Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt «»»Mklip >>',-I N)l»lii!i?I n> l!^i!7? ^N'iliktj ^lüi>>) ^s,1 N??I/s,-U>>>?l liü^^lü^? >.jM N)ttvch1»ngi9 Muh cnu'Zi'^giminTiF ! sis>b7tIK -»^ ,»,ttN'! si? > .ll^nncit n»»IsSA't»Ä N7'^N!5 ?!« S'-?kl-U ^ü'^k ,G kilil'liylis/Z- 711? - jit'l-i^.jj.^II. II. !l sicll<( li . .:--.!^, n -l- ^ F» Februar /VT». ^_^___ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis M kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Das Kloster vom guten Hirten in Smyrna. tllitM.'Zliotlll'-^ ?>? mz?niA INI NOÄ hl lis.'Nz k M'isMÄ? n.7'.^Nc>^ ^sil MvN flUk 5 Durch freundliche Mittheilung sind wir in den Stand gesetzt, daS nachfolgende Schreiben aus Smyrna vom i. Der., welches die Frauen des Klosters vom guten Hirten daselbst an ihr Mutterkloster zu Angers gerichtet haben, in wortgetreuer Uebersetzung mitzutheilen. „Sehr geehrte und vielliebe Schwestern! DaS Gesetz Gottes, unser Institut und Ew. Liebden sind die Freuden unserer Seele und der Gegenstand unserer unaufhörlichen Gedanken. Eine große Entbehrung auch ist es für uns in dieser Verbannung, daß es so langer Zeit bedarf, bis wir die angenehmen Mittheilungen unserer viellieben Schwestern erhalten. Lasset euch die heißen und innigen Wünsche gefallen, welche wir sür das Gedeihen unseres theuren Klosters, für die Erhaltung unserer würdigen Mutter Priorin, und die Erfüllung des heiligen Verlangens einer jeder von Euch Lieben insbesondere hegen. Wir bitten Euch, gemeinsam mit uns dem Herrn zu danken für die Einrichtung dieses Klosters, welches am Feste des heiligen Ludwig von Gonzaga in einem der katholischen Stadtviertel von Smyrna ist gegründet worden; sein Hauptzweck ist die Loskaufung und Unterrichtung der Sclaven. Der Zustand gänzlicher Hilfslosigkeit, in welchem diese theuren Seelen sich befinden, verdiente es wohl, daß der Eifer unserer hochgeehrten Oberin ihnen Hilfe bringen hieß. Diejenigen, welche bereits das Glück hatten losgekauft und getauft zu werden, erfüllen uns mit Trost durch ihre glücklichen Anlagen; wir werden Euch Lieben alle die Einzelheiten vorführen, welche Euren Eifer für das Wohl so theurer Seelen in Anspruch nehmen können. In diesem Jahre sind sehr zahlreiche Flotten mit Negerinnen angekommen, deren 5 bis 6l)l) in einem einzigen Schiffe sich befanden; man hält sie in aufrechter Stellung aneinander gekettet auf dem Verdeck, und dergestalt zusammengepreßt und gedrängt, daß sie kaum zu athmen vermögen. Der Feuchtigkeit und dem Froste während der Nacht und der Sonnenhitze unter TagS während einer Fahrt von mehreren Wochen ausgesetzt, da der größte Theil von ihnen aus der großen Saharra-Wüste kommt, wo man sie Eilmärsche machen läßt, um die Küsten der Barbarei, den Ort der Einschiffung zu gewinnen: gelangen sie im kläglichsten Zustande Hieher, und haben keine andere Nahrung als ein wenig in Wasser gekochten Mehles, bis sie an die Türken verkauft werden. Aber ihre körperlichen Leiden sind nichts im Vergleich mit den Leiden der Seele und den Banden der Ruchlosigkeit, von denen sie umstrickt sind. Indessen hat die Liebe unseres göttlichen Hirten ihnen einen Zufluchtsort in seinem Herzen und in seinem Hause eröffnet, alle jene, die wir loszukaufen im Stande sind, werden die Siegeszeichen seiner Erbarmung. Ihre Zahl ist zwar sehr klein, weil wir keine andern Hilfsquellen haben als unserer Hände Arbeit und unser kleines Pensionat; wir setzen 42 aber unser Vertrauen auf die Vorsicht unseres guten Hirten, der da woht wissen wird, wann er die Hilfsauellen dieses Werkes erschließen werde, welches ganz Seiner Barmherzigkeit überlassen ist. Die erste Sclavin, welche wir sogleich bei unserer Ankunft auf Smyrna loszukaufen das Glück hatten, erhielt in der heiligen Taufe den Namen Euphrasia; ihre Frömmigkeit und ihre guten Eigenschaften haben die fromme