CAfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ?ß»/n kjs-T US.' sv-L/vä» N!^^ , !lM'ls..^:'T' »'^inv/.^.s.'^'j zur Augsburger Postzeitung. 2. Februar M^- A. ^851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Päpstliches Breve an die Bischöfe der Schweiz. „Ehrwürdiger Bruder! Wir sind seit Langem von Schmerz durchdrungen und mischen Unsere Thränen mit den Enrigen, wenn Wir gedenken, wie in der Schweiz Tag für Tag der unbefleckten Braut Christi herbere und zahlreichere Wunden geschlagen und ein grausamer Krieg gegen Unsere hochheilige Religion in diesem Lande geführt wird. Eure Hirtentugend, der Eifer und die Sorgfalt, die Ihr inmitten so vieler Drangsale und Kümmernisse für das Heil der Euch anvertrauten Heerve an den Tag leget, die Ausdauer und Standhastigkeit, mit welcher Ihr die Sache GotteS und seiner heiligen Kirche vertheidiget, hat nicht wenig dazu beigetragen, den Kummer Unseres Herzens zu versüßen. Wir richten daher dieses Schreiben an Euch, um diesen großen, eines katholischen Bischofes so würdigen Hcldenmuth nach Verdienst zu beloben und Euch durch Unser Wort zu ermuntern, daß Ihr bei so vielen Gefahren, gestärkt durch den Herrn und ausgerüstet mit seiner schützenden Kraft, ausharret mit immer erneuertem Eifer im Kampfe für die gute Sache, in der Bewahrung Eurer geliebten Heerde vor der ihr drohenden Gefahr und in der eben so festen als klugen Vertheidigung der Rechte der Kirche. Ihr kennet die verschiedenen und mannigfachen Fallstricke, mit welchen verkehrte und hinterlistige Menschen Geist und Herz der Einfältigen zu betrügen und sie zu ihren falschen Rathschlägen zu verführen suchen, ja, wie sie selbst der Katholiken zur Ausführung ihres Vorhabens, nämlich zur gänzlichen Zerstörung der katholischen Kirche in Eurem Lande sich bedienen. Mahnet daher unablässig mit der ganzen Wachsamkeit, die Euch auszeichnet, die Eurer Sorgfalt anvertrauten Gläubigen, aus daß sie nicht in die ihnen von ihren Feinden gelegten Schlingen fallen und daß sie den trügerischen Verlockungen ihr Ohr selbst dann versagen, wenn sich dieselben mit einem Scheine von Frömmigkeit umgeben würden. Wecket den Muth Eures Klerus, auf daß er, inmitten der Bedrängnisse, der Müh» sale und Gefahren, seine Kraft in der Hilfe Gottes schöpfend, seinen kirchlichen Eifer ohne Unterlaß mehre und denselben verwende, das christliche Volk in der wahren Lehre zu unterrichten, eS zu unerschütterlichem Festhalten an den wahren Grundsätzen unserer Religion und der Beobachtung der katholischen Borschristen aufmuntere und ihm ans Herz lege, daß je größer die Vielfältigkeit der Leiden ist, um so glänzender und zahlreicher die Kronen seyn werden, welche Denjenigen, die einen so ruhmwürdigen Kampf bestehen, aufgewahrt sind. Seyd überzeugt, daß uns, nach Unserer apostolischen Pflicht, Nichts mehr am Herzen liegt, als allen Unsern Eifer zu Eurer und der Unterstützung Eurer ehrwürdigen Brüder, der Bischöfe der Schweiz, zu verwenden und mit Unserer ganzen Kraft dahin zu wirken, um die in der Kirche Eures Landes angerichteten Verwüstungen herzustellen. Unablässig, Tag und Nacht, beten und flehen wir in der Demuth 34 Unseres Herzens, der Gott der Erbarmnisse möge in der Unerschöpflichkeit seiner Güte einen gnädigen Blick auf die Schweiz werfen, damit die heilige Kirche, befreit von ihren gegenwärtigen Drangsalen, wieder aufblühe von Tag zu Tag mehr zu ihrer vollen Kraft und Wirksamkeit. Als Beweis Unserer innigen Zuneigung für Euch geben wir mit Liebe und auS der Tiese Unseres Herzens Euch und den Eurer Pflege anvertrauten geistlichen und weltlichen Gläubigen den apostolischen Segen, daS Unterpfand aller Geschenke von Oben." Hirtenbrief des Cardinal-Fürstbischofs von Breslau. Unterm 4. Nov. v. Js. hat Se. Eminenz der Cardinal Fürstbischof von Breslau nachfolgenden Hirtenbrief erlassen: Bei dem Eintritt in daS neue Kirchenjahr, meine Geliebten, begrüßet