Eilfter Jährgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 26. Januar 4. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprcis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Der Soldat. Tapfer stritt im Feld der Ehre Einst ein trefflicher Soldat, Der dann später seine Wehre Am Altar geopfert hat. Und er nahm zur Hand die Fahne Mit den Farben weiß und roth, Daß sie ihn an Jenen mahne, Der uns ausgesöhnt mit Gott. Diese Fahne hält entgegen Er der Hölle finst'rcr Wuth, Und mit Gottes reichstem Segen Wird belohnt sein Heldcnmuth. Denn es sammeln sich in Schaaren , - Viel der Streiter um ihn her, Und die Kirche in Gefahren Schützt sein tapfres Geisterheer. Und der Sünde starke Ketten Sprenget seines Schwertes Macht; Wer von ihm sich läßt erretten, Wird befreit aus ihrer Nacht. Neues Leben, neue Wonne Bringt des Gottesmanncs Geist, Und es strahlt die Gnadcnsonne, Die zur Seligkeit uns weist. Soll ich vor den Mann nun führen, Nennen den Soldaten dir? — Lernst von ihm du ererciren, *) Wird der Himmel dein Quartier. ._ F. X. Sch. '1 In Einfiedeln ist ein Buch in der zweiten Auflage erschienen, in drei Bänden zu drei Gulden, welches den Titel führt: „Betrachtungen über das Leben und die Geheimnisse Jesu Christi, nach der Anweisung des heiligen Jgnatius." Aus dem Französischen übersetzt von P. Claudius Perrot. Vielleicht ist die Empfehlung dieses Erercitienbuches hier nicht am unrechten Platze, klsntsre, rißsre. incrementum äsre möchten hier zusammentreffen, wenn betrachtet, nicht neugierig gelesen wird. S6 Wolfgang Menzel über die Missionen. (Fortsetzung.) Zu Gengenbach waren neun Priester unermüdlich thätig im Beichtstuhle und Vußpreoigen, und dieselben Thränen, dieselbe Zerknirschung, dieselben guten Vorsätze wiederholten sich an allen Orten, wo die Missionäre wirkten vom Elsaß bis zum bayerischen RieS und vom Odenwalde bis zum Bodensee. Ein Augen- und Ohren- zenge meldet von den modernen Nachfolgern des Columbanus und Bonifacius: „In würdigster Weise zeichnete sich unter diesen höchst würdigen Dollmetschern der strafenden Gerechtigkeit und liebevollen Barmherzigkeit Gottes der Pater supenor Ambro- siuS Zobel aus. Die Barmherzigkeit Gottes scheint diesen frommen Natursohn der Tiroler Alpen ganz besonders berufen und ausgewählt zu haben. Darum hat sie ihm die Macht volksthümlicher Veredtheit, hinreißender Sprache, eine mit vieler Erfahrung im Seelsorgerlichen Amte verbundene profunde theologische Wissenschaft und die Kunst zu erschüttern und zu überzeugen verliehen, wie nicht kickt einem Andern. Mit welchem Segen dieser Mann von hohen Borzügen wirkte, das haben ihm die Thränenströme, welche von Tausenden bei seiner Schlußrede vergossen wurden, das laute Wehklagen, in das die Anwesenden ansbrachen, am beredtesten dargethan. Nur Augenzeugen können sich von der dabei herrschenden Rührung eine gehörige Vorstellung machen. Dieses Zeugniß des katholischen Volkes für seine Wirksamkeit ist um so gewichtiger, da dieser Priester, wie seine Amtsbrüder überhaupt, nicht Rührung erkünstelte, sondern mit dem scharfen Messer der Beweise auf Ueberzeugung drang. Die ganze Reihenfolge ihrer Predigten steuerte auf dieses Ziel los, denn die dreiundzwanzig Morgenbetrachtungen legten dem Volke den reichhaltigen Schatz der Gebote Gottes und der christlichen Tagesordnung auseinander. Diesen schloß sich eine Riihe von Vorträgen an über die Gebrechen und Laster unserer Tage, welche mit diesem gottheitlichen Wirken im grellsten Widerspruche stehen und den Jammer unserer Tage geboren haben. Der Fluch dieses Unheiles für Zeit und Ewigkeit wurde in starken Zügen vor Augen gehalten, in einer Sprache, welche den allerdings großen Theil der Zuhörer fortriß zu den Richterstühlen der Buße; ja sie klammerten sich an die Beichtstühle