X Eilfter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PoMtung. 16. Februar M'- U. 1851. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis kr., wofür es durch alle kö'nigl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Der Pillsverein in Luxemburg an Cardinal Wiseman. Luxemburg. Der hiesige Piusvereii? hat in einer überaus zahlreichen Versammlung folgende Adresse an den Cardinal Wiseman beschlossen: Eminenz! Wenn die Mitglieder des Piusvereines zu Luxemburg von der Erhebung Ew. Eminenz zur Würde eines Erzbischofs von Westminster und zum Cardinal der Römischen Kirche eine Veranlassung nehmen, ihre Freude über dieses glückliche Ereignis) auszudrücken, und insbesondere Ew. Eminenz zu beglückwünschen, so bedürfen sie in Hochdero Augen wohl keiner Entschuldigung. Denn die Umstände, worunter diese Erhebung stattgefunden hat, sind so außerordentlich, daß die Theilnahme aller Katholiken durch sie im höchsten Grade in Anspruch genommen wird. Unsere Frende über die Wiedererrichtung der bischöflichen Sitze in England ist um so größer, je tiefer insbesondere wir Katholiken Deutschlands das herbe Mißgeschick, das seit 300 Jahren auf der Kirche Englands lastete, mitempfunden haben. Ja, es hat unS immer einen unaussprechlichen Schmerz bereitet, wenn wir auf die Verwaisung und Verödung der Kirche Britanniens hinblickten; wenn wir daran gedachten, wie ein Volk, das einst der Kirche Gottes so viele Heilige, der Sache der Religion so viele muthige Streiter geliefert hatte, seit so langer Zeit von dem Mntterbuscn der Kirche losgerissen, und in Schisma und Ketzerei versunken sey. Wohl gab es zur Zeit in England noch Solche, die sich Bischöfe nannten; aber der heilige AugustinuS, der den christlichen Glauben vor so vieleu Jahrhunderten daselbst gepredigt hat, der heil. Anselmus und der heilige Thomas würden in diesen nicht mehr ihre Genossen erkennen; sie würden jede Gemeinschaft mit ihnen als einen Abfall von der Kirche der Apostel vermeiden und fliehen. Einst kamen zu uns nach Deutschland aus Britannien die Glaubensboten, die uns in der Lehre des Heiles unterrichteten. Der heilige Vonifacius, den wir dankbar als den Apostel unsers Vaterlandes verehren, kam ja von England zu uns herüber. Wir haben den Glauben, den er uns verkündete, unverändert bewahrt; aber die, welche in England seit 300 Jahren sich Bischöse genannt haben, kannten den heiligen BonifaciuS und seine Lehre nicht mehr. Dieser hat die gläubige Heerde in Deutschland dem obersten Hirten zugeführt, zu dem Christus der Herr gesprochen hat: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe", und wir erblicken noch heut zu Tage in der Gemeinschaft uuserer Hirten mit diesem Stellvertreter Christi auf Erden ein sicheres Merkmal, daß wir zu der wahren Heerde des Erlösers gehören: jene aber gehen .jetzt ihre eigenen Wege, und der oberste Hirte, der aus Erden Christi Stelle vertritt, erkennet sie nicht mehr an als wahre Hirten und Nachfolger der Apostel. Der heilige Vonifacius hat endlich in den deutschen Länder» überall die Altäre de? wahren Gotteö aufgerichtet, auf denen das Opfer des neuen Bundes dargebracht werden sollte. Bei uns stehen diese Altäre noch, und wir 50 preisen Gott, daß unter uns in Mitten einer gläubigen Christenheit das hochheilige Opfer, das ja nach der Verheißung Gottes vom Anfgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange dargebracht werden soll, noch alltäglich wie zur Zeit des heil. BonifaciuS gefeiert wird. Jene aber habe«, von neuer Irrlehre bethört, die Altäre des neuen Bundes verlassen; sie haben sich von den Quellen des Heiles entfernt, und sich selbst neue Brunnen gegraben, die kein Wasser zu halten vermögen Gerade deßhalb nun, weil das Band, daS Deutschland an die Kirche von England