Euch Euer Bischof dießmal in einer neuen kirchlichen Würde. ES hat nämlich Er. Päpstlichen Heiligkeit, unserm obersten Hirten gefallen, in dem am 30. September dieses Jahres zu Rom abgehaltenen geheimen Konsistorium unter mehreren andern würdigen und in der Kirche hochgestellten Männern verschiedener Länder auch mich, einen der Geringsten seiner Mitarbeiter in diesen schweren drangvollen Tagen, zu der hohen Würde eines Cardinalpriesters der heiligen römischen Kirche zu erheben; und zugleich huldreich anzuordnen, daß ich, weil die vielen wichtigen und dringenden Geschäfte dieses großen Bisthums mir eine längere Abwesenheit außerhalb desselben nicht wohl gestatten, hier in meiner Kaihedralkirche, in Mitte meines Hochwürdigen DomcapitelS und Klerus und meiner versammelten Gläubigen, mit dem Abzeichen dieser neuen Würde durch die befreundete Hand Sr. Ercellenz des Hochwürdigsten Herrn Erzbi- schofes von Carthago und Apostolischen Nuntius am Kaiserlichen Hofe angethan werde. Diese Feierlichkeit ist am heutigen Tage vollzogen worden, und ich weiß diesen Ehrentag nicht würdiger zu beschließen, als indem ich durch dieses Hirtenschreiben meine Stimme zu Euch Allen erhebe, und wie ich es mündlich heute in der Kirche gethan, nun auch öffentlich vor aller Welt zuerst meinen ehrerbietigsten Dank aussprecbe Sr. Päpstlichen Heiligkeit für daS neue Zeichen des Wohlwollens und ehrenden Vertrauens, welches er mir durch diese seltene und unerwartete Erhebung offenbaret hat. Zwar weiß ich wohl, daß so große Ehre und Auszeichnung nicht meinem persönlichen Werthe und Verdienste, deren Unzulänglichkeit ich vor Gott erkenne, und vor Sr. Heiligkeit offen aber vergeblich betheuert habe, zuzuschreiben ist, sondern daß sie nach der weisen Absicht des heiligen Vaters der katholischen Bevölkerung und dem Ehrwürdigen KleruS dieser Lande überhaupt gelten solle, welchen Se. Heiligkeit, durch die Erhebung einiger Bischöfe auf die höchste Ehrenstufe der Kirche, ein weltkundiges Zeugniß der Anerkennung ihrer, in schwerer Zeit bewährten Glaubenstreue und einen seltenen Beweis väterlicher Liebe und hohen Vertrauens hat gewähren wollen Nicht minder hat der heilige Vater dadurch unserm gnädigsten Monarchen einen ehrenden Beweis anerkennenden Dankes geben wollen für den, seinen katholischen Unterthanen und ihrer geordneten kirchlichen Freiheit gewährten gerechten und wohlwollenden Schutz. Hierdurch erhält dann aber die Sache eine um so größere Bedeutung; und wenn Ihr Alle, mein? Geliebten, in der Erhöhung Eures Bischofes Euch geehrt, und Euren kirchlichen Sinn von Dem anerkannt und belohnt findet, der uns als der oberste Hirt von Gott gesetzt ist, so werdet Ihr auch Alle zum Danke mit mir Euch vereinigen, zu einem würdigen Danke, den wir nicht mit schönklingenden Worten, sondern vor Allem mit treuen und inbrünstigen täglichen Gebeten für daS Wohl unseres edeln, so schwer geprüften heiligen Vaters vor Gott bethätigen wollen. Und — heute am Altare vor dem hohen Abgesandten und Vertreter Sr. Heiligkeit hab' ich'S ausgesprochen und wiederhole es hier laut — eS ist unser heiliger Vater in seiner guten Meinung von den Katholiken dieser Lande nicht getäuscht worden. Denn katholisch sind sie, und wollen sie in Wahrheit seyn und bleiben, und darum 35 christkatholisch, d. h. gebaut auf Christum und gefestiget in Christo, dem Grundstein und Unterpfande unseres Heiles und alles HcileS; und Römischkatholisch, d. h. geeinigt in Glaube, Liebe und Gehorsam mit dem heiligen römischen Stuhle, dem Mittelpuncte der Einheit; und treu anhänglich und verbunden, wie die Glieder dem Haupte, dem heiligen Vater, Christi Stellvertreter in seiner Kirche, welcher ist Petrus, und Petri Pachfolger. Und wie dieß von den deutschen Katholiken'dieser Lande, so gilt eö auch in nicht minderem Grade von der ihnen beigemischten slavischen Bevölkerung, deren Eifer und Treue in