an, harreten, Männer und Weiber, Jünglinge und Jungfrauen, hochbetagte Greise und alte Frauen meist mehrere Tage, ja Nächte, oft ganz ohne alle und jede Nahrung auS, bis sie vom Priester Worte des Trostes vernommen hatten. Wohl an 10,000 empfingen das heilige Sacrament der Buße und des Altares. Darauf folgten die Rettungsmittel unserer Tage, die in der Anerkennung des hohen Werthes der unsterblichen Seele, im Worte der Offenbarung, in der Nachfolge Christi, in der Neugeburt deS christlichen Charakters, im Familienleben, dem gegenseitigen Verkehre und in der Sonntagsfeier liegen. Der christlichen Erziehung, den besondern Pflichten der Jünglinge, Jungfrauen, Väter und Mütter waren mehrere sehr ergreifende Vorträge gewidmet. Alle diese Materien wurden mit gebührendem Zartgefühle gegen andere christliche Confessionsverwandte vorgetragen, waö gerade auch von. mehreren derselben dadurch anerkannt wurde, daß sie sehr vielen Vorträgen mit ungetheilter Aufmerksamkeit und hohem Interesse anwohnten und mit den Katholiken namentlich auch die Verehrung für den Vorsteher theilen." Was außer den eindringlichen und AlleS zu Thränen bewegenden Bußpredigten, der Beichte und Communion in vorzüglichem Grade bei den Misstonen die Gemüther ergriff, waren folgende zwei Acte: Einmal wurde knieend von den Priestern zuerst, dann vom Volke, endlich von den Kindern feierlich Abbitte geleistet vor dem Aller- heiligsten, und sodann wurde ein hohes Kreuz aufgerichtet. Ein Augenzeuge der Misston in Säckingen bemerkt dazu: „Das Volk selbst hatte die Mission verlangt. Unter dem Einflüsse der modernen Gesetzgebung, einer meist radicalen, den Unglauben fördernden Schulmeisterei und in JndifferentismuS erschlaffenden Kirchenwesens — sah das Volk auch auf seinen Bergen mit jedem neuen Jahrzehnt Blüthe um Blüthe seiner schönern und bessern Tage verwelken, alte ehrwürdige Sitte und Zucht, Glauben und 27 Treue dahinschwinden, — dagegen (besonders in den jungem Geschlechtern) Unglau« ben und städtische Sittenloflgkeit, Zerwürfniß und Zerrissenheit in Gemeinden und Familien zerstörend Platz greifen; es sah dieses voll des tiefsten Schmerzes, eS klagte laut, aber seine Klagen fanden kein Gehör, bis statt des glaubenstreuen Hauen- steiners die blutige Faust der Empörer an den Thüren klopfe. Die Revolution verschaffte der Religion wieder einige Beachtung, der Freiheitsbaum weckte die Sehnsucht nach dem Kreuzesbaume." Man sieht, wie sehr die alte Mutterkirche im Vortheile ist, da sie solche Meetings halten kann, ohne die mindeste Besorgniß vor einer Ausschweifung oder Lächerlichkeit, Vor dem tiefen Ernste ihres Sacramentcs der Buße weicht der Spott, wie das Verbrechen. Es bedarf hier keiner Concessionen und Umschweife, um den Menschen im innersten Geiste und Gemüthe zu ergreifen. Der kirchliche Gehorsam läßt nicht mit sich markten, er wird gleich ganz verweigert oder voll geleist-t. Die Autorität der Kirche wird aber den rohen Volksmassen zum dringenden Bedürfnisse am meisten dann, wenn sie eben die des Staates mit Füßen getreten haben. Es kann hier nicht übergangen werden, was in den katholischen Gebieten Deutschlands sonst noch geschehen ist, um die gesunkene Autorität der Kirche wieder zur Geltung zu bringen. Die Bedeutung jener Missionen wird dadurch um so anschaulicher. Am AuSgange des vorigen Jahrhunderts war die katholische Welt nicht weniger wie die protestantische dem Ernste des Glaubens und der Sitte entfremdet worden. Die Vornehmen huldigten dem Geiste Voltaire's, oder dem, wenn auch sittlichen, doch seichten Josephinismus. Dem letzten geistlichen Kurfürsten von Köln durfte der berüch^ ligte EulogiuS Schneider das Kompliment machen, er halte ihn für keinen Katholiken, und der Kurfürst — lächelte freundlich. In Bayern wühlten die Jlluminaten. In