Gemah. l!n deS sardinischen ConsulS bewogen, sie an Kindesstatt anzunehmen. Die zweite, Namens Josephina, wurde in unser Klöster zu Tripoli gesendet, als das kostbarste Geschenk, welches wir unsern Schwestern machen konnten. Die dritte, die Neophitin Irene, 10 bis 11 Jahre alt, hat ausgezeichnete natürliche Neigungen zur Sanftmuth und Gelehrigkeit, und Trieb in unserer heil. Religion sich zu unterrichten. Mehrere fromme Personen, aufgemuntert durch die glücklichen Fortschritte dieser theuern Kinder, haben deren vier losgekauft, die sie uns zum Unterricht anvertraut. Drei von ihnen haben bereits die heil. Taufe empfangen, die andere bereitet sich mit dem größten Verlangen dazu vor. Wir hoffen mit GotteS Gnade daS nächste Jahr eine reiche Ernte zu halten. Der Herr Erzbischof hat uns seinen väterlichen Schutz zugesagt und steht uns mit allen geistigen Mitteln bei. Sein Kanzler sitzt alle Freitage für die Gemeinde zur Beicht und unser Almosenier, welcher ein Zögling der Propaganda von Rom ist, hört jeden Donnerstag zwanzig von den Kindern der PenstonSanstalt zur Beicht. Ihrer sind achtzig in zwei Classen, darunter mehrere Griechinnen, Armenierinnen, Schismatische und Protestanten, welche wir dem Gebete Eurer Gemeinde empfehlen, auf daß sie durch die Güte unseres Herrn daS Licht erhalten, welches sie in den Schooß der wahren Kirche zurückführt. Der zeitliche Unterhalt unseres Klosters ist auf die göttliche Fürsorge und unsere Arbeit angewiesen. Unser Herr Erzbischof zahlt die Besoldung unseres AlmosenierS; der Verein zur Verbreitung des Glaubens hat uns 600 Francs geschickt, unsere Lotterie hat uns 700 Fr. eingetragen. Der Sultan hat unS bei seinem Besuch auf Smyrna ein Almosen von 100 Fr. gegeben. Ein wohlthätiger Priester hat uns eine Glocke, zwei Stücke Tuch, 10 Handtücher und einen Vorrath von Thee für unsere lieben Engländerinnen geschenkt. Herr Dr. 8. cis I^ills hat uns ein Geschenk gemacht mit einer Kiste guter Bücher, die uns von großem Nutzen sind in diesen ungläubigen Landen. Große Erdbeben, von monatlanger Dauer, haben in diesem Jahre alle Häuser beschädigt, AllcS war in Bestürzung; jeden Tag hatten wir zwei bis drei Stöße. Endlich ließ unser Herr sich erflehen durch die heißen Gebete seiner Diener, kein Unfall hat sich ereignet. Wir haben viel von der Hitze leiden müssen, welche unerträglich war. Unser HauS liegt ganz nahe am Meer; wir haben zwei Hauptgebäude, welche unter sich in Verbindung stehen; in dem einen ist unser Gesellschaftszimmer, das Refectorium, die Küche, das Leinwandzimmer und nette Zellen für die Klosterfrauen. Das andere ist für die Schulen; wir haben im Ganzen 15 Zimmer und einen kleinen Garten. Wir zahlen 1500 Francs Miethzins, und haben das Glück niemals ausgehen zu müssen, indem wir blvö durch einen großen Garten zu gehen haben, der unserm Hauseigenthümer gehört, um in eine dem Herrn Erzbischofe eigene Capelle zu gelangen; wir konnten bis jetzt noch keine eigene bauen. Wir sind bloß unserer fünf Ordensschwestern, unsere hochgeehrte Mutter, Maria von Jesu, Superiorin, unsere theure Schwester Maria Angelika von Kreuz, Assistentin, Maria von St. Bernard, Engländerin, Maria von St. Francis- cuS v. Sales, Jrländerin, Maria von St. FranciscuS v. Assisi, Italienerin. Indem wir daS Glück haben von ganzer Seele im heiligen Herzen Jesu zu seyn, empfehlen sich den frommen Gebeten Eurer Liebe zc. zc. die Frauen deS Klosters vom guten Hirten in Smyrna. _ -!"^ u-.-iM Ä^tM chi)Zj^Ä m- HWn ÄMl n-ÄkS vttldÜlpstP 7,>.':' ?!^'^> m^!