Bewahrung ihres angestammten katholischen Glaubens und darum auch in Bewahrung ihrer Gemeinschaft mit dem heiligen römischen Stuhle weltbekannt ist und meines LobeS nicht bedarf. Weil nun diese innige Verbindung und Gemeinschaft das Zeichen und die Bedingung ist des katholischen Lebens, so kann die heutige Feierlichkeit, welche mich, den Hirten dieses weiten Sprengels und der darin wohnenden beiderlei Bevölkerungen, in die erhabene Genossenschaft der Cardinalpriester der heiligen römischen Kirche erhebt und so dem höchsten Kirchenoberhaupte noch näher stellt, sie kann, sage ich, in der weisen Absicht des heiligen VaterS nur dazu dienen, den katholischen Glauben und das katholische Leben dieser Lande zu bewährZn,' zu stärken und zu erfrischen; und wem, sie dieß wirklich durch Gotteö Gnade in unS Allen bewirkt, fo ist das gewiß der würdigste, gottgefälligste und auch dem heiligen Vater angenehmste Dank. Wohlbedacht aber und mit Absicht, meine Geliebten, spreche ich von katholischem Glauben und katholischem Leben. Denn eS gibt ja leider einen Glauben ohne Werke, ohne Liebe, den der Apostel einen todten Glauben nennt; einen katholischen Glauben, den ein unchristliches Leben Lügen straft; einen katholischen Glauben, der aussieht, als lebte er, und ist doch eine Leiche in übertünchten, Grabe, dessen Modergeruch ein Gräuel ist vor Gott. ES steht auf dem Acker der Kirche unter dem guten Weizen eine Menge Unkraut, daö der Herr mitwachsen läßt bis zum Tage der Ernte, wo eS inS Feuer geworfen wird. Also durch den bloßen Namen katholisch sind wir noch nicht gesichert; noch auch durch jenen falschen Glaubenseifer, der selbst den Pharisäern nicht fehlte, die sich als Abrahams Kinder rühmten, eS dem Fleische nach auch waren, und denen doch der Herr sagte: daß ihnen Abrahams Werke fehlten, daß sie des Teufels Kinder seyen; was sie bewiesen, da sie den Sohn Gottes an's Kreuz schlugen. Solcher aber kann auch unter uns noch geschehen; denn der Apostel Paulus spricht auch von entarteten, ihres Namens unwürdigen Christen, die ein jeder für sich den Sohn Gottes auf ein Neues kreuzigen und verspotten. Von Euch aber, Geliebteste, füge ich mit dem Apostel hinzu,, versehe ich mich eines Besseren und daß Ihr nahe dem Heile seyd, obgleich ich so rede. Denn Gott ist nicht ungerecht, daß er vergessen sollte Eures Thuns und Eurer Liebe, die Ihr gegen seinen Namen bewiesen habet, da Ihr den Heiligen dientet und dienet. Ja, meine geliebten katholischen Schlesier, Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als Ihr auf meinen Aufruf dem damals so schwer bedrängten, vertriebenen und seiner Hilfsmittel beraubten heiligen Vater Eure Liebesgaben darzubringen mit jedem andern katholischen Lande der Erde rühmlich wetteifertet. Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als HungerSnoth und Seuche einen Theil der Provinz heimsuchten, und Ihr Euch beeiltet, den Verschmachtenden rettend beizuspringen mit reichen Gaben und leiblicher Hilfeleistung. Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als ich Euch erst jüngst ermunternd aufrief, die Tausende von hinterlassenen Typhus'Waisen an Euren Familienherd aufzunehmen, und an ihnen Vater- und Mutterstelle um Christi willen zu vertreten, und als sogleich auch Tausende unter Euch um solchen Liebesdienst sich wetteifernd bewarben. Und Ihr, geliebte Oberschlesier, habet katholische Liebe und Selbstbeherrschung bewiesen, als Ihr vor mehreren Jahren auf den Weckruf Eurer eifrige» Seelsorger wie Ein Mann Euch heldcnmüthig aufrafftet, um die Sündenfessel einer, so Vielen zur andern Natur gewordenen Gewohnheit, deö Branntweintrinkenö, abzustreifen, 3K und als Ihr unter dem Schutze der heiligen Jungfrau Euch verpflichtetet, einem täuschenden Genusse zu entsagen, der so unwürdig des christlichen Namens, so verderblich für Seele und Leib, so zerrüttend für Euer ganzes Glück und Wohlseyn war. Die