Eilfter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt ​​zur Augsburger Poſtzeitung 5. Januar Nʳ· 1. 1851. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage, Der halbjährige Abonnementspreis 40 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Neujahrsgruß. Der erſte Gruß gebührt dem neuen Jahre, Das wieder Leid und Freuden mit ſich bringt; Ach gib in deinem Lauf das einzig Wahre, Wornach der Menſchengeiſt ſo kämpfend ringt! Das alte Jahr legt ernſt die Herrſchaft nieder, O neues, gib uns Ruh' und Frieden wieder! Tritt, Pilger, kühn mit heißem Sehnſuchtshoffen ​​In das bewegte, bunte Leben ein; Ein Feld des Wirkens liegt von Neuem offen, ​Der Glaube wird dein treuer Führer ſeyn Dich treiben vorwarts mächtig die Gewalten, Doch trau'! was bleibend iſt, wird Gott geſtalten. Die ernſten Looſe deines Daſeyns theilet Dort oben eine weiſe Vaterhand: Wohin auch deine Furcht und Hoffnung eilet, Die Zukunft haſt du doch noch nie gekannt! Was auch der ſchwache Menſch mag denken, träumen: ​​​Die Zukunft liegt enthüllt in Himmelsräumen. Drum wandre muthig fort an Gottes Stabe Und halt' an ſeinem heil'gen Willen feſt; Du weißt, gelangt zum dunkeln, ſtillen Grabe, Daß ja der Herr die Seinen nie verläßt. Sey fürder hart dein Kämpfen und dein Ringen, Mit Gott: und Gutes kann das Jahr nur bringen! Die katholiſche Miſſion in Centralafrika, unter Leitung des Generalvicars Dr. Ignaz Knoblecher. Die in Chartum für Centralafrika gegründete Miſſionsanſtalt hat eine Aufgabe, welche von der chriſtkatholiſchen Nächſtenliebe als eine der erhabenſten und dringendſten Pflichten erklärt wird, und von allen Katholiken die größte Theilnahme verdient; wir ſind daher überzeugt, daß unſere Leſer die Geſchichte dieſer Miſſion und 3 wuchs die Verlegenheit der Expedition von Tag zu Tag. Der P. Ryllo ernannte unter dieſen Umſtänden den Miſſionär Dr. Ignaz Knoblecher zum Generalvicar der ausgedehnten Miſſion, übergab ihm die Vollmachten, die er aus den Händen Seiner Heiligkeit empfangen, und befugte ihn, die Angelegenheiten des Vicariates nach ſeinem agenen Gutachten zu lenken und zu leiten. Die Gefahr, in der die Expedition, an welcher dieſer ſtets den wärmſten Antheil genommen, ſchwebte, bewog ihn, die ſchwere Laſt auf ſeine Schultern zu nehmen, in der Hoffnung, daß ihm Monſignor Caſolani, der ſelbſt bei der Expedition war, ſo lange mit Rath, und That beiſtehen würde, bis der heilige Stuhl zur Beſetzung der ſo viel als erledigten Stelle des apoſtoliſchen Vicars geſchritten wäre. Die Aufmerkſamkeit des Generalvicars ward nun darauf gewendet, wie er den von der Expedition gewichenen Muth wieder aufrichten würde. Die göttliche Vorſehung und die Sorgfalt des P. Ryllo half ihm ſein Vorhaben auszuführen. Jener hatte nämlich kurz vorher einen Kaufvertrag für ein Stück Gartenland, das mitten der Stadt am Nil gelegen war, geſchloſſen; dieſer ließ in dem baufälligen Gebäude Anſtalten treffen, um fo gut als möglich eine Capelle, Schule und einige Wohnfluben für die Miſſionäre einzurichten, und ſo ohne Weiters die Miſſion in Gang zu bringen. Mittlerweile ſuchte der Herr die Expedition auf eine ſehr empfindliche Weiſe heim; er entriß am 17. Juni 