>u-t> SZNIKV * Es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß man anfängt, die Nothwendigkeit der christlichen Sonntagsfeier öffentlich hervorzuheben. Im Octobcr vorigen JahreS erließen (nach dem Deutschen BolkSblatt vom 22. Oct.) mehrere Geistliche von Lud- 43 wigSburg eine Ansprache an die Gemeinden, worin sie zur fleißigen Sonntagsfeier, als einer Quelle großer Vortheile, aufmuntern, und alle einladen, zu diesem schönen Zwecke etwas beizutragen. In großartiger Weise ist dann in Frankreich durch den Grafen Montalembert, den großen Vorkämpfer des Katholicismus in jenem Lande, die Nothwendigkeit eines Gesetzes über die SonntagSfeier in der Nationalversammlung dargelegt worden. Die Heiligung des SonntageS ist kaum zu einer Zeit so mit Füßen getreten worden, wie in der gegenwärtigen. Und doch ist eS ein göttliches Gebot, welches von dem Herrn kräftigst ist eingeschärft worden. „Sehet zu, sagte Gott durch MoseS, daß ihr meinen Sabbat haltet; denn er ist ein Zeichen zwischen mir und zwischen euch in euern Geschlechtern, auf daß ihr wisset, daß ich der Herr bin, der euch heiliget." (Erod. 31, 13.) „Die Festtage sollt ihr nicht entheiligen," schreibt der heil. Ma» tyrer JgnatiuS an die Philippenser. Und der große Papst GregoriuS sagt: „Am Sonntage soll man von irdischer Arbeit abstehen und auf alle Weise im Gebete verharren, damit, wenn in 6 Tagen eine Nachlässigkeit begangen wird, dieselbe am Tage der Auferstehung deS Herrn durch Gebete gesühnt werve." Der Herr selbst legt auf die Beobachtung dieses Gebotes großes Gewicht und hat die Uebertreter desselben mit schwerer Straft bedroht. „Wer ihn (den Sabbat) entheiliget, der soll des TodeS seyn: wer an demselben ein Werk thut, dessen Seele soll ausgetilgt werden aus ihrem Volke." (Erod. 31, 14.) „Von denjenigen, sagt der heilige Augustin, welche, in allerlei Sorgen und Geschäfte verwickelt, dieses Gebot GotteS verachten, und der Betrachtung göttlicher Dinge keine Zeit schenken wollen, fürchte ich, daß ihnen der Herr, wenn sie beim künftigen Gerichte an seiner Thüre anklopfen und begehren werden, daß man sie ihnen öffne, alsdann zur Antwort geben werde: „„Wahrlich ich sage euch, ich kenne euch nicht. Weichet von mir ihr alle, die ihr Ungerechtigkeit ausübet."" Und die eS jetzt versäumen Gott zu suchen, werden alsdann von ihm verabscheut. Deßwegen, meine Brüder, soll es euch nicht beschwerlich fallen, an den Sonntagen und Festen der Heiligen dem Gottesdienste zu obliegen." O würde dieses Gebot immer gewissenhaft befolgt worden seyn, wir befänden uns gegenwärtig nicht in Zuständen, die in vieler Hinsicht beklagenSwcrth sind. Wie viel Gutes würde gewonnen, wie viel Böses verhindert, wenn diese Tage heilig begangen würden. So aber sind es gerade die Feiertage, an denen das Laster die meisten Siege über die menschliche Schwäche und Verkehrtheit davonträgt. So wird nicht bloß der Zweck des göttlichen Gebotes — Erhebung des Menschen zum Göttlichen — nicht erreicht, sondern gerade das Gegentheil davon häufig erzielt. Es ist also Zeit, daß man die Wichtigkeit dieses Gebotes erkenne. Diese Erkenntniß ist der Anfang zu bessern, glücklichern Zuständen. Die Vorsehung, welche AlleS lieblich anordnet, erweckt jetzt in verschiedener Weise den Gedanken an die würdige Feier der Festtage, und zeigt unS hierin ein Hauptmittel, um den sittlichen Gebrechen unserer Zeit abzuhelfen. Der Rohheit, der Unwissenheit, dem Unglauben und den hieraus entspringenden Lastern, wodurch sollte ihnen anders begegnet werden, als durch die andächtigen Gebete, frommen Uebungen und den christlichen Unterricht an den heiligen Tagen? ES möge daher dieser Punct der rechten Heiligung der Feiertage bei unsern ehrwürdigen Oberhirten alle Aufmerksamkeit finden. Es mögen alle Seelsorgsgeistlichen in ihren Gemeinden vorzüglich eine wahre und christliche Feier des SonntageS zu erzielen suchen, durch öftere Belehrung hierüber, durch erhebende Feier des Gottesdienstes, anziehende Verkündung des göttlichen Wortes, durch fleißige Spendung der heiligen Sucramente und passende NachmittagSandachten. Wahrlich ein Geistlicher würde seinen Beruf schlecht verstehen, der