kanzler Lord Truro zählen, der übrigens in England kein besonderes Ansehen genießt, nicht einmal als Gcsetzkundiger, und bei dem Banket der Eity selbst bei seinem College» Lord Campbell Aergerniß erregte durch einen Ausfall, der des Chefs der Justiz nicht sehr würdig war. Allein die anderen bedeutendsten Mitglieder des Cabinets Lord Grey, Sir Charles Wood, Lord Lansdowne sind dem Vernehmen nach weit entfernt die Uebereilung zu billigen, mit welcher Lord John Russell die Regierung in diese Lage gebracht hat; und ein Mann, dessen Stellung und Charakter nolhwendig bei diesem Anlasse von großem Gewichte seyn werden, Lord Clarendon gilt dasnr, daß er sie gänzlich mißbillige. Lord Clarendon ist nämlich Vicekönig von Irland, d. i. von jenem Theile des vereinigten Königreiches, von welchem Sir Robert Peel gesagt hat: „Dieß ist der Stein des Anstoßes." Lord John Russell kann überzeugt seyn, daß dieser Stein des Anstoßes auch für ihn vorhanden ist. Die Suprematie und das Monopol einer Kirche, die nur von 800,000 Individuen anerkannt, dagegen 3 Millionen von Widersachern aufgcdrungcn ist, ist und bleibt eine Anomalie, die in einem und demselben Hause stets Verlegenheiten bereiten wird. Die englische Regierung ist genöthigt gewesen, mit dieser hundertjährigen Ungerechtigkeit zu tranSigiren; sie hat zuerst die Emancipationsacte gegeben, und endlich die kalholischen Bischöfe von Irland officiell anerkannt. Wir unseren Theiles haben geglaubt, sie habe dieß aus Gerechtigkeitssinn eben so sehr, als aus Furcht vor der Empörung gethan: jetzt müssen wir daran zweifeln. Doch dem sey wie ihm wolle, sie hat nicht nur nicht das Recht, sondern auch nicht die Macht mehr, diese durch die Nothwendigkeit ihr entrissenen nnd durch Jahrhunderte der Unterdrückung so theuer erkauften Zugeständnisse wieder zurückzunehmen. Canning sagte, als er vom Widerrufe der Union sprach: „Die Union widerrufen! eben so gut könne man die Heptarchie wiederherstellen!" Dieses Wort läßt sich eben so gut auf die Emancipa- ticmsacte anwenden. ES darf überhaupt nie vergessen werden, daß Irland eine Schwierigkeit ist für Alles, was die Regierung in England selbst thun möchte. Irland schützt die englischen Katholiken. Wenn z. B. die Regierung und das Parlament den katholischen englischen Bischöfen untersagen wollten, Titel anzunehmen, so müßten sie dieses Verbot auch auf die Bischöfe Irlands ausdehnen. Ist eS ja doch dieselbe StaatSkirche, die zu London wie zu Dublin herrscht; die Königin ist die Souveränin der einen wie der andern. Wenn die Butte deS Papstes ein Eingriff in die katholische Suprematie in England ist, so ist sie es auch in Irland; die Wahrheit wechselt nicht 14 von einem Ufer des St. Georgcauals zum andern. Nun aber sind die Titel der katholischen Bischöse Irlands seit langer Zeil von Regierung unv Parlament anerkannt und angenommen; entweder muß man also die katholische Kirche Irlands unterdrücken, oder man muß der katholischen Kirche in England, die nur eine mit ihr ausmacht, dieselben Rechte gewähren. Gerade jetzt finden wir in den englischen Blättern eine Erklärung des Grafen von Sainr-GcrmainS, ehemaligen Staatssecretärs für Irland, und in derselben die folgenden Worte: „DaS Parlament wird, wenn es über diese Frage Gesetze macht, in folgendem Dilemma sich befinden: entweder muß eS in England untersagen, was eS in Irland erlaubt, oder eS muß in Irland untersagen, waS dort seit undenklicher Zeit ohne Hinderniß geschehen ist. Im ersten Falle wird daS Parlament die Einheit der Kirche zerstören, und dadurch ihre Stellung in Irland schwächen (und einen Eingriff in fremde Rechte sich erlauben); im zweiten Falle wird cS eine große und allgemeine Unzufriedenheit unter den Katholiken Irlands hervorrufen, die Schwierigkeit dieses Land zu verwalten vermehren, und unserm Gesetzbuche nur ein Gesetz hinzufügen, das bestimmt ist, wie so viele andere, nur ein todter Buchstabe zu bleiben." Mau hätte die Frage unmöglich besser stellen können. Wahrscheinlich betrachtet sie Lord Clarendon in dem nämlichen Lichte und ist nicht geneigt, alle Früchte feiner weisen Politik aufs Spiel zu setze«, durch welche er die Ehre gehabt bat, Irland den Frieden zu geben. Lord John Russell muß jetzt die Schmähungen bereuen, die seine Stellung als erster Minister, d. i. als Repräsentant der Interessen der ganzen Nation ohne Unterschied der Glaubensbekenntnisse, ihm mehr als irgend einem Andern untersagen mußte; er wirb cS zu bedauern haben, so leichthin als „abergläubische Mummercien" die Uebungen einer Religion qualifieirt zu haben, zu der sich mehr als zehn Millionen Unterthanen seiner Souvcränin bekennen; und waS ehemals für seinen ruhmreichen Nebenbuhler und Vorgänger im Amte eine große Schwierigkeit war, könnte für ihn wohl zur unübersteiglichen Schwierigkeit werden. A us Pari S. DaS Faubourg St. Marceau und die Schwester Rosalie. Eine der Pariser Vorstädte, die von dem schmutzigsten und zerlumptesten Pöbel, gleichsam von dem Auswürfe der Bevölkerung bewohnt wird, ist daS Faubourg St. Marceau. In keinem andern Bezirke der mit Elend und Laster aller Art so gesegneten Hauptstadt herrscht eine ähnliche Verwahrlosung der Menschen an Leib und Seele, eine solche Gleichgiltigkeit gegen die Vortheile höherer Gesittung bei so barbarischem Hasse gegen Diejenigen, die derselben theilhaftig sind, eine so cnnische Hingabe an die Unordnung und den Unflat, eine so erschreckende Bereitwilligkeit, vor jedweder Noth veS Augenblickes in abscheulicher Betäubung Schutz zu suchen und eine so mächtige Neigung zu revolutionärem Schwindel in allen Dingen. Ich sage herrscht, ich sollte vielleicht sagen herrschte, denn seitdem die Cholera im Sommer neunundvierzig diese Vorstadt, so entsetzlich heimsuchte, ist in dem Geiste und den Gewohnheiten ihrer Insassen eine merkliche Aenderung eingetreten. Die Verheerungen, die das grausame, ost so plötzlich erscheiucnde, so zauberschnell daS begon> ncne Werk vollendende Ungethüm in diesem von jeher verpesteten Häusergewinkcl anrichtete, möchten an sich schon diese rohen, aber zugänglichen Gemüther zum Jnsich- gehen bestimmt, die Hand deS TodeS, die ganze Wohnungen vom Keller bis zum Giebel ausräumte, mag sie an die unsichtbare Gegenwart einer höheren Macht gemahnt, und die das Maaß, daS doch schon hohe Maaß ihrer alltäglichen Entbehrungen uno Verlegenheiten weit übersteigende Bedrängniß im Gefolge der mörderischen Seuche wie eine Strafe des Himmels aus sie gewirkt haben. Aber hiczu kamen noch andere Triebfedern der Bekehrung und Beweggründe der Besserung. Die Religion bot all ihre Kräfte zu geistiger und körperlicher Linderung des >rH. 15 unabsehbaren Elends auf, die Priester drangen in die ekelhaftesten Behälter seit Menschengedenken aufgestapelten Unraths, wo ganze Haushaltungen mit stets sich erneuerndem Ungeziefer seit Jahren in enger mephitischer Gemeinschaft lebten, die Gesellschaften frommer Laien verdreifachten ihre Anstrengungen, religiöse Frauen aus den höhern Ständen suchten hungernde Familien mit Arznei und anderm Bedarf in ihren traurigen Stätten ans, und die barmherzigen Schwestern bewiesen sich wahrhast helden- müthig. DaS HauS dieser Spital- und Schulnonnen in dem Faubourg St. Marceau wird von einer Dame geleitet, die in ganz Frankreich nicht bloß durch ihre ausgebreitete Wohlthätigkeit und ihren Feuereifer für die Armen, fondern durch ihren vielseitigen Einfluß und die Ursprünglichkeit ihres Wesens zu einer Berühmtheit gelangt ist, nach der mancher Künstler, Politiker nnd Literator, der auf der großen Oper, im Palais Bourbon oder im Feuilleton der „Presse" ein mithin leuchtender Stern ist, vergebens trachten dürfte. Soeur Rosalie hat sich in den Junitagen als Retterin einiger Officiere der Nationalgaide und als leitende Wärterin an den Barricaden hervorgethan. Sie war daher lange Zeit auf verschiedenen Bildern in ihrer Ordenstracht, aber stark verjüngt, wie sie die Blutgier der Insurgenten stillte, zu sehen, und General Lamoriciere, damal« Kriegsminister, stellte sich mit der galanten Ungebundenheit, die ihm geläufig ist, in ihrem Hause ein und legte ihr, nebst dem Danke der Negierung, das Anerbieten des Ehrenkreuzes, das sie jedoch, glaub' ich, ausschlug, und überfluthende Versprechungen officieller Hilfe und Aufmerksamkeit zu Füßen. ' Soeur Rosalie wurde von dieser etwas martialischen Darlegung ritterlicher Svm. pathie weder verblüfft noch geblendet. Sie war an den Verkehr mit den politischen Großmächten des Landes, wie an die Dienstbarkeit von Fürsten und Ministern seit langer Zeit gewöhnt; sie hatte Zutritt bei Carl X,, und Ludwig Philipp in der Tasche, Soult hatte mit ihr wie mit einem alten KriegSgefährten sich unterhalten, und Guizot gab ihr Audienz, so oft sie es verlangte. In ganz Paris verzweigt sich ihre Macht, in allen Vierteln, in allen Ständen, in allen Parteien hat sie Bekannte und Agenten, wo sie nicht selbst anklopfen kann, läßt sie anklopfen, Gläubige und Ungläubige rekrulirt sie im Namen der christlichen Liebe für ihre Unternehmungen und sogar von Voltairianern läßt sie, sagt man, Tribut sich zahlen. Ihre Sammlungen sind oft erstaunenswerth ergiebig, sie weiß so geschickt zu bitten, und mit Liebenswürdigkeit so dringend zu fordern, man schlägt eine.r so hohen Person nicht leicht Etwas ab und wagt eS nicht, mit einer geringen Beisteuer ihr zu kommen; kurz sie besitzt das beneidenSwerthe Vorrecht, die Cassen der Armen schneller und besser als irgend eine ihrer Colleginnen zu füllen und den Reichen daS wohlthuende Bewußtseyn erhöhter Freigebigkeit zu verschaffen. (Oest. R.-Z.) Ein Mittel gegen die Sonntagsentheiligung. Den Grund zu allen religiösen Vereinen hat der Heiland selbst gelegt, in der Stiftung seiner Kirche, des großen Vorbildes aller besonderen Vereine, und in den Worten: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, bin Ich mitten unter ihnen." In diesem AuSspruche liegt die Aufforderung, jedes gute Werk in Gemeinsamkeit zu beginnen, und liegt die Verheißung deS göttlichen SegenS zu dem im Namen des Herrn begonnenen Werke. Gegenwärtig breitet sich über Frankreich wiederum ein Verein aus, der obgleich klein in seinem Ursprung, doch durch die Idee, die ihm zu Grunde liegt, allerwärts Beifall findet und Großes verspricht — „Die Bruderschaft zur Sühne der Gott dem Herrn zugefügten Unbilden." ES war im Jahre 1847, als der Pfarrer einer kleinen Pfarrei Lanone, im BiSthum LangreS, welche leider fast alleS religiösen Geistes bar geworden, bei einer veranstalteten Mission lebhaft von dem Gedanken sich ergriffen fühlte, seinen Pfarrkindern einen Verein 16 in Vorschlag zu bringen, um für die vielen Gotteslästerungen und EntHeiligungen des Sonntags Gott dem Herrn eine Genugthuung zu bereiten. Bald hatte er 200 Mitglieder, und der Bischof von Langres, der die Sache prüfte und seiner Billigung für'würdig fand, führte die „Bruderschaft" feierlich am 18. Juli 1847 ein. Noch in demselben Monate verlieh der heilige Vater als Beweis seines besondere» Wohlwollens für dieses zeitgemäße Werk derselben zahlreiche Jndulgenzen, und erhob sie unter dem 30 Juli 1847 zur Erzbruderschaft. — Auf diese Weise von der Kirche bestätigt und ihres Segens theilhaftig machte sie unglaubliche Fortschritte. Ende des Jahres 1847 waren bereits 21 ^Einschreibungen, worunter 8 Seminarien, 22 religiöse Genossenschaften und 30 Filialbruderschaften in 17 ViSthümern. Gegenwärtig bestehen nahe an 1000 Filialbrnderschaften; sie ist über 68 Diöcesen ausgebreitet und in 135 religiöse Anstalten eingeführt. DaS erste, so eben erschienene Heft der „Jahrbücher" dieser Erzbruderschaft ertheilt über ihr Wirken recht erfreuliche und überraschende Mittheilungen. Mailand. Die Bischöfe der Lombardie waren bekanntlich vom 27. Nov. bis 5. Dcc. zu einer Privatconferenz in Mailand versammelt, welche der Erzbischof dieser Stadt, BartholomäuS Earolus, mit einer lateinischen Anrede eröffnete. Es waren ihrer im Ganzen 8, nämlich außer dem Erzbischof die Bischöfe von Como, Crema, Lodi, Mantua, Pavia, Crcmona, ^Brescia. Was sie verhandelten, ist zur Zeit noch un bekannt. Ihr vom 1. Dec. datirter Hirtenbrief an die Geistlichkeit ihrer BiSthümer zeigt, welcher Gegenstand ihre Aufmerksamkeit und hirtliche Sorgfalt dermal besonders in Anspruch nehme. Sie klagen darin, daß daö Land überschwemmt sey mit Büchern und Zeitungen aller Art, welche alles, was dem Christen heilig ist, verächtlich oder lächerlich zu machen suchen, welche die Reinheit' der christlichen Sittenlehre und die Wahrheit unsers heiligen Glaubens angreifen. Die Feinde des Glaubens haben die gesetzlose Zeit der Revolution schlau benützt, um eine Unzahl von Bibeln, welche von Ketzern in die Volkssprache übersetzt und zugleich durch eingestreute ketzerische Irrthümer verfälscht worden, ins Land zu bringen, bei dem gemeinen Volk in Städten und Dörfern, bei Weibern und Kindern in Umlauf zu setzen, und so ihren Irrthümern Eingang zu verschaffen. Sie halten es daher für ihre dringendste Pflicht, den Klerus zur Wachsamkeit und Sorge aufzufordern, daß die dem wahren Glauben drohende Gefahr rechtzeitig abgewendet werde. Sie weisen hin auf die heilsame Anordnung deS apostolischen Stuhles, daß nur solche Bibelübersetzungen in der Landessprache gelesen werden dürfen, welche entweder vom apostolischen Stuhl für richtig und unverfälscht erklärt, oder mit Anmerkungen aus den heiligen Vätern oder aus andern gelehrten katholischen Schriftauslegern versehen sind. Darum sollen die Priester auf alle Weise in Liebe und Ernst dahin wirken, daß die dem Glauben und den Sitten zugleich drohende Gefahr beseitiget, und namentlich die leichtbewegliche Jugend von der Verführung gesichert werde. Man sieht aus dem Ganzen, daß die Reformation in der Revolution gute Geschäfte machte. Sie hat in jenen Gegenden, die ihr bisher unzugänglich waren, reichlichen Saamen ausgestreut. Möge eS den emsigen Bemühungen der wachsamen Hirten gelingen, ihn auszurenken, bevor er wuchernd aufgeht und das arglose Volk zerrüttet. Nordamerika. Unter den Schissbrüchigen der „Helena Sloman" (f. Postztg. vom 2. Jan.) befand sich auch, wie daö Schles. Kirchenblatt meldet, der MissionSpfarrer Schonnat aus Ohio. Er wurde zwar gerettet, hat aber Alles eingebüßt, was er an Kirchenvaramenten, theologischen Schriften ,c. auS Europa mitgenommen hatte. Berantwortlichcr Redacteur: L. Schönchen. Vn'lags-Jnhaw: F. C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger poKMung. 19. Januar A. - 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnemcntsvreis 40 kr,, wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die katholische Weltanschauung. (Vorirag im katholischen Cenlralverein zu Breslau, mitgetheilt im Schles. Kirchenblatt.) ES ist in hohem Grade auffallend, liebe BereinSgenossen, daß über eine und dieselbe Sache, über eine und dieselbe Begebenheit, über ein und dasselbe Unterneh» wen ganz verschiedene, ja oft entgegengesetzte Urtheile unter den Menschen sich bilden, daß also, weil die Urtheile aus der besonderen Auffassungs- oder Anschauungsweise deS Einzelnen hervorgehen, auch die menschlichen Anschauungsweisen ganz verschieden, ja oft einander ganz entgegengesetzt sind. Kommt daS etwa davon her, daß die Urtheilenden auf sehr verschiedenen Stufen der Verstandesentwickelung sich befinden? Keineswegs, denn sonst müßten die Klugen dieser Erde, die Gelehrten, die Staatsmänner, diejenigen, welche im Rathe der Fürsten und Volker fitzen, in ihren Urtheilen über wichtige Angelegenheiten doch wohl, wenigstens der Hauptsache nach, übereinstimmen; aber daß dieß nicht der Fall ist, sagt unö die Geschichte jedeS TageS; gerade die Klugen dieser Welt gehen in ihren Urtheilen über denselben Gegenstand oft am weitesten auseinander. Auf die Urtheile der Menschen, auf ihre gesammte Anschauungsweise hat nämlich nicht allein der mehr oder minder verfeinerte Verstand einen Einfluß, sondern auch das Herz mit seinen Neigungen und Wünschen, der Wille mit seinen Bestrebungen, mit einem Worte: das Gemüth, dieser Brennpunct aller Regsamkeit in unserm Innern. Ja, von dem Gemüthe, von der gesammten inneren Verfassung deS Menschen, von seiner größern oder geringern geistigen Selbst- ständigkeit, von dem Grade seiner Ueberzeugungstreue, von seinem ganzen Charakter hängt die Beschaffenheit der menschlichen Urtheile ab. Auf die innere geistige Verfassung, auf den gesammten Charakter deS Menschen wirkt aber nichts entschiedener ein, als die Religion. Wie die Religion das Leben der Völker durchdringt, so durchdringt sie auch das Gemüth des Einzelnen. Gegen die Religion kann sich Niemand gleichgiltig verhalten, denn erkennt er ihre Macht an, dann wählt er sie auch zu seiner Leiterin im Leben; läugnet er aber ihre Macht, wehrt er sich gegen dieselbe, dann macht sie ihm erst recht viel zu schaffen; das ganze Benehmen der Ungläubigen, der Irreligiösen beweist eö; sie möchten die Religion gern hinwegspotten, hinweghöhnen, aber immer tritt sie dem Elenden wieder mahnend und strafend entgegen. Uebt nun aber die Religion einen so unverkennbaren Einfluß auf die geistige Verfassung deS Menschen aus, so übt sie ihn auch selbstredend auf ihre Anschauung aus, die eben von der geistigen Verfassung bestimmt wird. Demnach gibt eö, je nachdem der Heide, der Jude, der Christ, und hier wieder der Protestant und der Katholik verschieden über eine Sache urtheilt, eS gibt eine heidnische, ludische und christliche, eine protestantische Auffassung oder Anschauung von dem, was in der Welt vorkommt. Wir haben eS hier vorzugsweise mit der katho- 18 lischen Weltanschauung zu thun; diese steht jeder andern mehr oder weniger entgegen, je nachdem die andere mehr oder weniger von der katholischen Wahrheit in sich aufgenommen hat. So trifft die katholische Weltanschauung mit der gläubig protestantischen in recht wesentlichen Stücken zusammen, weil der Protestantismus, als er aus dem Vaterhause schied, gar viel von den dort aufbewahrten Gütern mit sich genommen hat, an denen er zum Theil noch zehrt; am meisten aber, ja fast in allen Stücken völlig entgegengesetzt ist die katholische Anschauungsweise der alten und nun wieder heraufbeschworuen modernen pantheistisch-heidnischen Weltanschauung. Dieser gegenüber soll im Folgenden die katholische Weltanschauung entwickelt werden. Die katholische Weltanschanung, wie man sich leicht vorstellen kann, hat ihre Geltung nicht bloß auf dem Gebiete des Glaubens, sondern auf allen Gebieten des Lebens, auch auf dem deS Staates, der Gesellschaft, der Kunst und Wissenschaft; sie wäre ja nicht die katholische, die allgemeine, die allumfassende, wenn irgend ein Gebiet des SeynS und Denkens von ihr nicht erreicht würde. Unmöglich kann es daher die Aufgabe dieses VortrageS seyn, die katholische Weltanschauung in ihrem Unterschiede von allen andern AuffassungSweisen in jedem Gebiete des Lebens, auf jedem Felde menschlicher Thätigkeit nachzuweisen. Nur in Bezug aus das, was das unruhige Herz fest macht (ES ist ein köstlich Ding, sagt die Schrift, daß daS Herz fest werde), nur in Bezug auf daS, was daS Leben der Gesellschaft im Innersten zusammenhält, kann ich den Nachweis führen. Die katholische Weltanschauung macht sich zuvörderst gellend in Rücksicht auf die Bestimmung sowohl veS Einzelnen als des ganzen Geschlechtes. Wenn die pantheistisch- oder heidnisch > moderne Auffassungsweisc daS Daseyn des Menschen auf der Erde für abgeschlossen hält, wenn sie von einem Leben jenseits des Grabes nichts weiß, wenn sie eine höhere unsichtbare Weltordnung, welcher der Sterbliche vorzugsweise angehört, durchaus nicht anerkennt; wenn der modernen Auf- fassungSweise Gericht, Ewigkeit, Himmel, Hölle, persönliche Fortdauer inhaltslose Worte sind, die man nur dem Unmündigen vorreden kann: so erscheint nach der katholischen Weltanschauung daS irdische Leben bloß als eine Vorbereitung für das ewige, himmlische Leben, der Mensch selbst stellt sich unS, da er nicht bloß einen sichtbaren Körper, sondern auch einen unsichtbaren Geist besitzt, der sich nach ganz eigenen Gesetzen entwickelt, der Mensch stellt sich uns dar als ein Bürger zweier Welten, der niedern sichtbaren und der höhern unsichtbaren, in welcher sein durch irdische Güter und Genüsse nie zu befriedigendes Herz erst die wahre Heimat findet. Fragt ihr bei der katholischen Weltanschauung an nach dem Ziele alles menschlichen ThunS und Treibens, alles Sinnens, Denkens und Strebens, alles Sorgens, Mü- hens und ArbeitenS, sie verweist euch nicht, wie die moderne Auffassungsweise, aus die elenden Träber der Wollust, auf etwas, was in Kurzem die Beute des Staubes und Moders wird, wohinter immer daS Gespenst des Todes euch angrinzt und Galle in den Taumelkelch der Sinnenfreude mischt, nein, die katholische Weltanschauung weist euch hinaus bis zum Throne GotteS, wo die Seraphim und Cherubim mit verhülltem Antlitz ihr dreimal heilig singen, wo das Hallelujah der millionenma! Millionen seligen Geister ertönt; sie weist euch, ihr armen Erdenpilger, euer Ziel in der Anschauung dessen an, der der Urquell alles Lebens und aller Schönheit und aller Seligkeit ist, in der Anschauung dessen, der euch überschwenglich mebr bereichern, überschwenglich mehr an euch thun kann, als ihr zu bitten und zu denken vermöget. Die katholische Weltanschauung macht sich dann geltend in Bezug auf die gegenwärtige Beschaffenheit des Einzelnen und des ganzen Geschlechtes. Wenn die moderne Auffassungsweise den Menschen an sich, den Menschen, wie er sich gegenwärtig darstellt, für ein vollkommenes Wesen, ja für das vollkommenste aller Wesen hält, da die unbewußte Naturkraft in ihm erst zum Bewußtseyn kommt, nachdem sie sich in Bildung der Elemente, in Bildung der Mineralien, der Pflanzen, der niedern und höhern Thiere versucht hat, wenn die moderne Auffassung von der Allmacht des Menschen, von seinen großen Thaten auf dem Felde 1V der Geschichte, von seiner Schöpferkraft auf dem Gebiete der Erfindungen nicht genug Rühmens zu machen weiß, wenn sie in ihrer Bewunderung bis zum Cultus deS menschlichen Genius, also zur Selbstvergötterung sich fortreißen läßt; wenn sie den Menschen, wie er da leibt und lebt, als durchaus gut und wacker preist, und die Sünde, die an ihm haftet, nur für daS werdende Gute hält; wenn sie Unzucht, Diebstahl, Raub, Mord und Brandstiftung nicht als Schuld des einzelnen Menschen gelten läßt, sondern diese und alle andern Verbrechen den gegenwärtigen Gesellschafts- cinrichtungen zur Last legt und daher diesen, nicht den Verbrechen den Krieg ankündigt; wenn sie endlich , da sie den Menschen für durchaus nobel hält, auch nichts von einem Erlöser und von einer Erlösung wissen will oder höchstens, wenn sie die Erlösungsbedürftigkeit zuläßt, den Menschen zu seinem eigenen Erlöser macht: so erscheint nach der katholischen Weltanschaunng der Mensch nur allzusehr crlösungS- bedürftig und zu nichts weniger fähig, als sich selber zu erlösen. Wahrlich, der zur Gemeinschaft mit Gott berufene uud durch Mißbrauch seiner Freiheit auS dieser Gemeinschaft-gefallene, tief gefallene Mensch ist an sich ein Sünder, und ein großer Sünder; seine ursprüngliche Gerechtigkeit, die von Gott ihm verliehene Vollkommenheit, ist verloren, des Menschen Geist ist umdüstert, sein Herz ist verderbt, sein Wille ist schwach, sein Sinnen und Denken, sein Thun und Trachten ist eitel und thöricht von Jugend auf, Gott kann an ihm, wie er da ist, kein Wohlgefallen haben, er kann ihn in seinen Himmel nimmer aufnehmen. Aber der Mensch ist erlösungssähig geblieben trotz seines tiefen FalleS; er konnte sich wieder erhe- ben, wenn der Allerbarmer ihm seine Gnadcnhand reichte, und der Allerbarmcr hat sie ihm gereicht: Gott ist Mensch geworden, um den Menschen zu erlösen; der Vater hat seinen Sohn gesendet, damit er die sündigen Menschen errette, damit er durch sein aufopferungsvolles Leben und Wirken, Leiden und Sterben die Schuld von ihnen nehme und sie zu Kindern Gottes, zu Erben der ewigen Seligkeit wiederum mache. Nicht der Mensch also ist sei» eigener Erlöser, der Sohn Gottes allein ist der Menschen Erlöser, ihr alleiniger Mittler, ihr Lehrer, Hoherpriester und König: nur durch ihn können wir zum Vater kommen. Ich breche hier ab, denn die Hoheit nnd Würde deS Erlösers, die Geheimnisse und Wunder des Erlösungswerkes > sie werden auch sonn- und festtäglich von heiliger Stätte verkündet, sie können, sie dürfen euch nicht unbekannt seyn. Hier kam es nur darauf an, euch aufmerksam zu machen auf den ungeheuern Unterschied, der in der Lehre von der Sünde und von dem Erlöser zwischen der modernen und zwischen der katholischen Weltanschauung stattfindet; jene raubt dem armen elenden Geschlechte den Erlöser unv macht es nun erst wahrhaft arm und elend; diese aber, die katholische Ueberzeugung, zeigt dem Menschen in dem hochheiligen Werke der Erlösung den Quell alles Heiles und SegenS; sie zeigt, wie dieser Quell durch die Reihe der Jahrhunderte bis hin zum Ende der Zeiten in der von Christus gestifteten nnd vom Geiste GotteS regierten Kirche durck die Verkündigung des Evangeliums und durch die Ausspeudung ver Gnadenmittel über jedes nenc Geschlecht der Menschen reinigend und läuternd, tröstend nnd lebenspendend sich ergießt, und im Einzelnen wie im ganzen Geschlechte das Ebenbild Gottes strahlend wieder herstellt und Allen, Allen, die aus diesem Strome trinken, zum Frieden auf Erden, zur Seligkeit im Himmel verhilft. Die katholische Weltanschauung macht sich serner folgerichtig geltend in Rücksicht auf die Gestaltung des irdischen Lebens, auf die Gestaltung der Formen, deren die Gesellschaft zur Erreichung ihrer Bestimmung bedarf. Der Inbegriff aller dieser Formen des GesellschaftSlebcnS ist das, waS wir den Staat nennen. Wenn nun die moderne Anschauungsweise den Staat für das Höchste im Leben, aber auch zugleich als ein bloß menschliches Product ansteht, wenn sie ihn als durch ein Ueber- einkommcn aller Classen der Bevölkerung gegründet, bloß als eine Art von gesellschaftlichem Contract betrachtet, wenn sie jedem Bürger eine Betheiligung an der Gestaltung deS Staates, an der Veränderung der Gesellschaftsformen zuspricht; wenn sie dem Volke und jedem Einzelnen im Volke Souveränität, d. h. Selbstherrlichkeit 2ft und damit das Recht zugesteht, daß das Volk nach Belieben sich entweder für eine monarchische oder für eine republikanische, entweder für eine konstitutionelle oder für eine demokratische Verfassung entscheiden darf; wenn die moderne Auffassung den Für- ften gar nicht zum Volke gehörig, ihn vielmehr im Gegensatze zum Volke betrachtet, wenn sie von keiner höheren Autorität als von der deS Volkes etwas weiß: so erkennt die katholische Weltanschauung als böchsie Autorität die göttliche an, der sich Fürsten und Völker in gleicher Weise unterzuordnen haben; die Entstehung und Entwickelung, die Blüthe und der Verfall der Staaten ist, vom katholischen Standpunkte auS, kein bloß menschliches Productz nach der katholischen Weltanschauung stehen die Geschicke der Staaten unter der Leitung der allwaltenden Vorsehung; sie verlangt für alle Einrichtungen im Staate eine religiös-sittliche, eine auf der Offenbarung ruhende Grundlage. Nach der katholischen Weltanschauung ist die Obrigkeit von Gott eingesetzt, um das Gesetz zu hanthaben, um Frieden und Ordnung unter den Menschen zu erhalten, um ihre zeitliche Wohlfahrt zu befördern; denn Gott ist kein Gott der Unordnung, und gottloses Wesen mißfällt ihm. Er will, daß seine Kinder auf Erden ein ruhiges und zufriedenes Leben führen in aller Zucht und Ehrbarkeit, unangefochten von den Friedensstörern, von den Ehrgeizigen und Ruhmsüchtigen, von den Hubgierigen und Schwelgern, unangefochten überhaupt von allen Knechten der Sünde. Da nun, wie die Schrift sagt, alle Obrigkeit von Gott ist, da jeder, der sich der Obrigkeit widersetzt, der Anordnung GotteS widerstreitet und sich das Gericht zuzieht: so verwirft die katholische Weltanschauung jece eigenmächtige Selbsthilfe, alle ClubbS- und Barricadenwirthschast, und selbst dann, wenn die Obrigkeit die von Gott empfangene Gewalt mißbraucht und selbst revolutionär wird, selbst dann verlangt die katholische Weltanschauung Gehorsam, natürlich nur einen leidenden, einen solchen, >der den Katholiken dem Despoten zurufen täßt: „Das ist dir nichl erlaubt; für deine Verletzung deS Rechtes, für deine Willkür und Grausamkeit hast du nicht nur vor dem Gerichte der Weltgeschichte, sondern auch vor dem Gerichte des Allheiligen Rechenschaft zu geben; unsere Seufzer, unsere Thränen klagen dich vor dem Herrn aller Herren an, von dem du deine Gewalt nur zum Lehen trägst." Ja, so darf der Katholik, so muß er seinem Unterdrücker gegenüber sprechen; denn thäte er eS nicht, er würde den ungerechten Machthaber in seinem Unrechte bestärken, er würde sich fremder Sünde schuldig machen. Unter keinen Umständen aber ist eS nach katholischer Weltanschauung erlaubt, offenen Aufruhr zu erregen und den gewaltsamen Umsturz des Bestehenden herbeizuführen, «denn, spricht der Herr, rächet euch nicht; die Rache ist mein, ich will vergelten." Die Tyrannei, den Despotismus betrachtet der Katholik allerdings als ein großeSZ Uebel, aber auch zugleich, wie jedes andere Uebel, als eine Prüfung und Heimsuchung, die über ein Volk wegen seiner Verschnlbung und zur Abbüßung seiner Sünden hereinbricht; der Katholik ehrt noch immer den Despoten, und kann er ihn nicht als den Vater deS Vaterlandes ehren, so ehrt er ihn als eine Geißel GotteS, berufen zur Läuterung des sündigen Geschlechtes. Vom modernen Standpuncte auS erscheint eine solche Auffassung, welche die Revolution verwirst und den Teufel nicht durch Beelzebub, den obersten der Teufel, auStreiben will, nur als Sclavensinn, die christliche Demuth, Geduld und Unterwürfigkeit wird von der modernen Weltanschauung nur für Feigheit, Wegwerfung der Menschenwürde, ja für schmähliche Niedertracht gehalten. So stehen aus dem Gebiete deS staatlichen LebenS die heidnische und die katholische Weltanschauung einander schnurstracks entgegen. (Schluß folgt.) Wolfgang Menzel über die Missionen. *) Nachdem man Misstonen in alle Weltgegenden, zu den schwarzen, gelben, rothen und olivenfarbigen Heiden geschickt hat, ist man inne geworden, daß eS auch noch in Wolfgang Menzel ist unsern Lesern als ein angesehener Historiker und Kritiker, als Redacteur des frühern Litcraturblattes zum Morgenblatt gewiß bekannt. Er ist au» Ueberzeugung 21 der nächsten Nähe, mitten in Europa und Deutschland, weiße Heiden gibt, und daß hier am Ende noch mehr zu bekehren übrig bleibt, als an den Küsten von Alt- und Neu-Guinea, Labrador und Kamtschatka. Daher findet, aus dem buntscheckigen China heimgekehrt, der große Gützlaff unerwartet einen Nebenbuhler in dem Wandcrvater aus dem rauhen Hause, und die aus Paraguay unv dem Goldland Californien längst verbannten katholischen Missionäre kommen in den dunkelgrünen Thälern unseres Schwarzwaldes und OdenwaldeS wieder zum Vorschein und predigen den Wilden im Vaterlande. Die Revolution der letzten zwei Jahre hat weniger selbst verwüstet, als die längst vorhandene „große Menschenwüste" nur entblößt, und die täuschenden Schleier von ihr weggezogen, womit Aufklärung, Polizeistaat und conventueller Anstand sie zugedeckt hielten. Man hat in den Abgrund einer sittlichen Entartung und Verwilderung hineingeblickt, welche der Staat mitverschuldet zu haben sich plötzlich bewußt geworden ist. Daher der Nothruf nach kirchlichen Mitteln, die man so lange verschmähte. Daher Emancipationen der Kirche, wie man sie noch vor drei Iahren nicht für möglich gehalten, nicht im Traume sich vorgespiegelt hätte. Daher der elektrische Schlag, der mit Wichern'S Zauberwort „innere Mission" durch ganz Deutschland fuhr, daS erste Licht in der tiefen Finsterniß, der lebendige Quell aus dem Felsen, vor dem man trostlos dürstete. Daß auch der kirchenfeindlichste Bureaukrat jetzt einsehen muß, man komme mit bloßer Polizei nicht auS und bedürfe nothwendig der Religion und ihrer Getreue», um den Dämon im Demos zu bewältigen, ist ein großer werthvoller Gewinn der neuesten Zeit. Höher aber noch schätzen wir die im Volke selbst, zunächst in den gebildeten Classen, vorgegangene Verwandlung der Gesinnung und Meinung in Bezug auf die religiösen Dinge. Der Dünkel der falschen Aufklärung ist immer mehr als solcher anerkannt worden. Wenn auch die Noth noch nicht so groß ist, dj,ß sie überall beten gelehrt hätte, so kam doch wohl auch der im gewohnten Daseyn Behaglichste in den Fall, wünschen zu müssen, daß wenigstens seine Kinder und Untergebenen lieber möchten beten, als fluchen gelernt haben. Man ist so scheu geworden vor dem Unheiligen, das auS der revolutionären Presse, aus den Clubbs, Volksversammlungen und Freischaaren mir höllischen Tönen hervorbrülltc, daß darüber die alte herkömmliche Scheu vor dem Heiligen merklich verschwunden ist. An den Katzenmusiken hat man gelernt, um wie viel lieblicher doch die Kirchenmusik sey. Wir wollen nicht schärfer untersuchen, von welchem innerlichen Widerstreben diese Bewegung zur Kirche begleitet ist und wie viele heimliche Vorbehalte sich die Furcht macht, indem sie zum ersten Male den sonst so widerwärtigen und lästigen Priester zum Beistande ruft. Wir halten uns nur an die Thatsache, daß die Bureaukraten wirklich den Priestern einmal Platz gemacht, ihnsn Vertrauen gescheut, ihnen dasselbe Volk zur Zucht empfohlen haben, welches sie der priesterlicher Zucht zu entreißen seit einem Jahrhunderte keine Gewaltthat, keine Verleumdung des Standes, keine Verspottung der Religion selbst gescheut hatten. Unter allen Wundern, welche diese Umwandlung der Stimmung seit der letzten deutschen Revolution hervorgerufen, ist wohl das Wunderbarste die freie und ungehinderte Thätigkeit der Jesuiten, welche man nicht etwa bloß gewähren läßt, sondern auch gut heißt und mit ehrfurchtsvollem Staunen begrüßt. Wer erinnert sich nicht noch des Ausbruches eines allgemeinen Ingrimmes in Deutschland» als es vor fünf Jahren der Schweizer Sonderbund wagte, zwei alle Männer von der Gesellschaft Jesu nach Luzern zu berufen? In Sachsen stieg die Wuth bis zu dem Grade von Fieberhitze, daß sogar das Knöchlein eines Jesuiten, welches man als Reliquie im Altare gläubig« Protestant, hat aber schon oft bewiesen, daß er fähig ist, Erscheinungen aus dem Gebiete der katholischen Kirche unbefangen und vorurtheilsfrei zu würdigen. Seine Beurtheilung der katholi. schen Missionen ist einem größern Aufsatze: „Die Mission auf katholischem und protestantischem Gebiete," im 4, Hefte der „Deutschen Vierteljahrsschrift." entnommen. ss einer Kirche zu entdecken geglaubt hat, daS Land beinahe in Aufruhr brachte. AIS die Radikalen in der Schweiz unter der Leitung entschiedener Gottesleugner, z. B. deS hohnlachenden Verfolgers der waadtländischen Kirche, den Sonderbund überwältigten, jubelte ihnen die gesammte deutsche Presse, mit nur sehr wenigen Ausnahmen zu, selbst Regierungsblätter nahmen damals mit Partei gegen den Sonderbund. ES sind seitdem erst drei Jahre vergangen. Wer hätte sich träumen lassen, daß die damals mit so lautem Halloh verjagten Jesuiten noch einmal wieder dießseits der Alpen mitten unter uns seyn und in aller Sicherheit predigen würden? Denn Die, von denen wir sprechen, gehören zum Theile der Gesellschaft Jesu, zum Theile dem Orden der Liguo- rianer oder Redemptoristen an. . Die im Laufe des Jahres 1850 im südwestlichen Deutschland und vorzugsweise im Schwarzwalde abgehaltenen katholischen Missionen hatten theils als Bilder des zurückgekehrten Seelen- und Landeöfricdens einen hohen idyllischen Reiz, theils offenbarten sie eine so intensive Kraft des Religiösen und Sittlichen, mitten in der Corrup- tion der Zeit, daß kein Anwesender, selbst der mit Vorurtheil dazu getreten, sich eines heiligen Schauers zu erwehren vermocht hat. Auch Zuhörer des evangelischen Bekenntnisses waren tief ergriffen und bekannten, daß hier nichts, was ihnen sremd oder feindlich hätte seyn können, vorgekommen, sondern ein wahrhaft evangelischer Geist in apostolischer Einfachheit und Kraft sich offenbart habe. Welcher Protestant wäre engherzig genug, solche Erfolge der alten Kirche mit Mißgunst ansehen zu wollen? Nur neidlose Freude kann uns bewegen, wenn wir DaS, was allen Christen gemeinsam ist, gedeihen und das Kreuz triumphiren sehen über seine Widersacher. Denn aller Gläubigen^ von welcher Confession sie seyn mögen, gemeinsamer Feind ist, der hier besiegt wurde, und nie dürfen wir vergessen: das Reich der Feinde Christi ist so weil ausgedehnt, so männervoll und streitbar, daß keine Confession für sich allein sich rühmen darf, es erobern zu können. Eine vielmehr wird der andern noch in heißem langem Kampfe helfen müssen. Es wäre eine große Ungerechtigkeit und hieße den Ernst der Zeit tief mißverstehen, wenn man, wie wohl geschehen ist, das reine evan- gelische Verfahren der Missionäre und ihr Sichfernhalten von jeder kirchlichen Polemik nur aus Berechnung und politischer Klugheit erklären wollte. Sie hatten ja gar keine konfessionelle, sondern nur eine sittliche Ausgabe, und diese haben sie redlich erfüllt. Die katholischen Missionen begannen schon im Februar in Säckingen, Kirchgarten, Schwetzingen und wurden fortgesetzt im März zu Herbolzheim und Urloffen, im April zu Gengenbach, Gerwihl, Haigerloch und Löffingen, im Juni zu Triberg und Waldthüm, im Juli zu Ellwangen, Wnrzach, Sigmaringen und Zipplingen im Rieö, im August zu Konstanz, im September zu Mcersburg:c., wobei sich nach Erkrankung des Anfangs thätigen Pater Haslacher, vorzüglich die Patres Zobel aus Tirol, Schlosser auS dem Elsaß und Rodcr auS Bayern betheiligten. Alle diese Priester sind hochbegabte Redner und brachten durch ihren apostolischen Eifer eine staunenswerthe Wirkung hervor, indem das Landvolk überall zu vielen Tausenden sich um sie versammelte und da, wo ein Jahr früher die Revolution ihre wildesten Orgien gefeiert hatte, unter Reuethränen in tiefster Zerknirschung Buße that. Zu Urloffen, unsern von Osfenburg, wo im Mai des Jahres 1849 die berüchtigte Volksversammlung gehalten worden war, die dem badischen Aufruhre den Anstoß gab, versammelten nicht zehn Monate später fromme Missionäre dasselbe Volk zu einer Verhandlung von ganz anderer Art und Natur, und eine andere Begeisterung schlug hier in Heller Lohe zum versöhnten Himmel auf. Wir müssen uns das seltsame Geschichtsbild näher vergegenwärtigen und zu seiner Ausmalung die warmen Farben eines Augenzeugen wählen: „Mitten unter den radikalen Städtchen Renchen, Obcrkirch, dem weltberühmten Demagogensitz Offenburg und'uahe dem berüchtigt gewordenen Flecken Appenweier liegt der große Ort Url offen mit seiner schönen Kirche, ganz geeignet, eine große Menge Derer aufzunehmen, welche trotz aller Wühlereien ihr katholisches Bewußtseyn nicht verloren hatten. Vom zweiten Fastensonntage an sah man Tausende aus allen Richtungen nach der Kirche wallen, welche in schöner weiter S3 Ebene fernhin einladet. Referent besuchte die Mission einige Mal und war erstaunt über die heilige, ernste Stille, die unter den Tausenden herrschte, welche zur Mission zusammengeströmt waren. Die Vergleichung mit den Jahren 1848 und 1849 drängte sich uns unwillkürlich auf. Welch wüster Lärm, welche bacchanalische Aufregung zeigte sich aus den Offenburger Volksversammlungen vom 19. März 1848 und 13. Mai 1849, wo ein Stay, ein geckenhafter Knabe Gögg, betrunkene, meineidige Soldaten an eine von Wahnsinn ergriffene Menge sprachen, und die schmählichsten Ausdrücke gegen einen der edelsten Fürsten, ja gegen alle Fürsten, den vollsten Beifall ernteten. Dagegen welche heilige, stille Freude auf dieser religiösen Volksversammlung in Urlos- fen! Welche Genügsamkeit unter diesen Tausenden, welche die wenigen LebenSmittel, die sie mitgebracht hatten, da und dort sich in Gruppen lagernd, genossen, und dann wieder zur Kirche eilten, wo dcS TageS dreimal über die wichtigsten Religionswahrheiten die ergreifendsten Vorträge gehalten wurden, welche selbst die Herzen vieler Verirrten mächtig erschütterten. Die Beichtstühle waren von Morgens 3 Uhr bis spät in die Nacht umdrängt. Die Menge zog her und zog ab in der ruhigsten Stimmung. Am dritten Fastensonntage predigte ein ausgezeichneter Gottesmann vor wenigstens 7000 Menschen, die auf dem Kirchplatze versammelt, waren, da die große Kirche solche Menge nicht zu fassen vermochte; lautlose Stille herrschte wie in der Kirche. Die Prediger faßten ihre Sache am rechten Puncte an, ihre Reden waren auch vorzüglich einzelnen Ständen gewidmet, z. B. der Jungfrau, dem Jünglinge, dem Ehegatten. Der Jungfrau wurde ihre erhabene Bestimmung erklärt, und gezeigt, wie sie durch Keuschheit, Sanftmuth, Fleiß und Gehorsam sich die Achtung ihrer Nebenmenschen verschaffen kann. Dem Jünglinge, der seinem Berufe mit Eifer obliegt, ob Landwirt!), Handwerker, Künstler oder Gelehrter, wird Fleiß, Mäßigung, Nüchternheit, Gehorsam und Sanftmuth empfohlen, die Folgen der Trunkenheit, der Streitsucht, der Unzucht in all ihren traurigen Abstufungen vor Augen gestellt, und bewiesen, daß die Laster, die er mit 18 — 24 Jahren treibt, demselben auch als Mann mit 30 — 50 Jahren, ja bis an das Grab ankleben." (Fortsetzung folgt.) Berlin. Die katholische Bevölkerung in Berlin wie in der ganzen Delegatur schreitet in dem unablässigen Bestreben, die kirchlichen Einrichtungen zu vervollkommnen und zu erweitern, mit sichtlichem Erfolge voran, ein Beweis, daß die Bahn, welche die frühern Pröpste, die Herren Brinckmann und v. Ketteler, hier betreten und eingehalten haben, auch unter der jetzigen Leitung des Herrn Pelldram nicht verlassen wird. Durch unablässiges Streben wurde der sonntägliche Gottesdienst in der Hauptstadt, welcher bei einer so großen katholischen Bevölkeruug, außer der entlegenen Jnvaliden- kirche, ausschließlich auf die.Hauptkirche zu St. Hedwig beschränkt war, auf vier Puncte ausgedehnt, das Hospital und die Garnisonskirche, die bis noch vor kurzer Zeit sehr vernachlässigte katholische Schule reorganisirt, ein treffliches SchulhauS gebaut und ein Unterricht eingeführt, welcher den Anforderungen einer tüchtigen Stadtschule entspricht. Bei der großen Zahl der hiesigen Gemeindeglieder (sie hat nach jüngster Zahlung fast 21,000 Pfarrangehörige, außerdem 470 überwiese»? Katholiken unter der hier garnisonirenden Linie) kann indeß der so sehr umfassenden Scelsorge kaum in den nothwendigsten Dingen genügt werden, zumal die Thätigkeit der bis jetzt vorhandenen fünf resp, sechs Geistlichen durch die Anhäufung der Landwehr in Berlin und die Funktion am Hospital in neuester Zeit noch wesentlich gesteigert ist. Man hat deßhalb ernstlich Bedacht genommen, einen sechsten Geistlichen definitiv zu gewinnen, der durch die Erweiterung des Hospitals und den nicht mehr zu versäumenden Religionsunterricht unter den katholischen Gymnasiasten sämmtlicher hiesigen Gymnasien noch großentheilS in Anspruch genommen werden wird. Die vielgerühmte Toleranz 84 hat es bis jetzt nicht dahin bringen können, die Directoren und Behörden der evangelischen Schulanstalten in Berlin zu vermögen, für den katholischen Religionsunterricht der hiesigen kntholischen Gymnasiasten zu sorgen, ungeachtet ihre Zahl wohl 80 bis 100 betragen möchte. Man ist jetzt entschlossen, diesem Mangel entschieden abzuhelfen, da die Parität der Consessionen eS verlangt, soll diese nicht bloß eine papierne bleiben. Man hat sich bis jetzt, wenn auch nicht entschieden geweigert, doch sehr lässige in dieser Beziehung gezeigt. Ohne Energie möchte wohl kaum etwas zu erlangen seyn, zumal der intolerante Geist früherer Zeit in den östlichen Provinzen überhaupt sich nicht selten Geltung zu verschaffen sucht. Der Magistrat von Königsberg z. B. schlug daS Gesuch der Katholiken, für den entsprechenden Religionsunterricht der 200 die städtischen Gymnasien besuchenden katholischen Gymnasiasten sorgen zu wollen, mit dem kategorischen Bescheide: „die Gymnasien seyen protestantische, und Niemand sey verpflichtet, sie zu besuchen," rund heraus ab. Erinnern wir unS hierbei, daß an den katholischen Gymnasien für den evangelischen Religionsunterricht nach Möglichkeit gesorgt wird, sobald ein einziger evangelischer Schüler vorhanden ist, dürfen wir uns der Worte Fenslon's erinnern, daß die Evangelischen die Toleranz predigen , die Katholiken sie üben. Wir halten es indeß für eine unabweisliche Pflicht deS Unterrichtsministeriums, in dieser Hinsicht die geeigneten Maaßnahmen zu treffen. Für Berlin hofft man, einen Geistlichen, welcher auch die philologischen Studien durchgemacht hat, zu gewinnen. Der FontzS sür das eine Hospital, daS gleichfalls seine Entstehung den Ideen der Herren Brinckmann und v. Ketteler verdankt, hat sich bereits auf 31,000 THIr. ausgedehnt, fast die Hälfte der Summe, welche man für die erste Anlage für nöthig erachtet, und zwar hat derselbe innerhalb zweier Jahre diese so bedeutende Höhe erreicht. Auch wird Peter von Cornelius zu Gunsten desselben ein Bild malen, welches, wie wir hören, bereits in Angriff genommen ist und in Stahl gestochen werden wird. Dasselbe wird eine Scene aus dem Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen darstellen, welche nach der Legende den Eifer der Krankenpflege so weit ausdehnte, daß sie die armen Kranken gegen den Willen ihres Gemahls sogar im Schlosse unterbrachte. Das Bild soll nun den Moment auffassen, in welchem der Landgraf, erzürnt über die wiederholte Uebertretung seiner Gebote, selbst die Betten untersucht und beim Aufheben der Decke, durch welche Elisabeth ihm den Anblick des Kranken entziehen wollte, Christus selbst statt deS Kranken erblickt. Gewiß ein sinnreicher Stoff für die Bezeichnung der Armenpflege. Auch in der Provinz ist die katholische Seclsorge entschieden im Fortschritt. Die Zahl der früher vorhandenen sechs Pfarreien hat sich innerhalb der sechs letzten Jahre verdoppelt, und die Zahl der Schullehrer in 11 Jahren sich von 15 auf 31 erweitert. Die Zahl der Katholiken in Brandenburg und Pommern beläuft sich nach der letzten Zählung am Schlüsse deS verflossenen Jahres auf 37,000 Seelen. (Wests. M.) Wien. Wien, 3. Jan. Die ehrwürdigen Redemptoristinnen am Rennweg, deren Kloster und Kirche seit ihrer cannibalischen Vertreibung zu militärischen Zwecken verwendet wurden, haben auf ihre früher beabsichtigte Zurückkunft nach Wien verzichtet, und Haus und Kirche bereits verkauft. So eben werden die werthvollen Dekorationen aus der Kirche geräumt, um sofort mit andern Kirchen-Utensilien in eine neue Stiftung der ehrwürdigen Frauen nach Belgien gebracht zu werden. So ist auch daS Lob Gottes aus dem Munde dieser opferfreudigen Seelen sür daS dem Abgrunde der Gott- losigkeit zueilende Wien für immer verklungen. Die Zahl der Gerechten, deren Gebet versöhnend und sühnend durch die Wolken dringt, wird täglich kleiner in Wien. (Kath. Bl. a M.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlagö-Znhaber: F. C> Kremer. Eilfter Jährgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 26. Januar 4. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprcis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Der Soldat. Tapfer stritt im Feld der Ehre Einst ein trefflicher Soldat, Der dann später seine Wehre Am Altar geopfert hat. Und er nahm zur Hand die Fahne Mit den Farben weiß und roth, Daß sie ihn an Jenen mahne, Der uns ausgesöhnt mit Gott. Diese Fahne hält entgegen Er der Hölle finst'rcr Wuth, Und mit Gottes reichstem Segen Wird belohnt sein Heldcnmuth. Denn es sammeln sich in Schaaren , - Viel der Streiter um ihn her, Und die Kirche in Gefahren Schützt sein tapfres Geisterheer. Und der Sünde starke Ketten Sprenget seines Schwertes Macht; Wer von ihm sich läßt erretten, Wird befreit aus ihrer Nacht. Neues Leben, neue Wonne Bringt des Gottesmanncs Geist, Und es strahlt die Gnadcnsonne, Die zur Seligkeit uns weist. Soll ich vor den Mann nun führen, Nennen den Soldaten dir? — Lernst von ihm du ererciren, *) Wird der Himmel dein Quartier. ._ F. X. Sch. '1 In Einfiedeln ist ein Buch in der zweiten Auflage erschienen, in drei Bänden zu drei Gulden, welches den Titel führt: „Betrachtungen über das Leben und die Geheimnisse Jesu Christi, nach der Anweisung des heiligen Jgnatius." Aus dem Französischen übersetzt von P. Claudius Perrot. Vielleicht ist die Empfehlung dieses Erercitienbuches hier nicht am unrechten Platze, klsntsre, rißsre. incrementum äsre möchten hier zusammentreffen, wenn betrachtet, nicht neugierig gelesen wird. S6 Wolfgang Menzel über die Missionen. (Fortsetzung.) Zu Gengenbach waren neun Priester unermüdlich thätig im Beichtstuhle und Vußpreoigen, und dieselben Thränen, dieselbe Zerknirschung, dieselben guten Vorsätze wiederholten sich an allen Orten, wo die Missionäre wirkten vom Elsaß bis zum bayerischen RieS und vom Odenwalde bis zum Bodensee. Ein Augen- und Ohren- zenge meldet von den modernen Nachfolgern des Columbanus und Bonifacius: „In würdigster Weise zeichnete sich unter diesen höchst würdigen Dollmetschern der strafenden Gerechtigkeit und liebevollen Barmherzigkeit Gottes der Pater supenor Ambro- siuS Zobel aus. Die Barmherzigkeit Gottes scheint diesen frommen Natursohn der Tiroler Alpen ganz besonders berufen und ausgewählt zu haben. Darum hat sie ihm die Macht volksthümlicher Veredtheit, hinreißender Sprache, eine mit vieler Erfahrung im Seelsorgerlichen Amte verbundene profunde theologische Wissenschaft und die Kunst zu erschüttern und zu überzeugen verliehen, wie nicht kickt einem Andern. Mit welchem Segen dieser Mann von hohen Borzügen wirkte, das haben ihm die Thränenströme, welche von Tausenden bei seiner Schlußrede vergossen wurden, das laute Wehklagen, in das die Anwesenden ansbrachen, am beredtesten dargethan. Nur Augenzeugen können sich von der dabei herrschenden Rührung eine gehörige Vorstellung machen. Dieses Zeugniß des katholischen Volkes für seine Wirksamkeit ist um so gewichtiger, da dieser Priester, wie seine Amtsbrüder überhaupt, nicht Rührung erkünstelte, sondern mit dem scharfen Messer der Beweise auf Ueberzeugung drang. Die ganze Reihenfolge ihrer Predigten steuerte auf dieses Ziel los, denn die dreiundzwanzig Morgenbetrachtungen legten dem Volke den reichhaltigen Schatz der Gebote Gottes und der christlichen Tagesordnung auseinander. Diesen schloß sich eine Riihe von Vorträgen an über die Gebrechen und Laster unserer Tage, welche mit diesem gottheitlichen Wirken im grellsten Widerspruche stehen und den Jammer unserer Tage geboren haben. Der Fluch dieses Unheiles für Zeit und Ewigkeit wurde in starken Zügen vor Augen gehalten, in einer Sprache, welche den allerdings großen Theil der Zuhörer fortriß zu den Richterstühlen der Buße; ja sie klammerten sich an die Beichtstühle an, harreten, Männer und Weiber, Jünglinge und Jungfrauen, hochbetagte Greise und alte Frauen meist mehrere Tage, ja Nächte, oft ganz ohne alle und jede Nahrung auS, bis sie vom Priester Worte des Trostes vernommen hatten. Wohl an 10,000 empfingen das heilige Sacrament der Buße und des Altares. Darauf folgten die Rettungsmittel unserer Tage, die in der Anerkennung des hohen Werthes der unsterblichen Seele, im Worte der Offenbarung, in der Nachfolge Christi, in der Neugeburt deS christlichen Charakters, im Familienleben, dem gegenseitigen Verkehre und in der Sonntagsfeier liegen. Der christlichen Erziehung, den besondern Pflichten der Jünglinge, Jungfrauen, Väter und Mütter waren mehrere sehr ergreifende Vorträge gewidmet. Alle diese Materien wurden mit gebührendem Zartgefühle gegen andere christliche Confessionsverwandte vorgetragen, waö gerade auch von. mehreren derselben dadurch anerkannt wurde, daß sie sehr vielen Vorträgen mit ungetheilter Aufmerksamkeit und hohem Interesse anwohnten und mit den Katholiken namentlich auch die Verehrung für den Vorsteher theilen." Was außer den eindringlichen und AlleS zu Thränen bewegenden Bußpredigten, der Beichte und Communion in vorzüglichem Grade bei den Misstonen die Gemüther ergriff, waren folgende zwei Acte: Einmal wurde knieend von den Priestern zuerst, dann vom Volke, endlich von den Kindern feierlich Abbitte geleistet vor dem Aller- heiligsten, und sodann wurde ein hohes Kreuz aufgerichtet. Ein Augenzeuge der Misston in Säckingen bemerkt dazu: „Das Volk selbst hatte die Mission verlangt. Unter dem Einflüsse der modernen Gesetzgebung, einer meist radicalen, den Unglauben fördernden Schulmeisterei und in JndifferentismuS erschlaffenden Kirchenwesens — sah das Volk auch auf seinen Bergen mit jedem neuen Jahrzehnt Blüthe um Blüthe seiner schönern und bessern Tage verwelken, alte ehrwürdige Sitte und Zucht, Glauben und 27 Treue dahinschwinden, — dagegen (besonders in den jungem Geschlechtern) Unglau« ben und städtische Sittenloflgkeit, Zerwürfniß und Zerrissenheit in Gemeinden und Familien zerstörend Platz greifen; es sah dieses voll des tiefsten Schmerzes, eS klagte laut, aber seine Klagen fanden kein Gehör, bis statt des glaubenstreuen Hauen- steiners die blutige Faust der Empörer an den Thüren klopfe. Die Revolution verschaffte der Religion wieder einige Beachtung, der Freiheitsbaum weckte die Sehnsucht nach dem Kreuzesbaume." Man sieht, wie sehr die alte Mutterkirche im Vortheile ist, da sie solche Meetings halten kann, ohne die mindeste Besorgniß vor einer Ausschweifung oder Lächerlichkeit, Vor dem tiefen Ernste ihres Sacramentcs der Buße weicht der Spott, wie das Verbrechen. Es bedarf hier keiner Concessionen und Umschweife, um den Menschen im innersten Geiste und Gemüthe zu ergreifen. Der kirchliche Gehorsam läßt nicht mit sich markten, er wird gleich ganz verweigert oder voll geleist-t. Die Autorität der Kirche wird aber den rohen Volksmassen zum dringenden Bedürfnisse am meisten dann, wenn sie eben die des Staates mit Füßen getreten haben. Es kann hier nicht übergangen werden, was in den katholischen Gebieten Deutschlands sonst noch geschehen ist, um die gesunkene Autorität der Kirche wieder zur Geltung zu bringen. Die Bedeutung jener Missionen wird dadurch um so anschaulicher. Am AuSgange des vorigen Jahrhunderts war die katholische Welt nicht weniger wie die protestantische dem Ernste des Glaubens und der Sitte entfremdet worden. Die Vornehmen huldigten dem Geiste Voltaire's, oder dem, wenn auch sittlichen, doch seichten Josephinismus. Dem letzten geistlichen Kurfürsten von Köln durfte der berüch^ ligte EulogiuS Schneider das Kompliment machen, er halte ihn für keinen Katholiken, und der Kurfürst — lächelte freundlich. In Bayern wühlten die Jlluminaten. In Wien spielte Blumaucr den kleinen Voltaire und Kaiser Joseph II. und sein Minister Kaunitz spotteten des Papstes, der bekümmert über die Alpen gekommen war. Nur noch der niedere KleruS und das „gemeine Volk" bewahrten in ihrer allgemein belächelten Dummheit den von den Vätern ererbten Hort der Frömmigkeit. Man wird den übrigen Regierungen deö damaligen Enropa kaum Unrecht thun, wenn man behauptet, Napoleon sey es zuerst gewesen, der wieder auf die große Bedeutung der Kirche aufmerksam gemacht habe, wenn er es auch nicht verstand, sie so vollkommen richtig zu behandeln, daß sie ihm ihre Gegendienste nicht hätte versagen müssen. In der Restaurationszeit herrschten Diplomatie und Bureaukratie so bequem und thaten sich nach dem langen Kampfe in Europa und den unter Napoleon erlebten Demüthigungen so viel zu gute, daß sie es sehr unsanft vermerkten, wenn in der Kirche etwa einmal das Gelüsten nach Unabhängigkeit sich regte. Man fütterte die Bischöfe und behing sie mit Orden. Man stellte ein paar Liguorianer zur Schau und ärgerte das aufgeklärte Publicum mit dem Scheine der Bigotterie, ließ aber der That nach keinerlei Ultramonlanismus aufkommen. Fürst Metternich war durch und durch Ghibelline. Es gehörte eine Revolution und ein liberales Ministerium dazu, um, vom alten Systeme abweichend, die Emancipation der Kirche zu decretiren. Nur in den kleinern katholischen Staaten Deutschlands und in den paritätischen Staaten, auf den Universitäten Bayerns, Württembergs, Badens (?) und Preußens (?) wurden die Regungen des kirchlichen Geistes nicht unterdrückt, der mit unwiderstehlicher Gewalt zuerst in Belgien und Frankreich hervordrängte. Man mußte doch endlich die Entdeckung machen, daß in dem dummen Köhlerglauben des niedern KleruS und „gemeinen Volkes" ein Fonds von unschätzbarem Werthe stecke. Man mußte rück> blickend in die Geschichte, den ungeheuern Umfang von Macht erwägen, die der alte Glaube gewähre. Alle Regierungen Frankreichs, wie rasch sie auf einander folgten, erwogen diese Macht, und wie Ludwig XVIII. und Karl X., so huldigten Ludwig Philipp und Cavaignac und Ludwig Napoleon der Kirche. Die erste französische Republik des Jahres 1792 schaffte die christliche Religion ab und überlieferte ihre Priester dem Messer der Guillotine. Die zweite vom Jahre 1843 beeilte sich, eine 28 Armee nach Rom zu schicken, um den Papst in alle seine Rechte wieder einzusetzen' und die stolzen CitoyenS, die ihren König vertrieben, knieten und senkten ihre Trico- lore vor dem Oberhirten der Kirche. (Fortsetzung folgt.) Die katholische Weltanschauung. (Schluß.) Die katholische Weltanschauung macht sich weiter auch auf dem Gebiete deS Schulwesens geltend. Wenn die moderne Weltanschauung dem Grundsatze der Theilung, Trennung und Auflösung des Zusammengehörigen unverkennbar huldigt; wenn sie eS ganz in der Ordnung findet, daß von der einen heiligen allgemeinen Kirche im Laufe der Jahrhunderte größere und kleinere Religionsgesellschaften ausge^ schieden sind; wenn sie es nicht ungern sieht, daß die von der Kirche ansgeschiedenen Genossenschaften sich mehr und mehr zerbröckeln und auf das Leben allen Einfluß verlieren; wenn die moderne Weltanschauung redlich das Ihre dazu beigetragen hat, daß die geistlichen Kongregationen, die Klöster und Orden aufgehoben worden sind, daß die weltlichen Corporationen, die Gilden, Innungen und Mittel in ihrem frühern festen Zusammenhange nicht mehr bestehen und daß von einer Bürgerschaft im alten Sinne des Wortes nicht mehr die Rede ist; wenn der modernen Weltanschauung jeder größere Grundbesitz, jedes ererbte oder aufgesammelte Vermögen, ja wenn ihr selbst die Familienverbindung und die eheliche Gemeinschaft zuwider ist; wenn sie also Alles theilen, Alles, was noch Halt hat, parcelliren und zertrümmern möchte: dürfen wir uns da wundern, daß sie auch ein Gebiet des Schulwesens nach dem andern, zuerst die Universitäten, dann die Gymnasien und hierauf die Realschulen von der Kirche getrennt hat und baß sie uun auch das letzte Gebiet noch, nämlich die Volksschulen, losreißen möchte? Der modernen Weltanschauung steht auch hier die katholische schnurstracks entgegen. Die katholische Kirche ist eine erhaltende, eine einigende Macht; sie ist auf allen Gebieten des Lebens, wie es das große Buch der Geschichte auf jeder Seite bekundet, aller Trennung, Vereinzelung und Auflösung des Zusammengehörigen abhold; und wenn es sich namentlich um die Entfremdung der Volksschule handelt, so betrachtet sie diese Angelegenheit als eine Lebensfrage und setzt Alles daran, daß die Elementarschule, die ganz allein ihr Werk ist, ihr nicht entrissen werde; denn die Elementarschule ist diejenige Anstalt, in welcher ja der junge Nachwuchs der Menschheit durch die christliche Lehre zu einem edlen menschenwürdigen Daseyn herangebildet und für den Eintritt in die Gemeinde der Erwachsenen vorbereitet wird. Wie könnte demnach die Kirche die Elementar- oder Volksschule ihren liebenden Mutterarmen entwinden lassen und sie uiichristlichcn Einflüssen überliefern? Nein, nach der katholischen Weltanschauung muß die Schule in innigster Verbindung mit der Kirche bleiben, nach der katholischen Weltanschauung muß die Schule auch wieder eine naturgemäße Unterrichtsverfassung erhalten. Die Religion muß in ihr das Alles belebende, und der Sprachunterricht, der für das Verständniß der christlichen Lehre vorbereitet, muß das Alles verbindende Element seyn. Aller bisherigen Trennung und Zersplitterung der Lehrzweige, aller Zerflossenheit nnd Zerfahrenheit, worunter die Schule noch sehr leidet, allem bunten unv schillernden Vielerlei, wobei man oft vor Bäumen den Wald nicht sieht, allem bloßen unfruchtbaren Wissen, allen pädagogischen Daumschrauben und Torturen, durch die man aus den armen Kindern herauskatechisiren, d. h. herauS- pressen wollte, was noch Niemand in sie hineingelegt hatte; allem bloßen Abrichten und Zustutzen für die Zwecke des irdischen Lebens muß Einhalt gethan werden. Die katholische Weltanschauung will allerdings, daß ein verständiges, geistig regsames, für'S irdische Leben taugliches, aber auch ein frommes, gehorsames, sittsames, für daö ewige Leben heranblühendes Geschlecht in den Schulen des Landes gebildet werde. 29 Unsere Kinder sollen allerdings um sich wissen; aber sie sollen nicht allein im Reiche der Erde, sondern auch im Himmelreiche sich zurechtfinden lernen, Daher will die katholische Weltanschauung nicht bloß den Unterricht, sondern sie will mit dem Unterrichte auch die Zucht; unsere Kinder sollen nicht bloß zunehmen an allerlei Einsicht, sondern auch an Wohlgefallen vor Gott und den Menschen; sie sollen bei Prüfungen nicht eben durch eingetrichterte altkluge Urtheile und durch eindressirte auffallende Kenntnisse Paradiren, sondern sie sollen in Unbefangenheit und Anspruchslosigkeit ihren Eltern zur Freude und zum Troste heranwachsen, indem sie sich von früh auf an die Tugenden der Bescheidenheit, deS Fleißes, der Herzensreiuigkeit, der aufrichtigen Liebe gegen Gott und gegen die Menschen gewöhnen. Indem aber die katholische Weltanschauung solche Forderungen an die Schule stellt, so verlang: sie auch von den Eltern, daß sie die Schule durch die häusliche Zucht unterstützen, daß sie bei ihrer Erziehung alle Weichlichkeit, Schwächlichkeit und Halbheit verbannen und mit Ernst und Nachdruck allen Ungezogenheiten der Kinder steueru, daß sie streng nach dem Grundsatze der Schrift verfahren: „Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es," und daß sie genau nach dem Grundsatze der Erfahrung handeln: .Man muß den Baum biegen, weil er jung ist!" Die katholische Weltanschauung läßt nicht die Einwendung überzärtlicher nnd übcrnachsichtiger Eltern gelten: „Jugend habe nun einmal nicht Tugend; man dürfe von den armen Kindern nicht zu viel verlangen, sie nicht zu sehr anstrengen und zu kurz halten, man müsse ihnen schon einige Freiheit gestalten, die schöne Jugendzeit fliehe so schnell dahin nnd kehre nimmer wieder, wer wollte auch so grausam seyn, die Freuden der Jugend zu stören, die kleinen muntern Leute um das Paradies der Kindheit zu betrügen?" Die katholische Weltanschauung erwidert hierauf: Gerade dadurch, daß ihr der Selbstsucht, dem Eigensinn, der Naschhaftigkeit, der Faulheit, der Lügenhaftigkeit, der Leichtfertigkeit eurer Kinder steuert, daß ihr sie in ihrem Thun und Treiben sorgsam überwacht, daß ihr die schädlichen Auswüchse der Ungebundenheit beseitigt, gerade dadurch erspar« ihr euern Kleinen so viele trübe Stunden, die ihre Unbesonnenheit ihnen zuzieht; gerade dadurch bewahrt ihr euern Pflegvefohlenen das Glück und die Harmlosigkeit der gold- nen Kinderjahre, gerade dadurch vertretet ihr bei euren Lieblingen die Stelle der Cherubim, die mit flammendem Schwerte das Paradies der Unschuld gegen die Macht der Sünde schützen. Müssen wir, um ein Gleichniß anzuführen, den nickt als einen verständig besorgten Mann loben, der den zwischen schattigen und beblümten Ufern sanft dahin rieselnden Bach eindämmt, damit er seine klaren Fluthen, in denen am Tage der blaue Aethcr und in der Nacht der Sternenhimmel sich spiegell, zusammenhalte und allen Umwohnenden Freude und Nutzen bringe? Können wir es etwa gut heißen, können wir es für den lieblichen Bach und seine anmuthige Umgebung ersprießlich finren, wenn ein Unbesonnener die schützenden Ufer durchsticht, um, wie er thöricht meint, den schönen Strom seiner Fesseln zu entledigen? Werden nun nicht die entfesselten Fluthen ihren geordneten Lauf verlassen, sich über die bunten Wiesen und bebauten Felder ergießen und das blühende Land in einen Teich, in Morast unv Moder verwandeln; wird der Bach nicht selbst allmälig versanden, werden nicht seine sonst so klaren Wogen in trüben Schlamm sich verkehren, werden nicht die süßen Gesänge der Nachtigallen an seinen Usern verstummen, wird nicht an ihrer Stelle der widerlichste Unkenruf sich vernehmen lassen? Nun Eltern, der klare, spicgelhelle Bach ist das schöne Jugendleben eurer Kinder: durchstecht des Baches Ufer, räumt die Dämme heilsamer Zucht hinweg und — dieß schöne Jugendleben versumpft und des Sumpfes verderbliche Ausdünstung gereicht euch, euern Kindern selbst und der ganzen Umgebung zum größten Nachtheile. Haltet darum die euch anempfohlene katholische Erziehung für keine Freuvenstörerin, erkennet sie vielmehr als die Mutter reiner unschulvsvoller Freuren für eure Kinder an. Ja, eine Freudcnbringerin ist die katholische Erziehung; sie ergibt sich ja mit Nothwendigkeit aus der katholischen Weltanschauung, und diese ist nichts weniger, 30 als eine unthätig klagende, als eine trostlos jammernde uno trübselig stöhnende: dem katholischen Standpuncte ist nichts mehr zuwider als Kopfhängern und Duckmäuserei. Freilich ist uusere Weltanschauung der modernen gegenüber eine ernste und besonnene, aber dabei ist sie auch eine heitere und fröhliche, das zeigt sich insbesondere bei unserm herrlichen und sinnvollen Gottesdienste. Wohl blicken wir in den geweihten Stunden unsers Lebens mit tiefer Wehmuth auf die eigene und fremde Sündenschuld, aber diese Wehmuth treibt uns nicht zur Trostlosigkeit oder gar zur > Verzweiflung; denn über der Erbsünde, deren Folgen allerdings auf uns so schwer lasten, übersehen wir nicht das Erbverdienst, das der Heiland uns erworben, über den Versuchungen und Fallstricken, die unserer Tugend, unserm Seelenfrieden drohen, übersehen wir nicht die herrlichen Gnadenmittel, die der Erlöser zum endlichen Siege über daS Reich der Finsterniß uns hinterlassen; wir betrüben uns wohl über den Sünder, der vom Pfade des Heils abgewichen, aber wir erblicken in ihm nur einen Verlornen Sohn, der jeden Tag wieder in sich gehen, jeden Tag wieder in die geöffneten Arme deS liebenden Vaters zurückkehren kann, und wir freuen uns, gleich den Engeln im Himmel, mit unaussprechlicher Freude, wenn der Jrrgegcmgene nuu wieder im Vaterhause aufgenommen wird. Wir stimmen allerdings oft genug das Miscrere an, wir rufen mit bewegter Seele das „Herr, erbarme dich unser!" aber wir singen auch gar bald mit frohem Sinn das Kloris in oxeelsis vsc», wir vergessen nicht deS frohlockenden Hallelujahs. Wir stimmen, wenn wir auch Adams Schulv tief beklagen, doch im Hinblick auf Christus, den zweiten vollkommenen Avam, in den Freudenruf ver Kirche ein: „O glückliche Schuld Adams, die einen solchen Erlöser uns brachte!" Darum ist denn der katholische Gottesdienst auch ein so heiterer, darum müssen die schönen Künste: Malerei, Bildhauerei, Baukunst und Tonkunst ihre trefflichsten Erzeugnisse dem Dienste des Heiligen weihen, um das katholische Gemülh über den Jammer der Erde mächtig emporzuheben, und das Herz in der Gemeinschaft mit dem im Gcheimniß seiner Liebe gegenwärtigen Heilande jene Seligkeit ahnen zu lassen, die noch kein Auge gesehen, die noch kein Ohr gehört, die noch in keines Menschen Herz gekommen. Darum steigen in unsern Kirchen Weihrauchwolken empor und erfüllen deS Gotteshauses Räume mit Wohlgeruch; darum flammen, als Sinnbilder freudiger Liebe, zahlreiche Kerzen auf unsern Altären; darum strahlen die Gewänder unserer Priester beim heiligen Dienste in seltener Farbenpracht; darum ergießen sich die Klänge der Orgel, die Harmonien der Instrumentalmusik vom hohen Chöre auf die Andächtige» herab und versetzen sie in eine froh bewegte Stimmung; darnm öffnen die Gläubigen ihren Mund nicht zu düstern, schwerfälligen, langgezogenen Chorälen, die stets wie Grablieder klingen, sondern zn heitern, gefälligen, beflügelten Sangweisen; denn die Gläubigen sind in ihrem Gott vergnügt und der in Gott Vergnügte stöhnt und jammert nicht. Das, l. V. G., ist die katholische Weltanschauung, die sich geltend macht bei allen Grundfragen deS Lebens, die in eigenthümlicher Weise das Verhältniß der Menschen zu Gott und das Verhältniß der Menschen unter einander auffaßt, die in der Erziehung, bei der Goltesverehrung, allüberall folgerichtig immer denselben Standpunct behauptet, ja die bei einzelnen, scheinbar Zusammenhangs losen Vorkommnissen oft gerade am augenfälligsten sich bethätigt. Wir haben etwas der Art in der jüngsten Zeit erlebt, und gerade bei diesem Erlebniß hat sich deutlich herausgestellt, wie verschieden unsere Auffassungsweise ist nicht bloß von jener der Religionsverächter, sondern selbst von der der gläubigen Protestanten. Siehe, weit jenseit der Berge, weit hinter den deutschen Mittel- und Hochgebirgen, im fernen Italien, in einer Stadt am Tiberstrande wählt ein, wie behauptet wird, fremder Priester, unkundig unserer Sprache und unserer Sitten, ein, wie es scheint, machtloser Mann, den die Bewohner der eigenen Stadt im vorigen Jahre von seinem Sitze vertrieben und den in diesem Jahre Fremde erst wieder zurückgeführt haben — dieser Mann wählt und ernennt sich Rathgeber und Gehilfen in Deutschland, in dem Lande, daö die Italiener sonst als ein barbarisches zu bczuchnen pflegten. Und auch unser 31 Bischof ist unter diesen erwählten und ernannten Rathgebcrn, und es zeigt sich nun allerdings: unser Bischof muß in dem Lande jenseits der Berge wohl gekannt seyn, er muß auch in jener Ferne Vertraue» besitzen; eS zeigt sich, dem Bischöfe soll eine gewisse Ehre angethan werden: aber was hat er von dieser Ehre; was ist an der ganzen Geschichte gelegen, was geht sie insbesondere uns an, die wir uns um ganz andere Sachen zu kümmern und unsere ganze Aufmerksamkeit jetzt auf die Frage zu richten haben: Ob Krieg, ob Frieden? So kann man von einem gewissen Standpuncte auS allerdings fragen und so hat man auch vielfach gefragt. Aber von diesem ordinären unkatholischen Standpuncte ist der katholische Standpunct himmelweit verschieden. Vom katholischen Standpuncte aus erscheint jene Stadt am Tiberstrande, daS ewige Rom, als das Centrum der Kirche Gottes in allen Theilen der Welt, und der Priester in Rom ist uns kein fremder, es ist PiusIX., der um das Wohl der ihm anvertrauten Heerde rastlos besorgte, schwer geprüfte heilige Vater, der Statthalter Christi auf Erden, der Nachfolger des heiligen Petrus, zu welchem der Herr sprach: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe, weide alle meine Gläubigen auf den Auen des ewigen Lebens!" Und die Ehre, die unserm Fürstbischof dadurch widerfahren, daß er zum Cardinal, zum Rathgeber des heiligen Vaters, zum Fürsten der römischen Kirche ernannt und als solcher mit dem Purpur geschmückt worden, diese Ehre geht uns Alle an; denn wir stehen mit unserm Bischöfe in der innigsten Liebesund Lebensgemeinschaft, so daß seine Ehre die Ehre der Diöcese, unser aller, eigene Ehre ist. Und ferner: dadurch, daß sich der heilige Vater drei deutsche Bischöfe auf einmal als seine Berather zugesellt und sie in jenes Collegium aufgenommen hat, das ihm am nächsten steht, dadurch ist ein neues Band der Liebe zwischen Deutschland und dem Mittelpuncte der katholischen Einheit geknüpft worden; herrlich stellt sich dadurch heraus, daß auch unser Geschick der heilige Vater liebend aus seinem Herzen trägt, daß auch das zerrissene, zerwühlte Deutschland ein Gegenstand seiner Vatersorge ist. Die eigenen Söhne haben mit dem edlen Vaterlande, das aus allen Wunden blutet, kein Mitleid; sie machen eS zum Spott der Nachbarvölker, aber der Mann jenseits der Berge, der ein fremder Priester, ein auswärtiger Oberer genannt wird, er hat mit unsern Zuständen das innigste Mitleid, er ehrt Deutschland, das die Deutschen entehren; er betet für Deutschlands Wohl, er hegt das sehnende Verlangen, daß eS unter uns besser werde: darum thut er, was er nur immer thun kann. Freilich, Andere werden bei der Auszeichnung, die einem ihrer kirchlichen Vorsteher von ferne her zu Theil w rd, nicht laut aufjubeln, sie werden ihre Wohnungen nicht erleuchten, nicht mit rauschender Musik, mit wehenden Fahnen, mit glänzenden Abzeichen und mit Hunderten von farbigen Lichtbällen in langen Reihen daherziehen, um dem gefeierten Manne den Tribut ihrer Huldigung zu bringen; sie werden nicht die Flammen ihrer Liebe auf die Thürme ihrer Kirchen tragen, damit diese Flammen weit hinausreichen in die trübe Novembernacht und allen Umwohnenden verkünden, was sich Ungewöhnliches in Breslau begibt; mit einem Worte: sie werden nicht thun, was wir gethan haben, und warum nicht? Nicht, weil es ihnen dazu an Mitteln fehlte: o, sie haben über ganz andere Mittel zu gebieten, als wir armen Katholiken; auch nicht, weil es ihnen an Opferwilligkeit gebräche: sie beweisen diese genugsam bei andern Gelegenheiten: nein, sie thun nicht, was wir gethan haben, einzig auS dem Grunde, weil sie nicht unsere Anschauungsweise theilen, weil sie das Verhältniß zu ihren Predigern, zu ihren kirchlichen Vorstehern ganz anders auffassen; diese sind ihnen ganz etwas Anderes, als uns der Bischof und der Papst ist. Hier habe ich Ihnen nun, l. V. G., an einem einzelnen scheinbar zusammenhangslosen Falle nachgewiesen, daß wir Katholiken in der That eine eigenthümliche Anschauungsweise haben und aaf diese dürfen wir stolz seyn; denn wenn nach ihr Alles in der Welt sich gestaltete: c cnm würde die Sünde und mit der Sünde würden Noth, Jammer und Elend immer mehr verschwinden, das Eigenthum, der gute Ruf, das Familienglück, das Wohl l cr Gemeinden, die öffentliche Ordnung, die Ruhe der 3S Staaten würde mehr und mehr gesichert, die Erde immer mehr zu einem Vorhofe des Himmels umgewandelt werden. Ja wir dürfen stolz seyn auf unsere Weltanschauung; denn sie ist inmitten aller nebelhaften Zcitmeinungen, aller immerdar wechselnden Tagesansichten allein eine feste, folgerichtige und grundsätzliche. Bleiben wir demnach der katholischen Weltanschauung tren, aber nicht bloß in einer Richtung, etwa in der kirchlichen, sondern bleiben wir ihr in allen Verhältnissen des Lebens treu, suchen wir sie überall in Anwendung zu bringen, läutern und befestigen wir sie immer mehr in uns und in Andern; ja, lassen Sie uns als Mitglieder des katholischen Vereines ernstlich sorgen, daß die katholische Weltanschauung immer mehr eine Macht werde, daß sie sich immer mehr als ein Leuchtthurm erweise, durch welchen die Lebensschiffer auf den sturmbewegten Wogen der Zeit sich zurechtfinden, mit dessen Hilfe sie sicher in den schützenden Hafen gelangen! Dänemark. In Dänemark, wo bisher, ähnlich wie in Schweden, der Lutheranismus alleinige Geltung und öffentliche Anerkennung hatte, und alle andern ReligionSgesell- schaften mit ihren Angehörigen vielfachem Druck und intoleranter Beeinträchtigung unterworfen waren, hat der Cultusminister es neuerdings durchgesetzt, daß in Uebereinstimmung mit der gegenwärtigen Verfassung anch denjenigen, welche sich nicht zur lutherischen Landeskirche bekennen, die ihnen gebührende religiöse Freiheit zu Theil werde. Mußten bisher alle christlichen Ehen, und namentlich auch alle gemischten Ehen vor einem lutherischen Prediger geschlossen werden, um öffentlich'e Giltigkeit zu haben, so soll jetzt eine dahin abzielende Erklärung und Unterschrift vor dem Magistrat genügen; mußten bis jetzt alle Kinder aus gemischten Ehen von einem lutherischen Prediger getauft und lutherisch erzogen werden, so soll diese Art der Tause künftig nicht mehr nothwendig, sondern eine Eintragung in die Geburtsliste der Gemeinde hinreichend und demgemäß es auch gestattet seyn, von einem katholischen Priester die Kinder taufen zu lassen. Die religiöse Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen soll den Eltern freigestellt werden, so jedoch, daß sie vor Eingehung der Ehe sich darüber einigen und eine Erklärung abgeben. Nicht die sogenannte lutherische Confir- mation soll künftig mehr ven Austritt aus der Schule ermöglichen, sondern eine einfache Ausschreibung aus der Schule, oder ein Eramen. So ist doch wenigstens ein Anfang zur Freigebung der Kirche auch in Dänemark gemacht; freilich ist damit bisher noch wenig gewonnen, um so mehr, als die intoleranten dänischen Lutheraner überall Adressen gegen diese Religionsfreiheit bei der Regierung einreichen. Die Regierung aber zeigt sich gegenwärtig toleranter als das Volk. Notizen. Pfarrer Meinhold von der Insel Rügen, dessen dichterische Werke — namentlich die Bernsteinhere — vielseitiges Interesse erregten, lebt jetzt in Berlin, um zur katholischen Religion überzutreten. Sein Sohn thut denselben Schritt in Breslau, um dann daselbst katholische Theologie zu studiren. * 5 * Von den katholischen Instituten in der Stadt Berlin hat das der barmherzigen Schwestern eine wahre Popularität erlangt. Wegen der ganz besondern Vortrefflichkeit der Krankenanstalt haben sogar die Innungen Berlins die regelmäßige Aufnahme ihrer Kranken gerade in diese Anstalt nachgesucht; was freilich wegen der noch nicht entsprechenden Ausdehnung des Instituts nicht gewährt werden konnte. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. CAfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ?ß»/n kjs-T US.' sv-L/vä» N!^^ , !lM'ls..^:'T' »'^inv/.^.s.'^'j zur Augsburger Postzeitung. 2. Februar M^- A. ^851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Päpstliches Breve an die Bischöfe der Schweiz. „Ehrwürdiger Bruder! Wir sind seit Langem von Schmerz durchdrungen und mischen Unsere Thränen mit den Enrigen, wenn Wir gedenken, wie in der Schweiz Tag für Tag der unbefleckten Braut Christi herbere und zahlreichere Wunden geschlagen und ein grausamer Krieg gegen Unsere hochheilige Religion in diesem Lande geführt wird. Eure Hirtentugend, der Eifer und die Sorgfalt, die Ihr inmitten so vieler Drangsale und Kümmernisse für das Heil der Euch anvertrauten Heerve an den Tag leget, die Ausdauer und Standhastigkeit, mit welcher Ihr die Sache GotteS und seiner heiligen Kirche vertheidiget, hat nicht wenig dazu beigetragen, den Kummer Unseres Herzens zu versüßen. Wir richten daher dieses Schreiben an Euch, um diesen großen, eines katholischen Bischofes so würdigen Hcldenmuth nach Verdienst zu beloben und Euch durch Unser Wort zu ermuntern, daß Ihr bei so vielen Gefahren, gestärkt durch den Herrn und ausgerüstet mit seiner schützenden Kraft, ausharret mit immer erneuertem Eifer im Kampfe für die gute Sache, in der Bewahrung Eurer geliebten Heerde vor der ihr drohenden Gefahr und in der eben so festen als klugen Vertheidigung der Rechte der Kirche. Ihr kennet die verschiedenen und mannigfachen Fallstricke, mit welchen verkehrte und hinterlistige Menschen Geist und Herz der Einfältigen zu betrügen und sie zu ihren falschen Rathschlägen zu verführen suchen, ja, wie sie selbst der Katholiken zur Ausführung ihres Vorhabens, nämlich zur gänzlichen Zerstörung der katholischen Kirche in Eurem Lande sich bedienen. Mahnet daher unablässig mit der ganzen Wachsamkeit, die Euch auszeichnet, die Eurer Sorgfalt anvertrauten Gläubigen, aus daß sie nicht in die ihnen von ihren Feinden gelegten Schlingen fallen und daß sie den trügerischen Verlockungen ihr Ohr selbst dann versagen, wenn sich dieselben mit einem Scheine von Frömmigkeit umgeben würden. Wecket den Muth Eures Klerus, auf daß er, inmitten der Bedrängnisse, der Müh» sale und Gefahren, seine Kraft in der Hilfe Gottes schöpfend, seinen kirchlichen Eifer ohne Unterlaß mehre und denselben verwende, das christliche Volk in der wahren Lehre zu unterrichten, eS zu unerschütterlichem Festhalten an den wahren Grundsätzen unserer Religion und der Beobachtung der katholischen Borschristen aufmuntere und ihm ans Herz lege, daß je größer die Vielfältigkeit der Leiden ist, um so glänzender und zahlreicher die Kronen seyn werden, welche Denjenigen, die einen so ruhmwürdigen Kampf bestehen, aufgewahrt sind. Seyd überzeugt, daß uns, nach Unserer apostolischen Pflicht, Nichts mehr am Herzen liegt, als allen Unsern Eifer zu Eurer und der Unterstützung Eurer ehrwürdigen Brüder, der Bischöfe der Schweiz, zu verwenden und mit Unserer ganzen Kraft dahin zu wirken, um die in der Kirche Eures Landes angerichteten Verwüstungen herzustellen. Unablässig, Tag und Nacht, beten und flehen wir in der Demuth 34 Unseres Herzens, der Gott der Erbarmnisse möge in der Unerschöpflichkeit seiner Güte einen gnädigen Blick auf die Schweiz werfen, damit die heilige Kirche, befreit von ihren gegenwärtigen Drangsalen, wieder aufblühe von Tag zu Tag mehr zu ihrer vollen Kraft und Wirksamkeit. Als Beweis Unserer innigen Zuneigung für Euch geben wir mit Liebe und auS der Tiese Unseres Herzens Euch und den Eurer Pflege anvertrauten geistlichen und weltlichen Gläubigen den apostolischen Segen, daS Unterpfand aller Geschenke von Oben." Hirtenbrief des Cardinal-Fürstbischofs von Breslau. Unterm 4. Nov. v. Js. hat Se. Eminenz der Cardinal Fürstbischof von Breslau nachfolgenden Hirtenbrief erlassen: Bei dem Eintritt in daS neue Kirchenjahr, meine Geliebten, begrüßet Euch Euer Bischof dießmal in einer neuen kirchlichen Würde. ES hat nämlich Er. Päpstlichen Heiligkeit, unserm obersten Hirten gefallen, in dem am 30. September dieses Jahres zu Rom abgehaltenen geheimen Konsistorium unter mehreren andern würdigen und in der Kirche hochgestellten Männern verschiedener Länder auch mich, einen der Geringsten seiner Mitarbeiter in diesen schweren drangvollen Tagen, zu der hohen Würde eines Cardinalpriesters der heiligen römischen Kirche zu erheben; und zugleich huldreich anzuordnen, daß ich, weil die vielen wichtigen und dringenden Geschäfte dieses großen Bisthums mir eine längere Abwesenheit außerhalb desselben nicht wohl gestatten, hier in meiner Kaihedralkirche, in Mitte meines Hochwürdigen DomcapitelS und Klerus und meiner versammelten Gläubigen, mit dem Abzeichen dieser neuen Würde durch die befreundete Hand Sr. Ercellenz des Hochwürdigsten Herrn Erzbi- schofes von Carthago und Apostolischen Nuntius am Kaiserlichen Hofe angethan werde. Diese Feierlichkeit ist am heutigen Tage vollzogen worden, und ich weiß diesen Ehrentag nicht würdiger zu beschließen, als indem ich durch dieses Hirtenschreiben meine Stimme zu Euch Allen erhebe, und wie ich es mündlich heute in der Kirche gethan, nun auch öffentlich vor aller Welt zuerst meinen ehrerbietigsten Dank aussprecbe Sr. Päpstlichen Heiligkeit für daS neue Zeichen des Wohlwollens und ehrenden Vertrauens, welches er mir durch diese seltene und unerwartete Erhebung offenbaret hat. Zwar weiß ich wohl, daß so große Ehre und Auszeichnung nicht meinem persönlichen Werthe und Verdienste, deren Unzulänglichkeit ich vor Gott erkenne, und vor Sr. Heiligkeit offen aber vergeblich betheuert habe, zuzuschreiben ist, sondern daß sie nach der weisen Absicht des heiligen Vaters der katholischen Bevölkerung und dem Ehrwürdigen KleruS dieser Lande überhaupt gelten solle, welchen Se. Heiligkeit, durch die Erhebung einiger Bischöfe auf die höchste Ehrenstufe der Kirche, ein weltkundiges Zeugniß der Anerkennung ihrer, in schwerer Zeit bewährten Glaubenstreue und einen seltenen Beweis väterlicher Liebe und hohen Vertrauens hat gewähren wollen Nicht minder hat der heilige Vater dadurch unserm gnädigsten Monarchen einen ehrenden Beweis anerkennenden Dankes geben wollen für den, seinen katholischen Unterthanen und ihrer geordneten kirchlichen Freiheit gewährten gerechten und wohlwollenden Schutz. Hierdurch erhält dann aber die Sache eine um so größere Bedeutung; und wenn Ihr Alle, mein? Geliebten, in der Erhöhung Eures Bischofes Euch geehrt, und Euren kirchlichen Sinn von Dem anerkannt und belohnt findet, der uns als der oberste Hirt von Gott gesetzt ist, so werdet Ihr auch Alle zum Danke mit mir Euch vereinigen, zu einem würdigen Danke, den wir nicht mit schönklingenden Worten, sondern vor Allem mit treuen und inbrünstigen täglichen Gebeten für daS Wohl unseres edeln, so schwer geprüften heiligen Vaters vor Gott bethätigen wollen. Und — heute am Altare vor dem hohen Abgesandten und Vertreter Sr. Heiligkeit hab' ich'S ausgesprochen und wiederhole es hier laut — eS ist unser heiliger Vater in seiner guten Meinung von den Katholiken dieser Lande nicht getäuscht worden. Denn katholisch sind sie, und wollen sie in Wahrheit seyn und bleiben, und darum 35 christkatholisch, d. h. gebaut auf Christum und gefestiget in Christo, dem Grundstein und Unterpfande unseres Heiles und alles HcileS; und Römischkatholisch, d. h. geeinigt in Glaube, Liebe und Gehorsam mit dem heiligen römischen Stuhle, dem Mittelpuncte der Einheit; und treu anhänglich und verbunden, wie die Glieder dem Haupte, dem heiligen Vater, Christi Stellvertreter in seiner Kirche, welcher ist Petrus, und Petri Pachfolger. Und wie dieß von den deutschen Katholiken'dieser Lande, so gilt eö auch in nicht minderem Grade von der ihnen beigemischten slavischen Bevölkerung, deren Eifer und Treue in Bewahrung ihres angestammten katholischen Glaubens und darum auch in Bewahrung ihrer Gemeinschaft mit dem heiligen römischen Stuhle weltbekannt ist und meines LobeS nicht bedarf. Weil nun diese innige Verbindung und Gemeinschaft das Zeichen und die Bedingung ist des katholischen Lebens, so kann die heutige Feierlichkeit, welche mich, den Hirten dieses weiten Sprengels und der darin wohnenden beiderlei Bevölkerungen, in die erhabene Genossenschaft der Cardinalpriester der heiligen römischen Kirche erhebt und so dem höchsten Kirchenoberhaupte noch näher stellt, sie kann, sage ich, in der weisen Absicht des heiligen VaterS nur dazu dienen, den katholischen Glauben und das katholische Leben dieser Lande zu bewährZn,' zu stärken und zu erfrischen; und wem, sie dieß wirklich durch Gotteö Gnade in unS Allen bewirkt, fo ist das gewiß der würdigste, gottgefälligste und auch dem heiligen Vater angenehmste Dank. Wohlbedacht aber und mit Absicht, meine Geliebten, spreche ich von katholischem Glauben und katholischem Leben. Denn eS gibt ja leider einen Glauben ohne Werke, ohne Liebe, den der Apostel einen todten Glauben nennt; einen katholischen Glauben, den ein unchristliches Leben Lügen straft; einen katholischen Glauben, der aussieht, als lebte er, und ist doch eine Leiche in übertünchten, Grabe, dessen Modergeruch ein Gräuel ist vor Gott. ES steht auf dem Acker der Kirche unter dem guten Weizen eine Menge Unkraut, daö der Herr mitwachsen läßt bis zum Tage der Ernte, wo eS inS Feuer geworfen wird. Also durch den bloßen Namen katholisch sind wir noch nicht gesichert; noch auch durch jenen falschen Glaubenseifer, der selbst den Pharisäern nicht fehlte, die sich als Abrahams Kinder rühmten, eS dem Fleische nach auch waren, und denen doch der Herr sagte: daß ihnen Abrahams Werke fehlten, daß sie des Teufels Kinder seyen; was sie bewiesen, da sie den Sohn Gottes an's Kreuz schlugen. Solcher aber kann auch unter uns noch geschehen; denn der Apostel Paulus spricht auch von entarteten, ihres Namens unwürdigen Christen, die ein jeder für sich den Sohn Gottes auf ein Neues kreuzigen und verspotten. Von Euch aber, Geliebteste, füge ich mit dem Apostel hinzu,, versehe ich mich eines Besseren und daß Ihr nahe dem Heile seyd, obgleich ich so rede. Denn Gott ist nicht ungerecht, daß er vergessen sollte Eures Thuns und Eurer Liebe, die Ihr gegen seinen Namen bewiesen habet, da Ihr den Heiligen dientet und dienet. Ja, meine geliebten katholischen Schlesier, Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als Ihr auf meinen Aufruf dem damals so schwer bedrängten, vertriebenen und seiner Hilfsmittel beraubten heiligen Vater Eure Liebesgaben darzubringen mit jedem andern katholischen Lande der Erde rühmlich wetteifertet. Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als HungerSnoth und Seuche einen Theil der Provinz heimsuchten, und Ihr Euch beeiltet, den Verschmachtenden rettend beizuspringen mit reichen Gaben und leiblicher Hilfeleistung. Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als ich Euch erst jüngst ermunternd aufrief, die Tausende von hinterlassenen Typhus'Waisen an Euren Familienherd aufzunehmen, und an ihnen Vater- und Mutterstelle um Christi willen zu vertreten, und als sogleich auch Tausende unter Euch um solchen Liebesdienst sich wetteifernd bewarben. Und Ihr, geliebte Oberschlesier, habet katholische Liebe und Selbstbeherrschung bewiesen, als Ihr vor mehreren Jahren auf den Weckruf Eurer eifrige» Seelsorger wie Ein Mann Euch heldcnmüthig aufrafftet, um die Sündenfessel einer, so Vielen zur andern Natur gewordenen Gewohnheit, deö Branntweintrinkenö, abzustreifen, 3K und als Ihr unter dem Schutze der heiligen Jungfrau Euch verpflichtetet, einem täuschenden Genusse zu entsagen, der so unwürdig des christlichen Namens, so verderblich für Seele und Leib, so zerrüttend für Euer ganzes Glück und Wohlseyn war. Die Welt staunte, als in einem Jahre Eure beldenmüthigc Enthaltsamkeit die Branntweinsteuer in Schlesien um eine halbe Million verminderte, und Euer edler König freute sich eines solchen Ausfalles in dem Staatseinkommen. Beharret denn in Eurem hochflnnigen Entschlüsse! Auch der heilige Vater, dessen bekümmertem Herzen ich die Kunde von Eurer schönen frommen Selbstüberwindung zu seinem Troste nicht vorenthalten habe, auch er blickt mit freudiger Theilnahme auf Euch und segnet Euch zum muthigen Beharren. Ihr Alle, geliebte katholische Schlesier, habet katholische Treue bewiesen, als Ihr vor mehreren Jahren der Lästerstimme des Hohnes und Spottes gegen Eure heilige Kirche, und der Stimme der Verlockung zum Abfalle von ihr, standhaft Gehör versagtet, und Euch dadurch nur zu neuer Belebung und Bewährung Eures kirchlichen Sinnes wecken und anspornen ließet. Und wiederum habet Ihr katholische Treue bewiesen, als Ihr vor nicht so langer Zeit, in den Tagen des politischen Schwindels und falschen Freiheitswahnes, nicht vergaßet, Gott waS GotteS, und dem Könige was des Königs ist, zu geben, eingedenk, daß wir katholische Christen der rechtmäßigen Obrigkeit nicht auS Furcht oder Augendienerei, also nur so lange sie stark und wachsam ist, gehorchen, sondern, um des Gewissens und um Gotteswilleu, auch in den schweren Tagen der Prüfung und Versuchung zu ihr stehen, wenn Unterthanentreue Opfer fordert und die Widersetzlichkeit ungestraft bleiben, der Treubruch wohl gar auf Beifall und Lohn hoffen darf. Ihr habet Eure katholische Gesinnung bewiesen und beweiset sie täglich, indem Ihr, in Mitte von Nebenmenschen und Mitbürgern verschiedenen Bekenntnisses lebend, bei aller treuen Anhänglichkeit an Euren Glauben und Eure Kirche, doch die christliche Liebe bewahret, welche alle Menschen ohne Unterschied umfaßt, und nach der ausdrücklichen Lehre des Herrn sich vor Allen gegen unsere Nächsten d. h. gegen diejenigen, in deren Mitte Gott uns gestellt hat, in Geduld, Mitleid und theilnehmender Hilfe offenbart, und, so viel an ihr ist,'den Frieden bewahret mit Jedermann. Ihr habet mir persönlich Eure ächtkatholische Gesinnung bewiesen, als Ihr vor nun fast sechs Jahren mich, den Euch unbekannten Fremdling, weil Eure berechtigten Wahlherren in rechtmäßiger Wahl mich erkoren und der heilige Vater iiese Wahl bestätigt und den Widerstrebenden im Gehorsam als Euren Bischof zu Euch gesendet hatte, mit aller Liebe und Freude und mit allein Vertrauen als von Gott gesendet unter Euch aufnähmet. Ihr habt mir Eure katholische Liebe uud Treue für Eure Kirche von da an fortdauernd und namentlich dann bewiesen, so oft Ihr mich und so oft Ihr meinen bischöflichen Stellvertreter auf unsern kirchlichen Amtsreisen mit Ehren- und Freudenbezeugungen weit über unser Wünschen und Erwarten willkommen hießet, und uns in rührender Weise mit Eurer beglückenden Liebe umgäbet. Ich allein habe in diesem Jahre mehr als fünfzig Tausenden von Euch, Alt und Jung, in Spendung des hei^ ligen Sacramentes der Firmung die segnende Hand auf das Haupt gelegt, und Auge in Auge aus fürbittendem Geiste einen weihenden Blick in ihre Seelen gesenkt bei dem heiligsten Acte der Firmung; und ich habe oftmals aus Euern gläubigen andächtigen Blicken eben so viel an Erbauung und nicht selten tiefer Rührung empfangen, als mir zu geben vergönnt gewesen seyn mag. Und Ihr, meine geliebten priesterlichen Mitbrüder, habet nicht bloß bei allen diesen kurz erwähnten Anlässen und Gelegenheiten Euere katholische Liebe und priesterliche Treue dadurch bewährt, daß ihr Euere anvertrauten Gemeinden zu solchen Kundgebungen ihrer kirchlichen Gesinnung durch Euer Wort anregtet unv durch Euer vorleuchtendes Beispiel ermuntertet, sondern vorzüglich dadurch, daß Ihr den ächten Glaubensgrund, aus welchem allein solche edle Früchte erwachsen, in den Herzen Eurer Anvertrauten mit aller Sorgfalt Pflegtet, und schon in die zarten Seelen der 37 Kinder mit treuer reiner Hand die göttlichen Keime einsenktet, welche unter dem Thaue der Gnade sich entfallend, das Himmelreich auf Erden: Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Liebe und Treue, fortpflanzen und dem ewigen Himmelreiche hoffnungsvoll entgegenreifen. Sehr Viele von Euch haben insbesondere ihren treuen kirchlichen Sinn auch ganz kürzlich dadurch bewährt, daß sie in großer Anzahl und so viel die Umstände eS gestatteten, an den mehrtägigen geistlichen Uebungen bereitwillig Theil nahmen, welche zur Erneuerung des priesterlichen SinneS, zur Wiedererweckung der ersten Liebe und Berufsbegeisterung so sehr geeignet, daher von der katholischen Kirche so hoch empfohlen, und gewiß auch dießmal an allen Theilnehmenden reich gesegnet gewesen sind. Alle diese Erweisungen Eurer katholischen Liebe und Treue, deren ich mich in und für Euch, wie der Apostel in seinen Corinthern, rühmen, und mit ihm mich freuen darf, daß ich mich in Allem auf Euch verlassen kann: sie sind eS ohne Zweifel, die mir eine so unverhoffte, seltene kirchliche Ehrenauszcichnung, wie die heut empfangene, eingetragen; und darum sage ich mit Wahrheit und aus inniger Ueberzeugung, daß dieselbe in der weisen huldreichen Absicht deS heiligen Vaters Euch Allen insgesammt gilt und gemeint ist. Ihr müsset alSdann aber und werdet mir auch helfen, sie würdig und ehrenvoll vor Gott und der Kirche zu tragen; damit sie nicht an mir und Euch zu Schanden werde. Und so möge denn daS Purpurgewand, womit ich heute bekleidet worden bin, durch die Gnade Dessen, der aus Liebe für uns sich in einem Purpurmantel hat verspotten lassen, ein rechtes Ehrenkleid für mein BiSthum und für mich selber werden! Es sinnbildet in seiner rothen Farbe die im Blute des LammeS gewaschene Stole, welche die Seligen kleidet, die da Macht erhalten zum Baume des LebenS und durch die Thore eingehen in die ewige Stadt. ES sinnbildet das Feuer der Liebe, welches Christus auf der Erde anzuzünden gekommen ist, und welches er am Pfingstfest auf seine Apostel herabgesendet hat, daß sie und ihre Nachfolger eS auf dem heiligen Opferaltarc der Kirche hüten und fortleuchten machen bis an's Ende der Tage. ES sinnbildet das Opferblut der Märtyrer, welches von dem Fortglühen dieses göttlichen LiebeSfeuers in der Kirche Zeugniß gibt durch alle Jahrhunderte hindurch, seit dem ersten Erzmartyrer Stephanuö bis herab zu dem ehrwürdigen Erzbischofe, der auf den Pariser Barricaden Die verheerende Glut des Bürgerkrieges mit seinem Blute zu löschen brannte. Zu gleicher Opferwilligkeit, Geliebte, wollen auch wir mit Gottes Gnade unS ermannen; dasselbe heilige Feuer wollen auch wir in unserer Brust, wir Priester vor Alle», treu hüten, vor dem Erlöschen und vor unreinem Qualm und Rauch bewahren, und durch das willig herzugetragene Kreuzholz der pflichttreuen Selbstverläugnung immer Heller anfachen, damit unS einst, nach überstandenem Kampfe, die Stole der Gerechtigkeit schmücke und uns der Lohn werde, den der Herr denen verheißen hat, die Ihn lieben. Bis dahin wollen wir mit unserer heiligen Kirche, und in diesen Tagen voll unseliger Verwirrung und banger Ahnvung inbrünstiger als je, zu dem Allmächtigen flehen: „O Gott, von dem allein kommt alles heilige Verlangen, alles rechte Beginnen, alles gerechte Thun: gib unS deinen Dienern jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinen Geboten ergeben, und nach Beteiligung aller feindlichen Schrecknisse, unsere Zeitläufe unter deinem Schutze ruhig seyen; durch Jesum Christum unsern Herrn! (Folgt die Fastenordnung für das kommende Kirchenjahr.) Wolfgang Menzel über die Missionen. (Fortsetzung.) Seit dem Anfange des Jahrhunderts hatte sich am Rheine eine liebliche und verhängnißvolle Erscheinung gezeigt, die Romantik als Vorbotin der kirchlichen Wieder- 38 geburt, eine zarte Fata Morgana, in deren zitternden Schimmern der Kölner Dom sich höher und höher ausbaute und in seiner Vollendung erblickt wurde. Aber diese Traumbilder verschwanden wieder vor dem Trommellärme Napoleon's. Erst lange nachher, als die Rheinlande preußisch geworden waren, kehrte die romantische Sehnsucht wieder und nahm auch gleich eine ganz praktische Richtung, indem man den Kölner Dom so materiell als möglich mit Steinen und Mörtel auszubauen unternahm. Allein andere Werkleute hatten indessen in der Stille den unterbrochenen Bau deS MittclalterS in anderer Weise fortgeführt und mit Recht der Sache selbst mehr Fleiß zugewendet, als ihrem Symbol. Es war die oft verschrieene Dummheit deS niedern Klerus und „gemeinen Volkes," die, .Allen unerwartet, aus ihrer bisherigen bescheidenen Stellung, in der man sie kaum mehr betrachtet hatte, in höhere Regionen aufstieg, die vornehmern Geistlichen, die Professoren, endlich den Erzbischof selbst inficirte und plötzlich ihre volle Berechtigung in der Gegenwart ansprach. So mächtig stieß der aus dem Grabe erwachte heilige Anno mir dem Bischofstabe auf die Erde, daß sie bis Memel zitterte. Zu Trier aber schaarte sich mehr als eine Million Wallfahrer um die Bischöfe und das Pannier deS heiligen RockeS, Alles in der deutschen Dummheit, zu nickt geringer Beschämung der neuen historischen Schule, die sich so sehr im verächtlichen Rückblicke auf angeblich längst überwundene Standpuncte gefiel und nie geglaubt hätte, daß jene Dummheit doch einmal andere Ansprüche machen würde, als sich aufklären und ihren Standpunct überwinden zu lassen. Anstatt mit ächt historischem Blicke anzuerkennen, daß es sich hier von keiner Dummheit, sondern von einem tiefen Volksgefühle und natürlichen Ausdruck eines nur zu lange verkannten Zeitbedürfuisseö handle, glaubten die Aufgeklärten, sogar Gervin us, daS angebliche Gespenst des Miltelalters mit den Plattituden eineö Ronge bannen zn können, und weissagten, die Strafe für die wiedcraufgelegte Dummheit werde sofort der gänzliche Untergang der römischen Kirche seyn, an deren Stelle der DeutschkaiholicismnS das goldene Zeitalter der Vernunft hereinführen werde. Aerger hat sich der anmaßliche Verstand wohl nie über kirchliche Dinge getäuscht. Ronge ist verschollen, als ein unfähiger Charlatan gebrandmarkt, seine Gemeinden verkümmern, während die alte Kirche immer majestätischer die kolossalen Umrisse ihrer verborgenen Macht erkennen läßt. Mitten in den Stürmen der letzten Jahre traten die katholischen Bischöfe Deutschlands in Würzburg zusammen und erließen eine Denkschrift, die ihren und der katholischen Kirche Beruf für die Zukunft in brennenden Zügen auf ein dunkles Blatt der Geschichte schreibt. Nur aus solchen Vorgängen erklärt sich die Freigebung der Kirche in Oesterreich, eine der größten, vielleicht die dauerhafteste Folge der Revolution von 1848. Von Seite des katholischen Volkes bezeugten drei große Vereine den religiösen und kirchlichen Eiftr. Der BorromäuSverein hat sich zum Zwecke gesetzt, die irreligiöse Presse zu bekämpfen und unschädlich zu machen durch Verbreitung guter Bücher. Der Vonifaciusvercin sorgt für die religiösen Bedürfnisse der in nicht katholischen Ländern zerstreuten Glaubensgenossen. Der PiuSvercin endlich arbeitet unablässig für die Freiheit der Kirche, für ihre möglichste Unabhängigkeit vom Staate. Der am meisten zu den Sinnen sprechende Triumph der katholischen Kirche liegt aber in den von so unermeßlicher Popularität belohnten Missionen in dem kurz zuvor noch so revolutionär aufgeregten Schwarzwalde, jene wunderbare Erhöhung des Kreuzeö auf den Schuppen des noch athmenden Drachen. Die Negierung hat nichts dazu gethan, sie, hat die Missionäre nicht einmal gern kommen sehen, ihnen vielmehr Schwierigkeiten gemacht. Das Volk hat sich daher ganz freiwillig der Autorität unterworfen, die auS dem frommen Munde der kaum dem Namen nach bekannten Apostel zu ihnen sprach. Wenn die Regierungen den Wink, der darin liegt, nicht verstünden, wären sie mit Blindheit geschlagen. Schon lange regte sich in Freiburg im Breisgau ein so guter bischöflicher Geist, daß eS kaum begreiflich ist, wie eS unter den frühern Regierungen in Karlsruhe hat können verkannt werden. Liebevoll, sittlich, duldsam, fruchtbar in Worten und Werken der 39 Versöhnung und des Friedens hat dieser wahrhaft christlich deutsche Geist des oberrheinischen Kirchenhirten und seiner Räthe jetzt erst die ihm gebührende Genugthuung in der reumüthigen nnd freiwilligen Buße der verführten Heeroe gefunden. Hätte man, anstatt mit dem Radikalismus zu liebäugeln, dem Erzbischof gefolgt, eS wäre im Oberlande nicht so weit gekommen. Auch anderwärts, auch auf rein protestantischem Gebiete, trifft frühere Regierungen der Borwurf, den Unglauben beschützt und die Gläubigen bedrückt zu haben. Regierungsrescripte waren es häufig, die sich zum Jubel der destructiven Partei zwischen das fromme Volk und seine Priester drängten und jenen conservativen Gesinnungen Hohn sprachen, welche sie um jeden Preis hätten ehren und Pflegen sollen. Ein guter Theil jener ältern absolut unklugen Rcgierungsmaaßregeln läßt sich zwar auf Rechnung juristischer Beschränktheit setzen und findet seine Erklärung in dem herkömmlichen, den meisten Juristen und Bureaukraten zur andern Natur gewordenen Facultätswiderwillen gegen Alles, was sie Pfaff uud Scbwarzrock heißen; allein die Regierungen sollten überall so viel höhern staatsmännischen Geist bewährt haben, um solche kleinliche Standpuncte tief unter sich zu lassen. (Schluß folgt.) Die erste deutsche Capelle in Paris. Am 8. December, dem Tage der Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria, wurde in Paris ein großes Fest gefeiert, nämlich die Einweihung der ersten deutschen Capelle in Paris. Es ist den angestrengten.Bestrebungen des Obern des „deutschen Werkes" gelungen, in so weit Geldmittel zu sammeln, daß die cit6 Lüsi-rguci gemiethet werden konnte. Der P. Chable wandte sich demnächst an die erzbischöfliche Behörde um die Erlaubniß, in diesem Gebäude eine vorläufige Kirche einzurichten. Er erhielt darauf folgendes Antwortschreiben: „Die nachgesuchte Erlaubniß, zuvörderst eine Capelle und später eine Kirche ausschließlich für die Deutschen im Mittelpuncte zwischen der kleinen Billette, Belleville, Faubourg St. Martin und La Chapelle, und zwar auf Ihre Kosten, durch fromme Beiträge und Subscriptioncn, die Sie erhalten können, errichten zu dürfen, ist Ihnen hiermit ertheilt. Seine erzbischöflichen Gnaden würden sich äußerst freuen, wenn dieß gute Werk so bald als möglich zur Ausführung käme, weil er sich lebhaft für die Deutschen seiner Diöcese interessirt. Paris, 30. Nov. 1850. Gez. Bautain, Generalvicar." — Ein anderes eigenhändiges Schreiben des Herrn Erzbischofs von Paris vom 6. Dec. 1850 beauftragt den Herrn P. Chable, „die neue deutsche, dem heil. Jos.ph und dem heil. Franciscus XaveriuS geweihte Capelle rue äe Ueaux Nr. 12 zu benediciren." So war denn der 8. December zu dieser Feier festgesetzt. Acht Tasie vorher war das Haus gemiethet, Arbeiter bestellt, um im ersten Stock einige Arbettssäle durch Einrcißcn der Zwischenmauern zu verbinden, und das Nöthigste zur Herstellung einer Capelle zu vollenden. Tag und Nacht ward gearbeitet, und am Vorabende des Festes war das bescheidene Gotteshaus fertig. Um 9 Uhr begann die Feier. Der P. Chable weihte die Capelle ein und hielt am Schluß im Wesentlichen folgende Anrede: „Jetzt seyd Ihr zu HausI Bisher konntet Ihr kein Plätzchen Euer eigen nennen, jetzt habt Ihr eine Wohnung. ES ist freilich einstweilen nur eine arme Werkstätte, wie die des heiligen Joseph, unter dessen Schutz ich sie stelle. Aber bedenkt, daß die tiefsten und ersten Anbetungen dem Heilande in einer solchen Werfftätte wurden. Es ist nur eine Hütte, wie die des heiligen Franz Xaver; aber diese Hütte verwandelte sich später in die prachtvollsten Kirchen, die dem Heiligen geweiht wurden. Aber was habt Ihr nun zu thun? Gott für seine Gabe zu danken. Und das thut Ihr, wenn Ihr fleißig zur Kirche kommt und eben so fleißig die Gebote GotteS und der Kirche befolgt." Darauf begann die Messe unter Begleitung der gewöhnlichen deutschen Meßlieder; und am Schluß wurde mit freudiger Begeisterung „Großer Gott, wir loben Dich" gesungen. Den Anwesenden theilte 40 der P. Chable eigens zu diesem Zwecke geprägte Medaillen auS, die auf der einen Seite daS Bild deS heiligen Joseph, auf der andern die Worte: „Deutscher JosephS- Verein zu Paris. 3. December 1850. 6it6 Llmi-r-mc!" enthalten. Die Gottesdienstordnung in dieser Capelle wird künftighin folgende seyn: 7 Uhr früh Messe, namentlich für die Kinder; 1V Uhr Messe, namentlich für die Erwachsenen, Predigt; 2 Uhr Nachmittags christlicher Unterricht; 4 Uhr deutsche Vesper, Predigt, Segen. Der Josephsverein, der der Anfang deS „deutschen Werkes" war, ist also wieder errichtet und wird ohne Zweifel nicht geringere Früchte, wie vor der Restauration, tragen. — Was die im selben Haus einzurichtenden Schulen und Krankenhaus betrifft, so ist bereits ein Brief aus Nancy eingetroffen, der die baldige Ankunft dreier deutscher Schwester aus dem Orden des heiligen Karl Borromäus, darunter eine aus Triers meldet. Der Anfang ist gemacht. Ein guter Fortgang hängt von der lebhaften Betheiligung unserer deutschen Mitbrüder in der Ferne ab. Was das Wichtigste ist, man sieht, daß diese Sache nicht ein frommer Wunsch , ein unpraktisches Vorhaben ist, sondern daß es ein fester Bau ist, wozu der erste Stein bereits gelegt ist, wozu nun aber Jeder nach Kräften beisteuern soll. (M. S.-Bl.) Oesterreichische Monarchie. Salzburg. Die jüngste Consistorialverordnung, in Betreff der Grundsätze bei Verzierung der Gotteshäuser, hat allgemeinen Anklang gefunden. ES ist in der That nichts Widerlicheres und die Andacht Störenderes, als wenn man in den Kirchen Schnitzwerke und Gemälde findet, die allen Regeln der Aesthetik widerstreiten. Wenn man auch die apostolische Einfachheit des katholischen Cultus, wie solche von gewissen Journalisten, deren Glaubensbekenntniß in der Regel auch höchst einfach klingt, nämlich: Nichts, bevorwortet wird, durchaus nicht will, so kann man doch mit der Ueberfüllung der Gotteshäuser uud deren geschmacklosen Ausstattung keineswegs einverstanden seyn. DaS Einfache, Erhabene und Kunstsinnige spricht jeden gebildeten Gläubigen wohlthätig an, erhebt ihn unwillkürlich zur Urquelle aller Schönheit, die uns in Christus ist geoffenbaret worden, den Ungebildeten aber soll man eben auf eine höhere Stufe zu heben suchen, waS gewiß zuerst dadurch geschieht, daß man ihm in der Kirche nur AesthetischeS vor Augen führt. Man hat sich daS Volk in der fraglichen Hinsicht auf einer zu niedern Stufe gedacht; gewiß selbst der roheste Mann greift eher zu dem Schönen und Natürlichen, als zu der unnatürlichen Caricatur. Die Schulconferenzen in Wien sind beendigt. Diese Berathungen, bei welchen alle Kronländer vertreten waren und der Minister selbst den Vorsitz führte, haben sich fast über alle Belange des Schulwesens verbreitet und gewähren alle Hoffnung eines segensreichen Erfolges. Die einberufenen Theilnehmer, die sich dabei sämmtlich als wirkliche praktische Schulmänner erwiesen, haben sich in allen Hauptsragen vereinigt. * » * Im st, 19. Jan. Die hiesigen barmherzigen Schwestern haben sich durch die uneigennützigste und anstrengendste Pflege des kranken Militärs besondere Verdienste erworben. Vor wenigen Tagen ist nun dem Institute sür diese menschenfreundlichen Leistungen die vollste Anerkennung von Seite des Herrn F.-M.-L. Militärcommandanten Frhr. v. Roßbach bekannt gegeben worden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlagö-Jichaber: F. C. K» ein er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt «»»Mklip >>',-I N)l»lii!i?I n> l!^i!7? ^N'iliktj ^lüi>>) ^s,1 N??I/s,-U>>>?l liü^^lü^? >.jM N)ttvch1»ngi9 Muh cnu'Zi'^giminTiF ! sis>b7tIK -»^ ,»,ttN'! si? > .ll^nncit n»»IsSA't»Ä N7'^N!5 ?!« S'-?kl-U ^ü'^k ,G kilil'liylis/Z- 711? - jit'l-i^.jj.^II. II. !l sicll<( li . .:--.!^, n -l- ^ F» Februar /VT». ^_^___ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis M kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Das Kloster vom guten Hirten in Smyrna. tllitM.'Zliotlll'-^ ?>? mz?niA INI NOÄ hl lis.'Nz k M'isMÄ? n.7'.^Nc>^ ^sil MvN flUk 5 Durch freundliche Mittheilung sind wir in den Stand gesetzt, daS nachfolgende Schreiben aus Smyrna vom i. Der., welches die Frauen des Klosters vom guten Hirten daselbst an ihr Mutterkloster zu Angers gerichtet haben, in wortgetreuer Uebersetzung mitzutheilen. „Sehr geehrte und vielliebe Schwestern! DaS Gesetz Gottes, unser Institut und Ew. Liebden sind die Freuden unserer Seele und der Gegenstand unserer unaufhörlichen Gedanken. Eine große Entbehrung auch ist es für uns in dieser Verbannung, daß es so langer Zeit bedarf, bis wir die angenehmen Mittheilungen unserer viellieben Schwestern erhalten. Lasset euch die heißen und innigen Wünsche gefallen, welche wir sür das Gedeihen unseres theuren Klosters, für die Erhaltung unserer würdigen Mutter Priorin, und die Erfüllung des heiligen Verlangens einer jeder von Euch Lieben insbesondere hegen. Wir bitten Euch, gemeinsam mit uns dem Herrn zu danken für die Einrichtung dieses Klosters, welches am Feste des heiligen Ludwig von Gonzaga in einem der katholischen Stadtviertel von Smyrna ist gegründet worden; sein Hauptzweck ist die Loskaufung und Unterrichtung der Sclaven. Der Zustand gänzlicher Hilfslosigkeit, in welchem diese theuren Seelen sich befinden, verdiente es wohl, daß der Eifer unserer hochgeehrten Oberin ihnen Hilfe bringen hieß. Diejenigen, welche bereits das Glück hatten losgekauft und getauft zu werden, erfüllen uns mit Trost durch ihre glücklichen Anlagen; wir werden Euch Lieben alle die Einzelheiten vorführen, welche Euren Eifer für das Wohl so theurer Seelen in Anspruch nehmen können. In diesem Jahre sind sehr zahlreiche Flotten mit Negerinnen angekommen, deren 5 bis 6l)l) in einem einzigen Schiffe sich befanden; man hält sie in aufrechter Stellung aneinander gekettet auf dem Verdeck, und dergestalt zusammengepreßt und gedrängt, daß sie kaum zu athmen vermögen. Der Feuchtigkeit und dem Froste während der Nacht und der Sonnenhitze unter TagS während einer Fahrt von mehreren Wochen ausgesetzt, da der größte Theil von ihnen aus der großen Saharra-Wüste kommt, wo man sie Eilmärsche machen läßt, um die Küsten der Barbarei, den Ort der Einschiffung zu gewinnen: gelangen sie im kläglichsten Zustande Hieher, und haben keine andere Nahrung als ein wenig in Wasser gekochten Mehles, bis sie an die Türken verkauft werden. Aber ihre körperlichen Leiden sind nichts im Vergleich mit den Leiden der Seele und den Banden der Ruchlosigkeit, von denen sie umstrickt sind. Indessen hat die Liebe unseres göttlichen Hirten ihnen einen Zufluchtsort in seinem Herzen und in seinem Hause eröffnet, alle jene, die wir loszukaufen im Stande sind, werden die Siegeszeichen seiner Erbarmung. Ihre Zahl ist zwar sehr klein, weil wir keine andern Hilfsquellen haben als unserer Hände Arbeit und unser kleines Pensionat; wir setzen 42 aber unser Vertrauen auf die Vorsicht unseres guten Hirten, der da woht wissen wird, wann er die Hilfsauellen dieses Werkes erschließen werde, welches ganz Seiner Barmherzigkeit überlassen ist. Die erste Sclavin, welche wir sogleich bei unserer Ankunft auf Smyrna loszukaufen das Glück hatten, erhielt in der heiligen Taufe den Namen Euphrasia; ihre Frömmigkeit und ihre guten Eigenschaften haben die fromme Gemah. l!n deS sardinischen ConsulS bewogen, sie an Kindesstatt anzunehmen. Die zweite, Namens Josephina, wurde in unser Klöster zu Tripoli gesendet, als das kostbarste Geschenk, welches wir unsern Schwestern machen konnten. Die dritte, die Neophitin Irene, 10 bis 11 Jahre alt, hat ausgezeichnete natürliche Neigungen zur Sanftmuth und Gelehrigkeit, und Trieb in unserer heil. Religion sich zu unterrichten. Mehrere fromme Personen, aufgemuntert durch die glücklichen Fortschritte dieser theuern Kinder, haben deren vier losgekauft, die sie uns zum Unterricht anvertraut. Drei von ihnen haben bereits die heil. Taufe empfangen, die andere bereitet sich mit dem größten Verlangen dazu vor. Wir hoffen mit GotteS Gnade daS nächste Jahr eine reiche Ernte zu halten. Der Herr Erzbischof hat uns seinen väterlichen Schutz zugesagt und steht uns mit allen geistigen Mitteln bei. Sein Kanzler sitzt alle Freitage für die Gemeinde zur Beicht und unser Almosenier, welcher ein Zögling der Propaganda von Rom ist, hört jeden Donnerstag zwanzig von den Kindern der PenstonSanstalt zur Beicht. Ihrer sind achtzig in zwei Classen, darunter mehrere Griechinnen, Armenierinnen, Schismatische und Protestanten, welche wir dem Gebete Eurer Gemeinde empfehlen, auf daß sie durch die Güte unseres Herrn daS Licht erhalten, welches sie in den Schooß der wahren Kirche zurückführt. Der zeitliche Unterhalt unseres Klosters ist auf die göttliche Fürsorge und unsere Arbeit angewiesen. Unser Herr Erzbischof zahlt die Besoldung unseres AlmosenierS; der Verein zur Verbreitung des Glaubens hat uns 600 Francs geschickt, unsere Lotterie hat uns 700 Fr. eingetragen. Der Sultan hat unS bei seinem Besuch auf Smyrna ein Almosen von 100 Fr. gegeben. Ein wohlthätiger Priester hat uns eine Glocke, zwei Stücke Tuch, 10 Handtücher und einen Vorrath von Thee für unsere lieben Engländerinnen geschenkt. Herr Dr. 8. cis I^ills hat uns ein Geschenk gemacht mit einer Kiste guter Bücher, die uns von großem Nutzen sind in diesen ungläubigen Landen. Große Erdbeben, von monatlanger Dauer, haben in diesem Jahre alle Häuser beschädigt, AllcS war in Bestürzung; jeden Tag hatten wir zwei bis drei Stöße. Endlich ließ unser Herr sich erflehen durch die heißen Gebete seiner Diener, kein Unfall hat sich ereignet. Wir haben viel von der Hitze leiden müssen, welche unerträglich war. Unser HauS liegt ganz nahe am Meer; wir haben zwei Hauptgebäude, welche unter sich in Verbindung stehen; in dem einen ist unser Gesellschaftszimmer, das Refectorium, die Küche, das Leinwandzimmer und nette Zellen für die Klosterfrauen. Das andere ist für die Schulen; wir haben im Ganzen 15 Zimmer und einen kleinen Garten. Wir zahlen 1500 Francs Miethzins, und haben das Glück niemals ausgehen zu müssen, indem wir blvö durch einen großen Garten zu gehen haben, der unserm Hauseigenthümer gehört, um in eine dem Herrn Erzbischofe eigene Capelle zu gelangen; wir konnten bis jetzt noch keine eigene bauen. Wir sind bloß unserer fünf Ordensschwestern, unsere hochgeehrte Mutter, Maria von Jesu, Superiorin, unsere theure Schwester Maria Angelika von Kreuz, Assistentin, Maria von St. Bernard, Engländerin, Maria von St. Francis- cuS v. Sales, Jrländerin, Maria von St. FranciscuS v. Assisi, Italienerin. Indem wir daS Glück haben von ganzer Seele im heiligen Herzen Jesu zu seyn, empfehlen sich den frommen Gebeten Eurer Liebe zc. zc. die Frauen deS Klosters vom guten Hirten in Smyrna. _ -!"^ u-.-iM Ä^tM chi)Zj^Ä m- HWn ÄMl n-ÄkS vttldÜlpstP 7,>.':' ?!^'^> m^!>u-t> SZNIKV * Es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß man anfängt, die Nothwendigkeit der christlichen Sonntagsfeier öffentlich hervorzuheben. Im Octobcr vorigen JahreS erließen (nach dem Deutschen BolkSblatt vom 22. Oct.) mehrere Geistliche von Lud- 43 wigSburg eine Ansprache an die Gemeinden, worin sie zur fleißigen Sonntagsfeier, als einer Quelle großer Vortheile, aufmuntern, und alle einladen, zu diesem schönen Zwecke etwas beizutragen. In großartiger Weise ist dann in Frankreich durch den Grafen Montalembert, den großen Vorkämpfer des Katholicismus in jenem Lande, die Nothwendigkeit eines Gesetzes über die SonntagSfeier in der Nationalversammlung dargelegt worden. Die Heiligung des SonntageS ist kaum zu einer Zeit so mit Füßen getreten worden, wie in der gegenwärtigen. Und doch ist eS ein göttliches Gebot, welches von dem Herrn kräftigst ist eingeschärft worden. „Sehet zu, sagte Gott durch MoseS, daß ihr meinen Sabbat haltet; denn er ist ein Zeichen zwischen mir und zwischen euch in euern Geschlechtern, auf daß ihr wisset, daß ich der Herr bin, der euch heiliget." (Erod. 31, 13.) „Die Festtage sollt ihr nicht entheiligen," schreibt der heil. Ma» tyrer JgnatiuS an die Philippenser. Und der große Papst GregoriuS sagt: „Am Sonntage soll man von irdischer Arbeit abstehen und auf alle Weise im Gebete verharren, damit, wenn in 6 Tagen eine Nachlässigkeit begangen wird, dieselbe am Tage der Auferstehung deS Herrn durch Gebete gesühnt werve." Der Herr selbst legt auf die Beobachtung dieses Gebotes großes Gewicht und hat die Uebertreter desselben mit schwerer Straft bedroht. „Wer ihn (den Sabbat) entheiliget, der soll des TodeS seyn: wer an demselben ein Werk thut, dessen Seele soll ausgetilgt werden aus ihrem Volke." (Erod. 31, 14.) „Von denjenigen, sagt der heilige Augustin, welche, in allerlei Sorgen und Geschäfte verwickelt, dieses Gebot GotteS verachten, und der Betrachtung göttlicher Dinge keine Zeit schenken wollen, fürchte ich, daß ihnen der Herr, wenn sie beim künftigen Gerichte an seiner Thüre anklopfen und begehren werden, daß man sie ihnen öffne, alsdann zur Antwort geben werde: „„Wahrlich ich sage euch, ich kenne euch nicht. Weichet von mir ihr alle, die ihr Ungerechtigkeit ausübet."" Und die eS jetzt versäumen Gott zu suchen, werden alsdann von ihm verabscheut. Deßwegen, meine Brüder, soll es euch nicht beschwerlich fallen, an den Sonntagen und Festen der Heiligen dem Gottesdienste zu obliegen." O würde dieses Gebot immer gewissenhaft befolgt worden seyn, wir befänden uns gegenwärtig nicht in Zuständen, die in vieler Hinsicht beklagenSwcrth sind. Wie viel Gutes würde gewonnen, wie viel Böses verhindert, wenn diese Tage heilig begangen würden. So aber sind es gerade die Feiertage, an denen das Laster die meisten Siege über die menschliche Schwäche und Verkehrtheit davonträgt. So wird nicht bloß der Zweck des göttlichen Gebotes — Erhebung des Menschen zum Göttlichen — nicht erreicht, sondern gerade das Gegentheil davon häufig erzielt. Es ist also Zeit, daß man die Wichtigkeit dieses Gebotes erkenne. Diese Erkenntniß ist der Anfang zu bessern, glücklichern Zuständen. Die Vorsehung, welche AlleS lieblich anordnet, erweckt jetzt in verschiedener Weise den Gedanken an die würdige Feier der Festtage, und zeigt unS hierin ein Hauptmittel, um den sittlichen Gebrechen unserer Zeit abzuhelfen. Der Rohheit, der Unwissenheit, dem Unglauben und den hieraus entspringenden Lastern, wodurch sollte ihnen anders begegnet werden, als durch die andächtigen Gebete, frommen Uebungen und den christlichen Unterricht an den heiligen Tagen? ES möge daher dieser Punct der rechten Heiligung der Feiertage bei unsern ehrwürdigen Oberhirten alle Aufmerksamkeit finden. Es mögen alle Seelsorgsgeistlichen in ihren Gemeinden vorzüglich eine wahre und christliche Feier des SonntageS zu erzielen suchen, durch öftere Belehrung hierüber, durch erhebende Feier des Gottesdienstes, anziehende Verkündung des göttlichen Wortes, durch fleißige Spendung der heiligen Sucramente und passende NachmittagSandachten. Wahrlich ein Geistlicher würde seinen Beruf schlecht verstehen, der nicht begreift, daß der Sonntag der Tag des größten geistigen Gewinnes für die Gläubigen seyn kann, wenn man es an denselben an Eifer und Thätigkeit nicht fehlen läßt. Bekommen die Leute Geschmack und Freude an religiösen Uebungen, so wird der übermäßige Hang zu sinnlichen Lustbarkeiten bezähmt und vermindert, und damit 44 die Quelle vieler Uebel verstopft werden. Es wäre gut, wenn dieser Gegenstand von erfahrnen Männern besprochen, und namentlich auf Mittel hingewiesen würde, wie das Volk an heiligen Tagen am besten könnte beschäftigt und von dem Verderben abgehalten werden. Würdige Seelsorger könnten vielleicht aus dem Schatze ihrer Erfahrungen hierüber manchen heilsamen Wink geben. ES gibt gegenwärtig viele Vereine, würde nicht auch ein Verein zur Belebung der christlichen Sonntagsfeier an der Zeit seyn, oder dürften diese Gegenstände bei den schon bestehenden Vereinen nicht eine besondere Berücksichtigung finden? chn> a,Mch»k «ch jjt j> ««»a ii''U>^ ir.'!'lKS-n!'Ni,m ißi HM Wolfgang Menzel über die Missionen. (Schluß.) AuS dem nun folgenden Abschnitte über die protestantische sogenannte innere Mission dürften folgende allgemeine Bemerkungen auch für unsere Leser von Interesse seyn. Um die Bedeutung der inneren Misston, wie sie der edle Wichern ins Leben gerufen hat, richtig zu würdigen, ist erforderlich, daß man erwäge, welche Versuche, den christlichen Geist auf protestantischem Gebiete wieder mehr zu beleben, diesem jüngsten vorausgegangen sind. Wir wollen sie nicht weitläufig abhandeln, sondern nur kurz ihre Richtung bezeichnen. Seitdem der Geist der Theologie im Buchstaben abstarb, wurde die Orthodoxie überall mehr oder weniger von Aufklärung und Philosophie überwältigt, und bis in die neuere Zeit gelang es frömmeren Precigern und Seelsorgern niemals, die gesammte protestantische oder auch nur eine kleinere Landeskirche mit einem neuen christlichen Geiste zu durchdringen; sie sahen sich vielmehr genöthigt, sich in Secten abzusondern. Als die Union zu Stande kam, wurde sogar die altlutherische Kirche zur Secte heruntergebracht, sosern in ihr noch ein Rest alter Strenggläubigkeit sich nicht in der Union chemisch zersetzen lassen wollte. Allein innerhalb eben dieser Union selbst machte sich in dem Maaß, in welchem das confesstonelle Schiboleth nicht mehr so schwer ins Gewicht fiel, ein sehr achtbares Streben der Theologen bemerklich, das Interesse von dem konfessionellen Streitpuncte auf die allgemeinen christlichen Grundwahrheiten und auf praktisches Christenthum hinzulenken und den Kern christlicher Lehre, Gesinnung und That gegen die immer stürmischeren Angriffe der Philosophie zu vertheidigen. Leider hatten diese apologetischen Leistungen nicht den Vorzug einer lutherischen Kraftsprache. Ihre Gelehrsamkeit, ihre allzu feinen Distinctionen machten sie unpopulär. Der größere Theil der gebildeten Welt unr der Jugend ließ sich von der immer entschiedener antichristlich auftretenden Philosophie hinreißen, die in der schon längst heidnisch gewordenen und irrt jcdem unsittlichen Gelüste kokettirenden Poesie und zuletzt im politischen Radikalismus und Socialismus die mächtigsten und populärsten Bundesgenossen erhielt. Man darf nicht vergessen, in wessen Händen damals die Cult Ministerien und die höchsten Aufsichtsbehörden der Kirche und Schule sich befanden. Man muß sich der Männer erinnern, unter deren Auspickn die Hegel'sche Schule in Berlin und auf allen preußischen Universitäten, die Bauer-Strauß'sche in Tübingen zur herrschenden erhoben wurde, so wie in den kleinen Thüringischen Staaten des Einflusses, welchen Röhr und Bretschneider bei allen Anstellungen übten. Durch lange Uebung hatte sich in den niederen Schichten der protestantischen Gesellschaft ein geistloser Rationalismus eingenistet, der alles specifisch Christliche wie mit abstoßender magnetischer Kraft von sich hielt. An die Stelle des lebendigen ChristenthnmcS war eine dürftige Moral getreten, der Heiland der Welt war zum jüdischen Sokrates degradirt; von göttlicher Offenbarung wollte man nichts mehr wissen, nur noch von der Selbstbestimmung des Menschen durch seine Vernunft. Wer nicht mit diesem Strome schwamm, wurde als Pietist verhöhnt. Pietist hieß zuletzt Jeder, der noch 45 an die Gottheit Christi und an das offenbarte Wort glaubte. Ueber dieser rationali- strten Menge aber in den höheren Schichten der Bildung und Gelehrsamkeit wurde folgerecht der Haß gegen positives Christenthum noch entschiedener und systematischer. Je hoher die Gaben des Geistes, um so weniger kann er neutral bleiben. Er muß ganz für oder ganz wider Christum seyn, daher die antichristliche Strömung deS Geistes auf den deutschen Universitäten und in der deutschen Presse auf rcm von Hegel angebahnten Wege mit rapider Geschwindigkeit dem Abgrunde des Atheismus und Communismus zuführte. Die Lehre spitzte sich dahin zu, daß es keinen Gott gebe, als den Menschen, daß der Mensch sündeloS und zu jedem Genusse auf Erden berechtigt sey, und daß die Menschheit, als eine Republik von Göttern, sich künftig in die Genüsse theilen solle. Die Regierungen merkten endlich, ein wenig spät, daß die unter ihrem besonderen Schutze zu so großem Aufsehen gelangte Philosophie dem Staate selbst Gefahr drohe, und lenkten ein. In Preußen bewirkte zugleich die Thronveränderung, daß man sich entschieden für das christliche Princip erklärte, und nicht mehr -augenverdre- hendeS EyIertscheS Hofchristcnthum und Hegelsches Antichristenthum auS einer Tasche spielte. Allein das Ministerium Eichhorn konnte beim besten Willen nicht ans einmal die ganze Sachlage ändern. Es hatte eine unermeßliche Partei unter den Geistlichen wie Laien gegen sich, und die frommen Elemente im Volke selbst waren noch nicht so sehr wieder belebt und erstarkt, daß cS den Gegnern nicht hätte gelingen müssen, die ministerielle Frömmigkeit zu verdächtigen und ihr den Charakter einer Volkssache abzusprechen. Ueber den politischen Stürmen der letzten Jahre hat man die kirchlichen Bewegungen der kurz vorhergegangenen Periode fast schon wieder vergessen. Aber man muß an sie erinnern, wenn man die Bedeutung der Mission verstehen will. DaS Ministerium wurde verdächtigt, und die entschieden christliche Partei in der Theologie auf alle erdenkliche Weise verhöhnt und insultirt. Dieselbe Meute und Hatz gegen Hengstenbcrg in Beilin, wie gegen die Jesuiten in der Schweiz und gegen die frommen Waadtländcr. Es war damals eine Schrcckcnszeit für die kirchliche Partei. Die evangelische Geistlichkeit wetteiferte, ihren Abfall vom alten Glauben offen darzu- legen in Protesten, Adressen, Konferenzen, Beschlüssen von Provincialsynvden und Volksversammlungen. Auf der Synode zu Magdeburg erklärten am Schlüsse des JahreS 1844 nur drei Achtzehntheile der anwesenden Geistlichkeit sich »och für unbedingte Geltung der heiligen Schrift, cilf Achtjehnthcile für eine bedingte und vier für das Kriterium „deS in der Kirche lebenden Gottesgeistes." Dieser lebendige Got'eSgeist wurde aber in den „Halle'schen Jahrbüchern" und in den sogenannten Lichtversammlungen einfach als „das jedesmalige Zeitbewußtseyn" erklärt. Der Magistrat von Berlin hielt eine lange Rede an den König, deren kurzer Sinn war, es sey mit dem alten Christen- thumc aus und beginne jetzt die Religion des Zeitbewußtscyns oder deö allein göttlichen Volksgcistes, der in der Menschheit und ihrer hohen Bildung sich offenbarenden Vernunft, außer der eS nichts Göttliches gebe und bei der man den alten Gott gänzlich entbehren könne. Es wäre der Mühe wohl werth und sollte von der Mission unternommen werben, einmal allen Unsinn jener Jahre wie in einem Spiegel gedrängt zusammenzutragen, die Verhandlungen und Beschlüsse der Lichtfreunde, Freikirchler und Deulschkarholiken, das Wesentliche der Proteste und Adressen, Leitartikel und Streitschriften der Otto Wigand'schcn Presse in Leipzig, der Campe'schen in Hamburg, der Fröbel'schen in Zürich :c. Die Bewegung war weit ausgedehnt, von Königsberg, wo Rupp für die Protestanten werden wollte, waS Ronge für die Katholiken, bis zum Waadtlande, wo Drucy die gläubigen Prediger in Masse absetzte und auS dem Lande jagte, und Zürich, wo der selige Bürgermeister Hirzel dem großen Rathe feierlich verkündete: Was in ihrer guten Stadt durch die Reformation unv den großen Zwingli erwirkt worden, das sey im Begriffe, noch weit übertroffen zu werden durch den ungleich wichtigeren Fortschritt der Weltgeschichte aus dem Christenthum? heraus 46 zur Religion deS ZeitbewußtseynS unter der Bedingung des CultuS deS Genius und durch den eben nach Zürich berufenen vr. Strauß, mit dem die christliche Aera aufhören und eine neue beginnen werde. Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. *) (Fortsetzung.) 189. Trieb, natürlicher. Ein Anderes ist freiwillige Beistimmung, ein Anderes dagegen der natürliche Trieb. Der letztere ist unS gemein mit den unvernünftigen Geschöpfen, und er vermag nicht beizustimmen dem Geiste, wenn er von den Reizen deS Fleisches verwirrt wird. Indem wir Venseiben mit den Thieren gemein haben, unterscheidet unS die freiwillige Beistimmung von denselben. Denn die Beschaffenheit deö Geistes ist frei für sich, so daß sie nicht gezwungen und erpreßt wird. Sie ist Sache des Willens, nicht des Zwanges, und sie versagt und gibt sich Keinem, außer aus freiem Willen. Wird sie gegen ihren Willen gewaltsam angetrieben, so ist eS Gewalt, aber kein Wille. Wo aber kein Wille ist, da ist auch keine Zustimmung. Denn eS gibt keine Zustimmung, als eine freiwillige: wo also Zustimmung, da ist Wille. Wo aber ferner Wille ist, da ist auch Freiheit. 190. Tröstung. Die Weltmenschen haben einen eiteln Trost am Neberflusse irdischer Dinge: eitel ist auch nichts desto weniger die Trostlosigkeit beim Abgange derselben. Aber daS Evangelium, ein Spiegel der Wahrheit, schmeichelt Niemanden, verführt Keinen: als einen Solchen wird ein Jeder sich in demselben finden, wie er beschaffen ist, so daß er nicht zu zittern braucht, wo keine Furcht ist, aber auch sich nicht freuen kann, wenn er BöseS that. Vergebens erhebet ihr euch zur Betrachtung der Wohlthaten, welche euch ergötzen, wenn ihr nicht vorher das Licht deS Trostes empfanget über die Verzeihung der Sünden, welche euch beunruhigen. Die Kirche trösten nach Zeit und Ort ihrer Wanderschaft zwei Dinge. Ueber die Vergangenheit tröstet sie das Leiden Christi, wegen der Zukunft der Gedanke an daS Erbtheil der Heiligen und das Vertrauen auf Erlangung desselben. Durch diese beiden Trostgründe sieht sie gleichsam mit zwei Augen rückwärts und vorwärts, sie sind ihr unersättliches Verlangen, ihr Anblick ist äußerst lieblich, und sie sind für sie eine Zufluchtsstätte in Leiden und Schmerzen. Vollständig ist nur jener Trost, der nicht nur weiß, was er erwarten darf, sondern auch, worauf er diese Erwartung gründet. Freudig und unzweifelhaft ist jene Erwartung, die auf Christi Tod gegründet ist. 191. Trübsal. Die gegenwärtige Trübsal ist der Weg zum Leben, der Weg zur Herrlichkeit, der Weg zur Stadt und Wohnung Gottes, der Weg zum Reiche. Woher wissen wir, daß Gott in der Trübsal mit unS ist? Daraus, daß wir in der Trübsal selbst sind. Denn wer könnte ohne Ihn aushalten, wer könnte ohne Ihn bestehen? Wann aber werden wir bei Ihm seyn? Wann .wir entrückt werden in Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft, und so immerfort bei.dem Herrn seyn werden." Die Trübsal ist nützlich, welche Bewährung bewirkt und zur Herrlichkeit führt. ') Wir verweisen auf den vorigen Jahrgang. 47 „Haltet eS für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet." Denn die Trübsal ist eine nothwendige Sache, die in Herrlichkeit, und die Traurigkeit, die in Freude verwandelt wird. Wahrhaft eine lange Freude, weil sie Niemand uns nehmen wird, eine vielfache Freude, eine v>Xl- ständige Freude. Die Noth ist ein größeres Gut, als das Wohlleben. Beide vergehen schnell, daS letztere hat Strafe, die erstere eine Krone zu erwarten. Ein nothwendiges Ding ist die Noth, welche eine Krone bringt. Freuen wir uns in der Trübsal, denn in ihr ist die Hoffnung auf Herrlichkeit wie im Samen die Erwartung der Frucht. Auf diese Weise, wenn nur daS Reich Gottes in unS ist, befindet sich ein ungeheurer Schatz in gebrechlichem Gefäße, in einem geringen Acker. Er ist vorhanden, sage ich, aber er ist verborgen: die Herrlichkeit ist verborgen und versteckt für uns in der Trübsal. „Ich bin bei ihm in der Trübsal," spricht Gott, und ich soll indessen etwas Anderes suchen, als Trübsal? „Mir aber ist Gott anhangen gut." „Nahe ist der Herr denen, die betrübten Herzens sind." Er steigt herab, damit Er in der Trübsal bei uns sey. Gut ist es mir, o Herr, Trübsal zu leiden, wenn nur du bei mir bist, und besser, als herrschen ohne dich, als köstlich speisen ohne dich, als sich rühmen ohne dich. Besser ist es in der Trübsal dich umfangen, dich bei mir im Feuerofen zu haben, als ohne dich sogar im Himmel zu seyn. DaS Gold prüft der Ofen, und gerechte Männer die Anfechtung der Trübsal. Dort, dort bist du mit ihnen, o Herr, und bist in der Mitte der in deinem Namen Versammelten. Was zittern, waö zaudern wir, warum fliehen wir diesen Ofen? Das Feuer wüthet, aber mit uns ist der Herr in der Trübsal. „Wenn Gott uiit uns ist, wer ist dann wider uns?" Wo eigene Flecken sind, wird auch mit Recht eigene Reinigung gefordert, und wenn daS Vergehen vielfach ist, muß auch die Trübsal vielfach seyn. Denn woher kommt die Trübsal, als vom Widerstande gegen die Sünde, als vom Kampfe des Gewissens? Denn wie viele Reize der Leib, wie viele Vergnügungen die Welt hat, so viele Trübsale leidet, so viele Anfechtungen hält aus ein gerechter Mann. Und wie Einer, der nach dem Fleische wandelt, und die Sinnenlust hoch anrechnet, so wird auch Jeder, der im Geiste auszusäen verlangt die Dörner und Disteln, welche die eigene Erde dem Fluche gemäß trägt, dieselben mehr auszurotten, als zu verbreiten sich bestreben. „In meinem Elend habe ich mich bekehrt, während der Stachel in mir haftete." Gleichwie der Arzt nicht nur der Salbe, sondern auch des Feuers und EisenS sich bedient, womit er Alles, waS bei der Heilung der Wunde überflüssig heraus- wächst, wegbrennt und wegschneidet, damit er die Gesundheit, welche aus der Salbe hervorkommt, nicht verhindere, so verordnet auch der Arzt der Seelen, Gott, für eine solche Seele Anfechtungen, schickt ihr Leiden, wodurch sie heimgesucht und gedemüthiget wird, verwandelt ihre Freute in Trauer, und läßt sie seine Offenbarung für Täuschung halten. 192. Tugend.. im« 5Mlkl ./ -! 'N U'iollUf«. -.>.!- >,i «ils,>-,..'M^) «iliistV Vergeblich strebt nach der Höhe des Ruhmes, wer sich nicht vorher ausgezeichnet hat durch Tugend. Denn was ist daS für Ruhm ohne Tugend? Er kommt wahrlich unverdient, wird voreilig geheuchelt, mit Gefahr angenommen. Der wahre Ruhm ist allein der, welcher mit Recht verdient und mit Sicherheit ertheilt wird. Groß und selten ist die Tugend, damit du, obwohl du Großes thuest, nicht wissest, daß du groß seyest, und deine Heiligkeit dir allein verborgen sey, wenn sie gleich Allen bekannt ist. Daß du wunderbar erscheinest, und dich für verächtlich haltest, das halte ich für ein größeres Wunder, als deine Tugenden. Umsonst arbeitet Jemand in der Erwerbung der Tugenden, wenn er sie anderswoher hoffen zu können glaubt, als vom Herrn der Tugenden, dessen Lehre eine Pflanzschule der Klugheit, dessen Barmherzigkeit ein Werk der Gerechtigkeit, dessen Leben ein Spiegel der Mäßigkeit, dessen Tod ein Zeichen der Tapferkeit ist. 48 Die Tugend hält sich in Mitte der Laster Ein Geschenk Gottes ist die Tugend und unter seine besten Gaben zu rechnen. Die Tugend ist anverwandt mit der Weisheit. Doch haben sie nicht Eine und dieselbe Wirkung auf die Seele, sondern sie richten sich nach den verschiedenen Bedürfnissen derselben als verschiedene Theilnehmerinnen daran. Nach diesem Grundsatze ist eS etwas anders für die Seele, von der Tugend bewegt, und wieder etwas anderes, von der Weisheit geleitet zu werden: etwas anderes in der Tugend herrschen, und wieder etwas anderes in der Annehmlichkeit sich ergötzen. Denn die Lebenskraft weiSt auf die Tugend, die Gefälligkeit der Seele auf Weisheit hin, die mit geistiger Annehmlichkeit verbunden ist. Daher ist stehen, widerstehen, Gewalt mit Gewalt vertreiben, waS zu den Geschäften der Tugend gehört, zwar eine Ehre, aber eine Mühe. Denn eS ist nicht Ein und dasselbe die Ehre mühsam vertheidigen und sie ruhig besitzen. Es ist nicht Eines, von der Tugend getrieben zu werden, und die Tugend zu genießen. Was die Tugend sich erarbeitet, daS ordnet die W«isheit. Die Weisheit überlegt, mäßiget, die Tugend führt auS. „Weisheit schreibe in der Ruhe," sagt ein ein Weiser. Also ist die Ruhe der Weisheit ihre Geschäftigkeit, und je ruhiger die Weisheit ist, desto mehr Uebung hat sie nach ihrer Art. Jbr gegenüber ist die geübte Tugend berühmter und bewährter, je pflichtgetreuer sie ist. Und wenn Jemand die Weisheit Liebe zur Tugend nennt, scheint er mir nicht von der Wahrheit abzuirren. Talent, Kunst, Verstand und andere dergleichen Dinge erlangt man umsonst, anders aber die Tugend, Denn die Tugend will mit Demuth erlernt, mit Mühe gesucht, mit Liebe behalten werden Denn da sie aller dieser Dinge werth ist, so kann sie nicht anders erlernt, gesucht und erhalten werden. Tapferkeit oder Starkmuth ist nothwendig gegen die Versuchungen zur Sünde, damit wir dem brüllenden Löwen tapfer im Glauben widerstehen und seine feurigen Pfeile mit diesem Schilde männlich aushalten. Gerechtigkeit ist nöthig, damit wir Gutes thun. Klugheit ist nothwendig, damit wir mit den thörichten Jungfrauen nicht verworfen werden. Mäßigkeit endlich ist nöthig, damit wir uns den Wollüsten nicht hingeben. „Schrecklich ist Gott in seinen Rathschlägen über die Menschenkinder." Aber wann Er schrecklich ist, so wird Er auch barmherzig gefunden, da er die Art deS künftigen Gerichtes nicht verbirgt. Eine Seele, welche sündiget, soll sterben. Der Zweig, der nicht Frucht bringt, wird abgehauen. Die Jungfrau, welche kein Oel hat, wird von der Hochzeit ausgeschlossen. Und wer Gutes empfangen hat in diesem Leben, wird im ewigen gepeiniget. Wie, wenn es sich zufällig träfe, daß bei einem Jeden derselben diese vier Dinge sich vorfinden, das wäre wahrhaft die äußerste Verzweiflung! Görlitz (in Schlesien). Am Weihnachts-Heiligen-Abend v. I. langte von Sr. Majestät dem Könige Ludwig von Bayern eine schöne, die katholische Gemeinde Hierselbst hocherfreuende Weihnachtsgabe an, welche für die hiesige neue im Bau begriffene katholische Kirche bestimmt ist. Auf Verwendung Sr. Eminenz unseres hochwürdigsten Herrn CardinalS und Fürstbischofs hatte Se. Majestät gnädigst versprochen, für die neue Kirche das Altarblatt zu schenken. Dieses königliche Geschenk, Christus am Kreuze darstellend, kam nun am Abende vor Weihnachten hier an und erregt bei Allen, die es zu sehen Gelegenheit haben, um seines hohen KunstwertheS willen ungemeineS Wohlgefallen. Die katholische Gemeinde aber wird nimmer deS Dankes vergessen, den sie dem hohen Geschenkgeber dafür schuldet. (Schi. K.-Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Görlitz. X Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PoMtung. 16. Februar M'- U. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis kr., wofür es durch alle kö'nigl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Der Pillsverein in Luxemburg an Cardinal Wiseman. Luxemburg. Der hiesige Piusvereii? hat in einer überaus zahlreichen Versammlung folgende Adresse an den Cardinal Wiseman beschlossen: Eminenz! Wenn die Mitglieder des Piusvereines zu Luxemburg von der Erhebung Ew. Eminenz zur Würde eines Erzbischofs von Westminster und zum Cardinal der Römischen Kirche eine Veranlassung nehmen, ihre Freude über dieses glückliche Ereignis) auszudrücken, und insbesondere Ew. Eminenz zu beglückwünschen, so bedürfen sie in Hochdero Augen wohl keiner Entschuldigung. Denn die Umstände, worunter diese Erhebung stattgefunden hat, sind so außerordentlich, daß die Theilnahme aller Katholiken durch sie im höchsten Grade in Anspruch genommen wird. Unsere Frende über die Wiedererrichtung der bischöflichen Sitze in England ist um so größer, je tiefer insbesondere wir Katholiken Deutschlands das herbe Mißgeschick, das seit 300 Jahren auf der Kirche Englands lastete, mitempfunden haben. Ja, es hat unS immer einen unaussprechlichen Schmerz bereitet, wenn wir auf die Verwaisung und Verödung der Kirche Britanniens hinblickten; wenn wir daran gedachten, wie ein Volk, das einst der Kirche Gottes so viele Heilige, der Sache der Religion so viele muthige Streiter geliefert hatte, seit so langer Zeit von dem Mntterbuscn der Kirche losgerissen, und in Schisma und Ketzerei versunken sey. Wohl gab es zur Zeit in England noch Solche, die sich Bischöfe nannten; aber der heilige AugustinuS, der den christlichen Glauben vor so vieleu Jahrhunderten daselbst gepredigt hat, der heil. Anselmus und der heilige Thomas würden in diesen nicht mehr ihre Genossen erkennen; sie würden jede Gemeinschaft mit ihnen als einen Abfall von der Kirche der Apostel vermeiden und fliehen. Einst kamen zu uns nach Deutschland aus Britannien die Glaubensboten, die uns in der Lehre des Heiles unterrichteten. Der heilige Vonifacius, den wir dankbar als den Apostel unsers Vaterlandes verehren, kam ja von England zu uns herüber. Wir haben den Glauben, den er uns verkündete, unverändert bewahrt; aber die, welche in England seit 300 Jahren sich Bischöse genannt haben, kannten den heiligen BonifaciuS und seine Lehre nicht mehr. Dieser hat die gläubige Heerde in Deutschland dem obersten Hirten zugeführt, zu dem Christus der Herr gesprochen hat: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe", und wir erblicken noch heut zu Tage in der Gemeinschaft uuserer Hirten mit diesem Stellvertreter Christi auf Erden ein sicheres Merkmal, daß wir zu der wahren Heerde des Erlösers gehören: jene aber gehen .jetzt ihre eigenen Wege, und der oberste Hirte, der aus Erden Christi Stelle vertritt, erkennet sie nicht mehr an als wahre Hirten und Nachfolger der Apostel. Der heilige Vonifacius hat endlich in den deutschen Länder» überall die Altäre de? wahren Gotteö aufgerichtet, auf denen das Opfer des neuen Bundes dargebracht werden sollte. Bei uns stehen diese Altäre noch, und wir 50 preisen Gott, daß unter uns in Mitten einer gläubigen Christenheit das hochheilige Opfer, das ja nach der Verheißung Gottes vom Anfgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange dargebracht werden soll, noch alltäglich wie zur Zeit des heil. BonifaciuS gefeiert wird. Jene aber habe«, von neuer Irrlehre bethört, die Altäre des neuen Bundes verlassen; sie haben sich von den Quellen des Heiles entfernt, und sich selbst neue Brunnen gegraben, die kein Wasser zu halten vermögen Gerade deßhalb nun, weil das Band, daS Deutschland an die Kirche von England knüpfte, so enge war, fühlten wir uns ganz insbesondere durch die Verwaisung und Verödung von diesem schönen Theile des Weinberges Christi so schmerzlich berührt, so hart mit betroffen. Wir sahen uns selbst verwundet, weil diejenigen ihre Treue gegen die Kirche Christi gebrochen hatten, die uns zuerst Treue gegen Gott und seine heilige Kirche gelehrt. Cin gewisses Gefühl von Unbehaglichkeit und Unsicherheit hatte sich unser bemächtigt, seitdem diejenigen nicht mehr mit uns waren, die, als Stammgenossen so enge mit uns verwandt, früher so oft in den heiligsten Bestrebungen unsere Freunde, und in der Gefahr unsere Bundesgenossen gewesen waren. Seit lange waren wir von der Neberzeugung durchdrungen, daß ein vollkommener Sieg des katholischen Glaubens in Deutschland Und im Norden überhaupt nicht so bald gehofft werden dürfe, so lange nicht in dem Reiche, von wo aus das Licht des Christenthumes zu uns gebracht worden ist, die Kirche eine heimathliche Stätte wiedergefunden hätte. Mit um so größerer Theilnahme haben wir darum immer die Kämpfe und Drangsale beobachtet, wodurch die kleine ihrem katholischen Glauben treugcblicbcne Heerde in England seit Jahrhunderten ist heimgesucht worden. Von allen Seiten von der Macht ihrer übermüthigen Feinde umgeben und fast erdrückt, ist diese muthige Schaar doch nicht erlegen. Oftmals sogar am Leben bedroht, mit dem Verluste ihrer zeitlichen Güter bestraft, und lange Zeit hindurch ihres Bürgerrechtes beraubt, haben diese treuen Söhne des heil. Augustinus und Anselmus den Verlust alles Zeitlichen für Nichts geachtet gegen die Erhaltung und Rettung ihres heiligen Glaubens. Um so dankbarer preisen wir jetzt unsern Gott, daß Er eine so rührende Standhaftigkeit und Treue so herrlich belohnt hat. Die kleine Heerde ist allmälig wieder gewachsen und zu einer großen Zahl von Gläubigen erstarkt, und min endlich ist auch der Zeitpunct gekommen, wo in England wieder rechtmäßige Nachfolger der Apostel die seit fast 300 Jahren ununterbrochene Reihenfolge der Bischöfe fortsetzen. Die Kirche von England ist wieder als eine ebenbürtige Tochter eingefügt in den Bund der christlichen Völker, und nach langer, schmerzlicher Vereinsamung ist der Wittwenschleier wieder von ihrem Angesichte weggenommen. Darüber jubeln und freuen sich alle christlichen Herzen, und dankbar beugen wir unsere Kniee vor Dem, der in der Wiedererhebung des Einen Volkes allen christlichen Völkern eine so große Freude bereitet hat. Allein wir können nicht verhehlen, daß in die große Freude, womit bei der Nachricht von der Wiedererrichtung der Biöthümer in England ganz insbesondere die Katholiken Deutschlands erfüllt wurden, sich bei uns Luxemburgern ein eigenthümliches Gefühl des Schmerzes und der Wehmuth einmischt. Auch unserm Lande ward daö Licht deS Glaubens von Britannien aus gebracht. Der heilige Willibrordus kam von dort zu uns herüber, und in einer Kirche unseres Landes bewahren wir seine heiligen Reliquien als ein kostbares Unterpfand deS himmlischen Segens. Wir haben den Schatz deS Glaubens treu bewahrt, und uie konnte Schisma oder Ketzerei Raum gewinnen auf diesem durch den heiligen Willibrordus geheiligten Boden. Und dennoch ist die gläubige Heerde hicsclbst ohne einen Bischof. In ganz Deutschland ist kein Ländchen noch so klein, wenn anders die katholische Religion nicht gewaltsam unterdrückt wird, wo nicht die kirchlichen Verhältnisse durch feierliche Verträge mit Rom geordnet wären, und wo nicht rechtmäßige Bischöfe die Heerde der Gläubigen weideten: aber bei uns hat man kein Concordat, bei uns läßt man nicht zu, daß ein Nachfolger der Apostel den Hirtenstab führe; man behandelt Luxemburg als das Land einer Mission, und wendet ans dasselbe Gesetze an, die nie und nimmer auf uns Anwendung finden dürften. Ja, selbst der apostolische Vicar, der dieser Mission mit 51 so großem Segen vorstand, ein Mann mit apostolischen Tugenden und großen Verdiensten geschmückt, wurde uns nicht gegönnt. Er wurde auf den Betrieb einiger weniger Feinde der Religion von hier verdrängt, und seit fast drei Jahren weinet ein ganzes Volk um ihn die Thränen der Verwaisung. Verzeihen Ew. Eminenz, daß wir in die Bezeugung unserer Freude über daS Glück unserer katholischen Brüder in England die Erinnerung an unsern eigenen Schmerz mit eingemischt haben. Wir wußten ja, welche Theilnahme Sie der Angelegenheit der Kirche bei uns widmen, und mit welcher Liebe Sie bei der Einweihung der St. Georgskirche zu London Denjenigen ausgezeichnet haben, über dessen lange Entfernung von uuS eine gläubige Heerde von fast 200,000 Seelen trauert. Nchmeu Sie darum gnädig und wohlwollend den Ausdruck unserer innigsten Verehrung und dankbaren Liebe, und unserer heißesten Glückwünsche für sich und für die ganze katholische Kirche in England an, und ertheilen Sie allen Mitgliedern des Piusvereinö und dem ganzen katholischen Volke von Luremburg Ihren heiligen Segen. Luremburg, in der Octave des Festes der Epiphanie 1851. Cincinnati. Tod des Pater AccursiuS Gärtner. (Aus einem Schreiben ?es Missionärs P, Marimllian Gärtner, t)i-c!, Pr-Künonst,, «lä. Sac Prairie, Wisconsin, 4. Ort. 185«.) ........Laut meiuem letzten Briefe an Dich hegte ich die frohe Hoffnung, binnen kurzem den lieben Bruder AccursiuS hier zu St. Norbert begrüßen zu können, nnd mit ihm über tausend interessante Angelegenheiten zu sprechen, da er die Voranstalten zu seinem neuen Ansitze bei Cincinnati traf. Samstag Nachmittags am 4. Scpl, erhielt lch auf einem Gang zu Kranken im Städtchen Jefferson auch die Zeitung von Cincinnati, „Wahrheitöfrcund" genannt. Ich blätterte darin, da siel inciu Auge auf Trauerlinicn und ich las, zitternd an Hand und Herz: „Am 2. dieß starb hier der hochwürdige Pater AccursiuS Gärtucr nach kurzem Krankenlager, versehen mit den heiligen Sacramcnten, ergeben in den göttlichen Willen, zu dessen Ehre und Verherrlichung zu arbeiten er seit drei Monaten in diese Stadt gekommen war. GotteS Vorsehung war mit dem guten Willen zufrieden. Der Verstorbene war geboren zn Hciterwang in Tirol am 26. Sept. 1805. Er trat jung in den Franciöcanerorden, arbeitete als OrdcnSpriester theils als Professor des Gymnasiums, und später als Katechet in Neutte mehrere Jahre, bis er endlich von seinen Obern die Sendung nach Amerika erhielt, um sowohl als Missionär, als auch für die Ordenöangelegenheiten zu wirken. Gottes Wille jedoch ordnete es anders. Friede seiner Asche!" Was mußte der Eindruck dieser Nachricht seyn auf mein so hoffnungsvolles, jetzt fast hoffnungsloses Herz. Der Schlag kam wie eiu Wetterstrahl aus heiterm Himmel. Zermalmt im Innern, schwankte ich nach der armseligen Blockkirche der Mission und kniete am Altare nieder . . . nach und nach träufelte das Seufzen und Beten einen milden Trost von Oben in das Gemüth, und die Hand griff nach dein Breviere, um am Fuße des Altars andächtig die ^ommomltitiv mn'irmk: zu entrichten. Heimkehrend von den Berufsgcschäften — Ende derselben Woche — lag bereits ein Brief aus Cincinnati auf meinem Pulte, der die nähern Umstände über des seligen Bruders Krankheit nnd Hinscheiden beschrieb. Bald nach dem Besuche der Stadt fühlte er leichte Fieberschauer; dessen ungeachtet machte er Nachmittag den nämlichen Gang znr Stadt, weil Einkäufe für die Kirche drängten; aber Abends stellte sich große Ermattung , ein. Am andern Morgen las er schon um 5 Uhr die heil.' Messe, erschien jedoch nicht zum Frühstück, weßhalb die Mitbrüder in ihn drangen den Arzt zu Rath zu ziehen. Um 2 Uhr kam ein Arzt, seine Mittel bewirkten auf vier Tage einige Besserung. Am 2. Sept. aber verschlimmerte sich der Zustand. Der Beichtvater erschien. AccursiuS beichtete getrost und glaubte sogar mit der heil. Commum'on 52 bis zum nächsten Morgen zögern zu dürfen. Aber zusehends entschwand der Athem. Man brachte ihm die heilige Wegzehrung, spendete ihm die heilige Oelung und gab ihm die apostolische Absolution, bei deren Schluß er ruhig und sanft die Seele im Kreise seiner Mitbrüder aushauchte, in deren Mitte ihn Gott vor kurzem erst geführt hatte, um für sie nach den harten BerufSmühen eine stille Ruhezelle zu bauen, wozu ihn seine Emsigkeit zu Reutte hinlänglich befähigt zeigte. Der liebe Gott ordnete nicht nach der Menschen Gedanken und rief den Baumeister zu sich ... . In Betreff der weiter» Vorgänge mit der theuren Leiche schließe ich Dir den Bericht des Wahrheitsfrcundes bei. Er lautet: „Die vorige Nummer des „Wahrheits- sreundeö" erwähnte in einer kurzen Notiz den Tod des hochwürdigen Pater AccursiuS Gärtner auS dem Orden des heil. Franciscus, das Leichenbegäugniß fand am zweiten Tag nach seinem Hinscheiden, am 4. Sept. von dem Pfarrhause der St. Johannes- Kirche aus statt. Es war die erste Tvdtenfeier eines deutschen Priesters, die je m Cincinnati begangen, und so hatten sich denn anch die Amtsbrüder von fast der ganzen Stadt zusammengefunden, um dem in ihrer Mitte zuletzt Angekommenen das letzte Geleite und die letzte Ehre zu erweisen, Es that dem Schreiber dieser Zeilen ungc- mein wohl, als er nach alter deutscher Sitte die Hülle des Verstorbenen am Tage vor seiner Beerdigung in priesterlicher Kleidung auf einem „Paradebett" im Sprach- zimmer der St. Johannes-Pfarrei ausgestellt sah — wie auf einem zu den Häuptern deS im ewigen Schlafe da Ruhenden ein kleiner Altar sich erhob, ans welchem das Sinnbild und Werkzeug der höchsten Priestergewalt, der Opferkelch, die erhabene Würde des Dahingeschiedenen anzeigte. Die violette Farbe des priesterlichen Ornates, wie sie daö römische Ritnal zur Bekleidung eines Priesters im Sarge vorschreibt, war eine heilsame Mahnung für die am Leben Zurückgebliebenen, sür den Verstorbenen eifrige Gebete zum hohen Priester im Himmel emporzuschicken, daß die allenfallsigc Bußzeit im ReinigungSorte abgekürzt, und die Trauer wegen der noch nicht erfolgten Reinigung mit Gott bald in die vollste Freude der ewigen Herrlichkeit möchte verwandelt werden. Das thaten denn anch die Priester, als sie sich anschickten, die Leiche anS dem Pfarrhause in die Kirche zum Trauergottesbienst hinüber zn tragen. Der hochw. Herr Gcneralvicar und Pfarrer der St. Pauluskirche, Joseph Ferue- diug, segnete den Verblichenen unter Assistenz der hochw. Herren Jakob Wood als Diacon, und I. H. LüerS als Subdiacon im Tranerhause ein, worauf der Leichcn- zug auf der Ostseite der Kirche sich entwickelte, und unter Absingung des Psalmes „Miserere" sich zum Gotteshause hinbewegte. Sechs Priester trugen den Sarg, die andern anwesenden Geistlichen (die Priester im Chorrock und Stole) gingen demselben voraus, und die Vorsteher der Kirche begleiteten im Namen der Gemeinde die Leiche zn beiden Seiten. Alle trugen brennende Kerzen in ihren Händen. In der Kirche wnrde der „Todtenbaum" wieder auf einem Katafalk aufgepflanzt und ein feierliches Requiem vom hochw. Herrn P. Supcrior der Tiroler-Franciscaner in Nordamerika, P. Wilhelm Unterth jener, unter Assistenz oben genannter Leviten begonnen. Nach dem Libera und der Absingung der dabei vorgeschriebenen Kirchengcbcte vom hochwürdigen Herrn Gcneralvicar Ferneding, hielt P. Wilhelm Gärtner vom Altare aus eine ergreifende Leichenrede, welche auf die im Presbytern»» versammelten Priester nicht weniger tiefen Eindruck machte, als auf die von allen Kirchen Cincinnati's zusammengeströmten Gläubigen. Das schwere Gericht, daS einem Priester nach seinem Tode bevorsteht, die schweren Verantwortlichkeiten, die ein Priester bei seiner heiligen Weihe übernimmt, die mühesamen Pflichten, die ein Priester zu erfüllen hat, wareil für die katholischen Laien AneifernugSpnucte genug, um das Loos der Priester nicht zu erschweren, sondern so viel als möglich zn erleichtern, und für selbe bei ihren Lebzeiten, wie nach ihrem Tode fleißig zu beten. Nach der Predigt führte der Säuger- chor unter Leitung des Hrn. Klausmeyer eine passende Cantate recht erbaulich auf Der Todtenwagen und die Leichenbeglciter waren gerade weggefahren um die irci- schcn Ueberreste des Pater AccursiuS nach dem St. Johannes-Gottesacker (über eine Stunde Weges von der Stadt entfernt) zu bringen, da brachte in Eile ein eifriger 53 und dienstwilliger Katholik dem Ceremonienmeister dieser Leichcnfeierlichkeit, dem hoch- würdigen Herrn Hammer von der St. Marien-Kirche, die erfreuliche Nachricht, daß eben ein fremder Bischof (angeblich von Cleveland) im Pfarrhause angekommen sey. Der hochwürdige Ceremouienmeistcr stieg schnell auS und eilte zum „Wiedcu" zurück, wo er sich gleich überzeugte, daß es nicht der Bischof von Cleveland, sondern der Bischof von Charleston (in Süd-Carolina) sey, der auf seiner Reise nach seinem frühern Wirkungskreise (LouiSville in Kentuky) einige Stunden verweilte und mehr zufällig zur St. Johannes-Kirche gekommen war. Der Prälat zögerte nicht lange, den Bitten des Leiters des Begräbnisses Gehör zu geben, und die, Leiche des deutschen Priesters mit seiner Begleitung zu beehren. Derselbe hatte auch die Güte, freilich ohne Jnfnl und Stab, nur im geborgten Talare eines WeltpriesterS und im Chorrock und Stole, vom Thore des Gottesackers das Begräbniß selbst zn halten und beim Grabe die Kirchcngebete abzusingen. Auch die Auspflanzung deS Grabes-KreuzcS aus die zugeworfene frische Erde nahm er (nach dem Brirener Rituale) gefälligst au. Vom Thore des Gottesackers bis zum Grabe hatten wieder sechs Priester auf ihren Schultern ihren entschlafenen Mitbruder zu seiner letzten Ruhestätte gebracht, die beim Hauptkreuz auf dem Kirchhof zum Begräbnißplatze der deutschen Priester von den Gemeinden Cincinnatis auserlesen wurde, welche das Grundstück ankauften, und ganz altchristlich die Priester auch nach ihrem Tove noch ehren wollten. „So schläft der gute Priester im Grabe mit seinem Gesichte zum Kreuze deS Kirchhofes gewendet, während er noch einige Tage zuvor seinen Blick und sein Herz auf den Platz, nur einen Steinwurf von dem Kirchhof entfernt, gerichtet halte, der zur St. ClemenSkircke geweiht und zu einem FranciScanerkloster bestimmt ist, und nun hinter dem Entschlafenen liegt. So sind die Wege der göttlichen Vorsehung I Während der fromme und gebildete, aber im Aeußern selber anspruchslose Pater einen Plan zu einem Klöfterchen ganz eifrig zeichnete, hatte der Herr über Leben und Tod ihm bereits eine Zelle im himmlischen Konvente auSersehen, von wo alle irdischen Sorgen und Müheu ausgeschlossen und alle Prüfungen und Leiden weit außerhalb der Klausur sind, und am Tage des großen Heiligen Rosa von Viterbo, aus dem zweiten Orden deS heil. Franciscus, wurde ein Priester auS dem ersten Orden des seraphischen Vaters von seinen Brüdern aus dem schönen Gebirgsland Tirol nebst vielen Brüdern und Schwestern aus dem dritten Orden als die erste Immortelle ans dem großen Garten des heiligen Mönches von Assisi in die noch lange nicht genug geheiligte Erde der Vereinigten Staaten von Nordamerika gebracht. Der Herr lasse ihn ruhen in Frieden! „Für die Leser dieser Zeilen wird es vielleicht interessant seyn, die Allgemeinheit der katholischen Kirche, in ver Verschiedenheit der Abstammung der Geistlichen und doch liebevollste» Einheit, anch bei eben beschriebener Begräbniß zu bewunder»: Anwesend waren: Der hochwürdigste Bischof von Charleston aus Amerika: Jgnaz AloiS Reynolds; ferner die hochwürdigen Herren: Joseph Ferneding, G.