knüpfte, so enge war, fühlten wir uns ganz insbesondere durch die Verwaisung und Verödung von diesem schönen Theile des Weinberges Christi so schmerzlich berührt, so hart mit betroffen. Wir sahen uns selbst verwundet, weil diejenigen ihre Treue gegen die Kirche Christi gebrochen hatten, die uns zuerst Treue gegen Gott und seine heilige Kirche gelehrt. Cin gewisses Gefühl von Unbehaglichkeit und Unsicherheit hatte sich unser bemächtigt, seitdem diejenigen nicht mehr mit uns waren, die, als Stammgenossen so enge mit uns verwandt, früher so oft in den heiligsten Bestrebungen unsere Freunde, und in der Gefahr unsere Bundesgenossen gewesen waren. Seit lange waren wir von der Neberzeugung durchdrungen, daß ein vollkommener Sieg des katholischen Glaubens in Deutschland Und im Norden überhaupt nicht so bald gehofft werden dürfe, so lange nicht in dem Reiche, von wo aus das Licht des Christenthumes zu uns gebracht worden ist, die Kirche eine heimathliche Stätte wiedergefunden hätte. Mit um so größerer Theilnahme haben wir darum immer die Kämpfe und Drangsale beobachtet, wodurch die kleine ihrem katholischen Glauben treugcblicbcne Heerde in England seit Jahrhunderten ist heimgesucht worden. Von allen Seiten von der Macht ihrer übermüthigen Feinde umgeben und fast erdrückt, ist diese muthige Schaar doch nicht erlegen. Oftmals sogar am Leben bedroht, mit dem Verluste ihrer zeitlichen Güter bestraft, und lange Zeit hindurch ihres Bürgerrechtes beraubt, haben diese treuen Söhne des heil. Augustinus und Anselmus den Verlust alles Zeitlichen für Nichts geachtet gegen die Erhaltung und Rettung ihres heiligen Glaubens. Um so dankbarer preisen wir jetzt unsern Gott, daß Er eine so rührende Standhaftigkeit und Treue so herrlich belohnt hat. Die kleine Heerde ist allmälig wieder gewachsen und zu einer großen Zahl von Gläubigen erstarkt, und min endlich ist auch der Zeitpunct gekommen, wo in England wieder rechtmäßige Nachfolger der Apostel die seit fast 300 Jahren ununterbrochene Reihenfolge der Bischöfe fortsetzen. Die Kirche von England ist wieder als eine ebenbürtige Tochter eingefügt in den Bund der christlichen Völker, und nach langer, schmerzlicher Vereinsamung ist der Wittwenschleier wieder von ihrem Angesichte weggenommen. Darüber jubeln und freuen sich alle christlichen Herzen, und dankbar beugen wir unsere Kniee vor Dem, der in der Wiedererhebung des Einen Volkes allen christlichen Völkern eine so große Freude bereitet hat. Allein wir können nicht verhehlen, daß in die große Freude, womit bei der Nachricht von der Wiedererrichtung der Biöthümer in England ganz insbesondere die Katholiken Deutschlands erfüllt wurden, sich bei uns Luxemburgern ein eigenthümliches Gefühl des Schmerzes und der Wehmuth einmischt. Auch unserm Lande ward daö Licht deS Glaubens von Britannien aus gebracht. Der heilige Willibrordus kam von dort zu uns herüber, und in einer Kirche unseres Landes bewahren wir seine heiligen Reliquien als ein kostbares Unterpfand deS himmlischen Segens. Wir haben den Schatz deS Glaubens treu bewahrt, und uie konnte Schisma oder Ketzerei Raum gewinnen auf diesem durch den heiligen Willibrordus geheiligten Boden. Und dennoch ist die gläubige Heerde hicsclbst ohne einen Bischof. In ganz Deutschland ist kein Ländchen noch so klein, wenn anders die katholische Religion nicht gewaltsam unterdrückt wird, wo nicht die kirchlichen Verhältnisse durch feierliche Verträge mit Rom geordnet wären, und wo nicht rechtmäßige Bischöfe die Heerde der Gläubigen weideten: aber bei uns hat man kein Concordat, bei uns läßt man nicht zu, daß ein Nachfolger der Apostel den Hirtenstab führe; man behandelt Luxemburg als das Land einer Mission, und wendet ans dasselbe Gesetze an, die nie und nimmer auf uns Anwendung