Welt staunte, als in einem Jahre Eure beldenmüthigc Enthaltsamkeit die Branntweinsteuer in Schlesien um eine halbe Million verminderte, und Euer edler König freute sich eines solchen Ausfalles in dem Staatseinkommen. Beharret denn in Eurem hochflnnigen Entschlüsse! Auch der heilige Vater, dessen bekümmertem Herzen ich die Kunde von Eurer schönen frommen Selbstüberwindung zu seinem Troste nicht vorenthalten habe, auch er blickt mit freudiger Theilnahme auf Euch und segnet Euch zum muthigen Beharren. Ihr Alle, geliebte katholische Schlesier, habet katholische Treue bewiesen, als Ihr vor mehreren Jahren der Lästerstimme des Hohnes und Spottes gegen Eure heilige Kirche, und der Stimme der Verlockung zum Abfalle von ihr, standhaft Gehör versagtet, und Euch dadurch nur zu neuer Belebung und Bewährung Eures kirchlichen Sinnes wecken und anspornen ließet. Und wiederum habet Ihr katholische Treue bewiesen, als Ihr vor nicht so langer Zeit, in den Tagen des politischen Schwindels und falschen Freiheitswahnes, nicht vergaßet, Gott waS GotteS, und dem Könige was des Königs ist, zu geben, eingedenk, daß wir katholische Christen der rechtmäßigen Obrigkeit nicht auS Furcht oder Augendienerei, also nur so lange sie stark und wachsam ist, gehorchen, sondern, um des Gewissens und um Gotteswilleu, auch in den schweren Tagen der Prüfung und Versuchung zu ihr stehen, wenn Unterthanentreue Opfer fordert und die Widersetzlichkeit ungestraft bleiben, der Treubruch wohl gar auf Beifall und Lohn hoffen darf. Ihr habet Eure katholische Gesinnung bewiesen und beweiset sie täglich, indem Ihr, in Mitte von Nebenmenschen und Mitbürgern verschiedenen Bekenntnisses lebend, bei aller treuen Anhänglichkeit an Euren Glauben und Eure Kirche, doch die christliche Liebe bewahret, welche alle Menschen ohne Unterschied umfaßt, und nach der ausdrücklichen Lehre des Herrn sich vor Allen gegen unsere Nächsten d. h. gegen diejenigen, in deren Mitte Gott uns gestellt hat, in Geduld, Mitleid und theilnehmender Hilfe offenbart, und, so viel an ihr ist,'den Frieden bewahret mit Jedermann. Ihr habet mir persönlich Eure ächtkatholische Gesinnung bewiesen, als Ihr vor nun fast sechs Jahren mich, den Euch unbekannten Fremdling, weil Eure berechtigten Wahlherren in rechtmäßiger Wahl mich erkoren und der heilige Vater iiese Wahl bestätigt und den Widerstrebenden im Gehorsam als Euren Bischof zu Euch gesendet hatte, mit aller Liebe und Freude und mit allein Vertrauen als von Gott gesendet unter Euch aufnähmet. Ihr habt mir Eure katholische Liebe uud Treue für Eure Kirche von da an fortdauernd und namentlich dann bewiesen, so oft Ihr mich und so oft Ihr meinen bischöflichen Stellvertreter auf unsern kirchlichen Amtsreisen mit Ehren- und Freudenbezeugungen weit über unser Wünschen und Erwarten willkommen hießet, und uns in rührender Weise mit Eurer beglückenden Liebe umgäbet. Ich allein habe in diesem Jahre mehr als fünfzig Tausenden von Euch, Alt und Jung, in Spendung des hei^ ligen Sacramentes der Firmung die segnende Hand auf das Haupt gelegt, und Auge in Auge aus fürbittendem Geiste einen weihenden Blick in ihre Seelen gesenkt bei dem heiligsten Acte der Firmung; und ich habe oftmals aus Euern gläubigen andächtigen Blicken eben so viel an Erbauung und nicht selten tiefer Rührung empfangen, als mir zu geben vergönnt gewesen seyn mag. Und Ihr, meine geliebten priesterlichen Mitbrüder, habet nicht bloß bei allen diesen kurz erwähnten Anlässen und Gelegenheiten Euere katholische Liebe und priesterliche Treue dadurch bewährt, daß ihr Euere anvertrauten Gemeinden zu solchen Kundgebungen ihrer kirchlichen Gesinnung durch Euer Wort anregtet unv durch Euer vorleuchtendes Beispiel ermuntertet, sondern vorzüglich dadurch, daß Ihr den ächten Glaubensgrund, aus welchem allein solche edle Früchte erwachsen, in den Herzen Eurer Anvertrauten mit aller Sorgfalt Pflegtet, und