nicht begreift, daß der Sonntag der Tag des größten geistigen Gewinnes für die Gläubigen seyn kann, wenn man es an denselben an Eifer und Thätigkeit nicht fehlen läßt. Bekommen die Leute Geschmack und Freude an religiösen Uebungen, so wird der übermäßige Hang zu sinnlichen Lustbarkeiten bezähmt und vermindert, und damit 44 die Quelle vieler Uebel verstopft werden. Es wäre gut, wenn dieser Gegenstand von erfahrnen Männern besprochen, und namentlich auf Mittel hingewiesen würde, wie das Volk an heiligen Tagen am besten könnte beschäftigt und von dem Verderben abgehalten werden. Würdige Seelsorger könnten vielleicht aus dem Schatze ihrer Erfahrungen hierüber manchen heilsamen Wink geben. ES gibt gegenwärtig viele Vereine, würde nicht auch ein Verein zur Belebung der christlichen Sonntagsfeier an der Zeit seyn, oder dürften diese Gegenstände bei den schon bestehenden Vereinen nicht eine besondere Berücksichtigung finden? chn> a,Mch»k «ch jjt j> ««»a ii''U>^ ir.'!'lKS-n!'Ni,m ißi HM Wolfgang Menzel über die Missionen. (Schluß.) AuS dem nun folgenden Abschnitte über die protestantische sogenannte innere Mission dürften folgende allgemeine Bemerkungen auch für unsere Leser von Interesse seyn. Um die Bedeutung der inneren Misston, wie sie der edle Wichern ins Leben gerufen hat, richtig zu würdigen, ist erforderlich, daß man erwäge, welche Versuche, den christlichen Geist auf protestantischem Gebiete wieder mehr zu beleben, diesem jüngsten vorausgegangen sind. Wir wollen sie nicht weitläufig abhandeln, sondern nur kurz ihre Richtung bezeichnen. Seitdem der Geist der Theologie im Buchstaben abstarb, wurde die Orthodoxie überall mehr oder weniger von Aufklärung und Philosophie überwältigt, und bis in die neuere Zeit gelang es frömmeren Precigern und Seelsorgern niemals, die gesammte protestantische oder auch nur eine kleinere Landeskirche mit einem neuen christlichen Geiste zu durchdringen; sie sahen sich vielmehr genöthigt, sich in Secten abzusondern. Als die Union zu Stande kam, wurde sogar die altlutherische Kirche zur Secte heruntergebracht, sosern in ihr noch ein Rest alter Strenggläubigkeit sich nicht in der Union chemisch zersetzen lassen wollte. Allein innerhalb eben dieser Union selbst machte sich in dem Maaß, in welchem das confesstonelle Schiboleth nicht mehr so schwer ins Gewicht fiel, ein sehr achtbares Streben der Theologen bemerklich, das Interesse von dem konfessionellen Streitpuncte auf die allgemeinen christlichen Grundwahrheiten und auf praktisches Christenthum hinzulenken und den Kern christlicher Lehre, Gesinnung und That gegen die immer stürmischeren Angriffe der Philosophie zu vertheidigen. Leider hatten diese apologetischen Leistungen nicht den Vorzug einer lutherischen Kraftsprache. Ihre Gelehrsamkeit, ihre allzu feinen Distinctionen machten sie unpopulär. Der größere Theil der gebildeten Welt unr der Jugend ließ sich von der immer entschiedener antichristlich auftretenden Philosophie hinreißen, die in der schon längst heidnisch gewordenen und irrt jcdem unsittlichen Gelüste kokettirenden Poesie und zuletzt im politischen Radikalismus und Socialismus die mächtigsten und populärsten Bundesgenossen erhielt. Man darf nicht vergessen, in wessen Händen damals die Cult Ministerien und die höchsten Aufsichtsbehörden der Kirche und Schule sich befanden. Man muß sich der Männer erinnern, unter deren Auspickn die Hegel'sche Schule in Berlin und auf allen preußischen Universitäten, die Bauer-Strauß'sche in Tübingen zur herrschenden erhoben wurde, so wie in den kleinen Thüringischen Staaten des Einflusses, welchen Röhr und Bretschneider bei allen Anstellungen übten. Durch lange Uebung hatte sich in den niederen Schichten der protestantischen Gesellschaft ein geistloser Rationalismus eingenistet, der alles specifisch Christliche wie mit