finden dürften. Ja, selbst der apostolische Vicar, der dieser Mission mit 51 so großem Segen vorstand, ein Mann mit apostolischen Tugenden und großen Verdiensten geschmückt, wurde uns nicht gegönnt. Er wurde auf den Betrieb einiger weniger Feinde der Religion von hier verdrängt, und seit fast drei Jahren weinet ein ganzes Volk um ihn die Thränen der Verwaisung. Verzeihen Ew. Eminenz, daß wir in die Bezeugung unserer Freude über daS Glück unserer katholischen Brüder in England die Erinnerung an unsern eigenen Schmerz mit eingemischt haben. Wir wußten ja, welche Theilnahme Sie der Angelegenheit der Kirche bei uns widmen, und mit welcher Liebe Sie bei der Einweihung der St. Georgskirche zu London Denjenigen ausgezeichnet haben, über dessen lange Entfernung von uuS eine gläubige Heerde von fast 200,000 Seelen trauert. Nchmeu Sie darum gnädig und wohlwollend den Ausdruck unserer innigsten Verehrung und dankbaren Liebe, und unserer heißesten Glückwünsche für sich und für die ganze katholische Kirche in England an, und ertheilen Sie allen Mitgliedern des Piusvereinö und dem ganzen katholischen Volke von Luremburg Ihren heiligen Segen. Luremburg, in der Octave des Festes der Epiphanie 1851. Cincinnati. Tod des Pater AccursiuS Gärtner. (Aus einem Schreiben ?es Missionärs P, Marimllian Gärtner, t)i-c!, Pr-Künonst,, «lä. Sac Prairie, Wisconsin, 4. Ort. 185«.) ........Laut meiuem letzten Briefe an Dich hegte ich die frohe Hoffnung, binnen kurzem den lieben Bruder AccursiuS hier zu St. Norbert begrüßen zu können, nnd mit ihm über tausend interessante Angelegenheiten zu sprechen, da er die Voranstalten zu seinem neuen Ansitze bei Cincinnati traf. Samstag Nachmittags am 4. Scpl, erhielt lch auf einem Gang zu Kranken im Städtchen Jefferson auch die Zeitung von Cincinnati, „Wahrheitöfrcund" genannt. Ich blätterte darin, da siel inciu Auge auf Trauerlinicn und ich las, zitternd an Hand und Herz: „Am 2. dieß starb hier der hochwürdige Pater AccursiuS Gärtucr nach kurzem Krankenlager, versehen mit den heiligen Sacramcnten, ergeben in den göttlichen Willen, zu dessen Ehre und Verherrlichung zu arbeiten er seit drei Monaten in diese Stadt gekommen war. GotteS Vorsehung war mit dem guten Willen zufrieden. Der Verstorbene war geboren zn Hciterwang in Tirol am 26. Sept. 1805. Er trat jung in den Franciöcanerorden, arbeitete als OrdcnSpriester theils als Professor des Gymnasiums, und später als Katechet in Neutte mehrere Jahre, bis er endlich von seinen Obern die Sendung nach Amerika erhielt, um sowohl als Missionär, als auch für die Ordenöangelegenheiten zu wirken. Gottes Wille jedoch ordnete es anders. Friede seiner Asche!" Was mußte der Eindruck dieser Nachricht seyn auf mein so hoffnungsvolles, jetzt fast hoffnungsloses Herz. Der Schlag kam wie eiu Wetterstrahl aus heiterm Himmel. Zermalmt im Innern, schwankte ich nach der armseligen Blockkirche der Mission und kniete am Altare nieder . . . nach und nach träufelte das Seufzen und Beten einen milden Trost von Oben in das Gemüth, und die Hand griff nach dein Breviere, um am Fuße des Altars andächtig die ^ommomltitiv mn'irmk: zu entrichten. Heimkehrend von den Berufsgcschäften — Ende derselben Woche — lag bereits ein Brief aus Cincinnati auf meinem Pulte, der die nähern Umstände über des seligen Bruders Krankheit nnd Hinscheiden beschrieb. Bald nach dem Besuche der Stadt fühlte er leichte Fieberschauer; dessen ungeachtet machte er Nachmittag den nämlichen Gang znr Stadt, weil Einkäufe für die Kirche drängten; aber Abends stellte sich große Ermattung , ein. Am andern Morgen las er schon um 5 Uhr die heil.' Messe, erschien jedoch nicht zum Frühstück, weßhalb die Mitbrüder in ihn drangen den Arzt zu Rath zu ziehen. Um 2 Uhr kam ein Arzt, seine Mittel bewirkten