Wien spielte Blumaucr den kleinen Voltaire und Kaiser Joseph II. und sein Minister Kaunitz spotteten des Papstes, der bekümmert über die Alpen gekommen war. Nur noch der niedere KleruS und das „gemeine Volk" bewahrten in ihrer allgemein belächelten Dummheit den von den Vätern ererbten Hort der Frömmigkeit. Man wird den übrigen Regierungen deö damaligen Enropa kaum Unrecht thun, wenn man behauptet, Napoleon sey es zuerst gewesen, der wieder auf die große Bedeutung der Kirche aufmerksam gemacht habe, wenn er es auch nicht verstand, sie so vollkommen richtig zu behandeln, daß sie ihm ihre Gegendienste nicht hätte versagen müssen. In der Restaurationszeit herrschten Diplomatie und Bureaukratie so bequem und thaten sich nach dem langen Kampfe in Europa und den unter Napoleon erlebten Demüthigungen so viel zu gute, daß sie es sehr unsanft vermerkten, wenn in der Kirche etwa einmal das Gelüsten nach Unabhängigkeit sich regte. Man fütterte die Bischöfe und behing sie mit Orden. Man stellte ein paar Liguorianer zur Schau und ärgerte das aufgeklärte Publicum mit dem Scheine der Bigotterie, ließ aber der That nach keinerlei Ultramonlanismus aufkommen. Fürst Metternich war durch und durch Ghibelline. Es gehörte eine Revolution und ein liberales Ministerium dazu, um, vom alten Systeme abweichend, die Emancipation der Kirche zu decretiren. Nur in den kleinern katholischen Staaten Deutschlands und in den paritätischen Staaten, auf den Universitäten Bayerns, Württembergs, Badens (?) und Preußens (?) wurden die Regungen des kirchlichen Geistes nicht unterdrückt, der mit unwiderstehlicher Gewalt zuerst in Belgien und Frankreich hervordrängte. Man mußte doch endlich die Entdeckung machen, daß in dem dummen Köhlerglauben des niedern KleruS und „gemeinen Volkes" ein Fonds von unschätzbarem Werthe stecke. Man mußte rück> blickend in die Geschichte, den ungeheuern Umfang von Macht erwägen, die der alte Glaube gewähre. Alle Regierungen Frankreichs, wie rasch sie auf einander folgten, erwogen diese Macht, und wie Ludwig XVIII. und Karl X., so huldigten Ludwig Philipp und Cavaignac und Ludwig Napoleon der Kirche. Die erste französische Republik des Jahres 1792 schaffte die christliche Religion ab und überlieferte ihre Priester dem Messer der Guillotine. Die zweite vom Jahre 1843 beeilte sich, eine 28 Armee nach Rom zu schicken, um den Papst in alle seine Rechte wieder einzusetzen' und die stolzen CitoyenS, die ihren König vertrieben, knieten und senkten ihre Trico- lore vor dem Oberhirten der Kirche. (Fortsetzung folgt.) Die katholische Weltanschauung. (Schluß.) Die katholische Weltanschauung macht sich weiter auch auf dem Gebiete deS Schulwesens geltend. Wenn die moderne Weltanschauung dem Grundsatze der Theilung, Trennung und Auflösung des Zusammengehörigen unverkennbar huldigt; wenn sie eS ganz in der Ordnung findet, daß von der einen heiligen allgemeinen Kirche im Laufe der Jahrhunderte größere und kleinere Religionsgesellschaften ausge^ schieden sind; wenn sie es nicht ungern sieht, daß die von der Kirche ansgeschiedenen Genossenschaften sich mehr und mehr zerbröckeln und auf das Leben allen Einfluß verlieren; wenn die moderne Weltanschauung redlich das Ihre dazu beigetragen hat, daß die geistlichen Kongregationen, die Klöster und Orden aufgehoben worden sind, daß die weltlichen Corporationen, die Gilden, Innungen und Mittel in ihrem frühern festen Zusammenhange nicht mehr bestehen und daß von einer Bürgerschaft im alten Sinne des Wortes nicht mehr die Rede ist; wenn der modernen Weltanschauung jeder größere Grundbesitz, jedes ererbte oder aufgesammelte Vermögen, ja wenn ihr selbst die Familienverbindung und die eheliche Gemeinschaft zuwider ist; wenn sie also Alles theilen, Alles, was noch Halt hat, parcelliren und zertrümmern