schon in die zarten Seelen der 37 Kinder mit treuer reiner Hand die göttlichen Keime einsenktet, welche unter dem Thaue der Gnade sich entfallend, das Himmelreich auf Erden: Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Liebe und Treue, fortpflanzen und dem ewigen Himmelreiche hoffnungsvoll entgegenreifen. Sehr Viele von Euch haben insbesondere ihren treuen kirchlichen Sinn auch ganz kürzlich dadurch bewährt, daß sie in großer Anzahl und so viel die Umstände eS gestatteten, an den mehrtägigen geistlichen Uebungen bereitwillig Theil nahmen, welche zur Erneuerung des priesterlichen SinneS, zur Wiedererweckung der ersten Liebe und Berufsbegeisterung so sehr geeignet, daher von der katholischen Kirche so hoch empfohlen, und gewiß auch dießmal an allen Theilnehmenden reich gesegnet gewesen sind. Alle diese Erweisungen Eurer katholischen Liebe und Treue, deren ich mich in und für Euch, wie der Apostel in seinen Corinthern, rühmen, und mit ihm mich freuen darf, daß ich mich in Allem auf Euch verlassen kann: sie sind eS ohne Zweifel, die mir eine so unverhoffte, seltene kirchliche Ehrenauszcichnung, wie die heut empfangene, eingetragen; und darum sage ich mit Wahrheit und aus inniger Ueberzeugung, daß dieselbe in der weisen huldreichen Absicht deS heiligen Vaters Euch Allen insgesammt gilt und gemeint ist. Ihr müsset alSdann aber und werdet mir auch helfen, sie würdig und ehrenvoll vor Gott und der Kirche zu tragen; damit sie nicht an mir und Euch zu Schanden werde. Und so möge denn daS Purpurgewand, womit ich heute bekleidet worden bin, durch die Gnade Dessen, der aus Liebe für uns sich in einem Purpurmantel hat verspotten lassen, ein rechtes Ehrenkleid für mein BiSthum und für mich selber werden! Es sinnbildet in seiner rothen Farbe die im Blute des LammeS gewaschene Stole, welche die Seligen kleidet, die da Macht erhalten zum Baume des LebenS und durch die Thore eingehen in die ewige Stadt. ES sinnbildet das Feuer der Liebe, welches Christus auf der Erde anzuzünden gekommen ist, und welches er am Pfingstfest auf seine Apostel herabgesendet hat, daß sie und ihre Nachfolger eS auf dem heiligen Opferaltarc der Kirche hüten und fortleuchten machen bis an's Ende der Tage. ES sinnbildet das Opferblut der Märtyrer, welches von dem Fortglühen dieses göttlichen LiebeSfeuers in der Kirche Zeugniß gibt durch alle Jahrhunderte hindurch, seit dem ersten Erzmartyrer Stephanuö bis herab zu dem ehrwürdigen Erzbischofe, der auf den Pariser Barricaden Die verheerende Glut des Bürgerkrieges mit seinem Blute zu löschen brannte. Zu gleicher Opferwilligkeit, Geliebte, wollen auch wir mit Gottes Gnade unS ermannen; dasselbe heilige Feuer wollen auch wir in unserer Brust, wir Priester vor Alle», treu hüten, vor dem Erlöschen und vor unreinem Qualm und Rauch bewahren, und durch das willig herzugetragene Kreuzholz der pflichttreuen Selbstverläugnung immer Heller anfachen, damit unS einst, nach überstandenem Kampfe, die Stole der Gerechtigkeit schmücke und uns der Lohn werde, den der Herr denen verheißen hat, die Ihn lieben. Bis dahin wollen wir mit unserer heiligen Kirche, und in diesen Tagen voll unseliger Verwirrung und banger Ahnvung inbrünstiger als je, zu dem Allmächtigen flehen: „O Gott, von dem allein kommt alles heilige Verlangen, alles rechte Beginnen, alles gerechte Thun: gib unS deinen Dienern jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinen Geboten ergeben, und nach Beteiligung aller feindlichen Schrecknisse, unsere Zeitläufe unter deinem Schutze ruhig seyen; durch Jesum Christum unsern Herrn! (Folgt die Fastenordnung für das kommende Kirchenjahr.) Wolfgang Menzel über die Missionen. (Fortsetzung.) Seit dem Anfange des Jahrhunderts hatte sich am Rheine eine liebliche und verhängnißvolle Erscheinung gezeigt, die Romantik als Vorbotin der kirchlichen Wieder- 38 geburt, eine zarte Fata Morgana, in deren zitternden