-V. und Pfarrer bei der St., Pauluskirche, aus Oldenburg; Petcr Kröger, Pfr. bei der St. Pauluskirche, aus Westfalen; Clemens Hammer, Pfr. bei der St. Marienkirche, auS Böhmen; Wilhelm DeiterS, Pfr. bei der St. Marienkirche, aus Westfalen; Heinrich Ridder, Pfr. bei der heiligen Drcifaltigkeitskirche, aus Oldenburg; Andreas Stephan, Pfr. bei der heiligen Dreifaltigkeitskirche, aus Baden; I. H. Luers, Pfr. bei der St. Josephskirche, auS Oldenburg; Michael Herzog, Pfr. von Zäncsville in Ohio, aus der Schweiz; Beruard Hcngehold, Pfr. 5ei der St. Philomenakirche, auS Hannover; Mathias Dcselacrs, Pfr. bei der St. Michaelskirche, aus dem Geldernlande; Stephan Badin, Jnbilarpricstcr und Patriarch unter den lebenden Missionären in Nordamerika, aus Frankreich; Jakob Wood, Pfr. an der Kathedrale von Cincinnati, aus England; Jakob Cahil, Pfr. an der Kathedrale von Cincinnati, ans Irland; R. I. Lawrence, Pfr. an der Kathedrale von Cincinnati, aus Amerika; P. Karl DriSkoll, Pfr. an der St. Xavierskirche, aus Belgien; P. D. Kenny, Pfr. an der St. Xavierskirche, aus Irland; P. Fr. X. Wippern, Professor am XavierScollegium, 54 aus Hannover; P. Joseph PatschowSki, Pfr. in Ncwport, aus Schlesien; Peter Hartlaub, Pfr. in Covington, auS Bayern; Wilhelm Untcrthiencr, Pfr. an der St. JohanncSkirche, aus Tirol; P. Evinund Etschmann, desgleichen; P. Pirmiu Eberhard, desgleichen; P. Sigmund Koch, desgleichen; die Laienbrüder Amadäus und Jakob, aus Tirol; endlich Bruder Amadäus Mariens, Kleriker des Franciscancr- Ordenö, auS Westfalen; P. Kladiwv B. Joachimovallensis, beauftragter Berichterstatter." In der That feierlicher und erbaulicher hätte das Begräbniß kaum sonst irgendwo stattfinden können, und eS heischte von mir heilige Pflicht, den sämmtlichen Thcilneh- mern meinen und auch Euren Dank öffentlich auszusvrcchen. Du frägst vielleicht, ob Accursiuö in seineu letzten Stunden nicht auch unser gedacht habe.' Der Bericht des P. Evinund, deS nemlichen, der dort bei Euch mit mir vor 4 Jahren Abschied an der Eisenbahn nahm, lautet hierüber also: „meine Lieben der Familie allzumal sollen Erben seyn meiner — geringen Verdienste, die ich etwa durch freiwilligen Gehorsam und treue Hingabe in den heiligen Beruf mir erworben habe." WaS bliebe uns Besseres? was heilsamer und erfreulicher für Zeit und Ewigkeit? Doch schrieb ich nach Cincinnati um einige kleine Andenken aus dem sonst werlhlosen HauSrathe des seligen Bruders, damit ich den troftbedürftigen lieben Schwestern und nächsten Verwandten Balsam der Liebe auf die Herzwunde legen könnte... Vermuthlich kommt dieser Brief zunächst den beiden lieben Nichten zu Handen, und sie lesen zuerst die unerwartete Botschaft, — statt Thränen, meine Lieben! opfert ein recht herzliches Gebet dem Heiland in der wunderbaren heiligen Brodsgestalt, und flehet zu seiner benedeiten Mutter, daß sie Trösterin aller Betrübten sey, und daß Alle einst, wen» der Herr will, nach dem Abschied vom Thräncnthale mit ihr uud ihrem göttlichen Sohne und mit allen Heiligen GotteS der ewigen Seligkeit sich ersrencn mögen..... Blume» ans dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 193. U e b e r s l u ß. Fülle und Uebcrfluß am Zeitlichen bewirkt Vergessenheit und Mangel des Ewigen. Gleichwie zeitliche Glücköumstände einen thörichten Weltmenschcn tödten können, so kann auch der Uebcrfluß an geistlichem Glücke einen ungelchrten GcisteSmenschcn tödten, der also in so ferne kein GeisteSmcnsch ist. 194. U e b e r t r e t u n g. Christus hat für die Nebcrtreter, nicht aber für die Verächter deS Gesetzes gebeten. Denn nicht Ein und dasselbe ist: nicht gehorchen wollen und nicht gehorche». Dieses kommt manchmal her von Irrthum »uv Schwachheit, jenes aber ist ein Zeichen einer hassenswcrthcn Hartnäckigkeit und einer nicht zu duldenden Widerspenstigkeit. Sie widersteht nnv kämpft gegen den heiligen Geist und wird zur Gotteslästerung, die weder in diesem noch in jenem Leben verziehen wird, wenn sie fortdauert bis zum Tode. Nicht also eine jede Uebcrtretung irgend eines Gebotes enthält tödtlichen Ungehorsam, sondern das Widerstreben, das Nichtgehorchcn wollen. 195. e b u n g. Der Bauer hat starke Nerven, feste Schultern, und dieß macht die Uebung. Laß ihn müßig gehen, und er verweichlicht. Der Wille macht den Gebrauch, der Gebrauch die Uebuug, die Uebung gibt Kräfte zn jeder Arbeit. 196. U m g a n g. Keine geringe Ehre ist es für die Tugend, wenn sie unter Bösen gut lebt, und unter Verdorbenen den Glanz der Unschuld beibchält und die Sanftmuth der Sitten: 55 noch mehr aber ist es, mit denen friedlich zu seyn, die den Frieden hassen, und sich den Feinden als Freuud zu beweisen. Unter denen, mit welchen du lebest, folge den Besseren. In jedem Stande ist oft daS Beste mit dem Schlechtesten vermischt. Willst du Fortschritte machen, so schaue nicht darauf, was Andere BöseS thun, sondern was du Gutes thun willst. 197. Undank. Eine verderbliche Sache ist der Undank, ein Feind der Gnade, ein Gegner des Heiles. Ich sage euch, daß nach meinem Dafürhalte« nichts so sehr Gott mißfällt, als der Undank. Er verriegelt der Gnade den Eingang, und wo er ist, dort findet sich die Gnade nicht ein. Glücklich aber derjenige, der für jedes Gnadengeschenk dankbar ist! Er bereitet der Gnade einen Platz und verdient immer größere Gnaden. Der Undank allein hindert am meisten uns an den. Fortschreiten in der Tugend. 193. Ungehorsam. Jesus hat sür Alle gelebt Und ist für Alle gestorben. Wie kann aber Einer für Gott leben, wenn er keine Nächstenliebe hat? Wie kann der für Gott leben, der sein Gesetz nicht erfüllt und sein Gebot nicht beobachtet? Der Gott Ungehorsame lebt nicht sür Gott, er liebt nicht seinen Gott. Des Ungehorsams Mutter ist der Stolz. 199. U n g e st r a f t h e i t. Die Ungestraftheit ist ein Kind der Sorglosigkeit, die Mutter der Anmassung, die Wurzel der Schamlosigkeit, die Säugamme der Sünden. Die Sünden der Untergebenen fallen auf Niemanden mehr, als auf träge und nachlässige Vorgesetzte. 200. U n k e u s ch h e i t. Die Unkeuschheit regiert in Vielen vielfach, welche dem Urheber der Reinigkeit mit unreinem Herzen und Leibe dienen, und nicht fürchten den Engel des Herrn, der sie in Stücke zerhauen und zu Grunde richten wird, sondern cS sogar wagen, daS heilige Fleisch des unbefleckten Lammes zu berühren und ihre ruchlosen Hände zu tauchen in daS Blut des Erlösers..... So geht man zu deis Altären, so zum Psalmengesange, da doch das Lob Gottes aus dem Munde eines Solchen verworfen und sein Gebet zur Sünde wird. Sie gehen mit diesem Schmutz ein in das Heiligthum deS lebendigen GotteS und mit diesem Schmutze wohnen sie dort, den heiligen Tempel Gottes verunreinigend. Ein vielfaches Gericht wird über sie ergehen, weil sie bei solchen Vorwürfen des Gewissens sich eindrangen in das Heiligthum Gottes. Denn Solche besänftigen Goit nicht, sondern erzürnen Ihn, machen Ihn sich abgeneigt, und'ich fürchte, auch Denen: für die sie Ihn gnädig stimmen sollten. O wenn doch Diejenigen, welche sich nicht enthalten können, nicht so verwegen Vollkommenheit geloben würden oder dem ehelosen Stand sich hinzugeben sich scheuen würden! Es wäre ohne Zweifel sür sie besser gewesen, zu heirathen, als Brunst zu leiden, und auf einer niedern Stufe des gläubigen Volkes gerettet zu werden, als aus der Höhe des PriesterthnmS schlecht zu leben und strenger gerichtet zu werden. Deun Viele scheinen ihre Freiheit, in der sie gerufen wurden, zur Gelegenheit der Fleischeslust zu machen, indem sie sich von der Ehe als Gegenmittel enthalten, und dann in alle Schandthaten ausarten. 201. Untergebene. ES ist ein Zeichen einer klcinlichtcn und niedrigen Seele, von den Untergebenen keine Fortschritte zu fordern, sondern nur den eigenen Gewinn zu suchen. 5,6 202. Unterwerfung. Ich weiß zwar, daß ein jedes Geschöpf, es mag wollen oder nicht, dem Schöpfer unterworfen sey. Aber von einem verständigen Geschöpfe wird freiwillige Unterwerfung erwartet, daß es freiwillig dem Herrn opfere. Aber diese Unterwerfung muß eine dreifache seyn, daß wir das, was gewiß ist, daß es Gott wolle, wir ebenfalls ganz und gar wollen, nnd daß wir das, wovon eS gewiß ist, daß eS Gott nicht wolle, auf gleiche Weise verabscheuen. WaS aber ungewiß ist, ob Er eS wolle oder nicht, sollen auch wir nicht ganz wollen, aber auch nicht ganz nicht wollen. Hier in dieser Mitte liegt die Gefahr für OrdenSpcrsonen, indem wir nnS unglücklicher Weise schmeicheln und uns selbst verführen. Daher kommt es, daß wir uns vorstellen, den Willen des Herrn zu suchen, da wir doch sowohl den unsern thun als auch eine Entschuldigung über die Unwissenheit haben wollen. 203. Unwissenheit. Die böse Mutter Unwissenheit hat zwei böse Töchter, nämlich die Falschheit nnd die Zweifelhastigkeit. Jene ist elender, diese bcdauernSwerther, jene verderblicher, diese noch besser. Wenn der Geist redet, weichen beide. Vom Unwissenden wird man nichts wissen, er mag nun entweder von sich oder von Gott nichts wissen. Beides ist strafbare Unwissenheit, beides hinreichend zum Verderben. Schweiz. Der Observateur de Genöve entwirft folgende traurige Schilderung über die Lage der Katholiken in diesem Lande: „Die Freiheit der katholischen Kanzel ist in den Kantonen Freiburg, Graubündten, Waadt nnd St. Gallen vernichtet oder gehemmt. Die Freiheit der geistlichen Wirksamkeit ist durch die ungeheuersten Eingriffe des Staats in die Rechte der Kirche in den Kantonen Freibnrg, Waadt, Lnzern, St. Gallen, Graubündten ganz aufgehoben oder doch geschmälert. Die Civil- oder gemischte Ehe, welche durch Bundesgesetz geheiligt ist, bringt in die Ordnung der christlichen Familien ein Element, welches den Glauben der Eheleute und die christliche Erziehung der Kinder zerstört. Die amikatholische Presse überschreitet alle Schranken des Rechtes, ver Oeffentlichkeit und der Erörterung und verbreitet täglich gehässige Verleumdungen gegen die katholischen Priester und die Lehren der katholischen Kirche. Die Heiligkeit des Eideö wird entweihet und erniedrigt durch Vorschriften, welche die Freiheit tödten und der Religion zuwider sind. Die Erziehung der Jugend ist ganz in den Händen des Staats; die Familie, die Gemeinde, die Religion sind ihrer Rechte beraubt und der Unterricht wird unter Einflößung von Lehrern, welche eben so antichristlich als antisocial sind, von Lehrern geleitet, welche Männer der Regierung und Männer der geheimen Gesellschaften sind. Die Güter der Kirche sind ihren rechtmäßigen Besitzern durch Einführung eines StaatöcommuniS- muS entrissen, der nur darauf wartet, sich auch auf das Eigenthum der Einzelnen stürzen zn können. DaS Petitionsrecht der Katholiken wird nicht anerkannt, man spottet darüber nnd macht Jagd darauf. Das Hospiz des heil. Bernard ist beraubt. Und im Kanton Freiburg ist der Bischof verbannt, das Seminar geschlossen, die Pfarrer abgesetzt oder in die Verbannung geschickt, die Kirchengüter sind verkauft, die Feste abgeschafft, die Kanzel geknebelt, die OrdenSgcistlichen verjagt, ihre Güter verschleudert. . . ." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er- Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Augslmrger Pojheitung. 23. Februar ^ 8. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der halbjährige Abonnementsvret« Äv kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Aus dem Leben des ersten deutschen Redemptoristen. *) Den Söhnen deS heiligen AlphonS von Liguori scheint sich gegenwärtig ein immer ausgedehnteres Feld der Thätigkeit in Deutschland eröffnen zu wollen. Noch vor wenigen Jahren nur auf Oesterreich und Altbayern allein beschränkt, sind sie nach den Stürmen des Jahres 1843 von dem Herrn, der mit allmächtiger Hand die Ereignisse lenkt und der Bosheit Plane zu nichte macht, mit den vielgeprüften Vätern der Gesellschaft Jesu in weitere Kreise des deutschen Vaterlandes hinauSgesendet worden, als Herolde der unendlichen Langmuth und Erbarmung GotteS, um dem Elende zu steuern, daS im Gefolge der Lostrennung von dem Herrn, und des frevelhaften Hohnes gegen alles Göttliche und Heilige über unsere Gauen hereingebrochen, um den wahren Gottes- und Menschenfrieden wieder zurückzubringen, der seit lange von unS gewichen. In Preußen und Württemberg, in Baden und Nassau sehen wir schon seit mehr als Jahresfrist die PP. Redemptoristen als Missionäre auftreten, und damit ihr Wirken nicht bloß ein vorübergehendes sey, werden ihnen an mehreren Orten Wohnsitze bereitet, wo sie sich niederlassen, und von wo aus sie — wenn der liebe Gott seinen Segen dazu schenkt, um den wir demüthig bitten wollen — eine bleibende segenvolle Thätigkeit entfalten können. In Coblenz besteht bereits seit nahezu zwei Jahren eine kleine Ansiedlung derselben; in der Diöcese Limburg sind gleichfalls schon einige eingeführt an dem Wallfahrtsorte Bornhofen, und in der Rottenburger Diöcese wird die Errichtung eines RedemptoristenhauseS auf dem Schöneberg eifrigst betrieben. Bei diesen Verhältnissen dürfte eö wohl den Lesern dieser Blätter nicht uninteressant seyn, mit dem Leben desjenigen ManneS bekannt zu werden, der als der erste Deutsche in die Congregation des allerheiligsten Erlösers noch zu Lebzeiten ihres heiligen Stifters aufgenommen, diese Congregation in sein Vaterland verpflanzt hat, dem wir also in gewisser Beziehung den Segen zu dcinken haben, der unS jetzt durch jene Priester zufließt. Dieser Mann ist Clemens Maria Hofsbauer. Sein Leben ist, auch abgesehen von dem oben berührten Umstände, von großem Interesse; es ist das Leben eines wahren Priesters, eines vollendeten Jüngers des Herrn, reich an erhebenden, belehrenden und erbauenden Momenten für Jeden, insbesondere aber für den Geistlichen. Johann Clemens Maria Hoffbauer wurde am Feste des heiligen StephanuS, den 26. December 1751 zu Taßwitz in Mähren geboren. Seine Eltern waren arme '1 Katholik. . ") Wir lege» bei der folgenden Skizze das Schriftchen von vr. Friedrich Pösl: Clemens Mari» Hcffbauer, der erste deutsche Redemptorist, in seinem Leben und Wirken. Rcgensburg 18-t4, zu Grund, Auch die histor. polit, Blätter haben vor einiger Zeit auf diesen ehrwürdigen Diener Gottes die Aufmerksamkeit gelenkt. , 58 Landleute, die aber einen reichen Schatz der Gottseligkeit besaßen, und den Knaben von der Wiege an zur Frömmigkeit anleiteten. Hatte das siebenjährige Kind die Woche recht gut zugebracht, so durfte eS zum Lohne dafür am Samstage zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria fasten, und die wenigen Kreuzer, die eS statt seines Frühstückes von der Mutter erhielt, den Armen austheilen. Als Clemens in früher Jugend noch seinen Vater verlor, führte ihn die Mutter zu dem Bilde des Gekreuzig, ten mit den Worten: „Siehe dieser ist von nun an dein Vater; gib Acht, daß du auf dem Wege wandelst, der ihm wohlgefällig ist." Clemens wuchs in wahrer Gottesfurcht heran ; sein sehnlichster Wunsch war stet's, studiren und Priester werden zu können; bei der Armuth seiner Mutter waren indessen die Aussichten für ihn trübe. Und hier ist es in der That bemerkenswerth, auf welchen Wegen die Vorsehung den Mann, den sie zu einem auserlesenen Werkzeuge in ihrem Dienste bestimmt hatte, lange hindurch führte, und zu seinem erhabenen Berufe heranbildete. Mit fünfzehn Jahren ging Clemens, weil ihm die Mittel zur Erreichung seines Herzenswunsches gänzlich mangelten, nach Znaim, einem Städtchen in Mähren, erlernte hier daS Bäckerhandwerk und arbeitete dann eine Zeitlang als Bäcker in der Prämonstratenser-Abtei Brück bei Znaim. Bald jedoch entdeckte er hier dem Prälaten sein Verlangen zu studiren; dieser prüfte seine Fähigkeiten und ließ ihn darauf die unteren Classen der Klosterschule besuchen. In wenigen Jahren machte Clemens treffliche Fortschritte; seine innige Sehnsucht aber sich vollkommener und ungetheilter Gott weihen zu können, zog ihn mächtig hinaus in die Einsamkeit. Er wollte Einstedler werden. Rasch hatte er sich eine Stätte hierzu ausersehen, eine Wohnung errichtet. Der Ruf seines tugendhaften Lebens zog bald das Volk der Umgegend zu ihm hin; mit Freude und heiligem Eifer ergriff der gottinnige Jüngling diese Gelegenheit, Alle, die da kamen, zum Gebete und zur Liebe Jesu Christi anzufeuern. Kaum aber hatte er zwei Jahre zur Erbauung Vieler in dieser Weise zugebracht, so führte ihn der Herr, dessen Absichten andere waren, auch von hier wieder hinweg. Das Institut der Einsiedler wurde nämlich durch Kaiser Joseph II. aufgehoben; Hoffbauer verließ seinen seitherigen Aufenthalt und begab sich nach Wien. Hier ernährte er sich durch daS Handwerk, das er erlernt; doch sein Herz fand keine Ruhe in solcher Beschäftigung; eine Pilgerfahrt nach Rom, die er bald darauf mit einem Freunde, Kunzmann, der gleichfalls Bäcker war, unternahm, nährte nur die Begierde in seinem Innern, sein Leben ganz dem Dienste Gottes zu opfern. Gestärkt, aber noch ohne Licht über seine Zukunft kehrte er nach Wien zurück. Eine vortheilhafte Verbindung, welche ihm hier angeboten wurde, schlug Hoffbauer aus. Das Getümmel der Welt ward ihm, der auf den Pfaden des innern Lebens immer voranschritt, mit jedem Tage mehr zum Ueberdruß, und so wanderte er nach kurzer Zeit mit dem genannten Kunzmann zum andern Male nach Rom, den Weg kürzend durch Gebet und heilige Gesänge; dort wollte er zunächst die Einsamkeit wieder aufsuchen, deren Glück er früher genossen. Nachdem unsere beiden Pilger die Gräber der heiligen Apostel besucht, wandten sie ihre Schritte gen Tivoli, wo sie von dem ehrwürdigen Cardinalbischofe Gregor Barnabas Chiatamonti, dem nachmaligen Papste Pius VII., auf ihr dringendes'Bitten die Erlaubniß sich in seiner Diöcese niederzulassen und das Eremitenkleid erhielten. In einem Walde bei Tivoli, wo sich bereits vier andere Eremiten aufhielten, gab sich nun Hoffbauer mit aller Kraft seines gottliebenden Gemüthes lediglich den Uebungen der Frömmigkeit hin, in unablässigem Gebete und unter vielfachen Ab- tödtungen zum Herrn flehend, daß er ihn über seinen Beruf erleuchten und nach seinem heiligsten Willen führen möge. Gott erhörte das Gebet seines Dieners und ließ ihn klar erkennen, daß er ihm im Priesterstande dienen, und für daS Heil Vieler wirken sollte. Der Stimme GotteS unbedingt folgend verließ Hoffbauer die Einsiedelei, die er ein halbes Jahr bewohnt, und kehrte nach Wien zurück, um seine früher begon- neuen Studien wieder aufzunehmen und zu vollenden. Mittel hierzu hatte er heute so wenig wie damals, doch er ging im unerschütterlichen Vertrauen auf Den, der ihn 59 berufen. In der That ließ ihn der Herr in Wien bald eine fromme Wittwe finden, die sowohl für seinen Lebensunterbalt, als für alle Bedürfnisse zu seinen Studien sorgte. In Jahren bereits vorgerückt, widmete sich Hoffbauer nun mit unermüdlichem Fleiße ven Wissenschaften, ohne deßwegen von dem Gebete abzulassen. Er hatte die Quelle aller Weisheit und aller Wissenschaft längst schon kennen gelernt; dieser Quelle, unserm Heilande JesuS Christus suchte er sich immer mehr zu nähern, auf daß von hier aus Segen und befruchtende Kraft ausströme in seine Studien. Alle Sonntage sah man ihn während des ganzen Vormittagsgottesdiensteö in der St. Sal- vatorkirche ministriren. In den Ferien zog er meist zu Fuß unter harten Entbehrungen über die Alpen, um Rom und seine ihm so lieb gewordene Einsiedelei zu Tivoli wieder zu besuchen. Wie Hoffbauer überhaupt mit ganzer Seele der Kirche ergeben war, so waren auch in seinen Studien ihre Lehren allein ihm Richtschnur und er ließ sich nicht irre leiten durch den Geist der falschen Aufklärung, welcher damals in die Wissenschaft und ihre Diener hineingefahren war. Beweis hiefür möge folgender charakteristische Zug seyn. Einst trug ein Professor Sätze vor, die gegen die katholische Lehre verstießen; alsbald erhob sich Hoffbauer und sprach mit apostolischem Freimuthe: .Was Sie so eben gelehrt haben, Herr Professor, ist nicht katholisch!" und verließ sogleia> den Hörsaal. Viele Jahre nachher, da Hoffbauer schon lange Priester war, begegnete ihm einstens ein alter Herr, der ihn eine Zeitlang firirte und endlich die Frage an ihn stellte, ob er nicht als Student einmal die eben erwähnten Worte einem Professor gesagt. Auf die bejahende Antwort sagte der Herr: Dieser Professor bin ich; ich danke Ihnen für jene Zurechtweisung, die für mich zwar beschämend, aber heilsam war; ich dachte darüber nach, fand, daß sie Recht hätten und kehrte in mich. Nach Vollendung seiner philosophischen Studien betete Hoffbauer mit neuer Inbrunst zu Gott um Erleuchtung über seinen Beruf. Er stand, ohne es noch zu ahnen, nunmehr endlich nach langem Streben und Ringen dem Ziele nahe, welches » erreichen, dem Port, wo seine Seele Ruhe finden sollte. Noch ein Schritt blieb ihm zu thun übrig, und auch zu diesem lenkte ihn jetzt der Herr. Eine innere Stimme rief ihn wieder nach Rom. In Begleitung eines andern Studenten Namens Hibel, mit welchem er schon einige Zeit enge befreundet war, trat er die Reise an; eS war im Jahre 1782 oder 1783. In der heiligen Stadt angekommen, beschlossen die Freunde am folgenden Morgen in jene Kirche zu gehen, deren Glocken sie zuerst rufen würden. Um vier Uhr Früh dem ersten Glöcklein folgend, kamen sie in eine kleine ruhige Kirche, wo eben die Priester die Morgenbetrachtnng verrichteten. Erbaut durch Alles, was er hier wahrnahm, fragte Hoffbauer einen Knaben, was denn das für Geistliche seyen? „Es sind die Priester des Nllerheiligsten Erlösers und Sie werden auch ein solcher Priester werden," war die Antwort des Knaben, die auf den Fragesteller im Zusammenhange mit allen andern Momenten einen tiefen Eindruck machte. Bald suchten die Freunde den P. Rector des Hauses auf, der sie bereitwillig über den Zweck und die Regeln des Institutes unterrichtete und ihnen dann nach kurzer Unterredung ohne alle Aufforderung die Aufnahme in die Congregation anbot. Hoffbauer fühlte die barmherzige Hand des Herrn über sich und ohne einen Augenblick zu zögern nahm er das Anerbieten an. Am andern Tage folgte sein Freund Hibel seinem Beispiele und Beide wurden nun nach Frosinone in das Noviziat geschickt. Der heilige AlphonS, der damals noch lebte, freute sich innigst über den Eintritt dieser beiden ersten Deutschen in seine Congregation und im Geiste die Zukunft ahnend oder durch höhere Erleuchtung erkennend, sagte er: Gott wird unfehlbar durch die Vermittlung jener beiden Männer seine Ehre in Deutschland ausbreiten. Daß Hoffbauer ein eifriger Novize war, bedarf wohl nach dem Bisherigen keiner besondern Erwähnung. Nachdem er diese Prüfungszeit zurückgelegt und das Studium der Theologie absolvirt hatte, wurde er endlich gemeinsam mit Hibel zum Priester geweiht; er war damals 34 Jahre alt. «v So war Hoffbauer unter schwere» Kämpfen, nach langem Sehnen reif gewor- den und tüchtig zu den apostolischen Arbeiten, für welche Gott ihn erkoren hatte; alsbald sollte er damit beginnen. Schon von dem Augenblicke seines Eintrittes in die Congregation an hatte er den lebhaften Wunsch gehegt, dieselbe später in sein Vaterland zu verpflanzen; nach seiner Weihe zum Priester steigerte sich dieser Wunsch zum sehnlichsten Verlangen. Insbesondere hatte er Wien im Auge; da wünschte er eine Niederlassung der Congregation gründen zu können. Da seine Oberen dieß Vorhaben guthießen, so reiste P. Hoffbauer, zum Superior ernannt, im Jahre 1785 mit P. Hibel nach Wien ab, um wo möglich daselbst ein HauS zu errichten. Aber die damalige Zeit war solchem Unternehmen nicht günstig; es war die unselige Zeit des Zusammensturzes, deS Niederreißens; für ein Ausbauen, namentlich auf kirchlich' religiösem Gebiete war wenig Aussicht. Die Kirche, die Braut Jesu Christi , die in dem Kreislauf der Zeiten das Leben, welches ihr himmlischer Bräutigam als das seinige ihr eingehaucht, in stetem Wechsel wiederum auszuleben hat, sie war damals bereits in jene herbe und schmerzenSvolle Passionswoche eingetreten, welche in der blutigen Verfolgung und Hinschlachtung von Hunderten ihrer treuesten Diener in Frankreich, und dann in der bittern Kränkung und der wiederholten Einkerkerung ihres sichtbaren Oberhauptes den Höhepunct finden sollte. ES war der Augenblick gekommen, wo man die Braut des Herrn ihrer Kleider zu berauben begann, um sie sofort nackt und arm dem Höhne ihrer Feinde zu überliefern. Die Einziehung der Kirchengüter hatte ihren Anfang genommen, die später mit dem großartigen Acre gewaltsamer Unterdrückung, wie K. A. Menzel die Säcularisation bezeichnet, endigen sollte. Kaiser Joseph II., ergriffen von dem Alles auflösenden und zerstörenden Geiste, dessen finsteres Wehen durch die ganze europäische Gesellschaft ging, der sich ihm aber in der Truggestalt eines Lichtengels darstellte und seine Augen blendete, hatte schon in den Jahren 1781 und 1782 alle Klöster contemplativer Orden im Umfange seiner Staaten aufgehoben und durch sein Verbiet gegen den Zusammenhang der klösterlichen Institute in Oesterreich mit ihren auswärtigen Obern den Lebensnerv unterbunden, und ein Jahr vor Ankunft des P. Hoffbauer in Wien 1784 hatte er abermals eine sehr große Zahl von Klöstern und Stiftern eingezogen. Unter solchen Umständen war Wien für jetzt kein Boden für das Wirken deS P. Hoffbauer; der Segen, welchen er bringen wollte, fand dort noch keine Stätte; er entschloß sich daher sogleich, weiter zu ziehen und zwar wollte er seine Schritte nach Warschau, der Hauptstadt Polens wenden. Noch vor seiner Abreise von Wien führte ihm die Vorsehung seinen Jugendfreund Kunzmann zu, der nach kurzer Ueber- legung als Laienbruder in die Congregation eintrat und hierauf mit unsern beiden Patres nach Warschau wanderte. Hier angelangt, eilte Hoffbauer, sich mit P. Hibel dem damaligen apostolischen Nuntius, Saluzzo, vorzustellen, um durch dessen einflußreiche Verwendung die Erlaubniß, sich hier niederlassen zu dürfen, zu erlangen. Monsignore Saluzzo, der als geborner Neapolitaner die Söhne deS heiligen Alphons mit Freude begrüßte, empfahl sie sogleich dem Könige StanislauS II. und bewirkte, daß ihnen die Kirche zum heil. Benno übergeben wurde. *) In äußerster Armuth begannen die Patres ihre Wirksamkeit zu Warschau. Mit zwei Thalern Baarschaft waren sie angekommen; die Wohnung, welche ihnen angewiesen wurde, war klein und elend; eine Kammer, von deren Wänden daö Wasser herabträufelte imv deren einzige MeubleS ein Tisch und einige Stühle waren, diente ihnen zum Aufenthalte; NachtS schliefen die Patres auf dem Tische, während Bruder Emmanuel Kunzmann auf einem Stuhle ruhete, bis ihm einer der Patreö im Laufe der Nacht seinen Platz einräumte. Wie hinsichtlich der.Wohnung, so hatten sie auch bezüglich aller andern Lebensbedürfnisse die größten Entbehrungen zu ertragen. **) ') Vou dcr Kirche wurden die Rcdcmptoristen in Warschau später Bennonitcn genannt. Im Jahre 1731 ließ ihnen Pins VII., dcr durch seinen Nuntius von ihrer Armuth und i ihrem aufopfernden Wirken hörte, aus der Casse dcr Propaganda eine jährliche Unterstützung von 100 Scudi (L40 fl.) anweisen. 61 Während aber in solcher Weise der Leib den härtesten Abtödtungen unterworfen war, nahm der Geist einen um so freieren Aufschwung und eS entfaltete sich die Liebe und der Seeleneifer unseres Hoffbauer und fand bald ein weites Feld tvr Thätigkeit. Vereint mit Hibel begann er zu predigen und sich dem Beichtstuhle zu widmen. Anfangs pflegten sie das Volk auf den öffentlichen Plätzen der Stadt um sich zu sammeln unv ihm hier Belehrungen zu ertheilen; als jedoch die Regierung dieß untersagte, zogen sie sich in ihre Kirche zurück, in welcher sie nun eine ununterbrochene Mission eröffneten. Jeden Tag hielten sie Morgens und Abends Erhortationen an das Volk; an allen Sonn- und Feiertagen predigten sie viermal, zweimal für die Polen und eben so oft für die Deutschen; später kam auch noch eine französische Predigt für die anwesenden Franzosen hinzu. Diesen Eifer, der von so aufopfernder Liebe begleitet und getragen war, segnete der Herr sichtlich. Das Volk strömte in Menge zu ihrer Kirche; vom frühen Morgen bis die Nacht hereinbrach, waren ihre Beichtstühle umlagert und schon nach wenigen Jahren ihrer Wirksamkeit zählten sie in einem Jahre 19,000 Communicanten in St. Benno. Mit diesen Arbeiten war die Liebe HoffbauerS nicht erschöpft: er suchte zu gleicher Zeit auch die verlassenen Waisenkinder auf, um sie so weit es in seinen Kräften stand zu nähren, zu Pflegen und zu unterrichten. Er führte sie in die Kirche, lehrte sie beten, fromme Lieder singen und flößte ihren jugendlichen Herzen vor Allem eine innige Liebe zu dem Heilande und zu der allerseligsten Jungfrau ein. Auch die Armen und Nothleidenden jeder Art fanden an ihm einen Vater; er ging sogar öfter für sie Almosen zu sammeln, um ihr Elend zu lindern*) und suchte so unablässig Allen Alles zu werden. So wirkte Hoffbauer in den ersten Jahren seines Aufenthaltes, verehrt und geliebt von allen Guten, verfolgt und geschmäht von den Feinden der Religion. Der letzte König von Polen schätzte ihn hoch und verlieh ihm sogar den weißen Adlerorden, den übrigens der demüthige Diener Jesu Christi sorgfältig verbarg, so daß man ihn erst nach seinem Tode unter seinen Sachen fand. Die ausgedehnten Arbeiten der beiden Patres machten einen Zuwachs an Kräften nothwendig. Acht Jahre harreten sie indessen umsonst auf eine Hilfe; dann aber traten in rascher Folge viele polnische Jünglinge in die Kongregation ein und auch die Revolution in Frankreich, welche die Seminarien auflöste, führte dem Hause zu Warschau manchen Kandidaten zu. Bald erhielt die Versammlung hier eine zweite Kirche und ein Haus, das der Erzbischof ihr einräumte. Bis 1799 war sie bereits auf 25 Mitglieder angewachsen und verbreitete nach dem zunehmenden Maaße der Kräfte immer weiterhin den reichsten Segen. Unzählige Seelen bekehrten sich zum Herrn, viele Protestanten traten zur Kirche zurück. Selbst in Curland, das zum russischen Reiche gehörte, gewannen die Priester der Kongregation das Vertrauen des Volkes in so hohem Grade, daß sogar die dortigen Protestanten Stunden weit herbeikamen und ihre Kranken und Kinder zu denselben brachten, damit sie ihnen den Segen ertheilten. P. Hoffbauer that dann öfter eine beherzigenswerthe Aeußerung. „Wenn ein Priester," sprach er, „nur die Hälfte seiner Schuldigkeit thut, so wird er vom Volke beinahe angebetet; aber," setzte er hinzu, „ich weiß nicht, ob er selig wird." Cardinal Litta, der im Jahre 1800 als apostolischer Nuntius auf einer Reise durch Warschau kam und sich daselbst einen Monat aufhielt, stellte in einem Schreiben dem Wirken der Revemptoristen unter P, Hoffbauer ein glänzendes Zeugniß aus und äußerte den Wunsch, daß auch in Deutschland bald ein HauS derselben gegründet werden möge. Hierzu schien in der That nunmehr allmälig der Augenblick heranzukommen ; wenigstens eröffneten sich einige Aussichten dafür. (Schluß folgt.) *) Einst kam er bei solcher Gelegenheit in ein Gasthaus und bat um ein Almosen für Vcrun, glückte; ein roher Mensch spie ihm im Uebcrmuthc ins Angesicht. Ruhig trocknete sich Hoffbauer ab, und sprach mit würdevoller Sanftmuth: „Das war für mich, nun geben Sie mir etwas für die Armen." Damit war der Beleidiger besiegt, er bat um Verzeihung und gab ein ansehnliches Geschenk. SS Die Steinkreuze. *) In Altbayern, in Schwaben, im Fränkischen und in der Oberpfalz findet man noch hie und da an den Straßen massive Kreuze von Stein, die man nicht zu beachten pflegt und deren Ursprung man nicht allenthalben kennt. Fragt man die Leute in den Gegenden, wo solche Kreuze sich befinden, was sie bedeuten, so erhält man gewöhnlich zur Antwort, daß sie die Stelle bezeichnen, wo die im Kampfe mit den Schweden Gefallenen zusammen begraben wurden. Dieser Meinung steht entgegen, daß derlei Kreuze Jahrhunderte vor dem^ Erscheinen der Schweden vorhanden waren, und daß man in dem Gräuel der Verwüstung wohl schwerlich an die Ausrichtung solcher nicht unkostspieligen Kreuze denken konnte, um so weniger, als die Leute damals nicht hatten, womit sie ihren Hunger stillen oder ihren Körper bedecken konnten. Andere sind der Ansicht, daß diese Kreuze denselben Ursprung unv dieselbe Bedeutung haben, wie die gewöhnlich aus Holz verfertigten, die überall, wo sich das Christenthum verbreitete, an den Wegen aufgerichtet wurden, um daS Gemüth deS Wanderers himmelwärts zu lenken. Dieser Meinung widerspricht schon die ungewöhnliche Form und Materie dieser Kreuze, und wenn Andere glauben, daß sie die Stelle bezeichnen, wo unsere Ahnen zu Gericht gesessen, so fehlt dieser Ansicht die Wahrscheinlichkeit nicht bloß, sondern auch jeglicher Beweis. Zwar ist allerdings richtig, daß häufig bet Steinen Gericht gehalten wurde, doch aber nicht bei solchen, welche Menschenhände zur Stelle schafften, sondern welche die Natur gesetzt hat. Ich konnte nur wenige Notizen über diese Kreuze auffinden, doch reichen sie hin, über Ursprung und Bedeutung die erforderlichen Aufschlüsse zu geben. Wenn in den Vorzeiten Jemand erschlagen wurde, übten die Verwandten des Getödteten entweder Blutrache an dem Mörder, woraus sich nicht selten die blutigsten Fehden zwischen den betheiligten Familien entwickelten, oder aber eS mußten die nächsten Verwandten deS Ermordeten zufrieden gestellt werden durch Entrichtung des WehrgeldeS oder durch andere Bußen, die sehr mannigfaltig waren und deren Bestimmung entweder dem öffentlichen Nichter, vor welchem Klage gestellt ward, oder einem besonders hiezu aufgestellten Schiedsgerichte überlassen wurde. Daher rühren auch die Steinkreuze, von denen hier die Rede ist, wie sich aus folgendem Falle ergibt. Im Jahre 1484 ermordeten Sigmund Golter von Hebseg und Georg Erman von Zell den ZachariaS Micko von Mittelried. Da die Kinder des Erschlagenen theilweise dem Abt von Kempten, theilweise dem Marschall Alexander von Pappenhcim leibeigen waren, so stand es diesen beiden zu, denselben Genugthuung zu verschaffen. Um Blutvergießen zu verhindern, überließen sie den Austrag der Sache einem Schiedsgerichte, und dieses setzte fest: Die Thäter sollen den Todtschlag bessern: 1) dadurch, daß sie dem Erschlagenni einen Dreißigsten durch den Pfarrer von Tanheim oder einen andern lesen, 2) ihn in der Pfarr zu Münchroth besingen und U) Messen lesen lassen. 3) daß die Thäter vier Wallfahrten machen, nämlich gen Rom, Aachen, Ein,siedeln und zum heiligen Leonhard in Jachenhofen, 4) daß sie ein Steinkrcuz, das fünf Schuh lang, drei breit und ungefährlich einen Schuh dick seyn soll, setzen, wo es die Verwandten deS Erschlagenen haben wollen. Hieraus ersehen wir deutlich sowohl Ursprung und Bedeutung, als auch die Form und Größe dieser Kreuze. Letztere war nicht immer gleich, denn in einem andern Falle wurde bestimmt, daß es sechs Schuh lang seyn, in einem dritten, daß es fünf Schuh über die Erde hervorragen soll. UebrigenS waren dieselben nicht aus mehreren Steinen zusammengesetzt, sondern aus einem Stücke gearbeitet. Daß auch im Fränkischen die Setzung von Steinkrcuzen üblich war, beweist folgender Fall: „Ich habe", heißt es in den Entleibungsaclis Fritz Nppels von Vach ') vr. Witimcmn in Rndhardts Taschenbuch für vaterländische Geschichte. 63 (gegenwärtig im Landgericht Nürnberg) vom Jahr 1523, „meinen Bruder, Fritz Appel genannt, zu Vach gesessen, derselbig hat etwan in einem Zorn einen, Fritz Kaiser genannt, auch zu Vach gesessen, entleibt, darum er denn eine Zeit zu flüchten gangen, in mittler Zeit ist ihm zu solchs Todtschlags Vertrags und Büßung von des Abgeleibten Frawen und Freundschaft und mit ihr aller Willen ein Tag, sich entlich mit ihnen deßhalb zu vertragen gen Vach angesetzt und bestimmt worden, den er dann gesucht hat und solche Sach mit beder Partien sreien guten Willen und Wissen durch sieben Mann, auf jeder Seite drei und ein Obmann, mit dem daö bereift mag werden, also und zum ersten zc. Weiter ist ihm aufgelegt worden, dem Entleibten ein Kreutz zu setzen." Auch in Altbayern war es üblich, solche Steinkreuze zu setzen, wie aus folgendem Falle sich ergibt: Hans von Torring zu Seefeld, der im Jahr 1518 seinen eigenen Knecht Christian Leitgeb todt schlug, ward von dem Herzog Wilhelm von Bayern durch Vermittlung des Kurfürsten Friedrich von Sachsen unter folgenden Bedingungen wieder zu Gnaden aufgenommen: 1) mußte er dem Erschlagenen in der Pfarr zu Nlting mehrere Gottesdienste halten, 2) eine Wallfahrt nach Aachen verrichten lassen und an dem Weg von Seefeld und Alting ein steinernes Kreuz setzen und 3) den Kindern des Erschlagenen Ivv Gulden geben. Der älteste Fall, der mir bekannt geworden, gehört dem Jahre 1473 an. Bezüglich des Steinkreuzcs ward hier festgesetzt, daß solches an die Michaelskirche zu Kaufbeuren (denn daselbst fiel der Todtschlag vor) angelehnt und darnach zum Andenken deS Erschlagenen an der Stelle, welche der Stadtrath und die Anverwandten deS Getödteten bezeichnen würden, eingegraben werden soll. Im Jahr 1596 kommt der letzte mir bekannte Fall vor, daß unter Anderem die Errichtung eines SteinkreuzeS zum Andenken eines Erschlagenen festgesetzt, gleichwohl aber auf vieles Bitten deS Betheiligten wieder erlassen wurde. Bei dem gänzlich geänderten Criminalgerichtsverfahren konnte auch in der Folge, zeit von Setzung solcher Kreuze nicht mehr die Rede seyn. N a n c y. Nancy, 3. Febr. Gestern wurde hier an die Stelle der bereits sechs Jahre ihr Amt als Generaloberin deS Ordens der barmherzigen Schwestern vom heiligen Carl Borromäus verwaltenden Schwester Ludwine die bisherige Assistentin, Schwester Mechtilde aus der angesehenen Familie de Rosieres zur Generaloberin gewählt, indem die hohe Würde nicht länger als sechs Jahre von einer Vorsteherin bekleidet werden kann. Dieses wichtige Amt von sich,abzuwenden, hatte die eben so eifrige als demüthige Schwester Mechtilde die fromme List gebraucht, in der ihr vorzüglich obliegenden Korrespondenz mit den einzelnen Häusern stetö auf die Übeln Umstände ihrer sehr erschütterten Gesundheit und daö ungünstige Prognostikon der Aerzte in Bezug auf die Dauer ihrer Lebenslage aufmerksam zu machen. Umsonst. Mit großer Majorität ward sie von den Schwestern deS Ordens, die Alle vom vierten Jahre ihrer Profession an wahlberechtigt sind, als Generaloberin gewählt. Bei der Verkündigung deS Resultats fiel sie ohnmächtig zusammen. Ihr Flehen um Abnahme der wichtigen Würde und Bürde wurde aber nicht erhört. Unter der Verwaltung der Mutter Ludwine hat der Orden in wenigen Jahren eine große Ausbreitung gewonnen. Außer dem in frischem Aufblühen begriffenen Hause in Berlin wurden allein in Preußen die Häuser zu Bonn, Andernach, Eupen, Wallerfangen, Ehrenbreitstein gegründet und die Besorgung deS Haushaltes im bischöfl. Convict zu Trier übernommen. DaS Wichtigste ist jedoch die Gründung eines deutschen Mutterhauses in Trier, welche durch die aufopfernde Fürsorge deS hochwürdigllen Herrn Bischofs in Trier bewirkt wurde. Mit sehr geringen Mitteln beginnend, erfreut sich auch dieses Haus eines ganz beson- «4 dern Segens, indem nicht nur zeitliche Mittel reichlich zugeflossen, sondern auch zahlreiche deutsche Novizen in dasselbe eingetreten und unter Leitung der wackern, früher in Berlin thätigen Vorsteherin theilweise schon zur Pflege der Kranken ausgebildet sind. Eben so ist der Orden jetzt im Begriff, ein Haus in Paris, vorzüglich zu Gunsten der in Paris sich befindenden Deutschen, deren Zahl sich beinahe aus 100,000 beläuft, zu gründen, sür welche der thätige Jesuit, Pater Chable, neulich die erste deutsche Capelle eingeweiht hat. So schlingen die religiösen Interessen auch ein nationales Band für die in der Fremde befindlichen deutschen Stammesgenossen, ähnlich wie in Nordamerika der nach allen Richtungen hin sich zersplitternde Deutsche in den Kirchen der dortigen deutschen Redemptoristen einen bessern Einheitspunct für deutsche Sprache, Gesinnung und Gesittung findet, «IS in den demokratischen Clubbö und den widerlichen Zeitungsschreibereien ihrer einst in Deutschland glorificirten Frei- heitsmänner. (D. Volkshalle.) Weingarten. Weingarten, 15. Febr. Am Sonntag den 9. d. M. hat die heil. Mission bahier ihren Anfang genommen. Von Nah und Ferne strömen die Volksmassen herbei; mit jedem Tage wächst die Zahl der Andächtigen und gestern mögen eS 10 bis 12,000 gewesen seyn. Der Seeleneifer dieser hochwürdigen Patres auS der Gesellschaft Jesu ist eben so groß als prachtvoll der Tempel. Unwillkürlich fällt mir ein, waö ich vor Jahren gelesen: „die größte Schmach unseres Heilandes besteht darin, daß er in die „„Gesellschaft Jesu"" gerathen." Mein Gott, waS hat nicht schon die neue Zeit in den Tag hinein geschrieben! Sicher war der Schreiber dieser giftigen Zeiten Mitarbeiter an dem BrockhauS'schen Conversationslericon. Kommet und sehet, höret diese ehrwürdigen Männer und ihr gehet von vannen, wenn nicht geheilt, doch beschämt. P. Schlossers Vorträge werden vom Landmann denen des P. Roder vorgezogen; aber das Geistreiche, Bündige, Gemüthvolle, das Feuer heiliger Begeisterung und die den Unglauben und das Laster niederdonnernden Vorträge deS P. Roder zünden allwärts mit jenem unwiderstehlichen Lichte der göttlichen Wahrheit! Diese Männer opfern sich im buchstäblichen Sinne dem Dienste der Wahrheit. Zeugniß von dem großen Eindruck der Reden aus dem Munde der hochwürdigen Missionäre gibt die ernste Haltung des Volkes; man sieht keine Unmäßigkeit, hört kein ungebührlich Wort, nur um das nöthigste Bedürfniß zu befriedigen, werden die Gasthäuser besucht. (D. VolkSbl.) A n s b a ch. In Ansbach wurde kürzlich die Raubmörderin Christina Hilpert hingerichtet. Ein Bericht erzählt: „Die Armesünderin hatte sowohl während der dreitägigen Gnadenfrist, als auch auf dem langen Wege zur Richtstätte und bis zum letzten Augenblicke die größte Ruhe und Standhaftigkeit gezeigt, und nach der Versicherung Aller, die ihr während dieser Zeit nahe kamen, welche Versicherung auch durch die nach der Hinrichtung von Herrn Pfarrer Rabus gehaltene vortreffliche Rede ihre Bestätigung findet, tiefe Reue und namenlosen Schmerz über die von ihr verübte Gräuelthat an den Tag gelegt. Wir wollen nur einige Worte auS dieser Rede hier wiedergeben: „Was führte diese Unglückliche an die Stätte deS Entsetzens? Die Unzucht, die Lüge, der Diebstahl. Mit Hellern hat sie als Kind ihre Eltern bestohlen, und als sie zunahm an Alter, da wuchs die Sünde mit ihr, und die Lust zu fremdem Gut bethörte ihre Seele, so daß sie sich nicht entsetzte vor Raub und Mord. Dahin führt die Lüge. Was ist der Mensch, der sich der Lüge weiht? Zuerst belügt er die Andern, dann will er Gott belügen, und zuletzt hat er nur sich selbst belogen und betrogen." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. ^. Verlags-Jnhaber: F. C. K,tme,. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angsbnrger PoHeitung. s. März s. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmcntsprcis Ätt kr., w»für es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Mein Hort. Den Pilgcrstab ,'n rüst'ger Hand, Das Herz so leicht und ohne Sorgen, So zieh' ich ans in'ö ferne Land, Und sing' mein Lied am frühen Morgen: Maria, Du mein Schirm und Hort, Begleite Du mich fort und fort. Doch bald wird mir's im Herzen schwer, Der Weg ist weit, der Fuß schon müde, O wenn ich bald am Ziele wär'! Da bau ich denn auf Deine Güte, Und fleh' zn Dir mit Zuversicht: Verlaß den armen Pilger nicht. Und wenn ich vor des Reichen Thür Mit Thränen um ein Obdach bitte, Und harter Sinn versagt es mir, So lenk ich weiter meine Schritte. Und finde Trost im süßen Wort: Maria ist mein Schutz und Hort. Und hat der Räuber bös' und wild Mich jeder Habe baar geplündert, So sieht mein Auge hin zum Bild, Das auch den größten Kummer lindert; Ich will mit kindlichem Bertrau'n Auch serner auf Maria bau'n. Und wenn in finstrer Meeresnacht Dem Schifflein droht das Grab der Wogen, So weiß ich eine höh're Macht: Ich blicke ans zum Himmelsbogcn, Da strahlt so freundlich in der Fern Maria mir als Rettungsstcrn. Und komm' ich an am schönen Ziel, Und ist die Wanderung zu Ende Durch's trügerische Weltgewühl, Dann fält ich gläubig meine Hände Und fleh: Maria sey mein Hort Auch jetzt bei Deinem Sohne dort. Clemens Bach. -ylwzmlr^ 7>t)!iN , 'S Ans einem Briefe des Missionärs Schonat. Wir haben schon erwähnt, daß sich ans dem gescheiterten Hamburger Dampfschiff „Helena Sloman" unter den Passagieren auch der nach Cincinnati zurückkehrende Missionär Pfarrer Schonat befand. Ein Brief desselben aus Cincinnati vom 15. Jan. (abgedruckt im Schlesischen Kirchenblatt) gibt eine anschauliche Schilderung der unglücklichen Katastrophe. Wir entnehmen ihm folgendes: „Wir hatten Hamburg cun 26. October verlassen und waren in Southampton in England gelandet, von wo wir nach dreitägigem Verweilen am Feste „Allerheiligen" unsere Weiterreise fortsetzten. Nachdem wir den größten Theil unserer Seereise bereits hinter unS hatten, widerfuhr uns ein Unglück, das, wie der Capitän sich äußerte, unter tausend Fällen kaum einmal vorkommt. Wir verloren am 19. und 20. November, von einem heftigen Sturme ergriffen, den Haupttheil an einem Schiffe: das Steuerruder, ganz und gar, und durch diesen Verlust auch alle Gewalt über das Schiff... Alles, waö wir thun konnten, war, uns so viel als möglich in der Fahrlinie zu halten, um so vielleicht einem andern Schiffe zu begegnen, das unS aufnehmen und retten könnte. Anfangs trieb ein starker Südostwind uns der Insel Neuschottland entgegen, von der wir ungefähr 2vl) englische Meilen entfernt waren, als der Unfall uns betraf; viele Passagiere, welche die Gefahr nicht erkannten oder nicht bedachten, die auf's Neue für unö aus der Nähe des Landes bei heftigem Sturme entstehen mußte, weil daS Schiff an der ersten besten Küste oder an den nächsten Felsenriffen scheitern konnte, schöpften Hoffnung auf Rettung; allein der Wind wendete sich und trieb uns hinaus in das weite Meer... Am vierten Tage sahen wir ein Schiff in großer Entfernung und Alles freute sich auf Rettung; allein eS zog an unS vorüber, ohne uns vielleicht gesehen zu haben, und überließ unS unserm traurigen Zustande. Von jetzt an wurde unsere Lage immer schlimmer. Das Schiff wurde oder war früher^chon leck geworden, uud das Wasser drang stark in den untern Theil ein. Die Maschine, welche die Pumpen trieb, ging nicht mehr, und es mußte daher die ganze Mannschaft, Seeleute und Passagiere, abwechselnd Tag und Nacht an den Pumpen arbeiten. Der Capitän wurde immer ernster und nachdenkender und in seinen Mienen zeigte sich nichts mehr von der frühern Heiterkeit. Da sollte das alte Sprichwort aber wahr werden: „Wo die Noth am größten ist, ist Gott mit seiner Hilfe am nächsten" — und wo menschlicher Verstand und menschliche Macht nichts mehr vermag, da wollte Gott zeigen, daß Er allein nur noch helfen könne. Und diese Hilfe kam; freilich erst nach acht langen und bangen Tagen und Nächten, und zu einer Zeit, wo die Meisten beinahe alle Hoffnung auf Rettung aufgegeben hatten; aber sie kam mit der desto stärkeren Mahnung und Ueberzeugung für einen Jeden, daß Gott in seiner anbetungswürdigen Barmherzigkeit auch noch ein Mal Erbarmen an uns gezeigt hat. Leider schien sich die Mehrzahl der Passagiere diesen Gedanken nicht sehr zu Herzen zu nehmen; einige von ihnen (cS waren junge Deutsche, Söhne auS den sogenannten bessern Familien!) waren leichtsinnig und verwegen genug, selbst in der Stunde der Gefahr ihre sogenannte Geistcsstärke darin zu zeigen, daß sie über Religion und über das, was andern ernst und heilig ist, ihren frechen Witz auöließen. Ein solches Betragen erfüllte aber einen jeden Bessergestnnten nicht nur mit Betrübniß, sondern mit Ekel, und zeigte nur zu deutlich, wie weit eS besonders in Deutschland mit einem großen Theile der sogenannten gebildeten, bessern Classe in der gegenwärtigen Generation gekommen. Ihre Bildung und Erziehung in Haus und Schule mag Alles gewesen seyn, nur keine christliche! Wenn Deutschlands Heil und Wohl von solchen Menschen und ihren Lehrmeistern abhängt, so muß man wohl an seinem Heile verzweifeln. Katholiken waren auf dem Schiffe nur wenige. Unter den Passagieren der ersten Classe war nur eine Familie. Die Mutter dieser Familie, eine brave, rechtschaffene und fromme alte Dame, trat eines Tages zu mir und sagte in ihrer Einfachheit laut, daß eS alle Umstehenden wohl hören konnten: H. P. S., ich habe in der letzten Nacht die Gottesmutter so inständig gebeten, » 67 .ititt»tvijtMi^5U» »ttHHtpsH tt->Kit!» .H'Zch.twHsÄ. ^«u^ - ^ daß sie nnS Hilfe schaffen soll, und ich glaube doch, sie wird eS thun." „Das ist eS auch, worauf ich hoffe," gab ich ihr zur Autwort, „und ich habe daS feste Vertrauen, daß nur durch ihre Macht und Fürbitte uuö noch Hilfe werden kann." Von mir selbst aber darf ich wohl sagen, daß der Name Mariens nie ans meinen Gedanken, und der wunderschöne Hymnus: ,,^ve maris stelle" Tag und Nacht nicht vou meinen Lippen kam, fest vertrauend, daß sie den Worten Gehör geben werde, die da nnter andern heißen: „monstra, tv osse malrem",.... „iter tutum" n. — Und um was wir durch sie, die Mutter der Barmherzigkeit, die Mutter der heiligen Hoffnung und der schönen Liebe, den hilfestrahlenden Stern deS McereS zu Gott gefleht, wurde unS zu Theil. Am 28. November sahen wir bei Tagesanbruch ein anderes Schiff in unserer Nähe. Nachdem wir die Nothflaggen aufgezogen und demselben zu verstehen gegeben hatten, daß wir in großer Noth und Gefahr seyen, kam es mit vollen Segeln auf uns zu, und war auf der Stelle bereit, uns aufzunehmen. Es war das amerikanische Packet-Schiff „Devonshire", unter Capitän Hovey. Die Rettung ging aber leider nicht ohne Verlust von Menschenleben vor sich. Neuu Personen kamen dabei um uud fanden in den Wellen ihr Grab: Die See war sehr unruhig, die beiden großen Schiffe konnten sich nicht nahe kommen, und wir mußten auf den kleinen Booten von einem Schiffe zum andern gebracht werden. Dieß nahm den ganzen Tag in Anspruch. Eines von diesen Booten schlug um, und 4 Matrosen und 5 Passagiere ertranken. Es war dasselbe Boot, auf dem ich selbst und Hr. Richter auS Breslau auf der vorhergehenden Fahrt gerettet waren. Der Anblick der auf den Wellen mit dem Tode Ringenden war ein schmerzlicher. ES war ein großes Gluck, daß wir den ganzen Tag Zeit zur Rettung hatten; wäre die Nacht hereinbrechen, bevor Alle gerettet gewesen wären, so hätte es ohne Zweifel noch mehr Unglück gegeben. Die Uebcrsiedelung von einem Schisse aufS andere war sehr schwierig. Die Personen mußten an Seilen heruntergelassen und eben so wieder hinausgezogen werden. Die See, vom Sturm und Regen gepeitscht, theilte sich vor den Fahrenden bald wie tieft Schluchten, in welche die Kähne hineinfuhren, bald bäumten sich ihre Wellen wieder aus, wie schroffe Hügel, auf die wir mit unsern leichten Fahrzeugen hinaufsprangcn, und wieder von ihnen herabstürzten, je nachdem die Wogen vor uns stiegen oder sielen. Dennoch ging die Rettung der Personen, unter denen viele Frauen und Kinder waren, so weit noch glücklich von Statten, bis auf jenen eben erwähnten Unfall. An Sachen ist beinahe Alles von Werth verloren gegangen. Ich selbst habe Alles, was ich in Wien und Breslau an Büchern, Kirchensachcn, Kleidung, Wäsche :c. eingekauft oder von wohlthätiger Hand erhalten hatte, verloren. Eben so die Kisten, die in BreSlau bei den Herren K. und A. gepackt waren. Doch weiß ich mich über diesen Verlust wohl zu trösten, und mit Hiob mag ich gerne ausrufen: „Ilominus cloclit, Ilcnniiius »l>5l,ulit, sit. nomen Üomini beneclietnm!" Es ging hier das Gerücht, als ob unser Schiff in Ncu- Schottland Mi's Land gezogen worden sey. Aus einem Briefe des hochwürdigsten Bischofs von Halifar, an den ich in dieser Sache geschrieben, ersehe ich aber, daß dem nicht so ist. Bei meiner Ankunft in Ncw-Aork, wo ich am 6. December anlangte und am 8. das erste Hochamt zu Ehren der unbefleckten Gottesmutter hielt, erfuhr ich, daß mein Bischof, der hochwürdigste Erzbischof von Cincinnati, auf dem Wege nach Rom und bereits von seiner Heimat abgereist sey. Erzbischof.HugheS von New - Uork ist ebenfalls dahin abgereist, um von Sr. Heiligkeit daS crzbischöfliche Pallium zu erhalten. In Cincinnati, wo man vou unserm Unglücke bereits gehört hatte, und eine Zeit lang nicht wußte, ob ich unter den Geretteten oder Untergegangenen wäre, wurde ich bei meinem Eintreffen mit vieler Theilnahme empfangen. Einen besondern Empfang hatten die Kinder unter Leitung ihrer Lehrer und Lehrerinnen ihrem Seelsorger bereitet. Dieses uud der Gedanke, daß es Gottes Wille ist, daß ich noch einmal hier mit meinen schwachen Kräften wirken soll, machte die ausgestandenen Beschwerden und Schrecken mich bald wieder vergessen....." _ G «8 Aus dem Leben des ersten deutschen Redemptoristen. (Fortsetzung.) Die apostolischen Arbeiten des Pater Hoffbauer und seiner Mitbrtider in Polen waren zu bedeutend, deren Erfolge zu gesegnet, als daß sie, namentlich in einer an solchen Erscheinungen so armen Zeit, lange hätten verborgen bleiben können. Der Ruf davon drang bald über die Gränzen des polnischen Reiches nach Deutschland hinüber und erweckte an manchen Orten die Sehnsucht, die Priester der Versammlung des allcrheiligsten Erlösers von Warschau herüber verpflanzen zu können. Von verschiedenen Seiten laugten deßfallsige Einladungen bei Hoffbauer ein; so von dem damaligen apostolischen NuutiuS in der Schweiz, welcher ein Kollegium in Constanz gegründet zu sehen wünschte; so ferner von dem Propst des Capitels zu Lindau, der sogar ein HauS sür die Congregation anbot. Gleich diesen verlangte auch der Bischof von St. Polten die Ncdemptoristen in seine Diöcese zu ziehen. Er wurde hierbei zunächst von der Absicht geleitet, durch dieselben seinem KieruS jährlich Erercitien abhalten zu lassen; zugleich wollte er, als Bischof des kaiserlichen Heereö, sie mit der Einrichtung und Leitung einer BilduugSanstalt für Feldcapläne betrauen. Alle diese Wünsche und Pläne konnten indessen bei der Ungunst der Zeiten nicht realisirt werden. Im Jahre 1801 oder 1802 wurde P. Hoffbauer wiederholt, und zwar durch einen besondern Abgeordneten, der ihn in Warschau anssnchte, um Absenkung einiger Priester der Versammlung in die Schweiz gebeten. Von wem dießmal die Einladung ausging, darüber haben wir nähere Nachrichten nicht zur Hand; auch die Eingangs erwähnte LebenSskizze bietet hierüber nichts. Hoffbauer begab sich nunmehr wirklich mit einigen Gliedern der Congregation nach Deutschland und es gelang ihm, an der Gränze der Schweiz, auf dem Gebiete vcS Fürsten Joh. Nepomuk Schwarzeuberg, der sich den Ankömmlingen sehr gewogen zeigte, eine Niederlassung zu gründen.*) Ein altcS Schloß auf einem Berge, der Thabor genannt, bei dem Dorfe Jcstettcu wurde den Cougrcgirten zur Wohnung angewiesen. Unter ähnlichen Entbehrungen, wie ehemals in Warschau, begannen die Mitglieder dieses neuen HauseS ihre Arbeiten. Ihr außerordentlicher Eifer in Predigt des Wortes Gottes und in der Verwaltung des heil. Bußsacramentes gewann ihnen in kurzer Zeit auch hier Liebe und Verehrung des Volkes und überdies) fand auch hier ihre Gemeinde selbst sehr bald einen Zuwachs an Mitgliedern. Hoffbauer, der unterdessen eine Reise nach Rom gemacht hatte, suchte im Herbste 1804 dk Seinigeu auf dem Thabor heim. Während seines Aufenthaltes in ihrer Mitte kamen Abgeordnete von Tryberg im Schwarzwalde in der damaligen Diöcese Constanz und baten den Seligen, einige Priester dorthin zu senden, wo eine besuchte Wallfahrtskirche der heil. Muttcrgottes bestand und sür die geistigen Bedürfnisse der Wallfahrer nicht ausreichend Fürsorge getroffen war. Hoffbauer, auf diese Bitte eingehend, führte selbst einige seiner geistlichen Söhne nach Tryberg. Von den Bewohner» auf das Freundlichste aufgenommen und mit allem Nöthigen versehen, fanden die PatreS hier ein weites Feld der Thätigkeit und arbeiteten freudig im heil. Wettstreite mit ihren Brüdern auf dem Thabor. So viel Gutes konnte der Mcnschenmörder von Anbeginn nicht ungehindert so, tg/cschehen lassen; wie wir heute so oft zu sehen Gelegenheit haben, eben so bot er auch damals alsbald seinen Landsturm auf gegen die Priester des allcrheiligsten Erlösers. Während daS Voll ihnen anhing, wurde ihnen von anderer Seite Haß und Verfolgung in reichlichem Maaße zu Theil, so daß sich P. Hoffbauer endlich genöthigt sah, die beiden Häuser auf dem Thabor und zu Tryberg wieder zu verlassen. Er wandte sich, durch diese Erfahrung keineswegs entmuthigt, nach Babenhauscn, *) Pater Hossbauer war bereits t?9L zum Generalvicar der Congregation diesseits der Alpen ernannt worden, und hatte als solcher freie Hand, Alles, was ihm im Interesse der Sache zu thun gut erschien, oh« wcitisrS auszuführen. G. «v welche» damalö dem Fürsten Fugger gchöte. Dieser gewährte dem Diener Gottes eine liebevolle Ausnahme und nachdem Hoffbauer von dem Bischose von Augsburg, Clemens Wenzcslauö, die nöthige Erlanbniß eingeholt, berief er seine vertriebenen Söhne hier zusammen. Sie begannen wiederum ihr heiliges Tagewerk zum Wohle der Seelen und zwar mit so großem Erfolge, daß der fromme Fürst Fugger bereits eigenhändig den Plan zum Bau eineS CollegiumS entwarf. Der Krieg hinderte die Ausführung; und mehr noch: bald mußten die guten Patreö Babenhausen ganz verlassen. Die Anfeindung und Verfolgung, jeneö Erbe, das der Heiland seinen treuc- stcn Dienern zurückgelassen hat, folgten ihnen, wohin sie sich wenden mochten; und die beständigen Kriegsunruhen jener traurigen Zeit waren ganz geeignet, die Feinde alles Guten den freiesten Spielraum finden zu lassen. Hoffbauer war während dieser Zeit nach Warschau gereist, um daö dortige HauS wieder einmal zu besuchen und die Seinigen wieder einmal zu stärken. Von der Vertreibung der Patres aus Babenhausen in Kenntniß gesetzt, gab er ihnen die Weisung sich nach der Schweiz zu ziehen. Wirklich fanden sie in Chur gastliche Aufnahme; es wnrde ihnen das ehemalige Prämonstratenser-Kloster zum heil. Lucius übergeben. Aber auch diese Ruhestätte fanden die Verfolgten nur, um sie in kürzester Frist wieder zu verlieren. Jetzt eilte Hoffbaucr, als ein für seine geistlichen Kinder besorgter Vater, selbst von Warschau herbei und es gelang ihm, jenen noch einmal einen Zufluchtsort auSzumitteln, zu Vispach im Canton WalliS. Hieraus kehrte der Selige nach Warschau zurück. Eö harreten seiner schwere Prüfungen, die schwersten wohl in seinem Leben. Die furchtbare Strafruthe Gotteö, unter deren wohlverdienten Streichen damalö fast ganz Europa blutete, traf auch das polnische Königreich; am 30. November 1306 rückten die Truppen jenes Fürsten, welchem Gott die Geissel über die Völker in die Hände gegeben, unter Murat und Davvust in der Hauptstadt Polens ein, die seitherige Regierung wurde aufgelöst und eine neue durch Napoleon im Jahr 1307 angeordnet; diese trat von vornherein feindlich gegen unsere PatreS auf und beschloß demnächst die Auflösung des dortigen Hauses. Um die despotische Willkür nicht in ihrer ganzen Nackiheit anS Tageslicht treten zu lassen, wurde eine lange Untersuchung gegen Jene eingeleitet, die zwar keine Schuld an ihnen finden ließ, deren Resultat gleichwohl daö pharisäische: Kou8 est mortis war. Während dieser Tribulationen verlor Hoffbaucr seinen treuen Freund und Mitarbeiter P. Hibel, der seit den öfteren Entfernungen des Erster» Rector des Warschauer CollegiumS gewesen. Er starb am 4. Juli 1807. DaS war die erste herbe Heimsuchung für Hoffbauer; sogleich sollte ciue noch schwerere folgen. Wenige Tage nach dem Tode deö P. Hibel, am 15. Juli, wo die Kirche daS lostum 6ivisi(iiii8 ^Vpostolorum feierte, erschien eine NegieruugS- Commission zu St. Benno, nahm die sämmtlichen Papiere, die sich vorfanden, in Beschlag, versiegelte die Schränke und Kisten, und unmittelbar darauf wurde den Patres der Beschluß der Regierung bekannt gemacht, daß die Kongregation aufgelöst sey. Soldaten umzingelten sofort das Haus; mehrere Leiterwagen sichren vor; diese mußten die PatreS besteigen und wurden unter Militärbedeckung nach der Festung Küstrin abgeführt. Wir können hier einen Nebenumstand nicht unerwähnt lassen, der uns daS wunderbare Walten der göttlichen Vorsehung recht kla? erkennen läßt. Bei der Unter- suchuugöcommissivn gegen Hoffbaucr und seine Jünger befand sich auch der berühmte ZachariaS Werner, der kurze Zeit nachher katholisch ward und später in Wien zu den trcuesten Freunden und begeistertsten Verehrern unseres Seligen gehörte. Mit der Ruhe und gottergebenen Sanftmuth eines vollendeten Gottcsmanncs verließ Hoffbauer Warschau. „Gott will uns hicr nicht mehr haben!" daS war der Trost, den er für sich und seine Leidensgefährten hatte. Doch der härteste Schlag stand ihm noch bevor. Nach eimnonallicher sehr strenger Haft in der Festung wurden nämlich die Mitglieder der Congregation je zwei und zwei entlassen und in ihr Vaterland zurückgeschickt. So sah denn Hoffbauer seine Söhne nach allen Seiten hin auö- t ' . G 70 einandergehen; eine zerstreute Hcerde ohne Hirten. Dieß brach sein Herz, wie er später erzählte. Zuletzt kam die Reihe an ihn, und da er ein Oesterreicher war, mußte er mit dem Kleriker Martin Stark dorthin sich wenden. Die Mächte der Finsterniß hatten so einen Sieg erfochten; cS war ihnen gelungen, ein Institut zu vernichten, durch welches seit mehr denn zwanzig Jahren Tau- seude von Seelen den Frieden mit Gott wieder gefunden, — eine Quelle zu verschütten, aus welcher die reichsten Ströme der Gnade und des Segens in weite Kreise sich ergossen. Wir fügen über die Periode im Leben dcS Seligen, die wir hiemit beschließen, hier nur das noch hinzu, was der österreichische Beobachter bei der Ankündigung dcS TodeS desselben darüber bemerkte (Jahrg. 1820 S. 377.): „Was unter den ungünstigsten Verhältnissen und in den schwierigsten Zeitumständen ein einziger treuer Diener Gottes, wie dieser, vermag, daö würden die Mauern von St. Benno bekräftigen, wenn nicht Tausende von lebendigen Zeugen vorhanden wären, die er gespciset, bekleidet, zu Gott und zu einem christlichen Lebenswandel zurückgeführt hat.« P. Hoffbauer wanderte nach seiner Freilassung nach Wien. Der Herr, der ihn heimgesucht, wollte ihm hier wieder einige Tröstung bereiten. Von dem frommen Erzbischof Sigismund, Grafen von Hohenwart wurde er mit väterlicher Liebe aufgenommen, und erhielt durch Vermittlung eines Baron Penkler, der ihm von nun an ein thätiger Gönner und Freund blieb, eine kleine Wohnung in dem Gebäude der italienischen Nationalkirche. Hier fand er die Einsamkeit wieder, die er in der Jugend so lieb gewonnen. Das Gebet und die Betrachtung, welchen er sich in ungestörter Ruhe hingeben konnte, gewährten ihm Trost und innere Stärkung. Fast zur selben Zeit war auch das kaum gegründete Haus zu Vispach bei dem Einrücken der Franzosen in WalliS aufgelöst worden, und die Bewohner desselben mußten gleich ihren Brüdern in Polen sich zerstreuen. So schien denn AlleS, was unser Hoffbauer in 22 Jahren der mühevollsten Thätigkeit aufgebaut, mit eiuemmalc wieder vernichtet; die Congregation, die er unter so vielen Kämpfen dießseits der Alpen angepflanzt, hatte als solche zu seyn aufgehört. Aber auch diese härteste Prüfung bestand er glänzend; seine hohen Tugenden ließen ihn jetzt im Leiden eben so bewunderungswürdig erscheinen, als.seither in seinem erfolgreichen Wirken. Doch betrachten wir nun sein Leben in Wien, daS letzte Stadium seiner irdischen Laufbahn. Der Wunsch, den er beim Eintritts in die Congregation gehegt, in Wien derselben Eingang zu verschaffen, erwachte jetzt bei seinem Aufenthalte daselbst mit neuer Lebendigkeit. Die Möglichkeit der Ausführung lag freilich unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen noch in weiter Ferne; Hoffbauer mußte sich vorläufig darauf beschränken, die Sache der allerseligsten Jungfrau Maria, zu deren berühmtem Gnadenbildc in der Kirche Maria Hilf er häufig seine Zuflucht nahm, in die Hände zu legen. Hoffbauers heißes Verlangen, für das Heil der Seelen thätig seyn zu können, fand allmälig auch wieder Befriedigung; schon im Jahre 18!u-L !i>> . >> .">!>-!)j:z »Hz j^." -.>l «(-ni-^npli-vA ZZ'j ÄAZtlgtiM sij L.Ünchn ') So bei Pösl S. S4, 71 Personen niederen Standes, auch solche auS den höchsten Ständen, auch Gelehrte (z. B. Friedrich von Schlegel) waren seine fleißigen Zuhörer. Seine Worte entquollen einem Herzen, das von Liebe zn Gott und den Menschen, von der Sehnsucht, recht viele Seelen für den Himmel zu gewinnen, erglüht war, und dadurch lag eine Fülle göttlicher Kraft in ihnen, welche in der That wunderbar ist. Eine kurze, ganz einfache Ermahnung ans seinem Muude hatte oft eine erstaunliche Wirkung. ZachariaS Werner erzählt ein merkwürdiges Beispiel hiervon. „Ich begegnete einst," so berichtet er, „einem Trupp junger Leute, die eben auS seiner Wohnung herausgingen und in deren Worten und Mienen sich noch eine heilige Begeisterung auösprach. Da ich glaubte, P. Hoffbauer müsse ihnen einen ganz außerordentlichen Vortrag gehalten haben, erkundigte ich mich sehr begierig um den Gegenstand seiner Rede, und waS sie denn so sehr ergriffen und bewegt habe, und man antwortete mir: Er hat uns gesagt, Seyd brav! — O Weihe der Kraft!" *) Wie dem Predigtamte, so lag Hoffbauer nunmehr auch wieder der Verwaltung des BußgerichtS mit größter Aufopferung ob, und wie eS sich nach dem Gesagten erwarten läßt, hatte er in kürzester Zeit einen überaus großen Kreis von Beichtkindern. Schon um vier Uhr in der Frühe eilte er gewöhnlich in die Kirche der Mechi- taristen, um dort zur Beicht zu sitzen, und um sechs Uhr begab er sich dann nach St. Ursula, wo wieder zahreiche Pönitenten seiner harrten. Die Anzahl der Commu- nicanten in dieser Kirche mehrte sich mit jedem Jahre und alte Leute pflegten oft zu änßcrn, P. Clemens bringe die gute Zeit der frommen Maria Theresia wieder zurück. Auch in andern Beziehungen, war P. Hoffbauer thätig. So gründete er im Vereine mit mehreren der angesehensten Männer ein Erziehungshauö für Jünglinge, in welchem sehr viele Söhne der ersten Familien eine treffliche Bildung erhielten, bis zn dem Zeitpuncte, wo die Jesuiten wieder Eingang in den Kaiserstaat fanden. (Schluß folgt.) . Berichte über Missionen. G e i s e n h e i m. Aus dem Rheing au, 16. Febr. Gestern ist die erste Mission im Rhein gau, zu Geisen heim, durch den -hochwürdigsten Bischof von Limburg feierlich eröffnet worden und wird dieselbe, von vier PatreS Nedemptoristen geleitet, durch zehn Tage hindurch währen. Wenn wir uns erinnerten an alles DaS, waö wir in jüngster Zeit über den Verfall des Glaubens und der Sittlichkeit im Rheingau gelesen und gehört hatten, so konnten wir uns in der That der Bcsorgniß nicht ganz entschlagen, es möchten die Missionspriester und ihr heiliges Werk in dieser Gegend nicht die freundlichste Aufnahme finden. Der gestrige Tag hat uns eines Andern belehrt, hat uns die Ueberzeugung gebracht, daß die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des alten katholischen Rheingaueö dem Glauben der heiligen Kirche, dem Glauben, welchen ihre Vorfahren in allen Wechselfällen, in allen Stürmen der Zeiten als ihr theuerstes Kleinod zu schütz-n und zu bewahren gewußt, noch treu uud warm ergeben ist, und daß, wenn auch immerhiu manche, und vielleicht große sittliche Gebrechen hier, wie in andern Gegenden, im Gesolge namentlich der traurigen Erruu- genschaften des Jahreö 1848 zu Tage getreten sind, dennoch daS katholische Rheingau weit besser ist, als sein Ruf, daß nur ein kleines Häuflein glaubensloser und sittlich verkommener Schreier il»n seinen alten, wohlbegründeten Ruhm wahrer Glaubenstreue und lebendiger Religiosität geraubt hat. Schon bei ihrem Eintreffen dahicr in Geisenhcim wurden die vier Missiouärc mit Böllerschüssen und unter großem Jubel am Rheine empfangen und in die Kirche geleitet, und zu der gestrigen Eröffnungsfeier der Mission kamen die Gläubigen der Umgegend in großen Processionen schon in der Frühe in solcher Zahl herangezogen, daß die herrliche, geräumige Kirche ') So mitgetheilt bei Pööl S. 03. 72 in allen Theilen überfüllt war. Man schätzt die Anwesende» auf 7000—8000. Eine aus dem innersten Herzen hervorströmende, ergreifende Rede des Herrn Bischofs, in welcher er, ausgehend von den Worten des Heilandes: „Kommet zu mir Alle' die Gläubigen einlud, dem Rufe Gottes in der MisfionSzcit das Ohr zu öffnen und Folge zn leisten, bezeichnete den Ansang der Mission. Unmittelbar daran reihte sich die Einleitungsrede des Superiorö der Missionäre und am Nachmittag und Abend hörten wir die beiden ersten eigentlichen Missionsvorträge, die von den dichtgedrängten Schaaren mit der größten Ruhe und Aufmerksamkeit aufgeuommeu wurden und so weit wir bis jetzt in Erfahrung bringen konnten, bei Allen das höchste Interesse geweckt und Alle für die Mission begeistert haben. Der Herr, der alles Guten, Geber ist, segne das heilige Werk dahier, wie an andern Orten, damit der Glaube, der aller Wühlereien ungeachtet noch so tief im Herzen der katholischen Rheingauer wurzelt, wieder recht lebendig aufblühe und das Rheingau wiederum vor Gott und den Menschen Das werde, was es bis auf die letzten Jahrzehnte herab war, eine starke Feste deS katholischen Glaubens und der wahrhaft christlichen Zucht und heiligen Sitte, eine Perle in der Mitra seines geistlichen Oberhirten wie in der Krone seines Fürsten I (Rhein. Bl.) Weingarten. RavenSburg, 24. Febr. Gestern Nachmittag, Sonntag den 33., ging die Missionsfeier in Weingarten zu Ende, und war während ihrer ganzen vierzehntägigen Dauer von dem herrlichsten Wetter begünstigt, was wohl auch sehr viel zu dem außerordentlich zahlreichen Besuche derselben, sogar von weiter Ferne her, beigetragen haben mag. Die weiten Räume der herrlichen Kirche waren Tag für Tag mit wenigstens 6 bis 7000 Menschen angefüllt, und frommer Sinn, religiöse Stimmung und Andacht gab sich durchgängig bei diesen feierlichen Versammlungen kund. Auch die tägliche Theilnahme vieler Protestanten läßt vermuthen, daß sie viel Anziehendes und Ansprechendes in den verschiedenen Missionspredigten gefunden haben mögen. Die gehaltreiche, von Herrn Roder gehaltene Schlußrede wurde wegen der allzugroßen Menge der Znhörer in dem sehr geräumigen Klosterhofe gehalten, uud es hatten sich dabei wohl 13—14,000 Menschen eingcfunden, bei welcher Gelegenheit zum Andenken an diese Mission das MisstonSkreuz unter allgemeiner Rührung feierlichst eingeweiht wurde. Da eiucr der Herren Missionäre wegen fortdauernder Kränklichkeit nicht predigen konnte, und die Herren Roder und Schlosser daher die ganze Mission zu besorgen hatten, so muß man gestehen, daß ihre Anstrengung groß gewesen seyn muß, da täglich drei Predigten gehalten wurden, deren jede etwa l'/a Stunden dauerte, worauf sie sich erst noch mit Beichthören beschäftigten, worin sie jedoch von den vielen Geistlichen der Umgegend, deren öfters 40 bis 50 gegenwärtig waren, bedeutend unterstützt wurden. Letzten Dienstag kam der hochw. Bischos von St. Gallen in Weingarten an, und am Samstag Abends auch der hochw. Bischof von Rottenburg, um dem Schlüsse der Mission beizuwohnen. Die Anwesenheit und Theilnahme zweier Bischöfe an dieser Mission trug nicht wenig zur Erhebung und Erbauung der Gemüther bei. In Weingarten, wie früher anderwärts, hielten die Predigten sich rein auf religiösem Gebiete, und waren für Niemand verletzend, welcher Religion er auch angehören mochte. Am ansprechendsten waren die allgemeiner gehaltenen Reden, worin die vorherrschenden Fehler unserer Zeit grell beleuchtet und unnachstchtlich getadelt wurden. Ohne Zweifel werden die in diesen Predigten mit einem Eifer, der wirklich von innerer Mission zeugte, vorgetragenen Wahrheiten einen lange dauernden Eindruck in den Herzen der vielen Tausende von Gläubigen zurückgelassen haben, und Herr Roder bekannte, gerührt von dem so unverdrossen ausdauernden Eifer seiner zahlreichen Zuhörer, in seiner Schlußrede, daß ihm noch nie eine solche Menge andächtiger Hörer des göttlichen Worts auf seinen MissionSreisen vorgekommen sey, wie in Weingarten, im katholischen Oberlande. (Schwäb. M.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Vcrlags-Jnhabkr: F. C, Kvemcr. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PsjMtung. 9. März M- KO. 2851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis M kr., wofür es durch alle königl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Aus dem Leben des ersten deutschen Redemptoristen. (Schluß.) Neben diesen beiden Kreisen der gesegnetsten Thätigkeit bildete sich Hoffbauer noch einen dritten besonderen, wir möchten sagen, einen Familienkreis. Gott hatte ihm die Gabe, junge Leute an sich zu ziehen und deren Vertrauen zu gewinnen, in hohem Grade verliehen; und so sammelten sich nach und nach sehr viele Jünglinge und Männer um ihn, die ihm mit der kindlichsten Liebe und Verehrung anhingen. Namentlich in den Abendstunden sah man sie in die kleine Wohnung des Seligen strömen, Studirende aller Fächer, Künstler, Soldaten, Handwerker und Beamte, und es war rührend zu beobachten, mit welch' selbstvergessener Hingebung und Freundlichkeit er sie alle ausnahm, wie er sie zur Liebe des Herrn, zur Verehrung Mariä, zur Uebung einer wahrhaft praktischen Frömmigkeit anleitete. Zacharias Werner, damals schon Priester, war einer der Vorzüglichsten in diesem Kreise; seine Verehrung für Hoffbauer ging so weit, daß er keinen Anstand nahm, öffentlich auf der Kanzel bei Gelegenheit zu erklären: Jener sey ein Mann, dessen Schuhriemen aufzulösen er nicht würdig sey. Es scheint, daß sich in dieser Zeit auch einige der zersprengten Glieder der Kongregation in Wien wieder sammelten; das Schriftchen von Pösl läßt unS hierüber im Dunkeln, berichtet aber, daß P. Hoffbauer im Jahre 1815 vier Individuen aus der Versammlung auf die Bitten deS Bischof Erkolani von Nicopolis in die Bulgarei gesandt habe, die jedoch nach einigen Jahren wieder zurückberufen werden mußten. Das Jahr 1818 brachte dem Diener Gottes eine überaus große Tröstung, es war die Wiedereröffnung eines CollegiumS in der Schweiz. Die Priester der Versammlung, die seither auf verschiedenen Seelsorgposten zerstreut gewirkt, erhielten von dem Staatsrathe zu Freiburg die Aufnahme in den Kanton und ein verlassenes Klostergebäude zur Wohnung. Später siedelten sie in das alte Seminar in der Stadt Freiburg über und bald mehrte sich hier wieder die Gemeinde. Dieser Freude folgte sofort eine neue Prüfung für Hoffbauer; der Herr wollte ihn immer mehr noch läutern und zeitigen für den Heimgang in die Ewigkeit und zugleich aus dorniger Hülle endlich die Frucht hervorblühen lassen, welcher der Selige ohne Unterlaß entgegensehnte. Der Zusammenfluß so vieler Personen bei Hoffbauer hatte die Aufmerksamkeit der Polizei erregt; plötzlich erfuhr man, daß er Mitglied einer auswärtigen geistlichen Corporation sey. Da erschien denn ganz unerwartet eine Commission in seiner Wohnung; seine Schubladen und Schränke wurden durchsucht, seine Briefe und Papiere in Beschlag genommen und er selbst einem dreistündigen Verhöre unterworfen. Man stellte ihm schließlich die Alternative, entweder seinem Orden zu entsagen, oder 74 Oesterreich zu verlassen. Hoffbauer wählte unbedingt das Letztere und mußte darüber sogleich einen schriftlichen Revers unterzeichnen. Nach Beendigung dieser Procedur fragte Hoffbauer die beiden Commissäre, ob noch etwas Weiteres zu thun sey. Auf die verneinende Antwort sagte er mit erschütterndem Ernste: EineS ist noch übrig! — Was denn? fragte Einer von Jenen. — Hoffbauer wies mit dem Finger gen Himmel mit den Worten: Das jüngste Gericht! Wir erlauben uns hier kein Urtheil über die persönliche Stimmung der beiden Eommissäre, deren Namen unser Auctor wohl aus Schonung verschwiegen hat; auffaltend bleibt es übrigens jedenfalls, daß beide kurze Zeit nach dem erwähnten Vorgange am Schlage starben. Das Resultat der Untersuchung war, daß unserm Vater Clemens alsbald ein Negierungsbeschluß zukam, worin ihm auferlegt wurde, er solle die Verbindung mit seiner Cougregation feierlich aufgeben, oder binnen einer gesetzten Frist die Kaiserstaaten verlassen. So der Beschluß der Regierung; — anders aber war eS im Rathe der Vorsehung beschlossen. Baron Penkler bewies sich auch in diesem Momente als treuen Freund Hoffbauers z er eilte ungesäumt zum Erzbischofe uud berichtete ihm das Geschehene. Dieser, der den Seligen aufrichtig liebte unv seine hohen Tugenden zu schätzen wußie, begab sich hierauf zum Kaiser, welcher gerade im Begriffe war, eine Reise nach Italien anzutreten. Mit aller Wärme sprach der würdige Fürsterzbischof hier für Hoffbauer und bat, demselben wenigstens bis zur Rückkehr des Kaisers den Aufenthalt in Wien zu gestatten. „Wenn jener weggeht," äußerte sich der Prälat, „so verliere ich meinen besten Priester!" — DaS nächste Resultat dieser gewichtvollen Verwendung war, daß Hoffbauer vorläufig bleiben durfte. Nach der Rückkehr des Kaisers nahm der Fürstbischof die Sache wieder auf; er fand den Kaiser in sehr guter Stimmung für unsern P. Clemens, da der heilige Vater ihn zu Rom gelegentlich darauf aufmerksam gemacht, welchen apostolischen Mann er an jenem in seiner Hauptstadt besitze; und so war nicht nur das Bleiben desselben alsbald gesichert, sondern überdieß äußerte Kaiser Franz in seiner bekannten Herzensgüte seinen Schmerz über die kränkende Behandlung, die Hossbauer erlitten und den Wunsch, ihm eine Gnade zu erweisen. In dieser wohlwollenden Stimmung des Kaisers glaubte Hoffbauer einen Wink Gottes erkennen zu sollen. Der Augenblick schien ihm gekommen, um seinen innigsten Wunsch, die Einführung der Congregation in Wien, zu realisiren. Nach reiflicher Erwägung und nach mehrfacher Rücksprache mit hochgestellten und einflußreichen Männern, unter welchen wir den damaligen Burgpfarrer Jakob Friut, später Bischof von St. Polten, und den kaiserlichen Hofcaplan Darnaut namhaft machen, reichte Hoffbauer am 29. October 1819 ein Promemoria in diesem Betreff bei dem Kaiser ein, und fügte zugleich eine deutsche Uebersetzung der Regeln der Congregation bei. Der Kaiser nahm dieses huldvoll entgegen und gab seine vorläufige Einwilligung zur Gründung eines Kollegiums der Redemptoristen in Wien, Er beauftragte demgemäß den genannten Darnaut, einen deßfallsigen Entwurf zu machen. Diesen gab er nachher dem Herrn Frinl zur weitern Ausarbeitung mit dem Befehle, ihn nach Vollendung dem Fürsterzbifchofe zur Begutachtung und demnächstigcn Vorlage an ihn (den Kaiser) zu übermitteln. So stand denn unser trefflicher Vater Clemens wider alles menschliche Erwarten mit einemmale dem Ziele nahe, daS er sich bei dem Eintritt in den Priesterstand mit besonderer Vorliebe gesteckt, — noch näher aber stand er einem andern Ziele, dem seiner irdischen Laufbahn; die Zeit war gekommen, wo der treue Diener eingehen sollte in die Freude seines Herrn. Nachdem er gleich Moses von der Bergeshöhe mit inniger Freude hinüber geschaut in das gelobte Land seiner sehnlichsten Wünsche, ') Vergl. Pvöl S. 73. 75 wurde er hinweggenommen; betreten sollte er selbst das Land nicht; die wirkliche Einführung der Versammlung des allerheiligsten Erlösers in Wien sollte er hienicden nicht mehr sehen. Er selbst schien jetzt seinen Tod zu wünschen, denn er äußerte gerade in dieser Zeit, wo sich die Verhältnisse so günstig sür ihn gestalteten, einem seiner Zöglinge: Bisher habe ich nichts als Widerspruch, Verachtung und Verfolgung erfahren; jetzt wartet eine große Ehre auf mich. Nun möchte ich sterben, bevor dieselbe mir zu Theil wird." Gegen Ende Februar 1820 erkrankte P. Stark, der nebst einem andern Priester, P. Barjalich, bei Hoffbauer sich befand. In Folge dessen hatte dieser weit größere Anstrengungen im Beichtstühle und in der Versehung des Gottesdienstes, als er eS in der letzlern Zeit gewöhnt war. Dieß, vereint mit der ängstlichen Sorge um den Kranken, zog ihm selbst ein Leiden zu. Er achtete wenig darauf, pflegte fort seinen geistlichen Sohn und unterließ nichts von seinen gewöhnlichen Arbeiten. Einige Tage schien eS wirklich, als ob seine kräftige Natur auch in so hohen Jahren noch Herr über die Krankheit werden würde. Plötzlich aber trat wieder Fieberfrost bei ihm ein; dennoch predigte er noch am 5. März (zum letzten Male!) und hielt am darauf folgenden Tage, ungeachtet deS immer heftiger werdenden Fiebers, ein Seelenamt für eine verstorbene Wohlthäterin der Congregation. Nach Hause zurückgekehrt, .mußte er sich sogleich zu Bette begeben; unter großen Leiden brachte er einige Tage zu, durch seine kindliche Hingebung nnd Geduld Alle erbauend; doch liebevoll kürzte der Herr seine Schmerzen ab; er hatte im Leben schon genug geduldet. Am 15. März 1820 gegen die Mittagsstunde entschlief er in sanfter Ruhe, freudig seinen Herrn und Erlöser erwartend. Er war 63 Jahre und wenige Monate alt. Sein Leichenbegängniß war ein Triumphzug der Liebe; Arme und Reiche, Vornehme und Niedrige, Geistliche unv Laien drängten sich herzu, ihrem Wohlthäter, ihrem Vater und Führer aus dem Wege des Heils, ihrem Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Die Leiche ward nach Maria-Enzersdorf, zwei Stunden von Wien, gebracht und daselbst beigesetzt. Ein Krenz nnd Stein mit der Inschrift: Hio jaeot k. I>. möns Uaris llotldausr, LonZreZationig 8. 8. Rvclempwri8 Vioanus (Fsneralis. Odüt clie Mrtü 1320 bezeichnet die Ruhestätte deS Verblichenen. Hoffbauer hatte, um hier die Worte deS PsalmensängcrS anzuwenden, sein ganzes Leben hindurch ausgesäet in Thränen; hienieden sollte er die Früchte seiner Aussaat nicht einärndten, nicht die vollen Garben freudig mit den Augen deö Leibes erblicken: jenseits aber, wo keine Trauer und kein Schmerz mehr ist, wird es ihm sicherlich vergönnt seyn, die Früchte seines Schweißes und seiner Thränen und Mühen in Deutschland reifen zu sehen; und jeder neue Erfolg des Wirkens seiner geistlichen Nachkommenschaft in nnsern Gauen, jeder Sieg der Gnade, durch ihre Missionöthätig- keit errungen, — wird neue volle Garben ihm in die Arme legen, die er vor dem Throne Dessen aufopfern kann, der ihn einst ausgesandt, daß er hingehe und Frucht bringe. Am 15. März 1820 war er gestorben und schon der 30. April desselben Jahreö brachte eine kaiserliche Anordnung, wonach die Errichtung eines Nedemptoristcncolle- giums in Wien alsbald in Ausführung gebracht werden sollte. „P. Hoffbaner kann beten!" rief der fromme Fürsterzbischof von Wien freudig aus bei dieser Nachricht. Neben dem Hanse in Wien, welches nunmehr rasch ins Leben trat, wurden bald noch mehrere in Oesterreich und späterhin das zu Altötting in Bayern gegründet. — Die Stürme der letzlvergangencn Jahre haben zwar Manches wieder zerstört, waö angepflanzt, Vieles niedergerissen, was zum Heile der Seelen aufgebaut war; aber der unsichtbare Wächter der heiligen Kirche hat diese Stürme gleichwohl so gelenkt, daß sie, während sie die Feuerstätten apostolischer Thätigkeit und Liebe in Einem Lande auslöschen wollten, nur die Funken von denselben hinüberbrausen konnten in 76 andere Länder, die der Erwärmung bedürsttg, damit sie zündeten und allmälig auch hier dasselbe göttliche Feuer eine oder die andere Stätte finden möchte, wo es auflodere zur Belebung des Glaubens, zur Entflammung der heiligen Liebe in den Herzen der Völker. __ Blumen ans dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 204. Verbindlichkeit gegen Gott. Willst du wissen, zu was und wem du verbunden seyest? Erstens verdankst du Jesu Christi dein ganzes Leben, weil Er sein Leben für daS deine einsetzte und bittere Peinen ertrug, damit du die ewigen nicht ertragen dürfest. Würden auf mich übertragen das Leben aller Kinder Avams und alle Tage der Zeit und alle Arbeiten der Menschen, die waren, sind und seyn werden: so wäre dieß nichts im Vergleiche mit jenem Leibe, der sichtbar und wunderbar ist durch himmlische Macht in seiner Em- pfängniß von der Jungfrau in Gegenwart des heiligen Geistes, durch die Unschuld seines Lebens, durch die Ausflüsse seiner Lehre, durch den Glanz seiner Wunder und durch die Offenbarungen seiner Geheimnisse. Wie also der Himmel über die Erde erhaben ist, so jenes Leben über das unsere, welches Er jedoch für das unsere eingesetzt hat. Wie das NichlS zu Etwaö keinen Vergleich gestaltet, so steht auch unser Leben in keinem Verhältniß zu seinem Leben, da nichts vortrefflicher ist, als daS seine, und nichts elender, als das unsere. Wenn ich Ihm also gebe, was ich kann, ist es nicht wie ein Stern gegen die Sonne, wie ein Tropfen gegen einen Fluß, wie ein Stein gegen einen Berg, wie ein Körnlein gegen einen Haufen? Aber bin ich denn allein ein Schuldner, dem ich kaum etwas vergelten kann? Meine vergangenen Sünden fordern von mir mein zukünftiges Leben, damit ich würdige Früchte der Buße bringe, und überdenke alle meine Jahre in der Bitterkeit meiner Seele. Und wer ist dazu tüchtig? Ich habe gesündiget über die Zahl des Sandes am Meere, meine Sünden haben sich vervielfältiget, und ich bin nicht werlh, die Höhe deö Himmels anzuschauen, wegen der Menge meiner Missethaten: ich bin umgeben von Unglück, dessen keine Zahl ist. Was aber ohne Zahl ist, wie werde ich dieses zählen können? Wie werde ich Genugthuung leisten, da auch der letzte Heller muß bezahlt werden? Aber die Sünden, wer merket sie! Und wenn er auch noch so sehr die Sünde bereut, und noch so sehr sich abtödtet und abmagert um deines Namens, nicht des Verdienstes der Buße willen, so spricht doch der Gerechte: „Sey gnädig meiner Sünde: denn ihrer ist viel." Wenn du also Alles, waS du weißt, was du hast, und was du kannst, auf diese einzige Sache verwendest, ist es etwaö oder ist es für etwas zu rechnen? WaS wirst du sagen, wenn ich dir den Dritten zeige, dem du Schuldner bist, der nicht weniger streng, aber in der That das Leben in Anspruch nimmt? Ich glaube, daß auch du ein Verlangen habest nach jener Herrlichkeit, die kein Auge uoch gesehen, kein Ohr noch gehört har, und in keines Menschen Herz noch gekommen ist, nach dem Reiche aller Zeiten, nach den ewigen Erbschaften. Ich glaube, du möchtest den Engeln GotteS gleich seyn, und ans den Straßen deS himmlischen Sion horchen auf die Gesänge der Engel, und sehen, was das sagen wolle: „Damit Gott Alles in Allem sey." Sollst dn nicht, um dieses zu kaufen, dich selbst ganz und Alles hergeben, waS immer und wo immer du es aufbringen kannst? Und wenn du auch Alles gethan hättest, so halte ich doch dafür, daß die Leiden dieser Zeit oder deö Leibes nicht zu vergleichen sind mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an unS offenbar werden wird. WaS wirst du endlich sagen, wenn ich dir den Vierten vorführe, dem du verbindlich bist, und der haben will, daß das Recht der Oberherrschast Ihm die obigen drei abtreten? Siehe wer steht vor der Thüre, der Himmel und Erde erschaffen hat. Er ist auch dein Schöpfer, und du bist sein Geschöpf. Du bist der Knecht, Er der 77 Herr: Er ist der Töpfer, du das Geschirr. Ganz bist du dem verpflichtet, von dem du das Ganze hast, jenem Herrn vorzugsweise, der dich gemacht und dir Wohlthaten erwiesen hat, der für dich lenkt den Lauf der Gestirne, den Wechsel der Luft, die Fruchtbarkeit der Erde u. s. w. 205. Verdacht. Was ist schändlicher für einen Vorgesetzten, als kleinliche Sorge zu tragen für das Tischgeräthe und für das geringe Vermögen, Alles zu erforschen, nach Allem zu fragen, vom Verdachte gepeiniget und durch jeden geringen Verlust und durch jede Vernachlässigung in Aufregung zu kommen? Zur Beschämung Einiger sage ich dieses, die täglich das ganze Vermögen durchgehen, Einzelnes zählen und über Kleinigkeiten und Heller Rechenschaft fordern. Nicht so machte es jener Egvptier, der den Joseph über Alles setzte und um nichts wußte, als um daS Brod, das er aß. Es schäme sich der Christ, der dem Christen nicht traut, da doch der Mann ohne Glauben seinem Diener traute und ihn setzte über Alles. Und dieser war ein Fremdling. Es ist wunderbar, daß es Menschen gibt, die für das Kleine große und für das Wichtigste geringe oder keine Sorge tragen. Ich bitte dich, der du Andere lehrst, belehre dich selbst, lerne dich selbst höher schätzen, als das deinige. Vergängliches, das um keinen Preis aufgehalten werden kann, lasse vorübergehen, aber nicht an dir. Der fließende Bach untersrißt das Ufer, so das Hin- und Herlaufen in zeitlichen Dingen das Gewissen. Wenn der Gießbach auf die Felder laufen kann ohne Beschädigung der Saaten, so glaube, daß auch du ohne Verletzung des Gewissens mit jenen umgehen könnest. Nur rathe ich dir, daß du dich bemühest, die Anhäufung derselben abzuweisen. Wisse Vieles nicht, vom Meisten lasse dir nichts merken, und vergiß Manches. 206. V e r d i e n st. Alles Gute oder Böse, was du gethan hast, und was nicht zu thun dir frei stand, wird mit Recht als Verdienst angerechnet. Und wie nicht nur Derjenige mit Recht gelobt wird, der Böses thun konnte, und es nicht that, sondern auch Derjenige, der Gutes nicht thun konnte, nnd es doch that, so hat auch Derjenige ein böses Verdienst, der Böses nicht thun konnte, und eS doch gethan hat, gleich Demjenigen, der Gutes hätte thun können, und es nicht that. Wo aber keine Freiheit, da ist auch kein Verdienst. Daher haben die unvernünftigen Geschöpfe keine Verdienste, weil ihnen wie die Ueberlegung so auch die Freiheit mangelt. Sie werden durch Sinnlichkeit getrieben, von der Gewalt beherrscht, von der Lust hingerissen: denn sie haben keine Urtheilskraft, mit der sie sich beurtheilen oder regieren könnten, ja nicht einmal daS Hilfsmittel des Urtheiles, das ist, die Vernunft. Daher kommt es, daß sie nicht gerichtet werden, weil sie nicht urtheilen können. Denn auf welche Weise könnte man von ihnen Rechenschaft fordern, da sie sich selbst nicht Rechenschaft geben können? Diese Gewalt leidet von der Natur der Mensch allein nicht, und daher ist auch er allein unter den Geschöpfen frei. (Wozu also das Geschrei so vieler Menschen in unsern Tagen nach Freiheit, die sie ohnehin schon haben? Ach, der Thicrmensch ruft auS dem Gefängnisse seiner Sinnlichkeit, in daS ihn der Mißbrauch der Freiheit gebracht hat, nach Erlösung, und will doch von einem Erlöser nichts wissen! Unserm Neu- Heidenthum ist der Erlöser kein Licht zur Erleuchtung der Heiden, sondern ein Zeichen des Widerspruches, keine Verherrlichung d es Volkes Israel, sondern ein schmählicher Fall. Man denke nur an das demokratische Leichenbegängnis des Jonas Dörr in Frankfurt, wobei ein Jude daS christliche Kreuz der Bahre voraus trug, und ein Deutschkatholik die Grabrede hielt, und es steht vor uns ein trauriges Bild der innern Zerrissenheit und Charakterlosigkeit unserer an Glauben so armen und an Sittenlosigkeit so reichen Zeit. Bei solchen Erscheinungen möchte man sast Jenen glauben, die da sagen, anno 1353 werde der Antichrist geboren. Seine Vorläufer sind wenigstens schon angekommen.) 207. Verführer. Dem Verführer reicht die Hand, wer sie dem Lehrer zu geben versagt, und 78 wer die Schafe ohne Hirten auf die Weide gehen läßt, ist kein Hirt der Schafe, sondern ein Hirt der Wölfe. 203. Verkleinerung. Jeder, der verkleinert, verräth sich selbst zuerst, daß er leer an Liebe sey. Dann beabsichtiget der Verkleinerer, daß derjenige, den er verkleinert, denen verhaßt und verächtlich werde, bei denen er ihn herabsetzt. Er schlägt also die Liebe in Allen, die seine böse Zunge anhören, und tödtet sie, so viel an ihm ist, in sich selbst vom Grunde aus. Beinahe überall finde ich im Kreise junger Weibspersonen solche, welche die Handlungen einer Braut vorwitzig beobachten, um sie herabzusetzen, nicht um sie nachzuahmen. Das Gute an ihren ältern Mitmenschen ist ihnen zur Pein, durch daS Böse werden sie befrieviget. Du kannst sie mit einander gehen, zusammen kommen und zusammen sitzen sehen, und bald werden sie den spitzigen Zungen zur verabscheuenS- würdigen Ohrenbläserei den Lauf gestatten. Eine verbindet sich mit der andern, und sie kommen kaum zu Athem, so groß ist ihre Begierde zu verkleinern, oder die verkleinernde anzuhören. Sie schließen Freundschaft zur Verleumdung und Ehrabschnei- dung, sie sind einig im Zwietrachtstiften. Sie machen unter sich die friedlichsten Freundschaften, und stimmen in der Bosheit zusammen. Durch die Leidenschaft wird eine solche hassenswerthe Verbindung hergestellt. So machte es einst Herodes und PilatuS, von denen das Evangelium erzählt, daß sie an jenem Tage Freunde wurden, nämlich am Tage des Leidens des Herrn. Der Tod steigt durch unsere Fenster, wenn wir einander mit aufgesperrten Ohren und mit offenem Munde den tödtlichen Becher der Verleumdung und Ehrab- schneidung darzureichen uns beeifern. Meine Seele komme nicht in die Versammlung der Verkleincrer, weil sie der Herr haßt. Ich kann es nicht genau sagen, was verdammlicher sey, zu verleumden, oder den Verleumder anzuhören. Der schlimmste Fuchs ist ein heimlicher Verleumder, aber um nichts besser der feine Schmeichler. Der Weise wird sich vor diesem hüten. 209. Vernunft. Die Seele, welche wünscht, daß Christus durch den Glauben in ihrem Herzen, d. i., in ihr selbst wohne, sehe zn und hüte sich sorgfältig, daß nicht ihre Glieder untereinander uneinig seyen, nämlich die Vernunft, der Wille und das Gedächtniß. ES sey also die Vernunft ohne Irrthum, damit der Wille gut passe. Denn eine solche liebt der Wille. Auch der Wille sey ohne Bosheit, weil einen solchen die Vernunft billigt. Außerdem wenn die Seele sich selbst verurtheilt wegen Bosheit des Willens in dem, was sie durch die Vernunft gutheißt, entsteht innerer Krieg und gefährliche Zwietracht, weil einen solchen Willen die Vernunft immer verspottet, anklagt, richtet, verdammt. Deßwegen sagt der Herr im Evangelium: „Vereinge dich mit deinem Widersacher ohne Zögern, so lange du mit ihm auf.dem Wege bist, damit dich nicht der Widersacher dem Richter übergebe." So sey auch das Gedächtniß ohne Schmutz, damit keine Sünde darin bleibe, die nicht durch aufrichtige Beicht und durch würdige Früchte der Buße getilgt sey. Außerdem haßt der Wille das Gedächtniß, in dem eine Sünde verborgen ist, und die Vernunft verwünscht es. Berichte über Missionen. G e i f e n h e i m. AuS dem Rheingau, 27. Febr. Die Misston in Geisenheim wurde am 25. des Nachmittags geschlossen. Die Zahl der täglichen Zuhörer betrug an Werktagen stets 6000 bis 7000; Sonntags und beim Schlüsse der Mission steigerte sie sich auf mehr als 10,000. Das Urtheil aller Unparteiischen über dieselbe fällt übereinstimmend dahin aus, daß dieselbe etwas Erhabenes und Außerordentliches gewesen sey. Außer allem Zweifel steht es, daß diese zehn Tage, der Buße, der 79 Erbauung, Belehrung und christlichen Betrachtungen gewidmet, einen entscheidenden Einfluß auf die Kräftigung des christlichen Bewußtseyns und der Sittlichkeit haben werden. Ja es sind unS die unermeßlichen Schätze unserer heiligen Kirche, die ewigen Grundwahrheiten des Christenthumes so recht klar enthüllt und in ihrer ernsten Herrlichkeit auf das.Überzeugendste entwickelt worden. Weit entfernt, unserer berufstreuen, würdigen Geistlichkeit zu nahe treten zu wollen, muß eS doch offen zugestanden werden, daß die äußern Umstände bei der Mission, die glänzende Rednergabe der PatreS die freudige, begeisterte Theilnahme der Zuhörer, Geist und Herz für jedes Wort empfänglicher machten, als eö sonst im gewöhnlichen Alltagsleben zu geschehen pflegt. Die guten Folgen der Mission zeigen sich aber auch jetzt schon im bürgerlichen Leben. Langjährige Feindschaften sind gehoben und einer aufrichtigen Nächstenliebe gewichen; — fremdes Eigenthum wird häufig zurückgegeben und das Raisonuiren in Wirths- localen :c., es läßt nach. Ein schon erstarkler Baum sällt schwerlich auf einen Hieb und so wird der Rheingau auch jetzt noch Manches zu wünschen übrig lassen. Wird aber unsere Hoffnung, die Mission im Rheingau oft und bald wiederholt zu sehen, erfüllt, so darf man sich überzeugt halten, daß der Rheingau in moralischer und religiöser Hinsicht seinen alten Ruhm wieder erlangen wird; und ist das einmal erreicht, so wird der gütige Schöpfer und Herr auch den zeillichen Segen unS nicht vorenthalten. — Bei der ganzen Mission ist auch nicht eine einzige absichtliche, böswillige Störung vorgekommen; alle Anwesenden waren ein Herz und eine Seele. Den protestantischen und israelitischen Zuhörern begegnete man allseitig aufö zuvorkommendste, und auch sie verließen nie das Gotteshaus, ohne sichtbar von dem Gehörten ergriffen zu seyn, und der Jsraelit S. S. glaubte, im Herrn Superior wären Salomon und JesaiaS vereinigt. Einen Tadel, der die Mission von gewisser Seite trifft, darf ich jedoch nicht unerwähnt lassen. Es wurde nämlich bei den Vortrügen über die Standespflichten auf's strengste darauf gehalten, daß nur solche Persomn zugelassen wurden, die dem Stande, für den die Predigt gerade gehalten wurde, angehörten. Die Gründe für dieses Verfahren sind jedoch so einleuchtend und für Jeden, der einen klaren Kopf hat, so überzeugend, daß es eine böswillige Tadelsucht verräth, sich hierüber mißbilligend zu äußern. Möge der gütige Gott dem beendeten MissionSwerke den nachhaltigsten und reichsten Segen für Zeit und Ewigkeit schenken! (Rhein. Bl.) Mainz. Von der Nahe, 13. Febr. Ein reges Leben haben wir gegenwärtig hier; in dem kleinen Dorfe Pfasfenschwabcnheim werden im Verlaufe dieser Woche Volksmissionen gehalten, was um so bemerkenswerther ist, da der Ort selbst nur ein Filialdorf und die Kirche simultan ist. Es sind diese Missionen in der That wahre Volksmissionen, denn die Einladung zu denselben geschah lediglich durch daS Volk, das ist durch die katholischen Bewohner von Pfaffenschwabenheim, wie mir das mit Gewißheit versichert wurde, die sowohl den Herren Missionären als auch den zur Aushilfe nothwendigen Geistlichen ans der Nachbarschaft die freundlichste Aufnahme boten. Der Hochwürdigste Herr Bischof Wilhelm Emmanuel wußte aber auch ein so edleS Benehmen seiner Pfaffenschwabenheimer zu würdigen, ordnete nicht nur die Mission an, sondern kam selbst, um die Stelle des einen der Missionäre, deS Herrn Pater Werdenberg, der in Straßburg erkrankte, zu übernehmen. Nachdem an dem ersten Sonntage, theils wegen des Simultangebrauchcs der Kirche, theils auch wegen der sehr regnerischen Witterung, die Kirche nicht sehr stark besucht war, das Wetter jedoch am Montage sich schon zu bessern anfing, und am Dienstage die Erde gefroren, die Witterung am Nachmittage sehr schön geworden, der Hochwürdigste Herr Bischof auch bereits am Montage Abends angekommen war, hatten sich die Besucher der Mission schon bis zu 5000—6000 vermehrt, so daß die große ehemalige Klosterkirche, welche, wenn sie, das Chor mitgerechnet, gedrängt voll ist, gegen 80 8000 Menschen nach ihrem Flächeninhalte fassen kann, bereits so angefüllt war, daß bis zum Portale Kopf an Kopf stand. Es läßt sich leicht denken, daß cS auch hier nicht ohne Neckereien abgeht. So wurde schon Montags erzählt: zwei Personen, nicht katholisch, Mann und Frau seyen des NachtS von Räubern überfallen und jämmerlich zerschlagen worden, und daS habe Niemand Anders gethan, als — die Jesuiten, oder sie haben eS wenigstens thun lassen. Dieser Mann und diese Frau sind nun allerdings jämmerlich zerschlagen worden, aber, wie man sagt, von — ihrem eigenen Sohne, der in die Stube einbrach, der Mutter die eine Hand entzweischlug, dem Vater den Kops u. s. w. verwundete und sich dann aus dem Staube machte. Während am Dienstage über daS schändlichste Laster der gegenwärtigen Zeit und die schönste Tugend unserer deutschen Voreltern gepredigt wurde, ertönte ein gellender Pfiff in die Kirche hinein, und mehrere edle Zuhörer der Predigt bliesen fortwährend aus Tabakspfeifen dicke Rauchwolken ihren Nachbarn ins Gesicht. Auch hielt der Hochwürdigstc Bischof eine ergreifende Anrede an die in der Kirche versammelte Schuljugend der Umgegend. Heute fiel keine derartige Unart mehr vor. Möge der Erfolg dieser Misston von dem Segen Gottes eben so gekrönt werden, wie anderwärts! (Rhein. Bl.) _ Der Kirchenfurst in der Hütte der Armuth. Eineö Tages fuhr ein herrschaftlicher Wagen einen Berg in N. hinauf. Oben stand eine ärmliche Bauernhütte, ringsum gestützt, daß sie nicht zusammenstürze. Vor der Hütte spielten drei mit Lumpen bedeckte Kinder, deren Gesichter von Hunger und Entbehrung zwar gebleicht, doch in unschuldiger Freude lächelten. Der Fremde im Wagen ließ stille halten und stieg aus. Wie einst der göttliche Kinderfreund, begrüßt er freundlich die Kleinen und begehrte von ihnen in die Hütte geführt zu werden. Die Kinder, welche, wie Kinder überhaupt, bald merkten, wer sie lieb habe, faßten Zutrauen zu dem fremden Herrn und hüpften freudig vor ihm her, ins Stübchen hinein, wo der Großvater, ein blinder Greis, allein saß und die eben gesottenen Kartoffeln, seine und seiner Enkel einzige Mittagskost, bedächtig befühlte, ob sie wohl schon genießbar seyen. Mit freundlicher Stimme, die zu Herzen ging, fragte der Fremde den Alten um seine Umstände und erfuhr, daß der Greis und die übrigen Bewohner dieser Hütte sehr dürftig leben mußten. Aber wie getraut ihr euch, fragte er weiter, in dieser so baufälligen Hütte, die alle Tage einzustürzen droht, zu leben? Ach, entgegnete der Greis, es würde zwar nur 80 fl. kosten, sie wieder herzustellen; aber woher so viel Geld nehmen, da daö Essen schon so theuer zu stehen kommt? Der Fremde tröstete den Greis, ermunterte ihn zum Vertrauen auf den „Vater unser, der Du bist im Himmel" und steckte ihm ein Papier in die Hand, mit der, Mahnung, es wohl zu verwahren, bis die Eltern der Kleinen, die bei der Feldarbeit dienten, nach Hause kämen. Er ließ auch kalte Küche aus seinem Wagen hereintragen und speiste vie hungernden Kindlein und den armen Großvater. Nach der Mahlzeit, wobei sowohl der Mund der Kleinen, um die gar so guten Bissen zu verspeisen, als auch ihre Augen, um den schönen, großen, so lieben Mann mit dem blinkenden Riug am Finger zu betrachten, genug zu thun hatten, segnete dieser Groß» Vater und Enkelchen und fuhr von dannen. Abends, als die Eltern von der Arbeit heimkehrten, sprangen die Kleinen ihnen munter entgegen und plauderten, wie gut sie heut gegessen, wie ein großer, schöner, fremder Herr dagewesen, der daS Essen mitgebracht und dem Großvater habe er ein Papier gegeben; sie hätten eS aber nicht nehmen und sehen dürfen! Neugierig eilte man in die Hütte und das geheimnißvolle Papier war eine UZV fl. Banknote! Wie waren die armen Leute so glücklich und segneten den großen, schönen, fremden Herrn und seine Barmherzigkeit! Und dieser Herr? Aus der Beschreibung der Kinder und aus Nachfragen auf der nächsten Station ergab sich endlich, daß der mitleidige Vater der Armen kein Anderer war, als der hochwürdigste Cardinal Melchior. (NegenSburger Zeitung 1347.) Die Nutzanwendung können sich die Leser, vorzüglich die großen Herren, selber machen/ (Schl. K. BI.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VcrlagS-Jnhahcr: F. C. Kremer. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Augsburger PostMtung. ^_._ 16. März ^ IN 1851. _ ! ____ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrcis 4V kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Maria, die Helferin der Christen. Ocffnc, Seele, deine Kehle, Singe von der hohen Braut, Die von fernen lichten Sternen Gnädig auf uns niederschaut! Auserwählte, Gottvermähltc, ^. Sey, Maria, uns gegrüßt! Du, o Reine, bist's alleine, Die den Himmel uns erschließt! Wend' uns Armen das Erbarme» Deines lieben Sohnes zu; Daß wir finden, los von Sünden, Bei Ihm Gnad' und Seelenruh'! Hcil'ges Wesen, auserlesen, O Maria, Königin! Himmelsgüter send' hernieder, Du, der Christen Helferin! Woll'st befeuchten und erleuchten Harter Herzen finstern Sinn Mit dem Regen und dem Segen, Deß, der Adams Fluch nahm hi». Alle Lehren, die verkehren, Zeig' in ihrem falschen Licht, Daß sich wenden die Getrennten Zu der Kirch', die Wahrheit spricht! Weib vom Range, zeig der Schlange Feindschaft zwischen Dir und ihr! Zeig die Namen zweier Samen Allen Völkern nach Gebühr! Die mit Thränen dich bekennen. Stammen von dem Sohne her, Und die Massen, die dich hassen, Hängen an dem Bösen mehr. .hulih-is!^ Seit dem Falle theilen alle Menschen sich aus diese Art: Bis zur Rechten die Gerechten Du hast vor den Sohn geschaart. Dann wird sinken auf der Linken, Der dem Feind gcdienct hat; Dann wird stehen und bestehen Du, o Frau, und deine Saat! > ^ Drum so rüste, o Gegrüßte, Dich mit uns zum harten Streit! Sieh, die Schlange macht uns bange, I^KMWWMliih^Mi^!^^ >!'.>,',? Sich, es kommen alle Frommen, Rufen flehentlich dich an; Die sich wandten, dich nicht kannten, >Ucbcrall zu dir sich nah'n!^? O der Zeiten schwere Leiden Drücken unser armes Land! Ach , wir müssen es jetzt büsscn; Unsre Sünden sind bekannt! Schon entzünden unsre Sünden Gottes Zorn zum Strafgericht; Darum stehen wir und flehen: Wend' des Zornes Angesicht! Bitt', o bitte, voll der Güte, Jungfrau, Mutter, Helferin, Zu dem Sohne deiner Wonne: Bitt' für uns, o Mittlerin! — Wo die Sünden schwer sich finden, Dringe mächtiger herab Auf die Erde, die beschwerte, Stell' ihr vor das Sündcngrab! Denn es mögen tief bewegen Deiner Sternenblicke Kraft Eitle Herzen, die nnr scherzen Mit der Sünde, die Gott straft. Doch wenn heben, voll von Leben, Deine Augensterne sich; So erflehen aus den Höhen Sie uns Hilfe mächtiglich. O so richte deine lichte Augen, wenn der Feind uns drückt, Hin zum Throne zu dem Sohne, Dann sind wir mit Sieg beglückt! — Alan Aman. 83 Hirtenbriefe deutscher Bischöfe. Vom hochwürdigsten Bischöfe von Wiirzburg. Der Herr hat die Welt erschaffen, um die unendlichen und ewigen Herrlichkeiten, die er im Innern seines göttlichen Wesens trägt, durch die Schönheit seiner Werke auch nach außen kund zu geben. Der Herr hat die Welt erschaffen, um durch die Theilnahme an diesen seinen Herrlichkeiten jedem seiner Geschöpfe jene Gluckseligkeit mitzutheilen, deren das Geschöpf nach seinem Wesen und seiner Natur fähig und empfänglich ist. Der Herr hat insbesondere den Menschen erschaffen, hat ihn mit Vernunft und Freiheit begabt, hat ihn mit übernatürlichen Gnadengaben ausgestattet, und ihn nach dem Sündenfalle im Blute Jesu Christi die Erlösung wieder finden lassen, auf daß er im Lichte der heiligen Offenbarung seinen Gott erkenne, durch Erfüllung des göttlichen Willens mit Hilfe der Gnade ihm diene und einst im ewigen Leben vollendet und selig werde. So hat also der Herr das Weltall erschaffen — Sich selbsten zur Verherrlichung und den Geschöpfen zur Glückseligkeit; er hat ein Reich unter uns Menschen gegründet, dessen wundiervoller Bau hienieden im Glauben begonnen und jenseits im Schauen vollendet werden soll. Um aber diesem seinem Reiche Grundlage, Bestand und Gestaltung zu geben, die Zustände auf Erden friedlich zu ordnen, und dem Menschen hienieden in der Zeit die Vorbereitung auf eine glückselige Ewigkeit möglich zu machen, hat der unsichtbare Gott zu seiner sichtbaren Stellvertretung die beiden Gewalten eingesetzt, die geistliche und weltliche Gewalt, die der Kirche und die des Staates. Beide stammen von Dem, der über Himmel und Erde gebietet; beide sind eben deßhalb ihrer innersten Natur nach heilig und unverletzlich; beide sind verpflichtet, sich wechselweise anzuerkennen, zu ehren und zu unterstützen; beide sind Dienerinnen deS Herrn, von oben beauftragt, jede in dem von Gott ihr angewiesenen Wirkungskreise, jede mit den Mitteln, welche der Herr ihr in die Hand gegeben, zum Heile der Völker zu wirken; beide sind beru-- fen, als Töchter desselben himmlischen VaterS in schwesterlicher Liebe sich zu vereinen, um, den ganzen Menschen umfassend, dessen zeitliches und ewiges Wohl zu fördern. So ist also der König von Gott gesetzt, hat von oben Krone und Scepter erhalten, um sie im Dienste deS Herrn der Welt und zum Heile der Völker zu tragen, und daher das Wort der Schrift (1. Petr. 2, 17): „Fürchtet Gott und ehret den König!" So ist die Kirche die Braut deS Herrn, ihr Fingerzeig weist auf die Ewigkeit, ihr Mund ist aufgethan, die Wahrheit zu lehren, ihre pricsterlichen Hände spenden den Segen der Welterlösung, und Alle, die da^ selig werden wollen, sind berufen, in dieser Kirche ihr Heil zu wirken. So sind die beiden Gewalten vom Himmel gesandt, um durch Förderung deS Menschenwohles die Ehre ihres Herrn zu mehren, unv ihre Träger sind Stellvertreter des Allerhöchsten. Geliebteste Diöcesanen! Wie schön ist die Welt, die der Herr erschaffen, wie herrlich die Ordnung, die er gegeben, wie heilig die Gewalten , die er gesetzt, und wie erhaben das Ziel, das er durch sie erreichen will! Wenn nur der Mensch immer Augen hätte, um die Wunder des Herrn zu schauen, Ohren, um auf die Stimme der Wahrheit zu merken, und ein Herz, um es ganz und ungetheilt Dem zu lassen, der in seinem Wesen unendlich gut, und so groß und wunderbar in seinen Werken ist. Um aber das richtige Verhältniß der Untergebenen zu den Vorgesetzten, wie im engern Kreise deS Familienlebens, so im großen öffentlichen Leben, im Leben der Völker herzustellen, hat der Herr daS vierte Gebot gegeben: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebest auf Erden," — und hat durch dieses große Gebor vor aller Welt es ausgesprochen, daß, wie das Kind seinen Eltern, so der Diener seinem Herrn, der Unterthan seinem Fürsten, der Christ seiner Kirche, jeder Untergebene seinem Vorgesetzten in Liebe, Treue und Ehrerbietung müsse gehorsam und ergeben seyn. Würde dieses Gebot, in der Natur der Sache so tief gegründet, von der Vernunft nach seiner Wahrheit so klar erkannt, und so feierlich von Gott selbsten auf Sinai verkündet, würde, geliebteste Diöcesanen! dieses große Gebot nach dem 84 ganzen Ernste seiner Bedeutung von allen Menschen gewürdigt und heilig gehalten, zahllose Klagen, wie im Schooße der Familien, so im Bereiche deS öffentlichen Lebens müßten bald verstummen, und die Segnungen, welche der Herr an die Erfüllung dieses Gebotes geknüpft hat, sich wie in Strömen über die Welt ergießen. Aber gerade hier, Geliebteste! begegnen wir einem Gebrechen unserer Tage, dessen unglückselige Wirkungen wir nicht genug beklagen können. Denn, leider! können wir unS nicht verhelilen, daß eines der größten Uebel der Gegenwart die Mißachtung jener Pflichten, welche daö vierte Gebot auferlegt, der Mangel an jener Ehrfurcht, jenem Gehorsame und jener Liebe ist, die wir denjenigen schulden, welche Gott gesetzt hat, an unS seine Stelle zu vertreten; und während Eltern und Lehrer klagen, daß Erziehung und Unterricht mit jedem Tage schwerer werden, während die steigende Verwilderung der Jugend einen bangen Blick in die Zukunft öffnet, zieht der Geist einer neuen Weisheit, der Geist deS Unglaubens und deS Ungehorsams, von Land zu Land, um den Völkern das größte Gut, daS Kleinod deS heiligen Glaubens zu rauben, um Gewalt an der öffentlichen Ordnung zu üben, um frevelnde Hand an die von Gott gesetzten heiligen Gewalten zu legen, um, wenn es möglich wäre, die Säulen irdischer Wohlfahrt und ewigen Heiles, den Thron wie den Altar zu stürzen. Zwar sind die trüberen Tage der jüngsten Vergangenheit, Dank dem Herrn! vorübergegangen, die Wetterwolken haben sich zertheilt und sind zum Theile dahingezogen, ein mehr freundlicher Sonneublick scheint eine friedlichere Zukunft zu verheißen, und daß der Herr der Allmacht und der Liebe unS den heiligen Frieden geben und in seiner Gnade erhalten wolle, — wir heben die Hände und beten zu Ihm. Der böse Geist der Zeit aber hört darum nicht auf, seine verbrecherischen Plane zu verfolgen; ist eS ihm unmöglich geworden, am offenen Tage zu wirken, so ist seine Hand im Finstern thätig; während die Leute schliefen, sagt daö Evangelium (Matth. 13, 25), kam der Feind, und säete Unkraut unter den Waizen, und wenn daö heilige Wort Jesu Christi: „Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet" (Matth. 26, 41) zu allen Zeiten seine ernste Bedeutung hat, doppelt ernst erschallt eS jetzt, wo der Gang der Zeit die Geister prüft, und der Herr, um seine Tenne zu reinigen, die Wnrfschaufel in Händen trägt, um die Spreu vom Waizen zu sondern. In diesen Tagen der Prüfung, in so schwerer, verhängnißvoller Zeit — waS sollt, was werdet da Ihr thun, (Beliebteste! Werdet ihr zur Rechten oder zur Linken gehen, den engen Weg, der zum Himmel führt, oder die breite Straße des Verderbens betreten? Folget nicht dem Geiste dieser Welt; sein Ursprung ist nicht auS Gott, sein Streben auf den Herrn der Ewigkeit nicht gerichtet, er ist der Sohn der Finsterniß, und daS Ende, daS er seinen Jüngern bereitet, ist Verderben, Tod und ewiger Untergang. Ihr aber seyd Schüler Jesu Cbristi, Kinder der heiligen katholischen Kirche, ihr habt daS süße Joch, die Religion der Demuth, deS Gehorsams, der Selvstverläugnung auf eure Schultern genommen, ihr müßt den Herrn in seinen Gesalbten ehren. Seyd darum treu eurem Könige, nicht auS Furcht oder Zwang, sondern um des Gewissens willen, in Liebe, Ehrerbietung und Gehorsam; — so verlangt eS Gottes heiliges Wort, so ist eS der Wille deS Allerhöchsten. Denn so spricht Gott schon im alten Bunde (Sprichw. 8, l5. 16): „Durch mich regieren die Könige, und beschließen das Rechte die Geber der Gesetze." Und das Buch der Weisheit (6, 4) sagt: „Von Gott ist euch, o Könige! die Macht gegeben, und die Gewalt vom Allerhöchsten." Der heilige Paulus aber lehrt (Röm. 13, 1. 2): „Ein jeder unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten, denn eS gibt keine Gewalt, außer von Gott; die aber da sind, die sind von Gott geordnet. Wer also der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt der Anordnung Gottes, diejenigen aber, die ihr widerstreben, ziehen sich die Verdammniß zu." In seinem Briefe an seinen Schüler TituS (3, 1) schreibt er: „Ermähne sie (die Christen), daß sie den Fürsten und Machthabern unter- 85 than, ihrem Worte gehorsam, und zu jedem guten Werke bereit seyen." Und an seinen Schüler TimotheuS läßt er (1. Tim. 2, 1—3) das ernste Wort ergehen: „Vor allen Dingen ermähne ich nun, daß Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen geschehen für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeiten, aus daß wir ein stilles und ruhiges Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn dieß ist gut, und Gott unsern Heilande wohlgefällig." Ja, der Heiland selbst gibt unS das große Gebot (Matth. 22, 21): „Gebt dem Kaiser, was deS Kaisers ist, und Gott, was GotteS ist." Wie eS nun der katholischen Kirche durch den Beistand des heiligen Geistes gegeben ist, das gesammte Erbgut der göttlichen Offenbarungslehre unverfälscht zu bewahren, um es, vom Irrthume unberührt, zum Gemeingute aller Menschen zu machen, so hat sie auch dieses Gebot zu allen Zeiten rein erhalten. Seit achtzehn hundert Jahren verkündet sie den Gläubigen das Wort des Herrn: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." Seit achtzehnhundert Jahren läßt sie die Mahnung des heiligen Petrus (1. Peir. 2, 17) immer von Neuem erschallen: „Fürchtet Gott! ehret den König!" Und so lange Petrus in seinen Nachfolgern die Heerde Jesu Christi weiden wird, — bis hin anö Ende der Zeiten — wie eS bisher gewesen, so wird es auch fortan daS unausgesetzte Bemühen der heil. Kirche GotteS seyn, durch Verbreitung deS heiligen Glaubens und durch Förderung christlichen Lebens mit der Furcht deS Herrn auch die Ehrfurcht gegen dessen Slell- Vertreter in die Herzen der Völker einzupflanzen, und eben dadurch, daß sie die Seelen für den Himmel bildet, auch dem Fürsten treue Unterthanen, dem Staate gute Bürger zu erziehen. Soll aber die Treue, die Ehrerbietung und die Liebe, welche der Unterthan seinem Fürsten schuldet, fest und unerschütterlich seyn, soll sie Werth vor Gott haben, und auf den Namen und Adel einer christlichen Tugend Anspruch machen können, so muß sie nothwendig in Gott, und eben darum in der Kirche wurzeln. ES gibt eben keine wahre Tugend, die nicht aus Gott geboren ist, und daS Gebäude christlicher Gerechtigkeit steht nimmer fest, wenn eS nicht auf dem Felsen der Kirche ruht. Seyd darum treu unserer heiligen katholischen Kirche! Dieß ist die inständige Ermahnung, die Wir, geliebteste Diöcesanen! aus der Tiefe des Herzens an euch richten. Seyd treu der heiligen Kirche, die sich der Weltheiland zur Braut erwählt, seyd treu der jungfräulichen Mutter, die uns für Gott geboren hat; seyd treu der heiligen Führerin, die uns die Hand reicht, um durch die Jrrsale des ErdenlebenS an den Klippen des Irrthums und der Sünde vorüber uns glücklich in den Himmel zu geleiten. „Wer euch hört", spricht der Herr zu seinen Jüngern (Luc. 10, 16), «der hört mich , und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet Den, der mich gesandt hat." Und an einer andern Stelle (Matth. 13, 17): „Wer die Kirche nicht hört, der sey dir wie ein Heide und Zöllner." Und ein heiliger Kirchenvater sagt: „Der hat Gott nicht zum Vater, der die Kirche nicht zur Mutter hat." Im Schooße der Kirche sprudelt eben jener Quell, welcher Licht und Wahrheit ist, der Quell der heiligen Offenbarung, und alle Welt ist eingeladen, daS Licht zu schauen, die Wahrheit zu vernehmen, die Großthaten GotteS kennen zu lernen und zu bewundern, und den Allbarmherzigen anzubeten, der so viel für unser Heil gethan. In ihrem Schooße ergießt sich der Strom der lebendigen Wasser, die ins ewige Leben hiyüber fließen, und Alle, die nach Gott dürsten, sollen von diesen Wassern trinken, und gesund und heilig und selig werden. Wie fest aber die heilige Kirche Gottes steht, wer, der Augen hat, zu sehen, darf sagen, daS er dieses nicht klar und deutlich erkenne? Die Gedanken der Sterblichen sind veränderlich, die Meinungen der Menschen wechseln mit dem Tage, Irrlehren in tausend Gestalten sind in der Zeit entstanden und mit der Zeit vorübergegangen; aber die Kirche ändert ihre Lehre nicht, und kann und darf ihre Lehre nicht ändern, weil sie die Kirche deS ewigen und unveränderlichen GotteS ist; die Kirche ist sich immer gleich, sie lehrt immer und zu allen Zeiten daS eine und dasselbe Wort 86 des Herrn, und der Heiland Jesus Christus spricht: „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen" (Match, 24, 35). Während die Welt im Argen liegt, Sünden auf Sünden, Laster auf Laster häuft, und der Zorn der Hölle sich ergießt, um gegen den Herrn unsern Gott zu streiten, predigt die heil, katholische Kirche in immer gleicher Weise Tugend und Gerechtigkeit, und ähnlich dem guten Hirten, der in die Wüste gegangen ist, um das Verlorne Lamm aufzusuchen, geht auch sie mit jedem Tage aus, um nach ihrer göttlichen Sendung und mit Gewalten, die sie von oben empfangen hat, die Krankheiten der Seelen zn heilen, die Gefallenen aufzurichten, die Sünder zu Gott zurückzuführen, und den Gerechten das Brod des Lebens zu reichen. Während die Welt, besonders in unsern Tagen, wie in Gähruug begriffen ist, die Zustände der Gegenwart nach so vielen Seiten hin in Frage stehen, die Grundpfeiler der öffentlichen Ordnung erschüttert sind, und die menschliche Weisheit sich selbsten fragt, wie es möglich werden möge, die zerrissenen Verhältnisse zn lösen, eine neue Ordnung der Dinge herzustellen, und der Welt einen dauernden Frieden zu sichern; steht die Kirche ruhig da, wie unberührt von den Stürmen der Zeit, verkündet immer dieselbe Lehre, spendet zu allen Zeiten dieselben heiligen Sacramentc, bringt mit jedem Tage dasselbe Opfer der Welterlösung dar, und'wird im heiligen Geiste von einem geweihten Priesterthuine unter einem gemeinsamen Oberhaupte, dem Papste, dem allgemeinen Vater der Christenheit geleitet. Wie herrlich ist doch dieser Bau der Kirche! Die Weisheit des Herrn hat den Plan entworfen, die Allmacht das Werk aufgeführt, und die Gnade und die Liebe hier Wohnung genommen, um von hier auS die Welt zu erlösen. Wäre diese heilige Kirche von allen Menschen in ihrem Lichte erkannt und in ihrer Liebe verstanden, aller Zwiespalt müßte bald von selbst sich heben, und das Räthsel des Friedens wäre gelöst. Wie fest diese Kirche steht, einen hell leuchtenden Beweis hiefür liefert uns die Kirchengeschichte der «jüngst vergangenen Zeit. Zwei Jahre nämlich sind eS bereits und darüber, daß der heilige Vater Papst Pius IX., der große und edle Dulder, um drohenden Gefahren zu entgehen, Rom und den Kirchenstaat verlassen und im Königreiche Neapel zu Cajeta und Portici seine Wohnung genommen hat. Der weltliche Thron deS heiligen Vaters schien zu wanken, aber das Papstthum, der Stuhl deö heiligen Petrus, das vom Herrn gesetzte oberste Hirtcnamt deS Stellvertreters Jesu Christi auf Erden wankte nicht. Wo immer der heilige Vater weilen mag, seine geistliche Gewall umschlingt den Erdkreis und überall findet ihn die Liebe, die Treue, die Ehrerbietung, die Ergebenheit und der Gehorsam seiner Kinder wieder. Zwar war die Prüfung hart und schwer, aber dem Herrn gefiel es, sie zuzulassen. Wir weinten Thränen kindlichen Schmerzes, aber verzagen konnten und durften wir nicht. Wir rangen im Gebete unsere Hände, aber wir wußten auch, daß wir sicher Erhörung finden mußten. Denn so geben die Wege des Herrn — durch Kreuz zum Heile. Er läßt die Winde wehen und die Stürme brausen zur Prüfung und Läuterung seiner Kirche, aber er spricht auch zur rechten Stunde: Bis Hieher und nicht weiter. Er läßt die Fluthen steigen und die Wetterwolken sich ergießen, um nach jeder Trübsal, die sie bestanden hat, seiner Kirche neue Glorie zu verleihen. Und so ist auch unter dem Schntze des Allerhöchsten der heilige Vater zurückgekehrt, um wieder von Rom aus die Kirche Gottes zu leiten; er weilt wieder an der geweihten Stätte, wo die irdischen Ueberreste der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus und so vieler Tausende anderer Heiligen dem Tage der Auferstehung entgegenschlummern; die Hand deS Herrn hat sich gezeigt, der Glaube neuen Schwung empfangen, wir preisen unS doppelt glücklich, Kinder der Kirche zu seyn, und im Hochgefühle unseres GlückeS rufen wir mit neuer Begeisterung: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." Im Dienste dieser unserer heiligen Kirche habt ihr, Geliebteste! vor nicht langer Zeit auch die Oberhirten der BiSthümer im Königreiche Bayern versammelt gesehen. Ihr kennt nämlich selbst die Gebrechen der Zeit, die Verderbnisse unserer Tage. Ihr 87 wißt, wie Glaube und Gottesfurcht zerfällt, wie frommer, kirchlicher Sinn, Zucht und gute Sitte immer mehr verschwindet, wie das zunehmende Vergessen auf die Erfüllung deS vierten Gebotes nicht nur das Familienleben, sondern selbst die öffentliche Ordnung bedroht, und wie ein neues Heidenthum seine Apostel sendet, um daS Wort vom Kreuze zu lästern, den Glauben an unsern Herrn und Golt, und hiemit die Ehrfurcht und den Gehorsam gegen dessen Stellvertreter den Herzen zu entwinden, ein neueS Evangelium, das des Fleisches, der Welt zu verkünden, und so nicht bloß der öffentlichen Ordnung Gefahr zu bringen, sondern auch unsterbliche Seelen auf ewig zu verderben. Tief bekümmert über die Wehen einer solchen Zeit und über den Untergang so vieler Seelen, und vom Streben beseelt, den schweren Pflichten zu genügen, die das Oberhirtenamt auferlegt, sind also die Bischöfe Bayerns am Grabe des heil. Corbinian in der Stadt Freysing zusammen getreten, um dort in stiller Zurückgezogenheit vor dem Angesichte GotteS zu erwägen, was da Alles geschehen könne, um den Glauben und die Gottesfurcht wieder anzufachen, den Geist der Frömmigkeit neu zu beleben, bessere Zucht und christliche Sitte einzuführen, das schwer verletzte vierte Gebot zum Segen der Menschheit in bessere Uebung und Geltung zu bringen, den Geist des Gehorsams, der Liebe und Ehrerbietung gegen Eltern, Lehrer und Vorgesetzte in den Gemüthern mehr anzuregen und zu fördern, den Schmuck des Hauses des Herrn, die Feier des öffentlichen Gottesdienstes, die Heilighaltung der Sonn- und Festtage zu heben und zu sichern, kurz, sie sind zusammengetreten, um zu erwägen, was da Alles geschehen könne und ihrerseits geschehen müsse, um zur Heilung der Wunden Israels in diesem Thale des großen Weinberges des Herrn das Mögliche nach Kräften beizutragen. Und sie haben reif und vor Gott erwogen, wohl wissend, daß eS eben so dem Staate wie der Kirche frommt, wenn Glaube, Gottesfurcht und christliches Leben unter den Völkern gefördert wird; sie haben reif und vor Gott erwogen, haben hiernach ihre Entschließungen gefaßt, und nun ist es an euch, Ge- liebteste! den Vater der Erbarmungen anzuflehen, daß er diesen ihren Entschließungen seinen heiligen Segen geben wolle. Möge aber auch der heilige Corbiuian, an dessen Grab die Oberhirten versammelt waren, mögen die Schutzheiligen der ihnen unvertrauten Diöcesen, mögen alle Auserwählten, möge insbesondere unsere Mutter, die allerseligste Jungfrau Maria, Fürbitte am Throne Gottes niederlegen. Geliebteste Diöcesanen! Die herannahende Fastenzeit hat die Gelegenheit unS dargeboten, diese oberhirtliche Ermahnung an euch zu richten: Seyd treu eurem Könige, treu der heiligen Kirche GotteS, suchet den Herrn in seinen Gesalbten zu ehren, und im Gehorsame gegen die heiligen Gewalten, die Gott gesetzt, selig zu werden. Wir haben aber noch ein anderes Wort der Ermahnung an euch: Betet nämlich alle Tage, betet besonders in dieser heiligen Zeit, in welcher die Kirche länger als zu andern Zeiten im Gebete verweilt, um die Erbarmungen GotteS herabzurufen, betet in der Inbrunst des Herzens für Alle, welche der Allerhöchste ausersehen, seine Stelle ans Erden zu vertreten. Vetet für den heiligen Vater, Papst PinS IX., der Arm der Allmacht möge seine Stärke seyn, und die Anstrengungen und Gebete segnen, womit er alle Welt möchte selig machen. Betet für unsern allergnä- digsten König Maximilian, die Hand des Herrn möge schirmend und schützend über der Krone walten, die Regentensorgen segnen und erleichtern, und die Reichthümer aller Gnaden über das ganze königliche Haus und das gesammte Vaterland sich ergießen lassen. Betet für euern Oberhirten, ja für alle Bischöfe der katholischen Welt, daß sie, dem Beispiele der heiligen Apostel folgend, nur «Eines im Auge habe -— GotteS Ehre und euer Seelenheil. Betet für alle Vorgesetzte, daß sie, jeder in seinem Kreise, die Stelle Gottes würdig vertreten, daS anvertraute Amt treu verwalten, und am Tage der Rechenschaft bestehen mögen. Betet endlich für alle Menschen, Vorgesetzte und Untergebene, daß sie alle in der Furcht des Herrn wandeln, in heiliger Liebe einander entgegen kommen, und durch vollkommene Unterwerfung unter den Willen des Allerhöchsten die Krone des Lebens zu erstreben suchen. Opfert auch in diesem Sinne in der herannahenden heiligen Zeit ener Fasten und eure Buße auf, 88 gedenket mit Gott euch wahrhaft zu versöhnen, und tretet, gereinigt von aller Sünde, zum Tische des Herrn, um würdig daS Brod des Lebens zu essen, und dann in neuer Kraft eure Gebete auSzugießen. So wandelt, Geliebteste! durch die Erdenthale, gestärkt durch Fasten und Gebet und durch würdigen Empfang der heiligen Sacra- mente; wandelt in der Furcht des Herrn, im Gehorsame gegen seine Gesalbten, in der Uebung aller Tugend und Gerechtigkeit; — bis die Wallfahrt auf Erden vollendet und die Krone des Lebens erstritten ist, und wir glücklich dort anlangen werden, wo der Fürst seine Krone am Throne GotteS niederlegt, wie das Oberhaupt der Kirche den Hirtenstab, wo dann alle Auserwählten in der Gemeinschaft deS LebenS, der Liebe und der Seligkeit Einem dienen, und über Alle Einer herrscht, — der König der Könige, der oberste der Hirten, Jesus Christus, unser Herr und Gott. Und daß ihr glücklich dahin gelangen möget, Wir beten für euch, Geliebteste! heben Unsere Hände zu Gott, und ertheilen euch ven oberhirtlichen Segen im Namen deS Vaters und deS Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Gegeben zu Würzburg, den 1. Februar 1851. t Georg Anton, Bischof von Würzburg. Berichte über Missionen. Aus dem Sauer lande (in Westfalen) wird der D. V.-H. Ende Februars berichtet: „Der große Meister, welcher vor achtzehn Jahrhunderten so bedeutungsvoll gesprochen: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern daS Schwert!" ist auch in unsre Berge eingezogen, die „Wurfschaufel in der Hand, um den Waizen von der Spreu zu sondern"; die heilige Mission hat mit dem 19. d. M. in Atten- dorf begonnen und wird darnach in Wenden, Neheim und noch andern meist bedeutenderen Städten und Landgemeinden deS SauerlandeS abgehalten werden. Zwar sind unsere Missionäre nicht Jesuiten, die anderwärts ihre alt- und neubekannte Virtuosität auch auf diesem Felde des Wirkens so wunderbar bekunden, und die der liebe Herrgott für ihre frühere unverdiente Erniedrigung jetzt erhöhen zu wollen scheint, sondern ein einfacher Weltpriester nebst zwei Söhnen von der Armuth deS heiligen FrauciscuS. Wer aber dieseu Männern Kraft und Salbung, wie sie ein so hoher Beruf erfordert, absprechen will, der hat sie entweder noch nie gehört und ihr Wirken beobachtet, — und dann möge er kommen und hören und sehen und verstummen, — oder er ist ein geschworener Feind alles wahren Guten. DaS Verlangen unserer Bergbewohner nach der heiligen Mission ist so allgemein, daß eS schwerlich schon in diesem und dem folgenden Jahre ganz wird befriedigt werden können. Wahrlich ein schönes Zeichen vom geistig-religiösen Standpuncte unseres Volkes! Ich habe immer eine Versuchung zum Stolze in mir verspürt, so oft ich die Bewohner des westfäli- schen SauerlandeS mit den Tirolern, diesen wackern Söhnen der Mutter Natur und der edlern Mutter Kirche, vergleiche» hörte, und habe trotz aller politisch-religiösen Wühlereien der Jahre 1843 und 1849 den Glauben an den gesunden und tief religiösen Sinn derselbe» festgehalten. Und heute haben wir die Bestätigung. Wohl dem Volke, welches nach der heiligen Mission schmachtet!" Kurze Nachrichten. In Trier haben ein Protest. Professor am Gymnasium zu Halle, und ein Protest. Pfarrer convertirt, und beide fiudiren nun Theologie. In Baden mindert sich die Zahl der kath. Priester immer mehr. Nach dem dießjährigen erzbischöfl. Directorium übersteigt die Zahl der Verstorbenen die der Neugeweihten schon wieder um das Zweifache. Am Ende bleibt noch der Erzbischos, wenn eS so fort geht, allein in seinem Sprengel übrig. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Aygsburger poiiMung. 23. März 12. ^851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprcis kr., wofür es durch alle königl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Hirtenbriefe deutscher Bischöfe. Vom hochwürdigsten Bischöfe von Trier. „Mit Deiner immer wachenden Güte sey Du, o Herr, der treue Hüter Deiner Familie, damit sie, weil sich ihre Hoffnung auf Deine himmlische Gnade allein stützet, nun auch unter Deinem Schutze stete Sicherheit finde!" Also flehet die heilige Kirche an dem heutigen Tage zu Gott um Schutz und Erbarmen für die ganze große Familie der Gläubigen hienieden und dieses ihr Gebet selbst ist eine ernste Mahnung au jede einzelne Familie, sich täglich dem Schutze Gottes zu empfehlen, und einzig von Seiner Gnade und von Seinem Segen alles Glück oeS Lebeus zu erwarte». Und wahrlich, es thut Noth in unsern Tagen, auf diese Mahnung der Kirche zu horchen, wo die gegründetsten Klagen immer lauter und allgemeiner sich vernehmen lassen. Woher die traurige Zerrüttung des Hauswesens, der Verfall so vieler Familien, die Klagen über unglücklichen Ehestand, über mißrathene Kinder, über Noth und Elend aller Art, über täglichen Unfrieden im Hause? Das Alles rührt zum großen Theile daher, daß man deS Herrn, seines Gottes vergessen, daß man den lebendigen Glauben an Ihn und den Gehorsam gegen Seinen heiligen Willen verlassen hat. Denn nur durch Gottesfurcht kann eine christliche Familie eine glückliche und gesegnete werden und bleiben; sie allein lehrt die Eheleute in Liebe und Treue leben und sich wechselseitig heiligen; sie auch allein gibt Weisheit und Kraft, die Kinder recht zu erziehen, der Familie vorzustehen und alles Widerwärtige in diesem Leben standhaft und gottvertraucnd zu ertragen. Treffend entwirft ein Schriftsteller der ersten Jahrhunderte das Bild einer solchen christlichen Ehe und Haushaltung: „Zwei Gläubige, verbunden zu einer Hoffnung, zu gleichem Dienste. Sie sind in Wahrheit zwei in einem Fleische, ein Leib und ein Geist. Gemeinschaftlich ist ihr Gebet, gemeinschaftlich ihr Fasten; sie belehren, ermähnen und unterstützen sich wechselseitig. Miteinander sind sie in der Kirche Gottes, miteinander am Tische des Herrn, vereint in Nöthen, in Leid und Freude. Sie verhehlen einander nichts, und keiner ist dem Andern beschwerlich. Frei besuchen sie die Kranken, Pflegen die Armen, geben Almosen ohne Zwang. Ohne Zwang besuchen sie das heilige Opfer, üben die tägliche Andacht ohne Hinderniß und oft bezeichnen sie sich mit dem Kreuze und unter ihnen verstummt das Tischgebet nicht; wetteifernd singen sie Psalmen und Lobgesänge. Solches schauet und höret Christus und freuet sich; solchen sendet Er Seinen Geist. Wo Zwei sind,.da ist auch Er, und wo Er ist, da ist nicht der Arge" (IsrtuII. 1. 2. sä uxor.). Das ist die heilige Lebens- und Liebesgemeinschaft in Christo, durch die Religion geläutert und geheiligt, getragen von gegenseitiger Achtung, Treue und milder Nachficht, und darum dauerhaft und wohlgefällig vor Gott. » 90 Der Mann ist deS Haupt des Weibes, wie Christus das Haupt Seiner Kirche ist, die Er geliebt und für die Er Sich hingegeben hat, um sie zu heiligen. Und wie die Kirche Christo unterworfen ist, so auch ist das Weib dem Manne unterlhänig, wie dem Herrn (Ephes. 5, 32—26). Der Hausvater ist Christi Stellvertreter in der Familie und sein Wahlspruch ist mit dem Gerechten des alten Bundes: „Ich und meine Söhne und meine Brüder, wir wollen dem Gesetze unserer Väter gehorchen." (1. Macchab. 2, 19). Mitten unter dem Götzendienste der Eitelkeit, der Habsucht und der Weltlust, der in so vielen Familien die wahre Gottesverehrung nicht aufkommen läßt, pflanzt «r die Fahne Jesu Christi auf, zu welcher er geschworen, und bekennt Ihn laut vor den Menschen, und betrachtet sich als Hüter und Wächter unsterblicher Seelen, die er für Christus und für daS ewige Leben heranzuziehen und zu bewahren hat. Und in gleichem Geiste wirkt im Innern des Hauses die Mutter in Liebe und Sorgfalt, mit ganzer Seele hält sie ihren hohen Beruf erfaßt, durch Milde und Ernst die zarten Herzen ihrer Kinder zu bilden und sie vor Allem zur Gottseligkeit anzuleiten. Wie jede Kunst frühe gelernt werden muß, so besonders die höchste Kunst und Wissenschaft, fromm zu leben und selig zu sterben. Darum empfängt das Kind aus dem Munde der Mutter die ersten Eindrücke der göttlichen Lehre; auf ihrem Schooße lernt es schon den Vater im Himmel kennen und den Er gesandt hat, Jesum Christum, und mit stammelnder Zunge Seinen hochheiligen Namen anrufen. Und diese religiösen Eindrücke prägen sich meist für daö ganze Leben unauslöschlich dem kindlichen Herzen ein. So konnte der heilige Augustin, den seine Mutter frühe mit dem Kreuze bezeichnet und den Namen Jesus aussprechen gelehrt hatte, später lange Zeit keinen Geschmack an heidnischen Schriften finden, weil dieser Name nicht darin vorkam. Und ein frommer und gelehrter Mann unseres Jahrhunderts spricht im hohen Alter noch voll Dank und Rührung: „Ewig bleib' ich Dein Schuldner, geliebte Mutter! So oft mir Dein Blick, Deine Gebehrde, Dein stilles Wandeln vor Gott, Dein Leiden, Dein Schweigen, Dein Geben und Arbeiten, Deine segnende Hand, Dein stilles, stetes Gebet vor Augen trat, von den frühesten Jahren an ward das ewige Leben, das Gefühl der Religion mir gleichsam neu eingeboren, und dieses Gefühl konnte nachher kein Begriff, kein Zweifel, kein Reiz, kein entgegengesetztes Beispiel, kein Leiden, kein Druck, selbst keine Sünde todten. (Sailer.) Der Mutter erste Sorge ist, dasz die Kinder Gott recht erkennen, recht lieben lernen, und da sie selbst mit aller Lehre und Ermahnung uicht ausreicht, so übergibt sie dieselben frühe in die mütterliche Hand der Kirche, damit sie am Busen dieser heiligen Mutter zur Frömmigkeit herangebildet werden und auf dem Pfade des Glaubens ihre wankenden Schritte befestigen. Ist eS doch die Kirche, welche von Oben den Geist der Weisheit empfangen hat, zur Erleuchtung und wahren Bildung des Menschengeschlechts. Unsere Mutter, die Kirche, hat Milch sür die Kleinen und kräftigere Speise für die Starken. Sie führt die einen an der Hand, die andern trägt sie liebevoll auf den Armen, und für Alle hat sie heilsame Zucht und Lehre, Milde und Ernst, Ermahnung, Beispiel und Trost. Groß und heilig ist das Werk der Erziehung, und eS kann nur gelingen, wenn das HauS, die Kirche und die Schule in voller Eintracht daran arbeiten. Keine Menschcnweisheit wird ausreichen, wenn nicht Religion und Gottesfurcht mit den Kindern aufwächst und groß wird lind sie durch das Leben begleitet. Erziehet eure Kinder in der Lehre und Zucht des Herrn (Ephes. 4, 6), mahnt ernstlich der Apostel- Alles andere Wissen ohne die Wissenschaft des ewigen Heils ist wie Spreu zu achten, und darum werden gotteSfürchtige Eltern vor Allem gewissenhaft darauf sehen, daß ihre Kinder den nothwendigen Unterricht in dem Höchsten und Wichtigsten, in der Lehre des Herrn nicht versäumen, welche allein den Weg zur Wahrheit, zum Frieden und zur ewigen Seligkeit- zeigen kann. Mit der Lehre aber verbinden sie auch die Zucht des Herrn, die den Geist des Kindes zur Demuth und seinen Willen zum Gehorsam bildet, seine schlimmen Ange- » 91 Wohnungen zügclt, seine Leidenschaften und Begierden beherrschen lehrt und dasselbe von jedem Unrechte und jeder Lieblosigkeit und von allem Unanständigen fern hält. Die Gottesfurcht ist für die Eltern selbst die Quelle wahrer Erziehungsrveisc. — Aus ihr müssen sie schöpfen die rechte Anwendung von Milde und Ernst, das rechte Maaß im Lehren und Strafen, die rechte Geduld und Mäßigung, die rechte Wachsamkeit und die nothwendige Abwehr des gefährlichen Umgangs uuv der mannigfachen Fallstricke der Verführung und des Verderbens, das im Finstern schleicht. Die Gottesfurcht allein auch lehrt die Eltern einsehen, wie keine Erziehung gedeihen kann, wie alles Lebren und Ermähnen, alles Hüten und Wachen vergeblich ist, wenn nicht die Eltern durch das eigene Beispiel, welches stärker und mächtiger als alle Worte wirkt, den Kindern ein leuchtendes Vorbild sind der Frömmigkeit und des treuen Wandels vor Gott. Betrachtet nur eine solche christliche Familie in ihrem häuslichen Leben. Da ist vas Haus eine Kirche, wo Gottes Wort hoch in Ehren gehalten wird, als das Licht auf dem dunkeln Lebenswege, als das Brod des Lebens, als fester Stab und mächtiger Schild in Noth und Versuchung. Es ist ein solches Haus eine Kirche, worin viel gebetet wird, worin die geringste Gabe alle Glieder der Familie zum Danke gegen Den vereint, Dessen Gnade wir unausgesetzt bedürfen, und ohne welche wir nichts für unser ewiges Heil zu thun im Stande sind, ja ohne welche selbst unsere Mühen und Arbeiten für dieses Leben nicht gedeihen können. Durch Gebet wird in einer solchen Familie die Arbeit geheiligt und wird zum Gottesdienste, indem Jeder freudig und im Hinblicke auf Gott seine Berufspflicht erfüllt, wohl wissend, daß es Keinem in Gottes großer Haushaltung gestattet ist, müßig zu gehen, und daß, wer nicht arbeiten will, auch nicht zu esse» verdient. Aber über den Sorgen und den Arbeiten für das tägliche Brod und inmitten der pflichtgemäßen zeitlichen Geschäfte wird nimmer das erste und wichtigste aller Geschäfte vergessen: Suchet zuerst d,as Reich GotteS und seine Gerechtigkeit! (Matthäus 6, 33.) Und wo vor Allem nach dem Reiche Gottes und nicht vorerst nach den Gütern viescr Welt gestrebt wird, da schlägt, selbst bei geringem zeitlichen Segen, Ruhe und Zufriedenheit ihre» Sitz auf; denn ein sicherer Schatz ist da für immer geborgen — Gottseligkeit mit Genügsamkeit (1. Timoth. 6, 6). Und mit diesem himmlischen Schatze ist noch ein anderes unbeschreiblich großes Gut unzertrennlich verbunden, nämlich vas christliche Mitleid und die Barmherzigkeit mit den Armen und Bedrängten. Der Arme hilft dem Armen am liebsten, und was in großen und reichen Häusern oft nicht gefunden wird, das findet sich in einer armen Hütte — zwei Schwestern, die eine heißt: Gebet, die andere: Es wird Euch gegeben (Luc. 6, 38). Unter solchem Beispiel nun blühen die Kinder heran in Unschuld und Frieden Gottes, und die heiligen Engel halten Wache über sie. Und wer sie sieht in dem Tempel, am Tische des Herrn, geziert mit heiterer Jugeudschöne, geschmückt mit Bescheidenheit und Schamhaftigkeit, der preiset Gott und fühlt sich gedrungen, auszurufen: Wie schön ist ein keusches Geschlecht, unsterblich ist sein Andenken. Bei Gott und den Menschen ist es geehrt (Weish. 4, 1). Wahrlich, diese Jünglinge, diese Jungfrauen sind durch Gehorsam und Treue der Eltern Trost und Freude, sie sind im Alter durch Liebe und Dankbarkeit ihre Stütze. Und was der Priester beim Brautsegen den Eltern verkündet, das hat sich durch GotteS Gnade und Erbarmung erfüllet: Siehe, also wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet! Die Arbeit deiner Hände wirst du genießen; selig bist du und glücklich. Deine Kinder sind wie Oel- bäumchen um deinen Tisch her. Gott segne dich von Sion aus und lasse dich schauen Jerusalems Heil alle Tage deines Lebens! (Ps. 127.) . An dem gottseligen Beispiele einer solchen christlichen Familie erbauen sich Alle, die mit derselben in Berührung kommen; eS ist ein leuchtendes und erwärmendes Licht sür alle Hausgenossen. In solcher Umgebung finden wir heilige Dienstboten, die GotteS Segen herbeiführen und bewahren helfen. Denn nicht nur wird bei der Wahl derselben auf die Tugend, als aus die vorzüglichste Eigenschaft eines guten Dienstboten, 92 die erste Rücksicht genommen, sondern sie gelten auch in der Familie als Miterlösetc, als Brüder und Schwestern in Christo und sind geachtet und geliebt von allen Gliedern der Familie; nicht nur wird Sorge getragen für gerechte und dillige Behandlung derselben in zeitlichen Dingen, sondern sie finden auch an dem Hausherrn einen Vater, der für ihr ewiges Heil wachet nnd sorget, und an der Hausfrau eine Mutter, die liebevoll in jeder Noth und Gefahr ihnen hilfreich zur Seite steht. Darum dienen sie auch gern und gehorchen mit aufrichtigem Herzen in Christo, nicht etwa bloß als Augendiener, um den Menschen zu gefallen, sondern als Diener Christi, die den Willen Gottes von Herzen thun, wohl wissend, daß Jeder sür daS Gute, das er thut, vom Herrn belohnt wird (Koloss. 3, 22—26). Man darf aber ja nicht wähnen, eö müsse eine so durch Religion und Gottesfurcht beglückte Familie ohne häusliches Leiden und Kreuz seyn. Mit dem menschlichen Leben und mit dem christlichen vor Allem sind harte Prüfungen und Leideu unzertrennlich verbunden; doch im vertrauenden Aufblicke zu Gott, der sie auf diesem Wege läutern und für den Himmel vorbereiten will, erträgt die christliche Familie Alles in Liebe und Geduld, und beflissen, die Einigkeit deS Geistes zu erhalten durch daS Band des Friedens (Koloss. 3, 12—13). Eben die gottesfürchtigcn Familien werden oft besonders schwer vom Herrn heimgesucht; denn also pflegt der himmlische Vater die Gerechten durch Leiden zu prüfen, zu reinigen, in der Tugend zu befestigen nnv zur Vollkommenheit zu führen, wie wir eS in dem Hause des frommen Dulders Hiob und deS gerechten Tobias sehen. ES kommt Armuth und schwere Sorge für daS Auskommen, aber der Gerechte hat mit Pauluö gelernt, sich mit dem, was er hat, zu begnügen, und weiß sich in Demüthigung und Ueberfluß zu schicken (Phil. 4, 11—12). Er wirft seine Sorgen auf den Herrn, der wird für ihn sorgen (I.Petr. 5, 7), und selbst beim Verluste aller irdischen Güter spricht er unbeirrt in seinem Glauben und Gottvertrauen mit dem Hartgcprüsten des alten Bundes: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat eS genommen, der Name des Herrn sey gepriesen!" (Hiob 1, 21.) Es kommt Verlust der lieben Angehörigen: „Wie eö der Wille im Himmel ist, so soll es geschehen!" (I.Macchab. 3, 6V.) Es kommt Krankheit und harte Bedrängnis; von Seite böser Menschen; aber der Gottesfürchtigc verzagt nicht, denn er weiß, daß wir durch viele Trübsale in daS Reich Gottes eingehen müssen, daß Alle, welche in Christo ein gottseliges Leben führen wollen, Verfolgung zu leiden haben, daß Denen, die Gott lieben, Alles zum Besten gereicht. Und darum auch hebt er, gestützt auf seinen Glauben und geleitet von seiner Gottesfurcht, unter den harten Schlägen, die ihn treffen, vertrauensvoll seinen Blick nach oben und tröstet sich mit deik Apostel Paulus: „Allenthalben leiden wir Trübsal, aber wir werden nicht beängstigt; wir gerathen in Noth, aber wir kommen nicht um. Wir werden verfolgt, aber nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, aber wir gehen nicht zu Grunde" (2. Kor. 4, 8—1V). Wie herrlich bestätigt sich hiernach in dem Leben der christlichen Familie die Wahrheit der apostolischen Lehre: „Die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nützlich; denn sie hat die Verheißung dieses und des zukünftigen LebenS" (1. Timoth. 4, 8), Deutlicher noch werden wir aber diese Wahrheit einschen, wenn wir den Zustand eines Hauses betrachten, in welchem Glauben und Gottesfurcht wenig gelten oder wo überhaupt diese Grundlagen deS zeitlichen und ewigen Heiles fehlen. Wie wird es bei der Schwachheit und Unbeständigkeit deS menschlichen Herzens, bei der Verschiedenheit der Charaktere, Neigungen und Gewohnheiten ohne tiefgegründete Religiosität und Gottesfurcht möglich seyn, auf die Dauer jene Liebe und Treue, jene heil. Liebesgemeinschast zu bewahren, welche auf Christus gegründet seyn und in Ihm Krast und Bestand gewinnen muß, zur wechselseitigen Heiligung und zur treuen Erfüllung der großen und ernsten Pflichten des ehelichen Standes? Wo der Gott der Liebe und des Friedens nicht im Hause herrscht, da werden bald Unfriede, Abneigung, Eifersucht und bittere Zwietracht um die Herrschast streiten, und statt des Ertragens, des VcrzeihenS und der Aufopferung im Hinblicke auf Gottes heiliges Gesetz zeigt die Geschichte deS Tageö nichts als traurige 93 Zerwürfnisse, Trennungen und Aergernisse aller Art — Ehen, ohne Gott geschlossen und darum in jeder Beziehung höchst unglücklich. Aber selbst da, wo solche betrübende Erschein nungen nicht offenkundig werden, wie trostlos ist es um ein HauS bestellt, wo man den Namen GotteS nicht täglich in kindlicher Ehrfurcht anrnft, wo man aufsteht und schlafen geht ohne Gebet zu dem Herrn des Lebens, wo man ißt und trinkt ohne einen dankbaren Ausblick zum Geber aller guten Gaben, oder wo solches zwar geschieht, aber ohne Geist und Leben, ohne Glauben und Liebe, ohne tiefes Gefühl des eigenen Elends und der gänzlichen Hilflosigkeit: wo Alles bloß Sache der Gewohnheit und Gedankenlosigkeit ist? Das ist denn auch der Grund, weßhalb es in manchem Hause mit der Erziehung der Kinder nicht glücken will, und weßhalb trotz der sorgfältigsten Leistungen der Schule, trotz des vielen Lernens und Unterrichtens das Ergebniß oft so kläglich ausfällt. Eö mangeln die drei wesentlichen Bedingungen zur wahren Erziehung: das Beispiel der Gottesfurcht, die Lehre der Gottesfurcht, die Uebung der Gottesfurcht. Wie werdet ihr die Kinder mit Erfolg zur Tugend und Religiosität heranbilden können, wenn ihr selber ihnen darin nicht vorleuchtet, wenn euer Wandel nicht, kräftiger als alle Worte, ihnen die Liebe GotteS, den Gehorsam gegen sein heiliges Gesetz prediget und Abscheu gegen die Sünde einflößet? Wie wird das Evangelium Jesu Christi, diese Gotleskraft zur Heiligung und Bcseligung Aller, die daran glauben, Wurzel schlagen und Frucht bringen, wenn eS nicht frühe in das unverdorbene und empfängliche Herz des Kindcö gepflanzt und sorglich gepflegt wird? Wie wird daS Wort des Lebenö, wie cS die Kirche verkündet, die Seele der Erziehung bilden können, wenn eS im Hause nicht wicdcrklingt, wenn gar im Hause das gerade Gegentheil gelehrt und gethan wird, wenn die Bücher, welche die häusliche Lesung darbieten, die Gespräche, welche ihr führet, so wie der tägliche Umgang Zweifel, Unglauben und Unsittlichkeit begünstigen? Wenn Niemand im Hause darüber wachet, daß die Kinder und Dienstboten gewissenhaft dem christlichen Unterricht beiwohnen? Religion und Gottesfurcht sind nicht Worte und Begriffe für den kalten Verstand allein, sondern sie sinv vor Allem Sache des Herzens, des Lebens. „Der Gerechte lebt auS dem Glauben" (Habak. Z, 4). Wie sollte aber daS ein Leben auS dem Glauben seyn, wenn nicht alle Glieder der Familie ihren Glauben öffentlich, wie im stillen häuslichen Kreise bekennen, wenn nicht gemeinsames Gebet und Hausandachten, nicht der öftere Empfang der hl. Sacramente und Befolgung der Gebote Gottes und der Kirche den Beweis liefern, daß man Gott über Alles verehrt uud liebt? Da mag viel vorgepredigt, viel gewarnt und Alles gethan werden, um den Kindern eine angemessene Erziehung zu gebe», um sie in der Welt emporzubringen; da mag man alle möglichen Kenntnisse ihnen beibringen, nur nicht die Erkenntniß der ewigen Wahrheit, nicht die Erkenntniß ihrer selbst; Fertigkeiten aller Art in Kunst und Gewerbe, aber keine Fertigkeit, keine Uebung in Dem, was gottgefällig macht, was der Seele Frieden bringt, was die Macht der Leidenschaften zügelt und das jugendliche Alter vor Unordnung und Sünde schützt. Wohl wachen da der Wächter viele, aber umsonst, wenn das Auge dessen, der Israel hütet, nicht die Jugend bewacht, wenn das heilige Gesetz des Herrn nicht die Leuchte ist auf dem dunkeln gefahrvollen Wege durch das Leben. Ach, wie viel reichbegabte und edle Seelen sind eben deßhalb, weil die Gottesfurcht ihnen nicht als das Erste und Höchste nahe gelegt wurde, so frühe schon auf Abwege gerathen, sind um die Ruhe dcS Gewissens gekommen und haben am Glauben Schiffbrnch gelitten! Allerdings hören wir viel Rühmens von der Höhe der Bildung, auf welcher wir stehen, wir prunken mit dem Scheine von Aufklärung und Anstand, aber hinter dieser glänzenden Außenseite gewahrt das scharfblickende Auge oft eine trostlose Oede, grausen- hafle Verwilderung und Verwesung im Innern — junge Leute beiderlei Geschlechts voller Anmaßung uud Dreistigkeit in der Gesellschaft, kein Gebot achtend, keine Regel kennend, als ihren Eigensinn und ihre verkehrte Lust, früh vertraut mit Dingen, von denen ihr Alter noch nichts wissen sollte, frech sich rühmend ihres Trotzes und ihrer Ungebundenheit: Das ist die Frucht einer Erziehung ohne Religion und Gottesfurcht. 94 Dazu wird bei solcher Erziehung die ernste Mahnung des Herrn: „Suchet zuerst vaS Reich Gottes und seine Gerechtigkeit" (Match. 6, 33) ganz außer Acht gelassen Alles Sinnen und Trachten des Herzens, alle Wünsche und Sorgen bewegen sich in dem niedrigen Kreise der täglichen Bedürfnisse, des Erwerbens und Genießens der vergänglichen Güter. Dagegen wird alle Zeit, welche den Angelegenheiten deS ewigen Seelenheils gewidmet wird, für verloren geachtet. Man fürchtet sich, wie der heilige Augustin sagt, das Zeitliche zu verlieren, und denkt nicht an das ewige Leben, und so verliert man beides. Mit eigener Klugheit und mit eigenem Fleiße will man Alles ausrichten, und siehe, es gelingt nicht, es gedeiht nicht, weil Gott nicht dabei ist, weil sein Segen nicht gesucht wird. Vergebens steht man früh auf und legt sich spät nieder zur Ruhe und ißt sein Schmerzenbrod, wenn der Herr nicht mitwirkt (Ps. 126, 2). Gott theilt nach seiner ewigen Weisheit und nach unerforschlichem Rathschlusse seine Gaben auS und Niemand darf mit Ihm rechten und fragen: Warum thust Du also? Aber von deS Menschen Willen allein hängt cS ab, beides zum Quell des Segens zu machen und sein ewiges Heil zu wirken, sey es im Wohlstand, sey eö in oer Dürftigkeit. Der gottessürchlige Reiche hängt sein Herz nicht an die vergänglichen Güter, er betrachtet- sich mir als den Verwalter des himmlischen Hausvaters, der bestellt ist, wohlzuthun und Segen zu spenden, und mit dem trüglichen Reichthum« sich Freunde zu verschaffen, die ihn am Tage, wo er alles Irdische verlassen muß, in die ewigen Hütten aufnehmen. Ist aber die Gottesfurcht nicht seine Führerin, siehe, so vergißt er die Rechenschaft, die er über die Verwendung seines Vermögens abzulegen hat; er wird übermüthig, setzt sein Vertrauen nicht auf den lebendigen Gott, sondern auf den Mammon, dem er dient. Er vergißt des Herrn, seines Gottes, dem er Alles zu verdanken hat, wird übermüthig und aufgeblasen und begegnet mit Stolz und Härte dem Armen und Niedrigen. Oder er mißbraucht die Gaben Gottes zu einem schwelgerischen und sündhaften Leben, zum eigenen Verderben und zum Unglücke vieler Andern. Bezeichnend schildert diesen Uebermuth der Psalmist, wenn er sagt: „Von menschlichem Ungemach erfahren sie nichts, die irdischen Heimsuchungen kennen sie nicht. Darnm übermannt sie der Stolz, sie sind von Unrecht und Bosheit überdeckt. Wie aus Fett quillt ihre Sünde hervor, sie thun nach ihres Herzens Gelüsten, denken und sprechen Sündhaftes, reden Lästerungen von der Höhe herab" (Pf. 72, 4—9). Aber falsch ist diese Ruhe, und scheinbar dieses Glück. Denn wie könnte das ein glückliches Leben seyn, wo die Hoffart täglich aufblähet, wo die Wurzel alles Bösen, die Habsucht, in zahllose Sorgen, Ungerechtigkeiten und lieblose Handlungen verwickelt? wo Ueppigkeit und Wollust die Seele verweichlichen und ein Feuer entzünden, das hinabbrenut bis in die Tiefe der Hölle? Daher läßt Gott alltäglich in Erfüllung gehen, was an den Uebermüthigen in grauer Vorzeit als warnendes Beispiel aufgestellt ist, „Ihre Missethat war: Ucbermuth, Sättigung an Brod und Ueberfluß und ihre und ihrer Töchter sorgenlose Ruhe; sie reichten dem Armen und dem Dürftigen nicht die Hand, sondern sie erhoben sich und übten Gräuelthaten vor mir: Darum raffle ich sie hinweg", spricht der Herr (Ezcch. 16, 49. 5V). Und wenn auch nicht überall der Wohlstand deS Gottvergessenen wie Spreu vor dem Winde verfliegt, und wenn auch nicht, waö so oft geschieht, ungeralhcne Kinder, in Müßiggang und Weichlichkeit erzogen, denselben als zweischneidiges Schwert zu ihrem zeitlichen und ewigen Verderben mißbrauchen; es kommt bald der Tag, da der Herr richten wird den Armen und den Reichen, den Gerechten und den Gottlosen: Dann wird die Zeit seyn aller Sachen, aller Händel und aller Werke (Predig, 3,17), und dann erscheint das reichste HauS arm unv beklagenswert!), wenn es nicht reich ist vor Gott an Werken deS Glaubens und der Liebe.. Betrachten wir nun aher auch einen Armen ohne Gottesfurcht, der nicht gelernt hat, daö Wenige, was Gott gegeben, dankbar aus seiner Hand anzunehmen und weise zu benutzen. Er ist verzagt nnd klcinmüthig und suhlt sich unglücklich in seiner Lage, und eS bcschleicht ihn der Neid über Andere, die seiner Meinung nach es besser haben. „Wie lebt doch der und der so glücklich", spricht Mancher, „wie reich und angesehen ist er!" 95 Schau aber nur auf die ewigen Güter, so wirst Du leicht sehen, daß alles irdische Gut nichtig , sehr unzuverlässig unv mit vielen Mühseligkeiten verbunden ist, und ohne Furcht und Angst nicht besessen werden kann. (Nachfolge Christi 1, 22). Wie manchem Unzufriedenen könnte man mit Recht erwidern: Du bist wahrhaft unglücklich, nicht weil Du arm bist, sondern weil Du nicht auf Gott vertrauest, weil Du, mit dem Unentbehrlichen nicht zufrieden, nach Uebcrflüssigem trachtest. Wie Viele klagen über Gott und die Welt, weil sie das, was für sie und die Ihrigen zum Unterhalte ausreichte, in Unmäßigkeit und Schwelgerei vergeudet. Wie Viele darben und klagen, weil sie in der Jugend ihre Geistes- und Körperkräfte nicht geübt, sich nicht bestrebt haben, ein-stilles Leben zu führen, ihr eigenes Geschäft zu treiben, mit ihren eigenen Händen zu arbeiten, wie eS der Apostel befohlen hat (I.THess. 