auf vier Tage einige Besserung. Am 2. Sept. aber verschlimmerte sich der Zustand. Der Beichtvater erschien. AccursiuS beichtete getrost und glaubte sogar mit der heil. Commum'on 52 bis zum nächsten Morgen zögern zu dürfen. Aber zusehends entschwand der Athem. Man brachte ihm die heilige Wegzehrung, spendete ihm die heilige Oelung und gab ihm die apostolische Absolution, bei deren Schluß er ruhig und sanft die Seele im Kreise seiner Mitbrüder aushauchte, in deren Mitte ihn Gott vor kurzem erst geführt hatte, um für sie nach den harten BerufSmühen eine stille Ruhezelle zu bauen, wozu ihn seine Emsigkeit zu Reutte hinlänglich befähigt zeigte. Der liebe Gott ordnete nicht nach der Menschen Gedanken und rief den Baumeister zu sich ... . In Betreff der weiter» Vorgänge mit der theuren Leiche schließe ich Dir den Bericht des Wahrheitsfrcundes bei. Er lautet: „Die vorige Nummer des „Wahrheits- sreundeö" erwähnte in einer kurzen Notiz den Tod des hochwürdigen Pater AccursiuS Gärtner auS dem Orden des heil. Franciscus, das Leichenbegäugniß fand am zweiten Tag nach seinem Hinscheiden, am 4. Sept. von dem Pfarrhause der St. Johannes- Kirche aus statt. Es war die erste Tvdtenfeier eines deutschen Priesters, die je m Cincinnati begangen, und so hatten sich denn anch die Amtsbrüder von fast der ganzen Stadt zusammengefunden, um dem in ihrer Mitte zuletzt Angekommenen das letzte Geleite und die letzte Ehre zu erweisen, Es that dem Schreiber dieser Zeilen ungc- mein wohl, als er nach alter deutscher Sitte die Hülle des Verstorbenen am Tage vor seiner Beerdigung in priesterlicher Kleidung auf einem „Paradebett" im Sprach- zimmer der St. Johannes-Pfarrei ausgestellt sah — wie auf einem zu den Häuptern deS im ewigen Schlafe da Ruhenden ein kleiner Altar sich erhob, ans welchem das Sinnbild und Werkzeug der höchsten Priestergewalt, der Opferkelch, die erhabene Würde des Dahingeschiedenen anzeigte. Die violette Farbe des priesterlichen Ornates, wie sie daö römische Ritnal zur Bekleidung eines Priesters im Sarge vorschreibt, war eine heilsame Mahnung für die am Leben Zurückgebliebenen, sür den Verstorbenen eifrige Gebete zum hohen Priester im Himmel emporzuschicken, daß die allenfallsigc Bußzeit im ReinigungSorte abgekürzt, und die Trauer wegen der noch nicht erfolgten Reinigung mit Gott bald in die vollste Freude der ewigen Herrlichkeit möchte verwandelt werden. Das thaten denn anch die Priester, als sie sich anschickten, die Leiche anS dem Pfarrhause in die Kirche zum Trauergottesbienst hinüber zn tragen. Der hochw. Herr Gcneralvicar und Pfarrer der St. Pauluskirche, Joseph Ferue- diug, segnete den Verblichenen unter Assistenz der hochw. Herren Jakob Wood als Diacon, und I. H. LüerS als Subdiacon im Tranerhause ein, worauf der Leichcn- zug auf der Ostseite der Kirche sich entwickelte, und unter Absingung des Psalmes „Miserere" sich zum Gotteshause hinbewegte. Sechs Priester trugen den Sarg, die andern anwesenden Geistlichen (die Priester im Chorrock und Stole) gingen demselben voraus, und die Vorsteher der Kirche begleiteten im Namen der Gemeinde die Leiche zn beiden Seiten. Alle trugen brennende Kerzen in ihren Händen. In der Kirche wnrde der „Todtenbaum" wieder auf einem Katafalk aufgepflanzt und ein feierliches Requiem vom hochw. Herrn P. Supcrior der Tiroler-Franciscaner in Nordamerika, P. Wilhelm Unterth jener, unter Assistenz oben genannter Leviten begonnen. Nach dem Libera und der Absingung der dabei vorgeschriebenen Kirchengcbcte vom hochwürdigen Herrn Gcneralvicar Ferneding, hielt P. Wilhelm Gärtner vom Altare aus eine ergreifende Leichenrede, welche auf die im Presbytern»» versammelten Priester nicht weniger tiefen Eindruck machte, als auf die von allen Kirchen Cincinnati's zusammengeströmten