Schimmern der Kölner Dom sich höher und höher ausbaute und in seiner Vollendung erblickt wurde. Aber diese Traumbilder verschwanden wieder vor dem Trommellärme Napoleon's. Erst lange nachher, als die Rheinlande preußisch geworden waren, kehrte die romantische Sehnsucht wieder und nahm auch gleich eine ganz praktische Richtung, indem man den Kölner Dom so materiell als möglich mit Steinen und Mörtel auszubauen unternahm. Allein andere Werkleute hatten indessen in der Stille den unterbrochenen Bau deS MittclalterS in anderer Weise fortgeführt und mit Recht der Sache selbst mehr Fleiß zugewendet, als ihrem Symbol. Es war die oft verschrieene Dummheit deS niedern Klerus und „gemeinen Volkes," die, .Allen unerwartet, aus ihrer bisherigen bescheidenen Stellung, in der man sie kaum mehr betrachtet hatte, in höhere Regionen aufstieg, die vornehmern Geistlichen, die Professoren, endlich den Erzbischof selbst inficirte und plötzlich ihre volle Berechtigung in der Gegenwart ansprach. So mächtig stieß der aus dem Grabe erwachte heilige Anno mir dem Bischofstabe auf die Erde, daß sie bis Memel zitterte. Zu Trier aber schaarte sich mehr als eine Million Wallfahrer um die Bischöfe und das Pannier deS heiligen RockeS, Alles in der deutschen Dummheit, zu nickt geringer Beschämung der neuen historischen Schule, die sich so sehr im verächtlichen Rückblicke auf angeblich längst überwundene Standpuncte gefiel und nie geglaubt hätte, daß jene Dummheit doch einmal andere Ansprüche machen würde, als sich aufklären und ihren Standpunct überwinden zu lassen. Anstatt mit ächt historischem Blicke anzuerkennen, daß es sich hier von keiner Dummheit, sondern von einem tiefen Volksgefühle und natürlichen Ausdruck eines nur zu lange verkannten Zeitbedürfuisseö handle, glaubten die Aufgeklärten, sogar Gervin us, daS angebliche Gespenst des Miltelalters mit den Plattituden eineö Ronge bannen zn können, und weissagten, die Strafe für die wiedcraufgelegte Dummheit werde sofort der gänzliche Untergang der römischen Kirche seyn, an deren Stelle der DeutschkaiholicismnS das goldene Zeitalter der Vernunft hereinführen werde. Aerger hat sich der anmaßliche Verstand wohl nie über kirchliche Dinge getäuscht. Ronge ist verschollen, als ein unfähiger Charlatan gebrandmarkt, seine Gemeinden verkümmern, während die alte Kirche immer majestätischer die kolossalen Umrisse ihrer verborgenen Macht erkennen läßt. Mitten in den Stürmen der letzten Jahre traten die katholischen Bischöfe Deutschlands in Würzburg zusammen und erließen eine Denkschrift, die ihren und der katholischen Kirche Beruf für die Zukunft in brennenden Zügen auf ein dunkles Blatt der Geschichte schreibt. Nur aus solchen Vorgängen erklärt sich die Freigebung der Kirche in Oesterreich, eine der größten, vielleicht die dauerhafteste Folge der Revolution von 1848. Von Seite des katholischen Volkes bezeugten drei große Vereine den religiösen und kirchlichen Eiftr. Der BorromäuSverein hat sich zum Zwecke gesetzt, die irreligiöse Presse zu bekämpfen und unschädlich zu machen durch Verbreitung guter Bücher. Der Vonifaciusvercin sorgt für die religiösen Bedürfnisse der in nicht katholischen Ländern zerstreuten Glaubensgenossen. Der PiuSvercin endlich arbeitet unablässig für die Freiheit der Kirche, für ihre möglichste Unabhängigkeit vom Staate. Der am meisten zu den Sinnen sprechende Triumph der katholischen Kirche liegt aber in den von so unermeßlicher Popularität belohnten Missionen in dem kurz zuvor noch so revolutionär aufgeregten Schwarzwalde, jene wunderbare Erhöhung des Kreuzeö auf den Schuppen des noch athmenden Drachen. Die Negierung hat nichts dazu gethan, sie, hat die Missionäre nicht einmal gern kommen sehen, ihnen vielmehr Schwierigkeiten gemacht. Das Volk hat sich daher ganz freiwillig der Autorität unterworfen, die auS dem frommen Munde der kaum dem Namen nach bekannten Apostel zu