1848 die ſchöne Seele des nicht wieder erſetzlichen P. Ryllo aus ihrer Mitte. Ein Schlag, der, obſchon man darauf vorbereitet war, dennoch den tiefſten Schmerz verurſachte. Nachdem die irdiſchen Reſte dieſes theuren Erſtlingsopfers der Miſſion feierlich zur Erde beſtattet waren, brachte jeder Tag neue Beſchwerden. Der junge Chef lag in einem fernen Lande ohne Geld und ohne Creditbriefe an der Spitze einer Expedition, der er wenigſtens das Nothwendigſte für den täglichen Bedarf herbeiſchaffen ſollte. Auch aus dieſer Verlegenheit zog ihn die göttliche Vorſehung, da ſich Jemand herbeiließ, ihm zur Deckung des Erforderlichen für mehrere Monale eine Summe Geldes gegen einen Wechſel, der von der Propaganda aus bezahlt werden ſollte, vorzuſtrecken. Als endlich auch dieſe Angelegenheit beigelegt war, ſetzte ſich, als ob ſich alle Elemente gegen die junge Miſſion verſchworen hätten, von einer andern Seite ein Gewitter gegen dieſelbe in Anzug. Einige ihrer europäiſchen Feinde hetzten den harten Haled⸗Paſcha auf, daß er in ſeinem Fanatismus gegen dieſelbe ergrimmte und ſie zu zerreißen drohte. Dieſe erfreute ſich jedoch eines beſondern Schutzes von Oben, und überlebte trotz der ſchrecklichen Drohungen den Sturz des ägyptiſchen Machthabers in Sudan. Mittlerweile ſchickte der Generalvicar ſeine Miſſionsberichte nach Rom. Monſignor Caſolani trat ſelbſt die Rückreiſe an, und Angelo Vinco, einer der Miſſionäre, mußte ſich ſeines zerrütteten Geſundheitszuſtandes halber ebenfalls nach Europa begeben, wenn er anders dem fremden Klima nicht unterliegen wollte. Der Generalvicar blieb mit Emmanuele Pedamente, dem einzigen Miſſtonär in der Miſſion, und ſeine ganze Aufmerkſamkeit ward von nun an von der erſten, mit göttlichem Beiſtande gegründeten Station in Anſpruch genommen. Die proviſoriſche Capelle war bereits vor Pfingſten 1848 im Miſſionshauſe eröffnet, und mit einer Anzahl von kleinen Negern, die in das Haus aufgenommen worden ſind, die Pflanzſchule von künftigen Miſſionären gegründet, die den klimatiſchen Beſchwerden weniger ausgeſetzt ſind, als die Weißen. Dieſe kleinen Zöglinge werden nach Thunlichkeit in den Elementargegenſtänden unterrichtet, beſtanden nach wenigen Monaten die Prüfungen als Katechumenen, und ſind bereits ſeit dem Allerheiligenfeſte 1848 in den Schooß der katholiſchen Kirche aufgenommen worden. Dieſen kleinen Erſtlingen der neuen Gemeinde geſellten ſich andere bei, die Kleinen zogen auch Erwachſene an, und ſo vermehrte ſich die Anzahl der Auserwählten durch den Segen, den der Himmel der Miſſion angedeihen ließ. Das Kirchlein wird immer voller. Das unbefleckte Opfer des göttlichen Lammes wird täglich am Altare in jenem fernen Lande zur Sühnung der göttlichen Herrlichkeit gebracht, und heiße Gebete ſteigen aus der Bruſt der kleinen Schwarzen für die Bekehrung ungläubiger Brüder vor den Thron des Allerhöchſten 4 Der zerrüttete Zuſtand, in dem ſich Europa die letzten zwei Jahre befand; war Urſache, daß ſich die Miſſion von Inner⸗​Afrika einer gewünſchten Theilnahme von Seiten gläubiger Katholiken nicht erfreute, obſchon man ſich keineswegs beklagen konnte, daß man ihrer nicht da oder dort gedacht. Rom ſchickte