Gläubigen. Das schwere Gericht, daS einem Priester nach seinem Tode bevorsteht, die schweren Verantwortlichkeiten, die ein Priester bei seiner heiligen Weihe übernimmt, die mühesamen Pflichten, die ein Priester zu erfüllen hat, wareil für die katholischen Laien AneifernugSpnucte genug, um das Loos der Priester nicht zu erschweren, sondern so viel als möglich zn erleichtern, und für selbe bei ihren Lebzeiten, wie nach ihrem Tode fleißig zu beten. Nach der Predigt führte der Säuger- chor unter Leitung des Hrn. Klausmeyer eine passende Cantate recht erbaulich auf Der Todtenwagen und die Leichenbeglciter waren gerade weggefahren um die irci- schcn Ueberreste des Pater AccursiuS nach dem St. Johannes-Gottesacker (über eine Stunde Weges von der Stadt entfernt) zu bringen, da brachte in Eile ein eifriger 53 und dienstwilliger Katholik dem Ceremonienmeister dieser Leichcnfeierlichkeit, dem hoch- würdigen Herrn Hammer von der St. Marien-Kirche, die erfreuliche Nachricht, daß eben ein fremder Bischof (angeblich von Cleveland) im Pfarrhause angekommen sey. Der hochwürdige Ceremouienmeistcr stieg schnell auS und eilte zum „Wiedcu" zurück, wo er sich gleich überzeugte, daß es nicht der Bischof von Cleveland, sondern der Bischof von Charleston (in Süd-Carolina) sey, der auf seiner Reise nach seinem frühern Wirkungskreise (LouiSville in Kentuky) einige Stunden verweilte und mehr zufällig zur St. Johannes-Kirche gekommen war. Der Prälat zögerte nicht lange, den Bitten des Leiters des Begräbnisses Gehör zu geben, und die, Leiche des deutschen Priesters mit seiner Begleitung zu beehren. Derselbe hatte auch die Güte, freilich ohne Jnfnl und Stab, nur im geborgten Talare eines WeltpriesterS und im Chorrock und Stole, vom Thore des Gottesackers das Begräbniß selbst zn halten und beim Grabe die Kirchcngebete abzusingen. Auch die Auspflanzung deS Grabes-KreuzcS aus die zugeworfene frische Erde nahm er (nach dem Brirener Rituale) gefälligst au. Vom Thore des Gottesackers bis zum Grabe hatten wieder sechs Priester auf ihren Schultern ihren entschlafenen Mitbruder zu seiner letzten Ruhestätte gebracht, die beim Hauptkreuz auf dem Kirchhof zum Begräbnißplatze der deutschen Priester von den Gemeinden Cincinnatis auserlesen wurde, welche das Grundstück ankauften, und ganz altchristlich die Priester auch nach ihrem Tove noch ehren wollten. „So schläft der gute Priester im Grabe mit seinem Gesichte zum Kreuze deS Kirchhofes gewendet, während er noch einige Tage zuvor seinen Blick und sein Herz auf den Platz, nur einen Steinwurf von dem Kirchhof entfernt, gerichtet halte, der zur St. ClemenSkircke geweiht und zu einem FranciScanerkloster bestimmt ist, und nun hinter dem Entschlafenen liegt. So sind die Wege der göttlichen Vorsehung I Während der fromme und gebildete, aber im Aeußern selber anspruchslose Pater einen Plan zu einem Klöfterchen ganz eifrig zeichnete, hatte der Herr über Leben und Tod ihm bereits eine Zelle im himmlischen Konvente auSersehen, von wo alle irdischen Sorgen und Müheu ausgeschlossen und alle Prüfungen und Leiden weit außerhalb der Klausur sind, und am Tage des großen Heiligen Rosa von Viterbo, aus dem zweiten Orden deS heil. Franciscus, wurde ein Priester auS dem ersten Orden des seraphischen Vaters von seinen Brüdern aus dem schönen Gebirgsland Tirol nebst vielen Brüdern und Schwestern aus dem dritten Orden als die erste Immortelle ans dem großen Garten des heiligen Mönches von Assisi in die noch lange nicht genug geheiligte Erde der Vereinigten Staaten von Nordamerika gebracht. Der Herr lasse ihn ruhen in Frieden! „Für die Leser dieser Zeilen wird es vielleicht interessant seyn, die Allgemeinheit der katholischen Kirche, in ver Verschiedenheit der Abstammung der Geistlichen und doch liebevollste» Einheit, anch bei eben beschriebener Begräbniß zu bewunder»: Anwesend waren: Der hochwürdigste Bischof von Charleston aus Amerika: Jgnaz AloiS Reynolds; ferner die hochwürdigen Herren: Joseph Ferneding, G.