möchte: dürfen wir uns da wundern, daß sie auch ein Gebiet des Schulwesens nach dem andern, zuerst die Universitäten, dann die Gymnasien und hierauf die Realschulen von der Kirche getrennt hat und baß sie uun auch das letzte Gebiet noch, nämlich die Volksschulen, losreißen möchte? Der modernen Weltanschauung steht auch hier die katholische schnurstracks entgegen. Die katholische Kirche ist eine erhaltende, eine einigende Macht; sie ist auf allen Gebieten des Lebens, wie es das große Buch der Geschichte auf jeder Seite bekundet, aller Trennung, Vereinzelung und Auflösung des Zusammengehörigen abhold; und wenn es sich namentlich um die Entfremdung der Volksschule handelt, so betrachtet sie diese Angelegenheit als eine Lebensfrage und setzt Alles daran, daß die Elementarschule, die ganz allein ihr Werk ist, ihr nicht entrissen werde; denn die Elementarschule ist diejenige Anstalt, in welcher ja der junge Nachwuchs der Menschheit durch die christliche Lehre zu einem edlen menschenwürdigen Daseyn herangebildet und für den Eintritt in die Gemeinde der Erwachsenen vorbereitet wird. Wie könnte demnach die Kirche die Elementar- oder Volksschule ihren liebenden Mutterarmen entwinden lassen und sie uiichristlichcn Einflüssen überliefern? Nein, nach der katholischen Weltanschauung muß die Schule in innigster Verbindung mit der Kirche bleiben, nach der katholischen Weltanschauung muß die Schule auch wieder eine naturgemäße Unterrichtsverfassung erhalten. Die Religion muß in ihr das Alles belebende, und der Sprachunterricht, der für das Verständniß der christlichen Lehre vorbereitet, muß das Alles verbindende Element seyn. Aller bisherigen Trennung und Zersplitterung der Lehrzweige, aller Zerflossenheit nnd Zerfahrenheit, worunter die Schule noch sehr leidet, allem bunten unv schillernden Vielerlei, wobei man oft vor Bäumen den Wald nicht sieht, allem bloßen unfruchtbaren Wissen, allen pädagogischen Daumschrauben und Torturen, durch die man aus den armen Kindern herauskatechisiren, d. h. herauS- pressen wollte, was noch Niemand in sie hineingelegt hatte; allem bloßen Abrichten und Zustutzen für die Zwecke des irdischen Lebens muß Einhalt gethan werden. Die katholische Weltanschauung will allerdings, daß ein verständiges, geistig regsames, für'S irdische Leben taugliches, aber auch ein frommes, gehorsames, sittsames, für daö ewige Leben heranblühendes Geschlecht in den Schulen des Landes gebildet werde. 29 Unsere Kinder sollen allerdings um sich wissen; aber sie sollen nicht allein im Reiche der Erde, sondern auch im Himmelreiche sich zurechtfinden lernen, Daher will die katholische Weltanschauung nicht bloß den Unterricht, sondern sie will mit dem Unterrichte auch die Zucht; unsere Kinder sollen nicht bloß zunehmen an allerlei Einsicht, sondern auch an Wohlgefallen vor Gott und den Menschen; sie sollen bei Prüfungen nicht eben durch eingetrichterte altkluge Urtheile und durch eindressirte auffallende Kenntnisse Paradiren, sondern sie sollen in Unbefangenheit und Anspruchslosigkeit ihren Eltern zur Freude und zum Troste heranwachsen, indem sie sich von früh auf an die Tugenden der Bescheidenheit, deS Fleißes, der Herzensreiuigkeit, der aufrichtigen Liebe gegen Gott und gegen die Menschen gewöhnen. Indem aber die katholische Weltanschauung solche Forderungen an die Schule stellt, so verlang: sie auch von den Eltern, daß sie die Schule durch die häusliche Zucht unterstützen, daß sie bei ihrer Erziehung alle Weichlichkeit, Schwächlichkeit und Halbheit verbannen und mit Ernst und Nachdruck allen Ungezogenheiten der Kinder steueru, daß sie streng nach dem Grundsatze der Schrift verfahren: „Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es," und daß sie genau nach dem Grundsatze der Erfahrung handeln: .Man muß den Baum