ihm ſo haͤnge Unler—⸗ ſtützung, bis die Anarchie daſelbſt alle Feſſeln geſprengt hatte— drei Miſſionäre kamen 1849 im Frühjahre als eine kleine Verſtärkung in Chärtum an, ſie kamen aber als wahre Pilger, indem ſie für den Unterhalt der Miſſton nichts mitbrachten. Es ſchien alſo, daß man ſie dem harten Schickſal überlaſſen hätte; nur die Krainer gedach⸗ ten ihres Landsmannes im Junern von Afrika, und ſchickten ihm wenigſtens, ſo viel als nothwendig war, um ihm und ſeinen neuen Angehörigen das Leben zu friften Der Generalvicar ſah mit betrübtem Herzen der Zukunft entgegen: doch in der Hoffnung, daß der Herr die verhängnißvollen Tage abkürzen werde, lebte er für ſeine kleine Gemeinde, und bemühte ſich zu gleicher Zeit, von den unglücklichen Geſchöpfen, welche die geldgierigen Mäkler aus den entfernteſten Negerländern auf den Selaven—⸗ markt nach Chartum bringen, Erkundigungen über den Zuſtand, die Sitten, Spra⸗ chen, Fähigkeiten ꝛc. der zahlloſen Staͤmme ſeiner ausgedehnten Miſſion einzuziehen. Gegen die Mitte des Novembers 1849 vertraute er die Station in Chartum der Ob— ſorge zweier Miſſtonäre an, und trat mit zwei anderen eine Explorationsreiſe gegen das unbekannte Innere ſeiner Miſſton an, nachdem es ihm nicht wenige Mühe geko— ſtet hatte, die allſeitigen Hinderniſſe, die ihm von den egyptiſchen Machihabern in den Weg gelegt wurden, zu beſeitigen. Dieſe Erxpedition ſchlug ihren Weg auf dem mäch— tigen Bah'r el Abiad gegen die Urwaldungen ein, die die Scheidewand zwiſchen den ägyptiſchen Beſitzungen und den freien Negerſtämmen bilden, und die zugleich die Gränze des vorgedrungenen Islam und des Heidenthumes ſind. Sie uͤberſchritten dieſelbe binnen einiger Tage, und ſegelten den Strom hinan durch die unermeßliche Fläche des gausgedehnten Savannengebietes vorwärts— bis ſie gegen die Mitte des Mongtes Jänner d. J. bis zum Berge Logwek, der unter dem 40 9 N. Breite gele— gen, noch nie von einem Europäer betreten, gedrungen. Sie trafen auf dieſem unge— heuren Gebiete die zahlreichen Stämme der Schillukz, Dinka-, Nuér⸗, Kyk⸗, Helyab⸗, Bor⸗, Zhir⸗ und Bäry⸗Neger, die ſich in Reihenfolge in den Beſitz der Uferländer, die vom Weißen Strome beſpühlt werden, theilen. Dieſe Stämme haben mit gerin⸗ gen Ausnahmen feſte Wohnplätze, ſie leben unter ihren Ortshäuptern, die gewöhnlich den Stamm-Häuptlingen(Königen) untergeordnet ſind, und erfreuen ſich faſt durch— gehends einer im Ganzen genommen ſeht milden Regierung. Ihre Nahrung und Beſchäftigung beſchränkt ſich auf den Ackerbau, die Viehzucht, den Fiſchfang und die Jagd. Aus dem fruchtbaren Boden könnten ſie bei einer zweckgemäßen Beſtellung des Feldbaues Schätze gewinnen; das hohe Savannengras gibt ihnen fuͤr ihre Heerden Futter im Ueberfluſſe, indeſſen ihnen der Strom mit ſeinen Fiſchen, Krokodilen und Nilpferden, ſo wie die Waͤlder mit einem zahlreichen Wild, eine ſtaͤte Gelegenheit zum Fiſchfange und zur Jagd darbietet, deren Uebung ſte zum Theil in kriegeriſcher Stimmung erhält. Die Miſſionäre ſehen auf dieſer Reiſe ein unerſchöpfliches Feld für künftige Miſ— ſionen. Die aufgezählten Negerſtämme ſind durchgehends freie Neger, in geiſtlicher Beziehung verkrüppelte Söhne