-V. und Pfarrer bei der St., Pauluskirche, aus Oldenburg; Petcr Kröger, Pfr. bei der St. Pauluskirche, aus Westfalen; Clemens Hammer, Pfr. bei der St. Marienkirche, auS Böhmen; Wilhelm DeiterS, Pfr. bei der St. Marienkirche, aus Westfalen; Heinrich Ridder, Pfr. bei der heiligen Drcifaltigkeitskirche, aus Oldenburg; Andreas Stephan, Pfr. bei der heiligen Dreifaltigkeitskirche, aus Baden; I. H. Luers, Pfr. bei der St. Josephskirche, auS Oldenburg; Michael Herzog, Pfr. von Zäncsville in Ohio, aus der Schweiz; Beruard Hcngehold, Pfr. 5ei der St. Philomenakirche, auS Hannover; Mathias Dcselacrs, Pfr. bei der St. Michaelskirche, aus dem Geldernlande; Stephan Badin, Jnbilarpricstcr und Patriarch unter den lebenden Missionären in Nordamerika, aus Frankreich; Jakob Wood, Pfr. an der Kathedrale von Cincinnati, aus England; Jakob Cahil, Pfr. an der Kathedrale von Cincinnati, ans Irland; R. I. Lawrence, Pfr. an der Kathedrale von Cincinnati, aus Amerika; P. Karl DriSkoll, Pfr. an der St. Xavierskirche, aus Belgien; P. D. Kenny, Pfr. an der St. Xavierskirche, aus Irland; P. Fr. X. Wippern, Professor am XavierScollegium, 54 aus Hannover; P. Joseph PatschowSki, Pfr. in Ncwport, aus Schlesien; Peter Hartlaub, Pfr. in Covington, auS Bayern; Wilhelm Untcrthiencr, Pfr. an der St. JohanncSkirche, aus Tirol; P. Evinund Etschmann, desgleichen; P. Pirmiu Eberhard, desgleichen; P. Sigmund Koch, desgleichen; die Laienbrüder Amadäus und Jakob, aus Tirol; endlich Bruder Amadäus Mariens, Kleriker des Franciscancr- Ordenö, auS Westfalen; P. Kladiwv B. Joachimovallensis, beauftragter Berichterstatter." In der That feierlicher und erbaulicher hätte das Begräbniß kaum sonst irgendwo stattfinden können, und eS heischte von mir heilige Pflicht, den sämmtlichen Thcilneh- mern meinen und auch Euren Dank öffentlich auszusvrcchen. Du frägst vielleicht, ob Accursiuö in seineu letzten Stunden nicht auch unser gedacht habe.' Der Bericht des P. Evinund, deS nemlichen, der dort bei Euch mit mir vor 4 Jahren Abschied an der Eisenbahn nahm, lautet hierüber also: „meine Lieben der Familie allzumal sollen Erben seyn meiner — geringen Verdienste, die ich etwa durch freiwilligen Gehorsam und treue Hingabe in den heiligen Beruf mir erworben habe." WaS bliebe uns Besseres? was heilsamer und erfreulicher für Zeit und Ewigkeit? Doch schrieb ich nach Cincinnati um einige kleine Andenken aus dem sonst werlhlosen HauSrathe des seligen Bruders, damit ich den troftbedürftigen lieben Schwestern und nächsten Verwandten Balsam der Liebe auf die Herzwunde legen könnte... Vermuthlich kommt dieser Brief zunächst den beiden lieben Nichten zu Handen, und sie lesen zuerst die unerwartete Botschaft, — statt Thränen, meine Lieben! opfert ein recht herzliches Gebet dem Heiland in der wunderbaren heiligen Brodsgestalt, und flehet zu seiner benedeiten Mutter, daß sie Trösterin aller Betrübten sey, und daß Alle einst, wen» der Herr will, nach dem Abschied vom Thräncnthale mit ihr uud ihrem göttlichen Sohne und mit allen Heiligen GotteS der ewigen Seligkeit sich ersrencn mögen..... Blume» ans dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 193. U e b e r s l u ß. Fülle und Uebcrfluß am Zeitlichen bewirkt Vergessenheit und Mangel des Ewigen. Gleichwie zeitliche Glücköumstände einen thörichten Weltmenschcn tödten können, so kann auch der Uebcrfluß an geistlichem Glücke einen ungelchrten GcisteSmenschcn tödten, der also in so ferne kein GeisteSmcnsch ist. 194. U e b e r t r e t u n g. Christus hat für die Nebcrtreter, nicht aber für die