biegen, weil er jung ist!" Die katholische Weltanschauung läßt nicht die Einwendung überzärtlicher nnd übcrnachsichtiger Eltern gelten: „Jugend habe nun einmal nicht Tugend; man dürfe von den armen Kindern nicht zu viel verlangen, sie nicht zu sehr anstrengen und zu kurz halten, man müsse ihnen schon einige Freiheit gestalten, die schöne Jugendzeit fliehe so schnell dahin nnd kehre nimmer wieder, wer wollte auch so grausam seyn, die Freuden der Jugend zu stören, die kleinen muntern Leute um das Paradies der Kindheit zu betrügen?" Die katholische Weltanschauung erwidert hierauf: Gerade dadurch, daß ihr der Selbstsucht, dem Eigensinn, der Naschhaftigkeit, der Faulheit, der Lügenhaftigkeit, der Leichtfertigkeit eurer Kinder steuert, daß ihr sie in ihrem Thun und Treiben sorgsam überwacht, daß ihr die schädlichen Auswüchse der Ungebundenheit beseitigt, gerade dadurch erspar« ihr euern Kleinen so viele trübe Stunden, die ihre Unbesonnenheit ihnen zuzieht; gerade dadurch bewahrt ihr euern Pflegvefohlenen das Glück und die Harmlosigkeit der gold- nen Kinderjahre, gerade dadurch vertretet ihr bei euren Lieblingen die Stelle der Cherubim, die mit flammendem Schwerte das Paradies der Unschuld gegen die Macht der Sünde schützen. Müssen wir, um ein Gleichniß anzuführen, den nickt als einen verständig besorgten Mann loben, der den zwischen schattigen und beblümten Ufern sanft dahin rieselnden Bach eindämmt, damit er seine klaren Fluthen, in denen am Tage der blaue Aethcr und in der Nacht der Sternenhimmel sich spiegell, zusammenhalte und allen Umwohnenden Freude und Nutzen bringe? Können wir es etwa gut heißen, können wir es für den lieblichen Bach und seine anmuthige Umgebung ersprießlich finren, wenn ein Unbesonnener die schützenden Ufer durchsticht, um, wie er thöricht meint, den schönen Strom seiner Fesseln zu entledigen? Werden nun nicht die entfesselten Fluthen ihren geordneten Lauf verlassen, sich über die bunten Wiesen und bebauten Felder ergießen und das blühende Land in einen Teich, in Morast unv Moder verwandeln; wird der Bach nicht selbst allmälig versanden, werden nicht seine sonst so klaren Wogen in trüben Schlamm sich verkehren, werden nicht die süßen Gesänge der Nachtigallen an seinen Usern verstummen, wird nicht an ihrer Stelle der widerlichste Unkenruf sich vernehmen lassen? Nun Eltern, der klare, spicgelhelle Bach ist das schöne Jugendleben eurer Kinder: durchstecht des Baches Ufer, räumt die Dämme heilsamer Zucht hinweg und — dieß schöne Jugendleben versumpft und des Sumpfes verderbliche Ausdünstung gereicht euch, euern Kindern selbst und der ganzen Umgebung zum größten Nachtheile. Haltet darum die euch anempfohlene katholische Erziehung für keine Freuvenstörerin, erkennet sie vielmehr als die Mutter reiner unschulvsvoller Freuren für eure Kinder an. Ja, eine Freudcnbringerin ist die katholische Erziehung; sie ergibt sich ja mit Nothwendigkeit aus der katholischen Weltanschauung, und diese ist nichts weniger, 30 als eine unthätig klagende, als eine trostlos jammernde uno trübselig stöhnende: dem katholischen Standpuncte ist nichts mehr zuwider als Kopfhängern und Duckmäuserei. Freilich ist uusere Weltanschauung der modernen gegenüber eine ernste und besonnene, aber dabei ist sie auch eine heitere und fröhliche, das zeigt sich insbesondere bei unserm herrlichen und sinnvollen Gottesdienste. Wohl blicken wir in den geweihten Stunden unsers Lebens mit tiefer Wehmuth auf die eigene und fremde Sündenschuld, aber diese Wehmuth treibt uns nicht zur Trostlosigkeit oder gar zur > Verzweiflung; denn über der Erbsünde, deren Folgen allerdings auf uns so schwer lasten, übersehen wir nicht das Erbverdienst, das der Heiland uns erworben, über den Versuchungen und Fallstricken, die unserer Tugend, unserm Seelenfrieden