der Natur, die ſich ſelbſt überlaſſen, doch Dank der weiten Ferne, und den ſeltſamen Gegenden, die ſie bewohnen, manche natürliche Tugend anerkennen, die ſie ſonſt verloren hätten, wenn raffinirte Bildung ſchon zu ihnen gedrungen wäre. Wohl werden ſich aber auch der Verbreitung des Chriſtenthumes mächtige Hin— derniſſe entgegen ſtellen, da beſonders die klimatifchen Verhältniſſe der Art ſind, daß der Weiße in vielen Gegenden gar nicht, und in anderen nur mühſam ſein Leben erhalten kann. Doch vor dieſer Aufopferung läßt ſich der katholiſche Miſſtonär nicht abſchrecken; die Annalen der Verbreitung unſers heiligen Glaubens geben uns die hinlänglichſten Belege von dem Muthe, der Unerſchrockenheit und Ausdauer der Glau— bensboten. Dieſer troſtreiche Gedanke erfüllte auch den Generalvicar, als er von 5 ſeiner Reiſe in die erſte Statlon zurückgekehrt, dieſelbe dem Schutze Gottes und der Obſorge ſeiner Miſſionäre anvertraute, und im Monat Mai de i die ferne Reiſe nach Europä antrat, um bei unſern eifrigen Katholiken hilfreiche Theilnahme und thätige Mitwirkung in der Ausführung der von der göttlichen Barmherzigkeit gefaßten Rath— ſchlüſſe und ſeiner Beſtrebungen zum Wohle der vernachläſſigten Neger zu ſuchen. Um zu ſeinem Zwecke zu gelangen, braucht derſelbe fuͤr die Reiſen in den Nil⸗ regionen wenigſtens ein Paar eigene Miſſionsſchiffe, da die Miethe derſelben bei Er— öffnung der Miſſion den Miſſtonären zu hoch zu ſtehen kommen würde, und da dieſe ſonſt in eine zu ſehr abhängige Lage von geldgierigen Speculanten kommen würden, welches leider bis auf den heutigen Tag der Fall daſelbſt geweſen iſt. Um den Miſ— ſionären dauerhaften Erfolg zu ichern, und das Chriſtenthum ſelbſt in jenen Gegen— den zu verbreiten, wo es den Weißen nicht möglich wird, vorzudringen, iſt die oben— erwähnte Pflanzſchule von Eingebornen angelegt worden; die Miſſionäre haben ſich den kargen Biſſen, den ſie zur Friſtung des Lebens hatten, abgebrochen, um dieſelbe aufrecht zu erhalten. Unter den Zöglingen ſind bis jetzt nur ſehr wenige, die losge⸗ kauft wurden, und ihre Anzahl ſteht in keiner Proportion zur Ausdehnung der Miſſton, da dieſe einen Flächenraum einnimmt, der zweimal ſo groß iſt wie ganz Europa. Der Wunſch des Generalvicars iſt, dieſes Inſtitut zu vergrößern, nebſt der religiöſen Bildung den Zöglingen Unterricht im Landbau und in den, für die Geſit— tung unentbehrlichſten Handwerken zu ertheilen, und in Chartum ein Mädcheninſtitut von kleinen Negerinnen zu errichten, damit dieſe zu weiblichen Arbeiten und einem chriſtlichen Wandel geleitet würden. Wuͤrden mehrere Individuen von einem Stamme losgekauft, auf die gehörige Weiſe unterrichtet, ſo würden ſie unter Anleitung am zweckdienlichſten unter ihren Angehörigen in der Heimat wirken können. Chriſtenthum und Cultur würden Hand in Hand in die fernen Gegenden dringen, die Fintracht würde zwiſchen den Stäm— men zuwege gebracht, und der graäßlichſte Schandeck der Menſchheit, die Sclaverei der Neger, endlich zu Grade getragen. Dieß iſt die Aufgabe, die der Herr in ſeiner unendlichen Barmherzigkeit der Miſſton zur neuen Verherrlichung ſeiner Kirche und zum Heile der Neger beſchieden, als er Sr. Heiligkeit dem Papſte Gregor eingab, dieſelbe zu erxöffnen. Dieſes Be— wußtſeyn belebt die darin betheiligten Miſſtonäre, und feuert ſie zur Beharrlichkeit in ihrem Berufe an. Die aufkeimende Miſſton jenſeits der Wüſte hegt aber die ſichere Hoffnung, daß ihr die katholiſchen Herzen Deutſchlands ihre Theilnahme nicht verſagen, ſondern mildreich dieſelbe aufzubauen ſich beſtreben werden.