Verächter deS Gesetzes gebeten. Denn nicht Ein und dasselbe ist: nicht gehorchen wollen und nicht gehorche». Dieses kommt manchmal her von Irrthum »uv Schwachheit, jenes aber ist ein Zeichen einer hassenswcrthcn Hartnäckigkeit und einer nicht zu duldenden Widerspenstigkeit. Sie widersteht nnv kämpft gegen den heiligen Geist und wird zur Gotteslästerung, die weder in diesem noch in jenem Leben verziehen wird, wenn sie fortdauert bis zum Tode. Nicht also eine jede Uebcrtretung irgend eines Gebotes enthält tödtlichen Ungehorsam, sondern das Widerstreben, das Nichtgehorchcn wollen. 195. e b u n g. Der Bauer hat starke Nerven, feste Schultern, und dieß macht die Uebung. Laß ihn müßig gehen, und er verweichlicht. Der Wille macht den Gebrauch, der Gebrauch die Uebuug, die Uebung gibt Kräfte zn jeder Arbeit. 196. U m g a n g. Keine geringe Ehre ist es für die Tugend, wenn sie unter Bösen gut lebt, und unter Verdorbenen den Glanz der Unschuld beibchält und die Sanftmuth der Sitten: 55 noch mehr aber ist es, mit denen friedlich zu seyn, die den Frieden hassen, und sich den Feinden als Freuud zu beweisen. Unter denen, mit welchen du lebest, folge den Besseren. In jedem Stande ist oft daS Beste mit dem Schlechtesten vermischt. Willst du Fortschritte machen, so schaue nicht darauf, was Andere BöseS thun, sondern was du Gutes thun willst. 197. Undank. Eine verderbliche Sache ist der Undank, ein Feind der Gnade, ein Gegner des Heiles. Ich sage euch, daß nach meinem Dafürhalte« nichts so sehr Gott mißfällt, als der Undank. Er verriegelt der Gnade den Eingang, und wo er ist, dort findet sich die Gnade nicht ein. Glücklich aber derjenige, der für jedes Gnadengeschenk dankbar ist! Er bereitet der Gnade einen Platz und verdient immer größere Gnaden. Der Undank allein hindert am meisten uns an den. Fortschreiten in der Tugend. 193. Ungehorsam. Jesus hat sür Alle gelebt Und ist für Alle gestorben. Wie kann aber Einer für Gott leben, wenn er keine Nächstenliebe hat? Wie kann der für Gott leben, der sein Gesetz nicht erfüllt und sein Gebot nicht beobachtet? Der Gott Ungehorsame lebt nicht sür Gott, er liebt nicht seinen Gott. Des Ungehorsams Mutter ist der Stolz. 199. U n g e st r a f t h e i t. Die Ungestraftheit ist ein Kind der Sorglosigkeit, die Mutter der Anmassung, die Wurzel der Schamlosigkeit, die Säugamme der Sünden. Die Sünden der Untergebenen fallen auf Niemanden mehr, als auf träge und nachlässige Vorgesetzte. 200. U n k e u s ch h e i t. Die Unkeuschheit regiert in Vielen vielfach, welche dem Urheber der Reinigkeit mit unreinem Herzen und Leibe dienen, und nicht fürchten den Engel des Herrn, der sie in Stücke zerhauen und zu Grunde richten wird, sondern cS sogar wagen, daS heilige Fleisch des unbefleckten Lammes zu berühren und ihre ruchlosen Hände zu tauchen in daS Blut des Erlösers..... So geht man zu deis Altären, so zum Psalmengesange, da doch das Lob Gottes aus dem Munde eines Solchen verworfen und sein Gebet zur Sünde wird. Sie gehen mit diesem Schmutz ein in das Heiligthum deS lebendigen GotteS und mit diesem Schmutze wohnen sie dort, den heiligen Tempel Gottes verunreinigend. Ein vielfaches Gericht wird über sie ergehen, weil sie bei solchen Vorwürfen des Gewissens sich eindrangen in das Heiligthum Gottes. Denn Solche besänftigen Goit nicht, sondern erzürnen Ihn, machen Ihn sich abgeneigt, und'ich fürchte, auch Denen: für die sie Ihn gnädig stimmen sollten. O wenn doch Diejenigen, welche sich nicht enthalten können, nicht so verwegen Vollkommenheit geloben würden oder dem ehelosen Stand sich hinzugeben sich scheuen würden! Es wäre ohne Zweifel sür sie besser gewesen, zu heirathen, als Brunst zu leiden, und auf einer niedern Stufe des gläubigen Volkes gerettet zu werden, als aus der Höhe des PriesterthnmS schlecht zu leben und strenger gerichtet zu werden. Deun Viele scheinen ihre Freiheit, in der sie gerufen wurden, zur Gelegenheit der Fleischeslust zu machen, indem sie sich von der Ehe als Gegenmittel enthalten, und dann in alle Schandthaten ausarten. 