abstoßender magnetischer Kraft von sich hielt. An die Stelle des lebendigen ChristenthnmcS war eine dürftige Moral getreten, der Heiland der Welt war zum jüdischen Sokrates degradirt; von göttlicher Offenbarung wollte man nichts mehr wissen, nur noch von der Selbstbestimmung des Menschen durch seine Vernunft. Wer nicht mit diesem Strome schwamm, wurde als Pietist verhöhnt. Pietist hieß zuletzt Jeder, der noch 45 an die Gottheit Christi und an das offenbarte Wort glaubte. Ueber dieser rationali- strten Menge aber in den höheren Schichten der Bildung und Gelehrsamkeit wurde folgerecht der Haß gegen positives Christenthum noch entschiedener und systematischer. Je hoher die Gaben des Geistes, um so weniger kann er neutral bleiben. Er muß ganz für oder ganz wider Christum seyn, daher die antichristliche Strömung deS Geistes auf den deutschen Universitäten und in der deutschen Presse auf rcm von Hegel angebahnten Wege mit rapider Geschwindigkeit dem Abgrunde des Atheismus und Communismus zuführte. Die Lehre spitzte sich dahin zu, daß es keinen Gott gebe, als den Menschen, daß der Mensch sündeloS und zu jedem Genusse auf Erden berechtigt sey, und daß die Menschheit, als eine Republik von Göttern, sich künftig in die Genüsse theilen solle. Die Regierungen merkten endlich, ein wenig spät, daß die unter ihrem besonderen Schutze zu so großem Aufsehen gelangte Philosophie dem Staate selbst Gefahr drohe, und lenkten ein. In Preußen bewirkte zugleich die Thronveränderung, daß man sich entschieden für das christliche Princip erklärte, und nicht mehr -augenverdre- hendeS EyIertscheS Hofchristcnthum und Hegelsches Antichristenthum auS einer Tasche spielte. Allein das Ministerium Eichhorn konnte beim besten Willen nicht ans einmal die ganze Sachlage ändern. Es hatte eine unermeßliche Partei unter den Geistlichen wie Laien gegen sich, und die frommen Elemente im Volke selbst waren noch nicht so sehr wieder belebt und erstarkt, daß cS den Gegnern nicht hätte gelingen müssen, die ministerielle Frömmigkeit zu verdächtigen und ihr den Charakter einer Volkssache abzusprechen. Ueber den politischen Stürmen der letzten Jahre hat man die kirchlichen Bewegungen der kurz vorhergegangenen Periode fast schon wieder vergessen. Aber man muß an sie erinnern, wenn man die Bedeutung der Mission verstehen will. DaS Ministerium wurde verdächtigt, und die entschieden christliche Partei in der Theologie auf alle erdenkliche Weise verhöhnt und insultirt. Dieselbe Meute und Hatz gegen Hengstenbcrg in Beilin, wie gegen die Jesuiten in der Schweiz und gegen die frommen Waadtländcr. Es war damals eine Schrcckcnszeit für die kirchliche Partei. Die evangelische Geistlichkeit wetteiferte, ihren Abfall vom alten Glauben offen darzu- legen in Protesten, Adressen, Konferenzen, Beschlüssen von Provincialsynvden und Volksversammlungen. Auf der Synode zu Magdeburg erklärten am Schlüsse des JahreS 1844 nur drei Achtzehntheile der anwesenden Geistlichkeit sich »och für unbedingte Geltung der heiligen Schrift, cilf Achtjehnthcile für eine bedingte und vier für das Kriterium „deS in der Kirche lebenden Gottesgeistes." Dieser lebendige Got'eSgeist wurde aber in den „Halle'schen Jahrbüchern" und in den sogenannten Lichtversammlungen einfach als „das jedesmalige Zeitbewußtseyn" erklärt. Der Magistrat von Berlin hielt eine lange Rede an den König, deren kurzer Sinn war, es sey mit dem alten Christen- thumc aus und beginne jetzt die Religion des Zeitbewußtscyns oder deö allein göttlichen Volksgcistes, der in der Menschheit und ihrer hohen Bildung sich offenbarenden Vernunft, außer der eS nichts Göttliches gebe und bei der man den alten Gott gänzlich entbehren könne. Es wäre der Mühe wohl werth und sollte von der Mission unternommen werben, einmal allen Unsinn jener Jahre wie in einem Spiegel gedrängt zusammenzutragen, die