“ Das erſte Kripplein. In manchen Gotteshäuſern und in manchen Häuſern der Menſchen, darin noch kindliche Herzen in gläubiger Liebe für den Gottmenſchen ſchlaägen, finden wir am heiligen Abend und ſofort im Verlaufe der heiligen Weihnachtszeit, in bald größerem, bald kleinerem Maaßſtabe, zierlich gebaute und feſtlich beleuchtete Nachbildungen des Stalles zu Bethlehem und ſeiner Umgebung in jener Nacht des Heiles, da der Sohn Gottes leibhaftig eintrat in die Reihen der Menſchenkinder, um für alle Generationen das belebende Glied des geiſtigtodten Geſchlechtes zu ſeyn. Allbekannt iſt es nun, daß der ſeraphiſche Heilige, Franciscus von Aſſiſi, als der Erfinder und erſte Erbauer dieſer nachgebildeten Geburtsſtätten Chriſti, kurz— hin„Krippen“ genaͤnnt, bezeichnet wird. Minder allgemein bekannt jedoch und fuͤr manchen der frommen Leſer dieſes Blattes nicht ohne Intereſſe dürfte der Vorgang bei der erſten Krippenandacht ſeyn. Dieſer Vorgang fey hier zur Erbauung erzählt, nach dem Berichte, den ein Biograph) des häligen Seraphicus davon gibt. Vogt: der heilige Franciseus von Aſſiſi. 6 FranciscuS wollte das Weihnachtsfest des Jahres 1223 auf eine eben so sinnige, als eigenthümliche Weise feiern und sich ganz in die Zeit und Umstände zurückversetzen, wo der Heiland geboren wurde. Er bat deßhalb den Papst um Erlaubniß, seinen Entschluß auszuführen, verließ zu Anfang des Monats December Rom, und begab sich nach Greccia, einem Orte im Thale von Rieti, nicht weit von dieser Stadt entfernt. Da wohnte ein angesehener Mann, Namens Johannes, von gutem Rufe und noch besserem Leben. Diesen ließ FranciscuS, der demselben seiner ausgezeichneten Eigenschaften wegen mit vorzüglicher Liebe zugethan war, fünfzehn Tage vor der Ge- burtsfcier des Herrn zu sich kommen und sprach zu ihm: Johannes, wenn du willst, daß wir bei Greccia Weihnachten halten, so rüste eilig Alles, wie ich eS dir sagen werde. Ich möchte nämlich das Gedächtniß des Jesukindes feiern, und die Noth seiner Kindestage, wie es zwischen dem Ochsen und Esel auf Heu hingelegt war*), wie mit meinen eigenen Augen sehen. Und nun bezeichnete FranciscuS die Anstalten, die Johannes treffen sollte. Dieser ordnete Alles dem Wunsche des Heiligen gemäß. Der Tag der Freude nahte heran. Aus vielen Orten wurden die Ordensbrüder des heiligen FranciscuS herbeigerufen. Männer und Weiber bereiteten mit jubelnder Seele Fackeln, um die Nacht zu erhellen, in welcher das Licht der Welt aufgegangen war über der Erde. An einer Stelle des felsigen Thales wird eine Krippe hergerichtet, Heu wird herzugetragen, der Ochs und Esel herbeigeführt. Greccia ist ein neues Bethlehem. Die Nacht wandelt sich um in einen helllichten Tag. Wie einst die frommen Hirten, so eilen jetzt die Schaaren des gläubigen Volkes zur armen