ihnen sprach. Wenn die Regierungen den Wink, der darin liegt, nicht verstünden, wären sie mit Blindheit geschlagen. Schon lange regte sich in Freiburg im Breisgau ein so guter bischöflicher Geist, daß eS kaum begreiflich ist, wie eS unter den frühern Regierungen in Karlsruhe hat können verkannt werden. Liebevoll, sittlich, duldsam, fruchtbar in Worten und Werken der 39 Versöhnung und des Friedens hat dieser wahrhaft christlich deutsche Geist des oberrheinischen Kirchenhirten und seiner Räthe jetzt erst die ihm gebührende Genugthuung in der reumüthigen nnd freiwilligen Buße der verführten Heeroe gefunden. Hätte man, anstatt mit dem Radikalismus zu liebäugeln, dem Erzbischof gefolgt, eS wäre im Oberlande nicht so weit gekommen. Auch anderwärts, auch auf rein protestantischem Gebiete, trifft frühere Regierungen der Borwurf, den Unglauben beschützt und die Gläubigen bedrückt zu haben. Regierungsrescripte waren es häufig, die sich zum Jubel der destructiven Partei zwischen das fromme Volk und seine Priester drängten und jenen conservativen Gesinnungen Hohn sprachen, welche sie um jeden Preis hätten ehren und Pflegen sollen. Ein guter Theil jener ältern absolut unklugen Rcgierungsmaaßregeln läßt sich zwar auf Rechnung juristischer Beschränktheit setzen und findet seine Erklärung in dem herkömmlichen, den meisten Juristen und Bureaukraten zur andern Natur gewordenen Facultätswiderwillen gegen Alles, was sie Pfaff uud Scbwarzrock heißen; allein die Regierungen sollten überall so viel höhern staatsmännischen Geist bewährt haben, um solche kleinliche Standpuncte tief unter sich zu lassen. (Schluß folgt.) Die erste deutsche Capelle in Paris. Am 8. December, dem Tage der Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria, wurde in Paris ein großes Fest gefeiert, nämlich die Einweihung der ersten deutschen Capelle in Paris. Es ist den angestrengten.Bestrebungen des Obern des „deutschen Werkes" gelungen, in so weit Geldmittel zu sammeln, daß die cit6 Lüsi-rguci gemiethet werden konnte. Der P. Chable wandte sich demnächst an die erzbischöfliche Behörde um die Erlaubniß, in diesem Gebäude eine vorläufige Kirche einzurichten. Er erhielt darauf folgendes Antwortschreiben: „Die nachgesuchte Erlaubniß, zuvörderst eine Capelle und später eine Kirche ausschließlich für die Deutschen im Mittelpuncte zwischen der kleinen Billette, Belleville, Faubourg St. Martin und La Chapelle, und zwar auf Ihre Kosten, durch fromme Beiträge und Subscriptioncn, die Sie erhalten können, errichten zu dürfen, ist Ihnen hiermit ertheilt. Seine erzbischöflichen Gnaden würden sich äußerst freuen, wenn dieß gute Werk so bald als möglich zur Ausführung käme, weil er sich lebhaft für die Deutschen seiner Diöcese interessirt. Paris, 30. Nov. 1850. Gez. Bautain, Generalvicar." — Ein anderes eigenhändiges Schreiben des Herrn Erzbischofs von Paris vom 6. Dec. 1850 beauftragt den Herrn P. Chable, „die neue deutsche, dem heil. Jos.ph und dem heil. Franciscus XaveriuS geweihte Capelle rue äe Ueaux Nr. 12 zu benediciren." So war denn der 8. December zu dieser Feier festgesetzt. Acht Tasie vorher war das Haus gemiethet, Arbeiter bestellt, um im ersten Stock einige Arbettssäle durch Einrcißcn der Zwischenmauern zu verbinden, und das Nöthigste zur Herstellung einer Capelle zu vollenden. Tag und Nacht ward gearbeitet, und am Vorabende des Festes war das bescheidene Gotteshaus fertig. Um 9 Uhr begann die Feier. Der P. Chable weihte die Capelle ein und hielt am Schluß im Wesentlichen folgende Anrede: „Jetzt seyd Ihr zu HausI Bisher konntet Ihr kein Plätzchen Euer eigen nennen, jetzt habt Ihr eine Wohnung. ES ist freilich einstweilen nur eine arme Werkstätte, wie die des heiligen Joseph, unter dessen Schutz ich sie stelle. Aber bedenkt, daß die tiefsten und ersten Anbetungen dem Heilande in einer solchen Werfftätte wurden. Es ist nur eine Hütte, wie die des heiligen