4, 11); während sie ihre eigene Trägheit und ihr müßiges unthätiges Leben anklagen sollten. Während der gottselige Hausvater für das Geringe, was ihm erübrigt, Gott dankt und mit Vertrauen zu Ihm betet, und -zu seinen Kindern spricht: Wir führen zwar ein armes Leben, aber wir sind reich genug, wenn wir Gott fürchten, vor jeder Sünde fliehen und Gutes thu» (Tob. 4, 23), hören wir in dem Hause, wo Gott vergessen wird, die wildesten Ausbrüche von Verwünschungen und Flüchen über Weib und Kind, und statt des heiligen Gebetes furchtbare Gotteslästerungen. Wie kann der Segen des Ewigen über ein Haus kommen, in welchem Sein Name täglich entheiligt wird? Und was soll ich sagen von der Unredlichkeit, von den Kunstgriffen der Lüge und des Betruges, womit man sich durchzuhelfen sticht? Was von den Beispielen der Unmäßigkeit, von den schändlichen Reden selbst in Gegenwart der unschuldigen Kleinen? Von jener Versunkenheit und Gleichgiltigkeit gegen Gott und Seine heilige Kirche? Und welche Namen verdienen Vater und Mutter, die ihre eigenen Kinder an Leib und Seele verwahrlosen, die da ruhig zusehen oder selbst noch dazu mitwirken, daß sie dem Laster und der Schande sich preisgeben? Siehe, das heißt unglücklich seyn, das heißt schlechte Haushaltung führen: wenn im Hause die Sünde herrscht. Nicht Armuth, nicht Krankheit, nicht Gefahr und Noth machen das Unglück einer christlichen Familie aus, sondern die Gottvergessenheit. Wenn man tausend Sünden begeht, so kümmert man sich darum wenig, wenn aber nur ein kleines Unglück kommt, läßt man den Muth sinken, wird verzagt und des Lebens überdrüssig. Um deßwillen, spricht der heilige Chrysostomus, ist das gegenwärtige Leben voll der Mühseligkeiten und Beschwerden, damit auch die roher gearteten Menschen, die sich ganz an das Zeitliche hängen, mürbe werden, des Zeitlichen und Irdische» entleivet, der Liebe zum Himmel nachtrachten und für den Tag des Gerichtes sich vorbereiten. Weil Viele dem Fleische dienen und, von der Tyrannei des Zeitliche» gefesselt, wie Thiere in ihren Höhlen liegen und sich darin behaglich fühlen, so will Gott durch Unglück diese Neigung auS ihnen ausreißen und hat ihnen deßhalb viel Mühsal, TrauerSorgen, Kämpfe, Gefahren, das ganze Heer der körperlichen Leiden und «sei anderes Ungemach geschickt, auf daß sie, durch diese Wolke von Uebeln erschreckt, in den ruhigen Hafen zu gelangen streben und den ewigen Frieden zu gewinnen trachten, wo nicht Gutes uud Böses vermischt, sondern nur Gutes allein sich findet (B. 12, S. 338). In der Furcht des Herrn, Geliebte, ist einzig Heil und Seligkeit. Sein Auge merkt sorgend auf die Frommen und Sein Ohr ist ans ihr Flehen geneigt; Sein Zornblick aber trifft die Uebelthäter. Kommen auch viele Leiden über die Gereckten, aus allen rettet sie der Herr (Psalm 33. 16—20). Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sey Mit euch Alle»! Amen (2. Thess. 3, 18). Gegeben zu Trier, am fünften Sonntage nach dem Feste der Erscheinung deS Herrn 1851. 5 W i l h e l m, Bischof. Dr. N. Knopp, Geh. Secretär. 96 Toledo. (Aus einem Pnvatschrciben in der Dentschen Volkshalle.) Es gibt keine Stadt in Spanien, wo die neue Ordnung der Dinge mehr Unheil gestiftet hat, als in dem spanischen Köln, Toledo oder Toledoth, wie die Juden diese Stadt nannten. Nichts als Ruinen. llucxl non teeerunt Lgrbsri, seoerunt Larbsrini, wie die Römer sagen; dieß Sprichwort kann auch auf Toledo angewandt werden. Was die rohe Soldateska eines Napoleon dort verschont hatte, das haben die Freunde des Lichtes und der Aufklärung des 19ten Jahrhunderts dem Erdboden gleich gemacht. Die schönsten Kirchen und Klöster, Denkmäler der Kunst, die der berühmte Pons in seinem VisZe 5 < tt»Hkuni»KAÄ 6ms S»M tpiA Oeffentlicher Widerruf des ehemaligen Pfarrers zu Auras Jofeph Nitfchke. Am 13. Juli 1845 entsagte ich meinem Pfarrnmte, verließ die katholische Kirche und schloß mich in vollkommener Verblendung der rongeschen Secte an. Gottes Gnade und Erbarmung aber ließ mich meine schwere Verirrung erkennen und gab mir Kraft, mich derselben zu entreißen. Vor der ganzen Diöcese und vor allen katholischen Christen, deren Verzeihung ich des von mir gegebenen Aergernisses wegen in aller Demuth meines Herzens mir erbitte, spreche ich es daher öffentlich und feierlichst aus, daß ich nieinen Abfall von unserer heiligen katholischen Kirche, meinen Ungehorsam gegen die heiligste Mutter, welche getreu ihrem göttlichen Berufe und Auftrage für das ewige Heil aller ihrer Kinder liebevoll sorgt, auf daS tiefste und lebendigste verabscheue und bereue, und widerrufe ich AllcS, waS ich zur Verbreitung und Befestigung des Irrthums und der Sectirerei geredet und gethan habe. Durchdrungen von der heiligen Ueberzeugung, daß die katholische Kirche die von Gott gestiftete und durch den heiligen Geist geleitete HeilSanstalt und darum in ihren unendlich beseligenden Lehren wahr und unfehlbar sey, ist eS daher mein heiligster Vorsatz, unter dem Beistande Gottes fortan in ihrem und ihres göttlichen Stifters Geiste zu wirken, zu lehren und zu leben, und das große Aergerniß, das ich allen 104 treuen Glaubensgenossen durch meinen Abfall gegeben habe, nach Kräften wieder gut zu machen. Dazu verleihe der allmächtige Gott mir seine Gnade und seinen Beistand. Neustadt, im März 1851. Joseph Nitschke. Mainz. Frankfurt. Mainz, 18. März. So allseitig sich die Entrüstung unserer Bürgerschaft über das am 10. d. M. durch A. Seebold in hiesiger SeminariumSkirche verübte Attentat geäußert, eben so groß ist auch die Theilnahme, welche dieselbe dem verehrten Regens, dem Herrn Dr. Nickel, widmet. Von alleit Seiten und aus allen Kreisen erhält derselbe zahlreiche Beweise des Beileides und zugleich der Achtung, die dem schändlichen Sacrilegium gegenüber auf alle besser gesinnten Bewohner unserer Stadt den günstigsten Eindruck hervorbringen, da eS sich auf diese Weise bestätigt, waS ein ehrenwerthes Mitglied der ersten Kammer zu Darmstadt äußerte: daß nämlich in Mainz daS religiöse Gefühl noch icht erstorben sey. Mit den dankbarsten Gefühlen aber ward es aufgenommen, daß unter den Ersten, welche Herrn vi. Nickel nach dem auf ihn ausgeführten Mordansalle ihre Theilnahme versichern ließen, Ihre Königlichen Hoheiten unser allverehrter Großherzog nebst Hoch- dessen Frau Gemahlin nebst der ganzen Großherzoglichen Familie sich befanden, welche dem hochwürdigsten Bischöfe und durch diesen dem Herrn Regenö brieflich ihr Beileid bezeugten, wie denn über das Attentat Seebolds und die Behandlung der Mainzer Geistlichkeit überhaupt in den höchsten Kreisen sich die größte Entrüstung ausspricht. Kaum war in Darmstadt die verruchte That bekannt geworden, als auch schon von Seiten der Großherzoglichen Negierung eine Commission, bestehend aus zwei Gr. Ministerialräthen, abgeordnet wurde und in Mainz erschien, sowohl um Herrn Dr. Nickel die Theilnahme der Regierung auszudrücken, als auch um an Ort und Stelle nähere Erkundigungen und etwaige Maaßregeln vorzubereiten. — Von den a»S Mainz selbst am SchmerzenSlager des hochwürdigcn Herrn Regens sich Einfindenden erwähnen wir, außer Sr. bischöflichen Gnaden, welche täglich den Leidenden mit ihrem Besuche erfreuten, nur die hohen Militär- und Civilbehörden unserer Stadt und Bundcsfestuug, das hochwürdige Domcapel und den PfarrkleruS, nebst einer Menge Bürger und Freunde des Herr» Dr. Nickel, die sich aus der Nähe und Ferne hcrzudrängten, um auf die rührendste Weise ihre Theilnahme auszudrücken. Dieß Alles sind Erscheinungen, die ganz dazn geeignet sind, dem Auslande gegenüber den Ruf unserer Stadt in einem bessern Lichte erscheinen zu lassen, sie liefern nicht minder den Beweis, daß die Achtung vor der Religion und deren Dienern in unserm Großherzogthumc eben so gut auf dem Throne wie in den verschiedensten Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft sich immer noch in ungetrübtem Glänze wiederfindet. (M. I.) Aus Frankfurt a. M. vom 23. März wird dem M. I. geschrieben: „Zum Beweise, daß die Nohheiten unserer sogenannten civilisirten Generation nicht bei Ihnen allein zu Hause sind, mag Ihnen das Factum dienen, daß nnser Stadtpfarrer Beda Weber sich genöthiht gesehen hat, wegen der absichtlichen Störungen deS sonntäglichen FrühgottesdienstcS im Dome bei hiesigem Polizeigerichte Klage zn fuhren. ES dürfte nicht absichtslos geschehen, wenn in einer Zeit, wo gegen die „schwarze Pest" mit allen Mitteln der Hölle angekämpft wird, weil sie fast allein es ist, welche den Umsturzplänen einer nichtswürdigen Partei muthig entgegentritt, auch frühere Erzeugnisse einer lügenhaften Schandpresse wieder auftauchen. So sieht man gegenwärtig dahier eine kleine Schrift „der ostfränkische Reformator AmbrosiuS" von Georg Lommel, Frankfurt 1847, cursiren. Schon der Name deS Autors, früher Bibliothekar in Würzburg, wird erkennen lassen, waS dem unkundigen Volke in einer sonst pikanten Schreibart geboten wird." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. > Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ' M^^'^^A Augsburger Psjtzeitung. 6. April ^ läl 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspreis kr., wofür es durch alle köm'gl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. An Wilhelm Molitor. *) Gesprochen am Tage seiner Primiz den 16. März 1851 von Oskar v. Redwl'tz. O, wenn des Liedes ew'ger Hort Mir doch ein recht begnadigt Wort In dieser Stunde schenken wollt'! Ein Lied, wie ächtes, lautres Gold, Ein Lied, wie lichten Stcrnenglanz, Ein Lied mit frommem Engelsfrieden, Das ich als heitern Festeskranz, Umrciht von himmlischem Juwele, Um solch ein liebes Haupt dürft' schmieden! Doch ach! Du heißgeliebte Seele! Wie ich für Deinen heil'gen Tag Mein tiefstes Herz so still belauscht. Da hat es mählig so gerauscht, Als ob es eine Harfe wäre Mit jubelreichcm Saitenschlag, — Da stürzte fluthend Zähr' um Zähre, Ein Schauer rann durch alle Glieder, Und ich ward stumm — d'rum, o vcrgieb! Das Herz nur faßt so sreud'ge Lieb' — Zu klein dafür sind alle Lieder! Und ach, steh' nur, wie nah und sern Sie all' aus Lieb' gekommen sind, Wie Kinder sich zu sreu'n im Herrn, Der Dich, der Kirche treues Kind, So väterlich begnadigt heut'! Im thränenschwercn Mutterblick, O sieh' die sel'ge Mutterfreud' Um Dein gesegnetes Geschick! Dem Bruder sieh' in's Angesicht! Uns Alle sieh', wie freudenreich Ein Leuchten aus dem Auge bricht! ") A. d. D. BolkShallt> los Denn ach, was ist der Würde gleich, Mit der der Herr Dich heut' geschmückt? Ein Amt, das Engelsschultern drückt, Deß Helligkeit kein Mund kann sagen, Das soll nun Deine Schulter tragen! — Doch wie auch schwer die Bürde ist, An Dir soll Keiner doch verzagen, Denn wie getreu dem Herrn Du bist, Deß Aug', der stets in's Herz Dir sah, , Der Herr im Himmel weiß es ja! Der Herr, der aus barmherz'ger Lieb' Mit seiner Gnadenmacht Dich trieb, Dich loszumachen von den Banden, Und in den heil'gcn Strom zu springen, Nach gottessreud'gcm Mannesringen Geweiht am Heiligthum zu landen; Der Herr, der solchen hohen.Hirt Dir gab zum Vorbild und zum Leiter, Der Dir als Diener und als Streiter Allzeit voll Liebe helfen wird; Der Herr, er lass' in jeder Stunde Als seinen Diener Dich aus Erden,- Der Engel Freud' im Himmel werden! — Das sey aus tiefstem Herzensgrunde Für Dich erflehet von uns Allen! Und nun laßt froh die Gläser schallen, Daß Jeder freudiglich es leere! Luilelmus hoch! — dem Herrn die Ehre! Ansprache des heiligen Vaters Papst Pins »X. im geheimen Konsistorium am 17. Febr. 1851. Ehrwürdige Brüder! Unter den neuen Bischöfen der verschiedenen Kirchen, die wir Euch, Ehrwürdige Brüder, in diesem Consistorium vorschlagen sollen, findet sich auch der ehrwürdige Bruder Joseph de Silva TorreS, Erzbischof von Palmyra, mit inbegriffen, welchen wir unserm geliebten Sohne Peter Paul Figuereido, Cardinal der heiligen römischen Kirche, Erzbischof von Braga, als Coadjutor mit künftiger Nachfolge beizugeben vorhaben. Aber wir erachten es für geeignet, den Grund dieser Bestimmung kurz darzulegen, auf daß es Jeglichem kund sey, nachdem die vorhergehenden Umstände vorgeführt worden, aus welchen Gründen und mit welcher Vorsicht wir uns entschlossen haben den genannten Joseph zur künftigen Leitung der Kirche von Braga zu berufen. Derselbe Joseph, wie Ihr wißt, war Erzbischof von Goa in Ostindien. Gregor XVI., seligen Angedenkens, unser Vorfahr, hatte ihm die Leitung dieser Kirche im geheimen Consistorium vom 19. Juni 1843 anvertraut. Aber in der Zahl und der unermeßlichen Ausdehnung dieser morgenläudischen Gegenden, über welche sich bereits sowohl die gewöhnliche als Metropolitan-Jurisdiction des ErzbischofS von Goa erstreckte, gab eS damals Bischöfe und apostolische Vicare, welche keineswegs diesem Erzbischofe untergeben waren, und welche der heilige Stuhl hier eingesetzt hat, weil die Interessen der katholischen Religion es also erheischten. Denn außer denjenigen, welche gewöhnlich in die unermeßlichen Regionen des chinesischen Reiches und die angränzenden Länder, durch die apostolischen Briefe Jnnocenz XII., ehrwürdigen Angedenkens, unseres BorfahrS, für immer von den Diöcesen Peking, Nanking und 107 Makao und der Metropolitan-JuriSdiction der Kirche von Goa getrennt, gesendet, und außer denen, welche in der Folge für verschiedene Plätze von Indien bestimmt wurden, hatte Gregor XVI. selber neun apostolische Vicare in provisorischer Eigen- schaft in der Diöcese der Kirche von Goa und sein.en Metropolitan-Provinzen eingesetzt. Das war der Zweck der sehr bekannten Briefe desselben Papstes, welche mit den Worten ansangen: Uults pi-geolsre, gegeben unter dem Fischerring, den 24. April i338, eben so wie verschiedener anderer apostolischer Briefe, und verschiedener Decrete der Kongregation der Propaganda, welche diesen Schreiben vorangingen oder nachher erlassen wurden. Die veränderte Lage, der Schutz und die Verbreitung des katholischen Glaubens in Indien verlangten diese größere Fürsorge Unseres Vorgängers. In der That, in dem Maaße als der wahre Glaube, sich immer mehr ausbreitend, evangelische Missionen und immer zahlreichere Arbeiter verlangte, waren die Priester, welche die Portugiesen in jene Gegenden zu senden oder unter den Eingebornen auszuwählen pflegten, völlig nicht mehr im Stande eine solche Bürde zu tragen, besonders seitdem ein großer Theil von den der portugiesischen Macht bereits unterworfenen Orten in die Hände anderer Fürsten gefallen waren, mit Ausnahme der Städte Goa und Makao und noch einigen, der letzten Mißgeschicke deS lusitanischen Königreiches zu geschweige», in Folge deren die Sachen bis zu dem Puncte gelangt waren, daß, nachdem alle Verbindung zwischen dem hl. Stuhl und der portugiesischen Regierung abgebrochen war, die Kirche von Goa und ihre Suffragankirchen zu gleicher Zeit verwaist standen. Da wagten eS nun die Kleriker, welche damals diesen Kirchen sey eS unter dem Titel kanonischer Delegirter deS Capitels, sey eS unter welch anderem Titel immer, indem sie ihr eigenes Interesse und nicht das Jesu Christi suchten, sich den von Gregor XVI. abgeschickten apostolischen Vicaren zu widersetzen, und sich die geistliche Autorität über die Kirchen und die von dem apostolischen Stuhle ihrer Sorge anvertrauten Gläubigen anzumaßen; und auS dieser Missethat entsprangen ernste Zerwürfnisse, Zwietracht und Aergerniß. Dieß war die Lage der Dinge in Indien, was die Religion anlangt, als die Verbindungen der portugiesischen Regierung mit dem heiligen Stuhle wieder hergestellt wurden, und hierauf unsere in Jesu Christo geliebte Tochter Maria, die glaubenstreue Königin von Portugal und Algarbien, unserm Vorfahr den genannten Joseph de Silva TorreS zur Erhebung aus den bischöflichen Stuhl von Goa präsentirte. Die Stadt Goa und ihre Umgebung gehörte damals, wie noch heute, der portugiesischen Herrschaft, und war keinem der apostolischen Vicare anvertraut. Kein Hinderniß waltete ob, dieser Kirche einen Prälaten zu geben. Es war zu hoffen, daß die früher ernannten apostolischen Vicare keine Schwierigkeiten erheben würden betreffs deS genannten Joseph. In der That hatte Gregor XVI., noch bevor er sich für die Promotion entschied, zahlreiche und glänzende Zeugnisse hinsichtlich seines Glaubens, seiner Lehre und seiner Unbescholtenheit erhalten und wußte überdieß, daß er durch den apostolischen JnternuntiuS und Delegaten, welcher damals in Lissabon residirte, von den Pontificaldecreten betreffs der apostolischen Vicare unterrichtet wäre. Endlich hatte derselbe Joseph in besonderen Schreiben seinen Gehorsam und seine Unterwerfung unter den römischen Papst dem apostolischen Stuhl betheuert. Unser Vorfahr wollte nichtsdestoweniger selber den neuen Erzbifchof aufklären in Betreff der apostolischen Vicare und der Verbindlichkeit, ihre Autorität unverletzlich anzuerkennen durch päpstliche Briefe, die er am 8. Juli 1843 an ihn richtete und die ihm in Lissabon zugleich mit den apostolischen Acten, welche seine Erhebung zur Erzbischöflichen Würde in Goa bestätigten, eingehändigt wurden. Aber im folgenden Jahre, 1344, hielt sich der Erzbifchof Joseph, nachdem er in Goa angekommen, keineswegs in den Gränzen seiner Pflichten; er strebte darnach das alte Ansehen seiner Vorgänger an sich zu reißen, selbst über die Orte, welche der Fürsorge der apostolischen Vicare anvertraut waren. Auch gehorchte er nicht den Briefen, durch welche unser Vorfahr Gregor und nach ihm Wir ihn zu weiseren 108 Entschlüssen zu bewegen Sorge trugen. Daraus mußten Wir leicht zur Einsicht kommen, daß es schlechterdings nothwendig sey, diesem Erzbischvfe die Leitung der Kirche von Goa zu entziehen. Aber wir erwogen zugleich, daß der Schritt mit ernsten Schwierigkeiten und Gefahren verbunden sey, wenn die Regierung von Portugal in diesem Puncte nicht Hand in Hand mit uns ginge. Daher trugen Wir Unserem außerordentlichen Jnternuntius und apostolischen Delegaten, welcher im Jahre 1847 in Rom war und nach Lissabon zurückkehren sollte, ans, mit der königl. Regierung wegen der Zurückberufung des Erzbischofs von Goa zu unterhandeln und dieß Geschäft mit aller Sorgfalt und möglichstem Eifer zu betreiben. Als die Verhandlungen eingeleitet waren, ermangelte er (der Delegat) nicht, NnS im folgenden Jahre 1848 über die vorzüglichsten Bedingungen in Kenntniß zu setzen, auf welche hin die Sache, wie er glaubte, sich beilegen ließe; und Wir trugen Sorge, ihm unsere deßfallsige Meinung mitzutheilen. Aber der Brief, clci. 8. Juli, geschrieben von Unserem Cardinal-Staatssecretär, war in der Zeit der Wirren aufgefangen oder durch andere Umstände zurückgehalten worden, in dem Augenblicke, wo wir gegen Ende des nämlichen Jahres, gezwungen Rom zu verlassen, Unsern Aufenthalt in Gaeta nahmen. Hier erhielten wir Depeschen und Documcnte von Unserem Nuntius übersendet, aus welchen hervorging, daß zwischen ihm und der königl. Regierung im vorigen 2l. October ein Uebereinkommen getroffen worden sey, daß der Prälat Joseph von der Metropole von Goa auf irgend eine andere Metropolitankirche in paitiku8 inticlelium versetzt werden solle, und daß er, ohne Verzug nach Lissabon zurückkehrt, provisorisch mit der Stelle eines Kommissärs der Bulle für die Kreuzzüge betraut und in der Folge zum Coadjutor des Erzbischofs von Braga mit künftiger Nachfolge ernannt werden solle, nachdem er Uns durch seine Briefe jedenfalls den Beweis seiner Unterwerfung und seiner Ergebenheit gegen den apostolischen Stuhl gegeben hätte; und daß endlich, um alle nachfolgenden Streitigkeiten bei der Einsetzung eines neuen Bischofs zu Goa zum Vorhinein abzuschneiden, in dem apostolischen Acte, welcher dem erwählten Prälaten die erzbischöfliche Würde überträgt, ausdrücklich die Gränzen gezogen werden sollen, die er bei der Ausübung seiner Autorität nicht überschreiten darf. Wir erfuhren zugleich, daß die portugiesische Regierung auf Befehl der sehr getreuen Königin an 5en Erzbischof Joseph geschrieben hätte, um ihn von Alldem in Kenntniß zu setzen, und ihn dringendst aufzufordern, unverzüglich nach Lissabon zurückzukehren. Zu gleicher Zeit lag uns der portugiesische Gesandte beim heiligen Stuhl, welcher uns nach Gaeta gefolgt war, inständig an im Namen seiner Regierung, dem Prälaten, dessen Rückkehr nach Portugalbevorstand, zuzusichern, nicht bloß das Amt eines Commissärs der Bulle für die Kreuzzüge so lange zu führe», bis der Sitz von Braga vacant wäre, sondern ihn auch als Coadjutor des Erzbischofcs dieser Kirche mit nachfolgender Succession in dem gerade bevorstehenden Consistorium zu ernennen, denn eS wäre kein Zweifel, sagte der Gesamte, daß der Prälat sich beeilen würde, sobald als möglich das erwartete Unterwerfungsschreiben an Uns zu lichten. In Mitte der Bedrängnisse, von denen Wir umgeben waren, erregte diese Forderung, der Brief des päpstlichen Jnternuntius, von dem Wir gerade sprachen, und vor allem der Punct der Uebereinkunft bezüglich der künftigen Succession in der Kirche von Braga für den Erzbischof Joseph, unsere Besorgnisse in nicht geringem Maaße. Wir riefen uns all das Schlimme in das Gedächtniß zurück, welches sich dieser Prälat in seinen Verrichtungen als Erzbischof von Goa hatte zu Schulden kommen lassen; auf der andern Seite stand aber sehr zu befürchten, daß Wir, wenn Wir Uns weigerten den Vertrag Unseres Jnternuntius zu ratificiren, nicht allein Unsere Hoffnung, welche wir geschöpft hatten, diesen Prälaten auS Indien zu ent- fernen, aufgeben müßten, sondern auch zu erwarten hätten, daß er und seine Parteigänger von dieser Weigerung Anlaß nehmen würden, in diesen Gegenden ernstere Zerwürfnisse zum Nachtheile der Religion hervorzurufen. Es ließ sich jedoch hoffen, daß der Prälat, welcher übrigens in wissenschaftlicher und moralischer Beziehung nicht 109 ohne Verdienste ist, sobald ihm einmal die Gelegenheit, welche ihn zu Goa zu Verkehrtheiten verleitete, würde genommen seyn, durch die Gnade Gottes zu besserer Einsicht kommen, und in der Führung seiner neuen Kirche sein und seiner Heerde Wohl zu fördern bestrebt seyn würde. Deßhalb haben Wir uns entschlossen, nachdem Wir AlleS erwogen, wie es die Klugheit rieth, nachdem Wir einige Mitglieder Eurer erlauchten Würde zu Rath gezogen, und Uns die von Unseren Vorfahren mehr als einmal in Umständen von gleicher Wichtigkeit und Schwierigkeit getroffenen Maaßregeln vor Augen geführt hatten, dem an UnS gestellten Verlangen Unsere Zustimmung zu ertheilen, indem Wir jedoch vorher die stärksten Garantieen verlangten, wie sie die Natur der Sache erheischte. Wir befahlen daher Unserem Cardinal-Unterstaatssecretär in seiner Antwort an den portugiesischen Gesandten klar und unumwunden zu erklären, daß wenn er eS wünschte, Wir das Band lösen wollten, welches den Bischof Joseph an die Kirche von Goa fesselte, daß Wir ihn an eine andere Metropolitankirche in psrtibus inlicl«- lium tranöferiren, und endlich daß Wir ihm das Amt eines Commissärs der Bulle für den Kreuzzug zusichern wollten; daß aber der heilige Stuhl, da er, wie der Gesandte wohl wisse, gegründete Ursache zu Beschwerden gegen die Acte des ErzbischofeS in der Regierung der Kirche von Goa hat, aus Gewissenhaftigkeit nicht im Stande ist, ihm die künftige Succession der Kirche von Braga zu übertragen, ohne von ihm vorher schriftlich oder durch irgend welchen überzeugenden Act den Beweis erhalten zu haben sowohl von seinem Schmerze über das was er Uebles gethan, als auch von seinem festen Vorsatze, niemals fürderhin mehr von seiner Pflicht sich abkehren zu wollen. Der Gesandte trat dieser Erklärung bei, und da er keineswegs zweifelte, daß der Prälat die verlangten Erklärungen unverzüglich abgeben würde, drang er darauf, alles von Uns zu erhalten, was in dieser Sache unmittelbar von UnS geschehen konnte. Deßhalb tranöfcrirten Wir den 22. December 1843 in dem zu Gaeta abgc- baltenen Consistorium den Bischof Joseph von der Kirche zu Goa an das ErzbiSlhum von Palmyra in partikus inkclelium und im folgenden Monate übertrugen Wir ihm das Amt eines Commissärs der Bulle für den Kreuzzug. Als nach Verlauf einiger Monate der Prälat in Portugal angekommen war und sich in Lissabon aufhielt, verordneten Wir, daß man ihm aufs neue zu verstehen geben solle, welchen Schmerz Uns verursacht hätte sowohl was er in Indien, die Gränzen seiner Autorität überschreitend gegen den Willen des heiligen Stuhles zu thun sich nicht fürchtete, als auch gewisse Dinge, die er sich erlaubt hätte vor seiner Abreise in einigen seiner Briefe oder seiner Schriften. Jetzt aber thut es Unserem Herzen wohl, Euch, ehrwürdige Brüder, verkündigen zu können, daß der Erzbischof von Palmyra in der Weise UnS zufrieden gestellt hat, daß Wir denken müssen, er sey von ganzem Herzem durch die Gnade Gottes zu besserer Einsicht gekommen. Wir' haben von ihm einen Brief erhalten 6ä. 18, Nov. v. Jahrö, in Ausdrücken eines Mannes abgefaßt, der seine Verirrungen verabscheut, der entschlossen ist, fürderhin eine bessere Aufführung an den Tag zu legen, und durch seine Handlungen unerschütterlich seine Anhänglichkeit und seinen Gehorsam gegen den heiligen Stuhl zu erwahren. Wir legen Euch diesen Brief vor und Ihr werdet ihn nebst unserer Antwort lesen, in welcher Wir dem Prälaten Unsere Ansichten darlegen. Nach All diesem ist es Unsere Absicht, wie Wir Eingangs gesagt, heute Unsern ehrwürdigen Bruder Joseph de Silva Torres, Erzbischof von Palmyra, zum Coad- jutor Unseres geliebten Bruders und Kardinals, des ErzbischofS von Braga zu erheben, indem Wir hiemit das Recht verbinden ihm in der Negierung dieser Kirche zu succediren. Indem Wir diesen Entschluß fassen, haben Wir nur im Auge, das größere Gedeihen der Religion, und eine größere Ruhe und eine glücklichere Lage der apostolischen Missionen in Indien herbeizuführen; deßhalb tragen Wir die feste Hoffnung, daß diese von Uns ergriffene Maaßregel durch den Segen GotteS diesen Zweck erreichen und sich zum Besten der Kirche von Braga gestalten werde. 110 Das ist eS, was Wir durch Bitten und Gebete und. gottgefällige Werke zu erhalten streben vom Vater der Barmherzigkeit, durch JesuS Christus seinen Sohn, und Wir erwarten es zu Euerer Frömmigkeit, Ehrwürdige Brüder, daß Ihr nicht ablassen werdet, Euer Bitten und Gebet mit dem Unsrigen zu vereinen. * 5 * Der Inhalt des Briefes, welchen der Erzbischof von Palmhra an Se. Heiligkeit Papst Plus IX. schrieb, ist auszugsweise folgender: Im Eingange beklagt der Prälat, dem hl. Vater Schmerz verursacht zu haben durch sein Betragen und seine Abschiedsallocution in Goa, bittet dann Se. Heiligkeit, diesen Brief wohlgefällig aufzunehmen, und gesteht, daß er sein Betragen weder rechtfertigen noch loben könne. Die Promulganon der Bullen sey nicht von ihm in der Absicht geschehen, um dem hl. Stuhle zu opponiren; der Prälat wolle immerhin die Geheimnisse des hl. Stuhles bewahren, und verspricht immerwährenden Gehorsam gegen das Haupt der katholischen Kirche. Er gibt dann die Schuld der meisten Vorwürfe, die ihm gemacht worden, gewissen Schriftstellern, welche die Gränzen der Liebe und der Achtung nicht eingehalten, und endlich schließt der Brief mit dem feierlichen Bekenntnisse der Unterwerfung und Anerkenntniß der Autorität des Papstes und der Bitt? um seinen Segen. Das Antwort-Schreiben Sr. Heiligkeit vom 6. Jan. 1851 lautet im Wesentlichen dahin: zuerst werden alle Versprechungen des Erzbischofes einzeln wiederholt, dann spricht sich der hl. Vater dahin aus, daß er glaube, alle diese Versicherungen kämen aus einem reinen Herzen, und berechtigten daher zur Hoffnung, daß in Zukunft alle Handlungen und Ansichten mit diesen Versicherungen übereinstimmen werden. „Denn du darfst keineswegs vergessen, ehrwürdiger Bruder, daß es für einen katholischen Bischof nichts Theureres, nichts Verbindlicheres gebe, als die oberste Gewalt des heiligen Stuhles Petri anzuerkennen, von welchem die priesterliche Einheit ausgeht, die Einsetzung der Bischöfe und die Leitung der Kirche entspringt, als aus allen Kräften die Rechte dieses Stuhles, welche nicht auf menschliche sondern auf göttliche Autorität sich stützen, zu ehren und zu wahren, dem römi« ^ schen Papste getreulich anzuhängen, jegliche Achtung und allen Gehorsam demjenigen zu erweisen, welcher, auf diesen Stuhl gesetzt, in der Person des hl. Apostelfürsten Petrus von Unserm Herrn selbst die Macht erhalten hat, die Schafe und die Lämmer zu weiden, zu herrschen und zu regieren über die ganze Kirche auf der weiten Welt." Der hl. Vater legt dem Prälaten ans Herz, wie unselig und gefährlich es seh, von dem Gehorsam zum hl. Stuhle abzuweichen, und die Einheit der Kirche zu stören. Der hl. Stuhl erwarte zu ihm, daß der Prälat das gegebene Beispiel wieder gut mache, und die schlimme Meinung über ihn in eine gute umwandle. In dieser Hoffnung wird ihm der apostolische Segen zu Theil. Erinnerung an einen Kirchenschatz. *) Als jüngst die katholischen Blätter die Nachricht brachten, Bamberg sey wieder im Besitze eines Theiles des ehrwürdigen Schatzes seiner Kathedrale, da nahmen wir an der Freude der Metropole den herzlichsten Antheil und wünschten, eS möchten die zurückgekehrten Heiligthümer auch jenen Schatz des Glaubens und der Frömmigkeit wieder gefunden oder neu belebt haben, wodurch jene Zeiten ausgezeichnet waren, an welche sie so lebhaft erinnern. Ihre Beschreibung weckte indeß auch die wehmüthige Erinnerung an ein Kleinod auf, dessen Besitz dereinst Bamberg'S bischöfliche Suffragankirche Eichstätt vor allen übrigen auszeichnete, dessen Rückkehr sie aber niemals mehr freudig wird begrüßen können. Zwar hat Eichstätt nie das Glück verloren, die Priestergewande seines ersten Bischofes zu besitzen, und noch immer stellt es dieselben am Feste deS Heiligen zur Seite seines Altares zur Verehrung auS; dvH früherhin war eS erlaubt, an diesem -) Kath. Bl. a. Franken. "*) Wir haben darüber kürzlich im Feuilleton der Postzeitung berichtet. 111 Tage auf demselben Altar noch einen Schmuck zu bewundern, der weniger durch Kunst als durch den Reichthum ausgezeichnet war, welchen die Frömmigkeit zu Gottes Ehre geopfert hatte. Abb6 Migne hat erst vor einigen Jahren in seiner Encyklopädie der katholischen Liturgie, so wie sie in der Uebersetzung vor uns liegt, die Monstranz der Domkirche von Eichstätt als die kostbarste der Christenheit bezeichnet und bei Erwähnung ihres Werthes beigefügt, daß Niemand ihren verschwenderischen Reichthum tadeln werde, da er zur Ehre des Heiligsten der Sacramente verwendet ist. Leider hat jetzt das Allerheiligste diese Ehre, die Schatzkammer der Domkirche ihren werthvollsten Schmuck verloren, von welchen Nichts als der Schatten übrig geblieben, eine Abbildung nämlich, die in der bischöflichen HauScapelle aufbewahrt wird. Wie sich an alles Bewunderungswürdige die Sage anschließt, so hat sie eS auch hier zu thun nicht unterlassen. Sie erzählt von Bischof Johann Conrad von Gemmingen, daß er seine Jugend als Edelknabe am Hofe der Königin Elisabeth von England zubrachte und dort am Hochstifte Eichstätt präbendirt wurde. Bei der Abreise entläßt ihn die Königin mit dem Versprechen, würde dereinst eine Insel ihm zufallen, so werde sie ihm und seiner Kirche ein Andenken übersenden. Conrad bestieg, nachdem er vorher noch Domdechant von Augsburg geworden, 1595 den Stuhl des heiligen Willibald, und ein reiches Geschenk an Gold und Edelgestein bestätigt, daß die Königin ihr Wort nicht vergessen. Ein Ornat mit Perlen besetzt und eine Monstranz, die kostbarste der Welt, sollte der Nachwelt Zeugniß geben, wie ein Bischof von Eichstätt seinen Reichthum zu Gottes Ehre zu verwenden gewußt habe. Wir lassen den Werth dieser Erzählung, die nur jüngere Geschichtschreiber ken- nen, dahin gestellt seyn, genug, noch heute liest man, was ConradS Nachfolger ihm auf das Grab geschrieben, daß er bei weiser Sparsamkeit mitten in Kriegsläuften, die sein Hochstift gefährdeten, seiner Kirche einen reichen Schatz gesammelt, dessen berühmtester Theil die Monstranz gewesen. Wir haben eine Beschreibung dieses kostbaren heiligen Geräthes im Manuskript vor uns, welcher im Zusammenhalte mit der noch vorhandenen Abbildung folgende Einzelheiten entnommen sind. Augsburg hat den Ruhm, durch einen seiner Künstler die werthvollste Monstranz der Christenheit verfertigt zu haben. Jakob Bayer vollendete im Laufe eines JahreS (1610-1611) das Werk und erhielt für seine Arbeit 3000 Gulden ausbezahlt. Er wählte die Form eines Rebstockes mit 66 Trauben aus orientalischen Perlen und Edelsteinen, die das Ostensorium mit einigen kleinen Statuen umschließen und in einen Stern von Diamanten auslaufen, deren größter auf 7000 Gulden gewerthet ist. DaS Ganze wog 22 Pfund feines Dukatengold; 1400 Perlen, 350 Diamanten, 250 Rubinen und einige andere orientalische Edelsteine schimmerten vom Fuße bis zur Spitze der Monstranz. Der gesammte Werth ist auf 150,000 Gulden angegeben. Während der traurigen Zeit des 30jährigen Krieges, in welchem der Nachfolger ConradS v. Gemmingen nicht bloß sein Hochstift oftmals geplündert, sondern auch mit sterbendem Auge seine Hauptstadt in Asche gesunken sehen mußte, bewahrte die protestantische Reichsstadt Nürnberg vierzig Jahre hindurch das heilige Gefäß in ihren Mauern, bis eS endlich, wie wir einer andern Handschrift entnehmen, am 23. Dec. 1637 nach Eichstätt zurückkam, nachdem Johann Euchar das Kleinod um 60,000 Gulden wieder ausgelöst hatte. Dieser Bischof selbst erlebte nicht mehr die Freude, sie wieder auf dem Altare des heiligen Willibald zu sehen, auf dem sie am 7. Juli 1698 zum erstenmale wieder ausgesetzt werden konnte. An diesem Festtage des Heiligen sah man sie fortan jedes Jahr an derselben Stelle, gewöhnlich von vier Grenadieren bewacht. Wer da weiß, warum eS jetzt keine fürstlich eichstättischen Grenadiere mehr gibt, dem kann nicht unbekannt seyn, weßhalb er dermalen am 7. Juli vergeblich die goldene Arche des heiligsten der Sacramente auf dem Altare deö Willibaldchores snchen wird. Denn für diese Welt IIS wenigstens hatte Bischof Conrad umsonst auf den Fuß der Monstranze die Worte graben lassen: I'rsnsksrens incle vel slien3ns snatnems sir! *) S. Th. v. A. Aus dem dritten Jahresbericht des Bereines zum heil. Vineenz von Paul in Augsburg. Getreu dem Grundsatze deS Vincentiusvereins: „Aus Liebe zu Gott, also wegen Gott, die dürftigsten, ärmsten Menschen, die in unsern Mauern wohnen, aufzusuchen, sie mit vereinten Kräften zu unterstützen, auf ibr geistiges und körperliches Wohl heilsamen Einfluß, zugleich zu unserer eigenen Heiligung zu üben" — wirkte der Verein auch in diesem Jahre stille fort. Die Beiträge der Mitglieder haben Gottlob im letzten Jahre durch Mehrung der Vereinsmitglieder, sowohl der ordentlichen, deren Zahl nun 96 ist, als auch der außerordentlichen, deren wir nun 13 zählen, in erfreulicher Weise zugenommen.^) Es ward uns hiedurch möglich, 109 Arme zu unterstützen, und zwar: 1) mit Brod im Betrage von .... . 243 fl. 24 kr. 2) mit Suppe „ „ „ . . . . 7 „ 36 » 3) mit Fleisch (1328 Pfund)..... 245 ., 3 ,/ 4) mit Holz...... 12 „ 44 /, 5) mit Geld zu Miethzinsbeiträgen u. a. m. 70 ., 42 » Ferner gaben wir aus: 6) Pedell-Lohn (zugleich als Unterstützung) 49 „ — «/ 7) für lithographische Arbeiten, als Brod- Fleischkarten, Listen u. s. f. ^...... 12 „ 23 » 8) für die Vereinsbibliothek ..... 27 „ 6 » Summa 667 fl. 58 kr. Außerdem wurden noch mehrere Arme mit Kleidungsstücken, Geschenken von Mitgliedern, unterstützt. AIS einen erfreulichen Anhang zu unserm Armenberichte müssen wir noch der Verein Sbibliothek erwähnen, die im Sommer 1850 Gottlob zu Stande kam, und bereits aus 800 Bänden, — theils Jugendschriften, theils Schriften religiösen sowohl, als gemeinnützigen Inhaltes überhaupt — besteht. Katholische Männer verschiedenen Standes in und außer dem Vereine haben den größten Theil als ein Geschenk dem Vereine überlassen, wofür er heute den wärmsten Dank zollt, so wie den milden Gebern, welche die Summe von 93 fl. 18 kr. zur Erhaltung und Vermehrung der Bibliothek beitrugen, und deren Verwendung der Ausschuß sorgfältig berieth. Eben so erfreulich ist es aber auch, berichten zu können, daß bereits eine nicht unbedeutende Anzahl von Büchern durch Vereinsmitglieder (insbesondere die hochwürdige Geistlichkeit der fünf Pfarreien) unter die Jugend sowohl, als Erwachsene ausgeliehen ist, und mit Gottes Beistand heilsam und segensreich wirken wird — gegenüber dem verderblichen Gifte der schlechten Presse, die täglich ihr Unheil drohendes Haupt erhebt. — Wir schließen mit dem Wunsche, daß die Theilnahme an unsern Vereinsbestrebungen eine immer ausgedehntere werde, und ihre Segnungen sich über Geber, wie Empfänger ausbreiten mögen. ') Wer sie entfernt oder veräußert, sey dein Kirchenbann? verfallen. '*) Wären die Frauenvcrcine für arme Kranke, wie anderwärts, mit dem Vinccnzverein verbunden, so würden natürlich weit größere Summen sich ergeben, da jene im letzten Jahre in unsern fünf Pfarreien wieder über 3000 Gulden zusammengebracht haben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. -_ Verlags-Znhaber: F. C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur AUgsZmrger pojhMmg. 13. April AK. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Am Charfreitage. Wer mag ohne Thränen schauen Dieser Liebe wunderbare Flamme, Wenn der Heiland sterbend segnet Seine Feinde an dem Kreuzesstamme? Die so schwer geseufzt, die Erde, Hat den Einen Retter nun gefunden: Von des Opfcrblutcs Sühne Mag erquickt die schmachtende gesunden! Als die Erdcnsonne düster Ihren Blick in bange Trauer hüllte Und beklomm'ne Nacht und finstres Grauen Den erbebten Erdenrund erfüllte: Da ergoß des Himmels Sonne Auf das Erdendunkcl fich hernieder Und erwärmte die erstarrte Unter ihrer Strahlen Glanzgefieder! Und wie bei des Aufgangs Gluten Die erschreckten Nachtgebilde weichen; So cntflohn die düstern Schatten Bor dem Gnadcnlicht des Kreuzeszeichen. Wer mag zählen all die Völker, Die getragen von dem Zeitenstrome Durch das Thrüncnthal der Prüfung, Hingepilgert zu dem Kreuzesdome? Wer ergründet diesen Bronnen, Aus dem Millionen schon getrunken, Deren Herz von Gram gebrochen Still am Lebenswege hingesunken! Darum sey uns hochgefeiert SchmcrzenstaZ, der in dem Tod tzas Leben Mit der Himmelsgütcr höchstem Der in Sünde starren Welt gegeben.! _ ' Tafrathshofer. 114 Die heilige Woche in Jerusalem. (A»S einem Bericht des P. Johann, Secretär» des heil. Landes, an den Gencralcommissär in Wien, ) für Kartoffel und Hülsenfiüchte . . . . 108 „ 13 „ e) für Kleidungsstücke und Bettwäsche . . . 601 „ 48 „ y für Holz........ 706 „ — ., 8) für Zinsbeiträge und Prämien an die Einleger in die ZinSsparcasse ....... 560 „ 30 „ k) für verschiedene zweckmäßige Unterstützungen . . 355 „29'/?,, 1) Ausgaben für den Vereinsdiener und Local-Utenstlien 47 „ 36 „ Demnach hat der Verein seit seinem 22monatlichen Bestehen 4256 fl. 45'/, kr. verausgabt; an dieser Summe participirten mehr als 400 Arme. 118 Man begnügte sich aber nicht damit, die Armen materiell zu unterstützen, sie wurden auch von Vereinsmitgliedern in ihren Wohnungen besucht, in ihrem Thun und Lassen überwacht, und so viel als möglich moralisch gehoben, und sicherlich wurde ihnen dadurch noch mehr genützt, als durch die gespendete Gabe. Der Verein erfreut sich der Bestätigung von Seiten der höchsten kirchlichen Autorität, und ist erst jüngst vom heil. Vater Papst Pius IX. mit Ablässen begnadigt worden. Er hat auch bereits an mehrern Orten, wie in Straubing, und selbst in dem entfernten Köln und zu Gmünd in Württemberg Filialvereine. Wenn je ein Institut geeignet ist, die Wunden der Zeit heilen zu helfen, so ist es hier gegeben. Wem daher immer an einer bessern Zukunft gelegen ist, der möge sich an unsern Verein bethciligen. Den Armen muß geholfen werden, dann hilft Gott auch den Reichen. Der Arme muß wieder einsehen lernen, daß in den vornehmen und bessern Ständen ihm wohlwollende Herzen schlagen, dann wird er die Reichen und Vornehmen nicht mehr hassen und zu ihrem Untergange sündhafte Verbindungen eingehen, sondern sie als Wohlthäter lieben und mit Blut und Leben vertheidigen. Daß hiezu der Vincentiusverein ein geeignetes Mittel ist, zeigen seine Statuten. Man hört überdieß so vielfältig über den Straßenbettel klagen. Auch gegen dieses Uebel böte der Vincentiusverein ein Heilmittel. Würde ein Jeder jene Gaben, die er im Laufe eines Jahres an so manchen unwürdigen Armen verschwendet, sammeln und an den Vincentiusverein abgeben, so könnte er mit Fug unv Recht den Bettel im eigenen Hause abstellen. Der Verein würde aber durch die reichlichen Mittel, die ihm auf solche Weise zuströmen, bald in der Lage seyn, allen wahrhaft Dürftigen seine Hilfe angedeihen zu lassen. Mögen diese Andeutungen jene Beherzigung finden, wie sie die Wichtigkeit des Gegenstandes verdient. Der Ausschuß des St. Vincentiusvereins in RegenSburg. vr. Wiser, Kanonicus, d. Z. Vorstand. Berichte über Missionen. C o b l e n z. ----- Koblenz, 2. April. Die Zeit der dahier abgehaltenen Missionen ist nun vorüber. Sie wurden heute Abend, nachdem die Pfarrei zu Unserer lieben Frau sich in feierlicher Processton und in Begleitung der sämmtlichen Pfarrgeistlichkeit und der Patres Missionäre nach der St. Castorkirche begeben, durch eine ans dem freien Platze vor dieser Kirche gehaltene Predigt des RectorS S.Müller geschlossen, hierauf das Tedeum angestimmt und zum Schlüsse der sacramentalische Segen ertheilt. Bei diesem Schlußakte mögen wenigstens 7—800(1 Gläubige anwesend gewesen seyn. Ein erhabener Anblick und zugleich das beste Zeugniß für die Aufnahme, für daS Wirken der ehrwürdigen Väter. Möchten alle die guten Vorsätze, welche in der kurzen Zeit gefaßt worden sind, treulich gehalten werden. Doch wenn dieses auch nur bei Vielen, ja sollte es sogar nur bei Wenigen der Fall seyn, so wäre das schon Grund genug, uns über die Mission zu freuen, und Gott für die gespendeten Gnaden zu danken. So sehr man in unserer Stadt auch an einen recht fleißigen Kirchenbesuch gewohnt ist, so muß man es doch gesehen haben, um zu glauben, wie groß der Andrang zu den Predigten, zu den Beichtstühlen der Patres gewesen. Von dem Empfange der heiligen Sacramente kann man sich einen Begriff machen, wenn versichert wird, daß beiläufig zwei Drittheile aller Communicanten dieselben in dem kurzen Zeitraume von zwölf Tagen empfangen haben. Koblenz hat bei dieser Gelegenheit bewiesen, wie treu es an dem Glauben seiuer Väter festhält, und wie empfänglich die Herzen seiner Bewohner für die Heilswahrheiten der katholischen Kirche sind, und die wenigen Feinde dieser Wahrheiten haben zu ihrer Beschämung gesehen, wie wenig Hoffnung sie haben, unser Volk von dem Wege der Wahrheit, der allein zum Leben 119 führt, abzubringen. Möge Gott auch sie zur Besinnung, zur Besserung bringen; möge er auch ihnen seine göttliche Gnade zu dieser Bekehrung schenken. Von den Vorträgen deö Pater Gemminger ist alles entzückt, und kann ich nicht umhin Ihnen ein Beispiel mitzutheilen, was dieser eminente Kanzelredner über die Gefühle seiner Zuhörer vermag. Bei der Aufrichtung des MissionSkreuzeS hatte derselbe zum Gegenstande der Predigt sich die Aufgabe gestellt, die beiden feindlichen Heerlager, daS der Bösen unter Anführung des Vaters der Lüge, daS der Guten unter unserm göttlichen Heiland, dem Geiste der Zuhörer vorzuführen. Im ersten Theile schilderte er nun auf unübertreffliche Weise die Eigenschaften des Bösen, seine Soldaten, seine Fahne und seinen Sold — den Sold der Sünde. Hier schon blieb kein Auge thränenleer, als er eine gefallene Unschuld im Wahnsinn beim AuSgange der Kirche erscheinen läßt, und nachdem alle vergebens nach der Ursache der Erscheinung fragen, endlich ein alteS Mütterchen sich vordrängt, der Menge zuruft: — das ist der Sold der Sünde. Im zweiten Theile jedoch erreichte die Rührung den höchsten Gipfel. Nachdem er die Eigenschaften deö guten Feldherrn — Wahrheit im Munde, die Wohlthat in der Hand, die Liebe im Herzen — auf unsern Heiland angewandt, auseinandergesetzt und gezeigt hatte, wer seine Soldaten, was seine Fahne, waö sein Sold — der Lohn der Tugend — sey, suhr er fort: Nun, meine liebe Christen, nahet für euch die Zeit der Entscheidung. Welchem der beiden Feldherren wollet ihr folgen? Wollet ihr dem guten Feldherrn folgen, so antwortet mir mit einem kräftigen: Ja. Nun, wollet ihr unserm göttlichen Heiland folgen? — Was folgte? Ein einstimmiges „ja" der Männer. Und die Frauen? — Die weiten Räume der Kirche hallten von ihrem lauten Schluchzen nieder, und lange dauerte es, bis die Ruhe so weit hergestellt war, daß fortgefahren werden konnte. Seine heute Morgen »ach der Generalcommunion der Männer gesprochenen Abschiedsworte werden uns ewig unvergeßlich seyn. Dank ihm, herzlichen Dank ihm und allen den guten Vätern für daS, was sie in der kurzen Zeit an unS und für uns gewirkt haben. Gott begleite sie, Gott segne ihr Wirken, und mögen sie sich eben so gern unser erinnern, wie wir stets mit Wonne auf ihr Hierseyn zurückblicken werden. Osnabrück. Osnabrück, 26. März. Die am l6. d. M. von den hochwürdigen Jesuiten PP. Burgstahler, Mar Klinkowström und Mair im hiesigen Dome begonnene VvlkS- mission ist am gestrigen Festtage, Maria Verkündigung, beendigt. Während der Mission wurden an jedem Tage, mit wenigen Ausnahmen, drei Predigten und außerdem an den ersten Tagen für die Zöglinge des katholischen Gymnasiums und die Volksschüler am Dome und an St. Johann Religionsvorträge gehalten. Nicht bloß die Katholiken auS jenen beiden Stadlkirchspielen, sondern auch die auö den benachbarten Landkirchspielen strömten in langen Zügen zum Gotteshause, worin zu früher Morgenzeit schon die Andächtigen zum Gebete sich versammelten. Die Theilnahme an den Vorträgen der Missionäre war eine ganz allgemeine. Dazu waren vom frühesten Morgen bis zum späten Abende die Beichtstühle von Andächtigen umstellt; die Zahl derer, welche im Dome und in St. Johann die heiligen Sacramente empfingen, kann man auf 6000 schätzen. Die Rührung der Zuhörer bei den Kanzel- vorträgen, der gestärkte Eifer der Katholiken für ihre heilige Religion, so manches erhebende Zeichen einer reumüthigen, aufrichtigen Bekehrung lassen mit Sicherheit erwarten, daß der nächste Zweck der Mission: Belehrung, Befestigung im Glauben und Aussöhnung mit Gott, bei den meisten Theilnehmern erreicht sey. Hoffen wir, daß davon die weitere Folge sey, daß bei recht Vielen eine vollkommene Besserung eintritt. Mit diesem Wunsche schloß in einer eindringlichen, rührenden Rede der hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Lüpke die Mission, und hierin, so wie in den Dank, den er den hochwürdigen Herren Missionären darbrachte, stimmen alle hiesigen Katholiken aus vollem Herzen ein. Ueber die hochwürdigen Herren Missionäre ist nur eine Stimme der vollsten Befriedigung. Ihr Vortrag war klar, bestimmt, überzeugend und ansprechend; verständlich dem Landvolke und zusagend den gebildeteren 120 Ständen. Sie haben eS verstanden, Allen zu genügen. Kein Mißton hat die heilige Feier gestört. Wohl hat sich Osnabrück nach jenem unheilvollen Friedensschlüsse von 1648 die FriedenSstadt genannt; allein ich glaube, daß die gute Stadt noch nie so viele Herzen voll Frieden besessen hat, als wie beim Schlüsse dieser Volksmission. (D. Vollst).) Heiligen st ad t. Heiligenstadt, 26. März. Auch das Eichsfeld erfreut sich der Wohlthat der heiligen Missionen. Gestern wurde hier eine Mission geschlossen, welche am 13. begonnen hatte, und welche gewiß in der Erinnerung unserer Stadt unvergeßlich bleiben wird. Dieselbe ist von den hochwürdigen Vätern der Gesellschaft Jesu, Ketter er, Dann und von Waldburg-Zeil abgehalten worden. Täglich wurden in unsern beiden schönen gothischen Pfarrkirchen abwechselnd drei Predigten gehalten und von Tag zu Tage wuchs die Theilnahme und Begeisterung der hiesigen Bewohner. Die ungeheuchelle Frömmigkeit und herzgewinnende Liebe der Väter, die Verstandesschärfe deS Herrn P. Ketterer, die Herzlichkeit deS Herrn P. von Waldburg-Zeil, und die glühende Begeisterung deS Herrn P. Dann wirkten unwiderstehlich auf den Geist und das Herz der Zuhörer, und bei den Tausenden, welche an der Mission Theil genommen haben, ist nur Eine Stimme über die Vortrefflichkeit des Misstonsinstituts überhaupt und den ausgezeichneten Erfolg der hier abgehaltenen Mission insbesondere. Alle Stände, und die höheren am meisten, wetteiferten in der Theilnahme, und bei dem gestern gehaltenen Schlüsse konnten die weiten Räume der Kirche die Menschcn- masse nicht mehr fassen. Der Besuch der Beichtstühle zeigte insbesondere, wie zer- knirscht die Herzen waren, und welches große Vertrauen die Herren Missionäre als Beichtväter genießen, lim die Wirksamkeit der Mission für die Zukunft zu sichern, haben die Väter zur Theilnahme an dem Missionsvereine eingeladen, und an dem Eifer der Jugend, sich in den Verein einschreiben zu lassen, sieht man, welchen Einfluß die Mission auf dieselbe geübt hat. Namentlich haben sich die Zöglinge des hiesigen Gymnasiums und des katholischen SchullehrerseminarS bei der Mission so ausgezeichnet, daß der Herr P. Ketterer sich bewogen fand, dieß bei der Schlußpredigt öffentlich anzuerkennen. — Hier in Heiligenstadt und auf dem Eichsfelve herrscht im Ganzen noch ein gläubiger, gotteSfürchtiger Sinn. Die Versuchungen und Verführungen sind in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts jedoch so groß gewesen, daß für den Fortbestand dieses gläubigen, gotteSfürchtigen Sinnes sehr zu fürchten ist. Die Hoffnung, daß die Mission zur Weckung und Belebung deS guten Sinnes recht viel beitragen werde, scheint mehr als gerechtfertigt zu seyn, und ich glaube, daß wir unter den jetzigen Auspickn getrost die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts antreten können. (D. VolkSh.) _ Bonifaciusverein. Rottenburg. Seitdem der edle Graf Joseph von Stolberg das Project eines BonifaciuSvereineS bei uns persönlich beteieb, ist darüber fast Alles verstummt, obgleich die Idee in Vieler Herzen einen guten Anklang fand. In der letzten Zeit aber verlautete, daß für den Bonifaciusverein doch etwas Reelles geschehen soll. Bisher flössen alle für Missionszwecke'eingehenden Gelder der Diöcese, die in den letzten Jahren auf eine bedeutende Summe gestiegen waren, in den großen Verein zur Glaubensverbreitung in Lyon. Nicht weil man die dem letzteren Vereine von anderer Seite her gemachten Vorwürfe, als ob er vorzugsweise französische Interessen verfolgte, für wahr hielte, fand doch der hochwürdigste Bischof von Rottenburg für gut, sich mit den in der Diöcese bestehenden Vereinen für auswärtige Missionen an den Lud- wigSverein in München anzuschließen, jedoch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß der dritte Theil der eingegangenen Missionsbeiträge für arme, unter Protestanten lebende Katholiken in Deutschland (Bonifaciusverein) verwendet, ein Drittheil nach Lyon geschickt und der Rest im Interesse deS Ludwigs-MissionSvereineS verrechnet werde. (N. S.) _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Berlags-Znhaber: F. C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 20. April A«. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrcis kr., wofür es durch alle kvnigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Zur ersten heiligen Commnnion. Vorüber steuert des Stromes Fluth, Ein Knabe ruht daneben. Klar ist sein Auge, sein Herz voll Gluth, Und süße Träum' ihn umschweben. Er träumt von einem Königssaal, Der ihn umleuchtct sonnig, Er träumt von einem Königsmahl, Das ganz ihn erfüllet wonnig. Und friedlich, wie Schwäne des Abend« zleh'n Mit leise gehobenen Swingcn, So hört er heilige Melodie'n Ein 8snclu8, 8anctu8 singen. Wie ist ihm so wohl, so voll sein Herz Von heiliger Gluth und Klarheit! Da schrickt er empor und ruft mit Schmerz: Ach! wäre dieß Traumbild Wahrheit! Die Fischlein auf ihrer Wasscrfahrt — Sie hören die Klag' und säumen, Die Blumen betrachten ihn minnig zart, Als wüßten sie um sein Träume». Des Lenzes Lüfte ruhelos Umkosen ihm Haar und Wangen — Ihm aber ist eine Sehnsucht groß Im Herzen aufgegangen. Und siehe — was blinkt auf der Wasscrbahn, WaS rauschet so süß durch die Wogen, Als käm' ein singender, goldener Schwan Den Strom herabgezogen? Eine Gondel ist'S, lichtsonnig erhellt, Mit Segeln so rein und weiße, Und süßes Klingen die Segel schwellt — Aushorcht der Knabe leise. Ihm ist's, als hört' er den lieblichen Ton, Der ihn entzückt im Traume — Da ist die Gondel gelandet schon; Wer steigt aus des Schiffes Raume? 122 tt Il M G-^ Wer ist der hehre Gondolier, Deß Antlitz göttliche Klarheit, Umwallt von fürstlicher Locken Zier? O Knabe, dein Traum wird Wahrheit! Das ist der König im Königssaal, An dem dein Aug' sich geweidet, Er will dich führen zum Königsmahl, Das wunderbar Er bereitet. Dort trinkst du göttliches Lcbensblut Ans seines Herzens Pokale, Dort issest du Manna, so himmelgut, Ans heiliger goldener Schaale. Dort wirst dn erglänzen, ein Lichtrnbin, Wohl ohne Makel und Fehle. Und heilige, himmlische Melodien Durchzittcr» deine Seele. Da faßt es den Knaben mit süßer Gewalt, Schon hat er die Gondel erstiegen, Die Ruder rauschen Schaumnmwallt, Die weißen Segel fliegen. Und eingewieget von Himmelslust, Von Hymnen, wundertönig, So ruhen beide, Brust an Brust, Der Knabe und der König. O Knabe, seliger Knabe du, Laß nicht von des Königs Kusse! Und du, lieb Schifflcin, sahr immer zu Auf wallendem Zcitenflusse; Und bring' mir den Knaben an sichern Port An's Ufer der Seligkeiten; Dort möge der König nach seinem Wort Das himmlische Mahl ihm bereiten! Michael Helmfauer. Zur Statistik der katholischen Kirche. ( Allgemeine Zeitung.) Einer der Beamten im päpstlichen Staatssecretariate, Girolamo Petri, hat unter dem Titel: „Lemretua clella santa dliiesa eatwlic» gpostolica romima sl 1 kennaio 1851" (Rom, in der Druckerei der apostolischen Kammer. 308 S. 8.), ein Buch herausgegeben, welches dadurch, daß es einen vollständigen und bequemen Ueberblick der gesammten Institutionen deö Katholicismus in den verschiedenen Welt- gegcnden gewährt, nicht ohne mannigfaches Interesse ist. Der römische Staatskalender, welcher nach dreijähriger Unterbrechung in diesem Augenblick wieder erscheint, pflegte eine solche Uebersicht zu enthalten; hier aber ist dieselbe nicht nur besser georvnet, sondern durch eine Menge historischer Notizen bereichert, welche man freilich zum Theil reichhaltiger, zum Theil genauer wünschen möchte, die aber doch immer sehr willkommen sind, in so fern sie die Ausbreitung des Christenthums nach den verschiedenen Jahrhunderten anschaulich machen und so in der Kürze eine gedrängte Geschichte derselben geben. Hierbei zu verweilen kann nicht der Zweck dieser Anzeige seyn, welche eS hingegen mit einigen statistischen Daten zu thun hat, die bei der Durchsicht dieses nützlichen und fleißigen Buches gewonnen wurden. Dasselbe beginnt mit dem heiligen Stuhle und dem Cardinalat. Von den siebenzig Cardinalstiteln, welche das heilige Collegium zählt, sind nur drei vacant: die Bischöfe und Priester sind vollzählig, jene 6, diese 50; von den Diaconen sind nur 11 statt 14 vorhanden. Der älteste der 1S3 Cardinalpricster (als Cardinal) ist der Erzbischof Oppizzoni von Bologna, der jüngste der Fürstbischof Dicpenbrock von Brcslau Eils Cardinälc haben den Hut noch nicht empfangen und somit auch noch keinen Titel von römischen Kirchen. Die Zahl der Erzbisthümer in Europa beträgt 104. Es kommen davon auf Italien 46, auf Frankreich 15, auf Deutschland 13 (österreichische Staaten 8, Preußen 2 — Köln und Gncscn^Posen —, Bayern 2 — München-Freising und Bamberg, oberrheinische Kir- chcnprovinz Freiburg), auf Spanien 8, auf Ungarn mit Dalmatien 4, Irland 4, europäische Türkei 4, Portugal 3, Nußland 3, Griechenland und jonische Inseln 2 (Naros und Corfu), England 1 (Westminster), Belgien 1 (Meckcln). Unter diesen 104 Metropoliten stehen 427 BiSthümcr. Außerdem sind 78 Bisthümer immediat dem heiligen Stuhle untergeben, nämlich: 4 deutsche (Brcslau, Ermeland, Hildcsheim und Osnabrück), 4 schweizerische (Basel, Chur, Lausanne-Genf und Sitten), 2 spanische (Leon und Ovicdo), Chelm in Volhynicn, Malta-Rhodus und NikopoliS in der Bulgarei; alle übrigen in den italienischen Staaten. So beläuft sich die Zahl der europäischen BiSthümcr, mit Einschluß der wenigen an der nordafricanischcn Küste oder auf portugiesisch-spanischen Inseln, die unter europäischen Metropoliten stehen, wie Algier, Ceuta, Tanger, Angola, S. Jago vom grünen Vorgebirge, Teneriffa, Canaria, oder aber französischer Colonie-BiSthümer, wie Guadeloupe und Martinique, auf 609. Die unter der Leitung der Congregation der Propaganda Fide stehenden apostolischen Vicanate und Präfecturen in Europa sind 18 an der Zahl; sie umfassen die aScanischen Herzogtkümer, Königreich Sachsen, Graubündten, WalliS, Norddeutschland mit Dänemark, Schweden, Holland in 4 Bezirken, Schottland in 3 Bezirken, Herzegowina, Königreich Griechenland, Bosnien, Walachei, Moldau, Bulgarei, Konstantinopel, endlich Gibraltar. Die englischen apostolischen Vicariatc, 8 an der Zahl, sind, wie man nur zu gut weiß, im Laufe des letzten Jahres in 12 BiSthümcr mit Benennungen von englischen neugeschaffenen Diöccsen umgewandelt worden. Die Vicariatc stehen zum Theil unter den Jntcrnunticn zu München und im Haag, theils werden sie durch Titular-Bischöse in psrtilius, oder durch andere geistliche Würdenträger verwaltet. Einen untergeordneten Rang haben die Präfecturen, welche einfachen Priestern übertragen werden, denen die einzelnen Missionaricn zugegeben sind. Letzteres bezieht sich namentlich auf Asien und Afrika, besonders auf den ersteren viescr Welttheile, in welchem eS 47 unter der Leitung der Propaganda stehende Vicariatc, Delegationen und Präfecturen gibt. Von diesen sind 28 in China, Siam, Cochinchina, Tonkin, Japan u. s. w., die übrigen in Kleinasien, Libanon, Aleppo, Mcsopotanien mit Kurdistan und Klcinarmenicn, Pcrsien und Ostindien, letztere 16 an dcr Zahl. Afrika zählt außer seinen 9 unter europäischen Metropoliten stehenden Bischöfen 14 Vicariatc und Präfecturen, in Habesch, den Gallas, Ccntralafrika, Cap dcr gutcn Hoffnung, Congo, Egypten für die Lateiner und Kopten, Guinea, MadagaScar, Marocco, Senegal, Tunis, Tripoli u. s. w. Die meisten dieser Vicariatc sind neuer Crcation, nämlich auö dcr Zeit Gregors XVI. und selbst des regierenden Papstes. In Amerika gibt es 8 Vicanate und Präfecturen, zu Cayenne, Cura?ao, Jamaica mit dcn Bahama-Jnseln, in Englisch-Guyana, Ncu-Mcrico, St. Picrre und Miauclon, Snrinam und im Gebiet der Vereinigten Staaten östlich von den Rocky-Mountains. Allc diese Vicariatc sind in den Jahren 1837 bis 1350 in- stituirt worden. Süd- und Mittelamerika aber haben ihre seit Jahrhunderten bestehende Hierarchie spanischen und portugiesischen Ursprunges, welcher sich neuerdings die in Nordamerika angeschlossen hat. Zehn Metropoliransitze in dcn beiden erstgenannten Regionen deS Welttheilcs haben 41 Bisthümer unter sich; jene sind: S. Salvador in Brasilien mit 9 Suffraganeaten, Venezuela mit 2, Guatimala mit 4, la Plata mit 3, Cuba mit 1, San Jago in Chili mit 3, Lima mit 5, Quito mit 2, Santa Fe di Bogota mit 6, San Domingo mit 1 (Portorico). Nordamerika hat Erzbischöfe zu Mexico, Neu Orleans, New York, Baltimore, Cincinnati, Orcgoncity, Quebec, St. Louis (Missouri) und Port d'Eöpagne auf Trinidad, im Ganzen 9 124 mit 49 Suffraganen. Die Gesammtzahl der amerikanischen ErzbiSthümcr beträgt demgemäß 19 mit 90 BiSthümern. Oceanien zählt 2 ErzbiSthümer zu Manila und Sidney mit ll Bisthüuiern und 9 apostolischen Vicariaten, deren Crcation ganz der neuesten Zeit angehört. Nun ist noch übrig, der Patriarchal-Kirchen, so wie der Bisthümer in riartilius insiclelium zu erwähnen, über welche beive wir in dem Pctri'schen Buche genügende Auskunft finden. In europäisch-christlichen Staaten haben nur zwei Kirchen den Patriarchat Titel: Venedig (von der Vereinigung mit Aauila-Grado) und Lissabon (durch Verleihung Papst Clemens XI. im Jahre 1716). Die orientalischen Patriarchate sind zum Theil bloße Titel, wie Konstannnopel lateinischen RituS, Alcrandria, Antiochia lateinischen NituS, welche an Mitglieder der Prälatnr, die in Rom selbst residiren, verliehen zu werden pflegen. So ist Patriarch von Alerandria Mousignor Daulo Augusto FoScolo, einst als Kanzclreducr berühmt, bekannter aber noch durch die Wechselfälle cineö stürmischen Lebens in und außerhalb Italiens, jetzt ein bejahrter und kranker Mann. Auch Jerusalem war ein bloßer Titel dieser Art, biö Papst Pins IX. im Jahre 1347 mittels einer Ucbcreinkunft mit der Pforte Residenz und Jurisdiction des lateinischen Patriarchats wieder herstellte, zu welchem Monsignor Valerga, ein Lignre, ernannt wnrde. Die übrigen Patriarchate sind die der Melchi- ten in Antiochia mit der zeitlichen Residenz in Damaskus, der Maronitcn in Antiochia mit der Rcsircnz im Kloster Canvbin in CheSroan, der Syrer in Antiochia mit der Residenz zn Aleppo, der Chaldäer von Babylon mit der Residenz in Mussul, der Armenier von Cilicien mit der Residenz in einem der Klöster des Libanon, endlich das spanische Patriarchat für die westindischen Besitzungen, welches von Leo X. institnirt wurde. Die sechs vorderasischen Patriarchalkirchen nebst den crzbischöflichcn Kirchen von Babylon für die Lateiner, Konstantinopel für die Armenier, Jerusalem für die Syrer, Smyrna und Goa haben 53 SuffragaU'Sprengcl unter sich. Die Gesammtzahl der katholischen ErzbiSthümer, mit Einschluß der wirklichen Patriarchate, beläuft sich also auf 136, wovon 104 in Europa, 11 in Asien, mit Einschluß AleraudriaS, 19 in Amerika, 2 in Oceanien; die Gesammtzahl der BiStbümer auf 763, von denen 6(19 auf Europa und einige Kolonien mit Nordasrika, 53 auf Asien, 90 auf Amerika. 1! auf Oceanien kommen, so daß eS im Ganzen 899 katholische Bischofssitze in den Verschiedenen Weltthcilen gibt. Die Titel als Bischöse in pgrtidus werden an die päpstlichen Botschafter, die jedesmal Erzbischvfe seyn müssen, an Mitglieder der Prälatnr, welche in Rom selbst Aemter oder Würden bekleiden, an die Coaojutorcn oder Suffragane von Erzbischösen und Bischöfen, an hochgestellte Mitglieder von Domcapiteln, oder auf besondere Anlässe hin verliehen. Wir finden 31 Erzbischöfe aufgeführt, deren Reihe mit dem Grafen Mercy d'Argcnteau, vormaligem Nuntius in München, beginnt, und unter denen sich Monsignor di Pietro, Nuntius in Lissabon, Erzbischof von BcrytuS, Monsignor Viale Prela, Nuntius in Wien und Erzbischof von Carthago, Monsignor Garibaldi, Nuntius in Paris und Erzbischof von Mira, Monsignor Antonucci, Nuntius in Tnrin (zur Zeit abwesend), und Erzbischof von TarsuS, Monsignor Brunelli, Nuntius in Madrid und Erzbischof von Thessalonika, Monsignor Fernen, Nuntius in Neapel und Erzbischof von Sida, Monsignor Gonella, Nuntius in Brüssel und Erzbischof von Neo-Cäsarea; neben ihnen die vormalig» n Numicn Monsig. d'Andrea, Morichini, Maciotti, St. Marsan. Die Zahl der crzbischvflichen Kirchen in nkirtilzus, bei denen noch dem Namen nach die alte Eiulhcilung der Sprengel mit ihren Suffra- ganeatcn besteht, beläuft sich nach den hier gegebenen Verzeichnissen, die indeß schwerlich ganz vollständig sinv, in Europa auf 19, in Asien auf 41, in Afrika auf 14, somit im Ganzen auf 74. Die der bischöflichen beträgt in Europa 64, in Asien 234, in Afrika 74, zusammen 372. Rechnet man dazu noch 15 andere außerhalb dieses vormaligen DiöcesanverbandeS stehende Titel, die jetzt vergeben sind, so beträgt die Gesammtzahl der Kirchen in psrtidus inliäelmm nicht weniger als 461, so daß eS im Ganzen 1360 katholische Bischofstitel gibt. 125 Bekehrungen in Jerusalem. (Au« dem in der letzten Nummer bereits benutzten Schreiben des Scerclärs des heiligen Landes, Paier Johann, clil. Jerusalem 8. April 1350.) Der Geist Gottes hat zu allen Zeiten wunderbar auf das Menschcnherz gewirkt, und fährt zu deren Heil fvrt zu wirken. Dieses gestehen hier Jene, welche unS, wie der Kirche GotteS, früher fremd waren. Ich bin ermächtiget sie zu nennen. Herr Franz Ansclm Lair Patterson, Professor am DreieinigkeilS-Collcginm zu Oxford, und Herr Franz Maria Vymon, Mitglied deö Kollegiums der Verstorbenen daselbst, beide sehr bekannte und würdig geachtete Zöglinge der Orfordcr Universität, deren heutiger religiöser Geist aller Welt bekannt ist, legten bei uuö ihr katholisches Glaubensbekenntnis) ab. Ich genoß die Gelegenheit, mit ihnen zumeist zu convcrsircn, und sie theilten mir mit, wie sie auf ärztlichen Rath die Wiederherstellung ihrer körperlichen Gesundheit ans Reisen gesucht, und Gott sey gedankt, gefunden. Beide waren schon daheim von den katholischen Grundsätzen durchdrungen, und von dem Verlangen der Rückkehr in die wahre Kirche beseelt. In Egypten angelangt fühlten sie ihre Gesundheit schon vollständig consolidirt. Auf der Nilfahrt besprachen sie sich eines TageS über Religion, das dringlichste Anliegen ihreö HcrzcnS. Dieser Fluß, sagte Patterson, wie daö Meer, der milde Himmel, die reine Luft, die reichlichen Reiseerfahrungen, o Gott, wie wunderbar haben diese zur Wiederherstellung unserer Kräfte beigetragen! Nun befinden wir uns schon wohl; wenn unS aber Gott in dem heiligen Lande noch mit der Wohlthat der Religion beschenken würde, wer wäre glücklicher denn wir beide! — In der Vorosterfastcn hierorts angelangt hatten sie sich dem hochwürdigen CnstoS mit dem Bemerken vorgestellt: „sie seyen zwar Protestanten, wären aber Freunde der Katholiken." Von jenem Augenblicke an besuchten sie die heiligen Stätten Jerusalems fleißig, wobntcn unsern gottesdienstlichen Handlungen immer an, unterließen aber keine einzige in der Charwoche; und waS war der Erfolg davon? Jener, daß sie unmittelbar nach Beendigung der Charfreitagöprocession dem P. Custoö melden ließen, sie seyen nicht mehr protestantisch, sondern schon katholisch und wünschten mir der katholischen Kirche förmlich einverleibt zu werden. Da man nach gepflogenen Unterredungen, Prüfungen und nachträglichem Unterrichte die vollkommene Ueberzeugung von dein wahren Berufe, von der tiefen Gelehrtheit, von dem vollkommenen Einverständnisse mit den katholischen Dogmen und dem festen Glauben an dieselben gewonnen hatte, ward ihre Bitte endlich gewährt. Die Rückkehr so gebildeter und ausgezeichneter Individuen hatte in Jerusalem ungemeine Sensation erregt. Zu mir sprach gleich bei ihrem Anlangen eine innere Stimme, daß tiese Herren in ihrem Inneren katholisch sind; denn ich bemerkte eine seltene Unschuld auf ihrem Antlitze, alles Tugendhafte in ihren Handlungen, Kenntniß und Weisheit in ihren Worten. Wenn SilviuS Pellico spricht: „O! wie tröstend und geisteöcrhebend ist eine wahrhafte Rückkehr zur Religion!" so hatte ich Grund, mich zu freuen; wie sich aber die Nückgekehrten selbst freuten, gaben ihre Dankcswortc an den P. Custos nach Vollendung der heil. Handlung zu erkennen, welche sie, von süßer Rührung ergriffen, und freudestrahlend mit diesem Ausdrucke beschlossen: „als wir das erstemal zu Ihnen hincintraten, war unser Herz noch ziemlich ferne von Gott; heute aber haben wir Ihn in uns; gebcnedciet in Ewigkeit." Noch glaube ich erwähnen zu dürfen, wie der Protestant I. Spencer Nonlhvte, auS Philadelphia, im Begriffe, sich von dem hochwürdigcn P. Custoö zu verabschieden, sich in meiner Gegenwart ausgesprochen: „Ich schcive von Jerusalem, dankerfüllt für Ihre Aufmerksamkeiten, und noch dankbarer für Ihre Feierlichkeiten dieser Tage. Ich wünsche Ihnen Glück da-,», und empfehle mich Ihrem Gebete, auf daß der in mir gefaßte Beschluß, zum Katholicismus überzutreten, in Erfüllung gehen könne. Es wäre mir auch lieb gewesen, hier, auf dem Grabe des göttlichen Erlösers, den Irrthum abzuschwören; ich habe aber aus guten Gründen beschlossen, diesen Act in meiner Heimat, von der ich bereits zwei Jahre entfernt bin, zu vollziehen. Beten Sie also, auf daß mir diese Gnade von Gott werde. Ich habe den Entschluß gefaßt. Ihre Charwoche hat die letzte Hand anS Werk gelegt." Und hiermit trat er ab. IS« Da ich von Bekehrungen spreche, so kann ich nicht unerwähnt lassen, daß sich gegenwärtig 17 zum Katholicismus rückkehrende Griechen, 5 Kopten und 1 armenischer DiaconnS bei uns im Religionsunterrichte befinden, und kürzlich 2 Jsraeliten, nach einer langen Lern;eit, getauft worden sind. Außer diesen einzelneu BckehruugSfällcu muß ich jenen von 173 armenischen Familien aufführen, welche seil dem Herbste des v. I. bis zum heutigen Tag durch daS seeleneisrigc Wirken unseres P. GuardianS in Aleppo der heiligen Muttcrkirchc zugeführt worden sind. Ich erlaube mir seinen dicßfälligen neuesten Bericht an mich hier anzuführen: „Die Bekehrungen der schismatischen Armenier zu Adana in Kleinasien und eigentlich in Caramanien, unfern Tharsus, gehen, wie ich cS in meinem früheren Schreiben gemeldet hatte, fort; die Anzahl der convertirten Familien bcläuft sich dermalen auf 173 mit 7V0 Personen. Die im Schisma Zurückgebliebenen setzen zwar Alles aufs Spiel, um die Neubekehrten zurückzuführen; auch strengt sich ein eigens dazu auS Constnntinopel gesandter Gelehrter aufs Aeußerste an, selbe zum Rückfalle zu vermögen. Allein diese Versuche scheitern an dem festen Character der Armenier; denn die stete Erfahrung belehrt uns nur zu sehr, wie der Armenier, und namentlich der dem weltlichen Stande angehörigc, nur nach reifer Ueberlegung zu irgend einer wichtigen Handlung schreitet, uud hat er zu solcher den Entschluß gefaßt, ihn gewiß auch um jeden Preis durchführt, und wo er ihn durchgeführt, nie mehr in seinem Leben ändert. Die neubekehrtcn Familien hatten den Entschluß der Union vorlängst gefaßt, und ich habe nur ans Ersuchen und Befehl die Reise dahin angetreten, und nach geprüfter Lauterkeit der Absicht seitens der Ersuchenden das Bckehruugöwerk daselbst und die wichtige Mission übernommen, die Flehenden in den Schooß unserer heiligen Kirche aufzunehmen. Seit September v. I. weile ich dahier, die Neulinge der Kirche mit Gottes Segen im Euren bekräftigend, nud da ich von ihrer Standhafligkeit überzeugt biu, so werde ich diese in so wenigen Tagen durch den Thau dcS Himmels blühend gewordene Ernte im Kurzen der Leitung von katholischen Priestern ihres Ritus, die, vom Libanon her gerufen, bereits angelangt sind, anvertrauen. Die Bahn ist nnn gebrochen, und ich schätze mich glücklich, sie im Namen unserer Mis- sivns-Custodie zuerst versucht zu habe»; die größten Schwierigkeiten sind überwunden, und Alles ist zu künftigen höchst zahlreichen Früchten vorbereitet. Unterlassen Sie nicht, den Ewigen immer mehr mit warmen Gebeten anzuflehen, um die im Schisma Gebliebenen zu erleuchten, und den neuen Kindern der heiligen Muttcrkirchc die Gabe der Beharrlichkeit zu verleiheu. Dort, wo der Katholicismus wieder aufblühen wird, und darauf hoffe ich fest, auf seinen alten Sitzen von Lycien, Pamphilien, Cilicien, Cappadocien, o welches Heil sehe ich der Menschheit, welches Verdienst unserer Misston vorbereitet, welche immer ans gleicher Höhe bleibend, die Vortheile der Mühewaltung zn keiner Zeit in Betrachtung zog; denn sie ist bereit und entschlossen, auf der Bahn des heiligen Evangeliums, wie durch die verwichcnen sechs Jahrhunderte, so auch in Zukunft, im Morgenlande fortzuwandelu, GotteS Wort predigend, Unwissende belehrend, Sünder bekehrend, uud die durch ihr apostolisches Wirken Bekehrten nachher der Leitung solcher Geistlichen anvertrauend, die, vereint mit der katholischen Kirche, von dem bezüglichen Ritus sind. Wenn daher die Melchitischen Griechen, die Armenier und Marouiten gegenwärtig in Aleppo, in Damaskus, in Nazarelh, in Jaffa, Cairo und andern Orten eine zahlreiche Hecrde besitzen, so verdanken sie selbe stets unserer Mission, welche sie ihnen mitten unter stürmischen Zeiten bewahrt, vermehrt, und dann in den Tagen des Friedens übergeben hat. Daß schließlich der Libanon katholisch geblieben, ist dem Blute unserer Missionäre zn verdanken. So wenig aber Adana der erste unserer Ruhmesplätzc ist, so wenig wird es der letzte derselben seyn. O! möge uns Gott seine Hilfe freigebig spenden, auf daß wir sein Werk vollbringen können." — Dieß sind die Worte deö P. Quardians. In der Folge werde ich Euer Hochwürden über diese Bekehrung MehrcrcS berichten. 1S7 Eine eigenthümliche Nothtanfe. Ein zuverlässiger Mann berichtete unö vor kurzein folgende Begebenheit: Im Herbst des verflossenen Jahres hielt Pfarrer zu Metz in der dortigen Pfarrschule die Katechiömusstunde. Eben war von der Nothwendigkeit der heiligen Taufe zur Seligkeit die Rede, als die Kinder mit einer eigenthümlichen Besorgniß nach der kleinen Esther, ihrer jüdischen Mitschülerin, hinsahen, die in einer Ecke der Schule über ihrer Lection sitzen geblieben, der aber auch kein Wort von dem christlichen Unterrichte entgangen war. Kaum war der Unterricht zu Ende, als die christlichen Freundinnen der kleinen Esther mit großer Bekiunmerniß sich nahen, da ihre Gespielin ja augenscheinlich in großer Seclengefahr sich befand. Auch Esther war sichtlich verstört und bedürfte es von Seiten der Kinder nichl vieler Ueberredung, sie zur Taufe zu bewegen. ES wurde uun Rath gehalten, was anfangen. Man ging mit Estherchen zum Pfarrer, damit dieser doch ihrem Wunsche, getauft zu werden, willfahren möchte. Der Pfarrer belehrte die Kinder, daß dazu die Einwilligung der Eltern des JudenmädchenS durchaus erforderlich sey, sonst dürfe er die Taufe nicht vornehmen. Mit der Ermahnung, für Estherchen zu beten, entließ er gerührt die guten Kinder. Was nun anfangen? Die besten Freundinnen Estherchens gehen mit ihr zu den Eltern, die natürlich den Kindern ihre Bitte rund abschlagen. Die Kinder, Estherchen nicht ausgenommen, sind untröstlich, da ja ohne Taufe es unmöglich ist, selig zu werden. „Aber," sagt eines von den Mädchen, „hat der Herr Pfarrer nicht gesagt, daß im Nothfälle ein Jeder, selbst wenn er ein Heide wäre, taufen könne? Und hier ist gewiß ein Nothfall, denn Estherchenö Seele ist in Gefahr, der Pfarrer darf nicht taufen, die Eltern wollen die Taufe uicht zugeben. Estherchen, bist du damit zufrieden, wenn wir dich taufen?" Estherchen ist überfroh, daß sie doch min noch getauft und selig werden könne; sie ist mit Allem zufrieden. Nun halten die Mädchen Rath, wie sie Alles einrichten wollen. Die dem weiblichen Geschlechte angeborene Schlauheit in allen eigenen Angelegenheiten kommt ihnen zn Statten. Zuerst beginnt der Unterricht. In den Spielstunden, wenn Niemand ihnen nachspürt, gehen sie mit Estherchen hinter die Kirche vor das Kreuz knien, beten die lauretanische Litauei, rufen den heiligen Geist an, setzen sich dann im Kreise um die liebe Freundin und unterrichten sie im christlichen Glauben. Ihr Eifer uud ihre Sorgfalt lassen nichts zu wünschen übrig. Und vorsichtig uud verschwiegen sind sie alle, Estherchenö Seelenheil steht ja auf dem Spiele. So treiben sie's geraume Zeit, bis sie glauben, nun sey'S genug, nun könne Estherchen getauft werden. Die Pfarrkirche steht dort zumeist den ganzen Tag offen, Mittags ist sie in der Regel völlig menschenleer; auch daö Taufbecken ist nicht verschlossen. Das AlleS haben die Mädchen wohl erwogen und abgeschaut. Nun wirv ein Tauftag augesetzt und Vorbereitung gemacht wie zu nuem Feste. Wie zum Spiel versammeln sich die Bethciligten zu festgesetzter Stunde vor der Kirche, schlüpfen hinein — richtig, kein Mensch stört sie in ihrer Andacht. Da fällt es, gerade als man im Begriffe steht, die heilige Handlung vorzunehmen, einem der Mädchen ein, daß der Pfarrer gesagt: auch im Falle der Nothtaufe solle die Taufe nicht durch eine Frau geschehen, wenn ein Mann zu haben wäre. Nnn aber spielten gerade mehrere Kuaben vor der Kirche. Das Mädchen machte ihre Gespielinnen auf diesen Umstand aufmerksam. Neue Verlegenheit. Doch rasch entschlossen, eilt eines der Mädchen zur Kirchthüre und ruft dem Theodor, dem Nachbarssohne, der ja anch in den christlichen Unterricht geht. Der weist die Ruferin zuerst barsch ab, da sie ihn im Spiele stört, doch endlich kommt er doch, uud wird nun in der Eile in das Geheimniß eingeweiht. „Da eine Frau nicht tanfen soll, wenn ein Mann zu haben ist, Dn aber ein Mann bist, so komme und taufe Estherchen! Wir haben Alles fertig." So lautete die Schlußrede. Theodor bedenkt sich nicht lange und tritt in die Kirche. Die andern Mädchen sitzen mit Estherchen am Muttergotteöaltare uud beten die Vorbcreituugsgebete zur h. Taufe, die lauretanische Litanei und rufen dann den heiligen Geist an. Dann wird eine Wache an die Thüre 128 postirt und Estherchen getauft. An der nothwendigen guten Meinung hat eö Allen nicht gefehlt. Die Kinder sind überselig, danken der guten Gottesmutter für ihren Schul) und gehen dann nach Hause, als ob nichts vorgefallen. Estherchen aber selbst ist so glücklich, alö ob sie bereits schon mit einem Fuß im Himmel stände. Drei Tage darauf erkrankt Marie-Estherchen und zwar sehr bedenklich. Nun erst beginnt recht eigentlich die Noth der Kinder. Weinend kommen sie zum Pfarrer und erzählen AlleS, waö vorgefallen. Da war guter Rath theuer, denn mit Juden ist in solchen Dingen allein nicht gut handeln. Während man überlegt, waö zu thun, und der Pfarrer eben mit den Eltern Estherchens über das Vorgefallene sich benehmen will, anch wieder zaudert, um dem kranken Kinde nicht unnöthige Unruhe zu machen, stirbt Marie-Estherchen am siebenten Tage. Der Pfarrer, ein sehr geachteter Mann, verfügte sich sofort zn ihren Eltern und erzählt ihnen, waS die Kinder mit einander ausgeführt. Estherchen sey giltig getauft und als Christin gestorben. Er könne sie zwar nicht gesetzlich dazu anhalten, ihr todtes Kind christlich beerdigen zu lassen, indeß bäte er sie sehr darum. DaS gestehen endlich die jüdischen Ellern zu, und für die Gespielinnen des keinen Engels gibt'S ein neueö, aber leider, wie sie meinen, trauriges Fest. Wenige Tage nachher meldeten sich die Eltern der Verstorbenen beim Pfarrer und baten um christlichen Unterricht und die Taufe. Marie-Estherchen hat im Himmel mehr über das Elternherz vermocht als auf Erden. (F. St.) Berichte über Missionen. Kiederich, 4. April. Gestern kamen die mit frommer Sehnsucht erwarteten vier hochwürdigen Väter Redemptoristen, Superior Hampl und die Patreö KastI, Riegger und Roß maier hier an, um für daS obere Rheingau eine Mission zu halten. Die Kunde davon hatte sich mit Blitzesschnelle weithin verbreitet und schon in aller Frühe deö heutigen TageS eilten die Gläubigen von allen Seiten herbei, um die erhabenen Wahrheiten des Christenthumes aus beredtem Munde zu vernehmen. Die Zahl der Anwesenden kann wenigstens auf sechs bis acht Tausend angenommen werden. Der Zndrang der Gläubigen war so groß, daß die zweite Predigt um zwei Uhr des Nachmittags unter freiem Himmel auf dem geräumigen Kirchhofe abgehalten werden mußte, und zwar von der Kanzel der im reinsten gothischen Style erbauten Capelle, die zu den schönsten kirchlichen Gebäuden deS ganzen Rheiugaueö gehört. Der Anfang ist viel versprechend, und es ist kaum zu zweifeln, daß die Theilnahme, wie dieses allerwärts der Fall war, von Tag zu Tag zunehmen werde, so daß die Mission am 13. d. M. mit einer wahrhaft erhebenden Feier schließen dürfte. Besonders ergreifend ist am Abend um acht Uhr der Ton der Bußglocke, der die Gläubigen einladet, für ihre eigene und für die Bekehrung aller Sünder zu beten. Noch immer Hort man von neuen Rückerstattungen gestohlener Sachen oder deren Geldwert!) an die frühern Eigenthümer, als Folge der in Geisenheim stattgehabten Mission. In einer von dem Orte der Mission schon entfernter liegenden Gemeinde deS Rhein- gaueS sind unS noch dieser Tage drei Fälle bekannt geworden. Solche Vorfälle geben Zeugniß von der außerordentlichen Wirkung der Missionen, und daß sie bei Vielen den festen Vorsatz hervorgerufen, sich zu bessern und die frühern Vergehen nach Kräften wieder gut zu machen. In solchen außerordentlichen Zeiten, wie die unsrigen, in welchen der crasseste Unglanbe bis in die niedersten Volksclassen sich verbreitet hat, können auch nur solche außerordentliche Mittel, wie sie die katholische Kirche darzu» bieten hat, noch helfen. (M. I.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, VerlagS-Jnhaber: F. S, Kremer. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 27. April /G"' K? «851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprcis 4V kr., wofür es durch alle köm'gl, baycr, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Ueber Pastoralconferenzen. Der Fürstbischof von Seckau und Bislhumsverweser von Leoben, Joseph Othmar, hat unterm 17. März d. I. an den Klerus seiner Diöcesen einen Hirtenbrief in Betreff der Abhaltung von Pastoralconferenzen gerichtet. Wir entnehmen demselben die Eingangsstellen, welche sich im Allgemeinen über Bedeutung und Zweck solcher Konferenzen auösprechen: Der Buchstabe ist bestimmt, der Träger des Gedankens zu seyn; der Gedanke, welchen er uns bringt, kann mächtig seyn, zu erleuchten und zu entflammen und er ist es oft gewesen Allein gewaltiger noch greift das Wort, welches auS dem Herzen zum Herzen tönt, in daö Innerste deS Menschen ein. Darum hat die Kirche, über welcher der Geist der Weisheit schwebt, bei allen ihren Einrichtungen dem lebendigen Worte große Geltung gegeben. Als die Apostel ausgingen, um das Angesicht der Erde zu erneuern, kamen sie nicht mit der heiligen Schrift in der Hanv und sprachen: Leset, liebe Leute, was hier geschrieben steht! Vielmehr blühten schon viele Gemeinden von Gläubigen in der Fülle eines Eifers, von welchem unsere Tage nur vereinzelte Beispiele sehen, bevor ein einziges Buch der heiligen Schrift des neuen Bundes geschrieben war. Als Boten der Gnade, deren begeisterndes Walten auS ihrem ganzen Wesen hervorleuchtete, traten sie vor die Ungläubigen, welche das Joch des Gottesdienstes und des Lasters trugen, und predigten den Auferstandenen in E» weisung des Geistes und der Kraft. Wir besitzen nun die heilige Schrift, in welcher Gott selbst daS Wort seiner Wahrheit uns zum Unterrichte und zur Ermaknung niedergelegt hat. Wir besitzen viele und vortreffliche Werke, in welchen Männer voll himmlischer Erleuchtung DaS, was der Herr sie gelehrt, für ihre Brüder aufbewahr» haben. Die Bücher, einst ein theurer, Wenigen zugänglicher Schatz, sind wohlfeil geworden und die verbreitete Kunst des Lesens hat sie sogar in die bescheidene Wohnung des Landmannes eingeführt. Demungeachtet verordnet die Kirche so lringend wie vor einem Jahrtausenve, daß die christliche Gemeinde sich versammle, um die Verkündigung des Evangeliums zu hören und läßt keineswegs die Entschuldigung gelten, daß man ja auch zu Hause die schönsten Predigten lesen könne: denn „wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, dort bin ich mitten unter ihnen" spricht der Herr. Der Christ soll den Unterricht, welchen daS geschriebene Wort gewähren kann, mit Eifer benutzen, aber er soll deßhalb nicht versäumen, den Samen deS lebendigen Wortes in Mitte der gläubigen Gemeinde in sein Herz aufzunehmen. In demselben Sinne gestaltete die Kirche auch die Einrichtungen, durch welche sie die Lehrer deS Volkes, die Verwalter der Geheimnisse Gottes in ihrem heiligen Berufe zu kräftigen und zu vervollkommnen sucht. Der Priester soll, damit seine äußere Thätigkeit an Segen reich sey, nicht bloß für die äußere Thätigkeit leben; er 13V soll gewohnt seyn, i» sich selbst einzukehren und in der Betrachtung der Wahrheiten, die er Andern zu verkündigen hat, sich dem Throne teS Allerhöchsten zu nähern; er soll aber auch gewohnt seyn, der Vervollständigung jeder Erkenntniß, welche seinem Berufe frommt, eine entsprechende Zeit zu widmen, damit er den Auftrag deS Apostels erfüllen und wie mit Geduld so auch mit Lehrweisheit ausgerüstet ermähnen und predigen könne. ES ist seine Pflicht, in der heiligen Schrift niemals fremd zu werden, sondern in ihren reichen gotterfüllten Sinn immer tiefer einzudringen. ES ist aber auch seine Pflicht, keine Kenntniß gering zu achten, welche ihn leiten kann auf dem Wege, wo er die Verirrten zu suchen und die Schwachen zu stützen hat. Zu Bewahrung und Förderung eines solchen, ächt priesterlichen Strebens kann die Anregung, welche ein Verein von Gleichgesinnten und der Austausch ihrer Ueberzeugungen gewährt, als wirksames Hilfsmittel dienen. Um unter den Priestern eine solche heilbringende Gemeinschaft zu vermitteln, hat der schöpferische Geist, welcher in den katholischen Einrichtungen waltet, Vieles gethan und Vieles begründet. Namentlich rief er zu diesem Zwecke die Zusammenkünfte hervor, welche man Pastoralcon- ferenzen zu nennen pflegt. Die Pastoralconferenzen sind Versammlungen, auf welchen die Seelsorger eincS größeren oder kleineren Bereiches sich vereinigen, um Fragen, welche die Verwaltung der Seelsorge betreffen, gemeinsam zu erwägen. Unstreitig ist es möglich, daß der Einzelne sich im einsamen Gemache mit denselben und vielen andern Dingen auf eine sehr nutzbringende Weise beschäftige. Allein für uns Alle ist es heilsam, daß ein äußerer Antrieb den innern manchmal verstärke und ergänze. Nichts wird so leicht versäumt als Dasjenige, wozu man nicht durch eine vollkommen bestimmte Pflicht gerufen wird. Daß der Priester sich mit dem, was er in den theologischen Studien erlernte, nicht begnügen, daß er die Kenntnisse, welche er dort empfing, nicht bloß bewahren und durch die Erfahrung beleben, sondern auch vervollkommnen und erweitern solle, dieß wird wohl von Niemanden geläugnet. Darum findet man auch, daß eS gut und löblich sey, in diesem Sinne zu handeln und nimmt sich vor, eS zu thun. Aber den Meisten scheint es anlockender und leichter, im äußern Leben zu wirken, alS sich viel mit den stummen Büchern zu beschäftigen und die Gedanken anhaltend zum Erwägen und Studiren zu sammeln. So geschieht es, daß man von der Ausführung deS guten Vorsatzes fast unmerklich abgelenkt wird. Heute ergibt sich dieß, morgen jenes Geschäft; jetzt ist man unwohl, jetzt nicht aufgelegt. Allein nun wird ein Tag für die Pastoralconferenz festgesetzt. Man will nicht ausbleiben, man will aber auch nicht kommen, ohne etwas Gründliches sagen zu können. Man schenkt den vorgelegten Fragen eine Stunde der Erwägung. Man schlägt in diesem oder jenem Buche nach und lieSt dabei auch Vieles, was zu dem Gegenstande in entfernterer Beziehung steht. Bei der Pastoralconferenz selbst vernimmt man daS Ergebniß der Erfahrungen und Forschnngcn Anderer. Der lebenvolle Verkehr wirkt aber nicht nur durch die Mittheilungen, welche man empfängt, sondern auch durch die Anregung der eigenen geistigen Thätigkeit. Der heilige Papst GregoriuS macht hierüber eine merkwürdige Aeußerung, welche er auS dem seltenen Reichthums seiner innern Erfahrung schöpfte: „Häufig, sagt er, geschah eS, daß mir Vieles auS der heiligen Schrift, welches ich, wenn ich allein war, nicht verstand, wenn ich mit meinen Brüdern war, deutlich wurde." Uebcrdieß soll die Pastoralconferenz nicht bloß für Entwicklung und Bereicherung deS Wissens dienen, sondern vor Allem die Gesinnung, in deren Dienste allein daS Wissen Werth hat, ermuntern und kräftigen. Man sagt mit Recht: Beispiele wirken mehr als Worte; aber die Ueberzeugung, für welche das Wort und neben dem Worte das ganze Aeußere zum Ausdrucke dient, ist auch ein Beispiel. Bei einer Pastoralconferenz, wie sie von der Kirche gewünscht und empfohlen wird, entzündet der Hirteneiser deS Einen sich an dem Hirteneifer des An, dern und jeder nimmt Licht oder Wärme als seinen Antheil mit sich nach Hause. Die Pastoralconferenzen haben den Wandel menschlicher Dinge erfahren. Sie begegnen uns schon in frühen Zeiten der Kirche, wenn auch unter verschiedenen Namen 131 und Formen. Im neunten Jahrhunderte standen sie ausgeprägt da und erst als das Mittelaltcr sich zu Ende neigte, schienen sie zu ersterben; allein sie glichen den Keimen, welche in winterlicher Erde ruhen und des Frühlings harren. Der heilige Karl BorromäuS, dessen Eifer für die wahre Reformation der Kirche kein Hilfsmittel der Erneuerung übersah, erweckte auch die Pastoral- (oder Capitel-) Conferenzen zu verjüngter Wirksamkeit; von neuem verbreiteren sie sich in der katholischen Kirche und trugen vielfache Früchte deS Heils. Wieder ermattete der Eifer, auch die Ungunst äußerer Verhältnisse wandte sich wider diese harmlosen Zusammenkünfte und als das achtzehnte Jahrhundert schloß, waren sie fast überall spurlos verschwunden. Allein sie traten sehr bald wieder hervor und fanden in mchrern Ländern Aufnahme und Pflege. In diesem jüngsten Zeitraume ihrer Thätigkeit waren sie nicht aller Orten von dem Geiste beseelt, in welchem sie von den frommen Hirten der Vorzeit gegründet und von dem heiligen Karl erneuert wurden. In einem hartgeprüften Kirchsprengel erkor eine Partei, welche die Lehre, die Verfassung und Disciplin der katholischen Kirche haßt, schon vor Jahrzehnten die Pastoralcvnferenzen zu ihrem Werkzeuge und theilweise gelang es ihr, auf den Pastoralconferenzen zu herrschen. Allein man soll sich nicht scheue«, den Weizen zu säen, weil das Unkraut dazwischen aufsprossen kann. Darum wandte die bischöfliche Versammlung, welche im Mai und Junius 1849 zu Wien gehalten wurde, den Pastoralconferenzen ihre Sorgfalt zu und vereinigte sich zu dem Beschlusse, daß die Wiederherstellung derselben dringend zu empfehlen sey..... Der glaubenslose Priester. -j- Der glaubenslose Priester ist wahrlich ein armer, armer Mensch, und wer einen Solchen zurückbringen könnte zum Glauben, ihn wiedergeben der Würde seines Berufs, deren Gewänder er bloß trägt, der wäre in der That ein großer Wohlthäter! Denkt Euch den glaubenslosen Priester in Gesellschaft, wo schlechte Blätter gelesen ober gelobt werden, und wo man über die Pfaffen, über die „betrogenen Betrüger" loszieht. O du Armer! was wirst du thun? Du wirst ihnen Recht geben im Innern, und da du deines RockeS und Standes nun einmal nicht so leicht los werden kannst, wie sitzest du da in solcher Gesellschaft! Da sitzest du. stumm, weil du dich noch deines GewandeS einigermassen schämtest, wenn du Beifall klatschen wolltest, und du redest nicht, wo du reden, nämlich die Ehre deines Standes und deiner Kirche männlich vertheidigen solltest; so sitzest du da und spielst eine jämmerliche Rolle, du armer, armer Mensch! Und wenn du im Beichlstuhl sitzest und hörst das demüthige Bekenntniß so mancher gläubigen und frommen Seele und schauest hinein in ihr ganzes Leben und verlachst bei dir selbst „die dumme Offenherzigkeit" und kömmt dir selber ganz curios vor, daß du der dummen frommen Seele eine Absolution ertheilen sollst, die du nicht verdienst und an die du nicht glaubst, — und bist „neugierig", was dir wohl dieses und jenes Beichtkind anvertrauen werde, sitzest lauernd im Beichtstuhl, wie die lauernde Spinne im Holzwinkel, um die harmlos heranfliegende Mücke zu fangen; — mit welchem Gefühl magst du wohl oft auö dem Beichtstuhl gehen und in deine entweihte Wohnung zurückkehren, o du armer, armer Mensch! Und am Altare!--Dort, wo du, Heuchler vor Gott und den Menschen, das heiligste aller Geheimnisse feiern sollst an einem Ort, den deine unwürdige Gegenwart entehrt; was fühlst du wohl während der ganzen heiligen Messe? Was fühlst du besonders, du armer, armer Mensch, wenn der Augenblick der heiligen Wandlung kömmt, wenn Hunderte gläubiger Christen, die hinter deinem ehrwürdigen Gewand nicht den unehrwürdigen Heuchler ahnen, voll heißer Andacht, voll inniger Liebe auf die Kniee sinken, — was fühlst du da wohl? Unv waS fühlst du, wenn du, glaubenslos und gewissenlos, bei der heiligen Communion, die du mit äußerlichem Respect 13s celcbrirst und innerlich belächelst oder doch gleichgiltig betrachtest, daran bist, dir den Tod und daS Gericht hincinzuessen, du armer, armer Mensch? Und wenn vu, ein hohler Kürbiß, äußerlich schön bemalt, die Kanzel besteigst; o du Acrmster! Wo sollst du Gedanken, wo heilige Eingebungen, wo fromme Gefühle, wo hinreißende Begeisterung hernehmen? Wo willst du, im Schweiß deines uurvü» digen Angesichts, Worte und Wendungen hernehmen, um „die Dummköpfe da unten", die zu dir mit frommem, heilöbegierigem Blick hinaufschauen und die Kanzel, die. du entehrst, so sehnsüchtig, ehrerbietig betrachten, zu satisfaciren? In welche falsche Begeisterung wirst du dich hineinlügen, welche Glaubens- und Sittenlehren wirst du vorheucheln; wie wirst du dich abmühen, um vor deinem Publicum das Elend deiner GlanbenSIosigkeit zu verberge»? So bist uud bleibst du denn ein armer, armer Mensch, und besonders, wenn dir so recht innige, warme, fromme Serien in den Weg kommen, da muß dir (o sey nur aufrichtig!) denn doch zuweilen seyn, als läge der Donner des Gerichts über deinem Haupte! Ihr, die ihr so unglücklich seyd, glaubenslose Priester zu seyn, wendet Euch nicht ab von diesem Spiegel, in dem ihr euer Bild nur allzu Wohl erkennet, — schaut sie an, diese unerquicklichen Züge, und möge durch die Fürbitte Dessen, an den Ihr nicht glaubt, Eure Seele durch die Gnave Gottes im Innersten erschüttert, Euer Herz bewegt, das Schaamroth auf Eure Wangen getrieben werden, möge Euch ein Strahl der Gnade den fürchterlichen Abgrund beleuchten, an dessen Rand Ihr steht, um, gleich den gefallenen Engeln, hinabzustürzen, anstatt daß Ihr mit Glauben und Reue zurückgekehrt zum Herrn, der so süß »nd lieblich ist, ein englisches Amt, eine wahrhaft königliche Würde verwalten und Euch und Andern zum Heil, zur Rettung, zur heiligen Freude werden könntet! Geschrieben in der Charwoche 1851. C. Eine Mission im Jahre 171«. k. In unsern Tagen, wo die Missionen einen so großen Aufschwung erhielten, dürfte es nicht unwillkommen seyn, die Art und Weise einer Mission darzustellen, wie selbe im Jahre 1716 zu Neuburg a, D> stattfand, und in welcher Gestalt selbe allenthalben um diese Zeit gehalten wurden. Es bildet dieß einen nicht unwichtigen Beitrag zur Sittengeschichte deS 18ten Jahrhunderts. Wir beginnen sogleich mit der Erzählung derselben. Nachdem Churfürst Carl Philipp sowohl als daö hvchwürdige Ordinariat Augeburg das Vorhaben, eine Mission zu Neuburg halten zu dürfen, genehmigt hatten, wurde mit allein Eifer alles hiezu Erforderliche veranstaltet und hergerichtet. Bor Allem wurden die zu diesen christlichen Verrichtungen für die bayerische Provinz bestimmten vier Patres Jesuiten einberufen. Zwei, nämlich Pater Georg Loserer und P. Conrad Herdegen, befanden sich in Düsseldorf, wohin sie auf Verlangen und Kosten der Frau Churfürstin 1714 geschickt weeden mußten, der dritte P. Caspar Rieger war Prediger bei S>. Martin in Landshut, der vierte P. Carl Walliardo Missionär in der Schweiz. Die beiden Erstem kanien den 17. October in Neuburg an, die Andern etwas früher. Hierauf wurde die Mission von den Kanzeln dem Volke verkündet und dasselbe ermähnt, den Predigten und Erercitien fleißig beizuwohnen. Die vornehmsten Einwohner der Stadt, so wie die Geistlichkeit lud man durch eigene Abgeordnete hiezu ein. Letztere sprachen ihren Beifall hiezu aus und boten auch ihren Beistand dazu an. Nun wurde vor dem Rathbause aus einem freien Platze zu den öffentlichen Vorträgen und andern geistlichen Verrichtungen, die dabei gewöhnlich waren, eine eigene Bühne errichtet und der Anfang der Misston auf den 22. October festgesetzt. Schon am Vorabende deS ersten MissionstageS drängte sich Nachmittags 3 Uhr eine ungeheure Menge Volkes in die St. PeterS- Pfarrkirche, um dem Ansang der Mission beizuwohnen. Dieser hatte auf folgende 133 Weise stattgefunden. Der Stadtpfarrer trat mit dem Missionär zum Hochaltare und übergab demselben ein Kreuz, als das Symbol deS vorhabenden heiligen Geschäftes mit einer kurzen Anrede, worin er ihm das Heil der Stadt und der Einwohnerschaft empfahl. Der Missionär empfing dieses heilige Unterpfand mit großer Ehrfurcht und versprach alle seine Kräfte auS Liebe zu dem Gekreuzigten, und dem Seeleuheile deS Volkes zu widmen. Hierauf wurde die erhabene Himmelskönigin um ihren Beistand zu diesem Unternehmen angefleht, und eine Procession angestellt, welcher auch die FranciScaner und barmherzigen Brüder beiwohnten; der Zug begab sich in die Hofoder Jesuitenkirche, wo der Hymnus verii scmetö 8pii'itus gesungen und über den Tert 2. Cor. 5, 20: So sind wir nun Botschafter an Christi Stadt:c. eine Predigt gehalten wurde. Diesem feierlichen Anfange wohnten nicht allein die Bürger, sondern auch alle Hofleute und fürstlichen Räthe und Beamten bei, trotz der übelsten Witterung und heftigen Regens. Während der Procession sangen die Studenten eine in Verse gebrachte deutsche Litanei, die man auch abendS in der Kirche und in den Straßen vernahm. Nachdem die Predigt beendigt, wurde der Segen gegeben und das Bolk entlassen. AbendS 7 Uhr begann die Gewissenserforschung in der Kirche und vor derselben wieder eine kurze Anrede, worin fünf Puncte auseinander gesetzt und jeder derselben den Zuhörern zur Ueberdenkung vorgelegt wurde. — Der folgende, also der erste Missionstag, begann mit einer Predigt, welche schon früh Morgens 6 Uhr über die Absicht der Ausübung guter Werke gehalten und nach derselben eine hierauf bezügliche Formel vorgetragen und von allen Anwesenden mit lauter Stimme nachgesprochen wurde. Nun folgte die heilige Messe ohne Musik, nur als der Priester mit dem Hochwürdigsten den Segen ertheilte, antwortete der Chor. Um 1 Uhr Nachmittags wurden den Mädchen in der Hofkirche, den Knaben in der St. PeterSkirche die vorzüglichsten Glaubenslehren erklärt. Um 2 Uhr führte man aus erstgenannter Kirche die Mädchen und die Frauen, aus der andern die Männer mit den Knaben in schönster' Ordnung zum MissionSplatz. Hier bielt ein Pater wieder eine Anrede über das Thema: „was zur Besserung unseres Lebenwan- delS erfordert werde." Nach geendigter Rede wurde aus der Kirche das Hochwürdigste unter Begleitung des Adels und der Vornehmsten der Stadt getragen und auf einen eigens dazu errichteten Altar der öffentlichen Verehrung ausgesetzt. Bevor der Priester dem Volke den Segen damit gab, forderte einer der Missionäre, angethan mit Chorrock und Stola, dasselbe in einer nachdruckövollen Rede zum Glauben und zur schuldigsten Ehrerbietung gegen dieses Schauder und Zittern erregende Geheimniß auf. Das Zurücktragen des Hochwürdigsten in die Kirche geschah ohne Begleitung, indem jetzt wieder eine andere Predigt, die eigentliche Bußpredigt, begann. Diese hatte den Zweck, die Gemüther aufzurütteln und zur Furcht Gottes zu bewegen. Damit aber der Prediger nicht allein durch Worte, sondern auch durch die That auf seine Zuhörer wirke, begann er gegen das Ende seiner Rede sich öffentlich zu geißeln. Während der 10 Tage, als die Mission währte, wurde dreimal unter der Messe das Officium der unbefleckten Jungfrau und deS heiligen Franz v. Xaver gesungen, und in dessen Namen ein Wasser geweiht, das stark abgeholt wurde. Gegen die Nacht versammelten sich, wie bisher die Männer in der St. Peterskirche, die Frauen in der Hofkirche, um Bußübungen vorzunehmen. Beide Abtheilungen begaben sich auf den MissionSplatz und durchzogen von da aus, jedoch besonders abgetheilt, die Hauptstraße der Stadt. Den Männern ging der Missionär mit einer eisernen Geißel versehen voraus und gab durch unaufhörliche Hiebe, die er sich beibrachte, den Pönitenten Muth dasselbe zu thun. An der Spitze der Frauen schritt eine adeliche Dame, in. einem BufMide, barfuß, das Bildniß deS Gekreuzigten in den Händen tragend Einige von den PatreS und Brüdern der Jesuiten, einen Strick um den HalS und eine Dornenkrone aus dem Haupte, trugen Vorstellungen (tereuls) deS Leidens Christi, andere schleiften Kreuze. Auch die Schüler der Volksschulen und die Studenten bildeten einen Zug. Derf P. Präfect als Kreuzträger, einen Strick um den HalS und eine Dornenkrone au 134 dem Haupte, führte denselben, und die Studenten folgten gleich ihrem Führer ebenfalls daS Haupt mit einer Dornenkrone umwunden. Die Zahl der Pönitenten, welche Kreuze trugen, oder mit knotenvollen Stricken, mit eisernen Ketten und Geißeln ihren Körper zerschlugen oder ihren Rücken zerfleischten, war sehr groß, und eS befanden sich darunter nicht blos gemeine Leute, sondern auch hochgestellte, adeliche Personen. WaS diese Selbstpeinigung noch um vieles empfindlicher machte, war eine kalte Nacht und Regenwetter. Indessen wurde alles dieses Ungemach mit fröhlichem Muthe ertragen Aber nicht allein unter den Männern bestand der Eifer zu Bußübungen, auch Frauen, adeliche Frauen, ahmten das Beispiel derselben nach, zogen daS Kreuz oder geißelten sich. Selbst daS zarte Alter verließ das jugendlich Fröhliche, nahm einen heiligen Ernst an und schwang mit nicht leichter Hand die Geißel. Dieser Eifer wurde vorzüglich durch die öffentliche am Platze gehaltene feurige Bußpredigt uud dadurch entflammt, als man sah, wie der Prediger sich selbst geißelte. Allenthalben erhob sich Weinen, Stöhnen und Geheul, wodurch die Zuhörer die Schmerzen und Reue über ihre Sünden an den Tag legten. Unter Andern machten auch einen besondern Eindruck zwei Ehefrauen, welche unbedeckten Angesichts, schwere Kreuze ziehend daher kamen. Alle, die sie sahen, wurden durch diesen Anblick sehr gerührt und aufs Innigste bewegt. In den letzten drei Tagen der Mission strömten auS weit entfernten Orten so viele Landleute, theils schaarcnweise, theils in Processionen geordnet, mit Fahnen und ihren Geistlichen herbei, daß der geräumige Hauptplatz der Stadt, wo die Mission gehalten wurde, kaum die Menge fassen konnte. Bei dem letzten Umzug schätzte man die Zahl der männlichen Büßer allein über 40t>l). Den Tag bevor die Misston geendigt wurde, ermähnte der Missionär seine Zuhörer zu einer eifrigen Verehrung Mariens und sprach mit solcher Rührung, daß alle Anwesenden in Thränen auSbrachen. Nach geendigter Rede bat er öffentlich um Verzeihung und Nachsicht über seine Fehler und gab, wenn er allenfalls, auf waS immer für eine Art, die gehofften guten Früchte der Mission in etwas gemindert haben sollte, seinem Körper öffentlich wieder die Geißel. Um an dem darauffolgenden Feste Allerheiligen Unordnung und alles die Andacht Störende zu vermeiden, wurden für die verschiedenen Stände eigene Stunden zur heiligen Communion bestimmt. In der Hofkirche allein, ohne die andern Pfarr- und Klosterkirchen, zählte man 7VW Communicanten. Um N Uhr bestieg der Hauptprediger die Kanzel, ermunterte die Zuhörer zur Standhaftigkeit in ihren guten Vorsätzen, forderte sie auf, alle Gelegenheiten zum Sündigen zu vermeiden, öfters die heiligen Sacramente der Buße und deS Altares zu empfangen. Hierauf wurde der Ambrosianische Lobgesang gesungen, Gott für die gewährte heilige Mission gedankt, nach I Uhr Nachmittags der vom Papste Elem- menS II. verliehene Segen gegeben und so die Mission beschlossen. Die englische Kirche. Der bekannte Historiker Professor Leo in Halle (Protestant) gibt im „VolkS- blatt für Stadt und Land" folgende bemcrkenswcrthe Erörterung: Von der Art und Weise, wie König Heinrich VIII. die Reformation in England ein- und durchführte, kann man getrost auSsprechen, daß sie durch und durch sündhaft und abscheulich gewesen sey, sowohl in ihren Motiven, als in ihren Proceduren — seine ehebrecherischen Gelüste und seine Habsucht bildeten die Motive, Gewaltsamkeit, Tyrannei, die schauderhafteste Kirchenbedrückung war die Procedur. Die englische Kirche ward durch die Reformation nicht zu geistlicher Freiheit, sondern zu , ehester Sclaverei geführt, uud Elisabeth, die ein uneheliches, ja ein Kind deS Ehebruchs gewesen wäre, nicht daS mindeste Recht auf den englischen Thron gehabt hätte, wenn man Heinrichs Thun nicht als berechtigt anerkannt hätte, mußte in dieser Kirchentyrannei beharren, wenn sie Königin von England bleiben wollte. Diese 135 Kirchentyrannei aber bestand darin, daß in England der König an die Stelle deS Papstes getreten war — ohne irgend ein Recht, ohne irgend eine Befähigung dazu. Zwar sollte nachher eine Art parlamentarische Repräsentation der Kirche in der ähnlich dem weltlichen Parlamente eingerichteten geistlichen Convocation stattfinden; allein die Könige mochten wohl fühlen, daß von dieser Seite ihrer ganzen päpstlichen Stellung und (oa diese mit der königlichen auf das Innigste verwebt war) auch ihrer königlichen Stellung gelegentlich große Gefahren drohten; sie haben also dieß kirchliche Organ nie zu tüchtiger Ausbildung kommen, haben es nun seit langer Zeit ganz eingehen lassen. Die Verfolgung der protestantischen Richtungen unter der katholischen Marie hatte zahlreiche Engländer auf dem Festlande, wohin sie geflohen waren, mit der HerzenSrichtung der protestantischen Welt bekannter werden lassen — mit ihrer Rückkehr unter Elisabeth begann ihre Mission für diese Richtung, deren geistig unabhängiger Fluch bald in Elisabeth Besorgnisse entstehen ließ — die Besorgnisse führten zu Bedrückungen, die sich unter Jakob I. und Karl I. steigertens aber mit der Bedrückung ward der Trieb, der unterdrückt werden sollte, nur heftiger, zuletzt krankhaft revolutionär, und eS ist bekannt, in welch' grauenhafter Weise sich endlich diese Tyrannei durch die Ausbildung deS JndependentiSmuS, den sie erzog, selbst bestrafte. Aber in diese Entwickelung war das, was wahr war in dem kirchlichen Streben deS JndependentiSmuS, selbst so versetzt worden durch die Allianz mit der Revolution, mit dämonischen Trieben, daß er nichts schaffen, daß er, wenn er herrschend blieb, die Revolution perennirend machen und das Land verderben mußte. Cromwell's Heldenherz ist im Anblick dieser Teufelsmühle, die er eine Zeitlang getrieben, zuletzt gebrochen, da er sah, wie auch er weder von ihr loskommen, noch in ihrem Treiben sie aufhalten konnte. AIS nach seinem Tode die Stuarts zurückkehrten, ließ die Erschöpfung und Ermüdung der Generation, die die Rebellion durchlebt hatte, zuerst um nur den JndependentiSmuS sicher loS zu werden, die frühern kirchlichen Verhältnisse wieder herstellen, mit aller Ausschließung deS Katholicismus, mit völliger Bedrückung und Verfolgung aller protestantischen Dissenters. Die Könige waren wieder Päpste — als sie aber selbst das Hohle, Haltlose uud Unberechtigte dieser Stellung fühlten, und sich, da sie nach der Seite der protestantischen Dissenters ihrer ganzen Stellung nach nicht neigen konnten, der römischen Kirche entgegen bewegten, war inzwischen als Erbe aus der frühern Rebellion jene völlige Neutralisirung kirchlicher Richtung zur Ausbildung gekommen, die man den englischen Deismus zu benennen pflegt, und ihre Bewegung zitterte, wie die Ringe um einen inS Wasser geworfenen Stein, von ihren ausgesprochenen Repräsentanten aus in immer schwächeren Wellen zwar, aber doch durch die ganze Nation hindurch und machte allein diese Staats- und Kirchen- carricatur möglich, die seit Vertreibung der StuartS in England bestanden hat. Wir fühlen wohl, wie sich viele Herzen empören werden dagegen, daß wir diese englischen Zustände, die hochgepriesenen, als Carricatur bezeichnen; aber man erlaube uns, zu bemerken, daß wir die Vortrefflickkcit und hohe Ausbildung des parlamentarischen Staates für sich in England gar nicht bestreiten. auch nicht als Carricatnr bezeichnen, und eben so wenig läugnen wollen, daß sich in dem der Hauptsache nach todten, mechanischen Gehäuse der englischen Kirche doch eine Menge christlicher LebenSelemente aufgehoben hat — aber das war und ist Earricatur, daß man neben einen lebendigen, freien Staat, der sich fortbewegen und entwickeln konnte, die Autorität einer schablonenartig zugeschnittenen Kirche stellte, die außer der Convocation gar kein Mittel hatte lebendiger Fortentwickeluug, und der man dieses Mittel fortwährend entzog, indem man die Convocation nur als antiquirteS, gewissermaaßen staatsgefährliches Institut behandelte. Das war Carricatur, und die Möglichkeit der Herstellung derselben beruhte allein in der inzwischen eingetretenen kirchlichen Gleichgiltigkeit, welche recht wohl damit bestehen kann, daß die kirchlich einmal ausgebildeten Formen noch auf tausend Puncten von subjectiv höchst lebendigen Christen ausgefüllt werden. Das Resultat aber war doch immer ein Staat in Schlachtordnung, der seinen Gott nicht mit sich in lebendigem Herzschlag der Reihen, sondern im Rücken in einer wohlauf- 136 gefahrenen Wagenburg kirchlicher Institutionen hatte, auf welche Wagenburg die Schlachtreihe nur taktische Rücksicht nahm. DaS lebendige kirchliche Bedürfniß hat sich denn auch neben jener Wagenburg geltend gemacht, zuerst als der Jndifferentis- mus schon daS ganze Leben zu verschlingen drohte im Methodismus, dann als dieser für GewissenSsragen selbst schon bedeutend die Gewissen wieder geschärft hatte, die Lage Irlands als daS Facit eines zweiten entsetzlichen Sündenregisters die StaatS< männer auch von der politischen Seite drängte und man nun die Katholiken emanci- pirt hatte, in dem sich ausbreitenden Katholicismus, der, wie neuerdings ganz richtig ausgeführt worden ist, sich noch reißender verbreitet haben würde, wenn nicht der PuseyiSmus als ein Versuch, der englischen Staatskirche wieder mehr eigenes Leben zu gewinnen, vermittelnd dazwischen getreten wäre. — So steht nun in diesem Augenblicke der englische Staat sowohl nach der kirchlichen, als nach der politischen Seite vor einer Krisis, die leicht auch eine Katastrophe werben kann. Der Methodismus konnte sich ausbreiten, ohne dus kirchliche Gerüst des Staates von England zu bedrohen; die römische Kirche bedroht dieses Gerüst ihrer Natur nach, auch wenn sie eS nicht ausdrücklich will — sie ist nicht bloß eine geschlossene Macht, sondern zugleich ein vollkommen organisch gebautes und vollendetes Wesen. Der Methodismus hat nur ein Herz — der Kopf fehlt seinem Daseyn und Mit ihm die organische Geschlossenheit, was sich in seiner politischen Ohnmacht der Staatökirche gegenüber eben so sehr, als in seiner Neigung, wieder in eine Reihe von Spaltungen und Secten zu zerfahren, darstellt. Seit Jakobs II. Vertreibung war die kirchliche Wagenburg, die im Rücken der Staatslinie aufgefahren war, nicht wieder bedroht gewesen — man hatte sie ruhig stehen lassen können, so daß allmälig die Räder sich tief in den Rasen senkten und unbeweglich wurden. Ab und zu holte man Munition und Proviant aus ihr; — hatten Einzelne in ihren eigenen Taschen Munition und Proviant bei sich, so störte daS nicht. Mit einem Male ist die Wagenburg im Innern und von Außen bedroht. Im Innern, denn neben der ursprünglichen linearischen Ordnung der Wagenburg hat sich ein bequemes Gehenlassen der einzelnen Wagenführer gebildet — mit der Zeit muß daraus Verwirrung folgen — Philpotts dringt auf Herstellung der alten präcisen Ordnung, seine Gegner schreien, die lebendige Entwickelung der Bequemlichkeit habe auch ihr Recht — also Streit zweier Haufen im Innern, und während dessen fährt mit einem Male eine andere Macht, die in der vornstehenden staatlichen Schlachllinie eine gute Anzahl Kämpfer hat, eine neue Wagenburg neben der alten auf. Im Kleinen, für die irländischen Mitkämpfer, hatte man daS aber schon gestattet — waS nun? entweder muß auch die Ordnung der römischen Hierarchie für Irland abgefahren werden, oder man muß auch die neu aufgefahrene Wagenburg für die englischen Streiter stehen lassen. Thut man aber daS, so werden immer mehr, die es ihrer subjectiven Stellung nach näher haben, denen Munition und Proviant in der neu aufgefahrenen Wagenburg besser zusagen, auch aus den englischen Reihen dahin laufen — eS wird Verwirrung entstehen und am Ende die im Rasen eingewachsene Staatskirchenwagenburg im Tumult bei Seite geräumt und geplündert werden, da sie bald nur als ein hinderliches, halb vermorschtes Gesckleppsel erscheinen wird. Noth in allen Ecken und nun zugleich die Noth vorn in der Schlachllinie — es ist, wie wenn Jemand, der an einem Magenübel leidet, ein Hautleiden dazu bekömmt — die Arznei, die ihn vom Hautleiden befreien könnte, verschlimmert das Magenübel und so umgekehrt — da ist eS gar nicht so unmöglich, daß über lang oder kurz des guten kuZ 6v Wllrss Prophezeiung eintrifft und England einen gewaltigen PlumpS thut - : ^rißletorre rie sers plu5. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Gilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsöurger Pojtzeitung. -t. Mai ^ L8. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis TV kr., wofür es durch alle köirlgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Sacramente der Liebe. Noch kann ich nicht von Liebe sprechen, Ich hab noch kaum ein Glied gerührt, Doch will ich schon mit Allem brechen, Was nicht zu deiner Liebe führt. Wie ich dir schon gestanden habe, Mein Herz bleibt ewig nur bei dir, Das Kind nicht blos, jetzt auch der Knabe Gibt dir sein heilig Wort dafür. Ich konnte wohl der Liebe fehlen Und straucheln auf der Bahn der Treu', Doch Eines kann ich nicht verhehlen, Daß, was ich that, ich auch bereu'. So bin ich vollends eins geworden Mit dir, du meines Lebens Herz, Du trittst an deines Himmels Pforten, Mich hebt die Liebe himmelwärts. O welche Dreihcit, die sich einet: Ein Mensch, geweiht an deiner Statt, Reicht dich, der selbst als Mensch erscheinet, Dem Menschen, der geweiht sich hat. Ich kann die Lieb' allein nicht tragen, Die unter Engeln selbst getheilt. Ein Herz muß es dem andern sage», Das ist allein was Liebe heilt. Und hemmt der Tod des Herzens Sprache, Verwehret seinen warmen Schlag, So lern' ich noch am letzten Tage Von dir, o Gott, was Lieb' vermag. vr. «. Barth. Hirtenbrief des hochwürdigften Bischofs von Mainz, bei dem Anfange der Fastenzeit 1351. Wilhelm Emmanuel, durch Gottes Erbarmung und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Mainz u. In dem ersten Hirtenbriefe, den ich von dieser erhabenen Stelle an Euch, Geliebte in Christo unserm Herrn, richtete, erklärte ich eS als meine höchste Pflicht: ') Dieser Hirtenbrief, von dem bereits die Kte Auflage erschien, ist es, der die Wuth der DeutschkattMen Hervorries. .HNtM^t die Hinterlage der ewigen Glaubenswahrheiten treu zu bewahren, die der Sohn GotteS, JesuS Christus, seiner Kirche anvertraut hat. Schon jetzt glaube ich diese Pflicht erfüllen zu müssen. Ich habe nunmehr ein halbes Jahr in Eurer Mitte zugebracht. Blicke ich auf diese Zeit zurück, so muß ich mit gerührtem Danke mein Herz und meine Hände zu Gott erheben. Er, der mächtig und dessen Name heilig ist, hat mir seinen gnaden- vollen Beistand nicht versagt. Seine Barmherzigkeit hat mich bisher von Stelle zu Stelle begleitet, und so ist eS geschehen, daß ich auch unter Euch so viel Liebe und Vertrauen angetroffen habe; eine solche Geneigtheit Eurer Herzen, daß ich dadurch mein eigenes Unvermögen weniger empfunden habe. In der Stadt und auf dem Lande, wo immer ich zu Euch gekommen bin, habt Ihr mich in einer Weise aufgenommen, die mir tief zu Herzen ging, die mir Eure Liebe zu Christus verkündete, der mich gesandthat; die mich ohne Unterlaß an meine Pflicht erinnerte, mich Eurem Seelenheile ganz aufzuopfern. Und wenn ich gar an die Missionen denke, die bisher abgehalten sind, an die heilige Begeisterung, mit der Ihr dort weither zusammen eiltet, um das Wort Gottes zu hören und die heiligen Sacramente zu empfangen; an die erbauliche Ordnung, mit der Ihr dort, viele Tausende als Brüder versammelt, im Gebete, wie von Einem Geiste und Einer Seele durchdrungen, ausharrtet, — wie vermag ich da Gott gebührend zu preisen und Euch meinen Dank und meine Liebe hinreichend auszudrücken. Viele Hindernisse, die ich dagegen erwartete, sind gänzlich verschwunden, und ich kann noch keinen Namen in dem ganzen Lande nennen, von dem ich eine persönliche Kränkung erfahren hätte. Je mehr ich aber hiernach verpflichtet bin, Euch zu lieben und mit allen Kräf, ten für Euer Seelenheil zu arbeiten, desto mehr mußte es mich betrüben, daß der Geist des Unglaubens sich auch in Eurer Mitte eine Stätte aufgeschlagen hat und sich das Ansehen gibt, als gehöre er dem Volke an, das mir Gott zu leiten übergeben hat. So ist eS aber nicht. Der Same des Unglaubens ist nicht hier gewachsen, er ist ein fremder Same, den man hierher getragen hat. Die Säeleute des Unglaubens sind nicht von hier, sie haben nichts gemein mit Eurer Geschichte, mit Eurem Volke, sie sind Euch nicht durch Bande des Blutes und der Abstammung verwandt. Der Same und die Säeleute sind Fremdlinge in der Geschichte der Diöcese Mainz.. Das könnte mich trösten, wenn ich nicht sehen müßte, daß auch dieses fremde Unkraut angefangen hat, hier und dort aufzugehen, und daß viele der mir anvertrauten Seelen es gar nicht zu ahnen scheinen, von welcher Art dieses giftige Unkraut ist, welche Gefahr dem ganzen Volke, der ganzen Nachkommenschaft droht, wenn es sich weiter verbreiten sollte. Um nun den Wächtern nicht zu gleichen, die da schliefen, während der Feind daö Unkraut säete, habe ich ohne Unterlaß Gott angefleht, er möge mir offenbaren, was ich zu thun habe, um diese Gefahr von Euch und Euren Kindern fern zu halten, und ich glaube nunmehr, daß eS meine Pflicht ist, Euch zu warnen und den offenen Feinden des christlichen Glaubens offen entgegen zu treten, Feinden, die eS wagen, einem katholischen Volke ins Angesicht zu sagen, daß die römisch-katholische Kirche barer Aberglaube sey, die so Eure ganze Vergangenheit schmähen, Eure Eltern bis in das fernste Glied, die dieser Kirche mit Liebe anhingen und also Diener des Aberglaubens gewesen wären, wenn die Kirche Aberglauben lehrte. Nichts aber darf mich abhalten, eine so ernste Pflicht zu erfüllen. Ich weiß zwar, wie man mein Verfahren nennen wird. Man wird über Intoleranz und Gewissenszwang klagen. Man wird schöne Namen: Liebe, Friede, Freiheit gebrauchen, um gegen mich zu kämpfen. Man wird von Inquisition, Bann und Ketzergerichten sprechen. Ihr aber, Vielgeliebte, werdet Euch in der Beurtheilung meines Verfahrens durch den schönen Klang leerer Worte nicht irre machen lassen. Ist es Intoleranz, wenn ich als von Gott bestellter Bischof Eurer Seelen die Wahrheit, den Glauben, die Offenbarung Gottes gegen den plattesten Unglauben 139 vertheidige, der je aufgetreten ist; oder bin ich nicht vielmehr ein schlafender Wächter, wenn ich schweige? Man sagt Euch, auf Glaubenssätze, auf die Dogmen der Kirche komme eS nicht an. Was sind denn die Glaubenssätze, die Dogmen der Kirche? Eine Anzahl Wahrheiten, von denen wir behaupten, daß Gott selbst sie den Menschen geosfcnbaret hat; Wahrheiten über die letzten Gründe aller Dinge, über die Bestimmung des Menschen, über die Mittel deS Heiles, über Tod und Ewigkeit. Und auf solche Wahrheiten soll es nicht mehr ankommen? Ehre, Geld, Haus und Hof darf man beschützen und vertheidigen, daS ist nicht intolerant; ewige Wahrheiten aber vertheidigen, soll intolerant seyn? WaS ist denn mehr werth, das Geld oder die Wahrheit? Es soll intolerant seyn, wenn die von Gott bestellten Wächter deS Glaubens, die Oberen der Kirche die Wahrheiten über daS Verhältniß zwischen Gott und den Menschen schirmen und hüten — und was thun dieselben Menschen, die sich selbst zu Hütern deS Unglaubens gemacht haben? Sind sie auch so tolerant in Bezug auf andere Grundsätze? Ohne Zweifel sind politische Ansichten nicht von so hoher Bedeutung, wie die religiösen Wahrheiten. Diese lehren das Verhältniß zwischen Gott und dem Menschen, dem Menschen und der Ewigkeit; jene, die politischen, das Rechtsverhältniß der Menschen zum Staate; diese greifen in das innerste Leben der Seele und der Familie, jene nur in die äußern Beziehungen zum Nebenmenschen ein. Man sollte also glauben, daß Menschen, die keine Glaubenssätze mehr vertheidigt haben wollen, auch keine politische Streitfragen mehr erheben würden. Sie sagen: es ist intolerant, GlaubenSwahrheiten zu vertheidigen, intolerant, die Ansicht Andersgläubiger zu verwerfen, Glaubenssätze stiften Unfrieden, und es kommt nur darauf an, daß wir unS Alle lieben; man sollte also glauben, daß sie folgerecht sagen würden: es ist intolerant, politische Systeme zu vertheidigen, intolerant, die Anhänger anderer politischen Systeme zu bekämpfen; politische Systeme stiften Unfrieden, und eS kommt nur darauf an, daß wir uns einander lieben. Sie sagen: es ist intolerant, darüber zu streiten, ob Christus der Sohn Gottes ist, ob es eine Ewigkeit, eine Strafe deS Bösen, eine Hölle, einen Himmel gibt, davon soll man nicht sprechen, deßhalb Niemanden beunruhigen, das könnte Streit veranlassen, und daS sind doch Wahrheiten von unendlichem Belange; — man sollte also glauben, sie würden folgerichtig sagen: es ist intolerant, darüber zu Kreiten, ob eine oder zwei Kammern bestehen, ob man mit 20 oder 2l Jahren wahlfähig werde u. s. w. So, sollte man glauben, würden sie denken. Aber da kommt die unermeßliche Jnconsequenz oder Heuchelei zu Tage. Während man sich nicht schämt, die Kirche zu schmähen, weil sie ihr Dogma mit heiliger Sorge bewacht, den Unglauben aber verabscheut, während man im Namen der Liebe unS auffordert, geduldig zuzusehen, wenn man uns die höchsten Güter, den Glauben, von dem wir bekennen, daß eS ohne ihn unmöglich ist, Gott zu gefallen, zu entreißen strebt, und zugleich einen Spott, Haß und Hohn auf Kirche, Priester und Glauben ergießt, wie die Seelen deS heidnischen Spötters Lucian und des Apostaten Julian dessen nicht sähig waren, hielt man eS nicht wider die Liebe, politische Dogmen zu schmieden, sie als unfehlbare Glaubenssätze aufzustellen, ihretwegen alle Andersdenkenden mit Erbitterung zu verfolgen. Gegen die Wahrheiten, die von Gott kommen, sollen wir gleichgiltig seyn, ihre Meinungen aber sollen mir vergöttern. Ich verwerfe jeden JndifferentismuS. Der Geist des Menschen ist für die Wahrheit bestimmt, und er darf diese Bestimmung nicht durch indifferentes Verhalten gegen irgend welche Wahrheit verläugnen. Ich verkenne deßhalb auch nicht den Werth politischer Kämpfe und halte sie für gut, wenn sie anders mit sittlich erlaubten Mitteln geführt werden. ES ist aber eine unselige Geistesverirrung oder eine schmachvolle Heuchelei, wenn jene im Namen der Liebe in göttlichen Dingen den JndifferentismuS predigen, die sich nicht scheuen, um politischer Meinungen willen die Welt in Flammen zu setzen. Oder ist es GlaubenSzwang, wenn ich als von Gott bestellter Bischof Eurer Seelen erkläre, daß jene nicht mehr der Kirche angehören, die dem Glauben der Kirche entsagt haben? So will man es gerne darstellen, aber wie unwahr ist auch 14« diese Auffassung! Ist es denn ein ungebührlicher Zwang, wenn der Hausvater fordert, daß Jeder, der in seinem Hause wohnen will, sich auch der Ordnung des Hauses unterwerfe? Ist eS ein ungebührlicher Zwang, wenn der JSraelit verlangt, daß ein Mitglied der Synagoge eben ein Jude und kein Christ sey? Ist eS gegen die Freiheit, gegen die Liebe, ist es ein ungebührlicher Gewissens- und UeberzeugungSzwaug, wenn ein politischer Verein nur Gleichgesinnte, d. h. nur Solche, die sich zu denselben politischen Grundsätzen bekennen, als Mitglieder zuläßt? Gewiß nicht! Und weß- halb nicht? Weil eS jedem Kinde klar ist, daß ein Verein, der sich gewisser Grundsätze wegen versammelt, nur bestehen kann, wenn die Mitglieder in den Grundsätzen einig sind. Nun wohlan, so gebe man ehrlich der katholischen Kirche, waS man jedem HauSvater, jeder Synagoge, jedem politischen Vereine zugesteht, und nenne nicht das in der katholischen Kirche Glaubens- und Gewissenszwang, was man überall als ein Naturgesetz jedes Vereines anerkennt. Wir wollen Niemanden zwingen, in die katholische Kirche einzutreten oder in ihr zu verbleiben, wir fordern aber von Jedem, der als Mitglied der katholischen Kirche angesehen sevn will, daß er die ewigen Wahrheiten der Kirche glaube, und daß er vor Allem das Princip, auf dem die Kirche ruht, die Lehre von der göttlichen Autorität und Unfehlbarkeit der Kirche vollständig anerkenne; wir fordern daS Recht, jedem Katholiken, der die Grundsätze und Glaubenslehren, also das Dogma der Kirche verwirft, sagen zu dürfen, daß er Alles seyn kann, nur kein Mitglied der katholischen Kirche. Wie weit ist es durch das lügenhafte Geschrei der Feinde der Kirche über Gewissenszwang bei uns gekommen? Gibt eS noch einen Verein auf Erden, der es, wie die Kirche, dulden muß, daß Menschen, die vor der ganzen Gemeinde als Ungläubige oder gar als Feinde der Kirche dastehen, von denen eS bekannt ist, daß sie von der katholischen Kirche nichts an sich haben, als den Platz für den Namen in einem katholischen Taufregister, sich nicht nur katholisch nennen, sondern gar an der Leitung der wichtigsten Angelegenheiten der Kirche Antheil nehmen? Gibt eS noch einen Verein auf Erden, wo eS geschehen kann, daß eine ganze gläubige katholische Gemeinde es oft dulden muß, daß Männer als Vorstände an der Verwaltung der äußern Angelegenheiten der Kirche, oder als Lehrer an dem Heiligsten, an der Erziehung der Kinder Antheil nehmen, die alle Gebote der Kirche verachten und ihren Glauben verspotten? Wahrlich, daS darf nicht so fortdauern, ich bin es dem katholischen Volke schuldig, das nicht zu dulden. Wer nicht katholisch glaubt und lebt, dem bin ich berechtigt es zu sagen, er mag Priester, Vorstand, Lehrer oder Laie seyn; er kann dann werden waS er will, er kann nur kein katholischer Priester, Vorstand, Lehrer oder Laie seyn. Das ist ein Naturrecht für jeden Verein, ein Recht, ohne welches kein Verein bestehen kann, und die Kirche, die, ganz abgesehen von ihrer göttlichen Einsetzung, an Alter und rechtmäßigem Bestände alle andern Vereine so weit überragt, kann diesen in dem natürlichsten aller Rechte, dem Rechte der Selbstvertheidigung und Selbsterhaltung, nicht nachstehen. Die möglichen Anklagen der Gegner dürfen mich also nicht abhalten, meine Pflichten als Wächter des Glaubens zu erfüllen. Dagegen hätte eine andere Erwägung mich vielleicht bestimmen sollen, noch zu schweigen. Unter denen, die in den letzten Jahren von dem Glauben der Kirche sich getrennt haben, gibt es so viele, die nur der Verführung und schwerer Versuchung unterlegen, die nur durch Unwissenheit und Irrthum zu viesem Schritte verleitet sind. Hätte ich eS da nicht der Zeit und der Gnade Gottes überlassen sollen, bis auch sie zurückkehrten, wie schon so manche, die mit dem Glauben den Frieden ihres Herzens wieder gefunden haben? Muß ich nicht fürchten, durch meine Worte, die ihnen vielleicht hart scheinen, sie zu verletzen, zu reizen, abzuschrecken, und dadurch ihre Bekehrung zu erschweren? O möge Gott mich und meine Worte davor bewahren. Ich rede nicht, weil ich ihnen Böses sagen will, sondern weil ich vor Gott weiß, daß ich sie liebe, weil ich die Pflicht habe, ihnen die Wahrheit zu sagen und ihnen den Abgrund aufzudecken, in den sie gerathen sind. Ich möchte daS Beispiel des heiligen Apostel 141 Petrus nachahmen. Als dieser dem Volke, das den Tod Christi gefordert und ihn dem Barrabas nachgestellt hatte, denselben Jesum Christum als den Welterlöser und Gottessohn predigte, da sprach er offen zu ihnen, und verbarg es ihnen nicht, waS sie gethan hatten. „Der Gott Abraham's, der Gotl Jsaak'S, der Gott Jakob'S, der Gott unserer Väter hat seinen Sohn Jesum verherrlichet. Diesen habt ihr zwar überliefert und verläugnet vor dein Angesichts deS Pilatus, der da urtheilte, ihn loSzu« lassen; und ihr habt den Heiligen und Gerechten verläugnet, und verlangt, daß man euch den Mörder schenkte. Den Urheber des Lebens habt ihr getödtet, welchen Gott euch erweckt hat von den Todten, deß sind wir Zeuge." So sprach der heilige Petrus, aber voll Liebe und Erbarmen setzte er hinzu: „Und nun, ihr Brüder, ich weiß, daß ihr es aus Unwissenheit gethan habt..... So thut nun Buße und bekehret euch, damit eure Sünden getilgt werden." O, meine Brüder, die ihr ehemals mit unS Kinder derselben Mutter, der Kirche wäret, ich darf es euch nicht verbergen, auch ihr habt Jesum Christum verläugnet, und den Urheber des Lebens durch cuern Unglauben in euerm Herzen getödtet, — aber ich weiß, ihr wußtet nicht, was ihr thatet, sonst hättet ihr es nicht gethan; nun aber fürchtet euch nicht, kehret zurück, damit eure Sünde von euch genommen werde. Ja ich muß reden, gerade um der Verirrten willen, und noch mehr um Derer willen, die zwar noch nicht den letzten Schritt, der sie von Christus und seiner Kirche trennt, gethan haben, die aber vielleicht, von Verführungen umstrickt, bereits am Rande des Abgrundes stehen. Ihr wißt längst, Vielgeliebte in Christo unserm Erlöser, wovon ich rede. Alle feindlichen Bestrebungen gegen die katholische Kirche in dieser Diöcese vereinigen sich gegenwärtig in jener Partei, welche sich die „Deutschkatholische" nennt. AIs diese Secte vor sechs Jahren entstand, da gaben die Verbreiter der neuen Lehre vor, sie wollten katholisch bleiben, und nur einige Mißbräuche beseitigen. Deßhalb nahmen sie den Namen „Deutschkatholisch" an. Darum wurden Viele irre geführt, die mit Schauder von dieser Partei zurückgetreten wären, wenn man ihnen gleich Anfangs gesagt hätte: wir wollen nichts Anderes, als Alles läugnen, was alle Gerechten im alten Bunde seit Anbeginn gehofft, was die ganze Christenheit seit achtzehnhundert Jahren als das Höchste und Heiligste geglaubt und geliebt hat. Zwar ist inzwischen die Wahrheit mehr und mehr an das Licht gekommen, allein noch immer sind nicht Wenige von einer unbegreiflichen Verblendung befangen. Deßhalb muß ich nunmehr deutlich und bestimmt auSsprechen, was der sogenannte Deutsch- katholiciSmus ist, und in welchem Verhältniß er zur katholischen Kirche und zum Christenthume steht. Vor Allem verwahre ich mich gegen daS Recht dieser Partei, den Namen „Deutschkatholiken" zu tragen. Wo immer Menschen auf Erden beisammen wohnen, ist es Ordnung und Gebrauch, daß ein Name, in dessen Besitz eine Gesellschaft, ein religiöser, ja sogar ein Handelsverein sich befindet, nicht von einem neu entstehenden Vereine angenommen werden darf. Was einer Handelsfirma gewährt wird, hätte wahrlich der katholischen Kirche nicht vorenthalten werden sollen, einer Kirche, die ihren Namen und ihr Recht so tief in die Geschichte Deutschlands verwebt hat. Nur die eine heilige, katholische, apostolische Kirche, die unter der Oberleitung des Nachfolgers deS heiligen Petrus unter den Völkern der deutschen Zunge besteht, hat daS Recht, den Namen der deutschen katholischen Kirche zu tragen. Dann aber erhebe ich, als Wächter des katholischen Glaubens von Gott bestellt, vor Euch Allen meine Stimme und erkläre, daß die religiöse Gemeinschaft der sogenannten Deutschkatholiken gar nichts gemein hat mit der katholischen Kirche; daß sie in Allem das gerade Gegentheil der katholischen Kirche ist; daß der sogenannte Deutschkatholicismus nicht bloß in dem einen oder andern Puncte von ihr abweicht, sondern der vollendete Abfall von dem gesammten Lehrgebäude der katholischen Kirche, der vollendete Abfall von dem wirklichen und wahren Christenthume, ja daS entschiedene Antichristenthum ist. Keine Irrlehre hat seit dem Anfange des Christenthums der I4S Kirche und der Religion Jesu Christi so fern gestanden. Der sogenannte Deutschkatholicismus ist der Inbegriff aller Irrlehren, welche die Kirche jemals, im heil, Geiste versammelt, verworfen hat. Selbst der gläubige Jude steht dem Christenthume weit näher, als der sogenannte Deutschkatholik. Um Euch die volle Wahrheit dieser Behauptung zu zeigen, will ich die Grundlehren der Kirche und die Grundsätze des sogenannten Deutschkatholicismus neben einander stellen. DaS ganze Christenthum beruht auf der Einen großen Wahrheit, daß JesuS Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist; daß Er der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, das Ebenbild seiner Wesenheit ist; daß in Ihm die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt; daß Er das Haupt aller Oberherrschaften und Gewalten ist; daß Er die ganze Schöpfung durch das Wort seiner Allmacht aus dem Nichts ins Daseyn gerufen hat. — O was ist AlleS in dem Glauben an den Gott enthalten, der aus Liebe zu uns und zu einem Jeden aus uns,, obwohl er in der Gestalt Gottes, Gott in Allem gleich war, es nicht verschmäht hat. KnechtSgestalt anzunehmen und sich erniedrigte bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze; an das ewige Wort, das da von Ewigkeit bei Gott und Gott selbst war und dennoch Fleisch geworden ist, um unter uns zu wohnen voll Gnade und Wahrheit. Wer diese Eine große Wahrheit, welche, wie gesagt, das Wesen des ganzen Christenthums ausmacht, nicht glaubt und bekennt, der ist kein Christ, sondern ein Widerchrist und macht Jesum Christum und Gott den Vater selbst zum Lügner. Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat Gottes Zeugniß W 151 Mission in Ehingen. Eh in gen, 4. Mai. Es ist wirklich bewunderungswürdig, mit welchem Eifer und mit welcher Hingebung die hochwürdigen Herren Missionäre daS Werk ihrer Sendung begannen, fortsetzten und zu Ende brachten. Von Morgens 5 Uhr bis Abends 8 Uhr, mit Ausnahme einer einzigen halben Stunde zur Essenszeit, sind sie ununterbrochen beschäftigt entweder mit Predigten oder mit Beichthören. Ihre äußerst geistvollen Vorträge unterstützen sich gegenseitig durch eine sehr ineinandergreifende, Schlag auf Schlag wirkende, zweckmäßige Reihenfolge, welche sowohl sämmtliche Grundlehren des Christenthums umfassen, als auch die ganze Sitten- und Pflichtenlehre in sich aufnehmen. Die Beweise für die von ihnen aufgestellten Lehren und Grundsätze, hergenommen aus der heiligen Schrift, aus der Geschichte, auS der Natur, auS der Vernunft, gewürzt und durchflochten mit den anmuthigsten Bildern, Parabeln, Gleichnissen und Erzählungen, vorgetragen in einer fließenden, kräftigen, abgerundeten Sprache, begleitet mit einer :u jedem Ausdrucke passenden Gebärde und dem geeigneten Tone der Stimme, diese Beweise sind so treffend und gründlich, daß der Gelehrte ihnen nicht widersprechen könnte, der Gebildete sich ganz befriedigt findet, der sogenannte Halbgelehrte oder Aufgeklärte sich geschlagen und gefangen fühlt, der gewöhnliche Bürgers-, Handwerks- und Bauersmann hinreichend überzeugt wird, ja daß selbst Kinder und von Natur auS dürftig begabte Menschen gar sehr angezogen und belehrt werden. Wer einmal angefangen hat, die Missionsvorträge anzuhören, fühlt sich davon so sehr eingenommen, daß er höchst ungerne einen einzigen Vortrag versäumt, wozu man nur durch Geschäfte oder andere driugeude Verhältnisse sich bewegen läßt. Wenn Morgens früh von halb 6 Uhr bis 6 Uhr der junge Pater Smeting eine Betrachtung z. B. über den Paulus vor, während und nach seiner Bekehrung, in sanftem und gemüthlichem Vortrage gehalten; wenn sodann P. Roder von 9 bis 10 Uhr über daS Thema: „Was sind wir, daß Jesus im heiligen Altars- sacrament zu uns kommen will, was ist JesuS, der zu unS kommen will, und was ist die Absicht, in der er zu uns kommen will," in meisterhafter Rede entwickelt; wenn serner P. Schlosser von 2 bis 3 Uhr die Standespflichten z. B. der Eltern in markiger Kraftsprache und schlagender Gedankenfolge abgehandelt und seinen Zuhörern anS Herz gelegt hat; wenn endlich AbendS von 6 bis 7 Uhr P. Roder oder P. Schlosser durch eine ergreifende Rede über das letzte Gericht, über die Hölle, die Buße, die Barmherzigkeit Gottes ic. die Gemüther erfaßt und hingerissen hat: so befindet man sich auf den künftigen Tag in einer um so größcrn Spannung und Erwartung, mit je mehr Befriedigung und Ueberzeugung man die Kirche Tags zuvor verlassen hat. Den höchsten Grad der Begeisterung erregte eineö Abends eine Rede, ja ein Meisterstück der Beredtsamkeit deS P. Rober, welche über das Thema: „Liebet einander und verzeihet einander," zum Zwecke deS Versöhnungsfestes gehalten wurde, während welcher ein in Hellem Lichtglanze strahlendes Kreuz aufgestellt und daS Aller- heiligste ausgesetzt war. Der Eindruck dieser Rede war so rührend, so mächtig, so allgemein ergreifend, daß kein Auge der Tausende von Zuhörern thränenleer blieb, daß Seufzen und Schluchzen von allen Seiten vernommen, ja baß lautes Weinen gehört wurde. Keine Feder ist im Stande, daS Erhebende, daS Ergreifende dieser Stunde zu schildern; ich hätte nie geglaubt, daß es einem Redner möglich wäre, einen so großen, allgemeinen Eindruck hervorzubringen. Daß aber auch die Theilnahme an der Mission von Seiten der Gläubigen eine allgemeine war, geht daraus hervor, daß die sehr geräumige Kirche von Morgens 5 Uhr bis Abends 8 Uhr immer zum Erdrücken voll war, daß ferner schon mehrere Vorträge im Freien gehalten werden mußten und noch mehrere daselbst gehalten worden wären, wenn eS nicht die Unbeständigkeit der Witterung verhindert hätte. Rege Theilnahme bewiesen insbesondere die geistlichen Herren aus der Nähe und Ferne, deren Anzahl durchschnittlich sich zwischen 40 bis 50 herausstellte, und welche daS Werk der Mission durch eifriges Beichthören, nicht nur in der Pfarrkirche, sondern auch in den beiden andern Stadt- 15S kirchen, getreulich förderten und unterstützten. Die rührenden Schlußfeierlichkeiten der Mission und die Einweihung deS MissionSkreuzes wurden durch die Anwesenheit deö hochwürdigsten Herrn Bischofs von Rottenburg bedeutend erhöht. Die geräuschlose und andachtsvolle Stille einer oft gegen 8000 bis 10,000 Köpfe starken Zuhörerschaft, ihr eifriges Bestreben in Anhörung des göttlichen Wortes und ihre tagelange Unver- drossenheit in Vollziehung und Vollendung ihres Heilögeschäfteö berechtigt zu dem Schlüsse, daß das Werk dieser Mission bei Tausenden nachhaltige Früchte hervorbringen werde. (So berichtet der Schwab. Merkur!) Mainz. In Mainz hat sich in der jüngsten österlichen Zeit, trotz aller vorhergegangenen Wühlereien, ein kirchlicher Eifer Seitens der Bevölkerung geltend gemacht, dessen sich kaum noch die ältesten Leute zu erinnern wissen. Besonders trat dieser Eifer in der eigentlichen Festwoche, vom Charsamstage bis zum weißen Sonntage, in auffallender Weise an den Tag. So hatte z. B. die Zahl der Communicanten im hohen Dome am Morgen des ersten Ostertages bereits diejenige weit überstiegen, welche im Jahre 1849 und selbst noch im vorigen Jahre am Schlüsse der österlichen Zeit in derselben Kirche sich herausstellte. Daß auch sonst die Kirchen während der heiligen Zeit zu jeder Stunde deS TageS (an Sonn- und Festtagen beginnt der Gottesdienst in unsern Pfarrkirchen um 4 Uhr Morgens und wähn ununterbrochen bis 9 Uhr Abends) von zahlreichen Andächtigen aus allen Ständen besucht waren, dürfte nach dem Vorhergesagten wohl kaum zu erwähnen nöthig seyn, vor Allem aber zogen die Predigten unseres hochwürdigsten Herrn Bischofs während der ganzen Fastenzeit stets viele Tausende von nah und fern herbei, so daß dann der geräumige Dom die Zuhörer kaum zu fassen vermochte. Eine fernere recht erfreuliche Kundgebung deS wieder erwachten kirchlichen Lebens in unserer Stadt bieten auch die bei uns bestehenden kirchlichen Bruderschaften und Vereine dar- Ohne der segenreichen Thätigkeit deS Vincentiuö- und Elisabethenvereines hier näher und ausführlicher zu gedenken, erwähnen wir von den übrigen Bruderschaften und Vereinen nur zwei, und zwar die Herz-Maria-Bruderschaft und die Jung- gescllen-Sodalität. Jene hat unser hochwürdigster Herr Bischof erst vor wenigen Monaten Hierselbst ins Leben gerufen und schon wenige Tage nach der Einführung betrug die Anzahl der eingeschriebenen Mitglieder auS allen Ständen bereits mehrere Tausende, eine Zahl, die sich mit jedem Tage vergrößert und sich bis heute fast verdoppelt hat. Die Andachten dieser Bruderschaft, welche jeden Sonntag Abends von sieben bis neun Uhr im hohen Dome gefeiert werden und stets mit einer Predigt verbunden sind, haben sich bei allen katholischen Bürgern unserer Stadt der größten Theilnahme zu erfreuen und werden sowohl von hiesigen alö von Bewohnern der benachbarten Ortschaften sehr zahlreich besucht. Eines gleichen Anklanges dürfte sich unzweifelhaft auch die gleichfalls von unserm hochwürdigsten Bischöfe angeordnete Marie nandacht erfreuen, welche, unbeschadet deS üblichen Maigebetes in den übrigen Pfarrkirchen, während des Monates Mai in unserer schönen Lieb-- frauenkirche allabendlich abgehalten wird und der jedesmal eine passende Predigt vorhergeht. — Was die Sodalität der Junggesellen betrifft, so haben sich die Mitglieder dieser für die Aufbesserung unserer sittlichen Zustände so höchst wichtigen und bedeutungsvollen Bruderschaft seit Kurzem, seitdem nämlich die Statuten revidirt worden, gerade um zwei Drittheile vermehrt, und scheint unser hochwürdigstcr Bischof, der das Präsidium in höchsteigener Person übernommen, derselben eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken, was denn nicht verfehlen kann, auf unsere jüngere Generation den vortheilhaftesten Eindruck hervorzubringen, so daß wir in kirchlicher Hinsicht wirklich einer schönen Zukunft entgegen zu sehen berechtigt sind. (M. Journal.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger PostMtung. N'iln-N n,ki« N^WNI^ I!^ '1^ 'i'i! >-'>!, ! !^ii'^Ä^/jttM^ NUi '1?7N« ^ 18. Mai ^ 2«. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« TV kr., wofür es durch alle königl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Hirtenbrief des hochwürdigsten Bischofs von Mainz, bei dem Anfange der Fastenzeit 1851. (Schluß.) In dieser offen vorliegenden Thatsache kann ich nur das Bestreben erkennen, die politische Bewegung für religiöse Tendenzen auszubeuten. Unter dem Vorgeben, Politik zu treiben, will man das Volk deutschkatholisch machen. Dagegen muß ich mich erheben und dagegen sollten sich mit mir alle Katholiken erheben, von welcher politischen Partei sie immer seyn mögen. Als die Arianer vor anderthalbtausend Jahren unter dem Schutze der römischen Kaiser bis nach Mainz vorgedrungen, um nicht etwa, wie eS jetzt geschieht, Christus zu einem bloßen Menschen zu machen, sondern um ihm seine ewige Geburt vom Vater abzusprechen, da trat der Bischof von Mainz, der heilige Marimus, der Nachfolger des heiligen Märtyrers Lucius, wider sie auf, durchwanderte barfuß mit seinen Priestern das Land, um seine Heerde vor dieser Irrlehre zu schützen. Ohne andere Macht, als die der Wahrheit, kämpfte er gegen die übermächtigen Arianer. Er wurde sieben Mal von ihnen ergriffen, öffentlich geschlagen und vertrieben, aber wie Christus durch den Tod den Tod überwand, so überwand er durch Leiden das Leiben und die Verfolgung, und befestigte von Neuem seine Heerde in dem Glauben an den Sohn Gottes. Seitdem bis auf die neueste Zeit hat eS Niemand mehr gewagt, in der Mitte des Volkes, von dem Ihr abstammt, die Gottheit Christi offen anzugreifen; mir und meinem Vorgänger war der Schmerz aufbehalten, diese Unthat erleben zu müssen. Wenn ich auch an Verdienst nicht werth bin, dem heiligen Marimus die Schuhriemen aufzulösen, so theile ich dennoch sein Amt und seine Pflichten. Für denselben Glauben, den er vertheidigte, habe ich an derselben Stelle meine Stimme erhoben, und wenn eS nöthig seyn sollte, so bin ich bereit, auch seine Leiden für diesen Glauben zu tragen. Vielgeliebte in unserm Herrn Jesuö Christus! Wie die Zeiten vor unS waren, so werden sie auch nach uns seyn. Nur wir Menschen vergehen schnell, wie die Blume verblüht, wie daS Blatt vom Baume fällt. In dem alten Mainz wandeln wir auf Gräbern. Unwandelbar besteht nur die Kirche bis an das Weltende. Wird aber auch die Stadt und die Diöcese Mainz Christus und seiner Kirche unwandelbar treu bleiben? Werdet Ihr und Eure Nachkommen, wenn die Posaunen des Weltgerichts Euch und Eure Voreltern aus den Gräbern hervorrufen werden, daS Zeichen desselben Glaubens an der Stirne tragen, das sie so treu nnter allen Glaubenskämpfen bewahrten? oder werden sie mit dem Zeichen des MenschensohneS und Ihr mit dem Zeichen seines Widersachers dastehen? i54 Ich hoff,: zu Gott, Vielgeliebte, wir werden den guten Kampf für Christus siegreich bestehen. Dennoch dürfen wir nicht verkennen, daß wir an einem Zeilpuncte der ernstesten Entscheidung stehen, der Entscheidung jjir Christus oder wider Christus, für Goic oder wiver Gott. Die heilige Schrift ist voll von Aussprüchen, daß am Ende der Zeiten trübe Tage kommen, daß der Antichrist ausstehen und ein ungeheurer Abfall geschehen werte. Wie ernst sind "die Worte des Heilandes: „ES wird alsdann eine große Trübsal seyn, dergleichen vom Anbeginne der Welt bis jetzt nicht gewesen ist, noch fernerhin seyn wird. Und wenn die Tage nicht abgekürzt würden, so würde kein Mensch gerettet werden: aber um der Auserwählten willen werden jene Tage abgekürzt werden. Wenn alsdann Jemand zu Euch sagt: Siehe, hier ist Christus, over dort! so glaubt es nicht. Denn eS werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen: und sie werden große Zeichen und Wunder thun; so daß auch die Auöerwahlten, wenn cS möglich wäre, in Irrthum geführt würden." „Siehe, ruft der Heiland, ich habe eS euch vorhergesagt: Es werden Viele unter meinem Namen kommen, und sagen: Ich bin eS, und werden Viele verführen." Der Apostel Paulus aber sagt im Geiste seines Meisters: „Lasset euch von Niemanden irre führen auf keinerlei Weise (nämlich, als sey die zweite Ankunft des Herrn damals schon nahe bevorstehend), denn zuvor muß der Abfall kommen und offenbar werden der Mensch der Sünde, der Sohn deS Verderbens, der sich widersetzt, und sich erhebt über Alles, was Gott heißt ober göttlich verehrt wird, so daß er sich in deu Tempel GotteS setzt und sich für Gott ausgibt." Dem TimotheuS aber schreibt derselbe Apostel: „DaS aber wissen wir: daß in den letzten Tagen gefährliche Zeiten kommen werden; denn eS werden die Menschen seyn voll Eigenliebe, habsüchtig, prahlerisch, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, lasterhaft, lieblos, unfriedsam, verleumderisch, uncnihaltsam, grausam, schonungslos, Verräther, muthwillig, aufgeblasen, die Lüste mehr liebend, als Gott, die zwar einen Schein der Religion haben, aber die Kraft derselben verläugnen. Diese aber vermeide. Wann diese letzte Zeit kommen wird wissen wir nicht; nur daS wissen wir, daß wir ihr mit jedem Jahrhundert näher rücken, und daß unS diese Worte gesagt sind, um unö zu warnen: „Siehe, ich habe eS euch vorhergesagt.« Das wissen wir, daß dem letzten großen Abfall, wo selbst die Auserwählten, wenn eS möglich wäre, verführt werden würden, Zeiten deS Unglaubens, deS Irrglaubens und großer Lasterhafter verhcrgehen werden, und daß selbst dieser Irr- und Unglaube, selbst dieses Geschlecht der Hoffärtigcn, der Ungehorsamen gegen die Eltern, der Verräiher, der Diener der Lüge den Schein der Religion annehmen wird. DaS wissen wir, daß schon seit dem Erscheinen,Christi auf Erden der Antichrist und sein Anhang wider den Sohn GotteS streiten. „Wie ihr gehört habet," sagt der heilige Johannes, „wird der Widerchrist kommen, ja schon jetzt sind viele Widerchristen geworden.... Sie sind von unS ausgegangen, aber sie waren nicht von unS; denn wenn sie von uns gewesen wären, so würden sie bei uns geblieben sevn. Wer ist der Lügner, als der, welcher läugnet, daß JesuS Christus sey. Das ist ein Antichrist, welcher den Vater und den Sohn läugnet. Jeder, der den Sohn verläugnet, hat auch den Vater nicht." Was ist nun in diesen Tagen vor unsern Augeu geschehen? „ES sind falsche Lehrer unter unö aufgestanden, welche Irrlehren des Verderbens einführen, den Herrn, der sie erkauft hat, verläugnen, und schnelles Verderben über sich hereinführen. Viele folgen ihrer Schwelgerei, und sie lästern den Weg der Wahrheit." Darum habe ich nicht im eigenen Namen, sondern im Namen Gottes und seines SohneS JesuS Christus zu Euch geredet, um Euch zum Wachen und Gebet aufzufordern, damit Ihr nicht in Versuchung gerathet. An Euch wende ich mich noch insbesondere, die Ihr als Stellvertreter GotteS mit unS Priestern berufen seyd, daS Heil der Euch anvertrauten Seelen zu wirken. Wachet mit unS, Eltern, Lehrer, Herrschaften, Meister, wachet über die Gesellschaften, die Eure Pflegbesohlenen besuchen, wachet über die Bücher und Blätter, die sit 155 lesen, wachet darüber, wie sie ihre Pflichten gegen Gott und seine Kirche erfüllen. Die Verführung naht sich vor Allem dem jugendlichen Herzen. „Sie," sagt der Apostel PetruS, „nämlich die falschen Lehrer, die die Lust eines TageS für Glückseligkeit halten, sie locken an sich die leichtfertigen Seelen." Die Jugend ist >o leichtfertigen HerzenS, deßhalb hat ihr Kolt Eltern, Vorsteher und Führer gegeben, die sie vor Sünde und Verführung bewahren sollen. Gott hat im Allen Bunde dem Heli geschworen, „daß die Missethat seines HauseS nicht gesühnt werde durch Opfer und Gaben bis in Ewigkeit." Und worin bestand diese Missethat? O höret cS, geliebte Eltern, in der Sünde, „daß er wußte, daß seine Söhne BöseS thaten, und sie nicht bestrafte." Und worin bestand das Böse, daS die Söhne thaten? „Darin, daß sie die Leute vom Opfer deS Herrn abhielten." Wie viel größer ist aber die Sünde christlicher Kinder, die sich durch den Besuch schlechter Gesellschaften in die Gefahr begeben, Glauben und Tugend zu verlieren, wie viel größer die Missethat christlicher Eltern, die daui schweigen. Wie tief mußte cS mich daher schmerzen, zu erfahren, daß es hier Männer und Frauen geben soll, die zwar mit den Ihrigen Katholiken bleiben wollen, und dennoch nicht nur selbst Versammlungen und Vortrügen der sogenannten „Deulschkatholileu" beiwohnen, sondern auch gestalten, daß ihre Kinder, Jünglinge und Jungfrauen, hingehen. Ich aber sage Euch, geliebte Eltern, mit dem Apostel Paulus und mii der kaiholischen Kirche: Ihr müßt diese Versammlungen vermeiden. Unmöglich ist cS, Christum als seinen Heiland und die Kirche als eine Anstalt GotteS, als eine Säule und Grundfeste der Wahrheil zu bekennen, und Versammlungen anzuwohnen, wo Christus als ein weiser Jude, die Kirche aber als eine Anstalt voll Schmach und Schande behandelt wird. „Wie lange werdet Ihr, rufe ich mit EliaS auS, auf beiden Seiten hinken? Ist der Herr Gott, so folget ihm, ist Baal Gott, so folget ihm." O, möchte meine Stimme auch Euch erreichen, fremde Brüder, die Ihr die Quellen des lebendigen Wassers in der Kirche GotteS verlassen habt, und an den Cistcrnen deS Unglaubens Euren Durst nach Glückseligkeit zu stillen bemüht seyd. Möchte insbesondere Euch mein Wort nicht hart und lieblos erscheinen. Ich habe so gesprochen, weil ich glaubte, eS zu müssen, weil ich glaube, daß kein anderer Name dem Menschen gegeben ist, um selig zu werden, als der Name dcö Gottmenschen Jesus ChristuS; weil ich also glaube, daß daS höchste allein wahre Gut unS mit dem wahren Glauben entrissen wird. Man hat Euch mit Haß gegen die Kirche und ihre Priester erfüllt, aber ich sage Euch, was ein würdiger Priester seinen LandSleuien zurief: Ihr haßt nicht die Kirche und ihre Priester, sondern das Lug» und Trugbild, daS der Geist der Lüge Euch von der Kirche entwirft. Kenntet Ihr die Kirche, diese von Gott unS gegebene Mutter, wie Eure Eltern sie kannten, so würdet Ihr sie lieben, wie sie sie liebten. Prüfet die Geister, die sich Euch nahen, die Euch belehren wollen, ob sie dem Geiste GotteS oder dem Geiste der Lüge entstammen. Wodurch haben sie eS Euch bewiesen, daß sie eS redlich mit Euch meinen, daß sie Euch wahrhaft lieben? Ist der schon immer unser Freund, der unsern Leidenschaften, unserm Stolze, unserer Sinnlichkeit schmeichelt? Sind Adam und Eva dadurch Götter geworden, daß ihnen der Teufel sagte: „Ihr werdet wie Götter werden?" Und welche andere Beweise der Liebe hat man Euch gegeben? Man erfüllt Euch mit Haß gegen unS. Man stellt Euch daS Leben einiger schlechten Priester vor, und wirft dann den Schein der Habgier und der Bosheit auf unS Alle, und auf die Kirche. Kann aber die Kirche ihren Priestern die Freiheit nehmen? Kann sie eS ihnen wehren, wenn sie sich verdammen wollen? Ist ChristuS schuld, daß unter den Jüngern ein JudaS war, oder sind alle Apostel gottlos, weil JudaS ein Verrälhcr war? Wie könnt Ihr einem so groben Truge folgen? Ja, eö gibt auch einzelne nichtSwürdige Priester, die daS unendlich heilige Amt schänden, das sie bekleiden, die der Kirche die tiefsten Wunden schlagen, die die Kirche, ihre Ehre, ibre Göttlichkeit, das Heil der ihnen anvertrauten Seelen verrathen, wie JudaS — Christum verrathen hat; ja, cS gibt auch schlechte Priester, und wie die Engel um so tiefer fielen, je höher sie standen, 15« so auch die Priester; und wie die gefallenen Engel die Verführer der Welt wurden und daS größte Elend anrichteten, so auch schlechte Priester; ja, es gibt auch schlechte Priester. — O, gäbe es keine! Wären wir Alle, wie die Kirche uns will, wie wir es der Kirche geschworen haben, wie würde cS dann anders in der Welt werden, waö könnte dann noch der Wahrheit und Schönheit der Kirche widerstehen? Aber warum sehet Ihr auf diese unseligen Nachfolger deö Judas, über die die Kirche wehklagt und jammert, und nicht auf die große Schaar heiliger Männer, die zu jeder Zeit Gut und Blut dem Heile ihrer Mitbnider geopfert haben? Abermals frage ich, welche andere Zeichen der Liebe, als den Hohn über die Kirche, haben sie Euch gegeben? Welche Opfer, welche Entsagungen umd Selbstverläuanuiigen haben sie Euch gebracht? O wahrhaft, prüfet die Geister. Wir aber, Geliebte, wollen Euch zeigen, daß wir Euch lieben, daß wir nichts suchen als Eure Seele. Ich bin wenigstens nicht zu Euch gekommen, weil ich keinen andern Aufenthalt auf Erden hatte, oder weil ich zeitliches Gut bedürfte. Ich habe in meiner Heimat viele tausend Seelen, von denen ich mich mit Schmerz losgerissen, die mich mit Jubel und Liebe wieder aufnehmen würden; ich habe dort Gelegenheit genug, auch iu zeillichem Wohlergehen zu leben, wenn ich das suchte. Ich bin auf Befehl des heiligen Vaters zu Euch gekommen, und ich bin bereit, Euch meine Zeit, meine Kräfte, mein Habe und mein Leben zu opfern, und nichts für mich zu suchen bis an das Ende meines LebenS; und viele meiner Mitbrüder unter den Priestern sind dazu bereit, daS wollen wir Euch zeigen. Prüfet dann, wer ver Miethling ist, der nicht Gott und seine Heerde, sondern sich und das Seiuige sucht. Prüfet aber auch Cure Seele, Euer Gewissen in ver Gegenwart des allwissenden Gottes, prüfet Euch, nachdem Ihr gebetet habt, prüfet Euch, ob daS der Weg ist, der Euch wahrhaft glücklich gemacht hat, auf dem Ihr der Ewigkeit entgegen gehen wollt. O, möchtet Ihr zu dem guten Hirten Eurer Seele zurückkehren! Heute, wenn Ihr meine Stimme höret, verhärtet nicht Eure Herzen. „Glaubet an das Licht, so lange Ihr das Licht noch habet, damit Ihr Kinder des Lichtes seyd." So bitte ich Euch mit den Worten Jesu Christi. Lasset die Zeit nicht vorübergehen, wo Euch das Gnadenlicht noch leuchtet. Habt Ihr die Gnadenzeit erschöpft, entzieht Euch Gott die Gnade, ohne welche wir nicht glauben können, o dann würden sich an Euch die fürchterlichen Worte erfüllen, die von den Juden geschrieben stehen: Darum konnten sie nicht mehr glauben; denn JsaiaS hat abermals gesagt: „Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, daß sie mit den Augen nicht sehen und mit dem Herzen nicht verstehen, noch sich bekehren, noch ich sie selig mache." Ihr Alle aber, geliebte Diöcesanen, die Ihr an Jesum Christum glaubt und durch ihn selig werden wollt, ich bitte unv ermähne Euch, benutzet die Gnadeuzeit, die uns jetzt bevorsteht, die heilige Fastenzeit im Geiste der Kirche. Wenn Gott der Sünde gedenken will, wer wird dann vor ihm bestehen? Vereiniget Euch mit unS Priester,»! im Gebete, damit Gott seine heilige Liebe in unsere Herzen ausgieße, betet für die Kirche, den heiligen Vater, die Bischöfe und Priester, daß Gott sie mit Weisheit, Gnade und Kraft erfülle, betet inständig für unsere lieben verirrten Mitbrüder, daß sie zur Heerde Jesu zurückkehren mögen. Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sey mit Euch Allen! Gegeben zu Mainz am Tage des heiligen Willigis, 23. Februar 1851. -j- Wilhelm Emmanuel, Bischof. Der Missionär P. Gawronski. Es war ungefähr im Jahre 1843, als ich auf meinem in dem ruthenischen Theile GalizienS gelegenen Landsitze in 55» ein Schreiben des lateinischen Pfarrers von 55», ^ Diöcese die lateinisch-christliche Bevölkerung meines Gutes gehörte, erhielt, worin er mir anzeigte, daß der Priester Gawronski, der von der Regierung die Erlaubniß erhielt, die in Ruthenien zerstreuten und von ihren respectiven Pfarren 157 entfernten polnischen Bauernfcimilien in kirchlicher Mission behufS einer religiösen Belehrung zu besuchen, nächstens auch in mein Territorium einkehren und daselbst seine Missionsarbeit beginnen werde. Eine solche außergewöhnliche Erscheinung, die meines Wissens hier früher nie stattgefunden, mußte, eben wegen der Seltenheit, verschiedene Gedanken erwecken, wovon der glimpflichste in dem Träger einen blinden Fanatiker darstellte. Die Anstalten zu seinem Empfange waren gemacht; ein Hintergedanke jedoch, den vielleicht zu weit getriebene Vorsicht eingab, rieth auch für eine gewisse Ueberwachung des sonderbaren Gastes zu sorgen. Tage und Wochen vergingen, der Missionär ließ sich nicht sehen, der Glaube, daß er — vielleicht auS Ursachen, welche daS hier stelS noch wach erhaltene Mißtrauen jeder nicht normalen Erscheinung so bereitwillig substituirte — höhern Orts verhindert, nicht mehr ankommen weide, nahm Immer mehr überHand und schien sich bewahrheiten zu wollen. Da wurde mir eines TageS Jemand gemeldet, der mich zusprechen wünsche. Meine Aufforderung, hereinzutreten, blieb lange erfolglos — ich trat demnach hinaus. An der Eingangsthüre des Vorzimmers stand eine kleine gebückte Gestalt, angethan in ein schwarzes, ziemlich abgetragenes priesterlichcs Gewand. Stellung, Geberde und Aussehen machten mich glauben, ein Mitglied vom Orden der barmherzigen Brüder stehe in Angelegenheiten seines Klosterspitals vor mir Erst als wir eingetreten waren, erfuhr ich, daß es der Missionär Gawronski war» Kalt und mit etwas gedämpfter Stimme machte er mich mit dem Zwecke seines Hierseyns bekannt, wies entschieden alle Erfrischungen, die man in Galizien fast jedem angekommenen Gaste zu bieten pflegt, ab, wollte eben so wenig von der für ihn bereit gehaltenen Wohnung Gebrauch macheu, indem er bei einem Bauer schon aufgenommen sey, und entfernte sich eben so anspruchlos und bescheiden, ja demüthig, möchte ich beinahe sagen, aber auch kalt, wie er gekommen war, und ohne länger, als gerade zu diesen Verhandlungen nöthig gewesen ist, sich aufgehalten zu haben. Dieser erste Eindruck war nicht weniger als günstig; ich erfuhr, daß er auf einem gewöhnlichen Bauernwagcn angekommen, sich zu dem ersten besten Bauer lateinischer Confession habe fahren lassen und sich von diesem einen Winkel in der Scheune und darin ein wenig Stroh zur Lagerstätte ausbat, das er mit einem einfachen Kotzen überdeckte. Außer diesem und einem ganz kleinen Reisekoffer hatte er nichts mehr. Zur Nahrung verlangte er etwas Milch und dasselbe Brod, das im Hause gebacken wird und das wahrlich nur von dem, der von Jugend auf an nichts Besseres gewohnt ist, verzehrt werden kann. Beides aber gegen eine angemessene Entschädigung. Seine erste Frage war nach den Kindern, nach Zeit und Ort, wann und wo sie ohne Abbruch ihrer Beschäftigung getroffen oder um ihn versammelt werden könnten; dann besuchte er die polnischen Familien und blieb lange in ihren Hütten, und überall, wo er einkehrte, ließ er Freunde und Freude zurück. Kaum verging ein Tag, als schon im ganzen Dorfe, selbst unter der ruthenischen Bevölkerung, die bekanntlich der griechisch-unirten Kirche angehört, sich eine freudige Regung bemerkbar machte. Jedes sprach mit einer gewissen Weihe von dem neuen Gaste, sein Lob quoll von allen Lippen, es war in der That wie ein wohlthätiger Zauber, der mit seiner Nähe Alle überkam. Diese Freundlichkeit, die er in den Hütten der Armuth entwickelte und die ihm so schnell alle Herzen gewann, pikirte mich, hatte er doch mein herzliches Entgegenkommen kalt und theilnahmSlos erwidert. Sollte dieß, dachte ich bei mir, die Maske seyn, die sich ein unversöhnlicher Demagog umhängt, um das Landvolk bearbeiten zu können? Oder ist's ein lichtscheuer Fanatiker, der instinctartig eine nähere Berührung mit mir scheut? Ich beschloß, der Sache auf den Grund zu kommen. Ich lud ihn zur Tafel und beauftragte mit dieser Einladung einen Beamten, dem ich an'S Herz legte, sich auf keinen Fall abweisen zu lassen. Der Missionär kam; sein dießmaligeS Erscheinen war von seinem ersten in Nichts verschieden, nur sprach er mehr, auch nahm er den ihm an der Tafel ange- wiesenen Ehrensitz ohne Anstand an, aber er berührte die Speisen nicht. Er faste heute, war seine Augrede, doch sey er gekommen, weil er mir nicht gerne etwas abschlagen wollte, oder eigentlich weil ich eS gewünscht. Sein Gespräch verrieth 158 einen Weltmann, der die Falten des menschlichen Herzens und den Tang des Lebens kennt, seine Ansichten waren praktisch; Altem, was er vorbrachte, lag eine tiefe Kenntniß und richtige Würdigung der menschlichen Dinge und der jetzigen Weltver-- hältiiisse zu Grunde — aber all' mein Bestreben, ihn einzunehmen, war erfolglos, er blieb kalt und zurückhaltend, nahm jedoch mein wiederholtes Anerbieten, bei uns zu wohnen und an meinem Tische wenigstens zu — sitzen, an; in der Folge erfuhr ich, daß er dieß Opfer meinen Kindern brachie; denn seine Bemühungen waren vorzüglich der Jugend zugewandt, mit der er sich auch beinahe ausschließlich beschäftigte. Er versammelte die Dorfkinder nach vollbrachter TageSardcit, also AbentS, um sich, und eS war in der That ein erhebender Anblick, wie diese Kinder, die TagcSmühen vergessend, die halben Nächte hindurch begierig seinen Lehren lauschten, und wie sein Wort lebendig in ihnen war. Er pflegte in jedem Orte eines der geschicktesten auszusuchen und lehrte eS lesen, waS ihm auch immer im Verlaufe von einigen Wochen gelang. Dieser Knabe wurde dann in der von ihm organisirten Schule der Lehrer, dem er die Fürsorge über seine Pflanzung überließ, wenn er weiter zog, denn nie blieb er über einige Wocben an einem Orte. Er »heilte unter daS Landvolk von ihm verfaßte leichtfaßliche Lehrbücher und eine Art Kalender aus. Der Lehrmeisterknabe hatte die Mission, nicht nnr mit der andern Jugend an Sonn« und Feiertagen die empsangenen Lchren zu wiederholen und ihnen zum Lesen der erhaltenen Katechismen anleitend behilflich zu seyn, er sollte auch den Familien selbst den Inhalt der Bücher erklären und über alle Fortschritte und Rückgänge genaue Register führen, um sie bei der Wiederkehr des Missionärs vorweisen zu können. In den Gebirgsgegenden, wo die Dorfhütten nicht wie in der Ebene in einem Kranze beisammen, sondern vereinzelt weit weg von einander stehen, wo also eine solche Vereinigung der Kinder am Abende nicht leicht möglich ist, dort sucht sie der Missionär auf den Triften der Berge, wo sie das Vieh weiden, auf und bringt ganze Tage, ihre Beschäftigung theilend und sie dort belehrend, mit ihnen zu. Die große Wichtigkeit seiner Mission wird aber erst begriffen, wenn man die Zustände der lateinischen Christen in dem ruthenischen Theile Galiziens kennt. Außer in den Städten und in einigen Ortschaften ist hier die polnische Bevölkerung auf den Dörfern sehr sparsam zwischen den Nuchenen zerstreut, daher eS kommt, daß ein polnischer Pfarrbezirk sehr weit und breit ausgedehnt ist, zu dem auS manchem Dorfe nur drei oder vier Familien gehören, die zumal, wenn sie weit abliegen, von ihren Seelsorgern kaum erreicht und nothwendiger Weise vernachlässigt werden; als Polen gehen sie zwar in die ruthenischen Kirchen, aber nicht in den ruthenischen Religionsunterricht und verwildern, sich und ihrem Jnstincte überlassen. Besonders ist dieß im Gebirge der Fall, wo eS nicht selten vorkommt, daß nicht nur die Gebete, sondern selbst die Religionsbegriffe nicht bekannt sind, und sich die Menschen im rohen Naturzustande befinden. Die lateinische Pfarrgeistlichleit hat weder Zeit noch Beruf, ihre Pfarrfinder auf diesen entlegenen Orten aufzusuchen und im Glauben zu erziehen; die ruthenische jener Orte aber fühlt gegen diese keine Verpflichtungen und ist mit eigenen Angelegenheiten und ihrem Wirthschaflsbctriebe zu sehr in Anspruch genommen, um selbst ihren Berufspflichten gegen die eigenen Pfarrkinder gehörig nachzukommen, waS auch bei der ungemeincn Entfernung der Dorfwvhnungen von einander in der That äußerst schwierig ist. Es herrscht auch tief in den Karpathen entsetzlicher Aberglaube. Haben sich doch selbst in abgelegenen Thalgegenden noch bis tief in die 30ger Jahre die Herenprobe erhalten, die darin bestand, daß man die dessen verdächtigten weiblichen Personen inS Wasser t nichen ließ u. dgl. m., waS selbst in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, eine Meile von der Kreisstadt entfernt, sich zutrug. Ein wahrer Apostel zieht nun der Missionär durch diese Gebirge mit dem Anfang des Frühlings, um in den rohen menschlichen Gestalten das Wort GotteS, daS Licht der Aufklärung zu erwecken und sie zu Menschen zu machen; mit der Annäherung deS Herbstes, der viel früher in den Gebirgen beginnt, steigt er in die Ebenen nieder und sucht die von ihren Pfarren entferntesten Orte und darin die verwahrlosesten 259 Christe» auf. Freilich, was kann hier ein Einziger thun? und Missionär Gawronski steht ganz allein und ohne Nachahmer. Aber man muß die kleine, gebückte, unansehnliche, ja demüthige Gestalt nur einmal aus dem Predigerstuhle sehen! seine im gewöhnlichen Leben gedämpfte Stimme herab von der Kanzel hören! Man traut den eigenen Ohren nicht. Ein begeisterter Prophet steht verklärt vor uns, seine Stimme dringt wie der Donner tief ergreifend in daö tiefinnerste Wesen, und die Zuhörer, ersaßt von einer unsichtbaren unwiderstehlichen Gewalt, horchen mit feuchtem Blick dem lebendig gewordenen Worte. Nie werde ich vergessen, welchen Eindruck seine Predigten anf mich gemacht, nie den ich am Antlitz der Umstehenden sah! Nur wer dieses sah und an sich erlebte, kann die Wirkungen dieses Mannes — so vereinzelt er auch dasteht — begreifen. Ich habe ihn im Jahre 1849 im Franciscanerkloster in Lemberg, wo er die Wintermonate zuzubringen pflegt, besucht; die ganze Einfach' heit und Bedürfnißlosigkeit, die er auf seinen Reisen zur Schau trägt, fand ich in seiner Zelle wieder. In Ermanglung eines Stuhles setzten wir unS auf Bücher, die überall herumlagen und außer dem Unentbehrlichsten das einzige Ameublement ausmachten. — Man glaube aber ja nicht, darin die gewöhnliche Folge der Armuth zu sehen. Freilich hat er nichts, weil er Alles Bedürftigen gibt, aber zum Geben hat er immer und oft auch viel, weil durch seine Hcu,de der Reichthum der Armuth Trost und Linderung zuschickt. Ich selbst bat ihn, als er meinen Landsitz verließ, für den Religionsunterricht, den er täglich durch zwei Stunden meinen Kindern ertheilte, ein kleines Reisegeld wenigstens und das Bettgewand, das er benützte, für seine Gebirgs- reisen ein nothwendiger Artikel, anzunehmen. Er gab meinen Bitten nach, aber er brauchte weder das eine noch das andere für sich. Nur um mir wohlgefällig zu seyn, ließ er daö Bettgewand während seines Hierseyns bei Tage auf dem Bette, gebrauchte eS aber bei Nacht nicht, er verschenkte eS an eine arme, einst wohlhabende Familie, und mit dem Gelde that er dasselbe. Und ein Fanatiker ist dieser Mann nicht. Er besitzt ein tiefes und gründliches Wissen und nicht in der kirchlichen Dogmatik allein. Das Buch des Lebens ist vor seinen Augen aufgeihan, und er versteht es, darin zu lesen. Ich habe Nächte mit ihm durchgewacht, ich bin reiner, geläuterter geworden. Ich wußte nicht, ob eS Sokrates, ob Plato ober ein Priester des Herrn ist, aber ich wußte, daß ich mich in der Nähe eines höhern Wesens befinde. Die Tage, die er in meinem Hause zubrachte, sind wie ein Lichtpunct in meinem Denken, den eine wohlthätige aber außerordentliche Erscheinung zurückgelassen, und diese gebrochene Gestalt steht hochaufgerichtet und ruhig, in die Wolken reichend, vor meinem geistigen Auge, von dem sie manchen trüben Wahn verscheuchte. Gawronski gehört keinem Kloster, keiner Kongregation, keiner Körperschaft an, er ist einfach ein Priester und zwar ohne irgend eine feste Stellung, waö man gewöhnlich so zu nennen pflegt. Seine außerordentliche Erscheinung, die wohl an die ersten Christen erinnert, hat ihm ein uubegränzteS Vertrauen der Kirche, der Regierung und die Herzen Aller, die ihn kennen, für immer gewonnen. Franz v. Florenconrt. Schwerin, 29. April. Die am 19. d. M. hier erfolgte Rückkehr deS Herrn Franz v. Flore ncourt zur katholischen Kirche ist bereits durch die öffentlichen Blätter gemeldet. Wir lassen einige nähere Mittheilungen über dieses für alle Katholiken höchst erfreuliche Ereigniß und insbesondere über den feierlichen Act der Aufnahme hier folgen. Herr v, Florcncourt, durch sein allbekanntes Streben für Recht und Wahrheit schon seit Jahren zur katholischen Kirche hingedrängt, gelangte in diesem Frühjahre zur völligen Ueberzeugung von der Wahrheil der katholischen Lehre. Hier in Mecklenburg, auf dem Gute eines Freundes, bereitete er sich einige Zeit zu seiner Rückkehr in die katholische Kirche vor, und entschloß sich, am heiligen Charsamötag in der hiesigen katholischen Kirche sein Glaubensbekenntnis; abzulegen. 160 Da sein Entschluß hier bekannt geworden, so versammelten sich am Charsamstags- Abend schon frühzeitig zahlreiche Katholiken und Protestanten in der katholischen Kirche. Gegen 7'/z Uhr trat Herr v. Florencourt ein in Begleitung von zwei angesehenen Milgliedern der hiesigen katholischen Gemeinde. Am Tausbrunucn, wo Herr Pastor Brocken im kirchlichen Ornat ihn erwartete, begehrte er, bedingungsweise, nämlich für den Fall, wenn er nicht recht getauft sey, die heilige Taufe zu empfangen. Dieselbe wurde ihm ertheilt; an der tiefen Stille, welche während dessen in der ganzen Kirche herrschte, bemerkte man den großen Eindruck, welchen die feierlichen Cere- monieen, unter denen unsere Kirche die heilige Taufe spendet, auf alle Anwesenden machten. Dann trat Herr v. Florencourt vor den Altar, wo Herr Pastor Brocken in einer ergreisenden Rede auseinandersetzte, welch' ein großes Glück ihm durch die Aufnahme in die katholische Kirche, die allein im Besitze der wahren Lehre Christi und der wahren Sacramente sey, zu Theil werde. Hier kniere Herr v. Florencourt vor der Communionbank und las, während zwei Chorknaben ihm mit Lichtern zur Seite standen, deutlich und mit scharfer Betonung das tridentinische Glaubenöbekennt- niß ab uns wurde dann, nachdem er feierlich gelobt hatte, als ein treuer Sohn der heiligen katholischen Kirche leben und sterben zu wollen, in die Gemeinschaft der heiligen Kirche aufgenommen. Viele von den Anwesenden haben sich während dieser Feierlichkeit die hellen Thränen auö den Augen gewischt. Man kann denken, daß diese öffentliche und feierliche Conversion dieses ausgezeichneten, in ganz Deutschland rühmlichst bekannten Mannes sowohl hier, als in ganz Mecklenburg auf Protestanten wie Katholiken einen tiefen Eindruck gemacht hat. Belgien. DaS „Jonrnal de Brurelles" enthält einen längern Aufsatz über die Lage der Katholiken in den Niederlanden, dem wir Folgendes entnehmen: „Die holländischen Protestanten sind heute noch, was sie stets gewesen: übermächtig an Zahl und Despoten im Regieren. Ihre Unduldsamkeit und ihr Fanatismus kennen keine Gränzen. Gesetze, Verwaltung und Presse, ja Alles wird auf die Beine gebracht; ihren ganzen Einfluß machen sie geltend, um auch die letzte Spur des Katholicismus zu vernichten. Zu diesem Ende haben sie eine vollständige Propaganda organisirt, und wenn nicht selbst die rasfinirtesten Verfolgungspläne im Kampfe gegen die Kirche ohnmächtig wären, so müßte man für eine Zukunft der Katholiken in Holland die Hoffnung aufgeben. So viel die Protestanten unter sich auch uneinig und getheilt seyn mögen: wenn es gilt, die Rechte und die Freiheit der Katholiken zu bekämpfen, dann scheinen Uneinigkeit und ehrgeizige Eifersucht unter ihnen verschwunden zu seyn, ja im Hasse gegen den Katholicismus sind Alle unter sich einig. Da gibt es keine Radi- cale, keine Ultraconservative, keine konstitutionelle mehr, der gemeinschaftliche Haß füllt auf einmal die Kluft, die sie kurz vorher noch trennte; ein Versöhnungöfest wird gefeiert, um dem Gegner zu Leibe zu gehen. Die Presse folgt derselben Fahne. Die dem Glauben der Väter getreu geblieben sind, werden täglich mit den ungerechtesten und den schmählichsten Verleumdungen überschüttet. Bei jeder Gelegenheit wird das Phantom der „klericalen Herrschast," der „katholischen Theokratie" und der „JesuitiSmus" zu Markt getragen, und erstaunt fragt der Leser: „Wie ist es möglich, daß man ein solches Unwesen doch dnloet?" Obgleich zwei Fünftel der gesammte» Bevölkerung der katholischen Kirche angehören, so sind dennoch die Katholiken von der Verwaltung des Landes strenge ausgeschlossen; die Protestanten regieren ohne Controle, in den Gemeindebehörden wie im Rathe deS Königs, in den Elementarschulen wie auf den Kathedern der Hochschulen sind sie ausschließlich die Meister. Mit einem Worte: die Katholiken werden als Heloten behandelt. Und dennoch nennt man sie „Unterdrücker". -—---—_——. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er- Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 25. Mai ^ 21. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis Tilis, nach deutscher und nach wälscher Art," einen Folioband von Johann Wilhelm aus Frankfurt am Main vom Jahre 1618, dann weiter, nach ausschlietzlich wälscher Art, des Barozzi Vignola „Buch von den fünf Säulen-Ordnungen," sodann ein Heft aus dem Jahre 1792, „Zeichnungen nach dem neuesten Geschmack" betitelt, und endlich vom Jahre 1793 ein sich so nennendes „Ideen-Magazin" mit Abbildungen in chinesischem, griechischem (!) und ägyptischem Geschmacke, darunter auch ein wunderlich barockes Gartenhäuschen mit der Unterschrift: „Sommerhaus im gothischen Style."*) — So sehen wir die Nachfolger der Erbauer der Liebfraucnkirche, jener kraftvollen, lebensfrischen Werkmeister, in ein schwachsinniges Geschlecht ausgeartet, dem die pariser Tapezierer und Galanteriehändler die „Ideen" liefern. Dahin ist eS gekommen, weil man Leben, Wissen und Können verschiedene Straßen ziehen ließ, weil man seine Nationalität, seine Geschichte, seine heiligsten Ueberlieferungen verläugnet hatte! Der Dünkel, die Vornehm- und Gelehrtthucrei haben hauptsächlich der deutschen Kunst ihr frühes Grab gegraben und das freudige Leben hinweggenommen, welches vormals in ihr pulsirte. Zum Glück wird der Schmerz über diesen Wechsel der Dinge durch den Gedanken gelindert, daß wieder ein neuer Umschwung begonnen hat, ein Umschwung zum Besseren; daß eö den Anschein gewinnt, als ob jenes freudige Leben um deßwillen sich in die Tiefen gezogen habe, um dort zum neuen Springquell sich zu sammeln. Allerwärts drängen in diesem Sinne sich die Zeichen. Schon baut wieder die mächtigste Nation der Erde am Themsestrande das HauS ihrer Vertreter auS dem alten Steinmetzengrunde mit nie gesehener Pracht auf, und der Dom zu Köln treibt auf allen Seiten wieder Zweige, Blätter und Blüthen: multa rensseentur czuse jam oeciclere. (Domblatt.) Die heilige Mission in Regensburg. Die schönen Tage der Mission, sie sind vorbei — doch nein, sie dauern immer noch — denn das Himmlische, das Göttliche kennt kein Ende. Dem kalten, unfreund- ") Recht interessant ist noch das auf der städtischen Bibliothek zu Trier beruhende Steinmetzen- amtS-Protocollbuch, welches die Jahre 1670 bis 1721 umsaßt und die lateinische (!) Aufschrift führt: „proloeollum inslilulum ipzo ^,inici? Il?ttil,m z^lir,!i>t^^ MliÄ. östZ >I/I1'/>I^^) ^tttldchf Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 4V kr., wofür es durch alle königl, bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Magdalena Herzogin von Bayern, Pfalzgräfin bei Rhein ic. von Carl August Voehaimb, Caplan in Neuburg a D, (Fortsetzung.) Magdale nens Nächstenliebe. Wie sie wohl wußte, daß der bloße Wortglaube und die unthätige Wortliebe nichts nützen, so war sie auch überzeugt, daß selbst eine gewisse Empfindung von Gottes Liebe oft trüge und vor Gott ohne Werth sey, wenn diese Empfindung nicht zu reger Nächstenliebe antreibt. Daher bestrebte sie sich mit nicht geringem Eifer, dieser Pflicht in jeder Beziehung auf ihre Mitmenschen, besonders als Gattin, als Mutter und in einem gewissen Sinne als Haus- und Landesmuiler volltommen Genüge zu leisten. Sie war nicht in den Ehestand getreten um desto glänzender leben zu können, sie erkannte und bedachte die heiligen Pflichten, die durch ihre hohe Stellung eineSiheils, anderntheils durch ihren Beruf als Gattin und Mutter ihr auferlegt waren, und fühlte die Kraft in sich, diesen Pflichten mit dem Beistande GotleS auch nachzukommen. Eheliche Liebe und Treue gegen ihren Gemahl waren ihr daher so heilig, daß nach dem Zeugnisse eines Mannes, der sie näher kannte, ihr ganzes Benehmen in dieser Hinsicht eine lebendige Darstellung der Ermahnungen des Apostel PauluS an die christlichen Ehefrauen war. ^) Sie liebte und ehrte ihn, nach Christus und des Apostels Sinn, als ihren Herrn. Seine Zufriedenheit, sein Wohlseyn, sein Umgang galten ihr mehr als alle Bequemlichkeiten, Vergnügen und Schätze dieser Erde und im überströmenden Gefühle bezeugte sie einst, daß sie im strengsten Sinne um keinen Preis der Welt sich entschließen könnte, ihm auch nur die kleinste, unbedeutendste Beleidigung zuzufügen. Sie ließ eS an Nichts fehlen, wodurch sie seine Zuneigung gewinnen konnte, horte in Allem gerne seinen Rath, trachtete ihn stets mit dem zu erfreuen, woran er Vergnügen hatte. Ein Sinn, Ein Rathschluß, Ein Wille, Ein Geist, einigte Beide. Herzog Wolfgang Wilhelm hing aber auch daher mit ganzer Seele an ihr, ehrte und erwiderte ihre treue Liebe und äußerer öfter: „daß er seine Gemahlin für eine Heilige halte und nur bedaure, sie in ihren hohen Tugenden nicht erreichen zu können." — Nebst dieser Ueberzeugung fesselten ihn auch ihre großen Fähigkeiten und >>!i!i MZ ^Wliz t.?'»,jD.M nl ,z??lß?klv H^zHo Hirttt!-"' - ' UtUMNÄ *) Ihr Frauen seyd euren Männern Unterthan, wie sichs geziemt, ,'m Herrn. Im Briefe an die Colofser Z, IS. Und: die Frauen sehen ihre» Männern unterthänig, wie dem Herrn. An die Epheser S, LL. 186 die für ein Frauenzimmer seltenen Kenntnisse. Nicht nur verstand sie gründlich und sprach geläufig die italienische, französische, spanische und lateinische Sprache, sondern auch iu der Kirchen- und Weltgeschichte war sie sehr erfahren, sprach gründlich davon, so daß jene, die ihre Aeußerungen hörten, oft behaupteten, Neuburgs Herzogin besitze einen solchen Grad von Weisheit, daß sie ein ganzes Land zu beherrschen im Stande wäre; besonders beliebt, sowohl bei ihrem Gemahl als auch bei Allen, die sie näher kannten, machte sie sich durch ihre Bescheidenheit, Ungeachtet ihrer tiefen Einsichten und mannigfaltigen Kenntnisse, war sie keineswegs stolz darauf, sondern fragte oft um Rath, hörte bei jeder Gelegenheit gerne die Meinungen Anderer und unterwarf sich unbedingt, vorzüglich in Gewissenssachen, dem Rathe ihres Beichtvaters. Wie sie als Gattin ihre Pflichten treu erfüllte, so auch als Mutter. Gewiß das schönste Geschenk, das ein Weib dem Vaterlande machen kann, sind wohlgesittete Kinder, welche angeleitet und eingeübt sind ihre Pflichten gegen Gott und die Mitmenschen zu erfüllen, nnd durch ihre persönliche Auszeichnung zum Nutzen und Frommen des Vaterlandes beizutragen; dieselbe Gabe legte als Opfer auf ten Altar des Vaterlandes auch Magdalena nieder. Es war der erste Landtag, den ihr Gemahl im Jahre 1615 zusammenberufen hatte. Von ihm ließ sich wegen der von ihrem Gemahle gemachten Veränrerungen wenig Gutes erwarten. Um nun ein günstigcs Resultat zu erzielen, hatte Magvalena nicht nur selbst viel gebetet, sondern auch sogar an andern Orten, z. B. in Jngolstadt, beten lassen. Der Landtag ging glücklich vorüber und zum Schlüsse desselben gebar sie am 24. Nov. 1615 zur höchsten Freude ihres Gemahles einen gesunden Prinzen. Dieser wurde vom Bischöfe von Augsburg, Heinrich von Knöringen, am St. Nikolaustage getauft und ihm der Na- men seiner Taufpathen Philipp III. Königs von Spanien und Wilhelm V. Herzogs in Bayern beigelegt. Auch während des Wochenbettes bewies die fromnK Herzogin ihren religiösen Sinn, indem sie von ihrem Lager aus täglich die heilige Messe anhörte, welche ihr Beichtvater in einem anstoßenden Zimmer lesen mußte, was auch sonst immer geschah, wenn sie krank darnieder lag. Die in jeder Hinsicht vortreffliche Mutter sorgte mit rastlosem Eifer für die gute Erziehung ihres Sohnes und da ihr Herz so ganz an Gott und der Religion hing, so drang sie auch vorzüglich auf religiöse Bildung. Schon im dritten Jahre legte der Prinz Philipp Wilhelm eine öffentliche Probe seiner glücklichen Fortschritte in dieser Hinsicht ab. AIs nämlich am 21. Oktober 1613 die Hofkirche in Neuburg eingeweiht wurde, empfing er die heilige Firmung, nach welcher Handlung er sogleich bei mehreren dürftigen Personen die Pathenstellen übernahm. Hiebei betrug er sich mit so sichtbarer Andacht und Anstand, daß er den Bischof und die Anwesenden, die bis zu Thränen gerührt wurden, in das größte Erstaunen setzte. Als der Prinz in das sechste Lebensjahr ging, übergab sie ihn dem Pater Christoph Brandts zur Geistes- und Herzensbildung, Philipp Ludwig machte auch unter der Leitung dieses geschickten und rechtschaffenen ManneS so glückliche Fortschritte, daß er nach allem Rechte mit einem Preise öffentlich beschenkt wurde und schon in seinen frühesten Jahren sich die ungetheilte Liebe, Verehrung und Bewunderung aller, die ihn kannten, erwarb. Unter Thränen der Freude bemerkten eö die Eltern besonders, als der Prinz in seinem zehnten Lehensjahre in einem Schauspiele mit den Studirenden auftrat, wie sein Herz und Geist, so wie sein äußerer Anstand zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, die sie gleich beim Uebertritte in die Jünglingsjahre zu ihrem größten Troste erfüllt sahen. In rühmlicher Harmonie mit den Grundsätzen des Lehrers bestrebte sich die frommliebende Mutter zu gleicher Zeit, ihrem Prinzen vorzüglich Liebe und Hochachtung gegen die Religion und Lust zum Gebete einzuprägen. Wenn, wie es damals öfter geschah, eine Procession gehalten wurde, und sie selbst wegen Krankheit dieselbe nicht begleiten konnte, so mußte ihr Sohn von dem eine Stunde entfernten Jagdschlosse Grünau, wo er sich damals öfters aufhielt, in die Stadt eilen, um dem Bittgange beizuwohnen, und dann erst war es ihm erlaubt zur Tafel zu kommen. Ihre zärtliche Mutterliebe suchte sie öfters unter dem Schleier des Ernstes zu bergen, 4 187 und doch war derselbe so rein und heilig, daß sie oft mit sichtbarer Rührung sagen konnte: So sehr ich meinen Sohn liebe, so würde ich doch wünschen, ihn nicht geboren zu haben, wenn ich wüßte, daß er Gott und der Religion untreu würde. Auch auf ihrem Sterbebette noch besorgt, ihn zu einem würdigen und glücklichen Regenten zu bilden, gab sie ihm noch kurz vor ihrem Tode mit unerschütterlicher Standhaftigkeit die schönsten Lehren. Die nachmalige Regierung Herzog Philipp Wilhelms zeugte noch von den Grundsätzen und der vortrefflichen Bildung, welche er unter der Leitung einer in jeder Hinsicht so verehrungswürdigen Mutter erhalten hatte. Schon in seinem eilften Jahre gab er in einem freundschaftlichen Gespräche den schönen Grundsatz zu erkennen: „Lieber einer kleinen Provinz würdig vorstehen, als einst über die Negierung eines großen, mächtigen Reiches Gott Rechenschaft ablegen!" Man bewunderte auch an ihr die kluge Aufmerksamkeit und Sorge, welche sie dem Betragen ihrer Dienerschaft widmete, und die unwandelbare Sorgsalt, womit sie die Furcht Gottes und die Liebe zur Tugend bei ihnen unterhielt. Stets drang sie auf ein rechtschaffenes, tadelloses Betragen derselben. Fehler gegen die Sittlichkeit blieben ihrer sonstigen Nachsicht und Duldsamkeit ungeachtet nie ungerügt. Alles, was immer nur den Frieden stören konnte, suchte sie zu verbannen und deßhalb durste Niemand mit Wort oder in der That beleidigt, niemand verleumdet oder verschwärzt werden. Im höchsten Grade billig, gütig und gerechtigkeitslicbend dachte und sprach sie selbst von Jedem nur Gutes, schien fremde Fehler nicht zu kennen, und wie sie selbst nie davon redete, so durfte es auch Niemand anderer wagen, der Ehre eines Andern auch nur im Geringsten zu nahe zu treten. Dagegen fand aber das redliche Geständniß eines begangenen Fehlers und das Versprechen der Besserung sichere und schleunige Vergebung, ja die huldvolle Fürstin achtete es nicht unter ihrer Würde, selbst um Vergebung zu bitten, wenn sie besorgte, im Rügen eines Fehlers zu große Strenge bewiesen zu haben. Dafür ehrten sie auch alle, die in ihren Diensten standen, wie ihre Mutter, während sie auch von ihr wie Kinder geliebt wurden. Kurz der sprechendste Beweis ihrer unermüdeten Sorge, Liebe und Wachsamkeit sür ihre Untergebenen war die allgemeine Aeußerung: „daß dieser Hof in Hinsicht der dort herrschenden Sittlichkeit und Religiosität mehr einem Kloster als einem weltlichen Palaste gleiche" und wie man die Tugenden am Hofe des Kaisers Theodosius prieß, so konnte man auch diesem Hofe hiebei die gleiche Achtung nicht versagen. Ihre mütterliche Theilnahme und Liebe umschloß auch vorzüglich alle Arme und Hilfsbedürftigen, die einen der wichtigsten Gegenstände für ihr forschendes Auge bildeten und gerade hiebei ist einer der wichtigsten und auffallendsten Züge ihres Bildes vorhanden. Sie spendete ihre Gaben entweder selbst oder durch Andere, wodurch es erst recht bekannt wurde, daß das jährliche Almosen, welches sie nicht nur katholischen, sondern auch den protestantischen Armen ohne Unterschied ertheilte, von wahrhaft fürstlicher Freigebigkeit zeugte. Hierin glich sie einer ächten barmherzigen Samariterin, die nicht darauf sah, ob der Arme ihres Glaubens sey oder nicht sie ließ es dabei beweiiden, daß sie um Gotteswillen angesprochen wurde, und daß der Hilfsbedürftige Mensch und ihr Nächster sey. Alles wurde hiebei oft zu Hilfe angerufen; wo bedeutende Hilfe und Unterstützung nöthig war, da nahm sie fürbittend ihren Gemahl oder andere fürstliche Personen in Anspruch. Oft^ wünschte sie mehr Einkommen zu besitzen, um mehr Elend lindern zu können, und erinnerte an-daS alte Sprichwort sich gerne: „daß man durch Almosengeben nicht arm werde." Außerordentlich war auch ihre Aufopferung für die Kranken. Nicht selten besuchte sie arme Kranke, brachte ihnen Trost durch Religionsgrunde, Gelduntcrstützung aus ihrer Privatcafse, Speisen, die sie gleich einer zweiten Landgräfin Elisabeth von Thüringen mit eigener Hand bereitet hatte, und wenn sie selbst nicht gehen konnte, so sandte sie auf die edelmüthigste Weise es durch Andere. Durch eine solche großmüthige und beharrliche Thätigkeit, verbunden mit ihren Gaben, trug Magdalena sür die Bedürfnisse der armen verlassenen Kranken Sorgfalt und eS ist hiebei nicht möglich alle Handlungen ihrer unerschöpflichen Wohlthätigkeit und Hilfe aufzuzählen. 188 Haben wir nun Magdalena als Mutter der Armen unv Kranken bewundert, so wollen wir sie nun auch noch als eine Mutter gemeinnütziger AnstaUen kennen lernen. Ueberzeugt, daß das künftige Wohl des Landes unv vie Beförderung ächt christlicher Sitten besonders durch eine gut unterrichtete Jugend bezweckt werden könnte, hatte ihr Gemahl sein Augenmerk besonders auf Errichtung von Schulen gerichtet. Er errichtete nicht nur in der Stadt selbst, sondern besonders auf dem Lande, wo eS damals nur ganz wenige Schulen gab, Volksschulen und stiftete im Zahre 1617 zu Neuburg ein Gymnasium, womit er später ein Lyceum verband. An diesen neuen Stiftungen hatte Magdalena großen Antheil, denn sie wußle gar wohl, daß nur durch einen gründlichen Unterricht die Herzen der Menschen für daS Heilige der Religion und für alleö Edlere und Höhere empfänglich gemacht werden können; daher ehrte sie auch die Lehrer uud flößte ihrem Sohne alle Ehrfurcht für seine Lehrer ein. Ihrer vorzüglichen Huld erfreuten sich deßhalb auch die Studircnden. Sie zeichnete dieselben durch Unterstützung aller Art, durch tägliche oder wöchentliche, und durch unzählige Beweise von Huld und Herablassung vor vielen andern aus. Einen Beweis ihrer Achtung gab sie auch dadurch zu erkennen, daß sie, als an die Stelle der allen baufällig gewesenen akademischen Kirche in Dilingen eine neue war vollendet worden und vom Bischöfe von Augsburg eingeweiht wurde, nebst ihrem Gemahle dieser EinweihuiigSfeierlichkeil am 11. Juui 1617 beiwohnte und eben so im Jahre I6l9 bei einer ähnlichen Feierlichkeit, nämlich bei Einweihung der Schutzengelkirche in Eichstädt, anwesend war. Bei den öffentlichen Prüfungen und der feierlichen Preisevertheilung, sowohl in den deutschen als lateinischen Schulen, war sie stets an der Seite ihres Gemahles zugegen, belobte und beschenkte die Fleißigen reichlich und bewieß eine ungetheilte Aufmerksamkeit und ausnehmende Herzlichkeit. Eben so angenehm waren ihr die im Laufe des Schuljahres aufgeführten Schauspiele, Concerte und Declamaiorien der Studirendcn. Wenn schon anck manchmal nicht ohne Unbequemlichkeit, besuchte sie dieselben doch, um durch ihre Theilnahme die Studircnden zu noch größerem Fleiße und Wohlverhallen anzuspornen. Magdalenens Freigebigkeit gegen die Kirche. Eine Frau, die von so hochherzigen Gesinnungen erfüllt war, konnte nun auch daS Haus Gottes und die Diener der Religion nicht außer Acht lassen, und so stellt sich uns nun auch ihre Freigebigkeit für dme dar. Unwissenheit und Kälte gegen die Religion, der herrschende Mangel an Priestern und ein tiefer Sittenverfall zeichnete die damalige Zeit sehr unrühmlich auö. Der nicht gar lange vorher entstandene Orden der Jesuiten ward daher mit Recht als eine mächtige Stütze der Kirche anerkannt; wie denn auch die Wiederherstellung und Erhaltung der katholischen Religion in einigen Ländern großenlheils durch die gränzenlosen Bemühungen derselben bewirkt wurde Die Verdienste der Jesuiten um die kacholische Kirche, um Unterricht und Bittunz der Jugend, um das Aufkeimen und Fortblühen so manches Guten, besonvers in Deutschland, wurden damals von allen Gutgesinnten dankbar anerkannt. Wie viel dieser Orden im Herzogthume Neuburg für die kailwlische Religion gearbeitet und geleistet hat, läßt sich daraus abnehmen, daß die Wiederherstellung des wahren Glaubens, so wie der Unterricht nur wenigen Mitgliedern dieser Gesellschaft oblag. Bei dem Mangel an Priestern mußten sie in den ersten Iahren beinahe ganz allein die Irrenden von der Wahrheit überzeugen, in den Schooß der Kirche zurückführen, die Jugend und Erwachsenen durch Christenlehren, Predigten, Beichthören und Privatgespräche in der Religion unterrichten, Einwürfe gegen dieselbe mündlich unv schriftlich beantworten, die lateinischen Schulen besuchen, Kranken und Sterbenden Hilfe leisten, Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt wurden, überwinden. Kein Wunder also, wenn von ihren Leistungen und Verdiensten überzeugt, Magdalena unv ihr Gemahl ihnen daS große Werk der Wiederherstellung deö katholischen Glaubens übertrugen, ihren Prinzen ihrer Sorgfalt und Unterrichte 189 überließen, und ihr Gemahl es unter seine Lebensfreuden zählte, ein mäßiges Mittag-- mahl bei ihnen einzunehmen. Kein Wunder, wenn dieses fromme, für die katholische Religion so innig fühlende Fürstenpaar ihnen alle Hulv und Auszeichnung erwieS und mit fürstlicher Freigebigkeit sie unterstützte. Als die Stände des HerzogthumeS Magdalcnen zum Wochenbette ein Geschenk von 7VVV fl, bestimmten, schenkte sie im folgenden Jahre die Zinsen von 250 fl. den Jesuiten, mit dem Versprechen, die nämliche Gabe jährlich, zu wiederholen. Mit gleicher Gewogenheit war sie auch den andern Priestern deS Landes zugethan und unterstützte sie auf alle mögliche Weise. Aber nicht bloß gegen die Diener der Kirche war sie so freigebig, ihr frommer Sinn ließ sie der Worte des Psalmisten: „Herr ich liebte die Zierde deines Hauses und den Ort deiner Wohnung," nicht vergessen und so verwendete sie, um den Glanz der Kirchen zu erhöhen, so viel in ihren Kräften stand, auf kostbare Altarzierden, heilige Gefäße und andere Paramente, die sie von Augsburg, München ja bis von Florenz kommen ließ; für die neu eingeweihte Hofkirche verwendete sie im geringen Anschlage die Summe von 15M0 fl., nebst einem von ihrer Hand selbst gestickten sehr reich und kostbar verzierten Traghimmel zur Fronleichnamsprocession, dessen Werth ebenfalls auf einige tausend Gulden geschätzt wurde. Auf ihren Befehl wurden in derselben Kirche auch zwei neue Altäre zu Ehren des heiligen Jgnaz und Franz Zaver errichtet und eine neue ganz silberne Ampel, vor dem Altare des heiligen Jgnaz, den sie besonders verehrte, aufgehangen, wozu noch eine große gewichtreiche Wachskerze kam. Durch ihre Freigebigkeit wurden die Leiber der heiligen Märtyrer Sulpiz, Charilauö, Aurelia und Flavia aus das Prachtvollste verziert und in der Hofkirche zur Verehrung ausgesetzt. Im letzten Jahre ihres Lebens noch schenkte sie dieser Kirche ihr kostbar von Goldstoff verfertigtes, mit den künstlichsten Blumen geziertes Brautkleid, woraus ein Meßgewand und noch andere Paramente gefertigt wurden. Aber auch viele andere Kirchen erhielten von ihr kostbare Altarzierden und Paramente, namentlich Meßgewänder, die größtentheils durch ihre eigene Handarbeit verfertigt wurden; wie sie denn ihr Brod nicht müßig essen wollte, und sich keineswegs schämte mit ihren Fingern die Spindel und die Nadel zu führen. Mail zeigt in Bergen oder Baring *) noch ein Meßgewand vor, das ungeincin reich und geschmackvoll geziert ist, welches die fromme Herzogin selbst stickte und dorthin verehrte. Dieß waren die hohen Tugenden, durch welche die unvergeßliche Herzogin Mag- dalena ihren im strengsten Sinne ächt christlichen und fürstlichen Charakter aussprach und es übrigt uns nur noch die Mittel kennen zu lernen, deren sie sich hiebet bediente. (Schluß folgt.) »mün .>N5?Yi)' nilviZe. s»i HU Reform der Orden. Rom, 8. Mai. Es ist bekannt, welche große Aufmerksamkeit der heil. Vater von den ersten Tagen seiner Regierung an den geistlichen Orden schenkte. In ihnen den Geist und Eifer, welcher ihre Stifter belebte, wieder zu erwecken, war uud ist noch immer eine seiner vorzüglichsten Sorgen. Was er in dieser Absicht zu Gunsten der Reformen, die man namentlich in dem Benediktiner- und Dominicanerorven angefangen halte, gethan, ist wohl schon bekannt. Man könnte glauben, dieser Weg sey nicht nur der sicherste, sondern auch der einzige, der zum Ziele führe, daß man näm- Bergen oder Baring, Pfarrdorf im Landgerichte Neuburg und BiSthumS Eichstädt, Hier stand ein Benedictincr Nonnenkloster, gestiftet 076 von Wiltcraud, Kaiser Ottos des Großen Tochter und Wittwe des Herzog Bertholds von Bayern, das aber 154Z aufgehoben wurde. Die in Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgebaute große majestätische Kirche besitzt einen Theil des heil. Kreuzes, dann Theile von der Säule, Lanze unv Dornenkrone unsers Erlösers, so wie treffliche Frcskogcmäloc von Baumgarten aus Augsburg. Sowohl dieses als die Kirche selbst, die ihrer Bauart wegen jeder Stadt zur Zierde gereichen würde, und die im byzantinischen Style gebaute Gruft und noch einige Steinköpfe an der hinter» Seite der Kirche sind sehenswert!) und bewirken noch immer eine ziemlich stark besuchte Wallfahrt dahin. 190 lich denjenigen, welche zur ursprünglichen Zucht zurückkehren wollen, besondere Ordenshäuser anweiset und es ihnen erleichtert, sich auszubreiten. Da nämlich fast alle, welche die Welt verlassen, ein wahres Ordensleben suchen, so pflegen diese Reformen viele Novizen zu haben, während die andern allmälig aussterben. Wollte man dagegen diese letztern mit Strenge zur Befolgung der ursprünglichen Regel anhalten, so würde man ihnen erstlich damit nicht auch den ursprünglichen Geist, auf den doch endlich alles ankommt, einflößen, und überdieß zu nicht ganz unbegründeten Beschwerden Veranlassung geben. Es ist allerdings wahr, daß die nach und nach entstandene Milderung der Ordensregel, besonders in Bezug auf das Gelübde der Armuth, zu Mißbräuchen zu führen pflegt, die weder gutgeheißen noch geduldet werden können; aber jene Milderungen selbst sind doch meistens vom heiligen Stuhl gestattet, oder wenigstens geduldet. Es können also die Ordensleute einwenden, daß sie ihre Gelübde abgelegt, als diese Milderungen rechtlich bestanden, und daß man sie also nicht zu einer größern Strenge, als wozu sie sich verpflichtet, anhalten könne. Wenn demnach die Sonderling, von der ich oben redete, das einfachste und kräftigste Mittel ist, so hat doch der heilige Vater auch andere, durch die derselbe Zweck wenigstens zum Theil erreicht werden kann, nicht unversucht gelassen. Auf seinen Befehl haben sich die Generäle derjenigen Orden, in welchen eine Abweichung von der ursprünglichen Verfassung Statt gefunden hat, zuerst vor ihm selbst, dann öfter unter sich versammeln müssen, um sich über die Maaßregeln, die zu ergreifen seyen, zu beratheu. Es handelt sich bis jetzt hauptsächlich darum, das gemeinsame Leben, wenn nicht in seiner ganzen Strenge, doch zum großen Theile wieder einzuführen. Dieß ist denn ohne Zweifel auch der wichtigste, aber eben deßhalb auch der schwierigste Punct. Um die Frage recht zu verstehen, muß man wissen, daß in manchen Orden die Sitte eingeführt ist, den einzelnen Ordensleuten für ihre Kleidung und andere kleine Bedürfnisse jährlich eine gewisse Summe Geldes zu geben, mit der sie sich dann das Nöthige selbst verschaffen. Da es nun aber auch uicht gerade gegen daS Wesen des Gelübdes der Armuth ist, daß ein Ordensmann mit Erlaubniß seiner Obern Geschenke oder auch, was ihm für Dienstleistungen geboten wird, annehme, und — wiederum mit Erlaubniß der Obern — verwende, so folgt, daß die Ordcnsleute eine mehr oder wenigerreiche Privatcasse haben, auS der sie sich mancherlei, was vom Kloster der ganzen Gemeinde nicht verabreicht wird, anzuschaffen pflegen. Wie gefährlich nnn eine solche Sitte dem Geiste der klösterlichen Armuth und Enthaltsamkeit, dem brüderlichen Gemeinsinn und dem innern Frieden werden muß, ist leicht abzusehen. Dahin also geht das Bestreben, die ursprüngliche Sitte, die aber natürlich auch noch in vielen Orden, z. B. in dem der Passionisten, Redemptoristen, Jesuiten u. s. w. herrscht, wieder einzuführen, daß nämlich daö Kloster für alle — wahren — Bedürfnisse der Individuen sorge, und jene Privatcassen abgeschafft werden. Manche Ordensobern haben in dieser Absicht einstweilen Verordnungen getroffen, durch welche dieselben zwar nicht verboten, aber doch sehr beschränkt wcrven. DaS gemeinsame Leben nämlich in seiner ganzen Reinheit einzuführen, wäre eine durchgreifende und fast allgemeine Reform; denn wie man leicht einsieht, hängt diese Sitte mit einer Menge anderer Gebräuche zusammen. Wo man also das gemeinsame Leben einführt, da geht man auch leicht zur vollen Beobachtung der ganzen ursprünglichen Regel zurück: — uud es ist hauptsächlich deßhalb, daß, wie ich oben sagte, eine Scheidung nothwendig scheint. Doch hat der General der Franciscaner ein Rundschreiben erlassen (datirt vom 14. Januar, aber erst kürzlich öffentlich mitgetheilt), in welchem er Anordnungen trifft, die ohne eine eigentliche Trennung in verschiedene Zweige des Ordens eine solche Umgestaltung herbeiführen sollen. Es gibt nämlich schon feit langer Zeit in jeder Provinz dieses Ordens wenigstens Ein Haus, in welchem die Regel in ihrer ursprünglichen Reinheit beobachtet, und von der eingeführten Milderung kein Gebrauch gemacht wird. Es ist dieß das sogenannte ketiro oder Seevssus. In ciu solches Haus der strengen Observanz ziehen sich die Ordensleute, welche wollen, aus freier Wahl zurück. Außerdem war bereits vorgeschrieben, daß die Novizenhäuser auf dieselbe Weise eingerichtet würden. Nun 181 befiehlt aber der General in dem erwähnten Rundschreiben, daß außer diesen beiden Häusern in jeder Provinz eines oder das andere, in welchem die juugen Ordensleute ihre Studien machen, dieselbe Einrichtung erhalten, und auch diese sotten den Religiösen, welche sich nach der ursprunglichen Reinheit ihres Ordenslebens sehnen, offen stehen. Den Provinzen aber, in welchen sich keine der ältern Ordensmänner für solche Häuser meldeten, wird die Aufnahme der Novizen untersagt. Zudem soll auch jede Provinz ein besonderes Haus für die Missionäre haben, und auch in diesem das gemeinsame Leben streng beobachtet werden. Auf diese Weise erhält man binnen wenigen Jahren Ordensleute, die von Anfang an in strengerer Zuckt gelebt, und wie zu erwarten ist, durch Hilfe derselben deu wahren Geist ihres Berufes bewahrt nnd gestärkt haben. Und so kann es dann nicht schwer seyn, die Häuser der strengen Obser- vanz nach und nach zu vermehren, nnd die andern aussterben zu lassen. (M. Sbl.) Carmelitenkloster in Reisach. Die kath. Bl. aus Tirol schreiben: „Wie wir ans einem unö mitgetheilten Schreiben des hochwürdigen Herrn Gregorius s. 8, Ilieros., Priors des Karmeliten- klosters Reisach in Bayern, ersehen, wurde daselbst ein Noviziat eröffnet. Es befinden sich gegenwärtig sechs Priester im Kloster und vier Laienbrüder nebst einem Novizen. Nach dem Wunsche des hochwürdigen P. Ordensgeneral zeigen wir hiemit dieses öffentlich an, damit es zur Kenntniß solcher Jünglinge komme, die alle Eigenschaften guter Kandidaten besitzen, und sich gern dem beschaulichen Leben widmen möchten. Reisach liegt einige Stunden von Knfstein im bayerischen Gränzbezirke, ist ein schönes Kloster in einer angenehmen, gesunden Gegend. Früher aufgehoben, wurde es neuerdings wieder hergestellt, wie wir hören, in Folge des Concordats." « .lonAD n<«>l'Z ti)H - m»H 5,'iu sr,!T Der letzte Wille eines Seelsorgers. Es ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung, daß die meisten Menschen selbst dann noch mit einer sündhaften Begierde uud einem hartnäckigen Geize an ihren irdischen Gütern hängen, wenn der Tod schon auf ihren Lippen schwebt, und daß sie in einer solch' üblen Geistesverfassung auch ihren letzten Willen bestimmen. Ich will daher einmal etwas Außergewöhnliches berichten. Vor einiger Zeit starb in der olmützer Diöcese ein Priester, eln Mann nach dem Herzen Gottes. Sein Reichthum waren die Armen, seine Freude hatte er am Gebet, seine geistige Erhebung fand er in der Einsamkeit, er war auch ein großer Freund der Jugend und in seinem ganzen Benehmen verrieth sich eine kindliche Einfalt und Gutmüthigkeit. Er wollte daher auch im Tode seyn unter den Kleinen, die er im Leben nach der Vorschrift seines Heilandes und Erlösers sich immer zum Muster genommen hatte. Sein letzter Wunsch ist erfüllt — sein Grab ist unter den Gräbern der Kinder. Er war ein armer Dorfpfarrer, seinen Namen verschweigen wir nicht; er hieß: Theophilus Nietsch. Friede seiner Asche! (Schl. K.-Bl.)__ Berlin. Köln. In Berlin sind bereits die Pläne zu dem neuzuerrichtenden Krankenhause der barmherzigen Schwestern eingetroffen nnd haben ungethcilten Beifall gefunden. Herr Architekt v. Statz aus Köln, Werkführer am Kölner Dombau, hat die Pläne (Krankenhaus nebst Capellc) im reinsten gothischen Style entworfen, und den Beweis geliefert, daß derselbe allen Bedürfnissen der Gegenwart, insbesondere auch dem Bedürfnisse möglichster Wohlfeilheit entspricht. Binnen ganz kurzer Frist wird der Grundstein zu besagter Anstalt gelegt werden. — In Köln sind die hochw. PP. Lazaristen am 12. Mai angekommen; von dem hochw- Domcapitular Herrn Strauß wurden sie empfangen und gastlich ausgenommen. 292 -» Der Baumeister. Ein Tempel steht errichtet Von eines Meisters Hand, Vom Himmclsschci» umlichtct Auf rauhem Ackerlands Des Tempels Eingangshallen Benetzet Thränenthau Der Büßer, die gefallen Aus Gottes Gnadcnau. Hier waschen sich die Sünder Durch Liebesrlnc rein, Und werden die Verkünder Der Buße süßer Pein. Sie treten zur Capelle Der rechten Seite hin; Es tröstet bald die Seele Gcheimnißvoller Sinn, In freudigen Aecordcn Ertönt das Krippenlied: „Das Wort ist Fleisch geworden," Das uns zum Himmel zieht. Es weicht aus der Capelle, Die steht zur linken Hand, Des Tageslichtes Helle? Sie glänzt vom Opfcrbrand. Es kommt die Nacht der Schmerze», Es haut die Geißel ein Des Abendmahles Kerzen ',ssl mtm(M'i ii'.^lis! IlliUI,^ »»! ??H« Es glänzt der Stern der Weisen Am hohen Firmament; Nach Bethlehem sie reisen Vom fernen Orient. ES segnet voll der Freuden Die Mutter und den Sohn, Es zeigt das Schwert der Leiden Der greise Simcon. I^lxt Zi^v'tt .1'n7MjilM!ÄG iZki Die Braut im Hohenlieds Sucht ihren Bräutigam, Wird nicht des Suchcns müde, Bis sie an's Herz Ihn nahm. Doch ach, zum Myrrhenhügel Wird nun geführt die Bra«t, Wo sie der Liebe Siegel 2m Blutgcwande schaut. !ttt2 sU^ iuh Vertritt der Fackelschein. Die Finsterniß der Sünde Bedeckt den Erdenkrcis, Und ach, der Hölle Schlünde Erglühen scharf und heiß. Doch heißer brennt die Liebe Am hohen Krcuzcsstamm; Es trägt des Todes Hiebe Das reinste Gottcslamm. <1Ml mmt'vj N^js^IÄNl)?) 7?illv Des Friedens Regenbogen Erglänzt am Kreuzaltar; Aus der Verzweiflung Wogen Hebt sich der Sünder Schaar. Es tritt die Ostcrsonne Aus finstrer Wolkennacht, Und strahlt auf ihrem Throne In Majestät und Pracht. chiw j>mss,s.pv.-^^ii'.G mi'li'i 'chlv's Den Hochaltar umkränzet Der schönsten Feste Zier, Und Jesu Liebe glänzet Geheimnißvvll allhier. Der Erercitien-Meister Hat jenes Haus gebaut, Worin im Licht der Geister Dieß Alles wird geschaut. Den Eingang, zwei Capellen Und dann den Hochaltar Vermagst du selbst zu wählen Im ganzen Kirchenjahr. -Diuci?/ Und wer da fromm betrachtet Das Rosenkranzgebet, Dem bleibt nicht unbeachtet, Wo dieser Tempel steht. ^ ' > - _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. » -) Wolfgang Wilhelm Herzog zu Neuburg widmet dem Vaterlande und der Gesellschaft Jesu mit frommem Gefühle dieses Herz 16SS. 189 «Zslense Lom psl. kkem vuciss» kojosriav 1629 in der pfalzncuburgischen herzoglichen Gruft zu Launigen.*) Aus Veranlassung dcS Rectors am Neuburger Gymnasium, Carl Resch, alö Officiator der Hofkirche, wurde am Allerseelentage 18l9 in der verzierten und beleuchteten Gruft ein Seelengotteödienst gehalten, wodurch sich jener das mit Dank anerkannte Verdienst erwarb, das Andenken an die vormaligen herzoglichen Personen Neu- burgs erneuert zu haben, welche Gedächtnißfeier ehedem am St. Loreuz und Asratage bei geöffneter Grnst und schwarz dekorirten Altären mit Vigil und Seelamte alljährlich gehalten wurde. Dieser Seeleugottesdienst wird noch alljährlich am Tage aller Seelen in der geöffneten Gruft gehalten. Schluß. Und nun zum Schlüsse möchte ich diese Biographie nicht ohne alles Zeugniß in die Welt entsenden, und daher ein paar unverwerfliche Zeugnisse für die ungeheuchelte Tugend und Seeleugröße Magdalenens anführen. Ein durch Adel und Würde sehr ausgezeichneter Mann, protestantischer Religion, welcher sehr oft Gelegenheit hatte, die Herzogin im Leben, so wie auch bei ihrem Tode genauer kennen zu lernen und zu beobachten, scheute sich nicht zu sagen: „wenn ich je Heilige im Himmel verehren und sie um ihre Fürbitte anflehen wollte, so würde ich mir keinen andern Schutzheiligen wählen, als die Herzogin Magdalena." Als Gustav Adolph König von Schweden mit seiner Gemahlin Marie Eleonore am 13. Octobcr 1632 nach Neuburg kam und die Hofkirche und das Jesuiten - Colle- gium besichtigte, blieb seiue Gemahlin bei dem Porträte der verstorbenen Herzogin Magdalena lange stehen und rühmte die erhabenen Tugenden und außerordentliche Gottseligkeit dieser frommen Fürstin mit großer Beredsamkeit und unter den herrlichsten Lobsprüchen. Gewiß wahrhaft redende Beweise von den Tugenden der Verklärten, für den Adel ihrer Seele, die Frömmigkeit ihres Herzens und die Erhabenheit ihres Geistes. So war das zwar kurze aber an edlen Thaten reiche Leben einer Herzogin beschaffen, die von Fürsten und Volk, von Katholiken und Protestanten, von Allen, die sie kannten, bewundert und geliebt, als Fürstin, Gattin und Mutter gleich verehrungswürdig uns erscheint. Ihr Ringen und Streben hatte das Ziel erlangt, der Schöpfer rief sie zu sich und wir dürfen unö der angenehmen Hoffnung hingeben, daß sie eingegangen ist in die ewige Herrlichkeit und den vergänglichen irdischen Glanz gegen den unvergänglichen himmlischen Glanz vertauscht habe. Entdecken wir aber eine Aehnlichkeit unserer Neigungen und Gesinnungen mit den ihrigen, einen harmonischen Einklang mit den Gesiunungen und Handlungsweisen, eine eigentliche Geistesverwandtschaft, dann ist unser Herz nicht nur angesprochen, eS wird angezogen, durchdrungen von Verehrung und Liebe gegen eine solche, zwar ^ugekanute, aber uns deuuoch theuer gewordene Person und unser Geist schwingt sich hinüber ins bessere Land, wohin sie längst geschieden ist, um mit ihr einen ewigen Frenndschaftsbnnd zu schließen. Ihr Andenken wird, wie daS deS Gerechten, stets gesegnet seyn. Sie ist zwar nicht heilig gesprochen, doch wenn Gott ihr, wie nach ihrem irdischen Leben zu erwarten, die Krone deS ewigen Lebens für ihre Treue gegeben, so ist sie ja auch unter denen, die wir an dein Tage aller Heiligen anrufen. Möge sie auch für uns bitten. S p e y e r. Speyer, 14. Juni. Die Mission gewinnt einen außerordentlichen Fortgang. Die Zuhörer wechseln unverändert zwischen zwei bis vier Tausenden. Die Abenv- vorträge weisen regelmäßig letztere Zahl auf; nur zwei Tausend mögen erst ein- und ") Das Herz «nd die Eingeweide der Maria Magdalena, Psalzgräfin bei Rhein, Herzogin in Bayern 1SSS. 200 das anderemal zugegen gewesen seyn. Der Eindruck ist tief, die Theilnahme allgemein. Das Erschütterndste aber und der Beweis der nachhaltigen Wirksamkeit ist besonders dieß, wenn die Tausende von Menschen Abends gegen 9 Uhr aus dem Dome heimziehen, so still, so in sich gekehrt, daß man kaum ein Gemurmel hört. Da besonders drückt sich so recht der Contrast zwischen einer solchen Versammlung und einer demokratischen aus. Letztere speculirt nur mit den menschlichen Leidenschaften und erregt sie; diese dagegen regelt und beschwichtigt sie. Daher der ingrimmige Haß dieser Leute. So rief voll Unmuth dieser Tage ein rothbärtiger Gesinnungs- mann am Dome: So lange noch das Volk von diesen Jesuiten sich gängeln läßt, erhalten wir keine Republik! Auch bei Protestanten findet die Mission Anerkennung. Gestern Abend kam noch Pater Schlosser an. Pater Noder hat sich schon Blutspeien angepredigt. Alles war tief ergriffen, als er gestern mit seiner „crstorbenen" Stimme, wie er sagte, nur noch halb vernehmbar, aber durch sein Auftreten allein schon hinreißend und belehrend, die Pflichten der Eheleute vor 3000 bis 3500 Menschen in eben so zarter als tiefer und wahrer Weise auseinandersetzte. Noch kein Wort kam vor, das den Feinden der Mission zu Verleumdungen oder Verdächtigungen Anlaß geben könnte. Wäre nicht eben die Zeit des TabaksetzenS, mit dem alle unsere Landleute vollauf zu thun haben, der Tempel wäre zu klein, und wir müßten ins Freie ziehen. Ob bis Morgen und Fronleichnamstag es nicht so der Fall seyn wird, steht dahin. (M. I ) _ Köln. Köln, 15. Juni. Heute feierte der von Herrn Domvicar Kolping gegründete und geleitete Gesellenverein in der Minoritenkirche sein Stistungssest. Der hochwürdigste Weihbischof Dr. Buudri hielt das Hochamt und reichte nach der Communion an 300 jungen Mitgliedern dieses Vereines das heilige Abendmahl. Die Haltung dieser jungen Männer machte auf die Anwesenden, welche die große Kirche fast ganz füllten, einen höchst günstigen, ja rührenden Eindruck. Während der ganzen Feier wurde eine einfache Choralmesfe durch Vereinsglieder mit einer Kraft und Präcision gesungen, daß die Vorzüge des alten Chorales auch dem wärmsten Freunde der neuen Kirchenmusik einleuchten mußten. Diesen Abend wird im Locale deS Ge- sellenvereineS eine Versammlung stattfinden. (M. I.) Großbritannien. London, 16. Juni. Von Seiten seeleneifriger Hochkirchler ist bekanntlich für die Dauer der Industrieausstellung Fürsorge dafür getroffen, daß von protestantischen Predigern in verschiedenen Sprachen gepredigt wird. Es sind gegen zehn fremde Prediger hier anwesend. Für die Katholiken predigt der Pater Ravignan aus der Gesellschaft Jesu. Die Sache hat einem bekannten Puseyiten, dem Rev. W. Richards, Anlaß zu einem ächt puseyitischen Schreiben an den Bischof von London gegeben. Er sagt: dadurch, daß mehrere anglicanische Pfarrer protestantischen Predigern erlaubten, in ihren Kirchen zu predigen, werde in den Augen Europa'S die „apostolische Kirche von England" den „modernen protestantischen Serien" gleichgestellt. Er verweist dann auf einen Canon, der dadurch verletzt werde. Die Sache sey ganz anders, wenn Pater Ravignan in einer anglicanischen Kirche predigen wolle: ihn sehe die englische Kirche als einen Priester der „allgemeinen Kirche" an, er brauche nur gewisse in jenem Canon angegebene Artikel zu unterschreiben, um in der englischen Kirche alle priesterlichen Functionen vornehmen zn können; protestantische Prediger dagegen könne die englische Kirche nur als Laien betrachten. Diese Auffassung ist sehr merkwürdig, und consequent puseyitisch. Der Bischof von London ist vorsichtig genug gewesen, nicht darauf einzugehen; er hat einfach geantwortet, die Sache solle untersucht werden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlage-Inhaber: F. C. Kremer. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. ^t.^slZllf ikH Ztt ,^i?!'kli^ Kkvn l'HttMsMi!?» ltNiiA L9. Juni M^- 2«. ^851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentsvrcis M kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Katholiken in Holland. Amsterdam, 3. Juni. Unter diesem Datum hat das „Univers" Briefe auS Holland erhalten, welche Ereignisse der traurigsten Art verkünden. Wir bedauern, fügt das angezogene Journal hinzu, daß das Gesetz des Unterzeichnens unS nicht erlaubt, sie so mitzutheilen, wie wir sie empfangen haben. Indem wir sie jedoch zu den unsrigen machen, wollen wir zuerst beiläufig bemerken, daß die folgenden Mittheilungen aus einer Quelle fließen, welche allen Glauben verdient. Es ist eine ausgemachte Thatsache, und in Holland selbst hegen viele in den politischen Angelegenheiten erfahrene Männer keinen Zweifel mehr, daß im Schooße des holländischen Protestantismus eine große Arbeit vorgenommen wird, deren Ziel sehr einfach, wenn auch die Art und Weise, wie man dasselbe zu erreichen sucht, sehr mannigfach ist. Man will nämlich den Katholicismus vernichten, oder ihn zum wenigsten so knechten, daß seine gänzliche Zerstörung — so schmeichelt man sich — nach einiger Zeit nicht ausbleiben kann. Die großen Begünstiger dieses Unternehmens sind jedenfalls die geheimen Gesellschaften, aber sie sind eS nicht allein. Zuvörderst wollen wir einige Symptome andeuten, welche das verrathen, was im Rathe der Rädelsführer, die der Haß gegen Rom fast verzehrt, vorgeht; hieraus kann man ungefähr schließen, welches Loos man den Katholiken der Niederlande zu bereiten sucht. Lassen wir aber denen Gerechtigkeit widerfahren, welchen diese gebührt. Man wird sich wahrscheinlich wundern, wenn wir behaupten, daß dem liberalen Ministerium und einer großen Anzahl von Männern, welche die liberale Partei in den Generalstaaten repräsentiren, besonders die Achtung der holländischen Katholiken gebührt. Hier ist die Mehrzahl der Mitglieder der liberalen Partei weit entfernt, so absolut zu verfahren, weder in ihren Grundsätzen, noch in ihren Bestrebungen, noch auf sonst irgenv eine Weise. Ueber das Ende, welches der Liberalismus im absoluten Sinne nimmt, kann man sich keine Illusionen machen. Die in jenen Ländern, wo der absolute Liberalismus zur Herrschast gelangt ist, gemachten Erfahrungen haben es gezeigt, wenn die Theorien es auch nicht bezeugten. Der Liberalismus der holländischen Regierungspartei ist von diesem jedoch himmelweit verschieden. Durch den Einfluß des Charakters der Nation modificirt und gemäßigt, ist der Liberalismus in den Niederlanden sehr gelinde, und strebt durchaus nicht nach der Verwirklichung der unsinnigen Träumereien der Staatssuprematie, welche ihn in andern Ländern überall auszeichnen. Die Bestrebungen eines niederländischen Liberalen gehen, im Allgemeinen genommen, dahin, den Boden von den alten oligarchischen Institutionen zu säubern, welche der protestantischen Herrschaft allein nützten, und die dieselbe um jeden Preis fortwährend erhalten wissen wollte. Das Benehmen deS Ministeriums und der ministeriellen Partei in den Kammern läßt ebenfalls hoffen, daß sie den Wünschen der Katholiken Gerech- >tzltt»i tigkeit widerfahren lassen werden, wenn der Augenblick gekommen seyn wird, sich über die Gesetze des Unterrichtes und des Beistandes anszusprechen. Ein entgegengesetztes Benehmen würde die große Leichtigkeit vernichten, deren sich, Dank dem Geiste der Mäßigung der Regierung, jetzt Alle erfreuen, die freie Schulen gründen wollen, welche sich die Katholiken eben nicht zu allerletzt zu Nutze machen. Andererseits hat auch das Ministerium das größte Interesse, gerecht zu seyn: in den Kammern sowohl, als auch im Lande bilden die Katholiken eine neutrale Partei, deren Unterstützung vaS Uebergewicht nach der Seite hinneigt, wohin sie sich wendet. Wenn sich daö Ministerium gegen sie erklärte, so wäre der Sturz desselben unvermeidlich. ES hat zu viele Beweise von Einsicht und Klugheit gegeben, als daß es sich über die Lage täuschen oder ihr keine Rechnung tragen sollte. Aber was immer für eine gnte Meinung man auch vom gegenwärtigen Ministerium und der ministeriellen Partei in den Kammern haben mag, so würde man sich dennoch sehr täuschen, wenn man diese Partei, vu massv genommen) von jenen Irrthümern und Leidenschaften, welche den Liberalismus zum Vorläufer der traurigsten politischen nnd socialen Umwälzungen machen, befreit glauben wollte. „In keinem Lande", sagte unlängst ein Minister des protestantischen Bekenntnisses, „gibt es zwei Minister unserer Religion, welche über die allerwichtigsten religiösen Fragen dieselben Ansichten hätten." Die Ausrichtigen unter den Protestanten gestehen cö selbst ein, daß ihre Minister fast alle von rationalistischen Grundsätzen durchdrungen sind, und daß ihr Unterricht, sey es nun auf den Kathedern der theologischen Facultät, oder sey es der, der dem Volke ertheilt wird, im Grunde die Principien einer jeden übernatürlichen Religion zerstört. Wenn eS nun so in den Reihen der sich „heilige Miliz" Nennenden aussieht, welches mag der sittliche und intellectuelle Zustand der großen Menge seyn? In den protestantischen Kirchen hören sie von Christus nnr in nichtssagenden Redensarten sprechen, außerdem sind sie in gemischten Schulen erzogen, wo es in Religionssachen untersagt ist, etwas Anderes zu lehren, als die Einleitung zum Unterrichte der dogmatischen Wahrheiten. So wird denn der religiöse Glaube auf eine unaussprechliche Weise geschwächt, und geht folgeweise gänzlich verloren. Hierdurch wird natürlich auch die Zahl derjenigen immer größer, welche die StaatSomnipotenz predigen, sey cS nun in Bezug auf die Religion oder den Unterricht oder die Armenunterstützung, oder auf was immer für eine andere Sache. Man biancht wohl nicht daran zu erinnern, daß diese Anbeter des Staats-Gottes die Reihen der Armee verstärken, welche aufs Heftigste gegen die Freiheit der Kirche, so wie gegen alle anderen Freiheilen, welche von dieser eine Folge sind, in den Kampf zieht. Aus demjenigen, was im Nachfolgenden über den Charakter, wie er sich bei dem größten Theile der holländischen Protestanten zeigt, gesagt werden wird, kann man auf die Anzahl jener Götzendiener schließen. Wozu sind diejenigen, die keinen religiösen Glauben mehr haben, und, unbekümmert nm die Moralität ihrer Handlungen, thalsächlich die Heiligkeit des Zweckes procla- miren, nicht fähig? Man wird sich daher nicht wundern, wenn die eifrigsten Mitglieder und Apostel der protestantischen geheimen Gesellschaften sich gerade aus solchen Leuten recruliren. Obschon sie jedes positive Dogma, jede geoffenbarte Religion verachten, so nennen sie sich doch die Erhalter und die Vertheidiger des Protestantismus. Der Haß gegen den Katholicismus ist allerdings die Grundlage und das Verbindungsmittel dieser finstern Gesellschaften, und auf diesen Titel hin haben sie ein Recht, daran Theil zu nehmen. Der Hauptzweck dieser geheimen Gesellschaften besteht darin, die Bevölkerung deS Landes gegen die Katholiken aufzuhetzen; und um ihn zu erreichen, weichen sie vor Nichts zurück. Die Schändlichkeit der Mittel, welche sie anwenden, müßte, wie cö scheint, jedes ehrbare Herz empören, aber Thatsachen beweisen, daß sie dennoch Einfluß ansüben, selbst ans solche Leute, die ihr Rang uud ihre Stellung eines Bessern belehren, und die zum wenigsten einsehen müßten, wie gefahrvoll derartige geheime Gesellschaften in einer Zeit sind, wie die unsrige ist. Aber anstatt sich ihrem verabscheuungswürdigcn Einflüsse zu entziehen, wie cö Pflicht für sie wäre, halten 203 sie dieselben aufrecht, bestärken nnd beschützen sie. So ist es denn gekommen, daß riese Gesellschaften, welche ursprünglich aus prolestaulischen Predigern zusammengesetzt waren, welche den Verlust ihrer Revenuen noch mehr befürchteten, als den Fortschritt deS KatholiciSmnS, Leute ohne Glauben und Gesetz, denen der katholische Glaube und die katholische Moral Schrecken einjagt, nun auch eine große Anzahl hochstehender Personen in ihrer Mitte zählten. ES ist dieses wohl zu bemerken, denn diese Personen bekleiden hohe Aemter, nähern sich dem Könige, und sind seine vertrauten Freunde; sie suchen ihre eigenen Gesinnungen dem Herzen deS Königs mitzutheilen, und daS wird früh oder spät die traurigsten Folgen hervorrufen, nicht allein für die Dynastie, sondern für das ganze Land. Diese Folgen lassen sich mit Bestimmtheit vorhersehen, wenn man bedenkt, was sich unlängst in der Hauptstadt zugetragen hat. Der König gab bei seinem zeitweiligen Aufenthalte in dieser Stadt verschiedenen Personen und Deputationen Audienz. Für die Deputation der protestantischen Prediger wußte er kaum genug höfliche Worte zu finden, und munterte sie auf zum Kampfe, den sie mit den Katholiken aufgenommen hätten. Dagegen wurde die Deputation der katholischen Geistlichkeit, welche aus den achtbarsten Priestern der Hauptstadt zusammengesetzt war, kalt und auf eine so abstoßende Weise empfangen, daß in Zukunft der katholische Priester seines Charakters wegen wird Anstand nehmen müssen, sich zu den königlichen Audienzen zu begeben, in der bloßen Absicht, den König zu begrüßen. Traurige und gefährliche Wirkungen des Einflusses, den Leute, die durch die beklagenswcrthcsten Leidenschaften geblendet sind, auf ihn ausüben. Das Ministerium und die Majorität, welche dasselbe in den Kammern unterstützt, sinv eben so, wie die Katholiken, den geheimen protestantischen Gesellschaften und den Rationalisten, die den Eifer für den Protestantismus vorschützen, nm ihren Haß gegen die Katholiken zu verbergen, ein Gegenstand des Abscheues. Denn sie haben keine Hoffnung, daß der Premierminister Herr Thorbecke mit ihnen jemals gemeinsame Sache machen, oder daß er ihre Bemühungen, die protestantische Suprematie wieder herzustellen, und den Geist der Verfolgung zu erneuern, unterstützen wird. Herrn Thorbecke und seinen Freunden scheint nichts mehr am Herzen zu liegen, als Allen gerecht zu seyn, den Protestanten sowohl, als auch den Katholiken. Das mißfällt den geheimen Gesellschaften, und daher wird die Abneigung derselben gegen Herrn Thorbecke und seine Collegen von Tag zu Tag größer. Der Haß dieser unglücklichen Sectirer ist daS größte Lob, welches man dem gegenwärtigen Ministerium und seinen Freunden in der Kammer zollen kann. Wir haben schon bemerkt, daß Leute, die wegen ihres Unglaubens die Anhänger deS ausgeprägtesten Liberalismus seyn müßten, sich im Gegentheile den absolutesten Monarchisten zugesellen. Diese, nämlich die orthodoxen Protestanten, die Anhänger der Artikel der Synode von Dortrccbt, Freunde der vor der Emancipation der Katholiken im Jahre 1793 gegebenen Berfassuug, sind weit entfernt, die Hilfe, welche die rationalistischen Protestanten allen denen zu leiste» scheinen, die mit ihnen die politische und sociale Unterdrückung der Katholiken so sehr anstreben, zu verschmähen. In der Religion, in der Politik, in den socialen Ansichten haben sie untereinander Nichts gemein, kein Band, welches sie aneinander fesselt; aber der Haß gegen den Katholicismus macht alle Zwistigkeiten verschwinden, er ist daS gemeinsame Terrain, auf dem sich die entgegengesetztesten Geister erkennen und die Hand reichen. Kann man nun glauben, daß sie bald dasselbe Banner aufpflanzen, und daß die in so vielen Beziehungen unversöhnlichen Feinde nochmal den Befehlen desselben Führers Folge leisten werden? Wir befürchten eS. Die Orthodoren sprechen von den geheimen Gesellschaften mit der größten Schonung, und scheinen die Bestrebungen derselben so viel als möglich eher zn rechtfertigen, als zn verdammen. Nach dem Geständnisse einer großen Anzahl von Protestanten ist der Chef der geheimen Gesellschaft, Van Dam van Seselt, Mitglied der zweiten Kammer, moralisch vernichtet, und zwar durch die Stöße, die er von allen Seiten erhalten hat, zuletzt und besonders noch von dem Autor der Broschüre: „lllno söunro cl 5<>«-i6t6 schrote I^m'tgs," So haben nun diese Verbindungen durch ihre Organe Herrn Groen de Prinsterer, das 804 Oberhaupt einer orthodoxen Faction, eingeladen, sich an die Spitze der Armee zu stellen, welche Rom auf Leben und Tod bekämpfen, und ihre Befehle mit unerschütterlicher Treue befolgen will. ES ist also höchst wahrscheinlich, daß sich diese feindlichen Kräfte eines Tags verbinden werden, um die niederländischen Katholiken zu vernichten: diese dürfen sich sicherlich kampfbereit halten, und Europa wird ein skandalöses Schauspiel sehen. Aber an jenem Tage wird auch die Partei, die heute Holland regiert, mit den Katholiken zugleich fallen oder siegen. Nach Allem, was man hört, scheint der Augenblick eines entscheidenden Kampfes heranzunahen. Sollte es wohl wahr seyn, was man versichert, daß man bereits einen Staatsstreich vorbereitet, der die Katholiken sowohl, als auch die ministerielle Partei vernichten soll, und daß dieser Staatsstreich von einigen konservativen vorbereitet wird, die ehemals Liberale waren, und sich nun auf die Orthodoxen und einige Mitglieder der geheimen Gesellschaften stützen, und daß alle Anstalten diesen Streich, der dem Lande die Con- stitution von 1314 wieder geben soll, schon getroffen, und sogar weit vorgerückt sind? Sollte eS, wie man versichert, wirklich wahr seyn, daß man ernstlich daran denkt, das Ministerium zu entlasse», die Kammern auszulösen, und das Grundgesetz von 1348 über Bord zu werfen, daß man von Neuem erklären will, der König müsse sich zur reformirten Religion bekennen? Wir wagen es nicht zu behaupten. So viel ist aber gewiß, nnd höhern OrtS ist bereits Rede davon gewesen, daß man auf die Unterstützung einer hohen Person rechnet, welche unglücklicher Weise nur für die Protestanten Sympathien hegt, nämlich für die drei Fünftel des holländischen Volkes, und welche, wie eS scheint, die Katholiken, die übrigen beiden Fünftel der Nation, von sich abwenden will. Wir wollen indeß glaube», daß sie die Interessen deS Landes und ihrer Dynastie zu gut kennt, und daher so unglückselige Vorschläge mit Schaudern zurückweisen wird. Gott gebe, daß eS doch noch nicht so weit gekommen ist, wie man versichert, oder daß die frühzeitige Veröffentlichung so schmählicher Pläne dieselben vernichten möge. Die Lage ist eine ernste, und verdient von allen einsichtsvollen Männern der Niederlande wohl erwogen zu werden. DaS Kirchenfest in Salzburg. Gmunden am Traunsee, 3. Juni. Da ich heute von einem Ausflüge nach Salzburg komme und dort Zeuge eines großen kirchlichen Festes gewesen bin, so mag es Ihnen vielleicht lieb seyn, wenn ich dieser Feier mit kurzen Worten gedenke. Am 1. d., vorgestern, empfing der vom päpstlichen Stuhle confirmirte Fürsterzbischof von Salzburg, Maximilian Joseph von Tarnoczy, die bischöfliche Weihe, gestern daS Pallium. Der Bischof von Lavant, ein ausgezeichneter Kanzelredner, hielt am Sonntag um 8 Uhr die Predigt in der Domkirche. Leider hinderte mich meine entfernte und erhöhte Stellung in einem der beiden Oratorien des Chors, der Predigt zu folgen. Mir gegenüber nahm das andere Oratorium die bekanntlich in den Schooß der katholischen Kirche zurückgekehrte Gräf« lich von Lippe'scke Familie ein; morgen wird, wie ich vernommen, der Graf nebst zweien seiner Kinder von Sr. Eminenz dem Cardinal Fürsten Schwarzei.bcrg daS Sacrament der Firmung empfangen. Graf von der Lippe wohnt gegenwärtig ein Stündchen oberhalb Salzburg auf dem Kreuzhofe z eS ist eine wunderschöne Gegend, und besonders der Besuch des kaiserlichen Schlößchens Hellbrunn jedem Reisenden zu empfehlen. Indessen, ich habe von dem Feste in der Domkirche zu melden. Als die Predigt beendigt war, läuteten alle Glocken des DomS, und das hohe Domcapitel, der Herr Prälat von Sr. Peter mit den Geistlichen seines Stiftes, — dieses Stift hat nämlich das Vorrecht dcö unmittelbaren Anschlusses an das Domcapitel, — serner die geistlichen Räthe und Ruraldecane und vann der gesammte übrige Klerus von Stadt und Land versammelten sich in den Chorstühlen. Vor 9 Uhr zog dieser versammelte Klerus feierlich zu den sürsterzbischöflichen Gemächern (in der k. k. Residenz), S05 wo sich die an dem Acte bethciligten Bischöfe bereits versammelt hatten. Von hier auS begaben sich nun die Bischöfe mit dem KleruS in höchst feierlichem und glänzendem Zuge in die Kathedrale. Die ProccssionSordming war diese: der Träger des Capitelkreuzes mit zwei Akolythen, die fürsterzbischöflichen Alumnen, der gcsammte Säcularklerus, die Herrn geistlichen Räthe, die Geistlichkeit der beiden Collegiatstiste Seekirchen und Mattscn, die Stiftsadministration mit dem Prior von Michaelbcuern, die StiftSgeistlichkeit von St. Peter in Flocken, das Domcapitel in cgppa; nun folgten der Cardinal und der Fürsterzbischof, in Begleitung der Fürstbischöfe von Trient und von Sekkau, dcS Bischofes von Lavant und deS Weihbischofes von Salzburg. Der Fürstbischof halte ungefähr dieselbe Tracht, wie der Cardinal; ob als leggtus nsws, ich weiß es nicht. Die Handlung war überaus feierlich; ich habe gleichen und ähnlichen Festen nicht selten beigewohnt, aber ich erinnere mich kaum, diese Eindrücke empfangen zu haben. Da ich ein Pontificale Romanum bei mir hatte — Dank der Gefälligkeit eines dem Fürstbischöfe nahestehenden Priesters — so konnte ich Wort für Wort der heiligen Handlung folgen; die Kirche erscheint auch hier so erhaben und so schön, daß die bloße Lesung Geist und Herz bewältigen müßte. Dazu nun der alle Sinne dem Dienste des Geistes unterwerfende riws der Kirche, der dnrch eine fromme Strenge zugleich vollendete und geheiligte Zauber der Trachten, der Farben, der Haltung, der Bewegungen Und endlich, was den Act zu einem durchaus einzigen stempelte, die Persönlichkeit des Kardinals. Komme man, woher man wolle, glaube, denke man, waS man wolle, wer diesen Mann sieht und hört, und noch einen Funken von guter Art und reiner Bestrebung in sich trägt, dessen Herz wird er unfehlbar an sich ziehen. Der Cardinal ist ein schöner Mann, von stattlichem, schlankem Bau, er scheint jünger, als er ist, kaum verräih hier und da ein weißeS Haar, daß er die eigentliche Jugendzeit deS LebenS beschlossen hat. Er ist durch und durch Fürst, und doch ist keine Faser in ihm, die nicht von der Weihe seines hochpriesterlichen Standes durchdrungen wäre; der Fürst ist nicht dem Bischöfe gewichen, aber der Fürst ist ganz Bischof. Wer mehr will, will weniger. Der Cardinal ist aber als Bischof nicht bloß Fürst geblieben, er ist Alles geblieben, waö er je gewesen; der erhabene Kirchenfürst, der gewandte, ritterliche Edelmann ist zugleich ein überaus liebenswürdiger Mensch; ja mehr, als daö, in dem kirchlichen Oberhirtcn, in dem Manne von vollendeter reifer Weltbildung steckt noch jetzt oaS Kind, so unversehrt, so lauter, daß man den Mann kaum sehen kann, ohne die Mutter herbeizuwünschen, um mit ihr deS Sohnes froh zu seyn. Gestern, am Montage, empfing der neugeweihle Fürstbischof das Pallium. DaS Fest begann um 7 Uhr; von der Sludienkirche aus bewegte sich eine glänzende Procession zur Domkirche, voran die Zünfte, Bruderschaften, die Schulen mit Ein^ schluß deö Gymnastums, dann die Klostergeistlichen, der Pfarrklcrus, die Alumnen, die StiftSgeistlichkeit von St. Peter, daö hohe Domcapitel, dabei zwei das Pallium und die Bullen tragende Domherren, endlich der Fürsterzbischof und die übrigen Bischöfe (der Cardinal nahm an der Procession nicht Theil), und den Schluß bildeten der Gemeinderath und andere Honoratioren der Stadt. Se. Eminenz der Cardinal erschienen in der Kirche, wurden zu dem Hochaltare geleitet und begannen das Hochamt zur Anrufung deS heiligen Geistes, und nach Beendigung desselben hängte er als päpstlicher Kommissär das Pallium über die Schultern des vor dem Altare kniecn- den FürsterzbischofS. So ist also der Stuhl von Salzburg wieder besetzt. Man kann nicht sagen, daß das Fest ein ungetrübt freudiges gewesen. Wo ein Cardinal Schwarzen berg scheidet, da läßt sich unmöglich alle Trauer unterdrücken. Maximilian Joseph besitzt, wie man überall vernimmt, sehr ausgezeichnete Eigenschaften; sein Erscheinen verräth einen Mann von großer Einsicht, von ernstem Charakter und praktischer Tüchtigkeit. Er ist von mittlerer Größe, fest, behend; er erinnert an den hochwürdigsten Bischof von Münster, hat aber auch manche frappante Ähnlichkeit mit einem berühmten deutschen Cardinale, der Ihnen persönlich wohl bekannt ist. — Unter den assistirenden 206 Bischöfen, die alle mit Einschluß des WeihbischofeS auf mich einen sehr wohlthuenden Eindruck »icichten, kann ich nicht umhin, von dem Fürstbischöfe von Grätz besonders zu sprechen. Daö ist ein Mann! Welche gemessene Kraft, welche Nnhe, welche Klarheit und Einfachheit! Als ich Clemens August vor mehr als zwanzig Jahren in Münster zuerst sah, war ich ganz ähnlich berührt. „IXem.ini 5«zvumlu5" — so lautet ein Urtheil eines hohen kirchlichen Würdeträgers, der, obwohl fremd, das katholische Deutschland, wie kein Anderer, kennt. Wie der Cardinal Fürst Schwarzenberg sich über den Fürstbischof Rauscher auSspricht, darf ich vielleicht, ohne indiscret zu seyn, Ihnen nicht mittheilen. Aber da wir uns in den größten geistigen Kämpfen bewegen, so kann ich doch nicht mit vollem Stillschweigen an den größten geistigen Kräften, an den Feldherren der Kirche vorübergehen, die vielleicht bald auch die Märtyrer des neuen Deutschlands seyn werden. Erlauben Sie mir, diese Kirchenfürsten, die in Salzburg auch berathend versammelt waren, dem Geber Ihrer Leser zu empfehlen, sie und ihre Gebiete und das ganze Oesterreich. (D. Volks!).) Die Mission in Speyer. Speyer, am Abende des Fronleichnamsfestes. Die Mission der Väter Jesuiten ist zu Ende, und ich berichte Ihnen sogleich unter den Eindrücken des Tages. Wohl war schon am verflossenen Sonntage der Dom nicht fähig die Menge der herbeiströmenden Menschen zu fassen, und die Theilnahme täglich, namentlich von Baden her, besonders zum Empfange der heiligen Sacramente, im Zunehmen. Der heutige Tag aber entwickelte hier eine Erscheinung, wie sie vielleicht seit Jahrhunderten das religiöse Leben unserer Gegend nicht aufweisen kann, Wohl gegen 15,000, sage sünfzehntausend fremde Menschen, wenn nicht noch mehr, mögen sich heute dahier zusammengefunden haben. Daß der Dom nur die kleinere Menge fassen konnte, ist begreiflich. Wer Speyer und seine lange, gerade und breite Hauptstraße kennt, wird einen Begriff von der Menge erhalten, wenn ich sage, daß diese ganz voll erfüllt war, sammt dem Dome und seinen freien Plätzen. Es war darum auch im Dome selbst eine unbeschreibliche Anfüllung und Ohnmachten nicht seilen. Beim glänzenden Zuge der Prvcession konnte sich nur die kleinere Zahl gehörig entwickeln uud am Zuge betheiligen. Namentlich waren viele Mannheimer aus den bessern Ständen gekommen, so viele, daß der Eisenbahnzug nach Speyer im eigentlichen Sinne des Wortes ganz überfüllt gewesen seyn soll. DaS beste Zeugniß dafür, was die Mission in Mannheim gewirkr! Pater Roder hielt die drei Schlußpredigten, in denen er ganz ausgezeichnet sprach. Die tiefste Erregung war sichtlbar; alle, auch die härtesten Naturen wurden gebrochen. Leget Menschenfurchl ab; seyd beharrlich; liebet Christum; seyo katholisch, waren die Themata. Als er von den Gegenständen, welche er dem Gebete empfehle, in der Schlußpredigt sprach, und da namentlich unser deutsches Vaterland hervorhob, welches einstenS die auSerwählle Nation Gottes im Neuen Bnnde und der Schrecken seiner Feinde gewesen, nun aber wegen seiner Sünden so gesunken und der Spott und die Verachtung der Welt geworden sey; da mußte jedes Auge in Thränen schwimmen. So hatten sich denn die Missionäre die ungetheilte Liebe und Verehrung gewonnen. Küsse als Verehrungszeichen sind dem Pfälzcr eben nicht gelegen; als Pater Noder den Dom nach der letzten Predigt verließ, drängte sich aber Alles hin, feine Hände zn küssen. So haben denn auch die Bürger, so haben die Jungfrauen ihm nach dem Schlüsse der Mission in Deputationen feierliche Danksagungen abgestattet, die Mädchen Kränze und Guirlanden dargebracht. Welcher Enthusiasmus unter der katholischen Menge herrschte, die einer kleinen Völkerwanderung zu vergleichen war; welches selige Bewußtseyn es sey, innerhalb der Kirche einem Vereine anzugehören, der von Gott gestiftet an den Pforten der Ewigkeit steht, und selbst ewig und göttlich eine sel'ge E>vigkeit allen seinen Gliedern verbürgt: dieß konnte nnr gesehen, aber nicht beschrieben werden. Und bei dieser Menge nicht die geringste Unordnung, 207 kein Fluchen, Schelten, Stoßen, keine Trunkenheit; Aller Gesichter freudestrahlend und die Herzen friedenerfüllt — kurzum es war ein Festtag der reinsten, edelsten, ächtchristlichen Huiuauität. Derselbe Geist ging durch die Theilnehmer aus allen Classen und Bilduugsstufen. Professoren, Beamte und Taglöhner, Damen und Mägve, alle Classen und Stände waren dabei vertreten. AuerkennuugSwerth ist aber namentlich auch das edle Benehmen der protestantischen Bevölkerung, welche nicht bloß zahlreich an den Predigten Theil nahm, sondern auch nicht durch den mindesten Mißklang die Freude uud die religiöse Weihe ihrer Mitbürger uud Mitmenschen störte. Von Rohheiten oder Demonstrationen im Sinne uud Geiste der „Speyerer Zeituug" war eben so wenig etwas zu schauen, als von dem von ihr prophezeiten Glüheuden-Zangen-Zwicken der Jesuiten. So verlief sich die ganze Mission ohne den geringsten Unfall, ohne die mindeste Störung. Es war innere und äußere Harmonie. Wohl berichtet die Speyerer Zeitung vom 13. Juni: die Mission sey „gegen den Willen des Herrn v. Hohe," unseres Regierungspräsidenten, abgehalten worden, und daS rothe Blatt scheint sich etwaö zu Gute darauf zu thun, einmal mit Herrn v. Hohe einstimmig zu seyn. Wir können nicht sagen, ob DaS vollkommen begründet sey; aber EiueS wissen wir, daß eS wohl nichts gibt, was jeden Verständigen mehr über die Missionen belehren könnte, als eben diese Stellung der Demokratie zu ihr. Herr v. Höbe wird sich wohl für die Ehre bedanken, hierin mit der Speyerer Zeitung übereinzustimmen. Wir halten auch unsern Präsidenten für einen zu gewiegten Staatsmann, als daß er einen solchen Bund deS schaalsten Zvpf-BureaukratiSmuS mit der rothen Demagogie (welcher bei einem Bekämpfen oder Chikaniren, oder polizeilichen Jnvigiliren der Mission doch wieder augewendet seyn müßte) nicht in seinem Werthe und seiner rechten Bedeutung erkennen und von sich stoßen sollte. In gewissen Sphären in München mag unter bekannten Einflüssen wohl wieder die chikanöse Strategie gegen die Kirche beliebt und versucht werden; Herr v. Hohe ist nicht so befangen, in der Knechtung des Religiösen durch die Polizei das Heil des Staates zu suchen. So waren denn auch Militär- und Gcudarmeriepersonen nur als Christen an der Mission autheilnehmend zu erblickeu. Rühmend muß noch hervorgehoben werden, daß der hochwürdigste Herr Bischos und sein ganzes Capitel, so wie die gesammte Geistlichkeit der Stadt ununterbrochen allen Predigten und gottcSvienstlichen Verrichtungen der Mission beiwohnten uud durch ihr Beispiel das Volk nicht wenig erbaute». Am letzten Tage war eS trotz der hiesigen zahlreichen Geistlichkeit rein unmöglich die Beichten aller hierzu Bereiten abzunehmen. Hunderte konnten nicht ankommen. Wie eS darum mit dem kirchlichen Leben der Katholiken bei uns stehe, mögen Sie hieraus entnehmen. (M. I.) Das Vincenz- und Elisabethen-Hospital in Mainz. Dr. Heurich gibt (in den Rheinischen Blättern) folgendes kuud: „Nach mit ganz unbedeutenden Symptomen aufgetretener, kaum halbtägiger Erkrankung wurde am Abende des 3V. Mai ein hiesiger Arbeiter von der Wasserscheu befalle». Da ich mich als Arzt drmgend verpflichtet fühlte, seine Umgebung und Nachbarschaft gegen jede mögliche Gefahr so schnell wie thunllch sicher zu stellen, so verfügte ich mich augenblicklich in daS Vincenz-Hospital und muß gestehen, daß ich durch die freundlichste Bereitwilligkeit der Schwester Oberin, den Kranken augenblicklich aufzunehmen, aus das Angenehmste überrascht war. Die Schwester Oberin hat ausschließlich und ganz allein diesen Kranken gepflegt und bedient; und ich gestehe cS offen, ich bin in Verlegenheit, mit welchen Worten ich die Saiiftmuth, die Geduld, die Selbstaufopferung dieser eben so würdevollen alö demüthigen Pflegerin auösprcchen soll. Alle ärztlichen Vorschriften wurden von ihr mit so großer Pünkllichkeit, Verständigkeit, Schnelligkeit und Gewandtheit ausgeführt, daß auch der größte ärztliche Pedant nichts zu tadeln gehabt haben würde. Mehr aber vielleicht als unsere Arzneien haben die würdevollen 208 und ächtchristlichen Religionströstungen dieser frommen Schwester zur momentanen Beruhigung des Kranken in seinem furchtbaren Leiden beigetragen. Wie sehr diese frommen Schwestern von ihrem hohen Berufe durchdrungen sind, und mit welch' edler, seelenbegeistertcr Resignation sie auch ihre schwersten, gefährlichsten Pflichten freudig und wohlgemuth erfüllen, davon mußte ich mich überzeugen, als ich dieser muthigen Krankenpflegerin vorstellte, daß bei der nun weit vorgeschrittenen Krankheit die Krankenpflege des Unglücklichen nicht ohne Gefahr für sie selbst seyn möchte, und daß sie meiner Ansicht nach wohlthue, wenn sie dieselbe einem starken Manne überlasse und sie nur überwache; und sie nun mit selbstbewußtter Seelenruhe und demuthsvoller Ergebung mir erwiderte: „Meine Pflicht ist eS, die Kranken zu pflegen; und ich würde eS nicht verantworten können, dadurch einen andern Menschen einer möglichen Gefahr näher zu bringen, daß ich mich derselben entzöge. Soll mir ein Unglück widerfahren, so mnß ich es mit demüthiger Ergebung in den Willen des Herrn ertragen." Und in diesem gottergebenen Sinne handelnd, hat diese vortreffliche Frau den gefährlichen Wartedienst bis zum letzten Athemzuge deö Kranken ganz allein besorgt. Ich habe durch diese Veranlassung Gelegenheit gesunden, die übrigen Krankensäle und sämmtliche HauSeinrichtungen dieses Hospitales kennen zu lernen. In den Krankensälen begegnete ich neben der allerstrengsten Ordnung und einer bewun- dernSwerthen Reinlichkeit auch auf den Gesichtern aller Kranken dem Ausdrucke der Zufriedenheit und des Wohlbehagens in ihrer Lage. In dem ganzen Hospitale wallet der Geist der Ordnung und des innern Friedens. Glücklich die Armen — die erkrankend doppelt arm sind — wenn ihnen eine solche ausgezeichnete, tadellose Krankenpflege zu Theil wird!" Literarisches. Mainz. Wir glauben die Leser dieser Blätter auf eine kleine literarische Erscheinung, die in diesen Tagen dahier vollendet wurde, aufmerksam machen zu müssen. Als nämlich daS Cardinalbiret dem Herrn Erzbischof von Köln im vorigen Jahre überreicht wurde, erhob sich die Streitfrage, ob nicht schon früher ein Erzbischof von Köln Cardinal gewesen sey, namentlich ob nicht Hermann II., welcher vom Jahre 1035 — 1056 die erzbischöfliche Würde in Köln bekleidete, neben dem römischen Erzkanzleramte, daS ihm von Leo IX. übertragen wurde, auch die Cardinalswürde erlangt habe. Der Streit wurde anfangs in kirchlichen und politischen Blättern geführt, bis Binterim mit bekannter Gereiztheit eine ganze Broschüre schrieb, worin er eben nach seiner Weise mit apodiktischer Gewißheit nicht ohne wegwerfende Aeußerungen über die Gegner dem erwähnten Hermann die Cardinalswürde vindicirte. Dagegen hat nun Professor Hennes ein Schriftchen unter dem Titel: „Hermann II. Erzbischof von Köln" (gr. 8. S. XVI. und 54.) dahier erscheinen lassen. Die Streitfrage ist mit mit richtigem Takt in die Vorrede verlegt, und wird hier kurz und bündig dahin entschieden, daß die einzige Urkunde, auf welche Binterim sich stützt, unwiderleglich unächt sey, wie auch ein ausführlich mitgetheiltes Schreiben des berühmten Dr. Böhmer in Frankfurt, welcher bekanntlich in Bezug auf Erklärung von Urkunden die erste Autorität Deutschlands ist, mit schlagenden Gründen beweiset, so daß fernerhin kein Zweifel mehr seyn wird, daß der jetzige Erzbischof der erste von Köln ist, welcher zur Cardinalswürde erhoben wurde. Das Werkchcn selbst nun legt das Leben und Wirken Hermanns auf eine schöne und anschauliche Weise dar, bald gedrängt und in bündiger Kürze, bald ausführlich und nach Art von Episoden, wie es die einzelnen Thatsachen verlangen oder die uns überlieferten Nachrichten erlauben: überhaupt gibt es ein anmuthiges und lebendiges Bild der frommen Denkweise jener Zeit. Auch die Mainzer Geschichte wird nicht selten darin berührt, namentlich die Synode daselbst im Jahre 1049 S. 41—43. ausführlich beschrieben. (Rhein. Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er Eilfter «Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angsburger Pojtzeitung. 6. Juli 27. 185.1. a?ÄM!U"i i.: ,^^nk»Z> mstnttjzmkjnHiK^KlMLs^.ÄA"lütt..Mq^^vZUmZrs. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« kr., wofür es durch alle königl. daher. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt. *) Vom Berge St. Quintln herab sieht man in einer geräumigen von Hügeln umschlossenen, von der Mosel in mehreren Armen durchfurchten Ebene die alte Bischofsstadt Metz an beiden Ufern und über die Inseln des .Flusses ausgebreitet liegen. Der gewaltige schwarze Dom gebietet noch jetzt in so vornehmer Ruhe über alles andere neuere Bauwerk, daß selbst die vielen starken, jetzt gegen Deutschland gerichteten Festungswerke von der Stadt den alten kirchlichen Ausdruck und Charakter nicht ganz zu nehmen vermögen. Vom heiligen Clemens herab, dessen steinerner Thron noch heute im Dom bewahrt wird, alle Jahrhunderte hindurch legen einzelne Denkmale Zeugniß ab von der bischöflichen Macht und Fürsorge, bis noch ein Bischof aus dem Hause Coislin unter Ludwig XV. eine große Caserne, die ein ganzes Stadtviertel ausfüllt, auS eigenen Mitteln erbaute, um die Bürger von der Last der HauSeinau,articrung zu befreien. Hier in Metz weilte oft unser großer erster Karl, nahe den Stammgütern seiner Ahnen, unter welchen der heilige Arnulf selbst ein Bischof von Metz war, in dem Mittelpuncte seines Reiches, in dem austrasischen Lande, daS, der treueste Ausdruck der Verschmelzung germanischen und gallisch-römischen Wesens, später von seinem Enkel Lothar den Namen für alle Zeiten beibehalten sollte. Hier auch weilte einst der vierte Karl, fern von der böhmischen, aber nahe der luxemburgischen Heimat, als er, umgeben vom glänzendsten Hofstaat aus allen wälschen Vasallenlanden, dem heiligen römischen Reiche deutscher Nation die letzten Capitel der goldenen Bulle verkündigte, in deren Eingang für eine lange Zukunft die Weissagung gilt: „Jedes in sich gespaltene Reich wird verwüstet werden, denn die Fürsten desselben sind Gesellen der Räuber geworden, weßhalb der Herr unter sie den Geist deS Schwindels gemischt hat, daß sie am Mittage wie in der Finsterniß tappen... Du Neid hast daS christliche Reich, das auf Glaube, Hoffnung und Liebe gebaut war,... in Trümmer zu stürzen versucht!" Hier endlich stand auf demselben St. QuintinSberge zuletzt noch Kaiser Karl V., als der allerunheilbarste Spalt schon durch Deutschlands Herz gegangen war, als er, selbst durch Kummer uud Kranlheit gebrochen, zur Belagerung von Metz und zur Wiedereroberung auS den Händen der Franzosen fast verzweifelnd die letzten Anstrengungen machte; aber vergeblich, denn die deutsche Nation schien ihr eigenes heiliges Reich schon nicht mehr zu wollen und ") Aus dem „Katholiken." Der vorliegende Aussatz rührt, so viel wir wissen, von einem ausgezeichneten deutschen Staatsmanne her, der einen der berühmtesten Namen der Gegenwart trägt, und dürfte das Seinige dazu beitragen, manche Vorurtheile zu zerstreue», die sich bis jetzt noch in katholischen und protestantischen Kreisen geltend zu machen suchen. 2io, ihre Fürsten glaubten bald zur Sicherung ihrer Gewissensfreiheit mit demselben feindlichen Frankreich unterhandeln zu müssen. Doch nicht um bittern Gefühlen Raum zu geben, ergriffen wir die Feder; lassen wir die stolze nationale Vergangenheit und suchen wir unter den Ruinen der Gegenwart in aller Demuth eine Stelle wieder auf, wo vor dem unbefangenen Auge, das von Nationalität, Politik und Parteiwesen abzusehen vermag, die ewig sich verjüngende christliche Cultur, wenn auch jetzt auf französischem Boden, ein tröstliches Bild kräftiger Aussaat für die Zukunft zu entfalten scheint. In der That war Metz wohl niemals eine ganz deutsche Stadt geworden; ein Kern der romanischen Bürgerschaft muß sich immer, auch unter den Merowingern erhalten haben und nur die alltägliche Ergänzung der untern Stände, der dienenden Classe besonders, die noch zur Hälfte aus der nahen Landbevölkerung emporwächst, kann daS deutsche Gepräge in den GesichtSzügen, wie im Leben des Metzer Bürger- standeS erklären. DiescS solidere, elwaö schwerfällige und altmodische Gepräge unterscheidet den Wohlstand von Metz sehr vortheilhaft von den Städen deS innern Frankreichs und selbst von manchen modernen deutschen Residenzen, die bei gleicher Größe und einer gleichen Bevölkerung vost 50,000 Seelen vielleicht mehr Intelligenz oder Anspruch darauf besitzen, aber weniger ächten Bürgersinn, weniger Einsicht in die wahren Bedürfnisse, weniger guten Geist, um dieselben mit nachhaltigen Opfern auszugleichen, Metz hat aus den Zeiten vor der ersten französischen Revolution von frühern Stiftungen wenig mehr als die Mauern der Kirchen und Hospitäler gerettet; die alten Klöster leben nur in den Straßcnnamen fort. Alle Umwälzungen, wie zuletzt auch die von 1848 haben zwar ihre glorreichen Devisen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wieder auf dieselben nackten Mauern hingepinselt und durch den abstractcn Satz der Verpflichtung der Commune gegen ihre Armen in den Gesetzbüchern sich verewigt, für das Leben aber keine Hilfsquellen, sondern nur Schulden, Bedürfnisse und unstillbare Ansprüche zurückgelassen. Der Bürgersinn muß also aus sich selbst, auS seinem Jahreseinkommen, alle Mittel finden: aber zum Glück fühlen sich die Einwohner nicht blos als Bürger der steuererhebenden Civilgemeinde, sondern die Mehrzahl auch als Bürger der katholischen Welt und als solche finden sie Muth, Kraft und Freude, in dem nächsten Gesichtskreise ihrer Stadt überall zu steuern, wo der christlichen Liebe die freie Bewegung gelassen ist. Sollte ich darin zu günstige Eindrücke empfangen haben, sollten manche der Einrichtungen, die ich erwähnen werde, nicht in freiwilliger Liebe, sondern in der eisernen Noch ihren Ursprung haben, in der Furcht, in dem Vorgefühle, daß, ohne die äußersten Anstrengungen heute, die gesellschaftliche Ordnung übermorgen ein Raub deS Wahnsinnes und der Zerstörung, der Schauplatz eines modernen Sklavenkrieges werden kann; sollte endlich auch ein Einzelnes für deutsche Verhältnisse nicht maßgebend erscheinen, nun, so schätze ich Frankreich doch glücklich, daß daS Uebermaß der Auflösung dorten bereits den Anfang einer Neubildung hervorbringt, und ich erkenne es gerade als wesentlichen Vorzug an, daß AlleS so nüchtern und praktisch begonnen wird, nichts die Spuren eines vorübergehenden poetischen Aufschwunges, eines idealen ErperimentirenS an sich trägt. Uebrigens hat Metz keine eigentliche Fabrikbevölkerung, kein gefährliches Proletariat und man kann gar nicht sagen, daß örtlich die Noth so groß wäre. Ein solider Binnenhandel, mit bedeutendem Frachtfuhrwerk, reichliche Märkte und öffentliche Arbeiten verschaffen den ärmern Classen in der Regel gesicherten Verdienst. Trotz der bekannten Parteinuancen, die auch in Metz vertreten sind, ist die Bürgerschaft doch ziemlich gleichartig und verträglich, alle Fractionen sind in einem gemeinsamen Bürger-Casino (bereis) vereinigt, nur die der äußersten Rothen nicht. Von ungleichartigen Elementen ist die geringe protestantische Gemeinde von 500 Seelen kaum zu nennen, die zahlreichen Juden haben trotz der prächtigen, von den neugläu- bigcn Reichen erbauten Synagoge, in der Bürgerschaft doch keinen Einfluß; nur der eine nicht einheimische Bestandtheil, die starke oft über 14,000 Mann betragende 211 Garnison, ist für die Stadt von großem Gewichte und spielt durch die vielen einem großen Waffenplatze eigenthümlichen Anstalten, worunter die höchste Artillerie- und Gcnieschule (keole cl'gppliestion), eine bevorzugte Rolle. Die städtische Bevölkerung theilt sich in folgende Kirchspiele, wovon jedes seinen Pfarrer und mehrere Vicare hat. ^otre Dame, 8t. Mrtin, 8t. Noximin, 8t. ku- cairo, 8t. 86goIöno, 8t. Vineent, 8t. 8imon. Durch den Umstand, daß der Dom, der dem Bischof und Capitel allein gehört, keine eigne Gemeinde bildet, erklärt es sich, daß die weiten und herrlichen Hallen dieser Wohnung des Herrn an Menschen meist sehr verödet erscheinen; in den leeren Seircngängen sind Berge von käuflichen Stühlen aufgethürmt, aber trotz dem, daß täglich von den Domherren ein Hochamt gehalten und Chor gesungen wird, sind die Räume doch nur bei besondern größern Gelegenheiten oder in den Predigten während der großen Kirchenzeiten einigermaßen ausgefüllt. Die ganze innere Ausstattung, selbst Ordnung und Reinlichkeit lassen viel zu wünschen übrig und erst allmälig wird cS dem gegenwärtigen Herrn Bischof gelingen, dem praktischen WohlthätigkeitSsinn die Richtung auf diese ästhetische Anforderung zu geben. Noch weniger Hoffnung ist zum Ausbau der Kathedrale vorhanden, an deren reinem und kühnem gothischen Schwung Ludwig XV. durch ein ganz unpassendes antikes Portal und die Neuzeit durch den kindischen Aufsatz einer dünnen Spitze auf die noch stumpfe erste Hälfte des einen Thurms, sich gröblich versündigt haben. Für jetzt werden wenigstens die Glasmalereien der Riesenfenster in den Seitenschiffen nnd im Chor gereinigt und rcstaurirt. Wie gesagt, der Sinn der Metzcr ist nicht nach den idealen Höhen der Dome gerichtet; die kirchliche Heimat der katholischen Familien ist die rmroissez im täglichen Leben muß bei den Franzosen die Kunst und selbst die Wissenschaft nachstehen der Uebung, der simeti^ue. Man übt die Religion ganz oder man hat gar keine; die breite Mittelstraße wird den Deutschen überlassen. Dieß ist französische Ansicht, aber auch Thatsache, uuv gilt vorzüglich auch von der Geistlichkeit. Es wird vielleicht nicht schwer seyn aus dem Klerus von ganz Deutschland 50 Namen zu nennen, die durch Tiefe, Geist oder andere besondre Gaben in erster Linie überall anerkannt werden; aber der französische KleruS ist ganz wie auS einem Guß und verdient jetzt, wie ich glaube, seinen Ruhm der Disciplin, deS Eifers und der Sittenreinheit in hohem Grade. Ein für den heiligen Kampf geweihtes Heer, welches seit 60 Jahren unausgesetzt im Angesichte deS Feindes steht, kann wohl nicht viele Streiter zählen, die keinen wahren Beruf im Herzen, die nur zum Lebensunterhalt oder gar zu Paraden den Waffendienst gewählt haben. Das ungeheure, aber seltene Triumphgeschrei des Feindes, sobald ein Einziger, der Got- teSfahne untreu, aus dem Lager entweicht oder nur um einen Schritt sich verirrt, ist wohl die sicherste Bürgschaft für die geringe Zahl der Ausnahme und für die Solidarität der Mannözucht. Die strenge äußere Sitte, die gleichartige Tracht sind wohl nur äußere Bürgschaften und Stützen ; sie geben vielleicht nicht daS Recht, von einem anders und verschiedenartig gekleideten KleruS die geringe Meinung zu hegen, daß nur Mangel an Achtung des eigenen Standes und Menschensurcht ihn abHalle, überall und immer Priester seyn zu wollen; aber gewiß ist es, daß der französische Klerus mit jenen äußern Mitteln und mit jener rücksichtslosen Festigkeit sich zu einer unabhängigen äußern Stellung und zur Anerkennung von Freund oder Feind curchgckämvfl hat; daß die von Jugend auf geübte strenge Gewohnheit nicht bloß einen äußern Halt, sondern auch eine Schule des innern Lebens und der Demuth enthält. In der neuern Zeit, besonders aber seit der Februarrevolution ist auch die gallicanische Richtung und die bei der Geistlichkeit sehr unpassende Nalionalitätseilelleil im Abnehmen begriffen. Die Diöcese Metz, die mehr als zur Hälfte deutsch ist und mit Trier in so mannigfacher Berührung steht, bildet eine sehr erfreuliche Vermittlung beider Nationalitäten. Schon zwei Obere deS bischöflichen Seminars waren geborne Deulsche und haben sich um diese gegenseitige Verständigung wahre Verdienste erworben. Man würde sich auch sehr irren, wenn man in diesen Seminarien, welche nach den Umrissen des tridentinischen Concils, in Frankreich besonders durch die von Olier gegrün- SIS dete Schule in 8t. Sulpice ihr Gepräge erhielten, bei der Priestcrjugend Träumerei und finsteren Zwang zu finden vermuthete. Wenn einmal der Beruf erwacht, der Muth zur Vcrzichtleistuug gesaßt ist, so sind die Uebungen der täglichen Entsagung stets mit denen der größten Thätigkeit gepaart und jeder Fortschritt wird durch größere Geisteöfreihcit, Festigkeit und Ruhe belohnt. Allerdings herrscht in Frankreich nicht, wie bei der deutschen Bureaucratie, die Ansicht vor, daß die dem Priester nöthige Mcnschenkenntniß am sichersten dadurch erworben werde, daß junge Leute, bevor sie noch vorbereitet und sittlich gestählt sind, von vornherein der Wasser- und Feuerprobe eines meist heidnischen Gymnasial-Unterrichts und den Gefahren der Berührung mit jeder Gemeinheit deS Studcntcnlebens überantwortet werden. Bei aller Anerkennung für die Zahl derjenigen, welche in Deutschland auS diesen grausamen Prüfungen geläutert hervorgehen und sich gleichsam selbst erzogen haben, gibt man in Frankreich doch für die Mehrzahl dem zuverlässigern Wege der Vorbildung durch die kleinen Seminarien den Vorzug, wo immerhin den Knaben selbst und ihren Eltern eine lange und vielsältige Probe vor der Entscheidung über den Lebensberuf gelassen ist. Nur stufenweise und mit langsamer Eingewöhnung in die Weihen deS innern Lebens nähert sich der junge Priester seinem heiligen Ziel und die Welt kommt endlich mit ihm erst dann in Berührung, wenn er nichts mehr von ihr erwartet und verlangt. Daher kömmt eS, daß wie in Metz die Priester eines ganzen Sprengels derselbe Geist belebt, dieselbe Pietät gegen den Oberhirten, unter dessen Obhut und Leitung ganze Generationen ausgewachsen sind, dessen Wünsche und Entscheidungen sie wie die eineS VaterS ehren; dadurch kommt eS, daß Priester auS dieser Schule der Selbstverläugnung sich niemals zu einer Beförderung, eS sey denn Missionen über'S Meer, ungefragt melden, sondern die Entscheidung über den Ort ihres Lebens- opferS von höherer Hand abwarten. Daß aber, eben so wie die Geistlichkeit für einen Nachwuchs von gleichem Schlag bemüht ist, auch daS Volk solche entschiedene Priester schätzt und verlangt, dafür ist ein Beweis, daß der gegenwärtige Herr Bischof von Metz, der fromme und gelehrte, über alles aber milde Ns^r. vurwnt «lo5 l^ogss in diesem Augenblick denken kann, für sein Knabenseminar in der Nähe der Stadt ein großartiges Gebäude, daS auf mehrere hunderttausend Franken angeschlagen wird, allein auS dem Ertrag von freiwilligen Sammlungen in der Diöcese neu zu erbauen. (Fortsetzung folgt.) Forschungen in den Katakomben. Rom, i0. Juni. Der rühmlichst bekannte Pater Marchi aus der Gesellschaft Jesu und der Cav. Joh. Bapt. de Rossi theilen in der letzten Nummer der „Civilts Cattolica" folgenden höchst interessanten Bericht mit über ihre dießjährigen Forschungen in den Katakomben: „Wie von jeher üblich, wurden auch in diesem Jahre mit dem Verlauf deS Monats Mai die jährlichen Nachgrabungen beschlossen, welche die Päpste mit dem Gelde der apostolischen Datarie seit zwei und einem halben Jahrhundert in den ehrwürdigen Begräbnißstätten deS unterirdischen RomS anstellen lassen. 5) In den sechs verflossenen Monaten haben wir in sünf dieser Begräbnißstätten beträchtliche Arbeiten ausführen können, und zwar in der von Saiurninus in der neuen Via Salaria, von St. AgneS an der Nomentana, von St. MarcellinuS uud PetruS an der Labicana, von St. SirtuS zwischen der Via Latina und Appia, von St. PrätertatuS rechts von der Via Appia. - „Vier dieser unterirdischen Begräbnißstätten waren bereits hinreichend bekannt ") Sobald,die heiße Sommersaison eintritt, können die Arbeiten in den Katakomben ohne die größte Gefahr nicht mehr fortgesetzt werden, weil die Lust in denselben sofort Fieber erzeugt. 213 durch die Forschungen und Illustrationen der PP. VosiuS, Boldetti und Marangoni. Bei cilledcm haben unsere dießjährigen Nachgrabungen u»S die Wiedereröffnung vieler unterirdischen Straßen möglich gemacht, welche unS wieder mit Gemälden bekannt machten, die zwar von Bosins schon veröffentlicht, aber seitdem für verloren erachtet wurden. Wir erinnern besonders an die Crypta oder unterirdische Kirche des heiligen MarcellinuS und PctrnS, welche in drei getrennte Räume eingetheilt ist. Die Gemälde in derselben, obgleich wohl nicht vor der Mitte des 4ten Jahrhunderts gearbeitet, sind für die Geschichte der christlichen Kunst von großem Interesse. Vor „„Marcellinus, PetruS, GorgoniuS TiburtiuS"" findet sich nicht der Titel „„SancluS"", der nach der Meinung eines Fremden vor den Bildern von Cäcilia, Catharina und Cyriaca in den Katakomben von St. Cyriaca an der Via Tiburtina gefunden sey, und zwar sollen nach seiner Angabe diese letztem Bilder auS dem 3ten, höchstens 4ten Jahrhundert herrühren, während die Kritik, welche unS stets leitet, unö nöthigt, sie noch späicr, als aus dem 8ten Jahrhundert anzusetzen. „Wcrthvoller noch war der Fund, den wir am äußersten südlichen Ende der Katakomben deS PrätcrtatuS machten: nämlich zwei ausgemalte Grabkammcrn, von denen sich im BosiuS nicht einmal eine Ahnung findet. Wir erinnern uns nicht, daß man jemals in den Katakomben diese Verbindung der Figuren gefunden hat: nämlich einen MoscS, der mit dem Schlag der Ruthe eine Quelle auS dem Felsen entspringen läßt, die sofort zum Flusse wird: dann einen Fischer, welcher seine Angel in diesen Fluß geworfen hat und nun zwei Fische an derselben emporzieht: dann einen Mann, welcher derselbe scheint mit den beiden erstem, seine Hand legend auf daS Haupt eines nackten, wie eS scheint, eben erst aus dem Flusse aufgetauchten KindeS: den Gichtbrüchigen, welcher eben gesundet, sein Bett auf den Rücken nimmt und wandelt: zuletzt einen Tisch, an dem Mehrere wie zum Mahle fitzen. Also eine Andeutung der vier ersten Sacramente, der Taufe, Firmung, der Eucharistie und der Buße. „Eben so lehrreich waren die Entdeckungen in den Katakomben von St. SirtuS, in welche wir seit mehreren Jahrhunderten zuerst wieder eindrangen, indem wir unS vermittelst einer alten Sandgrube, welche unS auf Katakomben zu deuten schien, den Eingang dazu bahnten. Außer den wiederholten Bildern deS heiligen PetruS und Paulus trafen wir das Bild deS heiligen Sirius. Auch hier war das 8018 nicht vor die Namen Petrus, Paulus und Systus gesetzt, obgleich die Bilder schon spät, etwa auS dem Ende deS 4ten Jahrhunderts sind. In dem Bogen über genannten Bildern ist eine allegorische Darstellung der Geschichte der keuschen Susanna. Ein Lamm in einer gewissen, Scheu verrathenden Stellung geht in der Mitte und über demselben bemerkt man die Worte: 8us3nns. Zwei reißende Wölfe nähern sich grimmig, um jeneS in Stücke zu zerreißen, mit der Inschrift: 8enic>res. ES ist dieß gleichsam ein Schlüssel für die Beurtheilung der übrigen symbolischen Bilder aus den ersten christlichen Jahrhunderten. „Ueber Erwarten viele Grabsteine mit Inschriften haben wir seit sieben Monaten aufgefunden; sie belaufen sich auf mehr als 20». Der heilige Vater hat sie in den Lateranpalast bringen lassen nebst vier von unS in den Katakomben von SirtuS gefundenen Sarkophagen. Sie sollen den Grund legen zur Bildung eincS neuen christlichen MuseumS, wozu der Lateran mehr als jedes andere Gebäude NomS geeignet ist. Eine merkwürdige Inschrift, mit einem Grabstichel in Kalk eingegraben, konnte noch nicht transportirt werden, ist aber von Vielen an Ort und Stelle besichtigt ES scheint ein Spruch von einem rechtgläubigen Christen zur Zeit deS AriuS zu seyn, und zwar wollte er zum Bekenntniß des Glaubens an Christum den Allmächtigen Gott das deS Glaubens an das Fegfeuer hinzufügen: LL>kMLKMII 80K0KI KM08ae in pscL ^ VIII k^l. 0LV8 LIIKI8IV8 0AMI?0IL?>8 8I>IkiIIVm IVum KLkrlLMI IN ^ 814 „Die klein gedruckten Buchstaben waren verwischt. Ein ähnliches vvus rein ßeret, spiritum tuum befintel sich im Museum deS römischen Collegö. „Wir erwähnen »och dreier merkwürdiger Zeichen, welche man an dem Schlußstein der Gräber angebracht, um daran die Zeit deS TodeS zu erkennen. Jemand, der alle Gräber von ihm theuren Personen unter den übrigen bezeichnen wollte, wählte dazu ein historisches und chronologisches Zeichen, nämlich Münzen deS Mari- mianus FarculeuS, dieses grausamsten aller Verfolger der Christen. Wir lösten sie ab und fanden an der Kehrseite die gewöhnlichen Worte: Alonvt» ^uzZ. — Ein Anderer hatte dazu eine kslera gewählt. Sie trägt das Bild eines weiblichen KopfeS und ist in der Mitte durchbohrt, um sie am HalS tragen zu können. Sie, wie noch drei andere in geringerer Größe, sind von calcedonischem Sapphir, und zwar haben sie als Prämie für Soldaten gedient. — Ein Dritter hatte sich zu demselben Zwecke eines sardonischen Edelsteins bedient, der zu einer Camoce mit dem Bildnisse deS Oetavianus Augustuö gebildet war. Kunstkenner beurtheilen sie als eine ausgezeichnete, in ihrer Art einzige Arbeit." — Pater Marche spricht am Schlüsse die Hoffnung aus, seine Entdeckungen der Art in einer periodischen Zeitschrift zu veröffentlichen. Die Errichtung der St. Petri-Brnderfchaft für den Dombau zu Köln. Köln. Die diesjährige Vigilie deS Festes der heiligen Apostelsürsten Petrus und PauluS hat für den Kölner Dom eine ganz besondere Bedeutung gewonnen, indem an diesem Tage ein längst gewünschter und oft besprochener Priesterverein für den Bau dieses in der Ehre deS heiligen Petrus gegründeten Tempels in der Form einer Bruderschaft vom heiligen Petrus ins Leben getreten ist. In Folge einer aus den Wunsch Sr. Eminenz deS CardinalS Herrn v. Geissel, unsers hochwürdigsten Herrn ErzbischofS, von dem zur Gründung dieser Bruderschaft zusammengetretenen Comite ergangcnen Einladung hatte sich die städtische Geistlichkeit und die Alumnen deS Seminars in dem großen Saale deS erzbischöflichcn PriesterscminarS eingefunden, woselbst auch das hochwürdige Domcapuel versammelt war und Se. Eminenz der Cardinal mit dem Herrn Weihbischofe gegen 10 Uhr erschienen. Im Namen deS Comites richtete der zeitige Decanatsverweser, Herr Oberpfarrer Schnepper an den Herrn Cardinal folgende Worte: „Eminenz! DaS Comit6, welches sich mit Wissen und Gutheißung Ew. Eminenz unter leitender Mitwirkung unseres hochwürdigsten Herrn Weihbischofes und Gencral- vicarS über die Wiedererrichtung der ehemaligen unter dem Patronate der heiligen Apostel Petri und Pauli so segensreich bestandenen Dombaubruderschaft berathen, hatie vor Kurzem die Freude, die entworfenen und vorgelegten Statuten zu dieser Bruderschaft von Ew. Eminenz gulbefunden, demnach genehmigt und die Bruderschaft kanonisch sanctionirl zu sehen. Die nunmehr zu bewerkstelligende Publicirung und Eröffnung der Bruderschaft, glaubte daS Comite, könne nicht angemessener, als vor dem versammelten ehrwürdigen KleruS der Stadt Köln, und nicht passender, als an dem Tage der Vigilie der heiligen Apostel PetruS und PauluS, und nicht würdiger und feierlicher geschehen, als unter der hohen Gegenwart und Autorität Ew. Eminenz. Und Ew. Eminenz hatten die Gnade, sich gern bereitwillig zu erklären, an diesem Tage in eigener Gegenwart die Statuten der Bruderschaft publiciren zu lassen und die Bruderschaft Selbst zu eröffnen. Deßhalb hat sich die gcsammle Geistlichkeit dieser Stadt in Folge der an sie ergangcnen Einladung heute ehrfurchtsvoll vor Ew. Eminenz versammelt. Möge eS nun Ew. Eminenz gefallen, die unter dem Patronate der heiligen Apostelfürsten kirchlich sanctionirte Dombaubruderschaft mit deren Statuten publiciren zu lassen, dieselbe zu eröffnen und unter Ihrem begleitenden erzbischöflichen Segen inö Leben einzuführen. Möge durch den neuen Eifer und die erhöhte Begeisterung, welche Ew. Eminenz letzter Hirtenbrief für die heilige Dombausache allgemein lL,5 hervorgerufen hat, auch diese neu errichtete Bruderschaft eine eifrige Theilnahme und allgemeiue Aufnahme unter dem gesammten Kleruö finden, und dieser sich auch hierin als würdige Nachkommenschaft jener heiligen Männer erweisen, wovon im heutigen Tagesofficium gesagt ist: Illi viri misorienrcliae! sunt, quorum pietstes non clvsue- runt, nereclitss ssneta nepote8 enrum," Se. Eminenz ertheilten hierauf dem Domcavitular Herrn Strauß den Auftrag, die Statuten der Bruderschaft und die von Höchstdeuselben vollzogene GenehmigungS- Urkunde zu verlesen. Nach Verlesung dieser Urkunde richtete Se. Eminenz eine Anrede an die Versammelten, worin dieselben zunächst Ihre Freude über dieses Begebniß des heutigen TageS auösprachen und unter Hinweisung auf die verschiedenen Beweggründe, auS welchen bisher die Thätigkeit für den Dombau hervorgegangen, cS als die Sache deS Priesters bezeichneten, der Religion, deren Dienste er sich gewidmet, auch die äußere Darstellung zu verschaffen, die in unserm Dombau in einer so großen Vollendung hervorträte. In dem weitem Verlaufe der Rede zeigten Se. Eminenz, rrie bedeutungsvoll gerade die Kölnische Metropole der PeterSdom genannt werde, und wie sich auch hierin wieder das ehrenvolle Bestreben der Kölnischen Kirche zeige, die zweite Stadt in der Christenheit zu seyn nach Rom, daS in seinem PeterSdome ein Symbol der Einheit der ganzen auf dem Erdkreise verbreiteten Kirche besitze. In den auf den Ausbau unsers PeterSdomes gerichteten Bestrebungen des Klerus erkannten Se. Eminenz auch dieses höhere Streben, begrüßten mit hoher Freude die Kundgebung desselben in der Neuerweckung der in frühern Jahrhunderten in Köln bestandenen St. Petri.Bruderschaft, fügten den Wunsch hinzu, daß diese sich nicht allein über unsere ganze Erzdiöcese, sondern über die fernsten Kreise deS Vaterlandes ausbreiten möge, verkündeten alödaun die St. Petri-Bruderschaft in kanonischer Form für errichtet, und ertheilten, während alle Anwesenden niederknieten, derselben Ihren oberhirtlichen Segen, Se. Eminenz zeichneten nun Höchstihren Namen in die Liste der Verbrüderten, und hatten die Freude, die anwesenden Geistlichen Ihrem Vorgange folgen zn sehen. So ist denn wieder eines der herrlichen Institute der Vorzeit in daS Leben getreten, in denen uusere großen christlichen Bauwerke die Quellen für die erforderlichen Geldmittel fanden. Zwar beschränkt eö sich jetzt noch auf Priester, aber wenn diese, wie nicht bezweifelt wird, in großer Zahl sich daran werden bctheiligt haben, so ist die Form leicht gefunden, in welcher auch die Laien ihren Antheil an dem heiligen Werke haben werden. Der durch diese Bruderschaft für unsern Dom gewonnene kirchliche Boden ist reich an Quellen, die für göttliche Zwecke fließen. GotteS Segen leite sie dem heiligen Werke deS DombaueS zu! (D. V. H.) Mission in Saarlouis. Saarlouis, 26. Juni. Der verflossene 15. Juni war für unsere Stadt der Anfang einer gesegneten Zeit, die hoffentlich noch recht lange in ihren Wirkungen fortdauern wirk^ An diesem Tage nämlich, als am Feste der heiligen Dreifaltigkeit, begann Pater Zobel, dieser aus frühern Missionen, besonders aus Offenburg und Luxemburg rühmlichst bekannte Missionär, nebst sechs andern Redemvtoristen, die mit ihm seit einigen Monaten in der unS nahe gelegenen Congregation dieses Ordens, in Teterchen, weilen, bei uns eine Mission, die für unsere Stadt seit ihrem Bestehen die erste ist. Der Charakter unserer Stadt ist vorwiegend französisch; in Bezug auf das religiöse Leben war bisher Gleichgiltigkelt (um sich keines stärkern AuscruckeS zu bediene») das in hohem Grade hervortretende Merkmal, so daß der Misston nicht ohne große Besorgniß entgegengesehen wurde. Wohl war die Theilnahme vom ersten Tage an eine sehr bedeutende. In den Abendvorträgen, die Pater Zobel durchgängig selbst hält, ist die Kirche regelmäßig bis zum Erdrücken gefüllt, so daß daS Auditorium jedesmal sich auf 5—7000 Menschen beläuft und viele noch weit hinaus 216 vor dem geöffneten Portale auf dem Paradeplatze stehen. Trotz dieser Theilnahme war der Eindruck in den ersten Tagen bei Weitem nicht der beste, vielmehr zeigte sich Unwillen und Aufregung, wie das sehr natürlich ist. Aber schon gegen Ende der Woche wurde die Stimmung eine andere. Es wäre auch mehr als zu verwun- dern und gewiß ein trauriges Zeichen für eine Stadt, wenn man den Vortragen deS Pater Zobel, den man wohl einen gcbornen Missionär nennen kann, widerstehen könnte. Wer nicht fortgerissen wird durch die Kraft der Ueberzeugung, mit welcher dieser für die heilige Sache glühende Sendbote spricht, der wird sicher erschüttert und erweicht durch seine unermüdete Anstrengung und Aufopferung. Leider sind durch die sortgesetzte Anstrengung seine Brust und sein Hals so afficirt, daß eine stehende Heiserkeit ihm die abendlichen Vorträge sehr erschwert. Nichts desto weniger spricht er jeden Abend fünf Viertel bis anderthalb Stunden und sitzt von früh Morgens bis spät AbendS im Beichtstuhle. Dieser seiner sich ganz hingebenden Aufopferung für das Gute, so wie dem uuermüdeten Eifer der übrigen Patres, deren Vorträge eben so gern gehört werden, ist eS wohl zuzuschreiben, daß seit dem Anfange dieser Woche unsere Mission eine vollkommen gelungene genannt werden kann. Die sieben Missionäre nebst den drei Pfarrgeistlichen von hier sitzen von Morgens bis AbendS fast ununterbrochen im Beichtstuhle. Die Theilnahme, besonders der Männer auS allen Ständen ist eine großartige und rührende. Die Zufriedenheit, ja die Liebe zu den Missionären wird täglich größer und fehlt es nicht an Beweisen dieser Liebe. So war z. B. heute Morgen schon um vier Uhr der Weg aus dem Pfarrhause in die Kirche mit Rosen bestreut. Ich verspreche mir eine großartige Schlußfeierlichkeit, welche am 6. Juli, dem Feste Mariä Heimsuchung, stattfinden wird. — Weil die französische Sprache hier neben der deutschen noch gleiche Rechte behauptet und eS noch Manche hier gibt, die nur französisch sprechen, so wird vom folgenden Montag ab jeden Tag außer den drei deutschen noch eine französische Predigt gehalten werden. Die vier letzten Tage der Mission werden wahrscheinlich der hiesigen Garnison, die jetzt überwiegend katholisch ist, gewidmet seyn. (M. I.) Münster, 14. Juni. Vor einigen Tagen nahm der bisherige Pfarrer von Hopsten, Richard Freiherr von Ketteler, Abschied von Westfalen, um seine Reise nach Tyrol zu den Kapuzinern anzutreten. Vor ungefähr zwölf Jahren stand er noch als Ofsicier bei den blauen Husaren in Düsseldorf, er nahm seinen Abschied, studirte Theologie, trat in das Priesterseminar zu Münster, ward Caplan, dann Pfarrer, ging init den Soldaten aus Westfalen als Seelsorger nach Holstein und Jütland, ritt kühn mitten im Kugelregen mit der Stola bekleidet an ihrer Seite, half auf dem Schlachtfelde den Verwundeten und Sterbenden, ward Ritter des rothen Adlerordens, sollte zum Propste in Berlin ernannt werden und gab zur Antwort: „Ich werde ein armer Capuziner." — Bei seinem Abschiede als Officier ließ einer seiner Vorgesetzten die bittere Bemerkung fallen: „Ihre Aussicht im geistlichen Stande ist nicht günstig, denn der Erzbischof von Köln ist noch jung." Er gab zur Antwort: „Sie haben meine Beförderung nicht zu fürchten, denn ich will so katholisch leben, daß ich bei dem jetzigen System niemals persons Zrats werde; — ich verlange nichts, als den Himmel von der Barmherzigkeit Gottes." — Durch seinen Eintritt in das Novi- ziat der Capuziner hat er seine damalige Aussage bestätigt. — In der letzten Zeit laS er fleißig das Leben des heil. Gottfried, Grafen von Kappenberg, der mit seinem Bruder Otto zur Zeit des heil. Norbertuö so viel für Westfalen gewirkt. Nach ihrem Beispiele verlangte er alles Besitzthum der Welt abzustreifen. In unserer materiellen und durchaus selbstsüchtigen Zeit gereicht unS ein solcher Entschluß und seine feste Ausführung zu desto größerer Freude. — Gott wird'S lohnen. (D. V.H.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer Eilster Jahrgang. Sonntags-Beiblatt it'!i7'cZi!ii .1!!./ ^!^^!!^^ i.!^ nj »!itch>7)G M< „,s,7^ „j .^j^ I,!,,^!,! ^ 13. Juli 28. ^I.li'ü ,1^-/ !!^^-!^^ !Hsl!>!i chlill , inöit 1851. /?7? »5 I^IlI>?^«Zs^8 - Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreia 4tt kr., wofür cS durch alle kvnkgl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. ,l6nl<1 hlluZiiÄ' sllslo ll'^Is,l»!.iii»7)üT 7»Ä chiw7^V 7ü1 ilZli)? il> iw »^Il^t tu»k(T ..4»ss ^ij!ilicl.i'jfs.b!f nz^g ichviZ ,mnn57 Ueber die Sacramentcilien und ihre Wirksamkeit ist man schon lange ganz glcichgiltig, weil man der irrigen Meinung ist, daß man auch ohne für sie empfänglich gewesen zu seyn, selig sterben könne. Diese Meinung wird auf die Bemerkung gegründet, daß durch die Anrufung des Namens Jesu und das Kreuzzeichen zc. nur in den ersten christlichen Jahrhunderten, wo alle Christen heilig lebten, und in den spätern Jahrhunderten auch nur durch Heilige außerordentliche Wirkungen erfolgten. Dieser Schluß ist allerdings richtig, weil die Wirksamkeit der Sacramentalien auch vom heiligen Wandel der Gläubigen abhängig ist, und nur höchst selten nach Gottes gütigen Absichten ohne solchen eine Wirkung erfolgt. Ganz irrig ist aber die Meinung, daß man doch selig sterben könne, ohne heilig gelebt zu haben, und für ihre Wirksamkeit empfänglich gewesen zu seyn. Dieser Irrthum beruht auf der irrigen Meinung von der Selig- und Heiligsprechung der Kirche uud der in der Kindheit empfangenen Taufe. Man meint, die Kirche spreche nur solche Christen heilig, die ihrer außerordentlichen hcldenmüthigcn Tugenden wegen eine höhere Glorie im Himmel genießen, daher auch mehr vermiß gende Fürbitter bei Gott seyen. Man bedenkt nicht, daß man ohne außerordentliche Offenbaruug uicht wissen könne, wie hoch ein Heiliger im Himmel erhöht wurde; daher die Kirche, wenn sie den Lebenswandel der Selig- oder Heiligzusprechenden sorgfältig geprüft hat, nur erklärt, daß sie ohne schwere Sünde, durch gelreue Erfüllung der durch die Taufe übernommenen Pflichten, gestorben sind, und daher zur Nachahmung empfohlen und um Fürbitte angerufen werden dürfen. In das Himmelreich können nur die eingehen, welche ohne schwere Sünde von Kindheit an oder nach bußfertiger Rückkehr zu Gott gelebt haben; denn Jesus sagt ausdrücklich: „Nicht Jeder, der zu mir Herr, Herr! sagt, wird in den Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters thut" (Matth. 7, 2l.). WaS der Wille Gottes ist, lehrt der Apostel Paulus mit diesen Worten: „Das ist der Wille Gottes, daß ihr heilig lebet," d. h. ohne schwere Sünde, weil kein Mensch ohne geringe Sünden leben kann (I. Thess. 4, 3.). „Denn nicht die F>orer des Gesetzes sind gerecht bei Gott, sondern die Befolge? deS Gesetzes werden gerechtfertigt werden" (Röm. 2, l3.). So glaubte man allgemein in den ersten christlichen Jahrhunderten; daher schrieb der heilige Märtyrer in 4 «am «diU si-i» ,n>ll»«t ii/ssiN s-lchm'iiWn,4»»66n;k,!iT mtnnkizH «os '.«H», ') Aus der eben (bei Manz in RegenSbuig) erschienenen sehr empfehlenSwcrthcn Schrift: „Nvthwendigcr Unterricht für jeden Christen über die Wirkungen des gläubigen Gebrauchs des Namens Jesu, des Krcu^elchcn«, des geweihten Wasscrs und anderer geweihter Dinge, und «her den >5r»rci>?mus, Nach (5. Meunc von Psanviear S, Buchfclncr." 218 Justin im Jahre i67 in seiner Schutzschrift der Christen: „Wenn man Einige .findet, die nicht so leben, wie Christus lehrte, so muß man die nicht für Christen halten, wenn sie auch getauft sind und die Lehre Christi im Munde führen; denn JesuS hat nicht dem mündlichen Bekenntnisse, sondern nur Jenen den Himmel versprochen, die wie Jesus leben." Wer in den Himmel eingehen will, muß heilig, d. h. ohne schwere Sünde leben, nach der Lehre und dem Beispiele Jesu, und für die Wirkung der Sacramen- talien empfänglich seyn. So lebten die Christen in den ersten und alle Gerechten in den folgenden Jahrhunderten, und in diesem Glauben, der sich durch einen heiligen Lebenswandel zu erkennen gab, liegt der Grund der Wirksamkeit der von ihnen gebrauchten Sacramentalien. Seit der Zeit, als die Christen nicht mehr heilig nach der Lehre nnd dem Beispiele Jesu leben, bleiben die Sacramentalien ohne Wirkung. Solchen bloßen Namenchristen hat aber JesnS, schreibt der heilige Märtyrer Justin mit den Aposteln, auch den Himmel nicht versprochen. Christen, bei denen der Gebrauch der Sacramentalien ohne alle Wirkung bleibt, sind daher in großem Irrthume, wenn sie glauben, doch in den Himmel kommen zu können, und daher gegen sie gleichgiltig sind. Damit wollen wir aber nicht sagen, daß die Sacramentalien in allen Anliegen sich wirksam erzeigen müßten; denn von Krankheiten und andern zeitlichen Prüfungen und gerechte» Züchtigungen wird Gott uns nur dann durch sie befreien, wenn sie zu unsrer Besserung und Vervollkommnung nicht mehr nöthig sind., Wenn aber die Sacramentalien anch unwirksam bleiben, wenn sie angewendet werden als Schutz- und Bewahrungsmittel gegen Versuchungen und Sünden, dann glauben wir die Unwirksamkeit derselben und die Gleichgiltigkeit gegen sie als Kennzeichen der Nothwendigkeit der Buße durch wirkliche Erneuerung des Taufbundes ansehen müssen, die in wahrer Bekehrung zu Gott besteht, welche aber nur von einer kleinen Anzahl erfolgt seit der Zeit, als die heilige Taufe den Kindern nach ihrer Geburt ertheilt wird. Die ersten Christen, denen man erst nach gründlicher Bekehrung zn Gott die heilige Taufe ertheilte, erneuerten nicht nur jährlich am Tage des Empfangs derselben, sondern an allen Sonntagen bei dem heiligen Meßopfer das Versprechen, dem Teufel, seinen Versuchungen, und der Gemeinschaft mit seinen Anhängern nach der Ermahnung des Apostels (2. Thess. 3, 6.) zu entsagen und aus Liebe zu Gott die Lehre Jesu zu befolgen. Sie glaubten, daß ihnen ohne vorhergehende Besserung die vor der Taufe begangenen Sünden durch sie nicht nachgelassen, und ihnen ohne heiligen Lebenswandel der versprochene Himmel nicht zu Theil werde. Wie zur Zeit Jesu die Juden durch die Beschneidung sich für Söhne Abrahams hielten, ohne die Werke Abrahams zn thun; so hoffen jetzt die meisten Christen den Himmel, weil sie als Kinder getauft worden sind, dem Meßopfer und den Predigten beiwohnen, und die heiligen Sacramente empfangen. Zwar sollte jever Empfang des BußsacramenteS eine Erneuerung des TaufbundeS seyn, weil auch die nach der Taufe begangenen Sünden durch die Lossprechung des Priesters ohne vorhergehende Besserung nicht nachgelassen werden; eS werden aber von den Meisten von einer Beicht zur andern die alten Sünden der Hoffart, der Gotteslästerung, der Unzucht, wenigstens durch unkcusche Reden, der Unmäßigkeit, der Habsucht, Feindschaft u. s. f. begangen. Man glaubt, mit dem gegebenen Versprechen, daß man sich bessern wolle, schon Verzeihung der Sünden zu erhalten. Wie wenig solche Namenchristen über die durch die Taufe übernommene Verpflichtung eines heiligen Lebens, um durch sie in den Himmel eingehen zu können, nachdenken, kann man daraus erkennen, daß die meisten Söhne und Töchter, so wie die Hausväter, vou den bekannten Tugendbündnissen nichts wissen wollen, obgleich man den Himmel nicht erlangt, wenn man die Satzungen dieser Bündnisse, die nur die christlichen Standespflichten enthalten, wozu die heilige Taufe sie verpflichtet, nicht befolgt. Man will der Kleiderhoffart in Seide, Gold und Silber, den künstlichen Haargeflechten, welche die Apostel verbieten (1. Tim. 2, 9.; 1. Petr. 3, 3.), den Bekannt- 219 schaften, den Tanzgesellschaften, den Besuchen der Personen deö andern Geschlechtes, den Spiel- und Trinkgelagen, welche Werke des Satans sind, und womit der Sonntag entheiligt wird, nicht entsagen, noch weniger will man durch AndachtSübungcn, Lesen >» geistlichen Büchern, den oftmaligen Empfang der heiligen Sacramente, durch Selvstverläugnuug und Abtödtung, nach der Lehre und dem Beispiele Jesu, ein heiliges Leben führen, wozu doch die empfangene heilige Taufe jeden Christen nach der Lehre der Apostel verpflichtet. Da ohne heiligen Lebenswandel, nach dem Beispiele Jesu und der Christen in den ersten Jahrhunderten, der Gebrauch der Sacramentalien der Kirche, aus Mangel an lebendigem Glauben, ohne Wirkung bleibt, so wollen wir noch auf die Verpflichtung durch die empfangene Taufe zu einem heiligen Leben aufmerksam machen, um zur Buße zu bewegen, welche die Kinder schon bedürfen durch Unterwerfung ihres Willens und ihrer Neigungen unter Gottes Willen, um so mehr, da nur Jenen durch die Taufe der Himmel verheißen ist, die nach der Lehre und dem Beispiele Jesu heilig leben. Möchten wir, um den Sacramentalien Wirksamkeit zu geben und unsre Erwählung zum Himmel durch die Taufe sicher zu stellen, folgende Ermahnungen der Apostel so beherzigen, als wollten wir uns durch ihre Befolgung erst deS Empfangs der Taufe würdig machen, um die verminderte oder Verlorne Gnade derselben durch den würdigen Empfang deS Bußsacramentes wieder zu erhalten! — Der Apostel Paulus sagt: „Wisset ihr nicht, daß wir Alle, die wir in Christo Jesu getauft sind, in seinem Tode (daß auch wir der Sünde absterben sollen) getauft worden sind? Wie ChristnS von den Todten auferstanden ist, sollen auch wir im neuen Leben wandeln" (Rom. 6, 3. 4.). „Ihr Alle, die ihr in Christo getauft seyd, habt Christum angezogen" (Gal. 3, 27.). Jesum Christum ziehen wir nur dann an, wenn wir die heiligen Gesinnungen Jesu annehmen, und, wie er, ein heiliges Leben führen. Daher schreibt der Apostel an die Epheser, welche die heilige Taufe empfangen hatten: „Seyd also Nachahmer Gottes. Unzucht und jede Unreinigkeit, oder Geiz werde unter euch nicht einmal genannt, wie es Heiligen geziemt, noch komme vor unkeusche Reden, Zotten und Possen. Denn daS sollet ihr wissen und wohl bedenken, daß kein Unzüchtiger oder Geiziger einen Erbtheil am Reiche Christi und GotteS habe" (Eph. 5, 1—5.). „Die Christo (durch Nachfolge) angehören, kreuzigen ihr Fleisch sammt den Lüsten und Begierden" (Gal. 5, 24.). Wie JesuS von den Weltfreuden dachte, lehren folgende Worte: „Hütet euch, daß eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Nöllerei, Trunkenheit und irdische Sorgen und jener Tag euch plötzlich überrasche" (Luk.2l, 34.). „Weh euch, ihr Reichen! ihr habt euren Trost! Weh euch, die ihr gesättigt seyd (die ihr eure irdischen Wünsche immer erfüllt seht, alle Weltverguügen genießet), ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lachet (und tanzet im Genusse der Welt); denn ihr werdet trauern und weinen (in der Hölle). Weh euch, wenn euch die (Welt)-Menschcn loben" (Luk. 6, 24-26.). Der heilige Apostel Petrus ermähnte die Christen mit diesen Worten zu einem heiligen Wandel: „Ergebet euch nicht mehr den Lüsten, wie vorher in eurer Unwissenheit (als Heiden), sondern wie der heilig ist, der euch berufen hat (durch die Taufe), so sollet auch ihr heilig werden in eurem ganzen Wandel" (1. Petr. 1, 14. 15.). Um sie noch mehr dazu zu bewegen, erinnerte er sie an den großen Gerichtstag und an die Verbrennung der Erde durch das Feuer, und setzte dann hinzu: „Da diesem Allem eine Zerstörung bevorsteht, wie sehr sollt ihr euch bestreben, im heiligen Wandel und in Gottseligkeit zu leben" (2. Petr. 3, 11.). Um wie viel mehr sollen dieß wir thun, da wir der Ankunft des Antichrists, dessen Lehre vom Genusse der Welt ohne Selbstverläugnung von seinen Vorgängern 22V schon verkündet wird, dem allgemeinen Gerichtstage lind der Verbrennung der Erde durch das Feuer, nach HolzhanserS Erklärung der Offenbarung JvhanniS unv des AbteS Charbonnel, und einer Offenbarung über Frankreich von Orwals (Passau, Ambrosische Buchhandlung 18-18), schon sehr nahe sind! Nach dieser Offenbarung, die seit mehr als fünfzig Jahren in Erfüllung ging, werden bis 1857 oder 1858 furchtbare Kriege und ein Zustand großer Verwirrung entstehen, zuletzt dic Stadt Paris durch Feuer ganz zerstört werden. Unter dem Herzoge von Bordeaux als König von Frankreich wird dann 13'/z Jahr Friede herrsche», England und drei Fürsten und Könige werden zur katholischen Kirche zurückkehren, di/ herrlich zur Stärkung auf die hierauf wiederkommenden letzten LeidenStage blühen wird. Um das Jahr 1885 werden der Antichrist, Enoch und Elias erscheinen und hierauf wird das Weltende erfolgen. ^) .^.'!!<-W nnill NWiM!'...-? -1.7'.: 'ZIIU Sinlü-W '-.' '! .^!ki!i7,,tt M(i DaS Haus selbst ist besonders nach der Straßenseile nicht schön; es besteht aus einem ganzen System von kleinern, nach und nach zusammengekauften Gebäuden und Höfen; aber ein großer schöner Garten, der in Terrassen nach der Moselseite hinunter sich ausbreitet, rundet das Ganze ab und gewährt den Raum zu einem neu und planmäßiger zu erbauenden Hause. In der freundlichen Hauscapelle, worin etwa 200 Personen Platz haben, kann der ersten heiligen Messe auch der auswärtige Besucher auf einer Emporbühne beiwohnen. Da wird er, bevor die Kinder in langer Reihe zwei und zwei unten eintreten und nach der Verbeugung vor dem Altare die Räume und Bänke in der Mitte ausfüllen, auf beiden Seiten an den Wänden die Damen und Schwestern noch im Absingen ihres ersten Officiums begriffen finden und er wird glauben, aus den abwechselnden himmlisch reinen Stimmen den Chor der Schutzengel nachklingen zu hören, welche die Nacht hindurch die Schaar der Kinder in unschuldigem Schlummer in ihren weiten Schlafsälen behütet haben. Während der heiligen Messe wird auch von den, Kindern gesungen und an Sonn- und Festtagen die Orgel gespielt. Den übrigen Tag kindurch wechseln in öftern kurzen Zwischcn- räumen die halbstündigen Unterrichtögegenstände mit den vollen Stunden, welche zur Vorbereitung, zu weiblichen Arbeiten, zu Musik und Zeichnen oder zu andern Privat- stunren bei städtischen Lehrern bestimmt sind, sodann mit den Erholungen und den vier täglichen Mahlzeiten. Was man von der Verwandtschaft des weiblichen Ordens vom heiligen Herzen Jesu mit dem männlichen der Gesellschaft Jesu so häufig hört, erscheint äußerlich besonders in der großen, frischen und unermüdlichen Thätigkeit, welche verbunden mit den innigsten Uebungen deö innerlichen Lebens das eigene 227 „Selbst" und „Ich" ganz vergessen, für andere zu leben und in diesen jugendlichen Andern den Heiland zu bedienen, zu ehren und immer zu lieben lehrt. Außer dieser gleichen Widmung für die Erziehung der Jugend besteht zwischen bciven Orten weder in Metz noch anderwärts eine engere Verbindung. Die Väter linsen nicht einmal die regelmäßigen Beichtväter der Damenklöster seyn, sondern nur die jährlichen geistlichen Uebungen für die Zöglinge sowohl als für die Klosterfrauen selbst halten. Der Hausgeistliche oer Anstalt wirv von dem Bischof auö den Weltpriestern und zwar unter vielen sorgfältig gewählt und eigens angestellt. Nur in katholischen Ländern, wo auf die Frage: „wozu bist du erschaffen?" einfach und frisch geantwortet wird: „um Gott zu erkennen, zu lieben und zn dienen;" nur in katholischen Familien kann der Begriff eines weiblichen religiösen LebenslaufeS, kann dessen Erkenntniß und Fvlgeleiftung eine rücksichtslose Geltung haben. Der abstracle Beruf zum Unterricht ist allerdings nicht häufig, nicht unmittelbar und selbstständig in die weibliche Natur gelegt; er läßt sich auch weder erzwingen noch andichten. Aber es ist auch nicht der abstracte Beruf zum Lehrfach, sondern der lebendige Ruf des Herrn zu seinem eigenen Dienste, zu dem Dienste in seinen Kindern, denen ihr Erbthcil, das Himmelreich, offen gehalten werden soll, es ist die unwiderstehliche Stimme des guten Hirten, der die liebende Seele bei ihrem Namen ruft, daß sie aus Dankbarkeit für das eigene Glück der Erkenntniß, ohne Zögern, mit dem freudigen Opfer von Schönheit und Jugend auch andern zeigen muß, Gott zu erken-- nen, zn lieben und zu dienen, sobald, so weit und so wie er es gerade will. Wenn dann auch die innern und äußern Kämpfe nicht mit einem Male weggenommen sind, so findet doch jeder Erdensieg schon hier seine Himmelskrone, uuv ein Heimweh zurück mich der überwundenen Welt ist unerhört. Hier werden zahlreiche Stimmen aus der Welt, auS der überwindlich gebliebenen Welt vielleicht einwerfen: „Aber der Beruf der Mädchen ist das Hcirathen und die Familie; Nonnen zu werden ist für sie nicht natürlich; wie kann man auch seine Töchter solchen der Welt unkunvigen Nonnen anvertrauen, die wahrscheinlich ihr Möglichstes thun werden, ikncn künstlich gleichfalls diesen Beruf aufzudrängen?" Auf den ersten Einwurf ist nicht viel Anderes zu erwidern, als daß die hier angerufene Natnr, welche übrigens die Bestimmung der Menschen nicht gleich, sondern mannigfaltig erscheinen läßt, nicht das höchste Gesetz ist in den Augen von Christen, deren eigentliche und letzte Bestimmung vielleicht eine übernatürliche ist; daß auch die wahre christliche Ehe eine übernatürliche Weihe nnd Ergebenheit, also eine Vorschule verlangt, wodurch die eigenwillige Natnr gebrochen wirv, und daß endlich die unfreiwillige, ungeweihte Ehelosigkeit der auf's Heiralhen allein abgerichteten und vertrösteten Mädchdn eine wachsende trostlose Plage der Gesellschaft wird. Solche Eltern, welche einen religiösen Beruf ihrer Töchter überhaupt für unzulässig oder für ein Unglück halten, mögen allerdings wohl daran thnn, sie nicht in die Lage zu setzen, die 'Stimme des guten Hirten zu vernehmen und das ernste, doch so liebevolle Vorbild seiner Bräute täglich vor Augen zu haben. Für schwankende Gemüther möge jedoch der zweite Einwurf hier einer bestimmtern Beruhigung begegnen. Abgesehen davon, daß das beschauliche Leben den Geist und dessen Thatkraft durchaus nicht schwächt und daß auö solcher Schule, wie leicht nachzuweisen, schaffende Geister vorzugsweise hervorgehen, sind die Vorsteherinnen der Erziehungs- klöster der Welt so wenig unkundig, daß sie den Eltern oft auf den ersten Blick ansehen oder am ersten Brief durchfühlen, in welcher irdischen oder ge stigen Luftschichte sie leben; auch nehmen sie wie natürlich auf bestimmte Familienverhältnisse und besondere Wünsche gern alle Rücksicht, da ja sonst wiederholte Klagen dem Kloster, als Erziehungsanstalt, das Vertrauen weit und breit entziehen würden. Aber es ist anch in der That die Gefahr nicht groß, daß die Bäume in den Himmel wachsen, und nicht allein, daß der Beruf mit dem vollen guten Willen schwer und selten ist, auch dem guten Willen fehlen oft noch die Fähigkeiten, so daß manche jnnge Postulantin nach wenigen Tagen verzichten muß, unter den Novizen aber weit mehrere als nicht bc- SS8 fähigt entlassen werden, als aus eigener Enttäuschung zurücktreten. Wenn die Novizen nach zweijähriger Prvbe in den Noviziaten zu Paris oder Kinzheim (in der Nähe von Colmar) ihr erstes Gelübde auf sechs Jahre abgelegt haben und eingekleidet sind, werden sie nach Maßgabe ihrer besondern Eigenschaften durch die Generalvbcrin in eines der 6V Häuser abgesandt, wo sie dann als Damen ihre Nummer in der Gemeinschaft uud ihre Verwendung im Pensionate von der örtlichen Oberin erhalten und die Mauern der neuen Heimat nicht wieder verlassen, als mit dem Tode oder durch Abberufung und Versetzung in ein anderes Haus, was zuweilen sehr plötzlich geschieht. Als Unterlehrerin unter der steten Leitung älterer Damen macht die Ncu- eingetretene dann ihre ersten praktischen Proben; sie erhält nicht einmal eine eigene Zelle, da sie als Aufseherin in einem der Schlafsäle zubringt, und die Lossagung von aller Gewohnheit des Eigenthums geht so weit, daß während Kleidung und Wäsche nur von der Gemeinschaft verwaltet und herausgegeben wird, die Klosterfrauen, welche noch keine eigene Zelle habe», keinen andern Ort als ihre Schlafstelle, auch zur Aufbewahrung ihres Gebetbuchs, als ihnen eigen benutzen können. Aber mit welcher bewundernden Aufmerksamkeit, mit welcher Rührung werden solche kleine Züge von den Kindern, welche oft nicht viel jünger sind, als ihre Vorbilder, beobachtet und durch liebevolle Folgsamkeit belohnt; die Entdeckung einer einzigen schweren, doch stillen Entsagung wirkt oft tiefer, als sonst die Lehre einer ganzen Woche. (Fortsetzung folgt.) Das hundertjährige Jubiläum der Hofkirche in Dresden. Dresden. Am Sonntag den 29. Juni feierte die hiesige katholische Gemeinde das hundertjährige Jubiläum der Einweihung ihres herrlichen Gotteshauses, der königl. katholischen Hof- und Pfarrkirche, dieser Zierde unserer freundlichen Stadt. Die Geschichte dieses prachtvollen Tempels muß jeden katholischen Christen mit dem innigsten Danke erfüllen gegen den Gründer desselben, der dieses Denkmal seiner Frömmigkeit so prachtvoll ausstattete, gegen dessen Nachfolger und alle Glieder des königl. Hauses, welche zur Herstellung und Erhaltung eines würdevollen Gottesdienstes in demselben unablässig beitrugen, gegen den König, welcher erst bei der jüngsten Restaurirung des Innern der Kirche für die Ausschmückung der Altäre, Capellen u. s. w. die größten Opfer brachte, aber auch gegen die Regierung, welche zu dieser Erneuerung einen nicht unansehnlichen Beilrag aus der Staatscasse bewilligte. ES war also diese Jubelfeier recht eigentlich ein Fest, an welchem die Dresdener katholische Gemeinde ihren Dank und ihre Freude an den Tag zu legen halte, und von diesem Grundsatze scheint die Festordnung ausgegangen zu seyn, welche der hochwürdigste Herr Bischof entworfen hatte. Ihre Majestäten, der König und die Königin, so wie die übrigen in Dresden anwesenden hohen Mitglieder der königl. Familie nahmen in ihren Oratorien an der Feierlichkeit Theil, der Hofstaat befand sich in den südlichen Logen der Kirche, in den nördlichen wohnten der Feierlichkeit, welche von Morgens 10 bis 12 Uhr dauerte, als eingeladene Gäste bei: die Herren Minister, viele Herren Officiere, Räthe der höbern Kollegien, und im Namen des Stadtrathes von Dresden, welcher ein sehr entsprechendes Glückwunschschreiben geschickt hatte, Herr Bürgermeister Ritter :c. Pfotcnhauer. Die Feierlichkeiten begannen mit einer großen Procession, welche, nachdem sie am Hauptporlale die Ankunft deS hochwürdigsten Herrn Bischofs erwartet hatte, sich durch die ganze Kirche an alle Altare bewegte, vor denen die üblichen Ceremonien stattfanden. Die Spitze der Procession bildeten in sür das Auge höchst wohlthuender Weise die weiblichen Zöglinge des hiesigen katholischen Stiftes, dann Mädchen aus den andern katholischen Schulen, weiß und grün gekleidet; — zwei von ihnen trugen je ein weißes grüneingefaßtes AtlaSkissen, auf deren einem sich „Worte des Dankes" ein Gedicht im Namen der Gemeinde Sr. Majestät dem Könige gewidmet, welches 229 dasselbe Kind später mündlich an Se. Majestät richtete, auf deren andern, sich der NamenSzug Sr. Majestät in Blumen befand. Ihnen folgten Knaben, dann die Lehrer der hiesigen katholischen Schulen, und zwischen dem bisher genannten Theile des Zuges vier prachtvolle Fahnen. Den Lehrern folgten die Kirchen- und Schulväter, dann zwölf besuchende, hiesige und fremde Priester, ihnen die zehn amtirendcn Geistlichen, endlich der hochwürdigste Herr Bischof; den Schluß machten eine Anzahl durch Karten besonders eingeladener Honoratioren der hiesigen katholischen Gemeinde, in erster Reihe Se. Erlaucht Graf Kuefstein, k. k. österr. Gesandter am hiesigen königl. Hofe. Ein feierlicher Choral, comp. vom Kapellmeister Reißigcr, begleitete den ersten Theil der Feier. Nachdem der Zug am Hochaltare angelangt war, leitete ein Lied die Predigt ein. Der hochwürdigste Herr Bischof hielt die Predigt selbst über den Tert: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren," und bewährte dadurch von Neuem seinen langjährigen Ruf als ausgezeichneter Kanzelredner. Der Predigt folgte ein zu dieser Feier vom Kapellmeister Reißiger besonders componirter Festgesang, ausgeführt vom Sängerchore der königl. Hofkirche. Während desselben verfügte sich der hochwürdigste Herr Bischof an den Communionaltar, legte dort die kirchlichen Gewänder an, schritt zum Hochaltäre und stimmte dort das herrliche Hasse'sche Te Deum an, nach dessen meisterhafter Ausführung durch die vollzählige königl. Capelle ein feierliches Hochamt folgte, welches durch zahlreich assistirende Priester (23 im Ganzen) in ihren herrlichen Gewändern einen besonders erhabenen Charakter gewann. Der hochwürdigste Herr Bischof war während der Feier mit demselben goldenen Kreuze geschmückt, welches dem Dechant von Bautzen Wosky von Bärenstamm vor 100 Jahren zur Einweihung der Kirche von der Königin Josephine geschenkt worden war. Dem Hochamte folgte eine ebenfalls von Reißiger componirte Musik, und den Schluß der ganzen schönen Feierlichkeit, welche unter außerordentlich zahlreicher Theilnahme stattfand, bildete ein Gebet, für Se. Majestät den König und das ganze Königshaus verrichtet, worein gewiß nicht nur jeder anwesende Katholik, sondern jeder Sachse mit voller Seele einstimmte. (Fr. S.-Z.) Urtheil eines Generals über Josepbinische Zustände. Der ritterliche und geniale Fürst Friedrich Schwarzenberg (gegenwärtig k. k. General) welcher sich auch in der deutschen Literatur durch sein Werk: AuS dem Wanderbuche eines verabschiedeten Lanzknechtes einen bedeutenden Ruf erworben, hat jüngst den zweiten FaScikel seiner „Antediluvianischen Papierschnitzel" (von 1842 bis 1847) als Manuscript für Freunde drucken lassen. ES sind in die- sein Bande auch Aphorismen enthalten, welche für ein katholisches Lescpublicum um so interessanter seyn können, da sie von einem Cavalier und Soldaten herrühren. Wir wollen hier einige folgen lassen: „Die Josephinische Epoche sollte dem Demokraten d. h. Volks mann, noch verhaßter als vom Standpuncte des Aristokraten erscheinen. Dem Aristokraten griff sie nur an den Beutel, — dem Volke an daS Herz, denn im Herzen des Volkes klingen zwei Stimmen vernehmlich, es ist die Muttersprache, d. h. die Sprache, welche die Mutter zum Kinde sprach, — dann die Worte, mit welchen der Priester ihm Trost und Hilfe von Oben zusichert. Wer diese beiden Zungen aus dem Halse reißt, ist ein Hochverräther am Volke, Nationalität und Kirche, — Glaube an seine Race und seinen Gott sind Heiligihümer deö gemeinen Mannes. Der sie ihm raubt, versündigt sich mehr an ihm, als an dem Fürsteil und Grafen, dessen Wappenschild er in den Staub tritt. Ich will nicht eben behaupten, daß ich täglich in die Frühmesse gehe, und noch weniger, daß ich nicht zuweilen gerne ein Glas Champagner mit Accompagnement einer Trüffelpastete zu Leibe nehme. Würde man mir aber verwehren wollen in die Messe zu gehen, und mich zwingen täglich Champagner zu trinken und Pasteten zu essen, ich spränge beim Dach- 230 ftnster hinaus, lim in die Kirche zu laufen, und man müßte mir die Zähne aus- brcchen, um mir den Champagner einzugießcn und die Pastete in den Hals zu stopfen. — So kömmt mir aber die Joscphinische Epoche vor, — und noch dazu war es mit dem Champagner und den Pasteten auch nicht so ganz richtig, und die Herren Philosophen hatten allerhand Teufelsdreck und Laugensalz beigemischt, welches sie nicht, wie bei der Hochzeit zu Canaan, zu trinkbarem Wein zu verwandeln verstanden." „Wenn Mehemed Ali, dem als Türke und Moslemin wenig an der egyptischen Vorzeit liegen kann, eine Pyramide in einen Kavallerie-Stall verwandelt, oder die Asche einer Nekropole in die Lüfte, streuen läßt, so schreit ganz Europa: Anathema! über den Barbaren. Wenn aber nach den Josphinischen Verordnungen Kirchen und Klöster, welche als ehrwürdige Monumente unserer eigenen Vergangenheit in die Gegenwart hineinragten, zu Casernen und Zuchthäusern verwandelt, wenn die Asche unserer eigenen Kaiser und Helden, — eines Niklas Salm z. B., — ja jene der Babenberger und sogar Habsburger, — (wie in der Karthause zu Gaming in den achtziger Jahren) :c. :c. ic. in die Lüfte gestreut und der Vergessenheit übergeben wurden, so findet man Fortschritt und lobenswerthe Sanitäts-Obhut darin!" „Es gab eine Zeit, in welcher die Fechtenden, — die Männer deS Schwertes, — die Männer deö Pfluges und des Gewerbes regierten, weil sie die Stärkern waren, aber sie selbst standen unter der Vormundschaft der Kirche, — (der Männer deS Geistes, oder vielmehr der Seele, — der Geistlichen.) — Damals bezeichnete das Chorhemd und die Eisenrüstung die Führer der menschlichen Gesellschaft. Da kamen die Klugen, — die Männer der Feder, — und sie besudelten das Chorhemd mit Galle und Schmutz, bis es in Fetzen zerfiel, und bis in dieser Lauge auch der Stahlpanzer vom Rost zerfressen warv; und seitdem ist der Purpurmantel, das Pallium und die Rüstung zum Kostüm, zum Theateranzug geworden, und eS regieren die Leute im schwarze» Frack, — die Schreibenden! — Die Leute aber ohne Chorhemd, ohne Panzer, ohne Frack, — die Leute, die arbeiten, und eben deßwegen meistens blos in Hemdärmeln functioniren, — haben keine große Veränderung dabei erlebt, und schwitzen dabei auch im Hemde genugsam, ohne gerade die obenbenannten Habite besonders dazu zu benöthigen, sollen aber jetzt mitfechten, mitdenken, und zur Noih mitlesen und mitschreiben. Mit der Zeit werden Andere, welche blos fechten, und eS darin zur Superiorität gebracht haben, sich wieder vereinigen, und die blos Denkenden oder blos Arbeitenden, die eS natürlich nicht mit ihnen aufnehmen können, wieder unter das vorige Joch bringen. Die Schreibenden werden argu- mentiren, aber die Fechtenden dagegen decidiren, bis sie ermüdet vom Kampf und zuletzt vom Sieg wieder deu Schreibern Platz machen werden." „Wo aber werden dann die Geistlichen herkommen, welche nach den Blut- und Tinte-Kämpfen die Aufgabe des VersöhuenS, Trösteus und Mildernö übernehmen werden?" „Die Kirche, das große Spital für alles irdische Leiden und allen Jammer, der weite Verbandplatz für Wunden, Schmerzen und Erdenkämpfe, wird zerstört und verwüstet seyn, der Dämon deS Unglaubens wird vor ihrer Schwelle stehen, und der kämpfenden, sich zerfleischenden Menschheit nichts lassen als daS trostlose Hinscheiden der Verzweiflung!" „Seitdem die Welsen und Gibellinen, Kirche und Staat, sich feindlich gegenüberstanden, ist das christliche Reich, — die Christenheit zerfallen, und die Könige und Regierungen haben die Revolution, — ich meine die große, wahrhaft diabolische, — eben so befördert, — namentlich im Z7ten und 18ten Jahrhundert, — alS später die Lonvention rmtionslk: und ihre Blutmänner." „Ein Mensch ohne Religion ist nichts mehr und nichts weniger als ein böser fleischfressender Äffe." „Man kann nicht durch reine administrative Formen das eigentliche Wesen 231 christlicher Institutionen ersetzen. Hunderte von Armenvätern und Tausende von Bettelvögten ersetzen noch keine heilige Elisabeth oder FranciScus de Paulo! DaS ist eben die Wesenheit der christlichen Charitas, daß sie nicht durch den Staat, sondern durch die Individuen, oder die sie anSschließlich repräscn- tirende Kirche ausgeübt werden muß." Ilr Knoblecher. Brixen, 9. Juli. Der Missionär Jgnaz Knoblecher kam heute früh auS Innsbruck hier an. Er wurde von unserm hocbwürdigsten Fürstbischof, dem die Gründung der Missionsstation in Chartum viele Freude macht und große Hoffnungen für die armen Neger einflößt, mit besonderer Freundlichkeit empfangen, und mit einer glänzenden Gabe entlassen. Er besuchte auch die Domherren, von denen er gleichfalls schöne Geschenke erhielt. Es gingen aber in unserer Bischofs- und Kreisstatt auch noch weitere namhafte Beiträge für ihn ein, z. B. 36 fl. von unsern Theologen im Seminarium. Leid war es uns aber, daß wir diesen merkwürdigen Mann in seinem orientalischen Anzüge nur wenige Stunden sehen und hören konnten. Um 1 Uhr setzte er seine Reise nach Rom fort, und nahm unsere heißesten Segenswünsche zu seinem großen heiligen Werke mit. ES war uns außerordentlich angenehm von ihm zu hören, daß unser Kaiser und die Minister die Mission unter ihren besondern Schutz nehmen, und daß sich in Wien ein Comite unter dem Protektorate des Cardinais Schwarzenberg zur Unterstützung derselben gebildet habe, welches auch die aus Chartum einlangenden Berichte über den Fortgang der Mission von Zeit zu Zeit veröffentlichen werde. Knoblecher, ein Landsmann deS berühmten Missionärs Barraga in Amerika, ist in Unterkrain zu St. Canzian in der Diöcese Laibach im Decanate St. Marein am 6. Juli 1819 geboren. (K. Bl. a. T.) Mission in Gernsbeim. Am Sonntag (13. Juli) Abend wurde die hier gehaltene Mission unter den größten Feierlichkeiten beendet. Sie nahm am 28. Juni deS Nachmittags ihren Anfang und wurde gehalten von dem hochwürdigsten Bischof von Mainz selber, von dessen hochwürdigem Bruder, dem Freiherrn Richard von Keitel er, dem Pater Schlosser aus der Gesellschaft Jesu, zu denen in den drei letzten Tagen noch der Pater Ketterer auS derselben Gesellschaft hinzu kam. Am Sonntag war der Zu- drang zu den Missionsprcdigten ein sehr großer, der dnrch die vielen Processionen, die von allen benachbarten Orten herbeikamen, noch verstärkt wurde. Mau sah sich deßhalb des Mittags genöthigt, da die Kirche in Gernsheim die Menschenmasse zu fassen nicht im Stande war, nach Einsiedeln zu pilgern, um dort die beiden Nachmittagspredigten im Freien abzuhalten. Das Wetter begünstigte diese großartige Procession. An den beiden folgenden Tagen entsprach der Besuch der Predigten nicht den Erwartungen der Herren Missionäre. Es waren hieran eines Theils die Heuernte, die sich freilich nicht gut verschieben ließ, andern Theils die Vorbereitungen zu dem WallfahrtStagc, der in diesem Jahre auf den 2. Juli, Mariä Heimsuchung, gesetzt war, Schuld. Doch schon am Vorabende vor diesem schönen Feste sah man die Kirche angefüllter. An dem Fest- und Wallfahrtstage selber strömte eine ungeheure Menschenmasse, größtentheils in wohlgeordneten Processionen, die von den Pfarrgcistlichen geleitet wurden, zusammen. Man hatte dieses schon vorhergeschen und daher festgesetzt, daß daö Hochamt und alle drei Predigten vor der Wallsahrts- Capelle CinsieDeln abgehalten werden sollten. Die Menschenmenge wurde auf 10 bis 12MV angeschlagen. Damit alle, die die heiligen Sacramente zu empsangcn wünschten, hierzu hinreichende Gelegenheit fänden, wurde von den Missionären in der Kirche 23S zu Gernsh'.'im, von den andern zahlreich herzugekommenen Pfarrgeistlichen an dem Wallfahrtsorte, wo im Freien viele Beichtstühle aufgeschlagen waren, von des Morgens vier Uhr an Beicht gesessen, mehreren Tausenden wurde die^heilige Communion gcsvendet. Der hochwürdigste Herr Bischof hielt die erste Predigt und bewies darin mit seiner gewohnten Beredsamkeit die Gottheit Jesu Christi; ihm folgte deS Nachmittags zwei Uhr sein hochwürdiger Bruder, der die Nothwendigkeit der Beichte darthat und um vier Uhr betrat der hochwürdige Pater Schlosser die Kanzel, um den zahlreichen Zuhörern recht eindringlich die Verehrung der heiligen Mutter Gottes anS Herz zu legen. Bon diesem Tage an nahm die Mission eine andere Wendung. Es war an demselben viel gebetet und die Mission ganz besonders unter den Schutz dieser großen Himmelskönigin gestellt worden, zu der man nie umsonst seine Zuflucht nimmt. Dieses sah man bereits am andern Morgen, wo die geräumige Kirche zu GernSheim, auS der man zudem alle Bänke, um mehr Platz zu gewinnen, entfernt hatte, schon bei der ersten Predigt ganz angefüllt war; die Beichtstühle fingen an umlagert zu werden, besonders der des vielgeliebten Oberhirten, welcher auch von vier Uhr Morgens an, gleich nach seiner heiligen Messe, bis zum Abend (wenige nothwendige Erholungsstunden abgerechnet) in dem Richterstuhle der Buße thälig war, aber desungeachtet seine Beichtkinder alle zu hören nicht im Stande war. Von dieser Zeit an bemerkte man ebenfalls, wie die Leute sich nicht mehr damit begnügten, die Mission sehr schön zu finden und sie anzupreisen, sondern wie sie allmälig in sich gingen und an sich die ernste Frage stellten: Wie steht eS mit dir? Wie siehts mit deinem Seelenheile aus? daher dieser feierliche Ernst, der auf den Gesichtern Aller zu lesen war. Einen besonders günstigen und tiefen Eindruck machten die feierliche Wiederversöhnung, die in der Kirche vor dem ausgesetzten Allerheiligsten unmittelbar nach der Predigt über die Feindesliebe vorgenommen wurde, die Abbitte vor dem hochwürdigsten Gut wegen all der Unbilden, die dem göttlichen Heiland in dem hochheiligen Sacrament zugefügt worden sind und noch tagtäglich zugefügt werden, die Erneuerung der Taufgelübde und endlich die Einweihung des großen MissionS- krenzes, welches am Sonntag Nachmittag gegen vier Uhr in großer Processivn von 200 Jünglingen von der Kirche zum Gottesacker abwechselnd getragen und dort aufgepflanzt wurde und darauf folgende Schlußpredigt, in der die versammelten Zuhörer zur Beharrlichkeit nochmals und sehr eindringlich aufgefordert wurden. (M. S.