drohen, übersehen wir nicht die herrlichen Gnadenmittel, die der Erlöser zum endlichen Siege über daS Reich der Finsterniß uns hinterlassen; wir betrüben uns wohl über den Sünder, der vom Pfade des Heils abgewichen, aber wir erblicken in ihm nur einen Verlornen Sohn, der jeden Tag wieder in sich gehen, jeden Tag wieder in die geöffneten Arme deS liebenden Vaters zurückkehren kann, und wir freuen uns, gleich den Engeln im Himmel, mit unaussprechlicher Freude, wenn der Jrrgegcmgene nuu wieder im Vaterhause aufgenommen wird. Wir stimmen allerdings oft genug das Miscrere an, wir rufen mit bewegter Seele das „Herr, erbarme dich unser!" aber wir singen auch gar bald mit frohem Sinn das Kloris in oxeelsis vsc», wir vergessen nicht deS frohlockenden Hallelujahs. Wir stimmen, wenn wir auch Adams Schulv tief beklagen, doch im Hinblick auf Christus, den zweiten vollkommenen Avam, in den Freudenruf ver Kirche ein: „O glückliche Schuld Adams, die einen solchen Erlöser uns brachte!" Darum ist denn der katholische Gottesdienst auch ein so heiterer, darum müssen die schönen Künste: Malerei, Bildhauerei, Baukunst und Tonkunst ihre trefflichsten Erzeugnisse dem Dienste des Heiligen weihen, um das katholische Gemülh über den Jammer der Erde mächtig emporzuheben, und das Herz in der Gemeinschaft mit dem im Gcheimniß seiner Liebe gegenwärtigen Heilande jene Seligkeit ahnen zu lassen, die noch kein Auge gesehen, die noch kein Ohr gehört, die noch in keines Menschen Herz gekommen. Darum steigen in unsern Kirchen Weihrauchwolken empor und erfüllen deS Gotteshauses Räume mit Wohlgeruch; darum flammen, als Sinnbilder freudiger Liebe, zahlreiche Kerzen auf unsern Altären; darum strahlen die Gewänder unserer Priester beim heiligen Dienste in seltener Farbenpracht; darum ergießen sich die Klänge der Orgel, die Harmonien der Instrumentalmusik vom hohen Chöre auf die Andächtige» herab und versetzen sie in eine froh bewegte Stimmung; darnm öffnen die Gläubigen ihren Mund nicht zu düstern, schwerfälligen, langgezogenen Chorälen, die stets wie Grablieder klingen, sondern zn heitern, gefälligen, beflügelten Sangweisen; denn die Gläubigen sind in ihrem Gott vergnügt und der in Gott Vergnügte stöhnt und jammert nicht. Das, l. V. G., ist die katholische Weltanschauung, die sich geltend macht bei allen Grundfragen deS Lebens, die in eigenthümlicher Weise das Verhältniß der Menschen zu Gott und das Verhältniß der Menschen unter einander auffaßt, die in der Erziehung, bei der Goltesverehrung, allüberall folgerichtig immer denselben Standpunct behauptet, ja die bei einzelnen, scheinbar Zusammenhangs losen Vorkommnissen oft gerade am augenfälligsten sich bethätigt. Wir haben etwas der Art in der jüngsten Zeit erlebt, und gerade bei diesem Erlebniß hat sich deutlich herausgestellt, wie verschieden unsere Auffassungsweise ist nicht bloß von jener der Religionsverächter, sondern selbst von der der gläubigen Protestanten. Siehe, weit jenseit der Berge, weit hinter den deutschen Mittel- und Hochgebirgen, im fernen Italien, in einer Stadt am Tiberstrande wählt ein, wie behauptet wird, fremder Priester, unkundig unserer Sprache und unserer Sitten, ein, wie es scheint, machtloser Mann, den die Bewohner der eigenen Stadt im vorigen Jahre von seinem Sitze vertrieben und den in diesem Jahre Fremde erst wieder zurückgeführt haben — dieser Mann wählt und ernennt sich Rathgeber und Gehilfen in Deutschland, in dem Lande, daö die Italiener sonst als ein barbarisches zu bczuchnen pflegten. Und auch unser 31 Bischof ist unter diesen erwählten und ernannten Rathgebcrn, und es zeigt sich nun allerdings: unser Bischof muß in dem Lande jenseits der Berge wohl gekannt seyn, er muß auch in jener Ferne Vertraue» besitzen; eS zeigt sich, dem Bischöfe soll eine gewisse