Krippe hin, und jubeln mit nie gefühlter heiliger Freude dem so lebhaft vergegenwärtigten Geheimniß der Menschwerdung GotteS entgegen. Die Wälder wiederhallen von klangvollen Stimmen',, und die Brust der Felsen erwidert den tausendfältigen Jubelruf der Gott preisende Menschenbrust. Und FranciscuS? DaS Hcr-x voll süßer heiliger Seufzer, von Andacht beklommen, das ganze Wesen mit unnennbarer Wehmuth uud Wonne übergössen, die auf seinen Wangen glüht, aus seinen Augen leuchtet — so steht FranciScus an der Krippe da. Sein Mund schweigt; aber lauter, verständlicher und entzückender als je sonst widertönt in seiner Seele das Weihnachtölied des Himmels: „Oloria in oxeelsi5 Leo et in term pax!" Auf der Krippe ward dann ein feierliches Hochamt gehalten, und FranciscuS mit dem Schmucke der Leviten angethan sang mit lauter, von Freude uud Liebe durch- bebter Stimme das Evangelium: „Heut ist euch der Heiland geboren worden!" Hierauf predigte er dem versammelten Volke von der Geburt des „armen Königs," und ergoß, wie Biograph sich ausdrückt, honigsüße Worte von Bethlehem, der kleinen Stadt. Ost, wenn er Jesum Christum nennen wollte, nannte er ihn mit brennender Liebe nur „den Knaben von Bethlehem," uud mit solcher Empfindung ward er bei dem Namen erfüllt, daß ihm die Znnge fast den Dienst versagte, und er sie an den Gaumen drückte, als kostete er die Süßigkeit dieses Wortes. > An der Stelle der Krippe, wo das Weihnachtsfest auf eine so kindlich erhebende Weise gefeiert worden war, ward später eine Capelle zu Ehren dcö heiligen FranciscuS gebaut. R o m. Dem Univers wird aus Rom geschrieben: „Talbot, der Geheimsecretär Sr. Heiligkeit, versammelt um das Grab der heiligen Apostel in der Grotte des ') Dieser Umstand wird von mehreren heiligen Väi.in und kirchlichen Schriftstellern als gewiß angegeben. Auch stellen alte Glasmalereien und Bilderwerke, die man auf Gräbern des ätcn Jahrhunderts gefunden, einen Ochsen und einen Esel bei der Veburt unsers Heilandes dar. Siehe: l^itur- xis sacrs von Mahrzohl und Schneller, 4. Theil, S. I 9. *'Z „Die Ehre seu Gott in der Höhe, und Friede auf der Erde!" 7 Vaticans alle seine alten Collegen unter der protestantischen Geistlichkeit Englands und die übrigen katholischen Engländer, die in Rom wohnen, um auf dem Altare der ocmtessio die heiligen Geheimnisse zu feiern, und seine frommen Laundsleuten die heilige Communion auSzuspenden. Wer könnte die Stille, die Sammlung, die Andacht, die heilige Freude, die Unruhen, die Hoffnungen, die Wünsche und Bitten dieser Versammlung beschreiben? In der That, diese Versammlung müßte man den MertingS zeigen können, die auch auS Engländern bestehen, wo man schreit, wo man lärmt, wo man verwünscht, wo man ruft: Tod unsern Brüdern, den Katholiken! Jedoch wenu solche Erscheinungen für die von Haß Verblendeten verloren sind, so sind gewiß die eifrigen Gebete nicht vor Gott verloren. Der heilige Petrus, der Fürst der Apostel, wird sie dem Gründer der heiligen Kirche darbringen, und sie werden durch zahlreiche Bekehrungen belohnt werden. Von» Niederrhein. Vom Niederrhein, 28. Dec. Die Nachricht, daß es gegenwärtig beabsichtigt werde, in Cvblenz gleichsam den