-Bl.) Mainz. Mainz. Eine besondere Feierlichkeit war unlängst mit der in unserer Liebfrauen- (Seminar-) Kirche stattfindenden Muttergottesandacht verbunden. Die seit längerer Zeit bereits hier wohnende Gräfin Jda Hahn-Hahn hat nämlich ein goldenes, aus ihrem abgelegten Geschmeide verfertigtes Herz der heiligen Muttergotteö zum Weihgeschenke dargebracht. Sie übergab es der Bruderschaft vom heiligen Herzen Maria, damit es diese dem Gnadenbilde der Liebfrauenkirche als Gabe der ganzen Bruderschaft widme. Das ist am erwähnten Tage durch Herrn Domkapilular Lennig, als Präses der Bruderschaft, in der Weise geschehen, daß derselbe an diesem Abende nach gehaltener Predigt über die Worte „Ave Maria" von der Kanzel herab auf das geschenkte Herz, welches dem Gnadenbilde der seligsten Jungfrau zum erstenmal war angelegt worden, Bezug nahm. Ehre der Geberin, die seit ihrem Verweilen in unsern Mauern sich stets als eine milde Wohlthäterin und eifrige persönliche Pflegerin der Dürftigen bewiesen hat, überall, wo zu einem guten Werke Gelegenheit gegeben ist, mit regster Thätigkeit voransteht, und'auch hier wieder einen Beweis ihres edlen Sinnes, ja gerade hier einen Ausdruck dessen, was, ihr Inneres erfüllend, sie zu jeglichem guten Werke kräftigt und begeistert, gegeben hat. (K. Sbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ^ zur Augsburger Pojheitung. itj ',,^1lU. 27. Juli 3V. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 40 kr., wofür es durch alle königl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Was das Mährchen von Oskar v. Redwitz uns Schullehrern erzählt.*) „Und ach! vor Allem die Mütter ich bitt', Ich bitt' sie drum aus ganzem Herzen: Bringt doch auch ja die Kindlcin mit! So bittet in zarter Weise der Mährchenerzähler die heiligen Sonnen der Kinderwelt zu sich, um ihnen sein Mährchcn vom .Waldbächlein und' Tannenbaum zu erzählen. Ja Mütter! kommt heran mit Euren Kindlein und vernehmet, welch' schöne Mähre der Dichter Euch singet! Der Tannenbaum ist Euer ewig grüneS Herz, das Euch die Gottheit in den Busen gelegt hat und daS nur dann nicht Thaten vollbringet, wenn Ihr es nicht kennet. Würdet Ihr kennen, wie edel und erhaben Euch die Gottheit geschaffen, würdet Ihr den Segen und den Adel wissen, der in Eurer Seele liegt, Ihr würdet stolz seyn, daß Ihr wie der Tannenbaum über Eure Pfleglinge wachen dürfet. Und sehet: der liebliche Sagensänger sagt eS Euch — unv wie zart, wie lieblich und doch wie kräftig! Des Morgens in der frühesten Stunde, Da schüttelt er sacht mit weichem Munde Den Himmelsthau zum Fclsenbcckcn, Dc« jungen Brünnlcins Aug' zu klären, Und ihm des Lebens Kraft zu nähren. Das seyd Ihr, Mütter, wenn Ihr des Morgens das geweihte Wasser über Eure Lieblinge schüttelt und mit dem Kusse Eures Lebens Leben ihnen einathmet. Da gab cö wegen der Sonncnglut Alltäglich wieder neue Sorgen. Was gab er sich nicht da für Mühe Und bog darüber sein dichtes Reis, Daß ja kein Mittagsstrahl zu heiß In seinen frischen Spiegel glühe. Welch herrlich Bild der Mütter! Wird eS dem Kinde zu heiß, ein kühlend Dach birgt es vor den Sonnenstrahlen, über des freundlichen Engels Haupt errichtet von der Mutter. Und also singt das Mährchen fort: Die Blumen all' und Vögc- lein ruft der Tannenbaum zusammen, um sein Brünnlein, das er sich zu Füßen gelegt, zu schützen, zu erheitern, zu erlustigen. DaS sind die feinen geheimnißvollen Künste alle, die die Mutter sucht und in sich findet, um ihrem Kinde Daseyn und ") Aus dem „Organ des Berc-'nS katholischer Schullchrcr in Bayern", welches pädagogische Blatt wir bei dieser Gelegenheit bestens empfehlen wollen. A. d. R. 234 Leben suß und wonnig zu machen. Und das Brünnlein, das ist das Kind, das aus dem Schooße der Mutter getreten, an ihrem Leibe hängt und klammert, so lange die Fuße eS nicht tragen, auch dann noch von der Mutter Hand nicht läßt, bis eS mit erkräftetem Fuße den Boden drückt und stampft und nun zum Selbstbewußtseyn kommt, daß es stehen könne. Da stellt eS sich auf und schaut als persönliche Selbst- heit stolz umher und steht nimmer ein, warum es sich führen und leiten lassen solle. ES tritt aus der Mutter schützendem Liebesarm und läuft hinaus in die Welt, vergessend aller Liebeserweise, die es zu Hause erfahren. Und die Mutter, sie fragt, Ist's für ein Kind im Muttcrarm Denn gar so arg darin zu ruh'n? und klagt: Vom Walde klang ein Klagen dumpf: Ums Bächlein rief der Tannenbaum. Doch daS Brünnlein Grub durch Gestein und Moos Sich links den Weg und macht sich los. Und mied den Weg zur rechten Hand. Bald aber kam eS in einen Strom, und endlich mußte eS bei einer Ucber- schwemmung mithelfen. Nachdem diese abgelaufen, lag es nun entblößt und zerrüttet da Die Sonne sank in blut'ger Pracht. Du arme Mutter, gute Nacht! O Bächlcin! Gott erbarm' sich Dein. Da schickt ihm aber der Tannenbaum einen Zweig, der das sehnende Kindlein zurückführt. Die Freude ist groß im Tanncnhaus. S' ist ausgcsehnt! s' ist ausgetrauert! So freut sich die edle sinnende Mutter, wenn ihr Kind aus der Fremde, die ihm Verführer war, reuend und sehnend zurückkehrt. Solche Lehre gibt der Sänger Amaranths den Müttern und Kindern im Mährchen. Dazu hat er sie zum Moossitze gerufen. Der Ruf ist aber weiter gedrungen, als des TannenbaumeS Gipfel schauen, er ist all' überall hingedrnngen, hat gut vernehmende Ohren getroffen, und Dieser hat Jenes und Jener sich Dieses abgelernt. Also will es der Dichter. Schon seh' ich vor mir Gast an Gast, Ich spring' vom Moos mit raschem Fuß: Sey mir willkommen, edle Schaar, So Mann wie Fräulein, Mutter, Kind! Darum bitten wir Lehrer den süßen Sänger, er möge auch uns horchen lassen am tiefen Sang, daß auch wir lernen vom Tannenbaum und Brünnlein. Bitten wir ihn, daß er zu uns sage: Komin' setz' sich traulich mir zu Füßen, 2ch lad' auch dich zum Horchen ein. Es ist uns zur große» Ehre, in der Reihe Platz finden zu dürfen; denn nicht nur „Jungherren" und „Jungfräiilein" sitzen in der Runde, sondern graue und ernste Häupter viel, die auf hohen Stühlen sich wundgesessen und im sanften MooS bei jungem Sang sich das Herz verjüngen wollen. Die manch' Brünnlein schon zur Ruhe und Ordnung gewiesen, die mancher Quelle den Todtensegen schon gegeben, sie sitzen all herum um den Tannenbaum und horchen still und stumm, und ihre Hand nimmt die Richtung zur Brust, um der Wahrheit Recht zu geben. Drum eilen wir Lehrer hin auch und hören wir, was da gesprochen wird. Es war einmal ein Tannenbaum, Der stand am dunkeln Bergcssaum Wohl viele hundert Jahre schon. 235 Einst lag umher ein todter Moor, Nicht Laub, nicht Blume sproß hervor, Nur Schierling wuchs und Schilf und Dorn Vom Tanncnbaumc treu umdacht, Von mächt'gcr Wurzeln Arm umfaßt, In tiefem Moosumblühtcn Schacht, Gar frisch ein junges Brmmlcin quoll; Noch war es nicht des Wassers voll. Was dem er that, das denkt ihr kaum! Ja sonder Rasten Tag und Nacht War um sein Brünnlcin er bedacht — Das treuste Mntterhcrz auf Erden Kann für sein Kind nicht sorglicher werden. Und sprach zu ihm mit frommem Wort Von seinem Lieben, seinen Sorgen, Und wie er sey sein Himmclshort, Bei dem allein es treu geborgen, > Bis eö des Wassers Fülle gewonnen. Dieß ist der AusgangSpunct und der erste Abschnitt des großen Drama'S, das daö Weltbrünnlein abspielt und mit sich abspielen läßt. Es ist aber auch der erste Abschnitt der christlichen Pävagogil. „Einst lag umher ein todter Moor." Die die Jugendbildung vor dem den Nebeln entstiegenen Tannenbaum Christus in Händen hatten, die jüdischen und heidnischen Familien und Staaten, konnten ihrer Thätigkeit das rechte Cnvziel und den rechten AusgangSpunct nicht setzen, und so blieb verworren und sumpfig das ganze Bilduugswerk. Während die Einen National- und Patriarchalstolz zur Frucht sich wünschten, glaubten die Andern, deS Menschen Bestimmung erreicht zu haben, wenn sie dem Körper eine schöne oder kräftige Form gegeben hätten. Daß die Gottheit allein und ihr Genuß der Begriff unsers Lebens sey, und in ihr die Welt erst gewonnen werden müsse, das war ihrem Geiste verborgen. DaS Brünnlein war verschüttet und seufzte tief unter Gestein und Schlamm Da zogen die Nebel von danncn und ein Tanncnbaum erschien in klarem Lichte, der Heiland der Welt. Er räumte das Gestrüpp vom Platze und zog daS armselige Quellchen zum Tageslicht, setzte ihm Gränze uud Rinnsal und blieb an dessen Ufer stehen, zur Wache, zum Schutze. Doch das Gestrüpp war des Teufels Werk und der Kampf gegen ihn endete mit deS Heilandes Tode — und Siege. Nun hat der Schützling guten Lebens genossen, mit dem Safte der Tanne ward er gesäftigt und getränkt. Der Erlöser, Mittelpunct der Welt, wird auch Mittelpunct der Bildung und Civilisation. Lange, viel hundert Jahre, ward dieß anerkannt vom Brunnen; deß sind Zeuge die ersten Christen. Ihnen war des Tannenbaumes Wort und Geheiß Gesetz; wie er eS andeutete, setzten sie ihren Kinvern Bilbungsziel und Bildungömittel — und befanden sich wohl dabei. Nicht haben sie jedoch in Höblen und Kerker ihre Kinder eingepfercht und der Sonne Licht ihnen entzogen, nur des „Wassers Fülle," daS volle Wissen des Glaubens, und die volle Kraft des kirchlichen Lebens ihnen vorher gegeben, ehe sie in die Welt und ihr Geschäfte sie entließen. DaS war die Zeit der katholischen Pädagogik. So hat man auch uns Lehrern allen, als wir noch in den Schülerbänken saßen, einen Tannenbaum zur Seite uns gesetzt. Die Lehre Christi und der Kirche ist uns eingegossen und der Religion segnende Mittel uns als Waffen mitgegeben worden. Wir waren brave hörende Kinder und nicht wahr? es war unS wohl! Wie süß ist die Erinnerung an unsere erste Communion, wie süß daö Gedenken mancher Lehre, die unS im Seminar gegeben und vor unS wohl schon durch das Leben bestätigt worden. Ja! eS ist eine selige Zeit, zu den Füßen christlicher Lehrer, zu den Füßen 236 des Herrn zu sitzen. Unser Herz bestätigt es, wenn auch der alberne Verstand es nicht einsieht. Darum Lehrer, macht diese Zeit den Kindern süß! Auch unter Eurer schützenden Obhut liegen solch glückliche Brünnlein, die ihr als Tannenbäume zu bewachen und zu beschützen habet. O schaut auf zu des MährchenS Tannenbaum, lernt es ab von ihm, wie solche Kinder zu lieben, zu bewachen, zu führen sind. Es ist ein hohes Ding ein solches Brünnlein! Sonst hätte der Mährchenbaum nicht also sehr bei Tag und Nacht Wache gestanden. Noch sind Eurer Pfleglinge Wasser nicht voll! Macht sie voll und mit rechtem Wasser! Gebt ihnen JesuS inS Herz, nicht in den Verstand! Hier wird er einst verloren, während er dort, wo deS Menschen wahr'stc und kräftigste Stelle ist, nur verdunkelt, nie vergessen werden kann. Ja! macht sie voll mit rechtem Wasser! Noch ist es Zeit, bald nimmer! Ich hör' das fremde Vögelein schon pfeifen! Darum eilt! Doch wie es oft so gehen mag, Da kam einmal vor'm früh'sten Tag Ein fremdes Vög'lein hergeflogen, Mit schillerndem Flaum, mit Schlangcnhaut; Das aber sprach mit lauerndem Blick: „O Brünnlein, wie jammert mich dein Geschick, Daß deine junge selige Zeit Du so verdirbst in Einsamkeit. Und daß dein blutjung freies Leben Für ewig willst gefangen geben An diesen alten Tannenbaum, Der dich ja doch nur darum liebt, Weil ihm dein Wasser das Leben gibt! DaS Wort ward gehört und der Sprecher nicht abgewiesen. Wohl kostete es harten Kampf, das Brünnlein vom Tannenbaum zu ziehen, allein es gelang. Der fremde Vogel hatte gesagt: Nun Brünnlein, nun ist's hohe Zeit, Jetzt oder nie wirst Du befreit! Ist frei dein Wille, so magst du's zeigen! DaS traf; das Selbstgefühl, der Stolz ward rege; das Brünnlein wollte zeigen, daß „frei sein Wille" und fiel. Es grub Sich links den Weg, und macht sich los; Und mied den Weg zur rechten Hand. Es wollte nur ein wenig zum Walde hinauögucken, und dann wieder umkehren zum Tannenbaum; allein Wie's in die Weite den Blick möcht senden, Die ferneste Ferne war wunderbar, Und wollte der Zauber sich nimmer enden > Da schwanden dem Bächlein die Sinne ganz. Der Tannenbaum war vergessen: es kehrte nicht zurück. Vom Walde klang ein Klagen dumpf — Um's Bächlcin rief der Tannenbaum. Die Pädagogik war lange zu den Füßen der heiligen Kirche gesessen, wohl gehütet und erfreut. Sie konnte sich in süßer Ruhe in sich erstarken und kräftigen. 237 Da kam aber vom 12ten Jahrhundert an ein fremdes Vögelein, Vorläufer des Protestantismus, uud Humanismus geheißen, und pfiff drei Jahrhunderte hindurch ein feincS Lied von Knechtung und Freiheit, von Dunkelheit und Licht; daS Brünnlein der wahren Menschenbildung hat lange dagegen gestritten und sich von ihm abgewendet; allein als das Vögelein im Höhne die Menschen kraft- und saftlos gescholten, da hielten diese nimmer zu des Tannenbaumes Wort, sondern zogen allmälig weiter und weiter vom alten Horte weg. Auch sie wollten nur ein paar sreie Blicke in die Welt werfen und dann Rückkehr nehmen zum guten Alten. Allein der Blick in Freiheit und Ungebundenheit war zu lockend und zu entzückend, als daß der letzte Schritt nicht gethan werden sollte. Und eS geschah. Die Reformation des löten Jahrhunderts hat die Pädagogik von der Kirche gerissen; diese hat die alte Mutter vergessen, auf eigene Faust im Leben sich gegründet; sie hat vergessen, ihr Wasser sich vorher zu füllen, ehe sie des Vogels Stimme erwogen. Von jenen Tagen schreibt sich , wie die Weltsärbung der Welt, so die der Pädagogik. Ob sie sich gut gebettet, soll daS Mährchen uns weiter erzählen. Und wie es die Zeit gemacht zu jeder Zeit, so auch die Menschen, so ehemals, so jetzt. Welch' reicher, schöner Quell ist des LehrerS Herz, wenn eS sich nährt an der Lehre Jesu, sich die Adern füllt mit seinem Blute. So hat eS vor wenig Jahren nicht übel ausgesehen um den Lehrerstand. Hatte er auch der Mängel manche in seinen Geist mit aufgenommen, die die Welt nach seinem Eintritte in dieselbe ihm eingeschmuggelt, so war das Gemüth noch frei geblieben und der Wille besonders war gut, rege und gelenk. Da aber kam der fremde Vogel auch und pfiff zu den kleinen Fenstern der allerdings gedrückten Männer hinein und rief ihnen zu: Ich sehe kein Brod in Eurem Haus! Kommt mit, kommt mit! Ich will's Euch geben! Eure Mädchen und Buben, sie haben kein Kleid! Kommt mit, kommt mit! Ich will sie schmücken! Der Pfarrer, der ist ein harter Herr! Kommt mit, kommt mit! Wir wollen ihn jagen! Kommt mit, kommt mit! Das war die lose Stimme der Emancipation und viele haben mit Aufmerksamkeit ihr gehorcht. „Der Hunger thut auch gar so weh! und die hohen Herrn sie leben so üppig. Wenn nur die Brosamen unser wären! mehr auch wollen wir nicht. Hält das Vöglein sein Wort und gibt uns mehr, gut dann! wir nehmen es nur in den Kauf. Wir folgen!" So sprachen Manche in Baden und am Rhein, „wohl hüben und drüben." Doch horch! ich höre einen Schuß! Wie schmiegen sich jetzt auch so traulich und zart die Kinderherzen an Euch, ihr Lehrer der Jugend! Doch hört ihr nicht schon manchmal so einen Pfiff, wie wenn er aus der Seele deS Kindes käme? und draußen vor den Schulfenstern, da schwirren der fremden Vögel so viele an den Häusern vorbei, setzen sich den Schulkindern aus die Schulter und singen ihnen in die Ohren: Glaubt nicht Alles, waS der Lehrer sagt! und viel, viel sagt er Euch gar nicht! Kommt mit, kommt mit hinter die Hecke, ich will Euch was gar Süßes sagen! Da länft so mancher blühende Knabe und manches vorwitzige Mädchen nach, und wenn sie aus dem Verstecke komme», trauen sie Euch nicht mehr ins Auge zu blicken. Lehrer! der Vogel hat gepfiffen! Gib Acht! gib Acht! Und erst, wenn die Schulbänke zerschlagen sind und die Knaben Buben, die Mädchen aber Dirnen geworden sino, dann singt der Vogel Tag und Nacht! am Felde, in der Scheuer, am Nocken und im Stalle! Und schauet um, wie viele dem Lockvogel die Thüre gewiesen? Keiner; er würde sonst nimmer mehr rufen. Ja! unsere Kinder sind schlimm, unsere Buben noch schlimmer! Gott lasse uns sterben, ehe sie Männer werden! Vom Walde klingt ein Klagen dumpf Uni's Bächlcm ruft der Tannenbaum, (Fortsetzung folgt,) 238 Katholisches Lebe» in einer französischen Provinzialstadt. (Fortsetzung.) Im Range und in der mannigfaltigsten Wirksamkeit aufsteigend, gelangen die guten jungen Damen zum großen Gelübde auf Lebenszeit, obgleich eS nur ein Beispiel gibt, daß das Opfer nicht beim ersten schon innerlich fürs ganze Leben gebracht war, — sie erhalten mit der Zeit den Ehrennamen von Müttern, und können Oberinnen in demselben Hause oder in einem andern werden; endlich können sie Provinzialen, also Aufseherinnen aller Häuser einer Ordensprovinz und Assistentinnen der Generaloberin seyn, deren vier mit der letztern die Regierung des Ordens führen. In jedem einzelnen Hause sind die Klosterfrauen noch unterschieden in Damen und Schwestern, welche letztere in der Kleidung kaum erkennbar, so viel wie in andern Orden die Laienschwestern sind und die niederen Verrichtungen der Hausordnung, des Kochens u. s. w. ausüben. In der Gemeinschaft stehen sich aber alle gleich und einer schlichten Laienschwester, einer besonders gotterfüllten Magd deS Herrn, werden in dem verborgenen Leben der Gemeinschaft Vorzüge eingeräumt, welche die Oberin sich selbst versagt, und deren Grund Auswärtigen unerklärlich, ja der Auserwählten selbst unerklärt und unbewußt bleibt. Doch kann auch der fremde Besucher unter diesen Schwestern, die meist der dienenden Classe entstammen, oft eine ungewöhnliche Würde und milde veredelte Züge entdecken, und es ist immerhin wichtig, daß auch in den Beziehungen zu der Bedienung die Kinder sich des Klanges von Gezänke, Schreien und unnützem Geschwätze so lange Zeit entwöhnen. Im Uebrigen werden sie in der Bedienung so wenig, als in der Kost und Pflege verweichlicht. In manchen Stücken wie in der Heizung findet man in Frankreich die deutschen Kinder allzu weich und üppig gewohnt; in Paris und in den südlichen Provinzen versetzen auch die Bedürfnisse der Kost, wie sie die Deutschen mitbringen, die französischen Damen in Erstaunen; doch bilden die Häuser von Metz, Kinzheim und Blumenthal (M Lim- burgischen, bei Aachen) hierin den naturgemäßen Uebergang und der westdeutsche, besonders aber der luxemburgische Appetit wird als weltgeschichtliche Thatsache respectirr. Die Fasten sind äußerst mäßig. Zur Zeit der großen Fasten dürfen die artigsten Kinder die Ersparnisse des Klosters, oder eigentlich die von den Zöglingen auS freien Stücken am Munde ersparten Confitüren vom Vieruhressen, umgesetzt in Linsen und Bohnen, wöchentlich den armen Frauen vom guten Hirten in einer kleinen Deputation zum Geschenk hinbringen. Andere dürfen zur Belohnung an gewissen Tagen bei der Bewirthung der heiligen Familie im Kloster die eingeladenen Armen bedienen; auch an sonstigen guten Werken dürfen die älteren Mädchen sich schon selbst betheiligLn. Also mit Versuchen und Uebungen der Wohlthätigkeit machen die Zöglinge ihren Uebergang zum Leben in der Welt. Mag dann in dieser Welt später der Tanzmeister noch Einiges nachzuholen haben, es wird nicht so schwer werden, wenn der Körper durch gesunde Pflege und gerade Haltung, die Seele aber durch die Würde der Unschuld zur anmuthigen Erscheinung unter den Menschen vorbereitet ist. Wenn man in Deutschland überhaupt eine zu geringe Vorstellung von dem haushälterischen Berufe der französischen Weiber hegt, so gilt dieß mit besonderm Unrechte von den klösterlichen ErziehungShäusern. Nicht allein werden die weiblichen Arbeiten, von dem niedrigsten Strumpfflickwerke und dem einfachsten Saume bis zur feinsten Stickerei, auf das Gründlichste und Strengste betrieben, sondern auch durch Rechnungsfertigkeit und eigene Verwaltung der kleinen Ausgaben wird die künftige sparsame Hausfrau schon herangebildet. Reinlichkeit, unerbittliche Ordnung und Rührigkeit zu jeder Arbeit werden stündlich geübt; schwärmerische Freundschaften, Weltschmerz, Blaustrümpfigkeit, kurz jede Art anerzogener, angelogener Phrasen sind verpönt; dagegen liebt und begünstigt man eine freie und heitere Entfaltung aller Anlagen des Charakters, aller guten Einfälle; man überläßt den Kindern abtheilungsweise die Erfindung und Ausführung von allerlei Spielen, erlaubt ihnen, um die Wette ihre Vorstellungen zu 239 geben, weiß jedoch die Charaktere, Alter und Nationalitäten so zu mischen, daß ein Gleichgewicht erhalten bleibt; strenge Kritik wird nach dem Maaß der Fähigkeiten und der Anstrengung nicht gespart; so wird der Wille vielfach geübt in der Unterwerfung, der Charakter dagegen im Wollen und der gute Wille im Können und in der Beharrlichkeit. Was aber endlich als das höchste Lob einer gelungenen Erziehung betrachtet wird und wofür wir in Deutschland das rechte einzige Wort fast eingebüßt haben, ist die Einsalt. Wir müssen jetzt nur noch eine der Verbindungen berühren, durch welche die Klosterfrauen vom heiligen Herzen Jesu nicht allein für sich zur Unterhaltung ihrer Menschenkenntnis) von der Welt sich belehren lassen, sondern auch ihrerseits die Fäden ihres wohlthätigen Wirkens unter den Weltkindern durch Rath, Gebet und Werke fortspinnen. Die Belohnungen der Kinder werden theils von den Gespielinnen durch Wahl zu gewissen Ehrenämtern mit besondern Bändern ertheilt, theils von den Damen in einem eigenen Capitel beschlossen und durch Aufnahme in kleine geistliche Genossenschaften, wie die des Kindleins Jesu, dann aufsteigend die der heiligen Engel und zuletzt die der Muttergotteökinder bewerkstelligt. Diesen letztem Ehrennamen mit der Medaille, worauf das Herz Jesu und die schöne Inschrift: „dor meum jungatur vodis" (Mein Herz bleibe mit Euch verbunden) vie Vorderseite zieren, behalten die belohnten Kinder, auch wenn sie zu der Familie in die Welt zurückkehren; ja Damen aus der Welt, wie selbst die Gemahlin eines Präsecten, machen sich eine Freude daraus, unter die weltlichen Marienkinder sich ausnehmen zu lassen. Beide zusammen haben im Kloster jede Woche ihre eigene heilige Messe und einen Tag der Zusammenkunft, wobei Arbeiten für bestimmte mildthätige Werke verfertigt werden, z. B. Meßgewänder für die armen Kirchen der ganzen Diöcese. Die Bräute schenken dahin ihre reichen Hochzeitskleider, eine jährliche Lotterie aber liefert die reichsten Beiträge zu jenen Kirchenschätzen, welche am Ende des Jahres dem Herrn Bischof zur Vertheilung, nach seinem Ermessen, überbracht werden. Dem 8serö eosur steht am nächsten, sowohl nach dem Geiste des OrdenS, als nach der Bestimmung für die höhern Stände, das Erziehungskloster Maria Heimsuchung (vam . Und aus den brausenden Finsternissen Stach Blitz um Blitz auss Bächlein ein, Gleich einem brennend bösen Gewissen. Da wollte es umkehren zum Tannenbaum. Doch Wie es so für sich gedacht, Da hatten sich viel' lockre Genossen , . Zum Bächlein schnell hcrbcigemacht; .... Und sangen M spöttische Ammen die Weise: „Schön eia Popei, im Himmel gehn Viel Schäflcin weiß wie srischcr Schnee! Das Kindlein wollt' auf die Beine steh'n, Da fiel es um und that sich weh!" Da war daS Brünnlein verloren und eS lief mit. Nun hatten die andern Wellen einen Sturm schon lange unter sich auSgesonnen wider die Feinde deS Böge- leinS, in dessen Sold sie standen. Da mußte das Tannenbrünnlein denn mit. Da traf der entfesselte dräuende Strom Zuerst auf einen riesigen Dom..... Vom Thurme stieg das Kreuz in's Blau, Die ganze Erde sah es prangen. Und eine Schlange rief: Hichcr! und stürzt nur den Tempel um! Doch umsonst! Sie zogen weiter. Da trafen sie ein Königshaus. Und von dem stolzen Bau gedeckt Stand manch ein prunkender Palast, Die üppige Freude saß zu Gast .... Der Sturm begann; die Wächter alle hatten die Hut hintangesetzt und bald wäre es gelungen. Doch Da sank im stummen bleichen Kreis So still auf's Knie die Königin, Und hob ihr Kind zum Himmel hin, Und betete so tics und heiß. Ihr Gebet fand Erhörung und Gott rettete den König und sein Haus. Die Wellen zerstoben. Und ach! mit den empörten Wogen War auch das Bächlein überall « In blindem Laufe mitgezogen. Da bracht' es auf den letzten Wegen Ein friedlich Hüttlcin noch zu Fall; D'riu sprach eine Mutter den Abendsegen, Und drückte gcrad' in frommer Lust Ihr Kindlein an die junge Brust; Da stürzten die Mauern und sargten sie ein. O Bächlein, Gott erbarm' sich dein! DaS mag beim Beginne der Reformation ein lustiges Leben gewesen seyn. Die Thüren der Klöster wurden erbrochen und verdorbene Mönche konnten Nonnen in die Arme sinken und lang ersehnte Genüsse kosten. Gold gab es vollauf, und der Wein floß über die Straßen: denn die Kisten und Keller der geistlichen Häuser wurden aufgeschlagen. Da ging es manch Jahr in cluloi subilo und die Pädagogen liefen mit. Die hatten es seit jenen Tagen gar gut. Die Sorge ward den Fürsten überlassen, sie striechen gemach die Gehalte ein, und aßen höchstens als Nachtisch- Ideen von Menschen- unv Bürgerthum. Doch bald begann auch die Arbeit. Die Wasser ergossen sich in alle Lande und hier gab es eine Kirche, dort einen Adelssitz zu erstürmen, die Pädagogik mußte voran, um manches Herz in die Festungen selbst herüber zu ziehen. Viel gelang, viel nicht. War aber vorher in Allem Sicherheit und Einheit, so fiel jetzt Alles in Kampf und Zersetzung. Ja! Uneinheit und Trennung ist seit jenen Tagen der Grundcharakter der Pädagogik. Bekanntlich ist sie eine Nachgeborene und nimmt ihre Grundsätze und Mittel aus andern Wissenschaften. Die Wissenschaft aber, wie das Leben, hat seitdem verschiedene Gänge gemacht, ist von Stufe zu Stufe auf der Gottesleiter der Wahrheit herabgestiegen und hat sich festgesetzt. Da liefen nun die Pädagogen je nach des eignen Herzens Drang in die Apotheken der Gelehrten und holten sich der eine destillirte Frömmigkeit, der andere christianisirteS Heidenthum, der dritte sociales Bürgerthum, der vierte absolute Ab- straction und jeder erhielt, was er verlangte. In unsern Tagen endlich hat man sich mit Divinität nicht weiter mehr begnügt, sondern holte sich aus der großen Garküche der Philosophie jene dekannte Salbe, die in geordneter Weise gebraucht, den Menschen Gott gleich macht. Das wird den losen Vogel freuen, daß daS Brunn- lein so treu ihm nachgelaufen. Ja er ist ihm nachgelaufen, der Brunnen der Cultur, unv hat mitgeholfen seines guten Theiles an allen Versuchen, die in den verschiedenen Landen von Wittenberg bis Rom zum Umsturz der Altäre und der Throne gemacht wurden. Sie mag so manche Mutterseele in den Abgrund geworfen, und die Kinder ihr nachgeschleudert haben. Warum nicht? Schaut an unsere Frauen, die Frauen der Zeit und des Fortschrittes! Sind sie Mütter voll Liebe, Ernst und Gottesfurcht? 243 Ehemals waren die schlechten Weiber gezierte Puppen, heute sind sie blutige Löwinnen, die ihre Kinder dem Irrthum der Albernheit und dem Verderben übergeben und so die Seelen ihnen aus dem Herzen reißen lassen. Darum hat die Pädagogik viel gesündigt! Möge sie vom Mährchenbrunnen sich erzählen lassen, was der Sünde folgen solle. Doch die Großhändler können durch ihre Waaren nicht schaden, wenn die Kleinkrämer sie nicht verschleußen. Die Wissenschaft mag Tollheit lehren, sie wird so lange wenig schaden, bis sie unter das Volk gelangt. Wahrheit und Irrthum aber kommt unter das Volk und dadurch erst in das Herz der Welt durch uns Schullehrer. Das ist unsere Bedeutung in der Welt, der Segen, den wir geben, aber auch der — Fluch, darum hat auch uns, zumal in den letzten Tagen, der schlaue Vogel so eifrig zugesungen: Komm mit! Komm mit! Und wir, wir sind mitgegangen, haben mitgeschrieen, mitgestürmt. Der Schuß, den ich vorhin hörte, war aus der Büchse eines Mannes gekommen, der sonst die Feder und den Griffel führte. Wen hat er wohl getroffen? Vielleicht ein ehemaliges Schulkind, das er lehrte, wie der Soldat seinem Fürsten zu gehorchen habe, seinem Fürsten, den er aber nun selber verrieth. Schaut hin nach Baden und über den Rhein! Die Wahrheit schwimmr auf seinen Gewässern. Doch halt! ich höre wieder einen Knall! wer fiel? „Der Schullehrer Hofer, standrechtlich hingerichtet!" „O Büchlein! Gott erbarm sich dem!" Darum wollen auch wir zum Mährchenbrunnen eilen und ihn fragen, wie er die Rückkehr zum Tannenbaum fand. Wir sollen Reine machen, und wessen Herz nicht selber rein, der kann nicht Reinheit geben. Ja! Lehrer, gebet alle Euren Kindern reine und Wahrheit und Recht liebende Herzen. Bald treten sie aus Eurer Hand in das Leben. Bisher hat der Schlangenvogel nur leise gerufen, daß ihr es nicht hören möchtet, aber nun ertönt seine Stimme hell und keck. Wen hat er zu fürchten? Den Vater? Der hat nicht Zeit, auf seine Kinder zu sehen. Die Mutter? Die hat es schon lange verspielt! Den Pfarrer? Was merkt der Vogel auf den Pfarrer? Den Landrichter? Der hat die Vögel nicht einmal ungern. Den Polizeidicuer? Jcr! den fürchtet er noch am meisten; doch seit er keinen Stock mehr schwingen darf, ist ihm der Stachel auch genommen. So singt er also lustig, Land auf und ab, morgen lustiger als heute; denn jeder Tag mehrt seine Siege. Da laufen sie denn hin, wohin der Vogel sie schickt, und jetzt nimmer hinter die Hecke. Das- ist nicht weiter nöthig. Im Salon wird gegen die alte Tanne der Zucht, auf der Tribüne gegen die alte Tanne der Religion, und auf freiem Felde gegen die alte Taune des Gesetzes losgezogen — losgestürmt. Ja! manches, manches Edelreis, das jetzt Ihr Lehrer zu des Herrn Füßen legt, wird ein wilder Apfelbaum werden,, manches Brünnlein, das ihr mit Gottes Wasser jetzt noch nährt, wird eine ungezügelte Woge werden, die mithilft bei der großen Überschwemmung, deren herannahendes Rauschen wir erst vernommen. Wehe den Palästen, den Kirchen und den Hütten! Gar mancher loser Bube wird aus unsern Händen kommen, der seine Kraft am Einwerfen prüfen wird. StetS aber wird es gehen, wie eS im Mährchen ging: Die Wogen werden zerschellen. Hebt darum das Mährchen auf, daß unsere Nachkommen darin lesen können, wie's dem Brünnlein ging und was eS that, als es ihm also begegnet war! Jetzt wollen aber wir hören, was eS that! Da lags dann da im schwarzen Moor, Das arme Büchlein, so stolz zuvor, Da lag's verlassen mit seinem Harm, Da lag's nun frei, daß Gott erbarm! Und vor ihm lag mit blutigem Haare Das bleiche Weib auf sumpf'gcr Bahre, Zur Seit, vom Herzen ihr gerissen, Das Kind mit schmerzlichem Gesicht; 244 Da starrt es hin in dumpfem Schmerz: Da lieg' ich nun, o Höllcnlug! In meiner ganzen Herrlichkeit. Da kam das Vögelein; das Brünnlein macht ihm Vorwürfe. Jenes aber spottet: Doch sag! Hab' ich dich denn geheißen, Des Users Bande zu zerreißen? Hast du es nicht von selbst gethan? Nach solchen Reden ist das Brünnlein endlich zur Einsicht gelangt und ruft: Fluch über dich und deine Brüt! Ich kenn' dich nun,' dein Spiel ist au«! Du und die Schlange find nur eins — Und in der Hölle steht dein Haus. Ja! laß die Wasser wieder schwellen, Daß sie die Erde überschwemmen! Ich werd' mich vor den Tempel stellen. Und ihnen mich cntgegenstcimnen! Und nun wendet sich des Brünnleins Sinnen zurück zum Tannenbaum und fleht im Herzen um Verzeihung und Rückkehr. Aber die Tanne hatte es längst ve» nommen und sendete ihm einen Tannenzweig entgegen, der in Gesellschaft von andern braven Vögelein dem Brünnlein entgegenging. Die nahmen Grüße mit vom Tannenbaum und den Blümlein allen, die dort den Brunnen umgeben hatten. Die Röslcin baten: Ach thut uns die Bitt' Nehmt doch auch von uns ein Blättchen mit, Und grüßt es von uns aus tröstendem Herzen! Sonst könnt' es von uns das Bächlein schmerzen! Und unterdessen hatte daS Brünnlein gefleht: O Tanncnbaum! sich' wie ich weine! Und hör' mein Jammern reueticf! Verschmachtend dich mein Herze sucht, O laß' mich finden auch das Deine! Was ich gefehlt, das sey verflucht! Und alsogleich stieg aus dem Moor So ernst der Tanncnzweig und sprach: „Du rufst und sich, ich steig empor"." ES ward, nun im Jubel zurückgetragen Da sank es leise weinend nieder, Und war beim Tannenbaumo wieder. Das Drama ist vollendet. Es war cm wehmüthig-heiteres Tranerspiel. Und also muß die Pädagogik ihren LcbenSlauf, den sie durch die Jahrhunderte macht, abschließen, will sie nicht beim Vöglein bleiben und in seinem Neste Wohnung nehmen. DaS möchte sie aber doch nicht wollen. Darum zurück! Nachdem sie ihre Jrrgänge gegangen, ist sie, wie daS im Reiche des Geistes nothwendig ist, bei der Negation jeder christlichen Grundsätze, bei der Negation ihrer selbst angekommen. Fragt die Koryphäen unter den jetzt lebenden Pädagogen um die Bestimmung des Menschen, um den Seelenzustand desselben, auf dem aufgebaut werden müsse, fragt sie um die Tugenden, die die Erziehung geben, und um die Fehler, die sie nehmen müsse; ihr werdet von denselben die euch höhnende Antwort erhalten: Der Mensch ist 245 Gott, vollkommen betritt er die Welt, seine Natur ist die absolute Vollkommenheit, seine Krone ist die Läugnung aller Autorität, sein einziger Fehler: das Glauben! Gebt solchen Leuten Eure Kinder in Erziehung, daß sie Götter daraus machen; dann erspart ihr dem Vögelein die Arbeit! Die Pädagogik ist aufgefahren und sitzt fest. Ruft sie nicht nach dem Tannenbaum, sie ist verloren! Sie führt die Kinder zur Schlange, von der ja jenes Wort ist: Ihr sollt seyn wie die Götter! Die Wahrheit aber ist die Bestimmung, die Gott gegeben! Der Grund aller Erziehung, der Zustand der zwar erlösten aber zum Bösen neigenden Seele! Die Mittel, die Seele im Guten festzumachen, sind in erster Reihe die von Christus gegebenen Heiligungsmittel. Aus, durch und für Christus! sey das Princip aller Bildung! Er ist der Tannenbaum des Brünnleins Pädagogik. Was macht wohl Hofers Weib und Kind? Es mag manche Thräne ihnen aus dem jammernden Auge geflossen seyn? Und die Flüchtlinge, die über dem Meere vor den Gendarmen Ruhe suchten — verlassend die heiligen Gräber, in die sie ihren Vater oder ihre Mutter gelegt hatten — wie mögen sie sich wohl befinden? Und die Unglücklichen, die dem Arme der Gerechtigkeit verfielen und jetzt öffentlich vor den Augen ihrer Schulkinder aus dem Gefängniß zur Anklagebank und von da zurückgeführt werden, wie mögen sie sich fühlen? Wohl nicht am Besten! Der Rausch ist ausgeschlafen, die Folgen dauern lange. Davon, ihr übrigen Alle, die ihr Eure Mitschuld zu verbergen wisset, die ihr dieselbe Lust nur aus Klugheit zurückgehalten, und ihr, die ihr den Vogelpfiff durchschauend treu bliebet, nehmt Euch ein Erempel! Ungestraft ist das Brünnlein nicht vom Tannenbaum gewichen. Darum, und weil es also vernünftig und christlich ist, wollen wir Alle Wahrheit, Gesetz und Gottes Wort ehren. Wir wollen halten zu dem Herrn! und weil der Herr zu seinen Verwaltern Kirche und Staat gesetzt hat, wollen wir zu diesen uns schlagen. Und fordert ein Beamter auch mit stolzer Miene die Steuer und ein Pfarrer mit unfreundlichen Worten den Dienst — was beunruhigt uns die Form: das Wesen ist daS Wort der Autorität, die sie zu vertreten haben. Laßt ihnen ihre harten Herzen und gehorchet! Knechte und Sklaven braucht ihr deßhalb nicht aus euch machen zu lassen! Ihr sollt nur freie Diener seyn! Freie Diener um Gottes willen! Ja kehren wir Alle, wir Lehrer der Jugend, zurück zu Gott. Er ist unser Tannenbaum uns armen Brunnen. Dann werden wir auch im Stande seyn, das Verderben wenigstens zu schwächen, daS der fremde Vogel in unsere Kinder hineinpfeift, wir werden im Stande seyn, wenigstens daS Bild und die Erinnerung deö Tannenbaums tief in die jungen Herzen zu graben. Wohl wird manches Kind, das jetzt noch ganz harmlos in der Schulbank sitzt, einst andere Wege gehen, denn jetzt. ES mag stolz an Gottes- und Königshäuscrn vorübergehen und vielleicht mit verbissenem Grimme die Steine vor denselben mit dem Fuße wegschleudern; es mag manchen Damm sprengen, den Recht unv Zucht aufgebaut und nur die Schwäche zu hüten vergessen; manches Blümlein, daS lustig und heiter in die Welt geblickt und alle reinen Herzen entzückt hatte, mag es in traurigen Augenblicken knicken — allein eS wird auch für dasselbe der Tag des Unglückes, des Elendes und der Reue kommen. Haben wir dann die Lehre vom Tanncnbaum fest ins Herz, gelegt, dann wird der Tannenzweig auS der untersten Seele des unglücklichen Verbrechers heraufsteigen, Heilung und Rettung bringen. Mögen alle jungen Sünder nnd Sünderinnen dann die Rückkehr zum Tannenbaum finden; denn der Tannenbaum ist Gott, der allein sie dann retten kann. Das nun habe ich dem Mährchen vom Tannenbaum und Brünnlein abgelesen; aber AlleS ist das nicht. Noch viel mehr liegt drin verborgen. Wer ein reines Herz hätte, der könnte den Schau erheben. Darum, liebe Freunde vom katholischen Schullehrcrverein, verschafft Euch das Buch. Es ist so wunderbarlich schon und sinnig, daß ich eS Euch nicht zu sagen vermag. Es enthält die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schule. 246 Und da Jeder von uns ein Brüunlein war, oder ist, oder doch werden kann, so schreiben wir die Schlußworte des Mährchens uns tief ins Herz: Doch horch! Im Tanncnbaum, wie's schauert! Er rauschet mahnend: Wacht und betet! Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt. (Fortsetzung.) Die freundliche, neue gothische Capelle der Schwestern von St. Chrötienne, im besten Style mit Glasmalereien und gelungenen Fresken vor wenigen Jahren vollendet, wird dem Fremden als eine der Sehenswürdigkeiten von Metz gezeigt. Ueberbaupt scheint der junge Orden einer großen Verbreitung und Blüthe entgegen zu gehen. Zwischen drei und vierhundert Schwestern mögen jetzt schon in Lothringen und den benachbarten Departements in den Städten und größeren Flecken vertheilt seyn. Da die Schwestern aber nach den Ordensregeln nicht einzeln ausgehen und sich niederlassen dürfen, können sie auf dem Lande in kleinen Flecken und Örtschaften nicht wirken. Hiefür ist also ein anderer Orden nöthig gewesen und er hat nicht lange gefehlt. Die Schwestern der Vorsehung nämlich bestehen zwar schon länger und waren bereits in der Capitelversammlung aller Barmherzigen Schwestern und verwandten Orden vertrete», welche Napoleon unter dem Vorsitze seiner Mutter 1807 abhalten ließ; allein der Stamm des gegenwärtigen Ordens hat nach mancherlei Schicksalen und Verpflanzungen erst in den letzten fünfzehn Jahren gesunde Wurzeln geschlagen, seitdem er durch seinen Almosenier und Reformator, den noch lebenden frommen und unglaublich unternehmenden Domherrn H.... in dem Schlößchen Peltre, anderthalb Stunden von Metz, angesiedelt worden ist. Von diesem jetzt umgebautcu und erweiterten Schlößchen tragen die Klosterfrauen aligemein den Namen Schwestern von Pelrre, sie haben daselbst ihr Noviziat und ein Pensionat sür Kinder von wohlhabenden Familien aus dem Bauernstande, worauf Unterricht und Erziehung speciell berechnet sind. Die Schwestern von Peltre also haben vorzugsweise die Bestimmung für die Landgemeinden und zwar nicht allein für den Schulunterricht der Mädchen, sondern auch für Armen- und Krankenpflege auf dem Lande, weßhalb die Ordensregeln ihnen gestatten, auch einzeln, auf die Ortschaften zu gehen. Es werden dazu von Seiten der Gemeinde Verträge mit dem Orden eingegangen, wie dieß auch bei andern Schulschwcsteru der Fall ist, und das Wirken einer einigen solchen Schwester ist in der Regel so segenreich und ein so großer Trost sür eine Gemeinde, daß die Beispiele äußerst selten ftyn werden, wo man sich von diesen Verträgen seitens der Ortsbehörde wieder lossagt. Den guten Schwestern soll durch die weltlichen Schullehrer zuweilen das Leben etwas sauer gemacht werden, allein ihre Demuth erwirbt ihnen doch meistens den geeigneten Schutz, und die stetig zunehmende Nachfrage und Bewerbung der Ortschaften liefert den besten Beweis, daß hier einem Bedürfnisse des Volkes nach Wunsch entsprochen wird. Peltre liegt gerade an der im Bau rasch voranschrcitcnden Eisenbahn von Metz nach Saarbrücken. Dadurch wird der nothwendige häufige Verkehr zwischen den Schwestern und dem Mutterhaus in der Diöcese nicht allein sehr erleichtert werden, sondern es können auch die deutschen Nachbarn aus den Diöcesen Trier, Speyer und Mainz in wenigen Stunden Kenntniß nehmen 'von einer wahrhaft praktischen Anstalt, welche gewiß auch bei uns verlangt und nachgeahmt werden würde, wenn das Volk eS einmal wieder selbst erfahren hätte, daß die Quellwasscr, welche von ven Höhen rieseln, einen reinern gesündern Geschmack haben, als das Wasser, welches für seinen Durst ihm jetzt aus Cisternen und Filtrirmaschinen zufließt. ES ist eine große Gnade Gottcö und eS gehört ein mächtiger innerer Beruf dazu, wenn eine einfache Tochter 247 des Landvolkes durch eine Schule und Einübung von wenigen Jahren innerhalb der Gemeinschaft so weit im Unterrichte gelangt und sich im geistigen Leben so ganz befestigt, daß sie ohne Gefahr allein, ohne höhere oder gegenseitige Aufsicht, in entlegene Orte ausgesandt werden kann, wo sie an ihr Gelübde streng gebunden, Allen nützlich werden soll, ohne von Jemanden etwas ansprechen zu können, als nur vom Ortspfarrer den nöthigen geistlichen Trost und Rath. Aber die uneigennützige, unentgeltliche Widmung, die unbezahlte Dienstleistung der christlichen Liebe stickt doch dem Bauer wie dem Handwerker so in die Augen, daß der Lebensberuf der Schwestern von Peltre bereits ein Ehrenstand geworden ist, und daß auch angesehene Familien der lothringischen Landbevölkerung es als ein Glück und eine Ehre für sich betrachten, wenn ihre Mädchen den Beruf bekommen und etwa auö dem Pensionate sogleich in den Orden eintreten. Doch wir kehren in die Stadt zurück und verfolgen weiter die Wege, auf welchen katholische Liebe die Bedürfnisse deS heutigen Volkslebens, wenn auch die traurigsten, zu stillen sucht. Da begegnen uns denn noch zwei Anstalten, die wir nicht unerwähnt lassen dürfen. Zunächst die sogenannte Natermtö, Entbindungsanstalt und FiudelhauS, eine städtische Einrichtung, in welcher jetzt durch die Anstrengungen eines verdienten alten Arztes und die einsichtsvolle Fürsorge desselben thätigen Domherrn, der die Schwestern der Vorsehung erneuert hat, die angestellten Pflegerinnen durch kurze Gelübde allmälig aus Miethlingen zu Berufenen umgebildet werden (8vvurs cle 8ts. I^Iicie). Im Vorbeigehen mag hier angeführt werden, wie die verschiedenen Orden vom Volke vorzugsweise nach der Dauer der Gelübde, als nach dem Grade und Werthe ihres Lebensopferö, abgeschätzt und behandelt werden. Nach diesem Maaßstabe stehen denn am allerhöchsten Diejenigen, die sich selbst am tiefsten stellen und für ihr ganzes Leben zu den Verworfensten der Erde gesellen, die Frauen vom guten Hirten. Sie werden zwar nicht in obigem Verhältnisse vom Volke mit allen Mitteln versehen und mit Almosen unterhalten, denn Wer denkt so leicht an jenen heimlichen Winkel ewiger freiwilliger Verbannung deS Lasters, — so lange arme Waisen und Kranke öffentlich nach dem Almosen die Hand ausstrecken, sie sind vielmehr ost wie vergessen und der härtesten Entblößung preisgegeben. Dafür haben sie die Ehre, den Herrn und Meister auf jenem Pfade, wo ihm von den Pharisäern rie Herablassung zu den Sündern als Sünde vorgeworfen wird, stets allein zn begleiten; die Frauen vom guten Hirten können sich niemals auf grüner heiterer Wiese bei den gesunden und unscknlvigen Lämmern ausruhen. Diese meist den höhern Ständen angehörigen erhabenen Seelen tragen unschuldig und freiwillig das Kreuz der Sünden einer ganzer Stadt mit unbegreiflicher Ueberwindung jeder menschlichen Regung nach Freude und Erholung; sie scheinen selbst des heiligen Jg- natins dritten Grad der Demuth hinter sich zu lassen, indem sie nicht allein Armuth, Krankheiten und Verachtung lieben und aufsuchen, sondern auch fast unausgesetzten sittlichen Ekel, indem sie, wie man glauben sollte, eine Hölle auf Erden von dem Herrn sich erbitten und von den Menschen sich auflegen lassen. Welche Bnße, welche Härte kann den Sünderinnen hart erscheinen, wenn sie sehen, daß die edelsten, reinsten Wesen der Erbe ein so hartes Leben aus freier Wahl mit ihnen theilen; der Anblick solcher übermenschlichen Widmung wird gerade den wahren Magdalenen Anfangs fast unerträglich, aber auch nur unter solchen Eindrücken bleibt die Reue unermüdct und lange, lange unersättlich an Buße. Den Büßerinnen steht der erste Eintritt wie der Austritt frei; Zwang und Strafe findet gegen die Austretenden nur dadurch statt, daß ihnen ein zweiter Eintritt unerbittlich versagt ist. Die Büßerinnen sind natürlich in verschiedene Grade abgetheilt, auch iu der Kleidung von einander unterschieden; in einem besondern Verhältnisse und von den eigentlichen Büßerinnen ganz getrennt stehen die von ihren Eltern zur Aufsicht und Besserung übergebenen gefallenen, oder sittlich sonst gefährdeten jungen Mävchcn. Endlich haben die Frauen vom guten Hirten auch wenige andere Kinder zur Erziehung bei sich, eine Last, die bei ihnen fast als eine Erholung erscheinen könnte. So sind ihnen einige, durch 248 einen frommen italienischen Priester aus der Sklaverei in Egypten befreite Negerkinder zur Pflege anvertraut, für deren Unterhalt, wenn ich nicht irre, ihre Tauf- pathinnen, die oben erwähnten Marienkinder, Sorge tragen. Uebrigens ist eS nicht leicht und für männliche Besucher ganz untersagt im Kloster zum guten Hirten weirer als bis zur Capelle oder zum Sprachgitter der Vorsteherinnen vorzudringen. Der Neugierde, welche so selten etwas bringt, wird hier auch wenig zu suchen gestatten; auf Touristen sind überhaupt die Klöster der ernsten neubelebten Orden nicht eingerichtet. (Fortsetzung folgt.) Bonn» Bonn. 22. Juli. Der berühmte Pater Jgnatius (Lord Spencer) hält sich seit einigen Tagen hier bei^uns auf, um auch hier für seine heiligen Zwecke zu wirken, und findet überall, nicht bloß bei seinen Glaubensbrüdern, sondern auch bei den fremden Glaubensgenossen die liebevollste und freundlichste Aufnahme. Ungemein rührend und erhebend war es, wie er in der Generalversammlung der Mitglieder des Nincenzvereins, die am vergangenen Sonntage im hiesigen Convictorium stattfand, das Wort ergriff, und die Versammlung mit dem Zwecke seiner Mission in einer herzlichen Ansprache bekannt machte, deren Inhalt auch für einen weitem Kreis von Interesse seyn dürfte, und den wir daher auf seine specielle Erlaubniß nachstehend zur Kenntniß Ihrer Leser bringen: „Mit großer Dankbarkeit ergreife ich die Gelegenheit, die mir der Herr Präsident gütig gegeben hat, um dem Hauptzwecke meiner Reise durch Deutschland zu dienen. Ich komme, um Hilfe für die Bekehrung Englands, meines Vaterlandes, zu erbitten oder, wie ich zu sagen gewohnt bin, um meinen Kreuzzug für die Ueberwindung Englands zu predigen und an allen Orten Soldaten für die heilige Armee zu werben. ES ist nicht nöthig, zu bemerken, daß dieser Krieg nicht mit irdischen Waffen geführt wird, die den menschlichen Körper tödten. Nein, die Waffen, womit wir kämpfen, sind nicht fleischlich, sondern göttlich, stark, daS Herz deS Menschen zur Unterwerfung unter Christus zu bringen und gefangen zu nehmen. Und welche sind diese Waffen, womit die Kreuzfahrer versehen seyn müssen? Sie sind dreifach: Erstens Gebete, zweitens das heilige Beispiel, drittens die christliche Lehre und Unterweisung. Und welches sind die Classen, auS deuen diese Soldaten gewählt seyn müssen? Alle Classen; aber besonders die Armen, die Kranken und die Kinder, jene, sage ich, die Gott selbst für sich auSer- wählt hat: die Armen, die Verachteten, die Verworfenen der Welt, aber die reich sind durch den Glauben; und dieses ist eS, was mich antreibt, mich Euch zu empfehlen, eifrige Nachfolger des heiligen Vincentius, des Vaters der Armen. Ihr besorget die Armen; Ihr erquicket sie in allen ihren geistigen und leiblichen Leiden und Bedürfnissen, und darum seyd Ihr es, die ihre Herzen bewegen können. Vielleicht werbet Ihr mir bemerken: Ja, es ist wahr, unser armes Volk kann wohl für England beten, aber wie kann eS England durch das Beispiel und durch den Unterricht zu Hilfe kommen? Es ist wahr, sie können es nicht; aber mir müssen auch an unsere irrgläubigen Brüder in Deutschland denken. Warum sollen wir in diesem Unternehmen auf England allein schauen? Wir können hoffen, daß, wenn England katholisch wird, dieses der Todesschlag deS Protestantismus auf der ganzen Welt seyn wird. Und Ihr solltet für Englands Rettung mehr besorgt seyn um Deutschlands, als um Englands willen. Der Vorschlag also, den ich, wie es auf meinem kleinen Zettel steht, zu machen wage, ist, daß alle Katholiken der ganzen Welt ihre getrennten Brüder überall in den Schooß der Mutterkirche durch heilige, liebevolle Gewalt zu kommen nöthigen, uud daß sie diese Brüver selbst einladen, Gott zu bitten, er möge sie alle zur Einheit in der Wahrheit führen." (D. Volksh.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Cilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburgrr Pojheitung. 10. August M- 2851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrei« 40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Deutsche Mission in Paris unter dem Schutze deS heiligen Joseph. Für daS in der Uebcrsckrift bezeichnete ^ute Werk hat sich in Paris ein Comitö gebildet, besteh.nd aus dem Gencralvicar Bautain, den Volksvertretern Graf Mon» , talembert, de CoetloSauet, de Foblant, de Heeckeren, Prudhomme, dem Bicomte de Lambel und dem Grasen Arco-AaUey, bayerischem Reichörath. Protecioren sind: der Erzbischof von Paris und die Bischöfe von LangreS und Slraßburg. Dieses Comilö hat folgende Ansprache erlassen: „In Paris und seinem Weichbilde wohnen 60- bis 80.000 katholische Deutsche; darunter sinv Handwerker, Taglöhuer und Dienstleute, deren große Mehrzahl nie eine hinreichende Kenntniß der französischen Sprache erlangt, um von dem in den Pfarrkirchen eriheilten religiösen Unterrichte Nutzen ziehen zu können. So ist diese ganze Bevölkerung durch ihre unglückliche Lage dem Vergessen ihr^r Religion, der Gleichgilligkeil gegen dieselbe und allen Uebeln, welche davon die Folge sind, im Voraus überliefert. Wenn eine so traurige Thatsache in der neuen Welt, in Indien oder China sich zeigte, würde man sich nicht verpflichtet fühlen, den Eifer des KleruS uuv die christliche Liebe der Gläubigen anzurufen? Sollten wir denn gleichgillig dabei bleiben, da sie in der Haupistart des katholischen Frankreich, im Herzen der civili- sirtcn Well besteht? Diese Tausende von Seelen, die durch das Blut unseres göttlichen Heilandes losgekauft und dnrch die heilige Taufe wiedergeboren, die auch Kinder unserer Mutter, der Kirche, sind, — sollen wir sie mitten unter uns irren und verloren gehen lassen, diese armen Schafe ohne Hirt und Hurte? Stehen sie unS nicht lausend Mal näher, müssen sie uns nicht tausend Mal theurer seyn, diese katholischen Seelen, als jene nicht wiedergeborenen Seelen wilder und heidnischer Länder? Welche Gefahr mochte zudem der ihrigen gleichkommen? Die tiefste Unwissenheit, Unsiitlichkeit, Gottlosigkeit, Abfall vom Glauben, schleuniger und verderblicher Rück- fall in eine wahrhaft sittliche und religiöse Barbarei, sollen das die Früchte ihrcS Aufenthaltes unter uns seyn? Sollen sie diese früher oder später in ihr Vaterland mitnehmen? In unsern eigenen Häusern zählen wir Tausende von Kindermägdcn, Erzieherinnen und Dienstleulen deutschen Ursprungs; das heilige Interesse der Familie ist also mit dem Interesse der Stadt, der menschlichen Gesellschaft, der unsterblichen Seelen auf'S Innigste verknüpft. In Paris hat man kein gutes Werk vergessen, nur mit diesem hat man sich noch nicht ausreichend beschäftigt. Rom, London, New- Uork, New-Orleans besitzen Kirchen für die Franzosen und für die Deutsche«; Wien hat eine Kirche für die Franzosen gegründet. Sollte Paris allein zurückbleiben? Nein, die Welt ist von Paris solcher Ausnahmen nicht gewohnt! S50 Die Missionäre beginnen ihr Werk, indem sie im Mittelpuncte der Gegend, die sie bekehren wollen, ein Kreuz auspflanzen. So ist auch vor Allem eine Kirche nöthig, welche, groß und woblgelegen, in ganz Paris bekannt und den Deutschen ausschließlich vorbebalten ist, ncbst Wohnung für sechs oder acht Missionäre, welche sich bereit halten, überall da zu wirken und dahin sich zu begeben, wo es Noth thut. Ferner sind Schulen für Knaben und Mädchen erforderlich, besonders Abendschulen und Sonntagöschulen. Die armen Kinder, welche genöthigt sind, selbst ihr tägliches Brod zu verdienen, lernen nicht allein niemals Lesen und Schreiben, sondern erlangen auch nicht die geringste Kenntniß ihrer Religion, wenn man sie nicht in ihren Freistunden dazu anleitet. Es gibt Hunderte von erwachsenen Jünglingen und Jungfrauen, welche ihre erste heilige Commnnion nicht gehalten haben, ungerechnet zwci oder drei Tausend von geringerm Alter. Endlich wäre noch ein Asyl zum vorübergehenden Aufenthalte junger Mädchen, die ohne Arbeit und ohne Stelle sind, so wie ein kleines Hospital für diejenigen Unglücklichen, welche als Fremde keine Unterstützung und keine Ausnahme in den städtischen WohlthätigkeitSanstalten finden, oder denen der Aufenthalt in dieselben nicht bis zur völligen Wiederherstellung vergönnt ist, zu gründen. Bis jetzt ist Folgendes geschehen: In einigen Pfarrkirchen wird Religionsunterricht gehalten; aber bei allem guten Willen und der größten Zuvorkommenheit von Seiten der Herren Pfarrer wird der Pfarrdienst dadurch beeinträchtigt und die Stunden sind nicht zweckmäßig. So kann die Sache nicht vorangehen, und eS zeigt sich deutlich, daß ein eigenes Gotteshaus da seyn mnß. Es ist deßbalb ein Gebäude in der Nähe einer Barriere des Faubourg St. Martin gemiethet und in eine provisorische Capelle umgewandelt worden. Schulsäle für die Knaben sind auch beschafft, so wie eine erträgliche Wohnung für vier deutsche Schwestern vom heiligen Karl Borro- mäus aus Nancy, welche die Kranken in ihren Wohnungen besuchen und schon 300 junge Mädchen unterrichten. Da aber die provisorische Capelle nicht für ein Viertel der Gläubigen, welche sich zum Kirchenbcsuche drängen, hinreicht, mußten wir für ein größeres Gotteshaus sorgen, wäre eS auch nur von Brettern gebaut. Wir haben daher einen Bauplatz nebst einer kleinen Wohnung mit dem Rechte des Ankaufs gepachtet, der in der Nähe aller Verbindungswege nach Deutschland liegt. Dort soll der Angelpunct der Mission seyn; dort ist das Centrum einer Bevölkerung von ungefähr 2(1,(10» Deutschen, welche eine halbe Stunde von jeder Kirche entfernt wohnen. Im Ganzen haben wir für Miethe 7000 Franken jährlich zu zahlen, wozu noch die Unterhaltung deS Personals kommt. Die göttliche Vorsehung ist unsere einzige Hilfsquelle!" Das Comitv beabsichtigt, die Mittel zu vorstehend auseinandergesetzten Zwecken durch freiwillige Beiträge und Subscriplionen für regelmäßige monatliche oder jährliche Zahlungen zusammenzubringen, und nimmt auch Geschenke von Kirchengerälhen, Stoffen zu Gewändern, Leinwand u. s. w. mit Dank an. Direktor deS Vereins ist der geistliche Herr I. I. Chable, Rue Lafayette 126. Ein besonderes Comite, auS Damen bestehend, hat sich für die Errichtung der deutschen Armenschulen gebildet; unter mehrern französischen Namen bemerken wir dabei die der Gräfin Elisabetb von Bergh-TripS aus Düsseldorf und der Gräfin Anna Maria von Wald- burg-Zeil und Trauchburg. Cassirer dieses Comites ist Herr Bourlez, Place du Pantheon 1. — Indem wir die Gründung dieses verdienstlichen Werkes hiermit zur Kenntniß des deutschen Publicums bringen, hoffen wir, daß eS bei allen deutschen Katholiken lebhaften Anklang finde. Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadk (Fortsetzung.) Doch wir dürfen noch nicht ermüden in der Aufzählung der Erziehungsanstalten von Metz, so lange wir noch mit keinem Worte der Schwestern vom heili- S51 gen Vincenz von Paulo erwähnt haben, welche daselbst in so mannigfacher Wirksamkeit thätig sind. Ihnen ist nämlich die gan;e Waisen- und Krankenpflege der Stadt überlassen. In zwei getrennten Häusern werden die Waisenknaben und die Waisenmädchen, beide aber ganz allein aus dem Ertrag jährlicher freiwilliger Subscriplionen unterhalten und diesen Umstand müssen wir besonders hervorheben. Wenn man bei manchen hier gerühmten Anstalten vielleicht einwerfen könnte, daß man dafür ja auch bei unS ähnliche Einrichtungen von Staats wegen angeordnet und controlirt finde, so wird man doch nicht verkennen, daß ZwangSan- stalt'.'N eben keine Seltenstücke zu den hier besprochenen Beispielen zu liefern vermögen. Die freiwilligen WohlthätigkeitSanstalten der katholischen Kirche sind die ersten gesunden Elemente einer Decentralisation in Frankreich, also daS specifische Heilmittel für den gestörten Blutumlauf, wodurch jeden Augenblick die Schlagansälle dem Haupte deS Landes, der Capitole Paris, drohen, um von da aus periodisch auch die Glieder zu lähmen, nämlich die armen Provinzen, die eines solchen Wechsels nachgerade müde werden. ES war mir oft schwer zn begreifen, wie es möglich sey, daß dieselben Personen, welche von Staats wegen schon so hart besteuert sind, welche auch für die Stadt ihren gezwungenen Antheil tragen, außerdem auch noch für fünf oder zehn freiwillige gute Werke jährlich mit vollen Händen ihr Opfer bringen, und daß nicht allein einzelne Reiche, sondern auch viele gute Bürger aus den Mittelklassen für solche Anstalten einmal für allemal in ihrem Rechnungsüberschlage des Jahres verhältnißmäßig bedeutende Posten ansetzen. Aber eine solche Opferwilligkeit und großmüthige Gewohnheit würde gewiß auch unter-den besten Bürgern nicht so andauern und wachsen, wenn Christen nicht daS Brod, welches sie heute auf fließendes Wasser legen, am dritten Tage wiederfänden; wenn sie nicht von ihrer Arbeit, von ihrem einträchtigen Wirken Dank und Freude ernteten. Daß Letzteres der Fall ist, liegt in dem rechten Geiste der Unternehmungen und in der Wahl der rechten Mittel, welche sich in Metz unter dem doppelten Schutze und Segeu des heiligen Vincenz von Paulo täglich erproben; eS liegt darin, daß die thätigsten Christen, organisirt als Vincentiusverein, ihre Almosen nicht in dunkle Kasten werfen, sondern sie in die Familien der Armen tragen, an deren Herd die Werke der Liebe selbst ausüben, für die verlassenen Einzelnen aber, für die Waisen besonders, durch neue geweihte Bereinigung sorgen und diese auS freiwilliger Liebe gegründeten Anstalten den barmherzigen Schwester» vom Orden desselben großen Apostels der Armenpflege anvertrauen. Wir dürfen über diese lieben Schwestern hier nur ein Wort sagen; theils weil ja ein Jeder, der sehen und hören will, der nicht absichtlich nichts oder aus schlechtem Gewissen nichts Gutes hören und sehen will, viel besser thut, die ersten Sendlinge, die wir so glücklich sind in mehrern deutschen Kirchenprovinzen bereits zu besitzen, an Ort und Stelle selbst zu besuchen; theils weil Alleö, was Clemens Brentano*) von den Schwestern des heiligen Carl BorromäuS zu Nancy mit beredter unübertrefflicher Einfachheit gesagt hat, fast ohne Ausnahme auch von den Schwestern des heiligen Vincenz gilt. Wenn jene in der Auswahl und Aufnahme strenger sind, so scheinen diese in ihrem rücksichtslosen Gottvertrauen noch unternehmender zu seyn. Diese frommen Seelen, deren Mutterhaus und großes Noviziat in Paris ist, deren Pflanzschulen aber auch schon in Straßburg und in München unS nahe gerückt sind, werden im übrigen Deutschland hoffentlich nicht weniger guten Boden finden, als in Algier, Nordamerika und China. So oft ich in Metz zwei solcher lieben Schwestern mit den breiten weißen Flügeln ihrer Hauben durch das Straßcngewühl der Sackträger und Schacherjuden, durch Gassenjungen und Soldatenhaufen unberührt und leichtgetragen hindurchschweben sah, kamen sie mir immer vor, wie die Tauben, die gleichfalls ungestört und von den Menschen unbemerkt sich auf den Straßen niederlassen und ebenso unberührt ') In dem vortrefflichen Buche: „Die barmherzigen Schwestern in Bezug .ins Armen- um Krankenpflege/- Coblenz bei Hölscher 1S31. 852 wieder weiter fliegen. Betreten wir zuerst daS Waisenhaus der Knaben, wo die Schwestern nur als Mütter erscheinen, so finden wir in den Morgenstunden die jüngsten der anwesenden Kinder in ihren Schulclassen versammelt; eine Abtheilung von 45 Knaben von 10 bis 14 Jahren von einer Schwester, die kaum 30 Jahre erreicht haben kann, in ganz musterhaficr Zucht und doch in vertraulicher Liebe zu- sammengehalten; die ä leren Zöglinge, nur zum Theil unter Overgesellen von fünf Hantwerken in verschiedenen Werkstätten, im Hofe unv im untern Stocke vertheilt, während ein anderer Theil schon in der Frühe zu guten Meistern in die Statt geführt worden ist; die Schlassäle zum Lütten weit geöffnet, Küche, Vorrathskammern und Keller, besonders aber daS einfache Hauscapellchen in reinlichster Ordnung, Alles, waS zur Verwaltung gehört, wiederholt sich in sämmtlichen Anstalten, die den Schwestern übergeben sind, unv findet sich natürlich am sorgkältigsten da geordnet, wo ihnen auch die Leitung und Rechnungsführung unmittelbar anvertraut ist, wie hier in beiden Waisenhäusern. DaS der Märchen ist viel zahlreicher, viel geräumiger. Hier ist natürlich daS Nähen und Behandeln der Wäsche die Hauptsache; der Wech- zcugvorrath ist die Schatzkammer, und dieses ganze Fach bildet die künftige Lautbahn der Zöglinge. Wenn sie entlassen werden, treten sie unter den Schutz eines besondern religiösen Francnvereins (I'oeuvre clo jcrmes seoriomes), welcher sie in eigenen Werkstätten oder Arbeilksälen unter Auflicht eines Mitgliedes vereinigt, ihnen Beschäftigung gibt, ihre Sparpfennige anlegt, ihnen für passende Dienststellen sorgt, in einem Worte, mit ihnen in Verbindung bleibt, um sie vor der Nothwendigkeit und den Gefahren .anderer zufälliger und zweifelhafter Verbindungen zu schützen. In dem Mädchenwaisenhause zu Metz, einem ehemaligen Klostergebäude, ist der schöne lange Schlifsaal berühmt. Es ist damit auch eine Apotheke verbunden, in welcher vier Schwester von besonders guten Anlagen und Vorkenntnissen, unter zeitweiliger Anweimng eines Provisors au>a der Start, die Arzneimittel für das Haus und für die Stadiarmen bereiten. Wie sie dabei die Schwierigkeiten und Vornrthcile der Zunft überwinden, hat schon Brentano beschrieben unv gerechtfertigt. Müssen nicht auch unsere gelehrten ungläubigen Aerzte vom Glauben an ihre große Wissenschaft leben? Unv man frage die aus Hospitälern beiderlei Arten entlassenen Kranken, an Wen sie mehr glauben? ob ihnen besser mit der liebevollen Wartung, dem Troste unv den Hausarzneien der Schwestern, over vielleicht mit den gelehrten Recepten wirklicher geheimer Hofräche und den Mieihlingshandlhierungen ächt weltlicher Krankenwärter qevient gewesen sey? Glücklicher Weise nimmt doch allenthalben die Zahl der einsichtigen Aerzte zu. die sich nicht mehr gegen den Anblick der demüthigen, gehorsamen Schwestern mit Scheuledern bewaffnen; müssen sie ja doch schon in vielen protestantischen Gegenden Deutschlands die viel schwierigere Schule der D>acomssen durchmachen. Unter den beiden städtischen Hospitälern zu Metz, welche den Schwestern vom heiligen Vincenz von Paulo vertragsweise übergeben sinv, ist das eine, an der Mosel gelegen (Aotre vamo cls linn seoourg), von geringerm Umfange und nur für vor- übergehcnve Krankheiten und Unfälle berechnet; eS trägt hier AlleS den thätigen, hoffnungsvollen Charakter einer balv bestandenen Prüfung; das große Bürger- hoSpiial (8t Aielgs) dagegen zählt unter der Aussicht und Pflege von einigen zwanzig Schwestern mehr als 700 Seelen, und darunter eine große Anzahl Unheilbarer und Pfründner. Das HauS hat sei' en eigenen Aumonivr, der den beschwerlichen und mannigfaltigen Pflichten seines Priesteramtes nur mit äußerster Anstrengung allein .^ugen kann. Ein bloßes Durchwandeln der Höfe, zahlreichen Treppen unv Gär;e .'ch drei Stockwerke hindurch ist eine halbe Tagereise. Der Anblick so mancher ubschnckenden Gestalten in dieser vollzähligen Sammlung und Aufstellung menschlicher Gebrechen, Laster und Leiden erfüllt den Zuschauer mit der Ueberzeugung, daß eS hier nicht auszuhalten ist, ohne eine bestimmte Sendung von Gott; und wenn er sich in mancher Stunde eingebildet bat, daß er doch auch ein Herz für seinen Nächsten habe und daß gute pflichtmäßige Vorsätze für alle Fälle im Leben ausreichen L53 müßten, so verläßt er dieß HauS sicherlich mit schwerer Seelenermüdung, mit tiefer Beschämung und behält für's Leben eine ehrfurchtsvolle Erinnerung an die geheiligten Wesen, die einer unausgesetzten Gnade GotteS würdig seyn müssen, um auf immer und stündlich ein gleiches Band feuriger Liebe flechten zu können durch die hundertfachen Verwickelungen von Schmerz und Ekel, von selbstverschulvetem Siechthum und von scheinbar „unverdientem Büßen für der Väter Missethaten." Unter den thätigen Schwestern sind vielleicht sechs bis acht ältere, gesetzte Matronen, welche ihren Schlüsselbund mit kerniger Faust schwingen und stämmigen Schrilles durch die Säle schreilend, mit festen Blicken bald rechts bald links, in der gemischten Gesellschaft Ordnung und Frieden durch ihre bloße Anwesenheit gebieten. Aber bei weitem die meisten sind rührend junge Mädchen, denen, wie ich eS einst vernahm, das allererste Anklopfen des Meisters das Herz getroffen hat und die ihm unverwandten Blickes bis hierher gefolgt sind, wo sie seine Gegenwart täglich in der unkenntlichsten Gestalt aufsuchen und ehren, wo sie nur, wenn daS müde Auge sich am Abend schließt, das lohnende Wort zu vernehmen glauben: „DaS hast du mir gelhan " Da sieht man bald die eine mit einem Korb voll Arzneiflaschen von einem Bett zum andern schweben, den Leidenden, die wohl ihr zu Liebe so gerne einnehmen, freundlich ernst zunicken; die zweite kniet vor einem Bette und verbindet den von einem Hufschlage zerschmetterten Fuß eines rüstigen Bauernburschen mit so anmuthiger Einfalt und Würde, daß der Dulder nur daran zu denken scheint, wie auch er sich in stummem Anstand? gegen die liebe, vornehme und doch wieder demüthige Schwester einfach ergeben und dankbar, verhalten soll; einer dritten hat eben ein armer Bauer in einem Korbe sein Bübchen mit zerbrochenem Beine übergeben; sie hat eS gebettet und sitzt nun bei ihm mit einem Bilderbuch«. Wenn unter den vier so eben beschriebenen, den barmherzigen VincentiuS-Schwestern anvertrauten Anstalten die beiden erstgenannten ganz von freiwilligen Beiträgen, also vom öffentlichen Vertrauen leben, so haben wir nun noch eine Stiftung zu erwähnen, die von einem einzigen noch lebenden Ehepaar gegründet und zur Stunde nicht ganz vollendet, aber der Einweihung in kurzer Zeit entgegensehend, wahrscheinlich in dieselben treuen Hände übergehen wird. ES ist dieß das künftige Waisenhaus der heiligen Constan- tia, so benannt nach dem einzigen, im sechzehnten Jahre nach unsäglichen Leiden heimgerufenen Töchterchen des Herrn H........, Notars zu Metz. Der Staub dieses einen gebrechlichen KindeS wird nun bald in der Gruft der neuen Capelle ruhen; aber den trostlos gewesenen Eltern erblüht auf der Erde der Verwesung, der auch sie bald angehören werden, ein immergrüner neuer Stamm; denn am Todestage faßten sie den Entschluß, vierzig Waisen, wenn ich nicht irre, vorzugsweise von unverschuldet verarmten Eltern an KindeSsiatt anzunehmen, und diese werden hier daS Andenken des frühen Opfers ihrer kleinen Schwester Eonstantia feiern. Nicht allein der schöne Bau, der sich auf der St. Vincenzinsel in Hufeisenform nach der Mosel hin erstreckt und dessen offne Säulengänge einen freundlichen Garten umschließen, also nicht allein die Räume und Mauern wurden von den wohlhabenden und wohlthuenden Gatten gegründet, sondern sie sollen auch die vierzig Freistellen schon vollständig sundirt haben. In solchen Zügen, wie wir sie seither betrachtet haben, könnten wir fast stolz werden, den Bürgersinn der alten deutschen Reichsstadt verwandtschaftlich wieder erkennen zu dürfen, wenn nur von unserer Seite die Ahnenprobe ohne Scham zu bestehen wäre. Aber wo sind denn drei Namen auS dem gesammten deutschen Adel, die Fürsten mit einbegriffen, die auf ihrem Stammbaume in der ganzen ersten Hälfte dieses Jahrhunderts auch nur ein Denkmal wie daS des Metzer Bürgers aufzuweisen vermöchten; geschweige denn des christlichen Sinnes im neuern deutschen Bürgerstande, der in der reichsten und stolzesten freien Reichsstadt die Stiftungen seiner bessern Vorzeit zwar conservativ fortverzehrt, die Gräber seiner Vorfahren aber, wie die seiner Ehegatten und ehelichen Kinder beschatten läßt von dem Alles überragenden Denkmal einer auswärtigen, ich meine von der babylonischen Schule. Man wird 254 zwar sagen, solche Stiftungen, wie das HoSpital de St. Constance in Metz, möchten voch auch in dem katholischen Frankreich eine Seltenheit, eine zufällige Ausnahme seyn. Allein obgleich es nicht die Absicht des Schreibers war, an Ort und Stelle Notizen mit Namen und Zahlen zu sammeln, und überhaupt einen Bericht zu erstat- ten, zu welchem ihm jetzt erst nur sein Gedächtniß zu Gebote steht, so können hier doch noch einige Beispiele hinzugefügt werden, welche allein aus Metz und aus den letzien Jahren entnommen, die Ausnahme fast zur Regel erheben. Ein Fräulein S. hat beim Antreten ihrer elterlichen allerdings bedeutenden Erbschaft sogleich den größern Theil unter die milden Stiftungen ihrer Vaterstadt vertheilt und z. B. den Waisen 60.000 Franken geschenkt. Ferner von Werken der Baukunst, zu weichen sonst unter Tausenden collectirt wird, sind neuerlich durch drei einzelne Damen aus Metz drei neue Kirchen in nächster Umgebung der Stadt ganz allein auS ihren Pri- vatmitteln, ohne besondere oder ohne alle Verpflichtung erbaut worden und zwar in Trepy bei Peltre eine kleine Basilika mit gemalten GlaSfenstern, gewiß nicht weniger als 80,000 Franken anzuschlagen, durch Mad. P. de C.; sooann zu Noiseville eine gleichfalls sehr anständige ländliche Kirche durch Fräulein M.; endlich aber in Woip- pieS, eine Stunde von Metz, die meisterbaft und im reinsten Style durchgeführte kleine gothische Kirche, welche über 130,000 Franken gekostet hat, durch Frl. M. Wir können noch ein weiteres Beispiel hinzufügen. Eine würdige Dame hört, daß ein junger Priester eö sich besonders eifrig angelegen seyn läßt, auS der zahlreichen Garnison, welche, wie die ganze Armee, keinen Aumonier mehr hat, die guten christlichen Gemüther aufzusuchen und ihnen mit Rath und That, mit Unterricht und geistlichem Troste nach Kräften beizustehen, Sie stellt ihm einen Saal in ihrer Wohnung zur Verfügung, worin er bald eine kleine militärische Gemeinde von 60 — 100 Mann versammelt Der Herr Bischof hilft nun seiner Seits nach; er enthebt ihn seiner bisherigen Vicarstelle und übergibt ihm förmlich die Sorge für die selbstgcbildete Gemeinde. Diese nimmt täglich zu und verbreitet immer größern Segen. Die Räume deS SaaleS reichen nicht hin und können zum kirchlichen Gebrauche nicht schicklich dienen. Da baut unsere hochherzige Dame Mad. P____sofort im Hofe ihres Hotels eine freundliche, ja geschmackvolle Mariencapelle an, welche ihr 46,000 Franken kostet. Die militärische Gemeinde ist nun bereits auf 800 Mann angewachsen; zwar nur ein kleiner Theil der großen Garnison, aber auS lauter Freiwilligen bestehend, welche noch obendrein Schwierigkeiten zu bekämpfen haben, um ihre Capelle öfter besuchen zu können. Die Wohlthäterin hat aber keinen andern Lohn von ihrer Stiftung, als daß sie in ihrer nichtsichtbaren Seitenloge im Chor täglich sich dem Dankgebete so vieler frommen und tapferen Soldaten anschließen kann Derselbe würdige junge Priester, Abb6 M., welcher gleichzeitig auch einen Handwerkerverein von mehreren hundert Mitgliedern gebildet hat und diesen sowohl als seinen Soldaten täglich Morgens die heilige Messe lieSt, Abends KatcchiSmuS und geschichtliche Vorträge hält, ist ein geborner Metzer und ein Liebling seiner Vaterstadt. Eö ist ein ganz kindliches aber feuriges Gemüth, und weiß, indem er sich selbst bescheiden zurückhält, seine Leute bewundernswürdig zur Selbstthätigkeit und zur Verbreitung seiner guten Werke anzuleiten. Anfangs sah die Militärbehörde seine Bemühungen mit Mißtrauen und einige Chefs argwöhnten legitimistische Umtriebe; junge Officiere mußten ihn eine Weile beobachten. Er aber wußte die letztem durch seine unwiderstehliche liebenswürdige Einfalt unbewußt so sehr zu beschämen, daß sie nicht allein zn seinen Gunsten zeugten und ihm Freunde und Zuhörer warben, sondern jetzt selbst mithelfen, den Soldaten in den Abendstunden allerlei nützlichen Unterricht zu ertheilen. Auch Schüler der Leols ä'gppliestion mit Officiersrang kann man da oft bis zehn Uhr AbendS noch mit der Kreide an der Tafel stehen und lehren sehen. Der jetzige Kriegsminister, General Randon aber, obgleich selbst Protestant, hat als Gouverneur von Metz noch vor wenigen Monaten der Einweihung der Capelle beigewohnt und begünstigt daö gute Beispiel auf alle Art. sSchluß folgt,) 255 England. Durch die definitive Annahme der Titel bill in der Sitzung deS Hauses der Gemeinen vom 4. Juli ist der umviderlegliche Beweis für die Unduldsamkeil der ang- licanischen Kirche vor aller Welt geliefert. Die englische Geistlichkeit wollte sich den ruhigen Besitz ihrer unermeßlichen Reichthümer, so wie die ausschließliche Herrschaft über daS religiöse Bewußtseyn der Bewohner der britischen Inseln sichern, und das ist ihr in so weit gelungen, als eS von ihr selbst und von dem unter ihrem Einflüsse stehenden Parlamente abhängt. Zweierlei wird durch dieses Ereignis, offenbar: erstens, daß der Katholicismus in England bereits dergestalt gekräftigt ist, um die Eifersucht und die Besorgnisse eines Bekenntnisses zu erregen, daS aus der Genußsucht eines englischen Königs hervorgegangen ist; zweitens, vaß man die englische Nationalität vorzugsweise als die Verfolgerin deS Katholicismus betrachten muß Daß der katholische Glaube in England täglich mehr Kraft und Ausdehnung gewinnt, unterliegt um so weniger einem Zweifel, je mehr man nicht bloß die Zahl der dort fast täglich stattfindenden Uebertritle zum Katholicismus, sondern auch die hohe sociale Stellung vieler Personen in daS Auge faßt, welche daö Schisma verlassen und in den Schooß der wahren Mutter der Völker zurückkehren. Unwiderleglich geht auch aus der Geschichte unserer Tage hervor, daß der Haß und die Verfolgung deö Katholicismus jetzt mehr als je ein Charakterzug der englischen Nationalität ist. Allerdings zeigt zu unsern Zeiten der Nachrichter dem Volke nicht mehr das Haupt eines Hingerichteten Thomas MoruS, allerdings färbt das Blut englischer Märtyrer nicht mehr daS Schaffst, dennoch ist es leider eine unbestreitbare Thatsache, daß die englische Verfolgung an Grausamkeit nicht abgenommen, wohl aber an Schlauheit zugenommen hat. Elend' und Hunger reiben in Irland die katholische Bevölkerung auf, und das reiche Albion weiß kein Mittel, will keines finden, ihre Leiden zu mildern. Binnen wenigen Jahren hat die katholische Bevölkerung Irlands um zwei Millionen abgenommen. AIS im Jahre 1829 die Emancipationsbill die königliche Genehmigung erhielt, hatte eS den Anschein, als sollte der katholische Cultus von seinen Fesseln befreit werden. Da schmiedet sie plötzlich nach einundzwanzigjähriger PrüfungSzcit Lord Russell wieder fester. Dadurch hat er ein Werk vernichtet, dessen Zustandebrin- gung dem Herzog von Wellington tausendmal mehr zur Ehre gereicht, als seine Siege in Spanien und Belgien. Es fehlte im englischen Parlamente keineswegs an vielfachen Betheuerungen des Liberalismus und der Toleranz; es waren aber nur leere Worte, nur höhnische Phrasen. In dem zwanzigjährigen Zeilraum, während welchem das Joch anglikanischer Unduldsamkeit minder schwer drückte, athmete der Katholicismus wieder auf und gewann frische Kraft, und bereits bedrohte die in ihm liegende Wahrheit die Herrschaft deS AnglicauismuS. Auch die den Katholiken noch belassenen bürgerlichen Reckte werden ihnen wieder entrissen werden, sobald ein kaiho- lischeS Votum dem Protestantismus auch nur einen Schatten von Besorgnis) einflößen wird. (Bilancia.) K öl n. Köln, 24. Juli. Gestern fand im großen NathhauSsaale dieser Stadt die Generalversammlung der Vjricenz vereine in (Nord-) Deutschland statt. Vertreten durch Deputirte waren die Vereine von Aachen, Düsseldorf, Neuß, Bonn, Koblenz und Andern ach; von den übrigen Vereinen, deren entferntester in Schwerin mit vielem Erfolge sich gebildet, waren die Berichte an den Provin« zialrath eingelaufen, welche, nachdem die persönlich Anwesenden ihre Vorträge geHallen, vorgelesen wurden. Die Versammlung war (durch die hiesigen zahlreichen Con- ferenzen) sehr groß, auch der Oberbürgermeister, welcher mit großer Bereitwilligkeit den schönen NathhauSsaal zu dem Zwecke eingeräumt kalte, so wie der Präsident der 25k Armenverwaltung, Herr Geheimrath BerghauS, waren von Anfang bis zum Ende zugegen. Das Präsidium führte Baron Devivere, den Ehrcnvorsih, da der Herr Cardinal abwesend, der hvchwürdigste Herr Wcihbischos. Die mannigfachen, aus verschiedenen Landestheilen eingehenden Berichterstattungen über die gesegnete, oft wunderbare Wirksamkeit dieses schönen Vereines und die Anwesenheit mehrerer mit dem Geiste und Zwecke des Vereines in engerm Zusammenhange stehende Ordenspriester machten diese Versammlung zu einer eben so interessanten als anferbauenden. Pater Jgnatius (Spencer) brachte aus Altengland seinen frommen Brmergruß und flehte in rührender Ansprache (er spricht schon recht verständlich die deuische Sprache) nm Gebete für sein Vaterland. Der Superior der erst seit einigen Monaten hier eingezogenen MissionSpriester (Lazaristen) Herr Hire hielt zum Schlüsse, im Namen seines Ordens — der Söhne deS heiligen Vincenz — über die Werkihä- tigkeit deS Glaubens in ächter Christenliebe eine ergreifende Rede. Die Versammlung schloß wie sie auch begonnen mit Gebet. Keine der frühern Generalversammlungen deS hiesigen Provinzialrathes war so zahlreich gewesen, keine so interessant und wichtig durch ihre Resultate: der Geist deS großen Heiligen waltete sichlbar in« mitten der Brüder und gibt die zuversichtliche Hoffnung, daß die junge Pflanze, kein erotisches, sondern ein heimatliches Gewächs, zum kräftigen Baume auf Deutschlands Boden heranwachsen werde. (M. I.) Köln. Für den Dombau ist bekanntlich eine Bruderschaft zusammengetreten, deren Statuten wir hier mittheilen: 8. 1. Unter dem Titel: St. Peters-Bruderschast wird eine Bruderschaft von Priestern errichtet, welche für den Foribau des hochbe-- rühmten Kölner Domes fromme Gaben beizuschaffen bezweckt. Z. 2. Die einzelnen Mitglieder dieser Bruderschaft übernehmen folgende Verpflichtungen: 1. Daß sie das gottgefällige Werk des DombaueS mit frommem Gebete unterstützen. Deßhalb werden sie an jedem Sonn- und Feiertage die unten angegebenen Gebete verrichten. 2. Daß sie außer derjenigen Gabe, welche sie aus eigenen Mitteln opfern, jährlich wenigstens 3 Thaler unter den Gläubigen einsammeln, indem sie jede Gelegenheit wahrnehmen, wo sie dieses sromme Werk der christlichen Freigebigkeit am besten zu empfehlen im Stande sind. 3. Daß sie, wenn sie ein Testament machen, in demselben eine beliebige Gabe zur Vermehrung des DombaueS vermachen. 4. Daß sie jährlich einmal das heilige Meßopfer verrichten für das Wohl der Bruderschafts-Mitglieder und aller Wohlthäter des frommen Unternehmens. §. 3. Zur möglichst leichten Organisation ist die Bruderschaft so eingerichtet, daß je zehn benachbarte Mitglieder einen unter sich haben, der als Vorsteher das von den Einzelnen aufgebrachte Gelo empfängt und jährlich zur rechten Zeit mit einer Nachweiseliste nach Köln in die Kasse der Bruderschaft schickt. Wenn diese Zehnzahl auf irgend eine Weise abnimmt, so hat dieser Vorsteher so bald wie möglich für ihre Wiederergänzung sich Mühe zu geben. Dieses Zusammentreten der zehn, so wie die Bestimmung ihres Vorstehers ist der freien Einigung der Bruderschafts-Mitglieder überlassen. Wenn eS aber in irgend einer Gegend Schwierigkeiten fände, so wird die geistliche Behörde dafür Sorge treffen. §. 4. Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Köln ernennt aus der Zahl derjenigen Mitglieder, welche in Köln wohnen, drei Verwalter, welche der gesamm- ten Bruderschaft vorstehen. §. 5. Das aufgebrachte Geld wird an die Erzbischöfliche Kasse übergeben und jährlich muß in der Octave von Pein Pauli darüber Rechnung gelegt werden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhabcr: F. C. Krem er. Eilster Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur c Augslmrger postSeitung. 17. August M»- zz. issi. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentspreis M kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Fortschritte des Katholicismus. Unter dieser Neberschrift brachte jüngst die „Neue Bremer Zeitung" einen Leitartikel, den wir wegen der seltenen Unbefangenheit und Gerechtigkeit, die er zu erkennen gibt, seinem ganzen Inhalte nach vorlegen zu müssen glauben. Er lautet: „Eine der großartigsten Erscheinungen unserer Zeit, ja wir dürfen Wohl sagen, die großartigste, ist die Wiedererhebung des Katholicismus aus dem tiefen Verfalle, in welchen derselbe, gleich dem Protestautismus, in Folge der so lange unaufhaltsam um sich greifenden Verbreitung jener flachen Aufklärerei gesunken war, die sich noch heute unrechtmäßiger Weise mit den Namen der Bildung und der Philosophie schmückt, während sie doch das Gegentheil jeder wahren Bildung ist, und jeder tieferen philosophischen und wissenschaftlichen Begründung entbehrt. Die revolutionären Bewegungen der Jahre 1348 uns 1849 bezeichnen den Wendepunct, der den Sieg des Katholicismus über die Gefahren entschieden hat, die ihn in den vornehmsten Mittelpuncten seiner Macht mit dem Untergange bedrohten. Noch sind kaum zwei Jahre vergangen, seit der Papst nur unter dem Schutze fremder Bajonette in die Hauptstadt zurückkehren konnte, aus der ihn der Aufruhr vertrieben; und heute sehen wir die römische Hierarchie eine weltgebietende Macht entwickeln, wie sie dieselbe seit jenen Tagen veö MittelallerS nicht mehr geübt hat, wo Völker und Fürsten vor den Bannstrahlen deS Vatikans zitterten. In Italien, im Kirchenstaate selbst, ist diese Macht zwar auch jetzt noch keineswegs befestigt; sie wird hier nur durch die fremde Gewalt aufrecht gehalten, welche die Revolution äußerlich unterdrückt hat, und die nicht zurückgezogen werden darf, wenn die in die Gemüther zurückgedrängte Gähruug nicht von Neuem in hellen Flammen ausbrechen soll. Aber die Macht der römischen Hierarchie ist, als eine geistige, an keinen Ort gebunden. Der Nachfolger deS heiligen PetruS kann seinen Sitz an jeden beliebigen Punct der Erdoberfläche verlegen; unv er wird die katholische Kirche, die ihn als den Stellvertreter Gottes auf Erden anerkennt, seinen Geboten eben so gehorsam -finden, als wenn seine Befehle von Rom ausgingen. Auch dürfen wir die Zustände Italiens nicht nach dem äußern Scheine beurtheilen; hier, wie beinahe in dem ganzen übrigen Europa, ist den finstern Mächten der Revolution nur ein Theil der sogenannten gebildeten Stände verfallen. Die Massen der ländlichen und selbst der städtischen Bevölkerungen hallen noch fest an dem allen Glauben; und die Revolution verdankt ihr Ucbergewichl nur dem allgemeinen Hasse gegen die Fremden, den sie geschickt zu ihren Zwecken zu benutzen weiß. In Frankreich hat der katholische Klerus nicht trotz, sondern in Folge der Februarrevolution einen Einfluß gewonnen, den demselben alle Begünstigungen der Restauration während ihrer ganzen fünfzehnjährigen Dauer nicht zu gewähren vermochten. Die Ursache liegt aber keineswegs darin, wie man wohl zu behaupten 238 versucht hat, daß die revolutionäre Bewegung von 1848 in Frankreich Überhaupt keinen gegenreligiösen Charakter gehabt habe. Die Grundsätze der Revolution sind heute dieselben, die sie im Jahre 1789 und die sie im Jahre 1793 waren. Aber die Machthaber, welche durch die Ueberraschung des 24. Februar die Gewalt an sich rissen, mußten zu ihrem Schrecken wahrnehmen, daß selbst die irregeleiteten Arbeiter- Massen, die sie in Bewegung setzten, von religiösen Gefühlen durchdrungen waren, unv sie wagten es deßhalb nicht, diesen Gefühlen entgegenzutreten. Die Freiheit der Religionsübung und die Freiheit des Unterrichts, welche die demokratische Verfassung von 1848 aussprach, hatte gewiß nicht zum Zwecke, den Einfluß deS katholischen Klerus zu erweitern; aber durch diese Bestimmungen wurden die Schranken niedergerissen, welche die frühere revolutionäre Gesetzgebung dem Einflüsse des Klerus gesetzt hatte, und mehr bedürfte derselbe nicht, um durch die Kraft seiner natürlichen Ausdehnung von dem ganzen weiten Gebiete Besitz zu ergreifen, von dem er bisher durch die Gesetze des Staates ausgeschlossen war. Zu dieser Stunde ist in dem größten Theile von Frankreich der ganze niedere und mittlere Unterricht in den Händen des katholischen Klerus, den allerdings auch die gegenwärtige Regierung begün» stigt, weil sie in ihm neben der Treue des durch die Bande der Disciplin zusammengehaltenen, und von bewährten Anführern befehligten Heeres die festeste Stütze der Ordnung sieht. Nicht weniger bedeutsame Eroberungen, wie in Frankreich, hat der Katholicismus bei uns in Deutschland gemacht; und man darf es sich nicht verbergen, auch bei uns ist es viel weniger die Gunst der katholischen Regierungen, als die durch die revolutionären Verfassungen verkündete Freiheit, welche ihm das Feld eröffnet und eingeräumt hat. Die Schranken sind gefallen, welche die weltliche Macht auch in den katholischen Staaten zu ihrem Schutze gegen die römische Hierarchie aufgerichtet hatte. Mehr ist selbst in Oesterreich nicht geschehen, und Alles, was wir von dem beherrschenden Einflüsse vernehmen, zu dem hier die katholische Geistlichkeit gelangt sey, läßt sich darauf zurückführen, daß jene Bestimmung der Verfassung vom 4. März 1849, welche „„jeder gesetzlich anerkannten Kirche und Neligionsgesellschast"" das Recht zugesteht, „„ihre Angelegenheilen selbstständig"" zu ordnen unv zu verwalten, ausnahmsweise in Bezug auf die katholische Kirche zur Ausführung (?) gebracht ist. Wenn wir nun sehen, wie die römische Hierarchie durch die der katholischen Kirche eingeräumte Selbstständigkeit sich zu einer imponirenden Macht erhebt, der gegenüber der in sich gespaltene, durch den Unglauben bedrängte Protestantismus beinahe vollkommen rathlos und hilflos erscheint, so finden wir eS zwar leicht begreiflich, daß ans unserer, der protestantischen Seite, die ernstesten Besorgnisse entstehen; wir können eS aber unmöglich billigen, wenn man die Herausforderungen und Angriffe, zu denen das doch nur auf irriger Schätzung der Kräfte beruhende Gefühl der überlegenen Macht von der andern (katholischen) Seite nur zu häusige Veranlassung gibt, durch gleiche Herausforderungen und Angriffe erwidern zu dürfen glaubt. Wir haben nicht den Katholicismus zu bekämpfen, mit dem wir in den wesentlichsten Fragen einig sind, wenn auch in andern, doch immer weniger wesentlichen, eine noch so weite Kluft uuS trennt. Wir sollen vielmehr durch das erhebende Beispiel, das der Katholicismus uns.gibt, uns zur Nacheifcrung anfeuern lassen. Wir sollen vor allen Dingen da, wo es uns an der festen kirchlichen Ordnung fehlt, aus welcher der Katholicismus seine siegreiche Macht schöpft, mit Ernst daran gehen, auch in unsern Reihen die Ordnung herzustellen. Sobald wir dieß gethan haben, werden auch wir im Stande seyn, unsern wahren Feind', den Unglauben, der sich in unsere Mitte eingeschlichen hat, mit Erfolg zu bekämpfen; und dann können wir auch den Angriffen, welche die römische Hierarchie gegen uns richten mag, getrost und unbesorgt entgegen sehen." 859 Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt. (Schluß.) Doch eS ist Zeit, nach der Aufzählung so vieler einzelnen Werke und Anstalten katholischer Liebe und Thätigkeit, zu dem AuSgangSpuucte zurückzukehren, zu dein Kerne der bürgerlichen und christlichen Gesellschaft, welche in der französischen Pro- vinzialstadt zweiten Ranges solche Beispiele zu geben vermag. Von der städtischen Verwaltung, der Municipalität von Metz, wollen wir nur so viel erwähnen, daß sie als solche sich gegenüber der Kirche und den religiösen Interessen streng auf ihre gesetzliche Verpflichtungen, wie auf eine neutrale Stellung zurückzieht, jedoch mit Humanität unv dankbaren Rücksichten denjenigen wohlthätigen Vereinen entgegenkommt, deren Wirksamkeit da anfängt, wo der verpflichtende Buchstabe des Gesetzes aufhört. Wir setzen voraus, daß den Lesern die innere Einrichtung der Vincentiuö- vereine bekannt ist, wie dieselbe überall in einem und demselben Geiste, gleichsam als weltliche Ordensregel angenommen ist. Wir können daher von Metz sogleich einige Besonderheilen angegeben. Der Verein, welcher von P. Lacordciire gestiftet, jetzt dreizehn Jahre besteht und mehr als 100 wirkliche thätige Mitglieder zählt, hat sich demohngeachtet noch immer in einer einzigen Conferenz zusammengehalten, und die öfter vorgeschlagene Trennung in mehrere Abtheilungen bis jetzt noch nicht ausgeführt. Er zählt außerdem 36 Wohlthäter (welche den veräußerlichen Theil des Reservefonds durch ein Capital vermehrt haben), 140 Ehrenmitglieder und mehrere hundert eingeschriebene Kchenker und Schenkerinnen. Ein Frauenverein, wie die deutschen Elisabethenvercine, steht ihm in Metz nicht zur Seite, aber vier barmherzige Schwestern sind eigens für die entsprechenden Zwecke deS Vereines in beständiger Thätigkeit. DaS jährliche Budget beträgt durchschnittlich etwa 12,000 FrcS., welche gruncsätzlich, wie überall, nicht baar, sondern in Anschaffungen an die Armen gelangen. Einen Auszug der letzten Jahresrechnung wollen wir aus den letzten NechnungSablagen hier beifügen. 5) Der Jahresbericht wird jedesmal vor Neujahr in einer größern öffentlichen Versammlung erstattet. Hiebei pflegt der lebenslängliche Präsident Herr F. seit einer Reibe von Jahren immer mit musterhafter christlicher Beredsamkeit und der Bescheidenheit und Herzlichkeit, welche nach dem Geiste des Vereines Gesetz ist, die vorzüglichsten Erlebnisse des zurückgelegten Zeitraumes zu ') Einn ah in e n. Uebcrschuß Vom vorigen Jahr einschließlich des veräußcrlichcn Reservefonds Wöchentliche und außerordentliche Sammluugcn..... Beiträge der Mitglieder ........ Ertrag der jährlichen Lotterie........ Von der Commission der Bälle........ Zinsen des vcräußerlichcn Reservefonds Gaben zu bestimmten Zwecken...... Verkauf von Brod-, Kohlen- und andern Anweisungen Summa . . . t7,YS2 Pfund Brod . 504 Kil, S00 gr, Fleisch , .50,444 Kil. 500 gr. Steinkohlen 11,440 Lit. Holzkohlen Ofcnmiethen Kosten der Bibliothek Burcaukostcn, Auslage, Ausfälle Kleiningssiücke, Bettungen u, s, w> Gcfänanißwcrk . . . . Acrztliche Auslagen . . Jahr 1850 vermehrt um 2150 Frcs. Ausgaben. Summa 4425 Frcs. 52 Ct. 1155 — 85 — 3921 — so — — 90 — 450 ^ „ 364 — 20 — 332 —' ,» ^ 318 — „ — 14560 — 7 — 3140 — 35 — 454 — ' S 1049 — 25 — 1235 — 80 — 5S1 — 35 874 — 90 — 176 ' — » ^ 49 — 90 - 7621 — 6» — crvcfond hatte sich im 2«0 schildern und die Gesellschaft wird in der Regel auch von Seiten des Herrn Bischofs mit einem Lobe und einer Aufmunterung erfreut. Außer der gewöhnlichen Armenpflege dnrch die besuchenden Mitglieder hat sich der Verein von Metz besonders in folgenden zum Theil neuen Richtungen vervoll, kommnet. Die Bibliothek, wodurch der furchtbaren Ueberschwemmung der siltenver- derblichen und selbst gotteslästerlichen Literatur der Leihbibliotheken Concurrenz gemacht wird, beträgt jetzt 4000 Bände, welche im letzten Jahre 44,500 Leser gefunden hatten, und unter den Handwerkern schon anfangen, eine katholische öffentliche Meinung zu bilden. Ein Versuch war nur erst gemacht worden mit einer Hausmiethen- sparcasse. Dagegen hatte das gute Werk des Besuchs der Militärgefängnisse dem Verein schon reichen Lohn deS Erfolges gebracht. Man sieht hieraus, daß auch die Militärautoritäten dem heilsamen Einfluß christlicher Aufopferung die Thüren öffnen und es nicht unter ihrer Würde achten, mit dem Vincentiusverein über das LooS eines armen Sträflings sich zu verständigen. Allerdings wird dieß den Besucher nicht wundern, der etwa als Mitglied eines auswärtigen VincentiuSvereinS in Metz an einem Freitag Abend in die Conferenz eingeführt und als Bruder aufgenommen worden ist; denn da erblickt er mitten in der Reihe greiser Bürger auS allen Ständen auch eine ganze Anzahl von Officieren, theils pensionirte alte Schnurrbärte der großen Armee, theils active Stabsofficiere, theils auch junge Fähndriche der Artillerieschule in voller Uniform und in voller eifriger Thätigkeit. Er wird nicht allein die Geschäftsübung und Geläufigkeit in der Behandlung der vorgeschlagenen Anforderungen, sondern viel mehr noch die heitere Stimmung, daS herzliche gegenseitige Vertrauen bewundern, mit welchem die Fürsprecher bald für alte noch nicht gerathene, bald für neue Pflcgbefohlene in der Versammlung behandelt werden. Er fühlt klar, daß es sich bei den Anwesenden nicht darum gehandelt hat, sich mit den Armen pflichtmäßig abzufinden, sondern daß sie eine beständige Lehre und Uebung der eigenen Besserung gefunden haben und den Armen für ihren Beitrag auch dankbar sind. Die Conferenz von Metz darf wohl als eine Schule der Demuth und Würde unter den Vereinen gerühmt werden. Der gute Geist, der in einer Stadt die Unternehmungen christlicher Liebe mir geringen Mitteln und kleinen Anfängen belebt, erscheint zuweilen als die Inspiration eines einzigen ManneS. In Metz waren Viele geneigt, alles Gute, was lange geschehen ist, auf Rechnung des Abbö Chalendon zu setzen, eines gebornen Lyoners, der viele Jahre allerdings höchst segenreich in Metz gewirkt hat; allein nachdem derselbe, jetzt Bischof von Thaumacum, seit einem halben Jahre zum Coadjutor mit Nachfolgerecht in Bellay ernannt und dahin abgegangen ist, überzeugt man sich, daß im Weinberge des Herrn der Segen christlicher Arbeit, wenn derselbe gute Wille nur bleibt, nicht von der Kunst eines einzigen Winzers abhängig gemacht ist. Man hört auch wohl im Volke in den Kaufläden Urtheile und Erzählungen von einzelnen wackern Männern aus dem Verein; „dieser hat den armen Schulbrüdern ein HauS gebaut für die christliche Volksschule; aber die zc. sind auch alle brav, sie sind eS immer gewesen;" „jener war früher St. Simonianer, er kennt deßhalb die Menschen und ihre Irrthümer um so besser, er hat alles reichlich gut gemacht;" „da sehen Sie Herrn v. P., der hat nun alle Menschenfurcht überwunden, er trägt ihnen einen Kranken auf seinen Schultern nach Hause uud läßt ihn von seinen Mädchen pflegen und doch ist er nicht mehr reich." Aber von denselben also.gelobten Männern hört man das Anerkenntnis- „nein, unsere Handwerker geben uns oft die treffendsten Beispiele; an ihrer Einfalt und praktischen Weltkcnntniß müssen wir uns spiegeln." Der Vincentiusverein setzt nun eine Ehre darin, nickt eines von den vielen guten Werken, welche von ihm ausgehen, oder mit ihm in Verbindung stehen, verfallen zu lassen. Wir wollen deren nur noch zwei nennen: den Schutzverein für unbemittelte sparsame Mädchen (loeuvre tle8 jc-unes 6ecmomo5) mit Arbeitsschulen unter Leitung von fünf barmherzigen Schwestern und einem eignen Budget von durchschnittlich 7000 Frcs. und den Verein vom heiligen Franciscuö RegiS, S61 welcher den ganz speciellen Zweck hat, durch Verwendungen aller Art die wilden Ehen unter den Armen zu gesetzlichen zu machen. In Metz und nächster Umgegend wurden so im vorigen Jahre 80 Ehen legalisirt und 33 Kinder durch Hilfe des Vereins legitimirt. Die letzten hier angeführten Thatsachen und Zahlen sind den gedruckten Jahresberichten entnommen und könnten durch viele interessante Bemerkungen aus denselben Quellen bereichert werden; die ganze frühere Erzählung dagegen ist auS planlos und zufällig empfangenen Eindrücken, aus gelegentlichen Besuchen und Wahrnehmungen entstanden. Wer auf den Fußstapsen des Berichterstatters mit Fleiß und Absicht dasselbe Feld besuchen wollte, würde ohne Zweifel eine reichere Aehrenlese halten. Ich weiß wohl, daß eS eine große Illusion wäre, den Zustand der französischen Welt nach Schilderungen aus Lothringen oder auö der Bretagne und Franche- Comit6 zu beurtheilen, die wie Goldadern in unermeßlichen Steinmassen erscheinen können; allein noch irriger wäre es, wenn man das Leben des Volkes, des überwiegend noch katholischen Volkes der Franzosen nach den Pariser Zeitungen und unsern meist daraus nachgeklalschten deutschen Blättern aburtheilen'wollte; selbst Paris hat seine katholische Seite, die nur die wenigsten Fremden kennen lernen. Frankreich hat in nächster Zeit noch große nothwendige Krisen und Prüfungen zu bestehen; eS hat große Sünden in der Weltgeschichte zu büßen, allein dort werden sich bald die wahren urgründlichen Gegensätze im Kampfe einfach und klar gegenüber stehen; möge dann Gott das feurige Gebet so vieler auserwählter Seelen erhören und ihre Sühnopfer in Gnaden annehmen, als welchem gewiß Viele, gleich dem Erzbischof Affre, ihr eignes Leben der Rettung ihres ganzen Geschlechtes auS dem Verderben zu weihen bereit stehen. Auch für uns können dort Siege errungen werden. Denn wenn gleich das Leben der Heiligen mit gutem Rechte von der eignen Nationalität für sich in Anspruch genommen wird, so kennt doch ihr Tod keine engen LandeSgränzen; das Blut der Märtyrer gehört der katholischen Welt. 5) Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. **) (Fortsetzung.) 210. Versuchung. Es kann der Feind die Bewegung der Versuchung erregen, aber an dir liegt eS, ob du ihm Beistimmung geben oder versagen wollest. In deiner Macht steht eS, *) Wir können uns nicht versagen, in Bezug auf die Verdienste einzelner christlichen Helden und ganzer Orden, einen verwandten Gedanken aus Cl. Brentano's „barmherzigen Schwestern" hier wieder abzudruckein „Daß diese heilbringenden Orden so häufig in Frankreich sind, ist eine Gnade, die Frankreich durch die heiligen Priester und gottseligen Menschen zu Gute kömmt, welche diese scgcnbringcnden Institute mit Gottes Beistand gegründet und unterhalten haben. Der Staat bezahlt diese'wohlthätigen Orden nicht, er schützt sie und gibt ihnen seine Hilfsbedürftigen zur Pflege, weil er diese Pflege besser uud wohlfeiler bei ihnen erhält; ja der Staat hat sie sogar in seinen revolutionären Rasereien zertrümmert, gemartert und gemordet, nnd doch sind sie demüthig und ohne Rache zurückgekehrt, als er sie wieder wünschte. Wenn nun andere Länder die Wohlthat solcher Institute in solchem Maaße entbehren, daß sie bei dem oberflächlichen Anblicke derselben schon in Staunen gerathen, so ist dieses ein Beweis, daß sie nicht in den unmittelbaren Bereich der Gnaden gehören, welche die heiligen Stifter dieser Orden ihrem Vatcrlandc vorzugsweise errungen haben, daß sie kein Erbrecht auf diese Gnaden haben, welche man nicht mit Geld erkaufen kann, sondern die aus dem religiösen Zustande des Vaterlandes selbst erwachsen. Man ist in vielen Ländern gewohnt, ans Frankreich zu schmähen, weil man gewohnt ist, alles Ueble an Grnndsätzcu, Sitten und Moden mit vielem Gelde dort zu erkaufen, während man den übergroßen Schatz des Guten nnd Heiligen dort leichtsinnig am Wege liegen läßt, und kaum zu würdigen, viel weniger aus eigenem Grnndc Aehnliches zu erzeugen vermag, welches Letztere doch, so man auf die rechten Grundlagen baute, möglich seyn müßte, denn Frankreich hat Solches auch aus sich selbst erzeugt, und zwar in seinen lururiösestcn Zeiten. Es sind aber diese Heilsanstaltcn einzig und allein die Früchte der kirchlichen Einigkeit und der großen Seelen, die aus ihr hervorgegangen." S, Nro, 10 des Sonntagsbciblattcs, S6S ob du deinen Feind zu deinem Knecht machen willst, daß dir alle Dinge zum Besten dienen. Denn siehe, der Feind entzündet daö Verlangen nach Speise, er bringt Gedanken der Eitelkeit oder Ungeduld bei, oder auch er erregt der Wollust Reiz. Stimme nur durchaus ihm nicht bei, und wie oft du Widerstand geleistet hast, so oft wirst du gekrönt werden. Wir selbst tragen unsern Fallstrick und den eigenen Feind überall herum: dieses Fleisch meine ich, das von der Sünde empfangen, in der Sünde genährt, durch die böse Gewohnheit verdorben ist. Desselben bedient sich zum Angriffe gegen uns die überaus listige Schlange, die kein anderes Verlangen, keine andere Mühe, kein anderes Geschäft hat, als das Blut der Seelen zu vergießen. Sie ist eS, die beständig auf Böses gegen nns sinnt, Sie ist eS, die unsere Hände mit unserm eigenen Bande bindet,, damit das Fleisch, welches uns gegeben ist zur Beihilfe, für uns zum Untergange und Fallstricke werde. Doch an uns ist cö gelegen, ob wir gebunden werden wollen: und Niemand von uns wird in diesem Kampfe gegen seinen Willen unterliegen. Unter dir, o Mensch, soll ihre Begier seyn, und du sollst über sie herrschen. Aber wer sind wir, und welches ist unsere Stärke, daß wir so vielen Versuchungen zu widerstehen vermögen? DaS war es sicherlich, was Gott suchte, das war es, wohin er unS zu führen sich bemühte, daß wir unsere Schwäche einsehen, und daß wir, weil wir keine andere Hilfe haben, in tiefster Demuth zu seiner Barmherzigkeit hineilen. Beschwerlich ist uus die Versuchung deS Feindes, aber weit beschwerlicher ist ihm unser Gebet. Es verletzt uns seine Bosheit und Arglist, aber weit mehr peiniget ihn unsere Einfalt und Barmherzigkeit. Unsere Demuth kann er nicht enragen, er wird gebrannt durch unsere Liebe, er wird gekreuziget durch unsere Sanftmuth und unsern Gehorsam. Das will ich euch im Voraus ermähnen, daß Niemand auf Erden ohne Versuchung siegen werde: damit derjenige, der vielleicht auS einer Versuchung kam, eine andere sicher und furchtsam erwarte, und wenn er bittet, davon befreit zu werden, daß er in diesem Todesleibe sich niemals eine vollständige Freiheit oder Ruhe zu versprechen wage. In diesem Stücke müssen wir die gütige Anordnung der göttlichen Liebe betrachten, daß sie unS in einigen Versuchungen längere Zeit zu schaffen gibt, damit nicht vielleicht noch gefährlichere uns begegnen. Von andern aber befreit sie unS schneller, damit wir wieder in andern, von denen sie voraussieht, daß sie uns nützlicher seyen, geübt werden können. So voll von Versuchungen ist unser Leben, daß es, nicht mit Unrecht, selbst eine beständige Versuchung genannt werden muß. Wenn wir also den Anfall der Versuchung im Gedanken empfinden, so wollen wir sogleich zn Golt fliehen und demüthig um seine Hilfe flehen. Denn die Menschen können fallen, so lange sie auf Erden zurückgehalten werden. Einige fallen, Andere fallen nicht, weil Gott die Hand unterlegt. Aber wie werden wir sie unterscheiden können, daß wir trennen die Gerechten von den Ungerechten? Aber dieser Unterschied ist zwischen ihren Fällen, daß der Gerechte vom Herrn aufgehoben wird, und so stärker aufsteht: der Ungerechte aber, wenn er gefallen ist, wird nicht wieder ausstehen, ja er fällt sogar noch einmal, nämlich in schädliche Scham oder in Schamlosigkeit. Denn entweder entschuldiget er, was er gethan hat, und das ist die Scham, welche die Sünde herbeiführt, oder er wird wie die Stirne einer Hure, und fürchtet weder Gott noch Menschen mehr, und rühmt sich öffentlich seiner Sünde wie Sodoma. Der Gereckte aber fällt auf die Hand des Herrn, und auf eine gewisse wunderbare Weise verhilft ihm die Sünde selbst zur Gerechtigkeit. Oder verhilft uns jener Fall nicht zum Guten, durch den wir besser und vorsichtiger werden? Nimmt nicht der Herr jenen Fallenden auf, der von der Demnth aufgehoben wird? In der Schöpfung, in der Erlösung und in allen übrigen Wohlthaten ist er der Gott Aller: aber in ihren Versuchungen haben ihn einzelne Auserwählte ganz besonders eigen; 263 denn so ist er bereit, den Fallenden aufzunehmen und den Fliehenden herauszureißen, daß man es sehen kann, er verwende die Mühe auf Einen, während die übrigen zurückläßt. Daher ist es für jede Seele heilsam, immer auf Gott zu merken, nicht nur als auf ihren eigenen Helfer, sondern auch Zuschauer. Man weiß nämlich, daß die Teufel das Menschengeschlecht um sein doppeltes Glück beneivcn; sie wetteifern, die Menschen um ihr beiderseitiges Wohl zu betrügen, nämlich um ihr himmlisches und irdisches, jedoch mehr um den Thau des Himmels, als um das Fett der Erde. Das ist von großem Nutzen zu wissen, auf welcher Seite die hartnäckige Menge der Feinde heftiger andringe. Dort nämlich muß man um so eifriger entgegen kämpfen, wo eine größere Versuchung drängt, wo daS ganze Gewicht des Krieges droht, wo der Grund des Kampfes liegt. Daher steht entweder den Besiegten eine schmähliche Gefangenschaft oder den Siegern ein triumphiren- der Ruhm bevor. Denn eS ist bekannt, daß uns die Teufel zwar um Himmlisches unv Ewiges mehr beneiden: doch geschieht dieses nicht, damit sie erhalten, was sie unersetzlich verloren haben, sondern damit nicht der auS dem Staube gehobene Arme dorthin gelange, von wo sie, geschaffen in Herrlichkeit, unwiderbringlich gefallen sind. Ihre verstockte Bosheit ist unwillig und schwillt auf vom Neide, daß die menschliche Gebrechlichkeit erhalte, waS sie selbst zu behalten nicht verdient hat. Aber wenn sie zuweilen Jemanden zeitlichen Schaden zuzufügen sich bemühen, oder sich freuen, wenn einer zugefügt wirv, so zeigt sich ihre ganze Bosheit besonders darin, daß der äußere Schaden, der einem Menschen zugefügt wird, entweder diesem selbst oder einem Andern Gelegenheit zu innerm werde. Denn das ist der ganze Kampf der Schalkheitsgeister gegen uns, daß sie unS verführen und hinführen auf ihre Wege und zu dem bestimmten Schicksale, daS ihnen bereitet ist. „Auf Nattern und Basilisken wirst du wandeln, und treten auf Löwen und Drachen." Was wird der menschliche Fuß unter diesen thnn? WaS für eme menschliche Zuneigung kann gegen solch fürchterliche Ungeheuer bestehen? ES sind nämlich die Bosheitsgeister, und zwar mit nicht unpassenden Namen bezeichnet. Wer kann aber wissen, ob unter ihnen die Handlungen der Bosheit vertheilt sind, die Geheimnisse der Schlechtigkeit, so, daß sie nach den verschiedenen Verrichtungen oder vielmehr Uebelthatm auch verschiedene Benennungen erhalten haben? Einer heißt Natter; ein anderer Basilisk, einer Löwe, ein anderer Drache, weil sie nämlich auf ihre unsichtbare Weise auch verschieden schaden, einer durch den Biß, der andere durch den Anblick, einer durch Gebrüll und Anfall, der andere durch Hauch. ES ist nicht nachzugeben, noch zurückzuweichen, auch wenn eine heftige Hitze der Versuchungen den beiderseitigen Zustand deS Menschen belästiget. Wählen wir lieber zu brennen, als einzuwilligen. Was will ich mit dem Siege, wenn ich nicht einmal im Treffen gewesen bin? Unverschämt masse ich mir Ruhm an ohne Sieg, oder Sieg ohne Kampf. Vier Arten von Versuchungen gibt es, welche unS durch prophetische Rede so beschrieben werden: „Wie ein Schild umgibt dich seine Wahrheit, du darfst nicht fürchten nächtlichen Schrecken: nicht den Pfeil, der am Tage fliegt, nicht das Ding, so im Finstern wandelt: nicht den Anfall des mittägigen Teufel.S." Dieß sind die vier Versuchungen, die unS überall umgeben und eS nöthig machen, daß wir auch umgeben scpen durch den Schild deö Herrn, daß er uns zur Rechten und Linken, vor unS und hinter unS sey. Die Wahrheit aber umgibt, weil er der Wahrhastige ist, der eö verspricht. So stachelt die Erstlinge unserer Bekehrung zuerst die Furcht auf, die sogleich den Eintretenden einjagt die Strenge einer beschränkenden und ungewohnten Zucht. Und diese Furcht wird nächtlicher Schrecken genannt, weil in der heiligen Schrift die Nacht das Widerwärtige zu bezeichnen pflegt, und wir wegen des Guten, daS Wir nicht sehen, uns fürchten, die gegenwärtigen Uebel zu ertragen. S64 Haben wir aber diese Versuchung überwunden, so müssen wir uns nichts desto weniger gegen die Lobsprüche der Menschen waffnen, welche ihren Stoff vorzüglich vom lobenswerthen Leben nehmen. Sonst werden wir ausgesetzt seyn der Verwundung des am Tage fliegenden Pfeiles, welcher der eitle Ruhm ist. Der Ruf fliegt, und zwar am Tage, weil er kommt aus Werken des Lichtes. Wenn derselbe als eine leere Luft ausgeblasen wird, bleibt uns übrig, daß wir uns Festigkeit aneignen wegen der Reichthümer und Ehren, damit nicht Würden suche, der um das Lob unbekümmert ist. Außerdem würden wir hintergangen werden von dem Ding, so im Finstern wandelt, welches die Verstellung ist. Denn sie kommt vom Ehrgeize, und im Finstern ist ihre Wohnung, weil sie verbirgt, was sie ist, und lügt, waö sie nicht ist. Sie macht Geschäfte zu jeder Zeit, behält die Gestalt der Frömmigkeit bei, und eignet sich ihre Gewohnheit und alle Ehren zu. Die letzte Versuchung ist der mittägige Teufel, der am meisten den Vollkommenen nachzustellen pflegt, die als Männer der Tugenden AlleS überwunden haben, Vergnügen, Gunstbezeigungen und Ehren. Denn was bleibt dem Versucher anrcrs übrig, wcßwegen er gegen Solche offen kämpfen könnte, da er sieht, daß sie auf jede Weise die Gerechtigkeit lieben und daS Unrecht hassen? Warum könnte das nicht geschehen, daß er das Unrecht zudecke mit der Larve der Tugend? ES soll also viertens diese Versuchung gefürchtet werden, und je höher Jemand sich stehen sieht, desto wachsamer hüte er sich vor dem Anfall des mittägigen Teufels. Ich halte dafür, daß dieser Teufel deßwegen der mittägige heiße, weil eS unter der Anzahl der bösen Geister einige gibt, die wegen ihres finstern und hartnäckigen Willens mit Recht Nacht und ewige Nacht sind: doch sie verstehen eS, sich als Tag auszugeben, um uns zu täuschen, nicht nur als Tag, sondern sogar als Mittag. Und dann erscheint der Versucher als Mittag, d. i., als größerer Glanz, wenn er den Schein des größern Guten annimmt. Jene Versuchungen werden leicht besiegt und leicht durch die Vernunft angegriffen, welche entweder an sich verdächtig sind, oder gleich beim ersten Anblicke sich als bös zu erkennen geben. Welche aber unter dem Schein dcS Guten sich eiuschlei- chen, werden schwerer unterschieden und gefährlicher zugelassen. Denn gleichwie eS schwer ist, in dem Maaß zu halten, was man als gut glaubt, so ist auch nicht immer das Verlangen nach jedem Guten sicher. Aller Versuchungen aber und böser und unnützer Gedanken Grund ist der Müssiggang. Sache der Teufel ist eS, böse Eingebungen beizubringen, unsere Sache ist eS, ihnen nicht beizustimmen. Denn so oft wir widerstehen, überwinden wir den Teufel, erfreuen die Engel, ehren wir Gott. Denn er selbst ermahnt uns, daß wir kämpfen, er hilft uns, daß wir siegen: er schaut den Kämpfenden zn, er richtet die Wankenden auf, er krönt die Siegenden. Aber wehe, wehe! Weder das Meer kann ohne Fluthen, noch dieses Leben ohne Versuchungen seyn: und.es kann kein fester und dauerhafter Friede seyn, außer im Reiche Gottes. Der Satan ist eS, der beständig auf Böses sinnt, der verschlagen redet, künstlich beibringt, schlau hintergeht, unerlaubte Begierden anbläst und giftige Gedanken entzündet: er erregt Kriege, ernährt den Haß, reizt die Eßlust, erzeugt die Wollust: er stachelt an die Begierden des Fleisches, bereitet Gelegenheiten zur Sünde, und hört nicht auf, durch tausend Künste die Herzen der Menschen zu versuchen. (Sowohl für Beichtväter als auch für Beichtkinder möchte dieser etwas längere Artikel von der Versuchung von großem Nutzen seyn, in welchem der heilige Bernard sich als Meister der wahren Selbstkenntniß zeigt. Auch erinnert daran das Comple- torium des Priestergebetes alle Tage.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 24. August M- A^. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis kr., wofür es durch alle kom'gl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Die Kirche und drei Gegner derselben. *) I. Es liegt in der Natur der Sache, daß, je mehr die Kirche sichtbar vor allen Augen im Ringen gegen den alles Menschliche und Göttliche verhöhnenden Zeitgeist an äußerer Lebenskraft gewinnt, je gefährlicher sie der vor 30V Jahren geborenen und nun zum Riesen herangewachsenen Revolution zu werden droht, desto mehr die schlimmen Mächte, auf welche diese sich stützt, sich aufraffen, um den gemeinsamen Feind in seinem Vorwärtsschreiten zu hemmen oder zurückzudrängen. Sie kommen allwärtS in Gährung, und versuchen, jede auf ihre Art, gegen die mit der Leidenskrone des Herrn gerüstete und unter diesem Waffenschmucke unbesiegbare Braut desselben einen Schwertschlag zu sühren. Die großartige katholische Bewegung, welche in verschiedenen katholischen und protestantischen Ländern sich kundgibt, hat vorab und hauptsächlich den Ingrimm der Religionspartei auf sich gezogen. Diese begnügt sich nicht mehr damit, von dem vermeintlichen Höhepuncte ihres geistigen Aufklärichts auf die sogenannte Ver- dummungslehre der Kirche oder den Köhlerglauben der Menge herabzublicken, und sie mit den Waffen des Spottes in den literarischen Producten ihres unreinen Geistes anzugreifen und zu untergraben; sie fühlt die Macht, die in der Kirche, in dem von ihr verkündeten und beobachteten Glauben, liegt; sie sieht die Gefahr, welche aus einem neuen Aufschwünge des religiösen GemülheS deS Volkes für die Fortschritte und den Bestand ihrer selbst liegt, und wendet sich darum mit ihrem ganzen Grimm gegen die Kirche und ihre Vertreter. Das von der Revolution durchwühlte, ihr theilweis schon anheimgefallene, ohne Oesterreichs Armeen und die Schweizer in Neapel ihr gänzlich zur Beute werdende Italien wird in seinem politischen Wahnwitze von den ChesS der Revolution vorzüglich jetzt gegen die Kirche gehetzt. Im Jahre l848 fand sich der Chef der Propaganda, Mazzini, noch bewogen, mit dem verführerischen Anerbieten vor Pius IX. zu treten, ihn zum Herrn der Welt machen zu wollen, wenn er sich an die Spitze der Revolution stelle. Dem Antrage folgte unmittelbar die Enttäuschung; man wagte aber nachher dennoch nicht, direct seine Angriffe auf daS Pastthum und die Kirche zu richten, und Mamiani gab daher bei Eröffnung der römischen Kammern dem Papste die höchst bequeme und für die Revolution ungefährliche Rolle, „sitzend im heiteren Frieden religiöser Dogmen zu beten, zu segnen und zu verzeihen." Die Revolutionspartei fühlt, daß sie damals irre gegangen ist; sie denkt nicht mehr daran, dem Papste die Rolle eines Weltbeherrschers anzubieten, oder nach Zerstörung ') A. d. D. Volkshall«. 266 der Throne und neben der politischen Revolutionsanarchie das Papstthum „im heitern Frieden seiner Dogmen" bestehen zu lassen; sie sieht eS ein, daß die stärkste Gegnerin der Revolution die auf dem Felsen Petri ruhende Kirche ist, und ihr gilt daher vorab ihr Haß und ihre Zerstörungswuth. Die Schweiz, wo die Revolution — man kann sagen, mit Erlaubniß der europäischen Diplomatie — auf den Thron gekommen ist, führt unS die gleiche Thalsache vor Augen. Die Thätigkeit der RevolutionSpartei in diesem Lande ist gegenwärtig hauptsächlich auf Ruin der Kirche gerichtet. Die beiden großen katholischen Cantone Luzern und Freiburg seufzen unter einem unerhörten Tcrrorismus, der in dem erstem vermittelst der frechsten Wahlverfälschungen, in dem letztern aber ganz nackt und offen und ohne Wahlen ausgeübt wird; sie seufzen hauptsächlich unter diesem TerrorismuS, weil daS Volk dieser beiden Cantone katholisch gesinnt ist. Die Schweiz besitzt gegenwärtig nur noch zwei Lehranstalten, wo ein katholischer oder christlich gesinnter Vater mit Beruhigung seinen Sohn hinschicken kann; das ErziehungS- Systcm wird allenthalben systematisch so eingerichtet, daß in kurzer Zeit der christliche Glaube sowohl in den katholischen als in den protestantischen Cantonen auS den Herzen der Jugend ausgerottet seyn muß, und die nächste Generation als eine dem Unglauben verfallene von der Revolutionspartei schon jetzt begrüßt werden kann. Wie weit der Hohn gegen den Katholicismus an einigen Orten schon jetzt getrieben wird, beweist die von Ihrem Blatte berichtete Thatsache, daß unter den Augen der obrigkeitlichen Versteigerungsbehörde Juden die gekauften Reliquien aus den aufgehobenen Thurgauer Klöstern, nachdem sie dieselben von ihrer werthvollen Einfassung befreit hatten, auf den Misthausen warfen, wo sie der protestantische Hausknecht voll Empörung über diesen Frevel aufhob und einem andern Ehrenmanne übergab. Die gegenwärtig projectirte Hochschule soll nichts Anderes, als die Krone dieses Entchrist- lichungSsystemS und vorzüglich ein specieller Hohn auf den Katholicismus seyn, indem man sogar auch die Lehrstühle der katholischen Theologie nach Zürich, dem Sitze dcS Zwinglianismus, verlegen will. In Frankreich schlägt die Revolutionspartei in ihrem Anlauf gegen daS Christenthum und die Kirche einen andern Weg ein. Sie hat in Frankreich die durch den Februarsturm errungene Staatsgewalt wieder auS den Händen verloren; sie kann daher nicht wie in der Schweiz und Sardinien von StaatSwegen am Ruin der Kirche arbeiten; sie geht deßwegen dort darauf los, das Christenthum, mit seinem göttlichen Stifter an der Spitze, zu einer communistischen Fratze herunterzuzerren und auf die Art alle religiöse Pietät in den Herzen des gemeinen Volkes auszurotten. Deutschland hatte schon lange das Privilegium eines das Christenthum verhöhnenden Unglaubens; eS mangelte nur noch Eines, eine gerichtliche Bestätigung dieses Privilegiums; das katholische Bayerland hat nun auch dieses ausgestellt. Kirchliches Leben in Frankreich. „Die Idee der kirchlichen Einheit" — so schreibt ein mit den dortigen Zuständen vertrauter römisch-katholischer Freund — „die Idee der Solidarität der kirchlichen Interessen war in Frankreich nie lebendiger als jetzt. Der Materialismus weicht einem höhern Lebenstriebe. Ein bezeichnendes Symptom ist daS Gedeihen zahlreicher Vereine für kirchliche und religiöse Zwecke. Der Verein des heiligen Vincenz von Paul, 1833 durch acht Studenten in Paris gegründet, dehnt jetzt sein Netzwerk nicht bloß über Frankreich, sondern zugleich über große Theile von Deutschland, Holland, England, Amerika, so wie über ganz Belgien aus. Er hat ein Jahresbudget von mehrern Millionen und übt und fördert eine ganze Reihe von Liebeswerkcn, bei denen stets der Schwerpunct auf der persönlichen Aufopferung im Geiste des Gebets gelegt ist. Früher schon war der lyoner MissionSverein in ähnlicher Weise aus einem unscheinbaren Samenkorne erwachsen. SK7 Beide breiten sich trotz der Noth der Zeit — vielleicht durch die Noth der Zeit — von Tag zu Tag immer mehr aus. In neuester Zeit hat sich ihnen der Verein für den freien Unterricht beigesellt, an dessen Spitze der bis dahin wahrlich nicht durch ultramontane Tendenzen bekannte Graf Mo 16 sieht, — welcher Verein bereits viele von der Universität und ihrem freigeisterischen Anhange unabhängige Bildungsanstalten gegründet hat —, ferner der Verein der heiligen Kindheit Jesu, der Verein für die Bekehrung der Sünder, und eine Menge von Gebetsvereinen. Hieran reihet -sich das Zunehmen der Klöster, besonders für Werke christlicher Liebe, die Erfolge der Missionen, der stets steigende Zudrang zu den Beichtstühlen, zu den Predigten, zu dem Gottesdienste. Ein Capucinerkloster ist durch freiwillige Beiträge gegründet worden. Vor zwanzig, vor zehn, ja, noch vor fünf Jahren hätte eine Capu- cinerkutte ganz Paris in Aufruhr versetzt. Jetzt umgibt die Ehrfurcht deS Volks die tonsurirten Väter trotz alles Schnaubens und Geiferns der revolutionären Zeitungen. Voltaire ist kaum noch für den Pöbel genießbar, so wahr es auch ist, daß eine nicht unbedeutende Fraction deS Volkes unter noch viel vewerflicheren Einflüssen als den volta irischen steht, — wodurch aber die Gegensätze auf die Spitze getrieben und die zerstörenden Principien heilsam entlarvt werden. Man erkennt mehr und mehr, daß das Heil nur kommen kann von den vielfachen auf Gott vertrauenden Seelen, von ihren Gebeten und Thaten, von Organisationen, die in der Pflicht, in der Opferwilligkeit wurzeln, von der Rückkehr zu Gott. Eng mit diesem Erwachen der Kirche hängt das Wiederaufleben der christlichen Kunst zusammen, die, wie so manches andere Wahre und Hohe, vormals an dem französischen Königshofe ihr Grab gefunden hat. Aus diesem Gebiete kann man die falschen Principien als bereits überwunden ansehen. Zwei großartige Vereine, von denen der eine in Paris centraliflrt ist und von der Regierung geleitet und genährt wird, während der andere in eifrigster Concurrenz seine Wurzeln in den Provinzen durch alle Volksschichten treibt, haben schon wahrhaft Außerordentliches geleistet für die Geschichte und die Monumente des christlichen Frankreichs, für die Erhaltung des Alten, wie für die Erschaffung von Neuem im Geiste des Alten. Das Geburtsland des Rokkoko steht unbestreitbar an der Spitze der Reaction zum katholischen Mittelalter hin. Prachtwerke aller Art, periodische Schriften, zahllose Monographien, theilweise mit der reichsten Ausstattung, u. s. w. bilden bereits eine fast unübersehbare Literatur für die christlich-nationale Kunst und Kunstgeschichte. Daß dieß nicht etwa bloß Modesache ist, beweist schon die lange Dauer und die stets wachsende Stärke dieser Strömung, mehr aber noch die bedeutenden materiellen Opfer, welche allerwärtS dafür gebracht werden. Vor einigen Monaten noch brachte der CultuSminister einen Gesetzvorschlag ein auf Bewilligung eines außerordentlichen Fonds von 80 Millionen Franken, um die Kathedralen, bischöflichen Paläste und Seminarien gründlich im Geiste ihrer Erbauer wieder herzustellen, und schon hat die betreffende Commission ihre Zustimmung ertheilt. Wenn man die Finanznoth denkt und an die ohnehin schon sehr bedeutenden regelmäßigen Verwendungen für diese Zwecke, so wird man einer solchen Bewilligung ihre tiefe Bedeutung nicht absprechen, David und seine Schule nicht bloß, sondern noch bis in die neueste Zeit die Aca- demie betrachteten die gothischen Kathedralen und sonstigen Monumente als etwas durchaus „Ueberwvndeneö" (verzeihen Sie den Literaten-Jargon!), an das die Gegenwart in keiner Weise mehr anknüpfen könne, Und nun treten diese Schöpfungen wieder mitten in das Leben ein und werden die Begründer einer Schule, welche vor Allem darauf ausgeht, die Fäden wieder aufzusuchen, welche das sechszehnte Jahrhundert in leichtsinniger Neuerungssucht hat fallen lassen. Als Beleg hierfür erwähne ich den Bau einer Wallfahrtskirche bei Rouen (notre clome <1u Kon secour8), eines großartigen Quaderbau'S im reichsten gothischen Styl mit 36 brillanten Farbenfenstern ausgestattet. Binnen wenig Jahren ist dieser Bau lediglich von freiwilligen Gaben aufgerichtet worden, in Frankreich, wo man mehr als in irgend einem andern Lande gewohnt war, für Alleö die Behörden sorgen zu lassen, in dem gelob- 268 ten Lande der Vielregiererei. Ich brauche nicht erst hervorzuheben, daß solchen keines- wegeS vereinzelten Thatsachen Ideen zum Grunde liegen, die weit hinausreichen über das ästhetische Gebiet, wie denn überhaupt das Reich des Schönen nicht bloß hineinreicht in das deS Wahren, sondern auf die Wesentlichkeiten gesehen, damit zusammen fällt." (N. Pr. Z.) _ Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 211. Verstand. Zwei Dinge in uns müssen gereiniget werden, der Verstand und der Wille: der Verstand, damit er erkenne, der Wille, damit er wolle. Diese sind sich öfter einander entgegen, so, daß der eine das Höchste, der andere das Niedrigste zu verlangen scheint. Wie groß aber ist der Schmerz, wie schwer die Qual der Seele, wenn sie von ihr selbst so zerstreut, so zerrissen, so zertrennt wird. Der Verstand aber wird herabgedrückt, wenn er vieles denkt, wenn er sich nicht sammelt bei Einer und einzigen Betrachtung, welche angestellt wird über jene Stadt, die sich zur Gemeinschaft zusammenfügt. Ein solcher Verstand muß fallen und zerstreut werden in vielen Dingen unv auf viele und vielerlei Weisen. Die Neigungen aber werden bei der Verderbtheit deS Leibes von verschiedenen Leidenschaften eingenommen, und können niemals beruhiget, geschweige denn geheilet werden, bis der Wille Eine sucht und auf Eine merkt. 212. Vertraulichkeit. Es ist ein gemeines Sprüchwort, daß zu große Vertraulichkeit Verachtung erzeuge. 213. Verzeihung. Es gibt Einige, welche das Unrecht so verzeihen, daß sie sich nicht rächen, doch öfter darüber Vorwürfe machen. Wieder Einige gibt eS, welche zwar schweigen, in deren Gemüth eS jedoch tief vergraben bleibt, und im Herzen behalten sie einen Groll. Keine von den beiden ist eine volle Verzeihung. Weit gütiger, als diese Menschen, ist die Natur der Gottheit: sie handelt großmüthig, verzeiht vollkommen, so, daß wegen des Vertrauens der Sünder (aber der bußfertigen) dort, wo die Sünde überschwänglich war, auch die Gnade überschwänglich zu werden pflegt. Zeuge ist der Vvlkerlehrer Paulus, der mit der göttlichen Gnade mehr, als Älle, wirkte. Zeuge ist Matthäus, der vom Zollstuhle zum Apostel erwählt, dem auch gegeben wurde, der erste Schriftsteller des neuen Testamentes zu werden. Zeuge ist der Apostel, dem nach dreimaliger Verläugnung die Hirtensorge der ganzen Kirche übergeben wurde. Zeugin ist endlich auch jene verrufene Sünderin, welcher selbst im Anfange ihrer Bekehrung eine solche Fülle der Liebe geschenkt wurde, und nach einer solchen Verzeihung eine so große Gnade der Vertraulichkeit. Wer hat Maria angeklagt, und mußte sie für sich reden? Wenn der Pharisäer murrt, wenn Martha klagt, wenn die Apostel ungehalten werden, Maria schweigt, Christus entschuldiget, ja lobt sogar die Schweigende. 214. Verzweiflung. DaS Vollmaciß einer jeden Sünde bringt die Verzweiflung. Die Verzweiflung kommt von der Unkenntniß Gottes. Wenn uns die Unkenntniß Gottes festhält, wie werden wir auf den hoffen, den wir nicht kennen? Wir wissen aber, daß die Verzweifelnden keinen Theil oder keine Gemeinschaft haben am Lovse der Heiligen. Aber lasset unö sagen, wie die Unkenntniß GolteS die Verzweiflung erzeuge! ES mag Jemand in sich gehen unv an sich selbst ein Mißfallen haben wegen deö LS9 Bösen, das er gethan, und daran denken, weise zu werden und umzukehren von allem bösen Wege und seinem fleischlichen Umgange, wenn er nicht weiß, wie gut Gott sey, wie süß und sanft und wie geneigt zum Verzeihen, wird ihn nicht seine fleischliche Gesinnung anklagen und sagen: Was thust du? willst du dieses und jenes Leben verlieren? Deine Sünden sind sehr groß und zahlreich, keineswegs kannst du, wenn du dir auch die Haut abziehest, hinreichende Genugthuung für so viele und so große Sünden leisten. Die Verbindung ist eine zarte, das Leben ist so bequem, die Gewohnheit wirst du schwer überwinden. An diesem und Aehnlichem verzweifelt der Elende, fällt ab, indem er nicht weiß, wie leicht die Güte deS Allmächtigen (die keinen zu Grunde gehen lassen will) alle diese Schwierigkeiten lösen könne, und eS erfolgt die Unbußfertigkeit, welche das größte Verbrechen und eine unverzeihliche Gotteslästerung ist. 215. Vier letzte Dinge. „In allen deinen Werken gedenke an deine letzten Dinge, so wirst du in Ewigkeit nicht sündigen." Nämlich dieser Gedanke macht am meisten gottesfürchtig. Die Furcht vertreibt die Sünde", damit die Nachlässigkeit sie nicht zulasse. Unsere letzten Dinge aber sind der Tod, das Gericht, die Hölle. WaS ist fürchterlicher, als der Tod, was schrecklicher, als das Gericht. Denn Unerträglicheres kann nichts gedacht werden, als die Hölle. WaS wird der fürchten, der bei diesen Dingen nicht zittert, nicht erblaßt, nicht erschüttert wird? In allen deinen Werken gedenke an deine letzten Dinge: an die Schrecken des Todes, an den zitternden AuSgang des Gerichtes, an die Angst vor dem Brande der Hölle. Entferne nie zu weit aus den Augen deines Herzens die letzten Dinge. Fürchte, o Mensch, daß du im Tode getrennt wirst von allen Gütern dieses Leibes, und das süße Band deS Fleisches und der Seele wird durch die bitterste Ehescheidung zerschnitten werden. Fürchte, daß du in dem schauerlichen Gerichte vor den hingestellt wirst, in dessen Hände zu fallen eS schrecklich ist. Wenn der dich durchforscht, dem nichts verborgen ist, und an dir Unrecht befunden wird, so wirst du entfremdet der Ruhe und Herrlichkeit und ausgeschieden von der Zahl der Seligen. Fürchte, daß du in der Hölle ewigen und unermessenen Peinen ausgesetzt werdest im Antheile des Teufels und seiner Engel im ewigen Feuer, daS ihnen bereitet ist. Mein Sohn, gedenke an deine letzten Dinge! Woher, meine Brüder, kommt unsere Verstellung? Woher diese so verderbliche Lauigkeit, woher diese so verwünschenswerthe Sicherheit? Was hintergehen wir Elende uns selbst? Sind wir vielleicht schon reich geworden, sind wir schon Herrscher? Umlagern nicht die Thüre unsers HauseS jene schrecklichen Geister? Warten nicht auf unsern Ausgang jene Gespenstergesichter? Welch ein Schrecken wird das seyn! O meine Seele, wenn du Alles verlassen mußt, dessen Gegenwart dir jetzt so angenehm, dessen Anblick so lieblich, dessen Umgang so vertraulich ist, wenn du allein gehen mußt in unbekanntes Land,' wenn du die abscheulichsten Ungeheuer auf dich zukommen und haufenweise auf dich stürzen siehst, wer wird dir zu Hilfe kommen am Tage dieser Bedrängniß? Wer wird dich schützen vor den Brüllern, die bereit sind, dich zu fressen? Wer wird unS trösten, wer entreißen? — Meine Söhne, geden-- ken wir an diese unsere letzten Dinge, damit wir nicht sündigen! 2l6. Vollkommenheit. DaS Böse wollen ist ein Fehler des Willens. Das Gute wollen ist ein Fortschritt desselben: genug seyn aber zu allem Guten, was wir wollen, ist seine Vollkommenheit. Damit wir also unser Wollen, welches aus freier Wahl kommt, inne haben, bedürfen wir eines doppelten Geschenkes der Gnade, und zwar weise zu sey», welches die Hinneigung deS Willens zum Guten ist, und auch vollkommen zu können, welches die Befestigung desselben im Guten ist. Weiter besteht die vollkommene Hin- 270 neigung zum Guten darin, daß nichts gefällt, was sich nicht geziemt: die vollkommene Befestigung im Guten, daß nicht fehlt, was gefällt. Nicht vollkommen seyn wollen heißt nachlassen. Nirgends erkennt sich das Maaß der menschlichen UnVollkommenheit besser, als im Lichte deS Angesichtes Gottes, im Spiegel der göttlichen Anschauung. 217. V ö l l e r e i. Die Gaumenlust, welche heutigen Tages so hoch geschätzt wird, enthält kaum die Breite von zwei Fingern, und doch wird dieser kleine Theil, dieses geringe Vergnügen mit so großer Sorgfalt gepflegt, daß eine Last daraus entsteht! Durch die Gaumenlust werven die Nieren und die Schultern unnatürlich ausgedehnt, die Bäuche schwellen, werden nicht so sast stark, sondern vielmehr mit Fett angefüllt, und weil dann die Gebeine die Last deS Fleisches nicht aushalten können, werden auch verschiedene Krankheiten erzeugt. So kommt man zu dem reizenden Schlund der Sinnenlust durch Bemühung und Aufwand mit Verlust der Ehre und mit Lebensgefahr, indem der brennende Schwefelgestank die Wüthenden mit Stacheln treibt, und der hartnäckige Slich der vorüberfliegenden Bienen, wo sie auf boshafte Weise angenehmen Honig ausgießen, die getroffenen Herzen verwundet, worauf Angst, Verwün- schung, Schande und das Ende der Vollere! vollkommen erkannt werden. Daß eS übrigens Eitelkeit der Eitelkeiten und nichts sey, kann man sogar nach dem Namen beurtheilen; eitel ist also auch die Mühe, die auf diese Eitelkeit verwendet wird. O Ehre, Ehre, spricht der Weise, in Tausenden von Sterblichen ist nichts, als eitle Aufgeblasenheit der Ohren, und was glaubst du, was diese glückliche Eitelkeit für ein Unglück sey, welches das eitle Glück erzeugt? Daher kommt die Blindheit deS Herzens, wie geschrieben steht: „Mein Volk, Diejenigen, welche dich erfreuen, führen dich in Irrthum." Daher kommt die eigensinnige Wuth der Herzhastigkeit, daher die mühevolle Last des Verdachtes, daher die grausame Marter deS NeideS und die erbärmliche Kreuzigung der Mißgunst. So ist auch unersättlich die Liebe zu den Reichthümern,' plagt weit mehr die Seele durch Verlangen, als sie durch Genuß erquickt: denn es zeigt sich, daß ihr Erwerb voll Mühe, ihr Besitz voll Furcht, ihr Verlust voll Schmerz ist. Angefüllt den Bauch mit Bohnen, das Herz mit Stolz, verdammen wir die fetten Speisen, als wenn es nicht besser wäre, weniges Fleisch nach Bedürfniß zu essen, als sich mit blähenden Gemüsen bis zum Erbrechen zu übersättigen, besonders da Esau nicht wegen deS Fleisches, sondern wegen ves Gemüses getadelt, Adam wegen deS Baumes, nicht wegen des Fleisches verurtheilt wurde, Jonathas wegen Genusses des Honigs, nicht deS Fleisches in das Todesurtheil verfiel. Im Gegentheile Elias aß meistens Fleisch, Abraham bewirthete die Engel mit köstlichem Fleische, und Gott selbst befahl, daß ihm Fleisch geopfert werde. Aber eben so ist es auch besser, wegen Schwäche des Magens ein wenig Wein zu genießen, als sich auS Gierde mit vielem Wasser zu überschwemmen, weil auch Paulus dem TimotheuS rieth, ein wenig Wein zu trinken, und der Herr selbst Wein trank, so daß er ein Weinsäuser genannt wurde, und auch seinen Aposteln zu trinken gab: überdieß hat er aus dem Weine das Geheimniß seines BluteS bereitet: aus der Hochzeit gestattete er nicht das Wassertrinken, und an dem Wasser des Zankes strafte er fürchterlich daS Murren deS Volkes. Auch David fürchtete sich das Wasser zu trinken, das er verlangt hatte, und jene Männer deS Gedeon, welche gierig mit gebogenen Knieen aus dem Flusse tranken, wurden nicht für würdig geachtet, in den Kampf zu gehen. Nichts von der heiligen Schrift, nichts vom Heile der Seelen kommt bei Gastmählern vor: sondern Possen, Gelächter und Worte werden in den Wind gesprochen. Wie bei Tische der Gaumen mit Gerichten, so werden die Ohren mit Gerüchten genährt, auf die du merkest, und so kein Maaß im Essen zu beobachten weißt. Unterdessen werden Speisen auf Speisen aufgetragen, und statt des Fleisches, dessen man sich enthält, werden die Stücke großer Fische verdoppelt. Und obgleich du mit 271 dem vorigen gesättiget wärest, wenn du angenehme verkostest, scheinst du noch keine Fische gegessen zu haben. Mit solcher Sorgfalt nämlich und solcher Kochkunst ist Alles zubereitet, daß, wenn du auch vier oder fünf Gerichte verschlungen hast, die erstem die letztern nicht hindern, und die Sättigung die Eßlust nicht vermindert. Zu was aber Alles dieses, als daß Rath geschafft werde gegen Ekel? Darum wird Sorge getragen, daß die Gestalt der Dinge von außen so erscheine, damit sowohl daS Gesicht als der Gaumen ergötzt werde, und wenn auch der Magen durch häufiges Aufstoßen sein Vollseyn anzeigt, so ist doch der Vorwitz noch nicht gesättiget. Aber während die Augen durch die Farben, der Gaumen durch die Wohlgerüche gereizt werden, wird der unglückliche Magen, den nicht einmal die Düfte besänftigen, während er Alles aufzunehmen gezwungen wird, mehr erdrückt und erstickt, als erquickt. Der Mensch hat keinen härtern Dränger, als den Bauch. Süße Weine und fette Speisen dienen dem Leibe, nicht dem Geiste. Du magst sie auS den Händen reißen, nicht die Seele wird gesättiget, sondern der Leib: Pfeffer, Ingwer, Zimmet und Salbei kitzeln zwar den Gaumen, entzünden aber die Fleischeslust. Wer klug und mäßig lebt, dem ist Hunger mit Salz ein hinreichendes Gewürz. 218. Vorgesetzte. Hören sollen die Vorgesetzten, die den ihnen Anvertrauten beständig zur Furcht, selten zum Nutzen seyn wollen: „Laßt euch weisen, die ihr Richter seyd auf Erden!" Lernet Mütter, nicht Herren der Untergebenen zu seyn. Bemühet euch, mehr geliebt, als gefürchtet zu werden, und wenn auch manchmal Strenge nothwendig ist, so sey sie väterlich, nicht tyrannisch. Stellet Mütter vor in der Liebe, Väter bei der Strafe. Werdet sanft, leget ab die Wildheit: sparet die Ruthe, zeiget die Brüste, die von Milch, nicht aber von Stolz voll seyn sollen. Warum erschweret ihr das Joch derjenigen, deren Lasten ihr vielmehr tragen sollet? Warum flieht der von der Schlange gebissene Knabe die Mitwissenschaft des Priesters, zu dem er vielmehr wie in den Schooß der Mutter hätte sich flüchten sollen? Wenn ihr geistig seyd, so unterweiset Solche im Geiste der Sanftmuth, indem ein Jeder auf sich merkt, damit er nicht auch versucht werde. Sonst wird er sterben in seiner Sünde, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. 219. V o r st e h e r. Die Vorsteher der Kirche müssen ertragen ihre Untergebenen, die sie zurechtweisen, und zurechtweisen, die sie ertragen. Daher ließ Salomon an den Gestellen des Tempels deS Herrn daS Bild eines Löwen, eines Ochsen und eines Cherubs aufstellen. WaS bezeichnen die Gestelle anders, als die Vorsteher der Kirche? Diejenigen, welche die Sorge der Leitung übernehmen, tragen wie Gestelle die aufgelegte Last. Cherubim bedeutet die Fülle der Wissenschaft. Durch den Löwen wird die Furcht vor der Strenge vorgebildet. Dnrch den Ochsen aber wird die Geduld der Sanftmuth angezeigt. Auf den Gestellen stehen die Löwen nicht ohne Ochsen, die Ochsen nicht ohne Löwen, weil die Vorsteher der Kirche manchmal strenge, ein anders Mal sanft zurechtweisen müssen, manchmal mit Worten, manchmal auch mit Geißeln, weil derjenige, der durch sanfte Worte nicht gebessert wird, strengere Behandlung verdient. Mit Schmcrzon müssen jene Wunden weggeschnitten werden, welche auf leichte Weise nicht mehr zu heilen sind. Der Weg zum Teufel. ES führen zwei Wege von erschrecklich ernsthafter Bedeutung durch das menschliche Leben hindurch: der eine ist des Teufels Landstraße, glatt, eben, von anscheinender Bequemlichkeit und voller Juchhe! und Freuden; — der andere ist der schmale S7S Hv>^I II < ^Ä ^!'! Pfad unseres lieben Herrn und Heilands Jesu Christi; dieser Pfad aber ist zum Theil mit Dörnern bewachsen, zum Theil steinigt, zum Theil scharf bergaufführend und mühsam, so daß eS viel Schweiß und Anstrengung kostet, denselben zu wandeln, und Freuden scheinen auf diesem Pfade nicht viele zu blühen und zu wachsen. Aber was kümmert uns der Schein? Fort mit dem Schein! — wir fragen nur nach dem Ziele. Und welches sind die Ziele beider Wege? Die breite Landstraße deö Teufels führt zur Verdammniß, zum ewigen Tode der Seele; sie führt zur Hölle, wo der gesammte Schwärm der Leidenschaften und Lüste als ein scheußliches und wuthentbranntes Ungeziefer ohne Aufhören an der verlorenen Seele nagt und saugt, daß eS ein Stück Eis erbarmen möchte; sie führt zur Hölle, wo niemals ein Wort des Friedens, des Trostes, der Liebe und des Erbarme'ns ertönt, wo nur Rache, Wuth, Verzweiflung und rasende Sündenlust kocht und die gräßlichste Gotteslästerung und schändlichste Schmähung alles Heiligen ihren siedenden Giflschaum aufspritzt; — sie führt zur Hölle, wo die auf ewig verfluchten Seelen, in die Scheu- salSgcstalten der Teufel gekleidet, mit unerhörter und unbegreiflicher Wuth und Kraft gegen einander einen niemals endenden Vernichtungskampf kämpfen, wo die ausgelassenste Verfolgung tobt, wo daö furchtbarste Verzweiflungsgeschrei und Schmerz- gestöhn unausgesetzt die Räume erfüllt und Qualen ohne Maaß und Ziel auf ewig, auf immerdar die Verdammten foltern. Wehe denen, welche die sanft bergabführende breite Landstraße des Teufels wandeln! Die kurzen Freuden werden in endlose Leiden, das ausgelassene Freudengelächter und blinde Genießen in das entsetzlichste Schmerz- gcbrüll und in Bitterkeiten über alle Bitterkeiten und in unaussprechlichen Ekel verwandelt werden. Eure bleibende Wohnstätte wird seyn unter den Verfluchten, welche nur immer von Anfang an mit Hellem Bewußtseyn und hochmüthigem Trotze gegen Gott den Vater, Jesum Christum den Sohn, und den heiligen Geist gestritten und gekämpft haben; das Blut Jesu Christi und seiner heiligen Bekenner und Märtyrer wird über euch kommen und euch mit um so fürchterlicherer Pein umschlingen, je mehr ihr auf Erden in verruchten Freuden geschwelgt und gottlose Pläne ausgeführt habt. Aber der schmale Pfad Jesu Christi, ob er auch steil, dornenvoll und mühsam ist, führt zur ewigen Glückseligkeit. An den Dornen dieses PfadeS erblühen die Rosen der Keuschheit, der Königin unter den Tugenden, die Rosen der göttlichen Liebe, der Demuth, des heiligen GottvertrauenS, der Andacht, der Nächstenliebe, deS Eifers für alles Heilige und Heilsame, des festen Glaubens und der Beharrlichkeit, welches die Krone des ewigen Lebens in der glückseligen Anschauung GotteS zu Theil wird. AuS den Kelchen dieser Rosen duften dem mühseligen Waller die stär- kendsten Gnaden entgegen und erquicken ihn mit Trost, Frieden und sanfter, heiliger Herzensfreude. Die scharfen Steine, welche auf diesem Pfade deinen Fuß verwunden, sind köstlicher zu achten als die werthvollsten Edelsteine, da sie dir zur heilsamen Buße und Reinigung von deinen Sünden und UnVollkommenheiten dienen. Die Beschwerden und Mühen der Wanderung ober stärken dich allmälig zu immer größerem Eifer und zur Ausdauer. (Kath. Sbl.) B r e S l a n. Die „Schles. Ztg." bringt folgende Mittheilung: „Ein Artikel in der „Schles. Ztg." gibt den Beweis, daß die unter unsern protestantischen Brüdern eingetretene Zurückströmung in die alte Mutterkirche ein großes Interesse für sich in Anspruch nimmt. Es wird daher nicht unwillkommen seyn, mit Rücksicht auf die Hauptstadt unserer Provinz zu vernehmen, daß in ihr ein einziger kathol. Geistlicher binnen drei Jahren durch Katechumenen-Unterricht über 600, und auf dem Krankenbett gegen 120 zur kathol. Kirche zurückgeführt, also im Ganzen zwischen 7—800. Dazu kommen die vereinzelt durch andere Geistliche, welche keine fortdauernde Katechumenenschule halten, noch Aufgenommenen hinzu." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 31. August 6 - zi? 1l>6 ikD mz?Z? mz6 nf, s4n»vt iimk)H KNvjttK' «E, ,?tck1n?ä DWKÄQ S8L 5) Außerdem erklären wir, daß die besagten Collegien wegen der großen und wesentlichen Gefahren, welchen nach dem Urtheil des apostolischen Stuhls in denselben der Glaube und die Sitten der studirenden katholischen Jugend ausgesetzt sind, der Art sind, daß sie von gläubigen Katholiken, welche den Glauben höher schätzen müssen, als alle irdischen Vortheile, in jeder Weise zu verwerfen und zu meiden sind. 6) Damit aber die Gläubigen des unserer Obsorge anvertrauten Volkes, über deren Glauben und ewiges Heil wir Gott strenge Rechenschaft geben müssen, durch unser Schweigen keinen Schaden leiden, werden wir in dem im Namen dieser Synode zu erlassenden Hirtenbriefe die vom heiligen Stuhle erwähnten großen und wesentlichen Gefahren, welchen die katholische Jugend in diesen Collegien ausgesetzt ist, anzeigen und alle Gläubigen mit ernsten und liebevollen Worten mahnen, sich des Besuchs dieser Collegien gänzlich zu enthalten, damit ihr Glaube nicht befleckt und sie nicht von verderblichen Lehren angesteckt werden. 7) Die Bischöfe der Orte, wo die Collegien bestehen, sollen darüber wachen, daß diese Statuten, nachdem sie vom heiligen Stuhle bestätigt sind, von allen Priestern beobachtet werden, und daß von ihnen den Befehlen des apostolischen Stuhles die gebührende Ehrfurcht und den Statuten dieses Concils Gehorsam und Unterwürfigkeit bewiesen werde. Endlich halten wir eS, um für die gute Erziehung der katholischen Jugend zu sorgen, und die wiederholten Empfehlungen des apostolischen Stuhls zu befolgen, für unsere Pflicht, mit allen Kräften dahin zu streben, daß möglichst bald sür die Errichtung einer katholischen Universität in Irland gesorgt werde. Heidelberg. Zur „Entgegnung und Verständigung" bringt die Allg. Ztg. folgenden Bericht über die hiesige Misston und ihre Gegner: Predigten und Andachtsübungen bilden keinen Gegenstand der Besprechung für die politische Tagespresse und sollen keinen solchen Gegenstand bilden; es ist darum sehr begreiflich, und zugleich sehr zu billigen, daß in diesen Blättern von den durch die Väter der Gesellschaft Jesu geleiteten Missionen, welche in dem südlichen Deutschland und am Niederrhein in der neuesten Zeit gehalten wurden, entweder gar nicht oder nur in kurzen Notizen vorübergehend die Rede war. Wenn jedoch in solchen Fällen außer dem kirchlichen und theologischen Interesse allgemeinere culturhistorische oder polnische Momente von selbst in Verbindung stehen, oder damit künstlich in Verbindung gebracht werden, so ergibt sich dadurch ein Gegenstand von allgemeinerm Interesse, und etwas, das besser in dem Innern der Kirche eingeschlossen geblieben wäre, muß auf dem lauten Markt deS Lebens sich verhandeln lassen. Aus diesem Grunde dürfte wohl ein genauerer Bericht über die zu Heidelberg abgehaltene und in diesen Tagen geschlossene Mission auch für diese Blätter, als nicht ungeeignet, erscheinen. Der Bericht soll sich wahrheitsgetreu und einfach nur auf das Thatsächliche beschränken; nur am Schlüsse möge eS vergönnt seyn, einige wenige, kurze Reflexionen beizufügen. Die Missionen begannen in unserm Großherzogthum Baden im Anfang des vorigen JahrS, zur Zeit, als das preußische Heer bei uns im Lande war, und der Kriegszustand durch die preußischen Befehlshaber gehandhabt wurde. ES wäre unter diesen Umständen sehr leicht gewesen, diese Misstonen zu verhindern, unter dem Vorwand, daß das dadurch veranlaßte Zusammenströmen einer großen Menschenmenge sich mit dem Kriegszustande nicht vereinigen lasse; aber solche Hindernisse wurden nicht erhoben, was dem gerechten und erleuchteten Sinn der preußischen Kriegsbe- hörden zur größten Ehre gereicht und gewiß stets in dankbarer Erinnerung bleiben wird. Auch rechtfertigte der Erfolg das dadurch bewiesene Vertrauen, indem auch bei den noch so zahlreich besuchten Missionen überall die vollkommenste Ruhe und Ordnung herrschte. Der Anfang damit wurde in dem obern Theil deö Großherzog- 283 thumS gemacht, in Säckingen, an dem Ort, von wo aus im sechsten Jahrhundert St. Fridolin das heidnische Alemannien zum Christenthum führte. Von da folgten die Missionen dem Laufe deS Rheines: sie wurden gehalten in Freiburg, Offenburg, Mljngen, Mannheim, Schwetzinge«; an einigen Puncten in Württemberg; in der neuesten Zeit bekanntlich in Bonn, Köln, Düsseldorf. Ueberall fanden sie die lebhafteste Theilnahme von Seite des katholischen Volkes, und waren von einer entschiedenen religiösen und sittlichen Wirkung auf die Gemüther. Wenn auch unter den Katholiken selbst manche dagegen waren; wenn sogar einige wenige Stimmen aus dem katholischen KleruS gegen dieses von der Kirche im allgemeinen und von den deutschen Bischöfen insbesondere gebilligte und empfohlene Institut sich erklärten und wenn auch in einigen Zeitungsartikeln dagegen gesprochen wurde, so verschwand diese Opposition in der großen, lebhaften Theilnahme, welche die Mission überall auch bei dem Volke fand. Auch gabeu die Missionen nicht Veranlassung zu konfessionellen Zerwürfnissen. Die evangelischen Geistlichen und übrigen evangelischen Glaubensgenossen ließen die Missionen als einen in den Raum der katholischen Kirche beschlossenen Vorgang gewähren, wenn auch bei den Predigten im allgemeinen darauf Rücksicht genommen wurde; sie äußerten sogar, in Anbetracht dessen, daß die allen Christen gemeinsamen Heilöwahrheite'a in den Geistern und in den Herzen aufs neue geweckt und befestigt wurden, ihre anerkennende und wohlwollende Theilnahme. Nach diesen Vorgängen lMte man gewiß allen Grund anzunehmen, daß auch die ueueste Mission in Heidelberg auf keine Schwierigkeiten stoßen würde, und eS war gewiß ein natürlicher Wunsch einer Anzahl von Mitgliedern der dortigen katholischen Gemeinde, wenn sie diese von der gesetzlichen kirchlichen Autorität gebilligte und anderwärts mit so gesegnetem Erfolg begleitete Anstalt zur Erweckung und Befestigung des religiösen und kirchlichen SinneS auch bei ihrer Gemeinde eingeführt sehen wollten. Man wußte wohl, daß in gewissen Schichten der Gesellschaft und der Presse allen denjenigen in beiden christlichen Konfessionen, welche sich mit einiger Konsequenz zu den erhaltenden Grundsätzen bekennen, wenn sie wie jeder andere Mann des Volkes ihre Kirche regelmäsiig besuchen und dabei für Wiederherstellung einer vernünftigen Freiheit der Kirche sich erklären, das Wort „Jesuit" entgegengerufen wird; man wußte wohl, daß denjenigen, welche überhaupt gegen das Christenthum oder gegen die Religion aus GemüthssNimmung oder grundsätzlich feindselig auftreten, eine solche katholische Mission höchst widerwärtig war, und daß sie viel lieber die frühere Mission von Feuerbach hier wiederholt gesehen hätten; aber solche Rücksichten konnten doch, wie natürlich, nich t von Entscheidung seyn. Selbst wenn man dachte, daß mancher ehrenwerthe Protest ant die katholische Mission hier lieber nicht abgehalten sehen würde, so konnte doch bMigerweise nicht verlangt werden, daß der andere Theil darum auf ein Recht und auf eine wohlthätige und wirksame konfessionelle Einrichtung verzichten sollte. Jene auf den frühern Vorgängen und auf der Natur der Sache gegründete Erwartung, die Mission werde zu Heidelberg ungefähr denselben Verlauf nehmen wie an andern Orten des GroßherzogthumS, ging jedoch nicht ganz in Erfüllung. Kaum war eS bekannt, daß der Erzbischof, dessen Entscheidung der Pfarrer deS OrteS die Sache anheimgestellt hatte, eine Misston für Heidelberg angeordnet habe, so wurde sofort nicht bloß in Zeitungsartikeln sehr lebhaft dagegen gesprochen, sondern eö wurden heftige polemische Flugschriften, neu verfertigte und ältere, so wie auch satirische bildliche Darstellungen um wenige Kreuzer verkäuflich verbreitet, überdies; zwei 'Wochen, lang vorher, ehe die Mission hier begonnen hat, sehr stark gegen dieselbe von den protestantischen Kanzeln gepredigt. Man wird unö ein näheres Eingehen im diese Polemik erlassen. Die Missionäre sollten Sonntag den 3. August Morgens ihre Vorträge beginnen. Die. damalige Überschwemmung verhinderte sie zur bestimmten Zeit einzutreffen. Der Geistliche verkündigte der in der Kirche zahlreich versammelten Menge diesen Umstand, und bemerkte: daß, wenn die erwarteten Prediger noch frühzeitig genug einträfen- um des Nachmittags zu predigen, so würde die Gemeinde davon durch 284 Zusammenläuten der Glocken in Kenntniß gesetzt. Um die Mittagszeit trafen die drei Väter der Gesellschaft Jesu endlich ein, und sogleich nach ihrer Ankunft wurden alle Glocken geläutet. Auf diese Weise wurde ihnen durch die Gunst des Zufalls ein glänzenderer Empfang zu Theil als ihnen zugedacht war. Denselben Nachmittag, kurz nach ihrer Ankunft, bestieg einer der Patres die Kanzel in der dichtgefüllten Kirche, verkündete zuerst die äußere Ordnung, in welcher die Mission abgehalten werden sollte, und sprach dann über den Zweck und die Bedeutung einer solchen Mission, indem er den Tert zu Grunde legte: „Lehret alle Völker." Er setzte auseinander: Christus habe seiner Kirche die Mission gegeben die Menschen zu lehren und zu bessern; dieser Mission entspreche sie durch ihre ganze Einrichtung, durch die Spendung der Sacramenle, durch die Predigt. DaS sey die allgemeine und beständige Misston; durch sie seyen den Gläubigen alle Mittel zu einem christlichen Leben gewährt, wenn sie dieselben gehörig benutzten. Da dieses aber nicht mehr geschehe, so habe die Kirche schon seit langer Zeit solche außerordentliche Missionen angeordnet, wozu die gegenwärtige gehöre. Es werde da nichts anderes gelehrt und geübt als was sonst in der Kirche gelehrt und geübt werde; aber dadurch, daß man eine gewisse Zeit ausschließlich oder vorzugsweise dem Nachdenken und den Andachtsübungen für das Heil der Seele widme, daß die Lehrvorträge nahe zusammengedrängt und in innerer Verbindung aufeinander folgten, werde die Wirkung verstärkt. Manche, welche sonst für religiöse und kirchliche Gegenstände sich weniger interessirten, würden durch das Neue und Außergewöhnliche der Mission, wenn auch anfangs nur auö Neugierde, dahin gelenkt und zum Andenken darüber veranlaßt. Auf bloß äußere Schaustellung oder vorübergehende Rührung sey es nicht abgesehen, sondern auf ernste Belehrung, auf Besserung. Eben so wenig soll in den Predigten polemistrt werden; christliches Leben nach der Lehre der katholischen Kirche zu erwecken und zu befördern sey der Zweck der Misston. Alles dieses wurde in einer klaren, kräftigen, unbefangenen und dabei würdigen Weise ausgesprochen; der Redner selbst machte sowohl durch seine äußere Erscheinung, als durch das was er sagte, den Eindruck eines kräftigen, natürlichen, verständigen, offenen Mannes. Manche der Anwesenden hatten sich wohl unter einem Jesuiten jedenfalls eine unheimliche, verdächtige oder überhaupt absonderliche Gestalt gedacht, und sahen nun zu ihrer Ueberra- schung einen katholischen Priester, gleich den besten und am meisten Vertrauen erweckenden Genossen dieses Standes. Dieser erste Eindruck war entschieden günstig. Am Abend desselben Tages fing sofort der Kreis der Predigten selbst an. Der Obere der Mission unter den drei Priestern predigte über den Glauben an einen persönlichen Gott, und suchte in einem klaren und eindringlichen Vortrag zu zeigen, daß der Glaube an einen persönlichen Gott ein Bedürfniß der menschlichen Vernunft, ein Bedürfniß des menschlichen Herzens und ein Bedürfniß des gesellschaftlichen Lebens sey. Am folgenden Morgen predigte der dritte Missionär über die Sünde und die Strafen der Sünde. Von diesem Tag an wurden dann vierzehn Tage lang jeden Tag drei Predigten gehalten, zum größten Theil über allgemein christliche Glaubens- und Sittenlehre, als: über die Unsterblichkeit der Seele, über die zehn Gebote, über die Gottheit Christi; in mehreren Vorträgen über die christlichen Standespflichten u. dgl.; unter den dem katholischen Bekenntnisse eigenthümlichen Lehren wurden in den Vorträgen behandelt: die katholische Lehre von dem Bußsacramcnt, von dem Abendmahl und von dem Primat des Papstes. Zwei der Väter waren Opfer der Gewaltthat, welche man früher in der Schweiz gegen die katholische Schweiz ausübte, ohne daß der Areopag der europäischen Cabinette dieses europäische Scandal hindern konnte oder wollte; der dritte, ein ganz junger Mann, gehört einem oberschwäbischen fürstlichen Geschlechte an. Wenn die beiden ersten durch ihr früheres Schicksal bei jedem Mann von Rechtsgesühl, welchen Glaubens er auch seyn mag, Theilnahme erregen müssen, so kann man allen dreien die Achtung und die Theilnahme nicht versagen, welche Kraft, Muth, freiwillige Aufopferung für einen Zweck, den man für gut und groß hält, bei Jedermann finden muß. S8S Wie der ganze Cyclus der Vorträge ein wohl bemessenes, in einander greifendes Ganze bildete, so wirkte die verschiedene Individualität eines jeden der drei Prediger auf verschiedene Kreise der Zuhörer, und alle zusammen doch unverrückt zu Einem Ziele. Der Priester, welcher am ersten Tag die Mission eingeleitet hatte, gab seinen Vorträgen bei aller Popularität doch zugleich einen wissenschaftlichen Gehalt und eine wissenschaftliche Form in der Art der Conferences der französischen Prediger, und manche seiner Vorträge können den Vorträgen des Pater Lacordaire an die Seite gestellt werden, so wie er denn selbst mit gleicher Fertigkeit deutsch und französisch predigt. Der jüngste unter seinen Mitgliedern stellte sich die Aufgabe einer gründlichen, aber einfachen Belehrung wie für Katechumenen, und wußte dabei die Herzen zu bewegen und zu gewinnen; der dritte bildete eine gute Vermittlung dieser beiden Pole. Die Konferenzen jenes ersten Redners wurden von einem großen Theile der studirenden Jugend mit sichtbarem Interesse gehört, und füllten für die Katholiken unter denselben, wenn freilich nur vorübergehend, eine an der Universität Heidelberg als badische Landesanstalt bestehende Lücke aus. Es sind nämlich an derselben zwar zwei evangelische Universitätsprediger angestellt, aber kein katholischer; auch besteht nicht wie etwa sonst wohl bei paritätischen confessionellen Verhältnissen der Bevölkerung, wie z. B. an der Universität Bonn, ein Statut oder eine Uebung, wornack man bei den Lehrstellen der Geschichte und der Philosophie auf die katholischen Söhne des Landes Rücksicht nähme. So werden dann die meisten derselben, weil sie bei fast ausschließlich entgegenstehenden Einflüssen zu einer etwaS bessern Einsicht in das Wesen der katholischen Kirche und einer wissenschaftlichen und überhaupt geistigern Auffassung hierin nicht gelangen, ihrer Religion gänzlich entfremdet, was für ihre eigene Person und, wenn sie einmal Antheil an der Verwaltung und Gesetzgebung nehmen, auch für die allgemeinen Interessen nicht anders als höchst nachthcilig seyn kann. Unter den Zuhörern bemekte man auch Studirende der protestantischen Theologie, welche sehr eifrig nachschrieben. Wenn ihre Aufzeichnungen etwa als Grundlage künftiger Kritiken gelten sollen, so ist nur zu wünschen, daß diese Aufzeichnungen mit dem gehörigen Geschick und mit der nöthigen Unbefangenheit gemacht wurden. Derjenige unter den drei Vätern, welcher die dogmatische Begründung zur Aufgabe hatte, trat ohne Anmaßung, aber doch mit großer Sicherheit und Entschiedenheit auf; er erklärte sich bereit, jedem einzelnen Zuhörer, welcher es verlange und welcher neue Einwendungen zu machen habe, Rede stehn oder doch weitere Erläuterungen und Auflösungen der Bedenken geben zu wollen. Bei ihm, so wie bei den übrigen beiden Rednern bemerkte man unverkennbar, wie man auch die individuelle Befähigung jedes einzelnen beurtheilen mag, daß sie auf dem Boden kräftiger Ueberzeugung und eines festen, konsequenten, durch das Nachdenken und die Lebenserfahrungen von Jahrhunderten gegründeten, in lebendiger Tradition erhaltenen Lehr- und Lebenssystems standen. Die Theilnahme an den Predigten so wie an der Ausspendung der Sakramente war sehr zahlreich und die Wirkung eine bedeutende: für die Katholiken anregend und kräftigend; für manche Gegner der Mission eine andere Ansicht bewirkend, wenn schon, wie in solchen Fällen natürlich ist, der größere Theil der entschiedenen Gegner auch jetzt seine Ansicht festhalten wird. Zum Schlüsse nur noch Folgendes. Wir haben die Ueberzeugung, daß, unabhängig davon, ob diese Missionen angenehm oder unangenehm seyn mögen, die stärksten sittlichen, rechtlichen, politischen Gründe dafür sprechen, daß ihnen von Seiten der Katholiken, von Seiten der Protestanten, von Seiten der Regierungen keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Für die Katholiken, wenn auch einer oder der andere sich von der Güte des Institutes nicht überzeugen würde, ist die Sache ganz einfach entschieden: wenn der Katholik bei der Kirche bleiben will (und ob er dieß thun will oder nicht, steht in seinem Willen), so kann er einer Anordnung, welche auf alter, allgemeiner kirchlicher Uebung beruht und von der zuständigen kirchlichen Autorität, von dem deutschen Episkopate, aufs neue angeordnet und empfohlen worden ist, nicht ohne die größte Inkonsequenz entgegen treten; das ein- S86 zelne Individuum hat sich hier wie in analogen Fällen im Staate und in jeder Gesellschaft dem Allgemeinen unterzuordnen. Die Protestanten können, wenn sie nicht ihrem ganzen Princip der freien Forschung untreu werden wollen, nicht durch materielle Mittel, noch weniger durch Schmähungen einen Gegner unterdrücken wollen. Ueberdieß ist die höchste Noth vorhanden, daß alle Bekenner des Christenthums, ja der positiven Religion überhaupt, gegen das Andrängen eines gemeinschaftlichen Feindes gemeinschaftliche Front machen. Bei den heftigen Ausfällen, welche man in der neuesten Zeit gegen die Missionen der Väter der Gesellschaft Jesu gehört hat, liegen zwei offenbare Irrthümer zu Grunde (denn dafür wollen wir sie nehmen). Der erste Irrthum besteht darin, daß man die Jesuiten von der katholischen Kirche trennt, da sie doch durchaus nichts anderes predigen, als was in jedem katholischen Katechismus steht, und da sie von den zuständigen Behörden, deren Urtheil sich jeder Katholik unterordnet, gebilligt und empfohlen sind; der zweite Irrthum besteht dann, daß man so denkt und so sich ereifert, wie wenn es in unserer Zeit, bei unsern jetzigen politischen und rechtlichen Verhältnissen wahrscheinlich oder auch nur vernünftig denkbar wäre, daß die Protestanten oder die Katholiken mit Zwang um ihren Glauben, um ihre Kirche gebracht werden könnten. Es ist doch wahrhaft seltsam von ein paar katholischen Priestern, welche über nichts zu befehlen haben, deren Namen man auf alle Weise herabwürdigt und in allgemeinen Mißcredit gebracht zu haben glaubt, Gefahren für das Bestehen deS Protestantismus in Deutschland zu befürchten, wo er außer seinen rechtlichen und politischen Garantien, in der Geschichte der Vorzeit, in der Denkweise der Gegenwart so viele andere Garantien hat. Die Staatsmänner werden sich aber jetzt doch wohl überzeugt haben, daß man die kirchlichen Verhältnisse nicht wie andere administriren kann; daß nach den Forderungen des Rechts, der vernünftigen Freiheit, im Interesse des Volkes und der Fürsten, die Aufgabe der weltlichen Obrigkeit nur darin besteht, die Ordnung und den Frieden unter den verschiedenen im Staate anerkannten Confessionen durch Gesetz und durch die vollziehend« Gewalt zu handhaben, im übrigen aber die Geister gewähren zu lassen. Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 225. Weg des Geistes. Es gibt Einige, die im Fleische wandeln, die alle Sorgfalt darein setzen, wie sie den Beschwerden deS Fleisches entgehen, die ihre Tugenden auf die Probe stellen, und doch, während sie die Beschwerden des Fleisches durchaus vermeiden wollen, seinen bösen Gelüsten nicht widerstehen können. Diesen sagt der Apostel: „Wandelt im Geiste", das ist, leget ab eure Sorge, wie ihr den Beschwerden des Fleisches entkommet. Auf diesem Wege des Geistes sind zwei Stufen, eine höhere und eine niedere. Auf der niedern Stufe wandelt der Mensch in seinem Geiste: auf der höhern Stufe im Geiste Gottes. Auf der niedern Stufe wandelt der Mensch, wenn er, zu seinem Herzen gekehrt, rücksichtlich der Neigungen desselben besorgt, in sich tadelt, was er als der Tugend entgegen erkennt. Auf dieser Stufe bringt er Gott das Opfer eines betrübten Geistes unv zerknirschten Herzens durch die Reue. Von dieser Stufe steigt er zur höhern, fängt an, der Wohlthaten Gottes zu geden- ken, wendet sich zur Danksagung und bringt Gott das Opfer des Lobes durch die Andacht. Auf beiden Stufen sieht er Christum, auf der ersten gekreuzigt, auf der zweiten mit Ruhm und Ehre gekrönt. 226. Welt. Den mit irdischen Gelüsten beschäftigten Geist flieht die heilige Unterhaltung, und es kann nicht vermischt werden Wahres mit Eitelm, Ewiges mit Hinfälligem, >287 Geistiges mit Körperlichem, Höchstes mit Niederstem, so, daß du zugleich kosten könntest, was oben, und was auf Erden ist. Jedes Vergnügen dieser W'elt, ihr ganzer Ruhm, und was man in ihr verlangt, ist ganz und gar wenig im Vergleich mit der Seligkeit jenseits: wenn man eS doch noch wenig nennen will, und nicht vielmehr nichts, einen Dunst, der kurze Zeit erscheint. Alles Irdische ist zweifelhaft und hinfällig. Sage mir, wo sind die Liebhaber der Welt, die vor kurzer Zeit mit uns waren? Nichts ist von ihnen übrig geblieben, als Asche und Würmer. Merke fleißig auf, was sie sind, oder was sie waren. Sie waren Menschen wie du, sie aßen, tranken, lachten, brachten ihre Tage im Wohlleben zu, und fuhren zur Hölle in einem Augenblick. Hier ist ihr Fleisch für die Würmer, dort ihre Seelen den Feuerflammen bestimmt, bis sie, dm*ch daS unglückselige Band wieder vereiniget, den ewigen Flammen übergeben werden, weil sie Genossen in den Lastern waren. Denn in Eine Strafe werden verwickelt, die Eine Liebe im Verbrechen verband. Was nützte ihnen der eitle Ruhm, die kurze Freude, die Macht der Welt, die Lust des Fleisches, der falsche Reichthum, die zahlreiche Familie, die böse Begierlichkeit? Wo ist nun das Gelächter, wo der Scherz, wo die Prahlerei, wo die Anmassungl Welch ein Leid auf solche Freude! Welches Elend auf solches Wohlleben! Aus jenem Jubel verfielen sie in große Trübsal, in tiefen Abgrund, in heftige Peinen. WaS ihnen begegnete, kann auch dir widerfahren, weil du ein Mensch bist. Ein Erdenmensch vom Erdboden, Koth vom Kothe. Aus der Erde bist du, von der Erde lebst du, in die Erde kehrst du zurück, wann jener letzte Tag kommt, der plötzlich kommt, und vielleicht heute seyn wird. Gewiß ist, daß du sterben wirst, aber ungewiß, wann und wie oder wo: weil dich also der Tod überall erwartet, so wirst du, wenn du weise bist, ihn ebenfalls überall erwarten. Täuschend ist der Ruhm der Welt, und mit Recht wird er verachtet. Eine Heublume ist er, ein kurzer Dunst. Hat nicht seine Beschaffenheit selbst mehr Angst, als Annehmlichkeit? Wenn du dich rächest, vertheidigest, wenn du darum beneidest, in Argwohn gerathest, wenn du immer liebst, was du nicht hast, und wenn nach einigem Erfolg die Begierde darnach nicht vermindert wird, was ist das für eine Ruhe in deinem Ruhme? Doch wenn es auch einen gibt, so vergeht die Annehmlichkeit, und kehrt nicht wieder: und eS bleibt die Angst, die ihn nicht verläßt. NebrigenS magst du sehen, wie Viele ihn nicht erlangen, und wie Wenige ihn verachten. Warum das? Wahrlich deßwegen, weil er Vielen nothwendig und bei Wenigen eine Tugend ist. O nichtswürdige Welt, die du allein deine Freunde so zu beglücken pflegst, daß du sie zu Feinden Gottes machest, und folglich auch unwürdig der Gesellschaft der Seligen! Denn allerdings wird der ein Feind GotteS, der dein Freund seyn will. Der Freund der Welt also wird ausgeschlossen aus der Gesellschaft der Freunde Gottes. Gering und zu Nichts nütze ist der weltliche Trost, und WaS noch mehr zu fürchten ist, sogar ein Hinderniß des wahren und heilsamen Trostes. Gleichwie bei der Abnahme des Holzes daS Feuer abnimmt, so vergeht die Welt und ihre Begierlichkeit. Ohne Zweifel auch die Freude. Eine weltliche Seele sehe und erkenne, daß auf die Freude Traurigkeit folge. Denn hier ist daS Ende der vergänglichen Freude, hier die Frucht des zeitlichen Ruhmes. 227. W e l t l u st. Die genossene Lust wird gerne wiederholt, die wiederholte schmeichelt sich ein. Wenn die Lust auswacht, schläft die Vernunft ein, und die Gewohnheit fesselt sie. Wie viele schlechte Vergnügungsmittel eS gibt, so viele herbe Peinen wird eS geben in der Strafe: davon werden wir gestraft, worin wir uns sündhaft ergötzen. Durch die Berührung wird das Feuer der Lust bei geringer Gelegenheit ange- 288 facht, und wenn eS nicht gleich ausgelöscht wird, nimmt es plötzlich den ganzen Leib ein, brennt und entzündet ihn. Zuerst reizt sie das Fleisch durch einen Gedanken, dann beschmutzt sie dir das Herz mit schändlichem Wohlgefallen, und zuletzt unterjocht sie durch Einwilligung in die Schlechtigkeit den Geist. 223. Widerwärtigkeit. Keine Widerwärtigkeit wird uns schaden, wenn uns keine Sünde beherrscht. 229. Wille. Unser Wille, von Gott gut geschaffen, wird nicht vollkommen seyn, so lange er seinem Schöpfer nicht vollkommen unterworfen ist. Denn Diejenigen, welche selbstständig, ja Götter werden wollten, wissend Gutes und Böses, sind, geschweige denn selbstständig, sondern sogar des Teufels geworden. So macht uns also der freie Wille zu uns selbst, der böse zu des Teusels, der gute zu Gottes Eigenthum. Ich bringe waS ich kann, guten Willen, und von euch fordere ich ihn mit seinen Früchten. David gefiel dem Herrn durch Tanzen, nicht wegen des Tanzes, sondern wegen der Begeisterung. Ans gleiche Weise wurde auch daS Weib, welches die Füße des Herrn salbte, von Christus gelobt, nicht weil sie salbte, sondern weil sie liebte, und wurde gerechtfertiget, weil sie gab, was sie hatte. Ein guter Wille im Herzen ist der Ursprung alles Guten und die Mutter aller Tugenden. So wie im Gegentheile ein böser Wille die Quelle alles Bösen und aller Laster ist. Daher soll der Hüter seiner Seele sehr besorgt seyn um die Bewachung seines Willens. Durch den guten Willen wird in uns daö Bild der Gottähnlichkeit hergestellt. Fulda. Fulda, 21. August. Heute Morgen gegen sieben Uhr hörten wir die ernst feierlichen Töne der Steinglocke unseres DomeS wohl eine Viertelstunde lang erschallen, sie läutete einem edlen Todten zur ewigen Ruhe. Der hochwürdige Pater Da- mian Arnd, Conventual der ehemaligen Benedictinerpropstei Holzkirchen in Franken, die zum Hochstifte Fulda bis zu dessen Auflösung gehörte, war in seiner Geburtöstadt und seinem letzten Aufenthaltsorte zu einem bessern Leben heimgegangen. Ein ehrwürdiger Jubelpriester, hoch in den achtzig Jahren, war der Verstorbene hochgeehrt und geachtet von Allen, die ihn kannten. Er war ein ausgezeichneter Math«, matiker und dem Studium dieser Wissenschaft bis in sein hohes Alter unermüdlich ergeben. Nach Aufhebung der Propstei Holzkirchen, über deren weitläufige Besitzungen er eine sehr genaue mathematische Karte angefertigt hatte, zog sich der kennlniß- reiche und dabei so anspruchslose Mann in das stille Dörfchen TreiSbach, zwei Stunden von hier zurück, versah den Gottesdienst bei der dasigen Kapelle und lebte nebenbei den Beschäftigungen der Landwirthschaft, die er gründlich verstand und rationell betrieb, wie seinen mathematisch-physikalischen Studien. Der Kriegslärm des vorigen Spätherbstes scheuchte den frommen Mann auö seinem stillen Asyle und hier ist es an der Zeit es laut auözusprechen, daß preußische Officiere aus Rücksicht gegen den ehrwürdigen GreiS im Silberhaare sich den größten Beschränkungen im Quartiere unterwarfen, um den freundlichen Alten nur nicht in seiner Ruhe zu stören, während Bayern keine Schonung und Rücksicht kannten, so daß der alte Mann sein kleines Besitzthum verließ und zu seinen Verwandten in Fulda eilte, um unter ihrer Pflege die letzten Tage eines reinen, würdigen Lebens hinzubringen. Viele Rheingauer werden sich des Bruders des Verstorbenen, des Pater Karl, Kellermeisters auf dem Johannesberge, noch erinnern. Mögen beide edle Brüder nun im Frieden ruhen! (M. I.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schöucheu. Verlags-Jnhaber: F. C.> Kremer. itftltz Cilster Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 14. September S7. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvre!« Tt> kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Zwei Predigten von Joseph Othmar, Fürstbischof von Seckau, BiSthumsverweser von Leoben. I. Reue. „Ein Herz voll Zerknirschung und Demuth wirst du, o Gott nicht verwerfen." Pf» SV, 19. Fern auS der Urzeit herauf tönt eine Stimme der Klage, welche spricht: „Der Mensch vom Weibe geboren lebt eine kurze Zeit und ist voll der Plagen. Er keimt wie eine Blume auf und wird zertreten, er flieht wie ein Schatten und bleibt nimmer im selben Stande." Es ist die Stimme Job's, welchem die heilige Schrift daS Zeugniß gibt, daß er Gott fürchtete und sich vom Bösen rein hielt und seines Gleichen nicht auf Erden hatte. Der Mensch hat von der Wiege bis zum Grabe den Schmerz zum Begleiter. Sein Leib ist Dem verfallen, von welchem der heilige Seher auf PathmoS spricht: „Und sieh! es kam ein fahles Roß; der auf ihm saß, wurde der Tod genannt und das Todtenreich folgte ihm nach. Ihm wurde Macht gegeben, in den vier Theilen- der Erde durch Schwert, Hunger, Krankheiten und wilde Thiere zu tödten." Unzählig sind die Beschwerden und Wehen, durch welche der Erdgeborne erinnert wird, daß sein Leib unter der Herrschaft des Todes stehe, und manchmal steigern sie sich zu Peinen, welche das ganze Gefühl deS Daseyns durchdringen; aber sie reichen nicht an die Zahl und Bitterkeit der Leiden, welche seine Seele treffen. Der Mensch verlangt nach den Gütern der Erde und sie fliehen vor ihm; erreicht er sie, so genügen sie ihm nicht. Der Besitz ist von der Sorge umringt und wird durch die Begierde noch mehr zu erlangen entwerthet. Dem gierigen Genusse folgen Ekel und Selbstvorwurf. Der körperliche Schmerz wird durch die Furcht vor demselben vervielfältigt und geschärft. Die Täuschungen der Hoffnung, die Kränkungen der Selbstliebe, Neid und Eifersucht, Haß und Angst und Reue und Verzweiflung schlagen ihre Klauen in das menschliche Herz. Ueber den Zwischenräumen der Befriedigung schwebt das Bewußtseyn der Vergänglichkeit gleich einer finstern Wolke. Wie, leben wir nicht in der Welt, von welcher geschrieben steht: Und Gott sah Alles, was er gemacht hatte, und sieh! es war gut? Warum entstellet die dunkle Makel deS Schmerzes daS Werk der sechs schaffenden Tage? Waltet nicht Der, welcher unS erlaubt, ihn unsern Vater im Himmel zu nennen, allmächtig und allschauend über unsern Geschicken? Wie kömmt eS, daß die Qual sich unabwendbar an die Ferse der Menschenkinder heftet? -) Die beiden Predigten heißen „Reue und Erneuerung des Lebens" und sind bei den feierlichen Bittgängen der Jubiläumszcit am 3. und 19. Mai d. I. in Gratz gehalten worden. 290 Die Antwort gibt uns eine andere, unheimliche Gestalt, welche vielfach das Angesicht wechselnd über den Söhnen AdamS schwebt und ihre Huldigungen empfängt: es ist die Sünde. „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." So spricht kein grämlicher, mit sich und der Welt unzufriedener Sittenrichter, sondern der Jünger der Liebe, er, welcher bei dem großen Liebesmahle an der Brust deS Heilandes ruhte, der heilige Johannes. Aber der Sold der Sünde ist der Tod, der Tod des Leibes uud der Seele. „Durch Einen Menschen, spricht der Apostel Paulus, ist die Sünde in diese Welt gekommen und durch die Sünde der Tod und so ist der Tod auf alle Menschen übergegangen." Der Alierbarmer hat uns dem Verderben nicht hilflos anheimgegeben, sondern durch Wunder der Gnade den Gefallenen Heil und Rettung bereitet; die kurzen Trübsale aber, welche übrig bleiben, verwandelu sich, sobald wir wollen, in einen Schatz der Verdienste, welcher hinterlegt ist für den Tag der Ewigkeit. Wir feiern so eben den Sieg, welchen der Sohn Gottes über Tod und Hölle errungen, wir seiern die Auserstehung unsers Herrn und Meisters, welche dem Tode seinen Stachel und dem Grabe seine Schrecknisse genommen hat. Allein wenn die Osterzeit uns auf die Herrlichkeit hinweist, zu deren Erben wir berufen sind, so läßt sie an unS auch die laute Mahnung ergehen, deS Reiches Gottes fähig und würdig zu werden. Dazu ermuntert und hilft in der Osterzeit dieses JahreS die Kirche uns in ganz besonderer Weise: denn sie ladet durch den Jubiläumsablaß uns ein, neue Menschen zu werden; gegen den Preis inniger, daS ganze Leben beherrschender Neue verheißt sie wie von der Schuld so auch von den Strafen der Sünde uns vollkommen zu entbinden. Wir haben im feierlichen Zuge begonnen, die Bedingungen, an welche die Gewinnung des Ablasses geknüpft ist, andächtig zu erfüllen; bemühen wir uns auch, den Eifer der Buße in unserm Herzen mächtig zu erwecken: denn durch ihn erhält unser Gebet und Flehen Kraft. Ein Herz voll Zerknirschung wirst du o Gott nicht verwerfen. So sprechen wir voll Zuversicht: denn, waS wir sprechen, hat das Wort Gottes uns gelehrt. Wir haben oft gebeichtet, wir haben oft Reue und Leid erweckt. Aber waren die guten, frommen Worte, welche uns auf den Lippen schwebten, auch ein treuer Ausdruck der Gesinnung, welche unser Innerstes bewegte? Sammeln wir uns also vor dem Angesichts des allschauenden Gottes und fragen wir uns: Wie soll die Reue deS Christen beschaffen seyn und an welchen Anzeichen können wir erkennen, ob die wahre Reue uns heilbringend durchdrungen habe? Die Neue ist unstreitig ein Schmerz der Seele, welcher auS dem Bewußtseyn, irgend eine Handlung vollbracht oder unterlassen zu haben, hervorgeht und mit dem Wunsche, diese Handlung nicht vollbracht oder nicht unterlassen zu haben, verbunden ist. Denken wir uns einen Fall, welcher sich viel öfter als gut ist, wiederholt. Ein junger Mensch vernachlässigt seine Studien, er lernt nichts, als sich unterhalten. Seine Unterhaltungen sind von der schlimmsten Art. Er wirft sich der unreinen Lust in die Arme und die unreine Lust zieht ihn auf's Krankenlager. Die bedenkliche Miene deS ArzteS verkündigt ihm, daß sein Siechthum sehr gefährlich sey. Sein Vermögen Hai er im Taumel der Leidenschaft vergeudet, eS bleiben ihm nur Schulden übrig. Dürftig, verlassen, gequält liegt er in einem schlechten Winkel und zittert vor dem langsam nahenden Tode. Nun reut eS ihn, daß er seine Zeit nicht verwendet hat, um sich zu einem einträglichen, ehrenvollen Amte zu besähigen, nun reut es ihn, daß er bei seinen Ausschweifungen nicht klüger Maaß gehalten, nicht größere Vorsicht beobachtet hat. Der Gedanke, daß er Vermögen und Gesundheit so leicht bewahren und noch viele Jahre hindurch in Lust und Freude hätte leben können, erfüllt ihn mit der peinlichsten Empfindung, er zürnt sich selbst, daß er so thöricht gewesen. Dieß ist zwar eine Neue, aber keine segenbringende Reue: denn ein Herz voll Zerknirschung und Demuth fehlt dem Unglücklichen. Allerdings wünscht er Vieles, was mißfällig war vor dem Herrn, ungeschehen machen zu können, aber er wünscht es nur darum, weil er sich selbst geschadet und zwar an zeitlichen Gütern geschabet hat. Daß die Werke, durch welche er sein zeitliches Glück zerstört hat, L91 biHiuüIzÄ H?ZM7n6iN «;ÖM»ß!z6??L? ':'-^ (lM zZziZ z)-» ^M7k!T W)^ ?ov 5ji sündhaft waren, kümmert ihn sehr wenig; er bejammert eigentlich nur, daß er sich unfähig gemacht, von dem Taumelkelche der Sünde zu kosten. Soll die Neue zum ewigen Leben frommen, so muß das Schmerzgefühl, in welchem sie sich kundgibt, durch die Erkenntniß, wie verabscheuungswürdig die begangene Sünde sey, hervorgerufen werden. Allein dieß ist um die Reue zu heiligen zwar nothwendig, aber nicht hinreichend. JudaS Jscharioth verräth den Herrn, welcher ihn seinen Aposteln bei- s gesellte, überliefert für klingende Münze den Sohn Gottes in die Hände seiner Feinde. AIS er aber vernimmt, daß der Haß der Pharisäer und Schriftgelehrten zum Aeußer- sten schreite, daß der verrathene Meister am Kreuze sterben solle, da tritt er vor die Mitschuldigen seines Frevels und spricht: Ich habe gesündigt, daß ich unschulviges Blut verrieth. Sie antworten mit dem kalten Höhne, welchen der verhärtete Sünder für die Gewissensbisse seiner Spießgesellen zu haben pflegt: WaS geht das uns an? da sieh du zu! Und er wirft das Geld hin, eilt von bannen und erhenkt sich. Unstreitig machte der Unselige sein Herz gänzlich von dem Gewinne loS, welchen er durch solch eine That erkauft hatte: denn er stellte den empfangenen Sündenlohn den Häuptern der Juden zurück; unstreitig wünschte er auf's glühendste, seine That aus d?m Buche des Daseyns auslöschen zu können und erkannte vollkommen, daß diese That eine Sünde, eine furchtbare Sünde sey: denn die Erinnerung an die Schuld, womit er sich befleckt hatte, erfüllte ihn mit der Bitterkeit eines Schmerzes, welcher ihm das Leben als eine unerträgliche Last erscheinen ließ. Dennoch war der Geist GotteS von seiner Reue ferne und der Allerhöchste nahm die Zerknirschung seines HerzenS nicht an: denn die Demuth war der Zerknirschung nicht beigesellt. Der Schmerz, dessen Toben ihn in wildem Wirbel fortriß, entsprang aus der unreinen Quelle der verirrten Selbstliebe und schied ihn auf ewig von Dem, an dessen Gnade er verzweifelte. Ganz andere Mächte bewegten das Herz der Sünderin, über welche der Herr bei dem Gastmahle des Pharisäers das huldvolle Wort der Verzeihung sprach. Sie hat den Schatz der Unschuld verloren und die frechen Lüste, in deren Dienstbarkeit sie sich begab, haben sie zum Ziele wohlverdienter Verachtung gemacht. Nun fallen die Schuppen von ihren Augen; sie erkennt die Größe der Schuld, durch welche sie sich befleckt hat, nicht minder lebhaft ais JudaS das Entsetzliche des verübten Verrathet» erkannt hat, und bei den Menschen darf sie keinen Trost erwarten; während JudaS von den Häuptern seines verblendeten Volkes als ein getreuer Sohn Abrahams, als ein Eiferer für die Gerechtigkeit gepriesen wird, sieht man in ihr nur das ehrlos gewordene Weib. Dennoch verläßt sie ihr einsames Gemach; sie tritt in den Saal, wo der Heiland umgeben von den Vornehmsten der Stadt zu Tische sitzt. Man staunt, sie zu sehen. Wie, denken Simon und seine Gäste, ist denn in diesem Weibe daS Schaamgefübl bis zum letzten Reste ersterben? Wie kann sie wagen, unter uns zu erscheinen? Blicke deS Unwillens treffen sie, ein Murmeln der Entrüstung zieht durch den Saal; sie aber wirft sich vor dem Heilande nieder und benetzt seine Füße mit Thränen und als sie sich wieder, erhebt, gehört sie zu den Begnadigten, von welchen der Sohn GotteS sprach: „Wahrlich, wahrlich sag' ich euch, eö wird im Himmel mehr Freude seyn über einen Sünder, welcher Buße thut als über neun und neunzig Gerechte, welche der Buße nicht bedürfen." Wie kam es, daß diesem tiefgesunkenen Weibe solch eine Huld zu Theile ward? Der Herr selbst belehrt unS darüber, denn er spricht: Ihr ist viel vergeben, weil sie viel geliebet hat. Sie fühlte im tiefsten Herzen, wie schändlich, wie würdig deS AbscheueS und der Strafe die Sünde sey, deren Joch sie getragen hatte; aber es ward ihr auch in lebendiger Ahnung klar, wie herrlich, wie würdig der Anbetung und des Dienstes der Herr sey, von welchem sie durch die Sünde sich losgetrennt. Der bittere Schmerz, die heiße Schaam, womit sie ihrer Schuld und Schmach gedachte, war geheiligt durch die Sehnsucht der Liebe, war verklärt durch das innige Verlangen, vor Gott dem Urbilde der Vollkommenheit Versöhnung unix Gnade zu finden. Die Reue, welche auö der Liebe stammt und sie allein ist jene Reue, welche sss groß ist vor dem Throne der Liebe und der Verheißungen des ErbarmerS theilhaftig wird. Die Reue, welche auS der Liebe stammt, und sie allein ist eS auch, welche alle Segnungen deS JubiläumsablasseS auf uns niederrufen kann. O Gott, cS ist mir von Herzen leid, daß ich dich beleidi"get habe, weil du das höchste Gut und aller Liebe würdig bist. Dieß oder Aehnliches werden wir ohne Zweifel sprechen oder aus dem Gebetbuch? lesen, bevor wir in den Beichtstuhl treten und wenn wir in Wahrheit wegen unserer Sünden ein tiefes, herzliches Leid empfinden und wenn wir eS darum empfinden, weil Gott das allerhöchste Gut ist, so danken wir Dem, ohne welchen wir nichts vermögen: denn diese und keine andere Gesinnung ist eS, welche er von dem ächten Büßer verlangt. Aber leider I sehen wir Menschen uns meistens durch das gefärbte Glas der Eigenliebe. Wie vermögen wir also deutlich zu erkennen, ob diese Gesinnung rein und mächtig in unS walte? Werfen wir noch einen Blick auf die Begnadigte, deren Liebe unser und ihr Erlöser preiset. Sie fühlt den Stachel der Verachtung, welche im Hause des Gastmahles der Entehrten bezeigt wird; aber sie erträgt ihn in stiller Ergebung, ohne eine Regung deS Zornes oder der Rachbegier; sie ist überzeugt, daß sie nichts Besseres verdiene; sie scheut sich nicht vor der hohnlächclnden Versammlung auf die Kniee zu sinken und Thränen der Reue zu vergießen: der Heiland ist es, den sie sucht, die Gerichte Gottes sind es, die ihr vor der Seele schweben. Wahrlich ihr Herz war nicht nur voll Zerknirschung, sondern auch voll Demuth und die Demuth ist daS erste, das sicherste Kennzeichen einer von der Liebe beseelten Reue. (Schluß folgt.) Zur Mission in Heidelberg. Pfarrer Dittenberger sagte seinen Zuhörern von der Kanzel herab unter Anderm ungefähr Folgendes, was allerdings den Begriff übersteigt, den ich mir seither von einem christlichen Prediger gemacht hatte: „ES ist dieser Tage in der Kirche unserer hiesigen katholischen „„Schwestergemeinde"" von der Kanzel gesagt worden, daß wir die Fahne des Jesuitenordens beschmutzt hätten. Das, meine lieben christlichen Zuhörer, ist aber nicht so, denn dieser Orden hat selbst die Brandmale der Schlechtigkeit, deS Hasses, der Zwietracht, der Feindseligkeit und deS Unfriedens durch seine Thaten an sein Banner geheftet, und die Geschichte hat hiervon Urkunde genommen, die so lange bestehen wird, so lange die Welt steht. Diese Menschen haben sich bei der Gründung ihres Ordens zur Täuschung der abergläubischen Masse den Namen unseres Heilandes beigelegt und haben durch ihr Wirken demselben nur Schmach und Schande bereitet. Wisset ihr noch, meine christlichen Freunde und Brüder, wie die Jesuiten Städte und Dörfer verheerten und verbrannten? Die Mitglieder dieses saubern Ordens sind dieselben, welche das heutige Evangelium, das mir Gott in die Hand gab, als die falschen Propheten bezeichnet, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber raubgierige Wölfe sind; hütet Euch darum vor ihnen, seyd mannbaft und stark, denn der heilige Apostel Paulus ruft unS zu: Habet Mannskraft und Geistesstärke, werdet mündig u. f. w. Ihr wisset und kennet die Thätigkeit und die Werke dieser falschen Propheten in unserer gesegneten Pfalz von frühern Zeiten her; ich brauche Euch nicht erst damit bekannt zu machen. Wer sie aber noch nicht kennen sollte, der kaufe'sich diese Geschichte, wie solche In unserer Stadt — wo sich seit 14 Tagen die falschen Propheten eingenistet haben — überall zu kaufen ist. An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen, und ihr Aufenthalt hier hat uns schon reichliche Früchte getragen: unsere Kirche ist heute überfüllt; ich hoffe, daß dieß auch noch nach der Jesuitcnmission der Fall seyn wird, und nicht, daß die Kirche stets wieder leer bleibt, wie dieß vor derselben der Fall war!" — Da haben Sie ein gewiß eben so merkwürdiges, als originelles Probestückchen der neuesten Heidelberger Toleranz! Was mögen wohl die Jesuiten dem guten Pfarrer Dittenberger zu Leide gethan haben? — Dieß war jedoch begreiflicherweise noch lange nicht 293 Alles, waS der beredte Kanzelredner seinen Zuhörern zum Besten gab. Gleich einer zweiten Here von Entor rief er nunmehr die Schatten der Vergangenheit in die Gegenwart zurück, so den Papst Clemens XIV., der als Oberhaupt der Kirche den Jesuitcnorden aufhob, natürlich weil er erkannt hatte, daß dieser Orden die Schlechtigkeit selbst war. Daß Clemens XIV. die Aufhebung deS Jesuitenordens, zu wel- cher er durch die dem Geiste deS VoltairianiSmuS verfallenen Höfe genöthigt worden war, bis zu seinem Tode bereute, und im Grunde nur darum vollzog, um AergereS zu verhüten; daß ferner die heiligsten und ehrwürdigsten Päpste der Kirche den Je, suitenorden gutgeheißen und vortrefflich erfunden und deßhalb denselben bei mehr alS tausend Gelegenheiten gegen seine Feinde in Schutz genommen; daß endlich die Nachfolger j-neö Clemens XIV. sich beeilten, den Jesuitenorden wieder herzustellen, davon schwieg Herr Pfarrer Dittenberger auS leicht begreiflichen Gründen und zog eS vor, auf die Geschichte Dr. Luther'S überzuspringen, dessen Reise nach WormS und Verhalten vor dem Reichstage eben so wie die unvermeidliche „Ablaßkrämerei" den Zuhörern in den lebhaftesten Zügen vorgeführt wurden. ES war wirklich zum Erstaunen, welchen Jdeengang der vortreffliche Pfarrer einzuschlagen verstand, obgleich er eS schuldig blieb, anzugeben, auf welche Weise sich Dr. Luther und die Ablaßkrämerei mit der Heidelberger „Jesuitenmission" zusammenreimen. Zum Ruhme der Heidelberger Protestanten muß ich indessen anführen, daß nicht wenige derselben, den gebildeteren Ständen angehörend, gegen die Dittenberger'sche Predigt sich höchst mißbilligend ausgesprochen haben. (M. I.) Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen BernarduS. (Fortsetzung.) 230. Wissenschaft. Die wahre Wissenschaft ist, zu wissen, daß wir sterblich, hinfällig und gebrechlich seyen, und daß in dieser Verbannung, in diesem Kerker, auf dieser Wanderschaft, in diesem Thale der Thränen Schmerz und Trauer empfunden werden sollen. Es gibt Einige, welche wissen wollen nur in der Absicht, damit sie wissen, und dieß ist schädliche Neugierde. Wieder Einige gibt eS, die wissen wollen, damit man auch von ihnen wisse, dieß ist gefährliche Eitelkeit. Diese werden wahrlich dem spottenden Satyriker nicht entgehen, der dem, der so beschaffen ist, Folgendes zusingt: „Dein Wissen ist nichts, wenn nicht der Andere eS weiß, daß du eS weißt." Und wieder Einige gibt es, die wissen wollen, damit sie ihre Wissenschaft verkaufen, z. B. für Geld, für Ehren, und dieß ist schändlicher Gewinn. Aber eS gibt auch Einige, welche wissen wollen, damit sie erbauen, und dieß ist Liebe: und noch Einige, die wissen wollen, damit sie erbaut werden, und dieß ist Klugheit. Unter allen Diesen trifft man nur bei den zwei Letzten keinen Mißbrauch der Wissenschaft an, da diese nur deßhalb wissen wollen, damit sie GuteS thun. Wer ißt, und die Speise nicht verdaut, kommt in Gefahr. Eine unverdaute Speise nämlich erzeugt böse Säfte, und schwächt den Körper, anstatt ihn zu nähren. Wird nicht auch so die Vielwisserei, verschluckt vom Magen der Seele, vom Gebächtnisse, wenn sie nicht verkocht ist am Feuer der Liebe, und so nicht durch die Glieder der Seele in die Sitten und Handlungen gegossen und vertheilt wird, damit die Seele selbst von den guten Sitten, indem das Leben davon Zeugniß gibt, gut werde, zur Sünde angerechnet werden als eine in böse und schädliche Säfte verwandelte Speise? Und ist nicht die Sünde ein böseS Blut? Sind nicht die bösen Sitten böse Säfte? Wird nicht Blühungen und Schmerzen Der im Gewissen empfinden, der so beschaffen ist, der nämlich das Gute wußte, und nicht that? Hat nickt ein Solcher das Urlheil des TodcS und der Vcrdammniß in sich, so oft ihm in'S G-edächtniß kommt der AuSspruch deS Herrn- „Jener Knecht aber, der den Will-n 294 seines Herrn gekannt, und sich nicht bereit gehalten, und nicht gethan hat, waS er wollte, wird viele Streiche bekommen." Viele Wissenschaften der Menschen gibt eS, aber keine ist besser, als jene, wodurch der Mensch sich selbst kennen lerut. »Isat uz . dn,i7armi!!^L »nn^MK 5:6 ./IX Hiü-unIV ktt- ^6 cknu ,tiji ?»W 233. Wort, d. i. Sohn Gottes. Wir sprechen von einem geistigen, verlautbarten und eingefleischten Worte. DaS erste brachte Kenntniß, daS zweite Bekehrung, daS dritte Leben- digmachung. Das erste brachte Schaden, weil die Menschen, nachdem sie Gott erkannt hatten, ihn nicht verherrlicht haben, noch ihm gedankt, sondern eitel in ihren Gedanken wurden, und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. DaS zweite nützte nicht, weil kein Gesetz gege, den worden ist, das lebendig machen könnte. DaS dritte lebt, weil eS durch Fleisch uns erlöste. Das erste war bloß äußerlich, daS zweite äußerlich und innerlich, das dritte durchaus nur innerlich. Bemerke auch, daß das, was ausquillr, auö der Fülle deö Ausqmiiendm kommt, und gleichsam den Geschmack -9 seiner Wesenheit hat. Und deßhalb heißt es von der eingefleischten Weisheit, daß sie alle Fülle in sich habe, nämlich im Geiste die Erkenntniß, im Worte die Bekehrung, im Leiden die Belebung. Das Geheimniß der Menschwerdung Christi enthält in sich drei Dinge zur Betrachtung, nämlich die Gestalt der Niedrigkeit, den Beweis der Liebe, daS Geheimniß der Erlösung. Die Gestalt der Erniedrigung zeigt uns daS Weinen des Kindleins, der Ort der Herberge, das Liegen in der Krippe, die Ein- wickelung in Windeln: den Beweis der Liebe gibt sein gütiger Tod. Eine größere Liebe als diese hat Niemand, daß er nämlich sein Leben für seine Feinde hingibt. Das Geheimniß der Erlösung beurkundet eine dreifache Macht der Gottheit, nämlich daß sie aus Nichts etwas machte, das Veraltete erneuerte und daS Zeitliche verewigte. ^ ^ »5?ni!i!---!^WM„ isT ,'>,i.j'iÜch'«^^Nj;.,'m-ilsiitt)^.s^ iWD^Alj'-jnL «m.i-ä iivS'Snu P Filch!ii«a'HH >»iil? .u,u-iü-iiik>>/' 'q!"7Ä^?Ä'l«^uH''MksÄjtbv ?5(ilchl l'N't tzuv . Nils/l Ni>6 Wenn Gott durch gute Werke gesucht wird, darum, da wir Zeit haben, lasset unS Gutes thun Allen, besonders da der Herr deutlich voraussagt: „Es kömmt die Nacht, da Niemand wirken kann." WaS träumst du von einer Verzeihung, die dir in Mitte ewiger Flammen zu Theil werden würde, da die Zeit des Erbarmens vorüber ist? Es bleibt kein Opfer für die Sünden dir übrig, der du in Sünden gestorben bist. Der Sohn Gottes wird nicht noch einmal gekreuziget, er ist Einmal gestorben, und stirbt nicht wieder. Es steigt nicht zur Hölle hinab daö Blut, daS auf Erden vergossen. ES trinken davon alle Sünder der Erde. Die Teufel können sich nichts davon anmassen, um ihre Feuerherde abzukühlen, noch auch die Menschen in Gesellschaft der Teufel. Einmal ist dort hinabgestiegen nicht das Blut, sondern die Seele, und das war der Antheil Jener, die im Kerker waren, nämlich jener einzige Besuch, welcher damals durch die Gegenwart der Seele geschah, als der Leib leblos auf Erden war. Das Blut hat die trockene Erde begossen, daS Blut ist auf die Erde geflossen und hat sie berauscht. DaS Blut hat das, waS auf Erden und im Himmel ist, gereiniget. Nicht aber JeneS, waS in der Hölle ist, außer daß (wie ich gesagt habe) seine Seele Einmal dorthin kam nnd theilweise Erlösung brachte, damit nicht einmal jenem Augenblicke die Werke der Liebe mangelten, aber weiter wird er nichts mehr thun. Jetzt also ist die gnalxn- reiche Zeit, die zum Suchen gelegene Zeit, in der vollständig findet, wer sucht, wenn er nur auch da sucht, wo er suchen soll. Niemand von euch schätze die Zeit geringe, die in müßigen Gesprächen hingebracht wird: denn jetzt ist die gnadenreiche Zeit, jetzt ist der Tag deS Heiles! DaS Wort fliegt unwiderruflich, die Zeit fliegt unwiederkommlich, und doch bemerkt eS der Thor nicht, waS er verliere. Nichts ist kostbarer, als die Zeit, aber ach, nichts wird heutigen TageS geringer geachtet, als die Zeit. ES vergehen die Tage deS Heiles, und Niemand denkt daran: Niemand klagt sich an, daß er viele Zeitaugenblicke zu Grunde gerichtet habe, die nie wiederkehren. Halte jede Zeit für verloren, in der du nicht an Gott denkst. Alle Dinge sind eines Andern, nur allein die Zeit ist unser. Wer für sich beten will, muß Ort und Zeit beachten. Die Zeit der Ruhe von den Tagsgeschäften ist bequemer und passender, am meisten aber kommt d«-» Gebet freier und reiner auS der Seele, wenn der tiefe nächtlicb? ^^.x »» ^ «>. . ^ >. ^ - ^u^ias Vtllle vcr« kündet; und es steigt aus d-r NaA ^5 empor, dessen Zeuge nur Gott ist und der Engel, der eS aufnimmt, um eS auf den Hochaltar des Himmels zu legen Ich sage nicht, waS ich thue, sondern waS ich wollte, das ich thäte, und was mich reut, daß ich eö nicht gethan habe. > , ^ ' 235. Zeitlich 5 """«"w»? 6nu Zeitliches gibt uns der himmlische Vater mit größter Güte auö doppelter Ursache- 296 damit wir ihn nicht für feindlich gesinnt halten und verzweifeln, wenn er es uns versagen würve, und damit die zu große Sorge um dasselbe nicht zum Nachtheile werde für die Uebungen deS Geistes. Denn ohne dasselbe können wir weder leben, noch Gott dienen. UebrigenS je eingeschränkter, desto besser. Allerdings gibt Christus seinen Dienern zur Erhaltung deS untern Menschen, d. i., des Fleisches, Mangel an zeitlichen Dingen, damit sie nicht durch Ueberfluß beschwert werden. Für daS Obere aber gibt er einen größern Umfang und einen Ueberfluß geistlicher Gnade. Schweiz. Der „Kirchenzeitung" von Solothurn, welche in Aufnahme von Mittheilungen sehr vorsichtig ist und von keinem Unbefangenen der Uebertreibungen beschuldigt werden kann, wird auS dem schwer geprüften katholischen Freiburg geschrieben: „Viel Aufsehen erregt das Schicksal, das hie und da kirchenfeindliche Menschen trifft und Viele wollen hierin den Finger Gottes erkennen. In Bulle hat sich ein Verfolger der Priester erhängt; in Romont erschoß sich Derjenige, der im November 1347 (bei der Besetzung von Freiburg durch die Truppen der radicalen Kantone) auf den dortigen Chorherrn Wuilleret die Waadtländer Soldaten hetzte, welche ihn auch fast bis zum Tode mißhandelten. In Freiburg starb jüngsthin ein Herr, der zur nämlichen Zeit den (f. g.) eidgenössischen Truppen mit seinem Finger vom Fenster auf die Priester wies, die sich aus Furcht verkleidet hatten; er starb merkwürdiger Weise an einem Uebel, daö zuerst den Zeigsinger angriff. Ein Mann, der oft den Wunsch äußerte, Priester und RistouS (Konservative) verbrennen zu sehen, fand den Tod in den Flammen seiner brennenden Hütte. Ein Großrath, der die Wegschaffung einer Kapelle durchgesetzt hatte, wurde von heftigen Schmerzen in dem Augenblicke befallen, als man den Altar wegbrach, und ist bis jetzt noch nicht geheilt." (Tir. Ztg.) Lesefrüchte. z:z Ein Elternpaar, daS sich sonst nicht viel um den lieben Gott und die heilige Religion bekümmerte, hatte daS einzige Kind durch Tod verloren. Da ergossen sich vie Eltern nicht nur in die bittersten Klagen, sondern sie murrten auch über GotteS Vorsehung, wie eS denn der Brauch ist, daß gerade diejenigen, die am wenigsten an Gott denken, fordern, daß er desto mehr an sie denken, und sie und all das Ihrige wie seinen Augapfel bewahren soll. Sie fragten ihren Seelsorger, wenn Gott, wie die Schrift sage, die Liebe sey, warum er denn ihnen ihr einziges geliebtes Kind genommen habe. Der Seelsorger, ein wahrer GotteSmann, antwortete: „Ihr wollt von mir wissen, warum Gott euer Kind zu sich genommen habe? Ich antworte: Er will aus eurer Familie auch Eins in dem Himmel haben. Ihr Alten wollt nicht in den Himmel, und hättet daS Kind, wäre eS das Eurige geblieben, auch nicht hineingelassen. Darum hat eS der Herr zur rechten Zeit zu sich genommen. Wenn ihr ein Elternherz habt, lauft dem Kinde nach, und suchet eS auf dem Wege der Äugend und Gottseligkeit, und ihr werdet eS wieder finden und nicht ferner verlieren." Ein Klosterbruder bat seinen Abt um ein Buch, datauS er lernen konnte, vollkommen zu werden. Da gab ihm der Abt ein Cruclfirbild und sprach: Sieh fleißig in dieses Buch hinein, lies fleißig in diesem Buche, betrachte in diesem Buche, und du wirst vollkommen werden. Berantwsrtllch« Redacteur: L. SchSache«. Verlags-Jnh aber: F. E. Kremer. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 21. September S8. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 40 kr., wofür eS durch alle könlgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Tröstung für die Zweifelnden. In den Jahren 1843 und 1849 sind, was die Hebung kirchlicher und klerikaler Zustände, waS die freie canonische Entfaltung deS kirchlichen Organismus anbelangt, von allen Seiten her verschiedene Verheißungen gemacht worden; und eS läßt sich nicht läugnen, daß manche von diesen Aeußerungen außerordentlich feierlich, ja man möchte fast sagen pathetisch geklungen haben. ES ist eine schöne Sache um daS wahre Pathos — denn daS wahre Pathos ist eine Sprache, die entweder selber That ist, oder der die That unmittelbar folgt, wie der Donner dem Blitze; das falsche PalhoS aber ist nur eine Nachahmung deS wahren, eS ist theatralisch, eS sind Worte ohne Handlung; es sind Worte mit einer fingirten Darstellung. Da gibt eS nun viele Leute, die eS mit der Sache der Wahrheit und deS Rechtes sehr ehrlich meinen, die aber alsogleich in Verzweiflung gerathen, wenn sie das, was sie kona licie angehofft haben, so gar nicht in Erfüllung gehen sehen. Diese guten Leute zu trösten und zu beruhigen, halten wir für eine nicht zu umgehende Pflicht; denn die Dinge stehen ja im Grunde gar nicht so verzweifelt, als sie aussehen. WaS wachst, macht keinen Lärm. Die Gedanken von der Freiheit der Kirche, von dem Erwecken ihres Lebens nach allen Richtungen und Aeußerungömöglichkeiten hin — diese Gedanken sagen wir, leben bereits in der Elite deS katholischen Klerus; und die Denk- und Thalfaulen, die Genießer und Prahler, die Brosamenbettler am Staatsmahle und Verächter der Gaben deS heiligen Geistes — die den Apostel Paulus selbst für einen Thoren gehalten hätten, als er in seiner ärmlichen Erscheinung sich vor den Areopag zu Athen hinstellte (weil ihnen Weihe und Sendung und Geist nichts gilt; und weil sie den ganzen Werih auf die äußerlichen Glücksgüter legen), diese sagen wir: sind bereits machtlos geworden, weil sie ohne die Staatsmacht sich gar nicht mehr halten können. Wehe dem Staat, der sich auf solche Kirchenmänner verläßt; denn der ist sicher verlassen! Wer kein Vertrauen auf sich selber, auf seine Sache hat — wie soll denn der Andern helfen? Und für die Staaten rückt heran die Zeit des KirchenschutzeS; die Zeit, in der nur die Kirche mit dem Schwert ihres heiligen Wortes die StaatSfeinde besiegen kann. DaS Schwert aus Eisen hat einmal auf eine höchst ehrenhafte, ruhmvolle Weise seine Pflicht gethan. Opfer und Todesmuth verschaffte den legitimen Regierungen durch ihre tapfern Armeen einen glorreichen Sieg. Die Kirche hat zum Siege keinen andern Weg. Durch Ränke, Selbstsucht, Faulheit ihrer Diener hat sie, wie die Geschichte lehrt, noch nirgends einen Sieg errungen — nur mit den Waffen des Geistes, geweiht und gefestigt vom Paraklet, hat sie ihre siegreichen Colonnen in der Weltgeschichte vorwärts geschoben; nur durch diese hat sie Boden gewonnen I Der Herr wird seine Kirche nicht verlassen. Erstehen werden die Männer des 298 Geistes und des Opfermuthes. In der Kirche wacht ein neues, herrliches Leben auf. Die Feinde in und außer der Kirche vermögen eS nicht mehr niederzuhalten. Mögen sie auch die eine oder die andere Stimme auf eine Zeitlang zum Schweigen bringen — der Geist geht seinen Weg; er fragt sich nicht mit einer Bittschrift an, wo er wehen darf; er weht, wo er will! (W.K.-Z.) Zwei Predigten von Joseph Otpmar, Fürstbischof von Seckau, BiSthumsverweser von Leoben. I. (Schluß.) Der Apostel ermahnet uns und Alle, welche das Wort der Allmacht in'S Daseyn rief: WaS hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du eS aber empfangen hast, warum rühmest du dich dessen? Jedes Geschöpf und darum auch der erschaffene Geist hat AlleS, was eS ist und besitzt, von Gott seinem Erschaffer und die Chöre der Engel, welche unberührt von der Schuld den Thron des Herrn umgeben, haben aus sich denn doch nichts Anderes gethan, als daß sie von den freien Geschenken göttlicher Huld keinen Mißbrauch machten. Je vollkommener der Geist ist, desto höher steht er an Erkenntniß und je höher er an Erkenntniß steht, desto deutlicher sieht er ein, daß er alles Gute von Gott empfangen hat und jeder Vorzug, welcher ihn schmückt, nur ein Abglanz ist der ewigen Sonne. Darum je vollkommener der Geist ist, desto vollkommener ist auch die Demuth, in welcher er sich vor dem Allerhöchsten beugt. Die wundervolle Jungfrau, welche der Erde den Heiland brachte und von Himmel und Erde staunend als Mutter GotteS begrüßt wird, kennt keinen höheren Ruhm als die Magd des Herrn zu seyn. Wir aber sind Sünder und Kinder des Sünders. Das Lamm GotteS hat unS zwar Versöhnung gebracht und SohneSrecht erworben bei Gott unserm Vater. Allein wir sind nicht getreu geblie- be.n, sondern haben daS Gewand der Unschuld, welches wir in der Taufe empfingen, durch vielfache Verschuldungen befleckt. Darum sind wir vor Dem, der da ist, nicht nur Geschöpfe, welchen er die Kraft des Lebens und jede Befähigung zum Guten ohne ihr Zuthun geschenkt hat, sondern wir sind auch Sünder, und seiner Gerechtigkeit verfallen. Dieß erkennt der Christ um so lebendiger, je weiter er an wahrer Vollkommenheit vorschreitet. Darum ist die Demuth, mit welcher wir an unsere Brust schlagen und sprechen: Herr sey mir armem Sünder gnädig! zugleich der sichere Höhenmesser unserer -geistigen Vollkommenheit. Wie? die Demuth, diesen Knechteswahn erzeugt im Schooße der tiefsten Finsterniß, diese Sklaventugend, welche der Tod des Lichtes und der Freiheit ist, versucht man heute noch uns zu rühmen? Mitbrüder in Christus unserm Herrn, wenn euch Leute oder Schriften vorkommen sollten, welche diesen Ton anstimmen, so denket an die Worte der heiligen Schrift: „Sie sind von ihm abgewichen und wollen seine Wege nicht verstehen." Die christliche Demuth ist weit entfernt, den Geist niederzudrücken; sie erhebt ihn vielmehr. Unstreitig enthält sie ein kraftvolles Bewußtseyn der eigenen Nichtigkeit, Schwäche, Sündhaftigkeit, aber sie enthält noch viel mehr. Der unselige Verräther JudaS wußte sehr wohl, wie verabscheuungSwürdig er durch seine That geworden war; und dennoch fiel kein Funke der Demuth in seine nachtbedeckte Seele, sonst wäre er statt den Strick des Selbstmordes zu schlingen, dorthin geeilt, wo an diesem selben Tage der schon des TodeS harrende Mörder die Verheißung empfing: Heute wirst du mit mir im Paradiese seyn! Sonst hätte er am Kreuze sich Magdalenen der Büßerin mit Thränen der Reue beigesellt. Er sah nur sich und daS Brandmahl, welches die Schuld seiner Seele eingedrückt hatte; zu Gott erhob sein verfinstertes Auge sich nicht. Aber die Demuth, wie der Geist GotteS sie uns lehrt, ist die Tochter und unzertrennliche Gefährtin der Liebe. Je reiner die Ahnung ist, in welcher der menschliche Geist sich Dem nähert, welcher ihn nach sei- 299 > nem Ebenbilde schuf, desto deutlicher steht ihm seine UnWürdigkeit vor dem Bewußtseyn, desto inniger ist der Schmerz, mit welchem er seiner Sünden gedenkt. Allein eben darum schwingt der Blick, den er in das Heiligthum des Allerhöchsten wirft, sich um so höher empor, je tiefer das Bewußtseyn der eigenen Ohnmacht und Un- lauterkeit hinabdringt. DaS Wohlgefallen an dem lieben Selbst, in welchem kleine Geister sich behaglich wiegen, verliert der Demüthige allerdings; aber hat er daran etwas verloren? mag der Mensch sich auch von dem Reiche der Wahrheit losreißen, ' dennoch muß er wider Wissen und Willen der Wahrheit das Zeugniß geben. Anmaßung und Selbstgefälligkeit wird zwar häufig geübt, schon von den Knaben geübt und es ist Mode daS kecke Pochen auf die Vorzüge, welche man sich selbst zuspricht, als edles Selbstgefühl zu preisen; allein Niemand liebt eS dergleichen an Solchen, mit welchen er zu verkehren hat, anzutreffen; man mag sich selbst noch so hoch stellen, Jene, an welche man irgendwie Forderungen zu richten hat, möchte man doch stets voll Bescheidenheit finden und gesteht dadurch unwillkürlich, die Demuth sey eine ganz gute Sache, wofern man sie nur nicht selbst zu üben brauche. Wenn der Sünder dem Herrn ein Herz voll Zerknirschung darbringt, so bewegt iF. nothwendig auch daS aufrichtige Verlangen, der göttlichen Gerechtigkeit genug zu thun und dieß Verlangen ist das zweite Kennzeichen der in der Liebe begründeten Reue. Die Sünde verdient Strafe. Das Bewußtseyn der Nothwendigkeit, daß daS menschliche Thun und Lassen auf der Wage der Gerechtigkeit gewogen werde, ist eben so unaustilgbar, wie das Gewissen, und kann von Denen, welche das Auge vor dem Lichte der Wahrheit schließen, eben so gemißbraucht werden wie das Gewissen. Die Heiden, welche von der Erkenntniß Gottes abgefallen waren, machten sich Götzen; der Mensch, welcher von dem Gesetze der Heiligkeit abgefallen ist, macht sich ein Wahnbild der Pflicht und um eS zu vertheidigen, ruft er ein Wahnbild der Gerechtigkeit zu Hilfe. So ist es ergangen, seit der Cherubim mit dem Flammen- schwerte vor die Pforten deS verschlossenen Paradieses trat und so wird es ergehen, bis die Posaune deS Engels daS Weltgericht verkündigt. Uns aber ist es vorbehalten zu sehen und zu hören, wie dieß gottverlassene Treiben den vollen Wahnsinn seiner Widersprüche entwickelt. Man macht förmlich ein Gewerbe daraus, den Leichtgläubigen ein irdisches Paradies zu versprechen. Man nimmt Gott dem Herrn das Geschäft ab, Himmel und Erde neu zu machen. Alles soll anders werden, die Menschen, so verheißt man, werden in vollkommener Freiheit leben, Keiner wird mehr und anders arbeiten als ihm angenehm ist und Jeder die Fülle sinnlicher Genüsse haben. Dazu, so wird versichert, gehört nichts als Bruderliebe und abermals Bruderliebe, welche daS höchste und einzige Gesetz des menschlichen Lebens ist. Diese Bruderliebe ohne Gott umfaßt Alles, was man bis jetzt als Sünde, als Verbrechen bezeichnete, mir überfließender Zärtlichkeit. Eine Verletzung der Keuschheit zu rügen, ist ein erschrecklicher Frevel wider die Humanitär. Die Begierden, welche sich dem sinnlichen Genusse zuwenden, hat die Natur uns eingeflößt und der Natur zu gehorchen ist nicht nur erlaubt, sondern geboten. Für Diebe, Räuber und Mörder gibt man, in so weit man durch sie nicht selbst zu Schaden gekommen ist, die zarteste Theilnahme kund; eS ist aber nicht die Theilnahme der christlichen Liebe, welche in dem Verbrecher einen gefallenen Bruder sieht und ihm Erneuerung und Trost von oben zu vermitteln sucht. In der neuen Ordnung der Dinge ist das Verbrechen pri- vilegirt; es muß mit achtungsvoller Schonung behandelt werden und genau genommen sollte man es gar nicht bestrafen: denn die Leidenschaften sind heilig und die Gesellschaft hat die Pflicht für Befriedigung derselben zu sorgen; hätte man aber alle Wünsche jener Unglücklichen befriedigt, so würden sie schwerlich gestohlen, geraubt oder gemordet haben. Allein die Eiferer für Humanität und Bruderliebe verändern daS Angesicht, so bald eö sich um Solche handelt, welche von jenem irdischen Paradiese, wo GotteSläugnung und Haß deS Eigenthums blühen, nichts wissen wollen. Jetzt führen sie nicht mehr die Milde, die Schonung, die Liebe, sondern nur die Gerechtigkeit im Munde. Diese Frevler wollen die Menschheit um das ihr gebührende 300 Glück betrügen, nur Blut kann ihre Schuld sühnen. Hängt sie an die Laternen, schleppt sie aufS Blutgerüst, erwürgt sie wo und wie ihr könnt; ihr vollbringt ein heiliges Werk der Gerechtigkeit! AlS die Republik der brüderlichen Gleichheit zum ersten Male gegründet wurde, galt die Beschuldigung, ein Aristokrat zu seyn, einem TodeSurtheile gleich und um den Aristokraten beigezählt zu werden, brauchte eS nicht viel; man brauchte nicht einmal zwei Röcke zu besitzen; eS genügte, wenn man durch ein Wort oder eine Miene verrieth, daß man mit der Herrschaft der Guillotine nicht einverstanden sey. In neuester Zeit hat ein gesinnungstüchtiger Held der Bruderliebe berechnet, daß, wenn die Menschheit glücklich werden solle, zwei Millionen Köpfe fallen müssen. Dieß ist die Gerechtigkeit Jener, welchen die Gerichte deS lebendigen GotteS eine Thorheit, ein Aberglauben, ein Gräuel sind. Der von Gott geschiedene Mensch ist vielleicht in Dingen, welche ihm wenig oder gar nicht am Herzen liegen, sehr großmüthig und sentimental; wofern man das berührt, waS ihm ernstlich am Herzen liegt, so ist sein Grimm gleich dem Grimme der Hyäne und seine Rache ein unauslöschliches Feuer. Zwischen die göttliche Gerechtigkeit und die Schuld tritt an der Hand der Barmherzigkeit die Buße. WaS die Buße sey und was die Buße wirke, zeichnet daS Evangelium uns in dem Bilde deS Verlornen Sohneö mit lebenvollen Zügen vor. AIS der verl-orne Sohn durch das Licht höherer Erkenntniß erneuert wird, ist er sogar von dem Nothdürftigen entblößt und seinen Hunger zu stillen nicht im Stande. Dennoch macht er sich auf den Weg nach dem Vaterhause, welckeS durch weite Räume von ihm getrennt ist. Dabei leitet ihn keineswegs die Hoffnung, in die verscherzten Sohnesrechte wieder einzutreten, er schmeichelt sich nicht in der nachsichtigen Liebe des VaterS für daS vergeudete Erbe Ersatz zu finden. Ungemildert von den Täuschungen der Eigenliebe steht die ganze Bedeutung seiner Sünde vor ihm da; er weiß, dasz er keinen Anspruch habe, bei seinem Vater fernerhin als Sohn zu gelten und sein Verlangen ist auf nichts gerichtet alö unter den Knechten einen Platz zu finden. Mit reicher Habe verließ er in jugendlichem Uebermuthe die Heimath; barfuß und in grobem, zerrissenem Gewände soll er nun heimkehren, als ein Sünder, welchen die Strafe der Sünde schon hienieden ereilt hat, soll er in Armuth und Hunger sich dem Vater darstellen, welchen er beleidigt hat, soll er vor dem Bruder erscheinen, dessen LooS er nicht theilen wollte, und für die Knechte, welchen er einst gebot, im besten Falle ein Gegenstand deS MitleidenS werden. Allein daS Bewußtseyn der Gerechtigkeit, welche er zu sübnen begehrt, drückt die Regungen deS Stolzes nieder und das Verlangen, dem gekränkten Vater seine Schuld und Reue darzulegen, hält ihn aufrecht auf dem lan« gen Wege; als er aber an'S Ziel gekommen ist, als er den Aufenthalt seiner schuldlosen Jugend wieder betritt und der Vater sich vor seinen Blicken zeigt, da sinkt er auf die Knie nieder und ruft: Vater ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir und bin nicht mehr werth dein Sohn zu heißen, halte mich nur wie Einen deiner Taglöhner! Aber der Vater, der in seinem Herzen lieSt, hebt ihn auf und spricht: Bringt das beste Gewand und legt eS ihm an, gebt einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße: denn dieser mein Sohn war todt und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden, spricht der Herr und herrlich erfüllt sich diese Zusicherung an dem Sünder, welcher umkehrt von seinen bösen Wegen und wahrhaft Buße thut, herrlich bewährt diese Verheißung sich an Allen, welche mit der Gesinnung, deren Beispiel uns in dem verlernen Sohne gezeigt wird, sich zu Gott ihrem Vater wenden. Benützen wir die dreißig Tage der Jubiläumsfeier, um durch Gottes Gnade unter die Zahl dieser Begnadigten einzutreten. Schon das heidnische Alterthum wußte sehr wohl, daß die Selbsterkcnntniß der Anfang aller Weisheit sey. Gehen wir mit uns selbst inS Gericht, vergleichen wir alle unsere Worte, Werke und Gedanken, jede Regung unseres Begehrens und StrebenS mit dem Gesetze Dessen, welcher gesprochen hat: Seyd vollkommen wie euer Vater im Himmel vollkommen ist! Wie, sollten wir finden, daß Alles ganz rein und heilig sey, 301 sollten wir gar nichts entdecken, wofür wir der göttlichen Gerechtigkeit ein Opfer der Genugthuung schuldig wären? Groß ist die Zahl der geistig Blinden. Sie sind von aller Begierltchkeit deS Fleisches voll, wie die Fäulniß von Würmern, sie lassen dem Stachel ihrer Zunge freien Lauf, wo eS sich um Gewinn und Fortkommen handelt, scheuen die Falschheit, Trug und Ränke nicht; sie setzen die Gebote der Kirche mit Gleichgiltigkeit bei Seite oder verhöhnen sie sogar mit Frechheit, und dennoch wenn sie, weil sie gute Christen sind, nach einem langen Jahre vielleicht wieder einmal dem Sacramente der Buße nahen, so wissen sie kaum, waS sie bekennen sollen: sie klagen sich kurzabgebrochen in allgemeinen Ausdrücken einiger UnVollkommenheiten an, wie sie auch der treueste Diener GotteS in den Tiefen seines Herzens findet: denn freilich, sie haben keine Thüren erbrochen, keinen Straßenraub begangen, Niemanden ermordet und keine Feuersbrunst angelegt. Wie, sollten auch wir den Schaaren dieser kläglich Bethörten uns beigesellen? Nein, daS sey ferne! Großer Gott, dessen Blick in die Geheimnisse der Herzen dringt, verleihe, daß wir unS selbst erkennen, so wie wir von dir erkannt werden! Verleihe« daß wir AlleS, waS wir thun und wollen und gethan und gewollt haben, so schauen, wie wir eS schauen werden, wenn eS am Tage des Gerichtes hüllenlos daliegt vor den Augen der versammelten Welt! Herr der Heerschaaren neige dich nieder zu unS und laß daS Vorbild der Heiligkeit, welches du unS gegeben, mächtig in unserer Seele leuchten, damit wir unserer Ohnmacht und Sünde vollkommen und mit tiefer Beschämung inne werden! Gott der Huld und Gnade, der du deinen eingebornen Sohn für unS hingegeben hast, erwecke in unS daS flammende Verlangen, für alle Uebertretungen und Versäumnisse deiner Gerechtigkeit ein Opfer der Genugthuung darzubringen in Vereinigung mit dem großen Versöhnungsopfer, auf welchem allein unsere Kraft und Hoffnung ruht! Lehre in dieser JubiläumSzeit unS nicht mit dem Munde, sondern mit dem Herzen sprechen: Vater ich habe gesündigt vor dir und dem Himmel und bin nicht mehr würdig, dein Kind zu heißen! Vater der Barmherzigkeit, erschaffe in unS ein Herz voll der Zerknirschung und Demuth und laß unS Verzeihung, laß unS volle Erneuerung finden, wie der Verlorne Sohn sie gefunden hat! Amen. Die Londoner Industrieausstellung. Die große Industrieausstellung zu London gibt allen periodischen Blättern so viele Veranlassung zu interessanten Besprechungen, daß wohl auch vom katholischen Standpuncte aus derselben einige Berücksichtigung gewidmet werden kann. Wenn auch die katholischen Sonntagöblätter wenig mit der Industrie sich zu beschäftigen haben, so liegt doch die Kunst und der Geist, der sich in den Bestrebungen der Gegenwart kund gibt, in dem Kreise ihrer Aufgaben. Die große Weltausstellung zu London zeigt in einer alle Beschauer hinreißenden Fülle und Vollendung den Triumph deS menschlichen Geistes über die sinnliche Natur. ES offenbart sich da, mit welcher Kraft und Ausdauer der menschliche Geist eS versteht, sich alle Elemente dienstbar zu machen, und nicht nur die erhabensten Kräfte der Natur sich zu unterwerfen, sondern auch die kleinsten und unbedeutendsten Gegenstände der Schöpfung zur wohlthätigsten Wirksamkeit zu erheben. Dessenohngeachtet sieht man darin auch eine gewisse Sklaverei deS menschlichen Geistes. „Im Schweiße deS Angesichtes sollst du dein Brod verdienen," dieser Gedanke befällt uns bei jedem einzelnen der ausgestellten Gegenstände. Sie sind daS Ergebniß eines unbeschreiblichen Fleißes, einer lebenslänglichen Mühe und Anstrengung. Viele Sorgen, Thränen und Opfer waren nöthig, um Kunstwerke von solcher Vollendung darzustellen. Und wenn man nun diese industrielle Herrlichkeit als daS höchste Ziel menschlicher Bestrebungen hinstellt, so ist die Sclaverei deS Geistes, die materielle Versunkenheit unserer Zeit in der ganzen Einseitigkeit ausgesprochen. — Wohl sind daS große Wohlthäter der Menschheit, welche durch Fleiß und Ausdauer, durch Erfindungen und 302 Kunstfertigkeit so viele nützliche Werke hervorbringen. Allein die Veredlung des Herzens, die sittliche Vollendung der Seele, die Ausübung der Tugend ist jedenfalls höher anzuschlagen und dankbarer zu verehren, als alle industrielle Herrlichkeit deS GlaSpalafteS. Unter den Ausstellern in London scheinen nur die Belgier diesen höhern Gedanken erfaßt zu haben. Um nämlich mit ihren kostbaren Kirchengewändern einen höhern Gedanken auszusprechen, und den Geschmack zugleich im besten Lichte zu «eigen, haben sie mit denselben drei Wachsfiguren bekleidet, und diese in Glaskasten aufgestellt. Der mittlere Glaskasten enthält eine Wachsfigur, bekleidet mit den Jnsignien eines CardinalS. Sie trägt eine reich mit Gold gestickte Mitra, einen würdevoll gearbeiteten Chormantel und was sonst noch zum prachtvollen Anzüge eines in kirchlichen Functionen begriffenen CardinalS gehört, die rechte Hand ist segnend ausgestreckt, der Blick freundlich auf das beschauende Volk gerichtet. Der Glaskasten aber trägt die Ueberschrift! „Der Cardinal von Belgien." Das Wachsbild zu seiner Rechten stellt einen Erzbischof dar mit ernstem Angesichts. Nicht minder kostbar und kunstreich sind die auf Sammt in reichem Goldschmuck gestickten Gewänder. Seine Rechte ist wie zur Belehrung und Warnung erhoben. Die Ueberschrift besagt: „Der Märtyrer von Canterbury." Zur Linken des CardinalS ist ein dritter Erzbischof im vollendetsten Glänze prachtvoller Kirchengewän- der aufgestellt. Freundlich lächelnd blickt er nach oben, seine Gestalt ist noch jugendlich, sein Auge freudig strahlend, die Linke hält den Stab, die Rechte folgt der Richtung der Augen wie zum Lobe und Preise Gottes, und die Aufschrift heißt: „Der Märtyrer von Paris." Man erinnert sich noch, wie die Ernennung deS Herrn Wiseman zum Cardinal und Erzbischof von Westminster Veranlassung gegeben hat, die Cardinalswürde sammt Papst und Katholicismus zu verhöhnen. Fast hätte man fürchten mögen, daß die Kleidung katholischer Kirchenfürsten vor dem Publicum in London keine Gnade finden Würde. Aber gerade daö Gegentheil findet statt. Vor den Wachsfiguren der Belgier verweilt stets eine große Zahl von Beschauern, und es ist leicht wahrzunehmen, daß die Erinnerung der Belgier an die Verdienste und die Freimüthigkeit katholischer Kirchenfürsten mit einer gewissen Ehrfurcht aufgenommen wird, die weit entfernt ist von dem Geschrei, womit hoher und niederer Pöbel erst vor Kurzem die Straßen füllte, und Cardinäle verbrannte. Im Uebrigen ist die katholische Kunst in dem GlaSpalaste nur schwach vertreten. Katholische Kirchengewänder, Kelche und Monstranzen sind zwar auch aus England, Frankreich, Bayern, Oesterreich und Spanien eingesendet. Aber die plastische Kunst, die so vielen Schmuck und so großartige Bildsäulen geliefert, sie hat in kirchlichen Gegenständen fast nichts geliefert. Man vermißt biblische Darstellungen, Heiligenbilder, Crucifire und Madonnen, während man die Hauptgänge mit Bildern angefüllt sieht, die in Erz, Bronce und Marmor in rühmlicher Vollendung ausgeführt sind, aber unS beinahe in die heidnische Zeit zurückversetzen, indem sie meistens nur ihren Werth in der Nachbildung nackter Leiber suchen, und nur sinnliche Ideen, wie Körperkraft, Muth, Schmerz, Unerschrockenheit, Angst, irdische Liebe darstellen. So fehlt dem Geiste sein höchster Schwung zum Himmlischen, und die Ausstellung erscheint ohne Einheit, ohne Mittelpunct, ohne geistige Erhabenheit und Größe. Den nämlichen Eindruck machen die im letzen Jahrhundert erbauten Kirchen der Stadt. Ihre Thürme ragen hoch in die Lüfte empor, und beurkunden den Reichthum wie die Opferwilligkeit der Erbauer. Allein sie machen den Eindruck des Mangelhaften, Unvollendeten, weil die Hauptsache, der Mittelpunct, die Einheit fehlt. Diese Thürme endigen nämlich oben in eine Plattform, umgeben von vier kleinen Thürmchen, die auf den Ecken angebracht sind, und ohngefähr wie große Schornsteine sich auSnehmen, weil die gothische Pyramide oder das spitze Schieferdach, worauf das Kreuz und der Hahn prangen müßten, gänzlich fehlt. ES scheinen die Baumeister damit die englische Hochkirche finnbildlich dargestellt zu haben, welche sich 303 von dem Oberhaupte und Mittelpunce der Christenheit getrennt hat, und zwar noch Bischöfe aber keinen obersten Bischof mehr besitzt. Die Thürme der Stadt, welche aus der frühern, mehr an die katholischen Jahrhunderte reichenden Zeit stammen, laufen noch in die christliche Spitze aus, und gewähren einen weit befriedigendem Anblick, wenn man auch nur auf die ästhetische Anforderung und künstlerische Vollendung sehen will. Die Ausstellung im Jndustriepalaste wird an Sonntagen nicht geöffnet. Eben so ruhen in London des Sonntags alle Geschäfte. Alle Läden sind unwiderruflich geschlossen. Der Londoner Geschäftsmann ist die ganze Woche hindurch so thätig, daß er nicht an den Himmel denken, noch sonst einer ernsten Erinnerung Raum geben kann. Am Sonntage nimmt er daher keinerlei Arbeit vor, dieser soll für ihn wahrhast ein Tag der Ruhe und Erholung werden. An Werktagen qualmt der Steinkohlendampf in Vereinigung mit dem feinen Nebel so nahe über den Häusern der Stadt, daß man das blaue Himmelsgewölbe nicht sehen kann. Am Sonntage erlö, schen die meisten der riesenhaften Feuerungen und man kann etwas freier nach Oben blicken. Gerne aber entflieht der Londoner am Sonntage der Stadt, um in der frischen Natur sich zu erinnern, daß eS auf Erden auch noch andere Schöpfungen gebe als Häuser, Kaufläden und Maschinen. — Wie der Steinkohlendunst den Anblick beS Himmels entzieht, so umnebelt die Industrie das geistige Auge und raubt ihm die Aussicht nach den höhern Regionen. Daher hat selbst die Kirchlichkeit deS Anglica« ners noch einen industriellen Anstrich. Er betrachtet Gott als einen sehr schätzbaren Geschäftsfreund, dem er an Sonnlagen seine Huldigung in Ehrfurcht und Andacht darbringt, dem er für alle Geneigtheit dankt und dessen Lehren er dankbar benützt. Aber in dieser Gottesfurcht erhebt er sich nicht über den Kreis seiner Geschäfte. Sehr deutlich spricht sich dieß aus in der Benützung der berühmten Westminster-Abtei. Die aus alten Zeiten stammende gothische Kirche ist die Grabstätte aller großen Männer Englands, deren Asche hier zum Lohne ihrer Verdienste beigesetzt und durch Grabmäler von weißem Marmor verherrlicht wird. Gewiß ein erhabener Gedanke, welcher der Nation zur Ehre gereicht und alle kommenden Geschlechter erfreut. Dessenungeachtet machen diese Grabmäler einen ungünstigen Eindruck. Die Männer, welche hier ruhen, haben sich verdient gemacht, indem sie dem zeitlichen Wohle, der irdischen Herrlichkeit, dem Handel, der Schifffahrt, den sinnlichen Vergnügen und der weltlichen Bildung Vorschub leisteten. Der Marmor ist daS Mittel, wodurch die Hand des Künstlers der Nachwelt die Körpergestalt und die Verdienste dieser großen Männer bewahrt. Da sehen wir die Minister im goldgestickten Fracke Gesetze entwerfen; die Generäle, wie sie Schlachten commandiren; Dichter, welche Verse machen; Mathematiker, welche Figuren zeichnen und Maschinen bauen. Daher wollen die Grabmäler durchaus nicht zum Style der Kirche passen. Während sonst in alten ehrwürdigen Kirchen die Bilder der Verstorbenen betend, knieend oder im Grabe lie^ gend dargestellt wurden, ist hier das weltliche Gewand und die irdische Beschäftigung der einzige Schmuck. Während sonst die Grabmäler im Baustyle der Kirche ausgeführt und als Zierde in die Wänve eingefügt wurden, erscheinen sie hier wie an die Wand angeklebt von einem Geschlechte, das den Geist, den Werth des Gotteshauses nicht kennt, oder nicht zu würdigen versteht. — So reich die Grabmäler sind, so arm sehen sie aus, weil daran jedes christliche Zeichen fehlt. Die Unsterblichkeit ist nur dargestellt als ein Fortleben in dem dankbaren Andenken der Menschen, und als ein Fortwirken ihrer ehemaligen Leistungen sür Nutzen und Vergnügen. Von einer Belohnung durch Gott, von einer Begnadigung durch Christus wissen die stolzen Denkmäler nichts zu erzählen. Nicht zu verwundern ist's daher, daß man in dieser ehemals katholischen Kirche keinen Opferaltar, kein Heiligenbild, kein Crucifix mehr sieht. Ja manche Blende, wo das Bild der seligsten Jungfrau oder eineö Heiligen gestanden, ist jetzt leer und zerfallen, während daneben ein Grabmal von weißem Marmor allerlei Figuren zeigt, deren Haltung niemals christlich, oft nicht einmal anständig ist. Es ist, als ob an die Stelle der Religion der sinnliche Vortheil, an 304 die Stelle der Tugend die Industrie, an die Stelle der Heiligen die weltliche Freude, an die Stelle deS Welterlösers der armselige Mensch sich gesetzt hätte. So ist die berühmte Westminster-Abtei ein Denkmal deS allmäligen materiellen VersinkenS, wie der GlaSpalast gleich einer schillernden Seifenblase den vergänglichen Triumph der Wirklich vollbrachten materiellen Versunkenheit unserer Tage darstellt. (K. S.-Bl.) Aus der Diöeese Eichstädt. Aus dem Altmühlthale. Der 17. August war für die Gemeinde Buchen- hill, so wie für alle frommen Christen in unserm Altmühlthale ein Tag hoher Freude, da an diesem Tage der seit 260 Jahren stehende, in diesem Jahre wieder renovirte Kreuzweg auf dem Fußsteige von Eichstädt nach dem Marienkirchlein in Buchenhill feierlich eingeweiht, und diese Feier noch durch die Anwesenheit Unsers hochwürvigsten Herrn Bischofes Georg erhöht wurde. Schon TagS vorher wurden unter Leiiung deS Herrn Pfarrers Simon von Preith, wohin die Filiale Buchenhill gehört, Ehrenpforten zum würdigen Empfang unsers hochwürdigsten Herrn Bischofes aufgerichtet. Die Bewohner Buchenhills verzierten ihre Häuser, und suchten auf alle mögliche Weise zu zeigen, wie wichtig ihnen der kommende Tag sey. Der Empfang und Einzug deö hochwürdigsten Herrn Bischofes am 17. August im Filialorte war wie ein Triumphzug; alle Anwesenden drängten sich herbei, um die väterlichen Worte deS geliebten Oberhirten zu hören, und auf den Knien den bischöflichen Segen zu empfangen. Nach Beendigung der im Freien gehaltenen feierlichen Pontificalmesse, bei welcher die HH. Alumnen des Klerikalseminars sangen, begann die Procession, in deren Mitte unser hochwürdigster Herr Bischof segenspendend einherschritt, zur ersten Station. Den Act der Weihe vollzog P. Po licarp aus dem FranciScanerkloster in Jngolstadt. Nach der Weihe einer jeden Station trat der Herr Domvicar Martin Wirth, von Sr. bischöflichen Gnaden eigens als Prediger zu dieser Einweihung bestimmt, vor über 3000 Zuhörern gemischten Standes und Religion auf, und sprach in 14 kurz gefaßten Predigten vom Leiden Jesu Christi, von unserer Erlösung durch dasselbe in einer Weise, die alle Anwesenden ergriff und zu Thränen bewegte, zumal der Prediger auf unsere so verkommene Zeit zu sprechen kam, und Alle bei der letzten Station in tiefeindringenden Worten zum treuen Festhalten an dem heiligen katholischen Glauben, zum Frieden unter uns, zum Gehorsam und Gebete für die Obrigkeiten aufforderte. Rührend war eS zu sehen, wie unser hochwürdigster Herr Bischof nicht nur jedem Wort des Predigers folgte, sondern auch zuerst unter den Anwesenden bei den einzelnen Stationen auf die Knie sank, um durch die vorgeschriebenen Gebete den heiligen Ablaß zu gewinnen, und so dem versammelten Volke daS schönste Beispiel apostolischer Demuth gab. Obwohl eine unzählige Menschenmenge gegenwärtig war, so herrschte doch überall die auferbaulichste Andacht und musterhafte Ruhe, und man konnte auf dem Angesichts eines jeden lesen, daß die Worte deS Predigers, noch mehr aber daS demuthsvolle Beispiel des geliebten Oberhirten einen tiefen bleibenden Eindruck bei allen Anwesenden bewirkt habe. (Volksb.) Böhmen. Die Fürstin Hohenzollern-Sigmaringen, geb. Fürstin Hohenlohe, welche gegenwärtig mit ihrem erlauchten Gemahl daS Schloß Bistritz bei Klattau bewohnt, zeigt sich den Armen der Umgegend als Engel wahrer christlicher Nächstenliebe und Wohlthätigkeit. Ihr jährliches Nadelgeld von 12,000 Gulden geht zum größten Theil in die Hände der Nothleidenden. Der Fürst baute ein Krankenhaus für Arme, und die Fürstin ist Willens ein Mädchen-Erziehungsinstitut zu gründen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. E. Krem er. Ellster Jahrgang. Sonntägs-Beiblatt zur Augsburger PoAzeitung. S8. September SS. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementspreis TV kr., wofür es durch alle köni'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kaun. Zwei Predigten von Joseph Othmar, Fürstbischof von Seckau, BiSthumsverweser von Leoben. II. Erneuerung des Lebens. „ES ist nun Zeit vom Schlafe aufzustehen." Rom. 13, 11. Zum zweiten Male haben wir uns versammelt, um das Gebet, durch welches wir die Gnade des JubiläumSablasseS zu erwerben hoffen, dem Herrn unserm Gott und Vater gemeinsam darzubringen. In der Zwischenzeit sind wohl die Meisten von Euch, theure Miterben der Verheißungen Christi, zu dem Brunnen der Läuterung hingetreten, welchen die göttliche Barmherzigleit unö eröffnet, und haben'durch ein reumüthigeS Bekenntniß ihrer Sünden sich des Wortes der Lossprechung würdig gemacht; die Uebrigen gedenken dieß in den nächsten Tagen zu thun und Jeder von uns bringt in dieß Gotteshaus fromme Gedanken und gute Vorsätze mit. Die guten Vorsätze, welche wir fassen, gleichen aber nicht weniger als die guten Lehren, welche wir anhören, einem Samenkorn, dessen Geschicke mannigfach sind. Der Tröster, welchen der Heiland uns gesandt hat, ist ein Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kömmt. ES gibt keinen zum Bewußtseyn erwachten Menschen, welcher nicht im Lause seines Lebens höhere Regungen mahnend und einladend gefühlt hätte, und die Erde trug wohl auch niemals noch einen Missethäter, welcher diese höhern Regungen immerdar mit gleicher Verstockung von sich gewiesen, welcher in gar keinem Augenblicke seines Lebens guten Wünschen und frommen Vorsätzen irgendwie Raum gegeben hätte. Auch der Sünder, welcher sich am frechsten wider das Gesetz der Heiligkeit empört, welcher in den dichtesten Finsternissen selbstgewählter Verblendung wandelt, hat wenigstens in frühen Jugendtagen Stunden gehabt, zu welchen seine Seele sich den Einsprechungen des Himmels aufschloß und es bleibt ihm davon auch eine Erinnerung, welche manchmal warnend emporstrebt. Wäre das Himmelreich durch gute Vorsätze zu erobern, so würde die breite Straße, welche zum Verderben führt, einsam und verlassen daliegen. Allein sehr häufig sind unsere guten Vorsätze ein Samenkorn, welches Wurzel zu fassen nicht vermag, oder sie bringen zwar einige Keime der Werke hervor, aber der Eifer welket schnell dahin oder die sündige Begierde tritt ihnen entgegen und erstickt sie. „O ihr Menschenkinder, ruft der heilige Geist uns strafend zu, wie lange wird euer Herz noch träge seyn, wie lange werdet ihr die Eitelkeit lieben und die Lüge suchen I" Nein nicht mehr lange: denn eS ist nun Zeit, vom Schlafe aufzustehen. Wer den Zweck will, der muß auch die Mittel wollen; sonst geräth er mit sich selbst in Widerspruch «nd dieß will sich, wo es die Güter dieser Welt betrifft, Niemand .jzlw?p<>1i^, iMiN nachsagen lassen, wir aber wollen uns vorzüglich in Dingen, welche unser Seelenheil betreffen, davor hüten. Wir wünschen des Jubiläumsablasses theilhaftig zu werden und indem wir diese Kirche zum Gebete besuchen, erklären wir öffentlich unsern Entschluß, die Bedingungen zu erfüllen, unter welchen die Kirche unS die Nachlassung der zeitlichen Strafen verkündet. Wir wissen, daß die Kirche nicht minder die Hüterin des Gesetzes der Heiligkeit als die AuSspenderin der Erbarmungen Gottes ist; wir wissen, daß, wenn die Ablaßverkündigung für uns Früchte des Heiles tragen soll, unsere guten Vorsätze wahr und treu seyn und sich in Werken des Glaubens und der Liebe bewähren müssen. Wohlan! so laßt unS nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern im Vertrauen auf Ihn, durch welchen wir Alles vermögen, das gut Begonnene zu gutem Ende führen. Dieser Tag, Geliebte im Herrn, sey für uns ein Tag der Erneuerung: denn er sey der Tag, an welchem wir vom Schlafe aufstehen, um auf dem Pfade, welchen daS Wort des Herrn unS vorzeichnet, mit der Gesinnung wahrer Christen zu wandeln. Eines thut Noth, sprach der Herr, als Maria zu seinen Füßen Worte des Lebens suchte, und eine einzige Forderung stellt er an unS: Sohn, spricht er, gib mir dein Herz! Die Antheilnahme^ welche wir nur zu oft an Geld und Gut, an Gunst und Achtung der Menschen, an flüchtige Vergnügungen, vielleicht an sündige, befleckte Genüsse verschwendeten, wollen wir unserm gnadenreichen Gotte und seinem heiligen Gesetze mit dem Eifer eines guten Kindes zuwenden. Dann ist uns wahrhaft Erneuerung geworden. So wollen wir denn auf die Bedeutung des menschlichen Lebens einen Blick der Betrachtung werfen; wir wollen insbesondere die Zeit, in welcher zu leben uns geordnet ist, prüfend ins Auge fassen und uns ermuntern, ungehemmt von der »geistigen Ermattung, von der Kraftlosigkeit zum Guten, deren Beispiele zum Schlummer einladen, uns mit dem Eifer der treuen Diener Gottes zu gürten und der Ankunft des Herrn mit brennenden Lampen zu harren. Als MoseS, bevor er auf den Berg Nebo stieg und starb, den Kindern Israels das Gesetz des Herrn noch einmal vorhielt, sprach er zu ihnen: „Der Herr läßt euch Versuchung erfahren, damit eS offenbar werde, ob ihr ihn liebet?" Dadurch ist die Bedeutung des menschlichen Lebens kurz und treffend bezeichnet. Wir sind nach Gottes Ebenbilde, wir sind, um Gott zu lieben und ihm allein zu dienen, geschaffen. Dieß weiß, so weit das Christenthum seine Lichtkreise zieht, jeder Schulknabe und der Weiseste der Weisen vermag nichts Höheres als in den Sinn dieses großen Wortes tiefer einzudringen. Weil wir aber ein Ebenbild Dessen sind, welcher sprach: ES werde Licht! und eS ward Licht, so sollen wir auch mitwirken, damit sein heiligster Wille erfüllt und das Reich der Geister, in welchem seine Herrlichkeit und Liebe sich abspiegelt, vollendet werde ringsumher um seinen ewigen Thron. Die Gestirne, welche in unermeßlichen Kreisen über unsern Häuptern dahinziehen, gehorchen willenlos dem allmächtigen Willen, welcher sie ins Daseyn rief; der geschaffene Geist soll mit der Gnade des Herrn freithätig mitwirken, damit er zu der ihm bestimmten Vollkommenheit gelange und in der Geisterwelt den Platz einnehme, welchen die Huld des Allerbarmers ihm beschicken hat. Die Liebe ist eine freie Gabe und Der, welcher dem Herrn sie darzubringen geschaffen ist, soll beweisen, daß er sie mit freiem Entschlüsse darbringe. Darum war den Engeln eine Zeit der Prüfung geordnet und nicht Alle blieben getreu; es fiel der glänzende Lucifer, eS fielen seine Genossen und ihre Stätte ward im Himmel nicht mehr gefunden. Darum ist auch den Menschen eine Zeit der Prüfung geordnet und unS, deren Stammvater am Baume der Erkenntniß von dem Herrn abtrünnig ward, ist eine Erde, über welche der Fluch der Sünde sich verbreitet hat, zum Schauplatze des Prüfungslebens angewiesen. «Ich selbst werde dein übergroßer Lohn seyn, sprach der Herr zu dem Vater der Gläubigen." Die Liebe Gottes ist wie die Bestimmung und Pflicht, so auch die Seligkeit des Menschen. Wenn der geschaffene Geist den Hocherhabenen, Hochheiligen nach dem Maaße der ihm zugetheilten Fähigkeit schaut und in getreuer Liebe mit ihm vereinigt ist, so spannt die Sehnsucht ihren Bogen ab: denn er hat Alles, waö 307 er zu haben berufen und fähig ist. Allein hier in dem Lande der Pilgerschaft kann das Sehnen, mit welchem das Menschenherz sich der ihm bestimmten Seligkeit unbewußt zuwendet, auf böse Irrwege gerathen und zwischen dem Dränge nach Bestie, digung und dem Bewußtseyn der Nothwendigkeit Gott allein zu dienen, tritt Entzweiung ein. So fühlt der Mensch sich zwischen zwei Gewalten gestellt; es lockt und zieht ihn das Verlangen, in einem Zustande der Befriedigung zu seyn und dennoch weiß er sehr wohl, daß eS etwas Höheres gebe, als die eigene Befriedigung zu suchen: weshalb sogar Jener, welcher seinen Vortheil mit dem kältesten Eigennutze berechnet und wägt, eS sür eine Beschimpfung hält, wenn man ihn eigennützig nennt. Dieß ist der Kampf, welcher in jedem menschlichen Herzen muß auSgefochten werden, dieß ist der Kampf, von welchem der Mcnschensohn spricht: „Wer überwindet, soll bei mir auf dem Throne sitzen: gleichwie ich überwunden habe und bei meinem Vater auf dem Throne sitze." Der Apostel Jakob lehrt mit vollem Rechte: „Jeder wird versucht, indem er von seiner Begierlichkeit gereizt und gelockt wird, und wenn die Begierlichkeit empfangen hat, so gebiert sie die Sünde." Indessen haben die Worte und Beispiele Jener, in deren Mitte wir leben, große Macht, die böse Begierde zu ermuthigen und die warnende Stimme des Gewissens zu entkräften. Thut es nicht Dieser und Jener, warum soll eben ich es mir versagen? Diese Schlußfolge ist weder bündig noch geistreich, aber sie übt über Hohe und Niedere, über Gelehrte und Ungelehrte weit mehr Gewalt, als sie wissen und einzugestehen geneigt sind. Derjenige, ohne dessen Willen kein Haar von unserm Haupte fällt, wägt und zählt auch die Einflüsse, durch welche die Abweichung von seinem Gesetze uns ohne unser Zuthun nahe gelegt wird, und läßt nicht zu, daß wir über unsere Kräfte versucht werden. Allein damit wir seiner Hilfe würdig seyen, müssen wir auf die Mahnung hören: „Wachet, damit ihr nicht in Versuchung fallet." Der Mensch bleibt immer schwach und die göttliche Gnade bleibt immer mächtig. ES war keine Zeit, wo die Kirche nicht unwürdige Mitglie, der in ihrer Mitte sah und eS wird keine seyn. ES war keine Zeit, wo die Kirche nicht durch Beispiele der Glaubenskraft und Heiligkeit geschmückt wurde, und es wird keine seyn. Allein die vorherrschenden Geistesrichtungen und Stimmungen wechseln im Laufe der Jahrhunderte, daher wechseln auch die Einflüsse, unter welchen der Christ seine Lebensaufgabe vollziehen soll. Wer durch Arabiens glühende Sandwüsten ziehen will, der muß sich mit einem Vorrathe an Wasser versorgen; sonst könnte eS ihm begegnen, daß er den langsamen Tod des VerschmachtenS stürbe. Dieß hat, wer hoch im Norden wandert, nicht zu fürchten: dagegen muß er daran denken, sich wider den Frost zu verwahren, sonst kann er auf dem schneebedeckten Felde in tödt- liche Erstarrung sinken. So soll auch der verständige Christ wider jene Abirrungen, zu welchen die vorwaltenden Auffassungen und Stimmungen seiner Zeit ihn hinziehen, sich mit besonderer Sorgfalt waffnen und wahren. Wenn wir also heute vom Schlummer aufstehen und in der Kraft des Herrn zum Berge GotteS wandeln wollen, so lohnt es sich der Mühe zu fragen: Welche Versuchung ist eS, die der sogenannte Zeitgeist uns besonders nahe legt? Unsere Zeit findet viele und wortreiche Lobredner. In den stürmischen Tagen, welche die Freiheit als einzige Herrscherin und die Freiheit der Meinungen als das höchste Menschenrecht priesen, war es sehr gefährlich zu bezweifeln, daß wir in einem Zeitalter hoher Vollkommenheit leben und nur noch eines kleinen Fortschrittes bedürfen, um ganz Licht und Tugend zu seyn. Andere sind anderer Meinung und statt volltönender Worte bringen sie Thatsachen: denn sie weisen auf eine lange, klägliche Reihe von Lastern und Thorheiten hin. Allein wann war die Menschheit an Freveln arm? Als die warnende Erinnerung an das Verlorne Paradies noch frisch war, erschlug Kain von Neid gejagt seinen Bruder. In Israels ruhmvollsten Tagen, als David siegte und sang, frevelte Ammon an der Keuschheit seiner Schwester, übte Absalon durch Brudermord Rache und streckte die Hand nach des Vaters Reich und Leben aus. Auch das Schlangenhaupt der Gotteslästerung zischte bereits, wenn auch 308 in verborgenen Winkeln: denn, wie unS allen aus dem Psalme bekannt ist, sprach schon damals der Gottlose in seinem Herzen: ES ist kein Gott. Haben wir AergereS, haben wir auch nur all das Arge erlebt, welches Israel in den Tagen seines großen Königes sah? Aber wenn der Hagel einige Strecken verwüstet, so ist damit noch nicht gesagt, daß das Jahr unfruchtbar sey; vielleicht bringt eS sogar Wein und Obst und Korn in seltener Fülle hervor. Wir müssen nicht nur nach den Beispielen des Lasters, sondern auch nach den Beispielen der Tugend fragen. Gräuelthaten, welche alle Bande der sittlichen Ordnung verhöhnen, sind ein furchtbares Zeugniß des Ab- grundeö, in welchen der Mensch, der seinen eigenen Lüften dienet, versinken kann. Doch wenn er dadurch zum Gegenstande des verschuldeten Abscheues wird, wenn einzelnen Beispielen wilden Frevels viele und herrliche Beweise sittlicher Kraft zur Seite stehen, wenn den wüthenden Leidenschaften gegenüber der Eifer für Gott und sein Reich sich mächtig waltend erhebt, so ist die Zeit gar mäht so schlimm und segenlos. Lasset es wachsen bis zum Tage der Ernte, spricht der Herr. Daß eh' der große Tag der Ernte kömmt, das Unkraut gänzlich ausgerottet werde, können wir nicht hoffen, wir müssen zufrieden seyn, wenn daS Unkraut nicht zu hindern vermag, daß der Weizen in vollen, reichen Aehren aufsprosse. Allein kann unsere Zeit sich Dessen rühmen? Daß wir an grellen AuSbrüchen des Frevels keinen Mangel haben, weiß Jeder- . mann. Dennoch sind scharf ausgeprägte, kühn zugreifende Leidenschaften seltener geworden. Der heiße Durst nach Sinnengenuß und Befriedigung der Eitelkeit, der bittere Neid gegen Alle, welche haben, was man zu haben begehrt, herrschte niemals über so viele Gemüther wie eben jetzt; aber wenn eS von Worten zu Thaten kommen soll, so gibt sich eine scheue, furchtsame Berechnung kund. Die Männer des Umsturzes sind ungemein verwegen, wo sie wenig oder gar keinen Widerstand besorgen; sie stacheln sich mit bluttriefenden Redensarten zu gan^ entsetzlichen Unthaten auf und würden sie ohne Zweifel verüben, wofern sie nur wüßten, daß für sie selbst keine Gefahr dabei sey. Sie möchten es gerne bis zum tobenden Wahnsinn bringen und bringen es meistens nur bis zu Fieberträumen. Das Böse ist an Kraft und Entschlossenheit arm geworden. Aber mit Beschämung müssen wir eS bekennen, noch ärmer an Kraft und Entschlossenheit ist das Gute geworden. (Schluß folgt.) Die Mission in Laupheim. *) (Vom 31. August bis 14. September 1351.) ES liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen Und das Erhab'ne in den Staub zu zieh'u. Längst schon hatte ich gewünscht, einer Mission anzuwohnen, aber immer hatten sich der Erfüllung dieses Wunsches die verschiedensten Hindernisse in den Weg gestellt. Endlich, als die Misston in Laupheim begann, sollte eS mir vergönnt seyn, meinen Wunsch zu befriedigen. Alles, waö ich seither in den Blättern über die Missionen gelesen, und von Freunden, die solchen beiwohnten, über sie gehört, ließ mich ahnen, daß die Missionen zu den großartigsten Erscheinungen unserer an Erhabenem so armen, an Erbärmlichkeiten leiver so reichen Zeit gehören müssen und die Lästerungen und Schmähungen der religionsfeindlichen Presse machten mir den großartigen Charakter der Missionen vollenvs zur Gewißheit, denn stets wurde daS wahrhaft Große und Erhabene am meisten gelästert und mit den Waffen der Bosheit, mit Lüge und Verleumdung bekämpft. Auf den Flügeln der Sehnsucht eilte ich daher hinauf in die Gauen Ober» schwabenS, nach Laupheim, dem einstigen Sitze der Freiherren von Weiden, wo die P. P. Schlosser, Rover und ZeU das Werk der Mission begonnen hatten. Leider -) D. Kr. 309 war ich nicht so glücklich, der Misston von Anfang beiwohnen zu können, ich mußte, mich deßhalb über das, was ich versäumt hatte, mit Berichten begnügen. Der Zweck der Misston ist bekanntlich kein anderer, als die Erneuerung und Belebung deö alten katholischen Glaubens. Die Kohlen, die in der Asche glühen, sollen angefacht werden zur hellen Flamme, welche die Sünde und die Lust der Welt verzehrt, der todte Glaube soll aus seinem Grabe erweckt und verwandelt werden in einen durch Liebe thätigen Glauben. Sehen wir, auf welche Weise die Misstonäre das Ziel zu erreichen suchen, daS sie sich gesteckt haben. Die Dauer einer Misston ist gewöhnlich auf 14 Tage bestimmt, während dieser Zeit werden täglich drei Predigten gehalten. Durch diese Vorträge sowohl als durch verschiedene ergreifende Feierlichkeiten, welche wir bald näher kennen lernen werden, suchen die Missionäre auf den Verstand und auf daS Gemüth gleichzeitig einzuwirken. Die Mission beginnt mit einer Predigt über die Bestimmung des Menschen, welche zum Zwecke hat, dem Auge des Geistes klar zu machen, daß nicht die Erde, nicht die materiellen Genüsse das Ziel seyn dürfen, nach welchem der Mensch zu streben hat, sondern daß sie nur daS Mittel zum Zwecke, zur Ausbildung für ein überirdisches, göttliches Leben seyen. Hieran reihen sich dann die Predigten über die Sünde im Allgemeinen, über die vier letzten Dinge, Himmel, Hölle, Tod und Gericht und über die sieben Todsünden und die Belehrungen über die Standespflichten. In ergreifender Weise werden jedem Stande, den Jünglingen, den Jungfrauen, den Eheleuten, den Eltern, den Dienstboten und Dienstherrschaften:c. die besondern Pflichten ihres Standes eingeschärft. Alles, was den Verstand aufklären und daS Herz erschüttern kann, wird in den Predigten über die Sünde zc. den Zuhörern zu Gemüthe geführt, bis die Gläubigen, aufgelöst in heiße Bußthränen, sich hinwerfen vor dem Richterstuhle GotteS, und seinem Stellvertreter auf Erden ein reumüthigeS Bekenntniß ihrer Sünden ablegen und ihm wahre aufrichtige Besserung versprechen. Gewöhnlich beweist sich bei diesen Missionen die Aufrichtigkeit der Reue auf mannigfache Weise, jahrelange Feindschaften hören auf, unzufriedenen Eheleuten kehrt der häusliche Friede wieder, ungerechtes Gut wird vielfach zurückerstattet, ärgerliche Verhältnisse zwischen Leuten verschiedenen Geschlechtes schwinden. Wenn die Predigten über die Sünde und ihre Folgen vorüber sind, wenn der Mensch ganz darniedergebeugt in den Staub durch das Bewußtseyn seiner Schuld vor Gott sich gedemülhigt und am Thron seiner Barmherzigkeit um Gnade gefleht hat, dann beginnt mit der Predigt über die göttliche Barmherzigkeit eine gar schöne trostreiche Seite der Misston, dann wird Alleö, was die katholische Religion Erhebendes und Tröstendes hat, vor den Augen der Gebeugten ausgebreitet, dann wird die katholische Glaubenslehre als eine stärkende Arznei ihnen dargereicht. Die Misston in Laupheim hatte, wie oben bemerkt, am 3l. August begonnen. Ich kam am 6. September Morgens frühzeitig genug an, um gleich der ersten Predigt beiwohnen zu können. Pater Roder predigte vor einer zahlreichen Versammlung in der Kirche über die Sünde deS Geizes und der Habsucht. Mit beißendem Spotte griff der Prediger dieses Hauptgebrechen der Zeit an, trefflich charakterisirte er seine Wirkungen. „Um Geld, sagte er unter Anderm, thun die Menschen heutzutage Alles, um Geld werden Meineide geschworen, um Geld zu gewinnen versäumt man den Gottesdienst und daS Gebet. Der Himmel fiele ein, wenn man nicht alle Sonntage arbeitete. DaS Kirchengehen, das Beten zc. bringt mir kein Geld in die Tasche, sagen unsere Philosophen im Bauernkittel, und darum muß eS wahr seyn. Ein einziger Gulden, der verloren geht, erweckt mehr Thränen, als ein Dutzend Todsünden." Die Predigt zerfiel in zwei Theile, im ersten Theile sprach der Redner von den Gefahren der Habsucht, im zweiten von den Heilmitteln derselben, unter den letztern wurde namentlich der Ersatz deS ungerechten Gutes angeführt. Um unsere Leser über den wahren Werth dessen, was Ulmer Schnellpost, Beobachter und andere Lügen« 310 blätter über die unmoralischen, sittenverderbenden Grundsätze der Jesuiten und über die von ihnen gepredigte Werkheiligkeit schmieren, s eoutrariv aufzuklären, heben wir nur noch folgenden Satz aus der Predigt des Pater Roder hervor: „Niemand meine mit Gebet, mit Messenlesen, mit Almosen, daS ungerechte Gut ersetzen zu können, damit ist dem Beschädigten nicht geholfen, das ist nur dann zulässig, wenn ein Ersatz auf andere Weise absolut unmöglich ist." Klarer, durchdringender Verstand, beißende Ironie, eine vollendete Form, eine glänzende Sprache, treffende Bilder und Vergleichungen, ein lebendiger eindringlicher Vortrag zeichnen die Predigten deS Pater Roder aus, der es sich hauptsächlich und vor allen Andern zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, auf den Verstand zu wirken. Am Mittag des 6. September predigte Pater Schlosser über die Pflichten der Eltern. Die Predigten dieses Pater haben meist katcchetische Form, sind für daö Volk berechnet, äußerst klar und verständlich und bemühen sich namentlich durch öftere Wiederholungen der Fassungskraft der unteren Volköclassen den Gegenstand möglichst klar zu machen. Abends predigte Pater Zeil über die Barmherzigkeit GotteS. Bei diesem Redner vereinigt sich Alles, um auf das Gemüth einen tiefen Eindruck zu machen. Eine schöne jugendliche Gestalt, ein klangvolles Organ, ein fließender, eindringlicher Vortrag, eine gefühlvolle Sprache, ihm hörte man selten mit trockenen Augen zu, die Thränen flößen reichlich, wenn er sprach. Am Sonntage mußte wegen deö großen Andrangs von Fremden im Freien gepredigt werden, eben so am Montag, den 8. September, am Festtage Mariä Geburt, wo sich zwischen 12 und 15,000 Personen eingefunden hatten. An diesem Tage begannen die verschiedenen Feierlichkeiten, welche einen Theil der Mission bilden, mit der Empfehlung unter den Schutz der Gottesmutter Maria. Pater Roder hielt die Predigt über die Verehrung Mariens, worin er zunächst dem Vorwurfe begegnete, als würde die Gottesmutter von den Katholiken angebetet und sodann auS dem katholischen Dogma nachwies, wie berechtigt die Verehrung der heiligen Jungfrau sey. Vor dem Beginn der Predigt war ein Marienbild von mehr als hundert Jungfrauen begleitet, welche alle Kränke in den Haaren trugen, in feierlicher Procession auf den freien Platz hinausgetragen worden. Ich hatte die Gewohnheit, die meisten Predigten nachzuschreiben, aber heute war es mir unmöglich den herrlichen, begeisterten Schluß dieser Marienpredigt niederzuschreiben, heiße Thränen füllten mein Auge und benetzten das Papier, auf das ich schrieb, der Bleistift entsank meiner Hand, ich weinte wie ein Kind. Und was müßte auch daS für ein Herz gewesen seyn, das gefühllos geblieben wäre bei diesen herrlichen, ergreifenden Worten, bei dem Anblick dieser andächtigen Menge, welche tief ergriffen nnter dem in den letzten Strahlen der Abendsonne glühenden Firmamente mit feierlicher Stimme die Formel der Empfehlung in den Schutz der Gottesmutter und daö Gelöbniß eines reinen und frommen Lebenswandels nachsprach. Als der Prediger geendet hatte, zog man in feierlicher Procession 'unter dem Geläute der Glocken wieder in die Kirche zurück, wo auf dem mittlern Altare im Schiff der Kirche der Namenszug der Himmelskönigin mit der Krone flammte. Der ganze Weg, den die Processton nahm, und die breite Kirchenstaffel waren von andächtigen Landleuteu mit entblößten Häuptern belagert und es gemahnte mich dieser Anblick an jene frommen altdeutschen Bilder, auf denen man immer fromme Beter, meist Landleute mit gefalteten Händen und barhaupt vor einem Crucifir oder einem Muttergottesbilde knieen sieht. Die Predigt deS Pater Roder hatte sichtlich einen tiefen Eindruck gemacht, denn man verdankte ihr den rührenden Anblick, daß man, als die Glocken zum englischen Gruße läuteten, ganze Gruppen in den Straszcn knieen und andächtig beten sah. Am darauf folgenden Tade fand die zweite der die Mission begleitenden Feierlichkeiten, die Versöhnung mit den Feinden vor ausgesetztem Allerheiligsten und einem beleuchteten Kreuze statt. In erschütternder Rede stellte Pater Zeil daS Sündhafte deS Hasses und der Feindschaft seinen Zuhörern vor und forderte Alle auf, einander 311 gegenseitig zu verzeihen und um Verzeihung zu bitten. Die ganze Kirche war in Thränen aufgelöst, über eine halbe Stunde lang hörte man fortwährend lautes Schluchzen, tief ergriffen ging die fromme Versammlung auseinander und gewiß blieb die schöne ächt christliche Feierlichkeit nicht ohne gute Folgen. Und solchen Thatsachen gegenüber, die gewiß besser sprechen als alle Worte, gibt eS Boshafte genug, welche fortwährend behaupten, die Jesuiten predigen Intoleranz, Haß und Verachtung. Wie grundlos diese Verdächtigungen sind, mag am Besten durch einige Stellen aus der Predigt des Pater Roder über die Nothwendigkeit der Kirche bewiesen werden. Nachdem der Redner nachgewiesen, daß daö Christenthum ohne Kirche nicht denkbar ist, nachdem er mit beißender Satyre die Hohlheit des Satzes: Auf die Religion kommt nichts an, alle Religionen sind gleich, charakterisirt, fährt er fort: „Ich achte und ehre einen Jeden, welcher eine Ueberzeugung hat, wenn auch eine irrige. Denn Irrthum ist des Menschen Looö, und wer eine Ueberzeugung hat, thut, was er kann, steht nur materiell im Irrthum, formell, vor Gott, steht er nicht im Irrthum, weil er nicht irren will, weil er für seinen Irrthum nichts kann. Einen Jeden solchen werde ich achten, denn er erfüllt seine menschliche Bestimmung." Und am Schlüsse der Rede sagte der Prediger weiter: „Hoffentlich wird Niemand sagen, man müsse alle diejenigen, welche unsere Ueberzeugung nicht theilen, hassen. Es gibt aber Leute, welche eine andere Ueberzeugung nicht neben sich sehen können, ohne die Träger derselben zu hassen. Das Gesetz des Herrn, jeden Menschen ohne Unterschied zu lieben, steht in seiner Kraft. Daraus, daß ich denke, eS irre Jemand, folgt nicht, daß ich ihn hassen muß. Ich meine im Gegen- theil, die Liebe könne sehr gut neben der Ueberzeugung bestehen, daß Andere irren. Ich halte einen für irrend mit dem Verstände, der Haß aber ist Sache des HerzenS. Irren ist menschlich. Schlecht macht nur das Herz." Und solchen klaren Worten gegenüber, welche gesprochen wurden vor mehr als 12,000 Personen, die alle die Wahrheit derselben bezeugen können, wagt man fort und fort die Lüge: Die Jesuiten predigen Haß und Verachtung gegen Andersgläubige. Ich sage, die Missionäre haben diese Behauptungen der religionsseindlichen Presse mit Wort und That Lügen gestraft, sie haben sich gerächt, wie eS Christen geziemt, denn sowohl am Schlüsse der Versöhnungsrcde, als in ihren Abschiedspredigten haben sie ihre Zuhörer aufgefordert zu beten für die Verfolger und Verleumder der Missionäre. Der Versöhnungsfeier folgte noch'am Freitag die feierliche Abbitte vor dem Allerheiligsten und am Samstag die Erneuerung der Taufgelübde. Am Sonntag den 14. am Feste der Kreuzerhöhung fand die herrliche Schlußfeier der Mission mit Errichtung eines Missionskreuzes statt, das in feierlicher Procession an den Ort getra- gen wurde, wo eS errichtet werden sollte. Es ist etwas schönes um so eine Procession. Da zieht sie hin, die streitende Kirche, voraus das Kreuz, das Zeichen, in dem sie siegen wird, und die Fahnen und die Bilder der Heiligen, der mit Sieg gekrönten Streiter; da zieht sie hin, wie auf dem Wege zum Himmel; die Waffe, mit der sie kämpft, ist das Gebet, darum betet sie unablässig zum Herrn der Heerschaaren um Sieg im schweren Streite. ES war ein schöner Anblick, wie die Procession sich durch die schwarze Menschenmasse durchzog, die heute wohl aus zwanzig Tausenden bestand, wie eine Perlenschnur schlangen sich die Kränze der vielen Jungfrauen, welche an dem frommen Zuge Theil nahmen, durch den Knäuel. Pater Roder hielt, nachdem das Kreuz errichtet war, die Abschiedspredigt, bei welcher die Thränen der vielen Tausende, welche sie hörten, reichlich flößen. Nach der Predigt bewegte sich die Procession in die Kirche zurück, wo ein feierliches „Großer Gott wir loben dich", in das alle Anwesenden einstimmten, den Schluß der Mission bildete. DaS MissionSkreuz steht vor einer Capelle zwischen zwei Bäumen. Um diese Capelle, so wie um das anstoßende MeßnerhäuSchen herum schlingt sich eine eiserne Kette, die einst ein Fuhr- mann gelobte, welcher nah dieser Capelle in der Nacht mit seinem Wagen im Sumpfe stecken blieb und nimmer heraus konnte, bis ihm auf sein brünstiges Gebet unerwartet« ! 312 > Hilft kam. Mit einbrechender Dunkelheit wurde das neu errichtete Kreuz beleuchtet und strahlte mit tröstlichem Glänze in die Nacht der Erde hinein. Betende standen unter demselben bis daS letzte Lämpchen verglüht war und sandten laut ihre Gebete für alle möglichen Anliegen zum Himmel empor, für ihre Eltern, für ihre Freunde und Wohlthäter, für die armen Seelen im Fegfeuer, für alle Kranke und Presthaste, für ihre Seelsorger, für die Missionäre. „Ich thät auch noch um ein Vater unser bitten für ein KrankeS" sagte ein Weiblein als man enden wollte und alsobald willfahrte man ihr; ein „Vergelt'S Gott" lohnte die bereitwilligen Beter. Am andern Morgen, ehe ich Laupheim verließ, ging ich noch einmal zur Kirche in die Frühmesse, welche zum deutlichsten Beweise, daß die Mission einen tiefen Ein« druck hinterlassen, sehr zahlreich besucht war. Die Laupheimer haben eine schöne Kirche. Schöne Bilder schmücken die glänzenden Altäre. Die Bildnisse der Apostel, aus Holz geschnitzt und mit glänzend weißer Oelfarbe angestrichen, schauen ernst und mahnend herab auf die Gläubigen. Ich nahm einen wehmüthigen Abschied von diesen Altären, vor denen ich so oft gebetet, von dieser Kanzel, von welcher ich so viele trösMDe Wahrheiten hatte verkünden hören aus dem Munde der unermüdlichen MissioMrt, welche ihre Gesundheit, ja ihr Leben opfern in ihrem heiligen Berufe, von diesen Beichtstühlen, in welchen so manches gepreßte Herz, so manche mühselige und beladen« Seele in diesen Tagen des Heils Trost und Frieden sich geholt. Mit Thränen im Auge verließ ich den Ort des Friedens, um die heilige Stille dieser Tage wieder mit dem lärmenden Treiben der Welt zu vertauschen. F. X. Schumacher. Nekrolog. St. Pölten. Am 2. September verstarb der hochwürdigste Herr Bischof Anton Buchmayer in Folge von Altersschwäche im 31sten Jahre seines Lebens. Hochderselbe war geboren zu Waidhofen an der AbbS, studirte Theologie im General- Seminar zu Wien und ward zum Priester geweiht zu St. Pölten 1792. Er wurde daselbst angestellt als Domcurat, und schon als solcher in der Consistorialkanzlei ver- wendet. Einige Jahre darnach erlangte er die Pfarre Erlakloster; man berief ihn aber schon im Jahre 1303 als Kanzleidirector und CanonicuS nach St. Pölten. Als Kanzleivorstand wirkte er hier durch fast zwanzig Jahre bis 1822. In diesem Jahre erhielt er auf sein Verlangen die Pfarre RaabS, auf welcher er nur zwei Jahre blieb, da er 1324 zum k. k. Regierungsrath und Referenten in geistlichen Angelegenheiten ernannt wurde. Als solchen berief ihn (1835) der gegenwärtige hochwürdigste Herr Fürsterzbischof von Wien zugleich zu seinem Generalvicar, Weihbischof, DomcustoS und Domherrn bei St. Stephan. Im Jahre 1840 wurde er Domprobst in Wien, und im Jahre 1842 zum Bischof von St. Pölten ernannt; im selben Jahre feierte er seine Secundiz. Am 24. Mai 1343 hielt er als Bischof von St. Pölten seine Introduktion. Der dahingeschiedene Bischof ist somit acht Jahre lang der Diöcese St. Pölten alö Oberhirt vorgestanden. B r e s l a «. BreSlau, 20. Sept. Die grauen Schwestern aus München, auch wohl Lehrschwestern genannt, werden demnächst nun auch in unserer Stadt ihre Wirksamkeit, die Jugend zu erziehen und zu bilven, beginnen. Vorerst soll ihnen die Waisenanstalt zur „schmerzhasten Mutter" (Mter äoloross) auf dem Dome alö daS zu bebauende Gebiet angewiesen seyn. ' -' > ' ' ' . <">)lf'nc. Verantwntlicher Redactem: L. Schönche«. - V»rkgs-Jnhaw: F. E. »retM. Gilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 5. Oktober ^O. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrei« 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Geschichte der Missionen in der Diöcese Eichstädt. (Ans den kath. Bl. a. Franken.) DaS BiSthum Eichstädt hat wiederum begonnen eine Geschichte der Missionen zu haben. Wenn der Himmel unsere Hoffnungen begünstigt, so werden Tage reichen Segens in die Jahrbücher der Diöcese eingetragen werden können. Eichstädt erhielt übrigens nicht jetzt erst eine Geschichte der Missionen, man kann sagen, daß eS von Anfang an eine solche besitzt. DaS Andenken an die Vergangenheit mit dem Anblick der Gegenwart zu vereinen — Gott zur Ehre, zum Danke für. Alles, soll der Zweck der nachstehenden Darstellung seyn. Eichstädts Geschichte beginnt mit einer Misston. S. Willibald vom heiligen BonifaciuS gesendet, pflanzt als einfacher Priester das MissionSkreuz über dem Kirchlein der heiligen Jungfrau auf und verkündet daS Evangelium den christlichen Bewohnern der Umgegend mit jener Liebe, welche die Nonne von Heidcnheim, seine ZuHörerin, in so zarten Bildern zu beschreiben*) gewußt hat. Seitdem der Stuhl des Abtes von „Eistat" zum bischöfliche» Sitze von Eichstädt geworden, ist wohl kein MissionSorden an der Diöcese vorübergegangen, ohne in ihr seine Fußstapfen zurückzulassen. Den Söhnen deS heiligen Dominicus gab Bischof Reimboto schon 1279 ein Kloster in seiner Hauptstadt,**) die FranciScaner hatten in Wemding eine ihrer ersten Niederlassungen in Deutschland begründet.**") Als Johannes CapistranuS, der begeisterte Prediger, seine Missionsreisen durch Deuschland machte, versäumte er nicht, nach Eichstädt zu ziehen, dessen Bischof Johann III. sein Freund war, und einige seiner Dienste der Diöcese zu widmen, was ihm der Bischof dadurch vergalt, daß er beim heiligen Stuhle seine Heiligsprechung betreiben half, f) Indeß hat kein Orden sich mehr Verdienste um daS BiSthum erworben als die Jesuiten; ihren Missionen hatte man die Wiedergeburt der Diöcese zu verdanken. WaS S. Willibald gepflanzt, seine Nachfolger gepflegt, — daS schien die Reformation vernichten zu wollen, welche im Laufe von hundert Jahren die schönsten Theile der Diöcese dem alten Glauben entriß. AIS Johann Christoph v. Westerstetten 1613 auf den bischöfl. Stuhl von Eichstädt erhoben war, zählte er 200 Pfarreien mit 200,000 Seelen, die sein -) Näheres in der Denkschrift zur Itten Säcularfeier der Diöcese von Titl. Herrn Domvropst David P»pv S. 1S4. ") Strauß Besch. Eichst, in HirschingS Archiv Bd. II. S. L49. V. ?etri Suevia üceles. p. 89t. 5) ^m. Kennsnn. tust. 5. Lspist. P. 403. 694. 314 Sprengel an den Protestantismus in der Oberpfalz, in Pfalz-Neuburg und Sulzbach so wie in der Markgrafschaft Ansbach und dem Gebiete von Nürnberg verloren, oder die mit den Grafschaften Grcisbach, Wolfstein, Pappenheim und der Reichsstadt Weißenburg vom Glauben der Väter abgefallen waren. Dazu kamen noch bei 14 Klöster, welche das Loos der Säcularisation getroffen hatte. Was von der Diärese übrig geblieben, war rings von der Häresie umschlossen und vom Abfalle bedroht, mir Ausnahme des kleinen Theiles, der in Bayern lag; an manchen Orten waren Katholiken und Protestanten nicht zum Vortheile der Erstern gemischt. Betrachtete der Bischof den Zustand der Treugebliebenen, so fand er in seiner eigenen Hauptstadt den Eifer für Religion und Tugend dem Erlöschen nahe und einen Klerus, dessen Mehrzahl noch hundert Jahre nachher ein Gcneralvicar von Eichstävt nur den blinden und lahmen Wächtern des Jsaias zu vergleichen wußte. Eine Jugend, die Johann Christoph von einem seiner Räthe nur träg und müßig, ohne Kenntniß und Sitte, frei und ausgelassen nennen lassen konnte, gab keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Martin von Schau in berg hatte einige 4V Jahre vorher das Willibaldi- num nach dem Beschlusse des Concils von Trient gegründet. Mit Befriedigung liest man, daß die Tüchtigsten des damaligen Klerus auö ihm hervorgegangen. Allein den ersten Lehrern, Männern von großer Gelehrsamkeit, waren andere mit weniger Wissen aber mehr Selbstsucht gefolgt, und die anfangs prachtvoll aufblühende Pflanzung war unter den Nachfolgern Martins schnell dem Verfalle nahe gekommen. Einzig auf Jngolstadt ruhte das Auge Johann Christophs mit Wohlgefallen. Die Jesuiten hatten es durch aufopfernde Anstrengung zu eiuem blühenden Garten gemacht, den Kathedern der Universität Leuchten der Wissenschaft, dem Volke Beispiele der Heiligkeit gegeben, welche bis heute noch im Andenken der Einwohner nicht erloschen sind, f) Konnten dieß die Jesuiten in Jngolstadt, so konnten sie es für daS ganze Biöthum. Geistliche und weltliche Fürsten hatten sich ihrer Hilfe bedient und waren mit ihnen zufrieden, der Bischof hatte bei ihnen zu Dillingen und Jngolstadt seine Studien gemacht, als Propst von Ellwangen ihren Eifer schätzen gelernt — jetzt sollten sie in seine Diöcese einziehen, Lehrer für seine Jugend, Missionäre für sein Volk seyn, -i-r) Unter beständigen Schwierigkeiten von Seite eines durch Vorurtheile befangenen Capitels baute er ihnen Kirche, Collcgium und Gymnasium, die Väter eröffneten ihre Schulen uud Congrcgationen, und bald fehlte nichts mehr, was die Jesuiten an einem Orte zu besitzen gewohnt sind, an welchem ihre Thätigkeit eine vorzügliche seyn soll. Ihre Mission sollte auf der Kanzel uud in den Beichtstühlen der Domkirche beginnen. Es war nothwendig, daß Johann Christoph vorging, um Erfolge zu erhalten. Falsche Gerüchte über die Jesuiten hielten das Volk von ihnen ferne, man scheute sie, man floh sie. Da trat eines Tages im Angesichts seines Gefolges und vor den Augen der staunenden Menge der Bischof in der Domkirche zu einem der Väter in den Beichtstuhl, um der Erste zu seyn, der in Eichstädt einem Jesuiten sein Sündenbekenntniß ablegte. Der Weg war gebahnt; — was er seinen Fürsten und Bischof thun sah, thut nach ihm der Dechant des Capitels, nach diesem der Weihbischof, nach ihnen Männer deS höchsten Ranges, zuletzt Büßer aller Slände, 350 an der Zahl. Mit dieser That — eS war ein heiliger Kunstgriff bischöflicher Liebe — war die Mission in Eichstädt eröffnet. Das Wort deS Predigers auf der Kanzel ') Eine weitere Aufzählung gibt die Diöccsan-Matrikel im Anfange. ") Nicbcrlcin, Lobrede auf das Jubeljahr der Jesuiten von Eichstädt im Jahre 17t6. S, S. Aus mitgetheilten gleichzeitigen Handschriften, f) Kröpf Annal. Provinc. S, German. wm. III. pgssim, 55) Strauß Viri insiZi,- SM. p. S9 sy. 315 machte die Unwissenheit der Einwohner in religiösen Dingen, alte Irrthümer und eingerostetes Verderben verschwinden, die verachteten Gesetze der Kirche begannen wieder in ihre Rechte eingesetzt zu werden. Die religiöse Wiedergeburt der Stadt nahm bei den Kindern ihren Anfang, welche ihrerseits die Missionäre ihrer Eltern wurden, und es macht Vergnügen, einzelne Züge des Eifers der jungen Apostel berichtet zu lesen. Stets haben die Jesuiten es verstanden, mit bewundcrnswerther Kunst die studirende Jugend an sich zu ziehen. Studirende waren es auch hier, die ihre Absichten beförderten. Mit Christenlehrgeschenken in der Tasche zogen sie an Feiertagen auf die umliegenden Dörfer, und hielten den Landleuten, Erwachsenen und Kincern, Christenlehre, wenn sie nach Art indischer Missionäre mit einem Glöckchen sich Zuhörer zusammengeschellt hatten. Sie führten den Vätern geheime Anhänger der neuen Lehre zu (360 Absolutionen in der Stadt während fünf Jahre bezeugen, wie weit daS Nebel schon um sich gegriffen), um sie wieder in die Kirche auszunehmen oder ergraute Sünder, die sie zur Buße zu bereden wußten.") So verwundert man sich nicht, wenn man in den ersten fünf Jahren bei den Jesuiten in Eichstädt allein 36,000 Communicanten nachzählen kann und im Jubeljahre 1626 an allen Orten ihrer Missionen 17,966 Beichten rechnet, die sie den Gläubigen abnahmen."*) Jesuiten konnte man aber nicht bloß im Beichtstuhle und auf der Kanzel treffen, man begegnete ihnen auf den Straßen, um Almosen für die Armuth zu sammeln oder für das Haus, das der Bischof den Waisen gekauft; man sah sie in die Gefängnisse treten, um an dem Orte der Schmach Verlorne Seelen zu suchen, sah sie bei einer Seuche an den gefahrvollen Stellen und hörte sie zum Empfange der letzten Oelung ermähnen, deren Gebrauch in der Diöcese fast ganz erloschen, und die an einzelgen Orten seit 12 Jahren nicht mehr gespendet worden war; eine Erscheinung, die man nur etwas erklärlicher findet, wenn man die Predigten von vr. Eck gelesen hat, der die Diöcese wohl kennen mußte. *"") Es ist oben gesagt worden, was Eichstädt war, als Johann Christoph zur Regierung kam, jetzt konnte Gretser von ihm schreiben: Ilrlzs telix urks plena vec>, nutritis clivom. -j-) War einmal der Mittelpunct der Diöcese befestigt, so mochte man daran gehen, nach Außen zu wirken. Und hier ist es, als sehe man einen kriegsgeübten Feldherrn Schlag auf Schlag einen wohldurchdachten Eroberungsplan ausführen, so stufenweise ist das Vordringen der Jesuiten, die jeden neubefestigten Punct des katholischen Theiles der Diöcese zum Rückhalt nehmen, um den Protestantismus von allen Seiten zu umschlingen und ihm Seele um Seele, Land um Land zu entreißen. In den ersten Jahren (1615 — 17) finden sich die Jesuiten von Eichstädt in den umliegenden Ortschaften Landeröhofen, Psintz, Pollenfeld, Roppertsbuch, Ochsen- seld und Schermfeld als Katecheten, anfänglich das Gleiche erfahrend, was ihnen zu Eichstädt begegnet war. AIS die von Twlnstein den ersten Jesuiten sahen, ergriffen sie wie vor einem Ungeheuer — man verzeihe einen Ausdruck, den die Jahrbuche? der Societät selbst in die Feder geben — angstvoll und furchtsam die Flucht, bis sie kühner geworden, fleißig zum Unterrichte sich einfandcn. sf) Während man jedoch die Väter noch in der Umgegend von Eichstädt beobachtet, haben sie schon Verstärkung an sich gezogen und eröffnen zu Berchein die erste große Mission im Bisthum. Der Erfolg der Predigt war jener des Apostels zu Evhesus; die Einwohner kamen und legten ihre häretischen Bücher zu den Füßen > der Jesuiten nieder, viele aus dem Städtchen und der Umgegend entsagten dem Jrr- ") Krops I. c. tow. IV. p. S4 — S9. ") IZx lliswris LollsA. t^stoll. ws. Predigten 4 Theil. Jngolst. tSZ4 Fol. 109. äcta Vi5itat. äe anno 1602. 7) Dreiser Lärm, äeäicst sä 5osnnsm Lkristopkorum. -j-j-) Mstor. Loli. L^stett. sä »im. eit. 316 thume. Nur mit Thränen sah man die Missionäre scheiden, die man gerne für immer behalten wollte, und die jährlich nur einmal wiederkehren sollten. Im Jabre 1616 zur Fastenzeit begann eine Mission zu Spalt mit gleichem Erfolge; von Berching aus wird Beilngries und Greding in den Bereich der Thätigkeit gezogen und indem die Jesuiten in der Pfarrei Danhausen 17 Einwohner dem alten Glauben wieder zuführen, stehen sie an der Gränze der calvinischen Oberpsalz. *) Kaum von da zurückgekehrt, eilen zwei von ihnen nach Herrieden, dort in einem neuerrichteten Missionshause der Seelsorge zu leben, im Grunde, den Protestantismus in AnSbach zu bekämpfen. Doch die Markgrasschast sollte dem Bisthum bis zur Stunde verloren bleiben. Dort hatte nicht bloß die Politik deS Hofes, sondern auch Hochmuth und Geiz der Unterthanen der Lehre LulherS Eingang verschafft. **) ES ist wahr, der Protestantismus der Markgräflichen war geschmeidig und machte wenigstens keine offenen Versuche, weiter zu dringen, aber man darf nicht vergessen, daß er auf der einen Gränze den Bischofsstab von Eichstädt gewahrte, den der Löwe von Bayern hütete, auf der andern Seite das Schwert des deutschen Ordens, das der Commenthur von Franken führte. Die Jesuiten haben mit Freude erzählt, daß AnSbach ehrlich genug war, um sie nicht für die Männer zu halten, welche der Ruf mit schwarzen Farben schilderte, artig genug, daß seine Vornehmen den Umgang mit Jesuiten nicht verschmähten, wenn sie auch Einen Altar und Einen Glauben mit ihnen nicht haben wollten. Hätten sie gewußt, was damals der Markgraf gegen Eichstädt für Gedanken hegte, so würden sie weniger Freude gezeigt haben.-j-) Die bescheidene Zahl 3 ist die Ziffer der Bekehrungen aus dem AnSbachischen; stieg sie auch auf 46 in den nächsten Jahren, so blieb die Thätigkeit der Jesuiten doch meist auf das katholische Herrieven beschränkt, daß ihnen freilich unsterbliches Lob eingebracht hat. Die Station von Herrieden war nicht eine vereinzelte in jener Gegend, die Jesuiten hatten noch weiterhin ihre Gränzwachen liegen. Schon seit 1606 hielten sie Missionen in Eschenbach, dessen Einwohner einzig durch den ernsten Willen des Commenthur von Franken beim Glauben erhalten worden waren. Der Unterricht der Jesuiten von Dillingen während der Fastenzeit machte den äußern Zwang zur innern Ueberzeugung, tt) Einen festen Anhaltspunct gab daS bayerische Städtchen Wemding, wo seit 1602 fast jährlich Missionen waren. Die Jesuiten liebten diese Gemeinde, die Bürger hatten bei ihrem ersten Erscheinen einen seltenen Glaubensmuth an den Tag gelegt, als sie mitten durch protestantisches Gebiet, unbekümmert um Spott und Beschimpfung, womit man sie überhäufle, eine Wallfahrt nach einem fremden Gnabenorte der seligen Jungfrau machten. Wemding ist jetzt selbst einer der Orte, an denen die Himmelskönigin vorzugsweise eine gnädige Mutter der Gläubigen seyn will, vielleicht ist ricß ver Dank der Jungfrau, den Nachkommen für die Treue der Väter erwiesen. Die Jesuiten von Eichstädt, die nachher oft nach Wemding zogen, vergaßen daS nicht, was auf dem Wege lag. Sie führten Philipp, den Marschall von Pappenheim, ihrem Bischof zu, um das katholische Glaubensbekenntniß ihm abzunehmen; sie sprachen in Mohren ein, dessen Besitzer mit seinen Unterthanen wieder katholisch geworden, und versahen einige Jahre lang die Pfarrei. Kipfenberg und Treuchlling vermehrten um dieselbe Zeit die Namen der Orte, an denen Jesuiten thätig waren, iffl-) Sie haben sich jetzt auf allen Gränzen deö katholischen Theiles der Diöcese *) Ilist, Loll, I5)slclt,. M8. !»1 ÜNN. 1657, ") Vgl z. B. Niederer, Nachrichten z. Kirchengcsch, Bd. II. S. 333 ff. Bd. lll. S. 3t7 ff. Kröpf ps, IV. p. kl 319, f) Vgl. Anhalt, Kanzl. 1621. S, 30. 43, 206, 212 — 214. 1"!-) Kröpf I. c, III. p. 2S4 et sl. Lit. Ann. S, I. 1602. p. 451, ^tl-) Ilist. Loll. LM. acl -mn. 1623. et 1626. 317 ausgedehnt und stehen kampfbereit dem Protestantismus gegenüber. Nur eine Gelegenheit, und sie werden sich auf ihn stürzen, seine Beute ihm abjagen. Diese Gelegenheit kam mit der Bekehrung des Herzogs Wolfgang Wilhelm von Neuburg. (Schluß folgt.) Zwei Predigten von Joseph Othmar, ' Fürstbischof von Seckau, BiSthumsverweser von Leoben. II. (Schluß.) Die Abwendung der Seele von Gott tritt nicht immer in gewaltigen Leidenschaften und grellen Verbrechen hervor, meistens gibt sie sich in weit zahmerer Weise kund. Wo dein Schatz ist, dort ist dein Herz, spricht der Herr, und wenn unser Herz bloß bei dem ist, was unö für die kurze Zeit deS Lebens Gewinn und Wohlbehagen verspricht, so haben wir unsern Schatz auf Erden und nicht im Himmel. Das Versinken in den Augenblick und seine Güter, das Erkalten für die Ewigkeit und ihre Hoffnungen ist eine schlimme, Gefahr drohende Krankheit der Seele, welche in der Regel noch schwerer zu heilen ist als daS hitzige Fieber der Leidenschaft und diese Krankheit ist in unsern Tagen zu einer Seuche geworden, deren lähmender Gifthauch sich weit verbreitet! Der Apostel Paulus ermahnt die Christen, das Irdische zu gebrauchen als gebrauchten sie eS nicht; jetzt hat man daS Geheimniß erfunden zu glauben als glaubte man nicht. Bist du ein Christ? Das versteht sich. Glaubst du an den dreieinigen Gott, der dich geschaffen hat, glaubst du, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um dich durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen? Nun ja; aber das geht die Theologen an. So lautet die ablehnende Antwort, wenn sie auch nicht mit den Lippen ausgesprochen wird; man weiS't jede Aufforderung, sich über die Ausgaben des eigenen Lebens Rechenschaft zu geben, mit Mißbehagen ab. Glaubst du an den Richter der Lebendigen und Todten, vor dessen Throne auch du einst daö Urtheil empfangen wirst? Diese Frage ist gar zu unbescheiden. Wie kann man den Fanatismus so weit treiben und die Leute an so unangenehme Dinge erinnern? Mit einer Regung deS AergerS wendet man sich ab; der eS schon weiter gebracht hat, fügt ein Achselzucken deS Zweifels hinzu, ein Anderer murmelt Etwas von GotteS unerschöpflicher Barmherzigkeit, doch Keiner will ein Ja oder Nein zum klaren Bewußtseyn bringen. Dieß Christenthum ist eine winterliche Sonne, bei welcher die Kraft der christlichen Gesinnung so wenig gedeihen kann als im Jänner die Traube reift und die Rose ihren Blüthenkelch entfaltet. Nur zu Viele dieser Christen beflecken sich schaam- loS durch Werke der Unlauterkeit, in welchen sie höchstens eine kleine, menschliche Schwäche sehen wollen. Viele greifen Unbedenklich nach ungerechtem Gewinne, wofern eS nur nicht geradezu ein Diebstahl ist: denn Wer wird nicht für sich und die Seinigen sorgen? Die Zeiten sind ohnehin schlecht genug. Verleumdungen, Ränke, Feindseligkeiten werden gar nicht in Rechnung gebracht. Andere sind nun allerdings, waS daS Mein und Dein betrifft, rechtschaffene Leute, Einige Wenige enthalten sich auch von der Befleckung unreiner Lüste und dieß ist wohl EtwaS: denn eS ist ein Beweis, daß sie für die wahre Ehre und die wahre Schande nicht alles Gefühl verloren haben. Allein ihr ganzes Streben ist darauf gerichtet, sich daS Leben so angenehm als möglich zu machen und kann man ihnen nicht nachweisen, daß daS, waS sie thun und begehren, schlechthin und unter allen Umständen verwerflich sey, so glauben sie vollkommen in ihrem Rechte zu seyn. Ist eS eine Sünde, schöne Kleider zu tragen, an einer wohlvesetzlen Tafel zu sitzen, Gesellschaften zu besuchen, Ehrentitel zu führen, hohe Aemter zu bekleiden? Weil nun dieß AlleS an und für sich genom- men keine Sünde ist, so meinen sie von allem Tadel frei zu seyn, wenn sie nichts Höheres als diese Dinge kennen und verlangen. Aber sie besuchen doch die Kirche? Ja, sie zeigen sich hin und wieder bei der heiligen Messe. Aber meistens beweiö't 318 schon ihr AeußereS, daß sie nicht wissen, waS sie thun: denn sie beobachten im Hause deS Herrn nicht einmal die Gesetze des äußern AnstandcS, welche ihnen sonst überall heilig sind und wenn die Erhebung der Hostie verkündet, daß der Sohn Gottes unter der Gestalt des Brodes gegenwärtig ist, so halten sie es für zu viel das Knie zu beugen und nicken höchstens ein wenig mit dem Kopfe. Das Gebet ist ihnen fremd geworden, kömmt es hoch, so tönen einige Formeln in verstümmelten Lauten auf ihren Lippen: was eS aber sey, sich die ewigen Wahrheiten in frommer Sammlung zu vergegenwärtigen und auf daS eigene Thun und Streben anzuwenden, das ist ihnen ein völlig unbekanntes Ding. Vergessen und verloren sind alle Anlässe, welche der Tag dem Christen darbietet, um das zeitliche an das ewige Leben anzuknüpfen. Von Morgen- und Abendgebet ist keine Rede mehr, vor und nach dem Tische sich dankbar des Allmächtigen zu erinnern, wäre altväterisch und gemein. Die Glocken tönen dreimal des Tages und sprechen zu dem Christen: Gedenke Dessen, welcher für dich KnechtSgestalt angenommen hat. DeS Morgens hört man sie nicht. Mittags und AbendS denkt man dabei höchstens: Es ist nun zwölf Uhr, es ist sieben oder acht Uhr. So wird die Seele kalt und leer und was man von dem Christenthums allenfalls noch in der Erinnerung behalten hat, gleicht einer erloschenen Fackel, welche die Nacht nicht mehr zu erhellen vermag. Gewohnheit, Scheu vor dem Urtheile Anderer, unzusammenhängende Regungen des Gewissens können solche Leute in dem Geleise der Rechtlichkeit und des äußern AnstandcS erhalten; doch wenn außerordentliche Ereignisse die Schranken der herkömmlichen Ordnung durchbrechen, und der Mensch auf sich selbst stehen muß, so ist auch auf ihre äußere Rechtlichkeit wenig zu bauen; die Meisten suchen sich mit dem Frevel so gut als möglich abzufinden nnd würden ihm gerne Religion, Sittlichkeit uud Thron preisgeben, wofern sie selbst nur in Sicherheit leben oder auch gelegentlich ein Stück deS Schiffbruches an sich reißen könnten. So ist die Welt rings um uns her und wie sind wir? Wir haben durch Gottes Gnade das Kleinod des Glaubens bewahrt, wir bekennen Alles, was der Herr unS geoffenbaret hat und die katholische Kirche, geleitet vom heiligen Geist, unS zu glauben vorstellet: „Doch waS nützt es, meine Brüder, wenn Jemand sagt, er habe den Glauben, er hat aber die Werke nicht? Wird der Glaube ihn selig machen können?" Der Glaube, welcher zum Heile führt, ist kein Wähnen und Meinen, auch kein bloßes Nichtläugnen, Geltenlassen; er ist eine lebendige und Leben bringende Ueberzeugung. In ihrem Lichte wird uns der Zusammenhang zwischen Zeit und Ewigkeit klar unv eben darum fühlen wir uns auch mächtig getrieben, Alles, was wir in der Zeit verlangen und vollbringen, nach dem Maaßstabe der Ewigkeit zu messen. Durch den Glauben berühren wir den Himmel und der Himmel sendet einen Funken seines Lichtes in unser Herz. Jene Ankündigung der höhcrn Welt, welche jedem Menschen im Gewissen gegeben ist, wird zu einer Macht, die unser Inneres beherrscht; wir fühlen uns nickt nur aufgefordert, das Böse zu meiden, sondern mächtig tritt auch das Verlangen hervor, daß Gott an unS und durch uns verherrlicht werde. Lebt in uns Etwas von diesem heiligen Verlangen? Dem Landmann ist viel daran gelegen, daß Feld und Garten Frucht bringe zur rechten Zeit. Deßwegen ist Alles, was der Ernte Gedeihen verspricht oder Schaden droht, für ihn ein Gegenstand der lebhaftesten Theilnahme; er wünscht daS Wetter so zu haben, wie es für die Früchte nützlich, nicht so, wie es znm Spazierengehen gut ist. Traurig blickt er zu dem blauen, freundlichen Himmel empor, wenn vie Wiesen und Felder dnrsten und der erquickende Regen nicht kommen will. Und wenn die Wolken sich dunkler und dunkler zusammenziehen nnd der Donner rollt und die Tropfen niederrieseln, so ist sein Herz von Frende erfüllt. Doch wenn das reife Getreide schon der Sichel harrt oder bereits in Garben gebunden auf dem Felde liegt nnd jetzt die Wolken sich thürmen und ihre Wasser niedcrgicßcn, so wird ihm bange. Er zählt die Stunden, die Minuten des Regens und froh begrüßt er die Sonne, welche ihren Strahl durch die zertheilten Wolken sendet. Wenn es wahr ist, daß Gott unser Herz verlangt, so 319 ist es doch billig, daß wir für Alles, was die christliche Wahrheit und das christliche Leben angeht, wenigstens eben so viel Interesse fühlen als der Landmann um seiner Ernte willen an dem Wetter hat. Können wir dieß von uns sagen? Ist eS z. B. für uns eine Herzenssache, vor Allem in unserm eigenen Hause christliche Zucht und Ordnung zu wahren? Wenn wir sehen, daß Einer unserer Mitchristen sich durch verbotene Lust befleckt, erwacht in uns das Gefühl deS Abscheues, welches der Sünde gebührt zugleich mit dem innigen Mitleiden, welches wir dem Sünder schuldig sind? Oder behandeln wir die Sache als einen Gegenstand der Unterhaltung und forschen neugierig nach und stellen Vermuthungen auf und werden nicht müde, davon zu erzählen und erzählen zu hören? Wir haben oft genug Gelegenheil, die Stimme der Vethörten zu vernehmen, welche sich mit blinder Wuth wider Gott und sein Gesetz und seine Kirche erheben. Balv rasen sie in rohen Lästerungen, bald stacheln sie sich zu schalen Witzeleien auf, bald suchen sie den Frevel in glatte, flimmernde Worte zu verkleiden. Aber der Sinn bleibt immer derselbe, nämlich: Reiße dich von Gott und dem Gewissen los, wo und wie immer Gott und Gewissen dich beirren. Fühlen wir bei solchen Schmähungen der Wahrheit Dasjenige, was ein treuer Sohn empfindet, wenn man Verleumdungen wider seinen Vater ausstößt? Oder bleiben wir gleich- giltig? Finden wir eS, wofern es nicht gar zu arg kömmt, sogar unterhaltend? Nicken wir etwa auch Beifall, um nicht für Finsterlinge zu gelten? Wir hören die heilige Messe, wir beichten, wir empfangen den Leib des Herrn. Aber regt sich in uns ein Wehen der heiligen Scheu, womit wir dem Lamme Gottes, welches sein Versöhnungsopfer erneuert, welches huldreich für unS zur Speise wird, den Zoll der Ehrfurcht und Liebe darbringen sollen? Ist es uns Ernst, in der Reinigkeit der Gesinnung vorzuschreiten und alle Flecken unserer Seele auszutilgen? Oder sind unsere frommen Uebungen denn doch halb und halb eine Sache der Gewohnheit, bei welcher das Herz sich sehr mäßig bctheiligt,? Verwenden wir die zweite Hälfte der Jubiläumszeit dazu, um unS diese wenigen Fragen gründlich zu beantworten. Dann wird die Antwort auf viele andere Fragen sich von selbst ergeben und wir werden beurtheilen können, ob unser Eifer für Gott und sein Reich auf Erden lebendig sey? Das Uebel, an welchem unsere Zeit siecht, liegt weniger in dem Bösen, welches vorhanden ist, als in dem Guten, welches mangelt. DaS Feuer der christlichen Begeisterung muß wieder auf dem Altare unseres Herzens entbrennen und von ihm wird ein Licht ausgehen, in dessen Glänze die Erde und die Güter der Erde für uns das Angesicht ändern. Schickt der Herr unS Freuden, so werden wir sie dankbar von seiner Hand empfangen und über der Gabe des Gebers nicht vergessen. Führt der Herr uns in die Schule der Trübsal, so werden wir gedenken, daß er uns nur wenige Tropfen reicht aus dem Kelche, welchen er selbst ausgetrunken, daß der Gerechte in der Trübsal geläutert wird, wie das Gold im Feuerofen und der ewige Richter jede Entbehrung, jeden Schmerz des Leibes und der Seele, wofern wir im Glauben und Ergebung dulden, als ein Opfer der Genugthuung für unsere Sünden väterlich annimmt. Segnet der Herr unS mit reichlicher Habe, so steht Er unS vor Augen, welcher verheißen hat: WaS ihr dem Geringsten von Diesen thut, das habt ihr mir gethan! und unser Ucberflnß wird zur Erquickung der Nothleidenden. Haben wir wenig, so ertragen wir das Bittere des Mangels so wie die Heiligen die Entbehrungen und Beschwerden trugen, welche sie beseelt vom Geiste der Buße sich auferlegten und die Hoffnung deS ewigen Lebens wird unsere Armuth reich machen. Vereint in dem Bunde der Liebe, welchen der Meister der Liebe gestiftet hat, werden Hohe und Niedere, Arme und Reiche dastehen und dem Herrn ihrem großen Gott muthig das Zeugniß geben. Dann weichen die unheilvollen Gewalten, welche gleich dem Löwen einhergehen und suchen, wen sie verschlingen. Dann ist die Erde zum Vorhose deS Himmels geworden. Herr, dieß verleihe unS: denn um Großes zu bitten, gibst du uns den Müth'I Herr, erneuere dein Reich aus Erden I Amen. « 320 Ein Trau:». Einem Kranken, der seiner baldigen Auflösung entgegensieht, kommen allerlei Gedanken, bald im Wachen, bald im Traum. Ein solcher Kranker, der aber sein Herz bei weitem noch nicht von den Banden und Sclavenketten dieser Welt losgerissen hatte, träumte in einer Nacht, der Heiland JesuS Christus klopfe an seinem Herzen an und bitte um Einlaß. So sanftmüthig aber auch Jesus anklopfte, fand sich der Kranke doch nicht bewogen, Ihm aufzuthun, sondern antwortete kalt: „er habe der Gäste in seinem Herzen schon genug, und könne den Heiland nicht brauchen, da er für Ihn keinen Platz mehr habe." Da antwortete Jesus betrübt: „Wer sind denn diese Gäste?" Und es entgeg. nete ihm der Kranke: „ES sind dieß der Hochmuth, die Unkeuschheit, der Neid, der Zorn, die' Trägheit und noch andere gute Freunde und Freundinnen, die schon so lange in Treue mit mir verbunden sind." Da sagte ihm JesuS, er solle diese Gesellschaft aus seinem Herzen hinauSweisen, damit Er darin Platz finde; es müßten aber alle hinaus, damit Er allein sein Herz in Besitz nehme. Vergeblicher Anspruch. Der Kranke meinte, er könne doch seine besten Freunde nicht so behandeln. Und der Heiland seufzte und ging betrübt von bannen. * 5 * Die zweite Nacht aber hatte der Kranke einen ähnlichen und doch ganz andern Traum. Es träumte ihm, daß er von dieser Erde geschieden sey und vor der Himmelspforte stehe, gar dringend Einlaß begehrend. Allein JesuS erschien an der Himmelspforte und sprach: „daS kann nicht seyn; ich habe schon viele Gäste, und kann dich nicht brauchen, da ich keinen Platz mehr für dich habe." „Ach!" sagte der Kranke: „Wer sind denn deine Gäste?" Worauf er vom Heiland die Antwort empfing: „die allerseligste Jungfrau Maria, die vielen Gerechten deS alten Bundes und die zahllosen Heiligen, Märtyrer und Bekenner deS neuen Bundes, und noch andere gute Freunde und Freundinnen, die schon so lange in Treue mit mir verbunden sind." Da begehrte der Kranke: JesuS solle doch diese Gäste aus dem Himmel HinauSweisen, damit er darin Platz nähme. Vergeblicher Anspruch. Der Heiland gab ihm zu bedenken: „Ich kann doch meine besten Freunde nicht so behandeln!" Und der Kranke wich betrübt von der HimmelSthür. Als er aber erwachte aus diesem Traum, erkannte er die furchtbare Wahrheit desselben, that von Stund an aufrichtige Buße und starb eines höchst auferbaulichen, gottseligen TodeS. (K. S. Bl.) Der Rosenkranz «nb seine Bedeutung.*) Ueber den Rosenkranz, dessen Verehrer durch Seine Heiligkeit den jetzt regierenden Papst PiuS IX. unlängst wieder mit neuen Ablässen begnadiget wurden, sind in verschiedenen Zeiten mehr oder minder umfangreiche Schriften verfaßt worden. DaS Schriftchen, daS wir hiemit zur Anzeige bringen, sucht in möglichster Kürze Alles anzudeuten, was für einen Verehrer deS Rosenkranzes von Bedeutung seyn kann. Namentlich wird das Ave Maria nach allen Seiten hin zu erklären gesucht, und kein Verehrer der Rosenkranzandacht wird in dieser Beziehung die kleine Schrift ohne Gewinn lesen. ") Augsburg, Druck de» F. C. Kremer'schen Buchdrucker«'. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Juhaber: F. «. «,»m»?. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angslmrger PostSeitung. IS. October ÄI. 1851. W'^'^/ ' ' ^^»vv ' L . ''.'V V. " V ' ^5 . ^! ? >?. .l^. ? zZÜ?W?? __ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Geschichte der Missionen in der Diöeese Eichstädt. (Fortsetzung.) Man hatte die Hoffnungen keineswegs verhehlt, die man an die Vermählung des Herzogs mit Magdalena von Bayern knüpfte, welcher Johann Christoph, der Bischof von Eichstädt, den Segen der Kirche gegeben. Diese Freude wurde zum vollen Jubel, als Wolsgang Wilhelm 1615 zur Regierung gelangt, die Ausübung der katholischen Religion in seinem Herzogthum freigab. Jesuiten waren am Hofe, es bedürfte nichts als sie vermehren und ihnen das Land zur Bekehrung anweisen. Bergen, Joshosen, Berckheim und Unterstall waren die ersten Pfarreien, welche sie dem Bischof von Eichstädt wieder zustellten. Von Eichstädt selbst aus wurde Monheim in Angriff genommen. DaS Städtchen hatte einige Zeit hindurch vergessen, einst durch das Grab und die Wunder der heiligen Walburga verherrlicht worden zu seyn. Sitz von fünf Prävicanten, schien der Platz nicht so bald geräumt werden zu wollen. Die Zahl der Katholiken, die eS meist nur dem Namen nach waren, belief sich auf 83. Jene Prediger hatten einige Jahre zuvor zu viel Muth gegen die Leichname von Mönchen gezeigt, die man zufällig gefunden, um nicht wenigstens der Absicht nach einen gleichen gegen die Jesuiten zu beweisen. Allein das Volk hatte seine katholischen Traditionen nicht völlig verloren, es erwachte das Andenken an die große Schutzheilige der Stadt, man konnte d?m Worte dieser Jesuiten nicht widerstehen, welche ohne nach dem Bekenntnisse zu fragen Allen Liebe erzeigten, Feindschaften versöhnten, Streitigkeiten beilegten. Man eilte in Haufen in die Arme der alten Kirche zurück. Nach einem Jahre zählte Eichstädt wieder 17 Pfarreien mehr, Ammerfeld, Bayerfeld, Buchdorf, Dagmersheim u. s. w. Die protestantischen Prediger schienen sich durch die Tochter ihres Seniors vertreten zu lassen. Die Jesuiten haben gestanden, an ihr eine Gegnerin gefunden zu haben. Eines Tages schwur sie, deS Kampfes müde, den Irrthum ab. Die Prediger konnten mit 20 Anhängern die Stadt verlassen, nachdem bei 7l)l)0 ihrer ehemaligen Untergebenen katholisch geworden. Die Jesuiten hoben ihre Missionsstation hier auf, als die Pfarreien alle wieder vom WeltkleruS besetzt werden konnten. Am andern Ende des HerzogthumS waren mittlerweile andere Jesuiten in die Diöeese eingedrungen und hatten zu Velburg Missionen eröffnet. Die Stadt war die letzte, die den Protestantismus angenommen hatte. Deßhalb besaß ihre Kirche noch das katholische Gepräge, die Altäre ihren Schmuck, die Sacristei ihren reichen katho- ") Kretser Lpigt. cleZiost ack 5oanr>. Llirist. ") Cramer, heil, und gotts. Eichst. S. 3LS. ' -") Kröpf I. c. tom. IV. p. 127. Cramer a. a. O. 322 lischen Inhalt. Das Alles machte die Bekehrung leicht. Das Volk wollte wieder Lichter auf dem Altare haben und seine Priester im Meßgewands sehen. Einzig die Herren vom Rathe machten Miene zum Widerstand. Als aber ein Jesuit das Kind deS Bürgermeisters — der Chronist hat diesem mit dem Titel eines Consnls von Vel- burg gehuldigt — durch das Vertrauen auf Maria rettete, wozu er die Mutter ermuthigte, machte die Freude darüber die Familie katholisch, und als sich derartige günstige Einflüsse vermehrten, sahen Velburg und die benachbarten Pfarreien, Batz. Hausen, Daßwang, HermannSdorf und .7 andere ohne Bedauern das Lutherthum ihre Gränzen verlassen. ") Erschrecken wir nicht vor dem Kriegslärmen, der die nahegelegene Oberpfalz bewegt, eS ist nur ein Zeichen, daß neue Bekehrungen zu machen sind. Die Schlacht bei Prag war vorüber, Churfürst Friedrich, der Herr des Landes, entflohen; nur Mansfeld rückte nach Neumarkt vor und bedrohte Bamberg, Würzburg und Eichstädt, die Mitglieder der Liga. Tilly kommt heran, säubert die Oberpfalz und besetzt sie für Bayern. Seine Soldaten haben Jesuiten als Feldprediger, die nicht abgeneigt sind, das Gebiet zu bekehren. Sie finden die religiösen Zustände in einer traurigen Verwirrung, alle protestantischen Confessionen bunt durcheinandergemengt und die Begriffe in einer Verwicklung, daß beim Anzüge Tilly'S gegen Mansfeld daS gutmüthige Volk an das Gericht des Himmels appellirte, und um Sieg für jenen betete, der die wahre Religion bekenne. Mansfeld entwich, Neumarkt ergab sich freiwillig an Maximilian. Mit der bayerischen Besatzung kamen die Jesuiten dahin, willens über den Trümmern deS Protestantismus ihren Brüdern, die in Berching die Gränzen deS Fürstenthums Eichstädt bewachten, die Hände zu reichen. Gelang ihnen dieß , so war eS ein um so größerer Triumph, als eben Neumarkt die Geburtsstadt eines ManneS war, der damals Deuschland mit Schmähschriften Wider sie überschwemmte. 5) Man räumte ihnen die Hofkirche und das Kirchlein vom heiligen Kreuz ein, von denen nur die letzte zum Gottesdienste geeignet war, da calvinischer Vandalismus in der ersten Alles bis auf die Kanzel vernichtet hatte. Die Väter eröffneten ihre Wirksamkeit mit einer Wohlthat, die einer Rettung der Stadt gleich kam. Ein unbedachtsamer Auflauf hatte ein übernachtendes Regiment zu Mord und Brand schon durch die Strassen vertheilt, Alles zitterte — da erscheint ein Jesuite und wendet das gezückte Schwert von den unglücklichen Bewohnern ab. Und als dennoch einige im Gefängnisse der Strafe gewärtig seyn sollten, als ihre Mitbürger vergebens um Gnade für sie flehen, — da öffnet ein Jesuite mit seinen Bitten die Thore und befreit die Gefangenen. DaS war genug, den Vätern Liebe zu gewinnen; zu wenig, die Stadt katholisch zu machen, da innerhalb drei Jahren nur 33 Bekehrungen erfolgten. Man darf die Schuld nicht dem bösen Willen des Volkes beimessen; die Oberpfalz gehörte noch nicht dem Churfürsten Maximilian, es war möglich, der calvinischen Negierung wieder anheimzufallen, und dann stand nichts bevor, als wiederum das Ritual zu wechseln. AIS das erstere eingetreten, als ein Edict Maximilians von'1628 allen Bewohnern die Annahme der katholischen Religion befahl, waren augenblicklich die calvinischen Prediger abgedankt und alle Kirchen dem katholischen Cultus geöffnet. Es war ein denkwürdiger Tag, als die ganze Bürgerschaft der Stadt mit dreizehn umliegenden Pfarreien in der Pfarrkirche sich versammelte, im Angesichte des Aller- heiligsten feierlich den Irrthum abschwur, und die Lossprechung empfing. Die Jesuiten hatten jetzt ihr Tagwerk vollendet, sie hoben ihre Mission auf, während die Bitten der Bürger sie noch zurückhalten wollten, und ihre Stelle nahmen Capuciner ein, die Bischof Johann Christoph 1620 in die Diöcese eingeführt hatte. 1"!-) ") Kröpf I. c. p. 132. Cramer a. a. O. ") Adlzreitcr Annal, Loic. p. III. üb. k. n. 13. —) Casp. Schopp <8ciopi.) 5) Vcrgl. Nlceron'ö Nachricht, v. Gel. Bd. 19 S. 282 ff. 7t) Kröpf I. c. p. 272 276. 427. sq. 323 Während Neumarkt durch Jesuiten von München bekehrt wurde, brachten die von Amberg innerhalb eines Jahres Kastel, Pfaffenhosen, Lauterhofen, Gnadenberg und die Umgebung zum Bisthum Eichstädt zurück. *) Das Datum dieser Bekehrung 1623 erinnert, daß von Pfalz Neuburg noch die Rückkehr jener Gebiete erübrigte, in denen die appanagirten Brüder Wolsgang Wilhelms rcsidirten. Zwölf Jahre waren vergangen und Niemand hatte Gebrauch von dem Edicte von 1615 gemacht, durch welches die katholische Religion freigegeben war. Jetzt wurde die Annahme der letztem befohlen. Der eine dieser Gebietstheile, die Aemter Heideck, Hippoltstein und Allersberg gehörten ganz zur Döcese Eichstädt, von dem andern, dem Fürstenthum Sulzbach, zählten dahin Neukirchen, Edelsfelden, Eschenfeld, Eylwang und Jllschwang. Jesuiten aus dem Kollegium von Amberg unternahmen die Wiederherstellung der katholischen Religion in den letztgenannten Orten, andere eröffneten Mitte Novembers 1627 zu Hippoltstein und Heideck eine Mission. Sie fingen bei den Landpfarreien an und fanden wenig Schwierigkeiten. Nacheinander waren die Pfarreien Laibstatt, Liebenstatt, Walting, Schloßberg, Albertshausen, Bergen, Zell, Heuberg, Meckenhausen, Jarsdorf, Lehen, Ebenried und Allersberg mit ihren Filialen gewonnen. **) Am zehnten Tage ging es in die Kirche der Vorstadt von Hippoltstein, gleich darauf in die Pfarrkirche. Bei dem Widerstand der Bürger mußte die Thüre mit Gewalt gesprengt werden. Zur NachtSzeit warf man den Jesuiten mehrmal die Fenster ein und Soldaten mußten zuletzt das Missionshaus bewachen. Heideck war den Vätern nicht geneigter als die Nachbarstadt. Offene Lästerung empfing sie hier, Alles hatte Drohungen für sie, mitten unter der Predigt schrie man auf, um zu interpelliren; die Jesuiten duldeten und schwiegen. Der Hof von Hippoltstein und die Nähe Nürnbergs waren die Ursache des Widerstandes. Nach einem halben Jahre entschied den Kampf der drei Jesuiten und der drei Prediger zu Hippoltstein — man denkt unwillkürlich an die Horatier und Curatier — eine öffentliche Disputation, in welcher der Superintendent einem Jesuiten erlag. Mit dem Prediger, der seit 35 Jahren seine Aussprüche auf der Kanzel als Orakel verehren ließ, sank das Vertrauen der Bürger, nach drei Jahren waren sie katholisch. Man bedauerte den Pfalzgrafen Friedrich, der stets den Jesuiten geneigt war, daß seine fanatische Gemahlin Sophie Agnes ihn von ihren Predigten zurückhielt. Hcideck zählte damals 535 Katholiken, nach einigen Jahren erklärten die Bürger, lieber den Tod als den Abfall von der Kirche zu wollen. Die Bekehrung war um so aufrichtiger und dauerhafter, je weniger Fürstenbefeble ihre Quelle gewesen. Heideck und Hippoltstein blieben ständige Missionen der Jesuiten und die Bücher der umliegenden Pfarreien beweisen, daß sie für Stadt und Land die Hirten waren, bis der Krieg sie verdrängte. Die Eroberungen, welche die Jesuiten dem Protestantismus abnahmen, konnten als eben so viele Siege des Bischofs Johann Christoph betrachtet werden; da er es war. der ihnen den Weg in die Diöcese gebahnt, legten sie dankbar zu seinen Füßen die Früchte ihrer Missionen nieder. In einem gewissen Sinne ging der Bischof selbst auf Mission, in wie ferne er seine Gewalt als Fürst dazu benutzte, mehrere ehemals katholische Theile seinem Bisthum wieder einzuverleiben. Mit dem Restitutionsedicte Kaiser Ferdinands in der Hand erwirkte er die Zurückgabe der Kirche von Buchenheim und Göllersreuth, der Pfarreien Cronheim und Oberschranningen, 5) nöthigte Weißenburg, die Reichspflege über Petersbuch, Kahlvorf, Bihurg, Mengen, Heiligenkreuz und Rohrbach, tt) die es zum Verderben der katholischen Religion benützt hatte, an ihn herauszugeben, und ") Adlzrcltcr ps. III. lib. 13. n. S7. Nach einem Vcrzeichniß bei Meiern Acta psc. ^VeslM. tom. III. P. 164. Kröpf I, c. r>. 42S, sq. j-) Meiern ^cta Lxoc. p, >>V. tom. II. p. 170. tt) Falkenstein Loä. 6ipl. LM, p. 371. 324 nur die Dazwischenkunft des Krieges verhinderte den Erfolg seiner Bemühungen, von Nürnberg die Herausgabe der Güter des Klosters Bildenreuth zu erhalten. *) Mit dem Einrücken Gustav Adolphs in die Diöcese ändert sich die Scene aus den MissionSstationen der Jesuiten. Es galt keine neue Eroberung mehr, sondern einzig die Erhaltung des Gewonnenen, eine Sache, die sich nicht ohne Opfer bewerkstelligen ließ. Der König mußte vor Eichstävt vorüberziehen. Einzig die Pest im Gefolge seines HeereS drang über die Mauern der Stadt und forderte das Leben von vier Jesuiten neben den Leichen derer, denen sie die letzten Tröstungen gespendet; aber das Lager vor Nürnberg löste ihre Station in Kastl auf, durch den Tod deö einen und die Gefangenschaft des andern der dortigen Väter. Noch unglücklicher wurde die Lage des BiSlhumS und der Jesuiten, als Bernhard von Weimar nach des Königs Tove von Bamberg her in die Diöcese zum zweitenmale einbrach. Herrieden hielt sich gegen ihn, so lange der Besatzung der letzte Jesuite daselbst Muth einsprach und die Pestkranken Pflegte, bis mit seinem Tode und der Einnahme der Stadt auch diese Mission ihr Ende fand. Das Kollegium von Eich, städt hatte Ursache mit Weimar damals zufrieden zu seyn, wie man eS mit einem Feinde der Art eben seyn kann, nur mußten die Missionen unterbleiben, die von Eichstädt aus gewöhnlich waren. Als aber Weimar durch die Kaiserlichen Eichstädt verlor und nun zweimal nacheinander einen Rachezug gegen die Stadt unternahm, da fühlten die Jesuiten seinen Grimm. Mit Eichstädt sank ihr Kollegium und ihre Kirche in Asche, und zwei von ihnen fielen in die Hände des Feindes, dessen Grausamkeit dem einen den Tod, dem andern schweres Leiden zuzog. In dem zerstörten Eichstädt war nichts mehr als einige ausgehungerte Einwohner, die sonst kein Obdach fanden, mitten unter den Todten lebend, welche die Seuche auf allen Straßen häufte, und Schaaren von Kindern ohne Eltern und Schutz. Die Jesuiten, hinter den Mauern der Willibaldsburg gerettet, stiegen in den Gräuel der Verwüstung nieder, um zu helfen, so viel sie konnten; als die Stürme des Krieges aufgehört die Gegend heimzusuchen, eilten sie wieder nach Berching, Kipfenberg und Wemding auf Missionen. Da die umliegenden Pfarreien ihre Hirten verloren, so daß ein Geistlicher oft sechs Pfarreien zugleich versehen mußte, zählten die Jesuiten in Eichstädt allein ivMl) Communicanten, meist Landleute, die keine Seelsorger hatten. 5) In Hippoltstcin war ihr Missionshaus durch den protestantischen Pfalzgrafen geschützt, der zwei der Väter der Gefangenschaft entriß, Heideck aber konnte nicht mehr gehalten werden. Jngolstadt opferte 15 Jesuiten der Liebe zu den Pestkranken, während die Neberlebenden die Wunder der Bekehrung zu erneuern begannen, durch die sie vorher geglänzt hatten, tl') (Schluß folgt.) Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 236. Zelle. Die Wohnung des Himmels und die Bewohnung der Zelle sind verwandt, weil, wie Himmel und Zelle (eoslum et cella) eine Verwandtschaft deS Namens, so auch der frommen Bedeutung haben.. Denn von der Verborgenheit scheinen Himmel und Zelle genannt zu werden, und was im Himmel verborgen ist, wird auch in den Zellen verborgen. Was im Himmel geschieht, geschieht auch in den Zellen. Und ') Falkensieins Geschichte von Nürnberg S> 773. ") Ilistor. Lall, üxststt. aä ana. 16Z2. —) Cramer Heil. Eichst. S. 295. f) Listor. Coll. L)'5t,ett. sck »im. 1634 — 1S36, -sf) Kröpf tom V. pp. 229 sq. 201. 339 sqq. 325 was ist das? Sich Gott hingeben und Gott genießen. Denn von der Zelle steigt man zum Himmel: kaum aber steigt man jemals von der Zelle in die Hölle. Denn kaum wird ein Sterbender jemals von der Zelle in die Hölle steigen, weil kaum Jemand bis zum Tode in derselben ausharrt, außer der zum Himmel bestimmt ist. DaS höchste Verderben des Geistes ist der Müßiggang. Der Müßige wird also nie ein Diener Gottes. Sich Gott hingeben ist kein Müßiggang, sondern das - Hauptgeschäft aller Geschäfte. Ein Bewohner der Zelle muß an dem Tage nicht gut gelebt zu haben glauben, an dem er sich erinnert, nichts von dem gethan zu haben, weßwegen man in der Zelle lebt. Du fragst, was du thun sollst, oder worin du dich beschäftigen sollst? Zuerst darf man dem Tage seinen treffenden Theil nicht entziehen für das tägliche Opfer des Gebetes, für Lection und Studium, für die tägliche Erforschung des Gewissens, für die Besserung und Ordnung der Sitten. Dann ist eine Handarbeit zu verrichten, welche anbefohlen ist nicht so fast daß sie durch Unterhaltung auf eine Stunde den Geist aufheitere, als vielmehr daß sie die Lust an geistigen Studien erhalte und ernähre. 237. Zerknirschung. Es werde durch das Messer einer scharfen Zerknirschung die Wunde der veralteten Gewohnheit ausgeschnitten! Ich sehe zwar nach dem schweren Falle die Thränen des Petrus, höre aber nicht dessen Gebet, und doch zweifle ich nicht an der Verzeihung seiner Sünde. Neige zu dir die gütigen Ohren deS Herrn: bitte ihn unausgesetzt mit Thränen und Seufzern wegen deiner Uebertretungen, und lobe und verherrliche ihn durch geistliche Gesänge in allen deinen Werken. Nichts aber sehen die HimnielSbewohner lieber, nichts ist dem höchsten Könige angenehmer, wie er selbst bezeugt: „Ein Lobopfer wird mich ehren." 238. Zeugniß. Das Zeugniß des Gemissens ist wahr, wenn der heilige Geist selbst unserm Geiste Zeugniß gibt, daß wir Kinder Gottes sind. Weiter glaube ich, daß dieses Zeugniß in drei Dingen bestehe. Denn zuerst muß man glauben, daß du keine Nachlassung der Sünden erhalten könnest, außer durch die Verzeihung GotteS. Dann daß du kein gutes Werk an dir haben könnest, wenn er selbst es nicht gibt. Zuletzt daß du das ewige Leben durch keine Werke verdienen könnest, wenn dir nicht auch dieses umsonst gegeben wird. Denn wer kann rein machen den, der von unreinem Samen empfangen? Bist'S nicht du allein? Auch von den guten Werken ist es ausgemacht und gewiß, daß sie Niemand von sich selbst habe. Denn wenn die menschliche Natur nicht feststehen konnte, da sie noch unverdorben war, um wie viel weniger wird sie durch sich selbst auferstehen können, da sie verderbt ist? ES ist gewiß, daß Alles (so viel eS möglich ist) nach seinem Ursprünge trachte, und daß Alles sich mehr auf diese Seite neige. So ist es auch von uuS gewiß, weil wir aus Nichts erschaffen sind, daß, wenn wir uns selbst überlassen sind, wir zur Sünde uns neigen, die ein Nichts ist. Vom ewigen Leben aber wissen wir, daß die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird, auch dann nichr, wenn Einer alle ertragen würde. Denn die Verdienste der Menschen sind nicht von der Art, daß unS das ewige Leben nach dem Rechte gebührt, oder daß Gott ein Unrecht begehe, wenn er es uns nicht gibt. Denn geschweige daß alle Verdienste Geschenke Gottes sind, so ist der Mensch mehr seinem Gott ein Schuldner, als Gott dem Menschen. Was sind alle Verdienste gegen eine so große Herrlichkeit? Wenn du also glaubst, daß deine Sünden nicht getilgt werden können, außer von dem, gegen den du gesündiget hast, auf den aber die Sünde nicht fällt, so thust du wohl daran. So ist eS auch wegen der Verdienste, wenn du glaubst, du könnest sie nicht haben, außer durch ihn, nicht hinreichend, bis dir der Geist der Wahrheit das Zeug- 326 niß gibt, daß du sie durch ihn hast. So mußt du auch über das ewige Leben ein Zeugniß deS Geistes haben, daß du zu demselben durch göttliches Gnadengeschenk gelangen werdest. Denn Er selbst verzeiht die Sünden, Er gibt die Verdienste, und gibt nichts desto weniger die Belohnungen wieder dafür. Nichts ist klarer, als dieses Licht, nichts rühmlicher, als dieses Zeugniß, wenn sich die Wahrheit im Geiste abspiegelt, und der Geist in der Wahrheit sich schaut. Aber welch geschämige, erröthende, furchtsame, umsichtige, durchaus nichts zulassende Wahrheit schaut er, was den Ruhm des Gewissens verletzen könnte, indem daS Gewissen ihm darüber Zeugniß gibt, worüber die Gegenwart der Wahrheit erröthen müßte. Das ist es wahrlich, was über alle Güter der Seele den göttlichen Anblick ergötzt. Jeder hat eine vollkommene und freie Entschuldigung, das Zeugniß seines Gewissens. Ich will, daß du dich deS Zeugnisses deS Gewissens rühmst, aber auch nichts weniger will ich, als daß du durch selbes dich demüthigest. Selten kann man sagen: „Ich bin mir nichts bewußt." Vorsichtiger wandelst du im Guten, wenn du auch daS Böse nicht vergissest. Daher kenne dich selbst, daß du unter den Leiden, die nicht mangeln, das Gut deS Gewissens genießest, noch mehr aber damit du wissest, was dir sehlc. Denn wem geht nichts ab? Dem fehlt Alles, der da glaubt, eS fehle ihm nichts. Welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist deS Menschen, der in ihm selbst ist? Im Vergleiche mit dem innern Zeugnisse ist daS äußere für nichts zu halten. Ja, wenn der Geist, der im Menschen ist, Alles, was des Menschen ist, wissen könnte, so würde wahrlich sein Zeugniß hinreichen. Nun aber ist das Herz des Menschen verderbt und unerforschlich, sogar sich selbst, so daß eö sogar daS Gegenwärtige großen Theils nicht weiß, das Zukünftige aber durchaus nicht wissen kann. Weil es jedoch einigermaaßen daS Gegenwärtige weiß, so haben wir, wenn es nur nicht tadelt, doch noch keinen Ruhm vor Gott, sondern nur Zutrauen zu Gott. Wenn wir aber den AuSspruch seiner Wahrheit, der nichts verborgen ist, in uns zu behalten verdient haben, können wir uns sicher in derselben rühmen. Denn was kümmere ich mich um das Urtheil eines andern Menschen, auf dessen Tadel hin ich nicht verwerflich und auf dessen Lob hin ich nicht gerecht befunden werde? Brüder, wenn ich vor einen Richterstuhl mich stellen muß, werde ich mich mit Recht eures Lobes rühmen. Ja, wenn ich durch die Prüfung meines eigenen Richterstuhles gerichtet werden müßte, würde ich mit Recht über mein Zeugniß zufrieden seyn, und am eigenen Lobe mich erfreuen. Nun aber werdeich nicht vor euern und nicht vor meinen, sondern vor Gottes Nichterstuhl mich stellen müssen. Welche Thorheit, welcher Wahnsinn ist eS also, mich entweder euers oder meines Zeugnisses zu rühmen, besonders da Einer ist, vor dessen Auge Alles bloß und aufgedeckt ist, und der es keineswegs nöthig hat, daß ihm Jemand ein Zeugniß über einen Menschen ablege. 