Verhandlungen und Beschlüsse der Lichtfreunde, Freikirchler und Deulschkarholiken, das Wesentliche der Proteste und Adressen, Leitartikel und Streitschriften der Otto Wigand'schcn Presse in Leipzig, der Campe'schen in Hamburg, der Fröbel'schen in Zürich :c. Die Bewegung war weit ausgedehnt, von Königsberg, wo Rupp für die Protestanten werden wollte, waS Ronge für die Katholiken, bis zum Waadtlande, wo Drucy die gläubigen Prediger in Masse absetzte und auS dem Lande jagte, und Zürich, wo der selige Bürgermeister Hirzel dem großen Rathe feierlich verkündete: Was in ihrer guten Stadt durch die Reformation unv den großen Zwingli erwirkt worden, das sey im Begriffe, noch weit übertroffen zu werden durch den ungleich wichtigeren Fortschritt der Weltgeschichte aus dem Christenthum? heraus 46 zur Religion deS ZeitbewußtseynS unter der Bedingung des CultuS deS Genius und durch den eben nach Zürich berufenen vr. Strauß, mit dem die christliche Aera aufhören und eine neue beginnen werde. Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. *) (Fortsetzung.) 189. Trieb, natürlicher. Ein Anderes ist freiwillige Beistimmung, ein Anderes dagegen der natürliche Trieb. Der letztere ist unS gemein mit den unvernünftigen Geschöpfen, und er vermag nicht beizustimmen dem Geiste, wenn er von den Reizen deS Fleisches verwirrt wird. Indem wir Venseiben mit den Thieren gemein haben, unterscheidet unS die freiwillige Beistimmung von denselben. Denn die Beschaffenheit deö Geistes ist frei für sich, so daß sie nicht gezwungen und erpreßt wird. Sie ist Sache des Willens, nicht des Zwanges, und sie versagt und gibt sich Keinem, außer aus freiem Willen. Wird sie gegen ihren Willen gewaltsam angetrieben, so ist eS Gewalt, aber kein Wille. Wo aber kein Wille ist, da ist auch keine Zustimmung. Denn eS gibt keine Zustimmung, als eine freiwillige: wo also Zustimmung, da ist Wille. Wo aber ferner Wille ist, da ist auch Freiheit. 190. Tröstung. Die Weltmenschen haben einen eiteln Trost am Neberflusse irdischer Dinge: eitel ist auch nichts desto weniger die Trostlosigkeit beim Abgange derselben. Aber daS Evangelium, ein Spiegel der Wahrheit, schmeichelt Niemanden, verführt Keinen: als einen Solchen wird ein Jeder sich in demselben finden, wie er beschaffen ist, so daß er nicht zu zittern braucht, wo keine Furcht ist, aber auch sich nicht freuen kann, wenn er BöseS that. Vergebens erhebet ihr euch zur Betrachtung der Wohlthaten, welche euch ergötzen, wenn ihr nicht vorher das Licht deS Trostes empfanget über die Verzeihung der Sünden, welche euch beunruhigen. Die Kirche trösten nach Zeit und Ort ihrer Wanderschaft zwei Dinge. Ueber die Vergangenheit tröstet sie das Leiden Christi, wegen der Zukunft der Gedanke an daS Erbtheil der Heiligen und das Vertrauen auf Erlangung desselben. Durch diese beiden Trostgründe sieht sie gleichsam mit zwei Augen rückwärts und vorwärts, sie sind ihr unersättliches Verlangen, ihr Anblick ist äußerst lieblich, und sie sind für sie eine Zufluchtsstätte in Leiden und Schmerzen. Vollständig ist nur jener Trost, der nicht nur weiß, was er erwarten darf, sondern auch, worauf er diese Erwartung gründet. Freudig und unzweifelhaft ist jene Erwartung, die auf Christi Tod gegründet ist. 191. Trübsal. Die gegenwärtige Trübsal ist der Weg zum Leben, der Weg zur Herrlichkeit, der Weg zur Stadt und Wohnung Gottes, der Weg zum Reiche. Woher wissen wir, daß Gott in der Trübsal mit unS ist? Daraus, daß wir in der Trübsal selbst sind. Denn wer könnte ohne Ihn aushalten, wer könnte ohne Ihn bestehen? Wann aber werden wir bei Ihm seyn? Wann .wir entrückt werden in Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft, und so immerfort bei.dem Herrn seyn werden." Die Trübsal ist nützlich, welche Bewährung bewirkt und zur Herrlichkeit führt. ') Wir verweisen auf den vorigen Jahrgang. 