Ehre angethan werden: aber was hat er von dieser Ehre; was ist an der ganzen Geschichte gelegen, was geht sie insbesondere uns an, die wir uns um ganz andere Sachen zu kümmern und unsere ganze Aufmerksamkeit jetzt auf die Frage zu richten haben: Ob Krieg, ob Frieden? So kann man von einem gewissen Standpuncte auS allerdings fragen und so hat man auch vielfach gefragt. Aber von diesem ordinären unkatholischen Standpuncte ist der katholische Standpunct himmelweit verschieden. Vom katholischen Standpuncte aus erscheint jene Stadt am Tiberstrande, daS ewige Rom, als das Centrum der Kirche Gottes in allen Theilen der Welt, und der Priester in Rom ist uns kein fremder, es ist PiusIX., der um das Wohl der ihm anvertrauten Heerde rastlos besorgte, schwer geprüfte heilige Vater, der Statthalter Christi auf Erden, der Nachfolger des heiligen Petrus, zu welchem der Herr sprach: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe, weide alle meine Gläubigen auf den Auen des ewigen Lebens!" Und die Ehre, die unserm Fürstbischof dadurch widerfahren, daß er zum Cardinal, zum Rathgeber des heiligen Vaters, zum Fürsten der römischen Kirche ernannt und als solcher mit dem Purpur geschmückt worden, diese Ehre geht uns Alle an; denn wir stehen mit unserm Bischöfe in der innigsten Liebesund Lebensgemeinschaft, so daß seine Ehre die Ehre der Diöcese, unser aller, eigene Ehre ist. Und ferner: dadurch, daß sich der heilige Vater drei deutsche Bischöfe auf einmal als seine Berather zugesellt und sie in jenes Collegium aufgenommen hat, das ihm am nächsten steht, dadurch ist ein neues Band der Liebe zwischen Deutschland und dem Mittelpuncte der katholischen Einheit geknüpft worden; herrlich stellt sich dadurch heraus, daß auch unser Geschick der heilige Vater liebend aus seinem Herzen trägt, daß auch das zerrissene, zerwühlte Deutschland ein Gegenstand seiner Vatersorge ist. Die eigenen Söhne haben mit dem edlen Vaterlande, das aus allen Wunden blutet, kein Mitleid; sie machen eS zum Spott der Nachbarvölker, aber der Mann jenseits der Berge, der ein fremder Priester, ein auswärtiger Oberer genannt wird, er hat mit unsern Zuständen das innigste Mitleid, er ehrt Deutschland, das die Deutschen entehren; er betet für Deutschlands Wohl, er hegt das sehnende Verlangen, daß eS unter uns besser werde: darum thut er, was er nur immer thun kann. Freilich, Andere werden bei der Auszeichnung, die einem ihrer kirchlichen Vorsteher von ferne her zu Theil w rd, nicht laut aufjubeln, sie werden ihre Wohnungen nicht erleuchten, nicht mit rauschender Musik, mit wehenden Fahnen, mit glänzenden Abzeichen und mit Hunderten von farbigen Lichtbällen in langen Reihen daherziehen, um dem gefeierten Manne den Tribut ihrer Huldigung zu bringen; sie werden nicht die Flammen ihrer Liebe auf die Thürme ihrer Kirchen tragen, damit diese Flammen weit hinausreichen in die trübe Novembernacht und allen Umwohnenden verkünden, was sich Ungewöhnliches in Breslau begibt; mit einem Worte: sie werden nicht thun, was wir gethan haben, und warum nicht? Nicht, weil es ihnen dazu an Mitteln fehlte: o, sie haben über ganz andere Mittel zu gebieten, als wir armen Katholiken; auch nicht, weil es ihnen an Opferwilligkeit gebräche: sie beweisen diese genugsam bei andern Gelegenheiten: nein, sie thun nicht, was wir gethan haben, einzig auS dem Grunde, weil sie nicht unsere Anschauungsweise theilen, weil sie das Verhältniß zu ihren Predigern, zu ihren kirchlichen Vorstehern ganz anders auffassen; diese sind ihnen ganz etwas Anderes, als uns der Bischof und der Papst ist. Hier habe ich Ihnen nun, l. V. G., an einem einzelnen scheinbar zusammenhangslosen Falle nachgewiesen, daß wir Katholiken in der That eine eigenthümliche Anschauungsweise haben und aaf diese dürfen wir stolz seyn; denn