Franz Xaver; aber diese Hütte verwandelte sich später in die prachtvollsten Kirchen, die dem Heiligen geweiht wurden. Aber was habt Ihr nun zu thun? Gott für seine Gabe zu danken. Und das thut Ihr, wenn Ihr fleißig zur Kirche kommt und eben so fleißig die Gebote GotteS und der Kirche befolgt." Darauf begann die Messe unter Begleitung der gewöhnlichen deutschen Meßlieder; und am Schluß wurde mit freudiger Begeisterung „Großer Gott, wir loben Dich" gesungen. Den Anwesenden theilte 40 der P. Chable eigens zu diesem Zwecke geprägte Medaillen auS, die auf der einen Seite daS Bild deS heiligen Joseph, auf der andern die Worte: „Deutscher JosephS- Verein zu Paris. 3. December 1850. 6it6 Llmi-r-mc!" enthalten. Die Gottesdienstordnung in dieser Capelle wird künftighin folgende seyn: 7 Uhr früh Messe, namentlich für die Kinder; 1V Uhr Messe, namentlich für die Erwachsenen, Predigt; 2 Uhr Nachmittags christlicher Unterricht; 4 Uhr deutsche Vesper, Predigt, Segen. Der Josephsverein, der der Anfang deS „deutschen Werkes" war, ist also wieder errichtet und wird ohne Zweifel nicht geringere Früchte, wie vor der Restauration, tragen. — Was die im selben Haus einzurichtenden Schulen und Krankenhaus betrifft, so ist bereits ein Brief aus Nancy eingetroffen, der die baldige Ankunft dreier deutscher Schwester aus dem Orden des heiligen Karl Borromäus, darunter eine aus Triers meldet. Der Anfang ist gemacht. Ein guter Fortgang hängt von der lebhaften Betheiligung unserer deutschen Mitbrüder in der Ferne ab. Was das Wichtigste ist, man sieht, daß diese Sache nicht ein frommer Wunsch , ein unpraktisches Vorhaben ist, sondern daß es ein fester Bau ist, wozu der erste Stein bereits gelegt ist, wozu nun aber Jeder nach Kräften beisteuern soll. (M. S.-Bl.) Oesterreichische Monarchie. Salzburg. Die jüngste Consistorialverordnung, in Betreff der Grundsätze bei Verzierung der Gotteshäuser, hat allgemeinen Anklang gefunden. ES ist in der That nichts Widerlicheres und die Andacht Störenderes, als wenn man in den Kirchen Schnitzwerke und Gemälde findet, die allen Regeln der Aesthetik widerstreiten. Wenn man auch die apostolische Einfachheit des katholischen Cultus, wie solche von gewissen Journalisten, deren Glaubensbekenntniß in der Regel auch höchst einfach klingt, nämlich: Nichts, bevorwortet wird, durchaus nicht will, so kann man doch mit der Ueberfüllung der Gotteshäuser uud deren geschmacklosen Ausstattung keineswegs einverstanden seyn. DaS Einfache, Erhabene und Kunstsinnige spricht jeden gebildeten Gläubigen wohlthätig an, erhebt ihn unwillkürlich zur Urquelle aller Schönheit, die uns in Christus ist geoffenbaret worden, den Ungebildeten aber soll man eben auf eine höhere Stufe zu heben suchen, waS gewiß zuerst dadurch geschieht, daß man ihm in der Kirche nur AesthetischeS vor Augen führt. Man hat sich daS Volk in der fraglichen Hinsicht auf einer zu niedern Stufe gedacht; gewiß selbst der roheste Mann greift eher zu dem Schönen und Natürlichen, als zu der unnatürlichen Caricatur. Die Schulconferenzen in Wien sind beendigt. Diese Berathungen, bei welchen alle Kronländer vertreten waren und der Minister selbst den Vorsitz führte, haben sich fast über alle Belange des Schulwesens verbreitet und gewähren alle Hoffnung eines segensreichen Erfolges. Die einberufenen Theilnehmer, die sich dabei sämmtlich als wirkliche praktische Schulmänner erwiesen, haben sich in allen Hauptsragen vereinigt. * » * Im st, 19. Jan. Die hiesigen barmherzigen Schwestern haben sich durch die uneigennützigste und anstrengendste Pflege des kranken Militärs besondere Verdienste erworben. Vor wenigen Tagen ist nun dem Institute sür diese menschenfreundlichen Leistungen die vollste Anerkennung von Seite des Herrn F.-M.-L. Militärcommandanten Frhr. v. Roßbach bekannt gegeben worden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlagö-Jichaber: F. C. K» ein er.