Centralpuuct für die Redemptoristen deutscher Zunge zu bilden und dorthin das Generalvicariat der Provinz zu verlegen, spricht, abgesehen davon, ob sie begründet oder nicht, wenigstens für die gegenwärtig in Preußen herrschende kirchliche Freiheit. Wir wollen gerne zugeben, daß dieselbe mehr aus der persönlichen humanen (oder auch liberalen) Denkweise der Regierenden als aus der jetzt gerade geltenden Verfassung, die übrigens dem Bestehen aller Orden in Preußen Raum gibt, hervorgeht; denn wenn kein guter Wille da ist, so weiß man namentlich in Dingen, die dem sogenannten Zeitgeiste, d. i. dem zeitung- fabricirenden Literatenschwarme nicht munden, leicht eine Handhabe zu finden, um Mißliebiges fern zu halten. Indessen hat schon lange (selbst vor dem März) das Verhalten der Regierung den Franciscancrklöstern in Westfalen gegenüber bewiesen, daß man nicht principiell und absolut gegen dieselben gestimmt sey; auch liegt seit lange in Coblenz der Beweis vor. Man hat nicht bloß schon zur Zeit als noch in Frankfurt die den „Redemptoristen und Liguorianern" feindliche Versammlung tagte, in Coblenz denselben ohne Widerspruch freien Zutritt und offene Wirksamkeit gegönnt, sondern auch später den Schul brüdern, welchen die Bürgerschaft einen Theil deö Elementarunterrichtes anvertraute, kein Hinderniß gelegt. Eben so steht's in Bezug auf die in Aachen und Köln (wo sogar ein rein beschaulicher Orden ein Haus gründete) so wie in Nonnenwerth (welches in vormärzlicher Zeit für ganz andere Zwecke gewonnen werden sollte) entstandenen Klöster. Die Katholiken der Nheinpro- vinz erkennen dieß mit Dank an und hoffen um so mehr auf eine Fortdauer dieses wahrhaft liberalen Zustandes, als demselben offenbar nur die Ueberzeugung zum Grunde liegen kann: daß die katholischen Ordensinstitute für daS in der Neuzeit so gebrechenvolle sociale Leben von dem entschiedensten Einflüsse sind. Dabei werden zweifelsohne die absichtlich von einer perfiden Presse ausgestreuten und unterhaltenen Vorurtheile von Bornirtheit, Aberg'auben, Intoleranz, Fanatismus des katholischen Klosterwesens bei einer großen Zahl des gebildeten PublicumS in ihrer Falschheit und Bosheit erkannt worden seyn, da auch noch nicht ein nennenswertheö Beispiel solcher untergeschobenen Vorurtheile an den bereits längere Zeit aufgenommenen Orden (barmherzige Schwestern sogar in Berlin und Franciscaner in Westfalen haben gewiß eine' hinreichende Probezeit geboten) nachgewiesen worden, vielmehr ihre gemeinnützige, klare Wirksamkeit für. die Moraliiät und den gerechten Sinn des Volkes bewährt ist. Bei den am meisten verschrieenen Religiösen (den Jesuiten) sind eben die eklatantesten Beweise des geraden Gegentheiles von Dem, was die Welt oder der sogenannte Zeitgeist ihnen nachsagte, an den Tag getreten. Wenn die Regierenden in solcher Weise fortfahren, auch der Kirche gerecht zu seyn und ihr wenigstens die Freiheit zu gönnen, !, die man nur zu lange un-.und gegcnchristlichen Verbindungen (von der Freimaurerei bis zu den Nongcanern und Freikirchlern) gelassen hat, so werden sie jedenfalls den doppelten Vortheil haben: den aufrichtigen Dank der Katholiken und den Beistand und Schutz des