47 „Haltet eS für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet." Denn die Trübsal ist eine nothwendige Sache, die in Herrlichkeit, und die Traurigkeit, die in Freude verwandelt wird. Wahrhaft eine lange Freude, weil sie Niemand uns nehmen wird, eine vielfache Freude, eine v>Xl- ständige Freude. Die Noth ist ein größeres Gut, als das Wohlleben. Beide vergehen schnell, daS letztere hat Strafe, die erstere eine Krone zu erwarten. Ein nothwendiges Ding ist die Noth, welche eine Krone bringt. Freuen wir uns in der Trübsal, denn in ihr ist die Hoffnung auf Herrlichkeit wie im Samen die Erwartung der Frucht. Auf diese Weise, wenn nur daS Reich Gottes in unS ist, befindet sich ein ungeheurer Schatz in gebrechlichem Gefäße, in einem geringen Acker. Er ist vorhanden, sage ich, aber er ist verborgen: die Herrlichkeit ist verborgen und versteckt für uns in der Trübsal. „Ich bin bei ihm in der Trübsal," spricht Gott, und ich soll indessen etwas Anderes suchen, als Trübsal? „Mir aber ist Gott anhangen gut." „Nahe ist der Herr denen, die betrübten Herzens sind." Er steigt herab, damit Er in der Trübsal bei uns sey. Gut ist es mir, o Herr, Trübsal zu leiden, wenn nur du bei mir bist, und besser, als herrschen ohne dich, als köstlich speisen ohne dich, als sich rühmen ohne dich. Besser ist es in der Trübsal dich umfangen, dich bei mir im Feuerofen zu haben, als ohne dich sogar im Himmel zu seyn. DaS Gold prüft der Ofen, und gerechte Männer die Anfechtung der Trübsal. Dort, dort bist du mit ihnen, o Herr, und bist in der Mitte der in deinem Namen Versammelten. Was zittern, waö zaudern wir, warum fliehen wir diesen Ofen? Das Feuer wüthet, aber mit uns ist der Herr in der Trübsal. „Wenn Gott uiit uns ist, wer ist dann wider uns?" Wo eigene Flecken sind, wird auch mit Recht eigene Reinigung gefordert, und wenn daS Vergehen vielfach ist, muß auch die Trübsal vielfach seyn. Denn woher kommt die Trübsal, als vom Widerstande gegen die Sünde, als vom Kampfe des Gewissens? Denn wie viele Reize der Leib, wie viele Vergnügungen die Welt hat, so viele Trübsale leidet, so viele Anfechtungen hält aus ein gerechter Mann. Und wie Einer, der nach dem Fleische wandelt, und die Sinnenlust hoch anrechnet, so wird auch Jeder, der im Geiste auszusäen verlangt die Dörner und Disteln, welche die eigene Erde dem Fluche gemäß trägt, dieselben mehr auszurotten, als zu verbreiten sich bestreben. „In meinem Elend habe ich mich bekehrt, während der Stachel in mir haftete." Gleichwie der Arzt nicht nur der Salbe, sondern auch des Feuers und EisenS sich bedient, womit er Alles, waS bei der Heilung der Wunde überflüssig heraus- wächst, wegbrennt und wegschneidet, damit er die Gesundheit, welche aus der Salbe hervorkommt, nicht verhindere, so verordnet auch der Arzt der Seelen, Gott, für eine solche Seele Anfechtungen, schickt ihr Leiden, wodurch sie heimgesucht und gedemüthiget wird, verwandelt ihre Freute in Trauer, und läßt sie seine Offenbarung für Täuschung halten. 192. Tugend.. im« 5Mlkl ./ -! 'N U'iollUf«. -.>.!- >,i «ils,>-,..'M^) «iliistV Vergeblich strebt nach der Höhe des Ruhmes, wer sich nicht vorher ausgezeichnet hat durch Tugend. Denn was ist daS für Ruhm ohne Tugend? Er kommt wahrlich unverdient, wird voreilig geheuchelt, mit Gefahr angenommen. Der wahre Ruhm ist allein der, welcher mit Recht verdient und mit Sicherheit ertheilt wird. Groß und selten ist die Tugend, damit du, obwohl du Großes thuest, nicht wissest, daß du groß seyest, und deine Heiligkeit dir allein verborgen sey, wenn sie gleich Allen bekannt ist. Daß du wunderbar erscheinest, und dich für verächtlich haltest, das halte ich für ein größeres Wunder, als deine Tugenden. Umsonst arbeitet Jemand in der Erwerbung der Tugenden, wenn er sie anderswoher hoffen zu können glaubt, als vom Herrn der