wenn nach ihr Alles in der Welt sich gestaltete: c cnm würde die Sünde und mit der Sünde würden Noth, Jammer und Elend immer mehr verschwinden, das Eigenthum, der gute Ruf, das Familienglück, das Wohl l cr Gemeinden, die öffentliche Ordnung, die Ruhe der 3S Staaten würde mehr und mehr gesichert, die Erde immer mehr zu einem Vorhofe des Himmels umgewandelt werden. Ja wir dürfen stolz seyn auf unsere Weltanschauung; denn sie ist inmitten aller nebelhaften Zcitmeinungen, aller immerdar wechselnden Tagesansichten allein eine feste, folgerichtige und grundsätzliche. Bleiben wir demnach der katholischen Weltanschauung tren, aber nicht bloß in einer Richtung, etwa in der kirchlichen, sondern bleiben wir ihr in allen Verhältnissen des Lebens treu, suchen wir sie überall in Anwendung zu bringen, läutern und befestigen wir sie immer mehr in uns und in Andern; ja, lassen Sie uns als Mitglieder des katholischen Vereines ernstlich sorgen, daß die katholische Weltanschauung immer mehr eine Macht werde, daß sie sich immer mehr als ein Leuchtthurm erweise, durch welchen die Lebensschiffer auf den sturmbewegten Wogen der Zeit sich zurechtfinden, mit dessen Hilfe sie sicher in den schützenden Hafen gelangen! Dänemark. In Dänemark, wo bisher, ähnlich wie in Schweden, der Lutheranismus alleinige Geltung und öffentliche Anerkennung hatte, und alle andern ReligionSgesell- schaften mit ihren Angehörigen vielfachem Druck und intoleranter Beeinträchtigung unterworfen waren, hat der Cultusminister es neuerdings durchgesetzt, daß in Uebereinstimmung mit der gegenwärtigen Verfassung anch denjenigen, welche sich nicht zur lutherischen Landeskirche bekennen, die ihnen gebührende religiöse Freiheit zu Theil werde. Mußten bisher alle christlichen Ehen, und namentlich auch alle gemischten Ehen vor einem lutherischen Prediger geschlossen werden, um öffentlich'e Giltigkeit zu haben, so soll jetzt eine dahin abzielende Erklärung und Unterschrift vor dem Magistrat genügen; mußten bis jetzt alle Kinder aus gemischten Ehen von einem lutherischen Prediger getauft und lutherisch erzogen werden, so soll diese Art der Tause künftig nicht mehr nothwendig, sondern eine Eintragung in die Geburtsliste der Gemeinde hinreichend und demgemäß es auch gestattet seyn, von einem katholischen Priester die Kinder taufen zu lassen. Die religiöse Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen soll den Eltern freigestellt werden, so jedoch, daß sie vor Eingehung der Ehe sich darüber einigen und eine Erklärung abgeben. Nicht die sogenannte lutherische Confir- mation soll künftig mehr ven Austritt aus der Schule ermöglichen, sondern eine einfache Ausschreibung aus der Schule, oder ein Eramen. So ist doch wenigstens ein Anfang zur Freigebung der Kirche auch in Dänemark gemacht; freilich ist damit bisher noch wenig gewonnen, um so mehr, als die intoleranten dänischen Lutheraner überall Adressen gegen diese Religionsfreiheit bei der Regierung einreichen. Die Regierung aber zeigt sich gegenwärtig toleranter als das Volk. Notizen. Pfarrer Meinhold von der Insel Rügen, dessen dichterische Werke — namentlich die Bernsteinhere — vielseitiges Interesse erregten, lebt jetzt in Berlin, um zur katholischen Religion überzutreten. Sein Sohn thut denselben Schritt in Breslau, um dann daselbst katholische Theologie zu studiren. * 5 * Von den katholischen Instituten in der Stadt Berlin hat das der barmherzigen Schwestern eine wahre Popularität erlangt. Wegen der ganz besondern Vortrefflichkeit der Krankenanstalt haben sogar die Innungen Berlins die regelmäßige Aufnahme ihrer Kranken gerade in diese Anstalt nachgesucht; was freilich wegen der noch nicht entsprechenden Ausdehnung des Instituts nicht gewährt werden konnte. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.