besseren Theiles im Volke; während die Gesellschaft der Gefahr der Barbarei, der Anarchie oder des Despotismus weniger ausgesetzt seyn wird. (M. I.) Berlin. Berlin, 12. Dec. Die hiesige St. Hedwigskirche und deren Gemeinde gehörte bis zum Jahre 1312 zur Mission des Bisthumö Hildesheim und steht erst seit dieser Zeit unter der Obhut des Fürstbischofs von Breslau. Bei der damaligen Festsetzung wurde dem Fiscus das ausschließliche Patronats- und Ernennungsrecht eingeräumt, welches, wie wir schon neulich gemeldet, jetzt der Cardinal Fürstbischof v. Diepenbrock, besonders in Bezug auf Wiederbcsetzuug der geistlichen Stellen, ausschließlich für sich in Anspruch nimmt, indem er sich auf die Verfassung beruft. Die Regierung zeigt sich indeß, wie man hört, fest entschlossen, ihr sogenanntes Recht dabei nicht aufzugeben, und hat bereits ein Veto gegen die von dem Cardinal für die hiesige katholische Kirche in neuester Zeit selbstständig erfolgte Ernennung von Geistlichen eingelegt. Man ist auf die Beilegung dieses Principienstreites sehr gespannt. Madrid. Madrid. Der Austritt des Finanzministers Bravo Murillo ist für die armen Pensionäre sehr unheilvoll. Noch übler, wie die Civilpensionäre, sind die armen alten Erklosterbrüder daran, die wohl auf dem Papiere, aber in der Wirklichkeit noch keinen Heller von der ihnen versprochenen Pension erhalten haben und rein von Almosen leben müssen. Die Noth dieser ehrwürdigen Greise ist groß und allgemein bekannt; folgendes hier und in ganz Spanien gängige Sprichwort möge als Beleg dienen: ei es tan pokrv ooms un ügmlinolito exeonvontusl (er ist so arm wie ein hungriger Klosterbruder). In Lumpen gehüllt, durchziehen am frühen Morgen 70- bis 8Vjäh- rige Greise die Straßen der Hauptstadt, wandern von Kirche zu Kirche um ein Meßstipendium, wenn ihnen ein"solches von irgend einer gläubigen mitleidigen Seele zu diesem Zwecke gereicht wird. Die Verkäufer und Käufer der Klostergüter leben dabei vollauf, wohnen in schönen, herrlichen Palästen und lassen cö sich wohl seyn. (Wie lange?) Großbritannien. Die „N. Pr. Z." läßt sich von ihrem Londoner Correspondenten schreiben: „Ein Friedensschluß des Ministeriums mit dem Papste, indem der letztere, den Umständen weichend, seine Bulle zurückziehen, oder wenigstens modificiren wird, steht schon fast in sicherer Aussicht. Schon in voriger Woche meldete der Morning-Herald, daß die Unterhandlungen darüber in H. Sheil's Händen seyen. Für das Ministerium ist dieß der sicherste, ja der allein mögliche AuSweg, da es sonst einerseits der Orangebewegung, andererseits den Secten gegenüber in die ärgste Klemme gerathen wäre." Daß das Ministerium wirklich schon in die ärgste Klemme gerathen ist, und daß ihm ein solcher „Friedensschluß" sehr erwünscht wäre, ist sicher; H, Sheil kennt aber seine Kirche schlecht, wenn er sich Hoffnung macht, durch diplomatische Unterhandlungen die- Zurücknahme oder Modifikation der päpstlichen Bulle bewirken zu können. Der heilige Vater ist kein englischer Minister, daß er eine Bulle zurücknehme, wie eine Bill, die der Majorität des Parlaments nicht behagt. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhavcr: F. C. Krem er-