Tugenden, dessen Lehre eine Pflanzschule der Klugheit, dessen Barmherzigkeit ein Werk der Gerechtigkeit, dessen Leben ein Spiegel der Mäßigkeit, dessen Tod ein Zeichen der Tapferkeit ist. 48 Die Tugend hält sich in Mitte der Laster Ein Geschenk Gottes ist die Tugend und unter seine besten Gaben zu rechnen. Die Tugend ist anverwandt mit der Weisheit. Doch haben sie nicht Eine und dieselbe Wirkung auf die Seele, sondern sie richten sich nach den verschiedenen Bedürfnissen derselben als verschiedene Theilnehmerinnen daran. Nach diesem Grundsatze ist eS etwas anders für die Seele, von der Tugend bewegt, und wieder etwas anderes, von der Weisheit geleitet zu werden: etwas anderes in der Tugend herrschen, und wieder etwas anderes in der Annehmlichkeit sich ergötzen. Denn die Lebenskraft weiSt auf die Tugend, die Gefälligkeit der Seele auf Weisheit hin, die mit geistiger Annehmlichkeit verbunden ist. Daher ist stehen, widerstehen, Gewalt mit Gewalt vertreiben, waS zu den Geschäften der Tugend gehört, zwar eine Ehre, aber eine Mühe. Denn eS ist nicht Ein und dasselbe die Ehre mühsam vertheidigen und sie ruhig besitzen. Es ist nicht Eines, von der Tugend getrieben zu werden, und die Tugend zu genießen. Was die Tugend sich erarbeitet, daS ordnet die W«isheit. Die Weisheit überlegt, mäßiget, die Tugend führt auS. „Weisheit schreibe in der Ruhe," sagt ein ein Weiser. Also ist die Ruhe der Weisheit ihre Geschäftigkeit, und je ruhiger die Weisheit ist, desto mehr Uebung hat sie nach ihrer Art. Jbr gegenüber ist die geübte Tugend berühmter und bewährter, je pflichtgetreuer sie ist. Und wenn Jemand die Weisheit Liebe zur Tugend nennt, scheint er mir nicht von der Wahrheit abzuirren. Talent, Kunst, Verstand und andere dergleichen Dinge erlangt man umsonst, anders aber die Tugend, Denn die Tugend will mit Demuth erlernt, mit Mühe gesucht, mit Liebe behalten werden Denn da sie aller dieser Dinge werth ist, so kann sie nicht anders erlernt, gesucht und erhalten werden. Tapferkeit oder Starkmuth ist nothwendig gegen die Versuchungen zur Sünde, damit wir dem brüllenden Löwen tapfer im Glauben widerstehen und seine feurigen Pfeile mit diesem Schilde männlich aushalten. Gerechtigkeit ist nöthig, damit wir Gutes thun. Klugheit ist nothwendig, damit wir mit den thörichten Jungfrauen nicht verworfen werden. Mäßigkeit endlich ist nöthig, damit wir uns den Wollüsten nicht hingeben. „Schrecklich ist Gott in seinen Rathschlägen über die Menschenkinder." Aber wann Er schrecklich ist, so wird Er auch barmherzig gefunden, da er die Art deS künftigen Gerichtes nicht verbirgt. Eine Seele, welche sündiget, soll sterben. Der Zweig, der nicht Frucht bringt, wird abgehauen. Die Jungfrau, welche kein Oel hat, wird von der Hochzeit ausgeschlossen. Und wer Gutes empfangen hat in diesem Leben, wird im ewigen gepeiniget. Wie, wenn es sich zufällig träfe, daß bei einem Jeden derselben diese vier Dinge sich vorfinden, das wäre wahrhaft die äußerste Verzweiflung! Görlitz (in Schlesien). Am Weihnachts-Heiligen-Abend v. I. langte von Sr. Majestät dem Könige Ludwig von Bayern eine schöne, die katholische Gemeinde Hierselbst hocherfreuende Weihnachtsgabe an, welche für die hiesige neue im Bau begriffene katholische Kirche bestimmt ist. Auf Verwendung Sr. Eminenz unseres hochwürdigsten Herrn CardinalS und Fürstbischofs hatte Se. Majestät gnädigst versprochen, für die neue Kirche das Altarblatt zu schenken. Dieses königliche Geschenk, Christus am Kreuze darstellend, kam nun am Abende vor Weihnachten hier an und erregt bei Allen, die es zu sehen Gelegenheit haben, um seines hohen KunstwertheS willen ungemeineS Wohlgefallen. Die katholische Gemeinde aber wird nimmer deS Dankes vergessen, den sie dem hohen Geschenkgeber dafür schuldet. (Schi. K.-Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er. Görlitz.