239. Zorn. Dein Eifer muß dir bewußt seyn, deine Sanftmuth, auch die Unterscheidung, die Vermittlerin dieser Tugenden, wie du im Verzeihen der Unbilden beschaffen seyn sollst, wie im Bestrafen derselben, welch ein vorsichtiger Beobachter der Art, deS Ortes, der Zeit in Beidem. Drei Dinge sind zu beachten in der An. Wendung dieser Tugenden, damit sie nicht Untugenden seyen, wenn sie darüber hinauskommen. Diese Tugenden nämlich macht nicht die Natur, sondern die Anwendung. An und für sich werden sie nicht unterschieden. Deine Sache ist es, entweder durch Mißbrauch und Verwirrung Fehler, oder durch guten und ordentlichen Gebrauch Tugenden zu machen. Wenn daS Auge der Unterscheidungsgabe dunkel ist, pflegen sie sich einander die Plätze zu. entreißen und die Gränzen zu überschreiten. Von dieser Dunkelheit gibt es zwei Ursachen: der Zorn und eine zu weichliche GemüthS- stimmung. Diese entnervt die Strafe deS Gerichtes, jener übereilt sie. Denn wo- durch kann nicht Eines oder daö Andere in Gefahr kommen, entweder die Güte in 327 die Gefahr der Nachsicht, oder die Gerechtigkeit in die Gefahr des Eifers? Das vom Zorn geblendete Auge sieht nichts gut an, daS durch zufällige und weibische Weichlichkeit verwirrte Auge sieht das Rechte nicht. Du wirst nicht unschuldig seyn, wenn du entweder den strafest, der vielleicht Schonung verdient hätte, oder den verschonst, der hätte gestraft werden sollen. Eine natürliche Gemüthsbewegung ist der Zorn deS Menschen, aber denen, die die Gaben der Natur mißbrauchen, ist er ein schwerer Verlust und ein bedauernS- wertheS Verderben. Wollet euch nicht erzürnen über Jene, welche euch vergängliche Güter rauben, welche euch beschimpfen, welche euch in Strafen bringen, und weiter nichts mehr thun. Ich will euch aber zeigen, wem ihr zürnen müsset. Zürnen darüber, was euch allein schaden kann, allein machen kann, daß euch alle jene Dinge nichts nützen. Wollet ihr wissen, was dieses sey? Die eigene Bosheit. Von dieser sage ich euch: „Zürnet über sie." Denn kein Unglück wird schaden, wenn keine Bosheit herrscht. Wer vollkommen über sie zürnt, der wird nicht aufgeregt, und umfaßt das Widerwärtige. „Zürnet ihr, so sündiget nicht." Du wirst aber nicht weniger sündigen durch zu heftiges Zürnen, als wenn du gar nicht-zürnest. Nicht das Zürnen, wo man zürnen soll, ist Sünde, sondern der Widerwille gegen die Besserung. Sich aber mehr zu erzürnen als es nöthig ist, heißt Sünde zur Sünde fügen. Wenn es Sünde ist, das Böse nicht zu bessern, wie wird eS nicht eine Vermehrung des Uebels seyn? Niemand verdient mehr Zorn, als ein Feind, der sich in einen Freund verstellt. Der Mann von Canterbury. Wir haben es schon öfter als einmal ausgesprochen: daß der gegenwärtige anglikanische Erzbischof von Canterbury als der verknöcherte Träger des staatskirch- lichen Princips — wie auch als eifriger Fortspinner desselben in die weitesten Con- sequenzen hinaus betrachtet werden kann. Er ist für das anglicanische England ganz dasselbe, was uns leider durch lange Jahre die Verkündiger der reinen Jesuslehre in Deutschland gewesen sind. Seine Herrlichkeit ist nach den Berichten englischer Blätter in jüngster Zeit in seinem Ausklärungsproceß schon wieder um einen großen Schritt weiter gegangen, und hat in einem höchst eigenhändigen Erlaß der Negation in der sogenannten anglicanischen Kirche großartige Zugeständnisse gemacht. Seine HerrliMeit behauptet nämlich in einem von ihm ausgegangenen Schreiben, daß nach Ansicht fast aller anglicanischen Prälaten O h. der mit ihm Gleichgesinnten, oder Glcichgesinnungslosen) die bischöfliche Händeauflegung bei der Ordination rein unnöthig sey, und also sämmtlicher anglicanische Klerus den deutschen protestantischen Predigern — was den gänzlichen Mangel pricsterlichen Charakters auch im Aeußern, noch aus der katholischen Zeit beibehaltenen Ritus anbelangt — getrost die Hand zum Bunde reichen könne. Wenn wir nun einerseits gar wohl wissen, daß die anglicanische Ordination keine Geltung hat — so war durch den Act der Händeaufleguna im Anglicanismus bisher doch noch immer der Nothwendigkeit apostolischer Sendung, in der äußern Form wenigstens, ein Zugeständniß gemacht; und um dieses Zugeständnis), um diese Reminiscenz aus der katholischen Kirche des Anglicanismus zu bringen, ist das neueste Streben des edlen Lord-Erzbischofs von Canterbury. Offenbar hat der gute Herr hierbei die Absicht, dem PuseyiSmuS hiemit einen Schlag zu ver- etzen, der ihm ungefähr in derselben Weise verhaßt ist, wie in Deutschland den Feh- ronianern der Ultramontanismus — aber der Herr Erzbischof wird sich in diesem seinem vorhabenden Experimente sicherlich irren. Die Puseyiten erkennen es gar gut, auf was eS mit dieser neuen Maaßregel hinausgeht, und haben bereits beschlossen^ gegen den verkäuflichen, ungläubigen Prälaten sich in Fronte aufzustellen. Schon sind eine Unzahl von Protesten in die Folterkammern des Canterburyschen Kanzella- riates hineingeflogen, und es steht in Aussicht, daß noch ein tüchtiger Schwärm sol- 3S8 cher unliebsamen Vögel den ersteren nachfliegen wird. Die Puseyiten erlauben sich, dem betroffenen Herrn Erzbischof zu sagen: die allerhöchste Ansicht Sr. Lordschaftlicken Gnaden stehe im Widerspruch mit der heiligen Schrift, mit der Lehre und Praxis der katholischen Kirche zu allen Zeiten, und mit den Artikeln und Formularien der englischen Kirche. Und Se. Herrlichkeit hat somit eine neue Gelegenheit gefunden, über die rebellische Gesinnung und die demokratischen Gelüste seines KleruS Klage zu führen und große Betrübniß zu äußern, eine Betrübniß, die aber erst noch groß wie daS Meer anwächst — wenn er der nächsten Parlamentssession gedenkt, in welcher der Antrag gestellt werden wird, sein bisheriges ungeheures Einkommen auf 10,0(10 Pfund zu beschränken. ES steht nicht ohne Grund zu vermuthen, daß Se. Herrlichkeit alsogleich bereit wäre, eS mit der Händeauflegung beim Alten zu lassen, wenn — eS nur auch mit seinen bisherigen Einkünften — beim Alten bleiben möchte. Das ist der Mann von Canterbury! (W. K. Z.) Aus Oberbayern. Aus Oberbayern wird dem Volksboten über ein „Hauptmittel gegen die allgemein herrschende Genußsucht, diese wahrhafte Pestseuche unserer Zeit", geschrieben, über die vielverleumdetcn „Jünglingsbünde" nämlich, welche „bereits in den Stävten und auf dem Lande da und dort entstünden und in ihren Anfängen schon auf die Gesittung des Volkes einen großen und segensvollen Einfluß übten." „Ich hatte", schreibt der gute Freund, „erst unlängst in Lengfeld Gelegenheit, einen solchen JünglingSbund kennen zu lernen. Bei seinem Entstehen zahlte er nur wenige Mitglieder, nun gehören nahe an 200 Jünglinge dem Buude an. Den 28. September wurde anstatt der Kirchweihtanzmusik ein BundeSfest abgehalten! sage anstatt der Kirchweihtanzmusik ein Fest unter den Augen der allgemein verehrten Ortsgeistlichkeit in dem mit Laubgewinden und passenden Inschriften verzierten Saale des Wirthshauses, bei dem die Jünglinge auch aus den entlegensten Dörfern sich versammelten und mit dem Vortrage eines passenden GedichrS, einer kurzen Rede (über „die Ehre des Bauernstandes"'), fröhlichen Gesängen und heitern Gesprächen sich unterhielten. Nach ungefähr drei Stunden der anständigsten und herzlichsten Fröhlichkeil trennte man sich unter lauten Versicherungen an die Leiter der schönen Vereinigung, dem Bunde immer mit Lust und Liebe angehören zu wollen, zur Heimkehr. Seil dem Bestehen des Bundes Ind Raufereien und sonstige WirthshauSercesse in dieser Pfarrgcmeinde so wie auch außereheliche Geburten in ungleich geringerer Zahl vorgekommen, als es vorher der Fall war." Frankreich. Diöcesansynode in MonS. Die vom Bischof von Mons für 6. September 1851 zusammenberufene Diöcesansynode ist feierlich abgehalten worden. Der Bischof legte seinem KleruS Diöcesanstatuten vor, wollte aber, bevor dieselben RechtS- giltigkeit erlangen, den Rath seines Klerus über die einzelnen Puncte derselben vernehmen. Die Synode wurde am Sonnabend im großen Schiff der Kathedralkirche nach dem im koritilieslo komanum vorgeschriebenen RituS eröffnet. Der General- vicar hielt die Eingangsrede, in welcher er über die göttliche Einsetzung der Kirche, über die Würde der Bischöfe, über den Nutzen der Synoden, welche die Gesetze der Diöcesen befestigen — ein weiteres sprach. ES wurden sieben Commissionen gewählt, um den Geschäftsgang zu beschleunigen. Der Bischof selbst hielt am letzten Tage die Schlußrede. Der Klerus verließ erbaut und gestärkt die kräftigende kirchliche Versammlung;' seit 1783 war in Mons keine Synode mehr gehalten worden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F> C. Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Pojtzeitung. 19. October ^2. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsrrcis SO kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Geschichte der Missionen in der Diöcese Eichstädt» (Schluß.) Unter der Asche ihres Collegiums war der Feuereifer der Jesuiten zwar nickt erloschen, allein die Unruhen des Krieges hielten ihn auf Eichstädt und ihre noch allein übrige Station zu Hippoltstein beschränkt. Rechnet man die fast jährliche Aushilfe in Wemding und Kipsenberg ab, so schienen ihre Missionen ein Ende erreickt zu haben, als die letzten Gefahren vorübergegangen, von denen jene Theile der Diöcese bedroht waren, welche sie durch ihre Missionen dem Protestantismus entrissen hatten. AuS den Friedensunterhandlungen von Osnabrück und Münster kann man sich überzeugen, welche Anstrengungen gemacht wurden, um in den Aemtern Heidcck, Hiypoltstein und Allersberg die Wiedereinführung der augsburgischen Confession in der Ausdehnung von 1624 durchzusetzen und anderswoher ist bekannt, daß man es bereits wagte, den Katholiken die Kirche zu schließen und lutherische Prediger aufzustellen. Ansbach und Weißenburg forderten gleichfalls zurück, was Johann Christoph für seine Kirche wiedererworben hatte. Die Vorsehung wollte nicht, daß der Schweiß der Jesuiten umsonst vergossen sey, die Eroberungen ihrer Missionen blieben dem Bisthnm, und jetzt konnten sie ihre letzten Stationen einziehen, indem sie Wemding 1664 den Kapucinern überließen, das Jahr darauf ihr Missionshaus zu hippoltstein aufhoben. Von da an unterblieben acht Jahre lang die Missionen. Auf Ansuchen deS Pflegers von Heideck und Hippoltstein wurden 1672 während der Ofterzeit Missionen in diesen Städten gehalten, von deren segensreichen Erfolgen, zumal in Heideck der abgesendete Missionär in seinem Tagebuchs Zeugniß abgelegt hat. In den folgenden zwei Jahren finden sich Missionen in Heidcck und Spalt mit gleich erfreulichen Wirkungen verzeichnet, eine andere 1686 in Berching. Um jene Zeit begann das Ries, von dem ein Theil der Diöcese zugehört, einen Missionär zu besitzen, dessen Bilduiß, an seinem Gcburtshause in Eichstädt angebracht, noch heute an den großen Ruf dieses heiligmäßigen Mannes erinnert. P. Philipp Jeningen durchwanderte von Ellwangen ans viele Jahre hindurch das Nies und nahte er einer Stadt oder einem Dorfe, so eilten die Kinder, um den lieben Pater zu empfangen; beim Zeichen der Glocke aber kam Alles in Bewegung, den Mann zu begrüßen, der in einem armen Jesuitenrocke, den Hut auf dem Rücken hängend, den ') Meiern, ^ela pae. >Ve5lpl>. passiw. -) I.itt. snn. 8. 5. 1650 p. 217. «istor. Loll. 8. I. LMeU. ms. k. ->. 330 Pilgerstab in der Hand, in die Kirche trat, mit leuchtendem Angesicht und thränendem Auge die Herzen durch seine Worte erschütterte, bis tief in die Nacht die Sünder im Beichtstühle tröstete und nach kurzer Ruhe auf Strvh oder bloßer Erde des Morgens mit Christeulehren und Predigten fortfuhr, bis er auf diese Weise jährlich 40 Pfarreien durchwandert hatte. Vielleicht sind es Erfolge Jeningens gewesen, von welchen der Canonicus Mechll von Herrieden sich bestimmen ließ, im Jesuitencollegium von Eichstädt 1714 eine Stiftung zu begründen, durch welche die Erhallung eines besondern Missionärs möglich werden sollte, dessen Amt es wäre, auf Verlangen zur Aushilfe in den Pfarreien zu erscheinen oder wirkliche Missionen abzuhalten. Diese Stiftung bildete so zu sagen den Schluß des ersten Jahrhunderts seit der Einführung der Jesuiten in Eichstädt. Der Weihbischof bestieg bei dieser Gelegenheil die Kanzel ihrer Kirche. Die 60,000 Seelen, welche ihre Missionen der Diöcese zurückgebracht, die zwei Millionen, die sie während dieser 100 Jahre zur Beichte gehört, die 367 Konvertiten, denen sie in der Schutzengelkirche allein daö Glaubeus- bekenutniß abgenommen und tausend andere Verdienste ließen den Lobredner in den begeisterten Dank Davids ausbrechen und das „eichstävlische Jerujalem" und „die Sionstochter", das Hochstift nämlich, zum Preise gegen Gott für die Einführung der Societät ausfordern. Die Jesuiten haben eine zweite Säcularfeier in Eichstädt nicht mehr begangen, ohne daß jedoch die Diöcese für die noch übrige Zeit weniger Grund zum Danke gegen sie gehabt hätte. Die Stiftung des Canonicus von Herrieden fing an, dem BiSthume nützlich zn werden, nachdem Papst Jnnocenz XIII. durch eine Bulle vom 25. December 1722 die Abhaltung von Missionen durch die Jesuilen mit dem Segen der kirchlichen Gna- deuschätze begünstigt hatte. Am 4. December 1723 begann der aus Tirol berufene P.' Mich. Baur für Buchsheim und die umliegenden Dörfer Missionen, von denen er nach 10 Tagen mit reicher Ernte zurückkehrte, worauf er sein Amt in den Pfarreien um Eichstädt ausübte, indem er mit Adelsschlag endete; das Jahr darauf dehnte Bischof Franz Ludwig die Erlaubniß zur Abhaltung von Missionen in der Weise, Wie sie damals in Tirol üblich waren, auf die ganze Diöcese auS. Sie begannen 1725 in der Oberpfalz für das Capitel Neumarkt (das jetzt mehrmals schon erneuerte Missionskreuz dieser Stadt, das 1804 vom Marktplatze an die Pfarrkirche versetzt wurde, erinnert daran), und schlössen mit einer Misston in Raitenbnch. In Eichstädt selbst vertraten Erercitien, welche der mananischen Con- gregalion, und andere, die in einer Nonnenklosterkirche für Frauen besonders gegeben wurden, die Stelle von eigentlichen Missionen, v) Jesuiten von Ellwangen hielten " dieselben in Ellingeu und Eschenbach für das Landkapitel Ornbau, und zogen von da nach Heideck und Allersperg. if) Während des Winters 1730 fanden Missionen in 11 Dörfern um Eichstädt statt, darauf zu Monheim und Wemding; im folgenden Jahre bestimmte der Generalvicar Megesheim und die vier angränzenden Pfarreien des Capitels Monheim, zuletzt wieder Raiteubuch zur Abhaltung von Missionen. Beim Anblicke der herrlichen Erfolge konnten die Pfarrhcrrn dieser Gemeinden sich nicht enthalten, ein besonderes Dankschreibcn an den Official des Bischofes zu richten. Noch denkwürdiger wurde für die Missionen das Jahr 1732. Auf Befehl des Bischofes wurden sie im ganzen obern Hochstift abgehalten zu Herrieden, Spalt, Plein- feld, Ornbau, Abenberg, Eschenbach, Gnotzheim, Arberg, Steinbach, Hosen, Oberbach, Mitteleschenbach, Mosbach, Weingarten, Erlbach und Epielberg. -j-j-t) *) l'ei-Zm.iz'i', vils ven. ?. 5eiiiuZen, per kksLlism Nissionsrii p. 26 sqq. "> Lx. äct. Loll. 8. I. Lz-sleU. Nicbcrlcin, Lobpredigt auf das Jubeljahr der Jesuiten m Eichstädt. S. 12, f) llisloria LolleA. 8. 1. Lxstett. -mn. 1725. Nach den Acten der Pfarrei Cschcnbach. 1"j"f) Da nach eingezogenen Erkundigungen m vielen Pfarrregisiraturen keine Nachrichten von 331 Der Missionär blieb an jedem Orte so lange, bis Alle im Beichtstuhle befriedigt waren (er allein hörte 1174 Generalbeichten), meist acht Tage hindurch. Ein neues katholisches Leben erwachte in der ganzen Gegend; viele, die durch den Einfluß der protestantischen Umgebung im Glauben lau geworden, fühlten sich neu gestärkt und zeigten freudigen Muthes überall ihr katholisches Bekenntniß, die Dienstboten verließen ihre dem Glauben nachtheiligen Dienste bei lutherischen Herrschaften, Tänze und nächtliche Zusammenkünfte wurden aufgehoben, öffentlich große Feindschaften, selbst unter ganzen Gemeinden, ausgesöhnt. Ein Fall wird als besonders merkwürdig hervorgehoben. Jemand hatte für das schnöde Geld eines lutherischen Predigers den Glauben abgeschworen und sich sogar bereit finden lassen, dem Prädicanten eine heilige Hostie von der Communion zu bringen. Der, um das Dogma der Katholiken zu prüfen, durchsticht die Hostie — beim Anblick des alsbald erscheinenden BlutcS geräth die unglückliche Person in Verzweiflung, die sie durch Laster aller Art zu ersticken sucht. Die göttliche Erbarmung, von welcher sie den Missionär sprechen hörte, brachte sie als reuige Büßerin zu dessen Füßen zurück. Nicht minder herrlich waren die Missionen von 1733 in Aurach, Rauenzell, Stcinbach, Neustetten, Lellenfeld, AlmannSdorf, Mündling, Flohheim, Kronheim, Weinberg, Veilsaurach, Theilnberg, Elbcrsroth und Großenried, welche wieder in Raitcnbuch schlössen. *) In derselben Weise wie in den letztgenannten beiden Jahren wurden 1742 und 1752 und je das folgende Jahr in den bezeichneten Theilen des Bislhums Missionen abgehalten. Von da bis zur Aufhebung des Jesuitenordens vereinzelt sich die Geschichte der Missionen, und ihre einzige Quelle sind die noch an mehreren Orten stehenden Missionskreuze mit ihren Ablaßtafcln im Zusammenhalte mit der noch im Munde des Volkes lebenden Ueberlieferung. So nennt MegeSheim 1763, Eschcn- bach 1765, Wemding 1767, Kastl 1769; Dietfurr und andere haben selbst nur mehr das Andenken an die zerstörten Missionökreuze erhalten. ^) Auö dem, was bisher erzählt wurde, ist man bereits im Stande, die Form zu erkennen, in welcher die Missionen veranstaltet wurden. Blickt man auf jene zurück, welche die Wiederkehr eines Gebietes zur Kirche beabsichtigten, so liegt die Art und Weise derselben schon in der Natur der Sache ausgesprochen. Man hat den Empfang gelesen, welcher den Missionen an einzelnen Orten zu Theil wurde, ihre ununterbrochene Thätigkeit im christlichen Unterrichte, in Predigten und Christenlehren; eine bestimmte Form hatte nur jener Act, durch welchen die Missionäre die wiederbckehrte Pfarrei dem vom Bischöfe neu aufgestellten Seelsorger übergaben, sobald sie daselbst ihre Mission aufhoben. War die Mission bestimmt, das religiöse Leben einer Gemeinde zu erneuern, so boten sich entweder die Missionäre selbst dem Seelsorger an, wenn sie sür dieß Bisthnm die allgemeine Erlaubniß des Ordinariates erhalten, oder sie wurden besonders hiezu berufen. Im ersten Falle trugen die Missionäre die Kosten ihrer Verpflegung, im andern entweder die Kirche allein, oder die Herrschaft, die Kirche, die Gemeinde und ihr Seelsorger zusammen. Nahte die Zeit der Mission, so wurde sie, im Falle sie für einen größern Bezirk galt, von allen Kanzeln desselben mit der Bulle Jnnoccnz XIII. verkündet, und die Gläubigen zur Theilnahme den gehaltenen Missionen vorhanden sind oder solche noch verborgen liegen, so wolle man diese Aufzählung der einzelnen Orte mit dem Wunsche entschuldigen, hicdurch Veranlassung zu weiteren Nachforschungen oder wenigstens einen kleinen Zug sür die Pfarrgcschichtc zu geben. l1i5tor. Loll. S, >I. IZM, »nn. 1730-33. In Ermanglung anderer Urkunden können für diese Angabe nur einige Aetenstüeke der Pfarrei Escheubach, welche eine weitere Ausdehnung der Missionen im Kapitel Oinbau im I. 1743 und 52 bestätigen, sodann die Inschrift des Missionskrcuzcs in Ammcrbach bei Meinung von 1742 und die Angabe eines im Misstonslrcuzc ;u Hrrricden vcrschlrsscn gewesenen Pcrgameutblattes vom 1ö. Juni 1753 als Belege genannt werden. —) Nach eingesandten Mittheilungen. 3Zs ermuntert; galt sie, wie früher meist der Fall war, für jede einzelne Pfarrei, so hatte die Verkündigung in jeder Pfarrkirche besonders zu geschehen. Daö Uebrige besagt die Erzählung, welche die Hand eines eifrigen Pfarrers bei einer dieser Gelegenheiten niedergeschrieben hat. Als das Herannahen der Missionäre gemeldet wurde, führte der Seelsorger sein Volk in Procession, das Missionskreuz an der Spitze, unter dem Geläute der Glocken denselben entgegen. Woher, ihr Männer, sprach er zu ihnen, und wohin? Ihr seyd Fremdlinge und unbekannt, eure ungewohnte Kleidung, das Kreuz auf eurer Brust, den Rosenkranz in euerm Gürtel, der Stab in euern Händen, waS sollen sie uns deuten? Wie Bethlehems Aclteste den Propheten Samuel, fragen auch wir euch: Ist friedfertig euer Eintritt? (1. Kön. 16, 4.) Ja, ihr antwortet mit den Propheten: Friedfertig ist unsere Ankunft; wir kommen, k>em Herrn Opfer zu bringen, darum heiligt euch und folget uns zum Opfer! Ihr kommt, uns Friede zu bringen mit Gott, mit unS, mit unsern Nächsten. Wohl, dann stehen die Thore dieser Stadt, die Thüren unserer Häuser, die Thüren unseres Herzens euch offen. Ergreift dieses Kreuz, die FriedenSsahne Jesu Christi, traget sie uns vor, um uns zum Tempel deS Friedens zu führen. Den Rosenkranz betend zog man jetzt der Pfarrkirche zu, wo das Allerheiligste ausgesetzt und nach der Anrufung des heiligen Geistes der Segen ertheilt wurde. Der Missionär hielt die Eingangspredigt, womit der erste Tag sich schloß. Am Morgen des andern TageS war die erste Ermahnungsrcde, darauf die Missionsmcsse, welcher die Bußpredigt folgte. Der Nachmittag ward zur Christenlehre und zweiten Predigt verwendet. Erst am dritten Tage begann die Beicht, am vierten die erste und am achten Tage die zweite allgemeine Commnnion. Während der Woche wurde eine Processio» zu einer nahegelegenen Kirche oder Capelle mit feierlichem GotteS- dienste veranstaltet. Den Schluß bildete d e Abschiedsrede des Missionärs vom Volke, in dessen Namen der Pfarrer mit einer Anrede der Dankbarkeit erwiderte, worauf der ambrosianische Lobgesang und der sakramentale Segen die Mission beendete. Es war ein Abschied, sagt der Berichterstatter, wie der Abschied des Apostels von EphesuS (Apostelgesch. 20, 37), als sich ein großes Weinen und Schluchzen erhob, als die Anwesenden dem Paulus um den Hals fielen und ihn küßten und am meisten ihnen daS Wort schwer war, sie würden sein Angesicht nimmer sehen. ES schien, als konnte man von den Missionären sich nicht mehr trennen; aber sie schieden, weil sie gesandt waren, auch andern Städten das Reich GotteS zu verkünden.*) DaS Volk ist bis heute den Jesuiten dankbar für die geistlichen Wohlthaten geblieben, die eö von ihnen erhalten hat, und erinnert sich der Erzählungen seiner Vorältern von „den Bußpredigern" und ihrem heiligen Eifer; oder wenn man in Pfarreien deS BiSthums, die oft wie ein Eiland inmitten einer protestantischen Umgebung sich befinden, betagte Männer fragt, so kann man erfahren, daß ihnen ihre Großältcrn von Missionären geredet und ihnen gesagt haben, wie von diesen der lutherische Glaube vertrieben wurde. Man kann eS dann begreifen, welche Aufregung im Volke damals entstand, als die Nachricht verlautete, der Orden der Jesuiten sey aufgehoben. Nach langen und widrigen Verhandlungen mit Rom entschloß sich endlich Fürstbischof Raimund Anton, die betreffenden Bullen am 14. Mai 1774 den Jesuiten zu publiciren, in einer Proclamation an das Volk aber, von dem man einen Aufstand befürchtete, den Fortbestand des Kollegiums als Wel!priesterhaus zu sichern. Unter den Namen der Jesuiten, welche sich erklärten, im Kollegium verbleiben zu wollen, findet sich P. Wilhelm Hausen als bischöflicher Missionär unterzeichnet. Ein Brief von ihm gibt die Bürgschaft, daß er noch 1773 eine Mission in Eschenbach hielt, deren günstige Erfolge das Pfanbuch daselbst bestätigt. In der Schutzengelkirche von Eichstärt ») Aus den Acten der Stadtpfarrei Eschcnbach, *') Aus einer von hoher Hand gütigst niitgcthelltcn Abschrift der betreffenden geistlichen Raths- protocollc. 333 wird ein liebliches Muttergvttesbild gezeigt, von dem jene, die ihn noch kannten, erzählt haben, daß er desselben sich bei seinen Missionen bediente. So waren die Zesnite» selbst nach ihrer Aufhebung in diesem Bereiche thätig, und 1781 hielten sie eine größere Mission in Lauterhofen. Es ist das die letzte Nachricht, welche uns über die Missionen in der Diöcese bekannt ist, und ihr Name verschwindet unter dem Brausen der Stürme am Anfange unseres Jahrhunderts. WaS seit einem Jahrzehend geschehen, sind nur die Vorboten einer neuen Geschichte der Missionen für die Diöcese Eichstädt gewesen. Am Marienkirchlein deS heiligen Willibald hatten sie begonnen, «ach einem Jahrtausende beim Marienbilde des Pater Hausen geendet; beim Jubelfeste der Marienwallfahrt von Wemding 1843 erweckte Bischof Carl August die ersten Anklänge der Missionen wieder, sie setzten sich fort in den Predigten der Redemptoristen beim einhundert- jährigen Jubiläum deS BiSthums, sie wiederholten sich damals in der Liebsrauen- kirche von Jngolstadt und schlössen erst in diesem Jahre in achttägigen MissionS- prcdigten von Weltgeistlichen in der Marienwallfahrl zu TrautmannShofen. So ist der Name der Jungfrau in den Anfang und das Ende der ältern MissionS- geschichte der Diöcese eingeflochten. Wenn nun jetzt der Eifer und der apostolische Muth des geliebten Bischofes Georg die eigentlichen Missionen wieder inS Daseyn gerufen bat, christlicher Leser, der du mir bisher gefolgt bist, gewähre eine Bitte und bete mit uns für Bischof und Klerus, für Missionäre und Volk, und flehe: Hsneta Uaria, nm pro novis, damit wiederum werden herrlich und glorreich, gesegnet von Gott und von Menschen die Missionen der Diöcese Eichstädt. S. Th. v. A. Apostolisches Schreiben für die Seligsprechung des ehrwürdigen Peter Claver. PiuSlX., Papst. Zum ewigen Gedächtniß. Das Wesen der christlichen Liebe, ihre vorzügliche Gewalt besteht darin, daß sie die Herzen, welche sie entflammt, zur Ehre Gottes und zum geistigen uud körperlichen Wohl deS Nächsten, zu den kühnsten und schwierigsten Unternehmungen drängt, indem sie dieselben mit einer außergewöhnlichen und über die sterbliche Natur hinausgehenden Energie beseelt. Daö hat sich klar herausgestellt durch die Jahrhunderte herab bei allen durch Heiligkeit ausgezeichneten Männern, bei jenen eUen Arbeitern, welche ter himmlische Hauövater nicht aufgehört in seine Ernte zu senden. Vom Feuer der christlichen Liebe ergriffen haben sie so Großes, für alle Schichten der menschlichen Gesellschaft so Herrliches vollbracht, daß die trügerische und eitle Philosophie unserer Zeit, diese Feindin des Kreuzes Christi, cS nicht wagen darf, ohne zu Schanden zu werden, mit diesen Helden einen Vergleich einzugehen oder ähnlicher Werke der Liebe und Barmherzigkeit sich zu rühmen. Unter jenen heldcnmüthigen, mit apostolischem Geiste beseelten Männern aber, welche seit Entdeckung Amerikas unablässig gearbeitet, um die wilden Völkerschaften zu zähmen und für Christus zu gewinnen, und welche daselbst die glänzendsten Spuren der christlichen Liebe zurückgelassen haben, zeichnete sich rühmlich ans der ehrwürdige Diener Gottes Peter Claver, Profeß-Priester der Gesellschaft Jesu. Er wurce geboren zu Verdu in Catalonien, in der Diöcese von Salso na, und trat mit siebzehn Jahren in die Gesellschaft Jesu ei». Nach seinem Noviciat begab er sich nach Majorka, um daselbst die Humaniora und die Philosophie zu studinn. Er traf dort den seligen ") Der Verfasser fühlt sich verpflichtet, den hochwürdigstcn und hochwürdigcu Mitgliedern des Klerus der Diöcese ljichstävt, durch deren frcnndllchc Güte bei der Abfassung dieses Artikels er unterstützt wurde, für die qcwordcncn Mittheilungen den ehrfurchtsvollsten Dank auszusprcchen, "5 334 AlphonS Rodriguez, Coadjutor derselbe» Gesellschaft, und bereitete sich im Umgange mit ihm vor zn seinem schweren Dienste und zu den Arbeite», für weiche ihn Gott bestimmt hatte. Im Jahre 1610 führte ihn der Wille Gottes und der Befehl seiner Obern in das Königreich Neu-Granada, in Austral-Amerika, woselbst er die Priesterweihe empfing und cie theologischen Studien beendete. Schon damals bestand zu Carthagena, auf den Antillen, ein Handelsplatz, auf welchem Kaufleute, die öffentlich den schändlichen Ncgerhanvel trieben, jährlich an eilf- bis zwölstausend arme Sclaven, welche sie meist an den Küsten Afrikas geraubt hatten, wie elend Vieh zum Verkauf zusammentrieben. Der ehrwürdige Peter, von Mitleib gegen die Unglücklichen gerührt, weihte ihnen sein Leben und, durch ein Gelübde an sie gefesselt, war er während 4t) Jahren, durch unüberwindlichen Muth ausrecht gehalten, in Mitte unerhörter Schwierigkeiten und Entbehrungen, unablässig beschäftigt, «sie zu unterrichten und zu taufen. Solcherweise, allein mit seiner Liebe, gewann er für Christus und für die Kirche eine so große Menge Schwarzer, daß man ihre Zahl auf mehrere hunderttausend anschlägt. Er beschränkte aber seine Sorgfalt nicht daraus, daß er Seelen der wahren Religion zuführte; er beschäftigte sich auch mit den leiblichen Bedürfnissen. Wie hätte auch seine Frömmigkeit es sich versagen können, mit seiner Fürsorge diese unglücklichen Geschöpfe zu umfangen, welche dem gräßlichsten Elend preisgegeben waren? Bei der Nachricht von jeder Landung eilte er herbei, schloß in seine Arme diese vor Kurzem noch freien, jetzt durch Gewaltthat zur grausamsten Knechtschaft verurtheillen Menschen; er gewährte ihnen, wie er es nur immer vermochte, die nothwendigsten Bedürfnisse. Den Nackten gab er Kleidung, den Hungernden Nahrung, den Kranken Arznei, und befanden sich unter diesen letztern Pestkranke, so waren diese der besondere Gegenstand seiner zärtlichen Sorgfalt, ohne daß er dabei an sich gedacht hätte. Je mehr er bei solchen Geschwüren und Unsauberkciten mit Ekel gequält wurde, um so mehr vervielfältigte er, siegreich über sich selbst, diese Liebesdienste. Und als ob diese Arbeiten, welche er unermüdlich den Negern zuwendete, noch zu gering wären, widmete er sich außerdem den Einwohnern von Carthagena und Durchreisenden; er suchte die Lasterhaften zur Ehrbarkeit und Mäßigkeit zurückzuführen, die Irrgläubigen zum wahren Glauben zu bringen, 'und die vom mahomedanischen Aberglauben Umstrickten der christlichen Freiheit theilhaft zu machen. Wenn er diesen mühevollen Arbeiten bis spät in die Nacht obgelegen, so gönnte er nur den kleinsten Theil derselben der Ruhe, und verharrte lange im Gebet zu Gott, in Verehrung und Anrufung der heiligen Jungfrau und Gottesmutter und der Heiligen. So sehr durchglühte ihn die göttliche Liebe, daß es schien, als ob er bei all' seinem Thun in Gott verzückt sey. Während er gegen die andern Menschen, besonders gegen rohe, sanft unv milo, war er gegen sich selbst hart und rauh und fügte zu den so vielen Anstrengungen und Nachtwachen fortwährend Abtövtungen, wie er denn überhaupt von Jugend aus gewöhnt war, den Körper durch die strengste Lebensweise in Botmäßigkeit zu halten. Nach so vielem Tugendverdienst, und besonders reich an großen Werken der Liebe, starb der ehrwürdige Diener GottcS zu Carthagena heilig, wie er heilig gelebt, den 10. September 1654. Der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich weit unv vie Sache ward vor Unsere ehrwürdigen Brüder, die Cardiuäle der heiligen römischen Kirche von der ^angröMtio vituum, gebracht und, nachdem die Untersuchung wegen seiner Tugenden mit Sorgfalt geführt worden, erklärte Benedict XVI., unser Vorfahrer, glorreichen Andenkens, nachdem er inbrünstig zu Gott gebetet, durch ein Decret vom 24. September 1747, daß diese Tugenden heroische seyen. Nachdem sodann vor Uns, die Wir, ungeachtet Unserer Unwürvigkeit, zur Regierung der Kirche berufen worden, zwei Wunder, weiche der Fürbitte des ehrwürdigen Peter zugeeignet wurden, bewiesen worden, haben Wir deren Wahrheit durch ein Decret vom 27. August 1343 bestätiget. Endlich haben verflossenen Mai die um Uns versammelten Cardinäle, nach Anhörung der Consultoren, einmüthig sich dahin ausgesprochen, daß Wir, sofern eö Uns gut dünke, den genannten Diener Gottes in die Zahl 335 der Seligen versetzen könnten, bis daß endlich seine feierliche Ccinoniscition gefeiert wurde. Deßhalb, auf die Bitte der ganzen Gesellschaft Jesu, auf den Rath und die Beistimmung der genannten Cardinalcongregation, aus Unserer apostolischen Vollmacht und durch gegenwärtiges Schreiben gestatten Wir, daß der Diener Gottes, Peler Claver, Profeß-Priester der Gesellschaft Jesu, fortan mit dem Prädicat „der Selige" genannt werde; daß sein Körper und seine Reliquien zur ösfenilichen Verehrung ausgesetzt werden. l^Nun folgen die Ritualbestimmungen.) Gegeben zu Rom bei St. Peter, unter dem Fischerringe, den 16. Juli 1350, im fünften Unseres Pontificats. A. Cardinal LambruSchini. 5 mÄtstmsü. Mnsm'll» HM' nv ° «NAUM ^»ÄlMsB.^!»'.IWjn ^WzLnMtM ^»5L Rom. Rom. Am 3. September versammelten sich in einem neu gebauten prachtvollen und zu großer Festlichkeit geschmückten Saale des römischen CollegiumS Studenten, Collegien, Zuhörer und Zuschauer in Menge. Auf einem erhabenen Sitze nahm der Pater-General der Jesuiten seinen Platz, ihm zur Seite die Assistenten, neben diesen die Professoren beider Collegien, deS römischen und deS deutschen. Gegenüber saßen aus vergoldeten Sitzen fünf Zöglinge, die mit der Doctorwürde beehrt werben sollten, unter diesen der neunzehnjährige Hugo Adalbert Hurte r, jüngster Sohn deS Herrn HofrathS Hurtcr. Er hatte nach dreijährigem Curö der Philosophie am 1l. Juli in einem zweistündigen Eramen etwa 21 Der wichtigsten Thesen aus der Moralphilosophie unv aus der Geschichte der Philosophie, unter Beleuchtung der Hauptirrthümer eines Loke, Malebranche und Spinoza u. a. verfochten; hierauf in Mathematik, Physik, physicalischer Chemie und Astronomie ein Eramen bestanden, nach dessen Beenvigung die fünf Eraminatoren eine eidliche Erklärung abgaben: er sey würdig, den DoctorSgrad zu erhalten Am oben erwähnten Tag hatten alle Doctoranden eine kleine Disputation zu halten, sodann daS Glau- beuSbckenntniß abzulegen, um mit dem Doctorbiret und vem Ring geschmückt zu werden. Hugo Hurter, obgleich unter allen weitaus der jüngste, wurde noch die besondere Auszeichnung zu Theil, die lateinische Anrede an die Anwesenden halten zu dürfen. Die Bedeutung der Philosophie war deren Thema, der Anfang besonders schön, ergreifend das Ende, wo er sich glücklich preist, von dieser Stelle den Vätern der Gesellschaft Jesu Dank sagen zn können für die viele Sorgfalt, die sie auf seine geistige Ausbildung verwendet, und die Gnade Gottes hervorhebt, die ihn zu seiner Erziehung nach Rom in dieses Kollegium geführt habe. Im Hinblick auf seinen Vater, der am St. Aloistag deS Jahres 1844 in der Kirche deS römischen CollegiumS die heilige Firmung und, gleichsam an der Spitze der gesammten studirenden Jugend RomS, die heilige Communion empfing, sprach er die Worte: voo in »e- cnotis rsuzi'iZiri, czucili suas gratmv voosz optimi psrsnlis mei iwres resersrit, ^uocl Loslssti novociuu lues ejus menti kmimoqus aöulstzrit, ut, in noo ipso Lollvgio liomuny sumn nomen in SÄtutildrss Latlioliooruin Loelo gtisoriossrit. AlS Hugo mit vielem Feuer, Lebendigkeit und Gefühl diese Worte sprach unv bald darauf die Rede schloß, beurkundete der Applaus der zahlreichen Versammlung den günstigen Eindruck, den dieselbe hervorgerufen hatte. — Ais der neucreirte Doctor nach Hause kam, fand er in seinem Zimmer ein schön geschmücktes Tischchen mit brennenden Kerzen, auf welchem Geschenke, Gedichte und glückwünschende Zuschriften lagen, an mündlichen Glückwünschen fehlte es eben so wenig. Da nach einer solchen Festlichkeit der beehrte Zögling die Obern des HauseS und die Professoren umarmen mnß, drückten diese dabei ihre Freude über den glücklichen Erfolg seiner Studien aus. Am Abend war ein kleines Fest veranstaltet, welches die Alnmnen durch ihren Gesang verherrlichten. — Er selbst drückt sich in einem Brief an seinen Vater über diese nicht geahnete Beehrung so aus: „Habe ich Fortschritte in meinen Studien und in wissen- . schastlicher Beziehung irgend einen Gewinn gemacht, so muß ich dieses, nächst Gott, ^ 336 besonders meinen lieben Professoren, den P. P, Solimani, della Rovere, Boco- biancha, Provenziali, Pecci und Socci, und unserm ausgezeichneten, ehemals Alumnen, jetzigen P. Schrader verdanken; denn nichts haben sie unterlassen, um mich zu belehren. Der Zutritt zu ihnen stand und steht mir jederzeit offen, und waS ich in wissenschaftlicher Beziehung nur wünschen mag, das gewähren sie mir." (W. K.-Z.) _^ ' ' ' ' ' ll!>A) -.tls^N l^-z/s'-b Franzöfische Nonnen in Gaboon, ander afrikanischen Küste in Oberguinea. Den Missionären, erzählt ein Reisender in einem an das „Univerö" gerichteten Schreiben, die das so schwere Werk der Verbreitung deS Christenthums im Königreich Gaboon treiben und fördern, sind französische Nonnen aus dem Kloster la Uisöricvräö clv csstres zur Hilfe und zum Beistände gekommen. Bei ihrer Ankunft daselbst wurden sie jedoch von der Bevölkerung mit einem Grade von Achtung und Zuvorkommenheit empfangen, den sie nicht im entferntesten zu ahnen vermocht hatten. Eine kurze Schiloerung der daselbst herrschenden Sitten wirb einen klarern Begriff von-der Lebensstellung der frommen Nonnen gewähren. Die Häuptlinge haben außer ihrer gesetzmüßigen Frau noch eine große Anzahl Concubinen. Die legilime Gattin stammt gewöhnlich von einer Familie auS der vornehmen Welt, wie sie sich ausdrücken, her; der Vater anerkennt nur die von dieser in die Welt gesetzten Kinder; sie ist eS, welche den Oberbefehl über die andern Frauen führt, die zur Bearbeitung der Felder verwendet werden. Da diese kleinen Sultane nicht reich genug sind, um einen Harem zu halten und ihn von Eunuchen bewachen zu lassen, so pflegen sie hinsichtlich der häufigen Verklungen ihrer Weiber ein Auge zuzudrücken. Keuschheit und Monogamie sind für sie gänzlich unfaßbare Begriffe. Die Schwierigkeit, ihnen Geschmack an einer geregelten Lebensweise einzuflößen, stellt sich als das größte Hinderniß ihrer Bekehrung zum Christenthum entgegen, das sie nichts desto weniger lieben und verehren. Als ein merkwürdiger Umstand muß ihre Ansicht hervorgehoben werden, daß nämlich nur die Weißen zu beten verstünden, daß diesen allein die Mittel bekannt wären, daS höchste Wesen günstig für sich zu stimmen und ihre Bitten bis zu ihm gelangen zu lassen; daß sie aber, als Stiefkinder der Schöpfung, Opfer und Spielzeuge bösartiger Gottheiten wären, die durch Gebet und Thränen nicht erweicht werden könnten; daß diese Gottheiten aber auch von ihren Anhängern nicht jene Strenge und Reinheit der Sitten heischten, welche der Gott der Christen von seinen Anbetern fordere. Wenn Unglücksfälle über sie hereinbrechen und Krankheiten ihre Familien heimsuchen, so schleppen sie, obwohl sie von Natur auS sonst eben nicht grausam sind, einen Sklaven an einen abgelegenen Ort, töbten ihn unier mysteriösen Ceremonien und furchtbaren Martern, lassen den Leichnam unbegraben liegen und glauben so die feindlichen Gottheiten versöhnen zu können. Sie vermögen eS nicht zn fassen, daß ein schwaches, ihrer Ansicht nach jeder moralischen Energie ermangelndes Geschlecht Pflichten üben könne, die ihnen erdrückend erscheinen, daß eS sich zu einer Tugcndhöhe zu erheben vermöge, die sie für unzugänglich halten. Wenn man ihnen daher früher von Nonnen erzählte, welche, angeregt durch die inbrünstige Liebe zu ihrem Gott, einzig und allein unter die ausschließliche Obhut ihrer Tugend gestellt, ein keusches Leben führten, ohne von Jemandem überwacht zu werden, so betrachteten sie eine solche Mittheilung als Fabel; als eS ihnen aber in ihrem eigenen Lande, wo die luftig gebauten Behausungen jedem Blicke von Außen fast ungehinderten Zugang gestatten, ein Leichtes wurde, sich von der Wahrheil der seit lange gemachten Mittheilung zu überzeugen, da konnten sie sich deS Gefühles der Bewunderung nicht erwehren. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VcrlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. Eilster Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 26. October M ^lS. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementsvreta 4V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluogcn bezogen werde» kaun. Gin Wort über das Verhältniß der Erziehung in der Schule zu der häuslichen. * Man war, wie ein alter und wohlerfahrener Pädagog sagt, von jeher ganz reckt daran, wenn man den Schüler mit einem jungen Stamme verglich; beide nämlich treffen sich in mehrfacher Beziehung: der junge Stamm läßt wegen der Zartheit seiner Bestandtheile eine leichte vielfache Gestaltung und Richtung zu, waS an einem erstarkten und groß gezogenen vergebens, oder wenigst nur mit großer Mühe versucht wird. So der Schüler. Seine Seele nimmt auS dem Grunde ihrer Weichheit lieber die Eindrücke des bildenden Erziehers auf als die deö Erwachsenen, di-' schon gewissermaßen in eine bleibende Form gebracht ist. Der junge Stamm bedarf sorgfältiger Pflege, wenn er in seinem Wachsthum? gedeihen und gegen schädliche Einwirkungen gesichert seyn soll: auch der Zögling muß unter wachsame Hut gestellt werden, wenn sein Geist gesuud und gut heranreifen, sein Herz durch keine feindliche Nähe gesäbrdet werden soll. Der junge Stamm, den man der Früchte wegen pflanzt, wird die Erwartung des Pflanzers erst dann erfüllen, wenn er durch ein Pfropfreis edlerer Art verbessert, und der Schüler der Hoffnung seines Vaters und seiner Mutter, des Vaterlandes und der Kirche erst dann entsprechen, wenn seine Natur, die, sich selbst überlassen, verwildern würde, durch wahre christliche Bildung und Unterricht veredelt ist. Wie eS aber thöricht wäre, den Stamm veredeln wollen, ohne die Bedingungen zu achten, unter welchen Veredlung mvg!ich ist, eben so wäre eS thöricht, Veredlung, gute Gesittung dem Schüler zumulhen, ohne sich in die Forderungen zu sügen, die zu dem Ende unerläßlich sind; denn thörich. 'f eS, den Zweck wollen, ohne die Mittel zum Zwecke zu gebrauchen. Wenn die Anwendung deS eben Gesagten auf den Elementarschüler gemacht wird, ergibt sich von selbst, daß Erziehung und'Unter richt die beabfichtete Veredlung, die gute Gesittung und Bildung, gewissenhafte Ueberwachung aber die Pflege ist, welche diese Veredlung, gute Gesittung und Bildung vollenden soll. Wenn der junge Stamm, wie bereits gesagt, wegen der Zartheit seiner Bestandtheile eine leichte und vielfache Richtung zuläßt, was an einem erstarkten und großgezogenen vergebens oder nur mit großer Mühe versucht wird: so nimmt die Seele des Kindes ans dem Grunde ihrer Weichheit lieber die Eindrücke deS bildenden Erziehers auf, als die des Erwachsenen, die schon gewissermaßen in eine bleibende Form gebracht ist. Demnach liegt eS also in dem Berufe der häuslichen Erziehung deS gotteS- fürchtigen Vaters und der frommen Mutter, die erste Hand der Erziehung an den noch jungen und weichen Stamm, an ihr zartes Kind anzulegen, demselben, so zu 338 sagen, mit der Muttermilch die Furcht des Herrn, Gottesfurcht, sonach den ersten Keim der Weisheit einzuflößen: denn die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Ps. 110, 1t>. Trefflich sagt der unsterbliche Sailer in seiner ErziehungSlehre von der Mutter, sie — die gottesfürchtige Mutter — ist dem Kinde bald Sokrates, indem sie es Begriffe suchen, finden läßt; bald Johannes, indem sie eS zu Christus weiset; bald Maria, indem sie ihm vom Vater im Himmel erzählet; bald Hanna, indem sie den jungen Samiel beten und den Ruf GottcS verstehen lehret. Die gute Mutter hat zwei Organe, durch die sie daS Kind für das Gute erziehet; sie heißen Liebe und Religion. Als liebend ist sie dem Kinde das Bild der Tugend; als Gott verehrend wecket sie in dem Kinde den Keim der Religion. Und da Religion und Liebe dem Wesen nach Eines sind, so pfleget sie durch die Liebe die Keime der Religion, und durch Religion die Keime der Tugend. Soll indeß die erste Erziehung an' dem zarten Stamme gedeihen, so darf der Vater nicht niederreißen, was die gottesfürchtige Mutter aufbauet; er muß vielmehr durch Wort und Beispiel auf die Erziehung des KindeS fördernd einwirken, oder beide Theile, Vater und Mutter müssen in der Gottesfurcht überhaupt, und in der Liebe gegen die Kinder besonders, so wie in unverrückter Treue gegeneinander, Harmoniren, Eines seyn. Sonst ist die religiös-sittliche Erziehung, Erziehung im eigentlichen Sinne deS Wortes, unmöglich. Treue im Respecte gegen Gott und ihr Gewissen soll sie als Menschen, Treue in Liebe gegeneinander soll sie als Gatten, Treue in Selbstaufopferung für Kinder soll sie als Eltern auszeichnen. Diese Treue ist daS große Drei-Eins, in dem die Eltern Eins seyn müssen, wenn sie erziehen, und ihr großes Tagewerk, daS der Erziehung, gelingen soll. Wie der junge Stamm sorgfältiger Pflege bedarf, wenn er in seinem Wachsthums gedeihen und gegen schädliche Einwirkungen gesichert seyn soll: so muß daS Kind, der Schuler unter wachsame Hut gestellt werden, wenn sein Geist gesund heranreifen, sein Herz durch keine feindliche Nähe gefährdet, sondern wahrhaft erzo, gen, unterrichtet, gebildet, Gott und Menschen wohlgefällig werden soll. Das Kind wird der Schule, den Lehrern und Lehrerinnen zur weitern Erziehung und in Unterricht gegeben: eS wird Schüler. Mit sichtlicher Freude führt das noch schwache Kind die Mutterhand in die Schule: denn sie weiß, daß es in dem freundlichen Lehrer einen andern Vater, und in der entgegenkommenden Lehrerin eine zweite Mutter erhalte, die dem Kinde das weitere Wachsthum in der ersten Erziehung verschaffen, eS gegen alle schädlichen Einflüsse sichern. Und wahrhaftig, die guten, um daS Wohl ihrer Kinder so sehr besorgten Eltern irren sich nicht. Mit aller Liebe und Freundlichkeit nehmen gleich höhern Genien die Lehrer und Erzieher, die Lehrerinnen und Erzieherinnen sich der lieben Kleinen an, und beginnen so die große Lebensbildung und die so wichtige Veredlung an dem jungen zarten Stamme durch Erziehung und Unterricht, und führen dieselbe natur- und vernunftgemäß, einsprechend den Grundsätzen ener wahren Pädagogik von Stufe zu Stufe, angemessen den allmälig auftauchenden Geistes- und den sich allmälig entwickelnden Leibeskräften. Doch, wie der junge Stamm, den man der Früchte wegen pflanzt, die Erwartung des Pflanzers erst dann erfüllt, wenn er durch ein Pfropfreis edlerer Art verbessert ist: so wird der Schüler, der Zögling deS Reiches Gottes, den Hoffnungen seiner Eltern und den gerechten Erwartungen des Vaterlandes erst dann entsprechen, wenn seine Natur, die, sich selbst überlassen, verwildert, durch daS Pfropfreis der Religion Jesu Christi und durch seine Gnade veredelt ist. Darum theilt sich mit in das hochwichtige Geschäft der Erziehung und des Unterrichtes der Schule die Kirche, behauptet ihren ersten Antheil, indem sie als Stellvertreterin deS göttlichen Meisters ruft: „Lasset die Kleinen zu mir kommen: wehret denselben nicht: denn ihrer ist daö Himmelreich." Matth. 19, 16. Hand an Hand gehend ist Kirche und Schule während einer Periode von bereits zwölf Jahren bemüht, in den ihnen anvertrauten Kindern die mit der Muttermilch eingesogene Furcht Gotteö zu erhalten und zu bestärken; ihnen wahre Erkenntniß GotteS 339 und seines SohneS Jesu Christi beizubringen, in ihnen Abscheu gegen alles Böse, gegen die Sünde zu erwecken; sie mit der Würde als Kinder Gottes bekannt zu machen, sie hinzuweisen auf die hehre Erbschaft, die ihnen als Kindern GotteS jenseits harre. Wenn die häusliche Erziehung während der Zeitläufte der Schule daS Kind nicht außer Acht läßt, seine geistigen und körperlichen Kräfte in Angriff nimmt, sie, wenn auch nur im geringern Maaße, zur Gewinnung deS täglichen Brodes verwendet, sie von frühester Jugend an Fleiß und Sparsamkeit gewöhnt, sie allen unnützen Aufwand verschmähen, alles verschwenderische Wesen verachten lehrt, allen Egoismus, alle Arroganz, alle Brutalität in dem Candidaten für daS kirchliche und bürgerliche Leben verbannt: so kommt dieser häuslichen Erziehung die Kirche und Schule freundlich entgegen, dieselbe kräftigst unterstützend, indem beide die ihnen anvertrauten Kinder in den nothwendigen und gemeinnützigen Gegenständen deS LebenS, als im Lesen, Schreiben, Rechnen, in der Geographie, Naturkunde, Oeconomie und Geschichte unterrichten; weisen ihnen in schönen Beispielen auS dem Leben oder auS der Geschichte nach, zu welchem Glücke und Segen Arbeitsliebe, Fleiß und Sparsamkeit, praktische Kenntnisse und kluge Verwendung der Zeit führen; wie unglücklich aber Mangel an Lebenskenntniffen, Arbeitsscheue, Genußsucht, eitler Aufwand, Verschwendung und Unmäßigkeit machen. Endlich suchen beide in ihren Zöglingen alles rohe Wesen zu verbannen, hingegen feine Sitte und Urbanität zu förvern; gegenseitiges Wohlwollen, Verträglichkeit und Friedfertigkeit zu wecken und zu erhalten, nach dem christlichen Principe: „AlleS, waS du nicht willst, daß man dir thue, thue auch einem Andern nicht: und Alles, was du willst, daß man dir thue, thue auch einem Andern!" Aus dem bisher Gesagten ergibt sich nun ganz klar, daß daS Verhältniß, in welchem die Erziehung der Schule zu der häuslichen steht, ein sehr inniges, in Liebe thätiges, auf die Realisirung eines und desselben Zweckes gerichtetes sey. In welcher Familie, in welchem Hause, in welcher Gemeinde dieses innige, in Liebe thätige Verhältniß richtig aufgefaßt und mit vereinter Kraft auf die Realisirung des Einen hohen Endzweckes hinangestrebt wird, da muß daS große Werk gelingen: es werden aus diesem Dualismus von Kräften brauchbare Menschen, edle Bürger, würdige Glieder der Kirche und künftige Erben des Himmels hervorgehen. Wo sich aber dieser Dualismus von Kräften feindlich einander gegenübersteht, da erscheinen wohl verzogene, aber keine erzogene Menschen, Geißeln für die Gemeinden, aber keine gute Familienväter und Mütter, Scheusale der Menschheit, aber keine Bürger deS Reiches Gottes. Soll demnach das Werk der Erziehung und deS Unterrichtes in einer Gemeinde gelingen und von scgenreichen Folgen seyn: so muß zwischen der häuslichen und der Schulerziehung der schönste Einklang, die freundlichste Concordia seyn. Und diese Concordia soll sich zwischen Eltern, Lehrern und Seelsorgern, zwischen diesen drei Potenzen dadurch bethätigen, daß die Eltern die erste Hand an das große Tagewerk der Erziehung ihrer Kinder legen, sie in der Furcht deS Herrn unterrichten, ihre Geisteskräfte frühe wecken, dem Erwachen des Bösen frühe genug und energisch entgegentreten; hingegen die Keime deS Guten nähren und durch ihr Wort und Beispiel bestmöglich fördern. Treten dann die Kinder in das zweite Stadium der Erziehung ein, treten sie von dem heimatlichen Herde in die öffentliche Schule: so erkennen in den öffentlichen Lehrern und Erziehern, in den Lehrerinnen und Erzieherinnen, in den Seelsorgern die Eltern die sichtbaren Schntzgeister ihrer Kinder, die da im Auftrage GotteS, im Namen der Kirche, im Interesse der Gemeinden und deS ganzen Vaterlandes dieselben aus den Händen der Eltern empfangen, um zu vollenden, waS diese bereits angefangen haben. Nie stellen sich die Eltern jenen feindselig gegenüber, die da den Beruf haben, mit den Eltern vereint ihre Kinder zu erziehen und zu unterrichten. Beherziget wohl, liebe Eltern, daß in dem Grade, in welchem ihr daS Ansehen deS öffentlichen LchrerS und Erziehers, deS Seelsorgers durch Schmähen oder Lästern untergrabet, ihr den eigenen Boden, auf dem ihr stehet, unterwühlet, 340 und dabei die Realisirung, die Lösung der wichtigsten Aufgabe, die der Erziehung vereitelt, was früher oder später an euern armen Kindern, die euer Herzblut sind, schrecklich und noch schrecklicher an euch selbst sich rächen dürfte! Wir aber, die wir die Aufgabe der öffentlichen Erziehung und deS öffentlichen Unterrichtes zu lösen und zu leiten haben, wollen die Worte deS berühmten Thomas MoruS, die er an GonelluS, den Miterzieher seiner Kinder richtete, als allgemeine ErziehungSnorm gesprochen, wie auS dem Munde jeglichen VaterS und jeglicher Mutter unserer Kinder hinnehmen! „Meine Kinder sollen sich nie versteigen auf die steilen Höhen der Eitelkeit und deS Stolzes, sondern im niedern Pfade der Demuth und Sittsamkeit ruhig wandeln lernen; sollen bei dem Anblicke deS Goldes nie in Erstaunen gerathen, nie darüber seufzen, daß ihnen Dinge mangeln, die man nur aus Irrthum an Andern hochachten kann, sollen sich nie für höher achten, wenn ihnen äußerliche Zierde gegeben, nie für geringer, wenn sie ihnen genommen wird; sollen zwar die Gestalt, die ihnen die Natur gegeben, nicht durch Unreinlichkeit zerstören, aber auch nicht durch niedere Künste erheben wollen; sollen unter allen Dingen der Tugend die erste, und den wahren ausgebreiteten Kenntnissen, die man Wissenschaft nennt, die zweite Stelle einräumen; sollen selbst unter Wissenschaft und Wissenschaft unterscheiden, und jene oben ansetzen, die sie lehrt, fromm gegen Gott, liebevoll gegen alle Menschen, und für sich sittsam und christlich demüthig seyn." I. M. R. Ein Märtyrer in China. DaS „UniverS" bringt mehrere Details über die grausame Hinrichtung eines 29jährigen Missionärs, deS Abb6 Schöffler aus Mittelbronn, der in Son-Tay, in Cochinchina, am i. Mai geköpft wurde, nachdem er, vier Jahre hindurch bei der Mission zu Tonkin verwendet, den furchtbarsten Gefahren, Beschwerden und Müh, seligkeiten Trotz geboten hatte und auch von der Pest ergriffen worden war, der er sich rücksichtslos aussetzte, um den von dieser Seuche Ergriffenen die religiösen Tröstungen zu bringen. Kurz vor seinem tragischen Ende war er mit acht eingebornen Priestern in den nordwestlichen Theil deS Königreiches, in einen unermeßlichen Distrikt entsendet worden, um den zerstreut dort lebenden 15,000 Heiden das Wort Gottes zu bringen. Gleich nach seiner Ankunft daselbst wurde er den Mandarinen verrathen, die ihm eifrigst nachspüren und ihn endlich ergreifen ließen. Man schleppte ihn durch ganz Tonkin bis zur Hauptstadt des Landes, wo er zum Tode verurtheilt wurde, den er, wie gesagt, am l. Mai 'rl'tt. Zwei Regimenter Trabanten mußten auf den Befehl deö GroßmandarinS an diesem Tage ausrücken; Pferde und Elephanten wurden in Bereitschaft gehalten. Man befürchtete nämlich einen Versuch von Seite der christlichen Bevölkerung, ihren Missionär gewaltsam in Freiheit zu setzen, und schüchterte dieselbe durch die erwähnten militärischen Maaßregeln ein. Während viele Bewohner der S'adt auS allen Classen und Ständen tief betrübt waren, strahlte das Angesicht Schöfflerö in hoher Freudigkeit. Die Erecution wurde außerhalb der Stadt vorgenommen. Vor dem Märtyrer trug ein Soldat eine Standarte mit nachstehender Inschrift: „Trotz deS strengen, gegen die Religion Jesu erlassenen Verbotes hat Herr Augustin, europäischer Priester, eS gewagt, heimlich Hieher zu kommen, um diese Religion zu.lebren und daS Volk zu verführen. Nach seiner Verhaftung hat er Alles wahrheitsgemäß eingestanden. Sein Verbrechen ist erwiesen. Der Kopf deS Herrn Augustin soll daher abgeschlagen und in den Fluß geworfen werden. Im vierten Jahre der Regierung Tu-DiuS, am ersten Tage deS dritten Mondeö." Schössier zur Seite zogen acht Soldaten mit gezückten Schwertern. An der Spitze deö Zuges marschirten hundert mit Flinten und Lanzen bewaffnete Krieger; in 341 der Nachhut befanden sich zwei Elephanten. Der Märtyrer trug seine Ketten mit Leichtigkeit, betete unaufhörlich und ging leichten und schnellen Schrittes seinem Triumphe entgegen. Der Zudrang der Menge war überaus groß; die überwiegende Mehrzahl der Heiden war von Bewunderung ergriffen; eS fehlte jedoch auch nicht an solchen, die Lästerungen auSstießen und den Blutzeugen verhöhnten. Als man an dem verhängnißvollen Orte angelangt war, kniete der Märtyrer nieder, betete noch einmal inbrünstig, warf sein Oberkleid ab und entblößte den Hals, indem er den Hemckragen zurücklegte. Den Nachrichter, der ihm die Hände auf den Rücken band, bat er, sich zu beeilen. „Nein, nein," rief der commandirende Mandarin, „warte du auf das Zeichen, daS mit der Cymbcl gegeben wird, und führe den Streich erst beim dritten Schalle derselben." DaS Signal wurde gegeben. Die Hand des Nachrichters zitterte. Dreimal mußte er den Hieb führen, und dann erst das Haupt vom Rumpfe mit dem Messer lostrennen. In Cochinchina herrscht die Sitte, daß daS Volk, welches einer Erecution beiwohnt, nach der Beendigung derselben schleunigst nach allen Richtungen auseinander flieht. Dießmal fand das Gegentheil statt. Obwohl die Mehrzahl der Anwesenden aus Heiden bestand, da in Son-Tay nicht viele Christen leben, so drängten sich doch Alle eifrigst, um einige Tropfen deS verspritzten BluteS zu sammeln, einiger Fragmente von den Kleidungsstücken deö enthaupteten Dieners Christi habhaft zu werden. Ein untergeordneter Mandarin, ein Heide, hatte vor der Hinrichtung ein weißes Seidenkleid und ein Stück weißer Leinwand zu den Füßen SchöfflerS geworfen, um dessen Blut aufzufangen. Der Märtyrer, glaubend, daß ein Christ ihm diese Gegenstände zugeworfen habe, nahm sie auf, rollte sie zusammen und legte sie an seine Brust. AIS der commandirende Mandarin hievon in Kenntniß gesetzt wurde, ließ er seinen Unterbeamten prügeln, was diesen jedoch nicht verhinderte, sich ganz glücklich mit den kostbaren Reliquien zu entfernen. Die Christen durften den Leib des Herrn Schöffler mit sich fortnehmen; sein in den Fluß geworfenes Haupt ist bis jetzt noch nicht aufgefunden worden. Der Melchiorfonb. Unter diesem Namen finden wir eine Stiftung im österreichisch-breSlauer BiS- thumSantheil, durch welche der materiellen Noth der Cooperatoren daselbst abgeholfen werden soll. Dieser Fond ist betitelt nach seinem Stifter, dem hochwürdigsten Cardinalpriester und Fürstbischof von BrcSlau, Melchior v. Diepenbrok. Hochderselbe hat den österreichischen BiSthumSaiuheil im Jahre 1346 visitirt und in allen Decana- ten daS heil. Sacrament der Firmung gespendet. Mit dem ihm eigenen Scharfblicke durchblickte er alle Mängel und Gebrechen des Antheils, unier welchen ihm die schlechte materielle Lage der Cooperatoren nicht entging; weil da, besonders bei den allgestifteren Pfarren, nur 40 bis 60 fl. C.-M. der gewöhnliche JahreSgehalt beträgt. Dieser Gehalt ist wohl in andern Diöcesen nicht viel größer, aber eS gibt wenigstens Stipendien und die kleine Stola, welche den Cooperatoren in andern Ländern daS Leben erträglich machen. In österreichisch Schlesien, wo die Mehrzahl der Stationen paritätisch ist, sind diese Nebengaben stets unbedeutend oder außer Gebrauch gewesen. Anfangs bestand dieser Fond aus 10.000 fl. C.-M. in 4 procentigen StaatSobligatio- nen, wovon die Zinsen zu gleichen Theilen in daS teschner und neisser Commissariat an jene bei altgestifteten Pfarreien angestellten Cooperatoren vertheilt werden follten, welche einen geringen Gehalt beziehen und sich zugleich durch einen moralischen Charakter auszeichnen. Später gelangten Se. Eminenz zu der richtigeren Ueberzeugung, daß in Schlesien beinahe alle Cooperatoren zwar karg aber gleich gestellt find, und daß oft die auS dem ReligionSfonde dotirten, im Gebirge oder auf partätischen Stationen arbeitenden HilfSpriester einem fühlbaren Mangel in materieller Beziehung ausgesetzt sind, weil die geringere Besoldung auf den altgestifteten Pfarren theils in 342 althergebrachter Gewohnheit, theils in der Habsucht oder in alten Inventarien ihren Grund hat. Diese Umstände, mit dem Sr. Eminenz eigenen Scharsblicke zusammen gehalten, bewogen Hochvenselben, im vorigen Jahre diese Stiftung auf 23,000 fl, zu erhöhen und alle Covperatoren ohne Unterschied der Station zu betheilcn. Im Monate September d. I. überraschte uns eine Currende deS hochwürdigsten Generalvicciriats, worin angezeigt wird, daß der Melchiorfond bis zu der bedeutenden Höhe von 30,000 fl. angelegt sey. ES entfallen also 1200 fl. C.-M. Interessen. Da in diesem BislhumS- antheile beiläufig 60 Cooperatoren angestellt sind, wovon 30 auS dieser Stiftung belheilt werden, so entfällt für jeden der namhafte jährliche Betrag von 40 fl. C.-M., also beinahe so viel, als oft der Cooperatorsgehalt beträgt. Jeder kann sich vorstellen, wie groß die Zuneigung, wie innig die Liebe dieses jungen KleruS zu seinem Oberhirten sey; zu schwach ist zugleich jede Feder, um die Gefühle dieser jungen Priester zu beschreiben, welche in aller Herzen walten. Alle bestreben sich, den Anforderungen der Zeit zu genügen, ein wissenschaftliches Streben ist besonders bemerkbar. Wenn man bedenkt, welche Opfer der Herr Cardinal bisher gebracht, welche enorme Summe derselbe jährlich an verschämte Hausarme, wohlthätige Institute spendet, wird man zugeben, daß Hochderselbe das Ihm anvertraute Kirchengut wohl verwendet, übrigens die allgemeine Liebe, das Vertrauen und die Begeisterung begreiflich finden, die sich bei Katholiken wie Protestanten überall für den hochwürdigsten Kirchenfürsten kund gibt. (K. B. a. M) Die barmherzigen Schwestern in Limburg. Unter Gottes schützender Hand ist in der Diöcese Limburg das erste HoSpital der barmherzigen Schwestern gegründet worden. Die Stadt Limburg war so glücklich, diese sichtbaren Schutzeugel der Kranken aufzunehmen. Wohin noch diese Töchter deS heiligen Bincenz ihre Schritte richteten, da folgte ihnen reichlicher Segen nach. So auch hier. Als die Anstalt eröffnet wurde, war der Glaube an eine solche uneigennützige Nächstenliebe so sehr abhanden gekommen, daß man eS nicht wagen wollte, sich solch ungewöhnlichen, übermenschlichen Händen anzuvertrauen. Kaum aber waren die ersten Kranken der Wohlthat einer rein christlichen Behandlung inne geworden, da strömte man dem neuen Bethesda zu, so daß der Raum die Zuströmeudcn nicht alle fassen konnte. Die ursprünglichen Räume mußten bedeutend erweitert werden, und die Zurückgewiesenen schöpften auf's neue Hoffnung, zu den liebevollen Schwestern der Barmherzigkeit zu kommen. Die ganze Anstalt wurde lediglich im Vertrauen auf Gott, der ein solches Unternehmen noch nie ohne seine Hilfe gelassen, unternommen, und viele Herzen wurden zur milden Beisteuer erweckt. Wo wäre auch eine Gabe besser angelegt, als da, wo sie beiträgt zur Stärkung eines absterbenden Menschenlebens, wo sie eiternde Wunden austrocknet, gelähmte Glieder belebt, gepreßte Herzen aufrichtet? Mail eilte herbei, versah die Schwestern mit Betten, mit Weißzeug, mit LebenSmitteln, mit Wein und Holz. Man freute sich, dem Herrn in seinen Armen Labung zu bereiten. ES war kein Almosen, daS vom Empfänger übel verwendet wurde; eS wurde nicht mit Undankbarkeit belohnt. Früh und spät stiegen Dankgebete uud Fürbitten für die Wohlthäter zu Gott empor. Welch ein Segen für eine Stadt, für ein ganzes Land, solche Dienerinnen deS Herrn zu besitzen! Der Herr kann einem Lande nicht zürnen, das mit Freuden sie aufnimmt, an ihrem Wirken lebendigen Antheil nimmt durch milde Gaben. Denn nicht ihnen fließen diese Gaben zu, sondern den Kranken, und in ihnen Christo. „WaS ihr einem der Geringsten von diesen thut, das habt ihr mir gethan." Welch ein Beispiel aber auch von christlichem Lebenswandel I Die Schwestern deS heiligen Vincenz sind die Apostel christlicher Entsagung, die laut redenden Sendboten christlicher Hingabe. Schon ihre Erscheinung stimmt daS Herz zum Mitleiden, zur Wohlthätigkeil. Ju ihrem Betsaale hängt das Bildniß ihres Patrons und Stifters, des heiligen Vincenz. Mit lächeln- 343 dem väterlichen Antlitze blickt er auf seine geliebten Töchter, gleichsam um sie zu belohnen für ihre unverdrossene Sorgfalt, für ihr zuversichtliches Vertrauen, um seine Freude auszudrücken über den Sieg, welchen ihr Glaube feiert über daS Elend, daS die Sünde unter den Menschen angerichtet, über den Tod, dem sie seinen Schrecken nehmen. Wo ist auch ein Verzweifelnder, ein Gefühlloser, der nicht im Anblick einer treuen Schwester die längst verschwundenen Gefühle christlicher Liebe in sich wieder erwachen fühlt? Wo daS Elend am größten ist, da leuchtet die christliche Liebe am hellsten. (K. S. Bl.) Mission in Dietfurt. Eichstädt. Die Mission in Dietfurt (die erste in der Diöcese Eichstädt), wurde vom 23. bis 31. August von füns Redemptoristen-PatreS abgehalten. Wenn man so in das verrostete Alltagsleben hineinschaut und in die Versunkenheit gemeiner Leidenschaften, die fast überall anzutreffen sind und alles höhere Streben und Sehnen erstickt zu haben scheinen: so möchte man, ohne deßhalb Mißtrauen auf die Kraft deS göttlichen Wortes zu setzen, dennoch zweifeln, ob bei solchen Menschen und zwar in großer Anzahl innerhalb weniger Tage ein so gewaltiger Umschwung und eine solche Sinnesveränderung bewirkt werden könnte. Aber man komme nur und wohne einer Mission bei und man wird die Wahrheit des kurz vorher noch Bezweifelten bestätigen. Denn jene ewigen Wahrheiten, so furchtbar und zugleich so tröstlich für das menschliche Herz, die man zwar oft hört, aber auch nur hört, ohne Zusammenhang, ohne lebendige Erfassung; diese werden hier von Männern, die selbst zuerst in die unterste Tiefe derselben hinabgestiegen und sich durch und durch haben davon erfüllen und begeistern lassen, wie in Schlachtordnung aufgestellt vorgetragen, und zwar in jenem so psychologischen Zusammenhang, den Einer der größten Kenner deS MenschenherzenS entdeckt habe. Der Sturm beginnt, sie folgen Schlag auf Schlag, eS wird dem noch widerstrebenden Herzen gleichsam nicht Zeit gelassen, die erhaltenen Eindrücke zu verwischen, cS wird in die furchtbarste Alternative gestellt, alle Sophistik, jeder andere AuSweg abgeschnitten, und so wird der schlummerde Glaube wieder lebendig, daS Herz, in das sich die Gnade von Oben niedersenkt, für daS Höhere empfänglich, eS sieht in dem vorgehaltenen Spiegel der ewigen Wahrheiten seine erhabene Bestimmung und zugleich den gräulichen Gegensatz des Lebens, und daher die außerordentliche Erscheinung in der Mission, daß viele Tausende, besiegt von der Wahrheit und der Gnade, zerknirscht an die Brust schlagen und von der Predigt in die Beichtstühle eilen, um sich mit Gott auszusöhnen. Wahrlich, die Beichtstühle wenn sie reden dürften, sie würden erzählen können von den Wirkungen und den Wundern der Gnade, welche die Mission hervorbringt. „Es scheint," äußerte ein Beichtvater, „als ob eS in diesen Tagen die Gnaden vom Himmel regne, die von Gott an die Mission geknüpft seyn müssen." Selbst nach Außen hin tritt diese innere Umänderung, der Proceß dieser geistigen Wiedergeburt in die Erscheinung, indem man eine gewisse Ruhe und Zurückgezogenheit und stilles Nachdenken bemerkt, ein Zeichen, daß die Seele mit jenen großen, ernsten Wahrheiten beschäftigt ist, die ihr jetzt, vielleicht daS erstemal zum vollen Bewußtseyn kommen. Die Mission ist deßhalb für viele Hunderte der Wendepunct ihres Lebens und der Anfang zu einem besseren. Ungemein groß ist daher auch die Liebe und die Anhänglichkeit deS Volkes (schon im weitern Sinn zu verstehen), an diese ehrwürdigen Väter, die ihm alle ihre Kräfte, Gesundheit und Leben weihen. Betrachte ich die Theilnahme, den großen Eifer, mit welchem sich daS Volk selbst von weiter Entfernung zu den Predigten und den geistlichen Uebungen hinzudrängte, so kann man mit Recht sagen, daß das Volk viel besser weiß, waS zu seinem Heile ist, als jene, die man gewöhnlich nicht mehr darunter versteht. Besonders groß wurde daS Zusammenströmen von allen Seiten gegen den Schluß der Missionen. Am letzten Tage, den 31. August, gab man die Menschenmasse auf 12,000 344 an. Aber zu bedauern war, daß das Welter an diesem Tage der ganzen Entfaltung der Misstonsfeier nicht günstig war, in dem eS fast den ganzen Tag regnete. Dessenungeachtet ließ sich der musterkafte ParSberger Jugendbund, eine herrliche Frucht der dort vor drei Monaten abgehaltenen Mission, nicht abhalten, bei einem Wege von vier Stunden die Feier der Mission in Dietfurt zu erhöhen. ES waren 150 größten« theils weißgekleidete Jungfrauen, mit einer prächtigen Standarte, geschmückt mit dem Bilde der heiligen Jungfrau, und 8l) Jünglinge, ebenfalls mit einer Standarte mit dem Bilde des heiligen AloysiuS und mit einem trefflichen von ihnen selbst gebildeten MusikkorpS an der Spitze. Ihr würdiger Pfarrer, ein angesehener und eifriger Mann, der solche Früchte der Mission zu schätzen, zu bewahren und zu leiten ver» steht, begleitete sie. So zog in schönster Ordnung und zu größter Erbauung die neu geworbene Legion von Streitern Christi in die von Menschen wimmelnde Stadt, wo die Spalier bildende Menge bis zu Thränen gerührt wurde. Allgemein lobte man ihre fromme Heiterkeit, gepaart mit Bescheidenheit, und ihren Eifer, ver sie vergessen ließ auf alle Beschwerden, die unter diesen Umständen nicht gering waren. Dieses ermunternde Beispiel und die Mission hat bereits auch in Dietfurt eine» Jugendbund von 400 Mitgliedern ins Leben gerufen. Auch von Seite seiner bischöflichen Gnaden wurde dk MissionSfeier in den zwei letzten Tagen verherrlicht, indem Hochselber, durch eine schon angesetzte FirmungS- reise verhindert selbst beizuwohnen, seinen hochwürdigen Generalvicar, Herrn Dom- capitular Frieß zu senden geruhte, der unermüdet im Beichtstuhle thätig war und nach der Schlußpredigt selbst die Kanzel bestieg und in tief gefühlten und ergreisenden Worten zu dem großen Werke den Schlußstein legte, indem er im Namen teS hoch, würdigsten Bischofes den Missionären dankte für ihre ausopfernde Liebe unv Hingabe, den Vätern FranciScanern für ihre herzliche Gastfreundschaft und den hochwürdigen Herren Pfarrern für die Sorge um ihre Anvertrauten, da sie als die ersten in der Diöcese die Mission als heilsam erachtet unv selbe berufen hätten. Am 3. September reisten die Missionäre ab, nachdem eine Deputation der Bürgerschaft ihren herzlichen Dank den ehrwürdigen Vätern ausgesprochen hatte. Der Jugendbund hatte sich in seiner Decoration aufgestellt unv die Jungfrauen reichten den Missionären in den mit Kränzen gezierten Wagen einen zierlich geflochtenen Kranz mit einigen diesem Symbole entsprechenden AbschiedSworten: Heil und Segen diesen ehrwürdigen Vätern, die unvergeßlichen Dank und Liebe von vielen Tausenden mit sich nehmen. (K. Bl. a Fr.) Großbritannien. London, 7. Oct. Der „Globe" meldet: „Am Sonntage wurde in der römischkatholischen Capelle zu Clerkenwell l^in Londoir) ein Hochamt gefeiert, nach welchem vr. M'Hale, römisch-katholischer Erzbischof von Tuam, über den Rosenkranz predigte. Nach einer Erklärung des Festes wandte sich der Löwe von St. JarlathS, statt über die Titelbill zu brüllen (gut gebrüllt, Löwe! Die Engländer haben bekanntlich von John M'Hale eine ganz sonderbare Vorstellung) an seine armen irischen Landsleute und ermähnte sie, der Vortrefflichkeit ihrer Religion Zeugniß zu geben dnrch ein gutes Leben, Frömmigkeit und Friedfertigkeit.... Der Sheriff Swift nebst seiner Frau wurde mit seinem Caplan unter den Anwesenden bemerkt." Der neue Shersff von London macht nämlich auS seinem katholischen Glauben kein Hehl; am vorigen Sonntag fuhr er in seinem StaatSwagen vor seiner Pfarrkirche vor. — Die „TimeS" melden unter der Ueberschrift „Perversionen": Die „Schwestern" (Nonnen eineS puseyitischen Klosters) welche früher unter BennettS Leitung zu St. BarnabaS und zuletzt in der Margaret-Street wohnten, wurden vorigen Sonntag öffentlich in corpore zn JSlington in die katholische Kirche aufgenommen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhabcr: F. C. Aremer. Gilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur ^ Augsburger PostMtung. L. November HA. 585?. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprci« TV kr., wofür es durch alle königl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Erhebung der Mäßigkeitsvereine zn einer kirchlichen Brnderschaft. Melchior, durch Gottes Grbarmung und des heiligen apostolische» Stuhles Gnad« Cardinal der heiligen römischen Kirche und Fürstbischof von Breslau, Doctor der Theologie ic. Unserem Ehrwürdigen KleruS und Unseren geliebten Diöcesanen Gruß und Frieden durch den Herrn Jesuö Christus! Eine frohe Botschaft, Ehrwürdige Brüder und geliebte Diöcesanen, haben Wir Euch dießmal auszurichten, eine Botschaft, die UnS Selbst erquickt und Euch Allen zur geistigen Erhebung gereichen wird. Der heilige Vater der Christenheit, Papst PiuSlX., hat Unsere und Eure Bitten erhört und die seit mehreren Jahren unter Euch bestehenden Mäßigkeitsvereine laut Decret vom 23. Juli dieses Jahres zu „einer kirchlichen Bruderschaft unter dem Schutze der seligsten Jungfrau Maria" erhoben, und diese Bruderschaft mit reichen geistigen Gaben aus dem Gnadenschatze Unserer heiligen Kirche ausgestattet. Dadurch ist Eure treue Arbeit, Ehrwürdige Brüder, die Ihr mit frommem Eifer in den schwierigsten Zeitverhältnissen, unter tausendfachen Mühen und Sorge», unter Verkennung und Verfolgung, unter Hohn und Spott, als wahre Hirten Eurer Heerden zum Heile ihrer unsterblichen Seelen übernommen, fortgesetzt und ohne müde zu werden getragen, hier schon belohnt und vergolten. Dadurch ist auch Euer Kampf, geliebte Diöcesanen, den Ihr im heiligen Glau- benSmuth wider den mächtigsten Feind, den Feind in Euch selbst: die Begierlichkeit deö Fleisches, gekämpft habt, hier schon mit einem Siege gekrönt, der Euch zugleich eine neue geistige Waffe darreichen soll, diesen edlen Kampf siegreich fortzukämpfen, bis Euch der Lohn treuen AusharrenS vor dem Richter Unser Aller am Tage der Vergeltung zu Theil werden wird! ES war eine böse Zeit, «IS Ihr das Werk Eurer geistigen Erhebung begännet. Niemals konnte die Ausführung desselben schwieriger und zweifelhafter erscheinen. Ein Geist der Gottlosigkeit, der Eurem Glauben Hohn sprach, Eure Kirche lästerte, 34S und daS, was Euch daS Heiligste und Ehrwürdigste war, mit seinem Geifer besudelte, trat, eben «IS Ihr den großen Kampf mit Euch selbst angefangen hattet, als Versucher zu Euch, und rechnete gerade da, wo „die Herzen mit Unmäßigkeit und Trunkenheit beschwert waren" (Luk. 2l), auf reiche Ernten. Ihr aber wäret wach geworden und ergriffen von dem Worte der Schrift: „Wo ist Weh? Wo ist Zank? Wo ist Klagen? Wo sind Wunden ohne Ursache? Wo rothgeweinte Augen? Nicht wahr, da, wo man beim berauschenden Becher sitzt und sich befleißiget, ihn zu leeren" (Sprüchw.23), hattet Ihr den Versucher zurückgewiesen. Aber er kehrte wieder und brachte einen zweiten, noch schlimmern Geist mit: den Geist der Empörung, der Empörung gegen alle sittliche und bürgerliche Ordnung. Ihr aber hattet Euch gerüstet gegen die gefährlichste Unordnung in Euch selbst, und hattet den Weckeruf des Propheten: „Wachetauf, die ihr trunken seyd!" (Joel), vernommen und den Versucher zurückgewiesen. Und wiederum kehrte der Versucher zurück und brachte noch einen dritten bösen Geist mit: den Geist der Sinnlichkeit, deren Gott der Bauch, deren Seligkeit die thierische Lust ist — und wie Tausende in seinen tödtenden Schlingen sich fangen ließen, so wollte er sie auch um Euch werfen und Eure Seelen morden. Ihr aber hattet die Mahnung des Propheten verstanden: „Wehe denen, die frühe aufstehen und bis zum Abend schwelg.cn — die Trunkenheit wird sie verderben" (Jesaiaö), und habt die Schlingen d«S Versuchers zerrissen, den Taumel der Sinnlichkeit abgeschüttelt und durch eine That der Selbstbeherrschung, wie sie auf dem Gebiete der Sittlichkeit nach so langer geistiger Knechtschaft in so rascher Entscheidung und in so weitem Umfange bisher unerhört gewesen, die freudige Bewunderung aller Freunde der Tugend erworben! Wenn eS Uns, Eurem Bischöfe, in den Drangsalen jener Zeit und in den schweren Kümmernissen, die Unser Herz ängstigten, ein reicher Trost war, so oft Wir erfuhren: wie fest Ihr standet in den Versuchungen, wie wacker Ihr kämpftet, wie treu Ihr wachtet, wie unerschüttert Ihr ausharrtet, wie geduldig Ihr die Schmach vor der Welt trüget, um die Ehre vor Gott zu retten; — so wird es auch dem heiligen Oberhaupte unserer Kirche in den schmerzvollen Prüfungen, welche die unerforschliche Weisheit GotteS über Ihn verhängte, kein geringer Trost gewesen seyn, zu hören: wie Ihr, seine in fernen Ländern wohnenden Kinder, von Eurem Glauben Zeugniß gebet, an Eurer geistigen Vollendung arbeitet und Eure heilige Kirche durch einen gottgefälligen Wandel verherrlichet! Und wie muß es Euch erheben, Ehrwürdige Brüder, wenn Ihr daö Felo Eurer Thätigkeit, das ehemals Unkraut, Disteln und Dornen trug, würdig deS ewigen Feuers, nun mit gutem Waizen gesegnet sehet, werth, in die himmlischen Scheuern gesammelt zu werden! Und endlich Ihr, geliebte Diöcesanen, die Ihr durch den schönen Sieg über Euch selbst zum Bewußtseyn Eurer Menschenwürde, Eures Christenberufs, Eurer Gotteskindschaft und Eures seligen ErbeS im Himmel gelangt seyd; — mit welchem Frieden im Herzen, mit welchem Troste Eurer Seele, mit welchem Danke gegen Gott, mit welcher Liebe zn JesuS, Eurem Erlöser, dem Ihr auf dem Wege der Selbstverleugnung nachgefolgt seyd — müsset Ihr jetzt schon auf die Segnungen, die Ihr in Eurem innern und äußern Leben durch daS freiwillige Gelübde der Enthalt- samkeit errungen habt, Hinblicken, wenn Ihr heute die heilige Arbeit an Euch selbst durch das Wohlgefallen deS sichtbaren Stellvertreters Jesu Christi ausgezeichnet sehet. WaS sollen wir noch weiter sagen! Wir heben unsere Hände zu Gott, der da mächtig ist im Schwachen und bisher so Großes an Euch gethan und flehen: Er wolle daS gute Werk, das Er in Euch angefangen, zu Seiner Ehre und Eurer Seelen Seligkeit vollenden! Wir breiten Unsere Arme aus nach Euch, Ehrwürdige Brüder und geliebte Diöcesanen, und bitten und beschwören Euch um der Liebe Jesu Christi willen: fahret fort, o fahret fort in dieser heiligen Arbeit! Ermüdet nicht im heiligen Kampfe! Bleibet stark in den Versuchungen! Machet Euch der geistigen Gna, den und himmlischen Schätze würdig welche Euch daö Oberhaupt der Kirche dar- 347 reicht! Leuchtet Andern durch das Beispiel der Mäßigkeit und Nüchternheit vor! Führet Eure Kinder, führet die Eurigen, führet besonders jene Unglücklichen, welche noch in ihrer thierischen Entwürdigung als ein Gräuel vor Gott, als ein Abscheu der Menschen, als eine Schmach deS christlichen Namens dahin leben — führet besonders diese in die heilige Bruderschaft, daß auch ihre Seelen gerettet werden und Jbr Alle, Alle durch die Gnade Gottes, durch die Erbarmung Jesu Christi, durch die Kraft deS heiligen Geistes und die mächtige Fürsprache Eurer großen Patronin, der selig- jten Jungfrau Maria, als wahre Brüder und Schwestern im Herrn nach Selbstver« läugnung und irdischer Entbehrung zum überschwenglichen Genusse der himmlischen Freuden gelanget! Amen. Gegeben auf Unserm Schlosse Johannesberg am Tage deS heiligen AugustinuS 1851. (I.. 8.) M e l ch i o r. Paintner, Secretär. Statut der Gesellschaft der Enthaltsamkeit von gebrannten Getränken. § 1. Ein Zeder, welcher dieser Gesellschaft beitreten will, verpflichtet fich für sein ganzes Leben, fich aller und jeder gebrannten Getränke, als Branntwein, Arak, Rum, Spiritus, oder was daraus bereitet wird, zu enthalten. § 2. Jedes Mitglied verpflichtet sich ferner, Wem, Bier, Meth und dergleichen gcgohrne Getränke nur mäßig zu genießen. 8 3. Fernere Verpflichtung für jedes Mitglied ist, im Geiste christlicher Liebe au» allen Kräften dahin zu wirken, auch andere Perscn n, Freunde, Verwandte, Bekannte, insbesondere aber solche, welche der Trunkenheit fich ergeben haben, für den Verein zu gewinnen. 8 Der Beitritt zum Vereine geschieht in folgender Weise: Die Beitrctenden melden fich bei dem Pfarrer deS Orts oder dessen Stellvertreter, welcher als das erste Mitglied des Vorstandes des Vereins anzusehen ist, und legen, nachdem dieser sie mit den Pflichten der Vereinömitglieder bekannt gemacht hat, in dessen Hände und in der Regel vor dein Altare in der Kirche folgendes Nüchternheitsgelübde ab: Ich N. N. verspreche vor Gott, der seligsten Jungfrau, vor meinem Schutzengel und der Kirche Gottes hiermit feierlich, mit Gottes Hilfe mich streng zn enthalten von allen gebrannten Gc- tränken, mäßig zu seyn in allen andern, und zu gleicher Nüchternheit aus allen Kräften auch meinen Nächsten zu bewegen. Züchtigung von Gott, Schande vor den Menschen, und Ausstoßung aus der Bruderschaft würde ich verdienen, das erkenne unv bekenne ich, wenn ich dieses wob lbed acht gegebene heilsame Versprechen leichtsinnig bräche. 8 3. Ist die Aufnahme in vorstehender Weise erfolgt, so erinnert der Pfarrer das neue Mitglied, daß es wenigstens alle Sonn- und Feiertage des Jahres das Gebet deS heiligen Bernardus: „Gedenke ic."*), oder wer nicht lesen kann, drei Ave Maria zu beten habe, um dadurch an seine Vereinspflichten sich zu erinnern und die mächtige Für- ') Gedenke, o mildeste Jungfrau Maria, cS sey noch nie erhört worden, daß Jemand, der sich in Deinen Schutz flüchtete, Deinen Beistand anrief, oder Deine Fürbitte cinflchetc, von Dir verlassen worden sey. Beseelt von diesem Vertrauen nehme ich meine Zuflucht zu Dir, o Jungfrau der Jungfrauen, Maria, Mutter Jesu Christi. Zu Dir komme ich, zu Dir eile ich, und als Sünder stehe ich seufzend und zitternd vor Dir. O Du Gebieterin der Welt, Du Mutter des ewigen Wortes, verschmähe meine Worte nicht, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich Armseligen, der ich aus diesem Thale der Thränen zu Dir »m Hilfe rufe. Stehe mir bei in allen meinen Nöthen, jetzt und allezeit, und besonders in der Stunde meines Todes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria, Amen. 348 bitt« der heiligen Jungfrau anzuflehen, auf daß sie ihm und allen Mitgliedern die Gnade der Standhastigkeit bewirke. § 6. Hierauf wird das neue Mitglied in die Vereinsbüchcr eingetragen und demselben der Gclöbnißschein eingehändigt, auf welchem dieses Statut nebst dem Gebete des heiligen BernarduS, so wie der Vor- und Zuname und der Tag der Aufnahme in den Verein eingetragen ist. 8 7. Der Verein feiert daS Fest Maria Lichtmeß als sein Haupt» und StiftungS» fest mit Predigt und feierlichem Hochamt, an einem folgenden Tage aber wird ein feierliches ^rmiverssrium für alle verstorbenen Mitglieder des Vereins, welche ihr Gelübde treu bis an ihr Lebensende gehalten haben, gelesen. 8 8. Die Genehmigung dieser Statuten und die den WereinSgliedern gewährten Ablässe find in dem nachfolgenden Decret Sr. Heiligkeit Pius IX. vom 23. Juli 1831 enthalten. . , Decret Sr. Helligkeit Papst PiuS IX. Unser Herr und heiligster Bater, Papst PiuS IX., gern geneigt, die Wünsche Gr. Eminenz des Cardinal-Fürstbischofs von BreSlau zu erfüllen, und voll der tröstlichen Hoffnung, daß die Gläubigen durch die Mäßigkeitsvereine und frommen Genossenschaften von dem Laster der Trunkenheit abgehalten und zur Tugend der Mäßigkeit hingezogen werden, hat, nach Anhörung der Cardinäle der heiligen römischen Kirche und aus den Rath dieser für die Angelegenheiten und Geschäfte der Bischöfe und Ordensgeistlichen niedergesetzten heiligen Versammlung, den MäßigkeilS- verein unter dem Schutze der seligsten Jungfrau Maria zu einem wirklichen und wahren Verein, zu einer kirchlichen Genossenschaft und Bruderschaft, kraft dieses DecretS erhoben und für erhoben erklärt und die Statuten dieser Bruderschaft, wie solche im Vorstehenden enthalten sind, genehmigt und bestätiget; zugleich auch Sr. Eminenz dem Carvinal-Fürstbischof von Breölau die Vollmacht verliehen, noch weiter fromme Vereine und Genossenschaften, welche künftig unter demselben Titel und mit denselben Statuten rechtmäßig gegründet werden sollten, der vorerwähnten srommen Bruderschaft, unter Beachtung der kirchlichen Vorschriften, einzuverleiben und sie so der unten genannten Ablässe theilhaftig zu machen. Endlich hat Ke. Heiligkeit, um der mehrfach erwähnten frommen Bruderschaft einen Beweis Seines vorzüglichen Wohlwollens zu geben, allen gläubigen Mitgliedern deS MäßigkeitSvereinS für ewige Zeiten die nachfolgenden Ablässe, welche auch den Verstorbenen zugewendet werten können, verliehen; a!S: Vollkommenen Ablaß am Tage der Aufnahme in die Mäßigkeits-Bruderschaft unter der Bedingung: daß die Aufzunehmenden reuig beichten, daS heilige Sacrament des Altars empfangen, die BruderschaftSkirche des OrtS besuchen und einige Zeit dort auf die Meinung deS heiligen Vaters beten; 2) Vollkommenen Ablaß am Titularfeste der Bruderschaft unter den bei Nr. 1 genannten Bedingungen; 3) Vollkommenen Ablaß in der Sterbestunde, wenn der Sterbende die heiligen Sterbsacramente würdig empfängt und die heiligsten Namen JesuS und Maria wenigstens im Herzen anruft. 4) Ablaß von sieben Jahren und siebenmal vierzig Tagen an denjenigen vier Festen im Jahre, welche der Diöcesanbischof, jedoch nur für einmal, bestimmen wird, unter der Verpflichtung; die BruderschaftSkirche deS OrtS zu besuchen und unter Beachtung der oben angeführten Bedingungen. 5) Ablaß von sechzig Tagen für jedes einzelne gute Werk. 6) Ablaß von dreihundert Tagen für diejenigen VereinSglieder, welche Andere, die noch dem Trunke ergeben find, von dem Laster abwendig machen und sie 349 bewegen, der Mäßigkeitsbruderschaft beizutreten und die Verpflichtungen derselben fest und heilig zu halten. 7) Die Vergünstigung, daß alle Messen, welche in der BruderschaftSkirche des OrtS gelesen werden, dieselbe Wirkung haben sollen, als wenn sie an einem Privilegium Altare celebrirt würden. Dieses hat Se. Heiligkeit beschlossen, festgesetzt und bewilliget, ohne daß irgend Etwas dagegen seyn könne. Gegeben zu Rom im Secretariat der erwähnten heiligen Congrcgation der Bischöfe und Ordensgeistlichen, am 23. Juli 1851. (I.. 8.) Jos. AlphonS, Cardinal. Orioli, Präfect. Zeit und Ewigkeit. Die Zeit. In jener Zeit, da es auf Erden noch weise Männer gab, welche die Sprache der Thiere und Blumen verstanden, wandelte ein persischer Magier, welcher dieser Sprache kundig war, an einem schönen Sommerabend in einem lieblichen Lustgarten. Rachdenkend ging er eben bei einem Rosenstocke vorbei und hörte da ein verworrenes, leises Zwitschern von allerlei zarten Stimmchen, als ob in einem Neste eine Menge junger Vögel pippten. Er trat näher, und siehe, ein Theil der Blätter des Rosenstrauches war mit Blattläusen besetzt, welche emsig hin- und herliefen und eben in einem Streite begriffen waren. Der Magier horchte aufmerksam, konnte aber lange nichts verstehen, bis endlich die ganze Versammlung schwieg und nur ein Einziger sprach. ES schien ein Greis, der schon mehrere Tage alt war und im Ansehen bei den Uebrigen stand. Er sprach mit ernster Stimme: Der Streit, den ihr angehoben, ob nämlich dieses Weltgebäude, daS wir bewohnen und das wir Rosenstock heißen, von Ewigkeit her bestehe, kann von euch, die ihr so unerfahren seyd, nicht entschieden werden. Höret mich an, der ich schon einige Mal die Sonne untergehen sah und schon mehrere Generationen überlebte. Offenbar ist dieser Rosenstock ewig und wird auch ewig dauern, obwohl vielleicht einzelne Blätter mit der Zeit zu Grunde gehen könnten. Aber die Versammlung hörte nicht auf diese Worte; der Eine fing an seine schönen Fühlhörner zu putzen, der Andere erzählte, wie er schon große Reisen gemacht und einmal bis an daS äußerste Ende der Welt (unten an dem Rosenstock) gekommen sey, und wie er auf dem Wege große Gebirge (er meinte die Dornen) angetroffen. Ein Anderer wußte viel zu erzählen von einem Kriege, den daS Volk der Blattläuse gegen einige geflügelte Riesen, welche man Goldfliegen nannte, geführt, wieder Andere hatten erstaunlich viel mit Erziehung und Pflege der Jungen zu thun und jammerten, wie die Jugend in dieser bösen Zeit so ausgeartet sey. Andere hatten sich bei einem Thautropfen zusammengesetzt und sangen und tranken um die Wette. Plötzlich schnurrte ein Hummel vorbei, da erschrocken sie anfangs, hatten aber nachher lange von diesem Abenteuer zu erzählen. Die Alten erzählten von der Geschichte früherer Zeiten, wie einmal ein ganzes Rosenblatt herabgefallen und ein andermal eine ganze Völkerschaft geflügelter Blattläuse ausgewandert sey; ferner, wie einmal ein großer Held, Namens BlattlauSlöwe, daS ganze Blatt, auf dem sie wohnten, erobert und die Bewohner ermordet habe u. s w. Andere stellten tiefsinnige Forschungen an und beklatschten eben die Ansicht eines ihrer größten Gelehrten, welcher aus der täglichen Abnahme des Mondes berechnet hatte, daß derselbe nun in zehn Tagen, welche er Jahrhunderte nannte, nothwendig ganz und auf immer verschwinden müsse. Am eifrigsten disputirten sie über die Gottheit, indem einige die aus dem Stocke prangende Rose, andere dagegen einen prächtigen Goldkäfer, der oft auf der Rose saß, dafür hielten. Darin kamen alle überein, daß sowohl die Rose als der Goldkäfer ewig und höchst wohlthätig seyen, weil sie den Blattläusen so große Weisheit 350 und ein so langes Leben verliehen. Auf dieß letztere thaten sie sich besonders viel zu gute, und der Magier hörte deutlich, welche große Pläne sie für ihr übriges Leben entwarfen, und wie mitleidig sie auf die Eintagsfliegen herabsahen, welchen nur einige Stunden zu leben vergönnt ist. In einer Ecke saß eine gar fette Blattlaus, die zu sich selber sprach: So ist nun mein Glück befestigt und ich bin gegen jeden Sturm des Schicksals gesichert. Lange habe ich auf diesen Punct hin gesteuert, endlich ist es mir gelungen, ein Gegenstand des Neides für meine Mitbürger zu werden. Meinen Kindern habe ich das schönste Rosenblatt im Lande angewiesen, meine übrigen Tage sollen aber nicht ungenützt verschwinden und die Welt soll von mir hören. O ihr armen Geschöpfe! sprach der Magier zu sich selbst; — und doch, handelt der Mensch vernünftiger, der seine wenigen Lebensminuten für unvergänglich hält, und als seine Götter entweder die Rose der Sinnenlust oder den Goldkäfer des Geizes, oder die Tulpe des Stolzes anbetet, ohne zu bedenken, daß Rose und Tulpe welkt und der Käfer in Staub und Unrath hauset? Am andern Tag, als der Weise wieder an derselben Stelle vorüberging, lagen die Rosenblätter am Boden und der ganze Stock war wie zerrissen, denn eS hatte in der Nacht ein Sturmwind gewüthet. Die Blattläuse schwiegen. Die Ewigkeit. Jene unselige Gesellschaft der Verdammten, scheint sie uns nicht in einer dunklen, nur spärlich vom blutrothen Widerschein der Feuergluth erleuchteten Höhle bei- sammenzusitzen und vor sich hinzubrüten? In der Mitte dieser unabsehbar weiten Höhle hängt vom ungeheuern Gewölbe der Perpendikel einer Riesenuhr herab. Man sieht keine Zahlen und kein Zifferblatt, eS laufen keine Zeiger, eS tönt keine Glocke- Wie dieser schwerfällige Pendel in träger Schwingung hin und her schwebt, tönt eS hohl, wie aus dem Munde einer leblosen Maschine, durch die Abgründe des Gewölbes: Immer, Nimmer! — Nimmer, Immer! Und in den Herzen der Verdammten hallt eS wider: Immer, Nimmer! — Nimmer, Immer! — Immer im Tod, Nimmer zu Gott! — Nimmer ein Hoffnungsschein, Immer in Qual und Pein! Da erhebt sich Einer der Verworfenen, der erst seit Kurzem diese Qualen kennt. Er hat sich die Augen wund gesehen nach den mangelnden Zeigern und Ziffern der Uhr, und harret schon lange vergeblich, daß die Glocke einmal eine Stunde aus. schlage. Jetzt richtet er sich von seinem SchmerzenSsitze auf, läßt die stieren Augen ringS herum schweifen und fragt mit heiserer Stimme: Wer sagt mir doch eigentlich, wie viel Uhr eS ist, und wie wir in der Zeit sind? Einer seiner Mitgenossen rcgl sich ächzend und ruft ihm mit Zähneknirschen hinüber: Schweig, Verfluchter! Verstumme! Hier gibt eS keine Minuten, keine Stunden, keine Tage, keine Wochen, keine Monden, keine Jahre; — hier gibt eS keine Zeit und keine Zeiten; hier gibt es nur eine Ewigkeit. Frage nie mehr, wie wir in der Zeit sind, denn wir sind längst über alle Zeit hinaus; hier ist immer Ewigkeit! — Der, weicherfragte, sinkt mit einem Schrei der Verzweiflung auf seinen SchmerzenSsitz zurück. Und ungestört setzt der große Perpendikel seinen langsamen, bedächtigen Schwung fort, und ununterbrochen tönt eS wieder dumpf aus den unsichtbaren Rädern deS nie ablaufenden Uhrwerks: Immer, Nimmer! — Nimmer, Immer! (K. Sbl.) Die christliche Kunst und ihr Organ. (Nach dem Wests. Kirchenblatt,) Wenn man auf die Lage der christlichen Kunst im vorigen Jahrhunderte uud im Anfange deS jetzigen zurücksieht, so wird man wirklich von Schauder ergriffen, und dankt dem lieben Gott, daß eS anders, daß eS besser geworden ist. Das Jahrhundert der Aufklärung, seicht und flach in der Philosophie, Theologie, Geschichte, Politik, vor Allem aber geschmack- und ideenlos in der Kunst, eS wird noch als das 351 Zeitalter jämmerlicher Dummheit und elender Verkommenheit gebrandmarkt werde». ES vcrhausete und verwirthschastete alle Schätze der Vergangenheit, die der Dreißigjährige Krieg noch gelassen, so viel eS konnte. Was mußten die ehrwürdigen Dome, die schönen StiftS- und Klosterkirchen sich gefallen lassen! Man verschwendete enorme Summen, um sie mit dem Gewände der Aufklärung zu verunstalten. Wie viele herrliche Altäre, wie viele Gemälde u. s. w. sind da vernichtet oder verschleudert! Am besten sind noch viele schöne altkatholische Kirchen bei den Protestanten weggekommen. Diese ließen dieselben, wie sie waren, weil ihr Rationalismus kein Gelb für Kirchen und kirchliche Zwecke hatte. Da kam die große Säkularisation und mit ihr der Gräuel der Verwüstung. Die Kirchen der aufgehobenen Stifter und Abteien mit ihren herrlichen Kreuzgängen verfielen oder wurden abgebrochen, um — neue gradlinige und rechtwinkelige Straßen zu gewinnen. Die K.Uhedralen wurden mitunter Magazine, und würden vielleicht nie wieder Kirchen geworden seyn, wenn nicht über der menschlichen Thorheit in der Weltgeschichte die göttliche Fürsehung stände. Der Kölner Dom hat sollen demolirt werden, um einen großen Platz zu gewinnen, die wunderherrliche Apostelkirche in Köln ist schon fast ein Schutthaufen gewesen, zum baldigen Abbrüche bestimmt; die'zierliche und kühne Lambertikirche in Münster hat dem Erdboden gleich gemacht werden sollen, um eine große Straße auf daS Schloß anlegen zu können. Da kommt mit dem Untergänge Napoleons die Zeit deS Friedens; aber noch nicht gleich eine bessere Zeit für die christliche Kunst. Viel Gold, enorme Summen sind in den Friedensjahren für neue Kirchen, neue Paläste, neue Straßen, neue Stadtviertel ausgegeben. Aber was für Kirchen, waS für Thürme, was für Paläste! Und wie dauerhaft!.', DaS berühmte „Sich setzen" wurde da besonders bei neuen Kirchen, Pfarrhäusern und Schulen Mode. Bei einer neuen Kirche hat der Bienenkorb, genannt Thurm, die Freundlichkeit gehabt, und drückte daS Portal ein und setzte sich «IS Schutthaufen. Viele dieser neuen Kirchen eignen sich ganz vorzüglich zu Casernen, Magazinen und Pferdeställen; in andern lautet das Predigen wie der Chorgesang gewisser griechischer Secten im Oriente. Bei den Altären und Kanzeln der alten und neuen Kirchen waren vorzüglich die natürlichen Farben verhaßt. Weiß und Gold war die Losung, obschon noch kein Mensch weiße Eichen gesehen, obschon daS Weiß nach einem oder zwei Wintern schmutziges Grau wurde. Dieses Jllumi- niren hat unserer Provinz seit 1815 wahrscheinlich so viel Geld gekostet, daß eine gothische Kirche wie Maria-Hilf in der Au zu München sich dafür baue ließe. Auch haben noch viele schöne gothische Kunstwerke in den letzten dreißig Jahren sich allerlei Mäntel und Kleistereien müssen gefallen lassen. Endlich ist die Zeit umgeschlagen, und wie eS mit den Herzen und Geistern gothischer wurde, ist's auch mit den Augen wieder gothischer geworden. Die christlichen Maler und Künstler in Düsseldorf, München, Frankfurt haben an dieser Umwandlung großen Antheil. Die religiösen Bilder haben besonders Propaganda unter dem Volke gemacht, während bedeutende Meister und Gelehrte in der gebildeten Welt den Vernichtungskrieg gegen den verjährten schlechten Geschmack eröffneten, und mit immer größern Erfolgen fortsetzten. Die ältern Künstler und Gelehrten haben zahlreiche Schüler und Jünger, welche für die Verbreitung des altchristlichen und altdeutschen Geschmackes rastlos thätig sind. Der fromme Bischof von Münster steht unter den Kennern und Beförderern der christlichen Kunst in erster Reihe. Die PiuSvereine der Katholiken deutscher Nation haben die Gründung eines großen katholischen deutschen KunstvereinS beschlossen, von dem ehrwürdigen Bischöfe von Münster das Protektorat dcö Vereins erbeten und dreien edlen Männern aus Preußen, Oesterreich und Bayern die Gründung übertragen. Bald werden gewiß die meisten deutsche» Diocesen Diöcesankunstvereine mit reicher Betheiligung des Klerus, des Adels und der Bürger besitzen, als individuellen Ausbau des großen katholischen deutschen KunstvereinS. Für unsere Diöcese ist ein solcher Berein auf der letzten Generalversammlung der PiuSvereine zu Dortmund am 3. d. MtS. beschlossen und dem Centralver- 35L eine in Paderborn die Ausführung des Beschlusses im'engsten Anschlüsse an die von Herrn A. RcichenSperger entworfenen Statuten übertragen. Im Seminare zu Köln werden von diesem ausgezeichneten Beförderer der christlichen Baukunst auf Veranlassung des hohen Oberhirten deS ersten deutschen DomeS Norträge über die christliche Kunst gehalten; und bald werden gewiß auch diesem rühmlichen Vorgange die übrigen deutschen Diöceseu folgen. Der KleruS stand bisher in dieser Hinsicht rathlos da. Große Studien auf dem Gebiete der christlichen Kunst machen erlaubt den wenigsten der mannigfaltige seelsorgliche Beruf, und große Reisen, um durch lebendige Anschauung der Kunstschätze sich zu bilden, den wenigsten der Geldbeutel und die Zeit. Was unS bei dieser glücklichen Verwandlung bisher noch fehlte, war ein eigenes Organ für die christliche Kunst, zugäuglich für die Gebildeten aller Stände. Das „Domblatt", so viel Gutes eS auch gestiftet hat und noch stiftet, war zu enge und zu klein für den großen Zweck. Wo könnte aber ein solches Organ wohl besser erscheinen alö in dem heiligen Köln, außer seinem hochberühmten Dome trotz aller Verwüstungen seit sechzig Jahren noch immer so reich an den schönsten Kirchen der mittelalterlichen Baustyle, so reich an Kunstschätzen, so reich an Vereinen für den Dom und die Reparatur der übrigen Kirchen? Diesem Mangel hat in Verbindung mit gediegenen Männern gleicher Richtung abgeholfen ein christlicher rühmlich bekannter Maler in Köln, Fr. Baudri, Bruder des hochwürdigsten WeihbischofeS und GeneralvicarS der Erzdiöcese. Die Verbreitung dieses Organs, das in Köln alle 14 Tage, einen großen Bogen stark, unter dem Titel: „Organ für christliche Kunst, herausgegeben und redigirt von Fr. Baudri, Maler", erscheint, ist auf der Generalversammlung in Dortmund auf das Dringendste von vielen Seiten empfohlen. Hoffentlich wird diese Empfehlung reiche Früchte tragen, sowohl für die festere Begründung und Ausbreitung deS Unternehmens, als auch für die allseitige Förderung des christlichen Kunstsinnes. Oberbayern. AuS Aibling 23. Oktober wird dem Volksboten geschrieben: In Pang bei Rosenheim haben sie gestern/ein schönes Fest gehabt: denn eS wurde die neuerbaute Pfarrkirche benedicirt, damit einstweilen im Winter darin Gottesdienst gehalten werden kann. Der Herr Pfarrer Rubenbauer von Rosenheim vollzog aus oberhirtlichem Auftrag unter Beistand benachbarter Geistlicher die Benediction, und als die Weihe vollendet und die Kirchthüren geöffnet waren, ward alsbald die große herrliche Kirche mit Menschen überfüllt. Zu dem feierlichen Hochamt ertönte zum ersten Mal die treffliche neue Orgel von dem bekannten Orgelbauer Wagner in Glon und eine schöne Kirchenmusik, wobei auf dem Chor auch mehrere Rosenheimer freundlich mitwirkten. Vor anderthalb Jahren wurde der Pau dieser Kirche auf eifrigen Betrieb deS Herrn Pfarrers Nißl begonnen zum Tbeil nach dem (natürlich großen) Muster der St. BonifaciuSkirche zu München im Basilikenstyl. Der Eifer, mit dem der Bau vom Pfarrer und der ganzen Gemeinde geführt wurde, verdient alles Lob; sie haben sich hier ein schönes Denkmal ihrer Frömmigkeit gesetzt. Mit größler Bereitwilligkeit leisteten alle Pfarrangehörigen Hand- und Spanndienste die ganze Zeit hindurch, und eS bestand ein eigener Ausschuß aug braven Männern, welche abwechselnd jeder einen Tag in der Woche unentgeltlich die Aufsicht führten und für Herbeischaffung deS Materials sorgten. Holz und Lebensmittel für die Arbeiter wurde Alles von den Leuten geschenkt, und man hörte nicht die geringste Klage über Belastung, obgleich die Leute im Ganzen nicht sehr vermöglich sind. Im nächsten Jahre wird mit Gottes Hilfe die Kirche ganz vollendet und dann vom Herrn Erzbischof eingeweiht werden. Man darf aber jetzt weit gehen, um auf dem Lande eine so schöne Kirche zu sehen, und gewiß wird kein Fremder durch Pang reisen, der nicht dieß liebliche Gotteshaus betrachtete. Verantwortlicher Redacteur: L, Schön ch«u. BerlagS.Jnhaber: F, S, Krem er. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt < zur Augsburger Pojheitung. 9. November M HS. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementsprei« 4V kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Barmherzigkeit. Ein Beitrag zu der Beschreibung der Grundsteinlegung zu dem neuen katholischen Krankenhause in der großen Hamburger Straße Nr. 10 in Berlin am 20. October 1850. Motto. Selig find die Bariicherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden. ES war Morgens halb fünf Uhr am 20. October des Jahres 1851. Noch lag finstere Nacht auf dem weiten Berlin, und seine Bewohner ruhten süß in den Armen deS Schlafes. Nur eine Abtheilung Constabler, in Mäntel gehüllt, harrt auf dem Eisenbahnhofe der Ankunft des MorgenzugeS. ES pfeift gellend, daß vor Schmerz über den schneidenden Ton selbst die Wolken zusammenfahren, und der Mond sich vor Schrecken versteckt. Da braust die Locomotive heran. Der Zug hält. „Legitimation!" tönt eS von den Lippen der SicherheitSwächtcr. Die Papiere sind sämmtlich in Ordnung. Aber seht da! welch' eine curiose Erscheinung! Ein stattlicher Schutzmann führt ein Mädchen in dürftiger Kleidung vor. „Herr Wachtmeister, daS scheint mir eine Landstreicherin zu seyn. Bitte, sie scharf zu inquiriren." Das Mädchen aber war gar lieblich und rührend zugleich anzuschauen. Sie hatte ein frisches rothes, wie in Liebe glühendes Gesicht, in dem ein Paar reine blaue Augen wie Troststerile strahlte; der Ausdruck des Gesichtes war bescheiden und demüthig und außerordentlich lieblich und mild. Am Arme hielt sie ein Körbchen, in dem sie allerlei Tausendsächelchen hatte, Brod und Butter, und Nadel und Zwirn, Nachtmützen und Pantoffeln, Medicin und Zucker u. s. w. In der einen Hand hatte sie einen Pilgerstab, an dem sich oberhalb ein Kreuzchen befand, und in der andern Hand hielt sie einen Rosenkranz. Die Kleidung aber war sehr dürftig. Ein leinenes Röckchen, gar einfach und dünn, aber reinlich und ordentlich, durch das der October- wind pfiff, bedeckte den zarten Körper; ein kleines Tuch verhüllte züchtig den Busen, und die Füße waren bloß. „Wer bist Du?" fragte etwas rauh der gestrenge Herr Wachtmeister und strich sich wohlgefällig den Bart. „Ach, mein Herr," erwiderte etwas schüchtern das Kind, „ich bin Ihnen doch wohl bekannt; komme ja nicht daS erste Mal nach Berlin!" „Nun, Donnerwetter! Wenn ich jedes Mädchen kennen sollte, daS einmal in Berlin war, da müßte ich ein verzweifeltes Gedächtniß haben! Heraus mit dem Namen!" — „Ach," fing die Angedonnerte an, „ich heiße Barmherzigkeit." „Den Taufnamen!" herrschte der Constabler. — „Christliche Barmherzigkeit," war die Antwort. — „Woher?" wurde weiter gefragt. „AuS dem Himmel!" klang es so lieblich, als spräche ein Engel. — „WaS ist der Grund deS Aufenthaltes in Berlin? — „Arme und Kranke zu pflegen!" — „Den Paß!" gebol der Schutzmann. Da zog daS Mädchen ein Blatt hervor und reichte es hin- Jener 33! laS: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden!" — „Das ist ein eigener Paß!" murmelte der Herr, „hab' ein solches Exemplar in unserm ganzen Bureau nicht gesehen!" — „Wo warst Du bis jetzt?" fuhr er fort. — „Ucberall, wo man mich brauchte!" hieß eS. — „Ich habe Dich aber hier in Berlin noch nicht gesehen. Hat man dich hier noch nicht gebraucht?" — „Ei, doch wohl!" erwiderte daS Mädchen, „bin schon lange in Berlin gewesen und habe in den Spitälern, Waisenhäusern und Zufluchtsstätten aller Art gelebt. Mein Name ist am Königshofe und bei der ärmsten Wittwe wohl bekannt, mich kennt ein jedes Kind, das feinen Katechismus weiß, und mich versteht jedes menschliche Wesen, das ein Herz hat." — „Aber was ist Deine Beschäftigung?" — Die Constablcr umstanden mit neugierigen Mienen daS arme Kind; denn auf diese Frage, glaubten sie, würde sie schwerlich eine Antwort geben können. Das Mägdlein aber hub also an: „Meine Beschäftigung ist, Thränen trocknen, Kummer stillen, Arme speisen, Kranke pflegen, Waisen schützen, verwahrloste Kinder erziehen, Unglückliche besuchen, Gefangene trösten, Sterbenden die Augen zudrücken und Todte begraben." — „Wo ist die Concession zu diesem Handwerksbetriebe? Und hast Du auch die nöthigen Prüfungen bestanden?" — „Die Concession, meine Herren, gab mir Gott, der Urquell aller Liebe, und Prüfungen sind unzählige über mich gekommen, Unverstand, Härte und Bosheit haben mich schon oft scharf eraminirt, aber mein Haupteramen werde ich erst am Tage des Weltgerichts vor Dem bestehen, der Herzen und Nieren durchforscht." — „Herr Wachtmeister," begann ein Constablcr, „sehen Sie nur, waö sie Alles in dem Korbe hat; gewiß treibt sie verbotenen Handel." — „O nein, ich verkaufe Nichts; dieses Brod trage ich den Hungrigen, diese Kleider den Nackten, diese Arznei den Kranken zu, und dieß Alles werde ich verschenken." — „Aber woher hast Du dieß Alles?" fragte plötzlich der Wachtmeister, „Du scheinst doch recht arm zu seyn: wie kommst Du zu all diesen Dingen?" — Da sprach daS Mägdlein gar rührend und lieblich, daß es selbst die Constabler-Herzen süß durchzuckte: „Wohl bin ich recht arm, aber doch reich; die christliche Barmherzigkeit ist eine Bettlerin bei den Hohen und Reichen und Mächtigen und Glücklichen, und geht von HauS zu Haus und klopft an jedes Herz, um Almosen flehend; aber den Niedrigen uno Armen und Dürftigen nud Geprüften schüttet sie unermeßliche Schätze in den Schovß. Was Ihr hier sehet! schenket niir die Liebe der Menschen, Gott spricht seinen Segen darüber, und da wird mein Körbchen nicht leer; denn die christliche Barmherzigkeit erschöpft sich nicht!" — „Zu waS aber hast Du diesen Pilgerstab mit dem Kreuze und diese Perlenschnur iu der Haud? Das scheinen mir verdächtige Jesuiten-Dinger, welche am Ende gemißbraucht werden könnten!" — „O fürchtet nicht, mein lieber Herr; der Pilgerstab soll Alle, die meiner bedürfen, erinnern, daß sie fremd sind auf der Erde, nur einige Zeit hier unten sich aufhalten, daß alle Trübsal vergeht und ein Jeder ein Pilger zum Himmel ist; — daö Kreuz aber ist daS Zeichen der Erlösung, daö Bild unseres Glaubens, ich würde eine nur „menschliche Barmherzigkeit" heißen, wenn ich nicht in dem Glauben au daö Kreuz meine eigentliche Weihe erhalten hätte; dieses Kreuz halte ich den Betrübten, den Armen, Kranken uud Sterbenden hin, und daS gibt ihnen Trost uud Friede. — Diese Perlenschnur aber ist ein Rosenkranz, daS Zeichen des christlicheil Gebetcö in Wort und That. Das Gebet hat gar köstliche Eigenschaften; dieser Rosenkranz, der mir nur Anleitung zum Gebete und u»r ein Bild der wahren Andacht ist, trägt mich auf heiligen Schwingen von Land zu Land, hält mich immer wach uud warm mitten in der Kälte auf dem St. Gotthardt, wo ich verunglückte Wanderer aus vem Schnee suche. Ohue diesen Rosenkranz würde ich nicht lange leben, sondern bald verkommen; denn was für die Blnmen der Thau, das ist für die christliche Barmherzigkeit daS Gebet. Mit diesem Rosenkränze fessele ich die Herzen der Unglücklichen und kette die Verlorenen und Verirrten wieder an ihren und meinen Gott und mache Alle zu meinen Brüdern und Schwestern in Christo Jesu." — „Hast Du Bekannte oder Verwandte in Berlin?" wurde weiter geforscht. — „O ja. Gott sev Dank!" erwiderte gar glücklich daö Mägdlein, „ich habe hier noch 355 viel« Brlaimle uuv Verwandte; eS wird vielleicht kein HuuS ni der Stuvt geben, wo man die christliche Barmherzigkeit als Freundin und Verwandte nicht gern an dvS Herz drückte; aber in der Kaiscrstraße Nr. 2V. wohne» mir I>ebc Schwesln», die ich vor fünf Jahren Hieher geführt und unter Hospitalitc» nnd Waisen und Kranke gesetzt habe. Diese will ich heut besuchen und zu einem großen Feste beglei icu, welches die Liebe auf der großen Hamburger Straße 10, nebni der Juden- Synagoge und am Fuße der Sophienkirche feiert. Haltet mich nicht länger auf meine Herren, ich habe noch viel zu thun." — „Sage mir zuvor," entgegnete der Wachtmeister, „welchem Feste wollt ihr dort beiwohnen? ES ist doch nicht unerlaubt, sondern polizeilich genehmigt?" — „Ei, daö ist die Feier der Grundsteinlegung zu einem neue», großen Hause mit Kirche, das eine Herberge für Arme und Kranke, für Leidende aller Art werden soll. Urtheilt selbst, ob eS dabei etwaö Unerlaubtes gibt; und überdieß wird Euer Chef, der Herr Polizeipräsident, der Feier auch beiwohnen, denn er hat ein fühlendes Herz, und Ihr Alle, so rauh Ihr mitunter ans- jeht, werdet Euch über daö Fest freuen. Das zu bauende Haus wird Euch gai lieb seyn; es erleichtert Eure Arbeit und hilft Euch die Stadt behüte» ; den» dtt christliche Barmherzigkeit ist die beste Polizei." Da ließen die Constabler das Magd- lein in Frieden ziehen nnd blickten ihr mit rechter Ehrfurcht und Liebe nach. „Solche Landstreicher," meinte der Herr Wachtmeister, „ließ ich wohl zn allen Thore» mii Freude herein!" Unterdessen eilte daS Mägdlein durch die noch dunklen Straßen, blieb unterwegs bei manchem Armen und Unglücklichen stehen und spendete ihnen, was sie besaß. So kommt sie Kaiscrstraße 29 an. Sie zieht die Glocke; — ma» offner Vo» der Pfört»eri» gekannt und sreuudlich begrüßt, sucht sie die Schwester» auf; sie findet die Eine i» der Apotheke, die Andere in der Küche, eine Dritte bei den kranken Männer», eine Vierte bei den Frauen, eine Fünfte bei den Armen, eine Sechste in der Capelle, — Alle aber waren im Dienste der Bedürftigen schon seit dem frühesten Morgen beschäftigt nnd waren still und freudig an der Hand Gottes durch ihn» Garten geeilt, welcher aus Krankenbetten und ans Armenblüthen gebildet ist, und durch welchen die Seufzer der Leidenden zittern. „Gott grüß' Ench, Ihr Schwestern!" spricht daS Mägdlein, „ich bringe Euch teu Segen GottcS zum Lohne für Euer treues Dienen im Weinberge des Herrn. Aber ich verkündige Euch auch eine große Freude, denn heute wird zu einem neuen, viel großer» Krankenhause der Grundstein feierlich gelegt und von den Priestern gesegnet werde». Gott wird Euch ein HauS bauen, wo Ihr mehr wirken und zahlreichere Thränen trockne» könnt; die Liebe trägi die Kosten, schon hat sie über Thaler zusammengebracht. Drei von Euch werde« der Feier beiwohnen, damit Ihr an dem Gnadenorte selbst schon jeht dem Vater der Barmherzigkeit Dank saget, — denn der Herr ist gütig und seine Gnade geht über den Himmel.'' — Da freuten sich die Schwestern und frohlockten, daß dc, Herr auf die Niedrigkeit seiner Mägde herabgesehen und ihnen Gelegenheit verschafft, mit noch größerer Aufopferung den Kranken aller Geschlechter, aller Nationen und aller Eonsessionen zu dienen. Jetzt brach der Tag an und unter dem Gesänge der Engel: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden!" erwachten die Bewohner der Stadt. Alsbald begann ein freudiges Regen allenthalben. In der St. Hedwigs- kirche wurde daS größte Wunder göttlicher Barmherzigkeit, das Wunder der Herabkunft und Selbstaufopferung Christi, unter Brod- und Wcingcstalt in der heilige» Messe gefeiert, der Segen Gottes zu dem bevorstehenden Feste erfleht und Alles zur würdigen Begehung desselben vorbereitet. Zu der Hamburger Straße hin aber ström - len Hunderte zu Fuß uud zu Wagen. Aus der Baustelle war Alles festlich geschmückt. Mitten erhob sich daS arme und einfache Kreuz als daö rührendste Bild christlicher Barmherzigkeit, selbst arm und bloß und doch unermeßlichen Reichthum spendend und die Bloßen Aller bedeckend, die zu ihm emporblicken. Zu den Füßen des KrcuzeS faß uilsichtbar unser Mägdlein von dem Morgen herz ringsum hatte sie in GcstaU 35« von Georgillrnblüthen ihren Rosenkranz ausgebreitet und schaute gar selig auf die Umgebung, denn bei sieben Fuß hoch war der Neubau ringsumher bereits emporgestiegen. Zu beiden Seiten in einem Halbkreise standen Freunde der Barmherzigkeit mit frohen Herzen, welche unter dem Fürstenkleide, unter der Uniform, unter dem Polizeigewande, unter Beamtenröcken, unter Arbeiterschürzen und unter allerlei Hüllen gleich warm schlugen. Mitten unter ihnen standen die drei barmherzigen Schwestern mit Kreuz und Rosenkranz, in der schwarzen Farbe deS Ernstes und der weißen der Einfalt und Unschuld. Rings herum auf Gerüsten, in Fenstern und bis auf den Dächern hinauf stand allerlei Volk, Greise und Kinder, Männer und Frauen, Soldaten und Arbeiter, Arme und Reiche, Hohe und Niedrige, Eonstabler und Werkleute; denn Alle wollten daS Fest der christlichen Barmherzigkeit schauen und mit Dank gegen Gott mitfeiern. Um neun Uhr nahetcn in langem Zuge, daS Kreuz an der Spitze, die Priester der Barmherzigkeit in heiligen Gewänden, durchschritten die Baustälte und stellten sich oberhalb deS Kreuzes auf. Lieblich erklang zum Preise Gottcö eine Hymne durch die Luft in frommen und weichen Tonen, welche in allen Herzen wiederhallten. Daraus nahm der Erste unter den Priestern deS allbarmherzigcn GotteS das Wort und sprach: „Einen Weiheact christlicher Liebe und Barmherzigkeit zu seiern, sind wir, meine Andächtigen, in dieser festlichen Stunde versammelt. Denn wem gelten all' die baulichen Zurüstunge» um u«S her? Wem gilt daS aufgepflanzte Zeichen deS Heils? Wem Eure Theilnahme und die Thräne der Freude und deS Dankes in Eurem Auge? Keinem geringern Zwecke, als den Grundstein zu einem neuen Denkmale christlicher Barmherzigkeit zu legen und dafür den Segen dessen zu erflehen, der gesagt hat: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden." — Und nun folgte in gar anmuthigen Worten, wie klein und gering das Werk der Barmherzigkeit vor fünf Jahren begonnen habe, wie eö aber unter dem Segen GoltcS und unter der Obhut der „guten Schwestern der Barmherzigkeit" gediehen, und die Zahl der Kranken von drei binnen Jahresfrist auf fünfzig gestiegen sey. „Gott ist cS allein bekannt, wie viel Schmerzen deS LeibcS und der Seele seitdem geheilt, wie viel Kummerthränen seitdem von der nie ermüdenden Liebe dieser Töchter deS heiligen CaroluS BorromäuS in Eucrm Krankenhause getrocknet worden sind. Mehr als zwei tausend Kranke haben seit dem Ende deS JahrcS 1846 bis auf den heutigen Tag in dieser Herberge deS Elendes freundliche Aufnahme gesunden, Kinder und Greise, Männer und Frauen, Juden, Protestanten und Katholiken, nnr ein Kummer hat dabei die Freude unserer guten Schwestern getrübt, — daß sie nicht allen Anklopfenden die Pforten ihres Hauses öffnen, daß sie wegen Ungunst der räumlichen Verhältnisse gerade denen, die ihres Mitleides am würdigsten erschienen, den mit ansteckenden Krankheiten Behafteten, kein Ruhebettlein in ihrem Hause bereiten dursten." — Allein die christliche Barmherzigkeit ist wie eine Lavine, sie sängt gering an und wächst zu immer ungeheuerer Größe. DaS bewies sie auch in Betreff ihres hiesigen Werkes zu Gunsten der Kranken. Denn: „Ein neuer Hilferuf ward durch die Vertreter Eurer heiligen Sache an alle mitleidigen Herzen gerichtet, — Euer frommeö Gebet hat ihn vor Gottes Thron unterstützt, und daß er nicht erfolglos geblieben, daß er Hilfe gebracht von dem Scherslein der Wittwe, die ihr Brod mit Kummerthränen netzt, bis zum Gnadengeschenke deS Königs, mehr Hilfe, als wir in so kurzer Zeit erwarten durften, davon gibt Zeugniß der heuiige Tag und seine festliche Feier. Ja, hört eS, meine Andächtigen und sagt eö Allen, die an der ungeschwächten Fruchtbarkeit und Zaubergewalt der christlichen Liebe zweifeln, sagt eS ihnen in demüthiger Freude: „Dem Bau eines katholischen Krankenhauses iu Berlin sind binnen Jahresfrist so viele Opfer, so viele zweifellose Zusicherungen christlicher Barmherzigkeit zugewendet worden, daß die Hälfte der auf mehr als hunderttausend Thaler veranschlage ten Bausumme gesichert ist." — Aber wie werden eS die barmherzigen Schwester» Jahr aus Jahr ein aushalten, immerfort, bei Tag und Nacht die Kranken zu pflegen? O, die Barmherzigkeit weiß Rath; denn sie gewährt denen auch Barmher- 357 zigkeit, welche Barmherzigkeit üben; sie läßt diese „in den Armen deS Gcbeteö geistige Erfrischungen" finden und läßt sie ausruhen an dem süßen Herzen des Heilandes, damit der Muth nicht sinke und die Liebe nimmer erkalte im harten Dienste des Elendes. Sebet, meine Andächtigen, darum darf Eurem Kraittcnhause eine geweihte Stätte der Anbetung nicht fehlen. — An die Kirche werden die weiten Flügel des neuen Hauses sich anlehnen, denn nur im lebendigen Glauben an Ihn wird jener Geist der Liebe geboren, der in einem heiligen Carolus BvrromäuS, einem heiligen Mncenz von Paul, einer heiligen Elisabeth und Hedwig so Großes gethan, jener Geist der Selbstentäußerung, der nichts Anderes sucht, als Gott zu gefallen und die Brüder zu segnen. In diesem entstehenden GotteSkämmerlein, dem ich heut das erste SegenSwort spreche, werden Eure barmherzigen Schwestern das Brod der Seele finden und im heiligen Opfer und in frommer Betrachtung täglich mehr erstarken für die Pflichten ihres heiligen Berufes. Hier werden aber auch viele Eurer Kranken den Weg zu ihrem Gotte wiederfinden, werden sich mit ihm und seinen Fügungen versöhnen, werden über der Linderung der Seelenschmerzen die Leiden deS Körpers vergessen und eS wieder glauben, daß der den Stachel dcö Todes nicht fürchten darf, welcher den Tod des Gerechten zu sterben gelernt hat. O, freuet Euch, meine Geliebten, freuet Euch heute schon dieses reichen Trostes! Denn nur, wo mit der leiblichen Erquickung zugleich daS Brod deS Geistes gereicht wird; nur dort, wo die Tage der äußern Prüfung zu innern Verklärungen, und die Kämpfe angstvoller Stunden zu Siege» für die Ewigkeit führen: — nur dort — und dort allein ist der arme Kranke wahrhaft verrflegt und wird, ob lebend oder sterbend, dennoch genesen für immer." So sprach der Redner. Die Freude aber über das Werk der christlichen Barmherzigkeit stieg in jedes Herz und strahlte aus den Augen wieder licht heraus, und da kam eS wohl auch vor, daß die ausströmende Freude als köstliche Thautropfcn der Rührung an manchen Augenwimpern hängen blieb. Jetzt folgte unter gar lieb- lichen Gebeten der Priester die Weihe deS Grundsteines. Einer aber, welcher außer vielen gelehrten Dingen auch Barmherzigkeit gelernt hat und neben andern Orden auch den der Barmherzigkeit an dem Bande der Demuth trug, trat vor und las mit vernehmlicher Stimme und würdiger Betonung daS Testament christlicher Barmherzigkeit vor, welches in Urkundengestalt eingemauert wurde. Von dem ganzen Gebäude aber nahm dann der Herr durch seine Priester feierlichen Besitz, indem alle Fundamente mit dem Paniere der Barmherzigkeit umwandelt und mit dem heiligen Wasser besprengt wurden. So groß aber war die Freude Aller an dem schönen Denkmale der Liebe, daß sie ihr Ausdruck in Tönen geben mußten. Und so erklang denn in majestätischer Fülle daS Te Deum laudamuS als Dank- und Freudenhymne zu Gott empor. Sinnend ruhte unsichtbar daS Mägdlein, die christliche Barmherzigkeit, noch immer am Fuße deS Kreuzes und betete gar inniglich für Alle, und ich sah, wie die Früchte ihres GcbeteS auf Viele vom Himmel thauten; denn diese senkten bei dem Hinausgehen von der Baustelle Almosen still in die Büchsen, welche barmherzige Männer um der Barmherzigkeit Christi willen bettelnd den Vorübergehenden hinhielten. Endlich erhob sich auch das Mägdlein, segnete Alle, ergriff sein Körbchen, seinen Rosenkram und seinen Pilgerstab mit dem Kreuze und wanderte fürbaß. Denn eS muß nun wiederum in die Lande hinaus, um weitere Almosen betteln zu gehen, damit in zwei Jahren der schöne Berliner KrankenhauSbau vollendet werden kann. Wir ersuchen nun alle hohen Civil- und Militärbehörden, daS dürftig aussehende Mägdlein, „christliche Barmherzigkeit" genannt, ungehindert seine Rundreise machen zu lassen. Sie hat mit der Politik Nichts zu schaffen; sie ist nicht unbescheiden und trotzig, sondern sie fleht und bittet nur. Ihr Alle aber, zu denen daS Mägdlein im schlichten Kleide kommen wird, nehmt es nur freundlich auf und reicht ihm ein Almosen um Christi willen, und wird eS euch schwer, in den Beutel zu greisen, da leset nur den Paß: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden!" (Berl. „Kirchl. Anzeiger.") 358 Aus der Schweiz. >tz»Z»vl>»H S)4 mpzH. tti-guj ai»(s n?/ n^lttHn» sst iij^I ^iiii n-?6nh "mgnuW?f,V Wir eutnehiuni dem Kulalog der Abtei Ei»siedcl», das, gegenwärtig m »er. selben unter cem Fürstabt Heinrich !V sechzig Priester, drei Prvfessoreil uud füilszehn Laienbrüder leben. Unter je»^» befinden sich drei Jubilate», deren ältester in seinem 80ste» Lcbenöjnhre steht, unter diesen einer, der um zwölf Jahre alter, den 29. Februar 1760 gebore» ist und so rüstiger Gesundheit und unverblichener Geistes, kraft genießt, daß ihm das Fest der Eiigelwcihe des Jahres 1766 mit allen Umständen noch vollkommen gegenwärtig ist. Mag auch ein solcher Katalog als trockenes Verzeichnis) von Namen, Tages- und Jahreszahlen für die Meisten, die ihn in die Hände bekommen konnten, ein inhaltloses Ding seyn, so finden wir doch in dem vorliegenden etwas ungcmei» BemcrkenSwercheS. DaS Kloster Einsiedeln steht nämlich in Bezug seiner Persönlichkeiten auf dem einzig richtigen Wendepunct, welche» dergleichen kirchliche Institute zusammt der Kirche, als der Mutter, aus welcher sie hervorgegangen sind, einzunehmen haben: es kennt nämlich die engherzige und verwerfliche AuSschließlichfcit der Nationalität nicht. Wer, sey eS nun im Stande der Priester oder in demjenigen der Brüder, für dasselbe sich eignet, findet seine Aufnahme und angemessene Verwendung. Und sollte dieses nicht auch auf deu blühenden Zustand, worin diese Abtei, zunächst in disciplinarischer Beziehung, sodann in derjenigen der Wirksamkeit sich befindet, einen vortheilhaften Einfluß'üben? Einsiedeln ist allerdings ein Kloster in der Schweiz, zugleich aber könnte man eS ein europäisches Kloster nennen, wovon freilich diejenigen, welche dem Eintretenden vor alkm den Heimathschein und dann erst den Taufschein abfordern, keinen Begriff haben möchten. Nicht nnr finden wir unter den Vätern und Brüdern Männer beinahe ane allen katholischen Schweizer Cantonen, sondern wir begegnen einem Mailänder, drei deutschen Oesterreichern (Vorarlbergern), einem Bayer, zwei Elsäßern, einem Baden ser, einem Braunschwciger, einem Würtemberger, unter den Professoren sogar einen, Engländer aus London. Eö verdiente aber auch der Gnadenort, au welchem die Gläubigen selbst serner Länder in Andacht zusammenkommen, daß die Bewohner der verschiedensten Gebiete dort repräscntirt seyen, die trennenden Märchen, welche in weltlicher Beziehung diese scheiden, auf dem ungleich edlern und reinern Boden der Kirche nicht wieder anfgepflanzt würde«. DaS aber gibt zugleich Zeugniß, daß Einsiedeln noch nicht sey ergriffen worden von jener, das Höhere verkümmernde« Staalö- verknechtung, die ihr geistiges Einschrumpfen, ihre jämmerliche Hohlheit hinter haus- backigc Redensarten verbergen mnß. Es gibt Zeugniß, daß die Regierung von Schwyz, zwar über ein kleines Ländchen gesetzt, an innerer Grvsze hinanfragl über so viele, die vielleicht vornehm auf sie herabschaucn, weil sie nicht mit Unrecht sich mästet — uud sich hütet, frevelhaft hinüberzugreifen in das, was nicht ihres Befugnisses ist. — Von den sechzig Priestern, die Einsiedeln zählt, leben über die Hälfte aus Statthaltereien, Pfarreien, sechs an dem Gymnasium zu Bellenz (diese jedoch nicht als StaatSbeamtcte, sondern als Professoren einer ganz durch sie geleiteten Austalt), von der andern Hälfte sind nicht viel über zwanzig für die sehr besuchte Wallfahrt, deu Beichtstuhl uud was mit jener verbunden ist, sodann für die in den letzten Jahren unglaublich erweiterte Uuterrichts- und Erziehungsanstalt zu verwende», so daß man in Wahrheit sagen kan», die Religiösen von Einsiedeln wissen, waS eö heiße, des TageS Last und Hitze zu trage». Mit welcher freudiger Willfährigkeit sie allem sich unterziehe», was zu dcö Nächsten Heil dienen kann, das vermag »ur derjenige zu beurtheilen, der je dessen Augenzeuge seyn konnte. Die Schule, die jetzt nahe an andcrthalbhundert Zöglinge zählt, ließe sich bei dem Zudrange dazu «och bedeutend erweitern, wenn nicht der Raum und die zu verwendenden intellectucllen Kräfte natürliche Gränzen zögen. Für zwanzig Austretende haben sich dieses Jahr sechzig neue gemeldet. Ist eS schmerzlich, daß von diesen zwei Drittheile mußten abgewiesen werden, so ist es doch wohlthuend, sich überzeugen zu dürfe», daß immer noch eine ansehnliche Zahl vo» Eltern auf christliche Erziehung und christlichen Unter- 359 riebt ihrer Knaben allen Werth legen. Denn daß andere, ehedem katholische Anstalten, von solchem altvätcrischen Tand sich nicht mehr berühren lassen, dafür sorgen die von StaatSwegen bestellten ErziehungSräthe, weltlichen Schulinspcctoren, und mit sorgfältiger Rücksicht ans erforderliche Freisinnigkeit und zweckdienliche Brauchbarkeit berufenen Professoren. — Jener Zudrang zu der Schule iu Einsiedeln findet ein eben so erfreuliches Seitenbild zu dem, was jüngst in Politz und in Linz, in zwei Anstalten, die den so vielfach verhöbnten und verlästerten Jesuiten übergeben sind, wahrzunehmen war. Am erstem Ort haben manche der Herren Bureaukraten Gesichter gemacht, als der hochwürdige Bischof von Lcitmeritz das wankellose Vertrauen aussprach, welches er in die Wirksamkeit der V. V. der Gesellschaft Jesu durch eine katholische Erziehung für eine bessere Zukunft setzte. War auch dieses nicht normal- mäßig gesprochen, so lag doch darin der Ausdruck der Ueberzeugung vieler Eltern, was sich dadurch bewährte, daß hundertsiebzig Zöglinge angemeldet wurden, während für das erste Jahr nur fünfundzwanzig Aufnahme finden konnten. Diese sollen durch die nächsten sieben Jahre je um fünfundzwanzig vermehrt werden, bis die Zahl von zweihundert voll seyn wird. In Linz hat sich dasselbe gezeigt. Der beschränkte Raum gestattet vor der Hand nur fünfzig Knaben unterzubringen; und so mußte auch da eine große Zahl auf die Zeit verwiesen werden, in welcher Erzherzog Maximilians Großmnih in Aufführung eines neuen BaneS es möglich machen wird, wenn nicht allen Eltern, doch einer weit größern Zahl derselben die Wohlthat der Aufnahme ihrer Kinder in eine solche Anstalt zu gewähren. — Dem Vernehmen nach soll man auch in Niederösterrcich im Begriff seyn, auf Herstellung von ähnlichen katholischen Bildniigsanstalten für die Jugend zu denken. (W. K. Z.) Pater Petrus Claver ans der Gesellschaft Jesu. ) Unter großer Feierlichkeit geschah zu Rom von Sr. Heiligkeit Papst PiuS IX. am 2 t. September d. I. die Heiligsprechung deS Pater PetruS Elaver auö der Gesellschaft Jesu, nachdem Papst Bcnedict XIV. im Jahre 1747 den Heroismus seiner Tugenden erklärt, Papst PiuS IX. im Jahre 1848 die Aechrheit zweier auf seine Fürbitte geschehener Wunder anerkannt »nd ihn im Jahre 1850 bereits selig gesprochen hatte. PetruS Claver, zu Verdu, einer kleinen Stadt KalabrienS in Spanien, im Jahre 1585 geboren, trat kaum siebzehn Jahre alt in den Orden der Gesellschaft Jesu ein. Der gottselige Alphonö Rodriguez gewann den jungen Adspirantcn sehr lieb und rüstete durch seine Belehrungen denselben frühzeitig zu jenem auserlesenen Werkzeuge der göttlichen Gnade zu, als welches er in seiner spätern Wirksamkeit sich offenbarte. Ehe er «och seine theologischen Studien vollendet hatte, wurde er von seinen Obern nach Reu-Granada berufen, und hier ItiU) zum Priester geweiht. Seitdem wirkte er in Carthagena über vierzig Jahre. In der strengsten Abtödtung und in anhaltendem Gebete dem Herrn dienend, machte er zum vorzüglichste» Gegen stände seines Wirkens die geistliche und leibliche Obsorge für die Sklaven, mit welchen damals ein anSordentlich starker Handel nach dem MissionSplatzc ClaverS getrieben wurde. Die Zahl der dnrch ihn Bekehrten und Getauften schätzt man auf mehrere Hunderttansendc, so daß man ihn im Gegenhalte zu Franz A'aver den zweiten großen Apostel der Inder (West-Inder) nennen darf. Seine für die unglücklichen Neger flammende Liebe bewies er insbesondere durch die großartigste Aufopferung, mit welcher er sich denselben hingab, va die verheerende Pest unter ihnen auSgcbro- chen war. Er begnügte sich da nicht, ihr Seelcnarzt zu sey», sondern übte an ihnen ') Ausführliche Bioqravhie vom P> Vrrtr.ind Gabriel ^lenriau, übers, von Or. Sckellle, Augsburq. Voll. IVZ3 XVI. und 383. 360 Tag und Nacht die leibliche Pflege und sog den Kranken sogar die Pestbeulen aus, um sie vom Tode zu erretten. Am 10. September hauchte er seine heilige Seele aus. Papst PiuS hat ihn bei seiner Heiligsprechung als den „Mohren-Apostel" (^laurorum apostolus) mit besonderem Vorzuge bezeichnet, und ein in der PeterSkirche am Tage der Heiligsprechung ausgestelltes Gemälde enthielt eine Darstellung von seiner apostolischen Wirksamkeit unter den Sklaven. DaS Kirchengebet zu Ehren deS heiligen Petrus Claver lautet also: „O Gott, der du den heiligen Petrus, deinen Bekenner, damit die armen Sklaven zur Erkenntniß deines Namens gelangen möchten, mit wunderbarer Selbstverläugnung und außerordentlicher Liebe ausgerüstet hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, daß wir nicht daS Unsrige, sondern daS, waS Jesu Christi ist, suchen, unsere Nebenmenschen im Werke und in der Wahrheit lieben mögen." Die Franzofen. I^'vnivers urtheilt über Frankreich: „ES ist der Ruhm der geistreichsten Nation der Welt, daß fünfunddreißig Millionen Menschen sich von einigen Tausend Narren oder Schlingeln fortwährend ruiniren, berauben und mordbrennen lassen. Hiermit soll aber nicht gesagt seyn, daß man nur ein Absolutist, ein Feind der Republik, der Tribüne und der Presse zu seyn brauche, um auch ein wirklicher Gegner der Revolution zu seyn. Keineswegs, sonst wären Richelieu, Ludwig XIV., Friedrich II., Joseph II., Napoleon und mehrere Czaren ausgezeichnete Vorbilder. Denn sie alle haben daS Geistige dem Zeitlichen geopfert, die Gerechtigkeit und die Moral dem königlichen, nationalen oder ministeriellen Ehrgeize untergeordnet, und die Kirche, die einzige Macht, die noch Kraft besitzt, von den Völkern die göttliche Zuchtruthe abzulenken, erdrückt. Diese Potentaten haben trotz ihres Talentes die Welt zur Revolution gedrängt Denn wenn die Erde einmal vom Throne des heiligen PetruS losgetrennt ist, diesem einzigen, von Gott hienieden für immer befestigten Stützpuncte, so ist sie nur noch eine schwebende Kugel, welche der Teufel nach Gutdünken hin und her bewegt. Um mit der Revolution wahrhast zu brechen, und ihr furchtbarer Feind zu werden, muß man zu allererst die Bedingungen der religiösen Dauerhaftigkeit erkennen, lieben und zu erfüllen suchen. — Ist das geschehen, dann sind die Regie- rungSformen eine untergeordnete Frage; sie ändern sich und müssen sich ändern je nach den Zeituniständen und den Oerllichkeiten. Man kann Republikaner uud doch ein eben so muthiger Reactionär seyn, als wäre man Monarchist. In Frankreich besonders, wo in Folge der Erniedrigung des lehrenden Körpers, des Adels und der Würden die Demokratie zur Herrschaft gelangt ist, und aus Mangel an erhabenen Elementen regiert, wo man nicht genug weiß, daß die Institutionen nicht monarchisch seyn können, wo der König nur ein Strohmann zum Unterzeichnen ist, gezwungen, die Handlungen eines Parlaments, eines zum Herrschen untauglichen Herrschers auf sich zu nehmen; in Frankreich, wo man zu ignoriren scheint, daß daS Wesentliche der Mensch ist, und nicht die Institution, hier sollten sich die Gegner der Revolution weniger um StaatSformen, als um die Erziehung der Menschen kümmern. ES ist ohne Zweifel wesentlich, zu verhindern, daß daS Vaterland nicht in Brand gesteckt werde, und seine Bürger sich untereinander erwürgen. Daraus folgt die Nothwendigkeit einer starken Regierung, die jede verbrecherische Propaganda unterdrückt, um für die öffeutliche Erziehung die nothwendige Zeit zu gewinnen." Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Berlags-Jnhabcr: F, E, Kremer. Tilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMung. l«. November H^- ^t«. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementspreis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die Erziehung der Jesuiten. *) Zu den vielen Verdiensten, welche der heilige Jgnatius von Loyola und seine Jünger, die vielseitig gefürchteten, mit Unrecht verachteten und schändlich verleumdeten Jesuiten um das Wohl der Menschen sich erworben haben, gehört auch das Verdienst um die Erziehung und den Unterricht der Jugend. Freilich haben die Feinde der Jesuiten, die in den meisten Fällen auch Feinde der katholischen Kirche und ihrer heiligen Institutionen sind, die Grundsätze der Jesuiten, von denen sie bei der Erziehung und dem Unterrichte der Jugend geleitet wurden, lächerlich zu machen und »IS verderblich darzustellen gestrebt. In allen Jahrhunderten seit der Gründung deS Jesuitenordens haben sich indeß auch Stimmen der Wahrheit und Gerechtigkeit erhoben, welche die ungerechten und lügenhaften Anschuldigungen zur Ehre des berühmten Ordens bekämpft haben. In unsern Tagen, wo so vieles über die Erziehung und den Unterricht geredet und geschrieben, wo nicht mit Unrecht behauptet wird, daß das heutige Sittenverderbniß der Menschen in der verkehrten Richtung, welche die Bildung der Jugend in den letzten Decennien unsers Jahrhunderts und schon früher genommen hat, meistens seine Quelle finde, möchte es nicht am unrechten Orte seyn, in diesen Blättern für die Erziehung und Bildung der Jugend auf die Grundsätze, welche die großen Erzieher der Menschen, die Jesuiten, gehabt haben, zurückzukommen. Wir nehmen zu dieser Darstellung einige Schriftsteller, die für die Jesuiten gegen den Lug und die Verleumdung ihrer Feinde in die Schranken getreten find, zu Hilfe. Insbesondere ist eS daS Werk von DallaS, der ein eifriger Anhänger der anglikanischen Kirche, aber auch ein würdiger Vertheidiger der unterdrückten und verleumdeten Gesellschaft Jesu gewesen ist, auf welches wir uns hiebei berufen. Schon bei dem ersten Blicke, den man aus daS Fundament deS vom heiligen JgnatiuS gegründeten Gebäudes wirft, gewinnt man die Ueberzeugung, daß der Stifter deS Jesuitenordens ein ganz mit dem Geiste Gottes erfüllter und von dem reinsten Eifer für die Verbreitung göttlicher Wahrheiten durchdrungener Mann war. ^ck msjorem Vei ^Ivrism war der Wahlspruch unv die Grundidee aller seiner Einrichtungen. Die möglich größte Verherrlichung Gottes ist also der erste und letzte Zweck aller seiner Vorschriften. Sie ordnet und regelt den Eifer in der Ausübung jeder Tugend, in den wissenschaftliche» Arbeiten und Fortschritten, in der Sorge für "1 Warum hangen wir so sehr an den Jesuiten? Eben wegen jenes giftigen Hasses, den alle Feinde der Kirche gegen sie hegen! Ich will damit nicht sagen, daß alle Feinde der Jesuiten auch Feinde der Kirche seyen, aber ich sage es ohne Hehl heraus, daß die Feinde der Kirche stets und vor Allem Feinde der Jesuiten sind. Auf die Jesuiten fallen immer die ersten Schläge und darum schenke» ihnen die Katholiken Achtung und Vertraue» als eiucr Vorhut und einem Gardecorps der Kirche, (Der Graf rvn Montalembert in seiner im Jahre 1844 gehaltenen Red? über die reli-u'ösen Orden ) 362 daS Zeitliche, in der Ausbildung der Talente und in der Anstheilung der Verrichtungen und Aemter. Gebet und Geschäft, Arbeit und Ruhe, Belohnungen und Strafen, daS Gewähren oder Abschlagen eines Begehrens, mit einem Worte: Alles Denken, Wünschen, Handeln hat nur Ein Ziel, Einen Grund, Einen Wahlsprnch, nnd dieser ist: Alles zur größeren Ehre Gottes! In diesem Fundamente liegt die Summe aller christlichen Vollkommenheit, und wer diesen Grundsatz an die Spitze seiner Handlungen stellt und von ihm geleitet wird, der wandelt vor Gott und strebt nach der Vollkommenheit, die der Heiland vorschreibt mit den Worten: Seyd vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. (Matth. 5, 48.) Der ist ein wahrer Nachfolger des Heilandes, der von sich sagte: Ich suche nicht meine Ehre (Joh. 8, 50). Meine Speise ist, daß ich den Willen desjenigen thue, der mich gesandt hat, damit ich sein Werk vollbringe. — Welche Meinung man auch in unsern Tagen, wo die möglich höchste intellektuelle Ausbildung und die möglich größte Hebung der Industrie die Leiter der Jugendbildung an vielen Lehranstalten geworden sind, von einem solchen Fundamente, von einem solchen unausgesetzten Gesichtspunkte haben mag: so ist doch nicht zu läugnen, daß in diesem Grundplan der Erziehung des heiligen Jgnatius und seiner Nachfolger, der Jesuiten, etwas Großes liegt, und daß er nothwendig von Tugend zu Tugend, und so zu einem Wandel vor Gott führen muß. Menschen, die bei all ihrem Thun und Lassen einen solchen Zweck vor Augen haben, kann keine Tugend sremd bleiben, und jede führt zu einer größeren Verherrlichung Gottes, und somit zur größeren Vollkommenheit der Seele. — Die Sorge für die Erziehung und den Unterricht der Jugend war einer der hervorspringenden Charakterzüge deS vom heiligen JgnatiuS gestifteten Instituts. Nur zu sehr war der Stifter überzeugt, daß eine verwahrloste, nicht auf Vervollkommnung deS geistigen Menschen gegründete Erziehung die erste und beinahe einzige Quelle aller Verirrungen, aller Laster ist. Der Verstand deS Menschen ist durch die Sünde verdunkelt; der Wille ist schwach und ungeneigt zum Guten, und geneigt zum Bösen; die böse Lust hat einige Herrschaft über den Menschen. So lehren eS Erfahrung und Offenbarung. DaS Verhältniß, wie eS war zwischen Gott und dem Menschen, ist durch die Sünde gestört, nnd wenn auch durch die heilige Taufe der Mensch auS einem Kinde deS Zornes Gottes ein Kind der Gnade, daS durch Jesum Christum ein Recht auf die Erbschaft des Himmels hat, geworden ist, so bleiben doch nach der Lehre unserer heiligen Kirche die genannten Folgen der Erbsünde in dem Neugelauften znr Erinnerung an die Größe der Sünde, zur Demüthigung und zum Kampfe wider die böse Lust. Mit Christi Gnade den Menschen aus diesem elenden Zustande herauszuziehen, uud daS Verhältniß, wie eS war zwischen Gott und dem Menschen vor der Sünde, wieder herzustellen und so den Menschen Gott wieder zuzuführen, daS ist die Aufgabe der katholischen Erziehung. ES entging nun dem heiligen Jgnatins nicht, daß alle Arbeiten seines Ordens nur einen schnell vorübergehenden Nutzen bringen würden, wenn er nicht durch eine zweckmäßige, der Bestimmung deS Menschen angemessene Erziehung dafür sorgte, daß die Früchte jener Arbeiten gleich einem unveräußerlichen Erbe von e ner Generation zur andern und von Geschlechtern zu Geschlechtern übertragen würden. In dem Orden selbst stets gute Lehrer uud geschickte Erzieher zu haben war ein Hauptgegenstand seiner Aufmerksamkeit. Durch die geistlichen Uebungen, welchen er die jungen Jesuiten in dem Noviciat unterwarf, suchte er ihnen jenen religiösen Charakter und jene Festigkeit in der Tugend zu geben, ohne welche sich durchaus von keinem Erziehungssustem etwas Gedeihliches erwarten läßt. So lernten sie üben, waS sie später lehren wollten, so lernten sie, ein lebendiges Wort zu werden, das da wirksamer ist als der todte Buchstabe, als der verhallende Ton. Hier in dem Noviciat gewannen sie einen Geschmack an der Abgeschiedenheit und an einem einsamen Leben; hier erhielten sie jenen Geist der Ordnung und jene Liebe zur Arbeit, welche nichts so sehr fliehen als Müßiggang und gedankenlose Zerstreuung; hier lernten sie, über sich selbst nachdenken, gutem Rathe und heilsamen Ermahnungen folgen, die wahre von der falschen Ehre unterscheiden, sich selbst achten 363 und die Tugend über Alles schätzen; kurz hier erhielten sie die Bildung, welche nothwendig einem, den Wissenschaften geweihten Leben vorangehen muß. In den fünf aus das Noviciat folgenden nnd bloß dem Studircn gewidmeten Jahren war ihr Studien- plan vorzüglich darauf berechnet, daß sie sich zu guten Lehrern bilden uud nachher unter der Leitung eines dem Schulwesen vorgesetzten PräfcctS selbst einer Schule vorstehen konnten. UeberauS wichtig war dem heiligen JgnatiuS also die Bildung der Lehrer selbst. Und in der That, hängt nicht die für Zeit und Ewigkeit beglückende Jugcndbildung von der zweckmäßigen Bildung der Lehrer ab? Sollte man in allen Staaten nicht darauf die meiste Rücksicht nehmen uud die größte Aufmerksamkeit verwenden? Die Schullehrerscminarien sind die Pflanzstätten der Erziehung und des Unterrichts der Jugend. Was da auf den Verstand und daS Herz der angehenden Lehrer gesäel wird, das bringt Frucht, und diese Frucht wird später wieder Aussaat auf die jungen Seelen der Zöglinge. Wenn in den BildungSanstalten für Lehrer ausS Fleisch gesäet wird, so wird man auch vom Fleische ernten, und vom Fleische wieder aussäen, und waö? — das Verderben. Die Grundsätze, welche ans dem oben erwähnten Grundplane hervorgingen und worauf daS Erzichnngssystcm der Jesuiten beruhte, die Vorschriften, welche der Stifter des Ordens ihnen hinterließ, haben alle den Charakter einer tiefen Weisheil. Dieselben alle hier zu entwickeln ist unmöglich; das Wenige aber, waS wir davon sagen werden, wird vollkommen beweisen, daß dasselbe Alles umfaßte, nichts in demselben vergessen war. Die Entwickelung der intellectuellen Anlagen war nicht das Einzige, waö JgnatiuS beabsichtigte. Es wäre das ja auch eine einseitige Bildung, wenn man nur den Verstand des zu bildenden Kindcö im Auge hätte, und seinen Willen und sein Herz unberücksichtigt ließe. Es soll der ganze Mensch mit allen seinen Kräften und Fähigkeiten gebildet werden; aber wo man auf Kosten teö einen Vermögens, etwa des Willcnvcrmögcns ein anderes Vermögen des Menschen, etwa das Äerstandesvermögcn in der Ausbildung bevorzugte, da würd.e die Bildung nicht harmonisch, milhin fehlerhast, schädlich seyn. Die Vervollkommnung der moralischen Kräfte schien dem heiligen JgnatiuS eben so wichtig als die der Vcrstandeökräfte, und jene hat »ach dem Ausspruche des Heilandes: Nur Eins ist nöthig! in gewissem Betrachte den Vorzug. Sein Streben ging also vorzüglich dahin, daS Herz der Knaben und Jünglinge für die Tugend empfänglich zn machen, ihr Gewissen wachsam zu erhalten, ihr sittliches Gefühl zu schärfen uud sie an die größte Reinheit der Sitten zu gewöhnen. Des Knaben erste Tugend ist Gehorsam. Um, heißt es in den Statuten, junge aufbrauseude Köpfe in den Schranken der Disciplin und Ord- nung zu erhalte», sind Belohnungen und Furcht vor der Schande weit wirksamere Mittel als körperliche Züchtigungen, und wenn dennoch zu diesen geschritten werden muß, so darf cS ja nicht mit einer Uebcrcilnng geschehen, welche der Gerechtigkeit einen Schein von Gewaltthätigkeit gibt. Sanfte Mittel müsse» stets zuerst versucht werden, ehe Züchtigung eintritt. Belehrungen, Ermahnungen, gelinde Vorwürfe, aber uicht Schmähwortc, nicht Beschimpfungen sind die Mittel, welchen die noch nicht verdorbene Jugend selten widersteht, — Nichts benimmt so schnell daö Ansehen und setzt den Eifer selbst des trefflichsten LehrerS in ein so zweideutiges Licht, als der Schein irgend einer parteiischen Begünstigung. Seine Pflicht ist eS also, ein gleich warmes Interesse an den Fortschritten eines jeden seiner Schüler zu nehmen, den Eiser keines seiner Schüler durch Gleichgültigkeit zu schwächen, daS Selbstgefühl keines derselben durch Geringschätzung zu verletzen. — Durch strenge Zucht kann man die Jugend zu äußerlicher Unterwerfung zwingen; aber nur durch Religion uud Tugend kann man bewirken, daß dieselbe sich auch gerne und willig unterwirst. Die größte Aufmerksamkeit der Jesuiten war also stets dahin gerichtet, so frühzeitig als möglich diesen jungen, noch empfängliche» und weichen Gemüthern die beseligenden Lehren der Religion so tief als möglich einzuprägen; diesem wichtigsten aller Zwecke war Alles untergeorvnei. Der ganze Unterricht war mit religiösen Ansichten dnrchflochten; bei dem Vortrag aller wissenschaftlichen Gegenstände wurden, wo immer die Gelegen- 364 heit sich darbot, religiöse Grundsätze entwickelt, so vaß mit den Fortschritten in den profanen Wissenschaften die Jugend auch stets in der Wissenschaft des Heils weiter fortschritt, und die Vorschriften des Instituts machten eS jedem Lehrer znm Gesetze, den Studirenden vor allein die tiefste Ehrfurcht gegen Gott beizubringen, seine Lektionen mithin stetö mit Gott und also mit Gebet anzufangen und mit Gebet zu endigen; die Andacht der Jünglinge immer mehr zu entflammen und alle seine Schü. ler durch einen klaren, ihren Begriffen angemessene» Unterricht in allen Wahrheiten und Vorschriften der Religion zu unterweisen. Der heilige Jgnatins machte deßwegen die Religion zur Grundlage der Erziehung, weil die Erfahrung ihn gelehrt hatte, daß da, wo jene großen Reizmittel zur Tugend, welche die Religion darbietet, ver- nachläßigt werden, die Menschen durch jede gesellschaftliche Verbindung nur noch schlechter.werden, und diese Gefahr offenbar noch ungleich mehr bei der Jugend zu befürchten ist, da diese, weil ohne Erfahrung, leichter von ihren aufkeimenden bösen Neigungen lnngerissen wird, und alsdann, »m ihre Verirrnugen durch fremdes Bei« spiel zu decken oder zu beschönigen, auch stets andere auf gleiche Abwege hinzuziehen sich bestrebe. Allen Regeln, welche er denen von seinem Ordcn gibt, welche zu dem Unterrichte der Jugend bestimmt sind, liegt diese große Idee zum Grunde; sie ist es, welche er vorzüglich der Aufmerksamkeit der Professoren, der Wachsamkeit der Prä- fecten, der väterlichen Sorgfalt der Reciorcn und der Aussicht ver Provincialen empfiehlt. Alle diese trefflichen Ideen findet man in dem daS ganze ErziehuugS- und Lehrsystem enthaltenden Buche linlio slmlwmm „och um Vieles erweitert. Hier wird den Lehrern zum Gesetze gemacht, die Anlagen ihrer Schüler genau zu erforschen, die aufkeimeuden bösen Neigungen durch stete Beschäftigung zu entkräften, die jugendlichen Gemüther zu einem edlen Wetteifer zu entzünden, den Kleinmüthigen und Furchtsamen Muth einzuflößen, aber auch den Anmaßungen des Stolzes uud des Eigendünkels kräftig zn begegnen. Alle in den Schulen übliche ehrenvolle Auszeichnungen sollen daher ohne alle andere Rücksicht ganz allein dem Verdienste znerkannt werden, nnd mögen diese auch in kleinlichen Dingen bestehen, ja kindisch erscheinen: für Kinder und Knaben hat Kleines die nämliche Wichtigkeit, als Großes für Erwachsene hat. Ließe man dem Kinde die Wahl zwischen einem Bilde und einem Ordensbande, cS würde sicherlich dieses liegen lassen und nach jenem greifen. In einer und derselben Classe wnrden die Schulen in Abtheilungen getheilt, welche in ihren wissenschaftlichen Arbeiten und andern Schulübungen wetteiferten, sich gegenseitig gleichsam zum Kampfe herausfordernd. Alljährlich fand eine mit vielen Feierlichkeiten verbundene Vertheilung der Prämien statt. Dem jugendlichen Ehrgeiz, der aber stetö in den Schranken gehalten wurde, ward hiedurck eine zweckmäßige Richtung gegeben, das Studiren durch den Reiz der Belohnungen versüßt. Mag eS wahr seyn? „DaS Gute sollst du lieben und thun lernen des Guten selbst wegen," mag eine Prämienvcnheilnng manche Schattenseite darbieten, so ist eS von der andern Seite doch nicht zu läugnen, daß hiedurch dem jugendlichen Ebrtriebe eine zweckmä> ßige Richtung gegeben, das Studiren durch de» Reiz der Belohnungen versüßt wird, und die Fortschritte der Schüler in den Wissenschaften befördert werden. (Schluß folgt.) Die Frauen in der Kirche. In dem jüngst erschienenen dritten Bande von HurterS Ferdinand !I. finden wir folgende Stelle über die Erzherzogin Maria (Mutter Ferdinand II.): Daß bei demjenigen vorzüglich, was im Grunde damals als Erstes und Bedeutsamstes gelten, neben welchem alles Andere in den Hintergrund treten mußte, in der Frage: welche religiöse Gestaltung daS Land anzunehmen habe? dann bei dem unauSgleichbaren Widerspruch, der in dieser Beziehung fortdauerte, Maria als handelnd, wirkend, abwehrend «intrat, dafür liegen genügsame Zeugnisse vor. In welchem Sinne dieses geschehen sey und einzig habe geschehen können, hierüber kann nach Allem, waS wir 365 von ihr wissen, kein Zweifel obwalten. Der Ernst und die Ausdauer aber, mit der sie für die Kirche gewirkt hat, der biebei hervortretende, alle ihre Lebensthätigkeit bedingende Grnndzug, auS dem dieses hervorgegangen ist, und der in Maria'S höchsten zeitlichen Lebensbeziehungen seinen Widerschein fand, veranlaßt u»S zu einer Bemerkung, die als Abschweifung gelten mag, für diejenigen aber, welche dieselbe zu würdigen wissen, dennoch nicht anßer Beziehung zn der Erzherzogin Thun und Wirken steht; zugleich, waS kaum wird angestritten werden können, die österreichische Bedeutung dieser seltenen Fran zn einer weltgeschichtlichen erhebt. Unser Herr selbst stellt seine unauflösliche Verbindung mit den »ich« atomistisch zusammengehäuften, sondern einen GesammtorganismuS bildenden Gläulngeu, die lebenquellende Einigung mit seiner Kirche, unter den mystischen GesichtSvunct der Verschmelzung alles Empfindens, WollenSundAnstrebcnScineSBräntigamS und seiner Braut. Der Apostel da»» vergleicht jedes Erlauen deS Christen, jede Sonderstellung, in der daS Individuum von diesem Organismus sich trennen will, dem Treubruch gegen den Gemahl. Man könnte jenes nnd dieses für so anmuthige als tiefgcdachte Bilder halten. Aber beide sind mehr als bloße Bilder; sie sind prophetische Worte, welche, sortlausend durch die Geschichte, in die Thatsachen hinübcrtreten; so Christus als seine Apostel sprachen damit eine von dem Mysterium umhüllte allgemeine Wahrheit aus, welcher zwei durchaus abgekehrte Richtungen zu gleichmäßig bekräftigendem Zeugniß dienen müssen. Denn wie, hinab von der heiligen Helena, der bayerischen Regintrude, der fränkischen Emma, ClotildenS Enkelin, welche den Angelsachsen, der polnischen Dobrowka, Miccislavs Gemahlin, welche diesem Slavenstamm das Evangelium brachte, durch Frauen, die in der zeitlich'ehelichen Vcrbiudung das Abbild der ewig-geistigen geehrt habe», jene mystische Verbindung gefestigt und dem Bräutigam die Braut mackelloser e»tgege»gesührt worden ist, also ist durch solche, die i» unreinem Gelüste der zeitlich-ehelichen Verbindung Hohn gesprochen haben, auch jene ewig-geistige zerrüttet oder vollends gelöst worden. Hicfür hat von der Lncilla der Donatiften, der byzantinischen Tänzerin, wie der römischen Buhlerin Theodor«, der Anna Boleyn und jener Pompadour, welche in Frankreich der Kirche den ersten Stoß versetzt hat, bis weit hinab in die Zeiten, selbst hinüberstreifend in die nnsrigen, die Geschichte für rückwärts gewendete Prophctien gesorgt. Zu denjenigen Frauen nun, in welchen das Mysterium iu ihrer ehelichen Verbindung nach seiner realen, in ihrer kirchlichen nach seiner ideale« Seite sich dargestellt hat, darf mit dem vollesten Recht die Erzherzogin Maria gezählt werden. Dieselbe Treue und Hingebung, welche sie mit dem Gemahl verband, einigte sie auch mit der Kirche; und wie durch das späler folgende Sacrament ihr leibliches Daseyn an jenen, so war durch die vorangegangenen der Tause und Firmung ihr geistiges Leben an diese hingegeben. In der Kirche geboren, durch die Kirche erzogen, mit und in der Kirche und durch die Kirche ihren LebenSlauf vollführend, konnte Maria Ansprüche an ihr Wollen und an ihr Thu» (außer dem Gemahl) mir der Kirche einräumen; mußte ihr, waS zu deren Beschränkung oder Benachtheiligung wollte unternommen werden, als Frevel erscheinen, weltliches Ansehen und fürstliche Macht ihr einzig dazu anvertraut seyn, um dieselbe» zu desseu Abwehr einzusetzen. Ihrer vollesten Ueberzeugung »ach (uud dieselbe spricht sich bei jeder Veranlassung aus) galt ihr dieses nicht als Recht, sondern als oberste und geheiligteste Verpflichtung deS Regenten; als eine Verpflichtung, welcher derselbe aus ganz andern als bloß menschlichen und zeitlichen Rücksichten treulichst Genüge zu thun habe. Eine solche Verpflichtung ist auch von denjenigen Fürsten, welche das Ankämpfen gegen die Kirche zur eigenen Sache gemacht hatten, zu jener Zeit nicht minder in Ansprnch genommen, nirgends bei ihrer Partei angezweiselt worden. Hatten sie hiesür giltigere und unantastbare Gründe als Maria und diejenigen Regenten alle, welche dem Sinn der Erzherzogin gemäß handelten? Ist es wirklich ein Gewinn, daß ein solches Walten — über daS Anerkennen wollen wir ganz hinwegscben --- in .jetziger Zeit nicht mehr kann, vielleicht sogar nicht dürfte begriffen werden? 3S6 Wie Maria die Stellung eines katholischen Landesherr» in Beziehung zu der Kirche, wie sie die Gegner von dieser als Gegner von jenem sich dachte, das können wir am besten einem Briefe an ihre Tochter Anna entnehmen, in welchem sie aus Veranlassung der ihrem Gemahl durch seinen Oheim, den Herzog von Södcrmann- land, bereiteten Widerwärtigkeiten den Gedanken freien Lauf läßt. „Sie für ihre Person wollte," schreibt sie, „ihren Kopf nicht eher auf ein Kissen legen, ehe sie diejenigen Alle, welche solcher Sachen Schuld trugen, zu Paaren getrieben hätte; dieß selbst auf die Gefahr hin, daß hievurch Schweden für sie verloren ginge. Dahin, um thun zu müssen, was Jene wollten, würde sie es niemals kommen lassen; Freund und Feind würde sie um Hilfe ansprechen. Wäre sie Konig von Polen, so müßte eö ihr Erstes seyn, Friede mit dem MoScowiter zu schließen, hierauf denselben gegen Schweden zu Hilfe zu rufen." — Sind wir in unserer bildungöstolzen Zerfahrenheit und Abschwächung entwöhnt, einen solchen festen Willen, einen so kräftigen Muth, eine solche großartige Opserfähigkeit da, wo eS sich um Glaube und um Kronen handelt, an Männern zu verehren, wie würden die Zeitgenosse«, welche in Fürstinnen höchstens noch Hausfrauen in etwas ausgebreiteterem Kreise erkennen möchten, erst dann in Entsetzen gerathen, wenn mit derartiger Entschlossenheit eine solche unter ihnen aufträte? Ein Nothruf aus Mecklenburg. DaS in der Postzeitung erwähnte merkwürdige Actenstück, welches vom Norddeutschen Corrcspond enten gebracht wird, vom Organe der Altlutheraner, lautet wie folgt: „Wir sind Lutheraner nach Geburt und Erziehung, und es ist wahrlich nicht unser sündig Gelüsten, zu scheiden von Dem, was Gott uns gegeben hat. Wir wollen kein äußerliches Gut gewinnen, kein eigenes Interesse bei unserm Ucbertritte verfolgen: aber können wir länger in einer Kirche bleibe», in der es so aussieht wie in der lutherischen, wo nichts ist als Uneinigkeit, Schwäche und Werfall? — Wir gründen angeblich unsern Glauben auf die Bibel und verwerfen Alles, was gegen dieselbe streitet. Daö ist recht schön; aber bekanntlich ist die Bibel ein Buch voll vieler Dunkelheiten und Schwierigkeiten. Man sagt nun freilich, diese kommen daher, daß der vollkommene Gott uns unvollkommenen Menschen immer in elwaö unbegreislich bleiben muß, wo er sich uns offenbart, und wir verwerfen deßhalb auch die Schrift keiucswcges, wo wir sie nicht verstehen. Aber eö muß doch für das Meiste eine Auslegung sich finden lassen, die man begreifen kann, und muß doch bestimmt werden können, welche Anslegung richtig ist. Eine solche feste, bestimmte Auslegung aber, wie sie die katholische Kirche har, fehlt uns in der lutherischen. Nicht bloß, daß unsere Theologen hin und her streiten, ob dieß oder jenes Buch ächt sey, und ganze Capitel und Verse streichen wollen, sondern sie sind auch über DaS, was sie als ächt anerkennen und stehen lassen, wegen der Aussassung iu größler Uneinigkeit. Wenn der Eine sonnenklar bewiesen hat, eine Stelle müsse so und so verstanden werden, so kvmmr bald wieder ein Anderer und beweiset eben so sonnenklar, alle Ausleger vor ihm Härten geirrt, man müsse es so und so auffassen. Während nun die Theologen von Fach selbst nicht wissen, wie die Bibel zu verstehen sey, sind wir armen Laien erst rechr zu bedauern. Wir werden aus die Bibel hingewiesen, und können doch nirgends eine feste Handhabe gewinnen, in dieselbe so einzudringen, daß wir zu einer Einheit der Auffassung gelangen. WaS ist das nun sür eine Kirche, die allenthalben und ganz allein auf die Bibel sich beruft, und doch keine Erklärung derselben zu finden weiß, welche unumstößlich richtig ist; die ihrcn Angehörigen nie mit voller Gewißheit sagen kann: „„So lautet die Auffassung der Kirche und diese Auffassung ist richtig?"" Muß man nicht zweifeln, ob eine solche Kirche den heiligen Geist habe, der in alle Wahrheit leitet, und sich, gerade wenn man es mit seinem Christenthum redlich meint, aus ihr hinaussehnen zu einer andern, 367 die mit Festigkeit sagt: „„So entscheidet die Kirche"", und mit Konsequenz bei ihrer Entscheidung bleibt? — Nicht besser steht eS bei uns mit den theologischen Ansichten; es ist da auch eine bedenkliche Mischung von allerlei Gegensätzen. Wir haben alt- lutherische, vrthodore, pietistischc, supranaturalistischc und rationalistische Prediger nebst allen Uebergangsstufen und Schattirungen dieser Farben. Auf einer und derselben Kanzel wird Christus „„der eroige Sohn des ewigen GotteS"" und „„der weiseste alier Menschen"" genannt. Die Gemeinden hören zum Theil des Vormittags, daß der Mensch nur durch die Versöhnung, welche Christus am Kreuz vollbracht hat, Gnade bei Gott findet, und des Nachmittags, daß die eigene Tugend unS den Himmel erwirbt. Der eine Prediger sagt seinen Confinnanden, die Geboterklärung sey die Hauptsache, der andere in derselben Gemeinte behauptet, die Lehre vom christlichen Glauben und den Sacramcntcn stehe obenan, daS Uebrige erst in der zweiten Stelle. In ähnlicher Weise tritt bei aller Lehre das Eigenthümliche jeder Richtung hervor, und was ist nun von allen diesen Verschiedenheiten, die doch eben principielle Gegensätze bilden, für die Gemeinden zu halten? Ist es möglich, daß sie alle mil einander richtig seyn können, da es doch offenbare Gegensätze sind? Und wenn die Wahrheit doch eben nur Eine seyn kann und jeden Gegensatz als falsch ausschließt, welcher Lehre soll man glauben und auf welche seine Hoffnung zur Seligkeit gründen? Da gibt unS die lutherische Kirche keinen festen Halt und keine sichere Entscheidung; vielmehr lässet sie ihr Amt in all' diesen verschiedenen Richtungen vorwalten, unv duldet eS, daß die Gemüther durch die Gegensätze verwirrt werden. — Und eben so buntscheckig als die theologischen Richtungen der lutherischen Geistlichkeit ist bei unS auch Alles, was zum CultuS gehört. Nirgends findet eine völlige Uebereinstimmung statt, sondern wie die Amtstrachten der Geistlichen variiren die Einzelnheiten in fast allen Gemeinden. Gesangbücher, Melodien, Predigtterte, Ordnung des Gottesdienstes, Altarliturgie, Taufformular, Confirmation, Beichte, AbendmahlsauStheilung, Kopulation, Leichenbestattung — kein Ort hat in allen diesen Stücken völlig einerlei PrariS mit dem andern; und ost, wenn man in einer Entfernung von 4—6 Meilen die Kirche besucht oder bei einer kirchlichen Handlung gegenwärtig ist, weiß man kaum noch, ob man in einer Kirche, in einer Gemeinde desselben Bekenntnisses sich befindet, so ganz verschieden und deßhalb fremd kommt Einem Alles vor. WaS ist das nun für eine Kirche, die es nicht einmal in solchen Dingen zu einer Einheit hat bringen können? Ist eS möglich, daß unter solchen Verhältnissen ein Geist der Einigkeit durch die Herzen gehen, daß man sich stark in der Gemeinschaft fühlen kann, wo ein so bunter Kram ist? Muß man nicht durch dieß Alles vielmehr gelangweilt, erkältet und zuletzt zurückgestoßen werden? — All' diese Verschiedenheit har aber darin ihren lraurigen Grund, daß es unserer Kirche an der festen Auctorität ciueS starken Regiments fehlt. Die Prediger stehen einzeln in ihren Gemeinden selbst« ständig da, thun und lassen, was sie wollen; das Kirchenregiment kümmert sich um sie nicht, so lange sie ihre Arbeiten einliefern und keine Klage kommt. Die Visitationen sind stellenweise ganz abgekommen; Pastor und Küster, oft auch Küster und Pastor verwalten den Dienst an der Gemeinde Iah? auS Jahr ein im alten bequemen Schlendrian mit zunehmender Nachläßigkeit zum offenbaren Verfall. Ob der Gottesdienst gehalten, ob gut gepredigt, ob die Seelsorge fleißig getrieben, der Confirmaiiden- Unterricht nebst den Katechisationen gut und ausreichend beschafft, und alles Uebrige, waS sonst noch zum Amt und zum Gedeihen der Gemeinde gehört, zweckmäßig, fleißig unv piincllich vollführt win>, occr ob von alle Dem vielleicht gerade daS Gegentheil vorhanden ist — wer kümmert sich darum? Die Prediger berichten, das ist wahr, aber jeder berichtet über sich und seine Gemeinde, und nach den meisten Berichten kommt Nichts. Denn daS Kirchenregimcnt liegt in den Händen von Personen, welche theils von all' diesen Dingen wenig wissen, theils mit Geschäften so überhäuft sind, daß sie Gott danken, wenn nur Alles einigermaßen erträglich im alten Geleise ein- hcrkriccht. Und haben wir einmal Männer im Regiment, denen ein Herz für die Kirche und ein Auge und Ohr für ihre Schäden und Bitten geschenkt ist, dann sind 368 ihnen überall durch die Verhältnisse die Hände gebunden, daß sie weder Macht noch Mittel besitzen, zu ordnen, zu helfen, zu gebieten und zu strafe«. Ach, eS ist ein Unglück, daß die lutherische Kirche dem Staat ihre Güter und Rechte zur Mitgift ihres Bündnisses überliefert hat! Sie ist gekommen als eine herrliche, mächtige und reiche Braut; nun, da ihre Güter genommen und verbraucht find, ist vergessen, waS man ihr nach Recht und Pflicht schuldigt! Man hat für die arme, zum Dienst deS Staates erniedrigte Magd jetzt nichts mehr übrig als den Abfall von deS Herrn Tisch, und die Größe und Herrlichkeit früherer Zeit ist in den Staub getreten! — So ist der ganze innerliche Zustand der lutherischen Kirche Uneinigkeit, Schwäche, Ohnmacht. Und waS kann denn aus solchen Zuständen nach Außen hin Gutes kommen? Sehen wir unS um wie eS steht. Schulen mit glaubenslosen oder unwissenden Lehrern, die kaum daS tägliche Brod haben an vielen Orten; alte, gebrechliche Prediger bis zum letzten Athemzug mit dem Amt belastet, oder hilflos, menn sie auS Liebe zur Gemeinde eS niederlegen wollen; ungläubige oder sittenlose, träge und gleichgiltige Pastoren ohne Kläger und Richter; etliche Pfarren so armselig dotirt, daß sie kaum vor dem Verhungern schützen; Kirchen hie und da, die neben den Prachtstäken für edleS Vieh ob ihrer Armseligkeit und Unreinlichkcit sich schämen müssen; eine Menge von Gemeinden, die allen Glauben und alle Kirchlichkeil verloren haben; keine Spur mehr von SonntagSscicr und SonntagSordnung; keine Heiligkeil der Ehe, keine christliche Kindererziehung, kein kirchliches Leben in den Häusern; vollends keine Kirchenzucht, weil Niemand Lust hat, der Zucht seinen Nacken zu beugen und ihr seinen Arm zu leihen: — so stebt die lutherische Kirche dort, wo die Landeskirche ist, da als ein ursprünglich edler Stamm, aber seiner Krone, seiner Zweige und Blätter beraubt, hohl von der Fäulniß, von Würmern zerfressen, niederbrechend beim ersten Sturm, der mit entfesselter Wuth darüber hinbrauset! Und da sollten wir bleiben, an diese» Stamm uns halten wollen, bis er umfällt und unS mit seinen Trümmern zerschmettert? Wir können ihm kein neues Leben geben, und unser Herz kann keine Ruhe, unser Sehnen keine Befriedigung mehr finden, wo wir jetzt sind. Wir wollen unser Christenthum retten, wir wollen dorthin gehen, wo vic Kirche sagt, waS die Schrift bedeutet, wo die Kirche vorschreibt, was ihre Diener lehren und ihre Gemeinden lernen solle», wo über vic gleichmäßige Ordnung deS Cultus gewacht wird, und Alles so feierlich, erhaben und erquicklich, eine Harmonie der Anbetung ist; wo ein starkes geistliches Haupt sich nicht beugt vor den Gewaltigen der Erde, sondern allein vor Gott; wo die Gemeinden noch Glauben, Zucht u. kirchliches Leben haben, wo wirklich die Kirche ans einem Felsen steht, den die Pforten der Hölle nicht bewältigen können. Wir scheiden ungern vom Hause der Väter, aber wir müssen scheiden — wohlauf, gen Rom!" Friedrichs »I. Urtheil über die Klöster. Derselbe schrieb am 2l. März 17V7 an Voltaire: „Ich habe, und Andere mit mir, bemerkt, caß diejenigen Gegenden, in denen die meisten Klöster sich befinden, auch diejenigen sind, in denen daS Volk am blindesten dt - .'Iberglauben (in dem Munde dieser Herren: der christlichen Religion) anhängt. Es ist nicht zu bezweifeln, daß, wenn man es dahin bringt, diese Zufluchtsörtcr des Fanatismus (d. h. deS christlichen Glaubens) zu zerstören, raS Volk ein wenig gleichgiltig und lau gegen eben diejenigen Gegenstände werden wird, welche gegenwärtig seine ganze Verehrung haben. Es käme also darauf an, die Klöster zu zerstören, oder wenigstens den Anfang damit zu machen, damit man ihre Anzahl verringerte." Wo man diesen Rath (der wobl consilium ex inimi, » hätte dürfen genannt werden) treulich zu befolgen beflissen war und die angerühmte Wirkung bald verspüren mochte, ist allbekannt. VercmtMortllcher Rkd«n-tk»r: ?, Schönchtn. Bkrlags-Jnhav'r: F, «. Aremer. Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ,-il!'j,It tzl» . Izmmi^ Mi SiZwiL lMliN 7'iZniN. S5v „Snmiii» 1>M« chil7!»^tt76 .zchiiZt. 7,^ chilmö« 7,ttuM nbniN 7>? 7,?niÄ ZMkw 7Zcka ^,,chuüi?7>Z> Su» Slchiii ^>.'5T^ .?7^,ili »il 7Z6il iktilonoitoK -/ni, sil tchi» Augsburger polizeitung. ill>,lil^7Z Uj 7^L chruijciN ",!>7!lÄ 7')Niz Siik^ bichi-r ch-ir- iZtt'iT ,NZs.,j Slill wchM .Z7'^n>.' ,-^s!»iIlIU ^Äms kü>51U Aus dem Hirtenbriefe des H. H. Balerian Iirfik, Bischof von BudweiS in Böhmen, vom 1. Nov. 135i. Durch Gotteö Fürsehung auf den bischöflichen Stuhl zu BudweiS berufen, öffne ich heute zum ersten Male als Oberhirt meinen Mund, und rufe auS dem Grunde deS Herzens: „Gelober sey der Herr Jesus CbristuS!" O könnte ich doch Euch Alle um mich schaarcn, die Ihr in den Städten und Gauen meiner Diöcese wohnet! Von Angesicht zu Angesicht würde ich Euch Alle begrüßen; und ich bin dessen gewiß, daß ich aus Eurem Munde die einhellige Antwort vernehmen würde: „Bis in Ewigkeit." Da es mir jedoch nicht möglich ist, Euch Alle persönlich und mit Worten der Zunge anzureden, so spreche ich zu Euch durch dieses Schreiben..... Ich sage Euch im Namen deS Herrn, es wird nicht besser werden, bevor unter unS die Liebe nicht wieder auflebt, jene Liebe nämlich, die dem wahren christlichen Glauben entspringt, und die unter den ersten Christen heimisch war. O! daß doch daS heilige Feuer dieser Liebe auch Euch Alle ergriffe! O! daß der Herr selbst die Herzen der Reichen hinneige zu den Aermern, damit sie diese als ihre leibhaftigen Brüder erkennen! O! daß doch derselbe Herr auch die Herzen der Armen dahin leite, daß sie, mit der wahren Liebe erfüllt, die Reichern um den Segen Gottes nicht beneiden! Ja, bemühen wir u»S Alle ohne Ausnahme, nach der Mahnung deS Apostels „eine gleiche Liebe" zu haben. Dann, meine Geliebten im Herrn! dann wird es wieder besser werden auf Erden, bann werden wir auch nach den Worten deS Apostels „nichts thun aus Streitsucht und eitler Ehre." An diesem Orte möchte ich Eure Gedanken gern auf einen wichtigen Gegenstand hinleiten. In unserm lieben Vaterlande bestehen zwei Zungen neben einander, es wohnen nämlich hier Deutsche und Czechen. Die göttliche Vorsehung hat in diesem gesegneten Lande den Einen wie den Andern Hütten zur Wohnung neben einander angewiesen. Und da diese Anordnung vom Herrn selbst kommt, ist es zugleich sein Wille und sein heiliges Gesetz, daß ein Bruder den andern in wechselseitiger Liebe, Eintracht und Friedfertigkeit ertrage. Möge unS demnach keinerlei Leidenschaft spalten! Ich als Oberhirt komme ja zu Euch Deutschen und zu Euch Czechen zugleich, und wäre mir die Möglichkeit geboten, würde ich Euch Alle ohne Unterschied der Zunge an mein Herz drücken, Ihr seyd ja Alle meine Schaft, mir anvertraut von Christo dem Herrn. Vor Christus, unserm Herrn und Gott, so wie vor seiner heiligen Kirche gibt eS, nach dem Ausspruche deS heiligen Paulus, keinen Unterschied zwischen den Griechen und Scythen. Und ich sage in demselben apostolischen Sinne, eS finde im Angesichts Gottes und seiner Kirche kein Unterschied statt zwischen dem Deutschen und Czechen. Wir Alle, die Einen wie die Andern, sind gleiche Kinder deö Einen Vaters, der im Himmel wohnt; sind um gleichen Preis erkauft durch lM5 370 Christus, sind als Erben GotteS gleich geheiligt durch den heiligen Geist. Wohlan denn! wie ich Euch Alle zugleich mit gleicher Liebe umfange, so liebet auch Ihr Euch brüderlich unter einander als Kinder des Einen VaterS im Himmel, als theuer erkaufte Kinder der Einen Mutter auf Erden, nämlich der heiligen Kirche. Setzet nicht die eine Nationalität über die andere. „Thuet nichts aus Streitsucht," oder wie der heilige Augustin eö wieder gibt, „thuet nichts durch Aufreizung," denn also würdet Ihr nur den üblen Geist des ZwisteS und des Zwiespalts» selbst anfachen. Thuet auch nichts „aus eitler Ehre," nämlich nichts, wodurch Ihr zu erkennen geben wolltet, eS sey das eine Volk edler und besser als das andere. Rechtet und hadert also nicht wegen der Nationalität, wodurch das Band gegenseitiger Bruderliebe so leicht gelockert, ja selbst zerrissen wird. Vergesset nicht, daß gleich bei der Herabkunft des heiligen Geistes durch diesen Geist, welcher die Völker verschiedener Zungen zur Einheit deS Glaubens versammelt hat, sämmtliche Nationalitäten auf gleiche Weise und in gleichem Grade geheiligt worden sind. Liebet Euer Volk! Es liebe der Deutsche seine Zunge, eS liebe seine Zunge der Czeche. Gewiß ist der Volksstamm, dem wir entsprossen sind, unserer Liebe würdig; gewiß verdient eS jene Sprache, in der uns die Mutter Gott erkennen und zu ihm beten gelehrt hat, daß wir sie hochschätzen. Es lasse aber hierbei Niemand außer Acht, daß wir zuerst und vor allem Andern Christen, katholische Christen, und dann erst Deutsche und Czechen sind.. ... Zwei großartige Anstalten hat Gott der Herr auf Erden zu dem Endzwecke angeordnet, damit sowohl die leibliche als geistliche Wohlfahrt des Menschen gefördert würde. Ich meine hier die Kirche und den Staat. Wie viel Unheil die Hofsart in dem einen wie in dem andern Theile schon angerichtet habe, lehrt leider die Geschichte. Sie erzeugte nämlich in der Kirche, wie der heilige Kirchenvater Augu- stinuS bemerkt, allerlei Ketzerei, die nichts anders ist als Auflehnung gegen jene unfehlbare Lehrerin, die der Sohn GotteS auf Erden angestellt hat. Nicht anders treibt die Hoffart ihr Unwesen im Staate. Wie sie nämlich das göttliche Gesetz verachtet, so tritt sie auch das menschliche mit Füßen. Der Hoffärtige will Niemanden über sich haben, und er sträubt sich, einer bestimmten Ordnung und Einrichtung sich zu fügen..... Der Mensch hat das Recht, ein Eigenthum zu haben, das heißt, etwas solches zu besitzen, waS er sein eigen nennen könnte. Dieses Recht hat er, weil er ein Geist, weil er ein Vernunftwesen, weil er sich selbst bewußt ist. Der Mensch ist eine Person, ein Ich, es muß daher bei ihm auch ein Mein, also ein Eigenthum geben können. Ursprünglich hat Gott die Güter der Erde dem gesammten menschlichen Geschlechte als Eigenthum überwiesen. Nachdem eS aber der göttlichen Gnade durch den Fall verlustig ward, stellte sich die Nothwendigkeit heraus, daß daS Eigenthum der Allgemeinheit ein Eigenthum der Person werde, daS heißt, daß jeder Mensch etwaö für sich besonders besitze. Den Grund hiervon einzusehen hält eben nicht schwer. Würden die Güter der Erde Allen zugleich gehören, dann würde der Einzelne um dieselben wenig oder gar keine Sorge tragen. Jeder würde nur genießen, und Niemand sich durch die Arbeit seiner Hände das tägliche Brod verdienen wollen. .... Jeder hat das Recht, etwas zu besitzen; eS ist aber Niemand berechtigt zu verlangen, daß die Güter dieser Welt Allen im gleichen Maaße zu Theil würden. Die bestehende ungleiche Vertheilung dieser Güter ist eine natürliche Folge des Sünden- falleS im Paradiese. Gott will, daß Jeder selig werde; er will aber nicht, daß eS zwischen unö weder Reiche noch Arme gebe. Er vertheilt nämlich seine Gaben nach seiner Weisheit, und gibt nach seinem besten heiligsten Willen dem Einen mehr, dem Andern weniger. Wie Berge und Thäler auf unserer Erde sein Werk sind, so ist es auch der Reichthum und die Armuth unter ihren Bewohnern. Eö ist nämlich sein Wille, daß ein Mensch deS andern bedürfe, daß sich Einer dem Andern nähere, und also Alle durch daS schöne Band treuer, werkthätiger Liebe und Dankbarkeit als Glieder Einer Familie verbunden seyen. Darum wäre ein Sinnen und Trachten 371 nach irgend einer Gleichheit an irdischen Gütern geradezu eine Auflehnung gegen Gott selbst, zugleich aber auch ein Wahnwitz, ein Unverstand, und eine reine Unmöglichkeit, da ja eine solche Einrichtung kaum einen ganzen Tag hindurch fortbestehen könnte..... Da ich nun einmal von der Schule rede, kann ich nicht umhin, Euch zugleich zu bitten, daß Ihr die Lehrer Eurer Kinder in Ehren halten möget. Wahrlich, gar ehrwürdig ist deren Beruf! Ein Lehrer, welcher seinen Standespflichten gewissenhaft nachzukommen trachtet, verdient eS im vollen Maaße, daß ihn jeder Christ, jeder Familienvater hochschätze. Ist ja sein Amt so schwierig und mühevoll, und wie groß ist erst die damit verbundene Rechenschaft, die er vor Gott und den Menschen abzulegen hat! Dabei pflegt der Lohu für seine Mühe auf dieser Welt so klein und gering zu seyn. Trachtet demnach, daß dem Unterweiser Eurer Kinder durch Eure Leutseligkeit und Dankbarkeit, durch Eure Liebe, Erkenntlichkeit und Achtung die Bürde seiner Sorgen erleichtert und seine Arbeit und Mühe versüßt werde. Ist irgend ein Arbeiter seines Lohnes werth, so verdient diesen vor allen Andern ein gewissenhafter Lehrer. — Euch aber, Ihr Lehrer! wolle Gott selbst stärken, damit Ihr jene Aufgabe zu lösen im Stande seyd, die Euch die Kirche und der Staat gestellt hat. Da ich zu Euch ein andermal eigens und eiu MehrereS zu reden gesonnen bin, will ich hierorts nur bemerken, daß die Schule eine Tochter der Kirche ist, weil auS dieser hervorgegangen, und daß sie ihr nicht entfremdet werden darf, soll sie nicht etwa alles christlichen Geistes und jedes segenreichen Einflusses auf die Menschheit verlustig werden. Zwei Hände hat die Kirche, Die Priester sind ihre Rechte, Ihr aber, Lehrer in den Volksschulen! seyd ihre Linke. ES helfe nun eine Hand der andern; deßhalb trachtet also, mit unS Priestern Hand in Hand gehend, daS Reich GolteS auf Erden zu fördern. .... ES ist unmöglich, daß Jemand den Menschen gebe, waS der Menschen ist, sobald er Gott nicht gibt, was GottcS ist. Daß also daS Reich Gottes unter u»S im Abnehmen begriffen ist, daß die Menschheit von so vielerlei Elend, Noth und Drangsal schwer gedrückt wird, hat seinen Grund hauptsächlich darin, daß der Sonn- und Feiertag nicht geheiligt, oder nicht so geheiligt wird, wie die Vorschrift Gottes lautet. Bevor nicht der Tag deS Herrn allen Menschen daS seyn wird, was er nach dem Gebote Gotteö und nach dem Kirchengebot seyn soll, werden wir auch, Geliebte in Christo, keine bessern Zeiten erleben. DaS sollten besonders Jene beherzigen, welche von ihren Arbeitsleuten verlangen, daß sie nicht nur die ganze Woche hindurch, sondern sogar noch am Sonntage bis zum Mittage hin, in den Fabriken und Werkstätten knechiliche Dienste leisten. Freilich wohl versehen sie diese ihre Arbeiter mit dem täglichen Brode. WaS hilft eS aber, wenn sie dieselben hiebei um jenes Brod bringen, welches den Menschen zum ewigen Leben nährt; wenn sie nämlich dieselben um den Trost des Gebetes, um die Anhörung des Wortes GottcS, um den Empfang der heiligen Sacramente bringen? Zünden sie solchergestalt nicht selbst daS Dach über dem eigenen Haupte an? — Dessen sollten aber auch Eltern, Hausväter und alle Vorgesetzten überhaupt eingedenk seyn. Hängt ja aller Einfluß auf die Untergeordneten und Anvertrauten und somit aller Segen ihres Wirkens von dem Vertrauen ab, daS sie besitzen. Auf welche Weise ein Vorgesetzter sich das Vertrauen seiner Untergebenen erringen könne, ist Jedermann bekannt. Wie er sich aber um daS Vertrauen bringen, und also seinem erfolgreichen Wirken den Hemmschuh anlegen könne, erhellet auö folgenden wohlbekannten Worten, die oft im Munde deS lZolkeS gehört werden: „Wer keine äußere Religion hat, hat auch keine innere; ver keine innere hat, hat auch kein Gewissen; wer kein Gewissen hat, ist unser Feund nicht, und kein unbestechlicher, der Wahrheit und dem Rechte getreuer Mann: er ist ein Mann seiner Willkür und seines Vortheiles." ES möge ein Jeder selbst urheilen, wie viel Wahres an diesen Worten sey. Gewiß ist es aber, daß daS Betrauen gegen die Vorgesetzten sich bedeutend steigern und erweitern müßte, würden dies dem gemeinsamen öffentlichen Gottesdienste fleißig und andächtig beiwohnen, undsich die Pflicht, mit gutem Beispiele vorzuleuchten, öfters zu Gemüthe führen..... 37S Betet, und um dciS bitte ich Euch um der Liebe Gottes Willen, betet auch für mich, Euren nunmehrigen Oberhirten. Nicht getrachtet hab' ich je nach dieser Wurde, im Gegentheile seufzte ich oft zu Gott dem Herrn, er möge auf meine schwachen Schultern ein Amt nicht legen, welches besonders in diesen unsern Tagen die Stärke eines Paulus, die Gelehrsamkeit eines Augustinus, die Liebe eines Carl Borromäuö, so wie die Sanftmuth und Demuth eines Franz von SaleS verlangt. Bittet, ich beschwöre Euch darum! daß mir der Herr alle diese genannten Gaben und Tugenden verleihen möge, denn ich bedarf ihrer gar sehr, sowohl zu dem eigenen als zu Eurem Heile. WaS nun mich betrifft, so will ich „ohne Unterlaß" für Euch Alle beten bis zu meinem letzten Athemzuge. Tag für Tag will ich den Herrn uiisern Gott anrufen, er möge jegliches Uebel von Euch abwenden, und Euch alles Das geben, wodurch Ihr ihm Wohlgefallen und Euch selbst alle Zeit hindurch trösten und erfreuen könntet..... ?zsls^!in'izi?i<>h n'n ttZi?l:I? ml!» z-j» vs tz»mH -isM'jrli Die Erziehung der Jesuiten. (Schluß.) Das Institut des Ordens ist ferner bedacht, jedes böse, ansteckende Beispiel von der Jugend zu entfernen. Es gibt den Lehrern die Mittel an, wie sie jeder gefährlichen Verbindung gleich bei ihrem Entstehen zuvorkommen sollen. ES verordnet eine strenge Prüfung aller Bücher, welche den Studirenden können zugelassen werden, und verbietet sehr strenge den Gebrauch aller schlüpfrige Stellen enthaltenden Bücher. Es ist für die Lehrer eine nicht mindere Pflicht, Schüler zur Bescheidenheit und einer zuvorkommenden Höflichkeit anzuführen, ihre Fehler im Vortrage und in der Aussprache zu verbessern, und ihnen natürliche, anständige und gefällige Manieren beizubringen. Bei einem so weisen, tief durchdachten Plane, dessen äußerste Umrisse hier nur gegeben sind, mußte die Erziehung gedeihen, und aus so basirten Schulen mußten nothwendig Männer hervorgehen, die sich in der Kirche und im Staate auszeichneten. Die Erfahrung zweier Jahrhunverte hat des Kanzlers Bacon Urlheil bestätigt, der gesagt hat: „WaS die ErziehungSkuust der Jugend betrifft, so wäre der kürzeste Ausdruck wohl der: Gehe in die Jesuitcnschulen, denn diese sind die besten von allen." War für die - bürgerliche Gesellschaft der Nutzen, der aus dem mit dem Jesuitenorden statutenmäßig verbundenen öffentlichen Lehramte entsprang, groß, allgemein und unverkennbar, so war er eS nicht minder sür den Orden selbst. „DaS große Jesuitencollegium in Paris", sagte der Cardinal Maury, war der Centralpunct, der die Aufmerksamkeit aller Gelehrten, aller bedeutenden Männer aus allen Ständen Frankreichs auf sich zog. Es war das höchste literarische Tribunal, welches alle Gelehrten mit einer gewissen Art von Ehrfurcht als die erste Quelle literarischen Ruhms, als den Brennpunct der öffentlichen Meinung betrachteten, und welches Piron in seiner kraftvollen Sprache die eliamdrs mdentc; cles renutatioris litergiros nannte.^ Hz ..-.'j5L"m, ??iM i-kiZA >u!L .m-M,! ziz o»1' mu^rM Die Erfahrungen zweier Jahrhunderte und darüber haben das Erziehungsgebäude der Jesuiten mit ihrem untrüglichen Stempel bezeichnet; aber eben deßwegen war es auch der Gegenstand, gegen welchen die verschworn« Rotte als Christusseinde ihre wütheudsten Angriffe richtete; und wenn die Jesuiten als die Opfer dieser Verfolgungswuth fielen, so geschah eS nur deßwegen, weil die über ganz Europa verbreiteten Schul- und Lehranstalten dieses Ordens die blühendsten Pflanzstätten dS Christenthums waren. Hier ward der Glaube befestigt, der Eifer für die Verbreitung desselben entflammt, die Liebe entzündet und die Frömmigkeit genährt. ?ei den Philosophen freilich war alles dieses nichts als Fanatismus, Hirngespinste ,nd Aberglauben; zerstört mußten also diese werden, und so zerstörten sie unter diser erlogenen Hülle die schönsten Blüthen der Religion. 373 Fragen wir nun schließlich: was die Veranlassungen und Ursachen deS Sturzes dieses berühmten Ordens in manchen Ländern gewesen sind, so ist die kurze Antwort darauf diese: der Neid und die Bosheit seiner Feinde, wie auch der Atheismus und die moderne Philosophie. Die neuen Apostel der Vernunft haßten einen Orden, dessen Lehre und Grundsätze mit ihren neuen Systemen unvereinbar waren. Diese wußten, daß heilige Ehrfurcht sür die geoffenbarten Lehren der Religion oder kindlich frommer Glaube und religiöse Unterwerfung unter daS Scepter der rechtmäßigen Gewalt die beiden Hauptgrundlagen deS ErziehungSsystems der Jesuiten waren, veum timete. reZem konorikests (Fürchtet Gott, ehret den König), war eine der Maximen deö Ordens. Die Religion und daS Königthum oder der Altar und der Thron waren bei den Jesuiten zwei innigst mit einander verschwisterte Begriffe. Beides war aber auch der Gegenstand deS HasseS der philosophischen Neuerer; und über den Trümmern des gestürzten Altares auch den Thron umzustürzen der Zweck ihres im Namen und unter der Aegide der Philosophie geschlossenen Bundes. Um diesen Zweck zu erreichen errichteten sie ihre sogenannten philosophischen Schulen, d. h. Schulen der Gottlosigkeit und Jrreligion, in welchen Gott, die göttlichen Geheimnisse und seine heiligen Gesetze den Aussprüchen einer kalten Vernunft unterworfen wurden, wo man zum Grundsatze ausstellte, alles, waS der V-rstand nicht begreifen könne, als Aberglaube verwerfen zu müssen, und wo man am Ende so weit kam, gar nichts mehr zu glauben. Um den verderblichen Grundsätzen leichtern Eingang zu verschaffen bereitete man die Gemüther durch allerhand schlechte Schriften, die den Verstand der Jünglinge verwirrten und ihre Einbildungskraft in Brand setzten, darauf vor. Da aber die Jesuiten die eifrigsten Vertheidiger jener Wahrheiten waren, welche die sogenannten Philosophen durch Wort und Schrift für Fanatismus, Hirngespinste, Aberglauben zc. ausgaben, so richteten sie auf jene alle Pfeile deS Hasses und der Wuth, um sie zu stürzen und ihre Grundsätze wo möglich von der Erde zu vertilgen. Wenn eS unläugbar ist, daß der Ausbruch der französischen Revolution daS Werk der Atheisten und der verkehrten Philosophen ist, so möchte man die Behauptung auch nicht widerlegen können, daß die noch immer anhaltende Fortdauer revolutionärer Schwingungen nichts als eine Folge solcher Erziehungssysteme ist, nach welchen der Mensch kein anderes Interesse hat, kein anderes haben kann als dasjenige, was die Erde und seine Existenz auf derselben ihm darbieten. Durch die Zerstörung deS Jesuitenordens ward auch jenes Erzichungssystem zerstört, auf welchem die bürgerliche Ordnung und Sicherheit der Staaten überall beruhete, indem dasselbe keine andern Grundlagen hatte, als den festen Glauben an zukünftige, jenseits deS Grabes eintretende Belohnungen und Strafen, nebst der Ueberzeugung, daß der Mensch hienieden bestimmt sey, sein Heil zu wirken nnd für seine künftige Seligkeit zu sorgen. Traurig daher, wenn die Verirnmg deS menschlichen Verstandes ErziehungSsyfteme errichtet, in welchen gerade daS ausgeschlossen ist oder wenig gilt, waS die erste Grundlage desselben seyn sollte; Erziehungssysteme, in welchen der wahre Werth und eigentliche Zweck der Wissenschaften verkannt werden, in welchen der Unterricht blos oder doch meistens aus weltliche, vorübergehende, oft kaum des Wissens werthe Dinge beschränkt ist, und an die beglückenden Wahrheiten der Religion, für die daS jugendliche Herz so empfänglich ist, gar nicht oder doch wenig gedacht wird. DaS Erzie- bungssystem der Jesuiten war fest gegründet in dem katholischen Glaube»; daher die Conscauenz, daß sie Religion zur Grundlage eines jeden andern wissenschaftlichen Studiums machten und bloS von der Hand jener geleitet in die Geheimnisse der Natur einzudringen und die Gränzen deS menschlichen Wissens zu erweitern sich bemühten. Kein protestantischer Staat hat die Jesuiten und ihr Erzichungssystem zu fürchten; denn Jahrhunderte hindurch war ihnen die Erziehung der katholischen Jugend Englands anvertraut, nnd das hat dem englischen Staate kein Verderben gebracht; denn stets haben die Jesuiten ihren Schülern Ehrfurcht gegen die Gesetze deö Landes und Unterwerfung unter die bestehende Gewalt beizubringen gesucht. Zum Schlüsse dieser kurzen Skizze des ErziehuugsgebäudeS der Jesuiten fügen 374 wir noch die »ach unserer Meinung nicht zu widerlegende Behauptung hinzu, daß, wenn daS Erziehung?- und Unterrichtssystem unserer Tage die vielfach morschen und verkehrt.-» Grundsätze mit dem religiösen und darum haltbaren ErziehungS- und Untcrrichtsplan der Jesuiten vertauschte, der Kirche und den Staaten ein Stern aufginge, der Friede und Segen den Fürsten und den Völkern verkündete, »mms^ chüÄllN i»Zv m»?I»iF llMvÄn'/ßvsg iiD s-silizß hos )i4 Zibm^G «ztzjßöu»A'n 7»S Zl.üsnV dli'j ^:n,i knuv'-vnMll s'töi^i!^ 'x>!i»!T Ich komme so eben von der wahrhaft erhebenden Todtenfeier, die heute Mittag zu Ehren der Herzogin von Angoulöme in der Magdalenciikirche gehalten worden ist. Das Innere des prachtvollen Gebäudes machte einen unbeschreiblichen Eindruck. Trauertücher, mit silberner Sternen gestickt, umgaben das Schiff, in dessen Mitte sich ein prachtvolles Kenotaph, von Hunderten von Kerzen umringt, erhob. Ueber diesem schwebte vom Gipfel des Schiffes herab ein riesiger, mit Hermelin eingefaßter Baldachin. An den Enden verbreitete die blaßgrüne Flamme auS vier Riesenleuchtern ein magisches Licht. Bllc Fenster der Kirche waren gesperrt, und Hunderte von Kerzen und Lampen erhellten die künstliche Nacht, in deren geweihten Räumen die Todtenfeier der Tochter Ludwigs XVI. vor sich gehen sollte. Zu beiden Seiten der Kirche saß auf schwarz ausgeschlagenen Sesseln, waS Paris an allem Adel aufzuweisen hat. Es hatte sich nicht allein die Blüthe der Legilimisten, sondern auch so ziemlich Alles eingesunden, was politischen Namen hat. Neben Larochejacquelin, Benyer, Saint Priest, Fallour, Clermont Tonnere, Köratry sahmanMol6, Thiers, Changarnier, Lebreton, Heekeren, Estancelin und andere dem Principe der Legitimität nicht unbedingt huldigende Personen. Der Erzbischof von Paris hatte Hoffnung gegeben, selbst daS Todtenamt zu halten, wurde aber von dem Pfarrer der Magdalenciikirche ersetzt. Wahrscheinlich mochten Scrupcl wegen einer möglichen falschen Deutung eines im Grunde rein religiösen Actes ihn zurückgehalten haben. Nach einem kurzen Vorspiele auf dem wunderbaren Orgelwerke der Kirche, das, nachdem eS vor einigen Jahren ein Raub der Flammen geworden war, jetzt wieder in seiner ganzen Schönheit dasteht, begann um i2 Uhr die Todtenmesse. Der katholische RituS in Frankreich hat zum Theil die uralten Kirchengesänge beibehalten, die namentlich bei solchen Gelegenheiten einen wahrhaft erschütternden Eindruck hervorbringen. Für diesmal hatte der Kapellmeister der Kirche, Herr Dietsch, aber doch Stücke auS einem von ihm coniponirten Requiem eingeflochten, die, von einem vortrefflichen Orchester und tüchtigem Sängcrchor ausgeführt, eine schöne Wirkung hervorbrachten. Der Componist schien sich Mozarts Requiem zum Vorbild genommen zu haben. Mit ächter Pietät hatte man aber daS uralte Oiczs iras beibehalten, daS mit Solo und Chor wie ein Tönen dcS Weltgerichtes über die Versammlung herfloß. Athem- loS lag das ganze Auditorium auf den Knieen, eS war, als ob Jeder das weltliche Treiben vergessen und den Gefühlen der Ewigkeit Raum in sich gegeben hätte« Die herrliche Tenorstimme unseres beliebten Sängers Ale,riö Dupont war in diesen Muster- stückcn alter Kirchenmusik, für welche der große Thibaut so unendlich schwärmte, von unbeschreiblicher Wirkung. Der Augenblick war feierlich, wo die Blüthe deS französischen Adels, die immer noch blutet von den Wunden der Revolution, über dem Grabe cincS ihrer Märtyrer vom Weltgerichte singen hörte, das Jedem seine Thaten vergelten soll. Vor mir lag eine alte Dame in tieser Trauer beständig auf den Knieen. Sie schien ganz aufgelöst und verbarg ihre hohlen ausgeweinten Augen dem Anblick der Menge. Als die Messe vorüber war, bewegte sich der Zug der Priester vom Hochaltar nach dem Kenotaph, und vom Chor herab erscholl das alte, auS grauer Vorzeit stammende vv zii-nlumlis. Dieses wunderbare Stück katholischer Kirchenmusik läßt bei weitem Alles zurück, was wir ans der Schule des ikten und I7ten Jahrhunderts von italienischen und deutschen Meistern besitzen. Weder Palä- ,oj?mij muz(t .rinr.« /15 5,6 n»mi7b.G ?;z „:jz ,v NNVV! .ttlllZZ! »z g«u « Eine Todtenfeier. Paris, 6. November. 375 strina, noch Orlando Lasso haben in dem ganzen Schatze ihres GenieS etwas Aehn« licheS aufzuweisen. Diese Musik, wegen der ich, so oft ich einen Leichenwagen vor einer Kirche stehen sehe, in letztere hineinschlüpfe, in der Hoffnung, sie zu hören, könnte eher für eine Offenbarung als für ein menschliches Werk gellen. Leider kann man sie nur hören, wenn der Leichenwagen einen mit den Gütern des LebenS gesegnet Gewesenen zur Kirche bringt. Vor einem Jahre ungefähr starb in Paris ein Künstler, der sich durch seine irdischen Leiden längst einen Platz in dem bessern Jenseits erworben hatte: Chopin. Seine zahlreichen Verehrer und Freunve veranstalteten ihm in derselben Magdalenenkirche ein Todtenamt, und da er gewünscht halte, man solle MozartS Requiem über seinem Sarge singen, so hat man diesen frommen Wunsch erfüllt. DaS beste Orchester von Paris, das des ConservatoriumS, führte die unsterb, liche Composition auf, der Trauermarsch einer Sonate von Chopin war instrumentirt worden und erschütterte durch die ahnende Todtenklage, die in ihm liegt, alle Gemüther: als aber zu Ende das furchtbare ve prolmrclig erscholl, da erkannte alle Welt, daß eS eine Kunst gibt, welche, über die unserer Jahrhunderte erhaben, dem Ursprünglichen und Göttlichen näher steht, als das Höchste, was aus den Zeiten der Skepsis hervorgehen kann. Abgesehen von ibrer ursprünglichen Bedeutung hat, diese Feier in unserer jetzigen zerrütteten Zeit noch eine andere: die allgemeine Theilnahme, welche der Tod der Herzogin von Angouleme gefunden hat, ist ein Beweis, daß man die Märtyrer der Revolution zu entschädigen sucht. Aehnliche Feierlichkeiten finden auch in andern Kirchen statt, und als man vorgestern in Versailles ein Todtenamt für die Tochter Ludwigs XVI. hielt, hatte fast die ganze Stadt Trauer angelegt. (Hann. Z.) I,Hv-z'i'^-iS n-.nsif s j' i l? l»-ittm1 chjj »iÄ 6»u ,»t>!M iamT skv'mvA >>j?»KM'?'»T „555z m»iV lao.matiW i»Ä Rußland. Der berühmte Schriftsteller Gras Maistre wies schon im Jahre 1812 bei Widerlegung einer Schrift des russischen Erzbischofs von Twer, welche unter dem Schutze der heiligen Synode erschienen war, nach, daß diese Schrift im protestantischen Geiste abgefaßt sey, und daß der unterrichtete und gebildete Theil der russischen Geistlichkeit ganz denselben Weg verfolge. Maistre fügte hinzu, es beginne in Rußland das löte Jahrhundert, das Jahrhundert Luthers, es werde sich dort rasch entwickeln und im russischen Reiche, wie überall, die religiöse Gesellschaft umstürzen, darauf werde als nothwendige Folge der Umsturz der bürgerlichen Gesellschaft folgen. Er bemerkte dabei, die für die Gesellschaft so verderbliche Irrlehre werde in Rußland unter einer andern Gestalt und durch ein anderes Thor eintreten, nämlich in der Gestalt der neuern Philosophie und durch die Pforte deS Unterrichts, welche man den höhern und mittlern Classen ertheile. DaS Volk sey schon lange eine Beute der lächerlichsten Irrlehren und des abscheulichsten Aberglaubens. Gegen dieses Uebel, welches er den Staatsmännern, welche des Vertrauens deS Kaisers sich erfreuten, anzeigte, glaubte Maistre, habe Rußland in sich kein wirksames Gegenmittel, ein solches sey nur in der kathol. Kirche zu finden. Diesen Beweis wiederholte Maistre i8l9 in einer Abhandlung über den Zustand des Christenthums in Europa, welche erst ganz kürzlich veröffentlicht wurde. Jetzt fühlt man in Rußland die Richtigkeit der genannten Voraussagung, aber die ergriffenen Maaßregeln werden der Weiterverbreitung deS Uebels wohl keinen Einhalt thun können. Der Kaiser Nikolaus hat nämlich in seinen Staaten die philosophischen Fakultäten abgeschafft, und den Unterricht in der Philosophie, welcher auf Logik und Psychologie beschränkt ist, ausschließlich den russischen Geistlichen übertragen. Ist aber die Geistlichkeit, wie Maistre nachwies, selbst vom Irrthum angesteckt, wie könnte sie dann wohl daö leisten, was man von ihr erwartet? (M. Sbl.) 376 Mailand. Die Verwendung der barmherzigen Schwestern im großen Civilspital hier hat nicht nur auf die Krankenpflege den wohlthätigsten Einfluß geübt, sondern auch in ökonomischer Hinsicht die erfreulichste» Resultate geliefert. — Ohne des Um- standeS weiter zu gedenken, daß die ehrwürdigen Schwestern freiwillig auf den jeder Einzelnen für Kleidung zugewiesenen Jahresbeitrag von 100 Lire verzichteten, hat eS sich auch herausgestellt, daß, seitdem sie die Verwaltung der Küche übernahmen, diese nicht nur weit besser bestellt war, sondern daß auch in einem Jahre mir 122 Malter Kohlen gegen den alljährlichen frühern Durchschnittsverbrauch von 344 Maltern Kohlen verbrannt wurden. Am Brennöl belief sich der jährliche Durchschnittsverbrauch früher auf 222 Pfuud, unter der Leitung der Schwestern wurden nur 157 Pfund gebraucht; an Brod wurden im laufenden Jahre 259 Pfund erspart; an Blutegeln, die sonst nach einmaliger Verwendung weggeworfen, von den Schwestern aber durch zweckmäßige Behandlung zur wiederholten Verwendung vollkommen geeignet erhalten wurden, sind 178,841 Stück in der Zeit von vier Jahren und vier Monaten erspart worden, waö einer Geldölonomie von 28,292 Lire gleichkommt zc. :c. (Wien. Z.) ^ ^ _ ,:.!>>-j',>i,!!!'il D7i>i'M IN Lyon. Der hochwürdigste Bischof de Samarie, apostolischer Vicar von Natal (im mittäglichen Afrika), befindet sich gegenwärtig in Lyon. Dieser Prälat gehört der Gesellschaft der Oblaten in Marseille an, einer Bruderschaft, die der Bischof dieser Stadt stiftete, und die sich fremden Missionen widmet. P. Laverlochere, der Apostel der Wilden am Eismeere, ist ein Mitglied dieser Gesellschaft. Der Bischof de Samarie schickt sich an, eine Kolonie evangelischer Arbeiter mit sich zu führen, um das Licht deS Evangeliums und die Wohlthaten der Civilisation den um den kafrischen Meerbusen zerstreuten wilden Völkerschaften zu bringen. ni?t«riiwo,q nii ZmckZ (>»->! ,^»n »mvOn s?vnnI tt»gi!i,H?>a »HuidI Jngolftadt. Jngolstadt, 10. Nov. Am 26. October wurde hier die ehrwürdige Lieb- frauenkrche vom hochwürdigsten Herrn Bischöfe von Eichstädt neu eingeweiht und dem Gottesdienste wiedergegeben, nachdem sie gegen vierthalb Jahre geschlossen war. Die in dem letzten Jahrhunderte herrschende Geschmacklosigkeit hatte auch in diesem Heiligthume Veränderungen vergenommcn, die jene vom trefflichen Meister Heinrich Schnelmüller dem Baue eingehauchte prachtvolle harmonische Einfachheit ganz zerstört hatten. Dem tüchtigen Pfarrer Herrn Angermaier und einer energischen Kirchenverwaltung ist die herrliche Restauration gelungen, welche das Denkmal Herzogs Ludwigs deS Gebarteten dem Ruine entriß und in seiner alten Reinheit wieder herstellte. Der ConsecrationSact dauerte von 7 bis 10 Uhr; Alles war bewegt und erschüttert von dem Eindrucke, welchen das Gotteshaus auf die Versammlung machte. Nach dem Consecrationsacte ward von der obern Franciscanerkirchc das heilige Sacrament processionaliter in die Liebfrauenkirche übertragen, ein langer, reicher, majestätischer Zug, gebildet von der Schuljugend, einem von Jungfrauen getragenen MuttergotteS- bilde, von allen Innungen mit ihren Fahnen, von den Arbeitern, die beim Werke thätig waren, vom KleruS und einer großen Volksmenge. Ein siebzigstimmiger Männerchor begrüßte das Sacrament beim Einzüge, und begleitete das Pomifical- amt, so daß eine Menge von Eindrücken in den Gemüthern hervorgebracht wurden, die lange dauern werden. Mit anerkennenswerther Pietät hatte man auch das Grab deS alten Meisters Herrn Schnelmüller bekränzt, und Keiner wohl verließ das Gotteshaus, der nicht mit dankbarer Erinnerung seiner gedacht hätte. (K.Bl. a. Fr.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F> C. Kremer. Eilfter Fahrgang. F ^ /?M^> » ^ M° ^ >. onntags-Beiblatt mi^jiul Ni .iA ,n^l:icftt(l!i chü'Usg zur ^ ^...... ,,, ^. « ^ »^ ^ Augsburger Psjtzntung. 3«. November !>>>Z«Z! ll! 7LV>> (lllll -.—. ^8. 1851. II zm lnI ^"ij^v Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Ein Wort über den Londoner Glaspalast. Unter dieser Aufschrift enthält die Nr. 234 und 235 der deutschen Volkshalle einen Aufsatz von A. ReichenSperger, welcher über die Kunst und insbesondere über die christliche und kirchliche Kunst so wahre Anschauungen und treffende Urtheile enthält, daß wir unS veranlaßt sehen, die Hauptstellen daraus unsern Lesern mitzutheilen, ohne daß wir fürchten dürfen, dadurch von der Tendenz des Sonntagsbei- blatteS uns entfernt zu haben. Recht klar leuchtet namentlich daraus hervor, daß der neuern Kunst der christliche Geist zumeist entschwunden, ja daß wir, um christliche Kunst zu pflegen und zu fördern, zum löten Jahrhundert zurückkehren und auf der Höhe des damaligen Standpuncts der Kunst weiter fortbauen müssen, um den Entartungen derselben auszuweichen und in ihr vor dem Rückfall ins Heidenthum sicher zu seyn. Nachdem der Verfasser von dem neuen Parlamentshause Einiges angemerkt, fährt er wie folgt fort: „Wenig Schritte vom Parlamentshause entfernt liegt Westminster, jetzt daS Pantheon brittischen Rühmet Acußerlich erregt der Bau keine übergroße Erwartungen. Er ist so vielfach und so schlecht „restaurirt" worden, daß kaum noch ein Stück der alten Kirche an'S Licht tritt. Bei unS in Deutschland hätte man Zopf an die Stelle deS Alten gesetzt; in England, wo die gothische Baukunst nie ganz auS- gestorben ist, stellte man das Alte en dloe her, freilich so roh und abgewaschen wie möglich, aber immer doch noch den ursprünglichen Hauptformen zur Noth entsprechend. AlleS Durchbrochene, Zierliche, namentlich alles Statuarische wurde natürlich ohne Gnade und Barmherzigkeit geopfert. Die weltberühmte Abtei steht nun, wenn der etwas triviale, aber hier durchaus bezeichnende Vergleich gestattet ist, wie ein gerupfter Hahn da. Seit Kurzem ist der Erbauer der Hamburger Nicolaikirche, Herr G. G. Scott, als Architect deS WestminstercapitelS angestellt worden, wodurch sich dem Bauwerke eine bessere Zukunft eröffnet. Schon zeigen sich vielfach Spuren seiner lobenSwerthen Thätigkeit. Herr Scott gehört zu den talentvollsten un!? beschäftigtsten Wiederherstellern der christlichen Baukunst in England, falls ihm nicht vor Allen der Vorrang gebührt. Seine Bauten sind meist im frühgothischen Style (f. g. earlf onZIisk) ausgeführt und zeichnen sich besonders durch körnige Kraft aus. Eines seiner neuesten Werke, das Kollegium zu Brighton, ist ein wahres Muster jenes StyIS, wie wir ihn zu Orford und Cambridge in reichster Entfaltung sehen. Herr Scott baut die Nicolaikirche zu Hamburg in Folge einer Concurrcnz, in welcher die deutschen Archi- tecten eS natürlich unter ihrer Würde gefunden haben, mit Plänen im christlichen Style hervorzutreten. — DaS Innere von Westminster macht einen wahrhast erschütternden Eindruck; eS ist ein Gemisch alter Herrlichkeit und traurigen Verfalles; die .vnvtziM^ nMiN gottbegeisterte Idee und der von Gott abgefallene revolutionäre Fanatismus haben ihr Siegel hier aufgedrückt. Zum Glücke ist wenigstens das allerherabwürdigendste Werkzeug des VandaliSmus, die Tun cherqu aste, noch ferne geblieben, die historische Farbe der Mauern ist nicht weiß oder gelblich überpinselt, wie eS in unserm lieben Deutschland der Schönheitssinn der Architecten und der Kirchenvorstände allemal gebieterisch erfordert. Das Widerwärtigste sind die im pseudoantiken und im Perrückenstyl ausgeführten Monumente berühmter Engländer, die sich in ihren theatralischen Stellungen und Costümen an den Wänden herum spreizen. In der frostigen Pauls kirche mag die classische Unnatur mit ihrem mythologischen Apparate noch hingehen; in Westminster sind eS die schreiendsten Mißtöne. AIS ich in das Innere trat, fand gerade Gottesdienst statt, und ich war nicht wenig verwundert, altkatholischen, gregorianischen Chorgesang zu vernehmen und zwar in einer Weise ausgeführt, wie sie manchen römisch-katholischen Cathedralen als Muster dienen könnte. Mehrere Partien des ChoralgesangeS, wie z. B. Responsorien und Litaneien, wurden vierstimmig in jener Weise vorgetragen. Von dem altergrauen Baue begab ich mich durch das frische, lachende Grün dreier Parke zu der bewimpelten Arche des neuesten Bundes der Nationen hin. Die äußere Erscheinung des AusstellungsgebäudeS konnte, wenn auch ein gewisses Erstaunen, so doch nicht meine Bewunderung erregen. Ein Treibhaus führte bekanntlich dem Erbauer die erste Idee zu und so hat er denn auch eben nur ein Treibhaus von kolossalen Dimensionen hier aufgeführt. Da ist nichts Geniales, oder auch nur Originelles, keinerlei malerische Wirkung, nicht Eine Form, die der Ausdruck irgend einer künstlerischen Anschauung wäre; lediglich von Zweckmäßigkeitsrücksichten geleitet hat man über ein terrassenförmig aufsteigendes, gußeisernes Gerippe ein (ölaszelt gespannt, daS so und so viel tausend Quadratfuß Land vor Wind und Nässe schützt. Nur daS Querschiff bringt eine Art von Bewegung in die Anlage; allein daS hier so nahe liegende Motiv der Ueberkuppelung des DurchschnittSfeldeS, wodurch diese Bewegung einen Culminationspunct gefunden haben würde, hat man wieder verschmäht. — ES verdient übrigens daS AUeö keinen Tadel, wenn der Satz wahr ist, daß die äußere Erscheinung eines Bauwerkes seinem Inhalte und seiner Bestimmung möglichst zu entsprechen hat. Unsere Industrie, deren Schätze unter diesem Zelte geborgen werden sollten, ist eben eine Treibhauspflanze, und von eigentlicher Kunst, im Ganzen betrachtet, eben so wenig in ihr zu verspüren, wie in der Architcctur des „Krystallpalastes". — Das Maschinenwesen und daS Nützlichkeitsgewerbe, im engsten Sinne, das und nur das ist es, was dem civilisirten Europa in diesem Palaste zum Ruhme gereicht; in Allem, waS die Industrie dagegen Künstlerisches in sich beschließt, steht eS weit hinter den Barbaren zurück. Aber auch dort, wo die Kunst selbstständig auftritt, ist eS nicht besser um sie bestellt. Den untersten Rang nehmen die Skulpturen ein, welche Englands Künstler geliefert haben. Der vorzüglichste Reiz, den sie besitzen, liegt zumeist in der stark zur Schau getragenen Nudität oder in irgend einer die Lüsternheit weckenden Attitüde; im Uebrigen sind fast alle diese „Kunstwerke" ein unvergohrenes Gemenge von Modell und Antike, von platter Nachahmung und geschraubter Reflexion, von Matlherzigkeit und Aufgeblasenheit. Die durch Lord Elgin in Athen zusammengeplünderten, im brittischen Museum aufgeschichteten Marmorbilder und Parthenon haben wahrlich keine Wunder gewirkt! Die blauäugige Pallas-Athene scheint sich vielmehr die brittischen Künstler als Werkzeuge ihre Rache für den geübten frechen Tempelraub ausersehen zu haben. Sie hat die Geister aus ihrer Heimat hinwegverlockt, aber nicht nach Hellas hinüber, sondern in die Wüste, wo keinerlei Leben mehr quillt und grünt. Die christlichen, die nationalen Traditionen hat man übermüthig von sich gestoßen, damit aber noch lange kein Helenenthum sich zu eigen gemacht; die eigenen Hirngespinnste sind an die Stelle deö festen Wurzelbodens getreten. Dieses in der Luft Hängen charakteri- sirt in der That die heutige Kunstproduction, selbst ihre ausgezeichneteren Schöpfungen. Wo ist z. B. eine Faser zu finden, welche den Löwenkampf der Amazone von Kiß 379 (ein Haupischmuck der Ausstellung) mit Berlin und den Berlinern, oder auch mit Deutschland und seinem nationalen Leben, irgend in Zusammenhang brächte? Es ist eben nur ein mit enormem Auswande von geistiger und materieller Kraft zu Stande gebrachtes Schaustück, an dem kein höherer Sinn gebildet werden kann, als der Formensinn. Ganz so verhält eS sich im besten Falle mit all' den nackten Göttern, Halbgöttern. Heroen, Musen und Grazien auö GypS oder Marmor, die da zwischen den Calicots, den Messern und Scheeren aus Sheffield, den Knöpfen auS Birmingham, westindischen Teppichen, Pflügen und Säemaschinen Platz genommen haben. Alle jene Statuen und Gruppen, welche daS griechische Alterthum unS hinterlassen hat, und die wir mit vollem Recht bewundern, sie haben Theile eines großen, nicht bloß architektonischen, sondern lebendigen Ganzen, eineS Organismus, gebildet, dessen Blut gleichsam in ihnen pulsirtz sie redeten nicht bloß zu den Sinnen der Beschauer; sie verkörperten vielmehr Alles, was dem Volke von seinem Jdeenschatze daS Höchste und Theuerste war. Unsere heutige Kunst wird daher auch nicht eher gesunden, sie wird nicht eher aufhören, eine todte Sprache unarticulirt zu stammeln, als bis sie sich wieder von demjenigen Geiste inspiriren läßt, welcher, auö der Quelle der göttlichen Offenbarung strömend, nimmer versiegt und allein die Völker vor Fäulniß bewahren kann. Auch hiesür liefert uns die Ausstellung Belege. Ein besonderes Local, über dessen Eingang die Aufschrift: ÄlecZievsI Lourt, schon seine Bestimmung bezeichnet, ist von Pugin, dem berühmten Vorfechter der christlichen Kunstrichtung, ausschließlich mit Werken mittelalterlichen StyleS ausgestattet worden. Hier sieht man einen vollständigen Altar, nebst allem Zubehör, Bildwerke, Leuchter, Teppiche, Betstühle, Kronleuchter, Stickereien aller Art, gemusterte Fußböden, sodann aber auch HauSmobilien, z. B. einen wahrhaft großartigen Cre- denztisch (Büffet), einen Porzellanofen mit Gitterwerk umgeben, Becken aus Metall ic., alles auf die gediegenste Weise gearbeitet und ein festes scharfes Gepräge an sich tragend. Kein Stück zeigt ein bloß mechanisches Copiren alter Muster; eS ist vielmehr eine geistige Geburt offenbar dem Wirken der Hand vorhergegangen, eine Durchdringung mit jenen Principien, in welchen die Größe und Herrlichkeit der mittelalterlichen Kunst und selbst ihre Technik wurzelt. Alles gehorcht einem gewissen Bildungsgesetze mathematischer Natur, welches in unendlichem Formenwechsel zur Erscheinung kommt, während in der Behandlung deS Stoffes stets das Streben nach Echtheit und Wahrheit durchwaltet. Die meisten der hier ausgestellten Gegenstände gingen aus der großartigen Werkstätte des Herrn Hardman zu Birmingham hervor, welche mehrere hundert Arbeiter beschäftigt und u. A. Vieles für die innere Einrichtung des neuen Parlamentshauses, namentlich die kunstreicheren Metallarbeiten geliefert hat. Mitten unter dem Maschinengepolter Birminghams, diesem Wettrennen nach möglichst wohlfeiler und folgeweise nach möglichst unsolider Fabrikation, hat in solcher Art die vöhere Kunst eine Stätte gefunden, von welcher bereits eine förmliche Restauration, insbesondere auf dem kirchlichen Kunstgebicte ausgegangen ist. Der bereits erwähnte Architect Welby Pugin fertigt vorzugsweise die Musterzeichnungcn an. Außer Holz- und Metallgeräthen liefert Herr Hardman auch Glasmalereien und zwar von vorzüglicher Qualität, wie die Ausstellung zeigt. Eine ganze Reihe von Farbenfenstern in den obern Galerien gestattet eine Vergleichung der verschiedenen Hervorbringung in diesem Kunstzweige. Durchgängig sind die im romantischen Styl (auf dunkelblauem Grunde arabeskenartige Laubverzierungen mit Gruppen von kleinen Figuren in Medaillons) ausgeführten die besseren, weil hier der Anschluß an daS Alte am leichtesten ist. Die Franzosen Gerente, Thibaut-Dallet Hermanotvska, Thevenot, Marechal u. A. können sich in dieser Gattung neben den Engländern GibbS, Chance, Gibson und Wailes schon ganz gut sehen lassen; im gothischen Styl hingegen überragt Hardman Alle weit. Seine Farbensenster bleiben vor Allem Fenster, d. h. sie lassen das Licht möglichst durchscheinen; die Bilder sind für das GlaS gedacht, musivisch behandelt und haben nichts mit der Manier der Porzellan- und Oelmalerei gemein, noch auch mit jenen ganz unkünstlerischen bloßen Zusamm-nstel- > .W lungen bunter Glasscheiben, wie sie sich zu einem AuShängeschilde für Glasermeister ganz gut eignen mögen, keineswegs aber für Kirchen, so viele auch schon sich diese Verunstaltung als Zierde haben bieten lassen müssen. Einen der bestrittensten Puncte in der Glasmalerei bildet die Frage, wie weit die mittelalterliche Darstellungsweise aus der Natur der Sache entsprungen ist und wie weit sie konventionell durch Zufälligkeiten bedingt war, mithin als der individuellen Freiheit anheimgegeben zu betrach, ten ist. In der Ausstellung zeigt sich vielfach ein unsicheres Schwanken zwischen Alt und Neu; von den Franzosen ist z. B. Marechal aus Metz zu wenig, Gerente aus Paris zu sehr Archaist; Ersterer modellirt zu viel, bei Letzterem artet dagegen das Typische in Manier a»S. Ein wahres Musterbild von Glasmalerei, wie sie nicht seyn soll, hat ein gewisser Vertini aus Mailand ausgestellt — ein riesiges auf Dante bezügliches Fenster. Hier treten alle Bildungen aus daS Entschiedenste aus der Fläche hervor, tiefe Schatten lagern sich neben ganz hellen Partien, kurz, der Staffelei- maler hat seine Palette, seine Perspektive, seine Effecte, seine ganze Handthierung Hier mitgebracht", und vergessen, daß die undurchsichtige Leinwand, die wesentliche Vorbedingung seiner VehandlungSweise, ihm fehle. Auch nicht entfernt gibt sich daS Bestreben zu erkennen, etwas dem Material, der Natur und dem Zweck einer GlaS- tafel Entsprechendes, etwas Concretes zu liefern. Leider scheint die Münchener Anstalt, welche übrigens in der Ausstellung gar nicht repräsentirt ist, einigermaßen nach dieser Richtung hinzuneigen, welche überdicß noch die praktische Jnconvenienz hat, die Sache sehr zu vertheuern, während die ächte, mehr musivische Behandlung eS ermöglicht, den unsern Kirchen fast unentbehrlichen Schmuck, wie einst im Mittelalter, handwerksmäßig durch „Glaswirker" ausführen zu lassen. (Schluß folgt.) Bater Math-W. (Aus dem ^.wi ä«z la keligion.) Der Mäßigkeitsapostel ist nach New-York zurückgekehrt, nachdem er zwei und ein halbes Jahr dazu verwendet hatte, die Vereinigten Staaten und Kanada zu durchwandern, um daselbst das Volk zur Mäßigkeit zu bekehren. Noch im Laufe deS Novembers wird er nach Irland zurückreisen; daher sind auch die letzten Tage seines Aufenthaltes in Amerika mehr als je mit Geschäften ausgefüllt, und die Saumseligen oder die Unentschiedenen wollen die Gelegenheit noch benutzen, das Mäßigkeitsgelübde in die Hände des Missionärs abzulegen. Sonntags den 42. October nahm Vater Mathew das Gelübde in der Kathedrale in New-Uork nach dem Amte, dann nach der Vesper bis tief in den Abend hinein einem gedrängten Zulaufe von Verlangenden ab. Vor der Ceremonie richtete er folgende Worte an die Umstehenden: „Nicht als ein Heilmittel gegen die Unmäßigkeit laß ich euch die Verpflichtung auf euch nehmen, nicht mehr zu trinken, sondern als ein VorbeugungSmittel gegen die Trunkenheit; denn einem Uebel zuvorkommen ist mehr werth, als dasselbe heilen. Begreifet daraus, meine theuren Brüder, daß ich mich nicht blos an die Trunkenbolde wende, sondern eben so an Diejenigen, die nie dem fatalen Einflüsse geistiger Getränke unterlegen sind. Die Mäßigkeit ist die älteste Einrichtung der Schöpfung, und ich kann sagen, deß die erste Mäßigkeitsgesellschast durch den Allmächtigen selbst im irdischen Paradiese gegründet wurde. Gott schuf unsere ersten Eltern nüchtern, und gab ihnen kein berauschendes Getränke; er gab ihnen daS Wasser der Lebensquelle. Glaubet mir, meine theuren Brüder, eS ist kein für ein vernünftiges Wesen und einen Christen würdiger Genuß, wenn er nicht erreicht werden könnte, ohne daß man zu Wein »der v!u5kv (irländischem Branntwein) seine Zuflucht nähme. Kein Mensch ist betrunken auf die Welt gekommen, kein Mensch ist von Gott oder von der Natur bestimmt, betrunken zu werden. Und doch haben wir Betrunkene auf der ganzen Welt gesehen. Wir haben den Betrunkenen gesehen, hingerissen in die tiefsten Ab, gründe des Elendes; durch seine Leidenschaft ist er unter den Streichen des Gesetzes 381 gefallen, und doch war er ein unschuldiges Kind gewesen, und so rein von jedem Fehler, als der reinste in dieser Versammlung. Die Enthaltsamkeit von jedem gegoh- renen Getränke ist also für einen Jeden auS euch als ein Schutzmittel nothwendig. Der Mensch allein, der sich die Hand auf daS Herz legen und sagen kann, oaß er nie ein so heruntergebrachtes Wesen seyn wird, welches man einen Betrunkenen nennt, ist derjenige, der Hieher kommt, daS ?Ieäge (Unterpfand) zu nehmen. Der Gebrauch der gegohrenen Getränke ist eS, der die Bettelhaftigkeit und daS Verbrechen verursacht; trinket keine derselben und ihr werdet euch viel Elend ersparen. Wenn ich, ungeachtet meiner Schwäche, zu euch komme, so ist eS, um euch zu retten, mit Gottes Hilfe, von dem beklagenswerthesten der Unglücke. Vierzehn Jahre sind verflossen, seit ich daS erstemal daS reine und makellose Banner der Mäßigkeit in meinem Irland erhoben habe. Ich bin nur mehr ein Ueberrest deS Pater Mathew von einst. Indessen, ich betrübe mich nicht, ja ich sage vielmehr, ich preise mich der Schwäche wegen, die mir zum Loose geworden ist im Dienste meines göttlichen Meisters. DaS irische Volk, daS unglücklicherweise den starken Gebräuen ergeben, ist zu Tarsenden herbeigeeilt, sich unter die Fahne der Mäßigkeit einrolliren zu lassen, und nach fünf Jahren des PredigenS habe ich fünf Millionen meiner vielgeliebten LandS- leute unter den Gliedern unseres Vereines zählen können. Dann zeigte sich eine wunderbare Umwandlung. Die Gefängnisse entvölkerten sich, und der größte Kerker konnte geschlossen werden. Der Teufel der Betrunkenheit war auS Irland verbannt, und eS wurde neuerdings die Insel der Heiligen. Aber eS schmerzt mich, zusagen, daß bei der Auswanderung nach Amerika viele von euch ihren Schwur indirect verletzt haben; sie haben ärztliche Verordnungen erhalten, und viele Jrländer, wenn sie ihren väterlichen Boden verlassen, glauben, daß sie die Strapazen der Reise ohne starke Getränke nicht ertragen könnten. Aber ach, wie viele unter ihnen haben fortgefahren, davon zu trinken nach ihrer Ankunft, und bis zu ihrem gänzlichen Untergange! Um dieses große Uebel zu bessern, bin ich, ungeachtet meiner schwachen Gesundheit, unter euch, meine theuren Brüder, und ich weiß, daß ihr euch Alle einschreiben werdet unter meine Fahne. Seit meiner Ankunft in Amerika habe ich mehr als 500,000 Personen zur Mäßigkeit bekehrt, und ich habe daS Vertrauen, daß auch ihr, indem ihr diese Tugend zu beobachten schwörr, eurem Versprechen getreu seyn werdet. Verlasset euch in der Sorge, euch die Versuchungen zu ersparen, auf die göttliche Hilfe, und glaubet mir, der Allmächtige hat denjenigen nie seine Hilfe versagt, die ihre bittenden Hände gegen ihn ausstreckten. Ich werde alle Tage dieser Woche bereit seyn, euch zu empfangen, um euch in meinen Verein einzuschreiben, und jetzt mögen diejenigen, die mäßig seyn wollen, vortreten." Auf diese Worte stürzte sich eine gedrängte Menge von Männern, Frauen und Kindern gegen den Communiontisch: Väter tragen ihre Kinder über ihrem Kopfe, Mütter bringen ihre Säuglinge, und wollen auch sie in die unzählbare Cohorte der Wassertrinker eintragen. Vater Mathew läßt die erste Reihe auf den Chorstufen niederknien, läßt sie folgende Verpflichtung nachsprechen, die er feierlich vorspricht: „Ich verspreche, mit dem Beistande GotteS, mich jedes berauschenden LiqueurS zu enthalten mit Inbegriff der Herzstärkungen, des BiereS und CiderS, und, so viel möglich, durch mein Beispiel die Unmäßigkeit bei Andern zu verhindern." Jede Gruppe der Verlangenden geht dann in die Sakristei, wo in dem großen Mäßigkeitsbuche durch Pater MathewS Secretäre die Namen einregistrirt, und den Bekehrten kleine Medaillen ausgetheilt werden. Der ehrwürdige Priester, der so sein Leben zum Besten der Menschheit angewendet hat, ist wahrlich ein großer Mann. Er leidet gegenwärtig unter dem Anfange einer Lähmung, und seine Tage auf der Erde können gezählt werden; aber sein Name wird in der entferntesten Nachwelt fortleben, und sein Platz ist im Himmel unter den Heiligen bezeichnet. WaS wir in Vater Mathew lieben, ist der glühende und uner- > müdliche Eifer, im Vereine mit einer kindlichen Einfalt, bewunderungswerthen Bescheidenheit und englischen Frömmigkeit. 38S Eine Stadt, welche der Mäßigkeitsapostel durchzog, ist vom Grunde bis zum Gipfel erneuert, und seit langer Zeit hört man dort nicht mehr von Zänkereien und Verbrechen reden. Ein Bischof deS Westens der Vereinigten Staaten sagte vor einigen Tagen, daß er das Glück gehabt habe, Vater Mathew während einer Woche in seiner bischöflichen Stadt zu haben. Vor seiner Ankunft verging kein Tag, an welchem nicht irgend eine Frau kam, eine Quetschung oder einen gebrochenen Arm zu zeigen, und die Ausgelassenheit ihres Mannes zu beklagen. Zuweilen war eS auch der Mann, der sich über die üble Aufführung seiner Frau zu beklagen kam, und das Leben deS Prälaten verfloß in Versuchen der Ausgleichung und Versöhnung zwischen Schlagenden und Geschlagenen. Seit dem Durchzuge deS Missionärs sind drei Monate verflossen, ohne daß sich Eine Streitigkeit in den Haushaltungen der guten, zur Mäßigkeit bekehrten Jrländer erhoben hätte. Die Betrunkenheit dnrch den Wein ist beinahe noch Nüchternheit, in Vergleich mit den fürchterlichen Wirkungen deS verabscheuungSwürdigen nnisl^. Unter seinem fatalen Einfluß wird der Mensch zum wilden Thiere; er anerkennt Frau und Kind nicht mehr, und der unersättliche Durst verlangt immer nach neuem Getränke bis zum Augenblicke, wo er gefühllos und betrunken wie todt hinsinkt. ES ist eine große Ehre für den Katholicismus, identificirt zu seyn mit diesem Kreuzzuge gegen das Laster der Unmäßigkeit. Eine große Zahl Protestanten nehmen auch den „plsclße", deßwegen drängen sie sich in unsere Kirchen, knien sich zu den Füßen des Pater Mathew hin, in seine Hände wollen sie ihr Versprechen ablegen, und bisweilen folgt auf dieß Vertrauen eine gänzliche Bekehrung. Wenn der Apostel abwesend ist, geht der Protestant, der sein Betragen ändern will, nicht hin, seinen Pastor aufzusuchen; der ehrliche Mann im schwarzen Kleide erscheint ihm nicht mit einem heiligen Charakter bekleidet, sondern er wird an die Thüre deS katholischen Priesters klopfen, und wird sich gegen sein Gewissen und gegen Gott mehr verpflichtet glauben, wenn ihm der Missionär sein Gelübde der Enthaltsamkeit und Nüchternheit abnimmt. Die politische Welt anerkennt die hohe Wichtigkeit der durch Pater Mathew gepredigten Reform für die öffentliche Sittlichkeit und Ruhe: die Popularität deS würdigen Priesters ist in Amerika ungeheuer, und auf das Wort von Heinrich Clay, deS ausgezeichnetsten Staatsmannes der Vereinigten Staaten, hat sich eine nationale Subscription organisirt, um den Mäßigkeitsapostel für seine Verluste schadlos zu halten, und um ihn vor der Noth in seinen letzten, durch ruhmvolle Krankheiten verkümmerten Iahren sicher zu stellen. Ein Blick auf Schottland. Vor Kurzem wurde zu Aberdeen in Schottland eine Versammlung von angesehenen Protestanten gehalten zur Förderung eines Plans, wonach 3 —4W,l)l)t1 Pfd. durch freiwillige Beiträge ausgebracht und zur Erbauung und Dotation neuer protestantischer Kirchen in Schottland verwendet werden sollen. Der bekannte Graf von Aberdeen führte den Vorsitz und eröffnete die Versammlung mit einer Rede, in welcher uns einige Stellen der Mittheilung werth scheinen, da sie einmal den sittlichen Zustand von Schottland aufhellen, andererseits auch einen erfreulichen Beweis liesern, mit welcher Unumwundenheit und Entschiedenheit sich emer der größten englischen Staatsmänner als Christen bekennt. „Die erste Frage, sagt der Graf, welche ich mir vorlege, ist die, ob der Zustand deS Volks eine solche Maaßregel nöthig macht. Ohne sehr inS Einzelne ein- zugehen, glaube ich, daß die Erwähnung einiger Thatsachen Sie überzeugen wird, daß dieses wirklich der Fall ist, und daß eS aus manchen Gründen unsere Pflicht ist und in unserm Interesse liegt/ diesen Plan zu unterstützen. Man wird mich nicht beschuldigen können, daß ich übertreibe oder mich durch Parteilichkeit verblenden lasse, wenn ich sage, daß Schottland eine lange Reihe von Jahren hindurch sich unter den 383 Nationen von Europa durch die moralische, religiöse und intellektuelle Bildung seines Volkes ausgezeichnet hat. Dieß ist allgemein anerkannt; aber können wir sagen, daß eS sich auch jetzt noch so verhält? Ich furchte sehr, wir haben jetzt keinen Anspruch mehr auf einen solchen Ruf und zehren nur noch von unserm frühern Ruhme. Zwar hat die Bevölkerung unseres Landes und seine materielle Wohlfahrt und Macht bedeutend zugenommen; aber, mit Schmerz muß ich es sagen, die Verbrechen haben in einem viel größern Maaße zugenommen als die Bevölkerung. Nach einer Berechnung, die man kürzlich in Edinburgh und Glasgow angestellt hat, gibt eS allein in diesen beiden Städten nicht weniger als 150,000 Menschen, welche leben, ohne irgend einem christlichen Bekenntnisse anzugehören. In unsern andern volkreichen Städten und Gemeinden ist eS wahrscheinlich nicht anders, und man glaubt, daß mehr als 500.000 der Bewohner unseres Vaterlandes ganz ohne Gott leben. DaS kann Jeden, der eS mit dem Lande gut meint, nur tief betrüben. Ich glaube nicht, daß der Zunahme der Verbrechen durch strenge Gesetze und Strafen mit Erfolg entgegengewirkt werden kann; das Heilmittel ist anderswo zu suchen. — Ferner erinnere ich mich, daß in verletzten Parlamentssession einer meiner Freunde im Oberhause eine Behauptung aufstellte, welche mir damals ganz unglaublich vorkam. Der Herzog von Argyll sagte, bloß in Schottland würden jährlich sieben Millionen Gallonen Branntwein verbraucht, so daß auf jeden Schotten, Weiber und Kinder mit eingerechnet, mehr als drei Gallonen kommen. Da man die Richtigkeit der Angabe bezweifelte, sah man amtliche Actenstücke nach, und eS ergab sich, daß mein edler Freund ganz recht hatte. Rechnet man nun noch die ab, welche keinen Branntwein trinken, so ergibt sich ein Grad von Unmäßigkeit, wie er, glaube ich, in keinem civilisirten Lande je vorgekommen ist. Und ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, daß dieses schändliche Laster die furchtbare Quelle von Verbreche» und Schandthaten ist. Dieser Zustand bietet für den Freund des Landes keinen erfreulichen Anblick dar. Aber dieß ist nicht das Schlimmste. Viele leben, ohne an Religionsübungen Theil zu nehmen und einer Konfession anzugehören; das ist beklagenswert!), aber nicht daS Schlimmste: jüngst hat man systematisch und mit teuflischer Thätigkeit unsittliche und irreligiöse Schriften unter dem Volke ausgestreut, und dadurch nicht allein Gleichgiltigkeit gegen die religiösen Uebungen und gegen die heiligsten Wahrheiten, sondern Unglauben und Gottlosigkeit verbreitet. Ohne Zweifel ist die Hebung dieser Uebel enge verbunden mit der Verbesserung deS Unterrichtswesens. Darüber will ich nicht mehr sagen, als dieß: die Vortheile des weltlichen Unterrichts schlage ich nicht gering an, aber wenn man daS Herz rühren will, und daS muß geschehen, so ist die Mitwirkung der Religion unentbehrlich. (Beifall.)... Außerdem müssen Kirchen gebaut und fromme, gläubige und liebevolle Geistliche angestellt werden: nur so können wir eine Hebung der Uebel, welche ich beschrieben habe, erwarten." Die Rede schließt mit folgenden Sätzen: „Ich setze voraus, daß die, zu welchen ich rede, Mitglieder der schottischen Kirche oder für die Interessen derselben günstig gestimmt sind. Ich spreche aber nicht von erclusivcm oder konfessionellem Ge- sichtSpuncte aus. Unser Werk ist ein wahrhaft katholisches, und ein solches, zu welchem alle Konfessionen mitwirken können. Ich freue mich, daß die SlaatSkirche zuerst diese Aufgabe zu lösen versucht; aber ich werde Jedem von Herzen Gottes Segen wünschen, welcher an einem so nöthigen und wünschenSwerlhen Werke mit arbeitet. (Beifall.) Jetzt habe ich nur noch ein Wort zu sagen, ich thue eS mit Ehrfurcht und heiliger Scheu. Ich kann diese Versammlung nicht als eine politische oder ökonomische Demonstration ansehen; ihr Zweck ist die Ehre GotteS und daS ewige Wohl unserer Mitmenschen. Die Schrift sagt, daß Rechtschaffenheit eine Nation groß macht. Wir haben uns großer Segnungen zu, erfreuen gehabt, wir sind weit , sehr weit über Verdienst begnadigt. Zeigen wir unsere Dankbarkeit dadurch, daß wir uns bestreben, zu thun, was vor GotteS Angesicht wohlgefällig ist. Wir haben Ihn schon um Seinen Segen angerufen, und wenn wir Sein Werk mit Eifer fortsetzen und eS im Geist der Liebe durchführen, dann werden wir Seinen reichen 384- Segen über uns und unser Vaterland herabrufen: „»Heil dem Volke, dessen Gott t.^» t^.«» tai/i/« DaS Trappistenkloster zu Briquebec. Das in Caen erscheinende Journal „L'Ordre et la Libert6" veröffentlicht einen Artikel über das Trappistenkloster zu Briquebec im Arrondissement von ValogneS woraus wir folgende Stelle auSheben als Beweis der hohen Culturstufe, auf welcher die Anstalten dieses Ordens stehen, und deS wohlthätigen Einflusses, den sie auf ihre ganze Umgebung üben: „Zählet einmal, wenn ihr könnt, die Dienste, welche die verschiedenen Trap- pistenhäuser Frankreich erwiesen haben. Zählet einmal die urbar gemachten Ländereien, Sümpfe, Haiven, welche jetzt mit den herrlichsten Ernten prangen. Zählet die von ihnen gekleideten und genährten Armen, die von ihnen aufgenommenen und gepflegten Kranken, die von ihnen erzogenen, gekleideten und unterrichteten Waisen. Zu Briquebec haben sämmtliche arme Kinder der ganzen Umgegend Aufnahme gefunden und genießen da neben ihrem täglichen Brod zugleich Unterricht im Ackerbau und das Beispiel in allen christlichen Tugenden, die allein im Stande sind, zum guten Bürger zu machen. Alle Freitage kommen mehr als zwei Hundert Arme an die Klosterpforte, um da ihr Brod in Empfang zu nehmen, und nicht Einer geht mit leeren Händen weg. — Ein Trappistenkloster ist ein ganzes Dorf, worin man den verschiedensten Handwerkern begegnet. Neben dem Trappisten Ackerbauer findet man den Trappisten Müller, den Trappisten Zeugschmied, den Trappisten Schuhmacher, Zimmermann, Schreiner, Mechaniker. Und alle diese Männer arbeiten sieben, acht, neun und zehn Stunden deS TageS. Lasset mich eS sagen, was sie seit fünfundzwanzig Jahren zu Briquebec geleistet haben, und ihr werdet sehen, welche Wunder der Glaube, die Liebe zu Gott, und der Wunsch, den Nebenmenschen zu nützen, wirken kann. Der Boden, über welchem das Kloster sich erhebt, war 1824 noch mit Felsen, Dorn« Hecken und Sumpf bedeckt. Selbst zu Pferd wagte man sich nicht dahin wegen der tiefen Schlammpfützen, auf die man bei jedem Schritte stieß. Gegenwärtig sind Felder von hoher Fruchtbarkeit an deren Stelle getreten, die Felsen sind unter den fruchtbaren Boden versenkt und die Sense deS Mähers bewegt sich ungehindert auf den in üppigem Grün prangenden Wiesen, die von jenen frommen OrdenSmännern sind angebauet worden. Geschickt vertheilte Canäle bewahren diesen Matten ihre Frische, während andere unterirdische Canäle, mehr als vier Fuß unter dem Boden, die Wasser der sumpfigen Strecken aufnehmen und sie in ein großes Bassin auSgießen, welches mehrere Mühlen speist. Ich sollte meinen, diese von den guten Trappisten- vätern, und zwar von ihnen allein, unternommenen und ausgeführten Arbeiten seyen doch wohl ein Beweis von beharrlicher und thätiger Einsicht und von einer tiefen Kenntniß der Landwirthschaft. Besonders eine ihrer Mühlen erregt die Bewunderung der Besucher. ES ist das eine Windmühle mit einem neuen Mechanismus, von einem Bruder erfunden und lediglich von Ordensleuten gebaut. Der Obertheil der Mühle hat einen Helm, der sich von selbst ohne weitere Beihilfe nach dem Winde dreht. Die Flügel haben 150 Fuß Durchmesser. Sie richten sich nach der Wirkung deS WindeS, d. h. sie öffnen sich mehr oder weniger, je nachdem der Wind mit geringerer oder größerer Stärke weht. Derselbe Mechanismus faßt die Frucht, welche in eine Vertiefung geschüttet worden, hebt sie in die Höhe, putzt sie und vertheilt sie auf die Mahlgänge, die sie in Mehl verwandeln. Dieses wundervolle Werk setzt in Staunen. Was aber ungleich mehr in Staunen setzt ist der Umstand, daß der geschickte Erfinder dieses Mechanismus nicht die mindeste Kenntniß von den Regeln der Mechanik besitzt; er hat dieselben errathen, ohne sie erlernt zu haben. Er versteht, wie alle seine Brüder, nur zu gehorchen, zu beten und zu arbeiten'. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaw z F. C. K re m er. Gilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt vlNtilß «ZtzilizH S'^' schiiA, »Ztö>;!zg/,Hi.'^äia jkdill (.li j 7'^ -'!»«-- ^ gvT nziiiz ch«^ 7Z ^ttZii'^li^l oj ^n^Miizuz sgivD zni'/j Ziiz-ilZs.,.'. »,»?knz^ülg Siiu zunT SDliZs? nilic-Ä sn!»i ?N ^N5.G «i» elou»i»! lj^'. . ^m,ni^ Augsburger Pojtzeitung. n^tt^ Uj tlvvtzG lMl»6zsjlZ'Z ü N!ttj?üilst!0't-? Ul'^' u'.-s^iliS Mi.sj Ss.'. ' 7. December M- ^O. 1851. vs ^Ni? ZlH»M .ÄlgNliZ:tS ?»ZM tchNr^ N-/jy5^7i^iM^,»M li! k^. sw!,rii >.^!7M!^H __-- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonncmentsvrei« TV kr., wofür es durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. . .ÄÄI.'M Ichmüsk- Ili jNKZ j^zjll d^Ztck (?L—^ci^l n;ln?j<^ / Der heilige Otto, Bischof von Bamberg. «(!: ,sch.'»<-'i ^»vttSlPu» zKinMll-mmj, k-^ömkS ni , 8>»Kl,K SZS tzZüF zklN Das von dem bisherigen Vorstande des historischen Vereins zu Bamberg, Herrn Dr. Höfler, in Aussicht gestellte Rechtsbuch des Bamberger Bischofes Friedrich von Hohenlohe sammt Commentar wird demnächst die Presse verlassen. Der hochgeehrte Herr Verfasser, welcher einem ehrenvollen Rufe an die Universität Prag, woselbst ihm der Vortrag der Geschichte so wie die Heranbildung von LehramtS- candidaten anvertraut worden, folgend leider zu früh die Stadt Bamberg, für deren Geschichte er so viel gethan und der er wegen ihrer wichtigen Geschichte mit solcher Liebe zugethan war, verläßt, will den durch ihn in den Druck gegebenen Lvtlex ?riä(j««,W jochM siÄ , S,1!<,W' ttbn smvE lgvMM M , . !>5u ! .<'siO?H Kva ho« in» ilSZnH. itckmHznnjz HHH .chMvjs Ein Wort über den Londoner Glaspalaft. ''^ A ,«^».WMÄ^^- - ? 5mn?>. M? >,tl"^iiwÄ,j«tz» ?m d vitS hi.'NttttkTM 'R'Z' «Znz ,»z»M Mb! n'^zia nz^ Wim-'-" Unter den ausgezeichneten Werken der christlichen Kunstrichtung sind noch die Holzsculpturen von GeertS in Löwen rühmlich zu erwähnen. DaS Vorzüglichste von ihm find zwei rührend schöne Figurengruppen: Maria von Engeln gekrönt, und sodann Engel, welche die Seele eines gestorbenen, von seiner Mutter beweinten KindeS himmelwärts tragen. Es spiegeln diese Bildungen den kindlich frommen Geist, wie er im Mittelalter ganze Völkermassen belebte uuv bewegte. Auch unserer Zeit ist dieser Geist noch keineswegs völlig abhanden gekommen und gewiß liegt eS vorzugsweise in dem Berufe der Kunst, ihn zu nährm und, wo er latent geworden, zu wecken, das Recht deö Gemüthes und der Anschauung zu wahren gegenüber den immer höher steigenden Ansprüchen des refleclirenden Verstandes, die Blüthen deS Glaubens und HoffeuS zu schirmen vor dem eisigen Hauche der Zweifclsucht. Daß das Miltclalter zu diesem Zwecke dem Künstler geeignetere Typen liefert, als die Ausklärungsperiode, welche ihre Inspirationen aus den Büchern gottvergessener Sophisten sich holte, liegt nach dem Gesagten in der Natur der Sache. GeertS kränkelt übrigens nicht an jener falschen alterthümelnden Manier, welche das Zufällige für daS Wesentliche nimmt, ja sich nicht selten sogar grade vorzugsweise dasjenige zum 389 Muster auSersieht, waö nur in den Vorzügen der Alten eine Entschuldigung kann. Diese Art der Verirrung tritt der Wiederbelebung der christlichen KurMjM leicht hindernder in den Weg, als alle Anfeindung ihrer systematischen Gegrje^,^ Merkwürdiger Weise hat dasselbe Belgien, welches durch GecrtS so glänzend ver. treten ist, im Nebligen nicht sonderlich viele Proben eines guten Geschmackes, wenigstens von christlichem Style, zur Ausstellung geschickt; selbst Muster von Geschmacklosigkeit, um nicht zu sagen Abgeschmacktheit, sind nicht eben selten. So stellte unter Andern Vanhalle auS Brüssel drei lebensgroße Wachsfiguren in einem bischöflichen Ornate aus, der an Schwulst, falschem Gleiß und zopfiger Ueberladung kaum seines Gleichen finden dürfte; der Zuschnitt ihrer Gewänder und Jnsignien möchte etwa zur Zeit Ludwigs XV. als modisch Anerkennung gefunden haben. Um das Maaß voll zu machen, hat man jene Wachspuppen noch durch blondere Ausschriften als die Erzbischöfe Thomas a Becket, Affre und den noch lebenden Erzbischof von Mecheln bezeichnet. Der Apparat ist zu kostspielig, als daß man das Ganze für eine bloße Satyre halten könnte. Uebcrhaupt scheint die kirchliche Kunst in Belgien sich der Errungenschaften des vorigen Jahrhunderts noch lange nicht entledigen zu wollen, der Perrückenstyl steht dort uoch in voller Blüthe. Vielleicht in keinem andern katholischen Lande wird mehr getüncht, rücksichtsloser restaurirt und unkirchlicher in den Kirchen musicirt, und so mag denn auch der zuvor gedachte Mummenschanz in seiner Heimat Anklang finden. In der Ausstellung war um die drei „Wachöbischöfe" immer großes Gedränge, wäbrend die Arbeiten von GeertS durchgängig vereinsamt dastanden. Wie aber auch die große Masse Beifall klatschen mag, ich kann von der Ueberzeugung nicht lassen, daß daS so reiche religiöse Leben Belgiens auch nach der künstlerischen Seite hin deS alten Ruhmes sich neuerdings wieder würdig erweisen wird. 5) In dieser Beziehung könnte es jetzt an Frankreich, woher eS so manches Verkehrte bezogen hat, auch einmal ein gutes Muster nehmen. Selbst die profane Industrie wird nur durch ein Zurückgehen auf die im löten Jahrhundert verlassenen Pfade vor vollständigem Versumpfen zu bewahren seyn. Schon jetzt können, wie bereits oben im Eingänge angedeutet worden, die aus dem allgemeinen Formenbrei nach in individueller Laune oder, wenn man lieber so will, nach den Anforderungen des TagesgeschmackeS gepreßten und gekneteten Producte der gebildeten Nationen durchschnittlich sich neben denen der uncivilisirten Völkerschaften nicht blicken lassen. Die Stickereien, so wie die mit Gold und Silber ausgelegten Metallwaaren Indiens, EgyptenS und der Barbaresken, die Prachtstoffe PcrsienS, die Filigrane von Tunis, die Porzellan-, Holz- und Elfenbeinarbciten Chinas zc. :c. lassen Alles derselben Gattung weit hinter sich zurück, was Frankreich, Deutschland und Großbritannien in den GlaSpalast niedergelegt haben. Auf beiden Seiten vermißt man gleichmäßig die Einwirkung einer höhcrn Idee; aus den heidnischen Bildungen, namentlich den chinesischen und indischen, grinzt unS sogar eine gewisse dämonische Verzerrung entgegen. Die Barbaren aber behaupten fast überall den Vorzug der Aechtheit, der Gediegenheit der materiellen Durchbildung; sie halten die Surrogate und jedes Scheingepräge von sich fern; die Formen und Kanten sind scharf geschnitten, die Farben nnd Stoffe durchaus ächt, Alles trägt die Spur der Menschenhand an sich, im Gegensatze zu dem verschwommenen, bloß auf den Schein berechneten Gepräge der Maschinerie. Nur wo der hergebrachte Typus, die Traditionen, eine Art von Schule noch festgehalten worden sind, wie z. B. bei der Anfertigung der brabanter Spitzen, den Filigranarbeiten Genua's, den böhmischen und venetianischcn GlaSwaaren, findet das Auge in den Hervorbringungen der Kulturländer noch volle Befriedigung, Wie lange aber werden die brüsfeler Spitzenklöpplerinnen noch die Concurreuz mit den englischen Maschinen aushalten, deren Product schon jetzt den unbewachten Blick zu täuschen im Stande ist und dem größten Theile der Modewelt genügt?" ') Manche Symptome stellen bereits einen Umschlaq zum Bessern in Aussicht, so z> A. das, waö in Mecheln für die ächte Kirchenmusik geschieht, und die Restauratiousarbciteu an der Kathedrale von Tournay, ,^ niKin^»? ii-'.L -n-i MK-M-M »ichi,-» «,? «s? « 390 Schließlich frägt Herr R. noch: „Wie wird dieses kvnäöz-vous der Nationen wirken? In rein industrieller Beziehung zweifelsohne förderlich; viele wichtige Erfin. düngen und Erfahrungen sind hier ausgetauscht, viele Beziehungen angeknüpft worden; die Stacheln deS Wetteifers hat eS bedeutend geschärft; die höhere Kunst aber wird eher Einbuße, als Vortheil davon haben; eine immer größere Verallgemeinerung und Verflachung wird die Folge seyn, das ohnehin schon ungebührliche Uebergewicht der Maschine eine neue, mächtige Verstärkung erhalten." Der Orden der Schwestern vom armen Kinde Jesu in Köln. Köln, 10. Nov. Seit dem 9. September d. I. besteht auch hier ein Ordens- hauS von vier Schwestern „vom armen Kinde Jesu." Dieser Orden wurde vor drei Jahren in Aachen gestiftet und hat die Erziehung verwahrloster armer Kinder zum Zwecke. DaS Mutterhaus, im ehemaligen Dominicanerkloster, besorgt den Unterricht in den Armenschulen zweier Pfarren mit fast 400 Schülerinnen und die gesammte Erziehung von 80 Pfleglingen. Obwohl ohne alle andere Hilfsquellen, als die Mildthätigkeit der Katholiken, hat der Orden schon blühende Filialen in Bonn und Düsseldorf für Knaben und Mädchen, und in Derendorf bei Düsseldorf für Mädchen; ihnen reiht sich daS hiesige, bloß für Mädchen bestimmte Institut würdig an. Die Stadt Köln verdankt dieses Werk ächter christlicher Liebe dem Eifer deS Vereins vom heiligen Vincenz von Paul in der Pfarre St. Martin und deS mit ihm verbundenen Frauenvereins. Die Anstalt zählt bereits 22 Pfleglinge; da die Einrichtung einstweilen nur für 25 Pfleglinge getroffen ist, wird sie bald einer Vervollständigung bedürfen, wobei der WohlthätigkeitSsinn der hiesigen Katholiken sich von Neuem bewähren wird. Nicht leicht kann sich ihm ein würdigerer Gegenstand darbieten. Außer dem vollständigen Elementarunterricht, der selbstredend durchaus von religiösem Geiste durchdrungen ist, erhalten die Mädchen, welche vom zartesten Alter bis zum neuzehnten Jahre Aufnahme finden, jede Unterweisung, die ihnen im häuslichen Leben und namentlich für ihr Unterkommen als Dienstboten von Nutzen seyn kann. Etwa die Hälfte der Zeit wird auf die Erlernung der gröbern und feinern Handarbeiten, so wie der gewöhnlichen Verrichtungen in Hauö und Küche verwandt. Neben dieser standesmäßigen Erziehung erhalten die Pfleglinge Wohnung, Kost und Kleidung, und zwar für den unbedeutenden Betrag von 3 Thalern monatlich und 5 Thalern Eintrittsgeld. Außer diesen Pfleglingen nehmen an 130 Schülerinnen aus der Stadt an dem Elementarunterricht und der Unterweisung in weiblichen Handarbeiten als Externen Theil. Gestern feierte die Anstalt ein schönes Fest. Um acht Uhr cclebrirte Seine Eminenz der Herr Cardinal und Erzbischof von Köln in der Pfarrkirche zu St. Mariin das heilige Meßopfer, welchem die ehrwürdigen Schwestern, ihre Schülerinnen, so wie die Konferenz vom heiligen Vincenz von Paul nebst dem Frauenvereine beiwohnten. Vor der heiligen Messe hielt der hohe Kirchenfürst eine salbungsvolle Rede über die göttliche Vorschrift: „Bete und arbeite", und setzte auf'S Schönste auseinander, wie unter diesem Arbeiten neben den Geschäften deS Berufes ganz besonders die Werke christlicher Liebe verstanden seyen; unter diesen Werken empfahl er die Fürsorge für arme Kinder, welche, wenn auch nicht im gewöhnlichen Sinne deS Wortes, doch in Bezug auf die Möglichkeit christlicher Erziehung verwaist, durch die in Rede stehende Anstalt leiblichem und geistigem Verderben entrissen würden, alö eines der Verdienstlichsten. Se. Eminenz begaben sich, nachdem Sie einer großen Anzahl von Gläubigen die heilige Communion gespendet hatten, durch einen von den Pfarrgenosscn errichteten Triumphbogen, mit der Inschrift: ^ngeli custocli-iut to in omnikus vüs tuis, und durch die mit Flaggen und Laubgehängen geschmückten Straßen zu dem nahe gelegenen Kloster. ^) Hier war der alterthümliche Saal eben- ') DaS ehemalige Dohmcn'sche Haus in der Mühlengasse, welches einstweilen nur gemiethet, aber von den Stiftern der Anstalt ganz neu dazu eingerichtet ist. » l391 falls festlich geschmückt mit der Inschrift: 8it denecliota llomug, quam lu, vomino, IienecZivis! Herr Pfarrer Siebold, als Vorsteher der stiftenden Vereine, übergab im Namen derselben die Anstalt dem Schutze Sr. Eminenz. Er besprach die verschiedenen Mittel der Rettung und Heiligung, mit welchen die Kirche und insbesondere der Cardinal-Erzbischof in dieser noth- und gefahrvollen Zeit der Bevölkerung der Stadt und der Umgebung von Köln zu Hilfe gekommen; er gedachte auch der Lazaristen, der Carmelitessen, der Jesuiten, und entwickelte mit eben so viel Klarheit, als Innigkeit, wie die Liebcsfülle der Kirche in diesen verschiedenen Strömungen (der Seelsorge, der Rede, der Andacht, der Buße, der Abtödtung, der Erziehung) sich in die Herzen zu ergießen strebe, und wie eS nur der Aufnahme der himmlischen Gnade bedürfe, damit dieser dürre und arme Boden wieder ausblühe in paradiesischer Pracht. In der Beantwortung dieser Rede wendete sich Se. Eminenz nochmals an die Ordensschwestern, die Vincenzvereine und anwesenden Kinder und sprach die Hoffnung aus, daß die Anstalt unter Gottes Segen gedeihen werde, indem er ihr Seine andauernde Fürsorge zusagte. Am Abende fand in St. Martin die kirchliche Schlußfeier statt, bei der Seine bischöfliche Gnaden der Herr Weihbischof vr. Baudri die Festrede hielt, in welcher er das Wesen der christlichen Liebe an dem Beispiele der in Rede stehenden Anstalt erörterte, und dieselbe wiederholt der Mildthätigkeit der Gläubigen empfahl. (D.V.H.) Mission in Jülich. Jülich, 15. Nov. Die Mission, welche die Väter der Lazaristen-Con- gregation aus Köln hier gehalten, ist nunmehr seit Sonntag beendet und erst jetzt lassen sich die wirklich großartigen Erfolge dieser geistlichen Uebungen überschauen und würdigen. Die sechs Patres hatten sich — ihren würdigen Superior an der Spitze — in die beiden Kirchen, die Pfarr- und die ehemalige Capucinerkirche vertheilt. Der Zudrang zu den Morgen- und besonders den Abendvorträgen war, wie erwartet werden konnte, größer, als der nicht unbedeutende Raum fassen konnte; größer noch und wirklich über alle Erwartung groß der Andrang zu den Beichtstühlen. An manchen Tagen haben an dreißig Beichtväter den Bußfertigen kaum zur Hälfte genügen können und die Nacht hindurch wurde an den Kirchthüren gewacht, um in der frühen Morgenstunde bei Oeffnung derselben (4 Uhr) in die Nähe der Beichtstühle zu gelangen. WaS aber unsere Seele mit Freude uno Entzücken erfüllt, das sind die schönen Blüthen eines gesunden Lebens, die herrlichen Früchte ächten Bußgeistes, die jetzt schon aus dieser Gottessaat emporblühen und an den Tag treten. Laue, gleichgiltige Christen, welche die Kirche und die heiligen Sacramente bisher gar nicht oder doch selten benutzten, — da Jülich als Festung eine Garnison hat, fehlte eS an solchen keineswegs — sind eifrige Bckenner geworden, Andere, welche der Taumel vom Jahre 1348 verwirrt und gegen weltliche und geistliche Obere empört hatte, sind zur Besinnung gebracht, Feindseligkeiten beigelegt und Verzwistete versöhnt und eine wirklich auffallende Menge von Restitutionen geleistet worden. Und doch war der Beichtstuhl leicht; denn die Herzen kamen erweicht und offen und zu Allem bereit. Es thut dem Herzen wohl zu sehen, wie Alle über diese wohlthä- tige Umgestaltung der Herzen, über die segenvolle sittliche Neubelebung einig sind — selbst Protestanten einigen sich erstaunt über diese Früchte wie über die Vorträge, denen sie zugehört, in dieser freudigen Anerkennung. Besonders lobend muß auch das Benehmen des königlichen Platzcommandanten — eines Nichtkatholiken — anerkannt werden; derselbe hat dem Militär nicht bloß alle mögliche Freiheit gegeben, um den Uebungen beiwohnen zu können, sondern auch noch besonders den Wunsch geäußert, daß nach beendigter Mission auch den Gefangenen, die ziemlich zahlreich und meist in sehr strenger Haft sich hier befinden, eigene Uebungen gehalten werden, » 392 was auch mit der größten Bereitwilligkeit von dem Pater Superior zugestanden und in dieser Woche, gewiß zum großen Troste und Segen der Unglücklichen, auch geschehen ist. Wahrlich, wenn solche außerordentliche Seelsorge in allen Gegenden abgehalten würde, dieses Volk, in dem noch ein großer Fond religiöser Gesinnung ruht, würde zum Heile der Kirche und des Staates in ueuem Geistesleben auferstehen, laxit, Dous! (M. I.) Slltt, ^Nl-ssL ,!I)sl!,1! l,I!>j5D ./L .^stiio^S n6 chür< ^tchcng u Zur Pastoral. u ^ .>'>-, sUM« Einer der wichtigsten Theile der Pastoraltheologie ist die Populärdogmatik. Abgesehen davon, daß sie die Grundlage der Homiletik bildet, so sollen ja die Glaubenslehren, die in der Dogmatik geistiges Eigenthum der Zuhörer geworden sind, in ihr vorgelegt und die Zweifel, die Unglaube und JndifferentismuS der Gegenwart in Städten und auf dem Lande gegen sie aufbringen, vorgeführt werden. Die Populärdogmatik hat dann kasuistisch die Zuhörer zu befähigen, die erhobenen Bedenken bündig und faßlich zu widerlegen. Auch auf dem Lande hat der Seelsorger die traurige Gelegenheit Zweifel und Bedenken, die inS Herz der katholischen Kirche schneiden, hören zu müssen. So ist mir unter Andern? während der kurzen Zeit meiner Seelsorge der Fall vorgekommen, daß eine Person, zu der ich mit dem H-metissimum zum Sterbelager gerufen wurde, zu mir sagte: „Könnte ich denn nicht meine Sünden Gott allein beichten?" Warum wollen Sie denn das? fragte ich. „Gott ist ja ohnehin allwissend, warum soll ich denn also auch dem Priester beichten. Auch andere sagten, daß es nicht gerade Noth sey." So lautete die Antwort. Ein anderes Mal suchte ich eine schwer kranke und äußerst niedergeschlagene Person, um ihrer Kinder willen, mit der Auferstehung, mit dem Wiedersehen zu trösten. „Ist es denn auch wahr, daß wir einmal auferstehen? viele sagen: wir sehen uns nie mehr," so unterbrach mich die dem Tode nahe Person. Daö sind Zeichen der Zeit! Das sind Fälle für eine Populärdogmatik. So sieht es am Lande aus mit der Glaubenslehre im Kopfe und Herzen der Christen. Wo keine Glaubenslehre, ist natürlich auch keine verpflichtende und motivirte Sittenlehre. Es kann daher auch gegenwärtig keine Predigt- form geeigneter seyn: als die polemisch - d o g m atische. Die Lehre des Friedens muß heut zu Tage mit dem Schwert des Geistes verkündet werden. (Wiener Kirchenz.) ' _ Berlin. Berlin bietet jetzt allsonutäglich in 35 evangelischen Kirchen und gottesdienst- lichen Stätten durchschnittlich 40—42 vormittägliche und 26—23 nachmittägliche Predigten. Dazu kommen noch vier regelmäßige Abendgottesdienste an diesen Tagen. Wochenpredigten werden 20—22 gehalten, die meisten am Montag und Mittwoch; ferner 11 Kindergottesdienste, die meisten Sonntags Nachmittag, in Summa also im Laufe der Woche ungefähr 100 förmliche Cultusübungen. Ferner im Laufe der Woche 2—5 Versammlungen der Heidenmissions-Hilfsvereine, davon eine für Kinder, eine für Frauen; 4—7 Zusammenkünfte von Vereinen für innere Mission und außerdem die wechselnden Versammlungen mehr oder minder kirchlichen Charakters, des Vereins gegen Vergiftung durch Alcohol, des evangelischen Vereins, der Diaconenversammlung, der Bibelgesellschaften, des Gustav-AdolphS-Vereins u. s. w. Wenn man diese kirchlichen Bemühungen zur Besserung des Volks in ihrer großen Anzahl betrachtet und doch in der forldauernden Sittenlosigkeit, die sich von Tag zu Tag steigert, die geringen Erfolge jener Bemühungen erkennt, so bestätigt es sich immer mehr, daß der Protestantismus nicht geeignet seyn dürfte, in Fleisch und Blut als ein heilsamer Lebenssaft für das Volk überzugehen, und daß, wie der treffliche Stahl (Protestant) in einer seiner jüngsten Vorlesungen entschieden aussprach, dem Katholicismus noch eine große Mission bevorsteht. Berautwortllchcr Redacteur: L. Schönchen. Aerwgö-Jnhaber: F. C. Kremcr. , Eilft-r Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zniigntM tti',? ?äzml»i« Suttidiinr»ffZiv?>l? n,^ chiuS »s?L s1,ja nj ,!»>j.»j t,ngn»k :iz^!ilv(j>r^ ni chi'i ,?vi,Äzg,tzdi»,^ ,?ch7i^ z^i: >)kj»kW n^nllo? tn'i nttl-i piiuii'iüb-K nix ^nii^üi^jzmnG Augswrger PostMung. buv ,»6oH nch-'...-)>! li ^zz M»yni1,^ÄttnG,ia AI "HNZÄUbliS 6NII ti,?k,in»I!Stl,7!SN!>_ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sönntage. Der halbjährige Abonnementspreis TV kr., wofür es durch alle könkgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kano. Zgii'iü^nii i»? mlmz 6nit .isivid^!,>Zv ^ichizT siij Ädoil Sum^itttsisi'-wiP ^ichvm?g Die Rückkehr zur katholischen Kirche: ' eine Aufgabe unserer Zeit und eine Stimme aus der Mitte der Protestanten, heißt eine vor Kurzem in Leipzig bei Jgnaz Jakowitz anonym erschienene, mit ungemeinem Talent geschriebene Broschüre von 59 Seiten, welche daö Motto: „Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten" (1. Kön. 18, 21.) an der Stirne trägt, im Innern aber so viel des Lesenö- und MittheilenS-Werthen bietet, daß wir, um weder der Auswahl wegen in Verlegenheit, noch als Nachdrucker in Processe zu gerathen, keine langen Citate daraus, sondern bloß einen Auszug mit Randglossen geben wollen. Nachdem in der Einleitung die Thatsache der Rückkehr so Vieler zum Katholicismus als Ergeb, niß der Sehnsucht nach Frieden, Einheit und Wahrheit besprochen worden, weist der erste Abschnitt zuerst darauf hin, daß die katholische Kirche den Künsten und Wissenschaften die nährende Brust gereicht, daß sie die von Rom und Athen hinterlassenen geistigen Schätze auS der Nacht der Völkerwanderungen gerettet, daß sie die Leibeigenschaft gelöst, die Städte gegründet, die Gerichte geläutert, daß sie die Völker befreit und Deutschland geeinigt hat. Auch die Urheber der angeblichen Reformation hätten diese ungeheuren Thaten zu würdigen gewußt, und wie auS ihren Schriften erhelle, die Trennung von der alten, einigen, einzigen Kirche nicht beabsichtigt. Dieses Ereigniß sey lediglich der weltlichen Macht, welche ihren Einfluß und ihr Vermögen mehren wollte, zuzurechnen« Diese habe zuerst, um den Schein der Kirchlichkeit zu retten, ein Zwittergeschlecht geistlicher Satrapen eingeführt, indem sie die bischöfliche Gewalt nicht aufhob, sondern an sich nahm. Damit aber sey der günstige Umstand, daß die 21 ersten Artikel der Augsburgischen Konfession über Glauben und Lehre endlich doch vielleicht eine Verständigung denkbar gelassen hätten, gründlich paralistrt worden; denn die Annahme der wie lucus a non lucencto benannten Concordienformel sey durch die rohcste Gewalt erzwungen, damit die Kirche zur dienenden Magd der weltlichen Macht erniedrigt, und die uralte Verfassung der erster» vernichtet worden, ohne daß eine neue, geschweige denn eine bessere an deren Stelle gekommen wäre; denn die Augsburger Confession verwirft bloß, ohne positive Satzungen auSzusprechen. Während dieser Vorgang durch Willkür stattfand, wollte die nun weltlich-geistliche Gewalt der Fürsten diesem' ihrem Ursprung entgegen doch wieder die symbolischen Bücher inconseauenter Weise zum nicht alternirbaren Ariom machen, wogegen jeder logische Kopf ankämpfen mußte. Daher sey denn der Unglaube und JndifferentiömuS, die krasse Ausklärerei der Voltairianer, endlich der gänzliche Zerfall der akatholischen ReligionSgenossenschasten entstanden. Während also auf diese Art der Protestantismus die göttliche Grundidee der Herstellung eines GottcsreicheS auf Erden durch die von der Politik bewirkte völlige Trennung von Rom und durch seine dem Begriff einer Kirche entschieden widerstreitende eigene Zerfahrenheit, durch den .HM 394 „YUV gänzlichen Mangel an jeder Kirchengewalt, welche der alle religiöse Freiheit vernichtende Zwang aüf die symbolischen Vücher ersetzen sollte, auszuführen sich durchaus ungeeignet zeige, ja diese Idee durch den Protestantismus vielmehr dem Untergange preisgegeben scheine — während dem offenbare sich in der katholischen Kirche die Grundbedingung zur Realifirung jener Idee im vollsten Maaße; denn diese Kirche, welche allein Kirche genannt werden könne, habe die Erziehung deS Menschengeschlechtes für den Himmel übernommen! Das habe sie allein thun können, weil nur sie die Grundbedingung deS sittlichen Lebens, den reinen Glauben bewahrt habe, aus dem die Glaubenösreudigkeit, die Glaubensstärke, GiaubenSinnigkeit und GlaubenS- einigkeit entspringe, die man bei den Protestanten vergeblich suche; dort habe man den untern Classen den Stab durchs Leben genommen, dafür Dccrete gegeben und so zur Auflehnung gegen göttliche und menschliche Ordnung aufgestachelt. Gegen diese Werke deS Unglaubens habe der Protestantismus auch keine Abhilfe; denn wo keine kirchliche Verfassung, keine kirchliche Gewalt, dort sey auch keine Kirchenzucht. DaS Priesterlhum habe man entfernt und die Prediger von der weltlichen Gewalt abhängig gemacht; der Protestantismus habe die Beichte abgeschafft, und damit den unbedingt nöthigen Einfluß der Prediger auf die Gemeinden, und sofort alle Kirchenzucht verloren. Deßhalb aber können diese Religionsgenossenschaften sich auch nicht einmal regeneriren, denn das Vo!k sey gleichgiltig und theilnahmsloS gegen den Protestantismus, dieser habe aber Niemand, der die Theilnahme wieder zu erwecken vermöge! So sey denn kein Weg, auf dem das neu erwachte religiöse Bedürfniß der Zeit Stillung finden könne, als die Rückkehr zur Mutterkircke, welche, wie sie bei allen bedeutenden Menschen erfolge, so im Allgemeinen dann um so häufiger eintreten werde, wenn man sich klar gemacht, daß mit dem Protestantismus nicht die Glaubensfreiheit, wohl aber die GlaubenSlvsigkeit, aufgegeben, und dafür Reinheit, Ruhe und Frieden gewonnen werde durch die Frucht des Glaubens, welche unter dem rei- chen Blällerschmuck und der Blütenpracht der heiligen Gebräuche und Sitten heranreife. Im Dienste der heiligen Kirche stehe Alles, auch die Kunst und die Wissenschaft, und so ziehe vaS heilige Rom durch seinen alles durchdringenden Glanz an, während der kalte Protestantismus vergeblich das Festhalten an dem, nach der willkürlichen Verdrehung so vieler Sätze, auch wieder nur willkürlich in den symbolischen Büchern Festgehaltenen befehlen n vl!e. Man sehe daher, daß diejenigen das „beste Theil" ergriffen haben, welche dem Zuge ihres Herzen nach der heiligen Kirche gefolgt. Es möge nun auch bald beginnen, schließt der Verfasser, „die große Wanderung der Völker zu dem Heiligthuine des Herrn; die Stunde ist da, und die Glocken der Zeit rufen bereits mit deuilicher Stimme!^ .nü-> Nach diesem möglichst gedrängten AuSzuge, welcher leider die blühende Sprache deS Originals nicht anzudeuten erlaubte, bleibt unS nur Weniges zu bemerken. Vorerst glauben wir den renkenden Leser, welcher die Sätze nicht einzeln, sondern in ihrem Zusammenhange erwägt, nicht erst versichern zu dürfen, daß eine, wenn für sich allein betrachtet, vielleicht zweideutige Stelle der 15- Seite den Verfasser der Bioschüre durchaus nicht als Feind der Wissenschaft characterisirt. Denn derselbe zeigt in seiner ganzen Darstellang, daß er das Paulinische von „der Erkenntniß seines Willens in aller Weisheit und dem geistigen Verständniß" vollkommen richtig aufgefaßt habe; ja er wäre seine Schrift zu verfassen gar nicht im Stande gewesen, hätte er nicht, statt bloß beständig über die falsche Aufklärung loszuziehen und ihr wieder in afterkalholischer, thatsächlich aber ächt lutherischer Manier, allein den Glauben und die Liebe 5) entgegenzustellen, vielmehr in reichem Maaße die freilich auf Glau- ") Wir verwahren uns hier gegen die unverständige oder böswillige Deutung obiger Worte, als hielten wir den Glauben ohne Wissenschaft für unzulänglich zur Seligkeit! Nein; aber, wenn wir sagen, daß, wer die Wissenschaft pflegen und mit ihr streiten kann, uno es doch nicht thut, ja dabei sogar die Freunde derselben verketzert, wenn wir sagen, daß dieser dem Willen Gottes frevelnd zuwiver handelt, so gedenken wir nur des Wortes: daß man die anvertrauten Pfunde nicht vergraben darf! «»merk. d. S.°''tM«MNL »N'-'^ '.Ä MÄ)K''' >i >/-E 395 den und Lieben vorzugsweise begründete katholische Wissenschaft gegen jene ins Gefecht geführt. Wie nöthig dieß sey, möchten doch alle Wissensfeinde, die ihrerseits in der That nicht viel lobenSwerther als die Lichtfreunde der andern Seite erscheinen, endlich einmal beherzigen! Bei der wiederholten Erwähnung des Umstandes aber, daß man im Protestantismus das Festhalten an den symbolischen Büchern meistens nur durch Regierungsmandate bewirken wolle, fällt uns der Conlrast inS Auge, welchen angeblich kalho- lische, aber dabei sehr Febronianische Regierungen dagegen gebildet haben. Unter und von solchen ist nämlich seiner Zeit, als die Kirche noch in der engsten StaatS- vormundschafr stand, alles ausgeboten worden, daö Festhalten an der Kirche nicht zu befehlen, sondern zu erschweren und zu verhindern, die heiligen Gebräuche zu unterdrücken, ja selbst die Spenduug der Sacramente polizeilich zu regeln. Beide stimmen aber darin überein, daß sie das religiöse Verhalten ihrer Unterthanen durch wellliche Mandate bestimmen wollen. Merkwürdigerweise war die F^Ige dieselbe mit jenem nach dem Borgang der Protesttintischen Staaten: das Verschwinden der Religiosität aus der gebildeten und ungebildeten Masse, dabei aber auch das Ende alles staatsbürgerlichen Gehorsams und OpfergeisteS. Wenn die Febronianischen Staatsmänner die Reiche durch ein christliches Regiment vor der falschen Aufklärung, und vor der in deren Gefolge einherschreilenren Entsittlichung bewahrt, und nicht immer ihre Polizeimittel, die gegen verbrecherische Tendenzen: gegen Hochvcrrälher, Räuber, Betrüger und Diebe sehr wohl angewendet gewesen wären, dazu vergeudet Härten, die Kirche und deren Diener zu beschränken, so wäre all das Blut, so die tapsern Krieger im Kampf gegen die gottverlassenen Rebellen verlieren mußten, erspart und kein Thron erschüttert worden. So aber ist auch der empirische Beweis geliefert worden, wie die Staatskirchen-Regiererei überall, bei Katholiken und bei Protestanten, nichts taugt, und wir können wieder nickt umhin, abermals als „eine Aufgabe unserer Zeit und eine Stimme aus der Mitte der" — Katholiken den sehnlichsten Wunsch auSzusprechen: daß durch thätiges Zusammenwirken der geistlichen Gewalt mit den weltlichen Behörden das glorreichste Wort unseres edlen Fürsten, die Befreiung der Kirche, bald in allen Lebenskreisen zur Wahrheit werde, damit von dem traurigen Febronianer-System nichts mehr bleibe, als die Erinnerung, die ja schauerlich genug ist, wenn schon Jemand einen Schreckenmacher zur Hand haben will. (Wien.K.Z.) mu.^M HkS -i<-.' ,mldl,l,',,n..>»,--H ,'„„,ü,„»,tw N'^nltt Man fühlt auS diesem daS Walten Otto's, der als Bedingung regulärer Zucht Aufgebung deS eigenen Willens, Gemeinschaft der Sitte und beS Gebens verlangte, dadurch den Angelpunct der Wirksamkeit derjenigen Männer traf, die sich für die Reform jener Tage entschieden hatten. Diese, welche mitten im Kampfe mit den simonistischen und beweibten Geistlichen die Päpste begannen, welche von Johann GualbertuS unter den italienischen Mönchen unternommen worden, in Frankreich durch den Orden von Grandmont versucht wurde, der keine andere Regel kannte, als die deS Evangeliums, daö aller Regeln Quell und Ursprung ist, war in gleicher Zeit und nicht ohne Beziehung zu dem Papste Leo IX. in Deutschland von dem Abte Wilhelm von Hirsau unternommen worden. Ei, ein Mönch von St. Heimeran in Regensburg, ein Sprosse bayerischen Adels, gelehrt und tugendhaft, hatte in dem Kampfe Heinrichs IV. mit Papst Gregor VII. sein ganzes moralisches Ansehen zu Gunsten des Letzteren in die Wagschaale gelegt und durch die Gründung von sieben deutschen Klöstern t^zu Reicbenbach, St. Martin in Bayern, St. Gregoriuö im Schwarzwald, in Erfurt, daS dann wieder Reinhansbrunn zu seiner Eolvnie halte, St. Maria in Doppelwasser, in Wielheim, zu Lavant in Kä'rnthen) eben so viele Mittelpuncte deS geistigen Lebens und eines tiefen moralischen Aufschwunges geschaffen. 396 Wilhelm beschränkte die Mönche auf ein rein geistiges Leben nach der Weise von Clugny, in welcber Gebet und Betrachtung regelmäßig abwechselten, während den Perkehr mit der Welt die Lonversi unterhielten, alle Handarbeit verrichteten und für die Bedürfnisse des Klosters und der Kirche sorgten. Der Gehorsam war rücksichtslos, das Leben allen gemeinsam; der Begriff des Eigenthums hatte aufgehört, aber auch der der Familie war nur in so fern vorhanden, daß alle Eine große Genossenschaft bildeten, deren Abgang sich durch Zugang von Außen nach großen Prüfungen ersetzte. Auf diese Genossenschaft warf der heilige Otto sein Augenmerk, um, nachdem er bereits den Abt GumbolduS auS dem Kloster von St. Heimeran berufen, dieser so wenig als seine nächsten Vorgänger daS Kloster auf dem Michaelsberge von Nachwehen des AbteS Rupert zu befreien vermochte, gründliche Abhilfe zu erlangen. In Folge deß wurde ein Zögling von Hirsau, Wolfram, gleich dem heiligen Wilhelm ein Sprosse drS bayerischen Adels, Abt, und vollendete nun als solcher die Reform deS Klosters, so daß der Schwabe Otto der zweite Begründer des Stiftes von Bamberg genannt werden muß, der Baier Wolfram das Verdienst hat, im Vereine mit dem Probste Eberhard von St! Jakob, dem Abte Weigand von Thereö, einem intimen Freunde des heiligen Otto, die Wiederhcrsteller des geistigen LebenS in Bamberg gewesen zu seyn. Denn es gehört mit zur eigenthümlichen Größe der Zeit, daß alle edleren Naturen nur von dem Einen Zwecke erfüllt waren und jene niederen Bedenken der Nationalität oder der Parteianschauung, die jetzt die Welt mit Spaltung und Zerrissenheit erfüllen, diesem weichen mußten. Wer der rechte Mann war, wurde gefragt, das woher er kam und wessen Landes Kind, kam wenn überhaupt erst spät in Betrachtung. Während aber Bamberg dem Abte Wolfram so vieles dankt, fand dieser vor der Menge tüchtiger Männer, vor der großen Anzahl ähnlicher Bestrebungen selbst in der weitläufigen Geschichte des Klosters Hirsau keinen Platz; nur Abt Andreas der Franke hat ihm in seiner Chronik vom Michelsberg (verf. 1494) ein dankbares Andenken gewidmet. Fällt es unserer Zeit schwer, sich in daS Treiben und Drängen einer Periode zu versetzen, welche den schroffsten Gegensatz zu ihr bildet; möchte man von dem Strudel der Gegenwart ergriffen selbst die Frage aufwerfen, ob daS wirklich deutscher Boden war, auf dem der nun statthabende Umschwung vor sich ging, so darf man sich, um die natürliche Folge der damaligen Reformbewegung sich klar zu machen, nur den Umfang vergegenwärtigen, welchen sie aus einem verhältnißmäßig so kleinen Kreise nahm, wie das BiSthum Bamberg war. Ein treuer und rastloser Förderer deS ernsten Geistes seiner Zeit schien der heilige Otto von Bamberg die Aufgabe in sich zu fühlen, die Welt mit Anstalten zu erfüllen, deren „Quelle und Ursprung" daS Evangelium war. Auf dem Boden deS Würzburger Sprengels baute er die beiden Aurach, auf bambergischem Michelfeld und wieS ihnen die Regel von Clugny an, welche Hirsau adoplirt hatte. AIS nun auch der in Frankreich neu entstandene Orden von Cisterz von Morimund aus, wo die Zierde Deutschlands der Bamberger Otto, Bischof von Freising, daS strenge Ordensgelübde ablegte, sich nach Deutschland verbreitete und in den Schluchten deS Steigerwaldes Abt Adam mit zwölf Gefährten daS nachher so herrliche Ebrach begründete, so gründete Otto im stillen Thale bei den westlichen Ausläufern des Fichtelgebirgö die Abtei Langheim nach der neu entstandenen Regel, die von Ebrach herübergebracht wurde. An diese reihten sich auf dem Boden des Regensburger Sprengels nicht weniger als sechs andere-an: Eyesdorf, Priefeningen, Münster, Biburk, MadelharteSdorf, Windenberg, fünf hicvon vom Orden von Clugny, daS letztere vom Orden der Prämonstratenser, beinahe dem einzigen, welchen ein Deutscher begründete, der heilige Norbert Erzbischof von Magdeburg, während keiner war, welcher, einmal inS Leben gerufen und meist durch Welsche entstanden, nicht durch Deutsche Förderung und eigenthümliche Pflege erhalten hätte. Im Halberstadter BiSthum gründete er Wittenburg (Regenötorsf), im Eichstädter HeilSbronn, im Passauischen Altersbach, in Oesterreich St. Andreas an der EnS; im Patriarchat von Aquileja wandelte er daS 45 Jahre lang seinem BiSthum entfremdete Arnoldenstein 397 aus einem Schlosse in eine Abtei um. Asbach erhob er zur Abtei; die Kirche der jungfräulichen Martyrin St. FidcS zu Bamberg übergab er dem reformirten Kloster auf dem Michelsberge; in Note, Vezzera, Tullefeld, Tuchclnhusen ward er Milbegründer. Das Kloster Banz auf hohem Berge am Main, daS kaum erbaut auch schon wieder zerstört worden war, stellte er her. Welche Klöster er begründete, die rüstete er auch mit Gütern aus, so daß man mit Recht sich fragt, wie eS möglich war, so vieles zu schaffen, zu bauen und zu ordnen. Wie Kaiser Heinrich Bamberg mit Gütern in allen Gauen ausstattete, versah Otto fast alle Bisthümer Deutschlands mit geistigen Anstalten. Es vollendete der Bischof nicht nur, was der Kaiser begonnen; eS war wie wenn er allgemeiner Bischof von Deutschland wäre, wie wenn auf seine Schultern allein die Last für das geistige Heil des Reiches ruhen würde; aber mit gleicher Umsicht und beispielloser Energie deö Geistes baute der Bischof auch Hospiläler und Schlösser, die einen den Leidenden zum Troste, die andern den Verfolgten zum Schutze. ES war die Absicht des großen Bischofs, die Strahlen der geistigen Sonne, welche Deutschland zu erwärmen begannen, nach allen Seiten hinzuleiten, Bamberg aber zum Mittelpuncte einer Thätigkeit zu machen, deren günstiger Einfluß sich bald nach allen Seiten bemerkbar machte. Denn wer kann eS läug« nen? In dem Maaße, in welchem der ausgestreute Samen Wurzeln schlug, wurde dem wilden Kampfe, der Italien und Deutschland bewegte, der daS Imperium wider das saeerclotium feit fünfzig Jahren unabläßlich zu neuen Wagnissen trieb, der Boden entzogen, dem widerstrebenden Kaiser das Schwert aus der Hand gerungen, und wie der große Friede deS Jahreö 1122, daS Wormser Concordat, so auch die herrliche Zeit Lothars III. vorbereitet, von dem es hieß: Imperator eedesiae smgwr reli^ionis et justitme. ?empors ip8iu5 secuncls luerunt. In cliedus ip8iu8 populug terrae von pertimuit. Ilnuscjuisczue enim sua libersliter pscilieecjue possidelist. Nerito a nobis nostris^uv paler pstriae appellstur. Unter diesem Fürsten war es dann auch, daß Otto, welcher einen Theil seiner Jugend in Polen zugebracht, sich der schwierigen Aufgabe unterzog, den heidnischen Pommern das Evangelium zu verkündigen. Zweimal zog er dahin, und ruhte nicht eher, als bis er die Fundamente des Christenthums gelegt, das Heidenthum entwurzelt, wie eS der heilige BonifaciuS bei uns gethan, und zugleich mit dem Christen, thume und Christensitte auch den Grund zu dem Uebergewicht des deutschen Wesens gelegt, dem sich zuletzt die Pommern so wenig entziehen konnten als dem sansten Joche Christi. Dann starb er ein Mann der Sorgen, wie seine Statue zeigt, voll Mühen und Beschwerden, ein Mann der That, der, während die Mönche in den von ihm gestifteten Klöstern beteten, die übrigen Bischöfe zauderten, für sie alle handelte, den Geist apostolischer Zeiten in Deutschland wieder erweckte, in Bamberg daS Bisthum erst wahrhaft begründete, an den Gestaden der Nordsee wie an den Ufern des Mains und der Donau sein Andenken als des größten Wohlthäters von Völkern und Volksstämmen in Segen hinterließ, in Bamberg zumal keinen größern Bischof nach sich, keinen größern vor sich fand, in Deutschland aber, ja im christlichen Erdkreise den leuchtendsten Männern, den verdienstvollsten Kämpfern für die Sache der ewigen Wahrheit beigezählt wurde. (Kath. Bl. a. Fr.) -Ki'-'k lim >iu . ii"s,i.'!-.,-iu:.? .»',. nf. in? p-'-oi ?au sjiln.n ,,'n ii,5pj->n(Z Sv! na,« - " aM,M»s.,..u,,'-.,5 «,Z 'Z,-u,j,M -n,M . Ausspruch eines Heiden über die Beichte. Seneca, der stoische Philosoph, sagt in dem dreiundfünfzigsten der moralischen Briefe: „Seine Fehler bekennen ist ein Anzeichen von Gesundheit." Der gesunde Körper entwickelt große Kraft, sobald etwas Fremdartiges, Schädliches eingedrungen ist; eS wird rasch ausgeschieden, oft ohne Anwendung äußerer Mittel. — Mit kaltem Wasser überschüttet erzeugt der Körper schnell eine Gegenwirkung, er sammelt seine innere Wärme und drängt sie nach Außen, um der schädlichen Erkältung zu wehren; der gebrochene Knochen bringt in kurzer Zeit eine Materie hervor, welche die getrenn- 398 ten Theile wieder vereiniget und sich dann selbst zum Knochen erhärtet; der Dorn, der inS Fleisch eingedrungen, findet nicht lange Ruhe; eS schwäret und eitert und arbeitet, bis der Feind hinausgedrängt ist; der gesunde Magen, der ein Gift in sich fühlet, geräth in Bewegungen und Zuckungen und ruhet nicht, es sey denn das Schädliche entfernt. Ein Anderes sehen wir an dem schwachen, ungesunden Körper. Der eingedrungene Krankheitsstoff durchdringt alle seine Theile; die Empfindung des erlittenen Schadens ist fast geschwunden; die Wunde erzeugt in dem kraftlosen Fleisch wenige oder gar keine Schmerzen; nirgends entwickelt sich eine frische Kraft, welche das Fremdartige auszuscheiden, die Wunven nnd Gebrechen zu heilen im Stande wäre. DaS Körperliche nun ist, wie in vielfacher Beziehung, so auch hier ein Bild deS Seelenlebens. ES liegt in der Seele ein gehcimnißvoller Trieb, daS, waS sie drückt, waS sie ängstiget, was ihr Krankheit und Unwohlseyn gebiert, an'S Tageslicht zu bringen. Sie suhlet sich ruhiger, sobald sie ihren innern Schmerz hinausgesprochen hat. Dieser Trieb ist so stark, daß selbst der Verbrecher sich immer versucht fühlt, wenigstens Einem von seines Gleichen die Geheimnisse seiner Seele, die Verirrungen und Schandthaten mitzutheilen; er hoffet irgend einen Trost, irgend eine Beruhigung durch die Mittheilung. Anvere, von diesem innern Triebe gedrängt, eilten hin, sich selbst dem Richter anzuklagen nnd freiwillig der Strafe sich zu unterziehen für Vergehen, die kein menschliches Auge gesehen, und die nimmer offenkundig werden konnten. Nur sehr Wenigen mag eS gelingen, dem innern, gewalligen Dränge zu widerstehen, daS Herz ganz zu verschließen: ihr LvoS ist dann dumpfes Hinbrüten, Verstockung, Verzweiflung, und in Folge dessen oft Selbstmord. Der Trieb also, sich auSzusprechen über sein Inneres, seine Verirrungen mitzutheilen, ist ein gewaltiger und allgemein menschlicher, eben so tief in uns begründet, als der Trieb der Selbsterhaltung. -u .win^ ' Je gesunder nun die Seele ist, d. h. je reiner sie ihre Ebenbildlichkeit mit Gott bewahret hat, desto schneller und stärker entwickelt sie ihre innere Kraft, um das Fremdartige, das Beunruhigende, daS Schmerzende, das Sündhafte auszuscheiven durch offenes, freimüthiges Bekenntniß; je mehr sie dagegen durch frühere Verirrungen, durch langes, fortgesetztes Dulden deS moralischen Kranlheiisstoffes schwach geworden, um so gefühlloser ist sie, um so weniger befähiget zur Rückwirkung gegen daS innere Gift. Diese einfache Reflexion läßt demnach in dem oben angeführten Ausspruche des Seneca eine Wahrheit erkennen, welche dem Institute der Beicht, auch abgesehen von seiner göttlichen Stiftung, innern, unläugbaren Werth verleihet. DaS AuSsprechcn der eigenen Verirrungen ist Bedürfniß der Seele, ist Zeichen und Anfang der Genesung. Wo nun die Seele in dem Grade geschwächt ist, daß sie zu den ersten Athemzügen deS geschwundenen geistlichen Lebens nicht mehr Kraft hat, da muß der Arzt eintreten, und wie bei dem bewußt- und regungslosen Körper, der aus dem Wasser gezogen warv, die eingeschläferte Lebenskraft wecken, die noch vorhandenen Funken anfachen. Und welchem Arzte mag hier der Vorzug gebühren? Demjenigen, der durch Studien und Gebet sich zu diesem Amte vorbereitet, und von einer höhern Obrigkeit für würdig und fähig erklärt ist, oder demjenigen, der nie mit der geistlichen Arzneikunde und den Seelenkrankheiten sich befaßt hat? — Oder wenn daS Herz zum Aussprechen sich gedrungen fühlt, welchem Menschen kann eS dann ohne Furcht sein Vergehen entdecken? Demjenigen offenbar, dessen Lippen mit dem unverletzlichsten, heiligsten Siegel geschlossen, dessen Herz Mitleid zu haben gelernt hat, dessen Hand im Ramen deS Königs der Ewigkeit das Begnadigungsurtheil unterzeichnet und hinreichet. Zum Schlüsse bemerke ich noch, daß der Satz Seneca's nicht vereinzelt dasteht in den Schriften und Religionsbüchern deS HeidenthumS. Aehnliche Sätze finden sich in den Eleusinischen Geheimnissen, eben so bei den Brahmanen, Tibetanern, Japanesen, den Peruvianern und Türken. — Um nur Eines hier anzuführen; das 399 Gesetz des Menu, Sohnes des Brahma, sagt: „Je wahrhafter und williger der Mensch, welcher eine Sünde begangen hat, diese bekennet, um so mehr entledigt er sich derselben, wie die Schlange ihrer alten Haut." Das Christenthum entspricht also mit seinem Veichtinstitut — abgesehen von seinem sacramentalischen Charakter— einem Bedürfnisse der Menschheit, das Gott zur Rettung deS moralischen Lebens tief eingesenkt hat in jedes Herz — ähnlich dem gewaltigen Triebe zur Erhaltung deö leiblichen Lebens. (M. Sbl.) »MsS slkiinznno-Mvfllv? zj-j M. W n,Ä»n^tz 75 5 m ljMiwnT liiVslo chuv ttii« much^i-K ilsckjjßzm??»» ch7u^ Sin ,!?iomvt Zi^ingzw^ll Zbi^zh ch7uct ^.-^ sjiiui!.; »St.r.:Z>,tSMM Zch?i5q'.7u, ?>w^s^.ch^ c^S z.-z ch'.in^ 7Z>IlZM7lL sws (lntt :7H'/.--6 7!7.-M«7i?nAM-I.7 7-R Sj.s. l^vpjMLskN^ -v'/ n,ll'« Paris, 9. Nov. ES ist auS den Mittheilungen des „Umvers" bekannt, wie der jetzige Stand der Verhandlungen über die heiligen Oerter im Orient ist. Auf den in dieser Beziehung thätigen französischen Gesandten Aupick ist der nicht minder thätige Lavallette gefolgt, der die Sache so weit gefördert hat, daß eine gemischte Commission aus Türken, Griechen und Katholiken niedergesetzt ward, um die auf Fermanen beruhenden Ansprüche der Katholiken auf die heiligen Oerter zu untersuchen. Da die durch Intrigue herbeigeführte spätere Bevorzugung der Griechen als nicht stichhaltig erkannt war, so versuchten diese durch eine Fälschung Documente zu unterschieben, die vorgeblich älter als die Diplome der Katholiken seyn sollten, in der That aber in dem berühmten griechischen Kloster auf dem Berge AthoS neuerdings angefertigt waren. Der griechische Mönch SimonideS, der einen verborgenen Ort als jene vorgeblich alten Dokumente enthaltend bezeichnet und um Nachgrabung daselbst gebeten hatte, ward auf der That ertappt, wie er eben jene mit großer Geschicklichkeit angefertigten Papiere dort verbergen wollte. Es kann nicht fehlen, daß die Franzosen den Proceß gewinnen, wenn der allmächtige Einfluß des russischen Kaisers nicht stärker als die Wahrheit ist. Daß man sich in Konstantinopel, und namentlich in den fränkischen Vorstädten Pera und Galata viel mit dieser Sache beschäftigt, ist natürlich; welche abenteuerlichen Gerüchte aber dort über den Zweck der Verhandlungen im Umlauf sind, muß ick doch der Kuriosität wegen berichten. Gestern erzählte mir nämlich ein hier dieser Tage angekommener Konstan- tinopolitaner, wie eS dort Stadtgespräch wäre, daß der hiesige Banquier Baron von Rothschild die Hand im Spiele hätte, und durch seinen Geldeinfluß Jerusalem erwerben, dort König der Juden werden, und im heiligen Boden seiner Väter ruhen wolle. Die Sache wäre dem Sultan schon ganz reckt, wenn der Kaiser Nikolaus nur seine Zustimmung gäbe. Derselbe Konstantinopolitaner erzählte auch, wie neuerdings in der Aja Sophia (jetzt Moschee, früher Kirche der göttlichen Weisheit) zu KonstaNtinopel wieder Reparaturen gemacht wären. Die schönen Wandmalereien, die von den bilterfeindlicken Türken mit Tünche oder mit Mosaik und Arabesken verdeckt wurden, haben sich mit der Zeit, namentlich am Gewölbe deS hohen ChorS wieder hervorgewagt und sind diesmal frei geblieben DaS Bild deS Heilandes und der heiligen Jungfrau blickt freundlich herab, und scheint dieß schon ein Anfang der Erfüllung der nicht bloß bei Christen, sondern auch bei Mohamedanern verbreiteten Ueberlieferung zu seyn, daß die Aja Sophia wieder in eine christliche Kirche umgewandelt, und der Priester am Hochaltare die Messe lesen würde. Jene eben erwähnte Bilderschen der Mohamedaner scheint, wie so manches andere Verbot deS Koran, allmälig zu erlöschen, wie denn z. B. im Bibliotheksaal deS SultanS sämmtliche Porttäte der Sultane sich befinden, und in den SalvnS der türkischen Großen die Bilder der napoleonischen Thaten die Wände zieren. Auch das im Koran befindliche strenge Verbot des WeingenusseS wird von den türkischen Notabilitäten wenig geachtet. Ueberhaupt greift die europäische Civilisation (wenn auch langsam) immer weiter um sich, besonders seil dem Regierungsantritt deö jetzigen SultanS, der die alte Nationaltracht mit der europäischen vertauschte, sein Heerwesen dem französischen nachbildete, seine Officiere auf die Ingenieurschule in Metz schickte, ' " ° " 400 sein Schulwesen nach deutschem und französischem Vorbild umformte, und in die Hände deS tüchtigen UnterrichtsministerS Hemal Effendi gelegt hat. Die Vornehmen schicken ihre Kinder meist zur Erziehung nach Deutschland oder Frankreich. Jene polilischen Reformen werden allmälig auch dem Christenthum den Weg bereiten. Dazu kommt der Proceß der Selbstauflösung in der mohamedanischen Religion, der in der letzten Zeit durch die energischen Kampfe der Wahabiten (der Protestanten deS Islam) gegen die orthodoxen Mohamedaner wesentlich beschleunigt ist. Eö wirkt auch als ein Sauerteig in der gährcnden Masse die katholisch-armenische Bevölkerung, die durch geistige Ueberlegcnheit sowohl, als durch unermeßlichen Reichthum factisch über die Türken gebietet. Sind doch fast alle europäische Gesandtschaftsstellen von Konstantinopel auS mit katholischen Armeniern besetzt! Und diese Armenier sind meist in den von Mechitaristen-Mönchen geleiteten armenischen Kollegien zu San Lazaro, Wien oder Paris gebildet. Möge der Halbmond bald der Sonne der Wahrheit Platz machen I (M. Sbl.) SMsiMZH j?zd'7(is)H l-l ochoT Sllj '.iglvfts. jjiMvoS ZhilM M >>5 um ^ >.s»7',:-.:tt ti'.?i .'^!U.K l > j.ll m«wj,O hur. n«,ssl'in«ioS Gehe hin und thue desgleichen! In dem Gasthofe einer nicht unbedeutenden Stadt wurde eben labls ä' dütv gespeist. Die Tafel war zahlreich von Gästen aus den verschiedenartigsten Ständen besetzt, doch bildeten die Officiere der Garnison den Haupttheil der Gesellschaft. Die Unierhaltung war sehr belebt und munter. ^.ji^^m Da trat ein junger Mann zur Tafel hin, eine große, kräftige Gestalt; er war einfach, aber doch höchst anständig gekleidet; er schien ein Gutsbesitzer aus der Nachbarschaft zu seyn. Er blieb stehen, machte das Zeichen deS heiligen Kreuzes, betete einige Minuten und setzte sich dann zu Tisch. Natürlich waren sofort Aller Augen auf ihn gerichtet. Einige blickten erstaunt auf ihn hin, Andere theilten sich einander ihre Bemerkungen mit, die Meisten aber zogen ihren Mund zu einem spöttischen Lächeln zusammen, daS endlich laut sich äußerte. Der Fremde, welcher bereits angefangen hatte, Suppe zu nehmen, blickte ruhig um sich. „Meine Herren," fragte er dann, „warum lachen Sie so allgemein, habe ich Ihnen Veranlassung zu Ihrer Heiterkeit gegeben?" „Ach, da sollte man nicht lachen," antwortete ein junger Officier, „wenn Sie solche Grimassen machen." „Also daS ist eS, waö Sie lachen macht?" erwiderte der Fremde. „Wissen Sie, eS ist eine Kleinigkeit, mit vierzig Personen über etwas zu lachen; aber dem Spott und Hohn einer ganzen Gesellschaft gegenüber daS zu thun, waS Pflicht und Gewissen gebieten, daS kann nur der Mann. Ich bin Katholik, ich schäme mich meines Glaubens nicht und danke meinem Gott gern für die Gaben, die seine Güte unS spendet." Alle schwiegen einige Augenblicke, der Officier blickte etwas verlegen seine Kameraden an; der Fremde aber begann gleich eine andere Unterhaltung und bald hatten die Gäste Gelegenheit, in dem entschiedenen Katholiken einen äußerst gebildeten und interessanten Gesellschafter zu finden. AIS er etwas früher vom Tische aufstand, das Kreuz machte und zum Danke betete, lächelte Niemand, die Meisten schwiegen, und hielten einen Angenblick selbst mit dem Essen ein. Grüßen? nach allen Seiten und freundlich wieder gegrüßt, verließ der Fremde den Speisesaul. K. A. Bestellungen für das mit 1. Januar 185S beginnende neue Abonnement wollen möglichst bald gemacht werden! M1YM?k,? m?s ^wflM?>i?.M5ss»P»?IY,.1ZZ j.'ll! iHfMl'.NVitM »tio'Zl'i ' ^ .Sns,ll»s> Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer. Eilster «Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostZeitung. 21. December ^ 51 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«»»!« kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlangen bezogen werden kann. R o m. Der heilige Vater, Papst PiuSlX., hat unter dem 2l. November folgende Lnexeliea „an alle Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe und andere Ordinarien, welche die Gnade und Gemeinschaft deS heiligen Stuhles besitzen", erlassen: Papst PiuS IX. den ehrwürdigen Brüdern Heil und apostolischen Segen! Unser Herz erfreute sich im Herrn, ehrwürdige Brüder, und Wir dankten in tiefster Demuth und Innigkeit dem allgütigen Vater der Barmherzigkeit und dem Gott alles Trostes, da Wir in Mitte unaufhörlicher und schwerlastender Bekümmernisse, die UnS durch die so große Unbill der gegenwärtigen Zeitläufte von allen Seiten bedrängen, aus den meisten Eurer Berichte die reichlichen und freudevollen Früchte ersahen, welche daS von UnS bewilligte heilige Jubiläum über die Eurer Sorge anvertrauten Völker mit Hilfe der göttlichen Gnade ergossen hat. Jbr habr UnS bemerkt, wie bei diesem Anlasse die gläubigen Bevölkerungen Eurer Sprengel im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen wetteifernd in größter Anzahl zu den Kirchen strömten, um der Berkündung deS Wortes GotleS beizuwohnen, um, nachdem sie durch daS Sacrament der Wiedcrversöhnung den Schmutz ihrer Seelen abgewasche», zu dem göttlichen Tische hinzuzutreten und zugleich ihre heißen Gebete Gott, dem Allerhöchsten, nach Unserer Meinung darzubringen. Von daher begannen nicht Wenige, welche sich mit Hilfe der göttlichen Gnade aus dem Schlamme der Laster und auS den Finsternissen der Irrthümer, in welchen sie elend darniederlagen, empor geschwungen, die Pfade der Tugend und der Wahrheit zu wandeln und eine heilbringende Lebensweise zu befolgen. AlleS dieses gereichte UnS zur höchsten Tröstung und Freude, die Wir, um das UnS von Gott anvertraute Heil der Menschen tief besorgt und bekümmert, gewiß nichts so sehr wünschen, und nichts Anderes Tag und Nacht in allen Unsern Wünschen und Gebeten in Demuth Unseres Herzens von Gott verlangen, als daß alle Völker, Stämme, Nationen, welche auf den Wegen des Glaubens wandeln, Ihn täglich mehr erkennen und lieben und Sein heiligstes Gesetz emsig erfüllen und auf dem Wege beharren, welcher zum Leben führt. Obwohl Wir aber, ehrwürdige Brüder, von einer Seite innige Freude empfinden müssen, daß die Bevölkerungen Eurer Sprengel auS, dem heiligen Jubiläum große Gnaden geschöpft haben, so müssen Wir auf der andern Seite nicht geringen Schmerz fühlen, wenn Wir sehen, wie in diesen jammervollen Zeiten Unsere heiligste Religion, so wie die bürgerliche Gesellschaft einen betrübten und Trauer erregenden Anblick darbieten. Denn Niemanden auS Euch, ehrwürdige Brüder, ist eS unbekannt, mit welcher Arglist, mit welcher abenteuerlichen Verkehrtheit der Meinungen und mit welchen frevelhaften Umtrieben aller Art die Feinde GotteS und deS menschlichen Geschlechtes zusammenwirken, um die Gemüther aller Menschen verwirren, e S n ie S n ch lN ir er e- al >fe eit 402 die Sitten verderben, die Religion, wenn eS je möglich wäre, allenthalben verdrängen, die Bande der bürgerlichen Gesellschaft zerreißen und sie von Grund aus umstürzen zu können. Von daher die beweinenswürdige Verblendung des Geistes so Vieler; der erbitterte Krieg gegen die allgemeine katholische Sache und gegen diesen apostolischen Stuhl; der abscheulichste Haß gegen die Tugend und die Ehrbarkeit; die Beehrung der verworfensten Laster mit dem Namen der Tugend; di-! zügellose Frechheit, Alles zu sinnen, zu thun und zu wagen; die übermüthige Mißachtung jeglicher Regierung, Macht und Autorität; die Verspottung und Verachtung geheiligter Dinge, der heiligsten Gesetze und der besten Einrichtungen; die beklagenSwerthe Verführung vor Allem der unbehutsamen Jugend; die pestbringende Seuche schlechter Bücher unv von allen Winkeln herfliegender, daS Laster lehrender Schriften, Zeitungen und Blättlein; das tödtende Gift der G leichg i l ti g ke it (JndifferentiSmuS) und des Unglaubens; die Anstiftung ruchloser Verschwörungen; die Verachtung und Verhöhnung sowohl menschlicher, als göttlicher Rechte. Es ist Euch nicht verborgen, ehrwürdige Brüder, welche Beängstigung, welche Zweifel, welche Bedenklichkeit, welche Furcht die Herzen aller vorzüglich Gutgesinnten von daher bekümmert und beklemmt, indem die schwersten Uebel auS privaten und öffentlichen Gründen zu fürchten sind, wo die Menschen von der Richtschnur der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Religion elendiglich abfallen, schlechten und ungezähmten Leidenschaften fröhnen und alle Bosheit im Sinne führen. Bei einer so großen allgemeinen Gefahr sieht eS Jedermann ein, daß wir alle unsere Hoffnungen einzig auf Gott setzen und heiße Gebete an Ihn richten müssen, damit Er die Reichthümer Seiner Barmherzigkeit über alle Völker gnädig auSgieße, und alle Gemüther mit dem Lichte Seiner himmlischen Gnade erleuchte, daß Er Sich würdige, die Irrenden auf den Weg der Gerechtigkeit zurückzuführen und die auf« rührischen Absichten der Feinde zu bekehren, daß Er Allen die Liebe und Furcht Seines heiligen Namens einflöße und den Geist gebe, immer nur daS zu denken und zu thun, waS recht, was wahr, was keusch, waS gerecht und was heilig ist. Und da der Herr sanft, milde und barmherzig ist, und freigebig gegen alle, welche Ihn anrufen, weil Er auf das Gebet der Demüthigen sieht, und Seine Allmacht vorzugsweise durch Schonung und Erbarmung offenbart, so laßt unS, ehrwürdige Brüder, mit Vertrauen zu dem Throne der Gnade hinzutreten, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade und Hilfe finden zur rechten Zeit. „Denn jeder, der bittet, empfängt, wer suchet, der findet, und dem Klopfenden wird aufgethan werden." (Malth. 7, 8.) Zuvörderst laßt uns dem Herrn der Erbarmungen unsterblichen Dank sagen und mit den Lippen deö Jubels Seinen heiligen Namen preisen, da Er in vielen Ländern des katholischen Erdkreises Wunder Seiner Barmherzigkeit zu wirken Sich würdigt. Hernach hören wir nicht auf, einstimmig, von der gleichen Treue des Glaubens, Festigkeit der Hoffnung und Inbrunst der Liebe beseelt, ohne Unterlaß Gott demüthig und innig anzuflehen und zu beschwören, daß Er Seine heilige Kirche auS allen Trübsalen errette, daß Er sie unter allen Völkern und in allen Erdtheilen von Tag zu Tag ausbreite, vermehre und erhöhe, daß Er die Welt von allen Irrthümern reinige, alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit und auf den Weg deS Heiles in Seiner unendlichen Güte hinführe, daß Er die Geißel Seines Zornes, die wir für unsere Sünden verdienen, gnädig abwende, daß Er dem Meere und den Winden gebiete und Ruhe herstelle und Allen den heißerwünschten Frieden verleihe, daß Er Sein Volk errette nnd Seine Erbschaft segne, und sie zum Himmlischen leite und führe. Damit aber Gott Sein Ohr unsern Gebeten um so eher leihe und unsere Wünsche erhöre, erheben wir unsere Augen und Hände zu der heiligsten Gottes- gebärerin, der unbefleckten Jungfrau Maria, deren Fürbitte bei Gott die nächste, die kräftigste ist, welche mich unsere liebevollste Mutter, unsere größte Zuversicht, ja, der ganze Grund unserer Hoffnung ist, die erhält, um waS sie bittet, und niemals umsonst bitten kann. Dann suchen wir auch um die Fürbitten sowohl des Fürsten der Apostel nach, welchem Christus selbst die Schlüssel deö Himmelreichs übergeben 403 und den Er zum Felsen Seiner Kirche gesetzt hat, welchen die Pforten der Hölle niemals überwältigen werden, alö auch seines Mitapostels Paulus und deS eigenen Patrons jeder Stadt und jedes Landes, und der ganzen himmlischen Hecrschaar, durch welche der allgütige Herr die reichlichsten Gaben Seiner Güte im vollsten Maaße auSspendet. Darum, ehrwürdige Brüder, während Wir in dieser Unserer erhabenen Stadt öffentliche Gebete befehlen, so laden Wir mit gegenwärtigem Briefe Euch selbst und die Eurer Sorge übergebcnen Bevölkerungen zur Gemeinschaft Unserer Bitten ein, und fordern Eure ausgezeichnete Gottesfurcht und Frömmigkeit mit allem Nachdrucke auf, daß Ihr auch in Euren Sprengeln öffentliche Gebete zur Erflehung der gvttli- chen Milbe anordnen wollet. Und damit die Gläubigen mit so inbrünstigerem Gemüthe den von Euch festzusetzenden Andachten obliegen, so haben Wir beschlossen, die himmlischen Schätze der Kirche in Form eineö Jubiläums neuerdings zu eröffnen, wie Ihr auS Unserm andern hier angehängten Schreiben deutlich vernehmen werdet. Wir erheben UnS zu der zuversichtlichen Hoffnung, ehrwürdige Brüder, cS werden die Engel deS Friedens, welche goldene Schalen und ein goldenes Rauchfaß in ihren Händen tragen, die demüthigen Gebete Unser und der ganzen Kirche auf dem goldenen Altare dem Herrn darbringen, und Er werde sie mit gnädigem Antlitze aufnehmen, Unsere, Eure und aller Gläubigen Wünsche in unendlicher Güte anhören, Er wolle die Finsternisse aller Irrthümer vertreiben, die Stürme aller Uebel zerstreuen, und sowohl der Sache der Christenheit, als der Gesellschaft Seine hilfreiche Rechte darreichen, und bewirken, daß in allen Menschen die eine und eben dieselbe Treue der Gesinnungen, die eine und eben dieselbe Frömmigkeit des Wandels, die eine und eben dieselbe Liebe zur Religion, zur Tugend, zur Wahrheil unv Gerechtigkeit, daS eine und eben dasselbe Bestreben nach Frieden, daS eine und nämliche Band der Liebe sey, damit so daS Reich Seines eingeborenen Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, auf dem ganzen Weltall von Tag zu Tag erweitert, befestigt und erhöhet werde. Endlich empfanget als Unterpfand aller himmlischen Gaben und als Zeugniß Unserer feurigsten Liebe zu Euch den Apostolischen Segen, welchen Wir Euch, ehrwürdige Brüder, und allen Geistlichen nnd allen gläubigen Laien, die Eurer Wachsamkeit anvertraut sind, aus der innersten Neigung des Herzens liebevoll erlheilen. Gegeben zu Rom beim heiligen Pelrns den 21. November 1351, Unseres Papstthums im sechsten Jahre. Centralafrika. Der Wiener Marienverein zur Bekehrung der Neger erläßt folgende Bekanntmachung: Am 3. April 1846, kurze Zeit vor seinem Dahinscheiden, gründete der heilige Papst Gregor XVI., dem so viele fromme Missionen ihr Entstehen verdanken, eine Mission für Centralafrika, deren Thätigkeit das ganze ungeheure Ländergebiet umfassen sollte, welches von den Katarakten des Nils und den Wüsten am südlichen AbHange des AtlaS bis jenseits deö AeauatorS zu dem dort vermutheten Mondgebirge und den Gränzen von Guinea, und von den Gebirgen im Westen Abyssiniens bis zum Stromgebiete des Senegals und Gambias sich ausbreitet. Die Bekehrung der Neger, die Verhinderung deS Sclavenhandels, die Seelsorge über die einzeln in jenen Gegenden zerstreuten Katholiken, wurde als die Aufgabe der neuen Kirchengemeinde bezeichnet, und sie wurde mit der hohen Würde eines apostolischen Vicariats und mit jenen ausgedehnten geistlichen Vollmachten ausgerüstet, welche ihr wichtiger Beruf, die weite Entfernung von dem heiligen Stuhle und die Langwierigkeit, so wie die vielen Hemmnisse der Verbindung mit demselben erfordern. Ihre Leitung e S n ie S n ch !N 1r er e- al >fe eit 404 wurde dem Pater Ryllo anvertraut, einem Manne von apostolischem Eifer, der hie- von während einer langen und erfolgreichen Laufbahn rühmliche Beweise gegeben hatte; ein Weg, den er nehmen, ein Sitz, den er wählen sollte, wurde ihm vom heiligen Vater in seiner erleuchteten Weisheit nicht vorgezeichnet, die Fügungen der Vorsehung und die Erfahrungen während der Thätigkeit der Mission sollten hierüber entscheiden. Der heilige Papst starb, ehe die Missionäre ihre Reise antreten konnten- allein Se. Heiligkeit der jetzt regierende Papst PiuS IX,, von dem gleichen heiligen Eiser beseelt, bestätigte die Erlasse seines Vorgängers und ertheilte den frommen Arbeitern im Weinberge deS Herrn seinen väterlichen Segen zu ihrem großen und schwierigen Werke. Im Frühjahre 1847 kamen die zu dieser Mission ausersehenen Priester von ihren verschiedenen Standorten auf dem Festlande von Italien, in Malta, am Libanon und in Palästina in Alerandrien zusammen; aber eS dauerte bis zum September jenes JahreS, ehe die Ausrüstungen zu ihrer Fahrt vollendet waren und ehe sie durch die eifrigen Bemühungen deS kaiserlichen Generalkonsuls, unter dessen Schutz die Mission sich stellte, die nöthigen Geleitsbriefe für ihre gefahrvolle Reise erhalten hatten. An der Spitze deS Dreieckes, wo der Weiße und blaue Fluß, auö deren Vereinigung der Nil entsteht, zusammenströmen, unter dem 16° nördlicher Breite liegt Chartum, eine neue Stadt, unter Mehemcd-Ali angelegt und durch einen sehr lebhaften Handelsverkehr mit dem innern Afrika schnell zu einer Bevölkerung von mehr als Ltl.MO Menschen herangewachsen. Diese Stadt erreichten die Missionäre nach einer sehr langwierigen und beschwerlicher Reise am 11. Februar 1848. Ihre Reisevorräthe waren aufgezehrt, Krankheiten hatten mehrere aus ihnen ergriffen, Pater Ryllo selbst lag ohne Hoffnung der Wiedergenesung darnieder, cS schien daher höchst gefährlich, wenn nicht unmöglich, in diesem Augenblicke die Reise weiter fortzusetzen. Auf der andern Seite war Chartum der letzte Ort, bis wohin einigermaßen regelmäßige Handelsverbindungen mit Europa reichen, von woher Nachrichten gegeben, wo Aufträge und Unterstützungen mit einiger Sicherheit empfangen werden können, und kein anderer Platz schien geeigneter, Verbindungen mit den Bewohnern deS innern Afrikas anzuknüpfen, über die Orte und Acten der künftigen Wirksamkeit zu festen Entschlüssen zu gelangen, die Missionäre für ihren Beruf durch das Studium der Sprachen und Sitten des Landes vorzubereiten, sie an daS so gänzlich verschiedene, für jeden Unvorbereiteten höchst verderbliche Clima zu gewöhnen und ihnen seiner Zeit, wenn sie sich über daS Land zerstreut haben würden, einen Punct der Vereinigung, der geistigen Auffrischung und der körperlichen Erholung zu gewähren. ES wurde daher beschlossen, in Chartum eine Station zu errichten, und ein edler Türke, welcher die Missionäre schon in Dongola gastfrei aufgenommen hatte, und hiedurch eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllen wollte, die er christlichen Priestern am Libanon, die ihm einst auf einem Feldzuge daS Leben gerettet hatten, schuldig war, verschaffte ihnen Schutz, Hilfe, Unterkunft. Allein am 17. Juni 1848 starb Pater Ryllo, die wiederholt erbetenen, lange erwarteten Unterstützungen auS Europa blieben aus und an deren Statt kamen die erschütterndsten Nachrichten. Der Sturm der Revolution hatte den ganzen Welttheil ergriffen, alles was man bisher geachtet und geehrt hatte, wurde in den Staub getreten, der heilige Glaube, die Grundfesten der gesellschaftlichen Ordnung schienen erschüttert, die Prediger deS göttlichen Wortes wurden verfolgt und vertrieben, die frommen Institute zur Erhaltung und Verbreitung deS Glaubens wurden in ihrem Bestände bedroht und der heilige Vater selbst war in seinem Sitze gefährdet. Wer sollte in diesem Umstürze aller Dinge noch an die Mission im fernen Afrika denken, wo durften sie noch auf Theilnahme und Hilfe in ihrem schwierigen Werke hoffenI Die heilige Propaganda in Rom erklärte feierlich, daß sie nicht in der Lage sey, die Mission ferner unterstützen zu können, und bereits waren die Erlässe ausgefertiget, welche den Missionären die Eilaubniß ertheilen soll- ten, wieder auf ihre frühern Standpuncte zurückzukehren. Allein der Herr, der einem in seinem Namen unternommenen Werke seinen Beistand nie entzieht und die Werkzeuge zu seiner Ehre und Verherrlichung wohl zu wählen weiß, hatte auch in Char- 405 tum den rechten Mann zur Begründung und Fortpflanzung des großen Werkes zur Bekehrung der Neger sich bereits ausersehen. Unter den Missionären, welche Pater Ryllo begleitet hatten, befand sich Pater Jgnaz Knoblecher, geboren am 6. Juli 1819 zu St. Cantian bei Gutenwerth, einem Dorfe der Diöcese Laibach, der im Listen Lebensjahre nach zurückgelegten Studien und nachdem er zu Laibach die mindern Weihen erhalten hatte, mit Bewilligung seines hochwürdigen Bischofes in Rom in das Institut der heiligen Propaganda eingetreten, dort zum Priester geweiht und für den gottgeweihten Beruf eines Heidenapostels ausgebildet worden war. Nach dem Tode des Pater Ryllo war die Leitung der Mission an ihn übergegangen und in Kurzem hatte er einen Grund angekauft, ein HauS gebaut, einen Garten angelegt, eine Kapelle eingerichtet, alles zwar klein und nothdürftig, aber doch hinreichend für die bescheidenen Bedürfnisse seiner Genossen und die ersten Anfänge der Mission und die Möglichkeit gewährend, in einem Lande, das bisher nichts als die Giäuel deS HeidenthumS und die Lieblosigkeit deS MohamedaniSmuö kannte, täglich das unblutige Opfer deS neuen Bundes darzubringen, täglich Gott den Dank für die Wohlthat der Erlösung darzubringen und täglich seinen Beistand und seinen Segen anzuflehen, damit auch die zahlreichen Völker jener Gegenden in die große seligmachende Kirche Christi eingehen. In Chartum ist ein Sclavenmarkt, wohin aus dem innersten Afrika die unglücklichen Gefangenen zum Verkaufe geschleppt werden, unter diesen oft zarte Kinder, ihren Eltern geraubt, verlassen und trostlos der Willkür dessen hingegeben, der daS Geld daran wendet, sie sein zu nennen. Die frommen Missionäre kauften nun auf diesem Markte mehrere Knaben, die ihnen gutgeartet und von einigem Talente zu seyn schienen, auch fanden sich in Chartum einige Abkömmlinge von Europäern, oft von ihren Vätern zurückgelassen, verwildert und verroht, in den Irrglauben ihrer Mütter zurückgefallen. Diese Kinder wurden nun in dem Hause der Mission untergebracht, man fing an, sie in allen jenen einfachen Kenntnissen zu unterrichten, welche für sie und ihre Heimat von Nutzen seyn können, und vor Allem in den Wahrheiten unseres heiligen Glaubens. Sie sollten die erste christliche Gemeinde CeiuralainkaS bilden, und jene Neger sollten, dereinst der Freiheit wieder gegeben und auf sichern Wegen zu ihren Landsleuten zurückgesendet, dort die Apostel dieser letzter», die eifrigsten und wirksamsten Helfer der Missionäre werden. Groß war der Eifer der jungen Leute, ihre Empfänglichkeit für die göttliche Lehre, die ihnen verkündet wurde, und ihre Liebe zu Gott, zu Christo und zu seiner jungfräulichen Mutter, sanft und ruhig ihre Sitten, kindlich ihre Anhänglichkeit an die frommen Väter. Am Feste Allerheiligen deö JabreS 1848 konnten bereits die ersten auS ihnen durch die Taufe in den Schooß der heiligen Kirche ausgenommen werden. Am Vorabende dieses Tages besuchte Pater Knoblecher wie gewöhnlich daS Schlafzimmer der Kleinen, um nachzusehen, ob alle in Ordnung zur Ruhe gegangen. Da fand er die Katechumcnen noch wach und in andächtiger Haltung. Er fragte, waö sie da machten? „Wir beten zur Mutter Gottes, war die Antwort, daß sie für unS bitte, damit wir den morgigen Tag erleben, der unS zu Christen machen soll." — Welcher Glaube unter diesen Erstlingen der Kirche deS innern Afrika's, wie sehr sind sie würdig, daß alle, die Christum bekennen, sich für sie bemühen! Von diesen jungen Leute» lernten auch die Missionäre die Sprache der Stämme, denen jene angehörten, der Galla, der Bari und anderer, und auch sonst sammelte man von ihnen alle jene Thatsachen, welche über die Wohnsitze jener Völker, die Wege, zu ihuen zu gelangen, ihre religiösen Ansichten, Sitten, Gebräuche, und waS sonst als Grundlage der künftigen Thätigkeit der Mission dienen kann, Ausschluß zu geben vermochten. AIS die Hilfe aus Europa ausblieb, wurde darum im Eifer nicht erkaltet, die Thätigkeit nicht beschränkt und den Negerzöglingen nichts entzogen, die Missionäre sparten am eigenen Leibe und suchten die Hilfsmittel zu benutzen, welche ihnen ihr Garten darbot. So wurde daS Jahr 1849 überstanden, und endlich im Jahre 1349, als die Noth am höchsten war, und als auch der Verein zur Vereinigung deS Glaubens in Lyon die erbetene Unterstützung versagt hatte, kam gerade zur rechten Zeit 406 eine Spende auS Laibach, zwar klein in Vergleich mit den zu bestreitendeu Bedürfnissen, aber sie war der Oelzweig der Taube in der Sündfluth, sie zeigte, daß in Europa der Glaube und die Theilnahme an seiner Verbreitung neu erwache, und sie wies auf die Richtung hin, in welcher daS fromme Unternehmen auch künftig auf erfolgreiche Hilfe hoffen könne. Unter diesen Verhältnissen war es, daß Paler Knob- lecher den kühnen Entschluß faßte, dem großen Zwecke, welcher der Mission gesetzt war, näher zu rücken und so weit als möglich in daS Innere Afrika'S vorzudringen, um die Stätten seiner künftigen Wirksamkeit kennen zu lernen. Jährlich im November, wenn die Nordwinde zu wehen anfangen, schickt der Gouverneur von Chartum mehrere Schiffe den weißen Fluß hinauf, um die egyptischen Niederlassungen längs dieses Stromes mit den nöthigen Bedürfnissen zu versehen und von den weiter oberhalb wohnenden Negervölkern Elfenbein gegen GlaS-Eorallen einzutauschen. Dieser Erpedition wollte sich Knoblecher anschließen, jedoch weiter vordringen als sie. Ein mohamedanischer Kaufmann schoß, wenn auch umer sehr drückenden Bedingungen, die Kosten vor. Am 13. November 1849 trat Pater Knoblecher d e Reise an, zwei seiner Genossen begleiteten ihn, die übrigen blieben zur Obhut der Mission zurück. Nach wenigen Tagen waren sie an den letzten Niederlassungen der Egypter vorübergekommen und schifften längs der unermeßlichen Urwälder hin, welche die natürliche Gränze zwischen dem Gchieie deS Pascha von Egypten und den unabhängigen Negerstämmen, dem MohamedanismuS und dem Heidenthume, bilden. An der Seite weiter graSreicher Savannen, nur hie und da durch einen Hain, einen Hügel unterbrochen, setzten die frommen Missionäre ihre Reise fort, bis zu dem letzten Puncte, den bisher ein Europäer erreichte, den Wasserfällen deS weißen FlusseS am Fuße deS eisenreichen Gebirges, welches die fleißigen Bari-Neger bewohnen. Ihre Kenntniß der Landessprache verschaffte ihnen einen Lootsen, welcher sie durch einen natürlichen Canal, der in vielen Windungen schräge von einem Ufer zum andern sich hinzieht, die Wasserfälle hindurch geleitete, und so kamen sie bis Logvek unter 4° 9' nördlicher Breite. Von einem Berge, der dort sich erhebt, übersahen sie den obern Lauf deS weißen FlusseS in unermeßlicher Weite, und die Richtung seines Laufes, seine Wasscrmenge, daS Maaß seiner Geschwindigkeit erlaubte den Schluß, daß er weit jenseits deS AequatorS entspringe, also mit seiner Hilfe noch tief in jene unbekannten Gegenden werde vorgedrungen werden können. Die Gegenden, welche die Missionäre durchfuhren, werden in der Richtung von Norden nach Süden von den Scilluk-, Dinka^, Nuir-, Kyk-, Bor-, Zhir- und Bari-Negern bewohnt, unabhängigen Stämmen unter einheimischen Fürsten, lebend von dem Ackerbau, der Viehzucht, der Jagd. Die Bari wissen sogar daS Eisen ihrer Berge zu bearbeiten und verfertigen Waffen und Schmuck für sich und ihre Nachbarn. Der große Gegenstand des Handelsverkehres ist daS Elfenbein der zahlreichen Elcphantenbeerden, welche jene weiten Ebenen durchstreifen. Der Menschenschlag ist schön und kräftig, man sieht unter ihnen majestätische kriegerische Gestalten, und die schöngefleckten Leoparden- und Pantherfelle, welche ihnen als Zeichen ihres Jagdglückes wie ein Mantel am Rücken herniederhängen, vermehren den Eindruck, den sie machen. So weit die Missionäre beurtheilen konnten, scheint ihr Gemüth für alles Gute empfänglich, ihr Verstand der Belehrung zugänglich, noch sind die verheerenden Sclavenjagden der nördlichen Gegenden nicht zu ihnen gedrungen und haben nicht ihre Sitten verwildert, ihre Ruhe gestört. So wie sie sind, werden sie der Lehre Christi, der Predigt deS Glaubens und der Liebe ein offenes Herz darbieten, und sie sehnen sich nach derselben; die Barineger und ihr König Niphila waren schmerzlich betrübt, als die Missionäre sie verließen, und ließen sich nur durch das Versprechen der baldigen Wiederkehr derselben beruhigen. Aber diese Armen sind auch des Segens und Heiles der Offenbarung so bedürftig, als nur je ein Menschenkind. Ihr Geist ist in den widersinnigsten Aberglauben versunken, der Gedanke eines lebendigen schöpferischen GotteS, der die Menschen erhört, wenn sie zu ihm flehen, ist ihnen fremd und tröstet sie nicht in den Uebeln, die sie umringen, und denen sie ohne Kleidung, ohne wohlverwahrtes Obdach, ohne Erfahrung und 407 Kenntniß schutzlos hingegeben sind. Welche reiche lohnende Ernte für Jene, die hier unter GotteS Beistand dereinst säen werden! (Schluß folgt.) Die katholischen Vereine und die Presse. Ein Mahnruf von Fr. v. Florencourt. ^) .... Die Verbreitung guter katholischer Bücher, oder, um cS allgemeiner auszudrücken, die Entwicklung und Organisation der katholischen Presse ist ein Hauptpunct für die Thätigkeit der katholischen Vereine. Auf diesen Punct sind die katholischen Vereine durch das dringendste geschichtliche Bedürfniß entschieden hingewiesen. Hier ist in der That eine gewallige Lücke, durch welche der Teufel eindringt in das Reich GotteS auf Erden, eine Lücke, für deren Ausfüllung von Seite deS katholischen VereinswcsenS bis jetzt noch nichts Erhebliches und Durchgreifendes geschehen ist. Hier bietet sich ein reiches, unabsehbares Felv dar. Vor Erfindung der Buchdruckerkunst konnten nalürlich solche Vereine, die heilend und werklhätig den Uebeln und Sünden der Presse entgegentraten, nicht entstehen, weil es damals noch keine Presse gab. Auch hat sich der ganze ungeheure Einfluß der Druckschriften erst nach unv nach in seinem jetzigen vollen Umfange entwickelt, und zwar in einer Zeit, wo das Leben der Kirche darniederlag, durch innere Lauheit und durch äußere Beschränkung gehemmt wurde, während die Tendenzen deS Unglaubens und der Sünde in voller Blüthe standen. Daher die Erscheinung, daß der zerstörende Theil der Presse gegenwärtig ein so gewaltiges Uebergewicht gewonnen hat. Die Folgen liegen am Tage. Die Bücher und Zeitungen des Unglaubens und der Sitlenlofigkeit überschwemmen die Paläste, wie die Hütten; ihr Gift läuft in tausendfachen Canälen durch alle Adern der Gesellschaft. Millionen von Händen, Federn, Maschinen u. s. w. sind fort und fort beschäftigt, auf diese Weise den heiligen Glauben der Kirche und die sittlichen Gebote unseres Herrn balv direct, bald indirect, balv bewußt, bald unbewußt, auS den Herzen der Menschen zu verjagen und auszulöschen. Und bis jetzt hat das katholische BereinSwesen diesem gränzenlosen Mißbrauche einer an sich nützlichen und zur Ehre GotteS dienenden Erfindung lhat- loS zugeschaut. Hier werkthätig und durchgreifend zu helfen, ist in der That eine dringend gebotene, aber auch eine so schwere Aufgabe, daß man auf den ersten Anblick davor zurückschreckt Daß aber mit der Hilfe GotteS dem katholischen BereinSwesen nichts unmöglich ist, das zeigt uns die Geschichte auch auf andern Gebieten. Es handelt sich namentlich darum, in Stadt und Land alle unkalholischen Biälter, von den groß- ten Zeitungen an bis zu den kleinsten Schmutzblättern herab, nach und nach zu ver» drangen, und andere wahrhaft katholische Zeitschriften an deren Stelle einzuführen. Dazu gehört erst eine genaue Ermittlung des ganzen unseligen Thatbestandes für den Kreis, für welchen sich der Verein gebildet hat, also eine genaue Aufzählung aller derjenigen schlechten Blätter, die vorzugsweise in den einzelnen Orten sich eingebürgert haben und vorzugsweise dem katholische» Leben Schaden thun. Diese Ermittlung kann der kalhvlischc Verein in die Hand nehmen, indem er dazu sachverständige Männer zu einer Commission wählt. Nachher läßt sich dann über die geeignetsten Wege sprechen, wie dem also bloßgelegten Uebel abzuhelfen ist, theils negativ, indem man dahin wirkt, daß alle solche schädlichen Erzeugnisse der Presse nicht mehr gehalten, gekauft und gelesen werden, theils positiv, indem man untersucht, waS dafür an die Stelle gesetzt werden kann. Dann wird eS auf Herbeiziehung der geeigneten Männer, auf Herbeischaffung der äußern Mittel sür die Gründung und Organisirung einer solchen katholischen Presse ankommen u. s. w. Wenn die Katholikenvereine sich diese ') Aus der Volkshalle. 408 fromme Pflicht stellen, und sich ihr mit Gebet und hingebendem Gottvertrauen widmen, wenn sich auf diese Weise über ganz Oesterreich und ganz Deutschland ein großes Netz von Haupt- und Nebenvereincn bildet, dann kann eS gelingen, waS bis dahin keiner Staatsgewalt, keiner Preßgesetzgebung und keiner Censur gelungen ist, — nämlich die Buchdruckerpresse wieder zum Dienste GvtteS und seiner Gebote zurückzuführen. Hier, wie überall, steht der Staat in seiner ganzen Ohnmacht da, wenn ihm die Kirche nicht mit ihren Waffen, mit Glauben und Liebe, zu Hilfe kommt. „Aber, wird man sagen, die „„katholischen"" Vereine sollen nur kirchliche Vereine seyn; indem sie sich auf diese Weise die Reinigung und Heiligung der Presse nicht bloß auf geistlichem, sondern auch auf weltlichem Gebiete zur Aufgabe stellen, überschreiten sie das kirchliche Gebiet, und nehmen zugleich einen politischen Charakter an." Ich entgegne darauf: Wo ist überhaupt die Gränze bei irgend einer christlichen Werkthätigkeit zwischen „kirchlich" und „politisch" zu finden? Ist zuletzt die Armen- und Krankenpflege nicht auch etwas Politisches? Greift nicht die Erziehung ebenfalls tief ein in die politischen Zustände? Alle christlichen Motive, und alle christliche Gesinnung, wenn sie znr That werden und in fleischliches Leben übertreten will, hat immer eine politische Seite. Die enge, unauflösbare Verbindung hicnieden zwischen Fleisch und Geist, zwischen Kirche und Staat, zwischen Politik und christlicher Moral hat sich mehr, wie je, in der letzten Zeit auch dem blödesten Auge herausgestellt, und kein frommer Katholik darf sich der Ausübung dieser politischen Seile seiner Pflichten entziehen. Mag man solche Vereine politische nennen oder nicht, eS ist ein Streit um ein leeres Wort. Die eigentliche Frage heißt: „Sind solche Vereine gut? dienen sie zur Ehre GotteS und zum Nutzen der heiligen katholischen Kirche oder nicht?" Und wenn man darauf bejahend antworten kann, so ist dieser Scrupel gehoben. _ M e i n h o I b. Am 3. Dec. wurden in Charlottenburg die irdischen Ueberreste des Mannes der Erde übergeben, der nach vielen mächtigen, innern Kämpfen, die sein denkender Geist ihm bot, bereits an den Schwellen der kath. Kirche stand um Einlaß zu begehren. Der Irrthum war überwunden, aber der Tod überraschte ihn in seinem Zögern, daS äußere Verhältnisse ihm geboten. Er arbeitete seit längerer Zeit über einem Werke, daS, originell in der Behandlung des Stoffes, sich als das Ergebniß des unermüdlichsten Fleißes documentiren und der gelehrten, wie der ungelehrten Welt volle Befriedigung gewähren wird. *) Das Werk ist in der Hauptsache vollendet. Gleichsam ahnend den nahenden Tod, arbeitete er die letzten Wochen und vorzüglich die letzten Tage seines Lebens mit sichtbarer Hast. Der Geist trieb ihn, das begonnene Werk zu vollenden. Mögen die Erben des zu früh Verstorbenen sich beeilen, ein Werk der Oeffentlichkeit zu übergeben, daS ein dringendes Bedürfniß der Zeit, eine passende Kost für die gegenwärtige Generation. Einige seiner Freunde, mit denen er fleißig und herzlich correspondirte. setzten große Erwanungen auf ihn, ja, hofften sogar von seinem neuen Werke und fernern Bestrebungen die Conversion des deutschen Nordens. Diesem Ziele waren seine letzten Kräfte gewidmet. Er war ein wahrer, warmer KvnigSfreund, ein vortrefflicher Patriot und voll Begeisterung für Gott und den Glauben. Gott tröste seine arme Wittwe! denn er selbst gab eine Pfarre von 1650 Thalern Gehalt auf, um nur seiner Ueberzeugung treu zu seyn. ') Ueber die Schönheit des katholischen Glaubens und über die UnHaltbarkeit des Protestantismus. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Znhaber: F. C. Kremer. Eilfter Jahrgang. s>i?si5si!j nvi!i>K NI>j n^fsizch^ Sonntags-Beiblatt >j' ^«sZiki.Zi'-isiP nsniiöti vn«.',u!<Ä ns,Sve zur Augsburger Pojtzeitung. ^7Üs>.' 28. December M- SS. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspreis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Gebetsverein zur Bekehrung Englands. Rom, 30. Nov. Anbei übersende ich Ihnen deS Pater JgnatiuS Spencer Aufruf an die Katholiken der ganzen Welt zu Gebeten und guten Werken für die Bekehrung aller von der Kirche Getrennten, insbesondere der Protestanten. Zugleich kann ich Ihnen die freudige Nachricht mittheilen, daß daS von ihm mit so viel Glück und Erfolg unternommene Werk der Bekehrung jetzt in ein neueö Stadium eingetreten ist. Der heilige Vater, von heißem Verlangen nach der Rückkehr der ' Verirrten in den Schooß der heil. Kirche erfüllt, hat den Plan deS Pater JgnatiuS nach sorgfältiger Prüfung nicht nur gut geheißen, sondern diesem Werke auch seinen besondern Segen und reiche Jndulgenzen verliehen. Pater JgnatiuS wird nun mit - größerer Sicherheit, Autorität und Anerkennung wirken können, nachdem sein Werk i die Approbation deS Stellvertreters Jesu Christi selbst erhalten hat. Wahrscheinlich wird sich jedoch seine Rückkehr nach Deutschland noch um einige Monate verziehen. ? Der Verein, wozu er bereits den Grund gelegt hat, und an dessen AuSbrei- - tung er nun mit größerer Lust arbeiten wird, geht von dem Gedanken auS, daß es l die Pflicht eines jeden Katholiken ist, für die Rettung der Verirrten besorgt zu seyn , und nach seinem Vermögen mitzuwirken. Er wendet sich darum nicht an eine beson, , dere Classe von Personen, noch hat er Statuten entworfen, oder bestimmte Gebete ) und Beitrage für die Mitglieder festgesetzt. Die ganze heil. Kirche soll diesem Verein r angehören, die Verfassung der Kirche soll sein Statut, und die Liebe die Richtschnur seyn, die am besten Jedem eingeben wird, was er für die Bekehrung seiner Unglück- - lichen, von der Kirche losgerissenen Brüder zu thun hat. Der Zweck seines Unter- e nehmens ist zunächst nur, daS Bewußtseyn dieser heiligen Liebespflicht in den Herzen 5 Aller zu wecken und ihnen die besten Mittel zur Erfüllung derselben anzugeben. " Diese sind aber nicht Macht, nicht Gelehrsamkeit, nicht Disputirsucht, sondern daS e Gebet, — denn Gott allein kann die Gnade der Erleuchtung zur Erkenntniß der s Wahrheit verleihen, — und ein heiliges Leben nach dem Beispiel Jesu Christi, der n spricht: „Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seyen in der Wahr- h heit." Durch diese großartige Auffassung seines Werkes ist Pater JgnatiuS zugleich n der Gefahr entgangen, irgend einem andern Vereine, der für ähnliche Zwecke besteht, lr hindernd in den Weg zu treten; umgekehrt werden die andern Vereine in dem Maaße :r gewinnen und fortschreiten, als durch sein Unternehmen die Liebe gegen daS Unglück e- deS Nächsten in den Herzen der Katholiken geweckt wird. Wenn er aber zunächst il wünscht, eS möchten alle zuerst und vorzüglich die Bekehrung Englands von Gott zu se erlangen suchen, so hat daS keineswegs seinen Grund in irgend einer nationalen -it Vorliebe; es ist dieses vielmehr ein neuer Beweis, mit welcher Tiefe und Großartigkeit er seinen Plan entworfen hat. Wer die Weltftellung Englands, seine Macht, 410 seinen Einfluß, den ernsten, religiösen Charakter und energischen Unternehmungsgeist seiner Bewohner kennt, wird zugeben müssen, daß von der Rückkehr dieser Nation zum wahren Glauben nicht bloß die Bekehrung der übrigen Protestanten, sondern auch der noch heidnischen Völker zum großen Theile bedingt ist. Ja, ich glaube, selbst unsere Politiker — obgleich dieses Unternehmen nichts mit der Politik zu schaffen hat — würden nicht wenig damit zufrieden seyn, wenn eS uns recht bald gelänge, mit der Gnade Gottes die englische Nation zum Katholicismus zu bekehren. Sicherlich würden sie dann jene egoistische und revolutionäre Richtung in der englischen Politik, die jetzt wie ein Alp auf die übrigen Völker drückt, wenig mehr zu befürchten haben. Demnach ist dieses ein handgreiflicher Beweis für die Wahrheit dessen, waS Pater JgnatiuS in dem folgenden Ausruf sagt, daß die Erfüllung dieser Liebespflicht den Katholiken nicht nur die selige Ewigkeit erwerben, sondern auch ihre irdische und bürgerliche Wohlfahrt in hohem Grade vermehren werde. .«»»? «Äi-tt mx»j»S «nn>mlÄ»üD»«jV n»tmiS»P .ZgiiläZ illv pm