201. Untergebene. ES ist ein Zeichen einer klcinlichtcn und niedrigen Seele, von den Untergebenen keine Fortschritte zu fordern, sondern nur den eigenen Gewinn zu suchen. 5,6 202. Unterwerfung. Ich weiß zwar, daß ein jedes Geschöpf, es mag wollen oder nicht, dem Schöpfer unterworfen sey. Aber von einem verständigen Geschöpfe wird freiwillige Unterwerfung erwartet, daß es freiwillig dem Herrn opfere. Aber diese Unterwerfung muß eine dreifache seyn, daß wir das, was gewiß ist, daß es Gott wolle, wir ebenfalls ganz und gar wollen, nnd daß wir das, wovon eS gewiß ist, daß eS Gott nicht wolle, auf gleiche Weise verabscheuen. WaS aber ungewiß ist, ob Er eS wolle oder nicht, sollen auch wir nicht ganz wollen, aber auch nicht ganz nicht wollen. Hier in dieser Mitte liegt die Gefahr für OrdenSpcrsonen, indem wir nnS unglücklicher Weise schmeicheln und uns selbst verführen. Daher kommt es, daß wir uns vorstellen, den Willen des Herrn zu suchen, da wir doch sowohl den unsern thun als auch eine Entschuldigung über die Unwissenheit haben wollen. 203. Unwissenheit. Die böse Mutter Unwissenheit hat zwei böse Töchter, nämlich die Falschheit nnd die Zweifelhastigkeit. Jene ist elender, diese bcdauernSwerther, jene verderblicher, diese noch besser. Wenn der Geist redet, weichen beide. Vom Unwissenden wird man nichts wissen, er mag nun entweder von sich oder von Gott nichts wissen. Beides ist strafbare Unwissenheit, beides hinreichend zum Verderben. Schweiz. Der Observateur de Genöve entwirft folgende traurige Schilderung über die Lage der Katholiken in diesem Lande: „Die Freiheit der katholischen Kanzel ist in den Kantonen Freiburg, Graubündten, Waadt nnd St. Gallen vernichtet oder gehemmt. Die Freiheit der geistlichen Wirksamkeit ist durch die ungeheuersten Eingriffe des Staats in die Rechte der Kirche in den Kantonen Freibnrg, Waadt, Lnzern, St. Gallen, Graubündten ganz aufgehoben oder doch geschmälert. Die Civil- oder gemischte Ehe, welche durch Bundesgesetz geheiligt ist, bringt in die Ordnung der christlichen Familien ein Element, welches den Glauben der Eheleute und die christliche Erziehung der Kinder zerstört. Die amikatholische Presse überschreitet alle Schranken des Rechtes, ver Oeffentlichkeit und der Erörterung und verbreitet täglich gehässige Verleumdungen gegen die katholischen Priester und die Lehren der katholischen Kirche. Die Heiligkeit des Eideö wird entweihet und erniedrigt durch Vorschriften, welche die Freiheit tödten und der Religion zuwider sind. Die Erziehung der Jugend ist ganz in den Händen des Staats; die Familie, die Gemeinde, die Religion sind ihrer Rechte beraubt und der Unterricht wird unter Einflößung von Lehrern, welche eben so antichristlich als antisocial sind, von Lehrern geleitet, welche Männer der Regierung und Männer der geheimen Gesellschaften sind. Die Güter der Kirche sind ihren rechtmäßigen Besitzern durch Einführung eines StaatöcommuniS- muS entrissen, der nur darauf wartet, sich auch auf das Eigenthum der Einzelnen stürzen zn können. DaS Petitionsrecht der Katholiken wird nicht anerkannt, man spottet darüber nnd macht Jagd darauf. Das Hospiz des heil. Bernard ist beraubt. Und im Kanton Freiburg ist der Bischof verbannt, das Seminar geschlossen, die Pfarrer abgesetzt oder in die Verbannung geschickt, die Kirchengüter sind verkauft, die Feste abgeschafft, die Kanzel geknebelt, die OrdenSgcistlichen verjagt, ihre Güter verschleudert. . . ." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er-